Ferne Welten

Reisen gegen Israel

Zwischen dem 23. Juli und dem 30. Juli 2017 fand zum 24. Mal das sogenannte „Farkha Youth Festival“ statt, mit dem die „Palestinian People’s Party“ (PPP) ihren internationalen Anhang gegen Israel mobilisiert. Im kleinen Dorf Farkha, rund 30 Kilometer von Nablus gelegen, begeisterten sich deutsche Teilnehmer_innen, die zuvor in der Bundesrepublik Spenden sammelten, für esoterischen Bioanbau, mordendes Märtyrertum und antisemitische Verschwörungskonstrukte. Reaktionäre Praktiken, die der Emanzipation im Wege stehen, registrierte ein Chronist, dessen Delegation in Farkha mit einem Bäumchen und viel Folklore bedacht wurde, nur am Rande.

Kollekte aus München

In den vergangenen Jahren beteiligten sich Aktivisten wie der Kommunikationswissenschaftler Kerem Schamberger am Jugendfestival der linksnationalistischen Partei, die Kleidungsvorschriften vorschrieb und Israelhass verkündete. Dort traf der für die deutsche Delegation auftretende Blogger alte Bekannte, während er mörderische Angriffe auf „BesatzungssiedlerInnen“ relativierte: „Besonders freue ich mich einen jungen Genossen zu sehen, der die letzten beiden Jahre in israelischen Gefängnissen verbracht hat, da er auf einer Demonstration Soldaten mit Molotow-Cocktails beworfen haben soll“, schrieb Schamberger. Die bezeichnenden Zeilen erschienen in einem linksdeutschen Online-Portal, über das der Stichwortgeber mit seinem Anhang zum diesjährigen Festival mobilisierte.

Erneut lockten „Brigadearbeiten, die auch mal etwas anstrengender sein können“ – und ein absolutes Drogenverbot. Dämonisierungen des israelischen Staates dienten der Mobilisierung, während zugleich „Solidarität mit dem fortschrittlichen palästinensischen Widerstand“ eingefordert wurde. Vor Reisebeginn sammelten Kader eine Kollekte, bei der die anti-israelische Gemeinschaft zu München reichlich spendete. Dass die Gruppierung „rund 4.000,- Euro gesammelt“ hätte, damit „das Festival im gewohnten Umfang stattfinden“ (!) könne, meldete die DKP aus der bayrischen Hauptstadt mit einem gewissen Stolz. Die Einnahmen gingen nach Farkha, um das dortige „Jugendfestival“ der antisemitischen „Volkspartei“ (PPP) zu unterstützen, die sich nationalistischen Inhalten bei leichter ML-Ästhetik verschrieben hat.

Als Teil der PLO partizipiert diese Gruppierung an den unsäglichen Zuständen im Westjordanland. Der Feind bleibt Israel, wobei die PPP eine klassenübergreifende Vereinigung im „Kampf gegen die Besatzung“ fordert. Ihre nationalistische Formierung geht mit antisemitischen Praktiken einher, die vielfach in Europa praktiziert werden. Die Partei betreibt eine auf den BDS-Aktivismus abgestimmte Propaganda, um klassische Praktiken des antisemitischen Mobs zu bewerben. PPP-Kader, die das Festival prägen, bewerben den „Boykott von israelischen Waren“, während dem „politischen Islam“ eine gewisse Berechtigung als Durchlauferhitzer zugesprochen wird. 

Bioanbau und Esoterik

Über eine Struktur, die sich „Die Alternative“ nennt, kooperiert die PPP derzeit mit der „Demokratischen Front zur Befreiung Palästinas“ (DFLP). Deren bekannteste Tat ist das Ma’alot-Massaker, bei dem DFLP-Akteure 31 Menschen in einer israelischen Schule ermordeten. Für die Reisenden aus der Bundesrepublik scheinen solche Verstrickungen recht unerheblich. Davon zeugen aktuelle Erlebnisberichte, die jetzige Erfahrungen der Kader verkünden. Hintergründe zur Partei und ihrer Bündnispolitik fehlen; stattdessen sind Campingromantik und Verschwörungsmythen enthalten. Durch Spenden, Märsche und Ernteeinsätze unterstützte die Brigade die antisemitische Organisation, die das „Festival“ organisiert. Von ihren Erlebnissen berichtet diesmal Max von Beeveren.

Ökologischer Landbau, finanziert durch europäische Gruppierungenerfreute diesen linksdeutschen Camper, der in seinem Reisebericht von der Autarkie des Dorfes träumt: Der mehrteilige Report, der gesellschaftliche Zustände durch Schuldumkehr dem israelischen Staat anlastet, erwähnt das Vorbild der Bioproduktion nur am Rande. Durch den Arbeitseinsatz beteiligte sich seine Brigade an esoterischer Praxis. Sie half bei einem Konzept, das auf Ideen aus dem „portugisischen Tamara“ basiert. „Schon seit 25 Jahren leben Mensch, Natur und Tier dort gemeinsam, um für ein besseres Leben einzustehen“, beschönigt der erste Bericht vom Festival. Dass der Esoteriker Dieter Duhm in seinem „Friedensdorf“ in Tamara tatsächlich esoterische Psycho-Praktiken mit dem Anbau biologischer Lebensmittel kombiniert, erwähnt der Festival-Report nicht.

Frauen deutet dieser Psychologe, der die zum Vorbild erhobenen Strukturen leitet, als „natürliche Anlaufstelle für alle Männer“. Israel macht er unterdessen für weltweite Kriegsgefahren verantwortlich. Duhm, der Standorte seiner Glaubensgemeinschaft als „Akupunkturpunkt des Friedens“ glorifiziert, inspirierte die palästinensischen Linksnationalisten, die sich seit einigen Jahren für den Bioanbau begeistern. Deren Produktion unterstützt die „Arab Agronomists Association“, die aus ideologischen Gründen für die Bioproduktion agitiert. Diese sei notwendig, um „Palästinas Souveränität zu wahren“, erläutert ein zuvorkommender Werbe-ArtikelDen NGO-Ableger flankiert die deutsche Heinrich-Böll-Stiftung, die Veranstaltungen in Farkha unterstützt. Solche ideologischen und organisatorischen Verstrickungen verschweigen die Reiseberichte, die Max von Beeveren für ein K-Gruppen-Portal verfasste.

Mythenbildung einer Brigade

Leser_innen, die sich beim Berichterstatter über das „Jugendfestival“ informieren, erfahren von exotischen Speisen wie Manqosha, süßen Getränken wie Chai-Tee und den ersten Arbeitseinsätzen, bei der in der heißen Sonne die Wände bemalt und Pflanzen gepflegt wurden. Im Stil von Romantikern wie Karl May schwärmt der Berichterstatter, dessen Kitt der Kitsch ist, über den „Sternenhimmel Palästinas“ und die „Schönheit der Natur“. „Dörfer, Täler und Olivenhänge“ erfreuen die Teilnehmenden. Ein künstliches Gebilde, bestehend aus „Mauern, Zäunen, Wachtürmen und Checkpoints“, sorgt unterdessen für Empörung, wobei sich der Chronist alter Bilder bedient, die aus dem Arsenal des gegen Israels gerichteten Antisemitismus stammen.

Der künstliche Staat gegen die autochthonen Bauern: Max von Beeveren erzählt dieses Märchen, das er als Mythos von „Siedlerkolonialismus und Vertreibung“ wiederholt. Der Festival-Teilnehmer halluziniert den „Besatzerstaat“, der für einen „Kolonialisierungsprozess“ durch „Landraub“ verantwortlich sei. Es scheint, als seien die jüdischen Bewohner_innen des israelischen Staates, der auch ein Produkt der Shoa ist, für den reisenden Deutschen unerwünschte Eindringlinge. Sie würden – so die bestürzende Anklage dieses linksdeutschen Delegierten – als „zionistische Siedler*innen eigene Viertel in den bereits bestehenden Viertel unterhalten“.

Für ideologische Unterfütterung solcher Vorstellungen sorgte unterdessen Rami Saleh, der als Referent der NGO „Jerusalem legal aid and human rights centre“ (JLAC) auftrat. Der deutschen Delegation offenbarte dieser Redner einen Plan, den die israelische Regierung angeblich verfolgt. Der Reisebericht erwähnt die vermeintliche Herkunft des „Masterplans 2020“ nur am Rande. Dort ist von einer „Hertzilea Konferenz“ die Rede. Gemeint ist die „Herzliya Conference“, die durch das „Interdisciplinary Center“ in der gleichnamigen israelischen Stadt durchgeführt wird. Dass bei diesem Treffen israelische Politiker_innen, Militärs und Wissenschaftler_innen konferieren, nutzt der moderne Antisemitismus, um die Verabschiedung von Geheimplänen zu konstruieren. 

Weil Saleh und der deutsche Chronist keine Beweise besitzen können, muss es beim Gerücht über die Juden bleiben. Daher munkelt es im Reisebericht, der die Erkenntnisse der Brigade zusammenfasst: „Zwar scheint dieser Plan noch nicht offiziell abgestimmt worden zu sein, die Regierung Israels verfährt jedoch bereits nun nach diesem“. Das Konzept, offenkundiges Produkt der Dämonisierung des israelischen Staates, findet sich heute auf Internetseiten der antisemitischen Internationale. Der Kriegsberichter raunt in seinem Festival-Report gleichfalls vom geheimen Komplott, der angeblich umgesetzt wird. Solche verschwörungsideologische Vorstellungen paaren sich mit Huldigungen antisemitischer Mörder.

Heroisierung und Relativierung

Dem Urlauber gefallen nicht nur „die vielen Malereien auf Häuserwänden“, sondern die vielen „Plakate von Märtyrer*innen“. Lob gibt es für manche gemalte Parolen in Farkha. Werbeversprechen des Patriarchats, das auf angeblicher Dichotomie der Geschlechter basiert, erfreuen beim Flanieren. Zeilen, die die geschlechtliche Teilung der patriarchalen Gesellschaft preisen, begeistern den Reisenden: „Die Frau symbolisiert die eine Hälfte der Gesellschaft. Ohne sie ist die andere Hälfte nicht möglich“, heißt es auf einer Wand in Farkha, die der Reisebericht mit Begeisterung als Zeichen von Emanzipation interpretiert. Im Verlauf seiner Berichterstattung deutet der Chronist weitere Gegebenheiten, die er erlebte.

Dabei erwähnt Beeveren „einige konservative und patriarchale Ansichten“. Er benennt die daraus folgende Praxis, schreibt aber von einem „sehr progressiven Weg“. Mit dieser Entwicklungsprognose verharmlost der Autor die Realitäten im Camp: Die „nach Geschlechtern getrennten Unterkünfte” ergänzte „eine Kleidungsvorschrift (…)”, die “sich gegen zu viel Freizügigkeit (…) richtet“. In Vorjahren, so offenbaren damalige Berichte, existierten bereits frauenfeindliche Kleidungs-, Arbeits- und Schlafvorschriften. Frauen seien zum „großen Teil auf die Küche und das Kochen beschränkt“. Damals dankte die Delegation den Teilnehmerinnen für Speisen, die sie für die Truppen kochten.

Dass der reaktionäre Alltag im Falle der anti-israelischen Rackets zum andauernden Prozess mit fortschrittlichem Charakter verklärt wird, passt zum verharmlosenden Ton der Berichte. Es sei „so, dass sich die Partner*innen in manchen Familien nicht selbst kennenlernen, sondern auf Aufforderung und Vermittlung der Familie zusammengeführt werden. Oft gehört auch noch die Mitgift zu dieser Vorgehensweise“, relativiert ein Festival-Report die Schilderungen familiärer Zwänge. Letztendlich erscheint der Zwang zur herbeigeführten Ehe als harmlose Form einer „familäre Vermittlung“, die der Chronist zudem zum „normalen Ablauf einer Eheschließung“ im sogenannten „Palästina“ macht. 

Lob des Volkstanzes

Dörfliche Zustände, die aus der Verschränktheit von Patriarchat und Antisemitismus resultieren, waren kein Grund, die Solidarität mit den palästinensischen Narodniki zu beenden. Beim „Festival“ erfreuten sich die Delegierten stattdessen an „Konga und Gesang“, während sie „zu traditionellen palästinensischen Stücken“ alte Volkstänze zelebrierten. Bei Ausflüge in die Umgebung fürchtet die deutsche Propagandakompanie derweil die „zionistischen Siedlungen“, die zum künstlichen und zugleich sichtbaren Bestandteil eines geheimen Siedlungsplanes avancieren.

In der israelischen Hauptstadt trafen die Reisenden auf anti-israelische Akteure, die ihnen abenteuerliche Gruselgeschichten über die angebliche Praxis des Judenstaates verkündeten: „Kinder kommen nach der Schule nach Hause und sie können ihr Haus und das ihrer Familie nicht mehr vorfinden, weil es zerstört wurde“, empört sich Max von Beeveren nach dem Besuch eines NGO-Büros in Jerusalem. Das Personal der als „Jerusalem legal aid and human rights centre“ (JLAC) auftretenden Gruppierung versorgte die Teilnehmer_innen mit glaubensbestärkender Zahlenakrobatik. Später verfasst der Urlauber einen Bericht mit Behauptungen, durch die er seine Probleme mit jüdischen Einwohner_innen eindrucksvoll belegt.

„Heute sind es mehr als 200.000 Siedler*innen, die in dem stark arabisch geprägten Ostjerusalem leben. Und es werden mehr“, fürchtet von Beeveren, der den Dämonisierungen der Nichtregierungsorganisation folgt. Als Kriegsberichterstatter, der Partei ergreift, übernimmt er die Angaben einer Gruppierung, die sich der internationalen Boykottkampagne gegen Israel verschrieb. „Brutalität und Sadismus“, der historisch von einmaliger Qualität sei, definiert seine antisemitische NGO als das „wahre Gesicht des Zionismus“. Diese Struktur, die die BDS-Strukturen unterstützt, finanziert sich durch Gelder von Organisationen wie „Brot für die Welt“. Die Bundesrepublik unterstützt die JLAC, die die Brigade mit Israelhass versorgte, ebenfalls durch Finanzhilfen.

Einig gegen Israel

Auf der einen Seite empört sich der Kriegsberichterstatter über Jüdinnen und Juden, die im Osten Jerusalems wohnen, wobei er mit der klassischen Anklage von Künstlichkeit und Konspiration operiert. Auf der anderen Seite relativiert der Erzähler der Brigade patriarchale Zustände und Zwänge, indem er andauernden Fortschritt suggeriert. Positiv scheinen antisemitische Wandgemälde und Brauchtum wie Volkstänze. Biologische Herstellungsprozesse, deren Vorbild eine esoterische Struktur ist, finden viel Lob. Von den finanziellen und ideologischen Verstrickungen der “Volkspartei” schweigen die Camper, die sich stattdessen alter Weltbilder ergaben.

Durch deutsche Institutionen finanzierte NGOs nannten ihnen Zahlen. Mythen vom Geheimplan, den Israel umsetzt, dienten als Begründung für die gefürchteten Siedlungen, deren Kontakt gemieden wurde. Die Solidarität der diesjährigen Brigade, die eine Zwei-Staaten-Lösung „nur einen Teilsieg Palästinas“ nennt, galt mehreren antisemitischen Gruppen. In seinem Reisebericht freut sich der Chronist über eine Begegnung mit seinem namenlosen „Genossen der PFLP“, dessen Gruppierung in Kooperation mit der islamfaschistischen Hamas kürzlich eine israelische Polizistin durch Messerstiche ermordete. Im November 2014 starben vier Rabbis und ein Polizist in einer Synagoge in Jerusalem, als die Mörder der PFLP mit Äxten und Messern zur Tat schritten. Antisemitische Praktiken derartiger Rackets adelt der Berichterstatter, der von „bewaffneten Kampf“ und „Widerstand“ schreibt.

Als Kombattant erneuert Max von Beeveren die historische Parteinahme von Strukturen wie der DKP, die sich schon frühzeitig für anti-israelische Truppen begeisterte. In der bestürzten Rückschau berichtete der Partei-Philosoph Robert Steigerwald beispielsweise von einem verbündeten Fatah-Kader, der ihm auf Reisen im Parteiauftrag ein großes Lob aussprach, „weil wir so viele Juden umgebracht hätten“. Die Reise-Kolportagen aus Farkha, die Max von Beeveren für seine Brigade verfasste, offenbaren die Gespräche mit den antisemitischen Rackets der Gegenwart. Sich mit ihrem „Kampf um Befreiung zu solidarisieren“, sei Motivation für diesen Auslandseinsatz, heißt es in einer abschließenden Erklärung der DKP-München.

Die Praxis der linksdeutschen Truppe – Bündnisgespräche mit Mordbanden, esoterische Produktion von Gemüse und Schulungen durch Mythen – benennt ihr Text nicht. Dass die Organisatoren von „Volkspartei“ und Jugendverband ihnen einen „Baum eingepflanzt“ hätten, der natürlich über die Jahre wachsen und als Symbol für den gemeinsamen weiteren Kampf stehen soll“, erfreut stattdessen diese deutschen Sozialisten. Ihre Brigade-Leitung plant nun den Arbeitseinsatz im kommenden Jahr. Nach neuerlicher Spendensammlung bricht 2018 eine weitere Truppe aus der Bundesrepublik auf, um sich am „Farkha-Jugendfestival“ zu beteiligen.