Iranische Frauen protestieren gegen Claudia Roth January 27, 2015 | 12:11 am

Beruehmt und bekannt ist inzwischen die iranische Kampagne “My Steathy Freedom“. Auf Facebook praesentieren sich dort trotz aller Repression Iranerinnen ohne Kopftuch und erklaeren, welche Freiheit es fuer sie bedeutet, ihre Haare frei zu tragen.

Und diese Kampagne nun protestiert gegen Claudia Roths Auftritte bei Holocaustleugnern und Botschaftsbesetzerinnen, immer brav mit Kopftuch, das sie so selbstverstaendlich traegt wie ihre Begleiterin von der CSU:

An Appeal to the female vice-president of the German Parliament and all female politicians:

These days Tehran has been hosting ?European politicians and parliamentarians. Here are some of the photos of the recent visit of Claudia Roth, the vice-president of the German Parliament, accompanied by the Foreign minister and First Deputy Prime Minister of Croatia, Vesna Pusi?.

As a community of women from this website [My Stealthy Freedoms], we would like to announce that we are happy that Iran maintains friendly relations with European nations. However, we are requesting the attention of every single one of those female politicians travelling to Iran: Please talk to our rulers with regards to the compulsory hijab that you yourselves had to wear as well during your recent visit. Is it really too much to ask of you to talk to our rulers with respect to this compulsory hijab that Iranian women have been forced to wear and then to report to us on the reactions of the government officials?

Dear Claudia Roth and dear Vesna Pusi?,

I’d like to address you and every single non-Iranian female politician visiting Iran – we have a simple request: When the officials of our country travel to your countries, they want you to respect their Islamic values. They conveniently avoid attending the receptions that you organise on the pretext that alcohol is being served. If that is the case, why don’t you ask them to respect our human values, which is the freedom to choice?

If you are assuming that compulsory hijab is the law in Iran, then do you know that the officials of our country are not even willing to comply with the compulsory rules of some of the Western embassies situated in Iran? One of these rules is the idea of submitting a photo without hijab for women when they apply for a visa. Although obligation has been made by the embassies of Western governments in Iran with a view to properly identifying female visa applicants, the Iranian government bans women from submitting photos without hijab to Western embassies.

Did you hear that recently there was a demonstration that took place in front of the French Embassy in Iran with regards to the French Government’s aforementioned policy of issuing visas to female visitors? The demonstrators were protesting against the fact that the French government had such a requirement from female Iranian visa applicants. Can you see that this kind of protest (i.e., when you protest in support of hijab) is free and not repressed by the government of Iran? Then, why don’t you protest against the law that obliges you to wear the hijab during your official visit?

Dear female politicians travelling to Iran:

For more than than thirty years our questions have been censored in Iran’s national media outlets. For more than thirty years it has been forbidden even for journalists and reporters to broach the questions with regards to hijab. However, you must have heard from the various media outlets of your own countries about the Facebook page called “My Stealthy Freedoms” and you must have found out that many women in Iran are overtly protesting against the compulsory hijab in Iran. Many women in Iran want their voices to be heard by the government officials of their own country. These are women who should be entitled to the freedom of choice when it comes to deciding what to wear and they do not want this right to remain stealthy for the rest of their lives.

We are pleading with you to bring up this subject during your conversations with the Iranian officials. Please ask them the following question: Can you hear the voices of dissent from Iranian women who do not want their freedom to be stealthy?

Please also ask them how long more Iranian women will be obliged to wear the compulsory hijab and how long more Iran will convince every single female politician like you travelling to this country to wear the hijab. Please also ask them, wouldn’t they [the Iranian officials] protest if in countries like Germany, France, Italy, Croatia, Spain, and many other countries where the rule of law reigns, women were stripped of the right to wear the hijab? Please do not respond by saying that one should not interfere in another country’s law, because if you came up with a law forbidding women to wear the hijab, Iran would be the first country to interfere with regards to this law. If we keep silent in the face of unfair laws, then slavery, which also used to be a law, would still be with us.

Please bring the voices of this web page to the attention of Iranian leaders and please talk about us. We will be very grateful.


mystealthyfreedom?

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Neue Sticker ab sofort bestellbar: “Auf dass Auschwitz nie wieder sei.” January 26, 2015 | 07:39 pm

Ab sofort könnt ihr den neuen Sticker des Bundesarbeitskreises (BAK) Shalom der Linksjugend ['solid] anlässlich des 70. Jahrestags der Befreiung des KZ Auschwitz bei der Bundesgeschäftsstelle der Linksjugend ['solid] unter versand[at]linksjugend-solid.de kostenlos bestellen.

Die „Unterwerfung“ der Fiktion unter die Wirklichkeit January 26, 2015 | 02:47 pm

Anmerkungen zu einem Artikel Bernhard Schmids

Bernhard Schmid rezensiert im „dschungel“ der „Jungle World“ vom 22. Januar 2015 „Unterwerfung“, den neuen Roman von Michel Houellebecq. Zumindest scheint sein Artikel durch die am Ende abgedruckten bibliographischen Informationen zum Roman als eine Rezension ausgewiesen zu sein. Auch die Untertitelung deutet darauf hin, dass der Artikel als eine Rezension zu verstehen sei und sich mit dem Roman Houellebecqs beschäftigt. Doch über den Roman erfährt der Leser im Laufe des Artikels dann so gut wie nichts.

Das Wenige aber, das Schmid über den Roman zu berichten weiß, ist in einigen Punkten schlicht falsch. Sein dreiseitiger Artikel ist dabei voller Zitate, aus dem Roman selber aber kommt kein einziges vor. Stattdessen erfährt der Leser einiges von dem, was Houellebecq „in einem Fernsehgespräch“, „bei seinem Auftritt in den Abendnachrichten des Fernsehsenders France 2 am 6. Januar“, in seinen Ausführungen „im Wochenmagazin L’Obs“, „in einem Interview mit der Welt“ und „in seinem ausführlichen Interview für das konservativ-reaktionäre Wochenendmagazin Le Figaro Magazine“ gesagt hat. Es entsteht der Eindruck, als habe Schmid zur Kompensation seiner Nichtlektüre des Romans zahlreiche Interviews mit dem Autor gelesen und anschließend zu einem Artikel zusammengestellt.

Trotzdem beginnt Schmid seinen Artikel mit Überlegungen zu Realität und Fiktion: „Die Realität hat die Fiktion eingeholt“, heißt es. Doch was dann als die Fiktion, die von der Realität eingeholt worden sei, verkauft wird, ist nichts als Realität. Die vermeintliche Fiktion, die der Leser sich vorstellen soll, ist nämlich folgende:

„Nehmen wir an, diese Zeitung hätte in ihrer Weihnachtsausgabe einen Text veröffentlicht, in dem folgendes Szenario ausgemalt worden wäre: Am 7. Januar 2015 erscheint ein Buch von Michel Houellebecq. Es handelt, leicht vergröbert ausgedrückt, von einer muslimischen Machtübernahme in Frankreich durch eine islamistische Partei. Am Vormittag desselben Tages erscheint die Satirezeitung Charlie Hebdo mit einem Bild Houellebecqs auf dem Cover. Bei der Redaktionssitzung kurz vor Mittag greifen zwei mit Kalaschnikows bewaffnete radikal-islamistische ‘Gotteskämpfer’ an und ermorden die Redakteure, weil die Zeitung den Propheten beleidigt habe.“

Nun ist hier tatsächlich alles Wirklichkeit, abgesehen von der Tatsache, dass die Weihnachtsausgabe der „Jungle World“ natürlich noch nicht über die spätere Wirklichkeit berichtete. Was das nun aber mit der Fiktion des rezensierten Romans zu tun hat, bleibt schleierhaft. Und so bleibt Schmid dann auch bei der Wirklichkeit und betont abermals, was er schon erwähnt hatte, dass nämlich am 7. Januar der Roman Houellebecqs erschien.

Schmid versucht sich dann an einer Zusammenfassung der Romanhandlung. Da heißt es dann: „Der Roman beschreibt Frankreich im Jahr 2022.“ Während Schmid dem Leser also vorher die Wirklichkeit als Fiktion verkaufte, die dann von der Wirklichkeit eingeholt werde, verkauft er nun die Fiktion als Beschreibung einer zukünftigen Wirklichkeit. Der Roman „beschreibt“ eben nicht Frankreich im Jahr 2022. Der Roman entwirft ein fiktives Frankreich im Jahr 2022, sonst wäre er kein Roman, sondern die Aufzeichnung eines Zeitreisenden. Doch es geht weiter: Das „Frankreich im Jahr 2022“ ist, laut Schmid, „ein Land, das am Ende einer katastrophalen zweiten Amtszeit des derzeit wenig beliebten Staatspräsidenten François Hollande kurz vor dem Abgrund steht.“ Was soll das bedeuten? Ist Hollande im fiktiven Frankreich von 2022 „derzeit“ wenig beliebt? Ist der fiktive Hollande, die Figur, bei den Lesern „derzeit“ wenig beliebt? Nein, Schmid meint, dass der wirkliche Hollande „derzeit“, also jetzt, in der Wirklichkeit, wenig beliebt ist. Nur ist das natürlich nicht der Hollande der Fiktion des Romans, denn der ist eben fiktiv.

Wirkliche Zweifel daran, ob Schmid den Roman, den er hier zu rezensieren behauptet, überhaupt gelesen hat, regen sich dann etwas später: Der Ich-Erzähler des Romans, von Schmid als „Houellebecqs Protagonist“ bezeichnet, konvertiere, so behauptet Schmid, zum Islam, „um seinen Job zu behalten“. Nun ist es im Roman aber nicht nur so, dass der Ich-Erzähler seinen „Job“, eine Professur an der Sorbonne, schon zuvor – ausgestattet übrigens mit einer stattlichen Pension – verloren hat, sondern auch die von Schmid behauptete Konversion findet nicht statt. Sie wird am Ende des Romans im Konjunktiv geschildert, sie ist eine Möglichkeit. Es wird nicht gesagt, ob sie stattfindet. In Anbetracht dieser kurzen Ausführungen Schmids zum Roman selbst, muss man wahrscheinlich froh sein, dass sich der Rest des Artikels mit der – hauptsächlich politischen – Rezeption des Romans in Frankreich und zusammengestückelten Äußerungen Houellebecqs befasst.

Dabei wäre es sicherlich nicht abwegig, über das Verhältnis zwischen Fiktion und Wirklichkeit in „Unterwerfung“ zu diskutieren, wobei man sicherlich mehr über Houellebecqs Humor als über den „derzeit wenig beliebten Staatspräsidenten François Hollande“ reden müsste.  Voraussetzung einer solchen Diskussion wäre aber ein Begriff von Fiktion, den Schmid offensichtlich nicht hat, was ihn wiederrum weder davon abhielt, einen Artikel über den Roman zu schreiben, noch ihn mit einem Satz zu Fiktion und Wirklichkeit zu beginnen. In seiner Ignoranz gegenüber der Literarizität des Romans macht Schmid dann nichts anderes als die Vertreter des „Bloc identitaire“, von denen er zu berichten weiß, dass sie Houellebecq vorwarfen, er „kenne die Gruppierung zu wenig“.

In der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung vom 25. Januar 2015 gab Houellebecq ein weiteres Interview – fraglich, ob es für Schriftsteller vorteilhaft ist, so viele Interviews zu geben, dazu aber hat Nils Minkmar ebenfalls in der FAZ das Nötige geschrieben –, das Schmid selbstverständlich noch nicht zitieren konnte. Hier zeigt sich nicht nur, dass Julia Encke, die das Interview führte, den Roman genauer gelesen hat, sondern auch, was die Besonderheit eines literarischen Textes bewirken kann, wegen der die Fiktion gegen die Schmids dieser Welt zu verteidigen ist:

„Ihr Erzähler stellt sich am Ende vor, wie einfach es für ihn wäre, wenn er zum Islam überträte. Es ist eine Art Kapitulation. Tut es Ihnen weh, wenn er im letzten Satz feststellt: „Ich hätte nichts zu bereuen“?

Ich hätte auch das Gegenteil schreiben können.

Ich hab’ automatisch an Edith Piaf gedacht, „je ne regrette rien“, und mich gefragt, ob es der ironischste Satz des ganzen Romans ist?

Es ist der doppeldeutigste Satz. Bei Piaf ist es anders. Wenn sie singt, dass sie nichts bereut, glaubt sie daran. Mein Erzähler weiß nicht, ob er es glaubt oder nicht.“

Hätte man nämlich einen Begriff von Fiktion, müsste man nicht, wie Schmid am Ende seines Artikels, schreiben, die „Vorstellung Michel Houellebecqs“ sei nicht beruhigend – warum sollte sie auch? –, sondern könnte erkennen, dass der Roman gerade durch die fehlende Festlegung am Ende eine Frage stellt, die nicht beantwortet wird. Eine solche Offenheit, die dem Leser eigenes Denken zumutet, indem sie ihm nicht fertige Gewissheiten vorsetzt, aber scheint Schmid nicht zulassen zu wollen, wirft er Houellebecq doch vor, er lege „sich in Interviews ungern auf eine bestimmte gesellschaftliche Position fest, sondern redet sich auf Nachfragen gern heraus, ein Schriftsteller zu sein“.

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26-01-15Verlautbarungen der Polizei beim Freien Radio – Über… January 25, 2015 | 04:47 pm



26-01-15
Verlautbarungen der Polizei beim Freien Radio - Über eine bemerkenswerte Spitzelattacke beim FSK Hamburg.

Sorry, Herr Grass January 25, 2015 | 08:16 am

Die Currywurst, oder “Schlimmer geht immer”. Von allen Entschuldungspamphleten, die die deutschsprachige Vergangenheitsbewältigungsliteratur hervorgebracht hat, ist Uwe Timms Die Entdeckung der Currywurst womöglich das erbärmlichste. Der Text kommt literarisch wie geschichtsphilosophisch dermaßen unbedarft daher, dass man sich bemüßigt fühlt SS-Günni Grass, Keulenmartin Walser, Böll und all den anderen förmliche Entschuldigungen für früherer Kritiken zukommen zu […]

Deutschland und das syrische Giftgas January 24, 2015 | 10:45 am

Vermutungen, dass deutsche weit stärker in das syrische Giftgasprogramm involviert waren, als bisher zugegeben wurde, gab es schon länger, nicht zuletzt auch angesichts der deutschen Hilfe, die es  Saddam Hussein und Ghaddafi erst ermöglichten, Giftgas in größerem Maßstab zu produzieren und im Falle des Irak auch systematisch zum Einsatz zu bringen.

Nun berichtet der Spiegel:

For more than 16 months, Chancellor Angela Merkel’s government has been in possession of a list containing the names of German companies thought to have helped Syrian dictator Bashar Assad and his father Hafis build up Syria’s chemical weapons arsenal over the course of several decades. Ultimately, it became one of the largest such arsenals in the world.

The German government, a coalition between Merkel’s conservatives and Vice Chancellor Sigmar Gabriel’s center-left Social Democrats (SPD), received the list from the Organization for the Prohibition of Chemical Weapons (OPCW). The OPCW was awarded the Nobel Peace Prize in 2013 for its “extensive efforts to eliminate chemical weapons.” Together with experts from the United Nations, the OPCW organized and carried out the destruction of Syrian chemical weapons last year.

Berlin immediately classified the list and has since kept it under lock and key. The government says that releasing the names would “significantly impair foreign policy interests and thus the welfare of the Federal Republic of Germany.” It also argues that doing so would be akin to releasing “trade secrets” and as such would violate the German constitution.

A losing war January 24, 2015 | 12:54 am

Erdogan and his comrades have always won. But they are always tense. Often, they look pensive and unhappy. They are angry, always ready to pick a fight. Full command over nearly one half of Turkey will not satisfy them. They want to win the other half, the half they privately envy, the same half that smartly teases them and laughs at their childish [Islamic] cause. That half—the human half—enjoys living life, defends the right to sin, and does not want to create a fake country, ostensibly dry and sin-free, but really a half-wet and sinful land. The AKP’s leaders secretly know that theirs is a losing war, despite impressive victories at every political battle fought.

Quelle

je suis nico January 23, 2015 | 06:14 pm

nun hat sich nico sarkozy doch wieder in das spiel der französchen öffentlichkeit gebracht. anlass war der trauermarsch für die opfer des charlie hebdo attentats in paris. dort ging es ja um vieles: die pressefreiheit, die dokumentierte gegnerschaft der pariser strasse gegen das mordgesindel, für nationalen zusammenhalt, etc..

in den vip-block dieser manifestation der regierungschefs hat sich nico als abgehalfterter ex-präsi hineingemogelt wie fler an das rapmikrofon. was der royal-bunker für fler war, das ist twitter nun für sarkozy, mein lieblingsfoto aus den tweets habe ich hier mit abgelegt. sarko war also auch mit dem dude beim bowling. soso…..


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Zwei Berichte von der Akademie January 23, 2015 | 11:55 am

Hier seien noch einmal zwei Beiträge hervorgehoben, die im letzten Jahr leider etwas in der Seitenspalte untergegangen sind. Beide Beiträge haben sich mit dem Ungeist der Universität auseinandergesetzt.

1. Philosophieren im Stande allgemeiner Unmündigkeit und Bedingungen philosophischen Denkens anlässlich eines Ausflugs in den geisteswissenschaftlichen, akademischen Betrieb

Bettina Fellmann (AK Zweifel und Diskurs) hat am 29.06.2014 im Laidak einen philosophisch-essayistischen Bericht über einen Ausflug an die Akademie vorgetragen. Anhand einiger Erlebnisse in den Fachbereichen der ersten Philosophie-Semester, „Philosophisches Argumentieren“, „Theoretische Philosophie“ und „Praktische Philosophie“ sowie in der Kunstgeschichte, arbeitet sie die Überflüssigkeit, Überlebtheit und zugleich die Funktion der gegenwärtigen akademischen Philosophie heraus, der ein Bezug zur materiellen Wirklichkeit immer mehr abhanden kommt. Davon ausgehend macht sie einige Anmerkungen darüber, was es überhaupt bedeutet, im Angesicht der nicht endenden Katastrophe zu denken. Auf magazinredaktion.tk war der Vortrag folgendermaßen angekündigt:

Was es bedeutet, wenn Geistesmenschen sich zusammenfinden, um von Geistigem zu sprechen, warum nichts Wahres dran sein darf und wie die Wirklichkeit dem Denken nur zur Illustration dient, beleuchtet dieser Vortrag.

Im allgemeinen wird an der Akademie bereits der Gedanke vom richtigen Denken formal erstickt; nicht zu schweigen davon, dass der richtige Gedanke oder das Denken vom Wirklichen keine Erwiderung findet, sondern im Gegenteil rigoros ausgeschlossen wird. Unter diesen Bedingungen erscheint nicht nur der Versuch, das Besondere zur Sprache zu bringen, als zweifelhaft, sondern Sprache überhaupt. An dem Umstand, dass er längst gedacht wurde, erweist sich nicht der Gedanke als falsch, sondern die allgemeinen Mechanismen, die sich durch die Epochen hindurch grundlegend ähneln — im Gewand der jeweiligen Zeit, deren Besonderheit es vor den Allgemeinheiten zu erfassen gilt, die ihren Grund bilden.

Ansatzweise wird eingegangen auf die Unfähigkeit, Zusammengehöriges und Grundverschiedenes im richtigen Verhältnis zueinander wahrzunehmen und adäquat zu beurteilen, auf die Virtualisierung menschlicher Verkehrs-​ und Ausdrucksformen und nicht zuletzt auf die verheerende Sehnsucht, sowohl durch das Aufgehen im Denken ans Bestehende anschließen, als auch umgekehrt durch den Anschluss ans Bestehende im Denken aufgehen zu können. [via]

    Download: via AArchiv (mp3; 108.7 MB; 1:35:01 h) | via hightaile

Der zugrundeliegende Text kann auf magazinredaktion.tk nachgelesen werden.

2. Die alternativlose Universität

Auf Radio Corax war im letzten Jahr ein Feature zu hören, das vom Zustand der hiesigen Universitäten berichtete und eine Kritik des Studierens formulierte. Das Feature basiert auf einem Text des Leipziger AK Gesellschaftskritik und macht dem Akademismus die wissenschaftliche Veredelung des gesellschaftlichen Unglücks zum Vorwurf.

    Download: via FRN (mp3; 32 MB; 19:59 min)

Der AK Gesellschaftskritik verweist außerdem auf den Text „Business as usual. Szenen vom Schauplatz der Entsorgung der Wahrheit durch die pluralistische Geisteswissenschaft“ von Carl G. Bronetto, der hier als PDF gelesen werden kann.

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Indianer, Teil 5: Der heutige Status January 23, 2015 | 10:54 am

Mitte Dezember tat das US-Justizministerium etwas sehr Sonderbares. Ohne erkennbaren Anlass veröffentlichte es eine dreiseitige Notiz [PDF] in der sie faktisch erklärte, dass es den Indianernationen frei stehe, unter Beachtung gewisser Regeln — Schutz von Minderjährigen, etc — auf ihren Reservaten Marihuana anzubauen und zu konsumieren. Dies gelte auch ausdrücklich für tribal lands in den Bundesstaaten, wo so etwas weiter streng verboten ist.

Der Vorgang wurde allgemein mit Verwunderung aufgenommen:

“We actually have no idea what’s going on here,” said Troy Eid, a Denver attorney and chairman of the Indian Law and Order Commission.

Da das Ministerium keine Rücksprache mit den Vertretern der Stämme gehalten hatte — an sich schon ein ungewöhnlicher Vorgang — wurden diese kalt erwischt. Die Mohegan in Connecticut prüften sofort, ob die Zusicherung wirtschaftlich genutzt werden könnte. Die Stämme müssen nicht die Landes- und Kommunalsteuern erheben und könnten daher Gras vermutlich deutlich billiger verkaufen als die Händler den umliegenden Bundesstaaten.

Die Mehrheit der anderen Nationen war dagegen gar nicht begeistert:

Still recovering from a long, embattled history with alcohol, the vast majority of tribes seem wary to move forward with the opportunity — calling into question why it was offered in the first place.

Für uns ist das Beispiel nicht nur interessant, weil es nochmal das Chaos zeigt, das die verschiedenen Rechtsräume in den USA verursachen können, mit Gesetzen des Bundes (wo Marihuana weiter verboten bleibt), der Bundesstaaten (teilweise legalisiert, teilweise nicht) und anderer Einheiten, die sich zum Teil direkt widersprechen. Es zeigt auch die komplizierte Beziehung zwischen dem Bund und den Indianern.

Wir haben uns bislang den Bund und die Bundesstaaten sowie die Besonderheiten der Kommunen angeschaut. Heute kümmern wir uns (endlich) um die 566 vom Bund anerkannten Indianernationen.

Juristisch werden diese als domestic dependent nations eingestuft — “inländische abhängige Nationen”, grob übersetzt. Einfacher formuliert, sie haben eine beschränkte Souveränität. An sich ist das keine schrecklich geniale Einsicht, denn die USA als Ganzes bestehen aus Gebilden mit eingeschränkter Souveränität, wie wir besprochen haben. Auch der Bund darf nicht alles, obwohl man gelegentlich den Eindruck bekommen mag, dass man das in Washington vergessen hat.

Historisch gesehen waren die Indianer-Nationen natürlich komplett unabhängig (wir überspringen hier die ganze Diskussion, ob der europäische Begriff der “Nation” überhaupt so angewandt werden konnte). Entsprechend der Hinweis in der US-Verfassung Artikel I, Sektion 8:

The Congress shall have power (…) to regulate commerce with foreign nations, and among the several states, and with the Indian tribes

(Hervorhebung hinzugefügt) Damit wurde von Anfang an das bis heute geltende Prinzip des government-to-government festgelegt, nämlich dass die Beziehungen zu den Indianer-Nationen vom Bund geregelt werden. Die Bundesstaaten haben nichts zu melden, auch wenn die Reservate in innerhalb ihrer Grenzen liegen. Ihre Gesetze greifen dort erstmal nicht (mit Ausnehmen, zu denen wir gleich kommen).

Daher die “Stanzkarte” der US-Bundesstaaten [GIF] bei der Wikipedia, in der die Reservate ausgeschnitten wurden. Der ziemlich durchlöcherte Staat unten links ist übrigens Arizona und das größte Loch dort ist die Nation der Navajo.

Entsprechend schloss die US-Regierung am Anfang mit den Stämmen treaties – Verträge zwischen Staaten — führte Kriege gegen sie und tat all die wunderbaren und liebevollen Dinge, die auch die europäische Nationen sich gegenseitig bis weit ins 20. Jahrhundert hinein einander antaten.

Allerdings wurde diese Interpretation der Situation im Laufe der Zeit zunehmend alberner, denn die Gebiete lagen irgendwann innerhalb des US-Staatsgebiets.

It would be unacceptable for an Indian nation located within the United States to enter into treaties with other countries, or to cede Indian land to foreign countries (to have a French or German enclave in the middle of Montana, for example.)

Wenn man also die Deutschen nicht in Montana haben wollte, musste eine andere Beziehungsform her.

Anfang des 19. Jahrhundert legte der Supreme Court in der Marshall Trilogy die Grundlage für einen neuen Umgang: Privatpersonen durften nicht von den Indianern Land kaufen, sondern nur der Bund; der Status als domestic dependent nations wurde festgelegt wie auch die grundsätzliche Verantwortung des Bundes für die Indianer – die trust responsibility — mit dem berühmten Satz

Their relation to the United States resembles that of a ward to his guardian

und schließlich dass die Bundesstaaten salopp gesagt das Maul zu halten haben, wenn es um Indianer geht. Mit dem Indian Appropriation Act von 1871 gehörten die Verträge mit den Stämmen der Vergangenheit an. Ab jetzt galten Gesetze des Kongresses und Exekutivanweisungen des Präsidenten, wie üblich also.

Damit wir uns jetzt nicht missverstehen: Die “Treuhand”-Beziehung zwischen dem Bund und den Indianern entstand nicht zuletzt aus dem festen Glauben der damaligen amerikanischen Regierung heraus, dass die Ureinwohner zu doof waren, um auf sich selbst aufzupassen — jemand musste sie an die Hand nehmen, wie man das halt mit Mündeln macht. Bis heute verwaltet der Bund etwa 230.000 Quadratkilometer Land für diverse Indianernationen und Einzelpersonen. Das ist etwas weniger als zwei Drittel der Fläche der Bundesrepublik.

(Mehr als 150 Jahre später stellte es sich als blöd für den Bund heraus, dass die Treuhand-Beziehung juristisch einklagbar ist: In Cobell vs Salazar verklagten Vertreter der Indianer 1996 die US-Regierung wegen chronischem Missmanagements. Im Dezember 2009 schloss die Obama-Regierung einen Vergleich über 3,4 Milliarden Dollar.)

Diese Grundsätze — eine Beziehung von Regierung zu Regierung, die Aufsichtspflicht des Bundes und die Teilsouveränität — bleiben bis heute die Grundlage des juristischen Status’ der Indianer in den USA. Wir überspringen daher einige zum Teil sehr deprimierende Jahrzehnte und schauen uns die Situation heute an. Am Beispiel der Navajo können wir sehen, dass die großen Indianernationen —

Der letzte Punkt ist — soweit dieser Autor es feststellen konnte — weltweit einzigartig wenn es um Ureinwohner geht und erfahrungsgemäß auch der, der Deutschen am wenigsten geläufig ist.

Das heißt nicht, dass die Indianer nicht von der Bundesregierung gerne Mal über den Tisch gezogen wurden — nicht umsonst verweist der Link oben auf eine Klage über eine halbe Milliarde Dollar. Allein die Geschichte der Uran-Minen auf dem Navajo-Gebiet wäre ein ganzer Eintrag wert — schon allein weil sie noch weitergeht.

In Filmen und TV-Serien finden man am ehesten Anspielungen auf ein Recht, das die Bundesstaaten ungeheuer nervt: Die Indianernation können selbst bestimmen, ob auf ihrem Gebiet Glücksspiel betrieben wird. Daher die ständigen Hinweise auf Casinos in den Reservaten, inzwischen ein wichtiger Industriezweig dort.

Wer dagegen eher Kriminalromane liest, wird die Arbeit der Navajo-Polizei durch Tony Hillerman kennengelernt haben und wissen: Wenn die örtliche Polizei überfordert ist, kommt nicht die aus dem Bundesstaat, sondern der Bund greift ein.

Nun sind die Navajo die größte Indianernation – ihr Territorium hat mit 71.000 Quadratkilometern etwa die Fläche Bayerns – und daher sind dort die Strukturen am deutlichsten ausgeprägt und mitunter am weitesten entwickelt. Wo dies nicht der Fall ist, nimmt wieder der Bund seine Treuhandpflicht wahr, mit historisch gesehen gemischten Ergebnissen. Zuständig ist dabei nicht das Außenministerium, sondern seit 1824 das Bureau of Indian Affaris (BIA) im Innenministerium.

An diesem Punkt mag der interessierte Leser ein flaues Gefühl im Magen verspüren. Das klang bislang alles irgendwie schlüssig, nachvollziehbar und folgte streckenweise sogar einer gewissen inneren Logik. Kann es wirklich so einfach sein?

Natürlich nicht, denn wir sind in den USA und reden von juristischen Fragen, die zum Teil mehr als 200 Jahre alt sind. (Mehr noch, wir lesen eine Beschreibung bei USA Erklärt, wo Dinge immer vereinfacht werden.) In Wirklichkeit ist die juristische Situation der Indianer-Nationen unfassbar kompliziert, um nicht zu sagen, es herrscht streckenweise juristisches Chaos. Das obige sind sehr grobe Leitlinien, selbst für unsere Verhältnisse.

Nehmen wir als Beispiel das Prinzip, dass die Bundesstaaten im Umgang mit den Indianernationen nichts zu melden haben. Grundsätzlich ist das völlig richtig.

Allerdings erließ der Kongress 1953 das berüchtigte Public Law 280, das in einigen Bundesstaaten die Justiz und Polizei einiger Stämme in einigen Punkten doch mit denen des jeweiligen Bundesstaates verschmolz. In sechs (mandatory) Bundesstaaten war das Pflicht, in anderen konnte das gemacht werden, zum Teil mit Zustimmung der Stämme selbst. Genauer gesagt:

The “mandatory” states, required by Public Law 280 to assume jurisdiction, are Alaska, California, Minnesota (except Red Lake), Nebraska, Oregon (except Warm Springs) and Wisconsin. The “optional” states, which elected to assume full or partial state jurisdiction, are Arizona (1967), Florida (I961), Idaho (1963, subject to tribal consent), Iowa (1967), Montana (1963), Nevada (1955), North Dakota (1963, subject to tribal consent), South Dakota (1957-61), Utah (1971), and Washington (1957-63).

Wohlgemerkt geht es dabei nur um Polizeiarbeit und Zivilrecht, nicht aber um Dinge wie Steuern, Verwaltung, Bodenschätze oder Glücksspiel. Der Supreme Court interpretiert das Gesetz als Möglichkeit, den Indianern Zugang zu den Gerichten und der Polizei der Staaten zu gewähren, nicht als Schritt, um die Indianernationen den Bundesstaaten zu unterstellen.

Diese waren allerdings schon allein wegen der zusätzlichen Kosten nicht wirklich glücklich (der Bund ließ in den entsprechenden Gebieten erstmal alles stehen und liegen, selbst bei so Dingen wie Bildung, die eigentlich nicht unter das Gesetz fielen) und die Indianer schon gar nicht. Entsprechend ist das Gesetz zum Teil wieder aufgehoben oder angepasst worden. Das macht es natürlich nur noch komplizierter. So quält man Jurastudenten.

Und schon deswegen ist klar: So einfach wird das mit dem Marihuana nie im Leben werden.


Verrohung am Beispiel der Achse des Guten January 22, 2015 | 10:49 am

Oder: Für die Nachwelt aufzubewahren. Empirisches Anschauungsmaterial zur Dialektik der Aufklärung. Dass der klassische aufklärerische Liberalismus, da ihm längst jede gesellschaftliche/ökonomische Grundlage fehlt, eine heute allerhöchstens immer mal wieder aufflackernde fragile Haltung sein kann, wurde hier schon dargelegt. Ebenso, dass der real existierende Liberalismus im Großen und Ganzen eine Tendenz aufweisen muss sich zum Erhalt […]

Abendbrotland gerettet! January 21, 2015 | 08:33 pm


life is… January 21, 2015 | 06:09 pm

vida_festa!A vida e uma festa! (seen in south-Portugal)


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FGM in Iran January 21, 2015 | 10:04 am

Irfan al-Alawi and Stephen Schwartz about FGM in Iran:

Last year, Thomas von der Osten-Sacken, director in Iraq of a German-based charity, WADI—the Association for Crisis Assistance and Development Cooperation—said in an interview that FGM in Iraqi Kurdistan had declined dramatically, and that measurable success in stopping FGM there could be credited to the political change that began in 1991. “Saddam Hussein lost power here back in 1991. There is a relative degree of freedom,” von der Osten-Sacken said. That freedom—and other achievements by the Iraqi Kurds—were made possible, as should be recognized, by the decision of President George H.W. Bush to impose a “no-fly zone” over Iraqi Kurdistan.
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By contrast, “the existence of FGM in Iran is a well-kept secret,” according to the organization Stop FGM Middle East. On November 25, 2014, Radio Farda, the U.S.-backed Farsi-language broadcast directed to Iran, aired a 30-minute documentary on FGM under the rule of the Islamic Republic. Translated by Stop FGM Middle East, the transcript revealed yet another cruel feature of Iranian life, reinforced by the hypocrisy of the ruling clerics.

Radio Farda noted that in 2014 Iran was added, for the first time, to the global list of countries in which FGM is present. The media agency interviewed Iranian researcher Rayeyeh Mozafarian, of the University of Shiraz, who accumulated interviews on FGM between 2007 and 2009. She stated, “FGM is carried out in private houses by midwives and not by surgeons in hospitals.” FGM goes unmentioned in Iranian law, which does criminalize mutilation of the body. But Mozafarian determined, “Despite the practice being liable to prosecution, practically nobody is charged. . . . No victim files charges against her own parents.”

Democracy is the answer January 21, 2015 | 12:38 am

Von Amir Taheri:

The long-term and most effective antidote to terrorism is democratization. This is borne out not only by the European experience but also by the success of Latin American nations in defeating their homegrown terrorists. The more democratic they became, the more successful they became in fighting terror.

Terrorists see democracies as soft targets. Provided you are not suicidal, like the Kouachi brothers, the worst that could happen to you is a prison sentence, which, in time, is cut by half for good behavior. What terrorists do not understand is that a democracy does not think like them. A democracy does not want to kill the individual terrorist but to defeat terrorism.

Quelle

Demokratie und Postnazismus January 20, 2015 | 01:35 pm

„Dieser Bonaparte, der sich als Chef des Lumpenproletariats konstituiert, der hier allein in massenhafter Form die Interessen wiederfindet, die er persönlich verfolgt, der in diesem Auswurf, Abfall, Abhub aller Klassen die einzige Klasse erkennt, auf die er sich unbedingt stützen kann, er ist der wirkliche Bonaparte, der Bonaparte sans phrase.“ (Marx, S.161)

Ende 2014 hat sich in Dresden das ostzonale Lumpenproletariat zu einem diffusen Bündnis formiert. 1 sUnter dem Kürzel PEGIDA1 appelliert dieser Auswurf aller Klassen mit seinen Demonstrationen an den Staat, dem er sich, um der eigenen Überflüssigkeit Herr zu werden, als (post-)faschistischer Abwehrmechanismus anzudienen sucht. Diese konformistische Mobilisierung hält bei aller Ablehnung des politischen Establishments Staat wie Demokratie die Treue und trifft auf eine zivilgesellschaftliche Gegenmobilisierung, die ihr darin in nichts nachsteht. Einmal mehr zeigt sich, dass demokratischer Meinungspluralismus und nationalsozialistisches Erbe nicht im Widerspruch zueinander stehen.

Die Bourgeoisie des 19. und anbrechenden 20. Jahrhundert baute auf (prä-)faschistische Bewegungen, um die eigenen Klassen- und Eigentumsinteressen gegen eine mögliche revolutionäre Erhebung zu verteidigen. Sie setzte dabei auf das Lumpenproletariat, welches auf Grund der ihm eigenen Passivität stets gewillter war, „sich zu reaktionären Umtrieben erkaufen zu lassen“ (Marx u. Engels, S.472) als sich an revolutionären Erhebungen zu beteiligen. Im Gegensatz dazu eignen sich die ostdeutschen Lumpenproletarier dieser Tage, ganz der deutschen Traditionslinie seit 1933 folgend, „den konterrevolutionären Abwehrmechanismus selbst als ihre originäre Hervorbringung, ihren natürlichen Ausdruck“ (Enderwitz, S.195) an. Die PEGIDA-Aktivisten suchen mit diesem vorauseilenden Gehorsam ihr Liebesobjekt in einem Phantasma, in einem fiktiven Staat, welcher akut einer faschistischen Bewegung bedarf, um sein Bestehen zu sichern. Jene postmodernen Charaktermasken, die von der Bourgeoisie noch übrig sind, benötigen aber in Ermangelung eines revolutionären Widerparts zum Erhalt ihrer ökonomischen Macht keine „Delegation der politischen Herrschaft an den ins Vexierbild des Klassengegners verwandelten konterrevolutionären Staat“ (ebd. S.194). 2sSie fürchten vielmehr den faschistischen Abwehrmechanismus, nicht nur, weil er ihre eigene Stellung im Staat schmäleren könnte, sondern da sie wissen, wozu der eigene Staat fähig ist, wenn er sich in seinem Überleben bedroht wähnt. Daher mobilisiert die deutsche Zivilgesellschaft zum wiederholten mal2 zum „Aufstand der Anständigen“. In München – dort wo sich 1925 einer der Zukunft zuwandte und kundtat: „Es spricht aus dem deutschen Volke in seiner Zerrissenheit nur sein zerrissenes Blut heraus.“ (Hitler, S.8) – versammelten sich zur Adventszeit erstmals Tausende, um darauf hinzuweisen, dass nicht die offene faschistische Manifestation, sondern der demokratische Meinungspluralismus die deutsche Lehre aus der Niederlage von 1945 sei. Aber, wie es bereits im permanenten Vergessen der demokratisch legitimierten Machtübernahme der NSDAP nachhallt, das ostzonale Eintreten für den Staat ist genauso wenig antidemokratisch, wie die FPÖ oder die europäische Flüchtlingspolitik. Es ist vielmehr Zeichen demokratischer Massenloyalität und unterscheidet sich darin nicht von der antifaschistischen wie postnazistischen Gegenmobilisierung.

Demokratie

Die beiden gern kolportierten Missverständnisse über das Wesen der Demokratie sind, dass diese zum einen keine Herrschaft sei und zum anderen unmittelbar vom Individuum ausginge. Demokratie beruht aber darauf, dass sich der Wille der Allgemeinheit durchsetzt. „Er hat sich zuerst aus dem Willen der Einzelnen zu konstituieren als allgemeiner, so daß jener das Prinzip und das Element zu sein scheint, aber umgekehrt ist er das Erste und das Wesen; und die Einzelnen haben sich durch Negation ihrer, durch Entäußerung und Bildung zum Allgemeinen zu machen“ (Hegel, S.263f). Die Einzelnen können sich zwar dem Willen der Allgemeinheit widersetzen, „[a]ber es ist zugleich vorausgesetzt, daß sie an sich allgemeiner Wille seien. Dies Ansich ist ein Anderes als ihr wirklicher und sie haben ihren noch nicht entäußert, anerkennen den allgemeinen nicht, sondern es gilt nur ihre Einzelheit in ihm. Aber er ist Ansich; er ist da. 3sEr ist ihr Ansich, d. h. er ist ihre äußre Gewalt, welche sie zwingt.“ (ebd.) Vermittelt durch den eigenen Willen wird so unbewusst der Wille der Allgemeinheit getragen. Die so bestehende „negative Freiheit, die durch die Freiheit aller anderen begrenzt wird, kann nur von einem Souverän gesetzt werden, der, als praktisch gewordener und handgreiflich agierender Inbegriff des Menschen an und für sich, d. h. als Realabstraktion, gegen die empirischen Individuen sich wendet.“ (Bruhn, S.121) Der Wille der Allgemeinheit ist diese Realabstraktion, aus welcher sich der demokratische Staat konstituiert. Der Einzelne steht – obwohl unbewusster Träger dieser – der Realabstraktion ohnmächtig gegenüber und sieht Herrschaft einzig in einzelnen Protagonisten wie Antagonisten des demokratischen Staats, nicht aber in diesem oder in sich selbst begründet. Herrschaft wird als etwas fremdes begriffen, nicht als etwas, das man selbst erst hervorbringt. Unbewusst wird sie so verinnerlicht und die eigene Atomisierung durch den demokratischen Staat mitgetragen. „Die immanente Utopie der Demokratie ist das Grausigste, das sich denken läßt: die Zurücknahme und virtuelle Abschaffung äußerer Zwangsgewalt dadurch, daß die Individuen sie in sich zurücknehmen und sich selbst aus freiem Willen auferlegen.“ (Nachtmann, S.40)

Postnazistische Demokratie

„Der Nationalsozialismus hingegen – und das macht seine Modernität aus – erhebt das Individuum – zum Zwecke seiner totalen Funktionalisierung; er fordert es zur Eigenverantwortung auf – als Verantwortung, jederzeit für den Erhalt des Ganzen rückhaltlos einzustehen; er setzt auf seine Freiheit – als frei gewählte Entscheidung, selbst Partikel von Herrschaft zu werden und den individuellen Charakter [in] der Charaktermaske des Volksgenossen aufgehen zu lassen.“ (ebd.) Die postnazistische Gesellschaft setzt an der eingeforderten Eigenverantwortung des Nationalsozialismus an, indem der Einzelne nicht mehr bloß unbewusster Träger demokratischer Herrschaft ist, sondern durch allgegenwärtige Partizipation identisch mit ihr wird. Das Staatssubjekt benötigt seit dem Massenmord an den europäischen Juden keinen Führerbefehl mehr und somit muss auch der demokratische Staat nicht explizieren, was im Willen der Allgemeinheit getan werden muss. Der gesellschaftliche Pluralismus, sei es in der Parteienlandschaft oder im Vereinswesen geht ebenso mit dem Willen der Allgemeinheit d’accord, da durch ihn die Interessen der Einzelnen zu vermittelten Interessen werden, die einzig durch die Instanz des Staates artikuliert werden können. Nicht bloß der Einzelne ordnet sich so der demokratischen Herrschaft unter, sondern auch die einzelnen Interessengruppen richten ihr Handeln nach dem Willen der Allgemeinheit aus und überführen durch diese etatistische Fixierung den nationalsozialistischen Sozialpakt in die Gegenwart.
Die postnazistische Demokratie knüpft nahtlos an die permanente Mobilmachungen des nationalsozialistischen Staates an und befindet sich in einem „permanenten Alarmzustand, 4sd. h. in eine[m] Zustand nicht sowohl der Abwehr wirklicher revolutionärer Gefahren, sondern der Vermeidung möglicher revolutionärer Versuchungen.“ (Enderwitz, S.200) Der eingangs erwähnte Konflikt zwischen der postmodernen Bourgeoisie und dem ostdeutschen Lumpenproletariat ist nur ein demokratischer Scheinkonflikt, da sich beide Seiten affirmativ auf den demokratischen Staat beziehen und ihn so perpetuieren. Die Reibung ist einzig eine zwischen zwei Gruppen, die je versuchen, die eigenen Interessen durch Zeugnisse der Massenloyalität an den Staat heranzutragen. Das spontane aber beständige Auftreten von derlei – inhaltlich nahezu beliebiger – Kampagnen ist das unbewusste Bemühen der willigen Staatssubjekte eine revolutionäre Versuchung wider den demokratischen Staat gar nicht erst aufkommen zu lassen. Der Konflikt ist somit nicht konträr zum Bestehenden, sondern in totaler Identifikation mit ihm und kann vom postnazistischen Staat problemlos integriert werden. Die bisher vorgenommene Trennung von Lumpenproletariat und postmoderner Bourgeoisie scheint somit kaum mehr aufrechtzuerhalten. Vielmehr zeigt sich im Rückblick auf den Nationalsozialismus, dass der Souverän sich nicht mehr einzig auf das klassische Lumpenproletariat stützen kann, sondern dass „diese passive Verfaulung der untersten Schichten der alten Gesellschaft“ (Marx u. Engels, S.472) mit allen Schichten des demokratischen Staates identisch geworden ist.

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Bruhn, Joachim. Was deutsch ist. Zur kritischen Theorie der Nation. Freiburg: ca ira 1994

Enderwitz, Ulrich. Antisemitismus und Volksstaat. Zur Pathologie kapitalistischer Krisenbewältigung. Freiburg: ca ira 1998

Hegel, G.W.F.. Jenaer Rechtsphilosophie. Frühe politische Schriften. Frankfurt/M., Berlin, Wien 1974 (Hervorhebungen im Original, zitiert nach Nachtmann, Über die Entnazifizierung des Faschismus)

Hitler, Adolf. Die Rede Adolf Hitlers in der ersten großen Massenversammlung bei Wiederaufrichtung der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiter-Partei. München: Eher Verlag 1925

Krug, Uli. Krieg der Generationen: Deregulation vs. Nationaler Sozialismus. Bahamas 33, 2000

Marx, Karl. Der achtzehnte Brumaire des Louis Bonaparte. MEW 8. Berlin: Dietz Verlag 1960 (Hervorhebung im Original)

Marx, Karl & Engels, Friedrich. Manifest der kommunistischen Partei. MEW 4. Berlin: Dietz Verlag 1972

Nachtmann, Clemens. Über die Entnazifizierung des Faschismus. Bahamas 33, 2000

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  1. Patriotische Europäer gegen die Islamisierung des Abendlands [back]

  2. Der erste „Aufstand der Anständigen“ geht auf den Sozialdemokraten Gerhard Schröder zurück, der im Oktober 2000 zur Kampagne gegen neonazistische Jugendbanden rief und so eine der größten Massenmobilisierungen seit 1945 auslöste. (vgl. Krug) [back]


In Memoriam Yoav Hattab January 19, 2015 | 10:24 pm

150,000 people light candles and hold hands at vigil for Tunisian-born Yoav Hattab, killed in Paris terror attack.

Jews and Muslims alike congregated on Saturday night in front of the Great Synagogue in Tunis for a vigil in remembrance of Yoav Hattab, a Tunisian-born victim of the terror attack on the kosher supermarket in Paris less than two weeks ago.

The event also served as a show of support by local residents for the young man’s father, who is a rabbi at the Jewish school in the North African country’s capital city.

Source

Europa – der wahre Feind der Palästinenser January 19, 2015 | 11:24 am

Mahmud Abbas und die neue Außenbeauftragte der Europäischen Union, Federica Mogherini. Ramallah, 8. November 2014.

Bassam Tawil lebt als Wissenschaftler und Journalist im Nahen Osten. Den folgenden Beitrag schrieb er für das Gatestone Institute. Mit freundlicher Genehmigung des Autors und des Gatestone Institute hat Stefan Frank den Text für Lizas Welt übersetzt.


VON BASSAM TAWIL

Wenn man die jüngsten Reden des Präsidenten der Palästinensischen Autonomiebehörde (PA), Mahmud Abbas, und anderer Mitglieder des Zentralkomitees der Fatah hört – sowohl die auf Englisch als auch die auf Arabisch gehaltenen –, dann beschleicht einen das unangenehme Gefühl, dass der palästinensische Staat, für den derzeit in Europa geworben wird, nicht nur eine Gefahr für die Stabilität der gesamten Region wäre, sondern auch für uns, die wir darin leben müssten, ebenso wie für jene europäischen Länder, die sich für ihn einsetzen. In den Diskussionen der Palästinenser selbst – fernab von den Diplomaten in ihren Fünfsternehotels – mehren sich dann auch die Stimmen derer, die keine andere Möglichkeit mehr sehen als eine Revolution, einen »palästinensischen Frühling«. Sie wollen das »Geschenk«, das Europa uns offenbar unbedingt aufnötigen möchte, nicht annehmen müssen.

Dabei geht es diesen Palästinensern nicht, wie man vielleicht denken könnte, darum, sich von Israel zu befreien. Sie wollen uns vielmehr endlich von unserer elenden Führung und dem korrupten Regierungssystem erlösen – und die europäischen Länder stoppen, die uns dieses brutale System aufzwingen, indem sie es finanzieren. Wir sind in der glücklichen Lage, am israelischen Beispiel beobachten zu können, wie eine Demokratie funktioniert. Obwohl eine Revolution, ein palästinensischer Frühling, für eine Weile Chaos in der Region und darüber hinaus verursachen könnte, wären die Erfolgschancen für eine Demokratie weit besser als andernorts im Nahen Osten, wo sie ausprobiert wurde, aber nicht immer erfolgreich war.

Ein solcher Weg ist natürlich nicht der, den wir bevorzugen. Aber wenn Europa uns diese »Palästina« genannte korrupte Diktatur aufzwänge, würde die Westbank in weniger als einer Woche von terroristischen Gruppen wie der Hamas, al-Qaida, dem Islamischen Jihad und Isis überspült werden, und unser Leben wäre noch schlechter als jetzt. Wir wissen einfach nicht, was wir anderes tun können, um uns gegen Europas »Wohltäter« zu wehren.

Die palästinensische Führung – die mehr damit beschäftigt ist, die Bevölkerung zu unterdrücken, als sich mit ihr zu beratschlagen – würde all dies gegenüber europäischen Diplomaten natürlich abstreiten. Dass das Geld weiter fließt und sie ihre Jobs behalten, ist das Einzige, was diese Leute wollen. Und selbstverständlich sprechen die europäischen Gesandten nicht mit uns, mit den Leuten auf der Straße, dem frustrierten Rest. Sie unterhalten sich nur untereinander, mit ihren »Amtskollegen«, wie sie es nennen, in klimatisierten Konferenzräumen und Hotels. Um Klartext zu sprechen: Die Europäer und ihre Diplomaten bezahlen unsere Anführer dafür, die Juden zu töten. So wird der Job für sie erledigt, mit europäischem Geld und palästinensischen Leben. Die Europäer brauchen sich nicht die Hände schmutzig zu machen und können sich dabei sogar weiterhin gut fühlen. Offenkundig denken sie, dass wir diesen Plan nicht durchschauen. Und um uns zu danken, locken sie uns in die Falle einer weiteren korrupten arabischen Diktatur?

Die Schuld der Israelis ist es jedenfalls nicht. Auf eine bizarre Weise sind sie bloß die anderen Opfer, die zu hassen uns die Europäer anstiften. Sie bezahlen unsere Anführer, um das zu formen, was wir denken. Es ist eine Gehirnwäsche, die nie nachlässt. Die Europäer stellen eigene Bürger, die nichts als die Wahrheit gesagt haben, wegen »Volksverhetzung« vor Gericht; auf der anderen Seite stecken sie Millionen in die niemals endende Propaganda und die blutrünstige Hetze der von unserer Regierung kontrollierten Fernsehsender – die einzigen, die wir haben. Sie finanzieren jeglichen haltlosen Mist, den sich unsere Machthaber ausdenken.

In aller Regel geht es dabei um die »Besatzung«. Aber die Israelis halten die Westbank lediglich »besetzt«, weil wir – genauer gesagt: Jordanien – Land, das ihnen versprochen worden war, besetzt und sie dann wiederholt angegriffen haben. Eine jüngere Anschuldigung betrifft die »Siedlungen«. Die Palästinensische Befreiungsorganisation (PLO) wurde aber schon 1964 gegründet, bevor es irgendwelche »Siedlungen« gab. Was genau also plant sie zu »befreien«? Wenn man sich irgendeine aktuelle palästinensische Landkarte anschaut, dann umfasst sie stets den gesamten Staat Israel. Für die palästinensische Autonomiebehörde und viele Araber und Muslime ist ganz Israel eine einzige große »Siedlung«. Vergangene Woche sagte Tawfiq Tirawi, ein Mitglied des Zentralkomitees der Fatah: »Haifa, Jaffa, Akko und Nazareth sind palästinensisch, was auch immer die Amerikaner und Israelis sagen mögen.« Nächste Woche wird dann irgendein anderer Vorwurf im Mittelpunkt stehen.

Immer klarer wird, dass für beinahe alles, was in dieser Region schiefläuft, Europa verantwortlich gemacht werden kann, genauer gesagt: jene europäischen Staatslenker, die die hiesige Korruption und Gesetzlosigkeit finanzieren und bejubeln. Etwas, das sie in ihrem eigenen Land keine Minute dulden würden, von uns aber erwarten.

Palästina ist hier, genau dort, wo es immer war. Es ist seit 4.000 Jahren bewohnt, von Arabern, Christen, Juden und allen anderen Völkern, die hier auftauchten. Der römische Kaiser Augustus nannte es Judäa. Im Jahr 135 n. Chr. änderten die Römer den Namen zu Syria Palaestina, womit sie den Versuch unternahmen, jegliche Verbindung der Juden zu diesem Land zu kappen. Später war es Teil des Osmanischen Reichs bis zu dessen Auflösung im Jahr 1918, danach wurde es unter dem britischen Mandat wieder Palästina genannt. Und seit dem israelischen Unabhängigkeitskrieg 1948 heißt es Israel. Einen palästinensischen Staat hat es nie gegeben. Nie. Die Westbank war jordanisch, die Golanhöhen syrisch und der Gazastreifen ägyptisch.

Die Wahrheit ist, dass Mahmud Abbas versucht hat, den Staat Israel in einen Staat Palästina umzuwandeln. Er hat versucht, in Europa und bei der Uno Verwirrung zu stiften, offensichtlich leider mit einigem Erfolg. Er hat Israel wahrheitswidrig eines Genozids im Gazastreifen bezichtigt. Mehr als die Hälfte der 2.000 Bewohner Gazas, die im Sommer getötet wurden, waren Kämpfer der Hamas und des Islamischen Jihad – und nicht etwa »unschuldige Zivilisten«, wie die Hamas behauptet, die dazu fingierte Zahlen veröffentlicht hat. Es war die Hamas, die ihre eigenen Leute auf die Dächer von Wohngebäuden im Gazastreifen beorderte, während Gazaner Raketen und Mörsergranaten auf Israel feuerten. Es war die Hamas, die ihre eigenen Leute als menschliche Schutzschilde benutzte, um Israel daran zu hindern, sich zu verteidigen, oder, falls es das doch tun sollte, dafür zu sorgen, dass es mehr »tote palästinensische Babys« geben würde, die man den eingeschüchterten Fernsehteams zeigen könnte, um die Israelis als Bösewichte darzustellen.

Es ist die Hamas, die sowohl in ihrer Charta als auch in ihren täglichen Ansprachen ihre Absicht verkündet, einen Genozid an den Juden zu verüben – nicht an den Israelis, sondern an den Juden. Artikel 7 der Hamas-Charta verlangt ganz offen einen Massenmord an den Juden, ein Akt, den der Islam im mündlich überlieferten religiösen Erbe Mohammeds (den Hadithen) »legitimiere«. Mahmud Abbas wiederum ruft nach einem »friedlichen Volkswiderstand« gegen die Israelis, bei dem »von allen verfügbaren Mitteln« des »Völkerrechts« Gebrauch gemacht werden solle – mit freundlicher Genehmigung Europas. »Widerstand« – bei diesem Begriff denkt man eher an Franzosen, die es seinerzeit gewagt haben, die Nazis anzugreifen, als an palästinensische Terroristen, die mit Autos in Menschenmengen fahren oder aus Tunneln auftauchen, um zu töten und Kindergartenkinder zu entführen oder alte Männer zu schlachten, während diese beten.

Die Wahrheit ist, dass Mahmud Abbas mit seinen Appellen an die Mächtigen dieser Welt versucht, die israelische Regierung, Friedensverhandlungen und rechtlich bindende Vereinbarungen zu umgehen – um auf unilateralem Weg einen palästinensischen Staat zu schaffen, ohne Israel als die Heimstatt des jüdischen Volkes anerkennen und eine endgültige Regelung des Status unterzeichnen zu müssen. Wenn Abbas davon spricht, dass er einen sicheren Korridor zwischen dem Gazastreifen und der Westbank will, dazu volle Kontrolle des Luftraums und der Seewege, dann würde ich das, wenn ich Israeli wäre, so verstehen, dass er unbehelligt Waffenlieferungen aus dem Iran empfangen können will.

Also beschuldigen wir die Juden eines »Genozids«, während wir eigentlich selbst danach trachten, sie alle »ins Meer zu treiben« und zu töten? Und die Europäer kaufen uns diesen Unsinn ab? Fragen wir uns alle: Wenn die Europäer sich als so gerecht betrachten, warum handeln sie dann als Komplizen und Gehilfen von Kriminellen? Macht das nicht aus ihnen ebenfalls Kriminelle?

Statt sich von den Isis-gleichen Träumen der Hamas, auf den Ruinen Israels ein islamisches Emirat zu errichten, zu distanzieren, hat sich Abbas das Geschirr dieser terroristischen islamistischen Ideologie selbst übergezogen. Er und seine engen Mitarbeiter versuchen nicht nur, die Verhandlungen zu umgehen, zu denen sich beide Seiten 1995 im Oslo-II-Vertrag verpflichtet haben, sondern sie schüren täglich Gewalt. Abbas scheint auch offensichtlich darauf zu hoffen, dass Europa und die Vereinten Nationen Palästina als Staat anerkennen, ohne dass er versprechen muss, die täglichen Gewaltakte zu beenden, die nun, dank der jüngsten Annäherung an die großen Terrormäzene Katar und Iran, noch großzügiger finanziert werden.

Es ist offensichtlich, dass sich Abbas – andauernden Spannungen zum Trotz – auf die Seite der Hamas schlägt, statt sich mit denjenigen Muslimen zu verbünden, die wirklich dem Frieden zugetan sind und Terrororganisationen wie die Hamas und Isis verurteilen. Die Hamas bildet gemeinsam mit der Palästinensischen Autonomiebehörde die »Einheitsregierung«. Beide verüben Kriegsverbrechen und verzerren die wahre Bedeutung des Islam. Das von der Regierung kontrollierte Fernsehen der PA ruft dazu auf, Israelis anzugreifen, ehrt täglich Terroristen und fordert, deren Familien finanzielle Unterstützung zukommen zu lassen.

Ein großer Teil solcher Gelder wird von der Europäischen Union zur Verfügung gestellt, ohne Transparenz oder Rechenschaftspflicht, trotz jahrelanger Bemühungen, diese Geldflüsse öffentlich zu machen, wie es das von der EU selbst geschriebene Gesetz verlangt. Wir kommen darum nicht umhin, zu der traurigen Feststellung zu gelangen, dass die EU ebenso zynisch und korrupt ist wie die erstarrte Diktatur, der sie uns auszuliefern versucht.

Mahmud Abbas und seine Mitarbeiter im Zentralkomitee der Fatah haben ihre antiisraelische Rhetorik kontinuierlich verschärft – das Ergebnis ihrer Unterwerfung unter die Macht der Hamas im Gazastreifen und der Westbank. Statt zu versuchen, die Hamas zu besiegen, was wohl jenseits seiner Fähigkeiten liegt, hat Abbas sich ihr angeschlossen. Das ist von jeher der Ausweg des Feiglings, seit die Hamas ihn 2007 in Schande aus dem Gazastreifen vertrieben hat. Damals kam er nur knapp mit dem Leben davon; die Hamas hat wiederholt versucht, Abbas zu ermorden, wie er im letzten Sommer zu seinem eigenen Schrecken erfahren musste. Aber augenscheinlich klammert Abbas sich dennoch weiter an Hoffnungen, obwohl ein Sprichwort sagt: Ein Muslim lässt sich nicht zweimal von derselben Schlange beißen.

Die Hamas folgt der mörderischen Ideologie der Muslimbruderschaft, einer Ideologie, die sich der ganzen Welt aufzwingen will, in direktem Verstoß gegen den Koran, der sagt, dass Menschen nicht durch Zwang zum Islam bekehrt werden dürfen (Koran 2:256). Sogar der jordanische König Abdullah II. sagte bei einer Rede vor den Vereinten Nationen am 24. September 2014, dass es in der islamischen Welt einen Bürgerkrieg zwischen terroristischen Extremisten und genuinen Muslimen gebe.

Wenn europäische Machthaber sich wirklich für uns interessierten, dann würden sie – statt Geld zu schicken, damit wir ihnen helfen, die Juden loszuwerden – uns dabei unterstützen, eine bessere Regierung zu finden – eine, die sich um den Alltag und das Wohl ihrer Bürger kümmert, statt nur zu versuchen, an immer mehr und mehr Geldgeschenke aus Europa zu kommen. Das ist jetzt ein großes Geschäft für die palästinensischen Führer, es ist an keine Konditionen geknüpft, warum sollten sie aufhören? Selbst jetzt, nach der vernichtenden Niederlage der Hamas, hat niemand in Europa auch nur vorgeschlagen, dass die Entwaffnung der Hamas und Demilitarisierung des Gazastreifens zur Bedingung gemacht werden müssten, wenn Mittel für den Wiederaufbau bereitgestellt sollen.

Glauben die Europäer im Ernst, dass wir, die einfache Zivilbevölkerung, in einem »palästinensischen Staat« ein besseres Leben haben werden? Im Augenblick kann die Hamas zumindest nicht noch mehr Territorien besetzen. Das bedeutet, wir müssen zwar ihre Misshandlungen erdulden, aber sie konnte uns wenigstens noch nicht dem Terror religiöser Fanatiker ausliefern, der noch schlimmer wäre. Wenn wir uns selbst gegenüber ehrlich sind, dann sehen wir, hier vor Ort, jeden Tag, dass Israel nie die Auslöschung der Palästinenser gewollt hat; und Forschungen zeigen sehr deutlich, dass es niemals auch nur versucht hat, »die Palästinenser zu vernichten«, geschweige denn irgendeine andere ethnische Gruppe – weder Christen noch Muslime, Kurden, Jesiden oder Kopten.

Israel hat nie etwas gesagt oder getan, das auf irgendeinen solchen Plan hingedeutet hätte. Im Gegenteil: Während Israel sich verteidigt hat, hat man dabei dennoch größtmögliche Anstrengungen unternommen, keine palästinensischen Zivilisten zu verletzen, obwohl die israelische Armee in der Lage wäre, unbeschreibliche Zerstörung zu verursachen, wenn sie denn wollte. Wir machen Witze darüber, wie glücklich wir sind, Israel als unseren »Feind« zu haben, und dass jeder solch einen Feind haben sollte. Kann man sich vorstellen, was für ein Massaker an den Juden – und an den Christen und anderen – es gäbe, wenn der Iran oder Isis die Waffen hätte, über die Israel verfügt? Es ist genau anders herum. Wir, die Palästinenser, sind diejenigen, die seit Jahrzehnten die Vernichtung der »zionistischen Entität« fordern und danach rufen, die Juden ins Meer zu treiben. Einige von uns richten ihr Handeln immer noch daran aus, dieses Ziel zu erreichen.

Wie üblich trachtet die derzeitige Führung hier danach, den wachsenden Zorn und die Frustration der Bevölkerung gegen Israel zu kehren. Aber mehr und mehr durchschauen die Leute das und reden über die buchstäblich Hunderte von Millionen Euro, die die Europäer jedes Jahr der palästinensischen Führung und politisierten »Menschenrechtsorganisationen« geben, damit alles so bleibt, wie es ist. Die Leute hier sagen, dass das wahre Problem nicht Israel ist und ganz bestimmt nicht der Mangel an Friedensverträgen (die die Amerikaner vielleicht gern hätten, um damit, wie Neville Chamberlain 1938, leichtgläubigen Zuschauern zu winken).

Israel ist zäh, ja, aber es war immer weitgehend fair – das ist mehr, als man über die anderen Länder der Region sagen kann. Solange es nicht provoziert wird, ist Israel ein bemerkenswert anständiger Nachbar. Bei weitem ist nicht alles perfekt, es gibt Probleme, und es gab hier und da unaussprechlich brutale Racheakte von einigen Israelis. Doch das waren immer Ausnahmen, und sie wurden von den Israelis selbst immer scharf verurteilt und bestraft, nicht gefeiert und verherrlicht, wie die palästinensische Führung es mit ihren Attentätern tut. Genau dieser palästinensischen Führung möchten die europäischen Staatsoberhäupter uns ausliefern: einer Regierung, unter der keiner von ihnen auch nur einen Tag leben wollen würde.

Kämpfer von Isis sind bereits auf der Sinai-Halbinsel und planen, wie sie Ägypten übernehmen werden, auch Libyen haben sie schon im Blick. Ist das wirklich das, was die Europäer wollen?

Zum Foto: Mahmud Abbas und die neue Außenbeauftragte der Europäischen Union, Federica Mogherini. Ramallah, 8. November 2014.


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Kämpfe zwischen YPG und syrischer Armee January 19, 2015 | 12:36 am

At least 18 people have been killed in unprecedented fighting between Kurdish forces and Syrian government troops in the northeastern city of Hasakeh, a monitoring group said Sunday.

The clashes, which erupted in the early hours of Saturday, were continuing for a second day, the Syrian Observatory for Human Rights said. “So far, eight Kurdish People’s Protection Units (YPG) fighters and security police have been killed, along with nine regime soldiers and militiamen,” said Observatory director Rami Abdel Rahman. A woman civilian was also killed in the fighting on Saturday. The clashes broke out after Kurdish fighters detained around 10 regime loyalists they accused of seizing part of a demilitarised zone.

Quelle

Kritische Zombies January 18, 2015 | 11:11 pm

Apropos Utopie/Dystopie – einige der populärsten Dystopien kommen aus dem Zombie-Genre. Hierzu drei Beiträge:

1. Gesellschaftskritik in Zombie-Filmen

Im Rahmen des Jour-Fixe der Falken Erfurt hat einer der Falken-Genossen einen Vortrag über Gesellschaftskritik in Zombie-Filmen gehalten. Er informiert über Ursprünge und die Entwicklung des Genres, bespricht einige wichtige Zombie-Filme und arbeitet verschiedene gesellschaftskritische Motive aus diesem Material heraus.

Wenn die Toten erwachen …

Zombiefilme haben den Ruf, genauso stumpfsinnig und geistlos zu sein wie die darin vorkommenden Untoten – aber das stimmt nur zum Teil. Tatsächlich können die inszenierten Dystopien und Endzeitszenarien durchaus als Projektionsfläche einer allgemein empfundenen Ohnmacht gegenüber der Gesellschaft und Artikulation eines Fortschrittspessimismus gelesen werden. Anhand von Filmausschnitten und Thesen diskutieren wir verschiedene Interpretationsansätze. [via]

    Download: via Aarchiv (mp3; 40.7 MB; 29:40 min)

2. Der Zombie ist der Wert

Ähnliche Motive arbeitet der Text „Der Zombie ist der Wert“ von Alex Schärer heraus, der in der Züricher Zeitschrift Risse – Analyse und Subversion – No.6 erschienen ist. In der Sendereihe Sexy Kapitalismus … oder Pop ist eine Pizzaschachtel wurde dieser Text, unterlegt mit passender Musik und Audio-Film-Schnipseln, schon vor einiger Zeit einmal vorgelesen. Der Text konzentriert sich auf die Motive der Zombie-Triologie von George Romero und bringt diese am Schluss mit einigen wertkritischen Theoremen in Verbindung.

    Download: via Mediafire (mp3; 54.9 MB; 1h)

3. Zombies! Dekonstruktion eines Mythos

Auf Deutschlandfunk wurde 2011 ein aufwendig produziertes Feature über den Zombie-Mythos von Markus Metz und Georg Seeßlen gesendet. Darin wird die Entwicklung des Zombie-Mythos von seinen Ursprüngen im Voodo-Kult bis zu den postmodernen Hollywoodproduktionen hörbar, wobei vor allem die Ähnlichkeit zwischen Mensch und Zombie herausgearbeitet wird. Es kommen verschiedene Kulturwissenschaftler, Autoren und Filmproduzenten zu Wort und das Ganze wird von zahlreichen Samples und eigens produzierten Hörspielsequenzen gerahmt. Eine durchaus hörenswerte Radioproduktion.

50 Millionen Menschen auf der Welt bekennen sich zu der aus Afrika stammenden Religion, die in der westlichen populären Kultur als „Vodoo“ bezeichnet wird und hier für wüste Okkult- und Verschwörungsfantasien herhalten muss. Zu den faszinierend-bedrohlichen Vorstellungen dabei gehört der Zombie: der durch Zauberei in eine willenlose Hülle verwandelte Mensch.

Die ersten Hollywood-Zombie-Filme standen in den 1930er-Jahren noch ganz unter dem Eindruck der tendenziösen Berichte aus Haiti und des Schocks der erfolgreichen Sklavenrevolte, bei der die Vodoo-Religion eine nicht unerhebliche Rolle gespielt hatte. Mit wenigen Ausnahmen wurde in der Filmproduktion der rassistisch-propagandistische Aspekt gedankenlos übernommen und mit anderen Horror-Mythen verbunden. Erst George A. Romero schuf 1968 mit seinem rauen Film „The Night of the Living Dead“ einen neuen Bezug: Der Zombie als Metapher des Verfalls von Kapitalismus und Demokratie. Seitdem sind Zombie-Filme, -Songs, -Bücher und -Comics aus der Popkultur nicht mehr wegzudenken.

Produktion: DLF 2011 [via]

    Hören: via DLF-Stream (1 h)


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