disclaimer: es handelt sich um einen aggregierten/gespiegelten/archivierten beitrag einer externen website. für die inhalte sind die externen autorInnen verantwortlich.


beitrag von Reflexion

Osteraufmarsch.

Es ist ein altbekanntes deutsches Ritual: Während Kleinbürger_innen ihre Kinder  in den Garten hetzen, um sie Osterhasen und andere Erzeugnisse der Schokoladenindustrie suchen zu lassen, gehen andere Kleinbürger_innen, mit und ohne Kinder, auf die Straße, um für den „Frieden” zu marschieren. Dabei steht oftmals der „Nahe Osten” im Mittelpunkt der Ostermärsche, die am vergangenen Wochenende stattfanden. So heißt es in einem Aufruf der Deutschen Kommunistischen Partei (DKP), dass das „Kriegsgeschrei gegen den Iran immer lauter” werden würde, obwohl es angeblich „keinen wirklichen Beweis” für ein Atomprogramm des iranischen Regimes geben würde. Beflügelt von Günter Grass gingen die deutschen Friedensfreunde in der gesamten Bundesrepublik auf die Straße. Im einer Pressemitteilung des „Bundesausschuss Friedensratschlag” wurde die inhaltliche Linie vorgeben: Dort wurde die unsägliche Behauptung aufgestellt, „dass von der realen Atommacht Israel eine Gefahr für den ‘brüchigen Weltfrieden’ ausgeht”. Die permanente Vernichtungsdrohung durch das iranische Regime, die Israel als „Krebsgeschwür” bezeichnet, das „aus den Annalen der Geschichte getilgt werden” müsse, wurde hier verständlicherweise nicht benannt. Schließlich geht einigen Demonstrant_innen gar nicht um einen pazifistischen Wunsch nach Frieden, sondern darum Israel zu dämonisieren.

Daher wurde auf den Osteraufmärschen der deutschen Friedensfreunde der ausgemachte Gegner klar benannt. In München rezitierte der Schauspieler Jürgen Jung den Wutgesang des Günther Grass, eine Demonstrantin machte mit einem Sandwichplakat ihre Haltung deutlich: „Nicht trotz sondern wegen Ausschwitz! Ich bin für Günther Grass”. „Grass hat Recht”, hieß es auf einem weiteren Plakat. Der ehemalige SS-Mann stand bei den deutschen Friedensfreund_innen hoch im Kurs. In Hamburg waren ähnliche Plakate zu sehen, zusätzlich wehten palästinensische Nationalfahnen neben den Fahnen der Linkspartei. In Bremen durfte Sabine Schiffer mal wieder eine Rede halten. Sie gibt ansonsten dem iranischen Propagandasender „IRIB” ausführliche Interviews und befasst sich mit der Umdeutung des 11. September 2001.

Aufregender verlief der Ostermarsch in Duisburg. Wie jedes Jahr sollte die verschwörungsideologische Band „Die Bandbreite” auftreten, die mit ihren Songs die musikalische Entsprechung zu den Texten der deutschen Friedensfreunde liefert. Die Zustände in Gaza und im Westjordanland werden dort verharmlost. Vom Tugendterror der Hamas, von den ständigen Raketenangriffen auf israelische Städte wird dort geschwiegen. Stattdessen wird „Palästina” als „Paradies im Mittelmeer” gehuldigt. Dabei beruft man sich auf den rechten Verschwörungsideologen Christoph. R. Hörstel, der mit seinen Brandreden ein Jahrhundert der Verschwörungen entwirft, von dem eine „ganz kleine Clique” profitiert hätte. In einem weiteren Lied, das auf den Namen „Was ist los in diesem Land” getauft wurde, wird gegen „verhurte Volksvertreter”, „Bonzen” und den „Zinseszins”, der „nicht von Gott gemacht” sei, angesungen. Im Video zum Lied ist eine Flasche Zyklon B zu sehen, während der Sänger der Band von einem „Völkermord in Afghanistan” singt. In anderen Liedern wendet sich die Band gegen Antifaschist_innen: „Hahaha, Hahaha — Antideutsche Antifa”, heißt es beispielsweise im Lied „Hobbykommunisten”.

„Die Bandbreite” auf dem Ostermarsch (2011).

Mit ihren Inhalten passt die Band auf jeden Ostermarsch, nicht nur in Duisburg. In diesem Jahr gab es allerdings verhaltenen Protest durch die Organisator_innen anderer Ostermärsche. Der „Bahnhof Langendreer”, an dem der Ruhr-Ostermarsch Station machte, distanzierte sich in einer Erklärung, in der man darauf hinwies, dass die Band für „für ihre deutliche Offenheit nach rechts” bekannt sei: „Die Band tritt auf rechten und konservativ-reaktionären Veranstaltungen auf, vertritt extrem krude Verschwörungstheorien, propagiert nationalistische Positionen und kriegt dafür Beifall von rechts. Die Inhalte der Texte sind extrem problematisch und z.T. regelrecht abstoßend: Verschwörungstheorien zu den Terroranschlägen am 11. September 2001, populistischer Anti-Amerikanismus und Geschichtsrevisionismus, NS-Verharmlosung, homophobe Ressentiments, extrem sexistische, frauenfeindliche Inhalte – genug Material, um Gruppen mit einem emanzipatorischen Anliegen zu überzeugen die Band fernzuhalten von linken Events und Aktionen”. Diese Erklärung hat die Organisator_innen in Duisburg allerdings nicht davon abgehalten, der Band ein Podium zu bieten. Auch in diesem Jahr durften die Verschwörungsrapper den Ostermarsch beschallen. Dies sollte nicht überraschen. So wurde auf der offiziellen Internetseite des Ostermarsches im Ruhrgebiet auch ein Programmpunkt beworben, der verschiedene Verschwörungsideologen erfreuen dürfte. Dort war vom „Wetter als Waffe” die Rede. Gemeint sind angebliche „Chemtrails”, mit denen entweder das Wetter oder gar die Bevölkerung vergiftet werden würde.

Die Band „Die Bandbreite” passt also auch zum diesjährigen Ostermarsch im Ruhrgebiet: „Der Auftritt auf dem Ostermarsch war super”, freut sie sich im Nachhinein. Nicht ganz so gut verlief der diesjährige Ostermarsch allerdings für die Aktivist_innen der „Deutschen Friedensgesellschaft — Vereinigte KriegsgegnerInnen” (DFG-VK) aus Duisburg. Diese wurde, weil sich auf ihrer Internetseite auch kritische Texte zur Band finden lassen, vom Ostermarsch ausgeladen. Die Organisator_innen des Duisburger Friedensforums verschickten einen Brief, mit dem ein Aktivist der DFG-VK davor gewarnt wurde, kritische Texte zur Band zu verteilen. „Solltest du Vorhaben, dein Machwerk da zu verteilen, brauchst du deinen Stand gar nicht erst aufzubauen”, heißt es im Brief. Drohend wird dort auf das „Hausrecht” aufmerksam gemacht. Außerdem ist dort von angeblichen „Dunkelmännern” die Rede, die die Auftritte der Band verhindern würden: „Die Dunkelmänner, von denen auch du einer bist, man könnte sie auch für Faschos halten”, hätten vorherige Auftritte der Band verhindern wollen, heißt es in dem Brandbrief, der auf der Seite der DFG-VK veröffentlicht wurde. Das Duisburger „Friedensforum” stellte sich also hinter ihre Band und machte gegen Kritiker_innen mobil, denen mit dem „Hausrecht” gedroht wurde.

So wird die Band auch im wohl auch nächsten Jahr auf dem Ostermarsch in Duisburg auftreten dürfen. Schließlich liefert die „Die Bandbreite” den Soundtrack zum anti-israelischen Spektakel. Vielleicht hat sie bis dahin auch ein Lied über Wetterwaffen produziert, das dann auf der Internetseite des Ruhr-Osteraufmarsches veröffentlicht werden kann.

Friedensaktivist schreibt Friedensaktivist.