HATEmix :: Jan Mir February 4, 2015 | 08:22 am

Ein neuer Mix! Warum schon wieder nicht von einem weiblichen DJ? Die eine trödelt, die andere ist im Urlaub, die dritte muss noch überredet werden. Tja. Aber Jan Mir ist natürlich trotzdem und vor allem ein absoluter Mix-Wunschkandidat. Er hat schon wirklich sehr lange keinen mehr aufgenommen. Wir wissen diesen Aufwand zu schätzen!


HATE: Welcher war der beste Track, den du jemals gespielt hast?

Jan Mir: Da gibt es jeden Tag eine andere Antwort drauf. Aber wenn ich mal überschlage, über welchen Track ich das in den letzten Jahren am öftesten dachte, würde mir spontan Bruce Springsteen – State Trooper (Trentemöller Remix) einfallen. Da werden sie alle weich!

HATE: Glaubst du daran, dass es wirklich DJs gibt, die mit ihren Sets „eine Geschichte erzählen wollen/können“, wie es immer so schön heißt? Wie geht das?

Jan Mir: Ich glaube DJs die sowas sagen, verwechseln “Geschichte” mit “Spannungsbogen”. Aber bloß weil es mal rauf und runter geht, muss man nicht gleich ‘nen Buch drüber schreiben.

HATE: Welche Geschichte, willst du mit diesem Mix erzählen?

Jan Mir: Teletubbies vs. Mortal Kombat in 3 Akten.

HATE: Für welche Stimmung ist dein Mix am besten geeignet?

Jan Mir: Ich hab die Tracks beim Sport und in der S-Bahn ausgewählt, da fand ich sie sehr passend!

HATE: Welcher Part ist dir daran am wichtigsten und warum?

Jan Mir: Der Anfang, ich find die Nummer einfach wunderschön gerade. Ich hab die Fläche geloopt und noch alte Funksprüche von der Appollo 13 Mission drüber laufen lassen, passt ganz gut find ich.

HATE: Hast du Labels, die du gerne empfehlen möchtest?

Jan Mir: Correspondant finde ich gerade wieder richtig gut, da ist auch der Anfangstrack von “Demian” erschienen.

Vortrag mit Clemens Heni am 17.02. in Berlin: Kritische Theorie & Israel February 3, 2015 | 09:50 pm

War die Kritische Theorie pro-israelisch? Für manche in der „Pro-Israel-Szene“ ist die Antwort eindeutig „Ja“. Für die Mainstream-Forschung und Publizistik hingegen liegt die Antwort im Adorno-Preis für Judith Butler 2012. Das zeige den antizionistischen Charakter „der“ Kritischen Theorie. Doch was steht in den Texten der führenden Vertreter Kritischer Theorie, Max Horkheimer, Theodor W. Adorno, Leo Löwenthal, Erich Fromm und Herbert Marcuse? Ist es sinnvoll zu sagen „Israel bis zum Kommunismus“? Was kommt danach, also im Jahr 2028? Der Vortrag wird die Positionen dieser fünf Vertreter Kritischer Theorie vorstellen und zur Diskussion über das Verhältnis von Linken zum Zionismus anregen.

Petition: Aus Treitschkestraße soll Heinrich-Graetz-Allee werden February 3, 2015 | 06:32 pm

Mehr als ein halbes Jahrhundert leistet sich München eine Straße, die nach dem Antisemiten Heinrich von Treitschke benannt ist. Jetzt fordert erstmals eine Petition die Umbenennung. Die Moosacher Treitschkestraße soll zukünftig Heinrich-Graetz-Allee heißen.

Initiator Michael Movchin zählt zu den jungen Münchner Jüdinnen und Juden, die sich Unverschämtheiten nicht gefallen lassen. 2014 beispielsweise organisierte er anlässlich antiisraelischer Krawalle eine Demonstration in München mit dem Titel: „I stand with Israel – We stand with Israel!“ Rund 800 Personen nahmen teil. Jetzt hat der umtriebige Jungunternehmer eine Petition zur Umbenennung der Treitschkestraße gestartet. „München mutet seinen Bürgerinnen und Bürgern immer noch eine Straße zu, deren Namensgeber als Vater des modernen Antisemitismus gilt“, beklagt Movchin. „Sind 55 Jahre Treitschkestraße denn nicht ignorant genug?“

In der Petitionsbegründung heißt es, traurige Berühmtheit habe Treitschkes Schlagwort „Die Juden sind unser Unglück“ erlangt. Sein Ausspruch zierte später als Kopfzeile jede Ausgabe der nationalsozialistischen Zeitung „Der Stürmer“. Dass ausgerechnet eine Stadt mit der Vergangenheit Münchens auf eine Treitschkestraße bestehe, sei eine „besondere Form der Geschichtsvergessenheit“, heißt es im Peditionstext.

Münchner Treitschkestraße tatsächlich etwas Besonderes
Zwischen 1933 und 1945 wucherten die Treitschkestraßen in Deutschland. Auch in München wollten die Nationalsozialisten 1939 die Paul-Heyse-Straße am Hauptbahnhof nach dem antisemitischen Vordenker benennen. Doch sie stellten das Vorhaben zurück. Der Name Treitschke sei „für den Münchner Volksmund schwer auszusprechen“. Die Besonderheit an der Münchner Treitschkestraße ist, dass sie letztendlich im Jahre 1960 unter einem SPD-Bürgermeister eingeweiht wurde. Und die SPD-Bürgermeister verteidigten die Treitschkestraße bis heute. Zuletzt stellte sich Christian Ude schützend davor und nahm sich den konservativen Autoren Golo Mann zu Hilfe.

Das Engagement der SPD für die Treitschkestraße ist doppelt unverständlich. Mindestens genauso wie Jüdinnen und Juden hasste Treitschke nämlich Sozialdemokraten. Die Sozialdemokratie nannte er „die Eiterbeule am Laibe unseres Volkes“, die „Schule des Verbrechens“, der mit der „Sprache der Gewalt“ entgegenzutreten sei. Leichten parteiinternen Gegenwind erfuhr Ude 2010 durch einen Beschluss der Münchner Jusos. Darin befand die SPD-Jugendorganisation: „Möchte sich die Münchener SPD in ihrem historischen Bewusstsein ernst nehmen, sollte ein SPD-Oberbürgermeister diese Benennung auch wieder rückgängig machen.“

Allerdings ist bislang nichts geschehen
Das möchten Movchin und seine Unterstützergruppe ändern, zumal mit Dieter Reiter ein neuer Bürgermeister im Amt ist. Die Straße soll laut Petition in Heinrich-Graetz-Allee umbenannt werden. Graetz war ein wichtiger jüdischer Gegenspieler Treitschkes im „Berliner Antisemitismusstreit“. Er warf Treitschke vor, „den Fanatismus der Menge gegen eine schwache Minorität zu schüren“. Graetz starb 1891 während eines Besuches bei seinem Sohn in München. „Er hat eine Straße mit seinem Namen in München redlich verdient“, sagt Movchin. Sein elfbändiges Werk über die Geschichte der Juden gelte noch heute als eines der einflussreichsten, modernen Gesamtdarstellungen der jüdischen Geschichte, während Treitschkes Werk heute nahezu unbedeutend sei.

Sollte die Petition erfolgreich sein, könnte es auf dem St.-Matthäus-Kirchhof in Berlin kräftig rumpeln. Wenn eine nach Treitschke benannte Straße ausgerechnet nach seinem jüdischen Gegenspieler Graetz benannt würde, sollte das für ein paar Umdrehungen im inneren des Treitschke-Sarges sorgen.

Weiteführendes
50 Jahre Treitschkestraße
Zur Petition

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Reden ist Silber, Roth ist Gold February 2, 2015 | 10:40 pm

Claudia Roth während ihrer Iranreise, Januar 2015

Claudia Roth ist, wer würde das bestreiten wollen, eine wirklich bemerkenswerte Politikerin. Lange Jahre war sie Bundesvorsitzende der Grünen, inzwischen ist sie zur Vizepräsidentin des Deutschen Bundestages aufgestiegen, und niemand kann versprechen, dass sie damit schon das Ende der Karriereleiter erreicht hat. Die gebürtige Ulmerin ist modern, weltgewandt und polyglott, wie sie auch in ihren zahlreichen Interviews immer wieder eloquent unter Beweis stellt. An der Türkei etwa mag sie nicht nur Sonne, Mond und Sterne, die Menschen, Kichererbsenpüree und Börek, sondern auch die Konflikte – »es gibt immer wieder Probleme«, sagt sie mit einem glücklichen Lächeln. Nicht so gerne mag sie dagegen die Unterdrückung von Frauen. Die hat sie, so steht es in ihrem Wikipedia-Eintrag, 1980 sogar dazu bewogen, aus der katholischen Kirche auszutreten.

Nun hat man es zwar auch im Iran nicht so mit der Gleichberechtigung, fast könnte man geneigt sein zu sagen: Verglichen mit dem dortigen Regime ist der Vatikan geradezu aufgeschlossen. Aber okay: Andere Länder, andere Sitten, also her mit dem Kopftuch und ab nach Teheran. Fünf Tage lang war Claudia Roth Ende Januar dort, und mal ehrlich: Unter den Porträts der »Revolutionsführer« Khomeini und Khamenei haben schon Menschen unglücklicher aus der Wäsche geschaut als sie. In Gegenwart des iranischen »Parlamentspräsidenten« Ali Larijani lächeln ebenfalls nicht alle so freundlich wie die grüne Galionsfigur. Als Larijani beispielsweise auf der Münchner Sicherheitskonferenz vor fünf Jahren die Leugnung des Holocaust verteidigte, fanden das manche nicht ganz so lustig. Böse Zungen behaupten sogar, er habe das völlig ernst gemeint.

Claudia Roth hingegen freut sich erkennbar, wenn sie auf Vertreter des iranischen Regimes trifft. Bei der Sicherheitskonferenz in München vor zwei Jahren gab es sogar ein beherztes »High Five« zwischen ihr und dem iranischen Botschafter in Deutschland. Nicht jeder sah das gerne, es gab deshalb Kritik an ihr, so wie auch jetzt, während ihres Trips nach Teheran und danach. Eine große deutsche Boulevardzeitung etwa fragte angesichts ihres Treffens mit dem besagten Ali Larijani: »Warum besuchen Sie einen Judenhasser, Frau Roth?« Das machte die Angesprochene traurig, wütend und betroffen, weshalb sie Zeit Online ersuchte, per Gastbeitrag widersprechen zu dürfen. Dieser Bitte wurde auch entsprochen, allerdings unter der Überschrift »Warum man mit ›Judenhassern‹ reden muss«, was Roth »missverständlich« fand. Nun steht dort: »Warum man mit dem Iran reden muss«. (Um die verschämten Anführungszeichen ging es also gar nicht.)

Doch irgendwie stimmt das auch nicht so ganz, schließlich erklärt Roth im Text selbst: »Es gibt nicht den Iran, den iranischen Staat oder die iranische Politik«, sondern vielmehr »unterschiedliche Lager und Interessengruppen innerhalb jedes Ministeriums, im Parlament, zwischen den zahlreichen Sicherheitsapparaten, ja sogar innerhalb des Klerus«. Diese Lager beäugten sich gegenseitig misstrauisch und seien »immer auf dem Sprung, der Gegenseite eine Niederlage zuzufügen«. Fast wie zu Hause also, könnte man sagen, zumal bei den Grünen, die ja auch mal »Fundis« und »Realos« hatten. Nur dass die vermeintlichen Reformer im Iran selbst ein integraler Bestandteil der »Islamischen Republik« sind und deren Grundfesten nicht im Geringsten angetastet sehen wollen. Banden und Rackets wären deshalb vielleicht passendere Begriffe als »unterschiedliche Lager und Interessengruppen«, nur klingt das natürlich nicht so diplomatisch.

Ein paar Fragen gäbe es womöglich ebenfalls noch, aber es ist ja auch alles so schrecklich kompliziert. »Verfolgung von Oppositionellen, die gesteigerte Zahl von Todesurteilen nach der Wahl des reformorientierten Präsidenten Rouhani oder rhetorische Kampfansagen gegen ›den Westen‹ sind immer auch Waffen der reaktionären Kräfte zur Schwächung und Blamage der Moderaten«, schreibt Claudia Roth. Ein reformorientierter Präsident, nach dessen Wahl mehr Oppositionelle verfolgt und mehr Menschen hingerichtet werden? Ist Hassan Rouhani am Ende gar nicht so moderat, sondern eher »das freundliche Gesicht des Terrors«, wie Stephan Grigat befand? Roths Gesprächspartner Ali Larijani und Massoumeh Ebtekar – die Sprecherin der Geiselnehmer in der amerikanischen Botschaft in Teheran anno 1979 – sind eigentlich ebenfalls Stützen des Regimes und nicht dessen Kritiker. Aber egal: Reden, darum geht es, und reden ist ja auch das, was Claudia Roth am besten kann und am liebsten tut.

Und wenn man reden und verhandeln will, zumal über die Menschenrechte, muss man schon mal über seinen Schatten springen und Fünfe gerade sein lassen. Diese Disziplinen beherrscht Roth ebenfalls exzellent. Und warum auch nicht im Kopftuch über Frauenrechte sprechen oder mit einem Antisemiten darüber streiten, ob es den Holocaust gegeben hat? Selbst das grüne Lieblingsthema »Nutzung der Atomkraft« ist für sie kein Tabu – das heißt, in Deutschland schon, nicht aber im Iran, denn: »Wenn der Frieden nicht nur im Nahen Osten, sondern darüber hinaus wieder eine Chance bekommen soll, dann muss man jetzt dahin gehen, wo keine einfachen Lösungen zu erwarten und wo schwierige Gespräche zu führen sind.« Steht das iranische Nuklearprogramm dann erst in voller Blüte, könnte tatsächlich bald, nun ja, Frieden werden, namentlich nach einem Atomschlag gegen den jüdischen Staat, diesen »großen zionistischen Satan«, wie der moderate Reformer Rouhani ihn nennt. Vielleicht gibt es ja doch einfache Lösungen.

Und wenn nicht, wird es an Claudia Roth jedenfalls nicht gelegen haben – der Frau, die mit dem Iran redet, obwohl es den Iran ja eigentlich gar nicht gibt. Ein paar iranische Frauen haben übrigens gegen die deutsche Politikerin protestiert, wegen Kopftuch und so. Was müssen das für verbiesterte Feministinnen gewesen sein!

Zuerst veröffentlicht auf Fisch + Fleisch.


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Positionen zur Kritik des Mensch-Tier-Verhältnisses February 1, 2015 | 05:27 pm

1. Animal Riots. Zur kritischen Theorie des Mensch-Tier-Verhältnisses

Im Frühling des letzten Jahres fand in Jena eine Veranstaltungsreihe unter dem Titel »Veganismus – mehr als nur Lifestyle?« statt. Im Rahmen dieser Reihe hat Thomas Krüger aus Jena einen Vortrag gehalten, in dem er einige Aspekte des Mensch-Thier-Verhältnisses aus kritisch-theoretischer Perspektive dargestellt hat. Er kritisiert dabei naturalistische Fehlschlüsse sowohl von Verfechtern als auch von Kritikern des Veganismus. Im Zentrum seiner Überlegungen steht dann eine Kritik der Forderung nach Tierrechten, basierend auf einer Kritik des Rechts-Begriffes. Dem Recht stellt er eine Moral-Konzeption gegenüber, in deren Zentrum Leid, Mitleid und Empathie stehen (wobei er sich u.a. auf Adornos Vorlesungen über Probleme der Moralphilosophie bezieht). Am Schluss kritisiert er das postmoderne Denken (und insbesondere das Konzept der Intersektionalität), das er in Hinblick auf eine Kritik des Mensch-Tier-Verhältnisses für nicht tauglich hält.

Der Vortrag „Animal Riots. Zur kritischen Theorie des Mensch-Tier-Verhältnisses“ stellt die moralischen Implikatonen der Idee der Tierbefreiung in den Kontext gesellschaftlicher Vermittlung und politökonomischer Bedingtheit. Inspiriert durch die kritische Gesellschaftstheorie von Theodor W. Adorno und Max Horkheimer soll gezeigt werden, dass eine materialistische Kritik des Mensch-Tier-Verhältnisses weder rechtlich („Animal Rights“) noch dekonstruktivistisch (Poststrukturalismus/Intersektionalismus) sondern vielmehr moralisch und kategorial ist.

Der Ausgangspunkt, wonach das Wohl dem Leiden, die Freiheit der Gefangenschaft und das Leben dem Tod vorzuziehen ist, soll sich anhand negativer Bestimmungen einer befreiten Gesellschaft nähern, die ihren Horizont nicht auf den Menschen begrenzt, sondern die Leidensfähigkeit der Tiere einschließt.

In diesem Sinne soll auch der populäre „Antispeziesismus“-Begriff problematisiert werden, der die Dimension der Leidensfähigkeit der Tiere (als Bedingung des Glücks) per se ausblendet. Fazit: In der besten aller möglichen Welten werden weder Menschen noch Tiere geschlachtet, geopfert oder ausgebeutet. [via]

    Download: via AArchiv (mp3; 87.8 MB; 1:35:53 h)

Der Referent hat darum gebeten, die Aufnahme der Diskussion (die sehr kontrovers war) nicht zu veröffentlichen. Dafür gibt es eine transkribierte Version der Diskussion, der der Referent einige Kommentare beigefügt hat. Ergänzend und zum Teil korrigierend sei hier auf einen Text von Roger Behrens verwiesen, der einige kluge Gedanken zum Mensch-Tier-Verhältnis enthält. Behrens zitiert darin einen lesenswerten Aufsatz von Hendrik Wallat: »Die Tiere als Hüter der Menschlichkeit«, enthalten in der Ausgabe 32-33/2011 der Zeitschrift für kritische Theorie.

2. Zur Kritik einiger veganer Argumente

Peter Schadt (Gegen_Kultur, Falken Stuttgart) hat im Rahmen der Jenaer Tierbefreiungs-Reihe einen Vortrag zur Kritik des politischen Veganismus gehalten. Da uns diese Aufnahme nicht auffindbar war, dokumentieren wir stattdessen einen Vortrag, den Schadt unter dem Titel »Zur Kritik einiger veganer Argumente« bereits im Februar 2013 bei den Erfurter Falken gehalten hat. Folgende Thesen unterzieht er einer kritischen Prüfung: 1. Vegan essen / Fleisch essen ist natürlich. 2. Vegane Ernährung kann die Welternährungslage verbessern. 3. Vegane Ernährung löst das Problem der Überbevölkerung. 4. Es ist gesünder vegan/vegetarisch zu leben. 5. Menschen sind auch nur Tiere – der Mensch-Tier-Dualismus muss aufgebrochen werden (Kritik des Speziesismus). 6. Tiere werden diskriminiert – stattdessen sollten sie Rechte haben (geht über zur Frage, ob Konsumverhalten innerhalb des Kapitalismus Leid vermindern kann). 7. Direkte Tierbefreiungs-Aktionen und Propaganda der Tat zeigen auf, dass die Verhältnisse veränderbar sind (ALF).

Wenn Menschen sich vegan ernähren, kann dies aus den verschiedenen Gründen passieren. Für die einen ist es die einzig natürliche Ernährungsform; für andere das Wundermittel gegen den Welthunger. Nicht wenige fordern die Gleichheit von Mensch und Tier und sehen den sogenannten „Speziezismus“ in einer Reihe mit gesellschaftlichen Herschaftsverhältnissen wie Rassismus und Sexismus.

Entsprechend ist der Veganismus meist nicht nur eine Art sich zu ernähren, sondern tritt als politisches Programm auf: Gefordert werden Tierrechte, die eine andre Behandlung von Tieren staatlich garantieren sollen. Keine tierischen Produkte zu kaufen wird oft als Hebel gesehen die Produktion von Fleisch und anderer tierischer Produkte und die damit verbundene Verwertung der Tiere für menschliche Zwecke zu beenden.

Der Vortrag wirft einen genaueren Blick auf einige Argumente für den Veganismus und thematisiert die hinter ihnen stehenden Vorstellungen von Recht, Staat, Moral und Ökonomie. Zur Diskussion stellen wollen wir unsere Kritik an einiger politischen Forderungen, moralischen Argumenten und der politischen Praxis der Tierrechtsbewegung. [via]

    Download: via AArchiv (mp3; 106.8 MB; 1:56:37 h)

Edit: Der Referent hat uns gebeten, die Erfurter Aufnahme des Vortrags durch eine aktuellere Version zu ersetzen. Diesen Vortrag hat Schadt 2014 in Tübingen gehalten. Eine kurze Inhaltsangabe des Vortrags folgt die Tage.

Der po­li­ti­sche Vega­nis­mus er­lebt eine Blü­te­zeit. Egal ob Welt­hun­ger, öko­lo­gi­sche Zer­stö­rung oder mo­ra­li­sche Ver­ro­hung: Im Fleisch­kon­sum er­kennt der po­li­ti­sche Vega­nis­mus je nach Spiel­art den oder zu­min­dest einen ge­wich­ti­gen Grund. Im Workshop wer­den wir uns ver­schie­de­nen The­sen des po­li­ti­schen Vega­nis­mus stel­len und diese einer Prü­fung un­ter­zie­hen. Im Mittelpunkt steht dabei die Leidfähigkeit der Tiere. Ebenfalls geklärt wird, ob

- wirk­lich we­ni­ger Men­schen hungern würden, wenn kein Fleisch mehr pro­du­ziert wer­den würde?
- und vor allem was die Entscheidung des Konsumenten bewirkt, kein Fleisch mehr zu essen
- sowie die Frage nach dem Unterschied zwischen Mensch und Tier [via]

    Download: via AArchiv (mp3; 90.2 MB; 1:38:33 h)

Peter Schadt hat auf seinem Blog ein Diskussionspapier zur Kritik des politischen Veganismus veröffentlicht. Gleichzeitig gibt es ein Call for Papers für eine Ausgabe der Zeitschrift „GEGEN_KULTUR“, die sich mit dem politischen Veganismus auseinandersetzen wird.

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Nazis in bundesdeutschen Amtsstuben February 1, 2015 | 09:11 am

zu Landgericht von Ursula Krechel Wer viel meckert, darf auch mal loben. Landgericht von Ursula Krechel ist beinahe alles, was Die Entdeckung der Currywurst nicht ist. „Die deutsche Nachkriegszeit, die zwischen Depression und Aufbruch schwankt, ist der Hintergrund der fast parabelhaft tragischen Geschichte von einem, der nicht mehr ankommt. Richard Kornitzer ist Richter von Beruf […]

Akademischer Akzelerationismus? January 31, 2015 | 01:03 pm

Bild via: Armen Avanessian

“Es fällt auf, dass Avanessian zwar die Linkenkritik der von ihm im Merve Verlag herausgegeben philosophischen Strömung des Akzelerationsmus übernimmt (das sind: der Fetisch der Kritik selbst, die damit einhergehende konservative Tendenz zur Besitzstandswahrung, eine sozialdemokratische Nostalgie nach der „guten alten Zeit“), aber die neoleninistischen Begriffe, die sie zu re-etablieren sucht – Planung, Aneignung, Affirmation und Übernahme technologischer Entwicklungen sowie Organisierung – nicht fallen.v Digital Humanities, Open Access, Big Data als auf neue Technologien bezogene Aspekte geisteswissenschaftlicher Forschungsprogramme der Gegenwart, sind weder Gegenstand der vorgelegten Analyse geisteswissenschaftlicher Moral noch Elemente des Entwurfs einer Ethik des Schreibens. Das ist wiederum ganz nach hergebrachter Art der Geisteswissenschaften, in der zwar, dem Innovationsdruck geschuldet, Begriffs-, Theorie- und Methodenmoden eine wichtige Rolle im Wettbewerb um Fördergelder spielen, bei Fragen nach der gesellschaftlichen Relevanz aber der Verweis auf Bildungsideal und die dafür nötige Autonomie des Forschens genügen sollen. Avanessians Ethik des Schreibens bleibt einem Bild von Geisteswissenschaften verhaften, das er einer Genealogie und Manipulation hatte unterziehen wollen, – und deren eigene Historizität so aus dem Blick gerät. Eine akzelerationistische, spekulativ-konstruktivistische, kollektive und solidarische Antwort bleibt Überschrift schuldig.”

 Morten Paul, theoriekritik.ch

Psychologie und Psychologiekritik des Gegenstandpunkts January 31, 2015 | 12:09 pm

1. Die Psychologie des bürgerlichen Individuums

Im Vortrag, den Karl Held (GegenStandpunkt, damals Marxistische Gruppe) 1980 in München gehalten hat, kritisiert er die Funktionsweise bürgerlicher Subjektivität und erklärt die damit verbundenen Macken. Bürgerliche Subjektivität sei vor allem dadurch gekennzeichnet, dass sich das Individuum die Welt als Chance zur Verwirklichung der eigenen Interessen vorstellt. Weil es ständig gegenteilige Erfahrungen macht, aber die Vorstellung der Welt als Chance nicht aufgeben will, muss es sich permanent selbst täuschen. Auch psychische Erkrankungen können auf diesem Weg erklärt werden – das Individuum erfindet Gründe für sein Scheitern, die in ihm selbst liegen, anstatt die eigene Beschädigung durch die verkehrte Einrichtung der Gesellschaft zu erklären. Interessante Randnotiz: Ernst Jünger hat den dem Vortrag zugrundeliegenden Resultate-Band über Umwege rezipiert – auch wenn er die darin formulierte Kritik am Selbstmord nicht ganz verstanden hat.

    Download: via Argudiss (mp3; 27.4 MB; 1:59:54 h)

2. Kritik des GegenStandpunkts an dessen Kritik der Psychologie

Auf Einladung der Falken Jena hat am 29.01.2015 ein Genosse aus Leipzig einen Vortrag zur Kritik des GegenStandpunkts vorgetragen. Dabei konzentriert er sich vor allem auf die psychologischen Theorien des GSP, die er als charakteristisch für dessen Grundausrichtung bezeichnet. So kritisiert er bspw. die Rückführung jeglichen Handelns und aller psychologischen Phänomene auf den freien Willen bzw. auf eine Entscheidung und versucht aufzuzeigen, dass Wille und Bewusstsein immer auf Unbewusstes, Triebe und Wünsche bezogen bleiben. Er beharrt auf dem realen Widerspruch, dass ein Wille sowohl frei, als auch bedingt ist. In der Diskussion dreht es sich dann vor allem um die Frage der Moral und die Basierung von Kritik auf Interessen. Eine ausgearbeitete schriftliche Version des Vortrags haben die Falken Erfurt zur Verfügung gestellt. Die Aufnahme ist leider etwas verhallt.

Derzeit erfährt eine politische Gruppe Zulauf, die vierteljährlich eine Zeitschrift heraus gibt, Vorträge, Schulungen und Diskussionsrunden zu gefühlt allen Themen – ob Demokratie, Lohnarbeit, Dummheit, Psychoanalyse, Heidegger oder Kafka – veranstaltet und dabei die kapitalistische Gesellschaft und das bürgerliche Denken kritisiert: Der GegenStandpunkt.

Zu den besprochenen Themen zählt auch die ‘bürgerliche’ Psychologie. Ein Kritikpunkt lautet, dass sie das Denken und Handeln der Menschen zirkulär mit dahinter liegenden Kräften oder Faktoren begründet. Der Grund für das, was Menschen tun und wollen, liege laut GegenStandpunkt aber einzig in den Gedanken, denen sie dabei anhängen, und den Zwecken, die sie sich in Bezug auf eine kapitalistische Realität setzen und nicht irgendwo dahinter im Verborgenen. Folglich widmen sie sich dem Inhalt von Gedanken und kritisieren ihn, wenn sie Fehler entdecken. Das wird von psychologischen Erklärungen wirklich ausgeblendet, wo sie Urteile und Intentionen – gleichgültig gegen den Inhalt – nur als Ausdruck von etwas anderem deuten. Trotzdem ist das, was Menschen denken, auch Ausdruck von vorbewussten und unbewussten Wünschen und Ängsten und bleibt immer auf Wünsche bezogen. Wille und Denken sind in ihrem Verhältnis zu Wünschen weder völlig frei, noch unfrei. Statt diesen Widerspruch zur Kenntnis zu nehmen, wird auf der Freiheit beharrt und die andere Seite ausgeblendet. Das hat zur Folge, dass die Theorie nicht mehr fassen kann, dass Wünsche und auch Gesellschaft jenseits der bewussten Verarbeitung in die Form und den Inhalt von Denken und Willen hineinwirken. Der GSP nimmt dadurch die Rationalität der kapitalistischen Gesellschaft als natürlich hin und reproduziert sie dadurch in seiner Theorie. Das ist ein Widerspruch zur Intention des GegenStandpunkts: die Gesellschaft so zu organisieren, dass es um Bedürfnisbefriedigung geht.

Eine Veranstaltung der Falken Thüringen in Kooperation mit dem AK Politische Bildung der Universität Jena. [via]

    Vortrag: via AArchiv (mp3; 97.2 MB; 1:46:07 h)
    Diskussion: via AArchiv (mp3; 29.5 MB; 32:14 min)
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Falsch January 30, 2015 | 09:40 pm

Egal, ob es um eine Ende der Terrorfinanzierung, die Stabilisierung des Irak oder einen dauerhaften Frieden zwischen Israel und den Palästinenser geht – der Iran wird immer sein Bestes geben, um bei allen Projekten des Westens in Nahost im Weg zu stehen.

Nahost-Experte Ottolenghi: Die USA liegen falsch, wenn sie denken, dass Assad ISIS vorzuziehen ist. ISIS und Assad – und Assads größter Sponsor, der Iran – sind zwei Seiten der gleichen Medaille. Solange der Westen nicht begreift, dass die iranische Politik in der Region nicht konstruktiv ist, wird Teheran weiter von dem Chaos profitieren.

Quelle

Ein Aufruf und das Elend des Meinens der Wohlgesinnten January 30, 2015 | 05:50 pm

Die Stadt Kassel lädt zum 02. Februar zu einer Kundgebung ein. „Gegen religiösen Fanatismus, Rassismus und Antisemitismus behaupten wir die Werte Europas und des Grundgesetzes, die Geltung der Menschenrechte und aus aktuellem Anlass insbesondere die Freiheit der Presse und die Freiheit der Kunst, der Satire“ heisst es im Aufruf.

Der gute Wille

Der vordergründige Anlass, auf den sich dieser Aufruf bezieht, ist das mörderische Attentat von Islamisten in Paris. Der Aufruf ist auch Ergebnis einer längeren Auseinandersetzung darüber, wie auf die Aufmärsche der Kagida in Kassel zu reagieren ist. Das Kasseler Bündnis gegen Rechts hatte von Beginn auf die Aufmärsche der Kagida mit Protestkundgebungen reagiert. Die Kasseler Grünen sahen dies kritisch, das Oberbürgermeisterbüro wollte von diesen Aktionsformen nichts wissen und so kam es, dass – anders als in anderen Städten – das Kasseler Stadtoberhaupt den Kundgebungen gegen die Kagida fern blieb. Dieses Schisma führt jetzt dazu, dass die Partei „Die Linke“ und ihr Studentenverband SDS sich wiederum vom Aufruf der Stadt distanzieren – freilich ohne inhaltlich etwas am Aufruf aussetzen zu wollen.

Auf die Inhalte aber kommt es an, darum geht es hier: Die Autoren im Aufruf erkennen, dass es sich in Paris um einen antisemitischen Anschlag gehandelt hat. Sie schreiben „Die Mörder von Paris haben sich bewusst einen jüdischen Laden ausgesucht.“ Folglich heißt es im Aufruf „Gegen religiösen Fanatismus, Rassismus und Antisemitismus behaupten wir die Werte Europas und des Grundgesetzes, die Geltung der Menschenrechte …“ Soweit so gut, hier deutet der Aufruf völlig zu Recht an, dass gegen Antisemitismus und gegen religiösen Fanatismus die freie und demokratische Gesellschaft in Anschlag zu bringen ist.

Aber auch hier könnte man schon ein Tröpfchen Wermut in den Wein gießen, zu den Werten Europas gehört der Antisemitismus doch eher, als die Freiheit. Von den Werten des Westens zu sprechen, wäre klarer gewesen, weil hiermit die Werte gemeint sind, für die viele Menschen aus ganz Europa gen Westen über den großen Teich auswanderten und die in eine der wichtigsten demokratischen Verfassungen Einzug gefunden haben – aber Schwamm drüber, diese Bemerkung ist ein wenig beckmesserisch. Eine Frage aber bleibt: Wie, mit wem und mit welchen Mitteln die freie Gesellschaft sich wehren kann, das auszuführen stünde nun an – wird es aber nicht, sieht man von einer beiläufigen Bemerkung ab, Kinder zu erziehen.

Und das was sie wirkliche meinen …

Der Aufruf schlägt einen anderen Weg ein, indem eine Brücke zum deutschen Konsens gebaut wird. Im Stile des Lichterkettenantifaschismus ist die Rede vom Rassismus dem man eine bunte Stadt entgegenzusetzen hat. Auch hiergegen wäre nichts einzuwenden, bis auf den Tatbestand, dass solche Aufrufe dazu dienen, den in Misskredit geratenen Ruf einer Stadt oder einer Nation zu polieren und nicht dazu, Opfer rassistischer Übergriffe zu schützen und Täter zu bekämpfen.

Doch dann wird der Erklärbär losgelassen: „Rassismus wird immer auch zu Antisemitismus führen, wie Antisemitismus das Einfallstor zu weiteren Rassismen sein wird.“ Nachtigall, ick hör dir trapsen – es schwant einem Übles.

Mit dieser Volte, die sowohl gleichzeitig Ausdruck eines intellektuellen Offenbarungseides als auch der quasi regierungsoffiziösen Verlautbarungspolitik ist, bekommt der Aufruf die Kurve, die es ermöglicht, dass nicht nur ehrwürdige Organistionen und Verbände den Aufruf zeichnen, sondern obskure Organisationen wie das stramm antizionistische Kasseler Friedensforum, die von der islamistischen türkischen Staatregierung beherrschten Ditib-Gemeinde, die strukturkonservativ-islamische Ahmadia-Gemeinde, das Islamisch Albanische Kulturzentrum. Diese, die sich zu allen möglichen und unmöglichen Gelegenheiten gegen Rassismus aussprechen, haben beim Thema Antisemitismus aber so ihre Probleme. Kompatibel für ihr Weltbild ist ein Begriff von Antisemitismus nur dann, wenn dieser mit Rassismus gleichsetzt wird oder dieser als eine Unterart des Rassismus begriffen wird, oder noch schlimmer wie in diesem Aufruf, wenn Antisemitismus zum Einfallstor zu weiteren „Rassismen“ erklärt wird, worunter der eine oder andere heute gerne den „antimuslimischen“ zu zählen weiß.

What the fuck is antisemitism?

Doch sämtliche Merkmale des modernen Antisemitismus haben mit Rassismus wenig gemein, auch wenn die Ursprünge einiger Elemente des modernen Antisemitismus im Rassismus zu finden sind. Die Arbeitsdefinition der Agentur der Europäischen Union für Grundrechte führt verschiedene Punkte auf, wie Antisemitismus definiert werden kann, u.a.:

  • Es geht dem Antisemitismus nicht nur um dämonisierende und stereotype Anschuldigungen und Zuschreibungen gegen Juden (die noch am ehesten an rassistische Weltbilder erinnern), sondern um das Phantasma einer geheimen jüdischen Macht, um Mythen von einer jüdischen Weltverschwörung, über vermeintliche Kontrolle der Medien, der Wirtschaft, der Regierung durch Juden. Dieses Weltbild wird nicht nur von verrückten Esoterikern und Weltverschwörungsideologen verbreitet, sondern findet sich strukturell im vulgären Antikapitalismus, Antiamerikanismus, Kulturpessimismus und im Wir-da-Unten Ihr-da-Oben-Gerede deutscher Kulturproduzenten und sich betrogen wähnender Allerweltsbürger, der sich gerne als Melkkühe der Nation Gerierenden usw. wieder. Diese Ideologie ist das verbindende Amalgam einer Ideologie rechter wie linker Wutbürger, die sich in Parteien wie AfD und Die Linke, in Bewegungen wie Attac, Blockupy und eben jetzt bei der Pegida etc. tummeln, die sich in den Leserbriefspalten und den Kommentarfunktionen der Onlinemedien austoben.
  • Antisemitismus stellt sich dar in dem Bestreiten der historischen Tatsache des Ausmaßes, der Mechanismen sowie der Vorsätzlichkeit der Shoah. Dieses Denkmuster findet man nicht nur bei Holocaustleugnern wie den Regierungsrepräsentanten des Iran und der mit dieser verbandelten international agierenden Hisbollah sowie bei verschiedenen Rechtsextremen, sondern verklausuliert in den Versuchen der Nivellierung der Verantwortung Deutschlands für den Holocaust oder der Stilisierung der deutschen Täterschaft zu Opfern von Krieg und Gewalt, wie es regelmäßig auch in Kassel geschieht, wenn ehrfürchtig der Bombennacht im Oktober 1943 gedacht wird.
  •  Die massenkompatible Verkehrsform des Antisemitismus heute ist aber die so genannte Israelkritik und der Antizionismus. “Israelkritik” unterscheidet sich davon, sich mit Entscheidungen der israelischen Regierung kritisch auseinanderzusetzen, indem diese das Selbstbestimmungsrecht des jüdischen Volkes bestreitet, indem sie z.B. die Behauptung verbreitet, Israel sei ein rassistisch/koloniales Projekt, oder indem diese das Recht auf Verteidigung dem jüdischen Staat in Abrede stellt. Das Anwenden doppelter Standards gegenüber Israel, das Verwenden von Symbolen und Bildern, die mit dem traditionellen Antisemitismus oder der Judenfeindschaft in Verbindung stehen gehören ebenso zu den Standards der “Israelkritik” und sind Ausdruck deren antisemitischen Charakters. Dieses Denken treffen wir in allen Parteien an, bei nationalen Kulturgrößen wie Günther Grass, bei Lokalgewächsen wie einer Sabine Wackernagel. Diese Ideologie ist einigendes Band vieler Aktivisten der Friedensbewegung im besonderen, bei linken sich gesellschaftskritisch dünkenden Bewegungen und Parteien im allgemeinen.

Und warum stehen sie vorm Rathaus?

Erst das Absehen von den Grundlagen einer Definition von Antisemitismus ermöglicht es, diesen unter dem Begriff Rassismus zu subsumieren um dann sich das Label „Wir stehen gegen Rassismus und Antisemitismus“ auf die Brust zu heften. So wird verschiedensten Gruppen und Personen ermöglicht, sich in die Einheitsfront der Wohlmeinenden einzureihen, die sonst bei jeder Gelegenheit Israel an den Pranger stellen, oder dann schweigen, wenn israelfeindliche Kundgebungen abgehalten werden auf denen antisemitische Parolen skandiert werden. So wird eine Einheitsfront möglich, die vom Bürgermeisteramt bis zum Kasseler Cafe Jihad (formaly known as Cafe Buchoase) reicht, auch wenn sich deren Matadoren wie die Kesselflicker streiten, wenn es darum geht, gegen ein paar dutzend Nazis die adäquate Aktionsform zu finden.

Der Satz in dem der Antisemitismus zum „Einfallstor von Rassismen“ erklärt wird, ist das Chiffre von der Islamfeindschaft als dem eigentlichen Antisemitismus und von den Muslimen als den Juden von heute und an sich schon Ausdruck eines antisemitischen Hintergrundrauschens. Der sehr deutsche Bänkelsänger Herbert Grönemeyer hat dies prägnant zum Ausdruck gebracht, als er jüngst in Dresden beifallumtost sagte: „Wenn aber mal wieder eine religiöse Gruppe für vielschichtige teilweise diffuse Befürchtungen als Sündenbockprojektion (hä?, der Verf.) und Zielscheibe ausgemacht wird, ist das eine Katastrophe.“

Es sind zwar die Juden, die vor allem in Frankreich und Belgien, aber auch in Deutschland vor allem von sich religiös definierenden Terrorgruppen und Einzeltätern bedroht und angegriffen werden, aber Grönemeyer meint mit religiöser Gruppe, die zur Zielscheibe wird die Muslime und erklärt kurzerhand die Verfolgung und Ermordung der Juden zu einer Verfolgung einer religiösen Gruppe. Bekanntlich hatte die Verfolgung der Juden im Nationalsozialismus aber nichts mit dem Glaubensbekenntnis mancher Juden zu tun sondern mit Antisemitismus und die antimuslimischen Ressentiments wenig mit deren Glaubensbekenntnis als vielmehr mit der tatsächlichen oder vermeintlichen Herkunft dieser Menschen aus der Fremde, also mit Fremdenhass.

In den Reaktionen auf das Pariser Attentat spiegelt sich diese Begriffsstutzigkeit im allgemeinen wieder. So sehr zwar die Öffentlichkeit vom Anschlag in Paris schockiert war, so wenig wurde ihr bewusst, dass der Anschlag auch ein antisemitischer war und umso beflissener waren die allgegenwärtigen Statements, jetzt sei es vor allem darum bestellt, den Islam vor Kritik und Anfeindungen zu schützen.

Wer über den Islamismus reden will, darf vom Islam nicht schweigen!

Diese merkwürdige Wendung findet sich auch darin wieder, dass allenthalben zu hören ist, der Angriff der Terroristen in Paris habe der Pressefreiheit gegolten, so als wären alle Presseorgane Zielscheibe terroristischer islamistischer Aktivitäten. Es war jedoch nicht zufällig die Zeitung Charlie Hebdo, die das Ziel eines Angriffs wurde, genauso wenig wie es den holländischen Künstler und Kritiker Theo van Gogh zufällig traf, oder dass mit Salman Rushdie irgendein Schriftsteller bis heute unter Polizeischutz steht.

Alle waren oder sind scharfe Kritiker des Islam, dieser Kritik galt der terroristische Mordanschlag. Die Reaktionen der sich in den Dauerbeleidigten-Status erhebenden Anhänger einer Religion, die sogenannte “Empörung” unterscheidet sich nicht dem Inhalt nach, sondern nur der Form nach. Der Mord an den Kritikern ihres Aberglaubens wird von den meisten Muslimen abgelehnt, aber die “Empörung” darüber, dass ihr Aberglaube und ihr strukturell konservativ, reaktionäres und autoritäres Weltbild Ziel der Kritik ist, ist allen gemein. Wer daher heute in kritischer Absicht von Islamismus reden will, der darf vom Islam nicht schweigen. Dies jedoch wird mit Inbrunst seitens der Wohlmeinenden als tendenziell rassistisch oder intolerant gegenüber anderen – generell zu respektierenden – “Kulturen” abgewehrt.

Die viel behauptete Islamfeindschaft wird maßlos übertrieben. Die Begriffe „Islamophobie“ und „antimuslimischer Rassismus“ sind Unsinn. Sicher, es gibt rechtsextreme Eiferer und evangelikale Christen, für die Muslime oder Muslima Teufelsanbeter oder per se Terroristen in nuce sind. Doch wenn selbst die Kanzlerin weitgehend unwidersprochen erklärt, der Islam gehöre zu Deutschland und damit eine lange Tradition deutscher Freundschaft und Protektion des Islam fortsetzt, die mit Kaiser Wilhelms Unterstützung des Jihad im Nahen Osten begann und sich in der, Krieg und Niederlage überdauernden, Freundschaft der Nazis mit arabischen Nationalisten und Islamisten zeigte und sich bis heute in Form von Kungeleien mit den antisemitischen Herrschern im Iran oder in den blendenden Geschäftsbeziehungen mit dem Fundamentalistenregime in Saudi Arabien fortsetzt, ist es schlichtweg Unfug, davon auszugehen, „Islamfeindschaft“ hätten eine hegemoniale Bedeutung in Deutschland.

In der Regel haben wir es mit einem Ticket zu tun, dass Ausdruck von Fremdenhass und Rassismus ist, der im Gegensatz zur vermeintlichen Islamfeindschaft tatsächlich einen stabilen Bodensatz in der deutschen Gesellschaft hat und in der europäischen Abschottungspolitik gegen Flüchtlinge einen institutionellen und mörderischen Ausdruck findet. Daher war es gut, dass es auch in Kassel viele Menschen gegeben hat, die wenn z.T. auch ohne zu wissen warum, gegen die Kagida auf die Straße gegangen sind.

Kasseler Bündnisse

Vor dem Hintergrund, dass es in den Reihen der Antikagida etliche gibt, für die die Parole der Jungen Welt „Sie lügen wie gedruckt, wir drucken wie sie lügen!“ Ausdruck aufrechten Journalismus ist, für die Russland ein Opfer westlicher Aggression ist, für die Israel für ein Besatzungs- und Apartheidregime in Palästina steht, für die TTIP ein, die deutsche Kultur, die deutsche Ehrlich- und Tüchtigkeit bedrohendes Produkt der Ostküste ist, hätten sich die Demonstranten gegen die Kagida fragen müssen, warum die Reihen der Kagida und der Antikagida von dutzenden Bullenwannen, Zäunen und Polizisten in schwerer Montur getrennt wurden.

Es hat doch Nazis bei der Kagida gegeben! – Ist das nicht Grund genug auf die Straße zu gehen? Ja das stimmt und von denen geht auch tatsächlich eine Gefahr aus, wenn man ihnen im falschen Augenblick begegnet, oder wenn sie im Bunde mit dem deutschen Geheimdienst mordend durch die Lande ziehen. Aber was es bringen soll gegen diese Bagage “Nazis raus!” zu rufen, sich ihnen in den Weg zu setzten oder einen von ihnen im geeigneten Augenblick eins auf die Mütze geben zu können – auch das bleibt undiskutiert.

Und im Sommer 2014 marschierten viele derjenigen, die nun gegen die Kagida trommeln und „Hoch die Internationale Solidarität!“ und “Nazis raus!” brüllen, mit türkischen Faschisten, arabischen Nationalisten und Islamfaschisten einträchtig nebeneinander her. Ihre damaligen Bündnispartner unterscheiden sich von den Nazis, die nun bei der Kagida auftauchen nur darin, dass die vom Sommer Fahnen der grauen Wölfe, der Hisbollah, Fahnen der von Hamas und Fatah getragenen palästinensischen Autonomiebehörde und die der spanischen Faschisten trugen, die Nazis im Winter die deutsche. “Die Weisen von Zion” und „Mein Kampf“ halten viele dieser beiden Gruppen von Faschisten für große Literatur und Hitler für einen großen Staatsmann, der in seinem großen Ziel, das Weltjudentum auszurotten, leider vom Bolschewik und vom Ami, respektive der jüdischen Weltverschwörung aufgehalten wurde.

Spätestens zu dem Zeitpunkt, als die Gegenkundgebungen des Bündnis gegen Rechts Anschlussfähigkeit an die MLPD, an die Revo und andere Antizionisten und Stalinisten bewies, als zunehmend besinnungslos gegen ein kleines erbärmliches Häuflein verwirrter Wutbürger und ein paar dutzend Nazis allmontäglich demonstriert wurde, nur um sich gegenseitig der richtigen Gesinnung zu vergewissern – spätestens da hätte ein Innehalten gut getan um sich darüber im Klaren zu werden, was Islamismus, Wutbürgertum und Linksreaktionäre gemeinsam haben und warum dies so ist. Das verbindende Glied all dieser ist der Antisemitismus. Dazu hätte man sich jedoch der Anstrengung des Begriffs hingeben müssen und nicht jeden Montag in der Kälte die sattsam bekannten Parolen brüllen und sich eine halbe Woche vorher stundenlang darüber streiten müssen, ob nun die Blockade das ideale Instrument ist oder das Lichterkettentum um den Nazis die Lust am Wallfahrtsort Kassel zu nehmen.

Aber nichts da, nun versammelt man sich schiedlich friedlich und in staatsbürgerlicher Ernsthaftigkeit unter dem Appell des Oberbürgermeister um den Ruf Kassels wieder herzustellen oder, wie es Grönemeyer so vortrefflich in Dresden auf den Punkt brachte: „Gebt [uns] Stolz und .. Würde wieder.“ Welch verloren gegangenen Stolz meinte er?

AUF DEN NAMEN ZU January 29, 2015 | 07:22 pm

(Rilke / Celan)

Ich habe geschrieben und schreibe

Es ist das erinnernde unbewusste

Vorausschauen auf eine bewunderte Stadt

allzuschön und wirklich

keine ist wie Du

steh auf und erhebe Dich

und du wirst erleuchtet

 

Einzeln unwiderständiges Sprechen

leuchte laut und undeutlich

 

Erinnerung und unbewusstes Voraus

schauen auf eine viel bewund-

 

Stadt von der es heißt

wie du weißt: stehe auf

erhebe Dich und leuchte

 

geschrieben habe ich und schreib

Traum der ich bin

Wunderliche lebelein

(Peer Schröder)

Noch immer tausende jezidische Frauen und Mädchen in der Gewalt des IS January 29, 2015 | 03:21 pm

 

Kobanê wurde gehalten, Shengal im Irak teilweise zurückerobert, der Islamische Staat erlebt erste Rückschläge, doch seinen Opfern hilft das bisher nur wenig.

Radio Dreyeckland sprach mit Thomas von der Osten-Sacken von der Hilfsorganisation Wadi, die sich unter anderem um diejenigen Jezidinnen kümmert, die dem Islamischen Staat entkommen konnten und mit ihren Problemen nun weitgehend alleine sind.

Außerdem zeichnet Thomas von der Osten-Sacken ein nicht ganz so optimistisches Gesamtbild von der Lage im Irak. Insbesondere meint er, dass die Regierung Obama zu sehr auf die Unterstützung Irans setzt. Die Sunniten sind so jedenfalls nicht zu gewinnen.

Im Bild eines der von Wadi gebildeten Teams, das jungen Jezidinnen hilft.

Interview anhoeren

Shi’ite militias executed 72 Sunnis January 28, 2015 | 10:13 pm

Survivors tell the same story: they were taken from their homes by men in uniform; heads down and linked together, then led in small groups to a field, made to kneel, and selected to be shot one by one.

Accounts by five witnesses interviewed separately by Reuters provide a picture of alleged executions in the eastern village of Barwanah on Monday, which residents and provincial officials say left at least 72 unarmed Iraqis dead.

The witnesses identified the killers as a collection of Shi’ite militias and security force elements.

 

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ISIS Bombed Historic Walls of Nineveh January 28, 2015 | 09:26 pm

Jihadists resumed bombings against historic sites in Nineveh and destroyed remains of the ancient wall of Mosul, specialized sources reported today; while politicians accused the United States of hampering the counterterrorist fight.

A historian living in Mosul, the second largest in Iraq, told the publication Shafaq News that militants of the Islamic State (IS) destroyed on Tuesday night much of the historic city wall located on Tahrir neighborhood on the left coast of Mosul.

Using a great amount of explosives, ‘Takfirists’ (Sunni Islamic terrorists) blew pieces of the wall considered the most important historical monument of the Iraqui province and the whole region, dating back to the civilization of the Assyrian kings in the eighth century BC.

Since the beginning of the attacks in June 2014, Jihadists of DAESH, the Arabic acronym of IS, have reduced to ruins numerous archaeological, historical and religious sites of great historical value in Mosul.

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Gesellschaftliche Naturverhältnisse und materialistische Kritik January 28, 2015 | 11:26 am

Seit dem (Wieder)Erstarken der Thematisierung des Klimawandels sind Nachhaltigkeit, Umweltschutz, Energiesparen, CO2-Minimierung und vor allem „gesunde“ (Bio-)Nahrungsmittel alltägliche Paradigmen der Lebenswelt. Vor einigen Jahren noch undenkbar ist das Warenangebot an Bio-Produkten, vollwertigen Lebensmitteln, ökologisch verträglichen, früher nur in der Reformhaus-Szene erhältlichen Verbrauchsprodukten bis hin zum Stromanbieter, energieneutralem Hausbau sowie Umweltinvestment für den Kleinanleger unüberschaubar gewachsen. Kaum ein Unternehmen leistet sich kein Umweltmanagement, Umweltschutz ist auf regionaler bis globaler Ebene eines der wichtigsten Topoi in der Politik geworden und die Konsumwelt ist ohne die Labels ›Bio‹, ›ökologisch abbaubar‹, ›CO2-neutral‹ etc. nicht mehr vorstellbar. Umweltbewusstsein, nachhaltiger Konsum und darauf bezogene Wachstums- und Konsumkritik beleben nicht nur Untote wie die globalisierungskritische ATTAC-Bewegung, sondern transformieren den seine Bedürfnisse befriedigenden Normalbürger in einen ›kritischen Konsumenten‹. Der Natur was Gutes tun, ob „mit jedem Waschgang“ oder der Balkon-Tomate.. Im Mittelpunkt der konsumkritischen Wohlfühl- und Bewusstseinspraxis steht ein Verständnis von Natur, in dem sie als vermeintliches Prinzip des Reinen, Guten oder Authentischen, als Gegensatz zur Gesellschaft fetischisiert wird. Was hinter der gesamtgesellschaftlichen Pseudoaktivität, ob als ›kritischer Konsument‹, als von Wellblechhütte und Subsistenz träumende Wachstumskritikerin oder moralisch richtig gepolter, grün-konservativer Altbau-Bewohner, verschwindet, ist eine Auseinandersetzung mit dem gesellschaftlichen Naturverhältnis. Die Frage, was die Zerstörung der Natur und das zügige Voranschreiten zu tatsächlichen Grenzen des Planeten, mit dem gesamtgesellschaftlichen Zusammenhang, mit der kapitalistischen Produktionsweise und mit gesellschaftlicher Herrschaft zu tun haben könnte, stellt sich erst gar nicht. Dies ist der Ausgangspunkt einer aus drei Vorträgen bestehenden Reihe des AK Kritische Intervention, in der Martin Blumentritt, Julian Kuppe und Michael Schüßler Aspekte einer materialistischen Gesellschaftskritik des Verhältnisses von Natur und Gesellschaft herausarbeiten.

Martin Blumentritt: Der Begriff der Natur bei Marx und Adorno

Bereits in der bekannten ersten Feuerbachthese bestimmte Marx das Verhältnis von Natur und Gesellschaft in kritischer Auseinandersetzung mit dem sinnlichen Materialismus Ludwig Feuerbachs. Diesem sei zu zugestehen, dass im Gegensatz zur Erkenntnistheorie des deutschen Idealismus dem Subjekt wirklich „sinnliche Objekte“ und nicht „Gedankenobjekte“ gegenüberstehen. Die subjektive Hinwendung folge aber nicht einfach der „Form des Objekts“ oder sei Prozess der „Anschauung“, sondern ist die Geschichte der „sinnlich[en] menschliche[n] Tätigkeit“ selbst. Marx stellt damit den Subjektivismus des Idealismus auf materialistische Füße. Er verneinte nicht einfach den idealistischen Konstruktivismus, sondern zeigte, wie der Mensch sich durchaus seine Wirklichkeit schafft, weniger aber durch sein Erkennen als vielmehr durch sein schöpferisches, umgestaltendes und notwendiges Tätig-Sein, dass jedoch zugleich die objektive Welt zwar ›für ihn‹ ist, aber nicht letztlich aus seiner Anschauung oder Praxis hervorgeht. Die sich darin abzeichnende Dialektik, dass der Mensch stets eine „geschichtliche Natur und eine natürliche Geschichte vor sich habe“ (Marx/Engels; Deutsche Ideologie), ja mehr sogar, dass der Mensch als zugleich Natur- wie gesellschaftliches Wesen selbst Teil dieser Konstellation ist, stellt auch den materialistischen Kern der Kritischen Theorie dar. Natur wird darin mit der Kategorie der „Naturgeschichte“ und der „Negativen Ontologie“ (Adorno) in ihrem „gesellschaftlich-geschichtlichen Charakter“ begriffen. Das bedeutet, dass „[a]lle (…) Aussagen über Natur, seien sie spekulativer, erkenntnistheoretischer oder naturwissenschaftlicher Art, (…) die Gesamtheit der technologisch-ökonomischen Aneignungsweisen der Menschen, gesellschaftliche Praxis jeweils schon voraus[setzen]“ (Alfred Schmidt). Natur, auch des Menschen selbst, ist somit stets vermittelt, gewinnt aber zugleich durch ihre doppelte immanente Notwendigkeit als für den Menschen lebensnotwendiger Naturstoff sowie als Natur am Menschen einen zur Gesellschaft antagonistischen Charakter. Was das für eine Gesellschaftskritik bedeutet, soll ausgehend vom Referat diskutiert werden.

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Julian Kuppe: Ohnmacht und imaginäre Inszenierung. Zu einigen gegenwärtigen Erscheinungen des Verhältnisses von Natur, Individuum und Gesellschaft

In gegenwärtigen Gesellschaften ist eine Gleichzeitigkeit von Dynamik und Erstarrung vorzufinden. Der dieser Erscheinung zugrunde liegende Zusammenhang muss im Verhältnis von Natur, Individuum und Gesellschaft in ihrer kapitalismusspezifischen Form gesucht werden. Wie Marx und die kritische Theorie aufweisen, ist Geschichte bis heute Vorgeschichte, in der sich Naturzwang blind durchsetzt. Fortschritt und gesellschaftliche Dynamik erweisen sich damit als Ausdruck unbegriffenen Naturzwangs, als Naturgeschichte. Diese Dynamik der ihrer selbst unbewussten Gesellschaft bringt ganz offenbar erhebliche soziale und ökologische Widersprüche hervor, die innerhalb des Rahmens der bestehenden Verhältnisse nicht aufzulösen sind. Was aber ist die gesellschaftliche Antwort auf diese Konstellation? Ein Schwerpunkt gesellschaftlichen Praxis scheint vor allem darin zu bestehen, die scheinbare Ohnmacht gegenüber den als Naturmacht erscheinenden gesellschaftlichen Verhältnissen imaginär zu bewältigen. Gesellschaftliche Dynamik ist damit einerseits als blinder Naturzwang real und andererseits als imaginäre gesellschaftliche Praxis scheinhaft, wobei sich dahinter zugleich die gesellschaftliche Statik in Form der erstarrten gesellschaftlichen Verhältnisse verbirgt. Da die Identität von Imaginärem und Realität aber nicht herzustellen ist, sondern immer wieder scheitert, wird letztlich Gewalt zum Mittel des Versuchs der Herstellung dieser unmöglichen Identität. Der Vortrag versucht der Frage nachzugehen, welche Stellung imaginäre Identität in der gegenwärtigen gesellschaftlichen Konstellation einnimmt und in welchem Verhältnis diese gesehen werden müsste, um die katastrophalen, gewaltförmigen Folgen, die diese gegenwärtig mit sich bringt, zu vermindern.

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Michael Schüßler: Interaktionsform und Sprachzerstörung. Die materialistische Sozialisationstheorie Alfred Lorenzers – Kritische Theorie des Subjekts

Trotz ihrer Wendungen zwischen Kulturismus und Biologismus ist die Psychoanalyse stets ein Feld, in dem sich der Antagonismus zwischen Natur und Gesellschaft am Menschen auftut. Im Gegensatz zu den Positionen der revisionistischen oder biologistischen Seite, aber auch gegenüber dem ‚Lacanschen Mainstream‘ hat Alfred Lorenzer versucht, für den Gegenstand der Psychoanalyse die Dialektik von Natur und Gesellschaft darzulegen und damit zugleich die methodologischen Grundlagen der psychoanalytischen Praxis als auch ihr Verhältnis zur kritischen Gesellschaftstheorie schärfer zu bestimmen.
Seine psychoanalytische Theorie stellt sich dem Widerspruchsverhältnis einer nicht in Gänze in gesellschaftlicher Praxis aufgehenden menschlichen Natur, ohne das diese einer Essentialisierung gleichkäme. Hierfür sind bei Lorenzer zwei zusammenhängende Stränge von Bedeutung. In seiner materialistischen Sozialisationstheorie zeigt er, wie in Reiz-Reaktions-Komplexen zwischen Fötus und Mutter bereits intrauterin, später in vorsprachlichen leiblich-körperlichen Interaktionsformen zwischen Neugeborenen und primären Beziehungsobjekten und vor allem in der Spracherwerbung Naturanlagen und gesellschaftliche Praxis beständig vermittelt werden. Zugleich zeichnet Lorenzer in diesem Zusammenhang von prässymbolischen Interaktionsformen und der späteren Spracherwerbung die Bruchlinien zwischen Kind und gesellschaftlichen Anforderungen als stets konflikthafte, beschädigende Subjektwerdung unter den Bedingungen gesellschaftlicher Herrschaft nach. Die Psychoanalyse Alfred Lorenzers weitet sich so zu einer Kritischen Theorie des Subjekts.
Im Vortrag möchte ich mit besonderem Fokus auf das Verhältnis von Natur und Gesellschaft am Menschen diese Kritische Theorie des Subjekts von Lorenzer darlegen und die Stärke des Ansatzes auch vor dem Hintergrund des poststrukturalistischen Mainstreams diskutieren. Hierzu werde ich den Fokus auf Lorenzers Ansatz einer materialistischen Sozialisationstheorie legen.

Zudem bat Michael Schüßler um Platz für eine Verortung der materialistischen Sozialisationstheorie Alfred Lorenzers und damit um Platz für eine Kontextualisierung des Vortrags.

In seiner materialistischen Sozialisationstheorie zeigt Alfred Lorenzer, wie in Reiz-Reaktions-Komplexen zwischen Fötus und Mutter bereits intrauterin, später zwischen dem Körperbedarf des Kindes und den von primären Beziehungsobjekten dargebotenen gesellschaftlichen Praxisformen die ›innere Natur‹ des Kindes und Gesellschaft beständig vermittelt werden. Vor allem das gestisch-praktische Arrangement zwischen Kind und primären Bezugsobjekten (›Mutter‹) sowie die in Triebe umgesetzten somatischen Reize stellen das Ergebnis dieser ›Interaktionen‹ und der frühen Objektbeziehungen des Kindes dar. Dieses von Lorenzer im Begriff der ›Bestimmten Interaktionsformen‹ reflektierte Repertoire an ersten Praxisfiguren zwischen Kind und der von ihm noch nicht geschiedenen Objektwelt schlägt sich im werdenden Subjekt auch neurophysiologisch als Erinnerungsengramme, folglich leiblich nieder.
Wie sich nach Lorenzer bereits in der vor- aber nicht außersprachlichen Phase die Dialektik von Natur und Gesellschaft am Menschen nachzeichnen lässt, so fügt sich der qualitative Umschlag von den unbewussten Interaktionsformen in die ersten Bewusstseinsformen durch die Spracherwerbung in dieses Verhältnis ein.
Lorenzer macht deutlich, dass Spracherwerbung nicht die bloße Übernahme der objektiven Sprachstruktur und ihrer Regeln ist. Vielmehr ist Sprache beim Kind ebenso die innerpsychische und neurophysiologische Verankerung von Praxis; in dem Fall die Verklammerung von Bestimmten Interaktionsformen mit lautlicher Symbolisierung. In diese ›Symbolischen Interaktionsformen‹ sind folglich der gestische und sinnlich-mimetische Zusammenhang der ersten Praxisfiguren und das Triebgeschehen aufgehoben.
Besonders an der Spracherwerbung als bedeutenden Punkt der Ausbildung von Ich- und Nicht-Ich-Pol hebt Lorenzer hervor, dass bereits die primäre Sozialisation als stets konflikthafte, beschädigende Subjektwerdung unter den Bedingungen gesellschaftlicher Herrschaft zu begreifen ist. Bereits in der Ausbildung der ersten Bewusstseinsformen kommt es zu dem, was Lorenzer Sprachzerstörung nennt und Freud mit den Begriffen der Verdrängung und Fixierung bezeichnet hat. Es geht um die Konfrontation von bereits hergestellten Symbolischen Interaktionsformen mit neuen Praxisanforderungen in konflikthafter Konstellation. Unter der Dominanz und der Vehemenz der neue Anforderung zerreißt das bestehende Gefüge von Interaktionsform und Symbol; drängt die nun verpönte Praxisfigur ins Unbewusste, wo jedoch ihr energetischer, triebhafter Gehalt bestehen (Freud: fixiert) bleibt. Als konflikthafte Bestandteile des ES können diese „Klischees“ (Freud) durch bestimmte situative Reize in unmittelbarer und nicht realitätsgerechter Form nach ›oben‹ drängen. Sie sind die Quelle neurotischen oder gar psychotischen Leidens.

Materialistisch ist diese Theorie in dreifacher Weise. 1. Sie zeigt, wie Natur und Gesellschaft am Menschen in einem Widerspruchsverhältnis vermittelt sind. Natur bildet zwar den Möglichkeitenhorizont, entfaltet sich jedoch stets unter dem Eindruck gesellschaftlicher Praxis; bereits in der embryonalen Phase. Zugleich lässt sich Natur nicht aus dieser Praxis ableiten, geht in dieser nicht auf. 2. Darüberhinaus sind die ersten Objekt-Beziehungen des Kindes nicht auf eine familiäre Praxis eingeschränkt. Lorenzer erörtert, dass die ›mütterliche‹ Praxis stets schon gesellschaftliche, herrschaftsförmige Praxis qua gesellschaftlicher Subjekt- und Leibform und der primären wie sekundären Sozialisation der primären Bezugspersonen ist. 3. Zudem ist Sprache als wesentliches qualitativ veränderndes Moment der primären Sozialisation in die Dialektik von Natur und gesellschaftlicher Praxis eingespannt und geht dieser nicht einfach voraus. Sprache ist Praxisform zwischen Anlagen des Kindes, der bis dato hergestellten Triebstruktur und des objektiven Sprachsystems. Als Vermittlungsschritt von Interaktionsform und (Laut-)Symbol sind in den Sprachfiguren das sinnlich-gestische Arrangement der Erlebnisszene und das Triebgeschehen bewahrt. Erst die durchgesetzte Rationalität ›schleift‹ beim Kind die sinnlich-mimetischen und bildlichen Aspekte der Sprachsymbole ab, macht aus symbolvermittelten Erlebnisszenen ›entleerte‹ Allgemeinbegriffe und Zeichen. Dies ist zugleich potentialfördernd als Bedingung höherer Abstraktionsgrade und doch auch beschädigend im Sinne einer ›Entsinnlichung‹ von Sprache und Praxis. Genannte Aspekte bleiben im Kern der Sprache sowie als Teil des Unbewussten „als Stachel des Nichtidentischen gegen das allgemein Anerkannte lebendig“ (Lorenzer, Zu Begründung einer materialistischen Sozialisationstheorie, 1972, S. 119). Sie stellen, ob nun als Anteil lustbesetzter Erlebnisszenen, als Erinnerung und Phantasie oder aber als sinnlicher Gehalt von Reflexivität, widerständige Momente gegen die herrschende Rationalität dar.

Vor diesem Hintergrund begründet Lorenzer die psychoanalytische Praxis in ihrer Methodologie als materialistische Tiefenhermeneutik. Als ›szenisches Verstehen‹ muss der Analytiker die ›Erzählbilder‹ des Analysanden in dessen lebensgeschichtliche Genese einordnen, sich folglich auf den lebenspraktischen Zusammenhang einlassen.
In dem unmittelbaren Zusammenspiel beider Akteure nimmt der Analytiker keine bloße Beobachtersituation ein, vielmehr wird er selbst zum Teil der Konfliktszenen, die der Analysand in die Analysesituation überträgt. Er wird in der Analytiker-Analysand-Dyade selbst Teil des ›Spiels‹ des Patienten, der dem Analytiker eine Rolle in seinem ›Drama‹ zuweist. Dem Analytiker kann es gelingen, die verschütteten Konfliktsituation sinnlich-konkret (nach)zuerleben und im Verein mit dem szenisch-hermeneutischen Deuten als eigene Erlebnisschicht des Fremdpsychischen verbalisieren und so den unbewussten Gehalt der Konfliktszenerie ins Bewusstsein holen.
Die ›Resymbolisierung‹ verändert die Konfliktkonstellation zwischen bewussten und verdrängten Bestandteilen. Mitnichten ist damit das Leiden beendet oder sind gar die Zumutungen der Realität vom Patienten genommen. Das Leiden, begriffen als zugleich inneres wie soziales Leid, kann die Psychoanalyse nicht beenden, vielmehr ist sie „Hilfe gegen die ungeeigneten Selbstbeschränkungen, die der notwendigen Selbstbehauptung[!] entgegenstehen“ (Lorenzer, Kultur-Analysen, 1986, S. 23).
Dies deutet auf ein weiteres wichtiges Element in Lorenzers Ansatz. Die Analyse subjektiver Struktur, als Sozialisationstheorie wie als psychoanalytische Praxis, muss stets vermittelt werden mit der Analyse objektiver Struktur. Beide Perspektiven laufen gewissermaßen gegenläufig aufeinander zu. Dies bedingt sich dadurch, dass Individuum und gesellschaftliche Verkehrsformen jeweils nicht völlig auseinander ableitbar, also nichtidentisch sind. Lassen wir dazu zum Schluss Lorenzer zu Wort kommen:
„Gegenstand des psychoanalytischen Verfahrens sind die ››Produkte‹‹ des Sozialisationsprozesses. Der Durchblick auf Sozialisation darf ebensowenig mißverstanden werden wie die Rede davon, daß das erfaßbare Leiden letzten Endes auf eine verfehlte Synthesis von innerer Natur und vermittelter gesellschaftlicher Praxis zurückgeht. Beide Aussagen enthalten keinen kausalgenetischen Anspruch. Im Gegenteil. Psychoanalyse ist ausschließlich Strukturanalyse, ohne ››hinter‹‹ den subjektiven Strukturen objektive Bedingungen erfassen zu können. Um die Kausalgenese zu entfalten, muß die subjektive Strukturanalyse einer objektiven Analyse vermittelt werden, was allemal den theoretischen und gegenwärtig-praktischen Rahmen der Psychoanalyse überschreitet und nur innerhalb einer historisch-materialistischen Gesellschaftstheorie möglich wird. Psychoanalytische Erkenntnisse durchbrechen nicht den Bannkreis ideologischer Bornierung. ››Wahr‹‹ im Sinne einer an die geschichtlichen Prozesse gebundene Wahrheit ist jedoch die ››Richtung‹‹ der hermeneutischen Durchdringung: Die Richtung von unerträglichen lebenspraktischen Entwürfen zu erträglichen verweist auf Gewalt, die dem Produkt des Sozialisationsprozesses angetan wird. Sie verweist auf antagonistische Produktionsverhältnisse.“ (Lorenzer, Die Wahrheit der psychoanalytischen Erkenntnis, 1976, S. 278).

Michael Schüßler

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‘Kobane is free” January 27, 2015 | 12:13 pm

Good News:

Kurdish forces inside Kobane said today that the city is now under full control and Islamic State (ISIS) militants have been driven out of all neighborhoods.

Muslih Zebari, a Peshmerga commander in Kobane told Rudaw that ISIS militants remain only in a small village attached to the city “And the Peshmerga and YPG fighters are already on their way there,”

“Retaking that village is easy and today all of Kobane will be free,” he said.

A strong ISIS force invaded Kobane in mid-September last year but a coalition of YPG fighters, Peshmerga and US airstrikes halted the radical group’s advance until it was liberated today.

Iranische Frauen protestieren gegen Claudia Roth January 27, 2015 | 12:11 am

Beruehmt und bekannt ist inzwischen die iranische Kampagne “My Steathy Freedom“. Auf Facebook praesentieren sich dort trotz aller Repression Iranerinnen ohne Kopftuch und erklaeren, welche Freiheit es fuer sie bedeutet, ihre Haare frei zu tragen.

Und diese Kampagne nun protestiert gegen Claudia Roths Auftritte bei Holocaustleugnern und Botschaftsbesetzerinnen, immer brav mit Kopftuch, das sie so selbstverstaendlich traegt wie ihre Begleiterin von der CSU:

An Appeal to the female vice-president of the German Parliament and all female politicians:

These days Tehran has been hosting ?European politicians and parliamentarians. Here are some of the photos of the recent visit of Claudia Roth, the vice-president of the German Parliament, accompanied by the Foreign minister and First Deputy Prime Minister of Croatia, Vesna Pusi?.

As a community of women from this website [My Stealthy Freedoms], we would like to announce that we are happy that Iran maintains friendly relations with European nations. However, we are requesting the attention of every single one of those female politicians travelling to Iran: Please talk to our rulers with regards to the compulsory hijab that you yourselves had to wear as well during your recent visit. Is it really too much to ask of you to talk to our rulers with respect to this compulsory hijab that Iranian women have been forced to wear and then to report to us on the reactions of the government officials?

Dear Claudia Roth and dear Vesna Pusi?,

I’d like to address you and every single non-Iranian female politician visiting Iran – we have a simple request: When the officials of our country travel to your countries, they want you to respect their Islamic values. They conveniently avoid attending the receptions that you organise on the pretext that alcohol is being served. If that is the case, why don’t you ask them to respect our human values, which is the freedom to choice?

If you are assuming that compulsory hijab is the law in Iran, then do you know that the officials of our country are not even willing to comply with the compulsory rules of some of the Western embassies situated in Iran? One of these rules is the idea of submitting a photo without hijab for women when they apply for a visa. Although obligation has been made by the embassies of Western governments in Iran with a view to properly identifying female visa applicants, the Iranian government bans women from submitting photos without hijab to Western embassies.

Did you hear that recently there was a demonstration that took place in front of the French Embassy in Iran with regards to the French Government’s aforementioned policy of issuing visas to female visitors? The demonstrators were protesting against the fact that the French government had such a requirement from female Iranian visa applicants. Can you see that this kind of protest (i.e., when you protest in support of hijab) is free and not repressed by the government of Iran? Then, why don’t you protest against the law that obliges you to wear the hijab during your official visit?

Dear female politicians travelling to Iran:

For more than than thirty years our questions have been censored in Iran’s national media outlets. For more than thirty years it has been forbidden even for journalists and reporters to broach the questions with regards to hijab. However, you must have heard from the various media outlets of your own countries about the Facebook page called “My Stealthy Freedoms” and you must have found out that many women in Iran are overtly protesting against the compulsory hijab in Iran. Many women in Iran want their voices to be heard by the government officials of their own country. These are women who should be entitled to the freedom of choice when it comes to deciding what to wear and they do not want this right to remain stealthy for the rest of their lives.

We are pleading with you to bring up this subject during your conversations with the Iranian officials. Please ask them the following question: Can you hear the voices of dissent from Iranian women who do not want their freedom to be stealthy?

Please also ask them how long more Iranian women will be obliged to wear the compulsory hijab and how long more Iran will convince every single female politician like you travelling to this country to wear the hijab. Please also ask them, wouldn’t they [the Iranian officials] protest if in countries like Germany, France, Italy, Croatia, Spain, and many other countries where the rule of law reigns, women were stripped of the right to wear the hijab? Please do not respond by saying that one should not interfere in another country’s law, because if you came up with a law forbidding women to wear the hijab, Iran would be the first country to interfere with regards to this law. If we keep silent in the face of unfair laws, then slavery, which also used to be a law, would still be with us.

Please bring the voices of this web page to the attention of Iranian leaders and please talk about us. We will be very grateful.


mystealthyfreedom?

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Neue Sticker ab sofort bestellbar: “Auf dass Auschwitz nie wieder sei.” January 26, 2015 | 07:39 pm

Ab sofort könnt ihr den neuen Sticker des Bundesarbeitskreises (BAK) Shalom der Linksjugend ['solid] anlässlich des 70. Jahrestags der Befreiung des KZ Auschwitz bei der Bundesgeschäftsstelle der Linksjugend ['solid] unter versand[at]linksjugend-solid.de kostenlos bestellen.

Die „Unterwerfung“ der Fiktion unter die Wirklichkeit January 26, 2015 | 02:47 pm

Anmerkungen zu einem Artikel Bernhard Schmids

Bernhard Schmid rezensiert im „dschungel“ der „Jungle World“ vom 22. Januar 2015 „Unterwerfung“, den neuen Roman von Michel Houellebecq. Zumindest scheint sein Artikel durch die am Ende abgedruckten bibliographischen Informationen zum Roman als eine Rezension ausgewiesen zu sein. Auch die Untertitelung deutet darauf hin, dass der Artikel als eine Rezension zu verstehen sei und sich mit dem Roman Houellebecqs beschäftigt. Doch über den Roman erfährt der Leser im Laufe des Artikels dann so gut wie nichts.

Das Wenige aber, das Schmid über den Roman zu berichten weiß, ist in einigen Punkten schlicht falsch. Sein dreiseitiger Artikel ist dabei voller Zitate, aus dem Roman selber aber kommt kein einziges vor. Stattdessen erfährt der Leser einiges von dem, was Houellebecq „in einem Fernsehgespräch“, „bei seinem Auftritt in den Abendnachrichten des Fernsehsenders France 2 am 6. Januar“, in seinen Ausführungen „im Wochenmagazin L’Obs“, „in einem Interview mit der Welt“ und „in seinem ausführlichen Interview für das konservativ-reaktionäre Wochenendmagazin Le Figaro Magazine“ gesagt hat. Es entsteht der Eindruck, als habe Schmid zur Kompensation seiner Nichtlektüre des Romans zahlreiche Interviews mit dem Autor gelesen und anschließend zu einem Artikel zusammengestellt.

Trotzdem beginnt Schmid seinen Artikel mit Überlegungen zu Realität und Fiktion: „Die Realität hat die Fiktion eingeholt“, heißt es. Doch was dann als die Fiktion, die von der Realität eingeholt worden sei, verkauft wird, ist nichts als Realität. Die vermeintliche Fiktion, die der Leser sich vorstellen soll, ist nämlich folgende:

„Nehmen wir an, diese Zeitung hätte in ihrer Weihnachtsausgabe einen Text veröffentlicht, in dem folgendes Szenario ausgemalt worden wäre: Am 7. Januar 2015 erscheint ein Buch von Michel Houellebecq. Es handelt, leicht vergröbert ausgedrückt, von einer muslimischen Machtübernahme in Frankreich durch eine islamistische Partei. Am Vormittag desselben Tages erscheint die Satirezeitung Charlie Hebdo mit einem Bild Houellebecqs auf dem Cover. Bei der Redaktionssitzung kurz vor Mittag greifen zwei mit Kalaschnikows bewaffnete radikal-islamistische ‘Gotteskämpfer’ an und ermorden die Redakteure, weil die Zeitung den Propheten beleidigt habe.“

Nun ist hier tatsächlich alles Wirklichkeit, abgesehen von der Tatsache, dass die Weihnachtsausgabe der „Jungle World“ natürlich noch nicht über die spätere Wirklichkeit berichtete. Was das nun aber mit der Fiktion des rezensierten Romans zu tun hat, bleibt schleierhaft. Und so bleibt Schmid dann auch bei der Wirklichkeit und betont abermals, was er schon erwähnt hatte, dass nämlich am 7. Januar der Roman Houellebecqs erschien.

Schmid versucht sich dann an einer Zusammenfassung der Romanhandlung. Da heißt es dann: „Der Roman beschreibt Frankreich im Jahr 2022.“ Während Schmid dem Leser also vorher die Wirklichkeit als Fiktion verkaufte, die dann von der Wirklichkeit eingeholt werde, verkauft er nun die Fiktion als Beschreibung einer zukünftigen Wirklichkeit. Der Roman „beschreibt“ eben nicht Frankreich im Jahr 2022. Der Roman entwirft ein fiktives Frankreich im Jahr 2022, sonst wäre er kein Roman, sondern die Aufzeichnung eines Zeitreisenden. Doch es geht weiter: Das „Frankreich im Jahr 2022“ ist, laut Schmid, „ein Land, das am Ende einer katastrophalen zweiten Amtszeit des derzeit wenig beliebten Staatspräsidenten François Hollande kurz vor dem Abgrund steht.“ Was soll das bedeuten? Ist Hollande im fiktiven Frankreich von 2022 „derzeit“ wenig beliebt? Ist der fiktive Hollande, die Figur, bei den Lesern „derzeit“ wenig beliebt? Nein, Schmid meint, dass der wirkliche Hollande „derzeit“, also jetzt, in der Wirklichkeit, wenig beliebt ist. Nur ist das natürlich nicht der Hollande der Fiktion des Romans, denn der ist eben fiktiv.

Wirkliche Zweifel daran, ob Schmid den Roman, den er hier zu rezensieren behauptet, überhaupt gelesen hat, regen sich dann etwas später: Der Ich-Erzähler des Romans, von Schmid als „Houellebecqs Protagonist“ bezeichnet, konvertiere, so behauptet Schmid, zum Islam, „um seinen Job zu behalten“. Nun ist es im Roman aber nicht nur so, dass der Ich-Erzähler seinen „Job“, eine Professur an der Sorbonne, schon zuvor – ausgestattet übrigens mit einer stattlichen Pension – verloren hat, sondern auch die von Schmid behauptete Konversion findet nicht statt. Sie wird am Ende des Romans im Konjunktiv geschildert, sie ist eine Möglichkeit. Es wird nicht gesagt, ob sie stattfindet. In Anbetracht dieser kurzen Ausführungen Schmids zum Roman selbst, muss man wahrscheinlich froh sein, dass sich der Rest des Artikels mit der – hauptsächlich politischen – Rezeption des Romans in Frankreich und zusammengestückelten Äußerungen Houellebecqs befasst.

Dabei wäre es sicherlich nicht abwegig, über das Verhältnis zwischen Fiktion und Wirklichkeit in „Unterwerfung“ zu diskutieren, wobei man sicherlich mehr über Houellebecqs Humor als über den „derzeit wenig beliebten Staatspräsidenten François Hollande“ reden müsste.  Voraussetzung einer solchen Diskussion wäre aber ein Begriff von Fiktion, den Schmid offensichtlich nicht hat, was ihn wiederrum weder davon abhielt, einen Artikel über den Roman zu schreiben, noch ihn mit einem Satz zu Fiktion und Wirklichkeit zu beginnen. In seiner Ignoranz gegenüber der Literarizität des Romans macht Schmid dann nichts anderes als die Vertreter des „Bloc identitaire“, von denen er zu berichten weiß, dass sie Houellebecq vorwarfen, er „kenne die Gruppierung zu wenig“.

In der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung vom 25. Januar 2015 gab Houellebecq ein weiteres Interview – fraglich, ob es für Schriftsteller vorteilhaft ist, so viele Interviews zu geben, dazu aber hat Nils Minkmar ebenfalls in der FAZ das Nötige geschrieben –, das Schmid selbstverständlich noch nicht zitieren konnte. Hier zeigt sich nicht nur, dass Julia Encke, die das Interview führte, den Roman genauer gelesen hat, sondern auch, was die Besonderheit eines literarischen Textes bewirken kann, wegen der die Fiktion gegen die Schmids dieser Welt zu verteidigen ist:

„Ihr Erzähler stellt sich am Ende vor, wie einfach es für ihn wäre, wenn er zum Islam überträte. Es ist eine Art Kapitulation. Tut es Ihnen weh, wenn er im letzten Satz feststellt: „Ich hätte nichts zu bereuen“?

Ich hätte auch das Gegenteil schreiben können.

Ich hab’ automatisch an Edith Piaf gedacht, „je ne regrette rien“, und mich gefragt, ob es der ironischste Satz des ganzen Romans ist?

Es ist der doppeldeutigste Satz. Bei Piaf ist es anders. Wenn sie singt, dass sie nichts bereut, glaubt sie daran. Mein Erzähler weiß nicht, ob er es glaubt oder nicht.“

Hätte man nämlich einen Begriff von Fiktion, müsste man nicht, wie Schmid am Ende seines Artikels, schreiben, die „Vorstellung Michel Houellebecqs“ sei nicht beruhigend – warum sollte sie auch? –, sondern könnte erkennen, dass der Roman gerade durch die fehlende Festlegung am Ende eine Frage stellt, die nicht beantwortet wird. Eine solche Offenheit, die dem Leser eigenes Denken zumutet, indem sie ihm nicht fertige Gewissheiten vorsetzt, aber scheint Schmid nicht zulassen zu wollen, wirft er Houellebecq doch vor, er lege „sich in Interviews ungern auf eine bestimmte gesellschaftliche Position fest, sondern redet sich auf Nachfragen gern heraus, ein Schriftsteller zu sein“.

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