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beitrag von BEATPUNK WEBZINE

Franz Baermann Steiner

»Wie friedlich, freundlich, voll von Menschenliebe ist doch die Anschauung, daß alle Menschen, alle Herzen und Denksysteme, alle Kulturen und Völker etwas gemeinsam haben, daß wir für das Wesentliche halten und stärken sollen! Die Behauptung dieses Gemeinsamen ist sinnlos ohne die folgende Aufforderung, es zu stärken. Gestärkt, vergrößert kann dies ’Gemeinsame’ nur werden auf Kosten eines Nichtgemeinsamen. So verbindet sich diese menschenfreundlichste aller Betrachtungen mit Einmischung, Überredung und alldem, was man Bekehrung nennt. Überredung und Bekehrung sind die mildesten Formen der Unterdrückung eines Typus durch einen andren, politische Verfolgung, physische Gewaltantwendung die härtesten. Nun geschieht immer dasselbe, seltsame: daß Menschen, die eine friedliche Ordnung wünschen und ein Ende der rohen Gewalt, dieses Ziel mit Hilfe des ’Allmenschlichen’ des zu stärkenden Allen Gemeinsamen erreichen wollen und also den Weg der Gewalt selbst in die Wege leiten.
Man kann nur das Gegenteil tun. Frieden, Befriedung und Ordnung heisst vor allem, daß wir unsere Unterschiede ehren, sie für das Wesentliche halten; daß wir es als Vergehen an uns und an der ganzen Menschheit betrachten, wenn der unterschiedliche Charakter auch der winzigsten, hilflosen Menschengruppe beeinträchtigt wird. Hören wir endlich einmal auf, die angeblich uns trennenden Unterschiede niederzureissen um eines angeblich beglückenden und verehrenswerten allmenschlich Gemeinsamen willen, beginnen wir das Unterscheidenede zu verehren als etwas im Plane der Schöpfung Vorbereitetes, unübersehbar Wertvolles und gradezu Heiliges, dann, aber nur dann ist der ewige Friede da. Weg mit Überredung, Einigungen, Kongressen, gemeinsamen Absichten! Sie sind der milde Regen, aus denen die Ströme der Kriege schwellen. Weg mit der falschen Humanität! Es muß genügen, daß wir alle Kinder Gottes sind.«

»Was man aus der Tiefe des Seele heraufbefördert, taugt nichts. Dort lebte es unter großem Druck, war darauf eingerichtet auszuhalten, nun an der Oberfläche muß es zerplatzen und Schleim werden, wie die schönen Tiefseetiere. Aber wir können den Dingen der Tiefe eine dopplete Rüstung anverleiben, so daß wir sie unversehrt emporzuziehen vermögen: dann sind sie Gedichte.«

»Beobachten, wie die Kinder hämisch auf‑ und abwippen, wenn sie einander aus der Sicherheit Schmähworte zurufen, die sich reimen: und dann hingehen und nachdenken, wie der Tanz aus dem Ritus entstanden.«

Ethnosoph. Dichter. Orthodoxer Jude. Am 10.Oktober wird in Berlin ein Symposion zur Lyrik Franz Bearmann Steiners stattfinden, der weder mit den vorgeschobenen Bezeichnungen noch mit den obigen Zitaten genügend umrissen werden kann. Im Rahmen der geschätzten Veranstaltungsreihe »Schleusen« wurde ein Sonntagnachmittag mit fünf Referentinnen vorbereitet, dessen Besuch hiermit schwer empfohlen sei. Ebenso wie die Lektüre der Schriften Steiners.

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