Posts Tagged ‘Shoah’
An den Grenzen des Geistes (II) December 8, 2012 | 02:02 pm

Tagung zum 100. Geburtstag von Jean Améry

Nach einiger Verzögerungen können wir nun einige weitere Beträge der Berliner Améry-Tagung vom 17. November 2012 dokumentieren. Es handelt sich um zwei Vorträge des zweiten Podiums, das einen philosophischen Schwerpunkt hatte, sowie um den Abschlussvortrag der Améry-Biografin Irene Heidelberger-Leonard, die viele Motive der Tagung noch einmal aufgreift und einige neue Aspekte anspricht. Das Literatur-Podium wurde nicht aufgezeichnet. Es ist nach Aussage der VeranstalterInnen allerdings ein Tagungsband geplant, in dem alle Beiträge schriftlich dokumentiert werden.

Podium 2: Philosophie im Spannungsfeld von Erfahrung und Abstraktion

Gerhard Scheit, Folter und Vernichtung. Jean Amérys immanente Kritik an der Philosophie Jean-Paul Sartres

Deborah Hartmann, »Was mir anliegt, das ist die Beschreibung der subjektiven Verfassung des Opfers.« Jean Améry, Theodor W. Adorno und das Jude-Sein nach Auschwitz

Deborah Hartmann, Studium der Politikwissenschaft und Geschichte in Wien, seit 2007 Pädagogische Mitarbeiterin der International School for Holocaust Studies Yad Vashem, lebt seit 2011 in Berlin und repräsentiert die pädagogische Abteilung Yad Vashems in den deutschsprachigen Ländern. [via]

Festvortrag:
Irene Heidelberger-Leonard, Was bleibt? – Jean Améry zum 100. Geburtstag

Vom Festvortrag gibt es auf Youtube eine Videoaufzeichnung mit mäßiger Klangqualität.

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An den Grenzen des Geistes (I) November 21, 2012 | 10:09 pm

Tagung zum 100. Geburtstag von Jean Améry

Am 17. November veranstaltete der Arbeitsbereich Kommunikationsgeschichte/Medienkulturen der FU Berlin eine kleine, aber gut besuchte Konferenz über Jean Améry. Unterstützt durch die VeranstalterInnen sowie die Tontechniker vor Ort und mit freundlicher Einwilligung der ReferentInnen habe ich einige der Vorträge aufgezeichnet. Hier erfolgt nun zunächst die Dokumentation des Eröffnungspodiums. Es stand unter dem Titel: »…daß das Wort nicht verstumme«: Was bedeutet »Moralisierung der Geschichte«?

Sich durch dieses und andere Podien ziehende Fragen bezogen sich auf Amérys Erfahrungen als Opfer von Folter und als Shoahüberlebender, sowie auf sein Verhältnis zu Sartre, Adorno, Hannah Arendt und zum Zionismus.

Die Beiträge sind auch auf Archive.org hinterlegt. Der zweite Teil der Dokumentation liegt mittlerweile auch vor.

Hermann Haarmann und Birte Hewera: Begrüßung und Einführung


    Download: via AArchiv, via RS (0:10 h, 4 MB)

Birte Hewera: Die »Wahrheit der Untat« – Jean Amérys Ressentiments


    Download: via AArchiv, via RS (0:27 h, 13 MB)

Miriam Mettler: Unversöhnlichkeit und Utopie – der Begriff der Heimat bei Adorno und Améry


    Download: via AArchiv, via RS (0:21 h, 10 MB)

Christoph Hesse: »Einen ewigen Namen will ich ihnen geben…« Claude Lanzmanns Film Shoah


    Download: via AArchiv, via RS (0:18 h, 8 MB)

An den Grenzen des Geistes.
Tagung zum 100. Geburtstag von Jean Améry
17. November 2012, 10.00 bis 18.30 Uhr, Eintritt frei
Akademie der Künste, Clubräume, Hanseatenweg 10, 10557 Berlin
Jean Améry

Hans Mayer alias Jean Améry, der sich in den neunzehnhundertsechziger Jahren als Essayist, Publizist und Schriftsteller einen Namen machen konnte, musste aufgrund seiner jüdischen Herkunft nach dem „Anschluss“ Österreichs an das Deutsche Reich nach Belgien fliehen. Dort schloss er sich einer Widerstandsgruppe an. 1943 wurde er von der Gestapo als politischer Gegner verhaftet und anschließend im belgischen Auffanglager Breendonk von SS-Männern gefoltert. Es folgte seine Deportation nach Auschwitz-Monowitz, Dora-Mittelbau und schließlich nach Bergen-Belsen, wo er im April 1945 von den Engländern befreit wurde. Die Erfahrungen von Folter und KZ blieben für immer der unhintergehbare Ausgangspunkt für sein Denken.
Über die Tagung

Das Berliner Symposion nimmt Jean Amérys 100. Geburtstag zum Anlass, die Diskussion um Person und Werk Jean Amérys weiter voranzutreiben und diesem Kommentator und Kritiker der Zeitgeschichte das ihm gebührende wissenschaftliche und politische Interesse zuteil werden zu lassen. Die Tagung möchte den moralischen, politischen, philosophischen und ästhetischen Aspekten im Werk Amérys nachspüren. In einem interdisziplinären Zugriff auf seine literarischen, philosophischen und publizistischen Arbeiten soll erörtert werden, inwieweit sie sich als kritische Interventionen in einer breiteren politischen Öffentlichkeit heute noch bewähren können.

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100 Jahre Jean Améry October 31, 2012 | 06:42 pm

Vor hundert Jahren, am 31. Oktober 1912 wurde Jean Améry als Hans Chaim Mayer in Wien geboren. Der politische Essayist und Schriftsteller, von den Nazis als Jude und Widerstandskämpfer verfolgt, interniert, gefoltert, wählte 1978 den Freitod. Die folgenden Beiträge, welche teilweise aus dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk, teilweise aus den freien Radios stammen, erinnern an Améry, an seine leidvolle Biographie ebenso wie an sein leidenschaftlich-engagiertes Schreiben nach 1945.

1. 100 Jahre Jean Améry: Die Unmöglichkeit weiterzumachen.

Roger Behrens geht u.a. Amérys Kritik des linken Antisemitismus und seiner Auseinandersetzung mit Philosophie und Literatur nach.

Jean Améry wurde im April 1945 von den Engländern aus Bergen-Belsen befreit – nach zwei Jahren in verschiedenen Konzentrationslagern, darunter Auschwitz.
Der Schriftsteller polemisierte in den folgenden Jahren gegen alle diejenigen, die die existenzielle Bedeutung des Staates Israels nicht sehen wollten. Denn das Bestehen dieses Staates, so Améry, sei nur vor dem Hintergrund der Katastrophe Auschwitz und der darin enthaltenen Möglichkeit eines zweiten Auschwitz zu sehen. Améry hatte sich selbst immer als der Linken zugehörig betrachtet. Die Ignoranz gegenüber der andauernden Bedrohung Israels und der zunehmende und nur schlecht als „Antizionismus“ verhüllte Antisemitismus ausgerechnet innerhalb der Linken ließen ihn jedoch schließlich an dieser Linken verzweifeln. Wir hören Roger Behrens über Améry, der am (heutigen) Mittwoch 100 Jahre alt geworden wäre.

2. Vom Leben nach der Folter. Erinnerung an Jean Améry

Von Astrid Nettling

Dass die Folter das fürchterlichste Ereignis sei, das ein Mensch sich bewahren könne – dieses kompromisslose Urteil stammt von Jean Améry, dem belgischen Schriftsteller österreichischer Herkunft. Nach seinen qualvollen Erfahrungen als KZ Häftling während der Zeit des Nationalsozialismus stellte er immer wieder fest, in der Welt nicht mehr heimisch werden zu können.

    Download: via DLF | via RS (0:29 h, 14 MB) | Text

3. DRS 2 Reflexe: Jean Améry, Modernist aus Leidenschaft

Der österreichische Schriftsteller Jean Améry (1912-1978) verkörperte einen Typus von Intellektuellen, wie es ihn heute kaum noch gibt. Der gebürtige Wiener war ein blendender Stilist und ein kritischer Analytiker der Zeitläufe.

Er war von der französischen Aufklärung und vom Existenzialismus Sartres geprägt, ein wacher, sensibler und nervöser Geist, der über Foucault und den Strukturalismus ebenso glänzend zu schreiben vermochte wie über seine Erfahrungen als KZ-Häftling in Auschwitz und die moralischen Aspekte des Freitods.

Zum 100. Geburtstag, am 31. Oktober 2012, erinnert Günter Kaindlstorfer an den bedeutenden Schriftsteller und stellt die Frage nach Amérys Aktualität. [via]

    Download: via DRS | via RS (0:30 h, 14 MB)

4. ZDF: Zeugen des Jahrhunderts

Zuletzt ein Gespräch, das Ingo Hermann mit Améry kurz vor dessen Tod im Sommer 1978 geführt hat. Es kreist u.a. um das Thema politische Gewalt. Die Aufzeichnung ist leider unvollständig.

    Download: video (mp4, 158 MB), audio (mp3, 0:49 h, 20 MB)
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Lorettas Leselampe September 19, 2012 | 08:39 am

Sie gehört zu den anspruchsvollsten Sendungen der deutschsprachigen freien Radios. Seit Mitte der 1990er Jahre werden unter ihrem Licht Veröffentlichungen besprochen, die von den Hörern und Hörerinnen sonst potentiell nicht wahrgenommen werden würden. Immer wieder gelang es mit ihr Positionierungen aufzuzeigen und Scheuklappen zu lüften. Ihre klare Position gegen den Antisemitismus in der Linken und ihre Vorliebe für die Kritische Theorie, hoben sich angenehm von vielen anderen Produktionen der freien Radios ab. Auch weil sich die Produktionsbedingungen für sie in den letzten Jahren verschlechtert haben (die Redaktion verkleinerte sich und die verbliebenen Mitglieder verteilen sich auf unterschiedliche Städte), soll sie im Folgenden gewürdigt werden: Lorettas Leselampe vom Freien Sender Kombinat Hamburg.

Wir dokumentieren einige – weitere werden folgen – Besprechungen aus den letzten Jahren, die deutlich machen, dass es eine Vielzahl von Büchern (Filmen und Hörbüchern) gibt, deren Erscheinungsdatum kaum eine Rolle spielen.

Fortschrittliches jüdisches Denken und der neue Antisemitismus (Alvin H Rosenfeld)
Über eine Broschüre die für jeden und jede interessant sein sollte, wenn Sie ihre politischen Argumente schärfen möchte, die Alvin H. Rosenfeld im Ölbaum-Verlag veröffentlichte. Rosenfeld wurde bekannt mit Büchern zur literarischen Auseinandersetzung mit der Shoah.

    Download: via AArchiv (mp3; 19:20 min; 26,6 MB)

Zum Werk Alexander Kluges
Aus Anlass der Veröffentlichung sämtlicher (bis dahin erschienener) Filme Alexander Kluges bei Zweitausendeins wird über dessen Werk mit Hilfe von Hörbeispielen diskutiert.

    Download: via AArchiv (mp3; 26:19 min; 35,0 MB)

Dossier K. (Imre Kertesz)
2006 veröffentlichte Imre Kertesz mit Dossier K. seine Autobiografie. Es ist eine Selbstbefragung im Dienste ästhetischer und historischer Wahrhaftigkeit, ein Dialog, den der Autor mit sich selbst führt. Das bei Rowohlt verlegte Buch wird von Olaf Kistenmacher rezensiert. Ole Frahm liest die Besprechung.

    Download: via AArchiv (mp3; 13:10 min; 18,1 MB)

Die Ästhetik des Widerstands (Peter Weiss)
Eines der wichtigsten Bücher über das historische Scheitern der Linken als Hörbuch.

    Download: via AArchiv (mp3; 18:55 min; 26,0 MB)

Hubert Fichte: Hörwerke
22 Jahre umschließen die – bei Zweitausendeins veröffentlichten – Hörwerke Hubert Fichtes: Die knapp 18 Stunden ermöglichen einen guten Zugang zum OEuvre Fichtes.

    Download: via AArchiv (mp3; 15:32 min; 26,0 MB)

Zur Aktualität Hubert Fichtes
2007 gab Jan-Frederik Bandel den Tagungsband Fichte Texte und Kontexte heraus. Es geht um Fichte als Pop-Autor und seinen Rang als literarischer Ethnologe. Vorgestellt werden Texte aus allen Schaffensperioden, darunter ungedruckte oder erst kürzlich veröffentlichte.

    Download: via AArchiv (mp3; 15:17 min; 21,0 MB)

Das Archiv brennt (Georges Didi-Huberman)
Das Archiv ist kein neutraler Ort. Im Gegenteil, er ist umkämpft. Immer wieder wurde im Laufe der Geschichte zerstört – und diese Zerstörungen sicherten eine bestimmte, danach herrschende Geschichtsschreibung. Georges Didi-Huberman, der 2007 eine Reflexion zur Überlieferung des Holocaust verfasste, trauert nicht um das Archiv, sondern um die Toten, von denen in keinem der Archive Zeugnis abgelegt werden konnte.

    Download: via AArchiv (mp3; 9:42 min; 13,3 MB)

Briefwechsel: Adorno-Kracauer
Die, zwischen 1923 und 1966 geschriebenen, Briefe zwischen Adorno und Kracauer geben vor allem einen Einblick in deren Privatleben. Stefan Müller-Doohm erschien der Band als unverzichtbares Hilfsmittel der biografischen und werkgeschichtlichen Adorno- und Kracauerforschung.

    Download: via AArchiv (mp3; 43:55 min; 60,3 MB)

Literarischer Antisemitismus
Nach welchen Kriterien kann Antisemitismus in literarischen Texten analysiert werden? Dieser Fragen gingen Literaturwissenschaftler, Soziologen und Historiker während eines Kongresses an der Universität Bielefeld nach. Das Buch Literarischer Antisemitismus nach Auschwitz dokumentiert die dort vorgetragenen zwanzig Beiträge. Die Aufnahme beginnt mit der Eröffnungsrede von Mitherausgeber Klaus-Michael Bogdal.

    Download: via AArchiv (mp3; 16:54 min; 23,3 MB)

Zum Erbe des Marxschen Werkes
Eine Sendung aus dem Jahr 2007 nahm eine Tagung in Hamburg (zum 140. Jahrestag des Erscheinens der Erstausgabe des ersten Bandes des Kapitals) als Anlass für eine Auseinandersetzung mit dem Erbe des Marxschen Werkes. Dabei richtet sich der Blick auch auf künstlerische Produktionen (Rimini Protokoll).

    Download: via AArchiv (mp3; 50:02 min; 68,7 MB)

Über Annemarie Schwarzenbach
Gespräch aus dem Jahr 2006 mit Sabine Rohlf über die damals kaum bekannte Autorin Annemarie Schwarzenbach – anlässlich der Veröffentlichung des von Rohlf 2005 herausgegebenen Buches Annemarie Schwarzenbach. Analysen und Erstdrucke.

    Download: via AArchiv (mp3; 19:05 min; 26,2 MB)

Über Ilse Aichinger
Die 175. Ausgabe der Zeitschrift Text und Kritik wurde einer der wichtigsten AutorInnen der Nachkriegszeit, die nach der Erfahrung des Holocaust nach einer Sprache suchte, gewidmet: Ilse Aichinger.

    Download: via AArchiv (mp3; 8:29 min; 11,7 MB)

Zur Rezeption der Situationistischen Internationalen
Immer wieder liegen auf dem Tisch der Leselampe Bücher zur Situationistischen Internationalen. 2007 wurde die Rezeption der S.I anhand des Archplus+-Heftes 183 kritisiert.

    Download: via AArchiv (mp3; 12:23 min; 17,0 MB)

Drei weitere Besprechungen zur S.I (McKenzie Wark: 50 Years of Recuperation of the Situationist International. Raoul Vaneigem: Handbuch zur Lebenskunst der jungen Generationen. Roberto Ohrt (Hg.): Beginn einer Epoche.) finden sich hier.

    Download: via FRN (mp3; 35:33 min)

Vorwärts und viel vergessen. Beiträge zur Geschichte und Geschichtsschreibung neuer sozialer Bewegungen
Ein Buch über die (Miss-)Erfolge politischer Bewegungen und die Fallstricke einer Ausein­andersetzung mit der Geschichte der radikalen, undogmatischen Linken. Unter anderem mit Beiträgen von Serhat Karakayali und Stephan Grigat, wird der Band, der auf eine Tagung in Bremen zurückgeht, von Leselampe Redakteurin Dagmar Brunow empfohlen.

    Download: via AArchiv (mp3; 11:29 min; 15,8 MB)

Die Ikone
Mehrere Buchveröffentlichungen boten im Jahr 2008 Anlass zur Reflexion über die Form der Warenförmigkeit des Bildes Che Guevaras: Eine Comic-Biografie von Alberto Breccia, Ernesto Breccia und Hector Oesterheld / Kuba – Bilder einer Revolution / und ein kitschiges Earbook.

    Download: via AArchiv (mp3; 13:11 min; 18,1 MB)
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