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beitrag von bubi zitrone

Das Jahr neigt sich dem Ende, die Gelder müssen raus… deshalb: viele Termine. Hier einige…

Das Jahr neigt sich dem Ende, die Gelder müssen raus… deshalb: viele Termine. Hier einige Empfehlungen.

outside the box #3 – Release 

11.12.2011 um 16:02 Uhr im SUBLAB (Westwerk), Karl-Heine-Straße 93, 04229 Leipzig (Plagwitz)

[106 Seiten] [21,8 × 30,3 cm]

Die Outside the Box # 3 erblickt das Licht der Welt im Sublab. Und darf dann gern adoptiert werden. Sie hört auf den Namen Gebären, und der ist bei ihr Programm. Wir betrachten Gebären als eine Schnittstelle zwischen dem Privaten (oder: als privat geltendem) und dem Politischen, die es aus verschiedenen Perspektiven zu untersuchen gilt.

Der Bericht einer Abtreibung korrespondiert mit der Kulturgeschichte der Gebärmutter… die Reflektion der fremden und eigenen Anforderungen ans Elternwerden oder -sein mit psychoanalytischen Interpretationen von Libido und Fortpflanzugsfunktion… Ein Essay über Mariendarstellungen steht neben der Kritik hexenhafter Weiblichkeitsinszenierungen bei Lars von Trier…

Wir laden herzlich ein zu Sektchen, Schnittchen, Textpröbchen, Filmchen und ausgesuchter Musik.

Es freuen sich prickelnd: Emanzipation und Form O.T. Box

Und für alle Nicht-Leipziger_innen: erstmals wird es im Januar auch eine Releaseveranstaltung in Berlin geben. Weitere Infos dazu folgen.

(weitere Infos)

Das Recht des Kapitals. Einführung in die materialistische Rechtskritik 

13.12. // 19Uhr // Vortrag & Diskussion mit Simon Birnbaum // Jugend- und Kulturzentrum Mon Ami, Goetheplatz 11, Weimar

“Nun wird die Gleichheit selbst zum Fetisch. Die Binde über den Augen der Justizia bedeutet nicht bloß, daß ins Recht nicht eingegriffen werden soll, sondern daß es nicht aus Freiheit stammt” urteilte Adorno einst über das formale Recht als realer Form rationaler Herrschaft unterm Kapital.

Der Vortrag soll einführend die Dialektik der Rechtsform und seiner Träger, der Rechtssubjekte, aus der Perspektive einer kritischen Theorie der Gesellschaft heraus entwickeln.

Die gesellschaftlichen Verkehrsformen unter kapitalistischen Produktionsbedingungen als Beziehungen formal freier Warenbesitzer zueinander zu begreifen, wirft in diesem Sinne die Frage nach der Funktion des modernen bürgerlichen Rechts als einer Absicherung des Status Quo, und seiner Technik als einer Ideologie auf.

Die Garantie der Berechenbarkeit der Austauschprozesse einer warenproduzierenden Konkurrenzökonomie einerseits, der spezifische Schutzmechanismus des bürgerlichen Rechts für die vereinzelten Einzelnen andererseits, sollen in ihrem dialektischen Verhältnis zueinander in Beziehung gesetzt werden.

Candide - oder Hoffen lernen nach Voltaire

13.12. // 19Uhr // Veto -Tromms­dorff­stra­ße 5, Erfurt

Wenige Jahre nachdem der Philosoph Gottfried Wilhelm Leibniz seine grundsätzliche Überlegung publiziert hatte, dass diese Welt, trotz all ihrer Übel, die beste aller möglichen Welten sei, wurde Lissabon von einem verheerenden Erdbeben zerstört, bei dem es zu 100.000 Toten kam. Dieses Ereignis verarbeitete der französische Aufklärer Voltaire in einer seiner bekanntesten Erzählungen »Candide oder der Optimismus«. Der optimistische Protagonist Candide wird in dieser Geschichte mit den grausamsten Übeln der Welt konfrontiert - und kann trotzdem nicht aufhören zu hoffen. Es handelt sich bei dieser Erzählung um einen satirischen Schlag gegen Leibniz und den Optimismus - in ihrer beißenden Ironie ist es eine Anklage gegen vermeidbares Leid und eine Polemik gegen die unkritische Genügsamkeit der Philosophen.

Wir laden zu einem gemütlichen Hörspiel-Abend ins Veto: Nach einer kurzen Einleitung zu Voltaire und dem Verhältnis von Optimismus, Pessimismus und negativem Denken wollen wir eine Hörspielbearbeitung von »Candide oder der Optimismus« hören und anschließend darüber diskutieren.

(Wer nicht hin kann oder mag, kann sich via archive.org das Hörspiel - in vermutlich anderer Version - anhören.)

Mad Men - Anmerkungen zu Triebstruktur und Gesellschaft

14.12. // 19 Uhr // Vortrag und Diskussion mit Roger Behrens // Jugend- und Kulturzentrum Mon Ami, Goetheplatz 11, Weimar

»Mad Men« – so nannte man die Angestellten in jenen Werbeagenturen, die sich in der Nachkriegszeit in der und um die Madison Avenue in New York konzentrierten. 

Hier wurde mit Parolen, Emblemen und Logos Reklame für eine Welt gemacht, die sich selbst durch Konsum, Wohlstand und Überfluss definierte, eine nach wie vor kapitalistische Welt, die nunmehr tendenziell alles in eine Ware verwandelte, in der zunehmend die »technologische Rationalität« den Lifestyle bestimmte: Scheinbar löste jetzt ein liberaler Individualismus die totalitäre Massengesellschaft ab (diese Gegenüberstellung bestimmte jedenfalls alltagsideologisch den Kalten Krieg sowie die allgemeinen antikommunistischen Ressentiments). Kritisch stellt sich dies allerdings keineswegs als freie Entfaltung des Menschen dar; vielmehr resultiert aus diesem Individualismus ein eindimensionaler Mensch (Herbert Marcuse, 1964), ein Pseudoindividuum. Damit schienen die Kategorien Ich, Es und Über-Ich, mit denen die Psychoanalyse die Dynamik zwischen Lustprinzip und Realitätsprinzip darzustellen ersuchte, außer Kraft gesetzt, und die Psychoanalyse selbst veraltet. Gleichwohl passierte genau das Gegenteil: gerade mit der unheimlichen Expansion der Kapitallogik in alle Lebensbereiche kam es zu einem regelrechten Psycho-Boom, verfeinerten sich schließlich auch Zugriffsmöglichkeiten auf das menschliche Bewusstsein als Konsumentenbewusstsein; Wünsche, Gefühle, Begehren, Bedürfnisse etc. werden seither in mannigfaltiger Weise mit den Produktionsverhältnissen und den Produkten permanent rückgekoppelt. Vor diesem Hintergrund versucht der Vortrag, jene These nachzuzeichnen, die Marcuse 1955 in ›Triebstruktur und Gesellschaft‹ formulierte: Dass die philosophischen, psychologischen, psychoanalytischen Theorien vom Menschen in Politik übersetzt werden müssen.

Break Isolation! Die rassistische Isolation der Flüchtlinge durchbrechen - Selbstorganisation stärken 
16.12. // 19 Uhr // Veranstaltung zur Bilanz einer einjährigen Kampagne und möglichen Zukunfsperspektiven in Thüringen // Referenten des Vortrags mit Diskussion: Miloud L Cherif, Clemens Wigger // veto - Trommsdorffstr. 5, Erfurt

Das Break Isolation!-Netzwerk, welches sich in Folge des Karawane-Festivals 2010 als Unterstützungsstruktur des Flüchtlingsnetzwerks The VOICE Refugee Forum in Jena gegründet hat, kann mittlerweile auf mehr als ein Jahr intensive Arbeit in ganz Thüringen zurückblicken. Es wurde die Situation in den isolierenden Flüchtlingslagern dokumentiert, Flüchtlinge in ihren verstärkten Bestrebungen der überregionalen Vernetzung und Austausch unterstützt, dezentrale und zentrale Aktionen organisiert, eine Vielzahl an Berichten in Mainstreammedien sowie unabhängige Text- und Filmproduktionen koordiniert und dauerhafte, dezentrale Solidaritätstrukturen aufgebaut.
Die Schließung des Isolationslagers Gangloffsömmern im Sommer 2011, die politische Bekämpfung von Strafverfolgung und Inhaftierung eines Flüchtlings-aktivisten für die Überschreitung von innerthüringer Landkreisgrenzen oder mehrere Demos mit hunderten Teilnerhmer_innen sollen zunächst als deutliche Erfolge nachvollzogen werden. Ebenso werden aber weiterhin bestehende Schwierigkeiten in Bezug auf das Verhältnis zwischen Eigenständigkeit der Flüchtlingsbewegung und Verantwortung der Solidaritätstrukturen thematisiert und (selbst-) kritisch diskutiert.
In der Veranstaltungen werden konkrete und kontroverse Fragen gestellt und vor dem Hintergrund der gesammelten Erfahrungen von Flüchtlingen und anti-rassistischen Aktivist_innen Antworten gesucht. Ferner werden Überlegungen über das “Wie weiter”, besonders mit dem Bezug zu Erweiterungsmöglichkeiten auf Erfurt und Umgebung, angestrebt. Eine Unterstützung für Flüchtlinge gibt es in verschiedensten Formen - Unterstützung der politischen Emanzipation ist allerdings ein komplexer Anspruch. Diesem werden wir uns stellen.

Die List der Unvernunft. Eine Analyse postmoderner Apologien des islamistischen Terrors

20.12. // 19Uhr // Vortrag und Diskussion mit Philipp Lenhard // Universität Jena, Hörsaal 4 (Carl-Zeiß-Str. 3)

Gemeinhin gilt die Postmoderne als philosophisches Projekt der Vergangenheit. Man sei mittlerweile „viel weiter“, heißt es, wenn Kritik an ihr formuliert wird. Doch kann man sich bei näherer Betrachtung des Eindrucks nicht erwehren, dass hier die immer gleiche Melodie nur unter anderen Titeln variiert wird: eine Gegenaufklärung, die auf den „Tod des Subjekts“ abzielt und darin die objektive Tendenz des Kapitals affirmativ zum Ausdruck bringt. Ob man es nun „Dekonstruktion“, „différance“, „Alterität“, „Zweiheit“, „Diskurs“ oder, wie beim großen Vorbild Heidegger, einfach „Sein“ nennt – immer geht es darum, das Individuum ontologisch zum Verschwinden zu bringen. Diese ideologische Strategie führt postmoderne Philosophen fast automatisch an die Seite politischer Bewegungen, die in aller Konsequenz das, was an den Universitäten gedankenlos als kritische Meinung verkauft wird, in die Tat umsetzen: radikalislamische Gruppen, die den Tod des Subjekts – vor allem, wenn es jüdisch ist – und die Einrichtung einer totalitären Ordnung massiv vorantreiben.

Der Vortrag versucht mit den Mitteln der Ideologiekritik zu erklären, warum die von Theoretikern wie Foucault, Deleuze, Derrida, Badiou, Baudrillard, Agamben, Guattari, Butler u.a. offen ausgesprochene Sympathie für antisemitische Terrorbanden wie Hamas und Hisbollah kein ihrer Philosophie äußerlicher Zufall ist, sondern zutiefst in einer List der Unvernunft gründet, die sich theoretisch wie praktisch in der spätkapitalistischen Gesellschaft realisiert.

Philipp Lenhard ist Autor & Mitherausgeber des Sammelbandes
“Gegenaufklärung – Der postmoderne Beitrag zur Barbarisierung der Gesellschaft”

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Release Broschur: Kunst, Spektakel und Revolution #2

21.12. // 18Uhr // Präsentation der zweiten Broschüre der Reihe “Kunst, Spektakel und Revolution” und Vortrag zu den Konstitutionsbedingungen und der Beschaffenheit revolutionärer Subjektivität // ACC Galerie (Burgplatz), Weimar

Im Jahr 2009 begann die Veranstaltungsreihe »Kunst, Spektakel und Revolution«  als eine Zusammenarbeit zwischen der ACC Galerie Weimar und dem Bildungskollektiv Erfurt. Seither fanden in diesem Rahmen ca. 25 Veranstaltungen statt, die sich auf unterschiedliche Weise mit dem Verhältnis von Ästhetik und Gesellschaftskritik auseinandergesetzt haben. Nachdem wir im Rahmen der Reihe Anfang 2010 bereits eine Publikation mit Texten zum Thema herausgegeben haben, freuen wir uns am 21.12.2011 nun unsere zweite Broschüre präsentieren zu können. Sie enthält sieben Textbeiträge von Tilman Reitz, Christopher Zwi, R.G. Dupius, Clemens Bach, Björn Öllers, Jan C. Watzlawik, Kerstin Stakemeier, Roger Behrens und Magnus Klaue zu den Themen »Charles Fourier und die Avantgarden«, »Lautreamont & Detournement«, »Dandy & Paradoxie«, »Krise und Zerfall des Liberalismus bei Charles Dickens«, »Die Expressionismusdebatte in ihrer Zeit«, »Die Sicherheitsnadel als Gegen-, Wider- und Umstand« und »Die postmoderne Empfindsamkeit«. Um den Abend inhaltlich zu gestalten und noch einmal die Revolution im Titel unserer Veranstaltungsreihe zu unterstreichen, haben wir zwei Menschen von der AG Gesellschaftskritik aus Dresden eingeladen, die über »Proletarität und Revolutionstheorie« referieren werden.

Ankündigungstext zum Vortrag

Das »Proletariat« hat als Chiffre eine lange, unrühmliche Karriere hinter sich. Im »traditionellen Arbeiterbewegungsmarxismus« mit dem historischen Phänotypen des Proleten identifiziert, welcher qua seiner Stellung im Produktionsprozess und seiner moralisch verstandenen Knechtung revolutionäres Bewusstseins spontaneistisch im Klassenkampf entwickeln müsse, oder per se rebellisch jenseits der Fetischisierungen, Mystifizierungen und Naturalisierungen der kapitalistischen Verkehrsformen stünde, hat sich spiegelverkehrt dazu das Gros der Marxisten und Linken enttäuscht vom Proletariat verabschiedet, nachdem dieses nicht seinem »geschichtlichen Beruf« (Marx) nachgekommen ist, sondern sich stattdessen ganz im Gegenteil als das erwiesen hat, als was es im kapitalistischen Produktions und – Verwertungsprozess gesetzt ist: variabler Teil des Kapitals. Seit dem Untergang des sogenannten »Realsozialismus«, sowie der »prolet-arischen« (Franz Neumann) Konterrevolution des Nationalsozialismus und der Shoa schwankt die westliche Linke allgemein und die deutsche insbesondere zwischen einer abgeschmackten Neuauflage der positiven Revolutionstheorie des Traditionsmarxismus, der (wertkritischen) Soziologisierung des Proletariats, einer Ausweitung des »utopische Bilderverbot(s) auch auf die Frage nach dem revolutionären Subjekt« (Ingo Elbe) und dem postmodernistischen »Abschied vom (revolutionären) Subjekt«. Während sich die fortschreitende Akkumulation des Kapitals weiterhin über die extensiv wie intensiv akkumulierende Proletarisierung eines Großteils der Menschheit vollzieht, ist der Begriff von der »Daseinsform, Existenzbestimmung« (Marx) der Proletarität und den Möglichkeiten ihrer Aufhebung in der Dimension revolutionärer Theorie und Praxis verschüttet. Gegen die Arbeitertümelei des Proletkults einerseits und die ihr aufsitzende Abkehr vom Proletariat andererseits wäre Proletarität nicht als Antwort auf die Scheinfrage zu begreifen, ob das Proletariat bereits das revolutionäre Subjekt sei, sondern als eine Voraussetzung des dynamischen Prozesses seiner Subjekt- und Bewusstwerdung zu rekonstruieren, die eine kommunistische Revolution realistisch möglich und denkbar macht. Nur in einer nüchternen Bestimmung der Bedingungen, objektiven Möglichkeiten und Tendenzen einer kommunistischer Vergesellschaftung lassen sich die Formen und der Inhalt revolutionärer Subjektivität als der »Klasse des Bewusstseins« (Lukács) konkretisieren, die sich auf der Höhe der modernen Vergesellschaftung wissenschaftlich über ihre Lebensverhältnisse klar wird und sie praktisch umwälzt. Der Zusammenhang des Proletariats mit einer kommunistischen Revolutionstheorie wäre also in dem konkreten Beantwortungsprozess der Frage zu erschließen, wie diese Revolution beschaffen, was ihre Voraussetzungen, Mittel und Ziele sein könnten.

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