Bericht vom 24. BAK-Treffen in Leipzig: Großes Interesse am BAK Shalom – Ernüchterung über Zustände in Nordrhein-Westfalen October 16, 2014 | 10:13 am

Vom 12. bis 14. September fand das interne Verbandswochenende der Linksjugend ['solid] in Leipzig statt. In diesem Rahmen tagte auch der Bundesarbeitskreis (BAK) Shalom. Im Zentrum des Treffens stand die Auswertung der innerparteilichen Auseinandersetzung über die antisemitischen Vorfälle unter Beteiligung der LINKEN, zu denen es im Zuge der militärischen Auseinandersetzung zwischen Israel und der Hamas in diesem Sommer kam.

“Pflicht gegenüber Gott” October 16, 2014 | 08:39 am

Über Versklavung und sexuellen Missbrauch von Yezidinnen ein Artikel von Thomas von der Osten-Sacken in der Jungle World:

Manchmal lassen die Jihadisten, anders als im Falle Alis und seiner Schwester, die weiblichen Familienangehörigen ans Telefon, ermuntern sie sogar, detailliert zu beschreiben, was ihnen angetan wurde. Der IS verheimlicht nämlich keineswegs, was mit den Mädchen und Frauen von Ungläubigen geschieht, die ihm in die Hände fallen, genauso wie er auch Massenexekutionen, Kreuzigungen und Enthauptungen filmen und über das Internet verbreiten lässt. Das unterscheidet ihn von anderen Diktaturen und Autokratien in der Region, ob in Syrien unter Bashar al-Assad, früher in Saddam Husseins Irak oder im Iran, wo sexueller Missbrauch und Vergewaltigungen in Gefängnissen zwar an der Tagesordnung waren und sind, in der Regel aber heimlich stattfinden und offiziell geleugnet werden.

Der Islamische Staat dagegen verübt seine ­Verbrechen ganz öffentlich – auch weil es sich nach den Gesetzen und Regeln seines Kalifats gar nicht um Verbrechen handelt, sondern um die wortgetreue Befolgung von Gottes Wort. Nichts dort geschieht, ohne dass es zuvor ein religiöser Rat abgesegnet hätte. Und nichtmuslimische Frauen, die im Jihad gefangen genommen werden, sind nach dieser Lesart schlicht Beute. In der jüngsten Ausgabe seines Hochglanzmagazins Dabiq gibt der IS bekannt, dass im Ka­lifat die Versklavung von »polytheistischen« und »heidnischen« Frauen praktiziert werde und rechtens sei. (…)

Die verschleppten und versklavten Yezidinnen sind dabei keineswegs die ersten Opfer derart legitimierter sexueller Gewalt. Im Krieg gegen die bengalische Unabhängigkeitsbewegung im späteren Bangladesch etwa wurden über 250?000 Frauen Opfer von Massenvergewaltigungen durch pakistanische Soldaten. Augenzeugenberichten zufolge sollen damals Offiziere der pakistanischen Armee mit Verweis auf entsprechende Koransuren ihren Soldaten sogar die entsprechende Befehle geben haben. Ob sudanesische Janjawid-Milizen, die in Darfur systematisch vergewaltigten, oder Jihadisten der Boko Haram in Nigeria, die medienwirksam christliche Mädchen entführen, sie taten und tun dies ausdrücklich im Namen ihrer Religion. Deshalb auch stellte der bangladeschische Journalist Afsan Chowdhury, der sich jahrelang mit den pakistanischen Verbrechen aus dem Jahre 1971 befasste, fest, es gebe zwar kaum einen Krieg ohne sexuellen Missbrauch von Frauen, allerdings fänden die Übergriffe in anderen Fällen nicht als »Pflicht gegenüber Gott« statt.

Kein Geld für Flüchtlinge October 15, 2014 | 11:30 pm

Der Winter steht vor der Tür, die Hilfe wird zusammengestrichen, weil nicht genügend Geld vorhanden ist:

Die Vereinten Nationen haben damit begonnen, ihre Lebensmittelhilfe für die notleidende Bevölkerung in Syrien zu reduzieren. Als Begründung für diesen Schritt nannten die UN Geldmangel. Die Hilfsleistungen würden diesen Monat um 40 Prozent gesenkt, sagte die Sprecherin des Welternährungsprogramms (WFP), Elisabeth Rasmusson.

Demnach wird die UN-Organisation zwar wie bisher Lebensmittel an 4,3 Millionen Menschen in Syrien verteilen, doch werde sie die individuelle Menge stark reduzieren. Auch die Bürgerkriegsflüchtlinge außerhalb des Landes seien von November an von den Kürzungen betroffen.

Laut Rasmusson wird auch im Libanon die Hilfe für die Flüchtlinge gesenkt und zwar um 20 bis 30 Prozent. In der Türkei werde das Welternährungsprogramm sogar gar keine Hilfen mehr verteilen.

ISIS used chemical weapons on Kurds: report October 15, 2014 | 02:22 pm

ISIS savages appear to have used chemical weapons taken from the abandoned arsenals of Saddam Hussein in their slaughter of ethnic Kurds in the Syrian city of Kobani last July, according to a frightening new report.

The jihadi terrorists are believed to have pillaged an old weapons complex in northern Iraq, where they obtained poison gas they transported to Syria. Shocking photos posted on Fox News show gruesome wounds inflicted on the victims.

Quelle

Gesellschaft October 15, 2014 | 11:27 am

“Neger und Maulesel sind die Tiere, die mir am meisten verhaßt sind. Wie verehre ich dagegen das weiße Fleisch und die wiehernden Pferde. Faul, heuchlerisch, hinterlistig, undankbar für die beste Behandlung, für das beste Futter und unzuverlässig trotz bedeutsamer physischer Kräfte – so sind Maulesel und Neger und die kouleurten Nachkommen der Schwarzen bis ins dritte Glied. … Wäre ich ein großer Tyrann – was ich leider nicht bin – so würde ich die Neger samt ihrer ganzen kouleurten Sippschaft zur Sklaverei zurückführen und auf jede fernere Vermischung mit Weißen die Todesstrafe setzen. Ich schäme mich, indem ich dieses niederschreibe.”

Georg Weerth an Heinrich Heine, 1853. Zitiert nach Thomas Ebermann/Rainer Trampert: Die Offenbarung der Propheten. Hamburg, 1995. S. 159.

Protest letter concerning the treatment of a female Journalist in Suleymaniah October 15, 2014 | 11:22 am

To: Mr Nikolai Miladinov, UN Special Representative for Iraq and Head of the UNAMI
Five major political parties of Kurdistan – PUK, KDP, Gorran, KIU, Komal

It is unacceptable that female NRT journalist Shaima Jaf was prevented from entering the meeting of the UN Special Representative for Iraq and Head of UNAMI Mr. Nikolai Miladinov with the five major political parties of Kurdistan which took place at the headquarters of the Kurdistan Islamic Union (KIU) in Erbil on 13 October 2014. In addition to showing blatant disrespect for the concept of free press, it is especially outrageous in light of the fact that one major item on the agenda for the meeting was the nomination of a candidate for Minister of Women’s Affairs in the new Iraqi cabinet, which was to take place without the participation of a single female representative from any of the major political parties.

The UNSCR 1325 stresses the participation of women in the public affairs, and especially in the dialogue processes. In the Kurdistan Region and Iraq, this topic has often been addressed and various strategic plans have formulated, though sincere efforts to implement this resolution remain lacking. Indeed, preventing women and female journalists from taking part in this process under any pretenses is a blatant violation of the resolution.

Finally, the silence of the UN Special Representative and the political parties towards this incident raises serious questions. If a sincere effort is not made to address this incident and an explanation is not issued, it will affect the reputation of all the participants in the meeting, particularly the KIU who hosted the gathering.

Here is the link to the NRT TV statement regarding this incident:

Organizations and individuals who endorse the above statement in Iraq and internationally include:
WADI Iraq, Women Org. for Legal Assistance – WOLA, PDO, DHRD, ASUDA, Metro Center, WARVEN, House of Successes for Development, YADIK, Halabja Organization, Human Organization for Defending Human, OVK, OUA, Kurdish and Middle Eastern Women Organisation, Kurdistan Form, CSI, Radio Dang, Radio Dange New, Zhyan Group, Aliand Organization,KIE , Zhyan Institution for Human Rights,Institution of Human right ,support the freedom of Jornalist and 33 activist writers, workers and civilian.

Kurdistan region of Iraq, 15-10-2014

Über das kleinere Übel October 15, 2014 | 10:08 am

Ines Kappert in der TAZ:

Die US-Luftangriffe dürften bereits jetzt nahezu eine Milliarde Dollar gekostet haben.“ So titelte die Washington Post am 29. September. Die Quelle: das unabhängige „Zentrum für Bewertung von Strategie- und Budgetfragen“ in Washington.

Dieses schätzt, die Kosten werden weitersteigen – auf monatlich 350 bis 570 Millionen US-Dollar. Bislang fallen die militärischen Erfolge gegen den IS noch sehr dürftig aus.

Zwei Wochen später geben die UN bekannt, dass sie ihre Lebensmittelhilfe für Syrien um 40 Prozent kürzen werden. Denn die auf den Geberkonferenzen in Kuwait 2013 und 2014 zugesagten Gelder wurden nur in Teilen bezahlt.

Obwohl der Winter vor der Tür steht, will auch die deutsche Regierung die Hilfe für Syrien minimieren – es sind ja neue Krisenherde hinzugekommen wie der Nordirak oder die Ebola-Epidemie.

Gleichzeitig wird im Bundestag und am Küchentisch munter weiter über die neue deutsche Weltverantwortung gestritten, die die meisten im Verbund mit Waffen sehen. Keine Kosten werden gescheut. Waffen sind die Investionen offenbar wert.

Syrien steht längst nicht mehr nur für ein von Russland und Iran gestütztes faschistisches Regime, das der Westen zwar nicht mag, aber stur für das kleinere Übel hält. Es steht für ein Versagen der zivilisierten Welt und ihrer Institutionen und Werteordnung. Die von Anfang an barbarische Idee, für Stabilität in der Region und ein verbessertes Verhältnis zum Iran Syrien und damit 22 Millionen Menschen einem Diktator auszuliefern, sie wird sich rächen. Ja, sie rächt sich bereits.

Denn die Überlebenden fliehen zu Millionen – und die teils hochprofessionellen Gotteskrieger sind nicht faul und fassen in dem sich leerenden und komplett chaotisierten Land dauerhaft Fuß. Von Stabilität kann keine Rede sein.

DANKE! October 14, 2014 | 11:41 am

Wir resümieren:
Die Demo war erstaunlich gut besucht mit 5000 Teilnehmer_innen, was sehr erfreulich ist. Es gab kraftvolle Agitation. Leider war es etwas schwer, eine große Außenwirkung auf Passant_innen zu erzielen.
Die Störaktion auf dem Fest waren sehr erfolgreich, bis die Cops anfingen, wahllos Menschen festzusetzen. Polizia merda!
Abends dann gab es sehr unübersichtliche Szenen am Refugeecamp, wo rechtsoffene Fußballatzen mehrfach Antifas angriffen und eine Genossin schwer verletzten. Wir sind bei dir!

Alles in allem können wir sehr zufrieden sein, sowohl inhaltliche als auch aktionistische Schwerpunkte gesetzt und wenigstens kurzzeitig die Reibungslosigkeit der deutschen Manifestation der Traurigkeit behindert zu haben. Nie wieder Deutschland! Danke, an alle, die da waren!

Redebeitrag gegen die Einheitsfeier in Hannover am 3.10.2014 October 14, 2014 | 11:31 am

Hier folgt unser leider nicht abgespielter Redebeitrag zur Demonstration am 3. Oktober gegen den Tag der deutschen Einheit in Hannover:

Heute jährt sich der Tag der Eingliederung der DDR zum 24. Male. Am Maschsee toben sich die Deutschen aus und feiern ganz förmlich diesen Stichtag mit Bratwurst, Bier und Kinderschminken. Es geht um ihr nun wieder großartiges Land, das endlich die dunkle Geschichte überwunden habe. Richtig ist es, zu kritisieren, dass das was gefeiert wird keine große Familie ist, in der jeder für den anderen da ist, sondern ein gewalttätiges Verhältnis aus dem Armut, Ausgrenzung und Leistungszwang folgen.
Doch uns reicht es nicht eine allgemeine Kritik der Nation und des Staates anlässlich dieser Veranstaltung zu leisten. Wir wollen kritisieren was denn nun gerade Deutschland so schlimm macht. Denn Deutschland ist kein Nationalstaat unter vielen. Als kapitalistischer Nationalstaat hat er zwar viele Gemeinsamkeiten mit anderen Staaten, doch gibt es auch eine Spezifik der deutschen Verhältnisse.

Der deutsche Nationalismus entstand im 19. Jahrhundert und reihte sich in die anderen europäischen Nationalbewegungen ein. Mit dem Aufbrechen der alten Wirtschaftsstrukturen und göttlicher Legitimation von Herrschaft brauchte es eine neue zuverlässige Herrschaftsstruktur. Die Nation wurde geboren. Sie war und ist der Kitt zwischen den Menschen in einem Staat, die jeden Tag aufs neue den wirtschaftlichen Kampf gegeneinander antreten müssen.
Doch der Nationalismus hier konstituierte sich anders als in Frankreich oder England. Während dort die Nation als Staatsbürgernation definiert wird, also als Zusammenschluss von Leuten mit selben Interessen am selben Ort, ist die deutsche Definition eine völkische. Wer zur Nation gehört ist deutsch, hat deutsches Blut, deutsche Vorfahren und kommt von deutschem Boden.

Die deutsche Nation wurde anders als in den Nachbarländern durch die althergebrachten Herrscher gegründet. Die politische Revolution blieb aus: Die Bürger waren wirtschaftlich im Kapitalismus angekommen, konnten aber politisch keinen Einfluss nehmen.
In der nationalen Ideologie wird eine nationale Geschichte erfunden. Die Geschichte der Deutschen beginne schon bei den Germanen und ziehe sich durch bis zur deutschen Reichsgründung. Dabei wehre sich das homogene deutsche Volk immer gegen Eindringlinge und Fremdherrscher. Sei es das römische Reich, die römisch-katholische Kirche oder Frankreich. Alle stünden im Gegensatz zum reinen, naturverbundenen deutschen Volke und verkörpern Dekadenz, Großstadt, Kosmopolitismus, Individualität und Liberalismus.

Neben Tugenden wie Ordentlichkeit und Pünktlichkeit spielt auch das besondere deutsche Arbeitsverständnis eine große Rolle. Arbeit ist hier nicht nur dazu da, den Lebensunterhalt zu verdienen sondern bekommt eine moralische Bestimmung. Sie wird im ideologisch-deutschen Bewusstsein zur Lebensaufgabe und damit zum Selbstzweck. Wer nicht arbeite, verrate das Kollektiv und wird als „Zigeuner“ oder „Asozialer“ verfolgt.
Wir haben nun also verschiedene Merkmale, welche die deutsche Nation auszeichnen, von anderen nationalen Ideologien abgrenzen und den späteren deutschen Antisemitismus eine neue Qualität geben: die völkische Definition der Nation, die obrigkeitsgesteuerte „Revolution“, die Abgrenzung zu den Feinden der Nation und ihren Werten und letztendlich das Verhältnis zur Arbeit.

In der Zeit der entstehenden Nationalstaaten taucht auch ein anderes neues Phänomen auf: Der Antisemitismus. Er lässt sich grundlegend als Judenfeindschaft fassen, die über die bisherige religiöse Ablehnung der Juden hinausgeht. In verschiedenen Spielarten werden die Probleme und Miseren der Menschen auf die Juden projiziert. Anders als im Rassismus jedoch steht der Jude hier gleichzeitig für Übermacht und Minderwertigkeit. Er stehe im Hintergrund und ziehe die Fäden des Weltkapitalismus. Ähnlich wie bei der Ablehnung der Feinde der Deutschen, wird auch den Juden Dekadenz, Geld und Großstadt, sowie Heimat- und Wurzellosigkeit vorgeworfen. Diese Zuschreibungen machen die Juden im Antisemitismus als nationsloses Individuum zur gewissenlosen, sich an Anderen bereichernden Anti-Nation.

In Deutschland fande der Antisemitismus einen besonderen Nährboden: Die Kombination aus völkischem Rassismus, der die Juden als naturgegebene Gruppe mit unverrückbaren Eigenschaften setzt, den gleichen Feindbildern der deutschen Nation und des Antisemitismus und das Verhältnis zur Arbeit. Dieses stellt die Deutschen in ihrer Selbstdarstellung moralisch höher. Der Jude arbeite nicht, er bereichere sich an der Arbeit Anderer, der ehrlichen schaffenden Arbeiter also der deutschen Nation. Schuld an Vereinsamung, Verelendung, Verknechtung und Verlassenheit sind hier nicht die abstrakten Verhältnisse, sondern die konkrete Personengruppe der Juden. Die Auflösung dieser Probleme wird hier auch nicht im Umwerfen eben dieser Verhältnisse gesehen, sondern in der Vernichtung der Juden und Jüdinnen, der Shoah. Diese folgte in ihrer letzten Konsequenz keiner ökonomischen oder militärischen Vernunft, sondern dem bloßen Ziel möglichst viele Juden zu vernichten. Währenddessen bildeten die Deutschen eine Volksgemeinschaft, in der das Individuum vollkommen aufging und nur noch für das Vorankommen der Nation existierte. Der geschlossene Burgfrieden zwischen Arbeitenden und Besitzenden wirkt als Sozialpartnerschaft bis heute nach.

Nach 1945 wandelte der Antisemitismus sein Äußeres. Nun ist es nicht mehr möglich, sich offen gegen die Juden auszusprechen und ihre Vernichtung zu fordern. Er zeigt sich, wie im restlichen Europa auch, entweder als geographische Ausformung des Antisemitismus, dem Antizionismus, also der Feindschaft zum neugegründeten jüdischen Staat Israel, welches der prekäre Versuch der jüdischen Selbstverteidigung und Konsequenz aus Auschwitz ist, oder als Verschwörungstheorie, bei der das Wort Jude durch beliebige Symbole, wie Bänker, Ostküste oder sonstige imaginierte Führungseliten ausgetauscht wird. Speziell in Deutschland ist jedoch der Umgang mit der Shoah. Der sekundäre Antisemitismus kehrt sich nicht trotz Nationalsozialismus und Judenvernichtung gegen die Juden, sondern genau deswegen. Die Deutschen können es den Juden nicht verzeihen, dass sie sich von ihnen umbringen ließen und so den Ruf Deutschlands in den Dreck zogen.
Doch trotzdem schaffte die nationale Geschichtsschreibung auch dieses Schandmal ins Positive zu verklären: Der Nationalsozialismus wurde in dieser zum Lehrstück für das deutsche Volk, aus dem es moralisch gestärkt hervor gehe. Diese Vergangenheitsbewältigung wird zur Legitimation für eine aggressivere Außenpolitik: Deutschland müsse wegen seiner Geschichte den Israelis auf die Finger hauen, den Balkan bombardieren und mehr Verantwortung in der Weltpolitik übernehmen.
Mit dem Zusammenbruch des Realsozialismus und der Übernahme der DDR durch die BRD wird auch ein neuer nationaler Mythos erzählt: die friedliche Revolution. Nach ihr seien die Bürger der DDR einzig und allein für ihre Freiheit auf die Straße gegangen und hätten so den Sturz des SED-Regimes herbeigeführt. Folgen des Zusammenschluss und nachfolgenden nationalen Taumels sind die Pogrome in den 90ern in denen der deutsche Mob Asylbewerberheime anzündete. Auch Opfermythen und Schuldabwehr gehören weiter zum deutschen Ton. Die Sozialpartnerschaft und der Arbeitsethos sind weiterhin aktuell.

Die Kontinuitäten des deutschen Nationalismus ziehen sich also durch die Geschichte hindurch. Auch heute wird nicht nur Armut, Ausgrenzung und Leistungszwang gefeiert, sondern auch die deutsche Geschichte. Arbeitsethos, Volksgemeinschaft und Antisemitismus sind Elemente, die sich im Nationalbewusstsein halten. Sie erfordern eine spezifische Kritik an Deutschland.

Kampf den deutschen Verhältnissen! Nie wieder Deutschland! Für den Kommunismus!

Gegen Stolpersteine! Solidarität mit der Israelitischen Kultusgemeinde! October 14, 2014 | 01:54 am

Noch dieses Jahr wird die Verlegung von Stolpersteinen im Münchner Stadtrat und im Bayerischen Landtag neu verhandelt. Die Argumente der Stolperstein-Befürworter und deren Leithammel Gunter Demnig mögen auf den ersten Blick schlüssig erscheinen. Doch weit gefehlt. Eine Dekonstruktion.

Charlotte Knobloch gilt als scharfe Kritikerin der Stolpersteine und warnt vor den „Gedenktätern“

„Sie haben keine Ahnung vom Projekt des Gunter Demnig!“
Doch, ausreichend. Für einen Stolperstein des Künstlers müssen Interessierte 120 Euro bezahlen. Hinsichtlich der im Rahmen des Projekts bereits verlegten circa 50.000 Stolpersteine ist das ein ansehnlicher Umsatz. Als lokale Vermarktungsagenturen der Geschäftsidee treten Stolperstein-Initiativen auf, die um sogenannte „Patenschaften“ werben, selbst wenn Stolpersteine auf öffentlichem Grund lokal gar nicht erwünscht sind: „Jeder Stolperstein, den Sie heute spenden, ist ein Argument für seine Verlegung morgen“, heißt es bei der Initiative „Stolpersteine für München“. Der private Investitionsdruck soll für einen Meinungsumschwung sorgen. Falls sich kein NS-Opfer in der persönlichen Verwandtschaft finden lässt, werden Interessierte gebeten, ihr persönliches Opfer beispielsweise im „Biographischen Gedenkbuch der Münchner Juden“ auszusuchen, heißt es ebenda.

Stolpersteine sind quasi zu einer Eigenmarke von Demnig geworden. Die Vertriebsstruktur ist dementsprechend egoman zugeschnitten, ohne qualifiziertes Konsortium. Wenn Demnig sagt, in Hannover werden keine Stolpersteine mehr verlegt, weil die Stadt sich „eigenmächtig in sein Konzept eingemischt habe“, dann ist das erst einmal so. Jede Stadt ist schlecht beraten, die sich den Launen dieses Künstlers ergibt.

„Es ist gut, sich der Namen der Ermordeten zu erinnern“
Ja, aber nicht auf diese Weise. Charlotte Knobloch, Vorsitzende der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern, hat es gut auf den Punkt gebracht: „Die Stolpersteine bringen es – als Gedenkform auf dem Boden – mit sich, dass Passanten achtlos auf sie und über sie hinweg gehen. Sprichwörtlich werden die Steine mit Füßen getreten, und mit ihnen das Andenken an die im Holocaust ermordeten Menschen – unschuldige Opfer hemmungsloser Unmenschlichkeit, die Verfolgung und Entwürdigung erleben mussten, ehe man sie grausam ermordete. Es ist inakzeptabel und unbedingt zu vermeiden, dass diese Opfer in der Gegenwart und Zukunft ein weiteres Mal entwürdigt werden. Würdiges Gedenken kann nicht auf dem Boden, sondern muss auf Augenhöhe stattfinden.“

„Gerade in einer Stadt wie München sind Stolpersteine nötig“
Gerade in einer Stadt wie München verbieten sich Stolpersteine – wenn es mit dem Gedenken ernst sein soll. Darüber hinaus ist das Verlegen von Denkmälern im Torttoir in München belastet. Als die Stadt ein Denkmal für den ermordeten bayerischen Ministerpräsidenten Kurt Eisner an einer Hauswand am Tatort anbringen wollte, weigerte sich die örtliche Hausbesitzerin. Auch die Bayerische Staatsregierung weigerte sich, ein Denkmal für die getöteten Polizisten an der Feldherrenhalle anzubringen, die Hitlers „Marsch auf die Feldherrenhalle“ stoppten. Beide Denkmäler wurden letztendlich im Boden eingelassen, was zurecht für heftige Kritik sorgte. Die Stadt macht sich namentlich lächerlich, wenn sie damals aufgrund des „erniedrigenden Weise der Würdigung“ gegen das Trampelgedenken Position bezog und morgen ein paar tausend Stolpersteine im Boden versenkt.

„Als der Stadtrat 2004 die Stolpersteine ablehnte, stand er unter der Fuchtel von Frau Knobloch“
Die Vorsitzende der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern ist eine prominente Kritikerin der Stolpersteine. Gleichwohl ist es ein klassisches antisemitisches Muster, den Einfluss der Jüdinnen und Juden auf diese Gesellschaft zu überschätzen. In vielen deutschen Städten wurden Stolpersteine gegen den Willen der jeweiligen jüdischen Gemeinde durchgesetzt, zum Beispiel unter Androhung eines Bürgerbegehrens, wie in Krefeld. Auch der Stadtrat in München hatte 2004 bereits vor der deutlichen Meinungsäußerung Knoblochs eine Meinung – eine ablehnende Haltung signalisiert – wenn auch teilweise aus den falschen Gründen. Viele Stadtratsmitglieder waren der Ansicht, dass es schon genug Gedenkstätten in München gäbe. Eine Argumentation, der die Israelitische Kultusgemeinde nie folgte und die sie auch nie „eingeflüstert“ hat.

„Opfer des Holocausts waren nicht nur Juden, sondern auch Sinti und Roma, Homosexuelle, Kommunisten, …“
Und gerade in München wurde die Verfolgung von Homosexuellen, Sinti und Roma sowie Kommunistinnen und Kommunisten besonders eifrig betrieben. Auf dem Höhepunkt der Homosexuellenverfolgung wurden von der Münchner Kriminalpolizei mehr Menschen festgenommen als in jedem anderen Leitstellenbezirk des „Deutschen Reichs“. In München war die Verfolgungsbehörde „Dienststelle für Zigeunerfragen“ ansässig. Im Konzentrationslager Dachau mussten sich zuerst hauptsächlich Kommunisten, Sozialdemokraten sowie Gewerkschafter einfinden.

Dennoch waren die Vernichtungsbestrebungen der Nationalsozialisten – und die dazugehörige Ideologie – in der Hauptsache gegen Jüdinnen und Juden gerichtet. Die Bedenken jüdischer Gemeinden gegenüber Stolpersteinen können nicht mit dem Hinweis marginalisiert werden, dass es auch andere Opfergruppen gab. Zudem wird häufig unterschlagen, dass sich das Dokumentations- und Kulturzentrum Deutscher Sinti und Roma in seiner Stellungnahme 2009 ebenfalls kritisch zu den Stolpersteinen geäußert hat. Mindestens sei die Zustimmung der Familienangehörigen notwendig, heißt es in der Stellungnahme. Aus „Gründen der Pietät“ gäbe es außerdem Vorbehalte. Es solle grundsätzlich geprüft werden, ob anstelle von Stolpersteinen auch „alternative Formen des Gedenkens“ gefunden werden könnten.

„Es gibt auch Juden, die für Stolpersteine sind“
Das ist richtig. Zum Beispiel votiert in München die Liberale Jüdische Gemeinde tendenziell für Stolpersteine, die Israelitische Kultusgemeinde tendenziell dagegen. Das Meinungsbild kann sich zudem von Ort zu Ort unterscheiden. Zudem hat das Projekt im Zentralrat der Juden in Deutschland einzelne Fürsprecher gefunden. Richtig ist allerdings auch: Während die Stopersteine unter Nichtjuden in Deutschland nahezu nordkoreanische Zustimmungsquoten erzielen, rührt der größte Widerstand gegen das Projekt in der Regel aus jüdischen Gemeinden. Eine gelungene Gedenkform?

„Die engagierten Menschen wollen doch nichts Schlechtes“
Sicherlich sammeln sich in diesen Initiativen auch Angehörige von NS-Opfern oder Menschen, die schon vor einem Stolperstein halt gemacht haben und dachten: „Interessant.“ Oder: „Schön, dass man das hier erfährt.“

Aber häufig sind auch Menschen beteiligt, die seit jeher einen Kampf gegen die Israelitische Kultusgemeinde führen – insbesondere bezüglich des Selbstverteidigungsrecht Israels. Jahrelang wurde die Initiative für Stolpersteine in München von Reiner Bernstein geleitet, der 1977 aufgrund seiner antiisraelischen Positionen aus der Deutsch-Israelischen Gesellschaft ausschied und seitdem seine Haltung noch wesentlich verschärft hat. Seine bessere Hälfte, Judith Bernstein, organisiert die „Jüdisch-Palästinensische Dialoggruppe“ (JPD) im Münchner Ein-Welt-Haus, in der sie gemeinsam mit dem Organisator der „Palästina Tage“, Fuad Hamdan, antiisraelische Veranstaltungen ausrichtet. Ebenfalls lautstark setzt sich derzeit Ernst Grube für Stolpersteine ein, der ebenfalls in der „Jüdisch-Palästinensischen Dialoggruppe“ organisiert war. Eine besondere Geschmacksverfehlung stellt der Mitbegründer von „Stolpersteine in Kassel“ dar, der auf einer pro-palästinensischen Demonstration letzthin verlauten ließ, „der Tod ist ein Meister aus Israel“ und er Träume vom Tag, an dem Juden Stolpersteine für tote Palästinenser in Israel verlegen.

„Wer keine Stolpersteine will, ist geschichtsvergessen“ (I)
Aus den Opfern der Shoa wurden Lampenschirme, Seife und Perücken gewonnen – die Kleidung der Ermordeten wohlsortiert wiederverwertet. Und mit den zerstörten Grabsteinen jüdischer Friedhöfe pflasterten die Nationalsozialisten deutsche Innenstädte. Es galt ihnen neben ihrer radikalen Wertstoff-Ideologie als Zeichen der Überlegenheit, dass das deutsche Volk von nun an auf den Überbleibseln jüdischer Friedhöfe – und ihren Namen – herumtrampeln sollte.

„Wer keine Stolpersteine will, ist geschichtsvergessen“ (II)
Zur Demütigung zwangen die Nationalsozialisten Jüdinnen und Juden, die Innenstädte – auf dem Boden kniend – mit der Zahnbürste zu reinigen. Es mag ein gut gemeintes Zeichen sein, wenn sich heute Jugendgruppen finden, die – ebenfalls auf dem Boden kniend – Stolpersteine reinigen. Eine richtige Lehre wäre aber, sich dafür einzusetzen, dass niemals wieder ein Mensch auf dem Boden knien muss, um einzelne Steine zu reinigen. Die Frage der Geschichtsvergessenheit wäre also noch zu klären.

„Es gibt Angehörige von NS-Opfern, die sich die Verlegung von Stolpersteinen wünschen“
Und dann gibt es Angehörige, die sich eine Verlegung verbitten, wie beispielsweise der Gesellschaftskritiker Wolf Biermann. Die wenigsten Angehörigen werden allerdings gefragt, bevor Stolpersteine für ihre ermordeten Vorfahren verlegt werden. Im Regelfall werden die Namen entsprechenden Listen entnommen, ohne die Angehörigen aufzusuchen. Künstler Demnig dazu im Interview 2013 gegenüber Radio Corax: „Es wäre unbillig, zu verlangen, auf Teufel komm raus alle Angehörigen zu fragen.“ Es geht also nicht um die Angehörigen – sie sind Mittel zum Zweck – sondern um das Projekt, bzw. das Volksseelchen.

Die Angehörigen werden vorgeschoben. Die wenigsten Stolpersteinbefürworter sind Angehörige, die wenigsten Angehörigen, über deren Ahnen jetzt drübergetrampelt wird, wurden überhaupt gefragt. Es ist vor allem ein Anliegen der Nachkommen der Täter. Und wenn es Widerstand gibt, kommt dieser in der Regel aus den jüdischen Gemeinden und/oder von Verbänden der Sinti und Roma.

„Es ist ein Gedenken, das sich im Stadtbild festschreibt“
Die Messingplatten nutzen sich ab. Spätestens in hundert Jahren werden nur wenige Namen noch erkennbar sein. Schon heute – nach 20 Jahren – sind manche Texte der ersten Steine kaum noch zu entziffern. Es gibt eigentlich keine bessere Form, um die Erinnerung kollektiv wegzutrampeln als Stolpersteine.

„Eine Aufmerksamkeit für Jüdinnen, Juden, Sinti und Roma“
Im Judentum ist es ein NoGo, auf Grabsteine zu treten. Befürwortende Rabbiner sagen, Stolpersteine seien kein Problem, weil Stolpersteine objektiv keine Grabsteine sind. Die kritischen Rabbiner sagen, dass es sich aber um Symbole handelt, die wie Grabsteine daherkommen und teilweise so behandelt werden. Bei religiösen Sinti und Roma ist das Problem ähnlich gelagert. Da gilt es beispielsweise als schändlich, mit einem Rock über einem Grabstein hinwegzugehen. Auch unter Kritikerinnen und Kritikern der Sinti und Roma wird die symbolische Nähe zu Grabstein erkannt. Insofern kann man schon sagen, dass die Stolperstein-Bewegung relativ skrupellos mit den religiösen Befindlichkeiten umgeht, zweier wesentlicher Gruppen, derer sie zu Gedenken angetreten ist.

„Die Münchnerinnen und Münchner wollen Stolpersteine“
Wenn die meisten Menschen etwas wollen, bedeutet das noch lange nicht, dass es richtig ist. Stolpersteine sind keinem kritischen Prozess unterworfen. Man prüfe zwar die Angaben der „Paten“ vor dem Aufdruck, aber „Fehler schleichen sich immer ein“, gibt selbst Demnig zu. Zudem entsteht durch das private Vorgehen die Gefahr eines Missverhältnisses der Opfer im Straßenbild, je nachdem, welche Opfer gerade en vogue sind. Weitere Gedenkformen sind nötig, aber andere.

STATEMENT ZUM PROJEKT „STOLPERSTEINE“ DES KÜNSTLERS GUNTER DEMNIG von Charlotte Knobloch

Die Erinnerung an die im Holocaust ermordeten Menschen ruft tief gehende, sehr individuelle Emotionen hervor. Entsprechend unterschiedlich sind die Einstellungen gegenüber bestimmten Formen des Gedenkens. Die Stolpersteine kann ich nicht als angemessene und würdige Art des Gedenkens empfinden.
Bei den Stolpersteinen ist nicht auszuschließen, dass die Steine bespuckt oder gar mit Exkrement beschmiert werden, oder dass Hunde ihre Notdurft dort verrichten.

Die Stolpersteine bringen es – als Gedenkform auf dem Boden – mit sich, dass Passanten achtlos auf sie und über sie hinweg gehen. Sprichwörtlich werden die Steine mit Füßen getreten und mit ihnen das Andenken an die im Holocaust ermordeten Menschen – unschuldige Opfer hemmungsloser Unmenschlichkeit, die Verfolgung und Entwürdigung erleben mussten, ehe man sie grausam ermordete. Es ist inakzeptabel und unbedingt zu vermeiden, dass diese Opfer in der Gegenwart und Zukunft ein weiteres Mal entwürdigt werden. Würdiges Gedenken kann nicht auf dem Boden, sondern muss auf Augenhöhe stattfinden.

Grundsätzlich verdient jeder Akt, der die Erinnerung an die Millionen unschuldiger Opfer der Gewaltherrschaft des Nazi-Regimes wach hält, Respekt und Unterstützung. Zumal die Erinnerung mit dem Verstummen der Zeitzeugen zu verblassen droht. Die Leidenschaft, mit der einige Befürworter der Aktion Stolpersteine für die Verwirklichung ihres Anliegens kämpfen, ist anerkennenswert. Aber das Projekt bedient sich einer Form des Gedenkens, die ich aus den dargelegten Gründen und insbesondere vor dem Hintergrund meiner persönlichen Erinnerungen an getretene und geschundene Menschen schlicht nicht befürworten kann.

Ich spreche mich demgegenüber für neue, innovative aktive Formen des Gedenkens aus. Beispielhaft stehen Jugendbegegnungen oder Jugendprojekte, welche sich an die dritte, vierte und alle folgenden Nachkriegsgenerationen wenden, für ein produktives gemeinsames Erinnern. Aktives Gedenken bedeutet, sich bewusst mit der Geschichte auseinanderzusetzen, sie zu verinnerlichen und aus ihr die richtigen Lehren für die Zukunft zu ziehen. Eine künftige Erinnerungskultur sollte diese Transferleistung erbringen; nur wer sich intensiv mit der Vergangenheit beschäftigt, kann besonnene Ideen für die Gestaltung der Zukunft entwickeln. Nur wer sich seiner historischen Verantwortung auch in der Gegenwart bewusst wird, beweist eine mündige freiheitlich-demokratische Gesinnung. Je größer die zeitliches Distanz zu den historischen Ereignissen ist, desto ausführlicher muss man erklären, was damals geschah und warum man sich daran erinnern soll – nämlich um neue Opfer und künftige Verbrechen gegen die Menschlichkeit zu verhindern! Die Stolpersteine sind nicht selbsterklärend und initiieren somit keinen nachhaltigen gesellschaftlichen Erkenntnisprozess.

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Die nächsten Hunderdtausend Flüchtlinge October 13, 2014 | 11:23 pm

Fighting in Iraq’s western Anbar province has forced up to 180,000 people to flee since Islamic State (IS) fighters took over the city of Hit earlier this month, the United Nations said.

The IS militants extended their advance to an abandoned Iraqi army base eight kilometres west of Hit on Monday, members of a government-backed Sunni militia said.

In recent weeks, IS fighters have been on the offensive in the desert province of Anbar which borders Syria.

They took the town of Hit on October 2 and nearby Kubaisa two days later.

The advance in Anbar has raised concerns in the West because the area is close to the Iraqi capital Baghdad and it demonstrates the group’s reach.

IS fighters are also on the verge of taking the strategic town of Kobane, hundreds of kilometres away in northern Syria, on the border with Turkey.

Quelle

Wo das Geld der Menschen bleibt October 13, 2014 | 10:32 pm

Es gibt immer wieder Menschen, die nicht nachvollziehen können, dass ein solch reiches Land, wie der Iran eine solche Masse an armen Menschen hat. Immer wieder gibt es erschütternde Bilder von Kindern, die auf der Suche nach ein wenig Geld auf den Straßen rumlungern und Drecksarbeit verrichten.

Zugegeben, leicht zu verstehen ist diese Armut nicht. Sie hängt mit dem Wirtschaftssystem der Mullahs zusammen. Seit über drei Jahrzehnten wirtschaften sie in die eigene Tasche. Während heutige Köpfe wie Führer Chamenei und der hinterheltige Rafsanjani einst für ein paar Groschen den Vorbeter in den Moscheen gegeben haben, können sie sich heute vor Reichtum kaum retten. Und was sie und ihre Sippschaft – und all jene die ihr Gewissen ausgeschaltet und mit dem Regime gemeinsame Sache machen –  mit dem Geld, das sie letztlich dem Volk stehlen, so anstellen, erfährt man in dem sehr guten Beitrag von Spiegel Online. Während die Redakteure des Magazins in der jüngsten Vergangenheit – insbesondere nach den Protesten 2009 – unter Beweis gestellt haben, dass sie die Problematik des Landes in seiner Gänze nicht verstehen, ist ihnen die Recherche gut gelungen. Ein interessanter Beitrag auch von Haaretz


abenteuerundfreiheit: Wir irren Tag und Nacht im Kreis umher… October 13, 2014 | 09:41 pm



abenteuerundfreiheit:

Wir irren Tag und Nacht im Kreis umher und versuchen zu begreifen, dass hier alles möglich ist.

Recommended Berlin Shows for the rest of 2014 // will be updated October 13, 2014 | 02:53 pm

17. Oktober
THE SOFT MOON @ SO36 abgesagt/canceled


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Im Kalifat des Islamischen Staates ist Versklavung von Frauen legal October 13, 2014 | 11:19 am

Nun ist es offiziell: Die Versklavung von “ungläubigen” Frauen und Mädchen ist unter dem Islamischen Staat legal:

IS has just released the fourth installment of Dabiq, an official publication that they began to produce in July. This issue, called “The Failed Crusade,” contains an article entitled “The Revival of Slavery Before the Hour,” which details how IS fighters kidnapped and distributed Yazidi women as slave concubines. The article also provides their rationale for reviving slavery, which they root in their interpretation of the practice of the earliest Islamic communities. The Islamic State has now officially disclosed that it engages in the sexual enslavement of women from communities determined to be of “pagan” or “polytheistic” origin.

 

Simply Stolen October 12, 2014 | 10:52 pm

More than $1bn earmarked for the reconstruction of Iraq was stolen and spirited to a bunker in Lebanon as the American and Iraqi governments ignored appeals to recover the money, it has been claimed.

Stuart Bowen, a former special inspector general who investigated corruption and waste in Iraq, said the stash accounted for a significant chunk of the huge sums which vanished during the chaotic months following the 2003 US-led invasion.

Bowen’s team discovered that $1.2bn to $1.6bn was moved to a bunker in rural Lebanon for safe keeping – and then pleaded in vain for Baghdad and Washington to act, according to James Risen.

Quelle

META Neues Verfahren für Postings October 12, 2014 | 09:57 pm

Dieses Blog hat ein paar Wochen Pause gemacht, weil ich mir in Ruhe überlegen wollte, wie es weitergehen soll. Wir hatten vor einiger Zeit schon festgestellt, dass die einfachen und offensichtlichen Themen inzwischen durch sind. Übrig bleiben kompliziertere — einiges zu den Indianern, zum Beispiel, oder zum Schulsystem — die wesentlich mehr Zeit und Aufwand erfordern.

In dieser Situation ist der bisherige Tonus von einem Eintrag pro Woche nicht mehr zu halten, außer, man füllt die Zeit mit trivialen Meldungen und ZEUGS- Einträgen. Das ist für alle Beteiligten unbefriedigend. Einige interessierten Leser haben diese Füllerfolgen — völlig zurecht — als “langweilig” kritisiert.

Daher führen wir ab sofort ein neues Verfahren ein.

Die Postings werden unregelmäßig erscheinen, aber dafür in (hoffentlich) besserer Qualität. Wer keinen RSS Reader hat und nicht regelmäßig auf die Website gucken will, kann auf Twitter zurückgreifen. Dort werden nur Ankündigungen zu diesem und dem Übersquirrel-Blog gepostet. ZEUGS entfallen ganz. Wer solche Links unbedingt sehen will, kann mir auf Google+ folgen. Dort kann man dann auch Kommentare schreiben.

Wem das wie der erste Schritt zu einem Abschied vorkommt, hat nicht ganz Unrecht. Inzwischen läuft das Blog seit mehr als acht Jahren, ein Zeitraum, für den es nie ausgelegt war. Die Folge davon sieht man darin, dass einige der Einträge völlig überholt sind. So sind die Angaben zur NSA nach den Snowden-Enthüllungen bestenfalls niedlich.

Sprich, langsam wird es an der Zeit. Einige Themen haben wir aber noch.


Immer wieder immer noch October 12, 2014 | 02:59 pm

Im Sprechen über das Geschlechterverhältnis kommt es zum Schwanken zwischen der Beschwörung eines gesellschaftlichen Fortschritts, der das Patriarchat mindestens in Recht und Ökonomie längst überwunden habe, und der weitere Gleichstellungsbemühungen einfordernden Aufzählung von Missständen, von denen Frauen nach wie vor betroffen sind, sei es die Alltäglichkeit von sexualisierter Gewalt, die »gläserne Decke« oder die schlechtere Bezahlung gegenüber Männern. Ausgehend von der Erfahrung, dass feministisches politisches Handeln allzu oft lediglich weibliche Handlungsfähigkeit überhaupt demonstrieren oder herstellen soll, plädiert Karina Korecky dafür, Fortschrittserzählungen gegenüber skeptisch zu sein und den gesellschaftlich bedingten Wiederholungszwang ernstzunehmen, der feministische Selbstermächtigungsversuche in diese – theoretisch wie praktisch – stets von vorn beginnende Position nötigt. Diesen Gedanken entwickelt sie im Gespräch mit einer Redakteurin der Sendung Studio F vom FSK Hamburg, dessen Thema feministische Geschichtsschreibung ist und den ich im Folgenden dokumentieren möchte. Er findet sich ebenfalls formuliert in weiteren von Koreckys Vorträgen sowie einem Text in der aktuellen Printausgabe der Konkret (10/2014).

Hören:

Download: mp3 via AArchiv | mp3, ogg via archive.org (0:36 h, 22 MB)

Vielen Dank an die Redakteurin für die Bereitstellung der Sendung!

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Gespielte Hilflosigkeit October 12, 2014 | 09:52 am

Markus Bickel über die Syrienpolitik des Westens:

Mit gespielter Hilflosigkeit versucht die Bundesregierung deshalb die schrecklichen Konsequenzen ihrer nüchternen Realpolitik zu verdecken.

In Washington ist man da freimütiger. Unumwunden gestand Präsident Barack Obama am Mittwoch ein, dass Luftangriffe allein Kobane nicht retten könnten. Auch andere Kommunen würden in den kommenden Monaten in die Hände der Dschihadisten fallen. Das Kalkül dahinter ist klar: Syrien ist Europas Hinterhof, will Obama damit sagen, Amerika kümmert sich allenfalls noch um den Irak.

40 Monate nachdem friedliche Demonstranten erstmals gegen Assad auf die Straße gingen, zahlen Deutschland und seine Partner nun den Preis dafür, die syrische Freiheitsbewegung nie entschieden unterstützt zu haben. Dass Europa dem drohenden Massaker in Kobane gleichgültig und tatenlos zusieht, ist nicht neu: Hunderte Male hat die Opposition aufgeschrien, doch eine internationale Intervention konnte sie damit nicht bewirken. Allein auf weiter Flur befindet sie sich in ihrem Zweifrontenkrieg gegen Assads Einheiten und die Dschihadisten des Islamischen Staats.

Wie ein roter Faden zieht sich diese Kultur des Wegschauens durch die Syrien-Politik des Westens. Bis zuletzt setzte auch Berlin auf eine Verhandlungslösung mit dem Diktator in Damaskus – und verhöhnte die durch Jahrzehnte der Unterdrückung geschwächte Opposition als gespalten. Alle Forderungen nach Flugverbotszonen schlugen die sogenannten “Freunde Syriens” als unrealistisch in den Wind. Dass nach Hunderttausenden Toten nicht einmal eine Debatte über UN-Blauhelme geführt wird, ist eine Schande.

Nicht ausreichend October 12, 2014 | 09:21 am

Aus der B.Z.:

Grü­nen-Chef Cem Öz­de­mir (48) nimmt die Welt­ge­mein­schaft in die Pflicht: “Die in­ter­na­tio­na­le Ge­mein­schaft hat sich dem Prin­zip der Schutz­ver­ant­wor­tung ver­pflich­tet, al­so da­zu, Men­schen vor Völ­ker­mord und schwe­ren Men­schen­rechts­ver­let­zun­gen zu schüt­zen“, sag­te er der B.Z. Luft­schlä­ge al­lei­ne könn­ten „ISIS“ nicht stop­pen. „Die USA sind zu ei­ner Bo­den­of­fen­si­ve nicht wil­lig und die Eu­ro­pä­er und Deutsch­land of­fen­sicht­lich nicht fä­hig.“ Ein­zi­ge Op­ti­on blie­be die Auf­rüs­tung der von „ISIS“ be­droh­ten Min­der­hei­ten.?

Das al­lein rei­che je­doch nicht aus, kri­ti­siert Tho­mas von der Os­ten-Sa­cken, Ge­schäfts­füh­rer der im Irak und Sy­ri­en tä­ti­gen Hilfs­or­ga­ni­sa­ti­on Wa­di e.V.: „Es fehlt der Oba­ma-Re­gie­rung an ei­ner kla­ren po­li­ti­schen Vi­si­on für die Zu­kunft des Na­hen Os­tens eben­so wie ei­ner mi­li­tä­ri­schen Stra­te­gie. Sie re­agiert stän­dig nur auf die wei­ter es­ka­lie­ren­de Si­tua­ti­on.“

Auch wenn die jüngs­ten Luft­ein­sät­ze kur­di­schen Kämp­fern et­was Er­leich­te­rung ver­schafft hät­ten, rei­chen sie nicht aus. „So­lan­ge sich die­ser Ein­satz nicht auch ge­gen das mör­de­ri­sche As­sad-Re­gime rich­tet, wird er we­nig Er­folg ha­ben, denn die sy­ri­sche Op­po­si­ti­on fürch­tet ja jetzt, dass Oba­ma As­sad gar nicht mehr stür­zen will“, er­klärt von der Os­ten-Sa­cken. „Oh­ne brei­te Un­ter­stüt­zung aus der sy­ri­schen Be­völ­ke­rung kann ,ISIS‘ nicht be­siegt wer­den.“

Josef Anton, die Fatwa und die „Champions der Meinungsfreiheit“ October 12, 2014 | 07:24 am

Was sich von Salman Rushdie über politische Korrektheit lernen lässt Aus den Diskussionen rund um die politisch korrekten Neueditionen mancher Kinderbücher habe ich mich im letzten Jahr herausgehalten. Zu verhärtet die Fronten, zu kindisch die Haltung bei Befürwortern der Änderungen zum Beispiel in Die kleine Hexe und auch beim Gros der Gegner. Dabei könnte die […]

Only Lovers left alive October 11, 2014 | 11:19 am

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»Or else we make a scar ecrow of the day, Loose ends and jumble of our common world.«  (W. H. Auden)

“Wie im Film” October 10, 2014 | 07:52 pm

Schon am Vorabend hatten Gerüchte die Runde gemacht, dass der IS aus allen Orten seines “Kalifats” neue Truppen heranbringe, aus Rakka, Deir ez-Zor, Bab, selbst aus dem Irak, um den Luftangriffen zum Trotz die Stadt zu erobern, die auch zum Symbol für sie geworden ist, um zu beweisen: Wir können siegen gegen den Rest der Welt! Ununterbrochen bringen sie Verstärkung heran, Munition, schweres Gerät, verlieren gelegentlich einen Panzer, aber sofort steht der nächste bereit. (…)

“Das ist wie in diesem Film”, sagt Ibrahim Kurdu nun mit erschöpfter Stimme, während im Hintergrund Artillerie-Donner zu hören ist, “im ‘Herr der Ringe’ – diese Orks, die in Horden losstürmen, und wir können sie nicht stoppen. Die rennen, schießen, rennen, schießen, es ist denen völlig egal, ob sie selber dabei draufgehen, dann kommt einfach die nächste Welle.”

Quelle

On the Streets October 10, 2014 | 04:11 pm

So when Kurds picked up their arms and decided to fight ISIL, you can be sure there will be blood. For observers and former soldiers who fought the PKK, the most recent uprising that claimed more than 20 lives marks the end of peace process. A former MP from Diyarbakir and founder of the AK Party, Dengir Mir Mehmet Firat, said this in an interview he gave to daily Yurt.
“Even the Kurds who supported the AK Party are on the street now. This is the first time that Kurds in Iran, Iraq, Syria and Turkey are acting together. Turkey has to see this and change its policies. Otherwise, this will be the beginning of a very long destructive war in the entire Middle East,” he said.

Quelle

UN-Appell October 10, 2014 | 03:59 pm

Wie weit es mit dem sog. Multilateralismus gekommen ist und welche Rolle heute die UN spielt dürfte nichts so gut verdeutlichen, wie dieser Appell:

U.N. envoy Staffan de Mistura on Oct. 10 called on Turkey to allow Kurds to cross back into Syria to defend the key border town of Kobane from an onslaught by Islamic State in Iraq and the Levant (ISIL) jihadists.

“We would like to appeal to the Turkish authorities in order to allow the flow of volunteers at least, and their equipment to be able to enter the city to contribute to a self-defence operation,” de Mistura, the U.N.’s Syria envoy, told reporters in Geneva.

He also called on Turkey, “if they can, to support the deterrent actions of the coalition through whatever means from their own territory.”

Kobane, where Kurdish fighters are holding out after a three-week offensive by the ISIL militants, has become a crucial battleground in the fight against he ISIL extremists.

The statement marked an unusual one by the United Nations, which usually strives to stay neutral in conflicts, but de Mistura explained the rare appeal by the precarious situation in the key border town.

Kobane was “literally surrounded” except for one narrow entry and exit point, with up to 700 mainly elderly civilians still inside the city centre, with another 10,000-13,000 gathered nearby, he said.

“If this falls, the 700 plus perhaps if they move a little bit further the 12,000 people … will be most likely massacred,” he warned.