Ein Mord ist einer zu viel! July 6, 2014 | 09:33 pm

Dass Israel ein Problem mit rechtsextremistischen, extrem nationalistischen und/oder rassistischen Gruppen hat, die auch vor Mord nicht zurückschrecken, ist nicht erst seit dem Mord an Mohammed so. Unabhängig davon ob die aktuell verdächtigte Gruppe hinter der bestialischen Ermordung Mohammeds steckt, ist es Aufgabe des israelischen Staates, diese und ähnliche Gruppen aufzulösen und sollte es sich bestätigen, dass diese hinter der Mordtat stehen, so sind deren Protagonisten hinter Schloss und Riegel zu bringen, wozu sich die israelischen Exekutivorgane aber gerade anschicken – weswegen diese Äußerung hier nicht als Appell zu verstehen ist. Auch wäre die gelegentlich halbherzige Verfolgung derselben, ein Phänomen über das die Interviews in “Töte zuerst” einen Einblick geben, zu reflektieren, aber auch dies ist ja Bestandteil politischer Diskussionen in Israel, wovon der angeführte Film (und nicht nur dieser) beredtes Zeugnis ist. Und nicht zuletzt scheint mir als Bürger der Bundesrepublik diese Äußerung solcher Gedanken seltsam, haben wir es hierzulande mit nachgewiesenen Verbindungen des BND mit der Naziterrorbande NSU, mit Ermittlungsbehinderungen beim notwendigen Vorgehen gegen den NSU und mit Vertuschungen bei den in diesem Zusammenhang betriebenen Aufklärungsversuchen zu tun. Darüber hinaus klingen solche Statements in einem Lande seltsam, dass bis heute nicht in der Lage ist, die Terrororganisationen Hamas und Hisbollah als ebensolche zu klassifizieren, dass bis heute nicht in der Lage ist, dem antisemitisch regierten Iran politisch und wirtschaftlich zu isolieren, dass bis heute nicht in der Lage ist, zu kontrollieren, dass die exorbitanten Geldflüsse an die PA nicht dazu genutzt werden, so genannte Märtyrer und ihre Angehörigen großzügig für ihre Terrorakte zu entlohnen.

Darüber hinaus sollte von der leichtfertigen und sinnlosen Behauptung – es gibt auf allen Seiten Extremisten – Abstand genommen werden. Es macht einen erheblichen Unterschied aus, ob Antisemitismus Räson von Staaten wie dem Iran und seiner Verbündeten ist, nach wie vor die Leitidee der Hamas ist, offen geduldete Propaganda wie im Westjordanland unter der PA ist, oder ob wir es mit einem Staat und einer Gesellschaft zu tun haben, in der Rassismus von vielen gesellschaftlichen Initiativen und Medien thematisiert und bekämpft wird und dieser auch offiziell geächtet wird. Den angesichts der Entführung von Gilad, Naftali und Eyal leider viel zu oft zu vernehmenden erschreckenden Äußerungen in Israel und von vielen außerhalb Israels, die von sich meinen Israel und Juden mit Hass- und Vergeltungsaufrufen gegen Araber einen Dienst zu erweisen, ist sowohl von den Eltern der ermordeten israelischen Jungen, von vielen israelischen Bürgern als auch vom israelischen Staat deutlich entgegen getreten worden, auch das unterscheidet Israel von seinen palästinensischen Nachbarn. Doch dass auch in bestimmten Kreisen in Deutschland erschreckende Statements zu vernehmen waren, macht deutlich, dass in Deutschland dies thematisiert werden muss.

Häufig ist zu hören, in Israel trifft die Tat von Rechtsextremisten auf fast einhellige Kritik der Öffentlichkeit und der Politik und in Israel werden Plätze nicht nach den Terroristen und Mördern genannt, die es unter den Extremisten auch gibt. Auch die Tatsache, dass die Erklärung der israelischen Regierung die Tat und ihre Täter eindeutig verurteilt und nicht versucht, der PA zu unterstellen, einen Nutzen aus dem Mord zu ziehen, unterscheidet Israel von der PA, macht aber das Problem, das Israel hat nicht kleiner. Der Verweis auf den Unterschied, der umso nötiger scheint, weil es so ist, dass die europäischen Medien das anders propagieren, ist vollkommen richtig, geht aber an der Sache vorbei, denn dass es diese Gruppen und die Täter gibt, ist ein politisches Problem, dass zu lösen sich anzuschicken, Israels Aufgabe sein muss. Dass es sich dieser Aufgabe am besten stellen kann, wenn die Bedrohung durch den Iran, der Hamas und der Hisbollah aufhört, wenn Israel endlich als jüdischer Staat anerkannt wird und dem Antisemitismus unter den Arabern ernsthaft entgegen getreten wird, ist eigentlich logisch – aber kein Allgemeingut der europäischen Öffentlichkeit. Dass Israel diese Aufgabe aber auch dann lösen muss, wenn sich die außenpolitischen Rahmenbedingungen nicht ändern, oder wie gerade jetzt durch den massiven Raketenterror eskalieren, macht die Sache nicht einfacher, ist aber existentiell.

Um es angesichts der oben ausgeführten Argumentation noch mal zu betonen, der Mord an Mohammed ist durch nichts zu rechtfertigen und auch nicht zu bagatellisieren, er ist ein barbarischer Akt, der nicht nur der juristischen sondern auch der politischen Aufarbeitung bedarf.

Schall & Wahn – Den Kampftag der antisemitischen Internationalen verunmöglichen July 6, 2014 | 08:09 pm

Am 25.07. wird in Berlin der al-Quds-Tag 2014 stattfinden. Aufmarschieren werden Antisemit_innen jeglicher Couleur. Ob Islamist_innen, Verschwörungsideolog_innen, deutsche Nazis oder deutsche Antiimperialist_innen: bindendes Element ist der Antisemitismus.
2 Regionalbündnisse widmen sich dem Thema mit Veranstaltungsreihen und Aufrufen. http://schallundwahn.blogsport.eu/
Das Ziel ist gemeinsam am 25.07. in Berlin gegen den dortigen al-Quds-Aufmarsch zu demonstrieren. Ab Hannover wird es auch eine organisierte Anreise geben. Anmeldung unter: schallundwahn@riseup.net
Die Veranstaltungsreihe in Hannover startet mit Hannes Bode am 9. Juli zur Ideologiekritik des Islamismus, Pavillon Hannover, 19 Uhr
Weiter geht es mit:
14.07. Mobilisierungsveranstaltung im UJZ Korn, 20 Uhr
16.07. Das iranische Regime & die Bedrohung Israels mit Stephan Grigat, Uni Hannover, Hauptgebäude, F128, 19 Uhr
23.07. Psychoanalyse des Antisemitismus mit Sebastian Winter, Uni Hannover, Hauptgebäude, F128, 19 Uhr
schall&wahn

Photo July 6, 2014 | 03:51 pm



Feature. We almost lost Detroit – Über eine Stadt in der… July 6, 2014 | 11:32 am



Feature. We almost lost Detroit - Über eine Stadt in der permanenten Krise

Roberto Bolaños 2666 – II – Komposition, Fragen… July 6, 2014 | 09:22 am

…Fragen, Fragen. Und sehr unbefriedigende Antworten. Mit 2666 hat Roberto Bolaño ein Mammutwerk komponiert, dessen Ganzes sehr viel stärker als über die Handlung über die motivisch-thematische Struktur hergestellt wird. Was ich an anderer Stelle bezüglich des Musikalischen in der Literatur für Thomas Pynchon und den so genannten postmodernen Roman im Allgemeinen bereits herausgestellt habe gilt […]

against al-quds day July 5, 2014 | 10:09 pm

Auch diese Jahr darf wieder die antisemitische Al-Quds-Demo durch Berlin laufen. Gegenkundgebung 25. Juli um 13:00 Uhr Adenenauerplatz Unter folgenden Links gibt es den Aufruf in englischer und deutscher Sprache

Degrowth 3 – Auf zu neuen Paradigmen des Immerselben? July 5, 2014 | 09:37 pm

Im Frühjahr 1987 veranstaltete die Evangelische Akademie Arnoldshain eine Tagung zum Thema „Ökonomie und Zeit“, deren wohl berühmtester Teilnehmer, Nicolas Georgescue-Roegen, seine Gedanken zur Entropie in der Ökonomie vorstellte. Sein Hauptwerk The Entropy Law and the Economic Process in Retrospect ist eines der theoretischen Fundamente von degrowth. Im April 2014 lud die Evangelische Akademie Sachsen-Anhalt [...]

Israel-Bashing: Die Linken werden den Juden nie verzeihen July 5, 2014 | 12:32 pm

Eine Kolumne von Sibylle Berg

Irgendwie systemkritische und linke Europäer lieben Opfer. Die Juden waren in der Vergangenheit sehr oft Opfer. Wenn sie sich heute wehren, kann das der moralisch gute Europäer einfach nicht ertragen.

Die Logik von sogenannten Linken ist mithin schwer nachzuvollziehen.

"Israel provoziert dritte Intifada": Was will uns die seit Jahren in der Demokratie Israel angenehm lebende “taz”-Journalistin Susanne Knaul mit dieser Überschrift sagen? Dass Jüdischsein per se schon eine Zumutung und Provokation sondergleichen ist? Die Mehrheit der Berichterstattung und mit ihr der kritischen Leser (vergleiche z.B. hier) ist sich wieder einig. Und weiter an der Tagesordnung. Die Linke, falls es so etwas heute noch gibt, oder sagen wir besser, die gut lebenden systemkritischen Bürgerinnen und Bürger, werden den Juden nie verzeihen, dass sie keine Opfer mehr sein wollen.

Der systemkritische, gut verdienende Europäer liebt Opfer. Sie haben so eine Aura von bewaffnetem Kampf und Abenteuer. Die Palästinenser, die PLO, die roten Brigaden, Sie wissen schon. Gegen den Kapitalisten, den da oben, den Feind, gegen Amerika, das uns die verdammte Demokratie gebracht hat. Die Solidarität der oft gut verdienenden, aber aus irgendwelchen Gründen frustrierten System- oder Kapitalismusgegner mit dem, den sie für den Verlierer des kapitalistischen Kampfes halten, überdauert selbst die Erkenntnis, dass im Wettkampf - und zwar um was auch immer - derjenige verliert, der Gleichberechtigung und Demokratie ignoriert.

Dass Wohlstand Bildung voraussetzt, Menschenrechte, Meinungs- und Pressefreiheit - ach, scheiß der Hund drauf, lallt der loyale Linke, und schreibt schnell noch einen Hetzeintrag in ein Forum. Dass der Großteil des aktuellen Bullshits auf der Welt im Moment von islamischen Fundamentalisten ausgeht - egal. Die Israelis, die Juden, die Amerikaner, die alte Leier, der Wahnsinn. Der sich von Generation zu Generation zu vererben scheint.

Keiner weiß mehr genau, warum seine Eltern irgendwann mal links waren. Was sie wollten, wer Marx war (Jude), was er so wollte. Übernommen wird nur der rigide Stumpfsinn, der ideologische Restmüll, der aus Mündern und Hirnen kommt, die in einem Kopf sind, dessen Körper sich mit amerikanischen Kapitalistenprodukten vollhängt.

Meinen Gedanken fehlt die Stringenz? Ich weiß, ich wollte mich nur für systemkritische Kapitalismusgegner verständlich machen, denen Logik auch nicht unbedingt wie die Luft zum Atmen ist. An den Häusern israelkritischer Korrespondenten in Israel fahren große Allradwagen des Roten Kreuzes vorbei. Der Kontrollorganisation, die ohne jede Kontrolle die Einhaltung der Genfer Menschenrechte kontrolliert - sie winken sich zu. Na, wenigstens waren die mal in Israel, was man von den meisten Israelkritikern nicht sagen kann, na wenigstens sind die Menschen kritisch. Das hilft der Welt doch wirklich.

Der systemkritische, konsumskeptische Konsument lässt sich nichts mehr vormachen. Wir unterschätzen ihn. Denn jetzt, in diesem Moment, formt sich der bewaffnete, systemkritische, vormals linke Widerstand, um in Indien Frauen zu retten, um in Nigeria Mädchen zu befreien, sich den Dschihadisten des “Islamischen Staats” (vormals:ISIS) in den Weg zu stellen. Das ist ein anderer Schnack als gegen Bahnhöfe, Windräder und Juden zu wettern, wir werden uns alle noch umschauen.

Die Welt ist ein Jammertal, und wer nicht weltmüde ist, hat den Schuss doch nicht gehört.

bloody berlusconi July 4, 2014 | 09:00 pm

berlusconi_bloody_on_speaker_(seen near Leipzig, click pic to enlarge)


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Über das Khalifat July 4, 2014 | 02:49 pm

Thomas v. der Osten-Sacken und Oliver M. Piecha in der Jungle World:

Sicher streben Isis auf der einen und schiitische Milizionäre und Apokalyptiker mit ihren Unterstützern im Iran auf der anderen Seite einen neuen Nahen Osten an. Ihnen geht es dabei um vieles, die Justierung nationaler Grenzen gehört nicht dazu, schließlich träumen sie von einem islamischen Reich, das per definitionem keine irdischen Grenzen kennt. Das islamische Kalifat, das Isis am Wochenende ausrufen ließ, ist nicht mittelalterlich, sondern die postmoderne Aufhebung des Nationalstaates und seine Transformation in ganglands unmittelbarer religiös legitimierter Herrschaft. Der neue Kalif, Abu Bakr al-Baghdadi, sei, hieß es in einer entsprechenden Erklärung, fortan legitimer Herrscher aller Muslime.

Wenn auf der anderen Seite vor dreieinhalb Jahren, als es überall in der Region zu Massenprotesten kam, westliche Beobachter erstaunt feststellten, dass die Parolen der sogenannten arabischen Straße irgendwie nach dem Europa von 1848 klangen, lag das keineswegs nur an eurozentrischen Sichtweise, sondern entsprach vielmehr populären Forderungen nach Demokratisierung und Partizipation. Es mag Regionen der Welt geben, in denen neue Grenzziehungen geholfen haben, blutige Bürgerkriege zu beenden. Der eigentliche Konflikt im Irak, in Syrien und anderen Ländern des Nahen Ostens ist allerdings keineswegs einer um nationale Grenzen – einzig Kurdistan mag da eine Ausnahme darstellen –, sondern ein Krieg all jener, mal mit- und mal gegeneinander, denen es erklärtermaßen um die Vernichtung von vermeintlich künstlichen Nationalstaaten und dem geht, wofür sie noch immer stehen.

Deutschland-Premiere des israelischen Films „Jenin – wie es wirklich war“ July 4, 2014 | 12:52 am

Kommenden Sonntag wird in Deutschland erstmals der israelische Dokumentarfilm „Jenin – wie es wirklich war“ (2014) aufgeführt – im Beisein des Regisseurs Michael Yochai. Der frühere Pressesprecher der israelischen Armee (IDF) will im Münchner Gasteig insbesondere die gehässige Rolle der Medien nach der Intervention im Flüchtlingscamp Jenin 2002 thematisieren. Aber auch ein Schlaglicht auf die Medien in aktuellen Auseinandersetzungen dürfte nicht ausbleiben.


„Pallywood-Inszenierung“ mit Anweisung nach den Kämpfen in Jenin – kritisch dokumentiert.

„Es war ein Medien-Pogrom gegen den jüdischen Staat“, resümiert heute Tom Gross, Reporter für den Sunday Telegraph im Film „Jenin – wie es wirklich war“. Denn nach der Intervention im Flüchtlingscamp Jenin 2002 durch die IDF übernahmen westliche Leitmedien die Meldungen palästinensischer Agenturen. Sie berichteten weltweit von angeblichen „Massakern“ mit Tausenden Opfern durch die IDF. Allerorts fanden Massendemonstrationen statt. „Jenin 2002 = Warschau 1943″ war auf Spruchbändern in Amsterdam zu lesen. Diese Massaker hat es aber laut dem anschließenden UN-Bericht nie gegeben, bei den Häuserkämpfen in Jenin kamen 52 Palästinenser und 23 Angehörige der IDF ums Leben.

Der 30-minütige Dokumentarfilm von Michael Yochai lässt in Jenin involvierte israelische Soldaten, ehemalige israelische Minister, international tätige Journalisten und auch beteiligte Kämpfer des „Islamischen Jihad“ zu Wort kommen. Die Premiere findet im Rahmen der „Israeltage 2014“ statt. Initiator Michael Lang der Münchner Initiative Jachad zeigt sich erfreut: „Noch 2011 wurde der Film ‚Jenin, Jenin‘ von Mohammed Bakri im Gasteig gezeigt, der die Mär vom Massaker trotz geklärter Faktenlage wiederholt. Yochai’s Dokumentarfilm ist ein längst überfälliges Korrektiv.“

Zuvor hatte sich die Münchner Initiative Jachad sogar um die Teilnahme des umstrittenen Regisseurs Mohammad Bakri an der Veranstaltung bemüht. „Wir hätten es sehr spannend gefunden, wenn beide Regisseure und beide Filme bei der Veranstaltung aufeinandergetroffen wären. Aber das Prohibitiv-Honorar Bakri’s hat eine Einladung unmöglich gemacht“, sagt Lang. Letztendlich sei Jachad sogar seitens des Verleihs untersagt worden, den Film „Jenin, Jenin“ auf der Veranstaltung zu zeigen. „Offenbar möchte man sich mit dem Film ‚Jenin, Jenin‘ einem kritischen Publikum heute nicht mehr stellen.“ Das sei auch ein gutes Zeichen, so Lang. Für die Vorführung des Yochai-Films wurden laut Veranstalter eigens deutsche Untertitel angefertigt.

Direkt zuvor spricht ab 15.30 am Sonntag im Gasteig die ehemalige Knesset-Abgeordnete Einat Wilf zur Notwendigkeit, weshalb Israel ein „Jüdischer Staat“ ist und auch bleiben sollte. Die Ermordung dreier jüdischer Teenager könnte hinsichtlich der aktuellen Auseinandersetzung ebenfalls ein Thema werden. Wilf hatte erst kürzlich dazu ein Interview gegeben. Eine weitere Doppelveranstaltung im Rahmen der „Israeltage 2014″ findet am Samstag, dem 12 Juli, statt. Es kommen der Journalist Ulrich Sahm und der Jurist Tilman Tarach in den Münchner Gasteig.

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Doomed to fail July 3, 2014 | 11:31 pm

The effort to build an anti-ISIS coalition with Iran will inevitably fail—and spectacularly so. There are many reasons why, but one deserves special attention: Iran is incapable of making it succeed. Consider: over the last three years, Obama gave Iran a free hand in Syria and Iraq to counter Sunni jihadism. The result is a revitalized Iranian alliance system—and an al-Qaeda safe haven that now stretches from the outskirts of Baghdad in Iraq to Aleppo in Syria.

Quelle

Der Herr Carl hat eine Meinung July 3, 2014 | 10:13 pm

Nach der Entführung und auch nachdem klar war, dass die drei Jungs ermordet wurden, war die fast einhellige Reaktion der deutschen Medien widerlich. Geheuchelte Anteilnahme und die eigentliche Ermahnung an Israel, sich doch zurückzuhalten. Wichtige, auch als seriös geltenden Zeitungen, drückten durch die Verwendung des Begriffs „Siedlerkinder“ klammheimlich Verständnis für die Tat aus, machten die Opfer – vielleicht nicht direkt die Jungs -, aber doch deren Eltern und vor allem Israel für den terroristischen Akt verantwortlich. Die Verwendung des Begriffs “Siedlerkinder” ist Ausdruck für die allgemein gültige Verurteilung Israels, das darauf besteht, dass auch Juden in einem Gebieten wohnen und leben sollen, dass vielleicht einmal ein arabischer Staat werden soll. Zu verhindern, dass in einem arabischen Staat Juden leben werden, dafür ist den politisch Verantwortlichen in den arabischen Ländern jedes Mittel recht – und in Europa besteht Verständnis dafür, dass die Wahl der Mittel skrupellos ist.

Die Nordhessische Zeitung HNA berichtet über Dinge, die in der Welt passieren auf den hinteren Seiten. Vorher wird viel über Wichtiges und Unwichtiges aus der Provinz berichtet. Im Teil über die internationale Politik kommen, sofern nicht einfach von der FAZ abgeschrieben wird, auch Redakteure und Journalisten zu Wort, zuletzt der “Herr “Carl über die Kriegsgefahr in Nahost” (HNA, 03.07.14). Nein nicht der Herr mit K, – obwohl man es meinen könnte, nein, ein Herr Carl. Er lamentiert über die „Gefahr eines Krieges“. Mit diesem Satz bedeutet der Herr Carl seinen hunderttausenden Lesern, es gibt (noch) keinen, keinen Krieg. Tatsächlich weigern sich die arabischen Staaten (bis auf Ägypten und Jordanien, immerhin) bisher standhaft, mit Israel einen Friedensvertrag zu schließen, geschweige denn, den jüdischen Staat als solchen anzuerkennen. 1948 erklärten die arabischen Staaten Israel den Krieg – das war vor 66 Jahren. Auch den täglichen Beschuss Israels mit Raketen aus dem Gaza kann man wohl auch kaum als Zustand bezeichnen, der mit „Frieden“ zu umschreiben wäre.

Dann zählt Herr Carl “vier Jugendliche”, die “im Westjordanland” ermordet wurden. Drei: Eyal, Gilad und Naftali wurden im Westjordanland entführt – viele Zeitungen schrieben verschollen, verschwunden … – und dann ermordet. Ein Jugendlicher, der 16-jährige Mohamed wurde in Jerusalem ermordet, doch Jerusalem ist die Hauptstadt Israels, der Tatort befindet sich also in Israel.

Ist der Herr Carl ist ein Ignorant oder ein Dummkopf?

Als die drei Jungs entführt wurden, waren halbgare Distanzierungen eines Teils der Verantwortlichen der Palästinensischen Autonomiebehörde (PA) zu hören, die der Fatah angehören, ein anderer Teil der Regierung, die Hamas äußerte offen Verständnis für den Terrorakt, wenn sie nicht gar für die Entführung verantwortlich gewesen ist. Dem in großen Teilen der arabischen Bevölkerung zu vernehmenden Jubel über diese Untat, traten die Regierungsoffiziellen der PA nicht entgegen. Die angesichts der Entführung vielfach in Israel (und anderswo) zu vernehmenden Rache- und Vergeltungsschwüre gegen Araber sind jedoch nicht offizielle Politik Israels, im Gegenteil, nachdem der Mord an Mohamed bekannt wurde, rief der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu alle Israelis dazu auf, „das Gesetz nicht in die eigenen Hände zu nehmen. Israel ist ein Rechtsstaat und jeder muss sich nach dem Gesetz richten.“ Die Strafverfolgungsbehörden sollen „so schnell wie möglich herausfinden, wer hinter dem verachtenswerten Mord … steckt.“ Bisher ist unklar wer hinter der Tat steht, auch ein krimineller Hintergrund wird von der Polizei nicht ausgeschlossen. Herr Carl weiß mehr, „ein krimineller Hintergrund [sei] ausgeschlossen“, es ginge hier um „das Prinzip Auge um Auge, Zahn um Zahn“. Er suggeriert, dass der Mord an Mohamed eine Reaktion auf die Ermordung Eyals, Gilads und Naftalis gewesen sein könnte. Der Antisemitismus ist das Gerücht über den Juden und das antisemitisch konnotierte Vorurteil vom rachsüchtigen Juden spricht hier aus dem Herrn der Zeitung. Rache sei das leitende Motiv der Auseinandersetzungen zwischen Israel und Palästinensern, der durch eine “endlose Schlucht von Blut, Leid und Tränen” führt. Starke Metaphern um eine vollkommen hirnlose Behauptung bar jeden Sinnes.

Im Nahen Osten gibt es gegensätzliche Interessen, die schwer zu vereinbaren sind. Der Konflikt ist durch einen tief sitzenden Antisemitismus seitens der arabischen Bevölkerung aufgeladen. Diese im arabischen Teil hegemoniale Ideologie blockiert sämtliche Friedensbemühungen und ist treibendes Motiv für die unerbittliche Haltung, keinen jüdischen Staat im Nahen Osten zu akzeptieren sowie treibendes Motiv des arabischen Terrors. Freilich gibt es auch auf israelischer Seite Extremisten, Rechtsradikale und Rassisten, diese finden in der israelischen Gesellschaft aber immer offenen Widerspruch. Sicherheitspolitische Hardliner wie Avigdor Liebermann und stramme Nationalisten wie Naftali Bennet sind weitgehend in die an einer Realpolitik orientierten Regierung Netanjahus eingebunden. Terroristische Aktionen israelischer Extremisten sind kein Bestandteil israelischer Politik und werden in Israel auch nicht geduldet, wenn man sich auch eine konsequentere Ahndung wünschen darf.

Herr Carl plädiert für einen Dialog, der „Verbrechen und Verzweiflung auf beiden Seiten“ überwinden soll. Welche Verbrechen auf beiden Seiten? Stellt Herr Carl die Entführung der drei Israelis mit der Ermordung Mohameds gleich? Ja, das tut er. Klar der Mord an eine Person ist immer ein Verbrechen. Der Mord an Mohamed ist genauso abscheulich wie der an Eyal, Gilad und Naftali. Dies muss man der israelischen Regierung und der großen Mehrheit der Israelis jedoch nicht erklären, im Unterschied zu dem Teil der Regierung, die dem Verbrechen offenen Beifall spendete. Es ist dies ein Teil einer Regierung, die als Einheitsregierung von Europa und den USA einhellig begrüßt und mit einem unaufhörlichen und unerhörten Geldfluss gesponsert wird. Eine Einheitsregierung aus Fatah und Hamas. Dies alles auf eine Ebene zu stellen ist Israel mit zweierlei Maß zu messen. Es ist der Standard der sogenannten Israelkritik, es ist das Vehikel des Antisemitismus, in einer gesellschaftlich akzeptierten Form einen Ausdruck zu finden. Sicherheitspolitik und Terror ist gleichermaßen zu verurteilen, nein der Terror ist ja der Schritt der Verzweifelten, also noch irgendwie zu rechtfertigen, die Verzweiflung rührt ja von der unbarmherzigen Politik der rachsüchtigen Israelis her, hier gehört dann die Mahnung zum Dialog her, wie der Korn zum Gedeck.

Ist der Herr Carl ein Ignorant oder ein Opportunist oder ein Dummkopf ?

Die Forderung nach einem Dialog im Nahen Osten ist so abgestanden, wie das Bier in einer Schneckenfalle nach sieben Tagen mit einem Dutzend aufgelöster Schnecken drin. Keine Forderung nach einem Dialog wird die Kontrahenten des Nahen Ostens auf einen Friedensweg bringen. Ein Friedensprozess wird nur dann erreicht werden, wenn die Europäer klipp und klar jede weitere Unterstützung der PA davon abhängig machen, dass diese ohne wenn und aber die antisemitische Propaganda in ihren Medien und Bildungsinstitutionen unterbindet, wenn sie die Unterstützung der PA davon abhängig macht, dass diese Israel als jüdischen Saat anerkennt, wenn der Tatbestand, dass Juden im Westjordanland leben, kein Skandal mehr ist, wenn die Hamas als Terrororganisation geächtet wird, wenn das Atomprogramm im Iran beendet wird und die islamistische Regierung im Iran (und in den anderen arabischen Staaten) durch eine demokratische abgelöst wird und wenn den Boykottbestrebungen in Europa gegen israelische Produkte deutlich entgegen getreten wird.

Aber was bringt das Ganze hier. Der Herr Carl wird sich von dieser Invektive nicht beeindrucken lassen, sofern er sie überhaupt registriert. Den hunderttausenden Lesern dieses opportunistischen Mitläufers oder Propagandisten des ganz normalen antiisraelischen Ressentiments in Nordhessen stehen ein paar hundert gegenüber, die diese Zeilen registrieren. Es gibt wichtigere und besser Informierte, die gegen den bundesdeutschen Mainstream anschreiben, aber auch sie erreichen wenig, selbst wenn sie in größeren Blättern wie „Die Welt“ oder gelegentlich auch mal wie im Tagesspiegel zu Wort kommen. Als Eyal, Gilad und Naftali entführt wurden, standen wir in Kassel mit einem guten Dutzend Menschen auf dem Opernplatz um unser Entsetzten über das Verbrechen gegen unschuldige Teenager und unsere Solidarität mit den Jungs, den Eltern und den Staat Israel zu bekunden. In anderen Städten waren es mehr, aber die Teilnehmerzahl erreichte nirgends eine dreistellige Zahl.

Sollte Israel sich dazu entscheiden, gegen die Infrastruktur und gegen vermutete Stellungen von Terroristen im Gazastreifen vorzugehen, härtere Maßnahmen gegen ebensolche im Westjordanland durchzuführen – es wird dazu kommen, dass wieder Leute in fünfstelliger Zahl, im Bündnis mit allen möglichen Wohlmeinenden und weniger Wohlmeinenden die Straßen füllen und vor einer Gewaltspirale mahnen, Rüstungslieferungen an Israel skandalisieren, Israel einen Terrorstaat nennen, Israel Nazimethoden vorwerfen, Israel als den ewigen Unruhestifter, als Kindermörder und Brunnenvergifter anklagen, „Juden raus!“ – nein „Stoppt die Siedlungspolitik!“ und “Kauf nicht beim Juden!” – nein “Kauft nicht vom Siedler!” rufen. Dass dies so ist, dazu trägt ein Herr Carl in Nordhessen bei, wie die vielen anderen größeren und kleineren Herren mit K und einer Meinung.

Ist der Herr Carl ein Antisemit oder hat er nur eine Meinung?

Mark is standing beside a tomb on which is laid a Xerox of the Mona Lisa. It is a Super-8 movie. No… July 3, 2014 | 03:34 pm

Mark is standing beside a tomb on which is laid a Xerox of the Mona Lisa. It is a Super-8 movie. No dialogue. Mark places flowers on the smiling face. The surfer wipes out. The smile is both beautiful and sublime.
  But only from certain angles.
  The flowers are kitsch.
  […]
  The body in the letters of a literature of flawed flows. The hysteric that reframes the flowers by dropping them out of the frame. Leaving a signature without a date, a calligraphic density to be restored by experts. In a language like English I move outside of the frame and up the price of the dialogue. The aesthetic is drifting with me contaminating space with viral integrity. I speak but signatures slide from my lips down the line towards the seminal space of reception. My voice is cloaked in the digital, and its tense tonality sounds futuristic, a B-movie effect that puts you off the content.
  Once I drifted into chit-chat, love, cars, books, but now … breathless and ill at ease, I wait without flowers and imagine that this sense of deja-vu is deceptive and that this exchange is original. Not a nausea, but visionary sickness.
  “The interminable analysis of vomit, of a nausea rather, by which I am infected and which causes me to write myself, ” you said or someone said and through repetition you amplified that ambivalent sign. Illness and its metaphors.

———
Mark Waugh
aus: Come

META: Index ergänzt (doch schon) July 3, 2014 | 12:50 pm

Nach nur fast zwei Jahren haben wir wieder einen aktuellen Index auf der linken Seite. Man will ja nichts überstürzen.


Achtung: Terminänderung July 2, 2014 | 10:37 pm

Die Berliner Organisator_innen des antisemitischen AlQuds-Marschs haben nun bekanntgegeben, dass ihre Veranstaltung in diesem Jahr nicht am Samstag, sondern am Freitag, dem 25.7. um 14:30 Uhr stattfindet. Natürlich werden wir nun auch unsere Proteste am Freitag stattfinden. Kommt am 25. Juli um 13:00 Uhr zu unserer Kundgebung am Adenauerplatz.

The only Solution July 2, 2014 | 04:21 pm

Hussain Abdul-Hussain about solutions in the Middle East:

Solutions in the Middle East should be formed from the bottom up. This in turn requires greater visionaries than today’s local politicians and Western diplomats. People who oversee solutions should have a deep understanding of the socio-economic constructs of Arab societies and an awareness of their histories. Any solution short of a complete overhaul of the socio-cultural, political, and economic situation will only produce the same people, the same leaders, and the same crises.

 

Vortrag am 09. Juli in Hannover mit Hannes Bode: Ideologiekritik des Islamismus July 2, 2014 | 03:55 pm

Ob es um Syrien, Ägypten oder auch Deutschland geht - die Bedeutung des Islamismus steht immer mehr im Fokus. Doch nur selten werden das antimoderne Weltbild und der gesellschaftsreformerische Anspruch von Islamisten genauer analysiert, nur in den wenigsten Fällen wird die Entstehung islamistischer Strömungen gesellschaftsgeschichtlich kontextualisiert. Doch eine solche Analyse ist notwendig, will man den [...]

Roberto Bolaños 2666 (I) July 2, 2014 | 08:00 am

Die überwältigende Leere und was sich daraus lesen lässt Gewiss, es gibt Blickwinkel der Analyse, Ansatzpunkte zumindest, nach der sich die Güte eines literarischen Werkes einschätzen lässt. Gäbe es sie nicht, es wäre müßig über Kunst zu diskutieren. Nach solchen Möglichkeiten über die Qualität von Kunstwerken zu urteilen sucht die Sonntagsgesellschaft in der Auseinandersetzung mit […]

Martin, Brecht, die Indianer, Hühner KZs und Siedlerkinder* July 1, 2014 | 06:45 pm

Oh Lord, war das ein Tag gestern (30. 6.).

“Martin Heidegger hat kurzzeitig aus falscher Erwartung heraus mit dem Dritten Reich sympathisiert, seine Fehler dann aber korrigiert. Den Antisemitismus des Dritten Reichs hat er nie geteilt ” mit diesen Wort lud das Institut für Philosophie der Uni Kassel am 30 Juni zu einem Vortrag von Professor Silvio Vietta ein. Der laut Ankündigung zu den “profiliertesten Deutern” der Philosophie Heideggers gehörende Redner konnte den Freiburger Philosophen noch selbst kennenlernen und besitzt das kürzlich aufgetauchte “schwarze Heft” aus den Jahren 1945 und 1946.

Unser kleines, aber durchaus illustres Grüppchen vom Bündnis gegen Antisemitismus nahm sich die Freiheit um 18 Uhr in die Hochschule für bildende Künste hier in Kassel zu kommen.

Heidegger genießt via Foucault und dem ganzen Poststrukturalismus heuer hohes Ansehen, sein sehr deutsches Geraune und Gewabere inclusive der notorischen Neologismen hat die Unis in Frankreich, v.a. den USA und nun auch den geisteswissenschaftlichen Fachbereich in Kassel durchdrungen und dazu beigetragen, dass an den Geistes- bzw. Humanwissenschaften die Elemente „Geist“, „human“ und v.a. „Wissenschaft“ seit Dezennien getrost gestrichen werden können. Allerorten: irres, wahnhaftes, wolkiges und verblasenes Geschwätz rules ok. Und im Namen Heideggers lassen sich schon auch mal palästinensische Selbstmordattentate verklären. Gibt es alles bei Suhrkamp.

Was hatte Herr Vietta uns mitzuteilen?

Also: Word up!

Vietta – dessen Mutter eine Geliebte Heideggers war – fing launig an und gab Anekdötchen zum Besten. Der kleine Silvio war 10, spielte Ball, ein Pass zu Heidegger. Dieser schoss aufs Tor, “fast ein bisschen zu fest”, so Vietta. Lachen im Publikum. Ja, der Heidegger war natürlich ganz ein Mensch des späten 19. Jahrhunderts (the generation of 1880), katholisch geprägt, dann ist er aber wegen Herzschmerzen wieder raus aus der Scene … Und die Frauen, ja da hat er eine gehabt, war er verheiratet mit, hat aber natürlich mehr gebraucht, das brauchte der irgendwie zum Arbeiten, halt viele Beziehungen (u.a. zur Jüdin Arendt), die Frau hat derweil die Familie zusammen gehalten. Gutes Konzept. Über sowas hat der liebe Theweleit tausend Seiten geschrieben, die es in sich haben.

Ok, und Nazi war der nicht. Heidegger habe die Politik der Nationalsozialisten falsch eingeschätzt deswegen die überschwengliche Hoffnung auf einen Neubeginn der Abendländischen Kultur zwischen bolschewistischen und angelsächsischen Technik und -Machtwahn (brutalitas plus Technik) und sicher, da gibt es blöde Stellen in seinen Heften, auch habe er Kritik an Juden geübt, sie aber nicht als solche gemeint. Nur die Spekulanten und die in den herrschenden Kreisen überproportional vertretenen Juden, die habe er gemeint. … Aber diese ganze Nazi – Rassismus – Erbanlagen – Vernichtungsscheisse, nee, damit hat der nichts zu tun.

Eigentlich war der ja wie Brecht. In einer der blöden Stellen, da schreibt er nämlich, dass ihm die Bäuerlein in seinem lieben Todtnauberg berichten, wie die Juden die ganzen Rinder aufkaufen, und dann wird sich im Winter keiner mehr Fleisch leisten können. Dieser rechnende Geist, das hat der abgelehnt, das wird man ja noch schreiben dürfen – Und das hat der Brecht ja auch, da muss man nur mal die Heilige Johanna der Schlachthöfe lesen.

Heidegger wollte halt nur „ein Hirte des Seins“ sein, recht eigentlich einer der frühen Kritiker von Technik und Vermassung. Stell dir mal vor, Alter, was der zu Google gesagt hätte…

In der Diskussion wiesen eine Dame und ein junger Herr darauf hin, dass eine solche Haltung Heideggers recht eigentlich schlimmer wie die Totschlagmentalität eines schlichten SA – Manns sei.

Vietta wußte sich da nicht recht zu positionieren, redete sich sozusagen um Kopf und Kragen und entblödete sich zu meiner allergrößten Verblüffung nicht, folgende Einlassung zu tätigen: Die Holocaust – Debatte, das ist ja schon bisschen seltsam, wie die in Deutschland geführt wird, immer der Blick auf die Einzigartigkeit, dabei gäbe es doch überall schlimme Sachen … In den USA gäbe es z.B. Menschen, die die Vernichtung der Indianer durch ihre Vorfahren auch als Holocaust bezeichnen, dito manche auch die Massentierhaltung und –Schlachtung.

Irgendwie war es langsam an der Zeit für ein klärendes Wort von Homer Simpson, aber der war nicht da.

Schluss mit lustig, es war zum Verzweifeln. Ein kaum unterbietbares Niveau. Und das im Rahmen einer Lehrveranstaltung an einer Uni, die als sie noch Gesamthochschule hieß, durchaus Bahnbrechendes und Wegweisendes zur NS – Zeit erarbeitet hat.

Einziger Lichtblick – die Anwesenheit einer Handvoll Zuhörer, die kundige, kluge, informierte Statements abgaben, darunter ein Philosophiestudent, der mit ein paar ausgewählten Zitaten und in zehn Sätzen alles, aber auch wirklich alles sagte, was zu Heidegger und Antisemitismus zu sagen ist. Wer in Kenntnis dieser Zitate noch behaupte Heidegger sei kein Antisemit gewesen, müsse verrückt sein, so der Diskutant. Der Gunter Hagen Lookalike fing an zu stammeln. Im Publikum wurde es daraufhin laut, Unmutsäußerungen wurden in den Raum gerufen. Die veranstaltende Professorin Karin Joisten beendete wenig später die Diskussion.

Ich verließ die Veranstaltung und begann mich schon klammheimlich auf das Fußballspiel zu freuen, natürlich in der Hoffnung, dass die Algerier jetzt mal Schluss mit dem Merkel – Fußball machen würden.

Draußen vor dem Gebäude erfuhr ich die schreckliche Wahrheit, die drei israelischen Jungs waren ermordet worden, ihre Leichen waren gefunden worden.

Und plötzlich war die Welt eine andere.

Also doch. 18 Tage gebangt. Und jetzt verscharrt auf offenem Feld. Die „Siedlerkinder“, wie so schön die Kotz-Zeit titelte.

Hey Martin, dort am Feldrain in der Bauernjacke, erkennst Du die heutigen Zeiten? Ain’t no change. Sie schlagen noch immer Juden tot, und die beherrschen noch immer das Business…

Und dann hat doch wieder Deutschland gesiegt…

Oh Mann, was für ein Abend…

*Jürgen Petzoldt (mit ein paar Ergänzungen von T.K.)

Der Fall Manuel F. July 1, 2014 | 12:27 am

Eine Nacherzählung ohne Anspruch auf Faktizität und Vollständigkeit über den 28. Juni 2013:

In Berlin steht ein offensichtlich verwirrter Mensch (leicht/un-bekleidet und mit einem Messer in der Hand) vor dem Roten Rathaus im Neptunbrunnen. Als die Polizei eintrifft soll er im Wasser liegen, welches bereits etwas blutig ist – der Mann hat sich selbst verletzt. Die Beamten sehen (vielleicht ist der prominente touristische Ort unweit des Fernsehturms von Bedeutung) unmittelbaren Handlungsbedarf, obwohl in dem Augenblick Leib und Leben keiner weiteren Person bedroht ist.

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Ein Polizist übersteigt den Brunnenrand, versucht mit Manuel F. zu sprechen, der reagiert nicht. Der Uniformierte steigt wieder aus dem Brunnen. Mit gezogener Pistole macht sich ein anderer Beamter die Füße nass, stellt sich zu Manuel F. ins Wasser, geht auf den Verwirrten zu, fordert diesen auf sein Messer niederzulegen. Dieser reagiert, sieht sich vermutlich seinerseits durch die auf sich gerichtete Waffe bedroht, handelt irrational und geht auf den Beamten zu – welcher zurückweicht.

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Ein Schuss kracht (anfängliche Berichte sprachen zunächst davon einer der sieben anwesenden außerhalb des Brunnens stehenden Polizisten habe geschossen…). Manuel F. fällt nicht gleich um, so Augenzeugen (acht Sekunden soll er senkrecht gestanden haben), dann fällt er ins Wasser – getroffen in die linke Brust. Er verliert das Bewusstsein, spätere Wiederbelebungsversuche im herbeigeeilten Krankenwagen sind erfolglos. Wegen der Kugel aus der Polizeiwaffe starb Manuel F., stellt das Obduktionsgutachten danach fest.

Über den Tod im Neptunbrunnen wurde in Berlin schnell Unverständnis geäußert:

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Das Ermittlungsverfahren der Staatsanwaltschaft gegen den Beamten, welcher den tödlichen Schuss abgab, wurde nach 56 Tagen eingestellt – der Verdacht, dieser habe nicht in Notwehr gehandelt, konnte nicht erhärtet werden (Zeit.de). 40cm Brunnenrand sind also nach Einschätzung der Staatsanwaltschaft Berlin für Polizisten ein unüberwindliches Hindernis. Warum stieg überhaupt ein Polizist in den Brunnen (indem sich sonst niemand aufhielt als der Verwirrte), wenn der Sprecher der Berliner Polizei meint:

In der Ausbildung lernen die Beamten, dass man sich Personen mit langen Messern nicht nähern soll. Eine Distanz muss hergestellt werden. (via)

Der fehlende Warnschuss wird da zur Nebensache (weil er auch eher Anwendung findet wenn Jemand flüchtet). Jedoch blieben und bleiben bis heute Fragen offen nach der Legitimität des Schusswaffengebrauch überhaupt (siehe Artikel Bettina Hammer bei Heise) und nach der Qualität der Schulung der Bereitschaftspolizisten. Wenn die Pistole zum Einsatz kommt, dann wäre etwa im Fall von Manuel F. gezielt nichtletaler Einsatz sinnvoller gewesen, als den Menschen aus dem Leben zu reißen (was für ein Leben dieser auch immer gehabt hat & auch wenn der Polizeisprecher meinte in den Fuß schießen hätte nichts gebracht). Der Vorfall hat wenig dazu beigetragen in die Zielsicherheit der Beamten zu vertrauen. Die Polizei versuchte noch vor Ort die Berichterstattung über ihr Verhalten zu verhindern, indem anwesende Augenzeugen ihre Video-Telefone und Fotoapparate abgeben mussten… Ein Grund mehr an das Ereignis vor einem Jahr zu erinnern.tod-am-neptunbrunnen

(src)

In den USA gab es 2009 einen ähnlich Vorfall was die Linsendichte angeht- ein Polizist erschoss dort vor diversen laufenden Handy- und Überwachungskameras Oscar Grant. Der Fall sorgte wegen seiner Eigenheiten in Folge für mehr Unmut als der Tod von Manuel F.  in Berlin. Am Ende steht dann eine monatlich aktualisierte Liste mit Toten auf dem Konto der amerikanischen Polizei. Oder eben zählbar vielen Opfern der deutschen Polizeigewalt (& sei diese auch rassistisch motiviert & die Liste lückenhaft).


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Zerstörer aus Berufung, Sadist reinen Herzens, ist der Antisemit in der Tiefe seines Herzens ein Verbrecher. Was er wünscht, was er vorbereitet, ist der Tod des Juden. (J.-P. Sartre) June 30, 2014 | 10:28 pm

Egal wer’s letztendlich war: Sie hatten keine Chance und fielen einem oder mehreren Mörder/n zum Opfer, der oder die sie umbrachte/n, weil sie Juden waren. Die, die von “verschollenen Siedlerkindern” schreiben und damit zu erkennen geben, dass der Mord an den Jungs vielleicht Folge eines, von ihnen seit je kritisierten, Zusammenhanges sei und also letztlich von den Eltern (den “Siedlern”) zu verantworten sei, sind nicht nur pietätlos, sondern nehmen klammheimliche Partei für diejenigen, die es auf den Mord ankommen lassen.

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Eyal, Gilad und Naftali wurden ermordet

Die, die vor einer Eskalation warnten und damit die Israelis und nicht die Entführer meinten sind nicht besser, weil sie genau das verurteilenswert finden, was den oben genannten angesichts der Nachricht über den Tod der drei Jungens in der zweiten Zeile einfällt, nämlich “das Israel während der Suche nach den Jugendlichen zahlreiche Hamas-Stellungen angegriffen hat”. Diese Zeile ist mittlerweile abgeändert worden. Die Änderung macht das Ganze aber nicht besser. Dem in Deutschland sehr beliebten Außenminister fällt angesichts der Todesnachricht ein, Israel zu einer Wiederaufnahme der Friedensgespräche mit den Palästinensern aufzufordern.

Fotos aus Kreuzberg June 29, 2014 | 11:55 am

Anne Lüth hat Fotos von den Aktivitäten rund um die von Flüchtlingen besetzte Schule gemacht, die noch immer von Polizei und Grünen terrorisiert wird.

Vortrag mit Stephan Grigat am 18. Juli in Berlin: Die Kritik des Antisemitismus und ihre Bedeutung im Umgang mit dem iranischen Regime June 29, 2014 | 10:16 am

Was heißt der kategorische Imperativ Theodor W. Adornos, dass es darum geht, „im Stande der Unfreiheit“ alles „Denken und Handeln so einzurichten, dass Auschwitz nicht sich wiederhole, nichts Ähnliches geschehe“? Warum haben gerade so viele Linke Probleme, die Bedrohung des jüdischen Staates eindeutig zu benennen und sich explizit gegen das iranische Regime und seine Verbündeten zu positionieren? Was bedeuten die Gefahren, die von Ajatollahs und Revolutionswächtern im Iran ausgehen, für eine grundsätzliche Kritik an Staat und Kapital, an Nation und Politik?

Wieder gelesen: Die satanischen Verse June 29, 2014 | 08:19 am

Was bleibt vom Roman hinter Fatwa, Verfolgung und Hype? Vor dem Wiederlesen von Rushdies Die satanischen Verse beschleicht mich eine gewisse Unsicherheit, wie bei noch einigen anderen Texten, die man einst einerseits wegen ihrer ungewöhnlichen, ein konservatives Verständnis von Literatur provozierenden Struktur, andererseits in erster Linie aber doch wegen der augenscheinlich darin vertretenen Positionen, denen […]