| Das Problem des Kommunismus |
January 6, 2013 | 02:54 pm |
Bei der Basisgruppe Antifaschismus habe ich einen ganz informativen Vortrag Frank Engsters über die Revolutions- und Kommunismusvorstellungen des traditionellen Marxismus sowie bei Lenin, Lukács, in der Kritischen Theorie und im Postmarxismus (Negri, Badiou, Das Unsichtbare Komitee) gefunden. Ein großer Teil seiner Ausführungen gegen Ende kreisen um die Problematik und die (postmoderne) Kritik der Repräsentation.
Stream/Download via Soundcloud:
“The communist hypothesis remains the good one, I do not see any other. If we have to abandon this hypothesis, then it is no longer worth doing anything at all in the field of collective action. Without the horizon of communism, without this Idea, there is nothing in the historical and political becoming of any interest to a philosopher. Let everyone bother about his own affairs, and let us stop talking about it.” (Alain Badiou)
Veranstaltung am 14.9.[2011] im Infoladen [Bremen] um 20 Uhr mit Frank Engster, Berlin
Wenn, wie Badiou sagt, der Kommunismus die einzig wirklich interessante Frage ist, so fangen damit die Probleme allerdings erst an. Denn was ist das: der Kommunismus? Oder vielmehr: Was wird er sein?
Das Problem, den Kommunismus überhaupt bestimmen zu können, hat zu der Einsicht geführt, dass der Kommunismus eine Leerstelle bleiben muss; ein bloßer Platzhalter, der Begriff für das Universelle und das ganz Andere sowie für den radikalen Bruch mit der kapitalistischen Gesellschaft.
Anders sieht es dagegen mit diesem Bruch aus, also mit der kommunistischen Revolutionierung des Kapitalismus. Hier gibt es durchaus den Versuch einer Bestimmung. Ja, es gibt sogar verschiedene Entwürfe dessen, was mensch als Revolutions-Theorie bezeichnen könnte.
Der jüngste Entwurf kommt vom „Unsichtbaren Komitee“, das, wie der Titel ihrer Schrift ankündigt, vom „kommenden Aufstand“ her denkt und dabei, so wird in der Veranstaltung zu zeigen sein, eine Art existenziale und stark von der französischen Philosophie beeinflusste Haltung einnimmt.
Indes ist „Der kommende Aufstand“ nur die letzte Anstrengung in einer langen Reihe recht unterschiedlicher Revolutionstheorien und –entwürfe. Die Veranstaltung stellt die verschiedenen Entwürfe einer kommunistischen Revolution vor, vom traditionellen Marxismus über die Kritische Theorie und den Westlichen und Kritischen Marxismus bis zum Post-Marxismus (zu dem auch der zitierte Badiou sowie das Unsichtbare Komitee zu zählen sind). Das soll einen Überblick geben über den Umgang mit der „einzig interessanten Frage“ sowie über diejenigen, die sich mit ihr beschäftigten.
Frank Engster, Berlin. Hat über Geld, Maß und Zeit promoviert.
Die Veranstaltung wird organisiert in Kooperation mit der Rosa-Luxemburg- Initiative-Bremen – Die Rosa-Luxemburg-Stiftung in Bremen.
Tags: Adorno, Alain Badiou, Antonio Negri, Der kommende Aufstand, Frank Engster, Georg Lukács, Geschichtsphilosophie, Kommunismus, kritische Theorie, politische Theorie, Postmarxismus, Postoperaismus, Repräsentation, Revolution, Revolutionstheorie, Theoriegeschichte, Utopie
|
|
permalink | tags: Adorno, Alain Badiou, Antonio Negri, audio, Der kommende Aufstand, Frank Engster, Georg Lukács, Geschichtsphilosophie, Kommunismus!, kritische Theorie, politische Theorie, Postmarxismus, Postoperaismus, Repräsentation, revolution, Revolutionstheorie, Theoriegeschichte, Utopie | Tags: Adorno, Alain Badiou, Antonio Negri, Der kommende Aufstand, Frank Engster, Georg Lukács, Geschichtsphilosophie, Kommunismus, kritische Theorie, politische Theorie, Postmarxismus, Postoperaismus, Repräsentation, Revolution, Revolutionstheorie, Theoriegeschichte, Utopie |
|
| Privateigentum – »tief im Wesen des Menschen« begründet? |
November 22, 2012 | 11:20 pm |
Zur Entstehung und Kritik des bürgerlichen Eigentumsbegriffs
Die Freie Uni Bamberg dokumentiert einen einführenden Vortrag vom 22.06.2012, den Ingo Elbe (u.a. Rote Ruhr Uni, Institut für Sozialtheorie) offenbar schon öfter gehalten hat. Er befasst sich mit der Legitimation des Privateigentums bei John Locke, dessen Theorie recht kleinschrittig und leicht verständlich entwickelt wird, wie auch mit Kritik an derselben, wie sie von Immanuel Kant formuliert wurde. Eingerahmt ist das Ganze von einem ideengeschichtlich aufschlussreichen Exkurs über die (Gemein-)Eigentumsvorstellungen der Vormoderne am Anfang und einigen Ausführungen zur Kritik des Privateigentums im Kontext der Marxschen Kritik der politischen Ökonomie (u.a. gewaltsame Aneignung in der ursprünglichen Akkumulation) am Ende.
Einen gewissen Nachdruck legt Elbe darauf, dass bereits die Lockesche, frühbürgerliche Apologie des Eigentums die Möglichkeit eines Opfers des Eigentümers an die Eigentumsordnung als solche enthält. Vgl. dazu auch seinen Text Vom Eigentümer zum Eigentum und allgemein die Sammelbände zur Kritik der politischen Philosophie.
Download: via AArchiv, via RS (1:13 h, 67 MB)
Hören:
Das Privateigentum (an Produktionsmitteln) ist das rechtliche Basisinstitut der kapitalistischen Gesellschaft. Seit ihrer Entstehung wurde daher auch versucht, dieses Institut zu rechtfertigen. Die bei weitem einflussreichste Legitimationsstrategie findet sich in der 1689 veröffentlichten »Zweiten Abhandlung über die Regierung« von John Locke. Das Privateigentum wird hier systematisch als unantastbares Menschenrecht aufgefasst und aus dem Selbsteigentum der Person und seiner Vermischung mit Naturgegenständen im Prozess der Arbeit abgeleitet. Damit wird dem aufstrebenden Bürgertum eine nachhaltige Legitimationsgrundlage verliehen, die noch im BGB nachwirkt.
Der Vortrag soll Lockes eigentumstheoretische Revolution in ihren ideengeschichtlichen Konstellationen vorstellen, ihre immanenten Widersprüche kritisieren und zeigen, wie im so genannten »Besitzindividualismus« der Besitz sich letztlich radikal gegen das Individuum kehrt.
Dr. Ingo Elbe ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Philosophie der Universität Oldenburg und Vorsitzender des Bochumer Instituts für Sozialtheorie. Zuletzt hat er in der Freien Uni über das Thema »Gesellschaftskritik als proletarische Weltanschauung« gesprochen.
Tags: Eigentum, Einfuehrendes, Ingo Elbe, John Locke, Kant, Kritik der politischen Oekonomie, Kritik des Rechts, Philosophie, politische Theorie, Rote Ruhr Uni, Ursprüngliche Akkumulation
|
|
permalink | tags: audio, Eigentum, Einfuehrendes, Ingo Elbe, John Locke, Kant, Kritik der politischen Oekonomie, Kritik des Rechts, Philosophie, politische Theorie, Rote Ruhr Uni, Ursprüngliche Akkumulation | Tags: Eigentum, Einfuehrendes, Ingo Elbe, John Locke, Kant, Kritik der politischen Oekonomie, Kritik des Rechts, Philosophie, politische Theorie, Rote Ruhr Uni, Ursprüngliche Akkumulation |
|
| Zwischen Diktatur und Demokratie |
May 18, 2012 | 10:47 am |
Was bleibt von Franz Neumann?
Am 14. Mai 2012 hat das Hamburger Institut für Sozialforschung anlässlich des 70. Jahrestags der Erscheinung des Buches »Behemoth« eine Veranstaltung zur Aktualität Franz Neumanns veranstaltet. Mit Prof. Dr. David Kettler (Bard College), Prof. Dr. Oliver Lepsius (Universität Bayreuth), Prof. Dr. Alfons Söllner (TU Chemnitz) und Prof. Dr. Michael Wildt (Humboldt-Universität zu Berlin) waren dabei einige wichtige akademische Neumann-Rezipienten anwesend, die über einige Aspekte – Probleme, Stärken, Schwächen, implizite theoretische Annahmen, Aktualität und Rezeption – der theoretischen Bemühungen Neumanns diskutiert haben. Weil es Neumanns wichtigster Gegenstand war, geht es auch in der Diskussion um das (Un-)Wesen des nationalsozialistischen (Un-)Staates. David Kettler beharrt dabei auf der zentralen Frage, die mit Neumann verbunden ist: Welche Rolle die Shoa und der Antisemitismus in der Struktur des Nationalsozialismus gespielt haben, in welchem Verhältnis dies zu einer ökonomischen Rationalität steht und ob dies in Neumanns Forschungen angemessen erfasst ist. Die Klangqualität der Aufnahme ist leider nicht sonderlich gut.
Vor 70 Jahren erschien Franz Neumanns „Behemoth“ – ein Meilenstein der Forschung über „Struktur und Praxis des Nationalsozialismus“. Neumann – das war der prominente Weimarer Anwalt und Sozialdemokrat, der sich später vorwarf, nicht entschlossen genug für die Republik gekämpft zu haben. Der Emigrant, der sich als Politikwissenschaftler neu erfinden musste, um die Katastrophe zu verstehen. Der amerikanische Regierungsberater, der sich der Zerstörung des Nationalsozialismus und der Re-education der Deutschen widmete. Der politische Denker, für den Demokratie sich nicht in Verfahren und Rechten erschöpfte, sondern sozial- und bildungspolitisch abgesichert sein muss und ihre Legitimität auf individuelle Teilhabe gründet, auf die Erfahrung, etwas verändern zu können – eine notwendig unabgeschlossene Aufgabe. [via]
Download (via AArchiv): Referate (mp3; 56,7 MB; 1:01:52 h) | Diskussion (mp3; 46,7 MB; 51:01 min)
| Referate und Diskussion via Mediafire (unbearbeitet: mp3; 104,6 MB; 1:54:12 h)
Tags: Alfons Söllner, Antisemitismus, Behemoth, David Kettler, Faschismus, Franz Neumann, Geschichte, Leviathan, Michael Wildt, Nationalsozialismus, Oliver Lepsius, Politikwissenschaft, politische Theorie, Rechtstheorie, Souverenität, Staatstheorie
|
|
permalink | tags: Alfons Söllner, Antisemitismus, audio, Behemoth, David Kettler, Faschismus, Franz Neumann, Geschichte, Leviathan, Michael Wildt, nationalsozialismus, Oliver Lepsius, Politikwissenschaft, politische Theorie, Rechtstheorie, Souverenität, Staatstheorie | Tags: Alfons Söllner, Antisemitismus, Behemoth, David Kettler, Faschismus, Franz Neumann, Geschichte, Leviathan, Michael Wildt, Nationalsozialismus, Oliver Lepsius, Politikwissenschaft, politische Theorie, Rechtstheorie, Souverenität, Staatstheorie |
|