66 Jahre Israel – Mazal Tov! May 10, 2014 | 08:34 pm

Am 14. Mai 1948 – vor 66 Jahren – wurde Israel gegründet. Dieses Jahr wurde am 5. Mai der Unabhängigkeitstag (Yom Haatzma’ut) in Israel begangen. Das Datum des Festtages verschiebt sich in Israel jedes Jahr um ein paar Tage, weil der jüdische Kalender zugrunde gelegt wird.

Der Leiter der Abteilung Öffentlichkeitsarbeit der israelischen Botschaft Tal Gat hat anläßlich des 66. Jahrestages der Gründung Israels eine Rede in Ravensbrück gehalten. Ravensbrück ist am 30. April 1945 von Soldaten der Roten Armee befreit worden, das Konzentrationslager war jedoch bis auf ein paar Schwerkranke von den Nazis bereits geräumt worden. Die Anderen wurden auf einem Todesmarsch nach Westen getrieben. Am 3. Mai 1945 holten die sowjetischen Soldaten diesen Marsch ein und konnten den Rest der Übriggebliebenen befreien. Die Deutschen ermordeten in den Jahren 1939 – 1945 über 100.000 Menschen in Ravensbrück.

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Nie wieder! – Hier: Nicht nur leere Worte

Wir möchten die Rede Tal Gats dokumentieren, die in prägnanter Weise das auf den Punkt bringt, was einmal Detlev Claussen so zusammengefasst hat. „Wer von Israel spricht, thematisiert, ob er will oder nicht, die Massenvernichtung der europäischen Juden. Der Antizionismus suspendiert diesen Zusammenhang.”  Tal Gat suspendiert diesen Zusammenhang nicht, im Gegenteil – wie im Folgenden zu lesen sein wird:

“Sehr geehrte Damen und Herren,

ich bin sehr dankbar dafür, heute zu Ihnen sprechen zu dürfen. Dies ist alles andere als selbstverständlich.

In meiner offiziellen Funktion, als leitender Attaché der Abteilung Öffentlichkeitsarbeit der Botschaft Israels in Deutschland, nehme ich an unzähligen Veranstaltungen und Begegnungen teil, bei denen wir, als Nachkommen der Täter und der Nachkommen der Opfer, die Brücke zu erneuern versuchen, die unsere beiden Völker verband. Wir stellen uns gemeinsam den Fragen nach Identität, nach Verantwortung und Verpflichtung. Gemeinsam versuchen wir, Begriffen wie zikaron und hantzacha, also Gedenken und Bewahrung – oder Verewigung – Bedeutung zu verleihen, und Lehren aus der Vergangenheit zu formulieren. Manchmal ist dies ein Dialog auf politischer und moralischer Ebene, und manchmal spielen auch ganz persönliche Perspektiven eine Rolle …” weiter geht’s hier: Rede von Tal Gat in Ravensbrück am 4. Mai 2014.

Allen Zerstörungsphantasien zum Trotz, umgeben von einem Meer des Hasses und nach vielen Kriegen ist es Israel dennoch gelungen, zu überleben und Juden aus der ganzen Welt aufzunehmen und vor Verfolgung zu schützen. Darüber hinaus ist vor 66 Jahren nicht einfach irgendein Staat gegründet worden sie, sondern eine „lebendige Demokratie, die jedem ihrer Bürger – jüdischen wie nicht-jüdischen – Freiheit und Schutz garantiert.“ (Netanyahu)

Das ist etwas Einzigartiges im Nahen Osten, das auch viele arabische Bürger Israels zu schätzen wissen, wenn sie ihren Blick nach dem Libanon, nach Syrien, Jordanien, Ägypten, Saudi Arabien oder in die palästinensischen Autonomiegebiete richten. Meinungsfreiheit, regelmäßig demokratische Wahlen, Gleichberechtigung der Frauen, Religionsfreiheit und eine säkulare Ausrichtung der Gesellschaft, eine unabhängige Justiz und Gewaltenteilung, all das ist das wovon ein Teil der jungen arabischen Bürger und Bürgerinnen träumten, als sie in Tunesien, Ägypten und in Syrien auf die Straße gingen.

Doch Israel ist nicht nur ein freier, demokratischer und säkularer Staat, er ist auch ein jüdischer Staat. Israel ist die umgesetzte Utopie der zionistischen Bewegung, die sich Ende des letzten Jahrhunderts entfaltete und an Bedeutung gewann. Ziel war es, den in aller Welt verstreuten jüdischen Menschen eine Heimstatt zu schaffen und zum anderen ihnen einen sicheren und wehrhaften Zufluchtort zu geben, in dem sie ein für alle mal, vor antisemitischer Verfolgung geschützt sind. Gerade in Deutschland ist es daher wichtig auf diesen Umstand der Gründung Israels aufmerksam zu machen und Israel und den dort lebenden Menschen für die Zukunft viel Glück, Erfolg, Sicherheit und Frieden zu wünschen.

Unser Flugblatt: 66 Jahre Israel
Unser Aufsteller: 1948

Das BgA-Kassel wird am 14. Mai 2014 ab 16.30 Uhr in Kassel am Opernplatz mit einem Stand präsent sein. Wir wollen über den 66. Jahrestag der Gründung des Staates Israel informieren und auf die Erfolgsgeschichte dieses Staates anstoßen.

Am 14. Mai findet an vielen anderen Orten in Deutschland der Israeltag statt, federführend ist der ILI – I Like Israel e.V..

im Wind

Istanbul im Mai May 9, 2014 | 03:38 pm


Istanbul im Mai May 9, 2014 | 03:38 pm


Energy & Folklore statt Eros & Amore May 9, 2014 | 03:37 pm

Die Erotik-Messe „Eros und Amore“ tingelt alljährlich durch Österreich und Deutschland. Die Veranstaltungs-Website kündigt Niveau, Qualität und die Erfüllung erotischer Träume an. Hehre Versprechungen, die wir einer Realitätsprüfung unterzogen haben.

Wer sich schon einmal in die Shopping City Süd begeben musste, dem wird die architektonische Zumutung am Beginn des Einkaufszentrums nicht entgangen sein: die Pyramide Vösendorf. Sonst begegnet man diesem Bauwerk innerhalb der Wiener Stadtgrenze nur beim Anblick etwas schmuddelig wirkender neonfarbener Plakate, die den Gürtel und diverse Autobahnausfahrten säumen. Mindestens zweimal im Jahr bewerben diese in großen Lettern ein Event mit dem schlichten Titel „Erotikmesse“, das eben dort stattfindet. Nach Jahren der plakatförmigen Konfrontation mit dieser Veranstaltung können wir der Versuchung nicht mehr widerstehen. An einem verregneten Sonntag wagen wir uns zu „Eros und Amore“ in die Pyramide. Dort angekommen springen uns als erstes die Käse- und Brezelstände im Eingangsbereich ins Auge. Ihr autochthoner Charme konterkariert das Konzept des Messezentrums, mittels Kunstfelsen und Palmen ein tropisches Ambiente zu schaffen. Vor lauter Käse von Erotik erstmals keine Spur.

Die Website der Messe verspricht „Top Qualität durch die speziell ausgewählten internationalen Aussteller, die die gesamte Bandbreite des Erotikmarktes präsentieren“. Nach ein paar Runden ist uns klar, dass sich das nicht bewahrheiten wird. Die meisten Stände bieten das gleiche Repertoire an schleimhautunfreundlichen Sextoys und schlecht verarbeiteten Dessous an. Dazwischen einige Regale mit heimatverbundenen Pornos. Hobbyfotografen bei der Erweiterung ihres BildarchivsDie Protagonisten sind auffallend häufig „potente Lederhosenträger“ und „stramme Dirnen in Tracht“. Die Aussteller mit einem abweichenden Angebot sind überschaubar. Da ist etwa die deplatzierte Holzhütte, in der ein resigniert wirkender Herr handgeschnitzte Holzdildos aus dem Odenwald anbietet. Ein Stand offeriert Absinth, wohl der Annahme folgend, dass diese Veranstaltung nüchtern nicht aushaltbar ist. Auch ein Tätowierer, ein Piercer und ein Hersteller von Massagestühlen sind anzutreffen. Nach dem Probesitzen auf letztgenannten Stühlen, müssen wir feststellen, dass unsere Wirbel sich „Top Qualität“ anders vorstellen.
Bayern-Pornos, Odenwald-Vibratoren oder ein auf schwarz-rot-goldenem Grund erstrahlendes „Bondage made in Germany“ lassen keine Zweifel an der regionalen Verwurzelung der Veranstaltung aufkommen. Erotik und Pornografie jenseits deutsch-österreichischer Gefilde sind dem Publikum offenbar nicht zumutbar. Ebenso unvorstellbar ist es für die Veranstalter anscheinend, dass „Eros und Amore“ auch ein homosexuelles Publikum ansprechen könnte. Zwar gibt es Artikel zu kaufen, für die Homo- wie Heterosexuelle Verwendung finden können, doch kein einziger Stand oder Programmpunkt richtet sich dezidiert an ein nicht-heterosexuelles Publikum. Dabei sind durchaus einige Paare gleichen Geschlechts unter den Messebesuchern.
Es erstaunt, dass die Messeveranstalter diese potentielle Zielgruppe nicht ansprechen. Erscheint es doch in Zeiten des Internets recht unattraktiv, das Produktangebot der Messe in Anspruch zu nehmen. Kaum jemand zückt angesichts der horrenden Preise den Geldbeutel und sogar in der zwanglosen Atmosphäre offen zur Schau gestellter Sexualität scheint niemand sich in der Schmuddelfilmecke sehen lassen zu wollen. Vielleicht liegt das aber auch an dem Pornoverkäufer, der gelangweilt Spaghetti-Bolognese in sich hineinschaufelt, während er lustlos das vorbeiströmende Publikum beäugt.

Wanderzirkus und Völkerschau

Doch das Warenangebot erscheint für den Großteil der Anwesenden ohnehin nur sekundärer Grund für den Messebesuch zu sein. Die Hauptattraktion sind die im Halbstundentakt stattfindenden „neuen erotischen Choreographien in raffinierten Kostümen“, so beschreibt die Website die Performances. Wir müssen rasch feststellen, dass auch hier Dargebotenes und Ankündigungstext wenig miteinander zu tun haben. Die Mehrheit der Besucher verfolgt die Shows aber mit nahezu sakraler Andacht. Moderator Dieter Deutsch (der Name ist Programm) kündigt die Shows an und erinnert dabei an einen etwas obszönen Zirkusdirektor auf Speed. Überhaupt gleicht die ganze Veranstaltung einem Wanderzirkus. Das Publikum wird routiniert umworben, sichert es doch die gewiss nicht gerade horrenden Gagen der Auftretenden. Gleichzeitig gelingt es kaum einem der Darsteller, die Langeweile, die bei den immer gleichen Darbietungen aufkommen muss, zu verbergen.
Neue Choreographien in raffinierten KostümenDer Titel des ersten Programmpunkts, den wir verfolgen, ist „Silver Cocks und Edward mit den Scherenhänden“. Eine mit einem mittelalterlichen Kleid aus Vollsynthetik bekleidete Dame betritt die Bühne. Ihr folgt ein muskelbepackter Edward mit selbstgebastelten Scherenhänden aus Alufolie. Die Musik ist laut und gitarrenlastig, die Lichter grell, die Dame schnell entkleidet. In schönster Musical-Manier bewegen beide den Mund zum Gesang. Performance und Kostüme sind offenkundig liebevoll selbst kreiert. Das Publikum honoriert diese Bemühungen mit ehrfürchtigem Staunen. Die für uns schwer verständliche Geschichte scheint eine gewisse Romantik zu transportieren. Auffällig viele Pärchen haben sich vor der Bühne versammelt und schunkeln Arm in Arm. Nachdem der mittlerweile ebenfalls nackte Edward seine Partnerin ein paar Mal durch die Luft gewirbelt hat, ist der Spaß auch schon wieder vorbei. Der nächste Act wird anmoderiert. Mark Miller, so heißt es, werde nun „den Ladies“ etwas bieten. Das Publikum wechselt, bleibt aber überwiegend männlich.
Ganz dem Modell historischer Schausteller folgend, scheint Miller das Völkerschau-Element des Spektakels erfüllen zu müssen. Als schwarzer Darsteller ist er, mit Kunstafro und Rasseln ausgestattet, ganz auf rassistische Klischees reduziert. Dass sein Strip in einer Fixierung auf den Penis endet, verwundert bei einer solchen Präsentation nicht. Aber Rassismus allein scheint die abgründigen Sehnsüchte der Zuschauenden nicht zu befriedigen. Es bedarf auch noch einer chauvinistischen Pose, um das männliche Publikum bei Stange zu halten. Eine Besucherin wird auf die Bühne gehievt. In der Abschlussszene liegt Millers Penis auf ihrem Kopf. Nach der Performance betritt Dieter Deutsch grinsend die Bühne und vollendet das Ulrich Seidel-Szenario. Während Mark Miller weiter auf der Bühne posiert, wendet sich der Moderator an einen jungen Mann in der ersten Reihe. Er fordert ihn hämisch auf, doch ein paar Nahaufnahmen vom Penis des Strippers zu machen: „So einen schwarzen Rüssel siehst Du sonst nur auf Jamaika.“

Zwischen Hobby und Triebabfuhr

Neben der großen Showbühne gibt es noch mehrere kleine Podeste auf denen „traditionell“ gestrippt wird. Hier stechen besonders einige ältere Männer hervor, die sich mit professioneller Kameraausrüstung vor den Bühnen positioniert haben. Verbissen beanspruchen sie ihre Plätze in der ersten Reihe. Ihre Objektive richten sie akribisch auf die sich entkleidenden Frauen. Den routinierten Handbewegungen der Stripperinnen sieht man die Tristesse ihres gleichförmigen Broterwerbs an. Die Hobbyfotografen ähneln mit ihren ernsten Mienen jenen Gestalten, die man auch an Flughäfen und Bahnhöfen antrifft, wo sie an Wochenenden ein- und abfahrende Fahrzeuge ablichten. Von Erotik auch hier keine Spur. Die posierenden Frauen scheinen für sie Sammelkartenmotive zu sein, die rasch ordnungsgemäß archiviert werden müssen. Bei den Einzelshootings beobachten wir dann auch keine ungestümen Annäherungsversuche, sondern bloß zügiges und schüchternes Abfotografieren.Hobbyfotografen bei der Erweiterung ihres Bildarchivs 2
Betrachtet man dieses Szenario ist es kaum vorstellbar, dass diese Personen auch das Klientel der anwesenden Prostituierten sind. Dass auch derartige Dienstleistungen Teil des Angebots sind, bleibt auf der Website der „EROS & AMORE” gänzlich unerwähnt. Es sei denn, man ist gewillt, dies aus der Formulierung herauszulesen: „Alles wird getan, um die Erotik-Messe zu einem wahren Fest für alle Sinne werden zu lassen.“ Vor dem Zugang zu einem sichtgeschützten Bereich stehen zwei leichtbekleidete Damen. Ihre gelegentlichen „Gangbang“-Rufe verhallen zumeist unerhört in den Weiten der Pyramide. Neben ihnen sitzt ein Herr in einem auffällig blauen Jackett. Würde man seinem Goldschmuck, seinem breiten Grinsen und seiner glänzenden Kopfhaut bei einem Zuhälter aus dem „Tatort“ begegnen, würde man sich über die klischeehafte Darstellung wundern. Geduldig lauschen zwei männliche Muskelberge den Ausführungen von „Video Rudi“. Dieses Gesamtbild verschreckt uns etwas, so dass wir erst bei der nachträglichen Internetrecherche Rudis Imperium bestaunen können. Der ungekrönte König der kommerziellen Wiener Gangbang-Szene veranstaltet regelmäßig „Gruppenfickereien“ zum kleinen Preis, bei denen die Arbeitsbedingungen der Sexarbeiterinnen vermutlich eine genauso große Rolle spielen wie Lust und Erotik.
Bei der Vösendorfer Veranstaltung scheint „Video Rudi“ gut etabliert zu sein. Sein Stand zählt zu den größten auf dem Messeareal und bietet neben einigen Werbezetteln routinierte Sadomaso-Shows. Dass auf den Flyern nicht bloß die „Video Rudi“-nahen Swingerclubs, sondern auch ganz explizit Sexarbeiterinnen beworben werden, ist auf der Messe kein Einzelfall. So stolpern wir auf dem Weg zum Ausgang noch über den Werbestand eines Laufhauses und bekommen zum Abschied Energydrinks in die Hand gedrückt, die mit den Konterfeis der „Engelchen&Teufelchen“ eines „Premium Escorts“ bedruckt sind.
Der versprochene „grenzenlose Basar erotischer Phantasien“ beschränkt sich in Vösendorf auf Menschenverachtung und Billigprodukte. „Prickelnde Überraschungen“ kann einem hier allenfalls noch der Inhalt von Getränkedosen verschaffen. Doch traurigerweise ist dies außerhalb der Pyramide kaum anders.

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Die Reportage von Genossin Schmidt und meiner Nichtigkeit erschien zuerst in der Online-Ausgabe des ÖH-Magazins Progress.


Energy & Folklore statt Eros & Amore May 9, 2014 | 03:37 pm

Die Erotik-Messe „Eros und Amore“ tingelt alljährlich durch Österreich und Deutschland. Die Veranstaltungs-Website kündigt Niveau, Qualität und die Erfüllung erotischer Träume an. Hehre Versprechungen, die wir einer Realitätsprüfung unterzogen haben.

Wer sich schon einmal in die Shopping City Süd begeben musste, dem wird die architektonische Zumutung am Beginn des Einkaufszentrums nicht entgangen sein: die Pyramide Vösendorf. Sonst begegnet man diesem Bauwerk innerhalb der Wiener Stadtgrenze nur beim Anblick etwas schmuddelig wirkender neonfarbener Plakate, die den Gürtel und diverse Autobahnausfahrten säumen. Mindestens zweimal im Jahr bewerben diese in großen Lettern ein Event mit dem schlichten Titel „Erotikmesse“, das eben dort stattfindet. Nach Jahren der plakatförmigen Konfrontation mit dieser Veranstaltung können wir der Versuchung nicht mehr widerstehen. An einem verregneten Sonntag wagen wir uns zu „Eros und Amore“ in die Pyramide. Dort angekommen springen uns als erstes die Käse- und Brezelstände im Eingangsbereich ins Auge. Ihr autochthoner Charme konterkariert das Konzept des Messezentrums, mittels Kunstfelsen und Palmen ein tropisches Ambiente zu schaffen. Vor lauter Käse von Erotik erstmals keine Spur.

Die Website der Messe verspricht „Top Qualität durch die speziell ausgewählten internationalen Aussteller, die die gesamte Bandbreite des Erotikmarktes präsentieren“. Nach ein paar Runden ist uns klar, dass sich das nicht bewahrheiten wird. Die meisten Stände bieten das gleiche Repertoire an schleimhautunfreundlichen Sextoys und schlecht verarbeiteten Dessous an. Dazwischen einige Regale mit heimatverbundenen Pornos. Hobbyfotografen bei der Erweiterung ihres BildarchivsDie Protagonisten sind auffallend häufig „potente Lederhosenträger“ und „stramme Dirnen in Tracht“. Die Aussteller mit einem abweichenden Angebot sind überschaubar. Da ist etwa die deplatzierte Holzhütte, in der ein resigniert wirkender Herr handgeschnitzte Holzdildos aus dem Odenwald anbietet. Ein Stand offeriert Absinth, wohl der Annahme folgend, dass diese Veranstaltung nüchtern nicht aushaltbar ist. Auch ein Tätowierer, ein Piercer und ein Hersteller von Massagestühlen sind anzutreffen. Nach dem Probesitzen auf letztgenannten Stühlen, müssen wir feststellen, dass unsere Wirbel sich „Top Qualität“ anders vorstellen.
Bayern-Pornos, Odenwald-Vibratoren oder ein auf schwarz-rot-goldenem Grund erstrahlendes „Bondage made in Germany“ lassen keine Zweifel an der regionalen Verwurzelung der Veranstaltung aufkommen. Erotik und Pornografie jenseits deutsch-österreichischer Gefilde sind dem Publikum offenbar nicht zumutbar. Ebenso unvorstellbar ist es für die Veranstalter anscheinend, dass „Eros und Amore“ auch ein homosexuelles Publikum ansprechen könnte. Zwar gibt es Artikel zu kaufen, für die Homo- wie Heterosexuelle Verwendung finden können, doch kein einziger Stand oder Programmpunkt richtet sich dezidiert an ein nicht-heterosexuelles Publikum. Dabei sind durchaus einige Paare gleichen Geschlechts unter den Messebesuchern.
Es erstaunt, dass die Messeveranstalter diese potentielle Zielgruppe nicht ansprechen. Erscheint es doch in Zeiten des Internets recht unattraktiv, das Produktangebot der Messe in Anspruch zu nehmen. Kaum jemand zückt angesichts der horrenden Preise den Geldbeutel und sogar in der zwanglosen Atmosphäre offen zur Schau gestellter Sexualität scheint niemand sich in der Schmuddelfilmecke sehen lassen zu wollen. Vielleicht liegt das aber auch an dem Pornoverkäufer, der gelangweilt Spaghetti-Bolognese in sich hineinschaufelt, während er lustlos das vorbeiströmende Publikum beäugt.

Wanderzirkus und Völkerschau

Doch das Warenangebot erscheint für den Großteil der Anwesenden ohnehin nur sekundärer Grund für den Messebesuch zu sein. Die Hauptattraktion sind die im Halbstundentakt stattfindenden „neuen erotischen Choreographien in raffinierten Kostümen“, so beschreibt die Website die Performances. Wir müssen rasch feststellen, dass auch hier Dargebotenes und Ankündigungstext wenig miteinander zu tun haben. Die Mehrheit der Besucher verfolgt die Shows aber mit nahezu sakraler Andacht. Moderator Dieter Deutsch (der Name ist Programm) kündigt die Shows an und erinnert dabei an einen etwas obszönen Zirkusdirektor auf Speed. Überhaupt gleicht die ganze Veranstaltung einem Wanderzirkus. Das Publikum wird routiniert umworben, sichert es doch die gewiss nicht gerade horrenden Gagen der Auftretenden. Gleichzeitig gelingt es kaum einem der Darsteller, die Langeweile, die bei den immer gleichen Darbietungen aufkommen muss, zu verbergen.
Neue Choreographien in raffinierten KostümenDer Titel des ersten Programmpunkts, den wir verfolgen, ist „Silver Cocks und Edward mit den Scherenhänden“. Eine mit einem mittelalterlichen Kleid aus Vollsynthetik bekleidete Dame betritt die Bühne. Ihr folgt ein muskelbepackter Edward mit selbstgebastelten Scherenhänden aus Alufolie. Die Musik ist laut und gitarrenlastig, die Lichter grell, die Dame schnell entkleidet. In schönster Musical-Manier bewegen beide den Mund zum Gesang. Performance und Kostüme sind offenkundig liebevoll selbst kreiert. Das Publikum honoriert diese Bemühungen mit ehrfürchtigem Staunen. Die für uns schwer verständliche Geschichte scheint eine gewisse Romantik zu transportieren. Auffällig viele Pärchen haben sich vor der Bühne versammelt und schunkeln Arm in Arm. Nachdem der mittlerweile ebenfalls nackte Edward seine Partnerin ein paar Mal durch die Luft gewirbelt hat, ist der Spaß auch schon wieder vorbei. Der nächste Act wird anmoderiert. Mark Miller, so heißt es, werde nun „den Ladies“ etwas bieten. Das Publikum wechselt, bleibt aber überwiegend männlich.
Ganz dem Modell historischer Schausteller folgend, scheint Miller das Völkerschau-Element des Spektakels erfüllen zu müssen. Als schwarzer Darsteller ist er, mit Kunstafro und Rasseln ausgestattet, ganz auf rassistische Klischees reduziert. Dass sein Strip in einer Fixierung auf den Penis endet, verwundert bei einer solchen Präsentation nicht. Aber Rassismus allein scheint die abgründigen Sehnsüchte der Zuschauenden nicht zu befriedigen. Es bedarf auch noch einer chauvinistischen Pose, um das männliche Publikum bei Stange zu halten. Eine Besucherin wird auf die Bühne gehievt. In der Abschlussszene liegt Millers Penis auf ihrem Kopf. Nach der Performance betritt Dieter Deutsch grinsend die Bühne und vollendet das Ulrich Seidel-Szenario. Während Mark Miller weiter auf der Bühne posiert, wendet sich der Moderator an einen jungen Mann in der ersten Reihe. Er fordert ihn hämisch auf, doch ein paar Nahaufnahmen vom Penis des Strippers zu machen: „So einen schwarzen Rüssel siehst Du sonst nur auf Jamaika.“

Zwischen Hobby und Triebabfuhr

Neben der großen Showbühne gibt es noch mehrere kleine Podeste auf denen „traditionell“ gestrippt wird. Hier stechen besonders einige ältere Männer hervor, die sich mit professioneller Kameraausrüstung vor den Bühnen positioniert haben. Verbissen beanspruchen sie ihre Plätze in der ersten Reihe. Ihre Objektive richten sie akribisch auf die sich entkleidenden Frauen. Den routinierten Handbewegungen der Stripperinnen sieht man die Tristesse ihres gleichförmigen Broterwerbs an. Die Hobbyfotografen ähneln mit ihren ernsten Mienen jenen Gestalten, die man auch an Flughäfen und Bahnhöfen antrifft, wo sie an Wochenenden ein- und abfahrende Fahrzeuge ablichten. Von Erotik auch hier keine Spur. Die posierenden Frauen scheinen für sie Sammelkartenmotive zu sein, die rasch ordnungsgemäß archiviert werden müssen. Bei den Einzelshootings beobachten wir dann auch keine ungestümen Annäherungsversuche, sondern bloß zügiges und schüchternes Abfotografieren.Hobbyfotografen bei der Erweiterung ihres Bildarchivs 2
Betrachtet man dieses Szenario ist es kaum vorstellbar, dass diese Personen auch das Klientel der anwesenden Prostituierten sind. Dass auch derartige Dienstleistungen Teil des Angebots sind, bleibt auf der Website der „EROS & AMORE” gänzlich unerwähnt. Es sei denn, man ist gewillt, dies aus der Formulierung herauszulesen: „Alles wird getan, um die Erotik-Messe zu einem wahren Fest für alle Sinne werden zu lassen.“ Vor dem Zugang zu einem sichtgeschützten Bereich stehen zwei leichtbekleidete Damen. Ihre gelegentlichen „Gangbang“-Rufe verhallen zumeist unerhört in den Weiten der Pyramide. Neben ihnen sitzt ein Herr in einem auffällig blauen Jackett. Würde man seinem Goldschmuck, seinem breiten Grinsen und seiner glänzenden Kopfhaut bei einem Zuhälter aus dem „Tatort“ begegnen, würde man sich über die klischeehafte Darstellung wundern. Geduldig lauschen zwei männliche Muskelberge den Ausführungen von „Video Rudi“. Dieses Gesamtbild verschreckt uns etwas, so dass wir erst bei der nachträglichen Internetrecherche Rudis Imperium bestaunen können. Der ungekrönte König der kommerziellen Wiener Gangbang-Szene veranstaltet regelmäßig „Gruppenfickereien“ zum kleinen Preis, bei denen die Arbeitsbedingungen der Sexarbeiterinnen vermutlich eine genauso große Rolle spielen wie Lust und Erotik.
Bei der Vösendorfer Veranstaltung scheint „Video Rudi“ gut etabliert zu sein. Sein Stand zählt zu den größten auf dem Messeareal und bietet neben einigen Werbezetteln routinierte Sadomaso-Shows. Dass auf den Flyern nicht bloß die „Video Rudi“-nahen Swingerclubs, sondern auch ganz explizit Sexarbeiterinnen beworben werden, ist auf der Messe kein Einzelfall. So stolpern wir auf dem Weg zum Ausgang noch über den Werbestand eines Laufhauses und bekommen zum Abschied Energydrinks in die Hand gedrückt, die mit den Konterfeis der „Engelchen&Teufelchen“ eines „Premium Escorts“ bedruckt sind.
Der versprochene „grenzenlose Basar erotischer Phantasien“ beschränkt sich in Vösendorf auf Menschenverachtung und Billigprodukte. „Prickelnde Überraschungen“ kann einem hier allenfalls noch der Inhalt von Getränkedosen verschaffen. Doch traurigerweise ist dies außerhalb der Pyramide kaum anders.

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Die Reportage von Genossin Schmidt und meiner Nichtigkeit erschien zuerst in der Online-Ausgabe des ÖH-Magazins Progress.


Keine Zukunft für Ostpreußen May 9, 2014 | 06:25 am

Ein Aufruf von T.A.S.K. aus Kassel

Am 17. und 18. Mai findet auf dem Kasseler Messegelände unter dem Motto „Ostpreußen hat Zukunft“ das „Deutschlandtreffen der Ostpreußen“ mit eigener „Großkundgebung“ in der Rothenbach-Halle statt. Die „Deutschlandtreffen“ werden alle drei Jahre an wechselnden Orten von der Landsmannschaft Ostpreußen ausgerichtet, welche sich als „Interessenverband der geflüchteten und vertriebenen Ostpreußen“ versteht. Ihr erklärtes Ziel ist es, Ostpreußen als Teil des historischen Deutschlands im Bewusstsein des „deutschen Volkes“ zu verankern. Betrauert wird die Vertreibung aus den „deutschen Ostprovinzen“, die als „in ihrer Dimension einzigartiges Verbrechen der Neuzeit“ aufgebauscht wird.

Geschichte der Deutschlandtreffen

Weiter geht’s hier … T.A.S.K.

Im Gegensatz zur NPD, den Totschlägern der Saufnazis, den freien Kameradschaften etc. genießen die so genannten – mit dem Status der Erblichkeit versehenen -  Vertriebenen eine außerordentliche gesellschaftliche Reputation. Straßen in fast allen Städten und Gemeinden werden nach den “verlorenen Gebieten” bezeichnet, wichtige Politiker zeigen sich auf ihren Veranstaltungen, sie erhalten für ihre völkische, geschichtsrevisionistische und alldeutsche Tätigkeiten Unsummen an Fördergeldern. In Hessen gibt es einen Gedenktag usw. Hierzu haben wir uns wie folgt geäußert: Gedenktag für die Opfer der Vertreibung – Implikationen deutscher Gedenkkultur

Keine Zukunft für Ostpreußen May 9, 2014 | 06:25 am

Ein Aufruf von T.A.S.K. aus Kassel

Am 17. und 18. Mai findet auf dem Kasseler Messegelände unter dem Motto „Ostpreußen hat Zukunft“ das „Deutschlandtreffen der Ostpreußen“ mit eigener „Großkundgebung“ in der Rothenbach-Halle statt. Die „Deutschlandtreffen“ werden alle drei Jahre an wechselnden Orten von der Landsmannschaft Ostpreußen ausgerichtet, welche sich als „Interessenverband der geflüchteten und vertriebenen Ostpreußen“ versteht. Ihr erklärtes Ziel ist es, Ostpreußen als Teil des historischen Deutschlands im Bewusstsein des „deutschen Volkes“ zu verankern. Betrauert wird die Vertreibung aus den „deutschen Ostprovinzen“, die als „in ihrer Dimension einzigartiges Verbrechen der Neuzeit“ aufgebauscht wird.

Geschichte der Deutschlandtreffen

Weiter geht’s hier … T.A.S.K.

Im Gegensatz zur NPD, den Totschlägern der Saufnazis, den freien Kameradschaften etc. genießen die so genannten – mit dem Status der Erblichkeit versehenen -  Vertriebenen eine außerordentliche gesellschaftliche Reputation. Straßen in fast allen Städten und Gemeinden werden nach den “verlorenen Gebieten” bezeichnet, wichtige Politiker zeigen sich auf ihren Veranstaltungen, sie erhalten für ihre völkische, geschichtsrevisionistische und alldeutsche Tätigkeiten Unsummen an Fördergeldern. In Hessen gibt es einen Gedenktag usw. Hierzu haben wir uns wie folgt geäußert: Gedenktag für die Opfer der Vertreibung – Implikationen deutscher Gedenkkultur

Da schau her: Münchner Israeltage 2014 May 8, 2014 | 11:31 pm

Eine gute Alternative zum WM-Trubel in Brasilien: Die Israeltage laden zu einem kurzweiligen Dialog mit hochkarätigen Vertreterinnen und Vertretern Israels – vom ehemaligen Foto-Chef der IDF bis zum Organisator der Gay Pride Parade in Tel Aviv.

So, 22.06.2014, 19:00 bis 22:00 Uhr

Anders leben und lieben im Nahen Osten: Geschichte, Gegenwart und Perspektive einer sexuellen Revolution

Vor etwa dreißig Jahren erstarkte in Israel die Schwulen- und Lesbenbewegung (Lesbians, Gays, Bisexuals und Transgender, kurz LGBT). Gegen erhebliche Widerstände setzte sie in den Folgejahren ihre Interessen durch.

Heute hat sich Tel Aviv mit seinen vielfältigen Angeboten und Massenevents für Homosexuelle zu einem Dorado der internationalen Szene entwickelt. Doch auch im aufgeschlossenen Israel gibt es noch Hindernisse für Menschen mit nonkonformen sexuellen Identitätskonzepten. Und jenseits der israelischen Grenz- und Sicherheitszäune sehen sich Homosexuelle mit zunehmend fundamentalistischen und radikalen Gesellschaftsordnungen konfrontiert.

Der Vortrag von Adir Steiner und Zoharit Shorek zur Geschichte und Situation der LGBT-Bewegung in Israel wird durch Ausschnitte der Dokumentation „Gay Days“ (2009) veranschaulicht.

Adir Steiner (45) ist Pionier der LGBT- Bewegung in Israel und organisierte unter anderem 1999 die erste offizielle Gay Pride Parade in Tel Aviv und koordiniert diese bis heute.

Zoharit Shorek (37), Geschichtswissenschaftlerin und Archäologin, gründete 2009 in Tel Aviv den Pride Minyan, eine orthodoxe Gebetsgruppe für lesbische Frauen. Darüber hinaus ist sie ein aktives Mitglied von „Bat Kol“, einer Organisation, die für die Rechte religiöser Lesben eintritt.
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Mi, 25.06.14, 19:00 – 22:00 Uhr

Sumo-Ringer im Heiligen Land

„Warum gibt’s in Israel eigentlich keine Sumo-Ringer?“, fragt der 155 Kilo schwere Herzl aus dem israelischen Städtchen Ramle. „Weil es in Israel keine fetten Menschen gibt“, hört er. Herzl selbst ist allerdings mit seiner Körperfülle der lebende Gegenbeweis. Nachdem er seinen Job als Koch verloren hat, fängt er als Tellerwäscher in einem japanischen Restaurant an. Dort lernt er die Welt des Sumo kennen – der Inhaber des Restaurants war früher Sumo-Trainer in Japan und musste außer Landes fliehen, nachdem er Schwierigkeiten mit der japanischen Mafia bekommen hatte. Der Kampfsport öffnet Herzl und seinen drei Oversize-Freunden die Augen für die Vorzüge eines gewichtigen Körpers.

Verführung einer sagenhaften Dokumentation in Anwesenheit des Regisseurs

Moderation: Ronen Steinke, Ressort Außenpolitik der Süddeutschen Zeitung

Sharon Maimon kommt aus Ramle, dem Ort der Handlung. Er besuchte die „Camera Obscura“ Filmschule in Tel Aviv. Heute arbeitet er als als Regisseur und Drehbuchautor.
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So, 06.07.14, 15:30 – 17:45 Uhr

Israel – auf alle Tage ein jüdischer Staat?

Israel ist als Jüdischer Staat anzuerkennen. So lautet die Forderung der israelischen Regierung. Die überwiegende Mehrheit der israelischen Parteien – von links bis rechts, von religiös bis säkular – unterstützt diese Forderung. Die Fatah-Partei, die hinter der palästinensischen Autonomiebehörde steht, lehnt den Begriff „Jüdischer Staat“ dagegen ab. Aber was ist mit „Jüdischer Staat“ überhaupt gemeint? Ist es ein Staat nach vatikanischem Vorbild – mit israelischen Soldaten anstelle der Schweizer Garde? Sind Torah-Sittenwächter im Stile der islamischen Religionspolizei zu erwarten? Oder sollen Nicht-Juden zukünftig nichts mehr zu sagen haben?

Die Politikwissenschaftlerin und frühere Knesset-Abgeordnete Einat Wilf stellt sich hinter die Forderung der israelischen Regierung. Sie legt dar, warum es im Interesse aller Menschen zwischen Mittelmeer und Jordan – also auch der Araber – ist, Israel als jüdischen Staat anzuerkennen.

Moderation: Florian Post, Mitglied des Bundestages (SPD)

Einat Wilf (44) ist Politikwissenschaftlerin und war von 2010 bis 2013 Abgeodnete für die Arbeits- sowie die Unabhängigkeitspartei im israelischen Parlament.
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Im Anschluss: 18:00 – 21:00 Uhr

Wie viel Wahrheit ist möglich? Der Nahost-Konflikt zwischen Propaganda, Mythen und Fakten

Nirgendwo wird so erbittert um die Interpretation der Geschichte gefochten, um Mythen, Identität und Moral gerungen wie im Nahen Osten – zwischen Juden und Arabern, zwischen Arabern und Arabern, zwischen Juden und Juden. Die internationalen Medien zeichnen oft ein grotesk verzerrtes Bild der Situation vor Ort. Ein Beispiel ist Jenin, ein Flüchtlingslager im Westjordanland, das 2002 zum Schauplatz blutiger Auseinandersetzungen wurde. Nach einem Attentat der Hamas in Netanya mit 30 Todesopfern und 140 Verletzten rückte die israelische Armee IDF in Jenin ein. Die israelische Regierung ging davon aus, dass Jenin Terroristen als Basis für viele Anschläge gedient hatte. Teile des Lagers wurden abgerissen, bei Kämpfen kam es zu mindestens 75 Todesopfern unter Soldaten und Bewohnern.

Das Vorgehen der Armee wurde sehr unterschiedlich dargestellt: Arabische Stimmen sprachen von einem „Massaker“. Der Film „Jenin, Jenin“ des arabischen Israelis Mohammed Bakri gab Menschen im Flüchtlingslager eine Stimme, die schwere Vorwürfe gegen Israel erhoben. Eine einstweilige Verfügung stoppte den Film in Israel; sie wurde vom Obersten Gerichtshof aber wieder aufgehoben. Die Begründung: Der Umstand, dass ein Film Falschaussagen beinhalte, rechtfertige keine Zensur. Der Film „Jenin, the true story“, von der israelischen Armee auf Drängen der beteiligten Einheit in Auftrag gegeben, lässt dagegen die Soldaten zu Wort kommen. Der Regisseur dieses Films, Michael Yochai, diskutiert anhand der beiden Filme mit dem Publikum über die unterschiedlichen Sichtweisen.

Moderation: Klaus Rimpel, Ressortleiter Politik Münchner tz

Michael Yochai ist Politikwissenschaftler und war zwischen 1993 und 2004 Chef der Film- und Fotoabteilung im Pressesprecher-Stab der israelischen Armee.
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Sa, 12.07.14 16:00 – 18:45 Uhr

Geächtet, vertrieben, verfolgt: Das Schicksal der Christen im Nahen Osten seit 1990

Verbrannte Kirchen in Ägypten, zerstörte christliche Dörfer in Syrien: In der breiten deutschen Öffentlichkeit wird das Schicksal der Christen im Nahen und Mittleren Osten kaum wahrgenommen. Früher wurden Christen als sogenannte „Dhimmis“, als andersgläubige Minderheiten, in der islamischen Gesellschaft geduldet. Heute bröckelt dieser Status mehr und mehr. Seit den 1990er Jahren verlassen immer mehr arabische Christen Jerusalem und die West Bank. Meist sind sie gut ausgebildet und können sich in den Vereinigten Staaten oder in Europa ein neues Leben aufbauen. Die Zurückbleibenden aber haben Mühe, ihre kulturelle Identität zu wahren.

Besonders schwierig ist die Lage der Christen in Syrien. Dort sind zehn Prozent der Bürger Christen. Machthaber Assad ließ Kirchen bauen – was die Christen in den Augen vieler Regimegegner als Helfershelfer des autoritären Machthabers erscheinen lässt. Unter den Rebellen sind viele Befürworter der Scharia, des strengen islamischen Rechtssystems mit drakonischen Strafen für alle, die nicht-islamische Religionen ausüben.

Der evangelische Theologe und Judaist Ulrich Sahm berichtet über die Lage der Christen im Nahen Osten.

Moderation: Daniel Targownik, Dokumentarfilmer, war unter anderem Produktionsleiter des ARD-Studios in Tel Aviv.

Ulrich Sahm (64) studierte evangelische Theologie, Judaistik und Linguistik und arbeitet als Journalist in Jerusalem.
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Im Anschluss: 18:30 – 22:00 Uhr

Israel – Störenfried in Nahost?

Obwohl tausende von Kilometern von uns entfernt, spielt Israel – verglichen mit anderen Ländern – eine große Rolle in unseren Medien. Die quälenden Auseinandersetzungen zwischen Israel und den Palästinensern lassen viele Menschen den Kopf über die beteiligten Politiker schütteln. Dabei erscheint Israel oftmals als der Aggressor, als ein bis zu den Zähne bewaffneter Staat, der wehrlose Palästinenser unterdrückt.

Flankiert wird dieses Bild von der Beschreibung eines allmächtigen jüdischen Netzwerks, das Wählerstimmen und Millionen mobilisiert, um Druck auf die Politik auszuüben. Doch wie groß ist der Einßuss jüdischer Organisationen wirklich? Und wird dabei das Gewicht anderer Interessen nicht teilweise ausgeblendet?

Tilman Tarach wirft einen kritischen Blick auf die Rolle Israels im Nahen Osten, auf die Verantwortlichen und auf gängige Klischees in der Berichterstattung.

Moderation: Georg Thanscheidt, Vize-Chefredakteur der Abendzeitung

Der Jurist Tilman Tarach lebt in Berlin und hat sich als Autor des Buches „Der ewige Sündenbock“ einen Namen gemacht. Seine Artikel erschienen unter anderem in „Konkret“, „Jüdische Allgemeine“ und „Jerusalem Post“.
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Veranstaltungsort: Gasteig München, Vortragssaal der Bibliothek, Rosenheimer Straße 5, 81667 München
Eintritt: Je Veranstaltung 10 Euro, ermäßigt 8 Euro
Eine Veranstaltungsreihe der Initiative Jachad: Zur Förderung des Engagements gegen Antisemitismus
Die Israeltage werden gefördert durch: die Rosa Luxemburg Stiftung Bayern, die Israelitische Kultusgemeinde München und das Kulturreferat der Stadt München
Unterstützt von: Deutsch-Israelische Gesellschaft Arbeitsgemeinschaft München

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Solidarity Against Female Genital Mutilation May 8, 2014 | 08:36 pm

Irfan Al-Allawi writes for Gatestone Institute about the efforts to fight FGM in Islamic Countries with examples from Iraq, Oman and Iran quoting activists who were also present on the Second Middle East Conference on Female Genital Mutilation WADI and Hivos jointly have organized in Istanbul:

Although FGM is associated often with Islam, it is found commonly in non-Muslim areas of Africa and among immigrants to the West from that region. Muslims should take the initiative in opposing FGM; campaigns against this violation of women’s rights are underway already in several Muslim lands.

The best known such effort has taken place in Iraqi Kurdistan. In a recent interview, Thomas von der Osten-Sacken, who is affiliated with WADI, an Iraqi-German organization supporting human rights and civil society in the Middle East, described the beginning of the Kurdistan campaign. Von der Osten-Sacken recounted, “Following the toppling of Iraqi dictator Saddam Hussein in 2003, mobile teams we organized [went to] various Kurdish villages and towns to offer medical services. One year later, women started approaching the team members about having been cut… It was a taboo to discuss but… we started helping women in 35 villages.” The Kurdistan anti-FGM movement gained attention in media.

In 2011, the Kurdistan Regional Government in Iraq made FGM a crime, and interviewer Heidi Basch-Harod states that FGM “in Iraqi Kurdistan has significantly decreased, from 90 percent to zero percent in some areas. Nevertheless, the practice has not disappeared.”

In neighboring Iran, researcher Rayeyeh Mozafarian, of the University of Shiraz, conducted interviews about FGM there between 2007 and 2009. In her work, which she was permitted recently to publish, she explained, “why FGM is carried out in private houses by midwives and not by surgeons in hospitals.” Iranian law does not mention FGM, but does punish mutilation of the body. Yet Mozafarian found, “Despite the practice being liable to prosecution, practically nobody is charged… No victim files charges against her own parents.” Women cut as adults “accept the mutilation as a religious necessity as demanded by local religious authorities.” Since such women are liable to have their daughters’ genitals cut, Mozafarian has called for a public appeal by Iranian women to end FGM.

Coinciding with the United Nations-sponsored International Day of Zero Tolerance to Female Genital Mutilation, which was observed on February 6, 2014, Y – Pulse of Oman, an English-language news portal, disclosed that while FGM is banned in hospitals in Oman, a sultanate on the east coast of the Arabian Peninsula aligned in foreign affairs with Iran, it “is being carried out on babies and young girls” across the country. Although FGM is illegal in Egypt and Somalia, high rates are well-known in both.

 

 

Ein Leben in Zitaten (IV) May 8, 2014 | 06:31 pm

Joseph Roth im Frühling 1939:

Der deutsche “Dynamismus” ist nicht von gestern und auch nicht von heute. Der Nationalsozialismus ist nicht etwa eine überraschende, eine verblüffende Umkehr des deutschen Volkes vom humanistischen und vom christlichen und vom humanen Geist zum barbarischen, gottlosen, unmenschlichen und antichristlichen; sondern der Nationalsozialismus ist die Erfüllung dessen, was die Deutschen selbst ihr “Wesen” nennen. Ihr sogenanntes “Wesen” ist nämlich: Protestantismus. Der Protestantismus ist der Dynamismus von Wittenberg. Von Luther über Friedrich den Zweiten, Bismarck, Wilhelm, Ludendorff bis zu Hitler und Rosenberg führt ein gerader Weg. Wer das nicht sieht, ist blinder als ein Blinder: nämlich ein “Realpolitiker”.
Der immanente Haß des Deutschen gegen das Beharrende, Bleibende, gegen das Traditionelle ist mir unbegreiflich: Ich kann ihn also nicht erklären. Aber ich halte es für meine Pflicht, ihn zu konstatieren. Seit dem elften Jahrhundert haben die Deutschen nicht weniger als zweimal ihre Religion gewechselt und nicht weniger als dreimal ihre Muttersprache. [...] Wir Gläubigen wissen, daß es keine “Zufälle” in der Welt gibt. Es ist kein Zufall, daß Wittenberg in Sachsen liegt und nicht etwa in Tirol oder in der Lombardei zum Beispiel. [...] Ich kann, was mich betrifft, bei aller Hochachtung vor den Protestanten, die unsere christlichen Dulder sind, keinen Unterschied sehen zwischen den Schriften Luthers, wie die an den deutschen Adel zum Beispiel, und jenen des Herrn Rosenberg. [...] Ohne Luther und ohne den Protestantismus wären wahrscheinlich Hegel und Marx in Deutschland nicht möglich gewesen. Und selbst in der “dionysischen” Abwehr Nietzsches ist noch der als Heide verkleidete Protestant zu erkennen. [...] Die törichte, durch die Große Revolution und den Liberalismus töricht gewordene Welt allein ist imstande, den augenblicklich so akuten Antisemitismus der Deutschen für eine überraschende und erschreckende Erscheinung zu halten. Einem Christen erscheint es selbstverständlich, daß ein Volk, das die latente Unfähigkeit hat, kaum länger als dreihundert Jahre christlich zu bleiben, nicht antisemitisch werden könnte. Dieser Haß hat tiefere Gründe, als die Hassenden selbst es wissen. [...] Sie hassen nicht die Juden, sondern Jesus Christus, den Sprößling aus Davids Stamm. Sie selbst glauben, sie haßten den Zionsstern, aber sie hassen in Wirklichkeit das Kreuz. Sie selbst glauben, sie haßten an den Juden die Neigung zum Geld und zum Wucher und zur Ausbeutung. Aber sie hassen in Wirklichkeit das Leiden, das Leid, das die Liebe ist.

Joseph Roth: Der fortdauernde “Dynamismus”. In: Derselbe: Die Filiale der Hölle auf Erden. Köln, 2003.

Ve-Day May 8, 2014 | 07:48 am

 

The Germany dropped not only bombs in continental-Europe, even in Ireland they left their war traces. “Percy-Street – Belfast Blitz. Easter Tuesday 15. April 1941″ belfast_15thApril1941-percy_street-ikl959.com

As you can see – even in Belfast the people celebrated the german capitulation. “VE DAY 8th May 1945“!ve-day-8thMay1945_belfast_dover-place_ikl959.com(seen in Belfast, Dover Place)


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Moderner Mythos, Mythos der Moderne May 7, 2014 | 09:42 am

Gedanken zu Kafkas Verwandlung Kafkas Verwandlung habe ich irgendwann in der Schule zum ersten und einzigen Mal gelesen. Nun nehme ich sie mir zum zweiten Mal vor und stelle fest: ich kenne noch jedes Handlungselement, viele zentrale Sätze, die gesamte Erzählung. Das kann nicht von der ersten Lektüre herrühren, vergleiche ichs mit anderen prägenden Leseerfahrungen, […]

Knalltütenmanifest May 6, 2014 | 11:55 pm

Das Knalltütenmanifest

§ 1 Geht weg. Geht einfach nur weg.
§.1.1 In den Wald oder so.
§. 1.2 Wald ist das, was euch beim letzten Montagsgedöns KenFm schon erklärt hat, dieser Ort, wo Ameisen und Amseln ohne Kriege gegeneinander zu führen in Harmonie zusammenleben, weil keine Demokratie. Und die Blaubeeren.
§.1.3 Nein, wir wissen auch nicht, was er genau damit meinte, aber das ist auch nicht unser Job. Ihr geht zu dem Montagswahnmachen, also geht ihr auch in den Wald.

§ 2 Wer links und rechts nicht unterscheiden kann, sollte den Verkehrsunterricht, Klassenstufe 2, noch mal auffrischen.
§ 2.1 Oder sich in den Wald zurückziehen, wo es nicht so doll drauf ankommt.
§ 2.2 Unterwegs dahin bitte möglichst verkehrsreiche Straßen benutzen, danke.

§ 3 Wer nach allen Seiten offen ist, kann nicht ganz dicht sein.
§ 3.1 Und wer glaubt, sich von Antisemitismus zu distanzieren, ohne das Wort "Antisemitismus" auch nur auszusprechen, kann es auch gleich sein lassen.
§ 3.2 Ihr seid diejenigen, vor denen uns diese Antideutschen immer gewarnt haben.

§ 4 Die Erdbeerminen sind noch viel zu gut für euch.

§ 5 Siehe §1. Und §2. Wird´s bald?



Vortrag mit Alex Feuerherdt am 22.5. in Bremen: “Die Geschichte der Israel Football Association” May 6, 2014 | 11:39 pm

Als im Juni 2013 die U21-Europameisterschaft in Israel ausgetragen wurde, war dies der größte sportpolitische Erfolg der Israel Football Association (IFA) überhaupt. Denn nach der Gründung des Verbandes 1948 war die Nationalmannschaft des Landes aufgrund von Boykotten durch arabische Staaten jahrzehntelang zu einer regelrechten Odyssee gezwungen; ihre Qualifikationsspiele musste sie teilweise sogar in Ozeanien austragen. [...]

Vortrag mit Dietrich Schulze-Marmeling am 20.5. in München: “Der FC Bayern und der Antisemitismus – Vom Aufstieg und der Zerschlagung einer liberalen Fußballkultur” May 6, 2014 | 11:34 pm

In den Jahren der Weimarer Republik gehörte der FC Bayern zur Avantgarde des deutschen Fußballs. Der bürgerlich-liberale und weltoffene Klub beschäftigte ausländische Trainer, betrieb eine vorzügliche Nachwuchsarbeit, spielte „modernen“ Fußball und war ein Verfechter der Legalisierung des Profisports. Präsident des Klubs war der Jude Kurt Landauer, einer der großen Visionäre im deutschen Fußball der Weimarer [...]

Die Linie S1 glaubt die NSU-Selbstmordthese nicht May 6, 2014 | 11:09 am

Am 1. Mai saß ich in Berlin frühs in der S-Bahn. In der Sitzgruppe neben mir unterhielten sich zwei ältere Männer in Arbeitskleidung. Ich hörte zu (ja, fettes Sorry nochmal), weil sie sich angeregt über Dinge unterhielten, die sie eben nicht glaubten. Einer von ihnen sagte:

Ich glaube auch nicht, dass der NSU ein Selbstmord war. Der Mundlos und der Böhnhardt konnten sich gar nicht gegenseitig umbringen. Alle Ermittlungsergebnisse sprechen doch dagegen. Da lag ne dritte Patrone. Das muss ein Mord gewesen sein.
Dann stieg ich aus.

Heute bin ich auf einen Artikel im Migazin gestoßen, der die Selbstmordthese im NSU-Komplex in Frage stellt. Das dort eine dritte Patrone lag, steht da zwar nicht drin, wohl aber, dass es eine Hülse zu viel war.

05-05-2014Claus Peter Ortlieb (Exit) über kapitalistische… May 6, 2014 | 09:46 am



05-05-2014
Claus Peter Ortlieb (Exit) über kapitalistische Krisen(erklärungen)/ Ein dringend zu empfehlendes Pamphlet: »Benehmt euch!« (Stefan Gärtner und Jürgen Roth)/ Apropos Empfehlung: Ein kurzer Blick in die aktuelle IZ3W

Open Air im Welfengarten! May 5, 2014 | 09:29 pm

Am Freitag, dem 9. Mai, findet anlässlich des Tages der Befreiung wieder ein Befreiungsfest statt. Dieses Jahr Open Air, umsonst und mit elektronischer Tanzmusik im Welfengarten. Inhaltlich steht das Ganze unter dem altbewährten Motto „Wer nicht feiert, hat verloren!“
Mit: NINA NOIR & MORIARTY | SOCIOLECT

wer nicht feiert, hat verloren (immer noch)

D-Day May 5, 2014 | 08:57 pm

Siebzig Jahre ist es nun her, seit die Alliierten am 6. Juni 1944 eine Großoffensive starteten, um den Nationalsozialismus militärisch zu besiegen. 160.000 alliierte Soldaten landeten an einem schmalen Streifen in der französischen Normandie, um den Beginn der eigentlichen Befreiung Europas vorzubereiten. Auch wenn es für die Wehrmacht bereits vorher Niederlagen in Stalingrad oder El Alamein gab, kann man den D-Day doch als den endgültigen Anfang vom Ende des Nationalsozialismus verstehen.

Auf diesem Blog und auf Facebook wollen wir uns daher in den nächsten Wochen intensiv mit der Niederschlagung des Nationalsozialismus und den Jahren 1944 und 1945 auseinandersetzen. Parallel zu diesem Blog, erschien am 6. Juni eine antifaschistische Jugendbroschüre, die sich mit unterschiedlichen Themen befasst und deren Texte auch hier veröffentlicht werden.

Der 8. Mai und das merkwürdige Bedürfnis feiern zu wollen May 5, 2014 | 08:56 pm

Eine Überarbeitung eines älteren Textes anläßlich eines wiederkehrenden Problems:

Wie jedes Jahr wird der 8. Mai auch zunehmend in Deutschland feierlich begangen. Sicher einige Nazis und ein paar Deutschnationale fühlen sich immer noch provoziert, wenn man sie an die Niederlage im Jahr 1945 erinnert. Aber so wie die Nazis weitgehend alleine dastehen, wenn sie ihre Aufmärsche veranstalten und die Linke sich in die Volksfront des offiziellen bundesrepublikanischen Antifaschismus einreit, so ist der 8. Mai mittlerweile kein Datum der schändlichen Niederlage, sondern ebenso in die Mehrheitsgesellschaft als positiver Bezugspunkt deutscher Identität eingemeindet worden, wie der einst von Schröder propagierte Aufstand der Anständigen. An die tatsächlichen Verlierer von 12 Jahre Nationalsozialismus denkt man dabei lieber nicht.

Am 8. und 9. Mai 1945 kapitulierten die deutschen Truppen. Der deutsche Vernichtungskrieg war damit beendet. Die letzten Konzentrationslager konnten befreit werden, sofern sie nicht schon vorher von den in Richtung Deutschland marschierenden Truppen der Alliierten befreit wurden.

Die Alliierten kamen spät, für die meisten der Verfolgten zu spät. Dank weitgehender Übereinstimmung von Führung und Volksgemeinschaft in Deutschland, konnten die Nazis ihr Vernichtungsprogramm reibungslos umsetzten. Feiern konnten die meisten, die verfolgt und der Vernichtung zugeführt wurden, nach dem Sieg über den NS nicht mehr – sie hatten verloren. Heute gehört in Deutschland die Mehrheit derjenigen, die feiern zu den Nachkommen derjenigen, die die Täter waren. Dass ihre Vorfahren die Täter waren, ist den Nachkommen nicht zum Vorwurf zu machen, der Vorwurf bezieht sich auf den seltsamen Wunsch, sich auf der Seite der Sieger zu wähnen. (Ein Wunsch, dem der Autor dieser Zeile zuweilen in einem Anfall von unreflektierter Identitätsduselei auch schon mal verfällt und in der Vergangenheit verfiel.) Dass nach dem Krieg unterschwellig festgestellt wurde, Deutschland habe angesichts des Wirtschaftswunders, des ökonomischen Niedergangs der Siegermächte (Großbritannien, der UdSSR etc.) der unbestrittenen Vormachtstellung in Europa, den Krieg gewonnen verweist zudem auf die Perfidität der Parole, “Wer nicht feiert …”.

Für die meisten der Insassen Bergen Belsens kamen die englischen Truppen zu spät – Feiern?

In Deutschland wurden nach 1945 viele von einem öffentlichen Bedürfnis umgetrieben, blos nicht den Nazis zugehört zu haben, am besten dem Widerstand – wenn auch nicht dem der Kommunisten – und wenn nicht das, dann doch wenigstens der inneren Emigration. Die die tatsächlich im Widerstand waren, es waren nicht viele, hatten am 8. Mai nichts zu feiern. Die Bilanz des Widerstands war desaströs: Die meisten der Mitstreiter waren tot, aufgehängt an Fleischerhaken, geköpft, gefoltert, erschlagen in den Kellern der Gestapo, umgekommen in Spanien oder elendig verreckt in den KZs, der Gesundheit beraubt in der Regel verraten von Nachbarn, Bekannten eben von Angehörigen der Volksgemeinschaft wie Du und Ich. Manche, die vor den Nazis in der Sowjetunion Zuflucht gesucht hatten, verschwanden als Volksfeinde deklariert oder als vermeintlich faschistische Spione denunziert dort für immer. Aufgehalten hatte der Widerstand in Deutschland weder die Kriegsmaschinerie, noch die Judenvernichtung. Man stand angesichts der formierten Volksgemeinschaft von Beginn an auf verlorenen Posten. Anfangs solang man dies noch nicht begriff, waren Widerstandsaktionen aus diesem Grund heroisch zwar aber verantwortungslose Himmelfahrtkommandos, später war man, trotz aller Klandestinität angesichts aufrichtiger Volksgenossen, schnell verraten. Auch nach 1945 blieb man isoliert, wurde als Verräter beschimpft und gemieden und dies trotz des penetrant öffentlich vorgetragenen allgemeinen Dementis, vor 1945 Nazi gewesen zu sein

Doch auch die deutsche Volksgemeinschaft leistete Widerstand, viele aufrecht bis zum 7. Mai – es war der Widerstand gegen die militärische Intervention der Alliierten. Die deutschen Tugenden Kameradschaft, Militarismus, Gehorsam usw. bedeuteten für die Armeen der Alliierten, insbesondere aber für die Rote Armee bis zu den letzten Tagen einen opferreichen Gang, um Europa vom Nationalsozialismus zu befreien. Jeder deutsche Landser mit dem Gewehr in der Hand, am Steuer seines Panzers oder Fliegers bedeutete bis zu seiner Ausschaltung: Widerstand gegen die Rettung der letzten Juden, Widerstand gegen die Befreiung der Verfolgten, Unterdrückten und millionenfach Verschleppten.

Einer der Widerstand gegen die Alliierten leistete (Lee Miller)

Nach der Feier: Einer der Widerstand gegen die Alliierten leistete , bzw. leisten ließ. (Foto: Lee Miller)

Doch diesen Widerstand konnte man nach 1945 nicht feiern, zumal auch diesem kein Erfolg beschieden war. Am Stammtisch hingegen, wenn man unter sich war, galt man jedoch als wer, der Widerstand an der Ostfront gegen den anstürmenden Russen leistete, irgendwo in der russischen Steppe Deutschland verteidigte, gegen den kalten Winter, gegen den General Schlamm tapfer aushielt, als Flaksoldat oder stolzer Jagdflieger gegen die alliierten Luftkriegsterroristen, oder gegen anrückende Panzer der Amis Abwehr zum Trutze der als wehr-, schuld- und ahnungslos hingestellten Volksgemeinschaft bewaffneten Widerstand leistete. Man war stolz darauf (und ist es bis heute) dass dank deutscher Ingenieurskunst die deutschen Panzer und Flieger denen der Alliierten angeblich überlegen waren, dass nur die schiere Masse den tapferen deutschen Soldaten mitsamt seiner überlegenen Technik besiegt habe. Dass ihr heroischer Widerstand, ihr Einstehen für das Vaterland, ihre kameradschaftliche Treue nicht mit Erfolg belohnt wurde, dafür machten dann viele als es vorbei war Hitler oder die Nazis verantwortlich. Die Nazis waren nach dem Krieg ja immer die anderen und Hitler war plötzlich einer von denen da oben, die schon immer den kleinen Mann verarscht hatten.

In Deutschland stießen die Alliierten auf eine verstockte Bevölkerung. Genoss Hitler besonders Anfang der Vierziger einen großen Rückhalt in der deutschen Volksgemeinschaft, nahmen es ihm jetzt also die Volksgenossen übel, dass er den Krieg vermasselt hatte. Aber man war nicht nachtragend, bald reichte man den Siegern die Hand zur Versöhnung und wollte ihnen Verzeihen, dass sie gegen Deutschland zu Felde gezogen sind.

Nach den noch eher tölpelhaften Versuchen Kohls (mit Mitterand in Verdun, mit Reagan in Bitburg) versucht seit 1985 eine immer breiter werdende Szene des politischen Establishments, Deutschland in die Gemeinschaft der Sieger einzugemeinden. Man will dazu gehören. Auch auf Seite der Linken wurde der 8. Mai entdeckt. Noch besser als damals Weizsäcker bringen sie es seit einigen Jahren mit ihrer Parole: „Wer nicht feiert, hat verloren!“ das Bedürfnis Dazuzugehören auf den Punkt.

Die Parole und das Bedürfnis zu feiern sind bierseliger Ausdruck davon, eine identitäre Position zu beschwören. Man vermeidet zudem eine Begriffsbestimmung, die unweigerlich zum Konflikt mit Stalinisten, linken Antisemiten und Freunden kollektiver Vergemeinschaftung und Anbeter einer als Arbeiterklasse halluzinierten Volksgemeinschaft führen muss. So ist dieses Feiern Ausdruck einer Geschichtsvergessenheit, die die Begriffsbestimmung von Nationalsozialismus, Volksgemeinschaft, Antisemitismus und Antizionismus wieder einmal vertagt oder es wird so getan, als könne der Zusammenhang von Antisemitismus und Antizionismus, vom Hass auf Israel und der Verleugnung von Auschwitz schlicht dementiert werden.

 

Veteran der Roten Armee anläßlich einer Gedenkkundgebung zum 8. Mai – Feiern?

8. Mai 1945 – Befreiung vom Nationalsozialismus? Ja, Europa wurde befreit, einige zehntausend KZ-Insassen und im Untergrund Ausharrende in Deutschland auch.

Aber Feiern? Angesichts der enormen Opfer, die nötig waren, die Welt vom deutschen Nationalsozialismus zu befreien? Angesichts des Umstands, dass die Alliierten für viele einfach zu spät nach Deutschland vorstießen? Für die deutsche Bevölkerung, die zur überwiegenden Mehrheit nach dem Krieg immer noch lebte, brachte der Sieg der Alliierten die Demokratie. Mehr als ein bescheidenes Dankeschön, ein Spasibo, Thank You oder Merci steht uns in Deutschland nicht zu. Seine 13. Symphonie schrieb Schostakowitsch anläßlich des Massakers in Babyn Jar – man lege diese Musik auf und überlege dann, ob die Party steigen kann.

J.D.

Mitschnitt des Vortrages „Aufarbeiten und was dann?“ am 16.04. May 5, 2014 | 07:43 pm

Wir haben die Veranstaltung mit der In­itia­ti­ve für einen Ge­denk­ort ehe­ma­li­ges KZ Ucker­mark e.V. und Anne Allex für den Ar­beits­kreis Mar­gi­na­li­sier­te – ges­tern und heute! mitgeschnitten. Hier könnt ihr ihn anhören.

Termine im Mai: The Good, the Bad and the Ugly May 5, 2014 | 12:34 pm

Ob Schulze-Marmeling über den FC Bayern, Karl Pfeifer zu seinem neuen Buch, Alex Gruber über Heidegger oder ein Bündnis gegen homosexuellenfeindliche Schnösel – in den kommenden Tagen und Wochen gibt es interessante Termine. Und die antiisraelischen Knalltüten treffen sich auch – in der Fußgängerzone und im Gewerkschaftshaus.

The Good

06. Mai: Vortrag: „Schrecklicher Verdacht: War Heidegger Antisemit?“ mit Alex Gruber im Salon Irkutsk
Es spricht Alex Gruber (Wien), Redakteur von sans phrase. Zeitschrift für Ideologiekritik und Mitherausgeber des Buches Gegenaufklärung. Der postmoderne Beitrag zur Barbarisierung der Gesellschaft.

10. Mai: Kundgebung gegen Homophobie anlässlich des Marsches der „Besorgten Eltern“
Am 10. Mai ruft der Verband „Besorgte Eltern“ zu einer sogenannten „Demo für alle“ auf. Ganz im Gegenteil zum Namen soll damit in München Hass gegen verschiedene sexuelle Lebensentwürfe geschürt werden. Deshalb findet am selben Tag eine Gegenkundgebung um 13:30 Uhr am Reiterdenkmal am Odeonsplatz statt. Unterstützt wird der Aufruf von einem breiten Bündnis – von Linksjugend bis CSU, von der Israelitistischen Kultusgemeinde bis zum Katholikenrat.

11. Mai: Buchvorstellung: „Einmal Palästina und zurück“ mit Karl Pfeifer im Jüdischen Gemeindezentrum
Am Sonntag, dem 11. Mai, wird der Journalist und Shoa-Überlebende Karl Pfeifer sein neues Buch „Einmal Palästina und zurück – ein jüdischer Lebensweg“ in München vorstellen. Im Buch beschreibt der Autor unter anderem seine Kindheitsjahre in Europa und wie er die Staatsgründung Israels erlebte.

20. Mai: Vortrag: Der FC Bayern und der Antisemitismus – Vom Aufstieg und der Zerschlagung einer liberalen Fußballkultur
In den Jahren der Weimarer Republik gehörte der FC Bayern zur Avantgarde des deutschen Fußballs. Die „Nazifizierung“ des FC Bayern verlief schleppend und holperig. Mit dem Verfolgten des NS-Regimes an der Spitze, präsentierte sich der Klub nach 1945 den Alliierten und der neuen Stadtregierung als glaubwürdiger und zuverlässiger Partner beim Neuaufbau der Demokratie in Deutschland. Vortrag mit Dietrich Schulze-Marmeling

20. Mai: Legenden, Mythen, Geschichten von Vertreibung im deutschen Erinnern.
Warum wird gerade jetzt das Thema “Vertreibung” wieder aufgerollt? An welche erinnerungspolitischen Debatten wird angeknüpft und wie wird darin die Geschichte der Vertreibung umgedeutet und instrumentalisiert? Welche Interessengruppen benutzen dieses Thema, um die Kriegsschuld Deutschlands und den Holocaust zu relativieren? Vortrag von Eva Hahn im Gewerkschaftshaus.

The Bad and the Ugly

14. Mai: Lesung: „Die ethnische Säuberung Palästinas“ –
Ein antiisraelisches Hörstück von Jürgen Jung („Salam Shalom“) + Beate Himmelstoß (Sprecherin) im „EineWeltHaus“ (EWH). Anlässlich dieser Veranstaltung fand letztes Jahr eine Kundgebung vor dem EWH statt. Jürgen Jung bezeichnete die Kundgebung im Nachgang als „Wolfrudel“.

15. – 17. Mai: Nakba-Ausstellung in der Fußgängerzone
Die von vielen Seiten als antisemitisch bezeichnete „Nakba-Ausstellung“ soll zwischen dem 15. und 17. Mai jeweils von 14 bis 20 Uhr am Richard-Strauß-Brunnen zu sehen sein. Als Veranstalterinnen treten die Palästinensische Landsmannschaft Gemeinde München sowie weitere Organisationen des Palästina „Koordinierungskreises“ auf.

23. Mai: „Keine Hoffnung für Palästina?
Vortrag und Buchvorstellung mit der Hamas-Versteherin Helga Baumgarten im Gewerkschaftshaus. Veranstalter ist der antizionistische Verein „Salam Shalom“.

Wenn Englisch nicht mehr reicht: Umfragen zu Fußball in den USA May 5, 2014 | 11:29 am

Die Waschbären müssen noch etwas warten, denn das Statistik-Blog FiveThirtyEight hat ein fantastisches Beispiel für die praktischen und unerwarteten Folgen der Mehrsprachigkeit in den USA geliefert. Noch besser ist natürlich, dass es in diesem Fall um Fußball geht, denn die Sportart erscheint erstaunlicherweise mehr interessierte Leser zu interessieren als Buffy oder Mass Effect. Die Welt ist schlecht.

Egal — in der Analyse geht es um eine Ipsos-Umfrage im Auftrag der Nachrichtenagentur Reuters, die sich mit dem Interesse der Amerikaner an der Fußball-WM befasst. Demnach haben doch sieben (in Zahlen: 7) Prozent der US-Bürger vor, sich ausführlicher mit der Sportveranstaltung zu befassen. Eine erschreckend hohe Zahl, wenn man diesen Autor fragt. Was für Eltern müssen diese Menschen haben?

Die Zahl ist Blödsinn, sagt FiveThirtyEight: Die Umfrage sei nur auf Englisch vorgenommen worden. Das sei ein methodischer Fehler.

You can’t get complete data on Americans’ interest in the World Cup unless you talk to people who speak languages other than English.

Es stellt sich heraus, dass insbesondere Hispanics noch so weit von ihren Ursprungsländern geprägt sind, dass sie trotz wesentlich interessanterer Alternativen immer noch Fußball mögen. Allein unter den Latinos in der englischen (!) Umfrage lag das Interesse bei 16 Prozent.

Ipsos hat leider keine spanische Version der Umfrage angeboten. Das ist seltsam, denn mehr als 20 Prozent [PDF] der Amerikaner sprechen inzwischen zu Hause kein English. Hier macht sich die jüngste Einwanderungswelle bemerkbar: Betrachtet man den Zeitraum von 1980 bis 2010, ist das eine Zunahme von 158 Prozent.

Schon wegen dieser Zahlen, so FiveThirtyEight, kann man Umfragen in den USA eigentlich nicht mehr nur auf Englisch führen. Denn es kommt noch schlimmer: Es gibt offenbar wichtige Unterschiede zwischen Hispanics, die English sprechen, und solche, die es nicht tun. Das Blog zitiert den Meinungsforscher David Dutwin:

Hispanics interviewed in Spanish are generally half as likely to own a home, half as likely to be single, nearly half as likely to be employed full time; 1.5x more likely to be a parent (and they are older); four times more likely to have never graduated high school (near 50 percent!), slightly more independent and slightly less Democratic (independent here almost certainly meaning, unaffiliated and nonpolitical); half as likely to be registered to vote; and 1.5x more Catholic; than Hispanics whose surveys are done in English.

Diese Faktoren sollen mit dafür verantwortlich sein, dass Meinungsforscher bei den Wahlen 2010 und 2012 die Unterstützung für die Demokraten unterschätzten. Inzwischen haben viele Institute dazugelernt und führen auch Umfragen auf Spanisch durch. Das kostet natürlich mehr.

Leider konnte dieser Autor keine Zahlen zu den ähnlichen Problemen finden, die es eigentlich bei Umfragen in Deutschland mit Türkisch geben müsste. Allerdings dürfte sich hier das Interesse an Fußball nicht von dem der Mehrheit im Land unterscheiden …


In­fo­ver­an­stal­tung „Un­se­re Täter, un­se­re Opfer“ May 4, 2014 | 03:31 pm

Mitt­woch 07.​05.​2014 19h Tris­te­za (Pan­nier­stra­ße 5, 12047 Ber­lin)

Ta­ges­sie­ger in den Ein­schalt­quo­ten und über Wo­chen Thema in ver­schie­dens­ten Me­di­en: ARD und ZDF wol­len mit Pro­duk­tio­nen wie „Un­se­re Müt­ter, un­se­re Väter“, „Der Un­ter­gang“ und „Dres­den“ den Zwei­ten Welt­krieg in deut­sche Wohn- und Klas­sen­zim­mer brin­gen, und zwar his­to­risch fun­diert und ohne ideo­lo­gi­schen Blick. Was be­deu­tet das für die heu­ti­ge Aus­ein­an­der­set­zung mit dem Na­tio­nal­so­zia­lis­mus? Gibt es einen Zu­sam­men­hang zwi­schen of­fi­zi­el­lem NS-​Ge­den­ken, Ge­schichts­wis­sen­schaft und NS-​The­ma­tik im Fern­seh­spiel­film? Und nicht zu­letzt: Wie ideo­lo­gie­frei ist diese Form der NS-​Auf­ar­bei­tung wirk­lich? Diese Fra­gen wer­den wir am kon­kre­ten Film­ma­te­ri­al dis­ku­tie­ren.

Re­fe­ren­t_in­nen: An­to­nia Schmid (Po­li­tik-​ und Me­di­en­wis­sen­schaft­le­rin) und Jo­han­nes Spohr (frei­er Jour­na­list)

Ach ja, die Jungle-World… May 4, 2014 | 07:49 am

Noch einmal Hundert Jahre Einsamkeit Die Leiche ist kaum kalt, und schon kommt die erste linke Heldin daher und versucht Gabriel Garcia Marquez Werk für ihr antikoloniales Projekt einzuspannen. Dabei läuft die Jungle-World Autorin Viola Nordsieck sehenden Auges in die Falle, auf die hier schon Ostern aufmerksam gemacht wurde: „Nicht nur ich, auch viele frühere […]