Greenpeace: Gefährliche Gen-Pflanzen außer Rand und Band March 9, 2013 | 12:14 pm

Im ersten Teil haben wir uns ja schon mit einigen Aussagen von Greenpeace zur Gentechnik beschäftigt, jetzt geht es mit den angeblichen Gefahren für die Gesundheit weiter.

Gen-Pflanzen können Stoffe bilden, die Risiken für die menschliche Gesundheit bergen. Die Langzeitfolgen von Gen-Pflanzen sind bisher nicht ausreichend erforscht. Inzwischen gibt es einige Fälle, die zeigen, dass Gen-Pflanzen negative Auswirkungen auf die Gesundheit von Versuchstieren haben können.

Das gilt eigentlich auch für beliebige “normale” Pflanzen. So wurde kurz aufgeschrien, als Killer-GMO-Gras auf einer Weide 15 Kühe getötet hat. Der Aufschrei währte nur kurz – als man feststellte, dass das Gras gar nicht gentechnisch modifiziert war, sondern gezüchtet, war es gleich wieder ruhig.

Mutationen oder Veränderungen sind immer Chance und Risiko. Zahllose Mutationen haben unsere Fauna zu dem gemacht, was sie heute ist, und sind für die Vielfalt der wir gegenüberstehen verantwortlich. In dieser Vielfalt wurden manche Pflanzen giftig und manche nicht.

Aus der Geschichte wissen wir, welche wir essen können/sollen. Wir wissen, dass Fliegenpilz Knollenblätterpilz nicht für die Einnahme gedacht ist, unsere Vorfahren haben die notwendigen Experimente vor langer Zeit durchgeführt. Vielleicht kommt daher das Sprichwort: “Was der Bauer nicht kennt, isst er nicht”. Ein durchaus nicht unkluger Ansatz.

Und die Langzeitfolgen? Man versucht selbstverständlich diese auch zu testen, aber das ist besonders schwierig. Wir sind ja nicht einmal bei den Langzeitfolgen beliebiger Dosierungen bekannter Stoffe sicher. Langzeitnachweise sind sehr mühsam.

Man versucht natürlich mögliche Auswirkungen zu testen, hat bisher nichts gefunden. Die Gegner argumentieren, dass man dann einfach nicht gut genug getestet hat. Dieses Spiel kann man natürlich immer nur gewinnen. Man fordert etwas, was nie bewiesen werden kann.

Nahrungsmittel aus Pflanzen die mit Gentechnik verändert wurden, stehen mittlerweile seit mehr als 15 Jahren in den Regalen(Flavr-Savr-Tomate) der Welt und das war es.

Daraus folgt natürlich nicht, dass jede gentechnische Veränderung immer harmlos ist. Mit der Gentechnik führt man eine kontrollierte Mutation durch, man sorgt dafür, dass sich eine neue Eigenschaft ausbildet. Das heißt aber nicht automatisch, dass man daraus dann einen Vorteil hat.

Kann das einen giftigen Stoff zur Folge haben? Aber sicher! Aber das kann man testen. Dann stellt sich eben exakt diese Änderung als Fehlschlag heraus.

Von Seiten der Gentechnik-Gegner wird interessanterweise noch argumentiert, dass es nicht genug Forschung gäbe, dass nicht genug und unabhängig genug getestet wird. Auf der anderen Seite will man aber auch keine Forschung zum Thema, wie schon mehrfach demonstriert.

Das Urteil ist ja bereits gefällt, Gentechnik ist nutzlos.

Wir wünschen uns genauso unabhängige Bewertungen und Studien von den Universitäten, die die angepriesenen Fähigkeiten der verschiedenen Sorten prüfen und die Modifikationen bewerten. Konservativ bewerten? Gerne. Sicherheit sollte die Richtschnur vorgeben.

Platz 1 auf der Liste von Greenpeace bei den “Beweisen” für die gesundheitsschädliche Wirkung von gentechnisch veränderten Pflanzen nimmt eine Rattenstudie ein:

Veränderte Blutwerte bei Ratten: Französische Wissenschaftler berichten in einer Studie über Gesundheitsrisiken, die von drei Gen-Maisvarianten der Firma Monsanto ausgehen. Untersucht wurden Daten aus Fütterungsversuchen an Ratten, die die US-Firma Monsanto in Auftrag gegeben hatte. Die Blutwerte der Tiere für Leber und Nieren zeigen signifikante Veränderungen. Laut Professor Gilles-Eric Séralini von der französischen Universität Caen könnten Schäden für die menschliche Gesundheit daher nicht ausgeschlossen werden.

Im ersten Augenblick dachten wir schon, dass die aktuelle Studie von Séralini verlinkt sei, aber das hat sich Greenpeace dann wohl entweder nicht getraut oder der Text ist einfach älter. Diese war zwar ein großer Mediencoup, hatte aber in Wahrheit schwerste Mängel. Darüberhinaus wird stark bezweifelt, dass Séralini unparteiisch ist. Gilles-Eric Séralini findet sich übrigens bei uns im Wiki, er liefert z.B. auch Studien zu homöopathischen Produkten zum Schutz vor Roundup.

Diese ältere Arbeit ist ebenfalls höchst mangelhaft, eine Bewertung mit Analyse findet man hier. In der Conclusio wird daher auch erklärt: “[the study] presents no admissible scientific element likely to ascribe any haematological, hepatic or renal toxicity to the three reanalysed GMOs”

Mäuse erkranken an Atemwegen: In Australien stellten Wissenschaftler fest, dass Gen-Erbsen im Fütterungsversuch mit Mäusen zu einer Beeinträchtigung des Immunsystems und zu Atemwegserkrankungen der Tiere führten. Das in die Erbse hineinmanipulierte Gen stammte von einer Bohne, die für Säugetiere gut verträglich ist. Die Struktur des Proteins, das sich in der Gen-Erbse bildete, war jedoch leicht verändert. Und dieser feine Unterschied hatte weitreichende Auswirkungen auf die Gesundheit der Mäuse.

In diesem Fall geht es um eine Studie, die 2005 ziemlichen Aufruhr verursacht hat. Australische Forscher hatten ein Gen von der Bohne auf die Erbse übertragen um sie resistent gegen den Erbsenkäfer zu machen. Das hat auch super geklappt.
Aber dann die böse Überraschung. Bei den gentechnisch veränderten Erbsen gefütterten Mäusen kam es zu einer Immunreaktion die durch eine Lungenentzündung charakterisiert wurde. Der Tierversuch wurde daraufhin abgebrochen, die Erbse als Fehlschlag betrachtet.

Nach neuesten Erkenntnissen war der Versuch völlig ungeeignet, da Erbsen, Bohnen und Kichererbsen generell Allergien bei Mäusen hervorrufen können. Egal ob genetisch modifiziert oder nicht. Die Änderung hat die allergene Wirkung zwar verstärkt, aber Versuche mit Mäusen waren in diesem Fall prinzipiell nicht sinnvoll. Eine aktuelle Studie schlägt daher vor:

We recommend that the use of mouse models for testing GMO allergenicity needs to be carefully evaluated on a case-by-case basis.

Das diese neue Bewertung aufgetaucht ist, disqualifiziert diese Studie, wir möchten aber einschränkend bemerken, dass so ein Ergebnis sicherlich möglich ist. Man arbeitet mit einer extrem mächtigen Technologie und wenn man “Neukonstruktionen” vornimmt, so muss man die natürlich testen.

Selbstverständlich sollten daher an unseren Universitäten solche Fütterungsversuche unternommen werden und wenn sich eine Modifikation als problematisch erweist, dann zurück ans Reißbrett.

Aber genau das ist hier ja auch geschehen. Tests wurden gemacht, die Ergebnisse wurden veröffentlicht, jahrelange Forschung war mit einem Schlag “umsonst”. Das sich der Test im Nachhinein als fehlerhaft herausgestellt hat, ist natürlich “bitter”. Aber der Prozess hat funktioniert.

Riskante Gene: Antibiotikaresistenz-Gene werden von Gentechnikern oft als sogenannte Markergene eingesetzt. Diese helfen, jene Pflanzenzellen zu finden, die das neue, in die Pflanze manipulierte Gen aufgenommen haben. Die Technik ist jedoch überholt und riskant.

Hier kann man nur sagen: Ja, stimmt. Wie hoch das Risiko ist, lässt sich nur schwer abschätzen, aber die Nachteile dieser Technik überwiegen. Im Detail nachzulesen bei biosicherheit.de.

Im letzten Block ihres Artikels geht es um die Kontrollierbarkeit der Technologie:

Neben der Gentechnikindustrie behaupten auch einige Politiker, dass genmanipulierte Pflanzen kontrollierbar seien. Das zentrale Ziel des in Deutschland seit April 2008 gültigen Gentechnikgesetzes ist daher die Koexistenz: Ein Nebeneinander von Landwirtschaft mit und ohne Gen-Pflanzen sei kein Problem, heißt es. Ist es aber doch – wie die Realität auf dem Acker und in unseren Lebensmitteln zeigt.

Greenpeace hat in gewisser Hinsicht recht: Sobald die Pflanzen zugelassen sind, werden sie genutzt. Bestes Beispiel die USA. In den USA haben diese Sorten bei Mais, Baumwolle, Zuckerrübe und Soja 90% der Anbaufläche erobert und weltweit ist die damit bebaute Fläche auch 2012 wieder angewachsen, auf nunmehr 170 Millionen Hektar geklettert.

Aber das Beispiel USA zeigt auch, dass ein Miteinander prinzipiell möglich ist. Immerhin werden bei den obigen Pflanzen jeweils etwa 10% der Ackerfläche des Landes mit nicht transgenen Sorten bebaut. “Organic farming” (ungefähr “Bio” bei uns) ist auch in den USA ein Trend.

Regelmäßig werden auch in Deutschland Gentechnik-Lebensmittelskandale bekannt: Illegaler Gen- Reis aus China und den USA, mit Gen-Raps verunreinigter Honig und Senf aus Kanada oder Brötchen mit illegaler Gen-Leinsaat.

Uns ist zu diesem Zeitpunkt nicht klar, warum Gen-Reis (eine interessante Bezeichnung, der nahelegt, dass guter Reis keine Gene hat) oder Gen-Raps eine Verunreinigung darstellt. Greenpeace hat es nicht geschafft darzulegen, warum es ein Problem ist.

Zu folgender Behauptung noch ein paar Sätze:

Gen-Pflanzen halten sich nicht an Ackergrenzen: Werden Gen-Pflanzen auf den Feldern angebaut, können sie sich über Pollenflug in artverwandte Acker- und Wildpflanzen auskreuzen und so das ökologische Gleichgewicht und die biologische Vielfalt gefährden. Gen- Pflanzen kennen keine Ackergrenzen, und Pollen lassen sich weder durch Zäune noch durch Abstandsregelungen kontrollieren. Einmal in die Umwelt freigesetzt, kann niemand die Gene zurückholen.

Und das ist ein Problem weil? Hier kommt wieder die Evolution ins Spiel. In diesem Fall die natürliche Auslese. Ist das Gen von Wert, dann verbreitet es sich auch in anderen Pflanzen. Es setzt sich durch, was einen Vorteil bringt.

Greenpeace tut gerade so, als wäre ein Gen “böse”. Das ist es nicht. Gene sind Bauteile des Lebens und setzen sich durch oder auch nicht. Wenn sie von Vorteil sind verbreiten sie sich, wenn nicht, dann nicht. Das ist das natürlichste auf der Welt, immer schon gewesen.

Der große Sammelband March 8, 2013 | 01:51 pm

1.
Gestern habe ich mich im Internet gestritten. I do that sometimes. Die Geschichte dahinter finde ich ziemlich bizarr.

2.
Wie hier bereits zuvor erwähnt schreibe ich eine Kolumne für das Fußball-Magazin Transparent. Die neueste ist auch online verfügbar.

3.
Ganze Bücher voll schreibt Frank Schirrmacher und gilt deshalb als einer der führenden deutschen Intellektuellen. Auf welchem Niveau sich dieses Denken und Schreiben abspielt, hat Joachim Rohloff einmal dargestellt.

4.
Am 13. März liest der Autor Markus Flohr im Ostkurvensaal aus seinem Buch “Wo samstags immer Sonntag ist” mit Episoden aus Israel. Vom selben Autor auch erhältlich:

“Australien. Wo im Sommer Winter ist.”

“England. Wo man “Bier” mit zwei E schreibt.”

“Nachts. Wenn die Sonne woanders ist.”

Und natürlich der große Sammelband: “Woanders ist es anders. Alteritätserfahrungen im Vergleich.”

5. Natürlich: Musik.

Halabja: Die Wiederkehr des Verdrängten March 7, 2013 | 10:53 pm

HALABJA / ANFAL 1988 – 2013

 MAHNUNG – ERINNERUNG – ENTSCHÄDIGUNG

Ein Aufruf von Wadi e.V. + MESOP e.V.

 Erst die deutsche Hilfe beim Aufbau des irakischen Chemiewaffenprogramms machte den Angriff auf die kurdische Stadt 1988 möglich.

25 Jahre nach dem Giftgasangriff auf die Stadt Halabja warten die Opfer noch immer auf Wiedergutmachung und Hilfe aus Deutschland. Doch die Bundesregierung mauert – seit gut zwanzig Jahren – und spielt die deutsche Verantwortung für den Aufbau des irakischen Chemiewaffenprogramms systematisch herunter. Dabei war die deutsche Hilfe beim Aufbau der Chemiewaffenproduktion essentiell: Ohne deutsche »Wirtschaftshilfe« wäre die irakische Giftgasproduktion nicht möglich gewesen.

Von dieser Verantwortung will die Bundesregierung nichts wissen, sondern möchte lieber wieder wirtschaftlich in der Region tätig sein. Von »außergewöhnlichen Investitions- und Entwicklungschancen« sprach Bundesminister Peter Ramsauer Anfang Februar auf dem Deutsch-Kurdischen Wirtschaftsforum in Erbil. Deutsche Unternehmen stünden bereit, mit »Expertise und Knowhow«. Über die Giftgasangriffe von einst und die deutsche Expertise, die sie überhaupt erst möglich machten, sprach er nicht.

Den ganzen Aufruf lesen

Wetten, dass wir nur noch Genfood essen werden March 7, 2013 | 09:00 pm

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Ein Gastbeitrag von Prof. Dr. Beda M. Stadler. Er ist Direktor des Instituts für Immunologie der Universität Bern. Der Beitrag erschien zuerst bei NZZ-Folio.

 

Die spanischen Eroberer mussten 1537 nicht schlecht gestaunt haben, als die einheimische Bevölkerung grausige Knollen aus dem Boden gruben um diese zu verzehren. Allerdings wurde in Sorocaba, einem Dörfchen in den Anden, bloss etwas entdeckt, was gar nicht zu entdecken war, schliesslich hatten die Inkas bereits 200 vor unserer Zeitrechnung die Kartoffel entdeckt. Eine Pflanze mit dermassen viel Kohlenhydraten, dazu leicht anzubauen, müsste einen Siegeszug vor sich gehabt haben. Weit gefehlt! Es vergingen 200 Jahre, bis sich die Skepsis gegenüber diesem Novel Food verflüchtigte. Wetten: bei Genfood wird es rascher gehen.

Kartoffeln seien giftig oder des Teufels, hiess es damals. Eine ähnliche Argumentation, die wir heute von NGO’s kennen. Greenpeace glaubt auch, Genfood sei giftig. Dabei war die Skepsis unserer Vorfahren sogar berechtigt, schliesslich haben damals einige Menschen anstelle der Knollen die giftigen Früchte gegessen. Selbst heute kann man an Dummheit sterben, falls man Unmengen von rohen Kartoffelschalen isst. Damals behauptete man auch, Kartoffeln würden Lepra oder Syphilis hervorrufen. Heute glaubt jeder, Genfood enthalte unabsehbare Risiken. Das ist gefährlicher als jene Krankheiten, die man dank Gentechnik behandeln kann. Noch taucht alle paar Monate eine miserable Studie auf mit der gezeigt wird, dass Marienkäfer oder Ratten wegen Genfood krank werden. Nichts davon hat je Bestand gehabt und wurde jeweils innerhalb einer Woche von der Wissenschaft widerlegt. Die Panikarbeiten werden aber jeweils zur Lieblingsliteratur für alle, die unser Essen lieber zu Medikamenten statt zu Nahrungsmitteln machen möchten. Schade, dass man das einstige Argument, die Kartoffel sei ein Aphrodisiakum, heute nicht mehr gebraucht, Genfood wäre ein Renner.

Friedrich der Zweite befahl 1764 den Verzehr der Knollen. Wer sich weigerte, dem wurde die Nase abgeschnitten. Heute werden wir mit Bio zwangsgefüttert, obwohl es eigentlich unmöglich ist “Biokartoffeln” zu ernten. Die Knolle braucht sehr viel menschliche Liebe in Form von Pestiziden. Trotzdem, wer über Bio lästert, dem droht auch einiges, falls meine Hassmails echt sind. Urs Niggli, Direktor des quasi religiösen FIBL, oder Ruedi Baumann, ehemaliger Präsident der Grünen und Biobauer, haben einmal laut darüber nachgedacht, ob der Einsatz von Gentechnik bei Kartoffeln allenfalls nicht sinnvoll wäre. Diesen “Bio-unkorrekten” Gedanken mussten beide zurücknehmen um nicht gefedert zu werden. Ich sollte in diesen Wunden nicht mehr grübeln und den Biobauern etwas Zeit lassen, bis sie selber zur Gentechnik finden. In der Analytik haben sie es ja längst getan. Die Biobauern wenden Gentechnik an, wenn es darum geht ihre Züchtungen zu überprüfen, aber sie scheuen sich vor jeder transgenen Pflanze wie der Teufel vor dem Weihwasser.

Es war letztlich der Hunger in Europa, welcher den Kartoffeln zum Durchbruch verhalf. Erstaunlich ist allerdings, dass wir Über-Ernährte noch vor kurzem Forscher hatten, die führend auf dem Gebiet der Virusresistenzen bei Kartoffeln waren. 1991 und 1992 wuchsen nämlich auf Versuchsfeldern der Eidgenössischen Landwirtschaftlichen Forschungsanstalt in Changins Bintje-Kartoffeln mit einer gentechnisch übertragenen Unempfindlichkeit gegen ein Virus. Eine Freisetzung ohne öffentlichen Protest! Allerdings haben unsere Beamten skurril reagiert. Die Forscher wurden gezwungen die Kartoffeln Blümchen abzuschneiden, weil sich Schweizer Beamte vor dem Pollenflug fürchten. Die Forscher haben diese staatliche Order murrend ertragen, obwohl sie völlig unsinnig ist. Bintje Kartoffeln haben nämlich kein Geschlechtsleben: Sie sind steril. Der Blümchen-Abschneide-Befehl taugte also in etwa so viel wie die Kastration eines Sterilisierten.

Die Gentechnik in der Landwirtschaft ist eine Erfolgsgeschichte. 82% der Baumwolle die weltweit wächst, ist gentechnisch verändert. Vom Ohrenstäbchen über die Tampons bis hin zur Unterwäsche und den Jeans trägt die Anti-Gentech-Protestbewegung Gentechnik und scheint sich nicht mehr zu fürchten. Jedenfalls stören Gentech-Jeans nicht, um darin Felder mit gentechnisch veränderten Pflanzen in Europa zu zerstören. Weltweit sind 75% der Sojabohnen gentechnisch verändert oder 32% des Mais und 26% des Raps. Bei uns wird dies verdrängt, auch wenn es heute schwierig ist irgend ein Naschprodukt am Kiosk zu erstehen, in dem für die Produktion die Gentechnik keine Rolle spielte. Im Schweizer Nationalstolz, der Schokolade, findet sich meist Lezithin als Emulgator, welches aus gentechnisch veränderten Sojabohnen stammt. Inzwischen kann man das Lezithin derart reinigen, dass man aber keine Spuren der Genveränderung nachweisen kann. Politischer Glaube und Schoggi sind somit reingewaschen. Heil Dir Helvetia.

Genauso wie niemand weiss, warum der Schweizer aufgehört hat Aluminium zu sammeln, wird es in den nächsten zwanzig Jahren dazu kommen, dass Genfood sogar das Biolabel erhält. Es wird sich niemand mehr finden der einst gegen die Gentechnik war. Sobald nämlich die erste Erdbeere auf dem Markt sein wird, die nicht mehr gleich wie die Verpackung schmeckt, sondern wie Walderdbeeren, wird der Konsument sich für das schmackhaftere Produkt entscheiden. Die Biobranche wird erstmalig einen messbaren Unterschied in ihren Produkten haben, ausser natürlich dem Preis. Da unser Essen zuerst durch den Kopf und dann erst durch den Magen geht, wird sich die grosse Furcht trotzdem nur langsam legen. Politisch korrekte Gentechpflanzen werden die Böden rund um die Autobahnen sanieren und die Bahnborte dank Urban Farmers in Blumenbeete verwandeln. Die Klimaveränderung wird ohnehin nach angepassten Pflanzen verlangen. Auf unseren winzigen Äckern werden Spezialitäten für die Pharma- und Kosmetikindustrie wachsen, etwa Impfstoffe und Produkte, die ein ewiges Leben versprechen. Tomaten werden sich nicht nur farblich und im Geschmack unterscheiden, den Konsumenten wird vorgegaukelt werden, sie würden Krebs und Alzheimer verhindern.

Schon jetzt kann man verschieden leuchtende transgene Fischchen fürs Aquarium kaufen und wir regen uns nicht auf, dass ein Teil unserer Kühe kloniert ist. Auch bei uns werden sich Katzen an den Urnen ihrer identischen Geschwister reiben. Da die Produktion der wichtigen Lebensmittel längst in die Entwicklungsländer verschoben ist, werden wir all das tun, was zu einem Streichelzoo passt. Bis wir also einen vernünftigen Umgang mit der Gentechnik lernen, könnte noch etwas dauern.

Der Prozess. March 7, 2013 | 01:56 pm

Am Montag, den 25.02.2013, stand ein Mensch vor Gericht, weil er keine Fernsehgebühren bezahlt hatte. Im britischen Horsham fand ein Prozess gegen Tony Rooke statt, bei dem es eigentlich nur Fernsehgebühren gehen sollte. Doch es ging auch um die Ereignisse 11. September 2001 und eine gigantische Fernseh-Verschwörung, an die Rooke zu glauben scheint. In Großbritannien muss man ebenfalls Fernsehgebühren zahlen, mit denen die „British Broadcasting Company“ (BBC) finanziert wird. Rooke hatte die Zahlung dieser Gebühren eingestellt und sich wenig später von einem Kontrolleur erwischen lassen. Gegen einen Zahlungsbefehl legte er einen Widerspruch ein. Rooke wollte das resultierende Gerichtsverfahren vor dem Magistrates Court, um sich als Ankläger aufzuspielen. Dem Angeklagten ging es darum, die BBC der Beihilfe zum Terrorismus zu beschuldigen. Dabei berief er sich auf Paragraph 15, Artikel 3, des „Terrorism Act 2000“, in dem es um die Finanzierung von terroristischen Gruppierungen geht.

Tony Rooke macht die BBC zu einer terroristischen Gruppierung, weil diese angeblich die Hintergründen des 11. September 2001 verschweigen und all diejenigen diffamieren würde, die die Wahrheit ans Licht bringen wollten. Dabei geht es auch um zwei Dokumentationen der BBC, die die Verschwörungsideologen und ihre Konstrukte kritisch beleuchten. Damit war der Sender ins Fadenkreuz der Verschwörungsgläubigen geraten.

Dem Verschwörungsgläubigen ging es vor dem Magistrates Court um seine Sache: Der Aktivist der verschwörungsideologischen Gruppe „Christians for 9/11 Truth“ glaubt, dass die britische „Mainstream-Medien“ ein Teil der gigantischen Verschwörung seien, die er für die Ereignisse des 11. September 2001 verantwortlich macht. Auf der Internetseite seiner christlich-fundamentalistischen Sekte werden daher Martin Luther King und Jesus Christus in Stellung gebracht, um über die angeblichen Hintergründe des 11. September aufzuklären. Seinen Prozess wollte er zum Fanal machen, mit dem die angebliche Wahrheit ans Licht kommen sollte. Der Truther wurde dabei von verschiedenen Verschwörungsideologen unterstützt, die vor Gericht als Zeugen aussagen sollten.

Der dänische Verschwörungsideologe Niels Holger Harrit, der ein Begründer der so genannten und vielfach widerlegten „Nanothermit-Theorie“ ist, war nach Hersham gereist. Der britische Truther Ian Henshall, der sich gerne über den angeblichen Einfluss von „jüdischen Gruppen“ erregt und die Unterstützung durch den britischen Nationalsozialisten Martin Webster lediglich aus taktischen Gründen ablehnt, war ebenfalls anwesend, um als Zeugen aufgetreten. Als Kameramann trat der norwegische Verschwörungsideologe Torstein Viddal auf, der bis 2010 ein Mitglied der rechtspopulistischen „Fremskrittspartiet“ (FrP) war. Viddal erregte in letzter Zeit einiges Aufsehen, als er heimlich das Abschlussstatement des Anders Behring Breivik aufnahm und über Youtube verbreitete. Er macht diesen Massenmörder zum „Zionisten“ und erfreut auf diese Weise die Antisemiten in aller Welt. Viddal propagiert dabei das Konstrukt einer zionistischen Weltverschwörung, die die Massenmedien kontrollieren würde. Diese angebliche Verschwörung sei außerdem – direkt oder indirekt — für verschiedene Anschläge verantwortlich.

Die Zeugen und der Kameramann, der sie vor dem Gerichtsgebäude befragte, glauben wie ihr Kompagnon Rooke, dass die BBC bereits vor dem 11. September 2001 über den Ablauf und die Hintergründe der Anschläge informiert war. Sie glauben an die machtvolle Verschwörung, die Politik und Presse kontrolliert und dabei über Leichen geht. Die eigentlichen Täter des 11. September 2001, jene islamofaschistischen Rackets, die damals etwa 3000 Menschen ermordeten, werden vom ihnen entlastet. Sie schreiben dafür eine ganz andere Geschichte, in denen sie selbst als Helden auftreten. Dabei inszenieren sie sich als Aufklärer und Wahrheitssuchende, die diese angebliche Wahrheit gegen alle Widerstände vor Gericht und ans Licht zerren.

Vor dem Prozess hatte man daher Texte verfasst, mit denen der Angeklagte zum Ankläger gemacht wurde. So suggerierte Michel Chossudovsky, dass die BBC „wegen Manipulation von Beweisen und einseitiger Berichterstattung im Zusammenhang mit den Anschlägen vom 11. September 2001 vor Gericht“ stehen würde. Nichts davon ist wahr. Unterstützung gab es auch aus Deutschland. Der Text des antisemitischen Autors wurde ab dem 24.02.2013 auf der Internetseite des rechtslastigen Kopp-Verlages verbreitet. Einen Tag später griff ein Autor der nationalbolschewistischen Tageszeitung „junge Welt“ das Thema auf. Dort wurde der Verschwörungsgläubige zum „Terrorismusverweigerer des Tages“ gemacht. In der Tageszeitung träumte man anscheinend von einem Volksgericht der Verschwörungsgläubigen. Dort wurde die Hoffnung geäußert, dass die „Verantwortlichen zur Rechenschaft“ gezogen werden. Ähnliche Äußerungen waren auf zahlreichen Internetseiten des Verschwörungsmilieus zu lesen.

Vor Prozessbeginn hatte sich die Gemeinde der Verschwörungsgläubigen vor dem Gerichtsgebäude versammelt. Etwa 100 Unterstützerinnen und Unterstützer waren eingetroffen, um die angekarrten Zeugen zu hören, die über die Ereignisse des 11. September berichten sollten. Doch dazu kam es erst gar nicht. Der Richter Stephen Nicholls befand Rooke für schuldig. Er muss nun außerdem 200 Pfund Verfahrenskosten zahlen. Die eigens eingeflogenen Zeugen kamen nicht zu Wort.

Sicherlich ist das nicht das Ergebnis, von dem die Verschwörungsgläubigen geträumt haben. Daher tun sie nun das, was sie am besten können: Sie deuten die Ereignisse um und blenden die Fakten aus, die nicht mit ihrer Umdeutung übereinstimmen. Im „American Freedom Radio“ berichtete Rooke und sein Kompagnon Henshall stolz darüber, wie sie den Richter überzeugt hätten. Rooke war in der Sendung des Kevin Barrett zu hören, der von der Anti Defamation-League als einer der bekanntesten Köpfe der antisemitischen Verschwörungsmythen zum 11. September 2001 bezeichnet wird. Nach dem Prozess erschienen zahlreiche Jubelartikel. Da wurde die Verteilung zum historischen Triumph gemacht. Die Niederlage wurde zum Sieg des Angeklagten umgedeutet.

Die größten Falschbehauptungen finden sich in einem deutschen Jubelartikel. Dort wird die Verurteilung verschwiegen und eine ganze Hauptverhandlung erfunden, von der noch nicht einmal die britischen Truther sprechen: „Rooke wurde nicht abgeurteilt. Stattdessen setzte der Richter den Termin zu einer umfassenden Hauptverhandlung an. Damit wird es jetzt allmählich eng für die BBC, denn nun werden verschiedene international anerkannte Wissenschaftler und weitere Zeugen angehört werden”. Man muss schon ein sehr spezielles Verhältnis zur Realität machen, wenn man aus einer Verurteilung einen Sieg des Angeklagten fabriziert.

Tony Rooke ist nun auf der Suche nach den nächsten Verschwörungsgläubigen, die keine Fernsehgebühren mehr zahlen. Es könnte also in naher Zukunft weitere Verurteilungen geben, die dann in einen Sieg umgedichtet werden, um die Märchen von der Fernseh-Verschwörung zu verbreiten.

Treffen zur Vorbereitung der (IvI-)Gegen-Uni im Sommersemester March 7, 2013 | 01:10 pm

7. März 2013
20:00

Treffen zur Vorbereitung der (IvI-)Gegen-Uni im Sommersemester am Donnerstag 7. März um 20 Uhr im Studierendenhaus (Raumnr. wird am Eingang ausgehängt). Wer Interesse hat die nächste Gegen-Uni mitvorzubereiten, ist herzlich willkommen.

pictureplane – black nails … waking up with this. take me… March 7, 2013 | 12:06 pm



pictureplane - black nails

… waking up with this. take me to jesus club. and never forget.

Am Anfang war das Licht Talk beim ORF March 7, 2013 | 09:23 am

Nach der gestrigen Ausstrahlung von “Am Anfang war das Licht” fand beim ORF ein Talk statt. Wir möchten schnell die Gelegenheit nutzen, ein paar Aussagen von P.A. Straubinger und Rüdiger Dahlke zu kommentieren. Leider zu kurz und man könnte sicher mehr sagen.

Herr Dahlke hat sich wie so oft als handfester Weichspüler erwiesen. Wie von ihm gewohnt, hat er von Anfang an die Grenzen und Definitionen verwischt, alles etwas schwammiger gemacht, auf dass Fasten und Lichtnahrung auf eine Stufe gestellt werden.

Er hat das selbst ja schon gemacht. Und redet dann über Fasten. Dass aber Fasten ein normaler Prozess ist, den jeder kennt und dass man als gesunder Mensch “problemlos” ein paar Tage ohne Nahrung auskommt, bestreitet niemand. Auch dass Wahnsinnige (ja, man muss es so formulieren) wie David Blaine 44 Tage ohne Nahrung, nur versorgt mit Wasser, verbracht haben, gibt es. David Blaine hat dabei aber auch 27 kg abgenommen und musste mit schwerer Unterernährung ins Krankenhaus.

Herr Dahlke hat also schon gefastet. Schön für ihn. Aber das hat nichts mit Lichtnahrung zu tun. Auch wenn er beides auf eine Stufe stellt, ist es nicht dasselbe:

Fasten: Weniger/keine Nahrung zu sich nehmen und dabei Gewicht verlieren
Lichtnahrung: Keine Nahrung zu sich nehmen und kein Gewicht verlieren

Danach hat er erneut in die Zauberkiste gegriffen und aus wahr falsch gemacht. Darauf festgenagelt, dass bisher noch nie Lichtnahrung gezeigt werden konnte und Leute wie Manek und Jasmuheen erwiesenermaßen beim Essen erwischt wurden, war es sehr clever, als er (frei zitiert) behauptete: “Aus der Existenz von Falschgeld folgt ja die Existenz von echtem Geld; also folgt aus der Existenz von Scharlatanen geradezu die Existenz von echter Lichtnahrung.”

Sehr schön formuliert. Man verwirrt die Zuseher mit komplettem Unsinn. Man könnte genauso folgern: Aus der Existenz von falschen Weihnachtsmännern folgt die Existenz des echten Weihnachtsmanns. Jeder von uns hat ja schon irgendwo jemand im Weihnachtsmannkostüm gesehen, daraus kann man doch nur folgern, dass der Weihnachtsmann existiert.

Diese Logik würde zwar Herrn Dahlke gefallen, ist aber einfach Blödsinn.

Es gefiel ihm auch, Leute wie Ignaz Semmelweis, “denen man auch nicht geglaubt hat”, und weitere aufzuzählen. Diese Strategie wird von Esoterikern so gerne verwendet, dass man sie mittlerweile Galileo-Gambit nennt, in diesem Fall in der Variante Semmelweis-Vergleich. Diese Fälle gab es natürlich, aber im Endeffekt setzten sich die jeweiligen gültigen Erkenntnisse doch schnell durch.

Herr Dahlke argumentiert quasi: “2 + 2 = 5 könnte stimmen, weil Semmelweis hat man ja auch nicht geglaubt.”

Der bescheidene und wenig eloquente Semmelweis beging übrigens den Fehler, nicht zu publizieren und antwortete auf Kritik nicht bzw. zu spät, sodass anfängliche Angriffe gegen seine Erkenntnisse stehen blieben. Dieses Problem haben die Schausteller Dahlke und Straubinger ja nicht gerade.

Im Großen und Ganzen ist der Auftritt reif für die Uni, vielleicht hat ja Professor Berger in einer Vorlesung Verwendung dafür, als Lehrstück der fehlerhaften Logik.

Herr Straubinger war glatt, charmant, eloquent und hat sich gut präsentiert. Ein perfekter Showmann. Gerne ist er dabei der fehlerhaften Logik seines Mitstreiters gefolgt und hat sogar selbst zwischendurch ein paar abstruse Behauptungen aus dem Koffer gekramt.

Es war ihm wichtig zu erwähnen, dass ihn die Staatsanwaltschaft wegen der Frau, die in der Schweiz verhungerte, nichts vorgeworfen hat. Nun, Herr Straubinger, zwischen “juristischer Schuld” und Verantwortung für die eigenen Produkte besteht ein kleiner Unterschied. Dass dieser Gedanke Ihnen nicht schmeckt, glauben wir gerne.

Mit der Frage konfrontiert, warum er die ganzen Vorwürfe, wie z.B. das Manek bei einer Gelegenheit von einem Reporterteam verfolgt wurde und prompt in ein Restaurant ging, nicht in seinem Film vorkamen, argumentierte er, dass er 200 Stunden schneiden musste und einfach nur soviel Platz hatte. Ein legitimes Argument, schneiden ist sicher schwierig und eine Menge Arbeit.

Allerdings muss er sich auch das Argument gefallen lassen, dass er eben nicht objektiv geschnitten hat; dass gerade die “unangenehmen” Tatsachen zugunsten hübscher Geschichten aus dem Bild geflogen sind. Herr Straubinger hat publikumswirksam geschnitten, erfolgreich. Aber er hat keine objektive Dokumentation produziert.

Bei der Prahlad Jani-Diskussion hat er Herrn Berger die ganze Zeit vorgeworfen, dass der einfach die Zahlen hergenommen hat, die zu finden sind, und daraus Schlüsse gezogen hat. Er hat schon irgendwie recht, die Daten sind Mist. Unsauber erhoben, schludrig und ungenau, aus zweifelhafter Quelle.

In diesem Sinne hat er Herrn Berger daher die ganze Zeit vorgeworfen, dass dieser nicht beweisen kann, dass Prahlad Jani das nicht kann und sein Film nicht stimmt. Das verwirrt etwas. Warum muss Herr Berger das beweisen? Herr Straubinger kommt daher und behauptet etwas Absurdes. Und dann sind plötzlich alle anderen gefordert, ihm das Gegenteil zu beweisen? Umgekehrt wird ein Schuh daraus: Wenn man etwas Abstruses behauptet, ist man selbst verpflichtet, es zu beweisen.

Da werden nur zweifelhafte Gestalten präsentiert, Geschichten mit extrem miesen Daten untermauert (und selbst die Daten geben nicht mehr als Fasten her, aber keine Lichtnahrung), dazu Herr Straubinger mit treuherzigem Blick: “Beweisen Sie mir, dass das nicht stimmt!”

Herr Straubinger, ich verrate Ihnen ein Geheimnis: Ich bin in Wirklichkeit der Weihnachtsmann und sitze am Nordpol. Neben mir spielen die Elfen im Schnee, bevor es wieder ans Paketieren der Geschenke für das nächste Weihnachtsfest geht. (Raten Sie, wer schlimm war).

Was, das glauben Sie nicht? Beweisen Sie mir, dass das nicht stimmt!

Zur weiteren Lektüre: Herrn Bergers Blog

bei den Genossen March 7, 2013 | 02:59 am

Gescheiterte Freundschaftswerbung? Irritierend & erheiternd bleibt es…bei_den_genossen_der_polnischen_volksarmee-ikl959(“BEI DEN GENOSSEN DER POLNISCHEN VOLKSARMEE”, aus NVA-Journal)


Einsortiert unter:Foto/Bild, normal vs. strange, pic of the day, Sehenswertes Tagged: Ludowe Wojsko Polskie

«Der Muslimbruder an den Galgen, der Salafist in die Hölle» March 6, 2013 | 10:41 pm

Aus der Schweizer WOZ:

Kairos Altstadt gleicht teilweise einer von den IslamistInnen befreiten Zone. Hier hat die Jugend die Macht übernommen. Bärte schmücken in der näheren Umgebung des Tahrirplatzes nur noch Puppen, die an Ampeln und Bäumen baumeln. «Der Muslimbruder an den Galgen, der Salafist in die Hölle», steht auf den Puppen geschrieben. Über den Tahrirplatz wabert nicht mehr Tränengas; stattdessen kommt aus den Zelten ein anderer Duft in Form einer süsslichen Marihuanawolke. Pärchen halten Händchen, und Jugendliche schäkern in aller Öffentlichkeit, als wollten sie allen AnhängerInnen der Geschlechtertrennung sagen: «Ihr könnt uns mal.» Auch die Homosexuellenbewegung hat sich mit einem Graffiti an der Mohammed-Mahmoud-Strasse – sie mündet auf den Tah­rirplatz – verewigt: «Schwulenfeindlichkeit ist antirevolutionär» verkünden zwei auf Beton gepinselte Männer, die sich küssen.

Ein Brief March 6, 2013 | 09:17 pm

Dear Madam
My name is XXX and I am 11 years old. I and my mum, sisters and brother came to England in 2005 when I had just turned 6 years old to join my dad who was at University. We come from Gambia in West Africa.

Three weeks ago we were watching a TV programme on African culture and as they were showing girls having their privates cut, my older sister who is 12 years old started crying. After 2 days she told my dad that she also had her private cut.

Mum and Dad never knew about it and she was told if she ever tells anyone the sprits will come and kill her immediately. She said it was done one weekend by my aunties at my nans house. Last Friday mum took her to our GP to have her checked and the doctor said it was done to her.

This morning when I went to school I told one of my teachers about it and together we went on the computer and found your group. The teacher asked me to write to you and ask for your help. I don’t want my private cut by anyone.

My dad loves us very much and he did not like what they done to my sister and he is very confussed. We should be going back to Gambia any time after Eid and he is worried and upset that they would do the same to me. I don’t what that too.

If you reply to this letter I will showe my dad and I am shore that he would be very glad to have your help. He is my best friend and if he knows what to do he would do it, he would not want anything to hurt us – I know that.

Please madam help me, and my dad. If you reply soon he would definately contact you if you can help. I really hope you can help me, not to have my private cut. I am reallye confused expessically seeing my dad so un-happy and not knowing what to do.

Thank you very much for reading my letter.

Zahlen sprechen March 6, 2013 | 08:35 pm

To put the grim scale of the killing in perspective, Assad’s men were able to kill more Syrian civilians in the last 2 years than all Arab armies combined have killed Israeli military personnel since 1948. The number of Israeli military casualties stands at approximately 22,000; the number of Syrian casualties is harder to estimate but the last estimate from the U.N. is around 70,000 since April 2011, with civilians representing approximately half of the victims. Syrian human rights organizations think the number of civilian casualties could prove to be much higher. That number represents more than 3 times the total number of Palestinian casualties attributed to Israeli security forces since 1948 (estimates vary but these numbers come from combining statistics from B’tselem and the Stockholm International Peace Research Institute). Seventy thousand victims in 22 months averages out to more than 100 casualties per day. On average, there are more Syrian casualties every 2 days than the total number of Palestinian casualties during the last Israeli operation in Gaza (“Pillar of Defense”). In fact, more than ten times as many Syrians have died in the last two years than Palestinians have died since 2000, including the Second Intifada and the last two Gaza operations.

Quelle

Was fehlt dem Feminismus? Ganz klar eine proletarische Kulturrevolution! [B5] March 6, 2013 | 06:04 pm

Behauptet zumindest das Rote Frauenkomitee Hamburg:

Keine Befreiung im Imperialismus!
Die Erfahrungen der bisherigen weltweiten Frauenkämpfe zeigen, dass die größten Fortschritte im Prozess des Aufbaus des Sozialismus gemacht wurden. Diese Fortschritte galten als Beispiele für die Frauenkämpfe in der ganzen Welt. Sowohl ökonomisch als auch sozial wurden in der Sowjetunion und in China während der frühen Phase des entstehenden Sozialismus innerhalb weniger Jahre riesige Fortschritte gemacht. Zum Beispiel wurde das Problem der Reproduktionsarbeit im Kollektiv gelöst. So war die Sowjetunion das erste Land, das in den 20er Jahren Kinderkrippen etablierte. Auch in China wurde seit 1949, vor allem in der proletarischen Kulturrevolution (1966 – 1976) großer Wert auf die Vergesellschaftung der Haushaltsarbeit und Kindererziehung als Schritt zur Befreiung der Frau gelegt. Es entstanden u.a. Kinderbetreuungsstellen und Restaurants in den Fabriken und Wohnvierteln, diese konnten von allen rund um die Uhr genutzt werden. Dadurch wurde den Frauen nicht nur die Möglichkeit geschaffen sich an der gemeinschaftlichen Produktion zu beteiligen, sondern sie hatten zusätzlich Zeit sich politisch zu bilden und am öffentlichen und kulturellen Leben teilzunehmen. Die Frauen haben ihr Schicksal in die eigenen Hände genommen und haben diese Rechte selber erkämpft. (Rotes Frauenkomitee Hamburg)

Der neuste Spaß aus dem Hause Brigittenstraße 5!

In diesem Sinne:

“Proletarier aller Länder vereinigt Euch!” (Rotes Frauenkomitee Hamburg)

Die Proletarierinnen lassen grüßen…

Pic: Kent Wang. Commons.

when that head splits March 6, 2013 | 05:49 pm

headsplits

Diva – The Glitter End March 6, 2013 | 01:51 pm

Diva - The Glitter End

Biotechnologie: Über die Sprache der Anti-Gentechnik-Demagogen March 6, 2013 | 10:23 am

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Wir bedanken uns beim Onlinemagazin NovoArgumente für die Erlaubnis zur Übernahme des Artikels.
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Woher kommt die Angst vor der grünen Gentechnik, fragt sich der Biologe Reinhard Szibor. An der Technologie kann es nicht liegen. Diese ist unbedenklich. Den Gentechnikgegnern ist es durch Desinformation und bewusste Sprachirreführung gelungen, den öffentlichen Diskurs zu dominieren.

Obwohl auf zehn Prozent der landwirtschaftlichen Fläche gentechnisch veränderte (gv) Pflanzen angebaut werden, ist bisher kein einziger seriös recherchierter Fall dokumentiert worden, in dem ein Mensch durch gentechnisch erzeugte Produkte oder den Konsum von Gv-Pflanzen Schaden genommen hätte. Trotzdem wird der Genuss solcher Lebensmittel in Mitteleuropa von einer großen Mehrheit der Bevölkerung vehement abgelehnt. An EHEC sind erst kürzlich in Deutschland 3.844 Menschen erkrankt, 53 Patienten sind gestorben und viele sind so schwer geschädigt, dass sie nur noch als Dialysepatienten überleben können oder auf eine Nierentransplantation warten. Ausgelöst wurde die Katastrophe durch Sprossen, die in einem sogenannten Bio-Betrieb produziert wurden [1]. Und auch bei der damals fieberhaften Ursachensuche wurden, gemessen an deren Marktanteil, EHEC-Erreger überdurchschnittlich häufig an sogenannten „Bio“-Gurken gefunden. Obwohl diese Früchte durch Glück keine Erkrankungen auslösten, waren sie doch sehr bedrohlich. Wie kann es sein, dass der „Bio“-Boom unvermindert anhält und „bio“ weiterhin als gesund und empfehlenswert gilt, auch wenn Ergebnisse in Bezug auf deren Inhaltsstoffe keine Gesundheitsvorteile im Vergleich zu konventionell hergestellten Lebensmitteln zeigen [2]? Wie kann man es erklären, dass Gv-Pflanzen, ja selbst Produkte von Tieren, die lediglich Gv-Soja oder Gv-Mais gefressen haben, in Deutschland und anderen EU-Ländern Ängste auslösen? Klar ist wohl, dass es hier nicht um rationale Abwägungen von Vorteilen und Risiken geht, sondern dass viele andere Dinge zusammen kommen. Grüne Gentechnik (GG) dient offenbar als Projektionsfläche für alle Ängste und allen Frust dieser Welt. Sie lässt sich gut für eine allgemeine Globalisierungs-, Kapitalismus- und USA-Kritik nutzen. Hinzu kommt, dass die Konferenz in Cartagena 2003 im Cartagena Protocol on Biosafety (CPB) die GG als Risikotechnologie eingestuft hat. Das steht wie in Stein gemeißelt. Als Demokrat kann man sich kaum dagegen wehren, wenn eine große Mehrheit etwas beschließt. Naturwissenschaftler waren allerdings kaum dabei, obwohl es hier um ein Thema ging, das naturwissenschaftlichen Sachverstand erfordert. Deshalb sehen diese das CPB auch als wertlos an. Aber das CPB ist mehr als nur wertlos. Es ist ein großes Unglück für die Menschheit, weil es der erfolgreiche Versuch eines Verbots der GG unter einem Decknamen ist [3].


„An die afrikanischen und fernöstlichen Hungergebiete, die dringend trockenresistente, schädlingsresistente und eiweiß- bzw. vitaminreichere Pflanzen brauchen, denken hier in Europa sowieso nur noch Außenseiter. Die gelten als ‚Gen-Lobby‘ und sind natürlich moralisch zu verurteilen.“

Natürlich kann man auch demokratisch darüber abstimmen, welchen Wert die Erdbeschleunigung haben soll oder wie lang die Umlaufzeit der Erde um die Sonne ist. Aber welchen Sinn sollte das haben? Naturwissenschaftliche Wahrheit ist etwas anderes. Man misst und stellt Fakten auf ganz undemokratische Weise fest und vertritt diese, notfalls auch gegen Mehrheiten. Letzteres hat die eidgenössische Fachkommission für biologische Sicherheit (FFBS) durch Auswertung einer großen Datenfülle getan und mitgeteilt, dass GG keine Risikotechnologie ist und sich eine Verlängerung des Gentechnik-Moratoriums in der Schweiz aus Gründen der Biosicherheit nicht rechtfertigen lässt. [4] Aber natürlich soll es nach Ansicht des Nationalrats trotzdem bis Ende 2017 verlängert werden – demokratisch! Analog erklären sich auch die Verbote des kommerziellen Anbaus von Gv-Pflanzen in Deutschland. Demokratie ist eben eine gute Sache und wer daran zweifelt, ist selbst dann ein Schuft, wenn die Demokratie auf einem Feld stattfindet, auf dem sie nichts zu suchen hat und naturwissenschaftliche Fakten auf den Kopf stellt. So ein quasi-demokratischer Akt war auch im 19. Jahrhundert die Erklärung, wie das Kindbettfieber zustande kommt. Der Frauenarzt Ignaz Semmelweis hatte keine Chance gegen die Mehrheit, als er erkannte und erklärte, dass die Frauen in den Krankenhäusern aufgrund mangelnder Hygiene an Kindbettfieber starben. Hier kostete die Beibehaltung der vorherigen Mehrheitsmeinung tausende Frauen und Säuglinge das Leben, weil unter den Ärzten galt, dass Händewaschen und Desinfektionsmaßnahmen vor der Geburtshilfe nicht nötig wären.
Die Geschichte unausrottbarer Fehleinschätzungen ist lang, nur sind die meisten nicht so folgenschwer. Die Legende vom außergewöhnlich eisenhaltigen Spinat kam 1890 in die Welt, als der Physiologe Gustav von Bunge den Eisengehalt von 100 Gramm Spinat mit 35 Milligramm korrekt bestimmt hatte. Untersuchungsgut war allerdings getrockneter Spinat, der zehnmal so viel Eisen enthält wie die gleiche Menge frischer Blätter. Die Mär vom Gemüse, mit dem sich Mangelerscheinungen kurieren lassen, ging um den Globus und ist noch immer nicht ganz aus der Welt. Sie beruht darauf, dass unzulässigerweise Spinat-Konzentrat mit Frischware anderen Gemüses verglichen wurde. Obwohl schon seit den 30er Jahren ständig über den Irrtum aufgeklärt wird, hat es noch fünf bis sechs Generationen gebraucht, bis kaum noch Eltern ihre Kinder zum Essen des ach so gesunden Spinats zwingen.


„Der Anti-Gentechnik-Kampf wird ganz wesentlich auf dem Gebiet der bewussten Sprachirreführung geführt und bisher auch gewonnen.“

Das Einmotten falsifizierter Gentechniklegenden dauert offenbar mindestens genauso lange, denn die Gentechnikgegner haben nicht nur die menschliche Denkträgheit, sondern auch noch anderes auf ihrer Seite. Sie wissen, dass Antipathie oder Sympathie für eine Sache nicht zuletzt durch die Sprache hervorgerufen werden können. Das Instrument Sprache wird schon lange auch von ganz demokratisch orientierten Interessengruppen eingesetzt. So haben zum Beispiel feministisch ausgerichtete Theologen eine „Bibel in gerechter Sprache“ vorgelegt, deren Ziel es ist, die vermeintliche Diskriminierung der Frau in der Bibel abzuschaffen. Sie berücksichtigt die Sonderwünsche der feministischen Theologie, der Befreiungstheologie, der historisch-kritischen Auslegung und des christlich-jüdischen Dialogs. Es ist hier nicht der Ort zu untersuchen, ob die „Bibel in gerechter Sprache“ ein „ungeheuer spannendes Projekt“ ist, wie Margot Käßmann [5] meint, oder ob die Meinung des Philologen und Literaturrezensenten Johan Schloemann [6] zutrifft, dass eine „gesinnungsterroristische Gerechtigkeitsbibel“ entstanden sei. Der Verweis auf die Bibelbearbeitung wurde nur gewählt, um zu zeigen, wie sehr die Strategie, die Sprachwandlung in den Dienst der Durchsetzung von Zielen zu stellen, heute von Interessengruppen jeglicher Art genutzt wird. Der Anti-Gentechnik-Kampf wird ganz wesentlich auf dem Gebiet der bewussten Sprachirreführung geführt und bisher auch gewonnen. Denn NGO-Campaigner haben genau gelernt, wie man mit Sprache in die Irre führt und das umkämpfte Sachgebiet mit den eigenen Begriffen dominiert. Möglicherweise wurde die Schrift von Victor Klemperer zur LTI (Lingua Tertii Imperii, die Sprache des Dritten Reichs [7], als Handlungsanleitung verwendet? Gedacht war sie allerdings vom Autor als Aufruf zur Wachsamkeit, Sprachterror rechtzeitig zu erkennen und zu bekämpfen. Dann hätte Klemperer sein Ziel nicht erreicht.

Naturwissenschaftler und Philosophen werden beim Nachdenken über die Struktur und Funktion von Genen oft von tiefer Ehrfurcht ergriffen. Demagogen der gentechnikkritischen Bewegung ist es gelungen, das Wort Gen, das ja die Basisstruktur allen Lebens bezeichnet, negativ zu besetzen, indem sie emotional nicht gewollte, aber in Wahrheit hochwertige landwirtschaftliche Produkte als „Genpflanzen“, „Gensaatgut“, „Genmilch“, „Genfleisch“, „Gen-Food“ usw. diffamieren und „genfreie“ Nahrung fordern. Wenn heute der überwiegende Teil der Bevölkerung solche Forderungen unterstützt, kann man das als den größten demagogischen Erfolg bezeichnen, der jemals nach dem 2. Weltkrieg erreicht wurde. Eine Interessengruppe hat auf der ganzen Linie gewonnen, zumindest auf absehbare Zeit, wenn es ihr gelingt, ihre Sichtweise in Begriffe zu kleiden, die Bestandteil der Umgangssprache werden und in das Vokabular von Medien wie Rundfunk und Fernsehen gelangen, die als objektiv gelten. Das trifft auf die im Folgenden genannten Beispiele zu. Greenpeace schaffte es pünktlich zu Ostern 2011 mit der Meldung „Ostereier sind gentechnisch verseucht“, in die Schlagzeilen zu kommen. Eine Seuche definiert Wikipedia in Übereinstimmung mit klassischen Lexika so: „Eine Seuche ist in der Epidemiologie des Menschen wie auch der Veterinärmedizin eine hochansteckende – evtl. zu Siechtum führende – Infektionskrankheit.“ Also müsste, um diese Meldung zu rechtfertigen, von diesen Eiern mindestens irgendeine Gefahr für den Konsumenten ausgehen. Gemeint waren Eier von Hühnern, die mit Gv-Soja gefüttert worden waren. Man kann Eier solcher Produktion mit keiner Methode der Welt von solchen unterscheiden, die aus Tierhaltungen mit anderer Fütterung stammen. Es gibt keine Messergebnisse, nach denen die beanstandeten Eier unerwünschte Inhaltsstoffe hätten und auch keine plausible Theorie, wieso Gesundheitsrisiken zu befürchten sein sollten. Trotzdem schaffte es die Meldung von den „gentechnisch verseuchten“ Eiern, oder auch kurz „Gen-Eiern“, in die Nachrichten wohl nahezu aller TV- und Hörfunknachrichten sowie Printmedien. Übrigens liegt der biologische Sinn von Eiern und Saatgut darin, Gene von einer Generation in die nächste zu transportieren und in diesem Sinne gibt es ausschließlich Geneier und Gensaatgut. Das Wort „Generation“ leitet sich davon ab. Die Gen-Verseuchungsunterstellung ist idiotisch und einigermaßen gebildeten Menschen fällt die gezielte Panikmache auf. Aber sie ist dennoch wirksam. Ähnlich, wenn auch etwas subtiler, ist es mit den Begriffen „Kontamination“ und „Verunreinigung“, die sich mit der erwähnten „Verseuchung“ abwechseln.


„Der Begriff ‚Genmanipulation‘ wurde in diffamierender Absicht geprägt und ist so subtil, dass es kaum jemand merkt.“

Von Begriffen wie „Genverunreinigung“ ist es dann auch nicht mehr weit bis zu „Gendreck“, und somit sind auch die Benutzer und Rezipienten solcher Diffamierungen anfällig für eine offene oder klammheimliche Unterstützung terroristischer Aktionen wie die Feldzerstörungen, die im Jargon der „Gendreck-weg-Bewegung“ „freiwillige Feldbefreiung“ genannt werden. Dabei ist der demagogische Inhalt von „Befreiung“ durchschaubar, der Zusatz „freiwillig“ erschließt sich überhaupt nicht und wird auch nirgends erklärt. Zwar ist es richtig, dass bisher kein Wissenschaftler oder innovativer Landwirt zur Teilnahme am Vandalismus gezwungen wurde, aber das Wort „freiwillig“ enthält in Wahrheit keine Information, sondern nur Demagogie, die zur Imageverbesserung gedacht ist. Vorbild für die „Feldbefreier“ sind wohl Aktionen, wie es sie in der Zeit unmittelbar nach dem Bau der Berliner Mauer gegeben hat. Damals wurde von den DDR-Bürgern verlangt, „freiwillig“ auf den Empfang westdeutscher oder Westberliner Fernsehsendungen zu verzichten. Wo das nicht fruchtete, „befreiten“ Aktivisten der kommunistischen Jugendorganisation FDJ die Dächer von Antennen, die erkennbar auf Westempfang gerichtet waren.

„Kontamination“ und „Verunreinigung“ wurden in jüngerer Zeit besonders häufig für Honig verwendet, der aus Kanada stammte und der Pollen aus Gv-Raps enthielt. Der Pollenanteil im Honig liegt bei etwa 0,1 bis höchsten 0,5 Prozent und solch ein Honig mit Pollen von Gv-Kulturen wird auf dem gesamten amerikanischen Kontinent gut vertragen. Selbst die Beamten in Deutschland, die diese wertvolle und nach wissenschaftlicher Logik einwandfreie Speise aus dem Verkehr ziehen und die Vernichtung anordnen, sagen, dass von dieser Ware keinerlei Gefahren ausgehen. Aber der irreführenden Bezeichnung „Kontamination“ bedienen sich alle.

Noch etwas subtiler und höchst erfolgreich ist die demagogische Verwendung des Begriffs „genmanipuliert“. Das Wort „Manipulation“, war ursprünglich ein Begriff, der vor allem eine Bearbeitung mit den Händen (lat. Manus = Hand) beschreibt und in diesem Bedeutungszusammenhang wertneutral war. Würde man diese Vokabel wertneutral benutzen, müsste man sie auf alle Kulturpflanzen anwenden, denn im wertneutralen Sinne ist jede Pflanzenzucht eine Manipulation. Der Begriff wird aber normalerweise nicht wertneutral verwendet, sondern etwa im Zusammenhang mit gefälschten Zahlen bei Wahlergebnissen und Statistiken oder bei Sabotageakten an technischen Einrichtungen wie Bremsen usw. Unter Meinungsmanipulation verstehen wir eine unlautere Beeinflussung einer Bevölkerung dahingehend, dass sich diese fortan für die Ziele der Demagogen einspannen lässt und u. U. sogar gegen die eigenen Interessen handelt. Der Begriff „Genmanipulation“ wurde in diffamierender Absicht geprägt und ist so subtil, dass es kaum jemand merkt. Er ist in den allgemeinen Sprachgebrauch übergegangen und dominiert die Presse. Ich habe mehrfach in Gesprächen nach Vorträgen erlebt, dass selbst Diskutanten, die entschieden für die Nutzung der Grünen Gentechnik Stellung bezogen haben, von „gentechnisch manipulierten“ Pflanzen sprachen. Die Desorientierungsstrategie der NGOs wirkt also bis in die Reihen der GG-Unterstützer.


„Meinungsbildungskonzerne, wie Greenpeace und ‚Friends of the Earth‘ vernebeln mit einer Umdeutung von ursprünglichen Wertbegriffen die öffentliche Wahrnehmung.“

In die Kategorie der schwerer erkennbaren Demagogie gehört auch der Begriff „Superunkräuter“. Eine weitverbreitete Anwendung der Gentechnik ist ja das Verfahren, eine Kulturpflanze wie z. B. Soja oder die Zuckerrübe via Gentransfer gegen das Totalherbizid Glyphosat resistent zu machen, um beim anschließenden Anbau Unkräuter ohne großen Arbeitsaufwand selektiv aus dem Feld eliminieren zu können. Obwohl dies jedoch nur ein Anwendungsgebiet der GG unter vielen anderen ist, steht für die Antigentechnikbewegung diese Anbauform im Mittelpunkt ihrer Angriffe. Es liegt in der Natur der Sache, dass vereinzelt auch Unkräuter spontan gegen das Herbizid resistent werden können und diese sich im Zuge eines Selektionsprozesses auf Feldern mit entsprechenden Gv-Kulturen ausbreiten können. Das ist ein Ärgernis für Farmer, die solche Kulturen anbauen, aber eben nur für sie. Gentechnikgegner belegen diese Unkräuter mit dem Begriff „Superunkräuter“ und suggerieren damit, dass solche Pflanzen nicht mehr zu bekämpfen wären und sich diese nun unkontrolliert überall ausbreiten und selbst den sogenannten „Biologischen Landbau“, die Naturschutzgebiete und überhaupt die ganze Welt bedrohen. Dabei gefährden diese sogenannten Superunkräuter nur die Wirtschaftlichkeit des Anbaus glyphosatresistenter Kulturen und treten auf allen anderen Flächen als ganz normale Unkräuter auf, die, wie gewohnt, mit konventionellen Methoden zu bekämpfen sind.

Die Demagogie ist auch dort besonders erfolgreich, wo Menschen mit sprachlichen Mitteln in Gut und Böse eingeteilt werden. Menschen, die sich gegen Gentechnik einsetzen, bezeichnen sich selbst als „Umweltschützer“ und wenn sie damit ihr Geld verdienen, gelten sie als „Gentechnik-Experten“. Wenn sie in krimineller Weise Felder zerstören, sind sie „Umweltaktivisten“. Das wird von nahezu allen Medien nicht hinterfragt und so übernommen. Welche Entwicklungen sie verhindern und welche Mittel sie einsetzen, spielt keine Rolle. Aktivisten, die die cisgene BASF-Kartoffel „Fortuna“ verhindern wollen, sind per definitionem Umweltschützer, auch wenn die „Fortuna“ dazu führen würde, dass die wirklich bodenvergiftende Ausbringung von Kupferspritzmitteln in der sogenannten Biolandwirtschaft gestoppt würde. Ja, selbst dann wenn Kriminelle Diesel oder Heizöl auf ein Versuchsfeld versprühen, um einen Freisetzungsversuch zu sabotieren und somit eine landwirtschaftliche Fläche dauerhaft ruinieren und das Grundwasser vergiften, bleiben die Akteure immer noch „Umweltschützer“. Die Politiker der meisten Parteien schweigen oder beziehen Position für die Straftäter, denn wer kann es sich schon leisten, seinem eigenen Ruf dadurch zu schaden, dass er sich gegen „Umweltschützer“ positioniert, insbesondere dann, wenn diese auch noch „Experten“ sind? Was sind eigentlich Experten? Nach landläufiger Meinung wohl Menschen, die langjährig auf einem Gebiet arbeiten und sich einen großen Kenntnisschatz zu einem Wissensgebiet angeeignet haben. Sie besitzen sowohl einen großen Überblick über das Gesamtgebiet ihres Faches und haben auf ihrem persönlichen Spezialgebiet beachtliche wissenschaftliche Ergebnisse erbracht. Auf dem Gebiet der Gentechnik wären hier als eine kleine Auswahl die Namen der Nobelpreisträger Paul Arber, Ingo Potrykus, Inge Broer und Hans Jörg Jacobsen zu nennen. Das aber sind in der Sprache der Gentechnikgegner immer „Gen-Lobbyisten“, niemals Experten.

Den Begriff „Experte“ definieren und verleihen sich die Gentechnikgegner selbst: Wörtliches Zitat aus dem Lebenslauf von Jan van Aken: „Nach Abschluss des Studiums begann van Aken seine Tätigkeit als Experte für Gentechnik bei der Umweltschutzorganisation Greenpeace International, die er bis 2009 ausübte.“ [8] Aber van Aken ist noch eine Positivvariante. Er hat immerhin ein abgeschlossenes Biologiestudium hinter sich. Für andere war zur Erreichung des Gentechnik-Expertenstatus überhaupt keine naturwissenschaftliche Ausbildung nötig. Stephanie Töwe-Rimkeit [9] von Greenpeace qualifiziert schon ein Abschluss an der Filmschule und eine „Leidenschaft für schwülstige Gedichte“ zur Führung der Bezeichnung „Gentechnik-Expertin“.

Meinungsbildungskonzerne wie Greenpeace und „Friends of the Earth“ vernebeln mit einer derartigen Umdeutung von Wertbegriffen die öffentliche Wahrnehmung. Der Skandal ist aber, dass die Presse jeglicher Couleur Vokabeln wie „Verseuchung“, „Gen-Kontamination“, „Experten“, „Umweltschützer“, „Superunkräuter“ und „Gen-Food“ nicht hinterfragt und einfach übernimmt. Journalistisch beliebt sind v. a. Begriffe, die im Kopf der Rezipienten negative Assoziationen und Bilder erzeugen, wie das Wort „Frankenstein-Food“. Bilder spielen im Kampf gegen Technologien ohnehin eine wichtige Rolle, besonders wenn sie in der Lage sind, Angst zu schüren. Im Kampf gegen Gentechnik ist eine naturwissenschaftliche Ausbildung, wie oben erwähnt, nicht erforderlich, aber eine Schulung, wie man den Kampf asymmetrisch ausrichtet, scheint unverzichtbar zu sein. Asymmetrischer Kampf ist bekannt aus der Terroristenszene. Terroristen müssen sich an keine ethischen Grundsätze einer demokratischen Gesellschaft halten, können Bomben dann und dahin legen, wo sie am wirksamsten sind. Die Gegenseite ist bei deren Bekämpfung an Gesetze und ethische Kodizes gebunden und damit stark eingeschränkt. Sie darf im Zusammenhang mit Terrorismusbekämpfung Bürgerechte nicht beschneiden und ist zur Offenlegung sämtlicher Maßnahmen verpflichtet. Wenn auf Seiten der Gentechnikgegner ein Propagandist, der noch dazu einen Professorentitel trägt und sich mit der Aura des Wissenschaftlichen umgeben kann, Bilder von Ratten mit großen Tumoren publiziert [10] und wahrheitswidrig behauptet, diese seien durch Fütterung mit „Gen-Mais“ verursacht, geht das durch die Presse und verängstigt die Menschen. Wissenschaftler, die zeigen wollen, dass die Meldung auf einem wissenschaftlich unzulässigen Versuchsdesign und Statistikfehlern beruht und es in Wahrheit keinen Hinweis auf einen Zusammenhang zwischen dem Gv-Mais und den Tumoren gibt, haben keine Chance. Sie müssten ja erklären, wie ein ordentliches Versuchsdesign aussieht. Auch mit der Vermittlung von Grundwissen im Fach Statistik werden sie kein Gehör finden. Es ist aussichtslos. Wissenschaftler sind nach ihrem Kodex verpflichtet, ihre Behauptungen zu beweisen. Aber es kann mehrere Jahre dauern, um eine Falschbehauptung, die in wenigen Stunden aufgestellt wird, mit einer wissenschaftlichen Untersuchung zu widerlegen. Und wenn der Gegenbeweis tatsächlich erbracht ist, findet er keine Beachtung.


„Der gesamte Komplex der Desinformation zeigt Wirkung. In Deutschland und Europa wagt es kaum eine Regierung oder Partei, sich zur Entwicklung und Nutzung der GG zu bekennen und in fast allen EU-Ländern gibt es mehr oder weniger eindeutige Verbote.“

Als im Jahre 2008 eine Wiener Arbeitsgruppe die Nachricht herausgab, Gv-Mais hätte die Fortpflanzungsfähigkeit von Versuchstieren eingeschränkt, war Greenpeace mit einer Angstkampagne sofort zur Stelle: „Man stelle sich vor, dass Paare ihren Kinderwunsch begraben müssen, weil sie durch den Verzehr gentechnisch veränderter Lebensmittel unfruchtbar wurden“, warnte Marianne Künzle, selbsternannte „Gentechnik-Expertin“ von Greenpeace. „Zudem stellt sich die Frage, ob der Hersteller der Maissorte, der Gentech-Konzern Monsanto, von der Gefahr wusste und wie es in der EU bereits zu einer Zulassung kommen konnte“, so Künzle. In diesem Falle wurde die Unhaltbarkeit der Studie allerdings sofort durch andere Wissenschaftler aufgedeckt, weil die Protokolle zugänglich waren und schon ein einfaches Nachrechnen mit dem Taschenrechner genügte. Die Autoren zogen die Studie zurück, aber wer meinte, auch Greenpeace müsste seine Aussage revidieren, wartete vergebens. Es gibt zwar einen Greenpeace-Verhaltenskodex, worin das Versprechen „Greenpeace richtet sich nach dem deutschen Pressekodex“ formuliert ist. Der ist aber Makulatur, denn danach wäre der Widerruf einer Falschaussage Pflicht. Das erfolgt niemals.

Der gesamte Komplex der Desinformation zeigt Wirkung. In Deutschland und Europa wagt es kaum eine Regierung oder Partei, sich zur Entwicklung und Nutzung der GG zu bekennen, und in fast allen EU-Ländern gibt es mehr oder weniger eindeutige Verbote. Währenddessen steigt in den Ländern, in denen Bauern Wahlfreiheit haben, die Anbaurate um ca. 8 Prozent jährlich, und dies, obwohl die meisten der eigentlich bahnbrechenden Entwicklungen erst in den nächsten Jahren Marktreife bzw. Anbauzulassungen erhalten werden. In Europa und besonders in Deutschland findet ein Paradigmenwechsel statt. Hieß es noch vor Kurzem in den Wahlprogrammen aller Parteien in unterschiedlichen Nuancierungen, dass die Förderung von Forschung und Entwicklung die Voraussetzung für eine erfolgreiche Wirtschaftsentwicklung, Wohlstand und die Bewahrung der Umwelt sei, gilt heute, dass Forschung auf den Gebieten mit den höchsten Innovationspotentialen nicht gewollt ist, und dass diese sich auch nicht lohne, weil die Ergebnisse ohnehin nicht umgesetzt werden sollen oder dürfen. Im Januar 2013 galt in Niedersachsen das Vorhaben linker Parteien, das Ausbildungsprogramm „HannoverGen“ zu zerschlagen, als Wahlkampftrumpf. Die Initiative „HannoverGen“ bietet unter Leitung der Hochschule Hannover Gymnasiasten die Möglichkeit, in speziellen Schülerlabors experimentelles Arbeiten im Fach Genetik zu erlernen und sich somit naturwissenschaftlich zu bilden. Bei der Distanzierung von solchen Programmen durch die Mehrheit der Parteien haben wir es mit einer gezielten Zerstörung des bisherigen Wertesystems zu tun, in dem der allseitig gebildete Mensch das erklärte Ziel aller Bildungseinrichtungen war. Die folgerichtige Abwanderung von Wissenschaftlern und Forschungsabteilungen aus Deutschland ist heute nicht mehr nur eine Befürchtung, sondern traurige Realität.

Natürlich fragt man sich, wie lange das wohl noch so weitergeht. Die Erfahrung zeigt, dass solche Entwicklungen ihr Ende finden, wenn die Schäden für jedermann erkennbar zu besichtigen sind. Dann kommt auch die Umkehr der Demagogen, die dann plötzlich sogar Sündenböcke für die von ihnen zu verantwortenden Fehlentwicklungen finden und auch früher liebgewonnene Begriffe meiden. Nachdem eines der größten menschengemachten Artensterben durch die Vermaisung unserer landwirtschaftlichen Flächen und das Abbrennen von Brasiliens Urwäldern zum Zwecke des Zuckerrohranbau stattfand, verwenden die Grünen Begriffe wie „Biosprit“ und „Biokraftstoffe“ nicht mehr, sondern höchstens, um sich von deren Förderung, die sie selbst eingeleitet haben, loszusagen. Während mit Jürgen Trittins Energieeinspeisungsgesetz das größte Artenausrottungsprogramm in Gang gesetzt wurde und Bärbel Höhn noch 2007 die Zukunftsparole „Bioenergien sind Bio“ [11] herausgab, sehen sich neuerdings alle Grünen in Übereinstimmung mit Winfried Kretschmann, der jetzt richtigerweise formuliert: „Der sogenannte Biosprit ist keineswegs öko“. In grünen Wahlprogrammen wird das Wort Biosprit gemieden, es findet Eingang höchstens im Zusammenhang mit Absetzungsbewegungen und Schuldzuweisungen für andere. Bärbel Höhn ist keineswegs geläutert, sondern hat nur die Arbeit mit Bildern verfeinert, um die Menschheit mit ihrer neu designten Traumwelt einzulullen: „Die Zukunft der Bioenergie heißt Blumenwiesen statt Mais“, sagt sie nun [12]. Auch der gute alte Kampfbegriff „Jobkiller“ [13], mit dem die Grünen und ihre assoziierten NGOs einst vorübergehend Teile der Mikroelektronikproduktion und moderne Arbeitsplätze aus Deutschland vertrieben hatten, kommt keinem Grünen mehr über die Lippen. Man hat eben viel gelernt, vor allem dann, wenn es darum geht, mit Bildern zu arbeiten und Sprache gezielt zur Demagogie einzusetzen. Ansonsten vollziehen sich die Lernprozesse langsam. Der Agrogentechnik wird man sich wohl erst dann aufgeschlossen zuwenden, wenn sie die Welt-Agrarfläche vielleicht bis zu 20 Prozent beherrscht, nicht wie jetzt zu 10 Prozent. Vielleicht wird man dann, so wie man jetzt den Gebrauch ineffizienter Glühbirnen verbietet, auch jegliche Formen ineffektiver Landwirtschaft untersagen wollen, um den tropischen Regenwald, der ja auch uns nützt, vor Abholzung zu retten. An die afrikanischen und fernöstlichen Hungergebiete, die dringend trockenresistente, schädlingsresistente und eiweiß- bzw. vitaminreichere Pflanzen brauchen, denken hier in Europa sowieso nur noch Außenseiter. Die gelten als „Gen-Lobby“ und sind natürlich moralisch zu verurteilen.

Prof. Dr. habil. Reinhard Szibor ist von Haus aus Humangenetiker und hat die letzten 20 Jahre seines beruflichen Lebens als Molekularbiologe im Fach Forensische Genetik gearbeitet (Gutachter für Spurenkunde und Abstammungsgenetik). Vor seinem Biologiestudium erlernte er den Beruf des Gärtners und hat deshalb eine emotionale Bindung zur Landwirtschaft. Im Ruhestand widmet er sich ehrenamtlich der Aufklärungsarbeit zur Grünen Gentechnik. Als Mitglied des Forums Grüne Vernunft und zugleich der evangelischen Kirche wirbt er für eine naturwissenschaftskompatible Haltung seiner Kirche. Seine Website finden Sie hier

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Anmerkungen

1 „EHEC-Ausbruch 2011, Aufklärung des Ausbruchs entlang der Lebensmittelkette“, in: B. Appel, G.-F. Böl, M. Greiner, M. Lahrssen-Wiederholt, A. Hensel (Hg.): BfR Wissenschaft 04/2011, , Bundesinstitut für Risikobewertung.
2 Crystal Smith-Spangler et al.: „Are Organic Foods Safer or Healthier Than Conventional Alternatives?: A Systematic Review“, Annals of Internal Medicine 2012, 157(5): 348–366.
3 Willy de Greef: „The Cartagena protocol and the future of agbiotech“, in: Nature Biotechnology 2004, 22, 811–812.
4 Gentechnisch veränderte Pflanzen werden kritisch geprüft: schweizmagazin.ch/wissen/natur/12190-Gentechnisch-vernderte-Pflanzen-werden-kritisch-geprft.html
5 Margot Käßmann: chrismon.evangelisch.de/blog/auf-ein-wort/der-sprache-von-heute-2513
6 Johan Schloemann: „Und die Weisheit wurde Materie: Über Gesinnungsterror und die Weihnachtsgeschichte in der Übersetzung der ‚Bibel in gerechter Sprache‘“, in: Süddeutsche Zeitung 23./24. 12. 2006.
7 Victor Klemperer, LTI. Notizbuch eines Philologen, Reclams Universal Bibliothek Band 278. (Erstausgabe Aufbau Verlag 1947)
8 de.wikipedia.org/wiki/Jan_van_Aken_%28Politiker%29
9 Stephanie Töwe-Rimkeit: filmschule-hamburg-berlin.de/index.php?cccpage=jobs_synopse&set_z_jobstexte=62
10 Gilles-Eric Séralini et al.: „Long term toxicity of a Roundup herbicide and a Roundup-tolerant genetically modified maize Food and Chemical Toxicology“, 2012, 50: 4221–4231.
11 Bioenergien sind bio: taz.de/1/archiv/digitaz/artikel/?ressort=me&dig=2007%2F11%2F12%2Fa0121&cHash=8f7441f3d6f60e51c829a88f886b9ea5
12 „Über das Ziel hinaus geschossen?“ faz.net/-gpg-71o50
13 www.spiegel.de/spiegel/print/d-14343806.html, computerwoche.de/a/der-bildschirm-wird-zum-zankapfel,1191116

Kehrtwenden March 5, 2013 | 11:46 pm

Es muss eine Kehrtwende geben. Und die muss 360° sein.
Hält nichts von Veränderungen: Ede Geyer.

Da müssen wir uns um 1000° drehen.
Ob das besser ist, Thomas Schaaf?

berliner winter bambuserfror auf balkonentote blätterzu lanzen… March 5, 2013 | 11:27 pm

berliner winter bambus
erfror auf balkonen
tote blätter
zu lanzen gerollt

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Michael Speier
aus: die akribie der zärtlichkeit

Tackling Female Genital Mutilation in the Kurdistan Region March 5, 2013 | 08:15 pm

The difficulties have lain in raising the subject matter and giving a voice to the victims. In a traditional society like the Kurdish one, speaking of a girl or woman’s genitalia (often associated with sexual function and sexual pleasure) is not an easy task.

A more heartening result comes in the guise of German-Iraqi NGO WADI, an organisation which has been combating violence against women in Iraqi Kurdistan since 1993. In a recent study carried out by them, there appears to be evidence for a trend of general decline of FGM. According to their research, less than 50 percent of young girls are being mutilated today.

Following the organisation’s FGM-Free Communities programme, seven villages in the Kurdish region began their battles against the practice. According to WADI, not a single case of FGM has happened in these villages since. Villages who join the network and publicly commit themselves to stopping FGM receive small community projects, which they are free to choose.

WADI stresses the importance behind educating and alerting the villagers to the health and psychological risks of FGM. Midwifes also play an important role as practitioners, and they also must be convinced of the harm they are doing to the village’s girls if they are to stop. To further support women who have undergone the procedure, WADI launched an FGM Hotline project, through which FGM victims are provided with social, psychological, medical and sexual advice.

Today the Kurdistan Region is leading the fight against FGM in Iraq. This is due primarily to a handful of local women and organisations, such as WADI, which have taken the time to educate men and women on the risks of FGM.

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Meditation, ein endloser Spaziergang um den Block March 5, 2013 | 01:14 pm

Über Meditation wird haupsächlich Gutes geschrieben, egal ob sie christlich, hinduistisch oder buddhistisch geprägt ist. Ihre Nützlichkeit wird kaum bezweifelt, die Meditationspraxen zugrundeliegenden philosophischen Ideen werden kaum kritisiert. Mir ist keine kritische Sozialgeschichte der Meditation bekannt.

Wird soziales Elend oder Autoritarismus in religiös geprägten Ländern wie Indien oder Tibet kritisiert, kommt kaum jemand auf die Idee, die mit häufig widerlichen religiösen Ideen verknüpften Meditationspraxen – wie Buddhas Empfehlung an seine zölibatären Studenten, über Frauen als Sack voller Fäkalien zu meditieren – zahlloser leidender Menschen könnten eher einen Beitrag zum Fortbestand als zur Überwindung dieses Elends leisten. Tibetischen Eltern ihr Kind wegzunehmen und es dazu zu zwingen, viele Stunden am Tag über ein einziges Wort zu meditieren, wird wohl wirklich von vielen Menschen als Befreiung von weltlichen Zwängen betrachtet. Wenigstens ist es eine von der Armut der Eltern. Wer das christliche Klosterleben im Mittelalter romantisiert, möge an die Leibeigenen denken, die für die meditierenden Mönche schuften durften.

Im Zen-Buddhismus ist es eine beliebte Praxis, über paradoxe Aussagen (eine Hand, die klatscht etc.), die nicht auflösbar sind, zu meditieren. Es ist keine Auflösung erreichbar außer der, irgendwann zu realisieren, dass es keine Auflösung gibt. Und – wenn es gut läuft -  der Erkenntnis, dass es keinen Sinn hat, Gehirnschmalz an Dinge zu verschwenden, die völlig offenkundig zu nichts führen. Wer über Sinnfreies allzu lange nachdenkt, mag irgendwann auf die Idee kommen, dass die Befreiung vom Sinn Sinn macht, und dass das Nirvana ein gutes Ziel einer imaginären Reise abgibt. Man kann aber auch einfach gleich den Seitenausgang nehmen und sich Dingen widmen, die das eigene Leben oder gar das anderer Menschen verbessern. Die Idee der Illusionarität von Allem ist eine arg durchschaubare Illusion.

Yogis und Meditationsmeister sehen oft, wenn auch nicht immer, noch im fortgeschrittenen Alter recht gesund aus, was erst einmal beeindruckt. Wer einen Moment über die Gründe nachdenkt, wird schnell auf den Gedanken kommen, dass diese Menschen sich in der Regel von anderen dafür bezahlen lassen, viel Zeit für körperliches Training zu haben, von schwerer Arbeit befreit zu sein, viel frische Luft zu genießen etc.pp. Das erhöht die Warscheinlichkeit ungemein, mit 60 nicht so auszusehen, als habe man sein erwachsenes Leben im Büro oder am Schmelzofen verbracht. Auch spielt von vornherein ein Selektionseffekt eine Rolle: Wer als Yogi in spe nicht nicht den Anforderungen nahekommt, die potentielle Anänger an Körperbau, Hautbeschaffenheit, Bartwuchs etc. stellen, wird deutlich schlechtere Chancen haben, es im hartumkämpften spirituellen Gesundheitsbusiness zu etwas zu bringen.

Die Frage, ob Yoga, Meditation und anderes bei allem Brimborium gesundheitlich von Nutzen sein könnte: Hatha-Yoga ist nichts wesentlich anderes als eine Mischung aus Gymnastik, Atemtechnik und Entspannung sowie Ernährungsempfehlungen. Ein Nutzen kann daraus entstehen, dass vielleicht auch Menschen, denen die bewusste Förderung der eigenen Gesundheit zu banal erscheint, ihre Muskeln dehnen und sich ab und zu entspannen. Gleichzeitig fragt man sich jedoch, inwieweit Verluste an kognitiver Klarheit das Leben dieser Menschen wiederum negativ beeinflussen.

Ein großes Problem der Meditationsforschung liegt darin, dass ein beträchtlicher Teil der Forscher unbedingt herausfinden möchte, dass Meditation eine gute Sache ist, was der Qualität der Studien nicht eben zuträglich ist. Ein Großteil der bekannten Meditationstechniken scheint gesundheitlich keine besseren Ergebnisse hervorzubringen als ein Nickerchen, auch wenn von den Apologeten in Presse und Öffentlichkeit gerne etwas anderes behauptet wird. Wäre Meditation so fantastisch effektiv, müsste das relativ einfach nachweisbar sein.

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Etwas für die eigene Gesundheit zu tun ist gut. Ideal ist es, wenn man dabei nicht blöder wird und einen klaren, kritischen Kopf behält.Was kann man also tun? In keiner besonderen Reihenfolge und ohne den Anspruch, dass ich selbst auch nur irgend eine Kompetenz habe, meinen eigenen Ratschlägen zu folgen:

  • Gehe vor die Tür.
  • Dehne deine Muskulatur.
  • Frage dich, welche Bewegungen du nie oder selten durchführst, und beschäftige dich mit ihnen.
  • Bewege dich auf eine Art, die dir Spaß macht, und die deine Gelenke nicht zu sehr belastet.
  • Benutze deine höheren Gehirnfunktionen für viele verschiedene Dinge. Monotones Lösen von Sudokus bringt mit der Zeit immer weniger Nutzen, besser wäre eine progressive Beschäftigung mit mathematischen Themen, die einem schwerfallen.
  • Beschäftige dich mit Dingen, die dir in der Schule schwer gefallen sind. Dort winken die größten Verbesserungen.
  • Beschäftige dich mit Techniken systematischen Denkens.
  • Versuche, dich situativ in das Denken anderer Menschen hineinzuversetzen. Viele sind darin ohnehin gut, für die, die es nicht sind, winkt ein beträchtlicher Gewinn.
  • Mache Pausen, in denen du möglichst wenig tust, damit dein Gehirn, dessen Fähigkeiten begrenzter sind, als viele denken, Zeit zur Integration von Gelerntem hat und dein Körper sich entspannen kann.
  • Helfe anderen Menschen. Es klingt eigennützig, aber man ist oft derjenige, der davon am meisten profitiert. Wenn man jedoch zu sehr darüber nachdenkt, wie man sich damit gerade selbst etwas Gutes tut, sinkt der Ertrag wieder.
  • Finde einen für dich funktionierenden Mix aus Gewohnheiten, die dein Leben leichter machen, und neuen Erfahrungen, die deine Möglichkeiten erweitern.
  • Setze dir erreichbare Ziele, die dir immer wieder Erfolgserlebnisse verschaffen.

All diese Vorschläge haben einen für viele Menschen entscheidenden Haken: Man wird dadurch nicht zu etwas Besonderem, man kommt “Gott” nicht näher, man ist nicht auf einem “erhabenen” Weg, und wenn er auch ins Nichts führte.

Ich hätte diesen Text nicht geschrieben, hätte ich nicht selbst Jahre meines Lebens mit spirituellen Dingen vertrödelt, zum Glück ohne je elementare Zweifel überwinden zu können. Diese Zweifel wertschätzen zu lernen hat lange gedauert, auch und gerade weil sie mich nicht zu einem besseren Menschen gemacht haben.


Römische Verhältnisse March 5, 2013 | 12:25 am

Zur Aktualität von Hegels »Philosophie der Geschichte«

Deutschlandfunk stellt ein interessantes Radio-Essay von Peter Bürger zum Hören zur Verfügung, in dem dieser einige Überlegungen über die Aktualität der Hegelschen Geschichtsphilosophie anstellt. Das Essay ist meines Erachtens ambivalent: Einerseits spricht hier deutlich der bürgerliche Intellektuelle, der von der Entwicklung der bürgerlichen Gesellschaft und ihrer Institutionen (der »Souverenität des Volkes« und insbesondere der Kultur) enttäuscht ist, ohne in einer materialistischen Analyse herauszuarbeiten, wie dieser Verfall einer kapitalistischen Krisenlogik immanent sein könnte (und dabei auch ohne Managergehälter oder italienische Wahlen etwas mit Ausbeutung zu tun hat). Er muss daher bei seinem Vergleich dieser Institutionen mit dem Hegelschen Bild der römischen Gesellschaft auf der Ebene oberflächlicher Analogien verbleiben — auf der anderen Seite bemüht sich Bürger jedoch, ein »nach dem Kapitalismus« denkbar zu machen, ohne dabei einerseits in blinden Geschichtsoptimismus oder andererseits in ebenso blinden Fatalismus zu verfallen.

Der Philosoph Georg Friedrich Wilhelm Hegel betrachtete die Geschichte als Prozess eines dialektischen Fortschritts. Von diesem Vertrauen ist heute nicht mehr viel übrig. Die Zukunft erscheint in eher düsteren Farben. Doch auch für die Gegenwart hält Hegels „Philosophie der Geschichte“ Ermutigung bereit.

Der Literaturwissenschaftler Peter Bürger befasst sich in regelmäßigen Abständen mit vielfach als verstaubt geltenden Klassikern der Geistesgeschichte. So untersuchte er etwa die Rolle Friedrich Nietzsches als Reformator oder er versuchte Oswald Spenglers „Untergang des Abendlands“ neu zu bewerten.

Er lehrte an der Universität Bremen Literaturwissenschaften. Sein Hauptwerk über die „Theorie der Avantgarde“ wurde in fast alle Sprachen übersetzt. 2007 erschien beim Suhrkamp Verlag sein Buch „Sartre. Eine Philosophie des Als-ob“. [via]

Lesen und Hören: bei DLF (Essay und Diskurs)

Download: via RS

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Kongress der Nichtbürger: Eine Bewegung macht mobil March 5, 2013 | 12:10 am

Bei Polit-Clownerien wie dem „Politischen Aschermittwoch“ oder dem „Politiker-Derblecken“ auf dem Nockherberg steht die bayerische Presse alljährlich stramm und tickert Redundantes im Minutentakt. Wenn zweihundert sogenannte „Wutbürger“ auf dem Marienplatz ihre Verdummungsarbeit kundgeben, finden sich zahlreiche Zeitungsredaktionen, die darin noch einen Nachrichtenwert entdecken können. Auf der Pressekonferenz des Refugee Struggle Congresses letzten Sonntag in München wurde hingegen kaum jemand der schreibenden Zunft gesehen. Obwohl es sich dabei um eine wegweisende Zusammenkunft handeln könnte.

Circa dreihundert Menschen fanden sich beim dreitägigen Kongress der Nichtbürger im Münchner Gewerkschaftshaus ein. Hauptsächlich waren es Flüchtlinge bzw. Geflüchtete aus Ländern außerhalb Europas. Etwa zehn Übersetzerinnen und Übersetzer traten an, um die Konferenz simultan in diverse Sprachen zu übersetzen. Der Hintergrund: Nach dem Suizid des iranischen Asylsuchenden Mohammad Rahsepar entfaltete sich ausgehend von Würzburg eine Protestwelle gegen die Verhältnisse in den deutschen Lagern. Es folgten monatelange Dauerkundgebungen und Prostmärsche, unter anderem von Würzburg nach Berlin. Der Refugee Struggle Congress war die lang erwartete Kickoff-Veranstaltung, um die Proteste mit einer theoretischen Basis zu unterfüttern.

Analog der historischen Maxime, „die Befreiung der Arbeiterklasse muss das Werk der Arbeiterklasse selbst sein“, legten die Initiierenden der Konferenz die unterschiedlichen Interessen von Bürgern (Citizens) und Nichtbürgern (Non-Citizens) dar. Dieser Unterschied ist für Asylsuchende deutlich spürbar, da sie weder Bürger erster, noch Bürger zweiter Klasse sind, noch der „doppelt freien“ Lohnarbeit nachgehen können – sondern mit großem Aufwand als Nichtbürger von der Gesellschaft ferngehalten werden. In der Rückschau auf die Proteste sei es – so stellen es die Initiierenden dar – vielmals ein Fehler gewesen, Nichtasylsuchende zu stark in ihre Entscheidungen mit einzubeziehen.

Darüber hinaus war ein Ziel der Veranstaltung, die bisher dezentralen Protestgruppen neu zu organisieren. Zentraler, entschlossener und selbstbestimmter soll es künftig zugehen. Ebenfalls thematisiert wurden die aktuellen Ausschreitungen in der Bayernkaserne. Anfang letzten Jahres traten aufgrund der menschenfeindlichen Verhältnisse in dem Münchner Lager dreißig Jugendliche in den Hungerstreik. Letzte Woche kam es zu ernsten Zusammenstößen zwischen den Jugendlichen und der Polizei. Die streikenden Asylsuchenden in der Wiener Votivkirche konnten aufgrund ihrer vertrackten Situation nicht am Kongress teilnehmen und wurden am Samstag per Skype zugeschaltet.


Ashkan Khorasani: „Es gibt gute und schlechte Lager in Deutschland. Die guten sind die geschlossenen.“

Während der Refugee Struggle Congress die bayerischen Medien nicht auf den Plan rief, erkannten die extrem Rechten das Potenzial der Veranstaltung durchaus. Mehrmals fuhren Rassisten der NPD-Tarnorganisation „Bürgerinitiative Ausländerstopp“ am Münchner Gewerkschaftshaus vorbei und warfen laut Regensburg Digital Flugblätter aus dem Auto. In der Innenstadt machte sich die Kleinstpartei „Die Freiheit“ mit einer Kundgebung unter anderem für Abschiebung stark.

Der Refugee Struggle Congress 2013 war ein starker Auftakt, um die bisher mehrheitlich von europäischen Hilfsorganisationen verwalteten Proteste der Geflüchteten auf eine neue Ebene zu heben. Es gehe jetzt darum, die „Leidensgenossen in jedem Lager zu aktivieren“, sagt Houmer Hedayatzadeh, einer der Veranstaltenden. Das könnte gelingen.

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Am Anfang war das Licht – Schon wieder … March 4, 2013 | 10:45 pm

Straubinger in der KroneSo wie jedes Jahr taucht auch heuer wieder der Fantasy-Film “Am Anfang war das Licht” in den Medien auf.

Herr P.A. Straubinger stellt damit wieder einmal klar, dass er ein verdienter Gewinner des Goldenen Bretts 2011 war. Nicht, dass er das noch extra beweisen muss: sein Werk ist zweifellos nachhaltig und breitenwirksam.

Dass es bereits ein Opfer gab, das von seinem Film motiviert verhungert ist, hat ihn wohl auch ziemlich kalt gelassen. Herr Straubinger hat ein dickes Fell. Verantwortung ist in der Welt der Esoterik prinzipiell nicht so angesagt (wenn man auf der Strecke bleibt, hatte man einfach nicht die richtige Einstellung), und so verwundert es eigentlich nicht, dass er weiter für sein Machwerk Werbung macht. Wer soll es ihm verdenken, auch Esoteriker müssen Geld verdienen, Geld stinkt nicht.

Am Mittwoch, den 6. März 2013, strahlt der ORF seinen Fantasy-Film aus, und die Werbetrommel wird gerührt. Irrtümlicherweise ordnet der ORF das Ganze allerdings in die Rubrik “Dokumentation” ein. Mit einem markigen Spruch wie: “Wurde in den gleichen Kinos gespielt wie “Der Herr der Ringe” könnte man vielleicht nicht nur Zuseher gewinnen, sondern würde auch der bisherigen Werbelinie in Wahrhaftigkeit treu bleiben.

Da es absehbar war, dass der ORF irgendwann Am Anfang war das Licht ausstrahlen wird, ist immerhin begrüßenswert, dass er danach einen Talk einrichtet. Im Anschluss an die Sendung werden dann die Esoteriker Straubinger und Rüdiger Dahlke mit dem ScienceBuster Heinz Oberhummer  Scienceblogger Ulrich Berger und der Psychologin Ulrike Schiesser, Mitarbeiterin der österreichischen Bundesstelle für Sektenfragen, diskutieren.

Sicherlich geschieht das vor allem aus Quotengründen, aber was soll man bei einem rein werbefinanzierten Sender erwarten? Es ist ja nicht so, dass der ORF nicht auch einen Bildungsauftrag hätte und dafür Geld vom Steuerzahler erhält.

Besonders übel ist aber der völlig unreflektierte Werbeartikel dazu in der österreichischen Kronenzeitung (qualitativ etwa auf Höhe der Bildzeitung anzusiedeln und immer wieder voller spaßiger Ungenauigkeiten), in dem Straubinger frech angibt, er habe intensiver recherchiert als alle Wissenschaftler und seine Argumentation sei “wasserdicht”.

Die Ergebnisse der Phänomene seien für Wissenschaftler überraschend und verstörend; zumindest Zweiteres stimmt: es ist verstörend, dass es der Unsinn ins Fernsehen schafft. Sowohl Prahlad Jani als auch Meditationslehrer Manek wurden von kritischen Beobachtern in der Luft zerrissen. Besonders peinlich: Manek wurde einmal von einem Kamerateam verfolgt und ging prompt in ein Restaurant. Da kann man doch Herrn Straubinger nur zu seiner wasserdichten Recherche gratulieren.

Dass Straubinger jegliche rationale Betrachtung des Themas schon lange über Bord geworfen hat und ihm Wissenschaftler mit ihrer idiotischen Faktenbezogenheit eher auf die Nerven gehen dürften, ist keine Überraschung.

Bitter ist eher, dass es noch immer Zeitungen gibt, die seine Aussagen einfach so abdrucken und das Ganze auch noch als “Doku der Woche” und “Sensationsdokumentation” deklariert wird. Klar, es ist “nur die Kronenzeitung”, aber sie hat trotzdem eine Menge Leser.

Aus unserer Sicht ist das eher der Schmarrn der Woche – wohl bekomm’s!

tram pass March 4, 2013 | 04:35 pm

day-tripper – one way ticket yeah….tram_passes_in_night_in_leipzig_cl-ikl959(b&w here)

[...]

She was a day….. tripper, one way ticket, yeah!
It took me so….. long to find out, and I found out

She’s a big teaser, she took me half the way there
She’s a big teaser, she took me half the way there, now

[...]
Day tripper
Day tripper, yeah! (src)


Einsortiert unter:Foto/Bild, normal vs. strange, pic of the day Tagged: Leipzig, strassenbahn

Das ist würdelos für uns alle March 4, 2013 | 12:26 pm

Ein Lektor würde sicher anzweifeln, ob etwas würdelos für jemand anders sein kann, aber ich halte das im Gegenteil für die einzig zutreffende Formulierung. Die Pflasterung unserer Städte mit (diesen) Plakaten ist eine entwürdigende Erfahrung für jeden Menschen als Menschen, es steht schlecht um unsere Gattung.

Auf die Werberbeschimpfung versteht man sich auch in unserem famosen Fotoblog: fotos.verbrochenes.net.