Stahlinismus sells! May 16, 2016 | 02:12 pm

Das Brachland zwischen Thüringer Rostbratwurst und sächsischer Willkommenskultur mit einem Innenminister, dessen Name Programm ist, entdeckt erneut seine Liebe zur Neuen Deutschen Härte. Nicht nur wegen Holger Stahlknechts Abschiebemethoden für Flüchtlinge, deren Anwesenheit keine kulturelle Bereicherung für Sachsen Anhalt darstellt (siehe Bonjour Tristesse #19), sondern insbesondere durch deutsche Identitätsmusik, die unter dem Sammelbegriff »Neue Deutsche […]

Ein unerwarteter Fingerzeig May 16, 2016 | 02:11 pm

Seit dem 2013 begangenen 350. Geburtstag des in Halle weltberühmten August Hermann Francke, der Ende des 17. Jahrhunderts mit den Franckeschen Stiftungen eine pietistische Arbeits- und Erziehungsanstalt ins Leben rief, vergeht kaum ein Monat, in dem nicht vom Anstaltsgründer und dessen Lebenswerk die Rede ist. (Vgl. Bonjour Tristesse # 9) Seit die Stiftungen 1998 auf […]

Fading Like a Flower May 16, 2016 | 02:10 pm

»Hannover, grünste Stadt Deutschlands« (Die Welt); »Stuttgart ist die grünste Stadt Deutschlands« (Wirtschaftswoche); »die grünste Stadt Deutschlands ist Magdeburg« (Süddeutsche Zeitung); »Wiesbaden – Deutschlands grünste Stadt« (www.hessischer-landtag.de); »Karlsruhe ist Deutschlands grünste Stadt« (www.zeitreisen.zeit.de). Auch Wuppertal (Hoerzu), Berlin (Icke), Düsseldorf (www.camping-in-deutschland.de) sind die grünste Stadt Deutschlands. Weiterhin ist Freiburg »die grünste Stadt Deutschlands« (Badische Zeitung), genauso […]

Für die Katz May 16, 2016 | 01:07 pm

Wenn Katzenbesitzer ihren Schützling aus dem Haus lassen, kommt es vor, dass er eines Tages nicht mehr zurückkehrt. Wenn die Katzenbesitzer in Halles Innenstadt wohnen, ist es allerdings unwahrscheinlich, dass das Tierchen in einer der Tempo-30-Zonen von einem Auto erfasst wird: Der Anblick plattgewalzter Tierkadaver stellt hier eine ausgesprochene Rarität dar. Auch immer wieder zu […]

Malkreis Pastell May 16, 2016 | 01:06 pm

Beim Buhlen um Aufmerksamkeit und Fördergelder ist die Leitung des hallischen Kunstmuseums Moritzburg erfinderisch. Mit Fug und Recht rühmt sich das Museum, mit der Ausstellung »Aenigma – 100 Jahre anthroposophische Kunst« etwas »Besonderes und Einzigartiges« geschaffen zu haben. Noch kein gestandenes Kunstmuseum ist bisher auf die Idee gekommen, Bilder, Plastiken und Möbel von Groupies des […]

16-05-2016Drei Hinweise: Neue Bücher von Chaim Noll, ein Buch… May 15, 2016 | 09:50 pm



16-05-2016
Drei Hinweise: Neue Bücher von Chaim Noll, ein Buch über den “Widerspruch der Kunst” und den Briefwechsel zwischen Paul Mattick und Roman Rosdolsky

Im Zweifel gegen den Juden? May 13, 2016 | 03:14 pm

Jakob Augstein (© Das blaue Sofa/Club Bertelsmann, via Wikipedia)

Über den Unterschied zwischen Rassismus und Antisemitismus und den Ken Livingstone unter den deutschen Publizisten, der das eine mit dem anderen erledigen zu können glaubt und sich damit selbst widerlegt.

Lohnt es sich überhaupt noch, Jakob Augsteins Auslassungen kritisch zu würdigen? Hat er nicht bereits hinreichend unter Beweis gestellt, dass es gute Gründe dafür gibt, ihn des Antisemitismus und der Vorliebe für einen Sozialismus nationaler Prägung zu zeihen? Doch, das hat er – und trotzdem kann und sollte man jemanden mit seiner publizistischen Verbreitung, seiner ökonomischen Potenz und seinem politischen Einfluss nicht ignorieren. Wie Augstein Woche für Woche in seiner Kolumne auf »Spiegel Online« sein krudes Weltbild ausmärt, ist deshalb allemal der Rede wert, zumal er, einem stummen Zwang folgend, immer wieder Israel, die Juden, die USA, den Westen als vermeintlich Schuldige für alle Weltenübel ausfindig macht – auch und gerade, wenn es eigentlich gar nicht um sie geht. »Im Zweifel links« soll das sein, wenn man dem Kolumnentitel folgt, wobei Augstein selbst über alle Zweifel erhaben zu sein glaubt und nur Gewissheiten kennt.

Seinen jüngsten Beitrag hat der Publizist und Verleger »Gerüchte über Muslime« genannt – eine Anspielung auf Adorno, der in den »Minima Moralia« formulierte: »Der Antisemitismus ist das Gerücht über die Juden.« Da aber »die Muslimfeindlichkeit in Deutschland den Antisemitismus längst als gefährlichsten Rassismus abgelöst« habe, wie Augstein glaubt, müsse es heute heißen: »Die Islamfeindlichkeit ist das Gerücht über den Muslim.« Bereits hier offenbaren sich Augsteins grobe Defizite, denn der Antisemitismus ist keineswegs nur eine Form des Rassismus, »erst recht nicht bei Adorno und schon gar nicht im Nationalsozialismus«, wie Alexander Nabert in einem sehr lesenswerten Text für den Blog der Wochenzeitung »Jungle World« schreibt. »Die Nationalsozialisten sahen die Juden nicht als eine ›Rasse‹ unter vielen, sondern als ›Gegenrasse, das negative Prinzip als solches‹, wie Adorno mit seinem Kollegen Max Horkheimer in der ›Dialektik der Aufklärung‹ festhielt.«

Vom Unterschied zwischen Rassismus und Antisemitismus

Zwar verweigern sowohl der Rassist als auch der Antisemit den von ihnen definierten Menschen eine gleichberechtigte Teilhabe an der eigenen Gesellschaft, zwar behauptet der eine wie der andere die Verschiedenwertigkeit von Menschen(gruppen) und die Höherwertigkeit des eigenen nationalen Kollektivs, zwar befürworten beide zur Durchsetzung ihrer Vorstellungen auch unmittelbare Gewalt und werden dabei gegebenenfalls selbst handgreiflich – auf eigene Faust wie auch im Mob. Doch während der klassische Rassist meistens mit der staatlich organisierten Abschiebung, Versklavung und Kolonisierung seiner Hassobjekte – die er je nachdem für triebhaft, faul, schmutzig, hinterhältig, primitiv oder kriminell hält – ruhig zu stellen ist, geht es dem Antisemiten um nicht weniger als die Auslöschung seiner Feinde, der Juden. Um es mit Adorno und Horkheimer zu sagen: »Die Neger will man dort halten, wo sie hingehören, von den Juden aber soll die Erde gereinigt werden.«

Letztere nämlich hält der Antisemit für das Anti-Volk, das die Völker zersetzt. Er verdächtigt sie, im Verborgenen die Weltherrschaft zu planen, und macht sie für alles Übel dieser Welt verantwortlich: für Globalisierung und Egoismus, für Vereinzelung und die Zerstörung traditioneller sozialer Beziehungen, für die Macht der Banken und die Dominanz des Geldes, für Kosmopolitismus und Krieg. Kurz: Der Rassist konstruiert »Untermenschen«, denen er sich überlegen fühlt und die er dauerhaft aus den Augen geschafft haben und beherrschen will, der Antisemit wiederum sieht in den Juden so unsichtbare wie allgegenwärtige »Übermenschen«, deren von ihm selbst erfundene Allmacht letztlich nur durch eine möglichst vollständige Vernichtung zu brechen ist. Diese Vernichtung begreift er als Erlösung, als Rettung der Welt vor der Zerstörung durch Parasiten. Dass die Allmachtsfantasien, die der Antisemit den Juden unterstellt, seine eigenen sind, verweist auf die Projektionsleistung, die dem Judenhass zugrunde liegt und die Ausdruck einer schweren Persönlichkeitsdeformation ist.

Rassifizierung des Klassenstandpunkts

Augstein wäre aber nicht Augstein, wenn er nicht auch noch seine These, der Antisemitismus sei verglichen mit der Feindschaft gegen Muslime eine Quantité négligeable, selbst widerlegen würde. Der Aufhänger für seinen neuesten Text ist die Bürgermeisterwahl in London, die der Labour-Kandidat Sadiq Khan gewonnen hat. Augstein gibt den Klassenkämpfer, wenn er hervorhebt, dass Khan ein »muslimischer Busfahrersohn« ist und sich »gegen einen Milliardärssohn durchgesetzt« hat, »der Goldsmith heißt«. Gleichzeitig deutet er mit dieser Formulierung das altbekannte Stereotyp vom mächtigen reichen Juden mehr als nur an, denn natürlich weiß Augstein ganz genau, was die Leser assoziieren, wenn jemand »Goldsmith heißt« und einer vermögenden Familie angehört (ein Hinweis, der zudem verdeutlichen soll, dass er in seinem Leben niemals schuften musste wie das Arbeiterkind Khan). Der Klassenstandpunkt wird hier also gleichsam rassifiziert.

Damit nicht genug: Zur Verbreitung der Islamfeindlichkeit hat Augstein zufolge nicht zuletzt Khans Gegenkandidat beigetragen. Denn Zac Goldsmith habe Khan »in die Nähe von Antisemiten« gerückt, um die Wahl zu gewinnen – wie man das halt so macht, wenn man »aus einer jüdischen Familie stammt«, was Augstein gewiss nicht ohne Hintergedanken nun auch explizit erwähnt und nicht mehr nur raunt wie zu Beginn seiner Kolumne. So hätten die Konservativen »ein schmutziges Spiel mit den Rassismen« gespielt. Etwas zugespitzt heißt das also: Ein Muslim aus ärmlichem proletarischen Hause ist nun Bürgermeister in London, obwohl ein stinkreicher rassistischer Jude, dem in seinem Leben alles in den Schoß gelegt wurde, das mit sinistren Tricks zu verhindern versucht hat. Wieder einmal ist Augstein in seinem Element und pflegt seine Obsession, die er gar nicht erst chiffriert, sondern lediglich antirassistisch und vulgärsozialistisch grundiert.

Nur am Rande sei erwähnt, dass Hitler für ihn bloß ein »großer Verführer« ist – ein glatter Freispruch für dessen breite Gefolgschaft, die bekanntlich keineswegs erst verführt werden musste –, dem er die Hörner abschlägt, um sie stattdessen Thilo Sarrazin aufzusetzen, wie Alexander Nabert richtig bemerkt. Nabert und Tilman Tarach weisen zudem zu Recht darauf hin, dass Augstein selbst vor der Manipulation von Zitaten seiner politischen Gegner nicht zurückschreckt. Sadiq Khan hat derweil gezeigt, dass er im Gegensatz zu Augstein begriffen hat, dass der Antisemitismus keine zu vernachlässigende Petitesse ist: In einem Interview kritisierte er seinen eigenen Parteivorsitzenden dafür, den Judenhass in der Labour Party nicht klar benannt zu haben. Jakob Augstein, dem Ken Livingstone unter den deutschen Publizisten, würde so etwas vermutlich nie einfallen.

Zuerst veröffentlicht auf Fisch + Fleisch.

Foto: © Das blaue Sofa/Club Bertelsmann, via Wikipedia.


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Aufruf: Antisemitismus nicht unwidersprochen lassen May 12, 2016 | 09:09 pm

Am 15.Mai ruft das "Nakba-Tag-Bündnis" zum Gedenken an die sogenannte "Nakba" auf, fantasieren von der Auslöschung des jüdischen Staates und machen sich keinerlei Mühe, ihren Antisemitismus zu verstecken. Überlassen wir ihnen nicht das Feld!

Renaissance des Tunnelterrors? May 12, 2016 | 11:26 am

Terroristen der Qassam-Brigaden in einem Tunnel in Gaza, Juli 2014

Während des Gaza-Krieges vor zwei Jahren zerstörte Israel die auf sein Territorium reichenden Tunnel der Hamas, um seine Zivilisten und Soldaten vor Angriffen zu schützen. Wenig überraschend versuchen die Islamisten nun, dieses System unterirdischer Gänge wiederaufzubauen. Es handelt sich dabei um ein professionelles, ausgeklügeltes Netzwerk zum Zwecke des Terrors gegen den jüdischen Staat.

Erstmals seit dem Ende des Gaza-Krieges im Sommer 2014 ist es wieder zu einer direkten militärischen Konfrontation zwischen der israelischen Armee und der islamistischen Hamas gekommen. Der Grund dafür liegt darin, dass erneut Tunnel entdeckt wurden, die vom Gazastreifen auf israelisches Gebiet führen. Diese unterirdischen Gänge werden von der Gotteskriegerpartei dazu verwendet, Waffen und Terroristen in den jüdischen Staat zu schleusen, um Attentate zu verüben und Menschen zu entführen. Im Gaza-Krieg vor knapp zwei Jahren spürten die israelischen Verteidigungsstreitkräfte (IDF) insgesamt 32 Tunnel auf, von denen 14 nach Israel reichten, und zerstörten sie. Es war das erklärte Kriegsziel, diese Infrastruktur zu beseitigen, um die Sicherheit der israelischen Bürger zu verbessern. Nun wurden erneut zwei Angriffstunnel gefunden: der erste – der noch aus der Zeit vor dem Gaza-Krieg stammte und von der Hamas instand gehalten worden war – bereits Mitte April, der zweite, ein bis dahin unbekannter, vor wenigen Tagen.

Um sie dauerhaft außer Funktion zu setzen, musste die israelische Armee rund hundert Meter in den Gazastreifen eindringen. Die Hamas nahm die IDF-Einheiten daraufhin durch Scharfschützen und mit Mörsergranaten unter Beschuss, weshalb das Militär erst Panzergeschütze einsetzte und anschließend einige Stellungen der Terroristen aus der Luft angriff. Wie in solchen Situationen üblich, warfen die palästinensischen Islamisten dem jüdischen Staat eine »Verletzung des Waffenstillstands« vor, dabei waren sie es selbst, die mit dem Tunnelaus- und -neubau eine kriegerische Handlung vornahmen. Peter Lerner, der Sprecher der IDF, sagte, die Einsätze der Armee würden »noch einige Zeit weitergehen, weil die Hamas die Infrastruktur ausbaut, die nach Israel hineinreicht, was wir nicht hinnehmen werden«. Verteidigungsminister Moshe Ya’alon bekräftigte: »Wir können eine Rückkehr zu einem alltäglichen Beschuss durch die Hamas und zu deren Versuchen, unseren Zivilisten und Soldaten Schaden zuzufügen, nicht tolerieren.«

Ein weit verzweigtes, professionelles Netzwerk

Wenn man verstehen will, welche Bedeutung die Tunnel für die Hamas haben und weshalb der jüdische Staat ein solch großes Interesse an ihrer Zerstörung hat, muss man wissen, dass es keineswegs bloß um ein paar dilettantisch gegrabene, instabile Aushöhlungen geht, durch die man auf dem Bauch robben muss, um von A nach B zu gelangen. Vielmehr handelt es sich um ein ausgeklügeltes, professionelles, sehr gut getarntes Tunnelsystem etwa 15 bis 30 Meter unter der Erde, gegen das die israelische Luftwaffe weitgehend machtlos ist. Die rund zwei Meter hohen Gänge sind solide betoniert, elektrifiziert und mit Sauerstoff sowie teilweise mit Telefonleitungen ausgestattet. Für den Durchbruch zur Erdoberfläche auf israelischer Seite sorgen die Terroristen dabei erst im Moment ihres Angriffs – vor allem deshalb sind die Tunnel für Israel so schwer ausfindig zu machen. Schätzungen der israelischen Armee zufolge hat die Hamas zwischen 30 und 90 Millionen Dollar für drei Dutzend nach Israel führende Tunnel ausgegeben und 600.000 Tonnen Zement verbraucht – Geld und Material, das beim Wiederaufbau von Gaza fehlt. Die Arbeiter sind bei Monatslöhnen von 150 bis 300 Dollar acht bis zwölf Stunden pro Tag mit Grabungen beschäftigt und kommen in dieser Zeit vier bis fünf Meter voran. Nach einer palästinensischen Studie sind bis zum Jahr 2012 bei diesen Arbeiten 160 Menschen ums Leben gekommen, darunter auch Kinder.

Die Tunnel bilden ein regelrechtes Labyrinth, ein »weit verzweigtes Netzwerk an Waffenwerkstätten, Lagerräumen und Raketen-Abschussrampen«, wie Gisela Dachs in einem lesenswerten Beitrag schrieb, der während des Gaza-Krieges auf Zeit Online erschien. Außerdem bieten sie den Terroristen während eines Krieges Schutz. Darüber hinaus dienen sie dazu, Israelis zu entführen – wie etwa den Soldaten Gilad Shalit, den die Hamas während des Libanonkrieges im Sommer 2006 in ihre Gewalt brachte, durch einen mehrere hundert Meter langen unterirdischen Gang auf ihr Territorium verschleppte und dort fünf Jahre lang festhielt. Die Tunnel beginnen im Gazastreifen häufig in den Kellern von Wohnhäusern und enden auf israelischer Seite an Stellen, die die Hamas für strategisch günstig hält – dort nämlich, wo die Terroristen aus dem Hinterhalt schnell zuschlagen und sofort den Rückzug antreten können. Im Gaza-Krieg tauchten beispielsweise ganz in der Nähe des Kibbuz Sufa plötzlich 13 schwerbewaffnete Islamisten im Morgengrauen aus einem Loch im Boden auf. Die israelische Armee stoppte sie gerade noch rechtzeitig, bevor sie einen Anschlag verüben und Israelis entführen konnten. Zum Vorbild hat sich die Hamas übrigens den Vietcong genommen, der im Vietnamkrieg gegen die amerikanischen Truppen ebenfalls auf ein komplexes Tunnelsystem zurückgreifen konnte.

In einem Dokument, das im Herbst 2013 in palästinensische Milizen kursierte, wird der Tunnelkrieg gegen Israel als »eine der wichtigsten, aber auch gefährlichsten militärischen Taktiken« bezeichnet. Für die israelische Armee sei er eine ganz besondere Herausforderung. Die Taktik bestehe darin, »den Feind zu überraschen und ihm einen tödlichen Schlag zu versetzen, der ihm keine Chance aufs Überleben, auf ein Entkommen oder auf eine Konfrontation zu seiner Verteidigung lässt«. Dazu müssten möglichst geräuschlos und professionell weitere Tunnel gegraben werden. Dass die palästinensischen Islamisten nun erneut unterirdische Gänge nach Israel bauen und reaktivieren, erhöht die Gefahr für den jüdischen Staat immens.

Einnahmequelle und Geschäftsmodell

Es gibt aber nicht nur die Terrortunnel nach Israel, sondern auch Schmuggeltunnel nach Ägypten. Bevor das ägyptische Militär in den Jahren 2013 und 2014 etliche davon zerstörte, existierten mehr als 1.500. Durch sie werden Waren, Geld, Waffen und Waffenteile nach Gaza geschleust – unter offizieller Kontrolle der Hamas. »Alle Güter und Materialien, die Israel und Ägypten aus Sicherheitsgründen nicht hineinlassen, finden so trotzdem ihren Weg«, so Gisela Dachs. Die Anlagen seien dabei ständig verbessert worden, es gebe Lastenaufzüge, Strom, Belüftungs- und Sprechanlagen sowie Schienen. »Ein Auto muss nicht mehr in drei Teile zerlegt werden, um es einzuschmuggeln, es passt nun auch so durch.« Mit diesem Tunnelsystem hätten sich die Islamisten eine überaus große Einnahmequelle erschlossen und ein blühendes Geschäftsmodell entwickelt, das vor allem Hamas-Funktionären und -Mitgliedern zugutekomme. Auf diese Weise, so Dachs weiter, profitiere die Hamas sogar von der Blockade des Gazastreifens. Die Zerstörung zahlreicher Schmuggeltunnel durch Ägypten habe allerdings für empfindliche Einbußen gesorgt und die Waffenzufuhr erheblich erschwert.

Zugrunde gehen müsste im Gazastreifen dennoch niemand, denn die israelische Koordinierungsstelle für Regierungsaktivitäten in den umstrittenen Gebieten (Cogat) sorgt dafür, dass täglich wichtige Güter dorthin geliefert werden. Allein im Jahr 2015 wurden aus Israel 139.364 Lkw-Ladungen mit Lebensmitteln, Baumaterial, Medikamenten und anderem Gut nach Gaza gebracht – eine Steigerung um 120 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Wenn es vielen Bewohnern des Gazastreifens dennoch nicht gut geht, liegt das nicht am jüdischen Staat, sondern einzig an denjenigen, die über dieses Gebiet die Herrschaft ausüben – an der Hamas nämlich, die lieber Terrortunnel baut und bereibt, als die Versorgung der Bevölkerung sicherzustellen.

Zuerst veröffentlicht auf MENA-Watch.

Zum Foto: Terroristen der Qassam-Brigaden in einem Tunnel in Gaza, Juli 2014.


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AntiBa – der Barbarei entgegentreten! Antifaschismus in Zeiten von AfD und Djihadismus. May 12, 2016 | 08:29 am

Vortrag und Diskussion mit Lothar Galow-Bergemann

Mittwoch, 1. Juni 2016, 20.00 Uhr, Nürnberg                                                    Künstlerhaus im KunstKulturQuartier – Zentralcafé, Königstr.93                                   Eine Veranstaltung in Kooperation mit Das Schweigen durchbrechen

Donnerstag, 2. Juni 2016, 19.00 Uhr, Regensburg                                                    Antifa Cafe, LiZe, Dahlienweg 2a

Freitag, 3. Juni 2016, 20.00 Uhr, Passau                                                                     Eine Veranstaltung von Antifaschistischer Infoticker für Passau & Umgebung         frei*raum, Innstraße 18-20

Seit zwei Jahren explodieren Dumpfbackentum, Ressentiment und Barbarei. Im Sommer 14 skandierten Massenaufmärsche „Tod den Juden!“. Organisiert wurden sie von Islamisten, Nazis und Linksreaktionären, deren antisemitischer Hass gegen Israel sie zusehends zusammenführt. Weltweit und in Europa häufen sich djihadistische Terroranschläge auf Juden und jüdische Einrichtungen, auf Symbole von Religionskritik, Meinungs- und Redefreiheit und auf Menschen, die einfach nur ihr Leben genießen oder feiern wollen. Die Reaktion darauf ist oft grotesk und macht wechselweise entweder „den Islam“ oder „den Westen“ für den Djihadimus verantwortlich. Viele verweigern sich ideologiekritischer Analyse, weil sie andernfalls ihr eigenes Ressentiment hinterfragen müssten. Auch in Deutschland erzielen Rechtsreaktionäre erschreckende Wahlerfolge. Ein rassistischer und gewalttätiger Mob agiert gegen MuslimInnen und Flüchtlinge und erfreut sich klammheimlicher bis offener Zustimmung der „Mitte der Gesellschaft“. Der Wahnsinn marschiert.

Antifa, das ist ihr unschätzbares Verdienst, will in Zeiten, in denen leider keine Aussicht besteht, die Verhältnisse grundsätzlich zum Tanzen zu bringen, wenigstens den allerschlimmsten und barbarischsten Kräften in den Weg treten. So wichtig es bleibt, sich offenen Nazis entgegenzustellen – es liegt auf der Hand, dass der Kampf gegen sie allein nicht mehr ausreicht. Stiefel- und Nadelstreifennazis wie auch den Rest der AfD-Wählerschaft verbindet trotz des äußerlichen Gegensatzes im Kern eine enge Seelenverwandtschaft mit Djihadisten. Wer um ein Minimum an Menschenwürde und um Mindestvoraussetzungen für eine irgendwann vielleicht doch noch gelingende Emanzipation kämpfen will, muss sich der anschwellenden Front der Barbarei in all ihren Facetten entgegenstellen. Vor welchen Herausforderungen theoretischer wie praktischer Art steht Antifaschismus heute? Wie hilfreich und wie problematisch ist die so genannte „Islamdebatte“? Können Begriffe wie „Islamismus“, „Islamophobie“ oder “Islamkritik“ die Problemlage erfassen? Warum ist eine konservativ-orthodoxe Interpretation der Religion in muslimischen Communities so stark präsent? Ist die Rede von „dem“ Islam zutreffend, der im Gegensatz zu „dem“ Christentum Humanität und Säkularität ausschließe? Welches Entwicklungspotential hat die AfD? Wie ist ein emanzipatorischer Anspruch inmitten einer zunehmend verrückter werdenden Umgebung aus moslemhassenden Sarrazindeutschen, tatsachenresistenten Linken, Nazis und Djihadisten zu formulieren? Wie kann er praktisch werden?

Lothar Galow-Bergemann schreibt u.a. in Jungle World, konkret und auf www.emafrie.de

 

Fifty Shades of Merkel May 11, 2016 | 02:43 pm

Autorinnenlesung und Diskussion mit Julia Schramm

Donnerstag, 9. Juni 2016, 19.30 Uhr, Stuttgart
Palermo Galerie, Olgastr. 82, 70182 Stuttgart

Mächtigste Frau der Welt und Schwarze Witwe, Klimakanzlerin und Eisengel, Weltmeisterin im Schweigen und Teflon-Kanzlerin, Mutti der Nation und Volksverräterin … Wofür Angela Merkel gehalten wird, was ihr zugeschrieben und was ihr nicht zugeschrieben wird, verrät so manches über deutsche Zustände. Es gibt viele Gründe, sich mit dem „Phänomen“ Angela Merkel näher zu befassen. „In 50 pointierten Betrachtungen gelingt Julia Schramm eine grandiose Annäherung an die Unnahbare und an den bundesdeutschen Zeitgeist – analytisch und humoristisch, klug und anekdotisch“, schreibt der Verlag Hoffmann und Campe in seiner Buchankündigung. Fraglich ist, ob Merkel angesichts ihrer zahlreichen Widersacher aus den eigenen Reihen auch 2016 noch so „alternativlos im Berliner Politikbetrieb“ ist, wie der Verlag meint. Was andererseits auch wiederum erstaunen muss – schließlich ist sie schon längst dabei, die Wünsche nach geschlossenen Grenzen und „Eindämmung des Flüchtlingsstroms“ zu erfüllen.

Julia Schramm, Jahrgang 1985, ist Politikwissenschaftlerin und Autorin. Derzeit promoviert sie an der Humboldt Universität zu Berlin über die Dialektik des Privaten. Sie arbeitet als Fachreferentin für Hate Speech bei der Amadeu-Antonio-Stiftung und als Redakteurin bei no-nazi.net. 2015 startete sie einen Merkel-Blog und schreibt eine Merkel-Kolumne für die Jungle World. Von 2009 bis 2014 war sie Mitglied der Piratenpartei und u. a. Mitglied des Bundesvorstands. 2012 erschien ihr Buch Klick mich, eine Auseinandersetzung mit dem Aufwachsen im Internet.

„Fifty Shades of Merkel“ ist erschienen bei Hoffmann und Campe

Eine Veranstaltung von Wilhelm, das war nix!, Emanzipation und Frieden und Contain’t

siehe auch auf Facebook

 

Aufstand der rechten Wutbürger*innen – (k)ein Extremismus der Mitte? May 11, 2016 | 02:34 pm

Vortrag und Diskussion mit Finn Blumberg

Dienstag, 17. Mai 2016, 20.00 Uhr,  Würzburg                                                           topo rojo 

In der Gesellschaft verbreiteten sich Stimmungen, die Zuwanderung und eine multikulturelle Gesellschaft ablehnen und als Bedrohung für die eigene Nation gesehen werden. Die Folgen sind Parteien und Formationen, die Einwanderung und Asyl ablehnen und dafür Zustimmung bekommen, Personen die gegen neue Nachbar*innen aus rassistischen Vorurteilen sind. Wohnheime für Flüchtlinge werden angezündet und wochenlang geht eine Mischung aus besorgten Wutbürger*innen, Rechtspopulist*innen und extreme Rechte gemeinsam auf die Straße.
Die Kritik an diese Personengruppen werden mit dem Argument abgelehnt, sie seien ja keine Nazis. Welche Ideologien, sich extreme Rechte und rechte Wutbürger*innen teilen, worin die Unterschiede bestehen, welche Formen des rechten Protestes gibt und warum diese zunehmen, darauf wird in diesem Vortrag eingegangen.

Finn Blumberg recherchiert und forscht zu den Themengebieten der Gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit (GMF), unter anderem zu Nationalsozialimus, Rassismus und Antisemitismus.

Niemand regiert die Welt May 11, 2016 | 02:22 pm

Eine Aufklärung gegen Verschwörungstheorien

Vortrag und Diskussion mit Finn Blumberg

Freitag, 28. Mai 2016, Waldenbuch                                                                               im Rahmen von AUFSTAND das Jugendumweltfestival                                            

Die immer komplexer werdende Welt wird durch Verschwörungstheorien in einfachen Erklärungen dargestellt. Hinter den Geschehnissen auf der Welt werden Institutionen, Personen oder vereinzelt Staaten vermutet, die sie im Geheimen lenken. In letzter Zeit traten Personen, die an Verschwörungstheorien glauben, immer mehr in die Öffentlichkeit und beteiligen sich an Demonstrationen.

Wie Verschwörungstheorien entstehen, warum Personen daran glauben und welche Auswirkungen es auf sie und die Gesellschaft hat, wird in dem Vortrag unter Berücksichtigung von Aspekten wie der Gefährlichkeit und den Grundmustern aufgezeigt.

Finn Blumberg recherchiert und forscht zu den Themengebieten der Gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit (GMF), unter anderem zu Nationalsozialimus, Rassismus und Antisemitismus.

 

Schön, dass uns die Arbeit ausgeht May 10, 2016 | 01:38 pm

Ein Plädoyer für massive Arbeitszeitverkürzung

Vortrag und Diskussion mit Lothar Galow-Bergemann

Dienstag, 31. Mai 2016, 20.00 Uhr, München
Eine Welt Haus, Schwanthaler Str. 80

Eine Veranstaltung der linksjugend [‚solid] basisgruppe münchen

Wenn ältere Leute davon erzählen, dass es einmal so etwas wie Vollbeschäftigung gab und die Aussicht, sich durch Arbeit lebenslang seinen Unterhalt zu sichern, so klingt das wie aus einer fernen, längst vergangenen Zeit. Opas Welt kehrt in der Tat nicht wieder. Seit langem schmelzen sichere Arbeitsplätze wie Schnee an der Sonne und in den kommenden 20 Jahren wird jeder zweite Job in Europa und den USA verschwinden, weil künstliche Intelligenz und Roboter das viel besser und billiger können.

Aber warum macht uns das eigentlich Angst? Es wäre doch vielmehr Freude angesagt. Schließlich träumen Menschen seit Jahrtausenden davon, ihr Leben mit Angenehmerem verbringen zu können als ausgerechnet mit Arbeit. Doch nur den wenigsten war es vergönnt, dem Zwang zu lebenslanger Schufterei zu entfliehen. Das Schöne ist, dass das heute alle könnten. Denn Technologie und Wissenschaft ermöglichen uns, mit immer weniger Arbeit immer mehr Reichtum zu schaffen.

Doch ausgerechnet jetzt sollen wir immer länger arbeiten. Welch Skandal: Weniger Arbeit denn je wäre für ein gutes Leben nötig, aber die Überstunden häufen sich, immer mehr Leute müssen in ihrer angeblichen Freizeit arbeiten, der Markt verlangt uns grenzenlose Flexibilität ab. Gehören wir zu den nicht mehr ganz Jungen, bekommen wir – vielleicht – einmal mit 67 oder 70 eine Rente, die immer niedriger wird. Gehören wir zu den ganz Jungen, so ahnen wir, dass wir nie eine sehen werden.

Hauptsache Arbeit? Oft wollen wir gar nicht so genau wissen, an was wir da eigentlich den ganzen Tag so arbeiten. Vieles davon ist fragwürdig, überflüssig, ja schädlich. Es gibt nur einen einzigen Grund, warum wir Angst haben müssen vor dem Verschwinden der Arbeit: Die Wirtschaft, von der wir abhängen, ist verrückt organisiert. Die einen sollen arbeiten bis zum Umfallen, die anderen werden zum überflüssigen Menschenmüll erklärt, sprich arbeitslos.

Massive Arbeitszeitverkürzung für alle ist das Gebot der Stunde. Und sie wäre durchaus machbar, ohne dass wir auf Lebensqualität verzichten müssen. Damit das funktioniert, müssen wir allerdings aus einem Gedankengefängnis herausfinden. Es gilt, sich von der Vorstellung zu verabschieden, das ewige Weiterdrehen am Hamsterrad des „Arbeiten-gehen-müssen-um-Geld-zu-verdienen-weil-wir-sonst-nicht-leben-können“ garantiere uns eine gute Zukunft. Das Gegenteil ist der Fall.

Lothar Galow-Bergemann ist nach 40 Jahren Arbeit endlich in Rente. Er arbeitete vorwiegend in der Krankenpflege, ist verdi-Mitglied und war freigestellter Personalrat in zwei Großkliniken. Seine schönsten Arbeitstage erlebte er, wenn er zusammen mit seinen KollegInnen gestreikt hat. Heute schreibt er u.a. für Konkret, Jungle World und emafrie.de

Wer vom Kapitalismus nicht reden will, sollte von Nachhaltigkeit schweigen May 10, 2016 | 01:34 pm

Warum wir mit „unserer Wirtschaft“ nie eine ökologisch, ökonomisch und sozial nachhaltige Gesellschaft erreichen werden

Vortrag und Diskussion mit Lothar Galow-Bergemann

Montag, 30. Mai 2016, 19.00 Uhr, Hannover
Stadtteilleben Linden e.V., Fröbelstraße 5, 30451 Hannover                                           Eine Veranstaltung der Rosa-Luxemburg-Stiftung Niedersachsen e.V. in Kooperation mit JANUN e.V. – Jugendumweltnetzwerk Niedersachsen.

Montag, 6. Juni 2016, 18.30 Uhr, Darmstadt                                                                   TU Darmstadt                                                                                                                     Eine Veranstaltung von Campusgrüne TU Darmstadt und Grüne Jugend Darmstadt

Alle sind für Umweltschutz, aber die Müllberge werden immer größer. Alle sind für soziale Gerechtigkeit, aber Kinder- und Altersarmut nehmen zu. Alle wünschen sich mehr freie Zeit zum Leben, aber müssen immer mehr und länger arbeiten. Niemand will die Krise, aber keiner kriegt sie in den Griff. Es mangelt nicht an gutem Willen, dieser verhängnisvollen Dynamik etwas entgegen zu setzen. Doch immer wieder stoßen entsprechende Initiativen an unüberwindlich scheinende Grenzen. Wunsch und Wirklichkeit in dieser Gesellschaft gehen oft so weit auseinander, dass sich die Frage aufdrängt, ob sie möglicherweise ganz grundsätzliche Konstruktionsfehler hat. Diese liegen in einem Wirtschaftssystem, das nur funktionieren kann, wenn es buchstäblich die ganze Welt seinen Zielen Wachstum, Arbeit und Profit unterwirft. Gegen den Kapitalismus sind viele. Aber haben sie auch etwas von dem verstanden, das diesem -ismus den Namen gibt – vom Kapital? Der Referent beleuchtet grundlegende Funktionsweisen des Kapitalismus und wirft dabei auch einen kritischen Blick auf oberflächliche Formen eines nur vermeintlichen „Antikapitalismus“ sowie auf gut gemeinte „Alternativvorschläge“, die regelmäßig an der Funktionsweise „unserer Wirtschaft“ scheitern. Will man eine bessere Welt schaffen, muss man erst einmal verstehen, wie die jetzige tickt.

Lothar Galow-Bergemann war langjähriger Personalrat in zwei Großkliniken
und schreibt u.a. in Jungle World, konkret und auf www.emafrie.de

Die Presse lügt beim Lohngefüge. Oder: Das überteuerte Bier der Bayern. May 9, 2016 | 11:00 pm

In Bayern ist das Bier dreimal teuer wie im Ruhrgebiet. Da aus diesem Grund immer mehr lebenslustige Bayern ins Ruhrgebiet abwandern, sollte dieser eklatante Preisunterschied schnellstmöglich behoben werden. Würde ein deutsches Presseerzeugnis eine solche Meldung verbrechen, fasste sich der Leser wohl konsterniert an den Kopf. Ja so a schmarrn! Immerhin ist in einem bayerischen Maß […]

Zum 40. Todestag von Ulrike Meinhof May 9, 2016 | 01:44 pm

Am 9. Mai 2016 jährt sich der Todestag von Ulrike Meinhof zum 40. mal. Sie ist am Morgen des 9. Mai 1976 im Hochsicherheitsgefängnis Stuttgart-Stammheim tot aufgefunden worden – über den Vorgang ihres Todes gibt es unterschiedliche Versionen. Andere können besser einschätzen als ich, welche Rolle Ulrike Meinhof gespielt hat – erst als linke Journalistin und Autorin für Konkret, später als Mitglied der ersten Generation der Roten Armee Fraktion. Über die RAF seien etwa empfohlen das Buch „Stadtguerilla und soziale Revolution“ von Emile Marenssin und der Band „Rote Armee Fiktion“ von Joachim Bruhn und Jan Gerber (Hg.), beide erschienen bei ça ira. Ich möchte hier nur den Film „Bambule (Fernsehspiel)“ von Ulrike Meinhof empfehlen. Der Film ist von 1970 und zeigt die Situation in einem autoritären Mädchen-Erziehungsheim. Der Film zeigt, wie Konflikte zwischen den Heiminsassinnen und den Erzieherinnen aufbrechen, ein Mädchen haut ab, ein Mädchen wird bestraft, schließlich proben einige einen Aufstand. Der Aufstand scheitert und endet mit der Überlegung darüber, wie man weiter machen kann. Weil die Befreiung von Andreas Baader dazwischen kam, durfte der Film im Westfernsehen nicht gezeigt werden. Die Erstausstrahlung war erst im Jahr 1994 möglich. Der Film ist Realismus im besten Sinne und weist über sein Ende hinaus in die Realität hinein.

Ich habe aus der Tonspur des Films eine Art Hörspielcollage zusammengestellt – in der Hoffnung, dass die zusammengestellten Töne auch unabhängig vom Film als kleine Aufstands-Geschichte funktionieren. Hier hörbar:

Download (22 MB)

Bei freie-radios.net gibt es eine Sendung über Ulrike Meinhof – habe sie noch nicht gehört, aber wird schon gut sein.

Arnold Paucker im Gespräch May 9, 2016 | 08:01 am

Arnold Paucker war langjähriger Direktor des Londoner Leo-Baeck-Institutes, welches die Erforschung und Bewahrung der Erinnerung des deutsch-sprachigen Judentums zur Aufgabe hat. Hanno Plass (u.a Beatpunk) hat für den FSK Hamburg 2010 mehrere Interviews mit Paucker geführt, deren Zusammenschnitt nun als zweistündige Sendung vorliegt. Beweggrund für die Sendung war auch, diejenigen, die mit Bewußtsein das 20. Jahrhundert und auch dessen für die Gegenwart prägenden Zäsuren miterlebt haben, zu diesen und sich zu Wort kommen zu lassen.

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09-05-2016Triggerwarnung: Über den Irrweg Critical Whiteness und… May 8, 2016 | 09:33 pm



09-05-2016
Triggerwarnung: Über den Irrweg Critical Whiteness und die Verwandlung innerlinker Diskussionen in Polizeidiskurse.

Devi Dumbadze/Christoph Hesse (Hg.) »Unreglementierte Erfahrung« May 8, 2016 | 09:19 pm

Erfahrung, deren Möglichkeit von jeher mit der Dialektik der Aufklärung zutiefst sich verflochten zeigte, weiß sowohl um den utopischen Gehalt, der sich in ihr anmeldet, als auch um die gesellschaftliche Zurichtung, die ihr widerfährt. Dass sie ihre Kraft letztlich nur aus dem zu gewinnen vermag, über das sie hinauszugehen trachtet, deutet den evidenten Widerspruch in ihrem Begriff an, so wie dieser auch und gerade in der kritischen Theorie Theodor W. Adornos einer der ambivalentesten sein dürfte. Auch dadurch nicht minder einer näheren Bestimmung zunächst verschlossen zeigt sich der Begriff der unreglementierten Erfahrung, der, wie die Herausgeber des gleichnamigen Sammelbandes in ihrer Einleitung schreiben, bei Adorno »einen zentralen, wenngleich nie ausdrücklich bestimmten Platz einnimmt.« (S. 11) Den Begriff einem Versuch der Konkretisierung zu unterziehen, ihn damit auch gegen eine allzu subjektiv-individualistische Engführung in vorhandener Literatur zu Adorno zu behaupten und auf sein emanzipatives Moment zu verweisen, ist hier das weitgefasste Anliegen.

Ersteres gelingt im Großteil der Beiträge insofern, als sie die nähere Bestimmung, wie sie geleistet werden möchte, nicht hermetisch-ontologisch verfolgen, sondern mit dem Begriff so verfahren, wie er vielleicht allein sich kristallisieren kann: durch konstellatives Denken. Denn weder ist der Begriff der Erfahrung noch der der unreglementierten zu lösen von solchen wie Freiheit und Mimesis, »Bedingungen der Möglichkeit gelungener Erfahrung« (Braunstein, S. 45), was vielleicht erklären mag, weshalb keiner der Texte sich dem Begriff als solchem widmet, sondern immer als in Verhältnis zu anderen stehend verhandelt wird. Zugleich ist aber die Schwierigkeit, unreglementierte Erfahrung zu bestimmen, selbst Ausdruck des prekären Status, der ihr realgesellschaftlich zukommt und nicht zu trennen ist von seiner begrifflichen Reflexion: »Was unreglementierte Erfahrung sei, hat man vielleicht selbst schon erfahren. In Begriffe fassen kann man es darum noch nicht.« (Hesse, S. 228) Wie ihre Reflexion daher auch notwendig brüchig und kontingent geraten, sich einer verabsolutierenden Systematisierung und Schematisierung versperren muss, so darf auch die thematische Breite der Beiträge nicht verwundern, die von Erkenntniskritik über Religionsphilosophie, Kritik der politischen Ökonomie bis hin zu ästhetischer Theorie reichen. Wäre ihnen jedoch ein gemeinsames Theorem zu entnehmen, dann jenes der Dialektik von Subjekt und Objekt, die sich an (unreglementierter) Erfahrung immer wieder zeitigt.

Erfahrung ist notwendig an das Individuum, subjektives Bewusstsein gebunden, die »sich sowenig aus sich selbst speisen kann, wie Sprache eine ontologische Dignität unabhängig von den Individuen für sich beanspruchen kann«, gleichwie Erfahrung überhaupt Instanz ist, an der das Individuum erfahren könnte, was sein Begriff verspricht: »Sie ist es, die Individuen erst individuiert: das Jeweilige des jeweiligen Einzelnen; niemand kann für sich erfahren lassen.« (Braunstein, S. 35 und 33). Darauf, dass Erfahrung nicht lediglich als geistige, wie sie Braunstein in seinem Beitrag vornehmlich fokussiert, vorzustellen sei, sondern immer auch an den Leib des Individuums gebunden bleibt, weist Scheit hin. Mögen diese subjektiv-leiblichen Bedingungen auch beinahe banal erscheinen, so ist es implizite Intention aller Beiträge, diese nicht subjektivistisch zu verkürzen. Denn gerade indem das Subjekt »den Vorrang des Objekts recht eigentlich zuläßt, erfährt das Subjekt überhaupt erst seine reale Ohnmacht, und nur durch diese Erfahrung hindurch vermag es seiner mächtig zu bleiben« (Scheit, S. 24). Der Vorrang des Objekts gilt für Erfahrung vor allem, weil sie ohne Objekt schlichtweg nicht zu denken ist, gleichwohl es sich dem Subjekt immer schon verbunden zeigt, insofern es bereits selbst »als lebendige Natur den Keim der Subjektivität enthält.« (Dumbadze, S. 89) Hinsichtlich dieser Dialektik von Subjekt und Objekt versäumen die einzelnen Texte jedoch leider den in der Einleitung angedeuteten Vorwurf einer individualistischen Lesart des Begriffs zu explizieren, da auf Literatur, die jener Vorwurf treffen soll, kaum rekurriert wird.

Betont wird hingegen vielfach das emanzipative Moment, das unreglementierter Erfahrung innewohnt. Dergestalt erscheint auch das kindliche Vermögen, Aufmerksamkeit »den einfachsten Dingen entgegenzubringen (…), um sich von etwas in Staunen versetzen zu lassen, was sie unwillkürlich interessiert und dabei kein identisches Objekt sein muß« (Dumbadze/Hesse, S. 10), als ein Platzhalter ihres Vorscheins, wie unreglementierte Erfahrung, regt sie sich vor diesen »vermeintlich einfachsten Dinge(n)«, das »flüchtige Zeichen der versöhnten Gesellschaft« (Dumbadze, S. 87) abzugeben vermag. Würde die Möglichkeit solcher Erfahrung sich gesellschaftlich verwirklichen, so löste sich auch, was als Utopie in ihrem Begriff schon angelegt ist: der Widerspruch von Subjekt und Objekt.

Zuvor bleibt die begriffliche Reflexion unreglementierter Erfahrung jedoch eine solche die die gesellschaftlichen und historischen Bedingungen ihrer Unmöglichkeit zu reflektieren hat. Dass die Beiträge dazu nicht immerzu imstande sind, hängt zuvorderst damit zusammen, dass stellenweise der Begriff der Erfahrung, welcher bestimmt werden soll, bereits als ein bereits bestimmter vorausgesetzt wird, oder dieser vereinzelt, wie es sich in Lehmanns Text zu Luigi Nono zeigt, völlig ausgeblendet, ihm ein Äußerliches bleibt – mögen diese Aspekte auch wenig über die sonstigen Qualitäten dieser Beiträge verraten.

Devi Dumbadze/Christoph Hesse (Hg.): Unreglementierte Erfahrung. ça-ira Verlag, Freiburg 2015, 290 S., €20.

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