abenteuerundfreiheit: Wir irren Tag und Nacht im Kreis umher… October 13, 2014 | 09:41 pm



abenteuerundfreiheit:

Wir irren Tag und Nacht im Kreis umher und versuchen zu begreifen, dass hier alles möglich ist.

Recommended Berlin Shows for the rest of 2014 // will be updated October 13, 2014 | 02:53 pm

17. Oktober
THE SOFT MOON @ SO36 abgesagt/canceled


31. Oktober
DEAN DIRG @ Köpi


6. November
TY SEGALL @ Astra


6. November
JOYCE MANOR @ Cassiopeia


10. November
DIE!DIE!DIE! @ Schokoladen


3. Dezember
THE RURAL ALBERTA ADVANTAGE @ Lido



Im Kalifat des Islamischen Staates ist Versklavung von Frauen legal October 13, 2014 | 11:19 am

Nun ist es offiziell: Die Versklavung von “ungläubigen” Frauen und Mädchen ist unter dem Islamischen Staat legal:

IS has just released the fourth installment of Dabiq, an official publication that they began to produce in July. This issue, called “The Failed Crusade,” contains an article entitled “The Revival of Slavery Before the Hour,” which details how IS fighters kidnapped and distributed Yazidi women as slave concubines. The article also provides their rationale for reviving slavery, which they root in their interpretation of the practice of the earliest Islamic communities. The Islamic State has now officially disclosed that it engages in the sexual enslavement of women from communities determined to be of “pagan” or “polytheistic” origin.

 

Simply Stolen October 12, 2014 | 10:52 pm

More than $1bn earmarked for the reconstruction of Iraq was stolen and spirited to a bunker in Lebanon as the American and Iraqi governments ignored appeals to recover the money, it has been claimed.

Stuart Bowen, a former special inspector general who investigated corruption and waste in Iraq, said the stash accounted for a significant chunk of the huge sums which vanished during the chaotic months following the 2003 US-led invasion.

Bowen’s team discovered that $1.2bn to $1.6bn was moved to a bunker in rural Lebanon for safe keeping – and then pleaded in vain for Baghdad and Washington to act, according to James Risen.

Quelle

META Neues Verfahren für Postings October 12, 2014 | 09:57 pm

Dieses Blog hat ein paar Wochen Pause gemacht, weil ich mir in Ruhe überlegen wollte, wie es weitergehen soll. Wir hatten vor einiger Zeit schon festgestellt, dass die einfachen und offensichtlichen Themen inzwischen durch sind. Übrig bleiben kompliziertere — einiges zu den Indianern, zum Beispiel, oder zum Schulsystem — die wesentlich mehr Zeit und Aufwand erfordern.

In dieser Situation ist der bisherige Tonus von einem Eintrag pro Woche nicht mehr zu halten, außer, man füllt die Zeit mit trivialen Meldungen und ZEUGS- Einträgen. Das ist für alle Beteiligten unbefriedigend. Einige interessierten Leser haben diese Füllerfolgen — völlig zurecht — als “langweilig” kritisiert.

Daher führen wir ab sofort ein neues Verfahren ein.

Die Postings werden unregelmäßig erscheinen, aber dafür in (hoffentlich) besserer Qualität. Wer keinen RSS Reader hat und nicht regelmäßig auf die Website gucken will, kann auf Twitter zurückgreifen. Dort werden nur Ankündigungen zu diesem und dem Übersquirrel-Blog gepostet. ZEUGS entfallen ganz. Wer solche Links unbedingt sehen will, kann mir auf Google+ folgen. Dort kann man dann auch Kommentare schreiben.

Wem das wie der erste Schritt zu einem Abschied vorkommt, hat nicht ganz Unrecht. Inzwischen läuft das Blog seit mehr als acht Jahren, ein Zeitraum, für den es nie ausgelegt war. Die Folge davon sieht man darin, dass einige der Einträge völlig überholt sind. So sind die Angaben zur NSA nach den Snowden-Enthüllungen bestenfalls niedlich.

Sprich, langsam wird es an der Zeit. Einige Themen haben wir aber noch.


Immer wieder immer noch October 12, 2014 | 02:59 pm

Im Sprechen über das Geschlechterverhältnis kommt es zum Schwanken zwischen der Beschwörung eines gesellschaftlichen Fortschritts, der das Patriarchat mindestens in Recht und Ökonomie längst überwunden habe, und der weitere Gleichstellungsbemühungen einfordernden Aufzählung von Missständen, von denen Frauen nach wie vor betroffen sind, sei es die Alltäglichkeit von sexualisierter Gewalt, die »gläserne Decke« oder die schlechtere Bezahlung gegenüber Männern. Ausgehend von der Erfahrung, dass feministisches politisches Handeln allzu oft lediglich weibliche Handlungsfähigkeit überhaupt demonstrieren oder herstellen soll, plädiert Karina Korecky dafür, Fortschrittserzählungen gegenüber skeptisch zu sein und den gesellschaftlich bedingten Wiederholungszwang ernstzunehmen, der feministische Selbstermächtigungsversuche in diese – theoretisch wie praktisch – stets von vorn beginnende Position nötigt. Diesen Gedanken entwickelt sie im Gespräch mit einer Redakteurin der Sendung Studio F vom FSK Hamburg, dessen Thema feministische Geschichtsschreibung ist und den ich im Folgenden dokumentieren möchte. Er findet sich ebenfalls formuliert in weiteren von Koreckys Vorträgen sowie einem Text in der aktuellen Printausgabe der Konkret (10/2014).

Hören:

Download: mp3 via AArchiv | mp3, ogg via archive.org (0:36 h, 22 MB)

Vielen Dank an die Redakteurin für die Bereitstellung der Sendung!

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Gespielte Hilflosigkeit October 12, 2014 | 09:52 am

Markus Bickel über die Syrienpolitik des Westens:

Mit gespielter Hilflosigkeit versucht die Bundesregierung deshalb die schrecklichen Konsequenzen ihrer nüchternen Realpolitik zu verdecken.

In Washington ist man da freimütiger. Unumwunden gestand Präsident Barack Obama am Mittwoch ein, dass Luftangriffe allein Kobane nicht retten könnten. Auch andere Kommunen würden in den kommenden Monaten in die Hände der Dschihadisten fallen. Das Kalkül dahinter ist klar: Syrien ist Europas Hinterhof, will Obama damit sagen, Amerika kümmert sich allenfalls noch um den Irak.

40 Monate nachdem friedliche Demonstranten erstmals gegen Assad auf die Straße gingen, zahlen Deutschland und seine Partner nun den Preis dafür, die syrische Freiheitsbewegung nie entschieden unterstützt zu haben. Dass Europa dem drohenden Massaker in Kobane gleichgültig und tatenlos zusieht, ist nicht neu: Hunderte Male hat die Opposition aufgeschrien, doch eine internationale Intervention konnte sie damit nicht bewirken. Allein auf weiter Flur befindet sie sich in ihrem Zweifrontenkrieg gegen Assads Einheiten und die Dschihadisten des Islamischen Staats.

Wie ein roter Faden zieht sich diese Kultur des Wegschauens durch die Syrien-Politik des Westens. Bis zuletzt setzte auch Berlin auf eine Verhandlungslösung mit dem Diktator in Damaskus – und verhöhnte die durch Jahrzehnte der Unterdrückung geschwächte Opposition als gespalten. Alle Forderungen nach Flugverbotszonen schlugen die sogenannten “Freunde Syriens” als unrealistisch in den Wind. Dass nach Hunderttausenden Toten nicht einmal eine Debatte über UN-Blauhelme geführt wird, ist eine Schande.

Nicht ausreichend October 12, 2014 | 09:21 am

Aus der B.Z.:

Grü­nen-Chef Cem Öz­de­mir (48) nimmt die Welt­ge­mein­schaft in die Pflicht: “Die in­ter­na­tio­na­le Ge­mein­schaft hat sich dem Prin­zip der Schutz­ver­ant­wor­tung ver­pflich­tet, al­so da­zu, Men­schen vor Völ­ker­mord und schwe­ren Men­schen­rechts­ver­let­zun­gen zu schüt­zen“, sag­te er der B.Z. Luft­schlä­ge al­lei­ne könn­ten „ISIS“ nicht stop­pen. „Die USA sind zu ei­ner Bo­den­of­fen­si­ve nicht wil­lig und die Eu­ro­pä­er und Deutsch­land of­fen­sicht­lich nicht fä­hig.“ Ein­zi­ge Op­ti­on blie­be die Auf­rüs­tung der von „ISIS“ be­droh­ten Min­der­hei­ten.?

Das al­lein rei­che je­doch nicht aus, kri­ti­siert Tho­mas von der Os­ten-Sa­cken, Ge­schäfts­füh­rer der im Irak und Sy­ri­en tä­ti­gen Hilfs­or­ga­ni­sa­ti­on Wa­di e.V.: „Es fehlt der Oba­ma-Re­gie­rung an ei­ner kla­ren po­li­ti­schen Vi­si­on für die Zu­kunft des Na­hen Os­tens eben­so wie ei­ner mi­li­tä­ri­schen Stra­te­gie. Sie re­agiert stän­dig nur auf die wei­ter es­ka­lie­ren­de Si­tua­ti­on.“

Auch wenn die jüngs­ten Luft­ein­sät­ze kur­di­schen Kämp­fern et­was Er­leich­te­rung ver­schafft hät­ten, rei­chen sie nicht aus. „So­lan­ge sich die­ser Ein­satz nicht auch ge­gen das mör­de­ri­sche As­sad-Re­gime rich­tet, wird er we­nig Er­folg ha­ben, denn die sy­ri­sche Op­po­si­ti­on fürch­tet ja jetzt, dass Oba­ma As­sad gar nicht mehr stür­zen will“, er­klärt von der Os­ten-Sa­cken. „Oh­ne brei­te Un­ter­stüt­zung aus der sy­ri­schen Be­völ­ke­rung kann ,ISIS‘ nicht be­siegt wer­den.“

Josef Anton, die Fatwa und die „Champions der Meinungsfreiheit“ October 12, 2014 | 07:24 am

Was sich von Salman Rushdie über politische Korrektheit lernen lässt Aus den Diskussionen rund um die politisch korrekten Neueditionen mancher Kinderbücher habe ich mich im letzten Jahr herausgehalten. Zu verhärtet die Fronten, zu kindisch die Haltung bei Befürwortern der Änderungen zum Beispiel in Die kleine Hexe und auch beim Gros der Gegner. Dabei könnte die […]

Only Lovers left alive October 11, 2014 | 11:19 am

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»Or else we make a scar ecrow of the day, Loose ends and jumble of our common world.«  (W. H. Auden)

“Wie im Film” October 10, 2014 | 07:52 pm

Schon am Vorabend hatten Gerüchte die Runde gemacht, dass der IS aus allen Orten seines “Kalifats” neue Truppen heranbringe, aus Rakka, Deir ez-Zor, Bab, selbst aus dem Irak, um den Luftangriffen zum Trotz die Stadt zu erobern, die auch zum Symbol für sie geworden ist, um zu beweisen: Wir können siegen gegen den Rest der Welt! Ununterbrochen bringen sie Verstärkung heran, Munition, schweres Gerät, verlieren gelegentlich einen Panzer, aber sofort steht der nächste bereit. (…)

“Das ist wie in diesem Film”, sagt Ibrahim Kurdu nun mit erschöpfter Stimme, während im Hintergrund Artillerie-Donner zu hören ist, “im ‘Herr der Ringe’ – diese Orks, die in Horden losstürmen, und wir können sie nicht stoppen. Die rennen, schießen, rennen, schießen, es ist denen völlig egal, ob sie selber dabei draufgehen, dann kommt einfach die nächste Welle.”

Quelle

On the Streets October 10, 2014 | 04:11 pm

So when Kurds picked up their arms and decided to fight ISIL, you can be sure there will be blood. For observers and former soldiers who fought the PKK, the most recent uprising that claimed more than 20 lives marks the end of peace process. A former MP from Diyarbakir and founder of the AK Party, Dengir Mir Mehmet Firat, said this in an interview he gave to daily Yurt.
“Even the Kurds who supported the AK Party are on the street now. This is the first time that Kurds in Iran, Iraq, Syria and Turkey are acting together. Turkey has to see this and change its policies. Otherwise, this will be the beginning of a very long destructive war in the entire Middle East,” he said.

Quelle

UN-Appell October 10, 2014 | 03:59 pm

Wie weit es mit dem sog. Multilateralismus gekommen ist und welche Rolle heute die UN spielt dürfte nichts so gut verdeutlichen, wie dieser Appell:

U.N. envoy Staffan de Mistura on Oct. 10 called on Turkey to allow Kurds to cross back into Syria to defend the key border town of Kobane from an onslaught by Islamic State in Iraq and the Levant (ISIL) jihadists.

“We would like to appeal to the Turkish authorities in order to allow the flow of volunteers at least, and their equipment to be able to enter the city to contribute to a self-defence operation,” de Mistura, the U.N.’s Syria envoy, told reporters in Geneva.

He also called on Turkey, “if they can, to support the deterrent actions of the coalition through whatever means from their own territory.”

Kobane, where Kurdish fighters are holding out after a three-week offensive by the ISIL militants, has become a crucial battleground in the fight against he ISIL extremists.

The statement marked an unusual one by the United Nations, which usually strives to stay neutral in conflicts, but de Mistura explained the rare appeal by the precarious situation in the key border town.

Kobane was “literally surrounded” except for one narrow entry and exit point, with up to 700 mainly elderly civilians still inside the city centre, with another 10,000-13,000 gathered nearby, he said.

“If this falls, the 700 plus perhaps if they move a little bit further the 12,000 people … will be most likely massacred,” he warned.

 

Der Erste Weltkrieg im Spiegel seiner Debatten October 10, 2014 | 01:26 pm

Bei einer Veranstaltung, die von der Phase 2 und der Buchhandlung drift in Leipzig organisiert wurde, gab Volker Weiß eine gelungene Übersicht und Kritik der derzeitigen Debatten zum 100. Jahrestag des Ausbruchs des 1. Weltkrieges.

Im August 2014 jährt sich der Ausbruch des Ersten Weltkrieges zum 100. Mal. In diesem Jubiläumsjahr erscheinen – und erschienen bereits – eine unüberschaubare Vielzahl wissenschaftlicher und populärwissenschaftlicher Bücher zu dem Thema. Nicht ein großer deutscher Verlag, der nicht mindestens einen 500-seitigen Wälzer im Programm hätte. Sehr viel tatsächlich Neues fördern diese Publikationen nicht zu Tage. Und doch können sie immer wieder Debatten entfachen – durch die Gewichtung der „Fakten“, ihre Neubewertung und Interpretation.
Dr. Volker Weiß, Historiker und Publizist aus Hamburg, meint folgerichtig, dass die Debatten, die die entsprechenden Bücher auslösen, in aller Regel sehr viel interessanter seien als die Bücher selber.
Dies trifft auf Fritz Fischers Buch „Griff nach der Weltmacht“ (ein inzwischen kanonisierter Klassiker zum Thema) aus dem Jahr 1961 in der Tat zu. Langatmige, detaillierte Dokumentenauswertung bestimmen den Löwenanteil seines Buches – die gewissenhafte aber unspektakuläre Methode eines seriösen Historikers. Und trotzdem war es in den 1960er Jahren diese Publikation, die eine spektakuläre, dazu hoch interessante, gleichzeitig hitzig und idiosynkratisch geführte Debatte vor allem unter westdeutschen Historiker_Innen und Publizist_Innen auslöste. Die Deutschen tragen einen wesentlichen Teil der Kriegsschuld und verfolgten eine dezidierte, mittelfristig entwickelte Kriegszielpolitik, so Fischers These. Sie reichte aus, um vor allem in (konservativen) Historikerkreisen – in der Tat fast ausschließlich männliche Protagonisten – heftigsten Widerspruch hervorzurufen.
Jetzt, zum hunderten Jahrestages des Ausbruchs des ersten Weltkrieges, ist es ein australischer Historiker, der die Deutschen wieder freispricht von dieser Systematik des Krieges: alle Großmächte seien gleichermaßen in die „Urkatastrophe“ hineingeschlittert. Christopher Clarks Thesen widersprechen nur wenige Historiker_innen entschieden. John C.G. Röhls Beitrag in der Süddeutschen Zeitung vom 5.3.2014, der Clarks Interpretationen eine deutlich Abfuhr erteilt, ist hier eine der wenigen Ausnahmen. Hinzu kommt – und auch dies ist symptomatisch – dass Clark in der deutschen Rezeption mehr Entlastendes in den Mund gelegt wird, als in seinem Buch tatsächlich zu finden ist.
Natürlich ist Clark nicht der Erste, der Fischer an prominenter Stelle widerspricht und viel dankbares Gehör findet. Schon in der frühen Debatte um sein Buch konnte Fischer nicht als eindeutiger „Sieger“ gelten – für ein Spektrum, das von konservativ-nationalen Kreisen bis in die bürgerlich-liberale Mitte hinein reichte, hatten Fischers Thesen nie den Status historischer Wahrheit. Diese Sichtweise aber, den Ersten Weltkrieg als „(Nat)Urkatastrophe“ zu verstehen, in den alle gleichermaßen hineingeschlittert waren, ihn gleichermaßen als unabwendbares Schicksal akzeptierten, ihn also gar nicht hätten verhindern können, scheint sich gegenwärtig (wieder) als hegemoniale Interpretation der Vorgänge zu etablieren.
Die wesentlichen Gründe für den Ausbruch des Ersten Weltkrieges in der konkreten Interessenpolitik des Deutschen Reiches zu erkennen, scheint das kollektive Gedächtnis zu sehr an die Verantwortung an millionenfachem Tod, Leid, Elend und Gewalt zu erinnern. Dem nationalen Mythos dient das Bild, man sei ungewollt hinein geraten in die sowieso unvermeidliche, da naturwüchsige, „Urkatastrophe“. Dieses Bild verhindert aber auch die Einsicht in die Verantwortung und die Anerkennung wesentlicher Mitschuld für den Krieg.
Weiß zeigt die Vielschichtigkeit der vermeintlichen historischen Fakten am Beispiel der Debatten um die Ursachen des Ausbruchs des Ersten Weltkrieges. Beginnend mit der Debatte um Christopher Clarks Buch „Die Schlafwandler“ verfolgt er die Rezeptionsgeschichte des Ersten Weltkrieges sowie die gesellschaftlichen Verhältnisse und Interessen, die sie mitbestimmten, bis zu der Debatte um Fritz Fischers Untersuchung zurück.

Referat (mit einleitenden Worten des Historikers Christoph Carmesin):

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Diskussion:

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Elsässer gegen Ditfurth: Münchner Richterin befreit Deutschland von der Mehrheit seiner Antisemiten October 9, 2014 | 05:29 pm

Gestern (8.10.2014) fand der erste Hauptverhandlungstag zwischen der Autorin Jutta Ditfurth und Jürgen Elsässer vor der Pressekammer des Münchner Landgerichts statt. Ditfurth hatte den Herausgeber des verschwörungstheoretischen Compact-Magazins am 16.4.2014 in einem Interview in „Kulturzeit“ (3sat) einen „glühenden Antisemiten“ genannt. Der klagte dagegen. Doch das Verfahren vor dem Münchner Landgericht geriet schnell zur Farce. Die Richterin definierte Antisemitismus so, dass es in Deutschland plötzlich fast keine Antisemiten mehr gibt.


Beim Antisemiten-Prozess natürlich in der ersten Reihe: Der Gründer der neonazistischen „Wehrsportgruppe Hoffmann“ vor dem Münchner Landgericht

Höhepunkt des meilenweit von der Sache entfernten Theaters war die Darstellung der Richterin, wer denn überhaupt ein glühender Antisemit genannt werden könne. Sie sagte: „Ein glühender Antisemit in Deutschland ist jemand, der mit Überzeugung sich antisemitisch äußert, mit einer Überzeugung, die das Dritte Reich nicht verurteilt und ist nicht losgelöst von 1933-45 zu betrachten, vor dem Hintergrund der Geschichte.“ Ein Antisemit ist demzufolge einer nur dann, wenn er sich positiv auf den NS-Faschismus bezieht. Da das strafbewehrt ist, tut das bekanntermaßen nur eine Minderheit der Antisemiten. Die Definition der Richterin ist frei von jeglicher Kenntnis der Sache und von Interesse am Forschungsstand. Augenscheinlich ist der Rechtsexpertin entgangen, dass der glühende, dumpfe, heimliche oder auch codierte Antisemit heute in der Regel ganz ohne Bezüge auf das „Dritte Reich“ auskommt – allerdings einen Staat nie außer Acht lässt: Israel.

„Kommt am nächsten Mittwoch zum Prozess!“, hatte Elsässer letzte Woche seine Leserinnen und Leser aufgefordert. „Ditfurth will mich mit der Antisemitismuskeule ruinieren.“ Er ließ sich von zwei Bodyguards begleiten. Unter den etwa 50 Prozessbesuchern waren circa dreißig teilweise finstere Gestalten dem Aufruf des Verschwörungstheoretikers ins Gericht gefolgt. In der ersten Reihe saß der Neonazi Karl-Heinz Hoffmann. Dieser schätze an Elsässer seine „besondere Mischung aus konservativen und fortschrittlichen Gedanken“, ließ der Gründer der gleichnamigen „Wehrsportgruppe Hoffmann“ (1980 verboten) auf seiner Website wissen. Aber zum „antisemitischen Spektrum der Rechten“ zähle Elsässer sicher nicht, versicherte Hoffmann – der offenbar Angst zu haben scheint, dass ihm auf besagtem Feld jemand den Rang auflaufen könnte.

„Elsässer ist ein mühsam verdeckter Antisemit“
Und das könnte Elsässer durchaus, denn der agiert wesentlich geschickter als Hoffmann. Jutta Ditfurth erklärte vor Gericht, sie studiere frühere Linke wie Mahler und Elsässer, die von links nach weit rechts gehen. „Elsässer ist sehr ehrgeizig darin und es macht ihm regelrecht Spaß, die Grenzen des antisemitisch Sagbaren auszureizen und sie weiter auszudehnen.“ Elsässer sei ein mühsam verdeckter Antisemit, der mit antisemitischen Codes und strukturellem Antisemitismus arbeite, so Ditfurth weiter. Ihr Anwalt habe in den Schriftsätzen Elsässers vielfältigen Antisemitismus belegt. Die Richterin gab ihr nur kurz das Wort und unterbrach schnell. In presserechtlichen Verfahren ist es auch üblich, dass die Schriftsätze nicht noch einmal vorgetragen werden. In Ditfurths erzwungermaßen kurzen Erklärung, wiederholte sie knapp einige Argumente und fasste dann zusammen:

Es ist die Freiheit meiner Meinung, jemanden einen Antisemiten nennen zu dürfen, der massenhaft verdeckt Antisemitisches sagt und schreibt; einen, der sich mit antisemitischen Mitarbeitern umgibt; der gemeinsam mit anderen antisemitischen Rednern auf Kundgebungen spricht und sich bei Kritik an deren Antisemitismus explizit mit ihnen solidarisiert; einen, der die Regierung Israels nicht sachlich kritisiert sondern Israel antisemitisch schmäht; einen, der sich von Antisemiten und Shoa-Leugnern zu Veranstaltungen einladen lässt; einen, der Antisemiten für seine Zeitschrift interviewt und für seinen Verlag Bücher schreiben lässt. Ja, warum sollte man den in Deutschland nicht das nennen dürfen, was er ist: einen glühenden Antisemiten?

Ditfurths Anwalt Winfried Seibert ergänzte: „Es gibt versteckten Antisemitismus, der ohne die typischen Begriffe auskommt. Der subtiler daherkommt, gleichsam subcutan.“

Bei den Montagsmahnwachen sei zwar ein Sachbezug gegeben. Und im Umfeld Elsässers käme es zu antisemitischen Äußerungen, so die Richterin. Zumindest bei Lars Mährholz gäbe es eine „nachweisbare“ antisemitische „Rothschild-Äußerung“ im Internet, räumte sie ein. Doch die Richterin kam zum vorläufigen Schluss, dass „der Begriff ‚glühender Antisemit‘ jenseits des Hinnehmbaren“ läge. „Es ist ein Totschlagargument. Wer sich so bezeichnen lassen muss, steht in einer Ecke, aus der er nicht mehr rauskommt.“ Für eine Juristin hat das Wort Totschlag in der Regel eine ziemlich exakte juristische Bedeutung. Dass sich die Richterin in eine solche Wortwahl verstieg, ist charakteristisch für den gesamten Prozesstag.

Aber ist nicht vielleicht der Antisemit selbst schuld, dass er sich so bezeichnen lassen muss?
Elsässer musste sich im Folgenden nicht verteidigen, sondern nur beipflichten: Glühender Antisemit sei „ein Killerwort“. „Wenn man Journalisten so bezeichnet, dann ist die Existenz ruiniert“, bestätigte Elsässer die Richterin. „Angesichts unserer Geschichte“ habe der Begriff eine „Prangerwirkung und Stigmatisierung“, betonte auch Elsässers Anwalt. Skurril war die Beweisführung des Anwalters von Elsässer, von Sprenger: „Neben einem glühenden Antisemiten würde ich nicht sitzen!“ Dabei hatte er jahrelang den berühmten Holocaust-Leugner David Irving anwaltlich vertreten.

Gegenüber Schlamassel Muc sagte Ditfurth: „Die Gefahr, dass ich den Prozess erstinstanzlich verliere, ist bei einer Richterin ziemlich hoch, die die Bezeichnung ‚Antisemit‘ nur für Leute gelten lässt, die sich zugleich positiv auf das Dritte Reich und die Shoa beziehen.“ Die Mehrheit der Antisemiten in Deutschland dürften dann nicht mehr das genannt werden, was sie sind, so Ditfurth. Doch noch ist der Prozess nicht beendet. Ditfurths Anwalt handelte heraus, dass Schriftsätze nachgereicht werden können, unter anderem zu Elsässers verblüffenden Behauptungen, er habe sich noch nie von Holocaust-Leugnern einladen lassen und er sei nie mit Lars Mährholz und Ken Jebsen gleichzeitig aufgetreten.

Das Urteil wird am Mittwoch, dem 19. November, erwartet.
In dieser Instanz ist vermutlich wirklich nicht viel zu gewinnen. Eine Richterin, die immer noch euphemistisch vom „Dritten Reich“ anstatt von Nazi-Terror spricht, für die Elsässers Hetze offenbar eine Lappalie und der Antisemitismusvorwurf ein „Totschlagargument“ ist, bestellt sich besser ein Compact-Abo und verfolgt die nächste Instanz vom Zuschauerraum aus.

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Assad is no ally October 9, 2014 | 03:11 pm

Today’s Guardian Op-Ed:

There can be no alliance with Assad, even unspoken. Not just because this would be morally questionable, to put it at its mildest, but because it would be counterproductive. Allowing Assad to become what the Americans used to call “our sonofabitch” would only increase the appeal of Isis to mainstream Sunni opinion in Syria and beyond, boosting the very forces the international coalition is set on destroying. It would be all but impossible to convince moderate Sunnis of the legitimacy of western policy if this war were to be run, in any way, in coalition with Assad’s military. The opposition Free Syrian Army has doubts enough about this intervention already.

If fighting Isis is, in part, about counter-terrorism and defending western countries against violent jihadism, then another risk should be factored in: appearing to be siding with the Assad regime will only lend more weight to the twisted narrative of Isis recruiters. Bashar al-Assad’s tactics remain a major cause of the current torment in the Middle East. He is not, and cannot be, part of the solution. Western countries should say as much.

i feel blood October 9, 2014 | 08:09 am

Die nächste Katastrophe October 8, 2014 | 11:31 pm

More than a million Syrian refugees in Turkey may go without food, medicine and shelter unless there is an increase in international funding, the U.N. refugee agency said on Oct. 8, according to Reuters.

Carol Batchelor, the U.N. High Commissioner for Refugees (UNHCR) representative in Turkey, said there was a global responsibility to look after the refugees, as the inflow has now far exceeded the international support Ankara has received.

“The basic needs of the Syrian refugees vastly outweigh the support and funding from the international community,” Batchelor told Thomson Reuters Foundation.

The majority of the 1.5 million Syrian refugees in Turkey live outside refugee camps, and Batchelor said this was one of the biggest challenges facing the country.

Quelle

Assad und Isis October 8, 2014 | 11:08 pm

Die syrische Schriftstellerin Samar Yazbek stellt klar:

Um es auf den Punkt zu bringen: Der IS ist die Ausgeburt der Verbrechen, die das Assad-Regime in Syrien begangen hat, und die Folge des Schweigens, mit dem die ganze Welt diesen Verbrechen zugesehen hat. Die gemäßigten Fraktionen der Rebellen wurden marginalisiert und von Assad bekämpft, wovon der IS profitiert hat.

Eine Zeit lang schlossen sich viele junge Männer den Dschihadisten von der Nusra-Front an, weil die moderateren Rebellen wie die Freie Syrische Armee keine Waffen übrig hatten und wenig bis gar keine Unterstützung von außen erfuhren. Der IS hingegen kontrolliert nun Gebiete, in denen es Ölvorkommen gibt, er raubt, entführt Zivilisten, erpresst Lösegeld. Ich habe mit meinen eigenen Augen einen Stützpunkt des IS gesehen, wo es jede Menge Hummer-SUVs gab, neue Waffen, sehr viel Artillerie. Bis jetzt ist nicht klar, wer den IS genau unterstützt, aber er hat eine Menge Geld. (…)

Das Assad-Regime und der IS sind zwei Seiten ein und derselben Medaille. Der Extremismus des IS speist sich aus den drei Jahren der extremen Gewalt durch das Assad-Regime. Und um den IS loszuwerden, müssen wir auch Assad loswerden, der eine kann nicht ohne den anderen überwunden werden.

Allerdings war das ja genau die Strategie Assads von Anfang an, sich als das geringere Übel darzustellen. Assad hat zwar chemische Waffen eingesetzt, er hat Städte in Schutt und Asche gelegt, er hat Schuld an einer halben Million von Toten, und am Umstand, dass Millionen von Syrern auf der Flucht sind, doch die ganze Zeit hat er uns versichert, dass er nur Dschihadisten bekämpft. Dabei ist es Assad, der den IS erschaffen hat, und die Untätigkeit der Welt, die den IS mit hervorgebracht hat.

Wendefokus. Gespräche zum Scheitern des real existierenden Sozialismus October 8, 2014 | 08:20 pm

Nachdem wir bereits auf die Sendungen von Radio Glasnost verwiesen haben; ein weiterer Beitrag, der die Frage aufwirft, warum und wie ein Gesellschaftsprojekt, das sich die menschliche Emanzipation von allen Verhältnissen, in denen „der Mensch ein erniedrigtes, ein geknechtetes, ein verlassenes, ein verächtetes Wesen ist“ (Marx), auf die Fahnen geschrieben hatte am Ende für den einzelnen Menschen selbst ein so hohes Maß an Erniedrigung, Knechtschaft, Verachtung und in einigen Fällen gar Vernichtung bedeuten konnte. Radio Corax führte in den letzten Monaten knapp 100 Gespräche, die interessante Einblicke in die Vorstellungen einer notwendigen Veränderung der Verhältnisse in der DDR geben. Dokumentiert wird dies unter dem Namen „Wendefokus“. Einige Interviews daraus sind auch für das Audioarchiv von Interesse und sollen hier dokumentiert werden.

Thomas Kupfer

…war Wegbereiter von Radio Corax, der weit vor 1989 Kritiker der DDR-Staatsdoktrin und im Herbst 1989 Mitbegründer der »Initiative für eine Vereinigte Linke« war. Vor 1989 hat er die Geschichte des Kommunismus und der linken Intellektuellen für sich aufgearbeitet und beschreibt die Zeit um das Jahr als eine „grandiose“. „Die Erfahrung eines – auch noch weitgehend gewaltfrei hervorgerufenen – Umbruchs kann ich nur jedem wünschen. Das ist ein grandioses Erlebnis und sollte viel häufiger passieren.“ Im August 2009 verstarb Kupfer vollkommen überraschend. Wenige Wochen zuvor sprach Ralf Wendt mit ihm.

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Alexander Pehlemann

…war bei der Armee, auf einer Offiziersschule in der tiefsten Provinz, und erlebte als 21-jähriger „kaserniert“ die sogenannte Wende. Stark beeinflusst von (sub)kulturellen Bewegungen, erlebte Pehlemann die Ereignisse um das Jahr 1989 persönlich als „Zusammenbruch und Implosion“. Gesellschaftspolitisch nennt er es eine „demokratische Konterrevolution“ – auch weil die Idee des Kommunismus von den Machthabern der real existierenden sozialistischen Staaten de facto kaum verfolgt wurden sei.

    Download: via AArchiv (mp3)

Friedemann Rösel

…arbeitete, als studierter Ingenieur, ab 1972 in Leuna und wohnte in Halle-Neustadt. Bereits im zweiten Lehrjahr gab es erste Konfrontationen mit den Parteioberen. Rösel begreift sich selbst – auch heute – als kritischer Marxist, der bereits früh die DDR kritisierte: Rösel „war für den Marxismus“, aber gegen die SED-Bürokratie: Die DDR sei ein „vom Kapitalismus befreiter Staatsmonopolismus“ gewesen.
Rösel war philosophisch interessiert und agierte in einem Literaturzirkel, der sich – mehr oder wenig offen – kritisch mit den bestehenden Verhältnissen auseinander setzte. Zusammen mit Lothar Rochau (und drei weiteren Personen, wovon einer IM der Staatssicherheit war), stellte Rösel die DDR Realität offen in Frage und betrieb politische Studien zu alternativen Sozialismuskonzepten. Es ging der Gruppe darum „freie Kommunikationsrunden“ einzurichten. 1981 wurde Rösel, der sich an den Schriften Rudolf Bahros orientierte und abarbeitete, verhaftet und zu 2 1/2 Jahren Haft verurteilt. Rösel beschreibt seine Erfahrungen: im Widerstand, um den politischen Prozess gegen die Gruppe, das Verweigern einer offenen Auseinandersetzung in der DDR, Rösels heutiges Festhalten an der marxistischen Theorie, sowie die Aktivitäten und Deutungen der Ereignisse um das Jahr 1989.

    Download: via AArchiv (mp3)

Torsten Hahnel

… war 1989 20 Jahre alt und Punk. Über die Subkultur formierte sich bei Hahnel eine stark distanzierte Haltung zum Staat, die durch das restriktive Auftreten der Repräsentanten noch radikalisiert wurde. Hahnel, dessen Kritik an der real existierenden DDR gravierende persönliche Folgen hatte, beteiligte sich früh an den Demonstrationen in Leipzig, die er allerdings schon bald aus Gründen nicht mehr aufsuchte. Hahnel verweist darauf, dass der Begriff „Wende“ von Helmut Kohl bereits 1982 geprägt worden sei und eine Hinwendung zu konservativen Werten bezeichnete, was wiederum beim Blick auf die Ergebnisse der Ereignissen um 1989 passend sei. Heute engagiert sich Hahnel, wie bereits um das Jahr 1989, aktiv gegen nationalistisches Denken und Handeln in Sachsen-Anhalt und darüber hinaus.

    Download: via AArchiv (mp3)

Lothar Rochau

…wurde als evangelischer Diakon in eine „fast atheistische Stadt“ (Halle-Neustadt) berufen. Dort sammelte sich um Rochau schnell ein junges, intellektuelles Umfeld, welches offene Diskussionen (unter anderem Bücher wurden Bücher von Erich Fromm und George Orwell gelesen) führte und so schnell ins Blickfeld der Staatsmacht kam. Auch der Kirche waren die alternativen Lebensentwürfe für einen anderen, besseren Sozialismus „mit menschlichen Antlitz“ ohne autoritäre Vorschriften zunehmend suspekt. Rochau selbst wurde kriminalisiert, vor dem obersten Gericht der DDR angeklagt, verurteilt, ins Zuchthaus verfrachtet und 1983 gegen seinen Willen aus der DDR Zwangsabgeschoben: „Mir war zum heulen, ich fühlte mich beschissen.“ Rochau musste in die BRD, wo er weiter aktiv war, um zum schnellstmöglichen Zeitpunkt wieder in die sich auflösende DDR („Eine Sternstunde der Menschheit“) zurückzukehren. Denn: „Man konnte nicht alles der CDU überlassen“.

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Jan Weien

… studierte bis 1989 wissenschaftlichen Kommunismus in Moskau, im August 89 trat er eine Stellung am Lehrstuhl für Geschichte sozialistischer Utopien an der Uni Leipzig an und verliess nach der sogenannten Wende den “Elfenbeinturm Universität”, um für unterschiedliche Firmen in den Bereichen Vertrieb, Marketing und Weiterbildung tätig zu werden.

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Ralf Wendt

…war 1989 – nachdem er den von oben bestimmten Ausbildungsweg verweigerte- in einem Antiquriat tätig und nutzte dies unter anderem um die verkauften Bücher in Flugblättern zu verpacken. In Oppositionskreisen war Wendt als „rot verschrien“ und erlebte immer wieder das die DDR zwar ein statisches System war, aber in diesem immer wieder Diskussionen möglich waren, die ihm Hoffnung auf eine emanzipatorische Gesellschaft machten. Wendt nennt die Ereignisse schlicht „89″: Der Zusammenbruch der sozialisitischen Idee sei tragisch. Zum hier und da bemühten Wort des Umbruchs, fügt Wendt an; das sei etwas, was immer wieder passieren müsse. Analog zur Landwirtschaft; Einmal im Jahr gelte es die bestehenden Verhältnisse umzupflügen. Wendt koordiniert heute das Programm des freien Radios Corax in Halle und führte selbst einige Interview im Wendefokus.

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Scheiß Werder Bremen! October 8, 2014 | 06:03 pm

Der ruhmreiche SV Werder Bremen ist auf dem letzten Tabellenplatz angekommen. Sieben Spiele ohne Sieg waren schließlich genug, um sogar am HSV vorbeizuziehen. Die Zahlen sprechen gegen die Verantwortlichen. Ob der Tabellenplatz den gezeigten Leistungen entspricht, darüber streiten die Gelehrten noch. Und ob die sportliche Misere – so es denn eine ist – am Trainer oder am Kader, an den Verantwortlichen oder an den Finanzen liegt, sind weitere Fragen, die seit gestern noch intensiver diskutiert werden.

Bestürzender als die sportliche Misere ist allerdings, wie die Verantwortlichen den SV Werder heute nach außen verkaufen, welches Bild sie von unserem Verein entwerfen. Denn aus dem Verein, der sich einst mit aberwitzigem Offensivfußball profilierte, soll ein Kämpfer-Klub werden. Dem Verein, der stets ein linksliberal angehauchtes Mittelstandspublikum anlockte, soll kleinbürgerliche Giftigkeit angeheftet werden. Aus dem Verein, der smart und unaufgeregt immer wieder mit den finanziellen Schwergewichten mithalten konnte, soll nach dem Willen von Thomas Eichin und Robin Dutt eine neidbeißerische Fatzke-Vereinigung werden, die vor den Großen erst kapituliert und dann schlecht über sie redet.

Einige Beispiele. Zlatko Junuzovic kennt aktuell “nur eine Devise: Marschieren bis zum Geht-nicht-mehr.” Dazu hat er doch noch eine andere Idee, nämlich “auch mal ein bisschen unfair” zu spielen. Werder Bremen: der sympathisch unfaire Marschierverein. Statt schönem Spiel oder modernem Konzeptfußball werden Kampf, Einsatz und Leidenschaft beschworen – und Arbeit. So hat sich Robin Dutt nach der Niederlage in Wolfsburg despektierlich über den VfL geäußert: “Während wir trainieren, um uns zu entwickeln, kaufen die, um sich zu entwickeln. Wir sind ein Trainerverein, Wolfsburg ist ein Managerverein.” Als ob also Wolfsburg keinen Trainer hätte, und als ob die anderen Bundesliga-Vereine nicht auch jeden Tag nach Kräften an ihrer sportlichen Entwicklung arbeiten würden.

Die Frustration über geringe finanzielle Mittel hat aber nicht nur zu diesem ekligen Kampf-und-Arbeit-Ethos geführt, sondern auch einem Defätismus den Weg geebnet, der nicht minder peinlich ist. Dutt: “Wenn alles passt und noch Glück dazu kommt, dann kannst du was machen. Aber eigentlich ist das Ergebnis immer: Sieg für den anderen. Normalität ist, gegen einen Champions-League-Klub zu verlieren.” Und noch drastischer Sebastian Prödl, zuletzt Kapitän dieses Vereins: “München ist wie ein Zahnarztbesuch. Muss jeder mal hin. Kann auch ziemlich weh tun, muss aber nicht…” Mit dieser Einstellung, also passiv wie ein Zahnarzt-Patient, hat man letztes Jahr die höchste Heimniederlage der Vereinsgeschichte geholt. Robin Dutt sah sich nach dieser historischen Unverschämtheit nah am Spitzenclub aus dem Ruhrgebiet. Die Kreiszeitung: “Wenn Dortmund zu Hause gegen die Bayern 0:3 verlöre, so lautete seine Argumentation, dann sei ‘ein 0:7 für Bremen davon nicht so weit entfernt.’”

Diese Feigheit vor den großen findet ihre Entsprechung in einer Respektlosigkeit vor den kleinen Vereinen, die es in Bremen auch in schlechten Zeiten noch nie gegeben hat. So meinte Thomas Eichin, man könne gegen Freiburg “ohne Probleme drei Punkte holen.” Bekanntlich hat es mit den drei Punkten nicht geklappt, Probleme gibt es allerdings reichlich. Von denen sollen jetzt einige auf die Schiedsrichter abgewälzt werden. Gegen Freiburg wollte man gleich fünf Mal einen Elfmeter haben, Knut Kircher gab zu recht keinen. Die latente Schiedsrichterschelte passt zu einem Verein, der die Verantwortung für den eigenen Misserfolg immer mehr bei anderen sucht, seien es Manager-Vereine, Champions-League-Vereine oder eben die Schiedsrichter.

Was man bei sich selber lobt, ist derweil der Teamgeist. Selbiger soll nun wirklich super sein bei Werder, und das mag stimmen. Es ist aber der Stolz jedes Dilettanten, es doch wenigstens versucht und sich dabei tüchtig angestrengt zu haben. Es ist der Trost der Verlierer, dass sie im Angesicht der Niederlage wenigstens zusammengehalten haben.

Das Gute ist, dass der Verfall der letzten Jahre uns die zukünftige Entwicklung leichter ertragen lassen wird. Schließlich ist es laut Zeitungsberichten nun denkbar, dass der neu geformte kleinbürgerlich-unfaire Kämpferklub bald von einer Lackfabrik aus Hannover unterstützt wird und dafür nur seinen gewählten Aufsichtsratsvorsitzenden aufgeben muss. Immerhin wird dabei nichts kaputt gehen, was nicht vorher schon gründlich ruiniert worden ist.

Pushing IS back October 8, 2014 | 11:16 am

Idris Nahsen, a Kurdish official from Kobani, said that the air strikes had been helpful.

“The situation has changed since Tuesday. YPG forces have pushed back IS forces,” said Nahsen, who himself moved to Turkey on Tuesday but now plans to go back.

The fighting for Kobani could still be heard on the Turkish side of the border and IS fighters could be seen movingwww.Ekurd.net around the edge of the city. The black flags planted by IS on Monday were still in place.

Meanwhile, the minaret of a mosque in the centre of Kobani that had been clearly visible from the Turkish side collapsed, the correspondent said. The cause was not immediately clear.

Jihadists from the Islamic State group withdrew from some parts of the embattled Syrian Kobani overnight after air strikes by a US-led coalition, a monitor said Wednesday.

Rami Abdel Rahman, director of the Syrian Observatory for Human Rights, said “fighters from the Islamic State withdrew overnight from several areas in the east of Ain al-Arab (Kobani) and the southwestern edges.”

Source

Der Fall Kobani October 6, 2014 | 11:46 pm

Kobani fällt

Die als Hoffnungschimmer angepriesenen Luftschläge der merkwürdigen Allianz aus NATO-Staaten und Hardcore-Islamisten entpuppen sich als Alptraum. Im Abstand von ganzen Tagen verirrt sich gelegentlich ein Kampfflugzeug der Koalition nach Kobani, tötet dort ein halbes Dutzend Kämpfer – zu wenig, um den Kurden zu helfen, genug, um den IS-Terroristen den propagandistischen Effekt eines siegreichen Kampfes gegen die USA einzutragen.

Die Luftschläge an anderen Orten trieben IS-Kämpfer zusätzlich in Richtung Kobani, dem Dorn im Fleisch der IS. Dort wollte man das schwere Gerät noch einmal nutzen, bevor es durch Luftangriffe zerstört würde. Dauerhafter Widerstand war dort am wenigsten zu erwarten. Diese Kurden, so hat man es öffentlich von allen Seiten verkündet, würden keine Hilfe erhalten. Sie hatten “falsche Hände”, waren auf Terrorlisten gebrandmarkt und damit vogelfrei. Die Türkei unterband zuverlässig den Nachschub an kurdischen Kämpfern über die Grenze.

Während Kobani schon  seit Monaten belagert war, redete die deutsche Politik von “falschen Händen”, um ihre weltpolitisch etwas hinter dem Berg gehaltene Wählerschaft zu beruhigen, dass die Waffen diesmal nicht an “Terroristen” fallen würden. Die Berufskomödianten von Priol bis Nuhr mokierten sich indes pflichtgemäß über die “falschen Hände”, weil sie schon den Peshmerga die fünf leicht gepanzerten Minibusse nicht gönnten, mit denen diese in den Krieg gegen tausende erbeutete Humvees und hunderte Panzer geschickt werden sollten.

Genozideure, zumal islamistische, sind für ihre Medienkompetenz bekannt. Sie lesen aus solchen Phrasen wie jenen “falschen Händen” die offizielle Genehmigung zur ethnischen Säuberung. Die deutsche Politik und die Berufskomödianten haben mit dieser Phrase zum Sturm des IS auf Kobani geblasen. Die IS hat den Aufruf gehört.

Wenn Kobani heute oder morgen oder in drei Tagen fällt, (die ersten Fotos von IS-Flaggen auf Gebäuden in Kobani sind bereits online) so haben sie nicht gegen den islamischen Staat gekämpft – die gesamte NATO hat ihren Beitrag geleistet. Waffenarsenale, Nichtinterventionsgarantien, aus Europa angereiste Verstärkungstruppen – es gibt nichts, was der Westen nicht geliefert hätte, außer Waffen an jene, die sie am dringendsten bräuchten: die FSA, die Ezidenmilizen, die YPG. Und ausgerechnet an diesen wollte man beweisen, dass man auch Waffen liefern könne, ohne “die falschen” zu stärken.

Das war Projektion und Ersatzhandlung zugleich, narzisstisches Ausblenden des grotesken Ausmaßes, in dem sich der Westen gegenüber jenen Gruppen schuldig gemacht hat.

Das manichäische Denken von richtigen und falschen Truppen und Körpern, hier Körperteilen, ist stets schon die Voraussetzung für das Massaker und die damit einhergehende unterlassene Hilfeleistung. Es frisst sich als Gift immer weiter in Gesellschaft hinein. Teilte die deutsche Politik in gute und schlechte Kurden, so wussten auch Berliner Antifaschisten und frisch abgeklärte Politikwissenschaftler, dass die PKK eine totalitäre terroristische Organisation sei, die Peshmerga aber die demokratischen Gründerväter des neuen Irak. Welcher Konflikt die PKK als stalinistische Truppe hervorbrachte und welche internationalen Zwänge letztlich dem türkischen Staat mit seinen Todesschwadronen und Terrorgruppen den Gefallen taten, die PKK zur Terrororganisation zu erklären, das war da schon irrelevant.
Die Rede von der Terrororganisation verbot auch jedem den Mund, der es im konfomistischen Staatswesen fortan zu etwas bringen wollte – eine Strafanzeite wegen Unterstützung einer terroristischen Vereinigung kann niemand riskieren, der sich an Universitäten oder im Beamtenwesen bewerben möchte. Nur konsequent exekutierte die Berliner Polizei die türkische Staatsräson und zeigte Menschen an, die auf einer Demonstration die Aufhebung des Verbotes der PKK gefordert hatten. Ein bestehendes Verbot zu kritisieren ist zwar von der Meinungsfreiheit gedeckt, aber man geht im Kampf gegen den Terror (der PKK) eben bis an die “Grenze des Machbaren”. So half auch die Berliner Polizei dem IS, sie schloss damit an deutsche Polizeipraxis an, die IS-Kämpfer auf Staatskosten ins Kriegsgebiet zu vermitteln, bevor sie etwa im idyllischen Bayern unbequem werden konnten.

War Kobani eine PKK-Hochburg, so mussten die YPG, kurdische Selbstverteidigungskräfte, bald auch die PKK selbst sein. Das erleichterte das Vermeiden von Differenzierung noch einmal erheblich. Wenn Terroristen des IS die Terrororganisation PKK aufreiben, dann gilt schon wieder die deutsche Logik vom Sack in dem es keinen Falschen trifft. Die hunderttausend zu Flüchtlingen herabgedemütigten Kurden, wurden wie Opfer einer Katastrophe präsentiert.

Bald ging Kobani auf die Nerven. Wer seit über sechs Monaten unter Dauerfeuer steht und wagt, penetrant um Beistand zu bitten, gelegentlich sogar Triumphe zu feiern, hat selbst Schuld oder verhält sich nach der medialen Logik wie das Kind, das zu oft “Wölfe” ruft.

Wo man zur Intervention nicht in der Lage ist, entsteht Schuld. Die kann am leichtesten auf die Opfer der eigenen Feigheit abgewälzt werden. Auch an der Kälte mancher Äußerungen über Kobani konnte man die Möglichkeiten des IS heute abmessen.

Weil die Kurden in Kobani es wagten, mit Videoschnipseln Einblicke in die Kämpfe zu gestatten galten sie rasch als sensationslüsterne Aufschneider. Man ertrug nicht, das verhasste und verworfene Ich-Ideal der Unterworfenen, den Helden, zu sehen als Wirklichkeit. Wer selbst kein Held werden kann, schlägt sich auf die Seite der Schurken, identifiziert sich mit dem Aggressor.

Man warf der Peshmerga Opferideologie vor, weil diese zum Sterben bereit sind, und sterben war den Bourgeois von je irrationaler als unfrei zu leben oder Qualen zu erdulden. Es war Sache der Citoyen, für die Freiheit ihre Leben zu riskieren, mitunter trotzig zu opfern. Die Spaltung in Citoyen und Bourgeois gelang gründlich – heute wird jeder als wahnhafter Fanatiker geschmäht, der für die Freiheit anderer sterben würde. Und so werfen ausgerechnet die linken Bourgeois den Kurden vor, sie seien gar keine Citoyen, sondern miese Autokraten, die totalitäre Praktiken betreiben würden.

Also griff man in den Sack, und drosch zusammen mit der IS auf deren Opfer ein, schmähte die Aufnahmen von vornherein als Propaganda, um zu verdrängen, dass bis vor kurzem kein einziger Journalist nach Kobani gefahren war, um objektiv Bericht zu erstatten. (Für kurze Zeit gab es ein oder zwei, die exakt das berichteten, was man vorher aus kurdischen Tweets und Shares, http://www.ekurd.net/ und von der YPG freigegebenen Videoaufnahmen auch schon herauslesen konnte)

Der Human Right Watch-Bericht zu Rojava

Man weiß nicht, ob die kurdischen Frauen und Männer, die in den letzten Monaten gegen IS gefallen sind, Oppositionelle mundtot gemacht haben oder sogar in einem Gefängnis gefoltert haben oder ob sie prächtige Demokratinnen gewesen sind, mit denen man gern auch befreundet gewesen wäre. Einfacher ist es gewiss, die emotionale Distanz zu halten. Das gelingt am leichtesten mit Texten, die man nicht gelesen hat.

Der vielzitierte und wenig gelesene Human Rights Watch-Bericht zur Lage in Rojava – syrisch-Kurdistan – jedenfalls musste sich mit permanenten Wiederholungen und Banalitäten, Lageerklärungen und Dutzenden Seiten Anhang aus irrelevanten Gesetzestexten zur “Untersuchung” von über 100 Seiten aufblähen. Im Kern sind die Vorwürfe, dass in den vergangenen drei Jahren neun Oppositionelle unter ungeklärten Umständen verschwunden sind, dass eine Handvoll Jugendliche schon mit 14 oder 17 als Laufburschen in YPG-Kasernen und an Straßensperren dienten, dass in einigen Gefängnissen, in denen HRW generell passable Haftbedingungen in Sachen Unterkunft und Essen notiert, wohl auch gefoltert wurde.

Der größte Skandal war der gewaltsame Tod von drei oder vier Menschen, die während einer Demonstration erschossen wurden von YPG-Truppen. Die Einheiten kehrten gerade von einem Fronteinsatz gegen IS zurück, hatten einen Gefallenen dabei. Bei der Durchfahrt wurden sie von Anhängern der Oppositionspartei mit Steinwürfen empfangen. Aufrufe, die Demonstration aufzulösen, wurden von einem harten Kern nicht erhört – dieser hatte offenbar wenig Sorge vor schlimmeren Repressionen durch die YPG.

Ob nun ein Warnschuss von anderen YPG-Kämpfern fehlinterpretiert wurde, ob alle durch die Situation überfordert waren und im Kampfmodus Steine als Granaten vermuten mussten, ob die YPG-Kämpfer die Gelegenheit nutzten, um die Opposition einzuschüchtern, oder ob tatsächlich Schüsse aus der Menge erfolgten, bleibt auch im HRW-Bericht ungeklärt. Am darauffolgenden Tag sperrten andere YPG-Truppen mehrere Dutzend Protestierende Oppositionsanhänger über Nacht ein, offenbar ohne Wasser und Brot. Davon hat sich die YPG-Leitung vehement distanziert. Noch aber hat sich kein europäischer Staat von Frontex und der demozidalen Asylpolitik distanziert, die zehntausende das Leben kostete und die seriell in Folter und elenden Zuständen in europäischen Flüchtlingsgefängnissen resultiert.

Kurzum, man wollte der PYD und der YPG heimzahlen, dass syrisch-Kurdistan im Vergleich mit Europa oder der Türkei recht gut abschneidet, und so wurde auch in der sogenannten emanzipatorischen oder antideutschen Linken in gute und unbequeme Kurden getrennt. Wer für Kobani ist, ist naiv, unterstützt die PKK – so geht es dann tagein tagaus auf Facebook hin und her. Wer sich gar der Emotion verdächtig macht, dem mangelt an Routine und Überblick aufs Gesamte.

Es wäre ja kein Stalingrad und schon gar kein genozidales Massaker, so beruhigt sich mancher. In Kobani seien nur noch Kämpfer und kein Massaker könne daher stattfinden. Dass viele YPG-Kämpfer vor wenigen Wochen noch Bäcker oder Handyverkäufer waren, dass zuletzt noch 14-jährige sich der YPG in Kobani und Rentner der Peshmerga angeschlossen hatten, dass mit der Flucht von Hunderttausenden die ethnische Säuberung schon vollzogen ist, dass Flüchtlinge stets hohe Sterberaten erleiden, das hat die strikt kategorisierende Logik schon zensiert.

Richtige Hände

Die Finanziers der schwarzen Aaskrähen, Qatar und Saudi-Arabien erhalten derweil unbesorgte Panzer aus Deutschland. Saudi-Arabien richtet mit dem Schwert hin, seit 1995 wurden 2015 Menschen getötet, wegen Drogenhandel, Ehebruch, Hexerei, Rebellion. Qatar lässt Menschen wegen Alkoholkonsums oder sexuellen Ausschweifungen die Haut und die Rückenmuskulatur mit 50-100 Peitschenhieben zerfetzen. Iran, der neue Bündnisparter des Westens gegen IS, lässt Homosexuelle und Oppositionelle zu hunderten hinrichten und erhält zur Belohnung ein Atomkraftwerk ohne Entsorgungskosten.

Der YPG will man keine Waffen geben, ihren Mördern, dem IS, hatte man bedenkenlos jegliches hochmoderne militärisches Material frei Haus vor die Türe gestellt.

Wäre noch etwas ins rechte Verhältnis zu rücken, so stünde die unverzügliche Lieferung von mehreren hundert Panzern und mehreren tausend Humvees an die Kurden aus, um zumindest nach der Versklavung und Ermordung tausender von Kurden einen Fehler einzugestehen. Hätte der Westen ernsthaft Sorgen um die missbräuchliche Verwendung seiner Waffen, so würde er die Konsequenz ziehen und sofort Bodentruppen einsetzen.

Heute nacht jedoch ließ sich der Westen in Kobani von Jugendlichen und Rentnern verteidigen, gegen seine eigenen Waffen und kein französisches, kein amerikanisches, kein deutsches, kein britisches Schiff kommt am Horizont am letzten Morgen zur Hilfe. Es gibt kaum Worte, die einen solchen archaischen Verrat, Verrat ohne jede Belohnung und gegen das eigene Interesse, beschreiben könnten. Die kurdische und arabische Lyrik wird sich der Aktualisierung von Franz Werfels Musa Dagh eines Tages im Exil annehmen.

Aleppo fällt

Während von Kobani zumindest gesprochen wird, darf Assad in der allerfinstersten Nacht der medialen Zensur agieren. Die Luftschläge gegen die mit IS verfeindete Al-Nusra-Front lieferten Aleppo seinen Gangs und Folterknechten aus, die Garantie zum Machterhalt hatte er sich schon mit seinen Giftgasangriffen erkauft. Der Westen wird den entstandenen Trümmerhaufen nicht einmal gegen Bezahlung zurückerobern. Diese wastelands wird Assad regieren. Auch ihm sicherte man schlecht kodiert Unterstützung aus dem Westen zu: Der FSA wurden 500 Millionen Euro zugesagt von Seiten der USA. 500 symbolische Millionen, die in den nächsten zehn Jahren vermutlich nicht eintreffen, weil man sich über genauere Verwendung erst mit anderen Staaten beratschlagen müsse:

“We also intend to ramp up U.S. support to the moderate Syrian opposition. We are therefore requesting $500 million for a proposed authority to train and equip vetted elements of the Syrian armed opposition to help defend the Syrian people, stabilize areas under opposition control, facilitate the provision of essential services, counter terrorist threats, and promote conditions for a negotiated settlement.”

Assad wird diese Botschaft erhalten haben: “stabilize areas” heißt es da, nicht “topple the regime” oder “conquer areas held by Hezbollah and iranian death-squadrons”. Sollte Assad nach dem Gelächter wirklich ein wenig Sorge verbleiben, wird er die nächsten Wochen noch die letzten Geländegewinne mit doppelter Barbarei durchsetzen, um das künftige, vielleicht doch noch gehaltene Rebellenreservat nach Kräften zu verkleinern. Auch der FSA bringen die homöopathischen Placebo-Luftangriffe keine Erleichterung, die ihren Erzfeind nur noch zu Eile und Gründlichkeit anspornen.

Sindschar fiel

Hatten die Special Forces des Westens noch die von der YPG geretteten Eziden aus dem Sindschar-Gebirge in Empfang genommen, so herrscht heute immer noch die Sklaverei des IS über der Stadt, die längst keine Meldung mehr wert ist, während die Flüchtlingslager überquellen. Europa wird ihnen eines Tages die Infrarotkameras der Frontex entgegenstellen und an Grenzzäunen und von Push-Back-Schiffen beim Sterben zusehen, während man in der Linken dann darüber räsoniert, ob die kurdischen Eziden eigentlich nun die PKK unterstützen oder die Peshmerga und ob denn nun eines von beiden endlich politisch korrekt sei.

“Was einer fürchtet, wird ihm angetan.”

 

 

 

In den Nachthimmel starren, auf die Flugzeuge warten October 6, 2014 | 09:36 pm

Die ersten schwarzen Fahnen der ISIS sind am Ortseingang der seit Wochen umzingelten kurdischen Stadt Kobane gehisst worden, die meisten Zivilisten über die Grenze evakuiert, es scheint dem IS gelingt es in diesen Stunden ins Stadtzentrum vorzudringen.

Harald Doorbos, ein holländischer Journalist, verfolgt die Entwicklung von der Grenze.

Ein Tweet von ihm, der vieles über die Lage aussagt:

Kurds here close to border staring at night sky, hoping very much for airstrikes. But seems too little too late, ISIS already inside Kobane.

Sie hoffen auf massive Luftangriffe.

Dabei flog die anti-Isis Koalition heute genau drei Anriffe:

U.S. and partner nations’ military forces continued to attack ISIL terrorists in Syria Sunday and today using fighter and remotely piloted aircraft to conduct three airstrikes.

Den ganzen Beitrag lesen

The Resilience of Moderate Syrian Rebels October 5, 2014 | 11:22 pm

As calls emerge for cooperation with the Assad regime to help roll back the advances of the Islamic State (ISIS) in Iraq and Syria, Felix Legrand argues that the Free Syrian Army (FSA) is the only actor in the conflict with the capacity and local legitimacy to defeat ISIS in Syria. This paper analyses the FSA fighting groups that could constitute both the central elements of the fight against ISIS and the core of a reunified army for Syria’s eventual political transition.

Breaking down the new dynamics within the Syrian rebellion, Legrand sees a re-emergence of moderate FSA brigades as key players in the conflict. Islamist-funded groups, once dominant within the armed opposition, are facing unprecedented difficulties and internal divisions. FSA brigades displayed their strength in winning significant military victories against ISIS in Aleppo and Idlib in 2014. They have built upon this strength through promising alliances with Kurdish militias and the increased use of advanced anti-tank weapons. Despite their successful use of American TOW missiles, proving that well-vetted rebel groups are capable of using sophisticated weapons effectively, Syrian rebels require further assistance to effectively protect territory under their control from regime airstrikes.

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