08-08-2016Aktuelle Gerichtsurteile und – once again – erneute… August 12, 2016 | 04:10 pm



08-08-2016
Aktuelle Gerichtsurteile und - once again - erneute Verschärfungen bei Hartz 4…

Wernicke oder die Connection eines Bildungsreferenten August 10, 2016 | 08:13 pm

Die GEW und die Abgründe ihrer Bildungsarbeit

„Das ist die Gleichschaltung der Medien, vollzogen ganz ohne Goebbels. Jetzt geht es dem Internet an den Kragen, wo sich bisher noch Kritik rühren durfte. Was Zuckerberg bei Facebook nie schaffte, nimmt jetzt die IM-Truppe von Kahane in Angriff!! Was jetzt „Anonymous“ passiert ist, kann morgen COMPACT, schallundrauch, jungefreiheit, ja selbst die Nachdenkseiten und Telepolis treffen. Leute, merkt Ihr, was passiert? Es geht nicht um „anonymous“, es geht um die letzten Reste unserer Freiheit!“ So dröhnte uns Else am 6. Februar 2016 auf seinem Blog – andere Berufene stimmen mittlerweile in diesen Chor ein und verlieren dabei jeden Anstand und Distinktionsvermögen. (Doch nun zu etwas ganz anderem!)

Um die „Nachdenkseiten“ machte sie sich also Sorgen, die Else. Allerdings wohl etwas verfrüht, denn statt des Verbotes erwartet die „Nachdenkseiten“ die endgültige Integration in den linksdeutschen, sich progressiv wähnenden Mainstream engagierten Meinens. Verlinkt werden sie jetzt nicht etwa nur vom Twilight-Sparkle Fanclub des örtlichen Männerrechtsvereins, sondern von einer Institution, die lange Jahre zu Kassel gehörte wie das Weckewerk auf dem heimatlichen Teller und weswegen die örtlichen Honoratioren bis hin zum Oberbürgermeister in beiden Fällen über die fragwürdige Konsistenz und gelegentlich bräunliche Färbung dieser beiden nordhessischen Spezialitäten gerne hinweg sahen.

Weckewerk

Nicht nur der Friedensratschlag ist eine Spezialität aus Nordhessen

Die Rede ist natürlich vom Friedensratschlag. Der ist zwar seit dem Tode des großen Vorsitzenden Peter Strutynski ein wenig in Vergessenheit geraten, aber wie schon H.P. Lovecraft wusste: Nicht alles was vergessen ist, ist deswegen auch schon tot. Ja es gibt ihn noch den Friedensratschlag, auch im Internet oder wie die Volksgenossen bei „Anonymous“ wohl sagen würden, er ist im Weltnetz präsent und verlinkt dort unter der Rubrik „Medienkritik“ „Telepolis“ und die „Nachdenkseiten“. Man fühlt sich diesen Truppen offensichtlich verbunden.

An und für sich wäre der Inhalt der dort zu lesenden Elaborate kaum der Rede wert: Dort beschwert sich z.B. ein Uli Gellermann, bekannt von RT Deutsch, über „Frankreichs Terror gegen Syrien“ – was bilden sich diese Froschfresser denn auch ein, ab und zu eine Bombe auf den IS zu werfen, anstelle einfach das ganze Land per Flächenbombardement in Schutt und Asche zu legen, wie es die Friedensfreunde Putin und Assad tun – und ein gewisser Jens Wernicke darf sein, bereits bei Ken FM veröffentlichtes Interview mit einem Professor Rainer Mausfeld noch einmal zum Besten geben. Dort erklärt der Gelehrte, dass Rechts und Links seit der französischen Revolution quasi naturgegebene, manichäische Gegensätze sind und es deshalb keine Querfront geben kann, wer das Gegenteil behauptet, ist somit also Teil einer Verschwörung, welche kritische Stimmen unterdrücken will.

Wernicke_Wikimannia

Bildungsreferent der GEW und Fachmann für Denkanstöße

Jens wer? Während Ken FM, Uli Gellermann und unsere Else normalerweise in einer Hochglanzpostille der rechtspopulistischen Schmuddelecke, auf unzähligen Internetseiten, -foren und in den diversen Gruppen und Grüppchen auf Facebook pöbeln, den ewigen Weltfrieden erwarten und den ewigen Juden verwünschen, die geneigten Volksgenossen vor allerlei obscuren Gefahren warnen und vor sich hin schmollen, ist eben dieser Jens Wernicke kein AfD-Hinterbänkler, Reichsbürger, Echsenmenschenbuster oder Tattoostudiobesitzer aus Rheuma an der Saale, sondern seines Zeichens bildungspolitischer Referent der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaften (GEW). Möglicherweise ist er vor kurzem dort gefeuert worden, was die Sache auch nicht besser macht.

Bildungspolitik der GEW, da war doch mal was. Na klar – Mit zum Bildungsprogramm der künftigen und im Dienste stehenden Bildungsarbeiter und -arbeiterinnen gehört seit Jahr und Tag eine „Studienreise“ nach Israel/Palästina, geführt vom Israelfresser Fuad Hamdan. Der Apfel fällt also nicht weit vom Stamm.

bildungsreise

Darf auch 2016 nicht fehlen. Seminarangebot der GEW Nr. W1018: Die Studienreise nach Palästina.

Wernicke also schwafelt nicht nur bei so Wahnwichteln wie Ken FM über Sachen, die es nicht geben darf, sondern gibt Interviews für eben diese Gewerkschaft und ist Mitherausgeber von Werken des Bundes Demokratischer Wissenschaftler. Mit anderen Worten, Wernicke ist Mitarbeiter von Institutionen, die sich offiziell seit Jahrzehnten einem „Antifaschismus“ und dem „kritischen Blick“ auf Israel verschrieben haben. Bei Sabine „Kinnlade“ Schiffers Institut für Medienverantwortung, in dem Wernicke auch Mitglied ist, weiß der halbwegs aufgeklärte Konsument immerhin, was ihn erwartet – bei der GEW und dem Bund Demokratischer Wissenschaftler hingegen rechnet man gewiss mit Altherren-Antiimperialismus, Antiamerikanismus und Antizionismus, aber doch nicht mit Sympathien für Dugins Fieberfantasien über ein wieder zu errichtendes byzantinisches Reich, oder gar für Wikimannia, die laut Eigenbeschreibung „Wissens-Datenbank über Benachteiligungen von Jungen und Männern, sowie Bevorzugungen von Maiden und Frauen.“

Einem Wahn gibst du statt // das Leben ohne Einsicht, das sie beschmutzte // verdunkelt sie jetzt für jede Sicht.

(jh / jd)


Hausverbot auf Russisch August 9, 2016 | 04:40 pm

Zu den Hintergründen des Überfalls auf das „Correctiv“- Büro in Berlin
inkl. Interview mit "Correctiv"-Mitarbeiter Marcus Bensmann

Graham W. Phillips beim Salutieren mit einer Waffe.
September 2015, Ostukraine
(Credits: stopfake.com)

In jüngster Vergangenheit finden im europäischen Raum vermehrt Versuche der Einschüchterung an russlandkritischen Autoren statt. Es sind hierbei stets ähnliche Muster und Verbindungen der involvierten Akteure, die einen genaueren Blick auf die Hintergründe unverzichtbar machen.

Boris Reitschuster, langjähriger Moskau-Korrespondent der Zeitschrift "Focus" und Autor des kürzlich erschienen Buches "Putins verdeckter Krieg", geriet erst vor Kurzem in das Fadenkreuz des russischen Staatsfernsehens. Er widmet sich seit Jahren der Aufarbeitung russischer Destabilisierungsmechanismen und untersuchte u.a. russische Geldflüsse an rechtsextreme, europäische Organisationen. Während sein Buch in Deutschland nur beiläufig Anklang fand, scheint die Rezeption in Russland eine weitaus größere zu sein.
Erst kürzlich veröffentliche der russische Fernsehsender TWZ eine Hetzkampagne, die sich gegen Reitschuster richtete. Der Sender befindet sich zu 99% im Besitz der Moskauer Stadtregierung und wird vom Putin-Vertrauten Sergei Sobjanin geleitet. Die Sendung soll vor allem - so Reitschuster - aus Aufnahmen bestehen, die durch in Deutschland erfolgte Stalking-Angriffe entstanden sind.

Auch der WDR-Reporter Halo Seppelt, der mit seinen Recherchen über den russischen Sportminister Witalij Mutko maßgeblich zur Enthüllung des aktuellen russischen Doping-Skandals beigetragen hatte, wurde jüngst zur Zielscheibe russischer Einschüchterungsversuche. Dies geschah durch die Journalistin Olga Skabajewa, welche mit einem Mitarbeiter des russischen Staatsfernsehens verheiratet ist und in der Staatsmedienagentur Rossija Sewodna (Russland heute) angestellt ist. In kremltypischer Verdrehung offenkundiger Tatsachen diffamierte sie ihn als "russlandfeindlichen" Agenten und würdigte seine journalistischen Leistungen zu einer persönlichen Fehde herab. Reitschuster und Seppelt scheinen jedoch nicht die Einzigen zu sein, die sich momentan erhöhter Aufmerksamkeit Russlands erfreuen dürfen.

Erst vor wenigen Tagen versuchten zwei Männer sich Zugang zu den Räumlichkeiten des in Berlin ansässigen investigativ-journalistischen Projekts „Correctiv“ zu verschaffen, um einen Mitarbeiter zur Rede zu stellen. Der, den sie sprechen wollten, ist Marcus Bensmann. Dieser ist seit 2013 Redakteur und Mitarbeiter des Kollektivs und hat mit seinen Recherchen maßgeblich zur Enthüllung der Hintergründe des Absturzes der MH-17 beigetragen. 
Bei den beiden unerwünschten Besuchern handelt es sich keinesfalls um unbeschriebene Blätter.
Ganz im Gegenteil verfügen sowohl Graham W. Phillips, als auch sein partner in crime Billy Six, über intensive Verbindungen nach Russland.
Den ganzen Artikel über Phillipps und Six' Verbindungen auf jungle-world.com lesen.

Der Journalist Marcus Bensmann bezeichnet „Correctiv“ als "die Idee, in Deutschland eine dritte Mediensäule zu erschaffen." Es ginge darum, "gemeinnützigen Journalismus", wie er etwa in den USA seit Jahren Gang und Gebe ist, nun auch in Europa zu etablieren. Mittels Spenden und Förderungen soll das Projekt auf größere Füße gestellt werden. Oberstes Prinzip sei es, geleistete Arbeit & Rechercheergebnisse der Allgemeinheit zur Verfügung zu stellen. Bensmann ist im Spätsommer 2014 - kurz nach der Gründung von „Correctiv“ - dazugestoßen und hat davor knapp zwanzig Jahre in u.a. Afghanistan und dem Irak als Reporter gearbeitet.

Marcus Bensmann selbst befand sich zur Zeit des Tathergangs zwar nicht in den Räumlichkeiten von Correctiv, konnte aber eine bemerkenswerte Aggressivität bei den Angreifern feststellen: Etwa wurde in das Redaktionsbüro hineingefilmt, was dazu hätte führen können, dass wichtige Quellen ins Blickfeld hätten geraten können. Für investigative, journalistische Arbeit sei der Redaktionsraum heilig, da er nicht nur Rückzugsort für die Mitarbeiter sei, sondern auch als Aufbewahrungsort für wichtige Informationen diene. Zudem wurden Bensmann und seine Kollegen von Phillips & Six als Vertreter der "Lügenpresse" und als "Prostituierte" diffamiert. Auch deshalb stellt Bensmann im Interview den Vorfall in einen größeren internationalen Zusammenhang.


Trotz allem mahnt Bensmann zur Vorsicht und warnt vor einer Überdramatisierung dieses Einzelfalls. Er sehe Phillips & Six weniger als unmittelbare Agenten Russlands, sondern als "prorussisches Unterholz", welches sich in einer Atmosphäre der Angst, immer weiter ausbreiten könnte. In diesem Zusammenhang erwähnt er auch die jüngsten Angriffe auf den russland-kritischen Journalisten Boris Reitschuster. 

 
Auf die Kontakte von Philipp und Six zur rechtsextremen Szene angesprochen, zeigt sich Bensmann wenig verwundert und bestätigt, dass nicht nur in diesem Fall die enge Zusammenarbeit neurechter Organisationen mit Kreml-treuen Kreisen sich immer mehr verdichtet. Zudem sei dies eine gefährliche Entwicklung, die nicht nur in Deutschland zu beobachten sei. 


Die größte Gefahr, so Bensmann, die letztlich aus den Einschüchterungsmethoden resultiere, sei nicht nur der Gedanke von der Professionalität und den hohen Ansprüchen der eigenen journalistischen Arbeit Abstand zu nehmen, sondern auch sich in ein permanentes Rückzugsgefecht drängen zu lassen.






Der Skandal als Normalität August 9, 2016 | 12:31 pm

Die israelische Olympiamannschaft bei der Eröffnungsfeier in Rio de Janeiro, 5. August 2016. © Pedro Ugarte, Getty Images

Die Olympischen Spiele in Rio haben für die israelischen Sportler gleich mit einem ausgesprochen unerfreulichen Vorfall angefangen – mal wieder, muss man sagen. Wenig überraschend ist der Sport ein getreues Spiegelbild der Politik. Und auch in den Medien finden sich im Zusammenhang mit Olympia einmal mehr zweifelhafte Beiträge, die geeignet sind, den Ruf des jüdischen Staates weiter zu beschädigen.

Die olympische Eröffnungsfeier in Rio de Janeiro hatte noch nicht einmal begonnen, da hatten die Spiele bereits ihren ersten Skandal. Besser gesagt: Es war etwas passiert, das eigentlich ein Skandal hätte sein müssen – aber größtenteils bloß achselzuckend zur Kenntnis genommen wurde. In den Medien wurde nur am Rande darüber berichtet, dabei handelte es sich um einen schweren Verstoß gegen den, sagen wir: olympischen Geist (so man diesen denn überhaupt noch geltend machen möchte). Geschehen war dies: Eigentlich hätten das libanesische und das israelische Olympiateam am vergangenen Freitag gemeinsam zur Eröffnungszeremonie ins Maracanã-Stadion gefahren werden sollen. Doch als die Israelis den Shuttle-Bus besteigen wollten, in dem die Libanesen bereits saßen, wies der libanesische Teamchef Salim al-Haj Nakoula den Busfahrer kurzerhand an, die Tür zu schließen. Was sich daraufhin ereignete, schilderte Udi Gal, Trainer der israelischen Segelmannschaft, auf seiner Facebook-Seite so: »Ich bestand darauf, dass wir den Bus betreten können, und sagte, wenn die Libanesen nicht mit uns fahren möchten, könnten sie selbstverständlich aussteigen. Als der Busfahrer daraufhin die Tür öffnete, um uns hineinzulassen, versperrte uns der Leiter des libanesischen Teams den Zutritt.«

Die Israelis mussten schließlich auf Geheiß des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) einen anderen Bus benutzen und waren begreiflicherweise empört. Nakoulas Verhalten sei »ein Schlag ins Gesicht für Olympia«, sagte der israelische Delegationschef Gili Lustig, der auch das IOC kritisierte, weil dieses, statt gegen die Libanesen vorzugehen, die Israelis angewiesen habe, den Bus zu wechseln. Udi Gal rügte das Vorgehen der Veranstalter ebenfalls: »Wie können die Organisatoren so etwas nur zulassen, und dann auch noch am ersten Tag der Spiele? Ist das nicht das Gegenteil von dem, wofür die Olympischen Spiele stehen?« Der libanesische Teamchef wurde später vom IOC offiziell verwarnt und zog sich gegenüber den Nachrichtenagenturen auf ein »Missverständnis« zurück. Zu einer libanesischen Tageszeitung dagegen sagte er, er habe »das Recht gehabt«, den Israelis den Zutritt zum Bus zu verweigern, und prahlte: »Ich habe den Eingang des Busses mit meinem Körper blockiert, obwohl ich wusste, dass manche der israelischen Sportler sich vorbeidrängen wollten und auf Ärger aus waren.«

Diplomatie gegenüber internationalen Medien also, antiisraelischer Klartext gegenüber arabischen – nichts Ungewöhnliches für arabische Funktionäre und Politiker; auch Yassir Arafat beispielsweise sprach stets mit zwei Zungen, Mahmoud Abbas hält es genauso. Der Sport ist in Bezug auf den Umgang mit dem jüdischen Staat ein getreues Spiegelbild der Politik, und deshalb lehnen jene Staaten, die Israel nicht anerkennen, auch jeglichen Wettstreit, ja, überhaupt jegliche Begegnung mit Israelis im Rahmen von Wettkämpfen rundweg ab. Der Vorfall in Bezug auf die gemeinsame Benutzung des Shuttle-Busses ist nur ein Beispiel von vielen. Schon gibt es die Annahme, dass die saudi-arabische Judoka Joud Fahmy in ihrem Kampf in Rio gegen die Mauritierin Christianne Legentil nicht, wie offiziell verkündet, wegen einer Verletzung vorzeitig aufgegeben hat, sondern weil sie in der nächsten Runde gegen die Israelin Gili Cohen hätte antreten müssen. Und das hätte Saudi-Arabien, so viel ist sicher, nicht zugelassen.

Olympische Boykotte gegen Israel

Bereits in der Vergangenheit war es bei Olympischen Spielen mehrmals dazu gekommen, dass Sportler aus Ländern, die den jüdischen Staat als Todfeind betrachten, nicht zu ihren Wettkämpfen gegen Israelis erschienen. Bei den Olympischen Spielen 2004 in Athen etwa weigerte sich der hoch favorisierte iranische Judo-Weltmeister Arash Miresmaeili, in der ersten Runde gegen den Israeli Ehud Vaks zu kämpfen. Vaks kam dadurch kampflos weiter, während Miresmaeili von der politischen Führung seines Landes gefeiert wurde: »Der Name von Arash Miresmaeili wird in die iranische Geschichte eingehen als ein Quelle des Stolzes für das Land«, lobte ihn der damalige Staatspräsident Mohammad Khatami. Weiter sagte er: »Das großartige Handeln und die Selbstaufopferung unseres Champions, der auf eine sichere Olympiamedaille aus Protest gegen Massaker, Terror und Besetzung verzichtet hat, ist eine nationale Ruhmestat.« Der Judoka erhielt vom Nationalen Olympischen Komitee des Iran schließlich eine Prämie von 125.000 Dollar – die vorgesehene Summe für einen Olympiasieg.

Das Internationale Olympische Komitee (IOC) sperrte den Sportler; der Judo-Weltverband IJF verhängte jedoch keine Strafe gegen ihn oder seinen Verband. Offiziell war Miresmaeili aufgrund von zwei Kilo Übergewicht nicht zum Kampf zugelassen worden. Und eine Anhörung vor der IJF-Untersuchungskommission soll ergeben haben, dass Miresmaeili nie die Absicht zum Boykott des Wettbewerbs hatte. Das mutet allerdings wenig glaubwürdig an; schließlich hatte Miresmaeili, der Fahnenträger seines Landes bei Olympia in Athen, schon Tage vor dem Kampf angekündigt, gegen keinen Athleten aus Israel anzutreten. Mit seiner Weigerung wolle er gegen die israelische Haltung im Nahostkonflikt protestieren.

Auch bei den Olympischen Spielen 2008 in Peking gab es de facto einen antiisraelischen Boykott: Der iranische Schwimmer Mohammad Alirezaei erschien nicht zu einem Vorlauf in der Disziplin 100 Meter Brust, weil mit Tom Beeri auch ein israelischer Schwimmer im Becken war. Zunächst hatte das Nationale Olympische Komitee des Iran den Start von Alirezaei erlaubt, weil dieser auf Bahn eins und der Israeli auf Bahn sieben eingeteilt waren und es sich damit nicht um ein direktes Duell gehandelt hätte. Am Ende blieb Alirezaeis Platz aber doch frei. Iranischen Angaben zufolge war der Sportler erkrankt. Das IOC glaubte dieser Begründung und sprach keine Sanktionen aus.

Bei anderen internationalen Sportwettbewerben kam es in der Vergangenheit ebenfalls immer wieder zu antiisraelischen Vorfällen, nicht nur durch Nichtantritte, sondern auch aufgrund anderer Geschehnisse. Beispielhaft erwähnt sei hier nur der Schwimm-Weltcup vor drei Jahren in Katar und den Vereinigten Arabischen Emiraten, bei dem die Flaggen aller Teilnehmerstaaten in der Schwimmhalle und vor dem Gebäude gehisst wurden – außer der israelischen. Während der Übertragung eines Wettkampfs, in dem eine israelische Schwimmerin den zweiten Platz belegte, zeigte die Computergrafik zudem statt der israelischen Fahne einfach eine weiße.

Räuberpistolen in den Medien

Apropos Schwimmen: Die Nachrichtenagentur Reuters verbreitete Ende Juni eine Geschichte über die palästinensische Olympia-Teilnehmerin Mary al-Atrash, in der es hieß, die Vorbereitungen der 22-jährigen Athletin auf die Spiele in Rio sei dadurch »behindert« worden, dass es im Westjordanland lediglich Schwimmbecken mit 25-Meter-Bahnen gebe, aber keine mit der Olympia-Norm von 50 Metern. Die besseren Trainingsmöglichkeiten im nahe gelegenen Jerusalem habe die Palästinenserin »wegen des anhaltenden Konflikts mit Israel« nicht nutzen dürfen. Ein rührseliges Stück, an dem allerdings gleich zweierlei nicht stimmte: Zum einen hätte al-Atrash sehr wohl in Jerusalem trainieren können, wenn sie um eine entsprechende Genehmigung gebeten hätte – was sie jedoch nicht tat. Zum anderen gibt es auch im Westjordanland (sowie im Gazastreifen) sehr wohl 50-Meter-Schwimmbecken, auf die die Sportlerin hätte zurückgreifen können.

Zweifelhaft mutet auch die Nachricht an, der zufolge die palästinensische Olympiamannschaft ohne ihre Ausrüstung nach Rio fliegen musste, weil der israelische Zoll am Flughafen in Tel Aviv sie nicht rechtzeitig freigegeben hatte. Die Zollbehörde dementierte diese Behauptung allerdings und beteuerte, in der Sache gerne behilflich zu sein, wenn man sie darum bitte. Ohnehin ist es wenig wahrscheinlich, dass die Meldung wahr ist – denn die palästinensischen Sportler nutzen für ihre Reisen üblicherweise nicht den Ben-Gurion-Airport, sondern den Flughafen im jordanischen Amman.

Jibril Rajoub: Sport als Bühne für den Kampf gegen die Juden

In jedem Fall dürfte es eine Geschichte ganz nach dem Geschmack von Jibril Rajoub sein. Rajoub ist der Präsident des palästinensischen Nationalen Olympischen Komitees, auch der palästinensischen Sportbehörde und dem palästinensischen Fußballverband steht er vor. Außerdem ist er stellvertretender Sekretär des Zentralkomitees der Fatah – und ein besonders radikaler Gegner Israels, wie Stefan Frank auf »Audiatur Online« schreibt: »In seiner Jugend warf Rajoub selbst Granaten; nach einem Anschlag auf einen Armeebus im September 1970 wurde er von einem israelischen Gericht zu lebenslanger Haft verurteilt, kam 1985 im Rahmen eines Gefangenenaustauschs mit der Terrororganisation PFLP frei, wurde noch einmal verhaftet und 1987 in den Libanon abgeschoben.«

Heute nutze Rajoub, so Frank weiter, den Sport zum Kampf gegen die Juden, und zwar auf zwei Arten: »durch Werbung für den Terrorismus – den er ›Widerstand‹ nennt – und durch Boykottaufrufe«. Nie lasse er bei öffentlichen Auftritten Zweifel daran, »dass er Morde an Juden begrüßt und die Mörder für ihn ›Helden‹ sind, die es zu ehren gelte«. Letzteres tue er zum Beispiel, »indem er Sportturniere nach Personen benennt, die Juden getötet haben. Die Mörder sollen so auch zu Vorbildern für Kinder und Jugendliche werden.« Ende April 2013 bedauerte Rajoub in einem Fernsehinterview sogar, dass die Palästinenser keine Atomwaffen besitzen, andernfalls würden sie sie sofort gegen Israel einsetzen. Zudem hält er »jegliche Aktivität, die auf eine Normalisierung der Beziehung zum zionistischen Feind auf dem Gebiet des Sports zielt«, für »ein Verbrechen gegen die Menschheit«. Eine Schweigeminute für die israelischen Athleten, die während der Olympischen Sommerspiele 1972 in München von palästinensischen Terroristen ermordet worden waren, bezeichnete er 2012 als »rassistisch«.

Wie Stefan Frank berichtet, ruft »Palestinian Media Watch« (PMW) das Internationale Olympische Komitee dazu auf, Jibril Rajoub von allen olympischen Aktivitäten und aus olympischen Organisationen auszuschließen. Etliche von Rajoubs Aufrufen zum Mord hat PMW dokumentiert und dabei gezeigt, wie der Funktionär sein Amt als Präsident des palästinensischen NOK dazu nutzt, den Terrorismus zu verherrlichen. »Als offener Unterstützer des palästinensischen Terrorismus repräsentiert Rajoub das Gegenteil der olympischen Werte«, heißt es in einer Pressemitteilung von PMW. »Zu einer Zeit, wo überall auf der Welt gegen den Terrorismus angekämpft wird, wäre es eine Schande, wenn es ihm erlaubt würde, an Aktivitäten und Veranstaltungen des Internationalen Olympischen Komitees teilzunehmen – eine Schande für das Internationale Olympische Komitee und die gesamte olympische Gemeinschaft.« Dass dieser Appell an das IOC Früchte trägt, darf man gleichwohl bezweifeln. Antiisraelische Aktivitäten taugen schließlich nicht zum Skandal, auch nicht bei Olympia. Der Skandal ist vielmehr die Normalität.

Update: Und wenn dann ausnahmsweise doch mal ein arabischer Sportler gegen einen israelischen zum Kampf antritt – wie der ägyptische Judoka Islam El-Shehaby in Rio gegen Or Sasson –, dann verweigert er ihm im Zweifelsfall jegliche Gesten der Fairness wie den Handschlag oder die Verbeugung.

Zuerst veröffentlicht auf Fisch + Fleisch.

Zum Foto: Die israelische Olympiamannschaft bei der Eröffnungsfeier in Rio de Janeiro, 5. August 2016. © Pedro Ugarte, Getty Images.


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Hochschule für angewandten Antisemitismus August 7, 2016 | 10:00 am

Die Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst in Hildesheim (Foto lizenziert unter CC-BY-SA 3.0 über Wikimedia Commons)

An einer deutschen Fachhochschule konnte eine Dozentin in ihrem Seminar seit zehn Jahren ungehindert ein antisemitisches Weltbild verbreiten. Nun gelangte dieser Skandal an die Öffentlichkeit. Die Bildungseinrichtung fühlt sich gleichwohl zu Unrecht kritisiert und sieht sich als Opfer.

Der Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst (HAWK) – eine staatliche Fachhochschule in Niedersachsen mit den Standorten Hildesheim, Holzminden und Göttingen, an der zurzeit rund 6.000 Studentinnen und Studenten eingeschrieben sind – schlägt seit zwei Wochen vernehmliche Kritik entgegen. Der Grund dafür ist ein Seminar der Dozentin Ibtissam Köhler, das den Titel »Soziale Lage der Jugendlichen in Palästina« trägt. Es wird bereits seit zehn Jahren an der HAWK angeboten, erfährt aber erst jetzt öffentliches Interesse, genauer gesagt: seit einem Beitrag, der unlängst in der Jüdischen Allgemeinen erschien. Darin berichtete der Autor Hans-Ulrich Dillmann über die Lehrveranstaltung und ihre Ausrichtung. Dillmann hatte erfahren, dass die promovierte Religionspädagogin Rebecca Seidler die Anfrage für einen Lehrauftrag im Wintersemester 2015/16 zur jüdischen sozialen Arbeit in Deutschland und Israel an der HAWK abgelehnt hatte, weil Köhlers Seminar – das als Modul gemeinsam mit Seidlers geplanter Veranstaltung angeboten werden sollte – aus ihrer Sicht einen völlig einseitigen, extrem israelfeindlichen Inhalt hat und sich dabei vielfach auf untaugliche und unseriöse, teilweise sogar obskure Quellen stützt. Die Kritik von Seidler hatte die zuständige Dekanin zunächst ignoriert, wie Dillmann schrieb, und später als »persönliche Empfindlichkeit« abgetan.

Jan Riebe dagegen, wissenschaftlicher Mitarbeiter der Berliner Amadeu Antonio Stiftung, kam zum gleichen Urteil wie Seidler: Das Seminarmaterial stelle »die Politik Israels in einer einseitigen, teils delegitimierenden bis antisemitischen Betrachtungsweise« dar, den Studenten werde so »ein zutiefst antiisraelisches, in Teilen sogar antisemitisches Weltbild vermittelt«, schrieb er der Jüdischen Allgemeinen zufolge in einem Gutachten. Die Veranstaltung sei deshalb »unvereinbar mit den demokratischen Grundsätzen einer Hochschule«. Auch der Zentralrat der Juden in Deutschland erhob Einspruch; sein Präsident Josef Schuster bat die niedersächsische Wissenschaftsministerin, Gabriele Heinen-Kljajic, in einem Schreiben darum, dass »ein derartiges Seminar nicht mehr in ihrem Zuständigkeitsbereich angeboten wird«. Die Hochschule selbst dagegen konnte die Kritik nicht nachvollziehen und fühlte sich »angeschwärzt«. Sie verwies auf ihre hauseigene Ethikkommission, die »keinen Anhaltspunkt« dafür sehe, dass in Köhlers Seminar »antiisraelische oder antisemitische Inhalte in unzulässiger Weise propagiert werden«. Ob sie der Ansicht ist, dass Antisemitismus und Israelhass auch in einer zulässigen Weise propagiert werden können, blieb offen.

Seit Ende Juli zieht die Angelegenheit Kreise: Der NDR berichtete darüber, die Bild‑Zeitung ebenfalls. Auch die Jerusalem Post nahm sich der Sache an und zitierte unter anderem den Sprecher des israelischen Außenministeriums, Emmanuel Nahshon, der ausführte, die HAWK sei »keine Hochschule, sondern eine Hassfabrik«. Die niedersächsische Wissenschaftsministerin versicherte, die Kritik an der HAWK »sehr ernst« zu nehmen, und beschloss, einen weiteren Gutachter mit der Prüfung des Seminars zu beauftragen. Die Hochschule begrüßte in einer Presseerklärung diesen Schritt, ihre Präsidentin Christiane Dienel blieb gleichwohl bei ihrer Auffassung, dass »der Vorwurf des Antisemitismus in höchstem Maße ungerechtfertigt« ist. Sie sei »traurig und betroffen, in welchem falschen Licht unsere Hochschule öffentlich dargestellt wird«, und davon überzeugt, dass »mit moralischem Druck und dem völlig unberechtigten Vorwurf des Antisemitismus erzwungen werden [soll], dass den Kritikern nicht genehme Inhalte an unserer Hochschule verbannt werden«. Dienel berief sich auf »Meinungspluralität« und die »Freiheit der Lehre« und beteuerte: »Die kritisierten Quellen dienen im Seminar als Material zur kritischen Auseinandersetzung, sie sind selbstverständlich nicht Auffassung der Dozentin oder der Hochschule.«

Antiisraelisches Pamphlet als Lehrplan

Ein genauerer Blick in die Unterlagen – die Lizas Welt vollständig vorliegen – lässt die Einschätzungen der HAWK und ihrer Präsidentin allerdings als unhaltbar erscheinen. Schon im von Ibtissam Köhler verfassten Seminarplan, in dem die Lehr- und Lernziele vorgestellt werden, wird das Ansinnen der Dozentin überdeutlich. So heißt es beispielsweise zum Thema der dritten Sitzung, »Die Wurzel des Konflikts und die Gründung des Staates Israel 1948«: Beim Beschluss der Vereinten Nationen im November 1947, das britische Mandatsgebiet Palästina in einen jüdischen und einen arabischen Staat zu teilen, sei das »Recht auf Selbstbestimmung achtlos beiseitegeschoben« worden. Der »einseitige Teilungsplan der Uno« habe schließlich den arabisch-israelischen Krieg ausgelöst. Köhler offenbart bereits hier eine eigenwillige Sicht auf die historischen Tatsachen. Denn zum einen wurde das »Recht auf Selbstbestimmung« durch die Entscheidung, zwei Staaten zu gründen, ja gerade beiden Seiten ausdrücklich zugesprochen. Zum anderen wurde der Krieg nicht durch den Teilungsplan ausgelöst, sondern vielmehr durch den Angriff der arabischen Staaten auf den jüdischen Staat bereits am Tag nach dessen – von der Uno ja ausdrücklich legitimierten – Proklamation.

Auch in den Ankündigungstexten zu den anderen Seminarsitzungen versucht Ibtissam Köhler gar nicht erst, den Anschein wissenschaftlicher Unvoreingenommenheit zu erwecken. Gegen jede Evidenz unterstellt sie etwa eine »systematische Vertreibung von einer Dreiviertel Million Palästinenser« und behauptet, die Palästinenser würden »wie Abfall behandelt« sowie von Israel »mit Demütigung, Repressalien, Kollektivstrafen, Willkür, Verachtung« überzogen. An den israelischen Checkpoints im Westjordanland würden »selbst Alte, Kranke, Studenten, Geistliche stundenlang zurückgehalten und gedemütigt«, »Todkranke (z.B. Dialysepatienten)« würden »nicht rechtzeitig behandelt« und stürben, Kinder würden »am Straßenrand geboren« und verendeten dort. Der Sicherheitszaun – der vom jüdischen Staat nach zahllosen Selbstmordattentaten im Zuge der zweiten »Intifada« errichtet wurde – sei eine »Schandmauer«, ein »Instrument der [israelischen] Regierung, um Palästinenser zu enteignen« und ein »Instrument des Terrors, das als Verteidigung gegen den Terrorismus getarnt ist«. Israel sei eine »entmenschlichte Gesellschaft«. Dieses hochgradig ideologische Vokabular zieht sich durch den gesamten Seminarplan, der nichts anderes ist als ein wüstes Pamphlet, in dem Israel vehement dämonisiert und delegitimiert wird.

Hochschule sieht sich in der Opferrolle

Entsprechend sehen auch die Quellen aus, die nach Ansicht der HAWK-Präsidentin »im Seminar als Material zur kritischen Auseinandersetzung« dienen sollen. Sie tragen Titel wie »40 Jahre Entrechtung, Landraub, Vertreibung«, »Folteropfer in israelischen Gefängnissen«, »Apartheid im Heiligen Land«, »Bürger dritter Klasse«, »Ethnische Säuberung« oder »Palästinensische Kollaborateure im Dienste Israels«. In der »Geschichte eines Selbstmordattentäters« wird die Tat eines Palästinensers, der sich im Mai 2002 in einem Café in Tel Aviv in die Luft sprengte und dabei zwei Israelis tötete sowie mehr als 50 verletzte, in ein äußerst mildes Licht getaucht. Auch die deutsche Übersetzung einer 2009 in der schwedischen Zeitung Aftonbladet erschienenen Räuberpistole über den angeblichen Organraub durch israelische Soldaten gehört zu den von Ibtissam Köhler bereitgestellten Lehrmaterialien. Bei den Texten handelt es sich nahezu durchweg um antiisraelische und antijüdische Propaganda – und dass diese »selbstverständlich nicht die Auffassung der Dozentin« widerspiegelt, wie die HAWK-Präsidentin Dienel glaubt, darf man getrost bezweifeln.

Wenn Christiane Dienel nun behauptet, Antisemitismus habe »an unserer Hochschule keinen Platz«, dann ist das ebenfalls schlichtweg falsch. In den vergangenen zehn Jahren durfte die Dozentin Ibtissam Köhler dort jedenfalls ungehindert ihr israel- und judenfeindliches Weltbild ausbreiten und als Wissenschaft ausgeben – offenbar ist es das, was an der HAWK unter »Freiheit der Lehre« verstanden wird. Die Kritik, die deshalb von Rebecca Seidler, der Amadeo Antonio Stiftung und dem Zentralrat der Juden geäußert wurde, ist also nur allzu berechtigt. In einer weiteren Pressemitteilung hat die HAWK jetzt angekündigt, im kommenden Wintersemester »ein neues Lehrformat zum Thema ›Nahost-Konflikt und Soziale Arbeit‹« anzubieten. Das Seminar von Ibtissam Köhler wird demnach nicht mehr stattfinden. Eine Selbstkritik sucht man in der Erklärung allerdings vergeblich, vielmehr verweist die Studiendekanin Anna Friedrich »auf Drohungen aus unterschiedlichsten Quellen«, derentwegen »für die Lehrenden und Studierenden kein sicheres und vertrauensvolles Lehrumfeld gewährleistet werden« könne. Schon vorher hatte die Hochschulpräsidentin Dienel darüber geklagt, »Kolleginnen und Kollegen und auch ich selbst« würden »massiv beschimpft und bedroht«. Die HAWK sieht sich also in der Opferrolle und ist sich keiner Schuld bewusst.

Neues Lehrformat, alter Inhalt?

Mehr noch: Sie verdreht die Tatsachen. Dienel wirft den Kritikern vor, einfach zu ignorieren, dass Köhlers Seminar »nur in Kombination mit einem Seminar aus israelischer Sicht belegt werden kann«, also als Modul. Doch wie Alan Posener auf Welt Online berichtet, stellt sich die Sachlage genau umgekehrt dar. Demnach hat die HAWK im Jahr 2006 festgelegt, dass das ursprünglich als Einzelveranstaltung angebotene Seminar »Jüdisches Leben in Deutschland und Israel« nur noch zusammen mit Köhlers antiisraelischer Veranstaltung gebucht werden darf. Anscheinend war es »einigen Leuten zu israelfreundlich«, so Posener, der resümiert: »Diese Zensurmaßnahme nun als Ausweis des Liberalismus hinzustellen und überhaupt so zu tun, als gäbe es nun einmal eine ›palästinensische‹ und eine ›israelische‹ Sichtweise, bei der es legitim sei, dem jüdischen Staat jede denkbare Unmenschlichkeit vorzuwerfen – das ist ja Teil des Problems, nicht der Lösung.«

Und dass an der HAWK künftig ein »neues Lehrformat« zu dieser Thematik angeboten werden soll, macht die Sache auch nicht zwangsläufig besser. Denn wie Alan Posener herausgefunden hat, wird das Seminar »umbenannt, damit Titel und Inhalt nicht mehr auseinanderfallen: ›Israel und Palästina: Historische Hintergründe‹ heißt es jetzt«. Neuer Dozent sei der »im Libanon geborene Rabih El-Dick, der bisher nicht als Experte auf diesem Gebiet hervorgetreten ist«. Ein Thema des Seminars kündige er unter dem Titel »PLO und Hamas – vom nationalen zum religiösen Widerstand« an. Dass El-Dick den Terrorismus insbesondere der antisemitischen Hamas, die sich in ihrer Charta bekanntlich die Vernichtung Israels und der Juden zum Ziel gesetzt hat, als »Widerstand« bezeichnet und damit legitimiert, legt die Vermutung nahe, dass sich die von ihm vermittelten Inhalte im Kern nicht von denen unterscheiden werden, die seine Vorgängerin propagiert hat. Die HAWK scheint also eine Hochschule für angewandten Antisemitismus zu bleiben.

Zuerst veröffentlicht auf MENA-Watch.

Zum Foto: Die Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst in Hildesheim (Bild lizenziert unter CC-BY-SA 3.0 über Wikimedia Commons).


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„Heimat“ ist auch keine Alternative August 4, 2016 | 09:52 am

Nachbetrachtungen zu einer Demonstration gegen den „Tag der Heimattreue“

von Ruth Birkle, Bündnis90/Die Grünen Bruchsal

Im Jahr 2015 war Bruchsal dazu auserkoren, das Landesfest im Südwesten, die „Heimattage Baden-Württemberg“ auszurichten. Während nun das ganze Jahr über in zahlreichen Veranstaltungen, Reden und Kommentaren mit staatsoffiziellem Segen die „Heimat“ abgefeiert wurde, nutzte die Partei Die Rechte die Gunst der Stunde und kündigte an, einen „Tag der Heimattreue“ ins Leben zu rufen, der „als überparteilicher Zusammenschluss volkstreuer Kräfte … die Grenzen der Parteien und anderer Organisationsstrukturen verwischen“ solle. Gemeinsam wolle man „gegen die Zerstörung unseres Volkes auf die Straße gehen und die Missstände offen anprangern, die unser Volk derzeit an den Rand seiner Existenz drängen.“

Wie angekündigt fand dieser Tag am 19. März 2016 auch tatsächlich statt. Aufgerufen wurde allerdings von Parteien und Organisationen, bei denen Grenzen zu verwischen kaum nötig war: Die Rechte, NPD, Der III. Weg und die (inzwischen aufgelösten) Freien Nationalisten Kraichgau. Die Rechte hatte kurz davor im Landtagswahlkampf noch gedroht: „Wir hängen nicht nur Plakate!“

Zwar mobilisierte erfreulicherweise schon im Vorjahr ein breites „Bündnis für Menschlichkeit“ dagegen. Und auch während der offiziellen „Heimattage“ wurden immerhin unterschiedlichste Konzepte zum Thema Heimat diskutiert, so dass am Ende wenigstens unklar blieb, was denn nun „Heimat“ eigentlich sein könnte. Aber klar ist auch: Mit „Heimat“ wurden schon immer identitäre Bedürfnisse bedient – und das bei weitem nicht nur rechtsaußen. Wenn der Boden in Psyche und Gesellschaft wackelt, wenn das Leben nicht das bietet, was die Menschen sich eigentlich wünschen, wenn Ausbeutung, Lohndumping, soziale Missstände, Zukunftsängste und Ressentiments das Leben bestimmen, dann wird vielen das Stückchen Erde, auf dem sie leben, zu Halt und Ersatz: Sie verklären es und reden es schön. Doch „Heimat“ wird nicht nur zum falschen Heilsversprechen für diejenigen, „die dazugehören“. Sie wird vor allem zu einem sehr unangenehmen Ort für alle, die „nicht dazugehören“ sollen. Sie wird zu einem Ort, den es – koste es, was es wolle – mit Mord und Gewalt gegen „die anderen“ zu verteidigen gilt.

Spätestens in Krisen, wie wir sie jetzt haben und wie sie zwangsweise in unserer Wirtschaftsform immer wieder kommen müssen, sehnen sich viele nach einem einfachen Ausweg, nach einer Lösung und einer Identität, die Halt und Schutz verspricht. Auf der Suche nach den Ursachen der Misere werden dementsprechend weder die inhumane Logik der Kapitalverwertung noch ein autoritäres Krisenregime oder eine unmenschliche Austeritätspolitik thematisiert. Es wird stattdessen ganz banal nach Sündenböcken gesucht. Aktuell sind das in besonderem Maße die Flüchtlinge, die angeblich Heimat, Tradition und Kultur zerstören.

So einfach und simpel wie die „Analyse“ ist dann auch die vorgeschlagene „Lösung“: Von der Politik wird gefordert, den geflohenen Menschen „das eigene Volk“, „die eigene Nation“ vorzuziehen, Grenzen zu schließen und Mauern hochzuziehen. Der Ruf danach wird in Deutschland, in ganz Europa und überall auf der Welt immer lauter. Nationalismus, Faschismus und religiöser Fanatismus bieten sich in unterschiedlichsten Facetten als Alternative an gegen Austeritätspolitik, kapitalistische Zumutungen, Verelendung und Ausbeutung, gegen die Konkurrenz auf dem Weltmarkt. Die Rettung wird in vermeintlichen Wohlfühlgemeinschaften wie Familie, Patriachat, Volk, Religion und Heimat, in Umma und Gottesherrschaft gesucht. Das beruht überall auf der Welt auf einem reaktionären Ressentiment gegen Aufklärung und Moderne, das sich über die Folgen des Kapitalismus empört, ohne ihn verstanden zu haben und das am Ende zur konsequenten Zerstörung auch der eigenen Welt führen muss – egal was die Versprechen jetzt auch sein mögen.

Doch die Zustände, an denen viele verzweifeln, fallen nicht vom Himmel, sondern sind Ergebnisse unserer eigenen kapitalistischen Vergesellschaftung, von Menschen gemacht. Das kapitalistische System aber hat zwar einen unglaublichen Reichtum hervorgebracht, der an vielen Punkten das Leben erleichtert und überhaupt erst ermöglicht. Aber es hat auch zwei hochproblematische Seiten: Erstens hat es Ausbeutung und Zerstörung zwingend im Schlepptau und das weltweit, sowohl in den Zentren als auch in der Peripherie. Und zweitens handelt es sich um ein komplexes System, dessen innere Logik nicht einfach zu durchschauen ist und das deswegen immer wieder die wahnhafte Vorstellung von einigen bösen Menschen hervorbringt, die angeblich „an allem Schuld“ sind und den Wunsch nach simplen Lösungen geradezu magisch befördert.

Nicht Schönreden einer „Heimat“ ist hier angesagt, sondern wie bei allen anderen Themen: Wichtig sind Analyse, Kritik und Position. Ohne Kritik an den bestehenden Verhältnissen, ohne Kritik an Patriarchat und Religion, an Tradition und Kultur, an Volk und Gemeinschaft und ohne Positionierung kann den stärker werdenden Kräften, die auf Faschismus und Nationalismus setzen, nichts entgegen gesetzt werden. Es reicht nicht, selbst zu wissen, dass Nationalismus und Faschismus/Islamismus keine Alternativen sind. Wir müssen auch wissen, dass der Traum von Umma und Gemeinschaft auch vom Versprechen von Aufgehobensein und von der Suche nach Glück lebt. Wir können uns nicht darum herumdrücken, Wege aus dem Elend zu suchen. Globale Solidarität mit denen, die heute weltweit gegen faschistische und islamistische Banden kämpfen, gehört dazu.

Es wird auch nichts nützen, einem Stückchen Land die Treue zu schwören. Glück nur an einem Ort für wenige ist ständig bedroht, unvollständig und zerbrechlich, damit auch für die vermeintlich Glücklichen permanent anstrengend und zutiefst traurig. Glück gibt es wie alles, was dazu gehört, uneingeschränkt nur für alle: Frieden und Freiheit, Gleichheit und Demokratie sind unteilbar.

Die Debatte ist eröffnet: Mit welcher Analyse und Kritik machen wir weiter? Wie werden wir den nächsten Aufmärschen von Nationalist*innen begegnen? Und wie den anderen – den religiösen – Identitären, die „Heimat“ im jenseitigen Paradies suchen und wo wir genau wissen: Eine autokratische, religiöse Diktatur ist auch keine Lösung?

 

»Breaking the Silence«: Propaganda statt Aufklärung August 3, 2016 | 08:00 am

Yehuda Shaul (rechts), einer der führenden Köpfe von »Breaking the Silence«, erklärt, was er für Kriegsverbrechen der israelischen Armee hält (Screenshot aus dem Filmbeitrag von »HaMakor«)

Mithilfe aufsehenerregender, aber anonymer Berichte von Soldaten versucht die israelische Nichtregierungsorganisation Breaking the Silence seit Jahren, der israelischen Armee allerlei Missetaten bis hin zu Kriegsverbrechen nachzuweisen. Nun erschüttert ein Fernsehfilm das höchste Gut dieser vor allem aus Europa finanzierten Organisation: ihre Glaubwürdigkeit. Denn viele der Zeugenaussagen sind entweder nachweislich falsch oder lassen sich nicht verifizieren.

Zu den in Westeuropa bekanntesten israelischen Nichtregierungsorganisationen gehört zweifellos Breaking the Silence (BtS, zu Deutsch: »Das Schweigen brechen«), eine vor zwölf Jahren gegründete Vereinigung von Veteranen der israelischen Armee. Deren Anspruch ist es nach eigenen Angaben vor allem, »gegenüber der israelischen Öffentlichkeit aufzudecken, wie die Realität des alltäglichen Lebens in den besetzten [palästinensischen] Gebieten aussieht« – mit dem Ziel, »die Besatzung zu einem Ende zu bringen«. Zu diesem Zweck geht BtS beispielsweise mit Vorträgen und Wanderausstellungen auf Tour, in denen Berichte und Fotos israelischer Soldaten dokumentiert werden, die zeigen sollen, wie brutal, ja unmenschlich sich die israelischen Verteidigungsstreitkräfte gegenüber den Palästinensern verhalten. So etwas kommt vor allem bei den europäischen »Israelkritikern« gut an, die immer auf der Suche nach Kronzeugen für ihre Anklage gegen den jüdischen Staat sind.

In Israel gibt es schon länger Kritik an Breaking the Silence, nicht zuletzt deshalb, weil die Organisation sich beharrlich weigert, ihre Quellen offenzulegen. Die Äußerungen der Soldaten sind anonymisiert – um die Urheber nicht zu gefährden, wie BtS argumentiert. Anders sei es schlichtweg nicht möglich, an Aussagen zu kommen. Die Vereinigung beansprucht dabei das gleiche Recht auf Informantenschutz, wie es Journalisten zusteht. Allerdings ist sie gar nicht journalistisch tätig, sondern als politische Vereinigung aktiv. Hinzu kommt, dass israelische Behörden die Vorwürfe und Anschuldigungen von BtS nicht überprüfen können, wenn die Quellen anonym bleiben. Ein Gericht in Petah Tikva besteht deshalb darauf, die Identität eines Zeugen zu erfahren, der die Armee in einem BtS-Bericht beschuldigt, während der »Operation Protective Edge« im Gazastreifen vor zwei Jahren Kriegsverbrechen begangen zu haben.

Teilweise falsche und nicht belegte Zeugenaussagen

Ein ausführlicher Beitrag in der israelischen Fernsehsendung HaMakor (»Die Quelle«), zu dem es in der Times of Israel eine längere Zusammenfassung gibt, erschüttert nun das höchste Gut, über das Breaking the Silence verfügt, nämlich die Glaubwürdigkeit – und das, obwohl die Autoren des Films mit dieser Organisation sympathisieren und daraus auch keinen Hehl machen. Wohl nicht zuletzt deshalb hatten sie ausnahmsweise Zugang zum Allerheiligsten von BtS bekommen, nämlich zu den Quellen. Zehn davon durften die Reporter nach dem Zufallsprinzip auswählen und überprüfen. Was sie herausfanden, wird in dem siebzigminütigen TV-Beitrag dargelegt – und ist für die Gruppierung ein schwerer Schlag: Zwei Zeugenaussagen erwiesen sich als rundweg falsch, zwei weitere stimmten nur teilweise – es fehlten entscheidende Details, zudem enthielten sie Übertreibungen oder irreführende Titel. Weitere vier Stellungnahmen konnten nicht verifiziert werden, obwohl HaMakor mit den Urhebern gesprochen hatte. Lediglich zwei Aussagen waren wahr und nicht irreführend.

Hinnehmen muss Breaking the Silence auch, dass sich die Behauptung der Vereinigung, es sei noch nie eine der von ihr vorgelegten Zeugenaussagen konkret bestritten worden, als unhaltbar erwiesen hat. Denn eine der zehn überprüften Stellungnahmen stammte vom PR-Koordinator der Gruppe, Nadav Weiman. Er hatte ausgesagt, im Zuge eines Einsatzes der israelischen Armee im Westjordanland Zeuge geworden zu sein, wie sein Zugführer Dor Hadad eine palästinensische Familie während einer Hausräumung in deren eigenem Badezimmer einsperren ließ. Dem widersprach Hadad allerdings entschieden: »Das hat mit der Wirklichkeit rein gar nichts zu tun. Es gibt einen festen Grundsatz, nach dem wir wirklich niemals eine Familie in ein Badezimmer stecken würden.«

Falsch ist dem Beitrag von HaMakor zufolge auch, dass jeder Vorfall, über den Breaking the Silence berichtet, zuvor von wenigstens zwei Zeugen unabhängig voneinander bestätigt worden ist. In mehreren der überprüften Aussagen konnten die Reporter jedenfalls keine solche Bestätigung finden. Raviv Drucker, ein linker Journalist und Mitbegründer von HaMakor, zeigte sich in dem Filmbeitrag dann auch enttäuscht vom dürftigen Niveau der Untersuchungen von BtS. Die Chefin von Breaking the Silence, Yuli Novak, rechtfertigte sich: »Wir sind keine Ermittlungsbehörde und behaupten auch nicht, eine zu sein«, sagte er. Wenn man allerdings bedenkt, dass die Berichte von BtS mit der Zustimmung dieser Organisation von vielen internationalen Untersuchungsinstanzen verwendet werden – beispielsweise von den Vereinten Nationen für den Goldstone- und den Schabas-Bericht –, dann mutet diese Äußerung doch reichlich fragwürdig an.

Üppige Finanzierung aus Europa

Kaum hinterfragt worden ist bislang zudem, warum Breaking the Silence entgegen dem eigenen Anspruch, den israelischen Diskurs zu beeinflussen, in erheblichem Maße außerhalb des Landes unterwegs und aktiv ist. »Weil die israelische Besatzung keine interne israelische Angelegenheit ist«, sagt BtS dazu. Tatsache ist allerdings auch, dass zwei der vier Gründer die Gruppe nur wenige Monate nach deren Entstehung im Jahr 2004 wieder verließen – ihnen gefiel die Hinwendung zu einem nichtisraelischen Publikum nicht. »Wenn man im Ausland spricht, geht das mit Geld von dort einher«, sagte einer von ihnen zu den Reportern von HaMakor. Es gebe einen Zusammenhang zwischen den internationalen Aktivitäten von BtS und den steigenden Einnahmen – und damit auch eine Abhängigkeit von den Finanziers.

Dieser Zusammenhang lässt sich in Zahlen ausdrücken: Laut NGO Monitor – diese Organisation wertet die Daten der zuständigen israelischen Registrierungsstelle für Non-Profit-Organisationen regelmäßig aus – stammen 65 Prozent der Zuwendungen, die Breaking the Silence zwischen 2012 und 2014 erhalten hat, aus Europa, das heißt, von europäischen Regierungen oder von Organisationen, die mindestens teilweise vom Staat finanziert werden. Zwischen 2012 und 2015 überwies beispielsweise die Europäische Union zusammengerechnet rund 270.000 Euro an BtS, von der norwegischen Regierung gab es in diesem Zeitraum etwa 130.000 Euro, vom deutschen katholischen Hilfswerk Misereor 225.000 Euro. Für ein Projekt mit dem bodenlosen Titel »Erziehung zum Wechsel: Menschenrechtserziehung in der israelischen Gesellschaft«, das von 2015 bis 2017 laufen soll, hat die EU zudem weitere 236.000 Euro bewilligt. Insgesamt belaufen sich die Einnahmen, die Breaking the Silence zwischen 2012 und 2016 auf direktem oder indirektem Weg von ausländischen Regierungen erhalten hat, auf über 1,5 Millionen Euro.

Mitschuldig an Abbas‘ Lüge vor dem EU-Parlament

Mit diesen üppigen Geldern wird eine Organisation finanziert, der es keineswegs nur um eine Kritik der israelischen Politik gegenüber den Palästinensern zu tun ist, sondern die den jüdischen Staat dämonisiert und dabei nicht nur zweifelhafte Zeugenaussagen präsentiert, sondern selbst vor mancher Räuberpistole nicht zurückschreckt. So behauptete beispielsweise Yehuda Shaul, einer der führenden Köpfe von BtS, dass Siedler das Trinkwasser einer palästinensischen Ortschaft im Westjordanland mit Kadavern von Hühnern vergiftet hätten, weshalb die Bevölkerung für mehrere Jahre evakuiert worden sei und erst kürzlich habe zurückkehren können. An der Geschichte stimmt nachweislich nichts, was arabische und palästinensische Medien allerdings nicht davon abhielt, sie aufzugreifen und zu verbreiteten. Das palästinensische Außenministerium entwickelte sie sogar weiter und behauptete im Juni dieses Jahres in einem Kommuniqué, es gebe einen Rabbi namens Shlomo Melamed, der dem Rat der Rabbiner im Westjordanland vorstehe und den Siedlern die Erlaubnis gegeben habe, das palästinensische Trinkwasser zu vergiften.

Das wiederum nahm Mahmud Abbas zum Anlass, zu sagen: »Bestimmte Rabbis in Israel haben ihre Regierung sehr klar dazu aufgefordert, unser Wasser zu vergiften, um Palästinenser zu töten. Ist das nicht eine eindeutige Anstiftung zum Massenmord gegen das palästinensische Volk?« Diese Sätze – mit denen er die alte antisemitische Legende von den brunnenvergiftenden Juden wiederkäute – sprach der Präsident der Palästinensischen Autonomiebehörde Ende Juni vor dem Europäischen Parlament. Dafür erntete er von den Abgeordneten nicht etwa deutliche Kritik, sondern im Gegenteil viel Applaus. Mehr noch: Der Präsident des EU-Parlaments, Martin Schulz, twitterte anschließend sogar, er habe Abbas‘ Ansprache »inspiring« gefunden, also »anregend«. Breaking the Silence bestritt zwar, an der Lüge beteiligt gewesen zu sein. Doch wenn man bedenkt, wie sie zustande gekommen ist, kann man die Organisation vom Vorwurf der Mitschuld nicht freisprechen.

In seinem Beitrag für die Times of Israel über den HaMakor-Film schreibt Matan Katzman, Breaking the Silence müsse dringend an seinen Untersuchungen und seiner Glaubwürdigkeit arbeiten, wenn die Öffentlichkeit die von dieser Vereinigung vorgelegten Zeugenaussagen und Berichte ernst nehmen solle. »Bis es so weit ist, sollten die Veröffentlichungen von BtS als das bezeichnet werden, was sie sind: Propaganda.« Dass auch die »Israelkritiker« in Europa zu dieser Einsicht gelangen – und dass es Konsequenzen hinsichtlich der Finanzierung aus Europa gibt –, darf man gleichwohl bezweifeln. Und das, obwohl die Beweislage seit dem Filmbeitrag von HaMakor eindeutiger ist denn je.

Zuerst veröffentlicht auf MENA-Watch.

Zum Foto: Yehuda Shaul (rechts), einer der führenden Köpfe von Breaking the Silence, erklärt, was er für Kriegsverbrechen der israelischen Armee hält (Screenshot aus dem Filmbeitrag von HaMakor).


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01-08-2016Laptop zu, denn: “Arbeit ist scheiße und ihr… July 31, 2016 | 11:29 pm



01-08-2016
Laptop zu, denn: “Arbeit ist scheiße und ihr seid die Beweise” - Über und gegen Arbeit 4.0.

70 Hippies gegen die Amerikanisierung des Abendlandes July 31, 2016 | 03:37 pm

In Kassel hat ein sogenannter „2. Wandertag der Liebe“ stattgefunden, dem immerhin knapp hundert Leute folgten. Hört sich harmlos und hippieesk an. Im Aufruf zu diesem Wandertag heißt es u.a.: „Ich möchte daran erinnern das die Länder des nahen Ostens seit Jahrzehnten mit Terror zu kämpfen haben. Wir alle haben weggeschaut!“ Der, der hier in Ichform so schreibt, heißt Christian Gherhard und hat im September 2014 im „Freizeitmagazin“ Browser 24.de verlauten lassen, dass ihn die Politik der USA, Israels und ganz besonders Deutschlands zum Weinen bringe. Deutschland solle aus seinen Fehlern lernen und nicht noch einen Genozid unterstützen, der gerade in Palästina stattfände. Wir haben es also mit jemanden zu tun, der aus der Aufarbeitung der Geschichte gelernt hat, dass im Namen Deutschlands ein Holocaust stattgefunden habe, den Deutschland irgendwie unterstützt hat und dass die Juden nichts aus dem Holocaust gelernt hätten und ihn deswegen heute gegen die Palästinenser durchführten.

Weiter heißt es im aktuellen Aufruf: „Erst jetzt fangen wir langsam an zu begreifen was das heisst. Aufgrund wirtschaftlicher Interessen haben wir ganze Länder zerstört, terrorisiert und gespalten. Wir haben mit Waffenlieferungen dazu beigetragen das hundertausende, wenn nicht sogar Millionen Menschen Haus und Heimat verloren haben. …  Mittlerweile kann man sagen das diese Menschen ihre Verluste dem Kapitalismus zu verdanken haben …,“ Er sagt wir und meint damit nicht etwa z.B. Assad, der Syrien mit russischer und iranischer Hilfe in Schutt und Asche legt und dem „wir“, d.h. die EU, die NATO oder die USA dabei tatenlos zuschauen. Er meint auch nicht den Islam, mit dem „wir“, d.h. die Bundesregierung, oder die Stadt Kassel Dialoge führt, anstatt ihn politisch zu bekämpfen und der die Legitimation der vielen islamistischen Terroristen liefert, die vor allem in Syrien, im Irak, in Libyen, in Afghanistan aber auch in anderen Ländern Chaos, Verzweiflung und Tod über die Menschen bringen. Er meint aber auch nicht den Kapitalismus, der als herrschendes Akkumulationsmodell und in der Form als Kapital, als eine, die Gesellschaften – in der wir Bestandteile sind – beherrschende Struktur, Elend und Verzweiflung hervorbringt, sondern er meint Amerika, den Dollar und „giftige Medizin“ und unausgesprochen die Zionisten, die die Menschen dazu zwingen, dem „Erhalt des Dollars Tribut zollen“ zu müssen.

Die Parolen dieses Wandertages hießen dann auch: „Fuck off Amerika, Fuck off Dollar, Fuck off Lobbyismus!“ und „Gegen die Amerikanisierung des Abendlandes

Bleibt die Hoffnung, dass die, die ihm folgen, auch gute Kunden seines aktuellen Buisiness sind und so bekifft sein werden, dass sie nicht noch mal ihren Arsch hoch bekommen, wenn es das nächste mal – in Anlehnung eines Herausgebers einer linken Publikumszeitschrift – heißen wird: Dass das an der Ostküste beheimatete Finanzjudentum mit den von ihm verursachten Flüchtlingsströmen den Untergang Deutschlands betreibe. (jd)


Antisemitismus, die unerwünschte Meinung der Schmuddelpolitiker July 26, 2016 | 09:35 pm

Offener Judenhass, unverklausulierte Projektionen auf den Zentralrat der Juden als das, das deutsche Volk eigentlich beherrschende Organ, die Leugnung oder Verharmlosung des Holocaust, skurrile Verschwörungstheorien, der offen terroristische Jihad, all das sind Formen des Antisemitismus, die in Deutschland gesellschaftlich nicht erwünscht sind, ggf. sanktioniert werden oder auf einhellige Ablehnung stoßen. Das ist gut so, das ist eine zu begrüßende Konsequenz aus einem Gott sei dank verlorenen Krieg. Einem Krieg in dem sich die deutsche Volksgemeinschaft anschickte, die Welt in den Abgrund zu stürzen und die Juden in Europa auszurotten. Der teuer erkaufte Sieg der Alliierten sorgt bis heute für eine gewisse zivilisatorisch wirkende Disziplinierung der postnazistischen Gesellschaft. Diese hält den Deckel über einen braunen Urgrund, in dem das Unterbewusstsein der deutschen Volksseele fortwest und gelegentlich in Rülpsern alternder Dichter, unterbelichteter Provinzpolitiker, ehemaliger Maoisten und anderer unbotmäßiger Zeitgenossen zum Ausdruck kommt.

AfD beschädigt

Die Sorgen der HNA am 27.07.16: Eine beschädigte Partei

Zuletzt der bramarbasierende AfD-Politiker Gottfried Klasen aus dem Kasseler Landkreis. Dieser offenbar an geminderter Intelligenz leidende Lokalpolitiker posaunte offen seine antijüdischen Ressentiments und Meinungen in das soziale Netzwerk hinaus. Nordhessische Journalisten griffen dies auf und brachten diese Bemerkungen an die breite Öffentlichkeit. (FR, 22.07.2016: Hessischer AfD-Politiker hetzt gegen Juden) Von FDP, CDU, SPD über die Grünen bis hin zu den Linken (ausgerechnet diese!), alle distanzierten sich von dieser, wie es die HNA so vortrefflich formuliert, „Judenhetze“.

Ähnlich erging es dem Admin der DITIB in Melsungen. Als seine Lehren aus dem Koran ins Deutsche übersetzt wurden und nicht nur die Gemeinde türkischer Muslime verstand, was da zu lesen war, war er nur noch ein Einzeltäter, der Thesen über die Juden ins Netz stellte, von dem sich dann fleißig distanziert wurde.

Antisemitismus unerwünscht! Prima! Roland Freisler und der zwei Tage früher begangene Judenpogrom stehen offensichtlich nicht mehr für das Kassel von heute. Ist nun alles gut?

Nicht immer steht die Einheitsfront der Empörten, deren Empörung mehr über diese selbst aussagt als über die Bedeutung dessen, worüber sie sich empören. Zumindest die HNA und die CDU empörten sich noch über die wiederholten Umtriebe der ebenfalls von keinem gemochten Salafisten in Kassel. Aber hier stießen sie schon auf das Mauern derjenigen, die im Islam lieber einen Partner des Dialoges, als eine zu bekämpfende Ideologie sehen. (Salafisten – Eine Anfrage – Keine Antworten)

Was ist aber mit den Freunden des Irans in der Kasseler Industrie- und Handwerkskammer? Freunde guter Wirtschaftsbeziehungen zu einem Land, dass Israel mit der Vernichtung droht und natürlich auch mit dem aus dem Handel erwirtschafteten Gewinn, nahezu ungehindert von der deutschen Politik, sein dafür notwendiges Atomprogramm fortsetzt.

Was ist mit den Freunden des interreligiösen Dialogs in Kassel? Unter der Schirmherrschaft des Kasseler Oberbürgermeisters trifft sich der Rat der Religionen, mit am Tisch sitzen die DITIB (die Claquere der antisemitischen und islamistischen AKP) und die Milli Görüs (IGMG). Die Milli Görüs, die 2009 eine antiisraelische Hassdemo tatkräftig unterstützte, bei der es zu antisemitischen Ausschreitungen kam.

rat der religionen

Im Rat der Religionen gibt es u.a. sunnitische Gemeinden und Verbände aus Kassel als Mitglieder. Schaut man näher hin, so finden sich dort nicht nur die DITIB gleich in dreifacher Ausfertigung, sondern auch die schamvoll abgekürzte IGMG.

Was ist mit der GEW, einer Einzelgewerkschaft des DGB, eine Interessenvertretungsorganisation von Lehrern (!), die jedes Jahr eine von einem Israelhasser geführte „Bildungsreise“ für Lehrer durchführt? (Israelhass – Ein Bildungsangebot der GEW)

Was ist mit dem DGB, der es nicht fertig bringt, klar und deutlich Stellung gegen Aufrufe zu beziehen, die zum 1. Mai zur Vernichtung Israels aufrufen und sich nicht dazu durchringt, diese Figuren von seinen Demonstrationen und Festen zu verbannen? (Der DGB ist übrigens einer der Unterstützer der Informationsstelle Antisemitismus in Kassel, die fleißig Hakenkreuze in Kassel aufspürt.)

Was ist mit dem auf dem Portal der Stadt Kassel gepriesenen Stolperstein in Kassel e.V., der zwar alles für den Ruf der Stadt tut, indem er der toten Juden gedenkt, dessen Vorsitzender aber gegen Israel demonstriert hat und der bis heute keine Stellung zur antisemitischen Rede eines seiner Mitglieder genommen hat? (Verschiedene Beiträge zu diesem Thema finden sich hier: Stolpersteine)

Was ist von einer Universität zu halten, die zwar eine Franz-Rosenweig-Professur unterhält, die „zur Vergegenwärtigung der durch den Nationalsozialismus zerstörten Kultur des europäischen Judentums und der Auseinandersetzung mit der jüdischen Gegenwart“ dienen soll, aber einen standhaften Antizionisten als Gastprofessor einlädt?

Was ist mit dem Bündnis gegen Rechts, dass bei jedem popeligen Naziaufmarsch versucht, die Stadt dazu zu mobilisieren, Gesicht zu zeigen, wachsam und bunt zu sein, das jedoch Hardcore-Antizionisten und Stalinisten in den eigenen Reihen duldet, beim Aufmarsch der Antisemiten im Jahre 2014 nicht gesehen ward und zum Salafismus eisern schweigt?

Was ist mit einer Partei wie die SPD, die z.B. mit Dr. Rabani Alekuzei immer noch Leute als Vertreter der Partei in die Parlamente entsendet, die zum jährlichen Ostermarsch aufrufen, dort gelegentlich auch reden, um Israel als den Gefährder des Weltfriedens anzuprangern und den Jihad als eine Widerstandsform unterdrückter Völker zu erklären?

Was ist von einer CDU zu halten, die aus Gründen der Opportunität einen Ortsvorsteher wählt, der einer ultrastalinistischen Partei angehört, die auch ganz offen gegen Israel agitiert?

Was ist – trotz einiger hinsichtlich Israelberichterstattung erfreulicher Lichtblicke – von einer Lokalzeitung zu halten, die Meldungen über terroristische Attentate in Israel in der Regel mit „Palästinenser getötet“ überschreibt?

Was ist von einer Stadt zu halten die auf ihrem Portal über das sogenannte Ehrenmal für die Opfer des Faschismus verkündet, dass auch Soldaten und Bombenopfer Opfer des Faschismus seien, „Vernichtete“ sind? Wo behauptet wird, dass denen zu vergeben sei, „die sich von dem ‚Glanz‘ der Nationalsozialisten haben leiten lassen“ und wo mit der faustdicken Lüge aufgewartet wird, viele hätten „erst ‚Erkenntnis‘ erlangt, nachdem der Zweite Weltkrieg beendet war und ihnen die Wahrheit deutlich vor Augen geführt wurde.“

Was ist von einer alternativen Szene zu halten, die jedes Jahr einen Blut-und-Boden-Tag in der Stadt veranstaltet, an dem von Initiativen gegen Handystrahlung bis hin zur Verkäufer*in von Selbstgestricktem alles vertreten ist, was den Verstand an der Biegung des Fulda begraben hat. An der Fulda, an der mit dem Segen der Stadt jeden Sommer der Atombombentag gefeiert wird, um an die Schrecknisse des 2. Weltkrieges zu erinnern – die vom bösen Ami begangen wurden?

Ja all das, Kumpanei mit den schlimmsten Antisemiten, sogenannte Israelkritik, Geschichtsrevisionismus usw. (die schon viel zu lang geratene Reihe ließe sich noch weiter fortsetzten) wird von der sogenannten Meinungsfreiheit gedeckt, das scheint auch so gut zu sein! Genauso gut wie der Umstand es zu sein scheint, dass dem offen antisemitischen Wahn im Sinne des Streites der Meinungen entgegengetreten wird, warum eigentlich? Um – wie es die DIG-Kassel sagt, sich darum zu sorgen, dass der Ruf des Parlaments nicht beschädigt wird, oder sich dem aussichtslosen Unterfangen zu widmen, den Antisemiten davon zu überzeugen, dass er eine unvollständige Meinung hat oder eine falsche Meinung vertritt?

Oder nicht vielleicht doch deswegen, um sich der richtigen Gesinnung zu vergewissern, weil man eine böse Ahnung davon hat, dass es nicht so weit her ist, mit der eigenen guten Gesinnung oder mit einer klaren Haltung der sog. Zivilgesellschaft in Sachen Antisemitismus? Man wird den Eindruck nicht los, dass desto lauter die aufrechten Mahner und Erinnerer, die Freunde des Dialoges und der Versöhnung, die Friedensfreunde und „Freunde“ Israels, die Engagierten und Vertreter der richtigen Gesinnung, die Streiter für den guten Ruf der Stadt über die schmuddeligen Volksgenossen sich erregen, je tiefer sie in den Abgrund ihres eigenen Meinens blicken oder in den, der sich angesichts der Zivilgesellschaft so auftut, wenn sie mal wieder sich gewahr wird, dass es ein Volk ist und nicht das Individuum und die Grundlagen der Zivilisation, die es zu verteidigen gilt.

Die AfD ist keine harmlose Partei, sie zieht Quartalsirre an wie das Licht die Motten. In Polen und in Ungarn bekommt man einen Anschauungsunterricht, was es heißt, wenn solche Kräfte an der Macht beteiligt werden. Die viel gelobte Zivilgesellschaft ist jedoch keine Gewähr dafür, dass wir vor solchen Prozessen verschont bleiben – die Zivilgesellschaft bildet nur das Hintergrundrauschen, solcher Rülpser, die jetzt zu vernehmen waren. (jd)


04.08. Veranstaltung: (Dis)Kontinuitäten – Qudstags-Marsch 2014-2016 July 26, 2016 | 07:52 pm

Die Akteur*innen und Teilnehmenden des Qudstags-Marsches sind auch außerhalb dieses Zeitraums aktiv und fördern den Hass auf Israel, den Westen und das Judentum. Wir wollen uns auch an allen anderen Tage als dem letzten Freitag im Ramadan mit diesen Antisemit*innen auseinanderzusetzen.

Mit der Würde eines Dolphin Man July 25, 2016 | 05:52 pm


Ansbach – die anderen Täter July 25, 2016 | 11:04 am

Der bayrische Innenminister Joachim Herrmann gab nach dem jüngsten Selbstmordattentat in Anbach laut BILD zu Protokoll, „er sei entsetzt, dass der Asylschutz missbraucht werde. „Das ist ungeheuerlich”, dass jemand menschenverachtend Asylrecht missbraucht. Es müsse alles unternommen werden, dass derartiges Verhalten nicht weiter um sich greife.“
Dieser Täter hat nicht das Asylrecht missbraucht, sondern eine ganze Anzahl anderer Rechte gebrochen. Ein Mörder missbraucht nicht das Recht auf einen fairen Prozess oder das Recht auf freie, gleiche Wahlen. Auch ein späterer Terrorist kann ein Recht auf Asyl (gehabt) haben. Es ist aber offenbar bereits jetzt klar, welchen Einfluß der katastrophale Zustand des Asylrechts hatte und wer es tatsächlich systematisch missbrauchte. Der gleiche Innenminister gibt zu Protokoll:
„Der Attentäter ist vor zwei Jahren aus Syrien nach Deutschland gekommen. Sein Asylantrag wurde vor einem Jahr abgelehnt. Seitdem war er geduldet. Er hat schon zwei Mal versucht, sich das Leben zu nehmen. Er war deshalb auch in einer psychiatrischen Klinik untergebracht.“
 

Dass auch psychisch instabile Menschen zwei Jahre in der Duldung gehalten werden, einem Zustand, der für jeden gesunden Menschen schon nervenzerfetzende Folter ist, ist Ergebnis der menschenverachtenden und weltfremden isolationistischen Asylpolitik von CDU/CSU und ihren Komplizen aus der SPD. Hermann sieht offenbar kein Rechtfertigungsbedürfnis für die Ablehnung des Asylantrages eines Syrers. Möglich, dass er dem Regime angehörte, möglich, dass er nicht verfolgt wurde – wieso aber versuchte er dann vorher schon zweimal, sich alleine zu suizidieren, ohne anderen zu schaden? Wie qualifiziert ist das auf Dreiwochenkuren mit Korbflechten und Gruppentherapie abgestellte Gesundheitssystem für komplexe Fälle? Dem Täter nun ausgerechnet „Missbrauch des Asylrechts“ vorzuwerfen ist zu guten Teilen Projektion der eigenen Schuld an der faktischen Abschaffung des Asylrechtes und propagandistische Vorbereitung weiterer Verbrechen an Asylsuchenden, die vor solchem Terror auf Lebenszeit verwundet wurden und fliehen.

 



edit:
http://www.heute.de/ansbach-taeter-sollte-nach-bulgarien-abgeschoben-werden-44537824.html

Der Täter sollte nach Bulgarien abgeschoben werden. Zu den Asylbedingungen in Bulgarien:
https://www.proasyl.de/wp-content/uploads/2015/12/Bulgarien_Broschuere_dt_2015.pdf

Bei klassischen islamistischen Attentaten im Westen wie in Nizza oder Paris sind solche depressiven Dimensionen selten, es dominiert eher die Manie und Ektstase der selbstgerechten Narzissten.  Aus Syrien, Irak, Gaza und Westjordanland sind aber ähnliche Melangen aus echtem Suizid, Depression und Manipulation bis zur Identifikation mit einem Aggressor bekannt, so dass man in der Analyse gar nicht umhin kommt, auch solche Faktorenvielfalt zu benennen, obwohl es dem Attentat noch eine „Verhandlungsposition“ einräumt.

 

Der Beitrag Ansbach – die anderen Täter erschien zuerst auf Nichtidentisches.

25-07-2016Rainer Trampert und Tomasz Konicz über den Zerfall des… July 24, 2016 | 09:37 pm



25-07-2016

Rainer Trampert und Tomasz Konicz über den Zerfall des Deutschen Europas

Terror in München: Wettrüsten der Ideologen July 23, 2016 | 02:16 pm

Das kollektive Aufatmen all jener, die gerne mit dem Kampfbegriff „Islamophobie“ um sich werfen, ist in den aktuellen Stunden allenthalben zu hören. Der Attentäter von München war laut aktuellen Ermittlungen kein Islamist, vielmehr orientierte er sich am Amokläufer der Realschule von Winnenden 2009 und ähnlichen Vorbildern. Er sei sieben Jahre lang gemobbt worden, begründete der 18-jährige Münchner seinen Amoklauf, dem 9 Menschen im Olympia Einkaufszentrum und mindestens 35 weitere Verletzte zum Opfer fielen.

Derlei Barbarei entsteht nicht im luftleeren Raum. Amokläufe entwickeln sich notwendig aus der hiesigen Ordnung heraus. Wer die Menschen bereits in der Schule einem enormen Druck aussetzt und gegeneinander in Stellung bringt, der muss damit leben, dass insbesondere die Abgehängten einen ungeheueren Hass entwicklen können – und Einzelne diesen Hass nicht gegen sich selbst sondern andere richten. Wer also von der Zurichtung im Kapitalismus nicht sprechen will, soll von Amokläufern an deutschen Schulen schweigen. Ebenso sind der rechte Terror des „Nationalsozialistischen Untergrunds“, hunderte Anschläge auf Asylunterkünfte oder das Breivik-Massaker bereits in der rechten Ideologie eingepreist. Der Nährboden dieses rechten Terrors ist wiederum der tief in der Gesellschaft verankerte Rassismus.

Dennoch gibt es bezüglich der islamistischen Terrorgefahr in Europa keinen Grund, aufzuatmen – sie besteht weiterhin. Und so wie Amokläufe mit der Zurichtung innerhalb kapitalistischer Ordnungen, rechter Terror mit Rassismus und rechter Hetze (und Alkoholismus mit dem Alkohol) zu tun haben, so hat der islamistische Terror viel mit islamischer Religion zu tun. Und auch der Terror gegen die Menschen in Israel ist freilich nicht getrennt von der weltweiten antiisraelischen Propaganda und dem damit verbundenen Antisemitismus zu verstehen. Häufiger kommen auch mehrere Beweggründe in einer Tat zusammen, sind die Umstände nur schwer auseinanderzuhalten.

Hiergegen hilft neben den unmittelbaren Maßnahmen zur Erhöhung der Sicherheit nur eine Kritik an eben all jenen Verhältnisse, die den Menschen zu einem erniedrigten und verächtlichen Wesen machen. Das ist die islamische Religion, die derzeit in vielen Ländern Staatsreligion, Rechtsprechungsgrundlage und Anlass für den örtlichen Tugendterrors ist. Das ist aber auch die kapitalistische Totalität, das sind nationale sowie rassistische Verfasstheiten.

Wer nach Anschlägen hauptsächlich damit beschäftigt ist, das eigene ideologische Lager sauber zu halten – und das ist eher die Regel als die Ausnahme – blendet einen wichtigen Grund für Terror, Anschlag und Attentat aus. Ideologiekritik wäre heute wichtiger denn je, auch wenn es nicht einfach ist, in diesem Handgemenge (und über sich selbst) noch den Überblick zu behalten.

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Interview: Yeziden in Irak und Syrien July 23, 2016 | 12:33 pm

INTERVIEW mit MIZGIN SAKA

Mizgin Saka ist Vorstandsmitglied der internationalen Nichtregierungsorganisation Eziden Weltweit. Mit ihr sprach ich über Fluchtursachen der YezidInnen im Irak und Syrien, europäische Außenpolitik und die Lage jezidischer Geflohener in deutschen Flüchtlingsunterkünften.

Mizgin Saka - Foto: Privat

"Während die Yeziden durch den jihadistischen Terror des IS bedroht sind, gibt die kurdische Regionalregierung im Irak vor, ein Freund zu sein, und geht dabei hinterhältig vor. Man nutzt unsere Position aus und rammt uns dabei ein Messer in den Rücken, was langfristig sehr viel gefährlicher sein wird als der offene, unverschleierte Hass der Islamisten. Aber auch außerhalb des Irak sind Yeziden Bedrohungen ausgesetzt. De facto gibt es im gesamten Nahen Osten keinen sicheren Ort für Yeziden – weder im Iran noch in Syrien oder in der Türkei. Meine Familie ist 1989 aus der Türkei nach Deutschland geflohen – und zwar nicht nur vor der türkischen Regierung, sondern auch vor Übergriffen radikalislamischer Kurden. Das wurde in meiner Familie lange verschwiegen, auch damit wir es in Deutschland leichter haben."


Wie der Islamische Staat die Kampfzone ausweitet July 23, 2016 | 11:38 am

Der Anschlag von Würzburg hat erneut gezeigt: Zum Terroristen des Islamischen Staates wird man nicht, weil man sich ihm förmlich anschließt, sondern wenn man in seinem Namen mordet und verletzt. Längst setzt der IS verstärkt auf seine suizidale Fangemeinde im Westen und weitet so die Kampfzone aus. In Deutschland verweigert man sich dieser Erkenntnis allerdings noch weitgehend.

Ein übermäßig großes Gewicht sollte man einem flüchtigen, schnelllebigen, die Verkürzung begünstigenden Medium wie Twitter – genauer gesagt: den dort produzierten und verbreiteten Inhalten – zwar nicht unbedingt zusprechen. Dennoch ist es immer wieder aufschlussreich, wie in diesem Netzwerk mit seinen unzähligen Nutzern auf bedeutsame Ereignisse reagiert wird, welche Reflexe dabei zu beobachten sind und welche Dynamiken sich entwickeln. Nachdem der 17-jährige Islamist Riaz Khan Ahmadzai in Würzburg unter »Allahu Akbar«-Rufen in einem Regionalzug mehrere Fahrgäste mit einer Axt verletzt hatte – einige davon schwer – und schließlich von der Polizei erschossen worden war, machten beispielsweise die Grünen-Politikerin Renate Künast und der Verleger Jakob Augstein ihre zweifelhaften Prioritäten deutlich, als sie sich weniger um die zahlreichen Opfer als vielmehr um den Angreifer sorgten. Warum dieser nicht lediglich »angriffsunfähig geschossen« worden sei, wollte Künast in einem kurz nach der Tat veröffentlichten Tweet wissen, und wie zur Untermauerung ließ sie gleich vier Fragezeichen folgen. Augstein wiederum dekretierte: »Gerechtigkeit entsteht vor Gericht, nicht durch Erschießen.« Der Juristin Künast scheint also der Unterschied zwischen Gefahrenabwehr und Strafverfolgung nicht klar zu sein, der Publizist Augstein kennt darüber hinaus auch den zwischen Recht und Gerechtigkeit offenbar nicht. Sogar noch ärger, weil zutiefst verständnisinnig war ein Statement der ehemaligen Piraten-Politikerin Julia Probst. »Der Amoklauf [d]es unbegleiteten Flüchtlings ist einfach nur traurig. Wie traurig und wie wütend muss er gewesen sein, um sowas zu tun?«, twitterte sie.

Als der Islamische Staat (IS) schließlich verlautbaren ließ, Ahmadzai sei einer ihrer »Kämpfer« und habe seinen Angriff »als Antwort auf unsere Aufrufe ausgeführt, die Länder der Koalition anzugreifen, die den IS in Syrien und im Irak bekämpft«, fand auf Twitter der Hashtag #ISbekenntsich rasch eine vieltausendfache Verbreitung: Der IS bekenne sich zu den Serverproblemen bei »Pokémon Go«, zum schlechten Wetter auf Festivals, zu den Verspätungen bei der Deutschen Bahn, zu den Abgängen bei Borussia Dortmund, zum Analogkäse auf der Pizza. Und so weiter und so fort. Damit wurde die islamistische Terrororganisation zu einer Ansammlung von Trittbrettfahrern verniedlicht, die gerne alles Mögliche für sich reklamiere – darunter auch einen Anschlag in Deutschland –, um mächtig zu wirken. Dumm nur, dass der IS am Tag nach dem Attentat ein Video veröffentlichte, in dem der Täter sich als »Soldat des Kalifats« bezeichnete und ankündigte, durch eine Attacke mit einem Messer und einer Axt zum »Märtyrer« werden zu wollen. Da hätte den Scherzkeksen auf Twitter eigentlich das Lachen im Halse stecken bleiben müssen.

»Tötet sie, wie ihr wollt«

Nun könnte man den populären Hashtag als misslungene Witzkampagne abtun, wäre er nicht so symptomatisch für die deutsche Sicht auf den IS. Denn weit verbreitet ist der Glaube, dass ein Angriff oder Anschlag nur dann dem Islamischen Staat zugerechnet werden kann, wenn der Täter gewissermaßen einen Mitgliedsausweis des IS vorlegen kann oder doch zumindest nachweislich vom IS beauftragt worden ist. Andernfalls geht man lediglich von einem Amoklauf eines unorganisierten Psychopathen aus, nicht aber von einer islamisch motivierten Überzeugungstat. Selbst Bundesinnenminister Thomas de Maizière sprach nach der Würzburger Attacke von einem »Einzeltäter«, der sich durch den IS bloß »angestachelt gefühlt« habe; es gebe jedenfalls keine Hinweise auf eine Anordnung des IS. Dabei ist, wie Thomas von der Osten-Sacken hervorhebt, längst klar: »Zum Soldaten des IS wird man nicht, weil man sich dem IS anschließt, sondern wenn man im Namen des IS mordet und totschlägt. Erst dann ist man auch IS – egal, was man vorher war und getan hat. So lautet das Versprechen aus Raqqa und gilt jedem auf dieser Welt: Töte, töte möglichst viele möglichst barbarisch, und posthum wirst Du einer von uns werden, ein Märtyrer, berühmt, erinnert.«

Ähnlich sieht es Florian Flade auf Welt Online: Statt auf eine komplexe Anschlagsplanung setze der IS nun im Zuge eines Strategiewechsels »verstärkt auf seine suizidale Fangemeinde im Westen«. Die Ideologen des Terrors riefen zu spontanen Gewalttaten auf. »Ziele, Orte oder Zeitpunkte spielen dabei keine Rolle. Das schlichte Angebot lautet: Werde durch deine Tat einer von uns.« So verfuhren schon die Attentäter von Orlando und Nizza – und nun auch Riaz Khan Ahmadzai. »Das Kalifat muss seine Kämpfer nicht einmal mehr rekrutieren, um sich mit ihren Anschlägen zu schmücken«, schreibt Joachim Güntner in der Neuen Zürcher Zeitung. Es müssten auch keine spektakulären Bombenattentate sein. »Die Strategie des totalen Krieges, der ein Jihad mit einfachsten Mitteln sein kann, hat einer der Sprecher des IS schon im September 2014 formuliert. Jede Zeit, jeder Ort, jede Form der Gewalt sei gegen die Feinde die rechte, gab [der IS-Sprecher] Mohammed al-Adnani zu verstehen, als er sagte: ›Tötet sie, wie ihr wollt. Zertrümmert ihnen den Kopf, schlachtet sie mit einem Messer, überfahrt sie mit einem Auto, werft sie von einem hohen Gebäude, erwürgt oder vergiftet sie.‹«

Vom kläglichen Leben zum Märtyrerdasein

Dabei glaubt auch der Islamische Staat nicht daran, dass die »Ungläubigen« durch solche Attentate unmittelbar bezwungen werden können. Die Angriffe sollen auch keine direkten militärischen Erfolge bringen oder auch nur die Militärschläge der Koalition gegen den IS stoppen. Vielmehr geht es darum, die Kampfzone auszuweiten und in Europa die Angst überallhin zu tragen. Ganz bewusst setzt der Islamische Staat darauf, einen Konflikt zwischen Muslimen und Nichtmuslimen zu schüren und am liebsten bis zum Bürgerkrieg zu eskalieren, wie auch Florian Flade befindet: »Die Botschaft des IS an seine Feinde lautet: Es gibt keine Sicherheit mehr für euch. Jeder kann einer von uns sein« – auch ein noch minderjähriger Flüchtling wie Ahmadzai, der vorher völlig unauffällig war, als freundlich beschrieben wurde und sogar gute Aussichten auf eine Lehrstelle hatte. Und jeder Ort kann zu einem gefährdeten werden, wie Joachim Güntner festhält: »Nicht nur Flughäfen, Bahnhöfe und große belebte Plätze, auch Regionalzüge verlangen nun unsere Wachsamkeit. Genau diese umfassende Furcht, diese ständige Angstbereitschaft sucht der Terror zu verbreiten. Dass Hieb- und Stichwaffen weit weniger Opfer fordern als eine Bombe, besagt für die Effektivität des Schreckens wenig. Beim Terror zählt die mediale Wirkung.«

»Die Wiederkehr des Kalifats gab jedem einzelnen Muslim eine konkrete und greifbare Existenz, um sein natürliches Bedürfnis zu befriedigen, zu etwas Größerem zu gehören«, schrieben die IS-Ideologen im Januar 2015 in ihrer Propagandazeitschrift Dabiq. Es gebe nur »zwei Lager in der Welt, für die sich die Menschheit entscheiden kann«, hieß es dort weiter: das »Lager des Islam« auf der einen und das »Lager des Unglaubens, die Kreuzzügler-Koalition« auf der anderen Seite. Deshalb gebe es auch »keine Entschuldigung mehr«, sich als Muslim nicht dem Islamischen Staat anzuschließen. Wer im Westen lebe und sich nicht die Ziele des IS zu eigen mache, gehöre zu den Feinden. So wird die Ideologie des Islamischen Staates »zu einem sinnstiftenden Element für viele Suchende – auch für Muslime, die zuvor kaum ihren Glauben praktizierten«, analysiert Florian Flade. Der IS biete eine vermeintlich »plausible Erklärung für die eigene, vielleicht missliche oder miserable Lebenslage« sowie – und das ist wesentlich – »eine ideologische Überhöhung der eigenen Person. Der radikale Islam als der Weg der elitären Gläubigen, der Helden, der Märtyrer.« Wer sonst schon keine nennenswerten Spuren hinterlässt, aber glaubt, dazu berufen zu sein, hinterlässt sie eben durch ein barbarisches Verbrechen. »So wird aus einem kläglichen Leben und einem zerfetzten Tod posthum noch ein Märtyrerdasein«, wie Markus Vahlefeld treffend resümiert.

Ein Krieg gegen das freie Leben, die Liebe, die Lust

Dass man auf Taten wie die in Würzburg übrigens nicht zwangsläufig mit falschen Prioritätensetzungen, dummen Verharmlosungen, haarsträubenden Beschwichtigungen oder autoritären Forderungen reagieren muss, zeigte eine Initiative, die sich »Solidarität mit den Bewohnern des Asylbewerberheims Würzburg« nennt und am Tag nach dem Attentat eine Kundgebung für die Opfer veranstaltete. Der islamische Terror, so hieß es im lesenswerten Aufruf dazu, sei »ein Krieg gegen das freie Leben, die Liebe, die Lust« und werde »schon lange nicht mehr nur in der arabischen Welt geführt – gegen mutige Atheisten, Säkulare, Liberale, Frauen, Schwule«, sondern er betreffe »auch ganz konkret uns in Europa«. Man fordere daher »Solidarität mit all jenen, die seit Jahren gegen diese Barbarei ankämpfen, und explizit auch mit jenen, die vor der Gewalt nach Europa fliehen«. Die Antwort auf den Terror müsse »die konsequente Verteidigung der Freiheit des Individuums und der Rechte eines jeden Menschen« sein, »von Afghanistan bis Würzburg«. Gleichzeitig forderte die Gruppe »verstärkte Maßnahmen und Programme, um den Islamismus in den Heimen und den Vierteln zu bekämpfen«. Dazu gehöre »die Schaffung von großangelegten Präventionsprogrammen, Revision des von fragwürdigen Institutionen geleiteten Islamunterrichts, Verhinderung der Ausreise europäischer Islamisten zu den Schlachtfeldern in Syrien, Stärkung von säkularen Vereinen sowie Unterstützung und Schutz für die Betroffenen nicht nur des Terrors, sondern auch des reaktionären Alltagislams«.

Es sind Forderungen, wie sie auch der seit 2004 in Deutschland lebende israelisch-arabische Psychologe und Autor Ahmad Mansour immer wieder erhebt. In einem Interview des Deutschlandfunks nach der islamistischen Attacke in Würzburg sagte er: »Wir müssen in der Lage sein, nicht nur nach jedem Anschlag mit der Antwort zu kommen, das hat mit dem Islam nichts zu tun, sondern wir müssen uns mutig und ehrlich die Frage stellen, wie konnte so ein Ungeheuer unter uns entstehen. Und dieses Ungeheuer entsteht nicht nur beim IS, sondern solange wir Moscheevereine und Islamverständnisse haben, die immer noch diese Werte in sich tragen, Feindbilder schaffen, das Leben verachten. Dann werden wir immer wieder Leute haben, die wir an die radikalen Islamisten noch verlieren werden.« Auf Twitter erfuhren diese klaren Worte nicht annähernd so viel Verbreitung und Resonanz wie die Tweets von Künast, Augstein und Probst oder der Hashtag #ISbekenntsich. Honni soit qui mal y pense.

Zuerst veröffentlicht auf MENA-Watch.


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Audio: Verquere Welt – Die Querfront als weltpolitisches Phänomen July 20, 2016 | 11:24 am

Vortrag von Ivo Bozic

gehalten am 14. Juli 2016 in Stuttgart

 

gesendet am 22. Juli 2016 im Freien Radio für Stuttgart

War das Statement jetzt eigentlich von Sahra Wagenknecht oder doch von Alexander Gauland? Wurde das Transparent beim Ostermarsch oder bei Pegida gesehen? Hat das jemand von den Reichsbürgern gesagt oder stand das in der „Jungen Welt“? Antiwestlich, national und sozial: Ist das eigentlich rechts oder links – oder beides? In Deutschland ist seit den Erfolgen der neuen völkischen Bewegungen wie den Montagsmahnwachen, Pegida und der AfD oft von einer neuen Querfront die Rede. Doch die ist nicht nur ein deutsches Phänomen. In der neuen, zunehmend von China und Russland dominierten Weltordnung spielen Rechts und Links längst keine Rolle mehr. Auch der Jihadismus entzieht sich klassischen ideologischen Schubladen aus Zeiten des „Kalten Krieges“. Postpolitische Politikansätze wie hierzulande die „Piraten“-Partei führen nur zur weiteren Entpolitisierung und können den neuen Querfrontstrategen nichts entgegensetzen. Ist es also sinnvoll an den klassischen Zuschreibungen Links und Rechts festzuhalten, obwohl es mit dem völkischen Nationalismus und dem antiwestlichen und antizionistischen Antiimperialismus große Schnittmengen zwischen beiden gibt? Was eint so unterschiedliche Akteure wie Wladimir Putin, den „Islamischen Staat“, den Iran, Le Pen, Verschwörungstheoretiker, Teile der Linkspartei und Pegida?

Ivo Bozic, Mitbegründer und Mitherausgeber der Wochenzeitung Jungle World. Er beschäftigt sich als Autor seit vielen Jahren kritisch mit Querfront-Phänomenen und dem alten und neuen Antiimperialismus.

Eine Veranstaltung der Stiftung Geißstraße 7, der Heinrich-Böll-Stiftung Baden-Württemberg und des Fördervereins Emanzipation und Frieden e.V.

Aspekte des Fußballs July 19, 2016 | 11:19 am

Alle reden vom Wetter. Ich nicht. Und als die Fußball-EM in Frankreich vorbei war – da habe ich angefangen über Fußball zu sprechen und mich in einem dreistündigen Magazin auf Radio Corax ganz dem Rasensport gewidmet. Es ging um innenpolitische Maßnahmen während der Fußball-EM in Frankreich, um Fußball-Diskurse im deutschen Kaiserreich, antifaschistischen Fußball, um die Kritik der Fußball-Ideologie und um die Rolle der Ultras in den Revolten der letzten Zeit. Untenstehend stelle ich alle Beiträge und Interviews zur Verfügung, die ich im Rahmen dieses Magazins gesendet habe.

1. Fußballgeschichten

Ich habe zunächst aus dem Umfeld von Radio Corax einige Fußball-Geschichten gesammelt. In der Collage kommen eigentlich die meisten Aspekte schon zur Sprache, die ich dann im Folgenden bearbeitet habe.

Download (17:27 min)

2. Die innenpolitischen Folgen der Fußball-EM in Frankreich 2016

Anschließend habe ich mit dem Frankreich-Korrespondenten nahezu aller deutschsprachigen linken Medien, Bernhard Schmid, gesprochen und ihn nach den innenpolitischen Folgen der Fußball-EM in Frankreich gefragt. Ausgangspunkt des Gesprächs war ein Foto, das ich bei Facebook entdeckt hatte: Zu sehen war das Public Viewing des EM-Finales in Paris vor dem Eiffelturm. Auf der einen Seite des Eiffelturms die Zuschauer-Mengen vor der riesigen Leinwand – auf der anderen Seite eine riesige Tränengaswolke. Davon ausgehend haben wir darüber gesprochen, wie sich die Bewegung gegen die Arbeitsrechtsreform während der EM entwickelt hat, über Verdrängung und Gentrifizierung angesichts dieses Großereignisses und die Situation von Geflüchteten während der EM.

Download (17:36)

3. Das Subjekt des Fußballs

Ende des letzten Jahres ist im Transcript-Verlag ein Buch erschienen, das sich mit der Geschichte der Fußball-Diskurse im deutschen Kaiserreich beschäftigt: „Das Subjekt des Fußballs – Eine geschichte bewegter Körper im Kaiserreich“ von Jörn Eiben. Er untersucht die Akzeptabilitätsbedingungen des Fußballs im Kaiserreich anhand folgender Problemachsen: Gesundheit, Männlichkeit, Militärtauglichkeit. Ein Kapitel widmet sich dem Verhältnis von Fußball und Nation. Ich habe mit Jörn Eiben gesprochen und ihn zunächst danach gefragt, warum er für seine Forschung den Zeitraum von 1874 bis 1918 ausgewählt hat.

Download (16:12 min)

4. Linker, antifaschistischer Fußball – der Rote Stern Leipzig

Der Rote Stern Leipzig versteht sich als ein linker, politischer Fußballverein und wirkt in diesem Sinne in die sächsische Fußballlandschaft hinein. Ich habe mit Jens Frohburg, dem Stadionsprecher des Roten Sterns, über das Selbstverständnis des Vereins gesprochen. Zunächst habe ich gefragt, wie es im Jahr 1999 zur Gründung des Roten Sterns kam.

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5. Zur Kritik des Fußballnationalismus

Anhand der Fußball-Europa- oder Weltmeisterschaften wird immer wieder auch über das Selbstverständnis der deutschen Nation diskutiert. Seit 2006 sind in Deutschland wieder Fahnenmeere angesagt – und man versichert sich gegenseitig, völlig unverkrampft zu sein und nichts mit Nazis zu tun zu haben. Der Fußballnationalismus unterscheidet sich auch tatsächlich vom Nationalismus der Nazis. Zur Kritik des Fußballnationalismus hier ein Ausschnitt aus einem Vortrag von Jonas Köper (Redaktion Gegenstandpunkt) aus dem Jahr 2014 (hier geht’s zum ganzen Mitschnitt).

Download (10:44 min)

6. Fußball als Ideologie

Im Jahr 1970 ist ein Buch erschienen, das den schmissigen Titel „Fußball als Ideologie“ trägt. Sein Autor, Gerhard Vinnai, ist Sportsoziologe und er ist 1970 dazu angetreten, den Fußball einer grundlegenden Kritik zu unterziehen. Insbesondere geht er der Frage nach, warum es ausgerechnet dem Fußball gelingt, noch Massen zu mobilisieren und welche ideologische Funktion die Fußballanhängerschaft im Kapitalismus einnimmt. Auch nach der Veröffentlichung seines Buches hat er mehrere Aufsätze über Sport im Allgemeinen und Fußball im Besonderen geschrieben (zu empfehlen etwa „Eigentore – Zur ideologischen Funktion des Fußballsports“). Ich habe ihn zunächst gefragt, unter welchen Bedingungen und Eindrücken damals sein Buch entstanden ist.

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7. Zwischen Aufstand und Eigentor

In der letzten Ausgabe der Zeitschrift „Kosmoprolet“ ist ein Text erschienen, der sich mit der Rolle der Ultras in den Aufständen der letzten Jahre beschäftigt. Der Artikel ist sehr lesenswert – insbesondere auch, weil er einen Überblick über die Geschichte der Hooligans und Ultras gibt. Im zweiten Teil werden sich dann exemplarisch drei Revolten genauer angeschaut: In Ägypten, in der Türkei und in der Ukraine. Insbesondere der letzte Fall zeigt die Ambivalenz der Ultra-Bewegung, die immer wieder auch nach rechts offen ist. Ich habe mit dem Autoren des Textes, Ralf Heck, telefoniert und ihn zunächst gefragt, wer die Ultras sind und wo sie herkommen.

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18-07-2016Wir steigen von musikalischen Barrikaden hinab (80… July 17, 2016 | 11:24 pm



18-07-2016
Wir steigen von musikalischen Barrikaden hinab (80 Jahre Spanischer Bürgerkrieg), schauen auf das Jahr 68 (Roger Behrens) und beobachten die Kritische Theorie im Dienst des OSS (Detlev Claussen)