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An den Grenzen des Geistes (I) November 21, 2012 | 10:09 pm

Tagung zum 100. Geburtstag von Jean Améry

Am 17. November veranstaltete der Arbeitsbereich Kommunikationsgeschichte/Medienkulturen der FU Berlin eine kleine, aber gut besuchte Konferenz über Jean Améry. Unterstützt durch die VeranstalterInnen sowie die Tontechniker vor Ort und mit freundlicher Einwilligung der ReferentInnen habe ich einige der Vorträge aufgezeichnet. Hier erfolgt nun zunächst die Dokumentation des Eröffnungspodiums. Es stand unter dem Titel: »…daß das Wort nicht verstumme«: Was bedeutet »Moralisierung der Geschichte«?

Sich durch dieses und andere Podien ziehende Fragen bezogen sich auf Amérys Erfahrungen als Opfer von Folter und als Shoahüberlebender, sowie auf sein Verhältnis zu Sartre, Adorno, Hannah Arendt und zum Zionismus.

Die Beiträge sind auch auf Archive.org hinterlegt. Der zweite Teil der Dokumentation liegt mittlerweile auch vor.

Hermann Haarmann und Birte Hewera: Begrüßung und Einführung


    Download: via AArchiv, via RS (0:10 h, 4 MB)

Birte Hewera: Die »Wahrheit der Untat« – Jean Amérys Ressentiments


    Download: via AArchiv, via RS (0:27 h, 13 MB)

Miriam Mettler: Unversöhnlichkeit und Utopie – der Begriff der Heimat bei Adorno und Améry


    Download: via AArchiv, via RS (0:21 h, 10 MB)

Christoph Hesse: »Einen ewigen Namen will ich ihnen geben…« Claude Lanzmanns Film Shoah


    Download: via AArchiv, via RS (0:18 h, 8 MB)

An den Grenzen des Geistes.
Tagung zum 100. Geburtstag von Jean Améry
17. November 2012, 10.00 bis 18.30 Uhr, Eintritt frei
Akademie der Künste, Clubräume, Hanseatenweg 10, 10557 Berlin
Jean Améry

Hans Mayer alias Jean Améry, der sich in den neunzehnhundertsechziger Jahren als Essayist, Publizist und Schriftsteller einen Namen machen konnte, musste aufgrund seiner jüdischen Herkunft nach dem „Anschluss“ Österreichs an das Deutsche Reich nach Belgien fliehen. Dort schloss er sich einer Widerstandsgruppe an. 1943 wurde er von der Gestapo als politischer Gegner verhaftet und anschließend im belgischen Auffanglager Breendonk von SS-Männern gefoltert. Es folgte seine Deportation nach Auschwitz-Monowitz, Dora-Mittelbau und schließlich nach Bergen-Belsen, wo er im April 1945 von den Engländern befreit wurde. Die Erfahrungen von Folter und KZ blieben für immer der unhintergehbare Ausgangspunkt für sein Denken.
Über die Tagung

Das Berliner Symposion nimmt Jean Amérys 100. Geburtstag zum Anlass, die Diskussion um Person und Werk Jean Amérys weiter voranzutreiben und diesem Kommentator und Kritiker der Zeitgeschichte das ihm gebührende wissenschaftliche und politische Interesse zuteil werden zu lassen. Die Tagung möchte den moralischen, politischen, philosophischen und ästhetischen Aspekten im Werk Amérys nachspüren. In einem interdisziplinären Zugriff auf seine literarischen, philosophischen und publizistischen Arbeiten soll erörtert werden, inwieweit sie sich als kritische Interventionen in einer breiteren politischen Öffentlichkeit heute noch bewähren können.

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Buße & Strafe August 28, 2011 | 11:08 am

1. Eine weitere sehr hörenswerte Sendung von 17Grad beschäftigt sich mit der Todesstrafe. Die Hörer_innen erhalten einige statistische Informationen und erfahren Hintergründe über die Geschichte der Todesstrafe in Deutschland (hierbei interessant, dass einerseits bereits 1947 Todesurteile wieder durch deutsche Richter verhängt und durch Scharfrichter vollstreckt wurden, die schon vor ’45 diese Ämter innehatten und dass andererseits ein wichtiger Grund für die Abschaffung der Todesstrafe in Deutschland, die Abwendung von Todesurteilen gegen NS-Verbrecher war). Außerdem behandelt die Sendung das Vorkommen von Todesstrafen in deutschen Volksmärchen und ihre rechtshistorischen Parallelen und die Geschichte der Zunft der Scharfrichter. Musikalisch wird die Sendung von Johnny Cash begleitet.

    Download: via Mediafire (mp3; 82 MB; 59:41 min)

2. Nicht erst die Abschaffung der Todesstrafe, sondern bereits die Verlagerung ihrer Vollstreckung in nicht-öffentliche Räume, steht nach Michel Foucault für eine Tendenz der Strafe weg von einer Gerichtetheit auf den Körper, hin zu einem »körperlosen« Strafsystem. Eine Eigentümlichkeit der vormodernen Strafe als Marter des Körpers, ist die Sanftmütigkeit, das Mitleid und das Verständnis, welches die geistlichen Begleiter der Zeremonie gegenüber den Gemarterten an den Tag legten: so küsst etwa der Pfarrherr von Marsilly den gemarterten Damien auf die Stirn, dessen Hinrichtung Foucault auf den ersten Seiten von »Überwachen und Strafen« beschreibt. Auch der Rabbi Aser Abarbanel, der in der Geschichte »Die Marter der Hoffnung« von Comte de Villiers de L‘Isle-Adam gefangen in einem Folterkeller sitzt, erfährt diese seltsame Sanftmut: als man ihn über sein Todesurteil informiert, wird er sowohl vom Großinquisitor, als auch vom zuständigen Foltermeister und seiner Begleitung umarmt und geküsst. Die Geschichte steht hier in einer Hörspielversion von Radebass zur Verfügung.

    Download: via Mediafire (zip; 24,2 MB)

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