Reflexion

Der Aktivist.

Hauptberuflich erstellt Jürgen Lorenz Simon Programme, zum Beispiel für „Gerolsteiner” und für andere deutsche Konzerne. In seiner Freizeit ist der „webtecc”–Geschäftsführer in der „Occupy-Bewegung” in Bonn aktiv, nicht nur dort hofft er auf „Weltverbesserer” zu treffen, die seine Ideen teilen und „für Frieden, Liebe und echte Demokratie” marschieren. Der Geschäftsführer der kleinen Computer-Klitsche ist immer dabei, wenn die ebenso kleine „Occupy-Bewegung” in Bonn zusammenkommt. Er hat die offizielle Internetseite angemeldet, einen Livestream eingerichtet und Facebook-Seiten erstellt, mit denen die Occupy-Aktivist_innen Vernetzung betreiben. Der Aktivist ist Autor zahlreicher Artikel, Anmelder von Aktionen und Ansprechpartner für die regionalen Provinzblättchen, die sich gerne auf das „Occupy-Mitglied” berufen. „Der Kontrollmechanismus, der hier aufgebaut werden soll, schadet jeder Freiheitsbewegung”, zitierte ihn der „Bonner General-Anzeiger” nach einer Demonstration, gegen die vermeintlichen oder tatsächlichen Übel, die durch ACTA drohen.

Aktion der „Occupy-Bewegung” in Bonn.

Dabei gäbe es ganz andere Zitate, die deutlich machen, in wem Jürgen Lorenz Simon die ein Prozent erkennen möchte, die die „Occupy-Bewegung” für alle tatsächlichen oder vermeintlichen Übel der kapitalistischen Gesellschaft verantwortlich macht. Es sind wenige Menschen, die Jürgen Lorenz Simon zur konstruierten „Elite” zählt. Simon im O-Ton: „Das Problem ist, unsere Feinde sind zum grossen Teil jüdischer Abstammung”. So hetzte der Occupy-Aktivist am 07. April 2012 in einer öffentlichen Diskussionsgruppe der „Occupy-Bewegung”. Dafür gab es auch Zustimmung durch den deutschen Diskussionsmob. Simon erklärte in seinem Beitrag ebenfalls, wer ihn angeblich auf diese antisemitische Wahnidee, die an die nationalsozialistische Propaganda von der angeblichen jüdischen Weltverschwörung anknüpft, gebracht hätte.

Jürgen Lorenz Simon konstruierte hier seinen ganz persönlichen Alibi-Juden: „Wie mir ein Jude Samstag auf einer Occupy-Veranstaltung erklärte, befindet sich die Welt in der Hand des jüdischen Grosskapitals”, erläuterte der Occupy-Aktivist in seiner Tirade, die sich bis heute auf der Internetseite finden lässt. Der umtriebige Aktivist griff also auf die Chiffre zurück, die von antisemitischen Verschwörungsfans gerne benutzt wird und schrieb von „Rothschild”, „Rockefeller und Konsorten”. Für den Geschäftsführer Simon, der auch als eine Art Wortführer der „Occupy-Bewegung” in Bonn in Erscheinung tritt, stellt sich nun eine Frage: Wie „können wir die loswerden”. Er hat über ein Facebook-Frage-Spielchen direkt eine Antwort parat: „Jeden Tag einen Banker erledigen”.

Die meisten Occupy-Aktivist_innen aus Bonn scheinen mit der antisemitischen Hetze des Jürgen Lorenz Simon allerdings kein Problem zu haben. Zwar wurde am 10.04.2012 über die Thematik debattiert, doch es gibt bis heute weder eine Stellungnahme noch eine Abgrenzung vom „webtecc”–Geschäftsführer. Stattdessen beschimpft dieser seine Kritiker_innen als „Gesindel”, die „Hass und Zwietracht” sähen würden. In einem weiteren Diskussionsforum der Occupy-Gruppe aus Bonn, für die Simon als Administrator tätig ist, empfiehlt er die Darbietungen des Querfrontlers Jürgen Elsässer, der „Linke”, „Rechte” und „Religiöse” vereinen möchte.

Die „Occupy-Bewegung” aus Bonn empfiehlt in ihren Flugblättern derweil die Reden des Schauspielers und Rechtspopulisten Carlos A. Gebauer, der unter anderem für die Zeitschrift „Eigentümlich Frei” schreibt, die eng in das Netzwerk der publizistischen Rechten in Deutschland eingebunden ist und die in der Vergangenheit „gegen die Allmacht der Gewerkschaften” mobil machte. Die Aktivist_innen der „Occupy-Bewegung” kommen in Bonn nicht in der örtlichen Nazi-Kaschemme, sondern im DGB-Haus zusammen. Dort planen sie ihre nächsten Aktionen und fürchten sich gemeinsam vor einigen EU-Verordnungen, die sie als „Ermächtigungsgesetze” bezeichnen. Jürgen Lorenz Simon dürfte sich in dieser Gemeinschaft durchaus wohl fühlen, seine antisemitische Hetze gegen die angeblichen „Feinde”, die zum „grossen Teil jüdischer Abstammung” seien, dürfte dort nicht weiter stören.