Posts Tagged ‘Israeltag’
Klagedrohung gegen Schlamassel Muc June 1, 2011 | 05:57 pm

Knapp eine Woche vor dem einjährigen Bestehen erhalten wir die erste Klagedrohung. Einer möglichen juristischen Auseinandersetzung sehen wir allerdings gelassen entgegen.

Am 11. Mai 2011 erschien auf Schlamassel Muc ein Eintrag mit dem Titel: „Stunk am Rande des Israeltags“. Darin werden die Feierlichkeiten auf dem Max-Joseph-Platz sowie eine unerfreuliche Szene vor der Hauptbühne des Israeltags 2011 beschrieben. Ein Mann schrie Ausstellerinnen an und schmetterte einen Gegenstand zu Boden. Erst die herannahende Polizei konnte den Mann zur Vernunft bringen. Der Polizeieinsatz wurde im Eintrag mit einem Foto belegt, Augen und Nase der aufgebrachten Person geschwärzt, ihr Name nicht genannt. Am Montag erreichte uns ein E-Mail über die Kommentarfunktion des Blogs, mit der dringlichen Bitte, den „denunziatorischen Kommentar inklusive Bild“ bis Donnerstag zu löschen, ansonsten droht der Verfasser des E-Mails, eine einstweilige Verfügung zu beantragen.

Das betreffende Bild wurde von uns umgehend aus dem Eintrag und vom Server entfernt. Allerdings kamen wir nicht der Bitte nach, den „denunziatorischen Kommentar“ zu löschen, weil wir keinen denunziatorischen Kommentar entdecken können. Der Vorfall spielte sich im Rahmen einer großen, öffentlichen sowie politischen Veranstaltung und vor deren Hauptbühne ab. Der Mann suchte die Öffentlichkeit und löste lautstark einen Polizeieinsatz aus – unter den Augen von Dutzenden Zeuginnen und Zeugen. Eine kritische Berichterstattung über eine Person ist dann gesetzlich gedeckelt, wenn sich die Person durch ihr Verhalten in den Blickpunkt der Öffentlichkeit rückt – zumal der Name der Person im Eintrag nicht einmal erwähnt wird. Nach unserer Rechtsauffassung wäre es sogar juristisch wenig bedenklich, den Vorfall ohne anonymisierende Bearbeitung photographisch abzubilden. Dem Wunsch nach Entfernung des Bildes haben wir ohne jede Not entsprochen. Auf unser Angebot, er möge eine Gegendarstellung in diesem Blog veröffentlichen, ging der Verfasser nicht ein, allein drohte er am Dienstag mit einem „juristischen Nachspiel“ und bestand weiterhin auf die Entfernung des Kommentars.

Wir sind davon überzeugt, dass eine kritische Berichterstattung notwendig ist, wenn Menschen Jüdinnen und Juden derart angehen, wie im beschriebenen Fall. Und wir werden das auch im zweiten Jahr unseres Bestehens so halten.

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Stunk am Rande des Israeltags May 11, 2011 | 04:50 pm

Seit einigen Jahren wird im Mai in vielen deutschen Städten der sogenannte Israeltag gefeiert. Dabei geht es mitunter etwas fad und berechenbar zu. Aber die Veranstaltung bleibt ein wichtiges Moment. Das verdeutlicht nicht zuletzt ein harscher Zwischenfall in München.


In Begleitung: Teilnehmer des Israeltags 2011

Das Wetter hatte es gut mit den Besucherinnen und Besuchern gemeint. Hunderte saßen auf Bierbänken, genehmigten sich in der Sonne ein oder mehr israelische Goldstar bzw. Maccabee Bierchen. An Informationsmaterial mangelte es nicht. Zirka fünfzig Verbände – von „B“ wie Beth Shalom bis „Z“ wie Zionistische Jugend in Deutschland – zettelwirtschafteten spendabel auf dem Max-Joseph-Platz. Charlotte Knobloch, Vorsitzende der IKG-München, hielt eine obligatorische Rede. Es müsse klar sein, dass Israel nicht übereinkommen könne mit Organisationen, die Israel zerstören und Jüdinnen und Juden ins Meer treiben wollen, erklärte die Vorsitzende. Zuvor hatte Regine Sixt gesprochen. Die Aufsichtsrätin der Autovermietung Sixt AG unterstützt zahlreiche Stiftungsprojekte in Israel mit üppigen finanziellen Zuwendungen, unter anderem Yad Vashem. Auch Wolfgang Wenger, Leiter der Öffentlichkeitsarbeit des Polizeipräsidiums München, unterstrich im Vortrag seine Freundschaft zu Israel. Sein Sohn habe in einem Kibbuz gearbeitet. Ebenso sei ihm die Sicherheit der Jüdinnen und Juden in München, so der Beamte, ein dringliches Anliegen.

Auftritt des Rumpelstilzchens
Wie ernstgemeint die Worte ihres Pressesprechers waren, konnte die Münchner Polizei noch am selben Tag unter Beweis stellen. Während gegen Ende der Veranstaltung eine mittelmäßige Rockband den Anwesenden den Abschied versüßte, baute sich ein wuchtiger Mann vor einem Stand auf. Herrisch gestikulierend schrie er die Standbesitzerinnen an und schmetterte ein nicht näher verifizierbares Teil zu Boden. Allein vier Polizeikräfte konnte den Aufgebrachten zur Vernunft bringen. Ein Standbetreiber erklärte, der Mann sei an den Stand gekommen und habe unmittelbar „Stunk“ machen wollen. Auch sei ihm der Besagte bereits bekannt. Letztes Jahr kam es angeblich beim Israeltag zu einem ähnlichen Zwischenfall. Bei der Person handelt es sich um Hans K.*, einem notorischen Teilnehmer der Veranstaltungen des Verbandes Salam Shalom. Die antizionistische Organisation läd regelmäßig zu „Diskussionsabenden“ ein, die von wortgewaltiger Rhetorik und offenem Antisemitismus geprägt sind.

Der an sich unerfreuliche Vorfall verdeutlicht nebenbei etwas Erfreuliches: die Zeiten haben sich geändert. Immerhin ist es nicht lange her, als Figuren von ähnlichem Ressentiment und ebensolcher Unbeherrschtheit in Deutschland noch fest mit der Unterstützung von Polizei und Gerichten rechnen konnten, diese sich nicht minder erregt die Standbesitzerinnen vorgeknüpft hätten. Der Vorfall begründet aber auch, warum es nötig ist, für das israelische Anliegen zu werben. Solange der Existenzkampf Israels in Deutschland nicht allgemein nachvollzogen oder nicht zumindest emotionslos zur Kenntnis genommen wird, bleibt der Israeltag eine wichtige aufklärerische Einrichtung.

*Name von der Reaktion geändert.

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But Bavaria and Israel … November 26, 2010 | 04:08 pm

Der Projekttag Israel geht ohne außergewöhnliche Störfeuer über die Bühne. Eldad Beck erzählt Geschichten und Benny Morris brilliert auf dem Podium. Außerdem hat Israel mit Bayern einen starken Verbündeten – meint Werner Karg, von der Bayerischen Landeszentrale für politische Bildungsarbeit.


Podiumsdiskussion: Ilan Ben Dov, Benny Morris und Sandra Witte lauschen den nicht immer blitzgescheiten Fragen

Zwischenzeitlich lockt der Projekttag Israel bis zu hundert Personen in den ersten Stock der Münchner Universität – zumindest annähernd, als das israelische Buffet eröffnet wird. Deutlich weniger Gäste finden sich in den frühen Morgenstunden zum Vortrag „Ein israelischer Journalist in No-Go-Areas“ von Eldad Beck ein. Der israelisch-österreichische Gefahrensucher sieht ein bisschen so aus, als hätte er sich die Augen geschminkt. Es könnte aber auch an der vergangenen Nacht liegen. Denn Beck trinkt gerne mal ein Gläschen Wein. Und das nicht nur in Bayern, sondern auch in Kuwait, im Iran oder in Syrien, wo Weintrinken offiziell verboten ist. Der libanesische Wein ist ausgesprochen gut, empfiehlt Beck. So wie der Wein in Israel, fügt er schnell hinzu. Wohingegen der iranische Shiraz den passionierten Weinkenner nicht überzeugten konnte.

Beck weiß bitterböse Geschichten humorvoll zu erzählen. Bitterböse, denn in die besagten Länder dürfte der Journalist eigentlich nicht reisen. Die Grenzen sind für Israelis dicht und der einheimischen Bevölkerung ist auch der Kontakt mit Israelis verboten. Im Besonderen, wenn die Israelis jüdisch sind; bei palästinensischen Deligationen hält man das anders. Beck erzählt einige Anekdoten vom Knast in Syrien, von Geheimdienstüberwachung und wie er mit einem Artikel über ein rauschendes Fest, erschienen in der israelischen Zeitung Yediot Ahronot, einen Staatseklat in Kuwait erzeugte. Wochenlang zirkulierte das Thema in arabischen Medien: Wie gelang der israelische „Infiltrator“ nach Kuwait? Beck sieht seine Reisen als einen Beitrag für den Frieden: Dass die Menschen in vielen arabischen Ländern keine Israelis kennen lernen können und sich ihr Israelbild vornehmlich aus Propagandaorganen wie Aljazeera speist, hält Beck für ein zentrales Problem.

Die Performance der „Israelkritiker“
Zur Podiumsdiskussion mit u.a. Morris ist der Raum besser gefüllt. Der Historiker hält derzeit an der Münchner Universität eine Vorlesung (Dienstag 10:00 Uhr). Ein ergrauter Herr aus dem Publikum erweist sich als besonders diskutierfreudig. Seine Stimme überschlägt sich leicht, auf der Stirn glitzern Schweißperlen. Nachdem er die gleiche Frage immer wieder stellt, weist ihn die Moderatorin Sandra Witte darauf hin, dass die Frage nun hinreichend beantwortet sei. Gleich zu Anfang findet sich ein Kreis von Demonstranten zum Fahnenschwenken in der letzten Reihe ein. Nachdem die erwartete Beachtung ausbleibt, ziehen die Herren wieder ab.


Studentin vor unvorteilhaftem Wandschmuck

Morris zeigt sich aufgrund der Gemengelage in der Region wenig optimistisch
Morris schildert mögliche Lösungen für die arabische Flüchtlingsproblematik, routiniert, so als hätte er das Gesagte schon hunderte Male erzählt. Von verpassten Chancen Israels ist die Rede, aber auch von einer notwendigen Veränderung im Bewusstsein der palästinensischen Bevölkerung. „Wenn ein Kleinkind heute in Jenin, dessen Familie dort bereits in dritter oder vierter Generation lebt, immernoch der festen Überzeugung ist, es komme eigentlich aus Jaffa“ ist das ein großes Problem und weit weg von einer Zwei-Staaten-Lösung, sagt Morris.

Ein Gast wirft die Frage auf, wie das Podium denn das deutsche Verhältnis zu Israel einschätze. Es gäbe zwar immer wieder Bekenntnisse ob der tiefen Verbundenheit beider Staaten, aber im Parlament werden einstimmige Beschlüsse gegen Israel gefasst und auch in den bürgerlichen Medien vergehe kein Tag ohne das Erscheinen anti-israelischer Beiträge. Der israelische Botschafter Ben Dov nickt. Karg, von der Bayerischen Landeszentrale für politische Bildungsarbeit, ergreift das Wort. Das deutsch-israelische Verhältnis mache auch ihm große Sorgen. „But Bavaria and Israel …“, Israel könne sich immerhin auf Bayern verlassen. Gelächter. Es gab tatsächlich eine Zeit, da war das so. Als Franz Josef Strauß das Verteidigungsministerium leitete und seinen Freund und israelischen Amtskollegen Schimon Perez heimlich mit Waffen versorgte.

Wir sind Herrn Strauß gegenüber verpflichtet; er tat, was wir von ihm verlangten, als er Minister war, und er hat einen lebensnotwendigen Beitrag zu unserer Sicherheit geleistet (Mosche Dajan, Oberbefehlshaber der israelischen Streitkräfte, 1954-1958)

Meschugge, The Unkoscher Jewish Night
Der Tag, besser die Nacht, klingt mit Aviv Netter und seiner Meschuggeparty aus. Die unilounge, die das bei Isrealis und Homosexuellen sehr beliebte Berliner Dancefloor-Spektakel diesmal beherbergt, ist eigentlich ein hässliches Ding. Keller, Neonlicht, Achzigerjahremöbel, klirrender Sound. Mit steigender Bierseligkeit wird das aber zunehmend egal und die Partygesellschaft schüttelt zum Hava-Nagila-Rums-Bums ihr Haupthaar. Vereinzelt ist Hebräisch zu hören. „Morgen reise ich weiter nach Tirol“ erzählt ein israelischer Tourist. Gegen zwölf Uhr stößt eine Gruppe der Münchner Antifa hinzu – zum Mittanzen. Die Beschäftigten der U-Bahn streiken. Ein guter Grund noch zu bleiben.

Weitere Artikel zum Thema: Hagalil

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Veranstaltungshinweis: Israeltag an der Universität München November 15, 2010 | 04:18 pm

Wer beim Israeltag der Universität München am 23.11.2010 nichts verpassen will, sollte sich den Wecker stellen. Bereits am frühen Morgen werden der Referatsleiter Stephan Fuchs und Ilan Ben Dov von der israelischen Botschaft die Veranstaltung eröffnen. Am Abend ist queer Trumpf. Aviv Netter bringt die „Meschuggeparty“ von Berlin nach München. Benny Morris ist auch da.


Aviv Netter: früher „Jewqueer Nights“, heute „Berlin Meschugge“

Den ersten Vortrag, „Ein israelischer Journalist in No-Go-Areas“, wird der Deutschlandkorrespondent der Tageszeitung Yediot Ahronot, Eldad Beck, halten. Beck machte mit der Aussage Furore, die deutschen Medien gehörten vor Gericht. Er fand auch deutliche Worte zum Tod Jörg Haiders.

Im Laufe des Vormittages spricht Ilan Ben Dov mit den Anwesenden über Israels Verhältnis zu den Vereinten Nationen sowie über die Situation im Fernen Osten. Am Nachmittag ist eine Podiumsdiskussion angesetzt. Der Historiker Benny Morris, der israelische Botschafter Emmanuel Nahshon und Werner Karg, stellvertretender Direktor der Landeszentrale für politische Bildungsarbeit in Bayern, diskutieren das Thema: „Israel und Deutschland – Israel und seine Nachbarn“. Benny Morris ist neben seinen viel diskutierten historischen Forschungsarbeiten u.a. durch seine kritische Haltung gegenüber dem Iran bekannt.

Der neu gewählte Vorsitzende der Deutsch-Israelischen Gesellschaft München, Stefan Stautner, wird das Schlusswort sprechen. Nach einer längeren Pause startet am Abend die „Berlin Meschugge“ mit Aviv Netter. Mehr zur Berliner Queerparty ist auf der Facebookseite von Aviv Netter zu erfahren.

Weiterführende Links: Nonstop Meschugge (Jüdische Allgemeine)
Flyer: Projekt Tag Israel – Programmablauf
Nachtrag: Bericht

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