Vom Walöl zum Palmöl July 11, 2015 | 10:33 am

„Die Dampfmaschine brachte den Hunger nach den komprimierten Kondensaten der Opfer von Naturgeschichte, die fossilen Energien. Industrialisierung kannte da bereits einen lebendigen, nachwachsenden Energieträger: Wal. Das Fett der Tiere wurde für jenes Nitroglyzerin verwendet, mit dem man Kohleflöze aufsprengte, es wurde in Straßenlaternen und Fabriken verheizt. Die Übernutzung von 10.000 erbeuteten Tieren pro Jahr zu Marx’ Lebzeiten wurde trotz Erdöl im 20. Jahrhundert erweitert.  […] Philosophie, die diesem Aktualitätsdruck nicht Rechnung trägt, kann nur als versäumte stattfinden. Auffällig an der jüngeren Wiederaufnahme von Positionen der Kritischen Theorie zur Ökologie3 ist der Drang zum klinisch sterilen Abstraktum »Natur«. Die bloße Erwähnung konkreter ökologischer Probleme riecht nach Essentialismus, nach Romantik, nach Kitsch. Die Frustration über das Ökologieproblem, die Frage nach dem »einzelnen Wesen«, dem beizustehen wäre, beantwortet Gerhard Scheit mit einer Praxisfeindschaft, die kritischer Theorie abhold war: Mit Amery kritisiert er Marcuse für dessen sozialdemokratischen Versuch, im »Rahmen« kapitalistischer Vergesellschaftung schon »den Umweltschutz« vorzubereiten. »Die ökologischen Vorstöße indessen sind nur Vorstöße gegen den Restbestand politischer Vernunft.«4″

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http://versorgerin.stwst.at/artikel/jun-8-2015-1334/vom-wal%C3%B6l-zum-palm%C3%B6l

In Katzengewittern July 11, 2015 | 10:30 am

Über den »Animismus der Kritischen Theorie«.

Hinlänglich durchs Feuilleton gereicht wurde das Bestiarium Adornos: die Gazellengiraffe Gretel, das Mammut Max, die mütterliche Nilfpferdstute und er selbst als Nilpferdkönig Archibald. Indem Adorno seine Nächsten in Tiere verwandelte, würdigte er in ihnen das von böse gewordener Zivilisation noch nicht Verwüstete. Diese romantische Ader ist nicht Lapsus, sondern Kern Kritischer Theorie. Sie wird an entscheidenden Stellen animistisch und dieser Animismus läuft dem Gestus der »Ausrottung des Animismus« durch den »Anthropomorphismus« der Aufklärung zuwider.

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http://versorgerin.stwst.at/artikel/jun-8-2015-1347/katzengewittern

Es ist unser Ernst! July 10, 2015 | 10:34 am

Es war einmal, dass die – richtige oder falsche – Idee die Massen ergreifen und begeistern mußte, um selber zur materiellen Gewalt zu werden wie 1789 oder 1917. Im Atomzeitalter, hieß die Botschaft, kommt die Geschichte ohne Ideen und ohne Massen aus – noch nie waren die Menschen so überflüssig. Kein Wunder daher, dass manche zum Islam, der Religion des Fatalismus, konvertieren, und viele etwas trübsinnig wurden.“ Wolfgang Pohrt

Kartoffelauflauf in der Innenstadt. Braun-rote Grütze überall. Menschen, die den Eindruck erwecken, sie hätten ein Ei am wandern, plärren lauthals Blödsinn ins Mikrofon. Es geht gegen die Juden, die weltweit Herrschenden. Und deren zahlreiche Handlager, wahlweise die NSA/USA, die deutsche Bundesregierung oder die Europäische Union. Nicht einmal hundert Aufgebrachte klatschen frenetisch. Der Zirkus ist in der Stadt. Ein paar Clowns verfrühstücken die amerikanische Außenpolitik auf Nutella-Niveau, aber kaum jemand will so richtig anbeißen. Der sich zur Masse halluzinierende Mob fällt in sich zusammen, eine richtige Bewegung wird daraus nicht. Der Mehrheit in Deutschland geht es nicht um den ‚Frieden auf der Welt‘, sondern um die äußerst komfortable Friedhofsruhe hierzulande. Dabei stören Querulanten nur.

Allerhöchstens die radikalsten Teile der erfolgreich sedierten Volksgemeinschaft können noch eine gewisse Aktivität auf der Straße entfalten. Die große Koalition ist das deutsche Wunschkonzert. Keiner tanzt aus der Reihe, es ist die perfekte Welle. Nigeria, Griechenland, Syrien, das Mittelmeer oder die Ukraine könnten sechs Häuserblocks entfernt liegen, wenn Ottonormalverbraucher noch einen gut gesicherten Nachschub an Chips, Bier und Unterhaltung hat, interessiert ihn das nicht die Bohne. Ruhe, Ordnung, Sicherheit 2.0. Kann kommen was will. Shopping Queen, Brennpunkt Familie und Circus Halligalli heißt das sich ständig wiederholende Programm innerhalb der eigenen vier Wände. Woche für Woche. Monat für Monat. Jahr für Jahr.

Ein gewisses Interesse an dem langatmigen Zinnober von linken Friedensbewegten, Verschwörungstheoretikern, Hippies, Esoterikern, Neonazis und anderen deutschen Narzissten bringt der Durchnittsdeutsche allerhöchsten auf wenn bei Spiegel TV darüber berichtet wird. Unterlegt mit dramatischen Bildern, einer aufgeregten Stimme aus dem Off und entsprechender Musik. Das dabei manchmal entstehende schlechte Gewissen wird wahlweise kompensiert mit einem Kasten Warsteiner oder einer Spende für Pro Asyl. Derzeit reicht es aus, damit die Mittelschicht ihren höchst willkommenen Distinkstionsgewinn gegenüber dem Plebs einstreichen kann, einfach nur die alten Klamotten auszumisten. Anstatt in der Mülltonne zu landen, dürfen nun einige glückliche Flüchtlinge diese Altkleidersammlung neu auftragen.

Ein Fall für die Antifa?

Deutlich als Gegner*innen der Veranstaltung war eine Gruppe von Antifaschist*innen zu erkennen, die sich mit selbst gebastelten Hüten aus Alufolie über die Nähe der ‚Friedensbewegung 2014′ zu obskuren Verschwörungstheorien über ‚Chemtrails‘ und ähnlichem lustig machen wollten. Da sie aber auch gleichzeitig mit vollem Ernst Israel- und USA-Fahnen schwenkten und mal ‚lustige‘ und mal ernste Zwischenrufe abgaben, wirkte der Protest nicht sehr stimmig.“ ‚Autonome Skater*innen‘ auf Indymedia

Wenn der Gegenstand der Kritik unter aller Kritik ist, bleibt allerhöchstens noch die Satire. Es ist unser Ernst. Jugend trainiert für Karneval ist die ganz und gar falsche Antwort auf das kollektive Schattenwerfen der deutschnationalen Gartenzwerge. Nicht nur weil der eigene Auftritt völlig lächerlich ist. Es adelt stattdessen diesen schlecht organisierten Wahnsinn zu einer realen Gefahr. Dabei gilt: Die gesellschaftliche Relevanz des Gegenstandes antideutscher Kritik sollte über die einzusetzende Mittel entscheiden. Dieses versprengte Häuflein komplett Bekloppter verdient jedoch noch nicht einmal unseren Hohn und Spott. Einfach links liegen lassen ist in diesem Falle das Beste. Professionelle Satiriker erledigen schon den Rest.

Wenn der Vollzeitirre Ken Jebsen behauptet, ständig in Berlin von Antideutschen körperlich bedrängt zu werden, versucht er damit nur seine Stellung als bedeutender, ‚investigativer Enthüllungsjournalist‘ herauszukehren. Nicht nur in diesem Zusammenhang ist einzig der Wunsch Vater des Gedankens. Weder der Mossad, die CIA, noch ernstzunehmende Antideutsche arbeiten sich an einem solch unbedeutenden Subjekt ab. Es gibt in diesem Land ganz andere Themen: geschichtsrelativierende Historiker, Auftritte von Tayip Erdogan und seinen Spießgesellen, die christlich-konservative Zivile Koalition, salafistische Prediger, deutsche Vertriebene in vierter Generation, Veranstaltungen antizionistischer ML-Organisationen, Esoteriker jeglicher Couleur, deutsch-iranische Wirtschaftsforen, holocaustrelativierende Tierschützer sowie jeder Auftritt von Jakob Augstein in der Öffentlichkeit. Hier gilt es zu intervenieren!

Für die Berliner Republik?

In einem misslungenen Beitrag für die Jungle World hat kürzlich die Antideutsche Aktion Berlin ein Ende der Eventpolitik gegen den Berliner Quds-Marsch gefordert. Wir teilen die Abscheu gegen das Mitmachen an sich, von linken Bündnissen ganz zu schweigen. Wir mobilisieren trotzdem gegen den Aufmarsch der antisemitischen Internationale, und beteiligen uns an der bundesweiten Kampagne Schall und Wahn.“ Bündnis gegen Antisemitismus Duisburg

Wie jedes Jahr mobilisiert – trotz aller Kritik – ein ‚bundesweites Bündnis‘ gegen den „größten antisemitischen Aufmarsch Deutschlands“, darunter macht man es nicht. Rund tausend Demonstranten, mehr oder weniger instruiert vom Iran, werden in der Mitte Berlins erwartet. Im letzten Jahr stellte die association antiallemande nach einem Selbstversuch im antifaschistischen Anti-Alquds Bündnis völlig zurecht fest: „Wem es aber ernst ist damit, den antisemitischen Mobs zu begegnen, der wird darüber reden MÜSSEN, was in der Al-Nur Moschee gepredigt wird – der wird darüber reden MÜSSEN, wie und warum die muslimischen Communities sich zunehmend radikalisieren und der wird nicht zuletzt endlich sich eine materialistische und rückhaltlose Islamkritik aneignen MÜSSEN“. (1)

Zu dieser Einsicht kamen die Genossen, nachdem sie erleben mussten, dass es diesem Bündnis nicht für möglich erschien, Islam zu sagen ohne gleichzeitig Islamophobie zu sekundieren und dass man sich dort, statt auf den Antisemitismus des islamistischen Mob auf der Straße, lieber auf Jürgen Elsässer und andere politische Randgestalten konzentriert. Womit – ob bewusst oder nicht – jene antideutschen Antifaschisten, die beherzt diesem alljährlich stattfindenden Treiben entgegentreten, die weltoffene Bundesrepublik Deutschland, welche erfolgreich ihre ‚Lehren aus der Vergangenheit‘ gezogen hat, repräsentieren, anstatt – wie proklamiert – die deutschen Verhältnissen zu denunzieren.

Kein Wort über den grassierenden Antisemitismus, den Hass auf Israel in diesem Lande und die ständig schwindende Gegenwehr. Als Beispiel: Keine zehn Kilometer entfernt vom Demonstrationsort befindet sich in Steglitz die Treitschkestraße (2), deren Umbenennung am Widerstand der örtlichen Bevölkerung sowie einer Koalition von CDU und Bündnis 90/Die Grünen scheiterte (3). Ein Skandal? Keineswegs. „Antisemitismus war immer zunächst ein Phänomen der Gebildeten. Er ging von den Schreibtischen der Gelehrten aus, von den Theologen und Hofpredigern, von Philosophen, Juristen und Journalisten“ (4). Also genau jenem Milieu, welches heutzutage hauptsächlich von den Grünen repräsentiert wird und aus dessen Gebärmüttern die Organisatoren der Gegenaktivitäten zum Al-Quds-Marsch zumeist entstammen.

Wissen sie nicht, was sie tun?

Khomeinis Anspruch, den alQuds-Tag als sogenannten „Revolutionsexport“ in die gesamte Welt zu tragen, um der islamistischen Utopie einer „Weltgemeinschaft der Muslime“ (Umma) näher zu kommen, wurde mit der Etablierung des Aufmarschs u.a. in den USA, Großbritannien und Deutschland zwar vorangetrieben, glücklicherweise jedoch nie dem Anspruch nach erreicht. Dennoch ist dieser Massenaufmarsch, an dem sich seit 36 Jahren weltweit Millionen Personen beteiligen, als globales Phänomen zu verstehen und bleibt nicht auf Iran beschränkt.“ Berliner Bündnis gegen den Al Quds-Tag, 2015

Selbstverständlich ist das Atomprogramm des Iran eine Gefahr für die Sicherheit Israels und seiner Nachbarn, aber die alljährliche Al-Quds-Demonstration in Berlin ist es ganz bestimmt nicht. Dies gestehen sich die Organisatoren sogar selbst ein. Das iranische Unterfangen, eine globale Allianz aller muslimischen Glaubensrichtungen gegen die sunnitischen Konkurrenten, zu etablieren ist längst gescheitert. Spätestens seit dem sich im Jemen, dem Irak oder in Syrien Sunniten und Schiiten gegenseitig an die Gurgel gehen, ist der Traum der vom Iran dominierten „Weltgemeinschaft der Muslime“ – regional und global – endgültig ausgeträumt.

Im Nahen Osten findet stattdessen ein Wettlauf um neue Bündnispartner statt, zum Teil jenseits der üblichen Pfade. Rußland, Iran, China und Israel sind dabei die wichtigsten Player. Während sich zarte Bande zwischen Israel und einigen sunnitischen Ländern der Region entwickeln, forciert insbesondere Rußland wirtschaftlich, politisch und militärisch seine Unterstützung des Irans und dessen Verbündeter. Die deutsche Wirtschaft hat dabei zunächst das Nachsehen. Damit sich dies bald ändert, setzt vor allem die deutsche Delegation in Wien all ihre Bemühungen darauf, die Sanktionen endlich zu beenden. „Die großen Dax-Unternehmen scharren schon mit den Hufen“, beschreibt Michael Tockuss, Vorstand der deutsch-iranischen Handelskammer, die derzeitigen Situation äußerst treffend. Vom Iran gesteuerte antisemitische Demonstranten die durch die deutsche Hauptstadt marschieren, sind deshalb wenig hilfreich – weder für die Mullahs, noch die deutsche Wirtschaft. Umso erfreulicher für beide, dass in Deutschland eine vielfältige ‚Zivilgesellschaft‘ gegen dieses antizionistische Treiben aufbegehrt.

Deutschland war für den Iran ein extrem wichtiger Handelspartner. Wenn die aktuellen Verhandlungen über das iranische Atomprogramm dazu führen, dass die Sanktionen gegen das Regime in Teheran gelockert oder ganz aufgehoben werden, profitieren selbstverständlich deutsche Unternehmen davon, aber an erster Stelle die Machthaber in Teheran. Auf der Verliererseite steht dann – neben der Opposition im Iran und jenen Menschen, die im Jemen, Irak, Syrien und Libanon unter vom Iran unterstützen Hilfstruppen leiden – vor allem Israel. Hier liegt die Gefahr und nicht in einer Demonstration am Al Quds-Tag.

Ein Beispiel für die engen Bande zwischen iranischer und deutscher Wirtschaft ist der 1934 gegründete Nah- und Mittelost-Verein e.V. (NUMOV). Diese Vereinigung ist in Deutschland eine der wichtigsten Zusammenschlüsse zur Förderung des deutsch-iranischen Handels. Im Vorstand sitzen Vertreter vieler deutscher Großunternehmen. Ehrenvorsitzender ist Gerhard Schröder, der sich seit Jahren gegen Sanktionen und für den Ausbau des Handels mit der Islamischen Republik Iran ausspricht. Anstatt einmal im Jahr gegen den Al-Quds-Tag zu demonstrieren, gilt es die deutsche Wirtschaft und ihre Lobbyisten, die seit Jahren für ein Ende der Sanktionen plädieren, endlich aufs Korn zu nehmen.

Antideutsche Aktion Berlin im Juli 2015

Anmerkungen:

(1) Es konnte kein Konsens erreicht werden, association antiallemande Berlin
(2) Die Juden sind unser Unglück, Uffa Jensen, Die Zeit
(3) Anwohner stimmen gegen Umbenennung der Treitschkestraße, Cay Dobberke, Der Tagesspiegel
(4) Der gebildete Antisemit, Joachim Frank, Frankfurter Rundschau

Kein Al Quds-Marsch 2015! Gemeinsam gegen den größten antisemitischen Aufmarsch Deutschlands! July 10, 2015 | 09:26 am

Wenn über tausend Antisemit*innen gemeinsam auf die Straße gehen, um gegen die Existenz des jüdischen Staates zu demonstrieren, dann sollte das eigentlich Grund genug sein, eine breite Gegenöffentlichkeit zu schaffen und ihnen nicht das Feld zu überlassen. Obwohl der jährliche Al Quds-Marsch die größte regelmäßig stattfindende antisemitische Veranstaltung in Berlin ist, ruft dies lediglich bei wenigen eine Bereitschaft zum Protest hervor. Was ist das für ein Tag, an dem auch in Berlin zur Vernichtung Israels aufgerufen wird?

Karte für die Demo online July 9, 2015 | 10:13 am

Hey, hier findet ihr eine Karte mit der Route des Quds-Marsches als jpg und als PDF.

Podiumsdiskussion am 09. Juli in Berlin: Der Quds-Komplex – Antisemitismus, Terror und Appeasement July 9, 2015 | 08:52 am

Unsere Veranstaltung will klären, welche Auswirkungen die iranische Politik auf den Nahen Osten hat, welche Funktion dem al Quds-Tag dabei zukommt und warum Politik und Medien über diesen von radikal islamischen, rechten und linken Antiimperialisten unterstützten Aufruf zur Vernichtung Israels hinweg sehen. Es gilt zu diskutieren, was getan werden kann, um den Widerstand gegen die zerstörerische Politik der Islamischen Republik Iran zu organisieren.

Frau Schmoll und ihre Intelligenz July 9, 2015 | 12:33 am

Die FAZ ist sichtlich damit überfordert, halbwegs sinnvolle Artikel für die Titelseite zu finden. So schaffte es am Samstag die elitenversessene „Journalistin“ Heike Schmoll (bekannt durch ihr Buch „Lob der Elite: Warum wir sie brauchen“), ihren „fundierten“ Kommentar „Abitur ohne Wert“ auch jenen zugänglich zu machen, denen das Aufblättern dieser Zeitung nicht als lohnend erscheint. Die [...]

13,50 $ im Monat zum Leben July 7, 2015 | 10:35 pm

Einmal mehr wurde die Hilfe für syrische Flüchtlinge gekürzt:

Die Karte sei früher 30 Dollar wert gewesen, dann nur noch 19 Dollar, sagt al-Assaf. Pro Person seien also elf Dollar gestrichen worden. Die verbleibenden 19 Dollar seien aber nicht genug für einen ganzen Monat: “Gegen Mitte des Monats ist man nicht mehr in der Lage, drei Mahlzeiten pro Tag zu haben. Ja, die Lebensmittelsachen sind im Lager unser Hauptnotwendigkeit.” Seit Monatsbeginn musste das WFP den Wert E-Card sogar von 19 auf 13,50 Dollar pro Person und Monat verringern.

Nur 19 Prozent der Finanzmittel stehe für die Flüchtlingshilfe in den überlasteten Nachbarländern Syriens zur Verfügung, erklärte das WFP. Bis September benötige man 139 Millionen Dollar, um den syrischen Flüchtlinge in Jordanien, im Libanon, in der Türkei, im Irak und in Ägypten weiterhin helfen zu können.

Quelle: http://www.tagesschau.de/ausland/wfp-syrien-101.html

Deutsche Geschichtsvergessenheit July 7, 2015 | 10:16 am

Wandsprüherei in der Leipziger Südvorstadt, © strassenstriche.net mit CC-BY-NC-2.0-Lizenz via Flickr

Einer der hartnäckigsten politischen (und ökonomischen) Mythen in Deutschland ist zweifellos der vom »Wirtschaftswunder« nach dem Zweiten Weltkrieg. Im kollektiven Gedächtnis der Deutschen wird der unerwartete ökonomische Aufschwung in den Fünfziger- und Sechzigerjahren des 20. Jahrhunderts gerne damit (v)erklärt, dass die Bevölkerung sich nach dem erzwungenen Ende des »Dritten Reiches«, durch das ihr Land zu großen Teilen in Trümmer gelegt worden sei, brav und fleißig an die Aufräum- und Wiederaufbauarbeiten gemacht und so im Schweiße ihres Angesichts »die Wirtschaft« wieder in Schwung gebracht habe, was verdientermaßen in erklecklichen Wohlstand gemündet sei. Vergessen wird dabei vor allem eines: dass dieser Wohlstand nicht zuletzt »auf der kontinuierlichen Verwertung von Profiten aus dem Nationalsozialismus« beruhte, wie Jörg Rensmann im 2003 erschienenen Buch »The Final Insult« schrieb.* »Man halluzinierte sich«, so der Politikwissenschaftler weiter, »ein ›Wirtschaftswunder‹, dessen materielle Grundlage gleichzeitig verdrängt wurde, nämlich die Profite aus ›Arisierung‹ und Zwangsarbeit«. Hinzu kommt, dass 80 bis 85 Prozent der Produktionsanlagen intakt geblieben waren und die Gesamtkapazität jene der Vorkriegszeit weiterhin übertraf. Man kann also nicht sagen, dass Vernichtungskrieg und Holocaust sich gerächt hätten, schon gar nicht in puncto Prosperität.

Zumal da noch das Londoner Schuldenabkommen von 1953 war, mit dem 65 Staaten – darunter Griechenland – der Bundesrepublik einen Großteil ihrer Verbindlichkeiten erließen und so erheblich zum ökonomischen Aufstieg Westdeutschlands beitrugen. Es ging dabei um die Vorkriegslast – größtenteils nicht geleistete Reparationszahlungen nach dem Ersten Weltkrieg – und um die Nachkriegsschulden, bei denen es sich vor allem um Zahlungen aus dem Marshall-Plan und um alliierte Kredite für Wirtschaftshilfe unmittelbar nach dem Krieg handelte. Trotz des Verzichts der Gläubigerstaaten auf entgangene Zinszahlungen ab 1934 ergab sich eine Gesamtschuld von rund 30 Milliarden Mark, bei einer westdeutschen Wirtschaftsleistung von 70 Milliarden Mark. »Unmöglich zu erfüllen«, befand der deutsche Verhandlungsleiter Hermann Josef Abs, der während des Nationalsozialismus im Vorstand der Deutschen Bank mit der »Arisierung« von Unternehmen und Geldinstituten, die Juden gehörten, beauftragt war. Die Gläubiger reduzierten die deutschen Auslandsverbindlichkeiten schließlich um über 50 Prozent, senkten die Zinsen massiv und streckten die Schulden bis zum Jahr 1988. Der Erlass wurde nicht von der Umsetzung von Austeritätsprogrammen abhängig gemacht, sondern sah wachstumsfördernde Maßnahmen vor. Deutschland sollte die Rückzahlungen aus seinen Exporteinnahmen decken können und nicht durch die Aufnahme neuer Schulden.

Kein Bestandteil des Londoner Abkommens waren die Reparationen für die von Deutschland besetzten Länder. Diese Zahlungen sollten nach einer deutschen Wiedervereinigung in einem Friedensvertrag geregelt werden, sie wurden also gestundet. Auch die millionenschweren Zwangskredite, die das Deutsche Reich dem besetzten Griechenland abgepresst hatte, um damit vor allem den Krieg im östlichen Mittelmeer zu finanzieren, standen nicht zur Debatte. Hagen Fleischer, Historiker an der Universität Athen, bezeichnet die deutsche Besatzung in Griechenland als »eindeutig die blutigste von allen nicht-slawischen Ländern«. In einem Beitrag des ARD-Magazins Kontraste bilanzierte er: »Weit über 30.000 exekutierte Zivilisten, darunter auch viele Frauen und Kinder. Systematisch zerstörte Infrastruktur und Wirtschaft. Plünderorgien, vom Raubbau in den Bergwerken, die für die deutsche Seite interessant war, bis hin zum Abtransport von Olivenöl und von Lebensmitteln. Und daraus resultierten die mindestens 100.000 Hungertoten vom ersten Besatzungswinter.«

Als die Mauer fiel, standen die deutschen Kriegsschulden wieder auf der Agenda. Doch die Bundesregierung wollte sich vor Reparationszahlungen unbedingt drücken. Außenminister Hans-Dietrich Genscher habe deshalb »sämtlichen Botschaften ein geheimes Rundschreiben zugeschickt, wie man die jetzt vermutlich aufkommenden Entschädigungsansprüche abwimmeln sollte«, sagt Historiker Fleischer. In diesem Schreiben hieß es unter anderem: »Kommt es nicht zu Verhandlungen über einen formellen Friedensvertrag, so könnten wir darlegen, dass sich […] keine Notwendigkeit ergibt, die Frage der Reparationen aufzugreifen.« Also gab es offiziell keinen Friedens-, sondern einen »Zwei-plus-Vier-Vertrag« zwischen der Bundesrepublik, der DDR und den großen Siegermächten, in dem kein Wort über Entschädigungen und Zwangskredite verloren wurde. Griechenland durfte nicht mitreden und war darüber begreiflicherweise alles andere als begeistert. In einer diplomatischen Note forderte die griechische Regierung deshalb im Jahr 1995 Verhandlungen über die Rückzahlung der Zwangsanleihe, wurde aber mit den Worten abgekanzelt, »nach Ablauf von 50 Jahren nach Kriegsende« habe »die Reparationsfrage ihre Berechtigung verloren«. Heute sagt Vizekanzler Sigmar Gabriel: »Wir haben eine klare rechtliche Antwort auf solche Forderungen, nämlich, dass die spätestens mit den Zwei-plus-Vier-Verhandlungen und den Ergebnissen alle diese Themen rechtlich beendet worden sind.«

Jetzt, wo die »Wiedergutwerdung der Deutschen« (Eike Geisel) abgeschlossen und die Geschichte zur Strecke gebracht worden ist, tönt es wieder laut und gnadenlos in Richtung der Griechen. Faul, frech und fordernd seien sie, hört und liest man allenthalben, auf »unser« sauer verdientes Geld hätten diese Pleitiers es abgesehen, und die hierzulande qua Selbstläuterung vorbildlich bewältigte Vergangenheit wollten sie auch nicht ruhen lassen. Der Boulevard fordert die »Eiserne Kanzlerin«, während ARD und ZDF die Frage stellen, ob der Grieche überhaupt wusste, worüber er da beim Referendum am Sonntag abgestimmt hat. Die Großkotzigkeit und Überheblichkeit, der völlige Mangel an Empathie und das absichtsvolle Beschweigen derjenigen politischen und ökonomischen Krisengründe, die von Deutschland und der EU zu verantworten sind und nicht von Griechenland, stehen dabei hinsichtlich ihrer Widerwärtigkeit in harter Konkurrenz zu einer Geschichtsvergessenheit, die Ihresgleichen sucht. Nur allzu berechtigt ist es deshalb, dass sich die Griechen in aller Form gegen die nassforschen Töne aus einem Land verwahren, dessen Wiederaufstieg auch auf ungesühnten Verbrechen an der griechischen Bevölkerung, eiskalten Zahlungsverweigerungen gegenüber Griechenland und großzügigen Schuldenerlassen basiert. Und wer sich über Tsipras und Varoufakis ereifert, aber über Abs nicht (mehr) reden will, möge ohnehin am besten ganz schweigen.

* Jörg Rensmann: Anmerkungen zur Geschichte der deutschen Nichtentschädigung, in: gruppe offene rechnungen (Hg.): The Final Insult. Das Diktat gegen die Überlebenden. Deutsche Erinnerungsabwehr und Nichtentschädigung der NS-Sklavenarbeit, Münster 2003, S. 45-70 (S. 55).

Zuerst veröffentlicht auf Fisch + Fleisch.

Zum Foto: Wandsprüherei in der Leipziger Südvorstadt, © strassenstriche.net mit CC-BY-NC-2.0-Lizenz via Flickr.


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sick sad world July 3, 2015 | 03:21 pm

Das viel beschworene Ende der Geschichte scheint mit der Depression weltweit sein adäquates und verbreitetes psychisches Echo im Subjekt gefunden zu haben. Die müden Augen, bp8der monotone Ausdruck und die Antriebslosigkeit, welche klassischerweise die Spiegel der inneren Leere waren, sind zwar einer allgegenwärtigen Aktivität gewichen, aber hinter der offensiven Beweglichkeit vieler Zeitgenossen verschanzt sich eine tiefgreifende Resignation. Mit dem Ende des gesellschaftlichen Experiments, das 1917 mit den Schüssen des Panzerkreuzers Aurora begann und dessen lang angelegter Niedergang in den 90ern vollzogen war, schwand die greifbare Option auf eine Welt, die – wenn sie schon keine Versöhnung zwischen Individuum, Gesellschaft und Natur bot – zumindest im Groben das menschliche Glück als Maxime des Handelns betrachtete.

Wo der bürgerliche Liberalismus der Französischen Revolution schon lange Neoliberalismus und Postfaschismus weichen musste, hatte das sowjetische Experiment, trotz aller ihm innewohnenden und von ihm reproduzierten Gewalt, doch einen Schimmer der Hoffnung für das Individuum übrig. Dieser Schimmer scheint nach Jahrzehnten des Ausharrens zeitgleich mit der Sowjetunion erloschen. Die ostdeutschen Wendeverlierer kauften sich mit ihren ersten Westmark keine leuchtende Zukunft, sondern die unmittelbare Befriedigung, die das Geld her gab. Aber die unmittelbare Befriedigung hielt nicht und konnte nicht halten, was sie versprach, sie war und ist vielmehr die unmittelbare Einheit von Hoffnung und Enttäuschung, d.h. das Ende der Hoffnung. Diese Hoffnungslosigkeit erfuhren in den 90ern nicht bloß die konsumfreudigen Ostdeutschen, sondern auch all jene, die noch auf eine diesseitige Utopie gehofft und daher ihr eigenes Leben hinter der Sache der Linken, die ihnen mit der Sowjetunion zum Auslaufmodell geriet, angestellt hatten. Als in den letzten zwei Jahrzehnten dann ein starker Anstieg von Depressionen festgestellt wurde, ging man zunächst davon aus, dass verbesserte diagnostische Methoden und Entstigmatisierungen von psychischen Erkrankungen einzig ein bereits bestehendes Verhältnis sichtbar gemacht hätten. Einige Langzeitstudien später kann man hingegen mit Sicherheit sagen, dass depressive Störungen nicht bloß unter Linken und in sogenannten Krisenländern auf dem Vormarsch sind.

Großartige Ichverarmung

Sigmund Freuds wesentlicher Beitrag zur Entstehung von depressiven Störungen ist der Text „Trauer und Melancholie“. Hier stellt Freud die These auf, dass ein Objektverlust, wie man ihn etwa schmerzlich in bzw. am Ende der Liebe erfahren kann, zur Trauer, hingegen in seiner pathogenen Form zur Melancholie führt, d.h. das „Objekt ist nicht etwa real gestorben, aber es ist als Liebesobjekt verlorengegangen.“ (S. 199) Das verlorene Objekt bleibt bei der Melancholie im Zentrum der Aufmerksamkeit, wird über die Maße beklagt und idealisiert. Aber der Verlust ist nun nicht der des geliebten Objekts, sondern „mehr ideeler Natur“ (ebd.). Trotz aller gegenteiligen Beteuerung wird nicht das offensichtlich betrauerte Objekt vermisst, sondern der eigentliche Objektverlust ist dem Bewusstsein entzogen.

Bei der Depression, wie man sie heute kennt und wie sie scheinbar nicht Folge eines Objektverlusts ist, stellt sich heraus, dass auch hier etwas Verloren ist. Es ist zwar kein greifbares Objekt, aber wird von den Depressiven zumeist klar als Sinn bzw. Lebenssinn benannt. Auch der Depressive trauert also um etwas verlorenes, etwas was einstmals mit ihm identisch gewesen sein muss, doch ihm dann abhanden kam. Nimmt man nun an, dass das, wessen sich der Depressive sicher sein kann und muss, der Sinn ist, der ihm von der Gesellschaft tagtäglich gesetzt wird, daher seine Funktion als Subjekt der Warengesellschaft, muss der Sinn, der ihm verlustig gegangen ist, jenseits davon liegen. Es wäre daher nicht zu weit gegriffen, zu behaupten, dass es eben der Moment der Hoffnung auf ein menschliches Leben, d.h. ein Leben als sich seiner bewusst gewordenes Individuum ist, der bei der Depression abhanden kommt bzw. dessen totale Unvereinbarkeit mit dem Bestehenden dem Depressiven vom Vorbewussten ins Bewusstsein drängt. Aber statt zu einer kritischen Reflexion bleibt die Erkenntnis über den Widerspruch von Individuum und Warengesellschaft blind und perpetuiert so, was sie zu erkennen vorgibt. Obschon es mitnichten so ist, dass das Subjekt Totengräber des Individuums sein muss, schaufelt der Depressive nahezu lustvoll das eigene Grab und verdrängt die eigenen Möglichkeiten durch die stetige Behauptung ihrer Unmöglichkeit. Genüsslich wird die „großartige Ichverarmung“ (S. 200) zelebriert, während man sich selbst ganz mit dem Subjekt identifiziert, das einzig den gesellschaftlichen Anforderungen genügen soll. So ergeht es dem Depressiven wie dem verschmähte Liebhaber, der sich mit seiner ehemaligen Geliebten identifiziert und sein Ich masochistisch hintenanstellt, um am Eigenen lustvoll zu exorzieren, was eigentlich an Sadismus gegen die ehemalige Geliebte gerichtet ist. Der Depressive hasst die Gesellschaft, der er sich als Subjekt verschreibt, aber er kanalisiert diesen Hass, indem er ihn in totaler Identifikation mit der vorgegebenen Rolle gegen sich richtet. Der eigentliche Verlust, d.h. der Verlust der Hoffnung darauf, eines Tages doch als Individuum nach den eigenen Bedürfnissen und Wünschen zu leben, wird dabei negiert und aus dem Bewusstsein getilgt.1

Es bleibt für den Depressiven das diffuse Gefühl, durch das eigene Handeln den Untergang des Ich erst besiegelt zu haben. Ein Gefühl, welches sich in Schuldgefühle wandelt, die, da der Verlust dem Bewusstsein versperrt ist, auf das Versagen gegenüber den gesellschaftlichen Anforderungen bezogen werden. Nicht die selbstauferlegte Versagung eines bewussten Lebens wird sich schamvoll eingestanden, sondern dass die eigene Optimierung für die Warengesellschaft nicht zur Genüge vollzogen werden kann, erscheint scham- und schuldbesetzt. Die Depression richtet sich so zweifach gegen den Menschen, einerseits indem sie ihm seine Hoffnungen verschütten, andererseits indem sie ihn unter den gegebenen Bedingungen zur Identifikation mit dem Bestehenden drängt.

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Freud, Sigmund. Trauer und Melancholie. Studienausgabe Band 3. S. Fischer. FFM. 1975

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  1. Dass es gerade das Sujet des individuellen und genussfreudigen Subjekt ist, das seit Jahren die Werbeindustrie dominiert und mittlerweile durch alle Klassen als Zielorientierung bei der Lebensplanung genannt wird, zeigt wie wenig die Hoffnung auf Individualität allgemein noch besteht und wie umfassend sie durch Phrasen abgelöst wurde. [back]


Exhibition Rudi Weissenstein July 3, 2015 | 10:31 am

Im Leipziger Hauptbahnhof ist noch bis diesen Sonntag (05. Juli 2015) in der mittleren Etage eine Fotoausstellung von Rudi Weissenstein zu sehen, der Zeit seines Lebens mit der Kamera unterwegs war und ein einzigartiges Fotoarchiv schuf. Auf den Bildern sind alltägliche Szenen – Arbeiter, Konzertaufführung, Stadtaufnahmen und Landschaften des jüdischen Palästina vor und nach der Gründung des Staates Israel zu sehen.
mosha_magdiel1946-rudi_weissenstein_“Jugendliche im Moshav Magdiel. In dem Moshav war ein Heim für junge Überlebende der Shoa untergebracht. 1946″ 

Seit letztem Wochenende gab und gibt es noch bis zum Sonntag einige weitere Veranstaltungen in Zusammenhang mit der jüdischen Woche in Leipzig. Mehrere Ausstellungen haben auch längere Laufzeiten.


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»Ihr sollt nie mehr heimatlos sein« July 1, 2015 | 10:15 pm

Die Einwanderung von Juden in den jüdischen Staat ist auf dem höchsten Stand seit 2002. Die meisten kommen dabei zurzeit aus Frankreich. Viel Arbeit für die Jewish Agency, die seit jeher die Immigration organisiert und den Neuankömmlingen bei der Integration hilft.

Im koscheren Pariser Supermarkt »Hyper Cacher«, den der Islamist Amedy Coulibaly überfiel, um dort vier Juden zu ermorden, deutet rein äußerlich nicht mehr viel auf die Attentate vom 7. Januar dieses Jahres hin. Die Spuren des Terrors wurden beseitigt, die Schäden behoben, die Kunden tätigen wieder ihre Einkäufe, insbesondere am Freitag, vor dem Schabbat. Doch die Normalität ist nur scheinbar zurückgekehrt. Der Betreiber des Geschäfts, Patrice Oualid, hatte schon kurz nach dem Anschlag gesagt: »Ich habe nur knapp überlebt, so viele meiner Angestellten und Kunden sind getötet worden. Ich kann nicht länger in Paris bleiben, sondern werde nach Israel gehen.« Bereits vor den Morden hatte der Besitzer und Gründe der Supermarktkette, Michel Emsalem, seine Anteile verkauft, weil die Kundschaft rückläufig war und die Umsätze einbrachen. Das war nicht zuletzt eine Folge der immer stärker zunehmenden Auswanderung französischer Juden. Auch Emsalems Frau und seine beiden Töchter leben nicht mehr in Frankreich, sie sind im vergangenen Jahr nach New York gezogen.

Denn der Antisemitismus in Frankreich, vor allem der islamistisch motivierte, nimmt seit Jahren dramatisch zu. Nach Angaben des französischen Innenministeriums ist mittlerweile von allen als rassistisch eingestuften Taten knapp die Hälfte gegen Juden gerichtet. Manche davon enden sogar tödlich. »Wir befinden uns in einer Kriegssituation«, erklärte Roger Cukierman, der Vorsitzende des Repräsentativen Rats der Jüdischen Institutionen Frankreichs (Crif), nach dem Anschlag in Paris. Er respektiere daher alle, die sich nicht länger Anfeindungen und Gewalt aussetzen wollten und nach Israel auswanderten. Der Polizeischutz für jüdische Einrichtungen in Frankreich wurde zwar inzwischen deutlich intensiviert. Doch es ist fraglich, ob sich der Wegzug französischer Juden noch stoppen lässt. Nach Angaben der Jewish Agency for Israel und des Integrationsministeriums in Jerusalem wanderten allein im vergangenen Jahr 6.658 von ihnen in den jüdischen Staat aus – dreimal so viele wie 2013 und mehr als aus jedem anderen Land. Gar mit über 10.000 wird in diesem Jahr gerechnet.


Wie die Alija organisiert wird

Ihre Übersiedlung organisiert die Jewish Agency, die offizielle Einwanderungsorganisation des Staates Israel. Am 11. August 1929 gegründet, war sie ursprünglich die Vertretung der Juden im britischen Mandatsgebiet Palästina und regelte die internen Angelegenheiten des Jischuw, etwa die Immigration, den Bau von Städten, Dörfern und Kibbuzim, das Erziehungs- und das Gesundheitswesen. Seit der israelischen Staatsgründung ist die Jewish Agency zuvorderst für die Einwanderung verantwortlich. Konkret heißt das: Sie motiviert Juden zur Immigration nach Israel, ermöglicht die Einreise, bezahlt das Flugticket und hilft den Neubürgern bei der Job- und Wohnungssuche. Der Hauptsitz der Jewish Agency, die sich seit jeher aus Spenden finanziert, ist in Jerusalem, außerdem unterhält die Organisation mehrere Aufnahmezentren, in denen Neuankömmlinge für eine Weile unterkommen können. In über 80 Ländern ist sie mit Büros vertreten, um schon vor Ort Auswanderungswilligen helfen und deren Immigration nach Israel vorbereiten zu können. Ihr Leiter ist seit 2009 Natan Scharanski, ein früherer sowjetischer Dissident, der neun Jahre im Gulag verbringen musste und 1986 nach Israel emigrierte.

»Alija« wird die Einwanderung im Hebräischen genannt, wörtlich übersetzt heißt das »Aufstieg« ins Heilige Land. Mehr als drei Millionen Juden hat die Jewish Agency seit der Gründung des Staates im Jahr 1948 nach Israel gebracht, darunter 90.000 aus Äthiopien – die letzten 450 in diesem Land verbliebenen Juden kamen im August 2013 – und sogar über eine Million aus den Ländern der ehemaligen Sowjetunion. Nach dem Rückkehrgesetz von 1950 – dem ersten Gesetz, das vom israelischen Parlament, der Knesset, nach der Staatsgründung verabschiedet wurde – haben weltweit alle, deren Mutter, Vater, Großmutter oder Großvater Jude ist beziehungsweise war, das Recht, mit ihrer Partnerin oder ihrem Partner und den Kindern »Alija zu machen«, also nach Israel einzuwandern. »Die Nazis haben jeden verfolgt, der eine jüdische Oma und einen jüdischen Opa hatte«, sagt Natan Scharanski, »also lädt Israel jeden ein, auf den das zutrifft«. Für Einwanderungswillige hat die Jewish Agency ein Callcenter eingerichtet, das telefonisch kostenlos in neun Sprachen Fragen beantwortet, berät und Tipps gibt.


Zusätzliche Hilfsprogramme

In das noch junge Israel brachte die Einwanderungsorganisation vor allem Überlebende der Shoa und jüdische Flüchtlinge aus arabischen Ländern. Dreieinhalb Jahre nach der Proklamation waren 700.000 Immigranten aufgenommen worden, das waren mehr Menschen, als der jüdische Staat bei seiner Gründung Einwohner hatte. Zwischen 1984 und 1992 wurden in drei großen Operationen Tausende äthiopische Juden nach Israel ausgeflogen, nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion war die Leistung bei der Organisation der Einwanderung und der Integration der Immigranten noch größer. In den 1990er Jahren hatte der jüdische Staat, gemessen an seiner Bevölkerungszahl, die höchste Einwanderungsquote weltweit. Das Rückkehrgesetz wird in Israel nur von ganz wenigen in Frage gestellt, in vergleichsweise ruhigen Zeiten werden allerdings schon einmal Stimmen laut, die die Auflösung der Jewish Agency fordern, weil das Land keinen Zuzug mehr benötige, um seine Existenz zu sichern. »Die Tore sollten weiter offen bleiben für alle Juden, doch mit den Bemühungen, Menschen zur Einwanderung zu überreden, sollte man aufhören«, war beispielsweise im Frühjahr 2008 in der Tageszeitung Haaretz zu lesen. Es gebe auf der Welt schließlich kaum noch Juden, die in echter Gefahr leben.

Eine Einschätzung, die sich als Trugschluss erweisen sollte. Im Jahr 2014 wanderten mehr als 26.500 Juden nach Israel ein, 32 Prozent mehr als im Jahr zuvor und so viele wie seit 2002 nicht. Die meisten Immigranten kamen aus Frankreich und der Ukraine. Das israelische Kabinett legte nach den Attentaten in Frankreich und dem Mordanschlag auf den Wachmann einer Synagoge in Kopenhagen ein zusätzliches Hilfsprogramm für Neueinwanderer in Höhe von 40 Millionen Euro auf. Premierminister Benjamin Netanjahu wiederholte seinen Appell an die in Europa lebenden Juden, nach Israel zu kommen. Ursprünglich war der zusätzliche finanzielle Bedarf vom zuständigen Ministerium sogar auf rund 200 Millionen Euro taxiert worden. Das neue Programm sieht vor, den Hebräischunterricht bereits in den Herkunftsländern auszubauen und die Anerkennung von ausländischen Qualifikationen, vor allem in den technischen Berufen, zu beschleunigen. Die Jewish Agency und die Regierung geben den Einwanderern für die Anfangszeit in Israel traditionell einen »Aufnahmekorb« an die Hand, der beispielsweise Mietzuschüsse und einen kostenlosen sechsmonatigen Intensivkurs in Hebräisch beinhaltet. Die Immigranten bekommen außerdem Unterstützung bei der Arbeitssuche und günstige Darlehen für den Wohnungskauf.


Probleme und Fortschritte

Dass die Eingliederung der Zuwanderer nicht immer reibungslos vonstattengeht, liegt angesichts ihrer Vielzahl und Verschiedenheit auf der Hand. Auch deshalb wurde das Zusatzprogramm beschlossen. Die Nachfrage wohlhabender französischer Immigranten nach Wohnraum etwa sorgt vor allem in den Städten und an der Mittelmeerküste für einen Anstieg der Immobilienpreise, während sich in anderen Teilen des Landes die Wohnungsnot verschärft. Die aus Frankreich eingewanderten Juden stehen zudem vor einer Sprachbarriere: Französisch wird in Israel kaum gesprochen, und längst nicht alle können sich so lange auf Englisch verständigen, bis sie die hebräische Sprache gut genug beherrschen. Die Anerkennung ihrer Schul- und Berufsabschlüsse ist eine zähe Angelegenheit, trotzdem tun sie sich auf dem Arbeitsmarkt angesichts ihrer zumeist guten Qualifikation begreiflicherweise leichter als beispielsweise die Immigranten aus Äthiopien.

Diese kämpfen zudem mit einem weiteren Problem, nämlich der Diskriminierung in Beruf und Alltag. Unter ihnen rumorte es deshalb schon länger, Anfang Mai eskalierte die Situation schließlich. Auslöser war ein Video, das zeigt, wie Polizisten den äthiopischstämmigen israelischen Soldaten Damas Pakedeh misshandeln. Es kam zu massiven Protesten und im Zuge dessen zu schweren Zusammenstößen mit der Polizei, zahlreiche Verletzte und Festnahmen waren die Folge. »Wir haben Fehler gemacht«, sagte Staatspräsident Reuven Rivlin, »wir haben nicht genau genug hingesehen und nicht genau genug zugehört«. Die Proteste hätten gezeigt, dass es »im Herzen der israelischen Gesellschaft« eine »offene Wunde« gebe. Premierminister Netanjahu lud Pakedeh persönlich in sein Büro ein und versicherte ihm, von dem Video »absolut erschüttert« zu sein. »Wir akzeptieren so etwas nicht. Die Polizei kümmert sich darum, und wir arbeiten daran, die Lage zu ändern«, sagte er laut Medienberichten zu dem Soldaten.

Verbessert hat der israelische Staat dagegen die Situation einer anderen Bevölkerungsgruppe, nämlich durch eine weitere Liberalisierung des Einwanderungsrechts: Seit August des vergangenen Jahres können auch nichtjüdische Ehepartner homosexueller Einwanderer nach Israel übersiedeln und die Staatsangehörigkeit erhalten. »Israels Türen werden für jeden Juden und seine Familie offenstehen, ohne jede Diskriminierung seines Lebensstils«, sagte der damalige Innenminister Gideon Saar. Natan Scharanski schloss sich an: »Israel ist auf der Alija aufgebaut. Dieser Staat hat den Juden ein unumstößliches Versprechen gegeben: Ihr sollt nie mehr heimatlos sein.«


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biji kurdische schnulzen July 1, 2015 | 05:27 pm


Vortrag mit Marius Mocker am 3. Juli in Berlin: „Antisemiten aller Länder…“ – der Hass auf Israel als Schnittpunkt von linkem und gesamtgesellschaftlichem Antisemitismus in Europa July 1, 2015 | 09:24 am

Am 10.07.2015 marschiert wie in jedem Jahr ein buntes Häufchen aus Islamisten, Verschwörungsideologen, der sog. „Israelkritik“ verpflichteten Marxisten-Leninisten und anderer Antisemiten in Berlin unter dem Banner des 1979 vom iranischen Ayatollah Khomeini ausgerufenen „Al Quds-Tags“ auf, um gemeinsam die „Befreiung“ von Al Quds (arab.: Jerusalem) zu fordern. Man kann die Aktivitäten um diese Demonstration getrost als einen jährlichen Treffpunkt des harten Kerns jener Querfront bezeichnen, die an der Organisation und Durchführung der antisemitischen Aufmärsche im Sommer letzten Jahres federführend beteiligt war. Mit der Mobilisierung gegen angebliche israelische Kriegsverbrechen erreichte die zumindest operative Zusammenarbeit zwischen linken und islamistischen Antisemiten hierzulande einen ihrer Höhepunkte in den letzten Jahren.

Vortrag mit Alex Feuerherdt am 3. Juli in Düsseldorf: Das unheilbar gute Gewissen – Vom Antisemitismus in der Linken July 1, 2015 | 09:09 am

Der »Antizionismus«, der in früheren Jahren vor allem »antiimperialistische« Gruppierungen kennzeichnete (und mit dem selbst Taten wie der versuchte Anschlag auf das jüdische Gemeindehaus in Berlin 1969 oder die Selektion der jüdischen Passagiere von den nichtjüdischen im Rahmen einer Flugzeugentführung 1976 gerechtfertigt wurden) ist längst zum gesellschaftlichen Mainstream geworden – im Zuge jener »Vergangenheitsbewältigung«, mit der die Deutschen sich selbst bescheinigen, geläutert zu sein. Um die von den Nazis ermordeten Juden trauert man – gegenüber den lebenden jedoch, die Israel, das Refugium vor dem weltweiten Judenhass, in Wort und Tat verteidigen, empfindet man keine Empathie, ganz im Gegenteil. Woher aber kommt der linke Antisemitismus, historisch wie aktuell? Wie erklärt sich die Verve der linken »Israelkritik«? Und welche Bedürfnisse kommen in der traditionellen linken Packelei mit den übelsten Feinden des jüdischen Staates zum Ausdruck?

Gegen den Kampftag der antisemitischen Internationale! – Mobilisierungsveranstaltung June 30, 2015 | 09:24 pm

Am 11. Juli 2015 werden sich in Berlin wieder tausende Antisemiten einfinden, um ihre Vernichtungsgebärden gegenüber Israel beim al-Quds-Tag auf die Straße zu tragen. Veranstalter der Demonstration ist die „Quds AG“ um Hauptredner und Verschwörungsideologen Jürgen Grassmann, der auch schon für die Occupy-Bewegung sprach. Der alljährlich stattfindende antisemitische Aufmarsch wurde erstmals vom islamischen Revolutionsführer Ayatollah Ruhollah Chomeini zur Rückeroberung Jerusalems und Vernichtung Israels ausgerufen. Die Berliner Demonstration ist somit Teil dieses reaktionären Kampftags und fungiert als verbindender Kitt zwischen den unterschiedlichsten politischen Strömungen. Grund genug also, nicht in Passivität zu verharren, sondern dem antisemitischen Wahn aktiv etwas entgegen zusetzen. Die Mobilisierungsveranstaltung wird sich inhaltlich mit dem al-Quds-Tag beschäftigen. Zudem werden die geplanten Gegenaktivitäten vorgestellt und über die Anreisemöglichkeiten informiert.

Mittwoch, 30. Juni 2015, 20 Uhr, UJZ Korn

Sich fügen, heißt Lügen.. June 30, 2015 | 08:09 pm

Unserer mehrteiligen Reihe über den Anarchisten, Schriftsteller, Bohemien, Revolutionär, Initiator und Mitglied der Münchner Räterepublik Erich Mühsam kann eine weitere Sendung hinzugefügt werden: Das Hamburger Duo „Sokugayu“ hat Mühsam vertont und wurde (2007) von Sylvia Necker (FSK Hamburg) interviewt. Hier der Link zur Sendung.

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Och, mal wieder auflegen (aka endlich zur Lieblingsmusik laut… June 30, 2015 | 06:01 pm



Och, mal wieder auflegen (aka endlich zur Lieblingsmusik laut aufgedreht tnazen) wäre auch nice. Call me maybe, ich bin für alles zu haben, quasi. Outch.

Wadi-Newsletter Juli 2015 June 30, 2015 | 03:03 pm

Liebe Freunde und Freundinnen von WADI,

seit fast 10 Jahren engagiert sich WADI gegen weibliche Genitalverstümmelung in Irakisch-Kurdistan. Seit drei Jahren haben wir mit unserer Kampagne Stop FGM Middle East gemeinsam mit Hivos den Kampf gegen diese Menschrechtsverletzung in anderen asiatischen Ländern aufgenommen.

Im Nachbarland Iran laufen inzwischen zahlreiche Aktivitäten. Laut einer aktuellen Studie sind in den Provinzen West Azerbaijan, Kurdistan, Kermanshah and Hormozgan 40-60% der Frauen genital verstümmelt.

Wir haben die Veröffentlichung der Studie zum Anlass genommen, die UN aufzufordern, endlich Iran auf die Karte der von Genitalverstümmelung betroffenen Länder zu setzen.

Presseerklärung: FGM in Iran needs to be put on international agenda

Unsere Erklärung wurde von mehreren internationalen Medien aufgegriffen, die auch über einige einzigartige Projekte im Iran berichteten, etwa vom Weekly Standard: Confronting FGM in Iran and Iraqi Kurdistan

 

 

Im Irak konnten wir im vergangenen Jahr dank der Unterstützung von UNICEF Mitarbeiterinnen für sechs weitere Mobile Teams schulen.Diese Teams klären nun in allen Gebieten der autonomen Region Kurdistan über die Gefahren von weiblicher Genitalverstümmelung auf.

Eine Mitarbeiterin der Teams hat einen erschreckenden Bericht über ihre Arbeit verfasst. Wenn sie mit den Dorfbewohnerinnen über Genitalverstümmelung redet, erfährt sie von prügelnden Ehemännern,   gedemütigten Frauen und jungen Mädchen, die gegen ihren Willen mit alten Männern verheiratet werden, weil sie es wagten sich zu verlieben. Lesen Sie den Bericht „We need a great revolution for women“ von unserer Mitarbeiterin Kurdistan Rasul.

Kurdistan Rasul hat kürzlich auch einen Mullah besucht, der zuvor die Vorzüge der weiblichen Genitalverstümmelung gepriesen hatte.
Sie konnte ihn überzeugen, sich künftig an die Gesetze in der Autonomen Region Kurdistan zu halten und seine Ansichten darüber in Zukunft für sich zu behalten.
Lesen Sie den Bericht über ihren Besuch hier.

In der kurdischen Region des Iran hat gerade ein Pilot-Projekt begonnen, wo auch Ehemänner in die Arbeit einbezogen werden. Osman Mahmoudi und seine Frau Elham Huseini bieten in ihrem Familienberatungszentrum in Javanrod Paartherapie für Opfer von Genitalverstümmelung an. Osman erläutert: “Viele Männer wollen heute eine partnerschaftliche Beziehung. Es zehrt an ihnen, wenn sie sehen, dass ihre Partnerin beim Sex unglücklich ist.” Dieses Projekt adressiert in besonderer Weise Fragen von Gleichberechtigung und Partnerschaft in einer Gesellschaft im Umbruch.

Für dieses Projekt brauchen wir dringend Unterstützung durch private Spender. Denn viele der großen Geldgeber unterstützen im Iran keine Projekte, egal um was es geht. Wenn Sie Osmans und Elhams Beratungszentrum unterstützen wollen, spenden Sie bitte hier.

Auch die Medien im Iran haben angefangen über weibliche Genitalverstümmelung zu berichten. Einen entscheidenden Beitrag zur Eröffnung der Debatte leistete Radio Farda (Persisches Programm von Radio Free Europe/ Radio Liberty). Die Journalistin Roya Karimi erhielt für die Sendung “Tradition der Klinge” vergangene Woche die Gold Trophäe bei den New York Festival International Radio Program Awards in der Kategorie “Best Magazine Format”.

Wir gratulieren Roya Karimi und danken ihr für ihre großartige Arbeit!

Langfristige Entwicklung und Verbesserung der Verhältnisse erfordert Ausdauer und gute Kenntnisse der Situation vor Ort. WADI arbeitet seit 1992 in Irakisch-Kurdistan und anderen Ländern im Nahen Osten gemeinsam mit Partnern, die sich eigenverantwortlich für ihre Rechte und eine bessere Zukunft einsetzen.

Bitte helfen Sie uns dabei.

Mit herzlichen Grüßen,

Ihre Hannah Wettig

WADI ist seit 1992 im Nahen Osten aktiv. Wir arbeiten mit minimalem organisatorischem Aufwand und mit Hilfe ehrenamtlicher Helfer. WADI ist ein anerkannt gemeinnütziger Verein und berechtigt steuerlich relevante Zuwendungsbescheinigungen auszustellen.

Spendenkonto WADI e.V.
IBAN: DE43500100600612305602? | BIC: PBNKDEFF | Postbank Frankfurt
Konto: 612 305 602 ? | ? BLZ: 500 100 60

Der Despotismus der Freiheit June 30, 2015 | 08:33 am

Über revolutionäre Moral und das Glück des Einzelnen in Georg Büchners „Dantons Tod“

Vortrag und Diskussion mit Sebastian Tränkle

Freitag, 10. Juli 2015, 19.30 Uhr, Stuttgart                                                                      auf dem Contain‘t-Gelände, Güterstr. 10, 70372 Stuttgart-Bad Cannstatt

In Georg Büchners Dantons Tod (1835) wird ein zentrales Problem aller revolutionären Politik dramatisiert: Der Konflikt zwischen Moralprinzipien, die zur Legitimation ihrer Maßnahmen dienen und dem Glücksstreben der einzelnen Individuen. Büchners Drama – in der Sprache so unerhört modern, dass man bisweilen meinen möchte, es nehme Brecht vorweg – seziert in geradezu ideologiekritischer Manier die jakobinischen Moralvorstellungen und ihre blutigen Konsequenzen. Aus der historischen Rückschau lässt das zur terroristischen Endzeit der Französischen Revolution situierte Stück gar Fluchtlinien hin zum Großen Terror des Stalinismus erkennen. Vor dem Hintergrund der beiden historischen Erfahrungen wird die Fragwürdigkeit politischer Moral deutlich. Mit einem Seitenblick auf Oscar Wilde soll ihr schließlich eine materialistische Absage erteilt werden: Dort wo nur für »die Sache« gekämpft wird, statt für das eigene Glück, ist die Revolution schon an den Revolutionären gescheitert; oder: wo der Glücksanspruch des Einzelnen umstandslos der Durchsetzung allgemeiner Prinzipien geopfert wird, führt sich jeder Versuch zur Befreiung selbst ad absurdum. Von Sebastian Tränkle ist ein Aufsatz zum Thema erschienen: »Polizeisoldat des Himmels. Über revolutionäre Moral und die Negation des individuellen Glücksanspruchs«, in: Hendrik Wallat (Hg.), Gewalt und Moral. Eine Diskussion der Dialektik der Befreiung, Münster: Unrast 2014. Der Vortrag möchte mit dem Essay auch das Buch vorstellen.

Sebastian Tränkle ist u. a. als freier Autor tätig und lebt in Berlin.

Eine Veranstaltung von Contain’t und Emanzipation und Frieden