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Lukács-Jahrbuch 2014/2015 erschienen!

Nicht selten nehmen sich die Publikationen aus Clubs und Gesellschaften, die bestimmten Personen des öffentlichen und intellektuellen Lebens gewidmet sind, wie muffige Huldigungsschriften aus. Über den grünen Klee werden die Bedachten gelobt und jeder Satz und Halbsatz mit einer philologischen Aufmerksamkeit bedacht, als seien die Worte direkt vom Berg Sinai auf die Erde gelangt.

Erfreulicherweise macht das Jahrbuch der Internationalen Georg-Lukács-Gesellschaft davon eine Ausnahme. Statt sich zu beengen auf die (doch umfangreichen Schriften) Lukács’, werden hier auch seine bzw. damit korrellierende Themen aufgegriffen. Im diesjährigen Lukács-Jahrbuch finden sich ein backer’s dozen an Artikeln, die von literatur‑ und philosophiegeschichtlichen Arbeiten (was stand bei Lukács im Regal von Adorno, was hat Adorno von Lukács gelesen), über rezeptionsgeschichtliche Beiträge, hin zu aktuellen gesellschaftlichen, ästhetischen und philosophischen Problemstellungen und Reflexionen.

Diese werden auch mithilfe von durch Lukács geprägter Kategorien aufgegriffen, gedreht, analysiert und weitergesponnen. Hinzuweisen ist auf die bemerkenswerten Beiträge von Timothy Hall, Dirk Braunstein und Simon Duckheim und Veith Selk, sowie die abgedruckten Beiträge der Konferenz »Literatur und Utopie« an der Universität Łódź aus dem Jahr 2012. Neben dem Beitrag von Mitglied der »Budapester Schule« Mihály Vajda liegen jetzt auch die Beiträge von Konstantinos Kavoulakos, Konstanze Schwarzwald, Rüdiger Dannemann und Frank Engster, vor. Da beide, Literatur und Utopie, in Gefahr und durch den Zeitgeist sichtlich angefressen sind, ist es umso wichtiger, beide im emanzipatorischen Sinne zu reklamieren.

Verbreitung sollte auch der von Rüdiger Dannemann, Ágnes Heller und Axel Honneth gezeichnete Aufruf zur Mitarbeit an einem Lukács-Wörterbuch finden. Dies ist wirklich überfällig. Das Lukács-Jahrbuch ist zur Lektüre empfohlen, weil es interessant und anregend ist, internationale Größen der an Lukács und Marx und kritischer Theorie orientierter AutorInnen versammelt – und weil es unterhält!

Lukács 2014/2015, Jahrbuch der Internationalen Lukács-Gesellschaft, 14./15. Jahrgang, Herausgegeben von Rüdiger Dannemann, 286 S., kart., 34,80 €, bestellbar über den Aisthesis Verlag

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