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Kunst, Spektakel & Revolution N°5 April 4, 2017 | 05:13 pm

Beiträge zur Kritik der Gewalt

Wir haben immer wieder die Vortragsmitschnitte aus der Veranstaltungsreihe Kunst, Spektakel & Revolution dokumentiert. Seit einiger Zeit haben im Rahmen dieses Formats keine Vorträge stattgefunden – trotzdem ist im letzten Jahr eine weitere Ausgabe des gleichnamigen Magazins erschienen, die sich schwerpunktmäßig um einen kritischen Begriff von Gewalt bemüht hat. Um diese Ausgabe herum sind einige Radiobeiträge entstanden, die wir im Folgenden dokumentieren.

1.) Nachrichten aus dem beschädigten Leben

Das Sendungsformat „Nachrichten aus dem beschädigten Leben“ bei Radio Corax hat die fünfte Ausgabe von Kunst, Spektakel & Revolution vorgestellt, wobei einer der Mitherausgeber zu Wort kommt. Es wird allgemein über das Thema Gewalt gesprochen.

    Download: via AArchiv (mp3; 13:24 min; 21,4 MB)

2.) Dem Schmerz ein Menschenopfer

Im Rahmen einer Gemeinschaftssendung von FSK und Radio Corax hat die KSR-Autorin Susann Offenmüller ein Interview zu ihrem Text »Dem Schmerz ein Menschenopfer – Die Gewalt im Begriff der Postmoderne« gegeben. Sie geht dabei insbesondere mit einem psychoanalytischen Blick auf die Gewalt im Subjektivierungsprozess ein.

    Download: via AArchiv (mp3; 13:30 min; 18,5 MB)

3.) Missverständnisse über Kulturindustrie

In der gleichen Radiosendung hat auch Jakob Hayner ein Interview gegeben. Er hat in der KSR N°5 über „Missverständnisse über Kulturindustrie“ gesprochen. Er kontextualisiert den Begriff der Kulturindustrie innerhalb der „Dialektik der Aufklärung“ von Adorno und Horkheimer und grenzt ihn von anderen Begriffen ab, etwa von dem der Massenkultur.

    Download: via AArchiv (mp3; 13:05 min; 17,9 MB)

4.) Wutpilger-Streifzüge: Zur Kritik der Gewalt

In einer Ausgabe der Sendereihe Wutpilger-Streifzüge im Dezember 2016 wurde ein längeres Feature gesendet, das auf der fünften Ausgabe von Kunst, Spektakel & Revolution basiert. Es kommen darin Roger Behrens, Jakob Hayner, Susann Offenmüller und Lukas Holfeld zu Wort. Unter anderem enthält es Auszüge aus einem Mitschnitt einer Heftvorstellung in Hamburg. Das zugrundeliegende Interview mit Jakob Hayner bezog sich auf eine weitere Publikation zu einem ähnlichen Thema: „Grenzsteine – Beiträge zur Kritik der Gewalt“ (Edition Text und Kritik). Es enthält außerdem Passagen aus der Ausgabe 63/2015 der wertkritischen Zeitschrift „Streifzüge“, die sich ebenfalls dem Thema Gewalt gewidmet hat.

    Download: via Mediafire (mp3; 1 h; 96,1 MB)

5.) Wutpilger-Streifzüge: Destruction of RSG-6

Die JanNovemberuar/2016-Ausgabe von Wutpilger-Streifzüge hat sich ebenfalls der fünften Ausgabe von Kunst, Spektakel & Revolution gewidmet. Sie enthält einen Vortrag von Lukas Holfeld über die Ausstellung „Destruction of RSG-6″, die im Jahr 1963 von der Situationistischen Internationale in Odense (DK) organisiert wurde. Der Vortrag ist eine Einführung in die Theorie der Situationisten (mit einem Fokus auf deren Verhältnis zur Kunst), schildert Aspekte des kalten Krieges und beschreibt die genannte Ausstellung.

Destruction of the RSG-6

Oder: Wie man die Kunst mit den Mitteln der Kunst zerstört

Im April 1963 veröffentlichte die britische Aktivisten-Gruppe „Spies for Peace“ die Existenz eines geheimen Atomschutzbunker-Systems, das ausschließlich für Mitglieder der britischen Regierung reserviert war: Die „Regional Seats of Government“ (RSG). Mitglieder der Gruppe selbst waren in den RSG-6 in Reading eingebrochen und hatten dort die Pläne der übrigen Bunker gefunden. Die Gruppe veröffentlichte ihre Funde in einer Broschüre, die weltweit für Aufmerksamkeit sorgte und einen enormen Mobilisierungsschub für die außer-parlamentarische Abrüstungs-Bewegung nach sich zog. Im Juni 1963 eröffnete die Situationistische Internationale eine Ausstellung, die mit dem Titel „Destruction of RSG-6″ überschrieben war. Offensichtlich nahm die marxistische, post-surrealistische Gruppe Bezug auf die Funde in Reading. Aber nicht nur das: Die Galerie zeigte den Stand einer Kritik der Kunst, die die S.I. in den Jahren zuvor erarbeitet hatte.

Der Vortrag gibt einen Einblick in die fünfte Ausgabe der Zeitschrift „Kunst, Spektakel & Revolution“ und erzählt die Geschichte der Ausstellung „Destruction of RSG-6″. Dabei werden Fotos von der Ausstellung gezeigt. Zugleich sollen Ansätze der kritischen Theorie der Situationistischen Internationale eingeführt werden. Die Ausgaben 3-5 von KSR können beim Vortrag erworben werden. [via]

    Download: via Mediafire (mp3; 1:30 h; 144 MB)

6.) KSR-Heftvorstellung in Berlin

Am 24.07.2016 wurde die fünfte Ausgabe von Kunst, Spektakel & Revolution in Berlin im Laidak vorgestellt. Im Vortrag sprechen Julian Kuppe und ein Redaktionsmitglied, das den im Heft enthaltenen Beitrag von Olga Montseny vorstellt. Julian Kuppe umkreist in seinem Vortrag, wie im Spätkapitalismus bzw. in der Postmoderne Identität und Subjektivität prekär werden und was dies für Gesellschaftskritik und Psychoanalyse für Folgen hat. Der andere Vortrag geht ausgehend von den Hamburger Gefahrengebieten darauf ein, wie der Ausnahmezustand zunehmend ein normaler Bestandteil von Ordnungspolitik wird.

Es gibt keine Herrschaft ohne Gewalt. Die Gewalt sachlich vermittelter Herrschaft ist in den Institutionen verborgen und vollzieht sich als stummer Zwang der Verhältnisse. Offen zutage tritt sie in der Peripherie, an den Grenzen, gegenüber „beschwerdearmen Bevölkerungsgruppen“ und im Ausnahmezustand. Sichtbar wird sie auch in der Deformierung der (post)modernen Subjekte. Herrschaft zwingt ihren Gegnern die Frage der Gewalt auf – ist sie einmal in der Welt, muss mit ihr umgegangen werden. Die äußeren Bedingungen und die Wahl der Mittel entscheiden darüber, ob die Revolution ihr (im doppelten Sinne) erliegt. Die im Juli erscheinende fünfte Ausgabe der Broschüren-Reihe „Kunst, Spektakel & Revolution“ beschäftigt sich auf verschiedenen Ebenen mit der Gewalt der Verhältnisse. Wir wollen im Laidak gemeinsam mit mehreren Autoren einen Einblick in das Heft geben. [via]

    Download: via AArchiv (mp3; 1:04:47 h; 88,9 MB)

Wer darüber hinaus weiter hören möchte – die Homepage von Kunst, Spektakel & Revolution enthält auch ein ausführliches Archiv mit Audiodateien, die im Zusammenhang mit der Veranstaltungsreihe und dem Magazin stehen.

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Der Widerspruch der Kunst November 1, 2015 | 09:50 am

Die aktuelle Ausgabe der Nachrichten aus dem beschädigten Leben (Corax) informiert über eine Buchveröffentlichung – unter dem Titel „Der Widerspruch der Kunst“ (u.a mit Beiträgen von Christoph Hesse, Roger Behrens,…) – über das Verhältnis von Kunst und Gesellschaftskritik in der Kulturindustrie.

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Futuristische Hörspiele October 12, 2015 | 07:22 am

Freispiel ist eine Sendung auf Radio Corax, ein Podium für Ungewöhnliches im Radio, das sich früher möglicherweise Hörspiel nannte. In der Freispiel-Sendung vom 20.09.2015 ging es um die Ursprünge der akustischen Kunst – als sich das Geräusch von der literarischen Vorgabe löste und zum eigenständigen Bestandteil der Komposition wurde. Ralf Wendt (Radio Corax) leitete die Hör-Beispiele ein und Klaus Schöning (Studio Akustische Kunst, WDR) nahm eine historisch-wissenschaftliche Einordnung vor. Zu hören waren u.a. Marinetti, Russolo, Walter Ruttmann, Kurt Schwitters und Raoul Hausmann. Zuletzt wurden aktuelle Beispiele der Hörkunst vorgestellt. Eine hörens-werte Sendung. Der in der Sendung angekündigte Ausschnitt aus John Cages Roaratorio von 1979 ist in dem uns vorliegenden Mitschnitt der Sendung leider nicht enthalten. Roaratorio kann aber vollständig hier oder untenstehend angehört werden. Wer diesen Klängen etwas abgewinnen kann, dem sei die Schallplatten-Serie „An Anthology of Noise & Electronic Music“ empfohlen – schön gestaltet und mit kurzen, informativen Instruktionen zu den sorgsam ausgewählten Stücken.

    Download: via AArchiv (mp3; 75.7 MB; 47:14 min)

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Witjastiefe 3 – reloaded June 18, 2015 | 01:34 pm

Die bereits hier erwähnte Zusammenarbeit unter dem Namen Witjastiefe 3 zwischen dem FSK und Corax, wird nach dreijähriger Pause fortgesetzt und hier dokumentiert.

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Wendefokus. Gespräche zum Scheitern des real existierenden Sozialismus October 8, 2014 | 08:20 pm

Nachdem wir bereits auf die Sendungen von Radio Glasnost verwiesen haben; ein weiterer Beitrag, der die Frage aufwirft, warum und wie ein Gesellschaftsprojekt, das sich die menschliche Emanzipation von allen Verhältnissen, in denen „der Mensch ein erniedrigtes, ein geknechtetes, ein verlassenes, ein verächtetes Wesen ist“ (Marx), auf die Fahnen geschrieben hatte am Ende für den einzelnen Menschen selbst ein so hohes Maß an Erniedrigung, Knechtschaft, Verachtung und in einigen Fällen gar Vernichtung bedeuten konnte. Radio Corax führte in den letzten Monaten knapp 100 Gespräche, die interessante Einblicke in die Vorstellungen einer notwendigen Veränderung der Verhältnisse in der DDR geben. Dokumentiert wird dies unter dem Namen „Wendefokus“. Einige Interviews daraus sind auch für das Audioarchiv von Interesse und sollen hier dokumentiert werden.

Thomas Kupfer

…war Wegbereiter von Radio Corax, der weit vor 1989 Kritiker der DDR-Staatsdoktrin und im Herbst 1989 Mitbegründer der »Initiative für eine Vereinigte Linke« war. Vor 1989 hat er die Geschichte des Kommunismus und der linken Intellektuellen für sich aufgearbeitet und beschreibt die Zeit um das Jahr als eine „grandiose“. „Die Erfahrung eines – auch noch weitgehend gewaltfrei hervorgerufenen – Umbruchs kann ich nur jedem wünschen. Das ist ein grandioses Erlebnis und sollte viel häufiger passieren.“ Im August 2009 verstarb Kupfer vollkommen überraschend. Wenige Wochen zuvor sprach Ralf Wendt mit ihm.

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Alexander Pehlemann

…war bei der Armee, auf einer Offiziersschule in der tiefsten Provinz, und erlebte als 21-jähriger „kaserniert“ die sogenannte Wende. Stark beeinflusst von (sub)kulturellen Bewegungen, erlebte Pehlemann die Ereignisse um das Jahr 1989 persönlich als „Zusammenbruch und Implosion“. Gesellschaftspolitisch nennt er es eine „demokratische Konterrevolution“ – auch weil die Idee des Kommunismus von den Machthabern der real existierenden sozialistischen Staaten de facto kaum verfolgt wurden sei.

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Friedemann Rösel

…arbeitete, als studierter Ingenieur, ab 1972 in Leuna und wohnte in Halle-Neustadt. Bereits im zweiten Lehrjahr gab es erste Konfrontationen mit den Parteioberen. Rösel begreift sich selbst – auch heute – als kritischer Marxist, der bereits früh die DDR kritisierte: Rösel „war für den Marxismus“, aber gegen die SED-Bürokratie: Die DDR sei ein „vom Kapitalismus befreiter Staatsmonopolismus“ gewesen.
Rösel war philosophisch interessiert und agierte in einem Literaturzirkel, der sich – mehr oder wenig offen – kritisch mit den bestehenden Verhältnissen auseinander setzte. Zusammen mit Lothar Rochau (und drei weiteren Personen, wovon einer IM der Staatssicherheit war), stellte Rösel die DDR Realität offen in Frage und betrieb politische Studien zu alternativen Sozialismuskonzepten. Es ging der Gruppe darum „freie Kommunikationsrunden“ einzurichten. 1981 wurde Rösel, der sich an den Schriften Rudolf Bahros orientierte und abarbeitete, verhaftet und zu 2 1/2 Jahren Haft verurteilt. Rösel beschreibt seine Erfahrungen: im Widerstand, um den politischen Prozess gegen die Gruppe, das Verweigern einer offenen Auseinandersetzung in der DDR, Rösels heutiges Festhalten an der marxistischen Theorie, sowie die Aktivitäten und Deutungen der Ereignisse um das Jahr 1989.

    Download: via AArchiv (mp3)

Torsten Hahnel

… war 1989 20 Jahre alt und Punk. Über die Subkultur formierte sich bei Hahnel eine stark distanzierte Haltung zum Staat, die durch das restriktive Auftreten der Repräsentanten noch radikalisiert wurde. Hahnel, dessen Kritik an der real existierenden DDR gravierende persönliche Folgen hatte, beteiligte sich früh an den Demonstrationen in Leipzig, die er allerdings schon bald aus Gründen nicht mehr aufsuchte. Hahnel verweist darauf, dass der Begriff „Wende“ von Helmut Kohl bereits 1982 geprägt worden sei und eine Hinwendung zu konservativen Werten bezeichnete, was wiederum beim Blick auf die Ergebnisse der Ereignissen um 1989 passend sei. Heute engagiert sich Hahnel, wie bereits um das Jahr 1989, aktiv gegen nationalistisches Denken und Handeln in Sachsen-Anhalt und darüber hinaus.

    Download: via AArchiv (mp3)

Lothar Rochau

…wurde als evangelischer Diakon in eine „fast atheistische Stadt“ (Halle-Neustadt) berufen. Dort sammelte sich um Rochau schnell ein junges, intellektuelles Umfeld, welches offene Diskussionen (unter anderem Bücher wurden Bücher von Erich Fromm und George Orwell gelesen) führte und so schnell ins Blickfeld der Staatsmacht kam. Auch der Kirche waren die alternativen Lebensentwürfe für einen anderen, besseren Sozialismus „mit menschlichen Antlitz“ ohne autoritäre Vorschriften zunehmend suspekt. Rochau selbst wurde kriminalisiert, vor dem obersten Gericht der DDR angeklagt, verurteilt, ins Zuchthaus verfrachtet und 1983 gegen seinen Willen aus der DDR Zwangsabgeschoben: „Mir war zum heulen, ich fühlte mich beschissen.“ Rochau musste in die BRD, wo er weiter aktiv war, um zum schnellstmöglichen Zeitpunkt wieder in die sich auflösende DDR („Eine Sternstunde der Menschheit“) zurückzukehren. Denn: „Man konnte nicht alles der CDU überlassen“.

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Jan Weien

… studierte bis 1989 wissenschaftlichen Kommunismus in Moskau, im August 89 trat er eine Stellung am Lehrstuhl für Geschichte sozialistischer Utopien an der Uni Leipzig an und verliess nach der sogenannten Wende den “Elfenbeinturm Universität”, um für unterschiedliche Firmen in den Bereichen Vertrieb, Marketing und Weiterbildung tätig zu werden.

    Download: via AArchiv (mp3)

Ralf Wendt

…war 1989 – nachdem er den von oben bestimmten Ausbildungsweg verweigerte- in einem Antiquriat tätig und nutzte dies unter anderem um die verkauften Bücher in Flugblättern zu verpacken. In Oppositionskreisen war Wendt als „rot verschrien“ und erlebte immer wieder das die DDR zwar ein statisches System war, aber in diesem immer wieder Diskussionen möglich waren, die ihm Hoffnung auf eine emanzipatorische Gesellschaft machten. Wendt nennt die Ereignisse schlicht „89″: Der Zusammenbruch der sozialisitischen Idee sei tragisch. Zum hier und da bemühten Wort des Umbruchs, fügt Wendt an; das sei etwas, was immer wieder passieren müsse. Analog zur Landwirtschaft; Einmal im Jahr gelte es die bestehenden Verhältnisse umzupflügen. Wendt koordiniert heute das Programm des freien Radios Corax in Halle und führte selbst einige Interview im Wendefokus.

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“some ember”-mixtape online August 18, 2014 | 10:03 pm

die großartigen “some ember” haben kürzlich ein exklusives mixtape für radio corax zusammengestellt.
dieses ist nun streamable & downloadbar.

das aktuelle album gibt es bei bandcamp.

Die alternativlose Universität March 11, 2014 | 08:58 am

Ein Feature, welches auf einem Text des Leipziger AK Gesellschaftskritik basiert, von Radio Corax über den Zustand an den hiesigen Universitäten und der Kritik des Studierens, ist hier zu hören.

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Die Widersprüche zuspitzen – Über Thomas Brasch January 12, 2014 | 07:03 pm

Ein Feature von Radio Corax erzählt von einem Dichter, Schriftsteller, Film- und Theatermacher, dem es Vergnügen bereitete, Gedanken schärfer zu denken, weiterzugehen: Thomas Brasch. Hier der Direktlink.

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Leib ohne Trieb – Von der Prostitution zur Sexarbeit November 21, 2013 | 01:15 pm

Zeitgleich mit tagespolitischen Diskussionen um ein Verbot der Prostitution, lud die Kritische Intervention Theodora Becker und Magnus Klaue nach Halle, um – Abseits von Skandalisierung und Voyeurismus – den Begriff der Sexarbeit hinsichtlich des gesellschaftlichen Verhältnisses zu Arbeit, Sexualität und Körper zu untersuchen.

Theodora Becker: Sehnsucht nach Unmittelbarkeit – Prostitution als illegitimes Kind der Kulturindustrie

Theodora Becker von der autonomen Hurenorganisation Hydra e.V. in Berlin geht der Frage nach, was an der Prostitution der bürgerlichen Ordnung so bedrohlich erscheint, von der sie doch zugleich ein unabdingbarer und institutionalisierter Bestandteil ist, dessen Kontrolle zwar für dringend notwendig erachtet, dessen tatsächliche Abschaffung aber doch selten versucht wurde. In der ambivalenten Stellung der käuflichen Lust zeigt sich ein ebenso problematisches gesellschaftliches Verhältnis zur Sexualität, das auch durch sogenannte sexuelle Revolutionen nicht aus der Welt geschafft wurde. Wie dieses Verhältnis heute aussieht, zeigt sich auch daran, wie sich die Ware Sexualität unter kulturindustriellen Vorzeichen darstellt und welche Bedürfnisse und Sehnsüchte sie bedient. Becker wirft auch die Frage auf, warum in der üblichen, moralisch gefärbten Kritik an der Prostitution die Kommerzialisierung des Intimsten beklagt, jedoch das, was dieser Tauschhandel ermöglicht, meist nicht beachtet wird.

    Download: via AArchiv (mp3)

Wie so häufig bei Veranstaltungen in Halle, gab es vor dem Referat ein Gespräch mit Radio Corax, welches den Fokus stärker auf die tagesaktuellen Debatten um Alice Schwarzers Forderung nach der Abschaffung der Prostitution legt.

Ankündigung:

Sie wollen Prostitution abschaffen und Frauenhandel stärker bekämpfen. Das Argument: Sexarbeiterinnen würden nicht freiwillig in dem Gewerbe arbeiten, es seien patriarchal dominierte ökonomische Strukturen, welche sie in ihre Situation drängen würden. Daher veröffentlichte die Zeitschrift von Alice Schwarzer, EMMA, einen „Appell gegen Prostitution“. Allerdings: Nach Frauen, die selbst betroffen sind, sucht man auf der Liste der UnterstützerInnen vegebens. Die haben schlicht woanders unterschrieben. Sexarbeiterinnen und Sexarbeiter beklagen in einem »Appell für Prostitution« die Ächtung ihres Berufes. Radio Corax sprach mit Theodora Becker vom Hydra e. V. über Arbeitsbedingungen in der Sexarbeit.

Magnus Klaue – Sexwork und Körperpolitik als postfeministische Sozialtechnologie

Magnus Klaue, der in einigen Wochen im Ca-Ira Verlag ein neues Buch veröffentlichen wird, kritisiert die Verwandlung von Sexualität in „Arbeit“, wie sie sich exemplarisch an den Werken von Beatriz Preciado studieren lässt, die keinen Unterschied zwischen Sexualität und Prostitution kennen und das inkommensurable Moment des Triebs durch totale Technifizierung des Sexus zu tilgen suchen. Klaue versucht zu zeigen, inwiefern die „postfeministische“ Körperpolitik Emanzipation nur noch als restlose Selbstzurichtung subjektloser Subjekte kennt, denen Unbewusstes, Trieb und Leib nichts anderes sind als Objekt und Resultat von Wahlentscheidungen und „Einschreibungen“, mithin Ausdruck totaler Vergesellschaftung.

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testcard #17: Sex

Abschließend sei noch auf eine ältere Ausgabe der Testcard hingewiesen. Nummer 17 erschien 2008 unter dem Titel „Sex“ und Radio Corax sprach aus diesem Anlass mit dem, mittlerweile verstorbenen, Herausgeber Martin Büsser

Ankündigung:

„Wurden Sexualität und gesellschaftliche Befreiung Anfang der 1970er noch in einem untrennbaren Zusammenhang miteinander gedacht, ist linker Umgang mit Sex schon ein Jahrzehnt später immer stärker von Sexismus-Debatten überlagert worden. Nirgends wurde lustvoll über Sexualität geschrieben: Körper und Sex erscheinen seit den 1980ern in linksradikalen Kreisen als vermintes Gelände…“ Mit diesen Worten beginnt das Editorial der neuen Testcard. Jene Zeitschrift, die sich als Anthologie zur Popgeschichte und Poptheorie versteht. Testcard erscheint halbjährlich und beinhalten Artikel zu Musik, Film und zeitgenössischer Kunst, die um einen wechselnden Themenschwerpunkt kreisen. Diesmal eben Die Linke und der Sex. Was die MacherInnen dazu veranlasst hat? Darüber hat Judith mit dem Mitherausgeber Martin Büsser geredet.

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Kunst und Gesellschaftskritik in Zeiten der Kulturindustrie (II) November 8, 2013 | 12:18 pm

Drei weitere Vorträge, der bereits ausgiebig gewürdigten Reihe der Kritischen Interventionen (Halle) zum Verhältnis von Kunst und Gesellschaftskritik, können wir dokumentieren: Detlev Claussen mit Thesen zur Aktualisierung der Kritik von Kulturindustrie und Halbbildung, Roger Behrens mit Anmerkungen zu Faschismus, Avantgarde und Befreiung in der verwalteten Welt und Rüdiger Dannemann über die späte Ästhetik bei Georg Lukács.

Detlev Claussen: Thesen zur Aktualisierung der Kritik von Kulturindustrie und Halbbildung

Detlev Claussen, der bei Horkheimer, Adorno und Habermas studierte und zu den wenigen Gesellschaftstheoretikern gehört, die sich auch heute noch der Kritischen Theorie verpflichtet fühlen, wurde eingeladen um Thesen zu Kulturindustrie und Halbbildung im 21. Jahrhundert zu formulieren. Tendenz: Stark anekdotisch und nicht ohne Humor.

Ankündigung:

Vor mehr als sechzig Jahren publizierten Horkheimer und Adorno ihre Thesen zur kapitalistischen „Kulturindustrie“, die alle Kunst und alle Kultur in Warenform presst und nur noch Produzenten und Konsumenten kennt. Hatte bürgerliche Kunst in ihren Augen den Profit „nur mittelbar“ angestrebt, und ein autonomes Wesen bewahren können, sei das Neue an der Kulturindustrie des 20. Jahrhunderts „der unmittelbare und unverhüllte Primat der ihrerseits in ihren typischsten Produkten genau durchgerechneten Wirkung. Geistige Gebilde kulturindustriellen Stils sind nicht länger auch Waren, sondern sind es durch und durch.“ Doch nicht nur die Warenförmigkeit der Kulturgüter in Zeiten des warenproduzierenden und -tauschenden Kapitalismus kritisierten die beiden, sondern vielmehr ihren spezifisch ideologischen Gehalt, der das Bestehende naturalisiert und den status quo rechtfertigt: „Der kategorische Imperativ der Kulturindustrie hat, zum Unterschied vom Kantischen, mit der Freiheit nichts mehr gemein. Er lautet: du sollst dich fügen, ohne Angabe worein; fügen in das, was ohnehin ist, und in das, was, als Reflex auf dessen Macht und Allgegenwart, alle ohnehin denken“. Vor einigen Jahrzehnten war neben der allgegenwärtigen Reklame dabei vor allem an die Filmindustrie zu denken, in Deutschland insbesondere an Heimatromane und -filme, dann an sogenannte Soaps. Sie alle präsentierten den vereinzelten Konsumenten Einzelcharaktere und „Einzelschicksale“, und immer auch ihre Versöhnung mit ihren Problemen und damit mit den gesellschaftlichen Verhältnissen („happy end“).
In einem ganz ähnlichen Zusammenhang kommentierte Heiner Müller: „Am Verschwinden des Menschen arbeiten viele der besten Gehirne und riesige Industrien. Der Konsum ist die Einübung der Massen in diesen Vorgang, jede Ware eine Waffe, jeder Supermarkt ein Trainingscamp.“ Die in den letzten Jahren stattfindende Verschiebung hin zu sogenannten Reality-Formaten im Fernsehen lässt die Rede vom Trainingscamp in neuem Licht erscheinen. Denn massenmediale Formate wie das Dschungelcamp oder die zahlreichen Talentwettbewerbe scheinen Training für eine neue gesellschaftliche Situation zu bieten – die in Zeiten der Krise endgültig zerfallende bürgerliche Gesellschaft, in der die Konkurrenz aller gegen alle auf eine neue Stufe gehoben wird, und wo die offene Erniedrigung und Entmenschlichung von Konkurrenten unvermittelter und unverschleierter sich durchsetzt, als jemals zuvor.
Und auch auf einer anderen Ebene ist von einer Zäsur zu sprechen. Das Internet hat das gesellschaftliche Leben auf allen Ebenen in noch nie dagewesener Stärke durchdrungen. Sogenannte soziale Netzwerke „digitalisieren“ reale Beziehungen, permanente Erreichbarkeit und freiwillige Selbstentblößung auf facebook spiegeln scheinbar Entwicklungen auf dem postfordistischen Arbeitsmarkt. Anonymität bietet gleichzeitig Möglichkeiten der Ermächtigung, aber auch der Barbarei. Der „shitstorm“ ermöglicht die anonyme Beteiligung am mächtigen und strafenden Mob, eine gefahrlose Möglichkeit der Befriedigung des narzißtischen Bedürfnisses aus dem heimischen Wohnzimmer. Und auch die „Halbbildung“ der Menschen verändert sich, die Möglichkeit des Abrufens von tagesaktuellem, historischem, enzyklopädischen Wissen zu jeder Zeit und überall, verbunden mit einem Verlust von individuell angeeignetem und internalisierten Wissen führt zu neuen Quantitäten und Qualitäten des „Meinens“.

Referat:

    Download: via AArchiv (mp3)

Diskussion:

    Download: via AArchiv (mp3)

Vor dem Vortrag sendete Radio Corax einen Beitrag, der stärker als der Vortrag auf die Ambivalenz des Internets und die Halbbildung im 21. Jahrhundert eingeht.

Einen Tag nach dem Vortrag bat ebenfalls Radio Corax Claussen zu einem 45 minütigen Gespräch ins Studio.

Roger Behrens: Ästhetik des Widerstands – Politisierung der Kunst Anmerkungen zu Faschismus, Avantgarde und Befreiung in der verwalteten Welt

Ausgehend vom sehr empfehlenswerten Roman „Die Ästhetik des Widerstands“ (Peter Weiss), konstatiert Roger Behrens die Wendung ins affirmativ-banale aller Versuche einer Politisierung der Kunst (Walter Benjamin). Da Behrens eine klassische Vorstellung des Buches umgeht, sei vorab auf einen einführenden Beitrag vom FSK über die Hörspielfassung des Romans verwiesen.

Ankündigung:

Walter Benjamin forderte in seinem Aufsatz ›Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit‹ von 1936 gegen die Ästhetisierung der Politik eine Politisierung der Kunst. Welche Kunst und welche Politik waren damit gemeint? Benjamin stellte die Forderung zu einem Zeitpunkt, zu dem klar sein musste, dass die künstlerischen Avantgarden wie auch die emanzipatorische Linke gleichermaßen gescheitert waren: von den Versprechen der bürgerlichen Gesellschaft korrumpiert, vom Faschismus, Nationalsozialismus, aber auch Stalinismus vernichtet, schien sich unter Bedingungen des Terrors jede politische wie ästhetische Form der Kritik theoretisch wie praktisch zerschlagen zu haben. Und zwar nicht zuletzt deshalb – mithin ist das die dialektische Volte in Benjamins Postulat –, weil die Ästhetisierung der Politik eine Politisierung der Kunst tendenziell unmöglich macht, wie auch, könnte man hinzufügen, das kommunistische Projekt überhaupt. Gleichwohl finden sich in der zweiten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts, ab Ende der vierziger Jahre und dann vor allem seit den Fünfzigern zahlreiche Versuche, diese Politisierung der Kunst umzusetzen, mit unterschiedlichsten Ansprüchen und Vorstellungen von dem, was »Politisierung« und was »Kunst« bedeutet – Abstrakter Expressionismus, Pop-Art oder der Antiformalismus des Sozialistischen Realismus sind hierfür paradigmatische Entwicklungen. Als »Politisierung der Kunst« entsteht jetzt (erst!) eine so genannte Gegenwartskunst – als konstitutives Segment der fortgeschrittenen Kulturindustrie, und damit als integrales Moment der Ästhetisierung der Politik. Überdies verdichtet sich in der zweiten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts die Ästhetisierung der Politik zur ›Gesellschaft des Spektakels‹; und gegen diese kann eine Politisierung der Kunst nur in der doppelten Aufgabe gefasst werden kann: als Aufhebung von »Politik« wie »Kunst« gleichermaßen. Indes kann »Politisierung der Kunst« jedoch auch heißen, gerade in Konfrontation zur Ästhetisierung der Politik, dass sich die radikale Kritik beziehungsweise die wirkliche Bewegung auf die vorhandene Kunst beschränken muss, also in der Kunst ein Abseits, einen Zufluchtsort, ein Exil, einen Überlebensraum findet, wenn unter gegebenen Bedingungen eine emanzipatorische Politik als revolutionäre Praxis gesellschaftlich nicht mehr machbar ist. »In der Kunst« meint dabei nicht, politische Praxis in die Praxis des Künstlers umzuwandeln, im Sinne von »Kunst machen«, sondern: sich auf die Auseinandersetzung mit der Kunst und den Künsten einzulassen – und das heißt: revolutionäre Praxis, die als praktische Revolution außer Kurs gesetzt ist, in die – letztendlich bereits musealisierte – Kunst zu verlegen, um dort Geschichte als Ästhetik des Widerstands fortzusetzen. Diese Ästhetik des Widerstands findet in der Kunst und den Künsten ihren Fluchtpunkt, der auch Ausgangspunkt ist; insofern ist die Ästhetik des Widerstands nicht auf die Kunst beschränkt, nicht an die Künste gebunden. (Es ist keine Rettung der Kunst, um der Kunst willen; nur so ist die Ästhetik des Widerstands in ihrer reflexiven Ambivalenz zu verstehen, widerständige Ästhetik und ästhetischer Widerstand zu sein. Die Ästhetik des Widerstands als Auseinandersetzung mit der Kunst und den Künsten ist zugleich Auseinandersetzung mit der Geschichte, mit der Vergangenheit, ihrem Ungleichzeitigen und Unabgegoltenen; und diese Auseinandersetzung ist als Ästhetik des Widerstands auch der Versuch, sich als historisches Subjekt seine Identität zu sichern: als »verlebendigte Erfahrung«). ›Die Ästhetik des Widerstands‹ ist der Titel eines Romans von Peter Weiss, geschrieben und veröffentlicht 1975 bis 1981. Anfang der achtziger Jahre gründen sich zu dem Buch zahlreiche Lesegruppen; die Auseinandersetzung mit dem Roman steht im Kontext der gesellschaftlichen – und im engeren Sinne »politischen« – Entwicklungen der siebziger und frühen achtziger Jahre; sie ist wesentlich nicht akademisch organisiert, sondern wenn institutionell, dann eher gewerkschaftlich. Viele junge Leute beteiligen sich. Die Lektüre des umfangreichen Buchs erweist sich als sperrig. Auch wenn es sich um einen Roman handelt, wird ›Die Ästhetik des Widerstands‹ als Theorieentwurf diskutiert; allein der Titel hat theoretisches Potenzial, klingt schon nach einer emanzipatorischen Parole. Thematisiert wird das – damals ohnehin virulente – Problem einer Aufarbeitung der Vergangenheit, für die Peter Weiss’ ›Ästhetik des Widerstands‹ als Modell genommen wird. Doch es geht nicht unmittelbar um die Vergangenheit, die Weiss als Gegenwart beschreibt (die nazideutsche Gesellschaft), sondern um das Nachleben dieser Vergangenheit in der Gegenwart. Der Faschismus, von dem ›Die Ästhetik des Widerstands‹ handelt, korrespondiert mit den Veränderungen der Verhältnisse von Individuum, Gesellschaft und Staat in der Zeit, in der Peter Weiss’ Roman erscheint – und die von vielen, die den Roman diskutieren, als »Faschisierung« begriffen wird. Im Verlauf der neunziger Jahre verschwindet das Interesse an Peter Weiss und der emanzipatorischen Aktualisierung der ›Ästhetik des Widerstands‹; die wirkliche Bewegung der radikalen Linken läuft ins Leere, die Versuche einer Politisierung der Kunst wenden sich ins affirmativ-banale – wobei mit der Ausweitung des »Kunstfeldes« gleichzeitig ein umfangreiches und vielfältiges »Politisch-Werden« der Kunst reklamiert wird, das sich in der allgemeinen kulturellen Formierung widerspiegelt. Wenn sich nun heute eine Ästhetik des Widerstands verwandelt als »Ästhetik der Politik« beziehungsweise die Politisierung der Kunst als »Politik des Sinnlichen« wiederholt, ist zu diskutieren, ob das konsequente Aktualisierungen oder ebenfalls konsequente Depotenzierungen kritischer, geschichtsmächtiger Praxis sind.

Referat:

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Diskussion:

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Rüdiger Dannemann: Die späte Ästhetik Georg Lukács’ und ihre “Vorgeschichte”

Vor 50 Jahren veröffentlichte Georg Lukács Die Eigenart des Ästhetischen, die nach ihrem Erscheinen auf wenig Resonanz stieß. Rüdiger Dannemann, Vorstandsmitglied und Mitbegründer der Internationalen Georg Lukács Gesellschaft, erklärt sich das Ausbleiben einer ernsthaften Auseinandersetzung auch in einer angeblichen Aversion, die im Umfeld der Kritischen Theorie gegen den Dogmatiker und Intimfeind gepflegt wurde.

Ankündigung:

Während das philosophische und ästhetische Frühwerk von Georg Lukács („Die Seele und die Formen“ und „Die Theorie des Romans“) als epochemachende Leistung Anerkennung findet (etwa bei Adorno oder Bloch oder Agnes Heller und Judith Butler), scheiden sich an seinem Spätwerk die Geister. Während einige der Rezipienten „Die Eigenart des Ästhetischen“ (1963) als erste marxistische Ästhetik von Rang betrachten (etwa Nicolas Tertulian in Frankreich, Guido Oldrini in Italien oder Georg Bollenbeck, Hans Heinz Holz und Thomas Metscher hierzulande), stößt das Werk, das selbst Gegner als „genialen Irrtum (Vladimir Karbusicky) einstufen, beim Mainstream der hiesigen Literaturwissenschaftle​r auf Ablehnung bzw. Desinteresse. Es lässt sich aber zeigen, dass Lukács‘ ästhetischer Ansatz ähnlich wie seine Verdinglichungstheorie durchaus aktuelle Relevanz besitzt. In meinem Vortrag möchte ich darauf eingehen, wie Lukács‘ ästhetischer Ansatz (Sziklai spricht von einer „kommunistischen Ästhetik“) in den 1930er Jahren entstanden ist und welche Reaktionen seine kritischen Einmischungen provozierten. An den diversen Lukács-Debatten beteiligten sich immerhin Intellektuelle von Ruf wie Adorno, Bloch, Becher, Brecht, Bürger, Döblin, Gallas, Thomas Mann, Mittenzwei, Anna Seghers u.v.a. Ein Symptom dafür, welchen Stellenwert Lukács‘ ästhetischer Diskurs im 20. Jahrhundert besaß. Es ist eine offene Frage, wie Lukács‘ Werk in eine kritische Literaturwissenschaft des 21. Jahrhunderts einzuordnen ist und ob eine Synthese werk- und rezeptionszentrischer Ästhetiken (Almasi) möglich ist. Zur Diskussion steht die Frage, ob eine kritisch-engagierte Literaturwissenschaft, die diesen Namen verdient, auf die Impulse und Intuitionen der großen Ästhetik Lukács‘ verzichten kann bzw. verzichten sollte.

Referat:

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Diskussion:

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Beachtenswert auch ein vor der Veranstaltung geführtes Interview mit Dannemann

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Die Abwesenheit des Utopischen August 6, 2013 | 01:54 pm

Ein kurzes Feature von Adrian Lauchengrund, der sich im Zuge eines Festivals in Halle für Radio Corax auf die Suche nach dem ganz Anderen begibt und dabei vor allem eine Abwesenheit des Utopischen konstatiert.

Download: via frn (mp3; 0:20 h; 34 MB)

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»[…] das wache Begehren, zu kritisieren, was uns so müde macht.« – Outside the Box #4. Arbeit June 20, 2013 | 11:49 am

Unser Leben ist der Mord durch Arbeit, wir hängen 60 Jahre lang am Strick und zappeln, aber wir werden uns losschneiden.
(Georg Büchner, Dantons Tod, 1835)

Heute erscheint in Leipzig die vierte Ausgabe der feministisch-materialistischen Zeitschrift »Outside the Box«. Zum Thema Arbeit sind lesenswerte 160 Seiten entstanden, die in gesellschaftskritischen Artikeln, künstlerischen Auseinandersetzungen, Diskussionen und Gesprächen die (all)gegenwärtigen Widersprüche und Zwänge thematisieren und so eine theoretische und praktische Auseinandersetzung (nicht nur) mit dem Feminismus vorantreiben. Dazu ein Gespräch von Radio Corax mit zwei Redakteurinnen der Zeitschrift.

    Download: via AArchiv (mp3; 36 min; 83 MB)

Wie Outside the Box, wo seit mittlerweile fünf Jahren auch mit neuen Formen des Zeitschriftenmachens experimentiert wird, versucht auch Roswitha Scholz an einer feministischen Kritischen Theorie zu arbeiten. Bei Rotten System/Rotten World findet sich ein Interview mit Scholz.

    Download: via AArchiv (mp3; 47 min; 65 MB)
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Nischen als Übungsfeld für den sich ständig erneuernden Kapitalismus June 18, 2013 | 08:01 am

Hier werden neue Arbeitszeitmodelle geübt, Menschen flexibilisiert, das Chefduzen erlernt, die Kreativität und der Spaß ausgebeutet: (subkulturelle) Nischen. Ein Feature von Radio Corax, welches einen Artikel aus Testcard #19 vertont, unter der Frage „Was blüht (uns) in der Nische?“ Hörenswert gerade beim Blick auf jene Versuche, die sich – bei der Suche nach dem guten Leben – in den jämmerlichen Gegebenheiten des Kapitalismus einrichten. Download: via AA (mp3; 0:25 h; 34 MB)

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Roger Behrens: Versuche einer kritischen Radiopraxis December 9, 2012 | 02:53 pm

Er hielt Rundfunkvorträge, nahm an Gesprächsrunden1 teil, diskutierte im Fernsehen über Fragen der kritischen Theorie, bediente sich des Rundfunks, um im Sinne der Erziehung zur Mündigkeit mit politisch – philosophischen Beiträgen Aufklärung zu leisten: Theodor W. Adorno. Michael Schwarz, Mitarbeiter im Adorno-Archiv, hat allein 114 Rundfunkgespräche gezählt, bei denen sich Adorno vor das Mikrophon setzte. Noch höher ist die Zahl der ausgestrahlten Vorträge im Radio. Durch die Partizipation im öffentlich-rechtlichen Rundfunk versprach er sich seinen Teil zur Entbarbarisierung beizutragen; das Radio als Kommunikationsapparat zu nutzen, statt es wie in der Kulturindustrie zum Volksempfänger zu funktionalisieren.
Das (öffentlich-rechtliche) Radio, das hilft nicht zu verkümmern, ist heute Illusion: Rundfunkanstalten sind vernarrt in die Idee, dass Hörfunk eine Art überall erreichbaren Services sei. Die Konsequenz ist das kleinste zumutbare gemeinsame Vielfache: Musik, die durch den Alltag dudelt und – quasi zusätzlich- Informationen über das Wetter, den Verkehr und das tagesaktuelle Geschehen – möglichst gut und schnell verdaulich. Nicht verwunderlich daher, dass Akteure, die sich in der Tradition der Kritischen Theorie sehen, sehr selten in solchen Formaten zu Wort kommen. Die Wenigen, die dennoch zu hören sind, sind zumeist auf die limitierten Möglichkeiten freier Radios angewiesen. Ein Beispiel liefert Roger Behrens Sendung Freibaduniversität (im Winter Hallenbaduniversität genannt), die er für das Freie Senderkombinat Hamburg und Radio Corax produziert. Einige Sendungen der letzten Monate dokumentieren wir im Folgenden.

Zu Walter Benjamins Über den Begriff der Geschichte2

Es gibt ein Bild von Klee, das Angelus Novus heißt. Ein Engel ist darauf dargestellt, der aussieht, als wäre er im Begriff, sich von etwas zu entfernen, worauf er starrt. Seine Augen sind aufgerissen, sein Mund ist offen und seine Flügel sind ausgespannt. Der Engel der Geschichte muß so aussehen. Er hat das Antlitz der Vergangenheit zugewandt. Wo eine Kette von Begebenheiten vor uns erscheint, da sieht er eine einzige Katastrophe, die unablässig Trümmer auf Trümmer häuft und sie ihm vor die Füße schleudert. Er möchte wohl verweilen, die Toten wecken und das Zerschlagene zusammenfügen. Aber ein Sturm weht vom Paradiese her, der sich in seinen Flügeln verfangen hat und so stark ist, daß der Engel sie nicht mehr schließen kann. Dieser Sturm treibt ihn unaufhaltsam in die Zukunft, der er den Rücken kehrt, während der Trümmerhaufen vor ihm zum Himmel wächst. Das, was wir den Fortschritt nennen, ist dieser Sturm. (Walter Benjamin, Über den Begriff der Geschichte) Roger Behrens spricht über die posthum unter dem Titel „Über den Begriff der Geschichte“ publizierten geschichtsphilosophischen Thesen Benjamins.

    Download: via AArchiv (mp3; 57 min; 20 MB)

Verstummen. Versuch einer Aktualisierung der Kritischen Theorie

Roger Behrens unternimmt den Versuch einer Bestandsaufnahme sowie einer Aktualisierung der kritischen Theorie des Sozialphilosophen Theodor W. Adorno; dabei geht es auch um Aspekte, die in der kritischen Gesellschaftstheorie Adornos widersprüchlich oder bloß angedeutet blieben, etwa um die Frage der gegenwärtigen Bedeutung der Kritik der Kulturindustrie für die neuere Popkultur, um die Perspektiven einer ästhetischen Theorie nachdem Kunst endgültig verstummt scheint.

    Download: via AArchiv (mp3; 45 min; 52 MB)

Die Moderne redigiert. Zum Tod von Heinz Paetzold

Am 9. Juni ist der Kulturphilosoph und Kritische Theoretiker Heinz Paetzold gestorben. Wer Paetzold liest, merkt sofort, auf welche Vielfalt von Theorien er sich bezogen hat. Keineswegs ist sein Zugriff auf die unterschiedlichsten Theorien affirmativ, wenn auch insofern wohlwollend, als er selbst Arnold Gehlen oder Shuzo Kuki und Tetsuro Watsuji in der Perspektive rettender Kritik rezipiert.

    Download: via AArchiv (mp3; 29 min; 52 MB)

Über und gegen Heideggers Ontologie

Heideggers Ontologie wurde von unterschiedlichsten Schulen nachgerade euphorisch rezipiert als vermeintlich einziger Denkweg, der im gegenwärtigen Zeitalter überhaupt noch beschritten werden könne. Dass Heidegger die Metaphysik endgültig zerschlagen wollte und Jacques Derrida dies mit dem Verweis quittierte, Heidegger sei damit nicht weit genug gegangen, ist überdies symptomatisch für eben die Paradoxie, die die moderne Ontologie im Kontext der Geschichte des 20. Jahrhunderts ohnehin bezeichnet: Die Fundamentalontologie ist nur naiv oder zynisch vom deutschen Boden zu trennen, auf dem die Lichtung des unverborgenen Seins inmitten des nationalsozialistischen Terrors ausgemacht wurde. Dass Heidegger sich nicht nur persönlich zum Faschismus bekannte, gilt noch heute in der akademischen Philosophie als Tabu.

    Download: via AArchiv (mp3; 56 min; 64 MB)

Erich Fromm und die kritische Theorie des Subjekts

Erich Fromm über den angepassten Menschen heißt ein kurzer, zweiminütiger Clip auf Youtube, in dem Fromm in einem Interview von 1977 über die spätkapitalistische Gesellschaft spricht: Wie werden Menschen in die bestehende Ordnung integriert, und wie wird dabei ihr psychischer Apparat so organisiert, dass man sich mit einer Struktur abfindet, in der die Repression nachgerade als Erfüllung höchster Ziele erscheint? Fromm beginnt: Die Normalsten sind die kränkesten, und die Kranken sind die gesündesten … Der Mensch, der krank ist, der zeigt, dass bei ihm gewisse menschliche Dinge noch nicht so unterdrückt sind, dass sie in Konflikt kommen mit den Mustern der Kultur und dass sie dadurch Symptome erzeugen … Glücklich der, der ein Symptom hat; wie glücklich der, der einen Schmerz hat, wenn ihm etwas fehlt. Das wissen wir: Wenn der Mensch keinen Schmerz empfinden würde, wäre er in einer sehr gefährlichen Lage. Aber sehr viele Menschen sind so entfremdet, dass sie schon gar keinen Konflikt mehr empfinden, das heißt, ihr wirkliches Gefühl ist so verkümmert, dass sie das Bild einer chronischen leichten Schizophrenie zeigen.

    Download: via AArchiv (mp3; 45 min; 51 MB)

Allumfassende Kulturindustrie

In der Konkurrenz der Medien ist der Bedarf nach Musik, Geschichten und Bildern ebenso unersättlich wie in der politischen Konkurrenz der Interessen der nach Expertenäußerungen. Irgendwelche Verbindlichkeit hat das alles nicht. Ein Musikstück folgt dem anderen, eine Expertenäußerung wird von der nächsten aufgehoben. Künstler machen es mehr mit modischer Unangepaßtheit. Aber im Großteil der Fälle passiert gar nichts. Roger Behrens über die Totalität und die Möglichkeiten einer Kritik der Kulturindustrie.

    Download: via AArchiv (mp3; 56 min; 19 MB)

Krieg und Pop

Die Gammler und der Protest gegen die atomare Wiederaufrüstung, die friedliche Nelkenrevolution mit den Blumen in den Gewehrläufen, die Poster, auf denen Atompilze und sterbende Soldaten mit einem Why? befragt wurden, und die Mauer, auf der steht: Stell Dir vor es ist Krieg, und keiner geht hin!; Yoko Ono und John Lennon (Make Love, not War), Joseph Beuys (Wir wollen Sonne statt Reagan, in), Nicole (Ein bißchen Frieden) und natürlich die Bots, überhaupt die Friedensbewegung, das Friedenszeichen und Picassos weiße Taube, und so weiter. Doch die Symbolik der Popkultur ist nur augenscheinlich eine des Friedens: Bereits die frühen Jugendbewegungen zogen 1914 begeistert in den ersten Weltkrieg; eine – wie auch immer codierte – Adaption militärischer Accessoires gehört zu fast allen Popkulturen, von den Flieger-Lederjacken bis zu den Parkas der Mods und! der derzeitigen Camouflagebekleidung. Ihren Protest gegen den Krieg setzt die Popkultur nicht selten mit den Mitteln des Krieges um – diesen Zynismus hat zuerst der Punk erkannt, allen voran Gruppen wie Crass, die dann auch richtig stellten: Fight War, not Wars!. Um es kurz zu machen; Kein Pop ohne Krieg. Friedrich Kittler hat die Nähe zwischen Kriegselektronik und moderner Kulturtechnik nachgewiesen; die Fundierung der sexistischen Gewalt in der Popkultur, die im Krieg etwa als Massenvergewaltigung eingesetzt wird, bestätigt Männerphantasien von Ernst Jünger bis Slayer. Alle maßgeblichen Elemente der Massenkultur sind zugleich Elemente des Krieges. Roger Behrens über Krieg und Pop.

    Download: via FRN (mp3; 56 min; 19 MB)

Gesellschafts- statt Kulturkritik.75 Jahre traditionelle und kritische Theorie (Max Horkheimer)

Die Frage, ob man für oder gegen Kritische Theorie sei, ist Unfug; sie entspricht der herrschenden Tendenz in den Geistes- und Sozialwissenschaften, vom theoretischen Ballast, von schwerverdaulicher Kritik sich zu verabschieden: sich frei zu machen, womöglich von Theorie überhaupt; als ob nicht die Zustände das Problem seien, sondern die Theorie, die diese Zustände als problematisch beschreibt. Mit der Kulturindustriethese gelingt Adorno eine Kulturkritik, die über den konservativen und restaurativen Kulturpessimismus mehr als hinausgeht – und deswegen keine Kulturkritik ist, sondern an der Kultur explizierte Gesellschaftskritik; mit der Kulturindustriethese entfaltet Adorno die Notwendigkeit einer dialektischen Aufhebung der Kultur, als deren Resultat das stünde, was Adorno kaum auszusprechen wagte, was zugleich im Namen der Kultur strukturell verhindert wird: die emanzipierte Gesellschaft. Roger Behrens – aus Anlass des 75. Jahrestages des Erscheinens des Aufsatzes traditionelle und kritische Theorie von Max Horkheimer – zur Aktualität der Kritischen Theorie.

    Download: via AArchiv (mp3; 45 min; 15 MB)

Kritik der Medien und des Pop

Seit den fünfziger Jahren des 20. Jahrhunderts bilden Neue Medien, Pop, Postmoderne und die dazugehörigen theoretischen Derivate die kulturelle, technische und ideologische Architektur des Spätkapitalismus; zusammen mit Wörtern wie Information, Kybernetik, Kommunikation und dergleichen bestimmen sie den Ausdruckszusammenhang der Entwicklung von der fordistischen zur postfordistischen Gesellschaft bis in die Gegenwart. Pop, Medien oder Postmoderne werden dabei in je spezifischen Diskursformationen (Popdiskurs, Cultural Studies, Medientheorie, Postmoderne und Poststrukturalismus) als Paradigmen eingeführt. Dabei werden Bezeichnungen wie Pop und Medien auf immer mehr Bereiche der gegenwärtigen Gesellschaft ausgedehnt und verallgemeinert (ohne damit aber Allgemeines zu begreifen): Die Gesellschaft wird zum abstrakten Modell, die konkreten Beziehungen der Menschen immaterialisiert. Die materiellen Bedingungen der Produktion sind aufgelöst in Feldern, Koordinaten, Systemen, oder werden schlichtweg theoretisch annulliert. Roger Behrens übt eine Kritik der Medien und des Pop.

    Download: via FRN (mp3; 49 min; 35 MB)

Weitere aktuelle Beiträge von Behrens werden unregelmäßig, aber früher als im Audioarchiv, hier zusammengetragen.

  1. Eine kleine Auswahl findet sich unter anderem bei Ubu:
    http://ubu.com/sound/adorno.html
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  2. In dieser Sendung tauchen auch hin und wieder Sequenzen des Ammer & Console Projektes Loopspool (1999) auf. Dort finden sich die Stimmen von Theodor W. Adorno, Laurie Anderson, Ernst Bloch, Lisa Fittko, Heiner Müller, Max Rychner und Gerschom Sholem: http://www.coderecords.de/code01loopspool.html [zurück]
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Eine andere Art von Rundfunk October 12, 2012 | 07:47 pm

Ein sehr gelungenes Feature über die Geschichte und Gegenwart der freien Radios in Deutschland hat Maximilian Netter für Deutschlandradio Kultur produziert. Die Sendung reist Auseinandersetzungen linker Medientheorie an und porträtiert dabei Radio Dreyeckland (Freiburg), Radio Corax (Halle), Radio Z (Nürnberg) und PiRadio (Berlin). Download: via AArchiv (mp3; 0:54 h; 123 MB)

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Once again: Deutschland? Nie wieder [?] October 3, 2012 | 08:36 am

Am Tag nationaler Selbstbeweihräucherung, in einem Jahr in dem immer offensichtlicher zum omnipräsentem ökonomischen Sachzwang die Niedertracht politischer Nötigung durch die europäische Hegemonialmacht – den „Zuchtmeister“ – Deutschland hinzutritt, will das Audioarchiv einmal mehr auf (theoretische) Bemühungen verweisen, die versuchen Kontinuität und Wandel deutscher Ideologie zu bestimmen.

Bereits hier, dort, da und nochmal hier dokumentierten wir Diskussionen und Vorträge zur Frage, ob und wieweit die deutsche Nation normalisiert sei, ob es einen Wandel des Nationalbewusstseins gegeben habe, da sich Deutschland zu einem stinknormalen weltmarktkonkurrierenden Nationalstaat transformiere und hauptsächlich antikapitalistisch bewertet werden müsse. 1

Deutschland? Nie wieder! – Podiumsdiskussion, Hamburg 2008

Einen Überblick über die Positionen liefert ein Mitschnitt – der uns nun zugespielt wurde – einer Podiumsdiskussion im Hamburger Uebel & Gefaehrlich aus dem Jahr 2008. Unter dem Motto »Deutschland? Nie wieder!« ging damals ein halbwegs prominentes Podium der Frage nach, wie (…) eine Kritik an der Nation im Allgemeinen und an Deutschland im Besonderen heute auszusehen hat. Unter der Moderation der Zeitschrift Phase 2 trafen Hermann L. Gremliza, die Gruppe 8. Mai, Sinistra! und TOP Berlin aufeinander.

Das Feuilleton wird dieser Tage mit einem Kalauer vollgebrochen: Deutschland ist volljährig. Vor genau 18 Jahre trat der Einigungsvertrag in Kraft, der die Auflösung der DDR und die Angliederung von dessen Territorium an die Bundesrepublik Deutschland besiegelte. Ein blumiges Bild ist das: eine junge Nation, die ihre Tage oder den ersten Flaum über der Oberlippe bekommen und verarbeitet hat und mit »Führerschein« und VW Golf selbstbewusst ins ernste Leben rauscht. Bei der Bundestagsvizepräsidentin Katrin Göring-Eckardt (Grüne) klingt das so: »Deutschland ist volljährig, aber auch noch ein Teenager. Der fühlt sich stark, hat aber noch einiges zu lernen, (…) kann bis nach Mitternacht in der Disco feiern, muss aber mit dem Kater selber klarkommen (…). Volljährig sein bedeutet aber auch: Man kann sich endlich mal so richtig das Jawort geben.« Für die antideutsche bzw. antinationale Linke galt es hingegen in den letzten 18 Jahren, diesen Positivismus zurückzudrängen und einige Basisbanalitäten immer wieder zu betonen, so dass sie heute wie Psalme aus dem Gebetsbuch klingen müssen. Eine dieser Formeln, die Deutschland in den letzten 18 Jahren als stichelnde Erinnerung an den Nationalsozialismus und an Auschwitz begleitet hat, ist unserer Podiumsdiskussion überschrieben. »Deutschland? Nie wieder!«, hat Marlene Dietrich einmal auf die Frage eines Reporters geantwortet, ob sie sich vorstellen könne, nach dem 2. Weltkrieg aus dem us-amerikanischen Exil in einen postnazistische, deutschen Staat zurückzukehren. »Deutschland? Nie wieder!« war in Adaption auch das Motto linksradikaler Demonstrationen und einer Konferenz 1989 und 1990, die den Kristallisationspunkt einer antideutschen Strömung innerhalb der hiesigen Linken darstellte. 18 Jahre gesellschaftskritischer Interventionen gegen den Drang zur Abfertigung oder Instrumentalisierung der Shoa und unzähliger Normalisierungsbestrebungen der deutschen Nation später, wollen wir noch mal einen Blick zurück und einen nach vorn werfen. Es sollen die Metamorphosen Deutschlands, die Entwicklungen oder Verschiebungen der letzten Jahre – vom Kosovokrieg bis zur schwarz-rot-geilen WM – unter der Prämisse diskutiert werden, wie sich die Position zu Deutschland verändert hat oder zu verändern wäre. Wie hat eine treffliche Kritik an der Nation im Allgemeinen und an Deutschland im Besonderen heute auszusehen? Wo liegen die Bruchlinien und Differenzen zwischen einer antideutschen und einer antinationalen Kritik? Diese Fragen sollen am Tag der offiziellen Feierlichkeiten zur »deutschen Einheit« in Hamburg geklärt werden. Zu diesem Zweck haben wir den konkret-Herausgeber und Mitinitiator der »Nie wieder Deutschland«-Kampagne 1989/1990 Hermann L. Gremliza, die Gruppe Theorie Organisation Praxis (T.O.P.) Berlin, die Frankfurter Assoziation Sinistra!, sowie die Gruppe 8. Mai eingeladen. Das Gespräch moderiert einE VertreterIn der Zeitschrift Phase 2.

Die Aufnahme beginnt mit Hermann Gremliza, der als Mitinitator der Nie wieder Deutschland Kampagne vorgestellt wurde und daher auch mit einem Blick ins Jahr 1989 startet.

    Download: via AArchiv (mp3; 1:40:20 h; 143 MB)

Jan Gerber: Nie wieder Deutschland? Die Linke im Zusammenbruch des “realen Sozialismus”

Drei Jahre (2011) nach dieser Veranstaltung veröffentlichte Jan Gerber im Freiburger ça ira Verlag seine Dissertation unter dem Titel Nie wieder Deutschland? Die Linke im Zusammenbruch des »realen Sozialismus. Radio Corax nahm die Publikation zum Anlass für ein ausführliches Gespräch mit Gerber.

Der Anschluß der DDR an die BRD und der Durchmarsch der Ideologie des freien Marktes verschärften die Krise bestehender linksradikaler Strukturen. Jan Gerber betrachtet, in seinem unlängst im ça ira Verlag veröffentlichten Buch „Nie wieder Deutschland? Die Linke im Zusammenbruch des »realen Sozialismus«“, systematisch die Geschichte der hiesigen Linken, die das Individuum immer wieder dem repressiven Kollektiv geopfert hat. Aus Anlass der Veröffentlichung sprach Alex von Radio Corax mit Gerber.

    Download: via AArchiv (mp3; 00:32 h; 11 MB)
  1. So die Zusammenfassung Sonja Wittes der Antinationalen Position des Ums Ganze Bündnisses [zurück]
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Utopie, Spiel, Menschenmaschine February 3, 2012 | 11:00 am

Charles Fourier und die Avantgarde-Bewegungen

Ich bin gerade mehr oder weniger durch Zufall wieder auf einen Vortrag gestoßen, den Tilman Reitz am 15.04.2010 im Rahmen der Reihe Kunst, Spektakel und Revolution gehalten hat. Der Vortrag gibt einen kurzen Überblick über das theoretische Werk Charles Fouriers und konzentriert sich dann vor allem auf die Rezeption Fouriers in der Kunst-Avantgarde und einem ihr nahestehenden intellektuellen Umfeld. Besonders ist die bearbeitete Radio-Version zu empfehlen, da dort dem Vortrag der Auszug eines Gedichts von André Breton über Fourier vorangestellt ist. Der Vortrag ist als ausgearbeiteter Textbeitrag in der zweiten Broschüre zur Reihe Kunst, Spektakel und Revolution erschienen und kann hier vollständig gelesen werden.

Eine Gesellschaft, die auf dem Spiel- oder Formtrieb aufbaut, hätte vermutlich starke zeremonielle, von ‚Sinn’ entlastete, aber strukturell gestaltete Anteile. Charles Fourier hat dieses Motiv in seiner frühsozialistischen Utopie konsequent durchgeführt: Er arrangiert Produktionsweisen, soziale Rangordnungen, Wohn- und Geschlechterverhältnisse so, dass ein Maximum künstlicher Ordnung höchste Abwechslung für die Beteiligten verspricht. Seine formalen Muster entnimmt Fourier Mythologie, Mathematik und Militär – die zentrale Produktionseinheit des ‚Palanstère’ leitet sich von der Phalanx, der antiken Schlachtreihe her – sein Formungsgegenstand sind die menschlichen Leidenschaften – die er selbst vorrangig als Triebe zu Spiel und Variation begreift. Die Ergebnisse lassen wenig von den gewohnten, bürgerlichen oder auch nur ‚realistischen’ Prinzipien von Vergesellschaftung übrig: Alle Arbeit soll attraktiv, die Konkurrenz ästhetisch, das Geschlechtsleben polymorph werden. Man muss sich daher kaum über das Interesse der Surrealisten an Fourier wundern. Neben seiner Fusionierung von Kunst und Leben dürfte für sie nicht zuletzt sein technischer, konstruktivistischer Umgang mit dem Begehren anziehend gewesen sein, der zwischen Befreiungsversprechen und planerischer Grausamkeit oszilliert (Benjamin und Barthes ziehen denn auch vergleichend de Sade heran). Fouriers Utopie kann als Traum wie als Alptraum erscheinen. Im Vortrag wird es darum gehen, was die anti-naturalistische, anti-bürgerliche und kunstkritische Avantgarde konkret mit Fourier anfangen konnte oder könnte – und wie seine eigenen Impulse zwischen der sozialtechnischen Tradition, der neuen Warenästhetik und dem utopischen Horizont des 19. Jahrhundert verortet sind.

Tilman Reitz schrieb über Ideologiekritik im historisch-kritischen Wörterbuch des Marxismus, promovierte zu „Bürgerlichkeit als Haltung“ und ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Philosophie der Friedrich-Schiller-Universität Jena. [via]

Download:

  1. via FRN (mp3; 48,9 MB; 71:11 min)
  2. via AArchiv: Vortrag (mp3; 36,0 MB; 62:50 min) | Diskussion (mp3; 12,8 MB; 22:25 min)
  3. bearbeitete Radio-Version: via Mediafire (mp3; 82,6 MB; 1 h 30:11 min)

Außerdem hat Swen Meyer auf Radio Corax ein Interview über Charles Fourier mit Tilman Reitz geführt, in dem dieser noch einmal zentrale Momente der Fourierschen Utopie zusammenfasst und in Beziehung zur Gegenwart und zur Möglichkeit des Kommunismus setzt:

    Download: via FRN (mp3; 24,1 MB; 26:17 min | via)
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Witjastiefe 3 im Netz January 6, 2012 | 10:00 am

Witjastiefe 3 ist die größte anzunehmende Radiotiefe: ein zweistündiges monatliches Magazin und überregionales Radioprojekt.[via]

Schon seit einiger Zeit ist Witjastiefe 3 als ein gemeinsames Radioprojekt von FSK und Radio Corax auf Sendung. Es geht in der Sendung darum, sich mit politischen Entwicklungen auseinanderzusetzen, ohne dabei selbst in den tagespolitischen Jargon zu verfallen, sondern theoretische Reflexion zu wagen – in den Worten der Sendungsmacher_innen: »›Dass es weitergeht, ist die Katastrophe‹: Realpolitische Erwägungen im Interview, Reflexion der apokalytischen Stimmungslage der Republik und Interventionen an den soziokulturellen Kampfobjekten.« (via) Die bisher schon gesendeten Ausgaben der Witjastiefe sind nun online: witjastiefe3.blogsport.de – zu finden sind unter anderem Sendungen über die völkische Wende in Ungarn, Antiziganistische Realitäten, den Wunsch nach einer heilen Welt und einige mehr.

Die Witjas-Sende-Termine (jeder erste Donnerstag im Monat) findet ihr hier, zu empfangen ist die Sendung auf UKW im Raum Hamburg auf 93.0 MHz und 101.4 bzw.105.7Mhz und im Raum Halle-Leipzig auf 95,9 Mhz. Per Internet-Live-Stream ist Witjastiefe 3 über Corax oder FSK zu hören.

Nachdem das Audioarchiv in einen kurzen Jahreswechselschlummer gefallen ist, geht’s hier auch in Kürze wieder weiter.

Zur Beschreibung der Witjastiefe 3:

Freie Radios sind zu allererst real existierender Freiraum in Zeiten kapitalistischer Zeichenhohheit. Damit wird freies Radio zu einem wichtigen Ort von Fragestellungen: Es sind Projekte, die auf dem Feld öffentlicher Diskussion agieren. Und damit geht es um ganz andere Formen der Kommunikation, als das warenförmige Angebot besonderer Schmeckerlis. Unter dieser Prämisse starten am Dienstag den 6.4. ab 10 Uhr das Freie Senderkombinat Hamburg und Radio CORAX Halle mit Witjastiefe 3 eine gemeinsame Magazinsendung. Diese wird in beiden Städten gleichzeitig gestaltet und ausgestrahlt. „Das es weitergeht, ist die Katastrophe“: Realpolitische Erwägungen im Interview, Reflexion der apokalytischen Stimmungslage der Republik und Interventionen an den soziokulturellen Kampfobjekten.
Witjastiefe 3 ist die größte anzunehmende Radiotiefe, möglicherweise erst einmal ein zweistündiges Magazin, dass Anfangs am ersten Mittwoch im Monat, später wöchentlich gesendet wird. Realisiert wird das neue überregionale autonome Radioprojekt durch einen charmanten Umgang mit Nullen und Einsen.
Zu empfangen ist die Sendung auf UKW im Raum Hamburg auf 93.0 MHz und 101.4 bzw.105.7Mhz und im Raum Halle-Leipzig auf 95,9 Mhz. Per Internet-Live-Stream ist Witjastiefe 3 über http://bit.ly/g1yOo9 oder http://bit.ly/euqFD9 zu hören. [via]

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Über kapitalistischen Realismus February 16, 2011 | 12:47 am

Inkasso Hasso (Radio Corax) hat ein hörenswertes Feature zusammengestellt, das sich mit dem Verhältnis von Warenästhetik, Kulturindustrie, Kritik und revolutionärem Potential auseinandersetzt. Manfred Prisching (Soziologe, Graz), Diedrich Diederichsen, Tilman Reitz (Soziologe, Jena), Schorsch Kamerun (Sänger, Autor, Theaterregisseur) und Ulrich Bröckling (Soziologe, Halle) sprechen darin über Konsumismus, Gegenkultur und die Funktion von Kritik und Kreativität für den Kapitalismus. Das Feature ist an das im letzten Jahr erschienene Buch „Kapitalistischer Realismus“ angelehnt, in dem einige der zu Wort Kommenden einen Beitrag veröffentlicht haben.

Das neueste Arrangement des marktwirtschaftlichen Systems ist das Eindringen des Freizeitvokabulars in die Arbeitswelt: Kreativität und Selbstbestimmung, einst emanzipatorische Kategorien, sind mittlerweile Vorraussetzung für den kapitalistischen Konkurrenzkampf. Wo einst der Arbeiter am Fließband stand, im schweren Kapitalismus, stehen nun mobile Arbeitskräfte, auf den ersten Blick selbstorganisierte Einheiten. Es ist immer schwieriger eine Grenze zwischen Freizeit und Arbeitszeit zu ziehen. Meetings finden in lockerer Freizeitatmosphäre statt, durch das Internet wird jeder Ort jederzeit zum potentiellen Produktionsort und wichtige Entscheidungen werden immer öfter beim Feierabendbier oder Afterwork-Cocktail getroffen. Eine Collage über die Auswüchse des „leichten Kapitalismus“, die Ideologie des Konsumismus, Subversionsstrategien und Möglichkeiten widerständiger Praxis. [via FRN]

Download: via FRN (mp3, Stereo, 160 kbps, 41:01 min, 47 MB)

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