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beitrag von Reflexion

Reflexion vs. Bandbreite:

Das neueste Machwerk der Verschwörungsband „Die Bandbreite“ hat einen ganz besonderen Namen: „Reflexion“ nennt sich das Album. „Reflexion“ , so lautet auch der Name dieser Internetseite, auf der seit mehreren Jahren über die Aktivitäten und Inhalte der Verschwörungscombo berichtet wird. Dies geschieht nicht aufgrund der miesen Schlagerbeats oder der sich nicht reimenden Reime, sondern weil sich mit dieser Band die ideologische Verkommenheit eines Teils der deutschen Linken ganz hervorragend aufzeigen lässt.
Mit dem Erscheinen des neuen Albums „Reflexion“ war es allerdings an der Zeit, eine erneute ausführliche Kritik an dieser Band zu formulieren, die sowohl auf Aufmärschen der Verschwörungsszene als auch auf Veranstaltungen der deutschen Linken, mit ihrem merkwürdigen Liedgut – angesiedelt zwischen deutschem Schlager und noch deutscherem Deutsch-Pop – zu begeistern weiß. Zwar muß mann nicht an jeder Mülltonne schnuppern, aber die Namenswahl des neuesten Albums war für den Autoren dieser Zeilen Anlass genug, eine Kritik über über die Inhalte, Auftritte und Aussagen der Band zu formulieren.
Die Band „Die Bandbreite“ erfreut sich einer großen Beliebtheit im verschwörungsideologischen Milieu, bei einigen Linken und bei vielen Nazis. „Die Bandbreite“, um Marcel „Wojna“ Wojnarowicz und „DJ Torben“ Eckhoff (Alias: Torben Pape), verbreitet vor allem Verschwörungsideologie, zum Beispiel zum 11. September 2001. Außerdem huldigt die Band Deutschland, mit einem ausgesprochen unappetitlichen deutschnationalen WM-Song. Die Band bezeichnet sich „die nächs­te Ge­ne­ra­ti­on des Po­lit-​Pop“.

Marcel Wojnarowicz: Sänger der Band „Die Bandbreite“.

Die Inhalte I: Verschwörungsideologie.
In der Welt von Marcel Wojnarowicz und „DJ Torben“ Pape (s. Foto) haben die USA die Anschläge vom 11. September 2001 selbst verübt, um Kriege führen zu können. „Habt ihr das vielleicht selbst gemacht, den Terror selbst in die Welt gebracht“, lautet die rhetorische Frage im Lied „Selbst Gemacht“ aus dem Jahr 2007, das mehr als 500.000 Mal bei Youtube angeklickt wurde. Auch im Refrain wird auf anti-amerikanische Verschwörungsidelogie zurückgegriffen, mit der die Anschläge vom 11. September 2001 den USA in die Schuhe geschoben werden, was mit dem angeblichen Drang nach Geld und Öl begründet wird. Hier heißt es:

Habt ihr dat vielleicht selbst gemacht?
Habt ihr dabei an dat Geld gedacht?
Habt ihr dafür die eigenen Leute getötet,
weil ihr dat Öl da drüben so dringend benötigt?

Der Angriff der japanischen Armee auf den amerikanischen Flottenstützpunkt in Pearl Harbour im Jahr 1941 wird ebenfalls verschwörungsideologisch umgedeutet. Für diese Attacke, ausgeführt durch die mit Nazi-Deutschland verbündete japanische Armee, wird ebenfalls die USA verantwortlich gemacht und damit ein klassischer Verschwörungsmythos reproduziert. Die USA hätten einen Grund für den Kriegseintritt gegen Nazideutschland und seine Verbündeten benötigt. So heißt es im Lied „Selbst Gemacht“ unter anderem:

Ein anderes Unterfangen,
dat war ziemlich makaber,
eigene Leute geopfert im Massaker von Pearl Harbor,
ja die bösen Japaner, die euch nur dabei halfen,
endlich mit in den zweiten Weltkrieg einzugreifen.

Mit dem Lied „Unter falscher Flagge“ propagiert die Band eine eigentümliche Erklärung für Terrorangriffe. Hier macht die Musik-Gruppe grundsätzlich staatliche Institutionen verantwortlich, die auf diese Art und Weise angbelich Muslime diskreditieren wollen. Im Lied heißt es:

Man baut sich selbst ne Bombe und stellt sie in ein Cafe,
oh je, dat muss ein Moslem gewesen sein.

Mit derartigen Zeilen werden beispielsweise die Selbstmordattentate fanatischer Antisemiten relativiert, die sich in israelischen Cafés in die Luft sprengen, um möglichst viele Juden zu ermorden. In diesem Lied zieht „Die Bandbreite“ außerdem eine Analogie vom Reichstagsbrand 1933 bis zum 6 Tage Krieg 1967. Während Adolf Hitler 1933 „unter unter falscher Flagge den Reichstag“ anzündete, wäre 1967 ein angeblich fingierter Angriff der „Israel Defense Force“ auf ein Spionage-Schiff der USA dafür verantwortlich gewesen, dass diese fast „auf Seite der Israeliten“ gekämpft hätten. So zumindest „Die Bandbreite“:

Adolf Hitler hat schon 33 damit angefangen,
und zündete unter falscher Flagge den Reichstag an,
(…) Es war damals während des Sechs-Tage-Kriegs
Mirage 3 attackierten die USS Liberty
Israelische Torpedoboote schossen auf dat Schiff,
in der Hoffnung, datt et danach auf den Grund des Meeres sinkt.
Der Präsident der USA verbat persönlich die Verteidigung,
beschuldigte Ägypten dann der Tat und wär so eingesprungen,
denn solch Peinigung lassen Amis sich nich bieten
und hätten dann mitgekämpf auf Seite der Israeliten.

Die antisemitischen UNO-Konferenz in Durban im September 2001, bei der Israel als einziges Land explizit erwähnt, für seine „Besatzungspolitik“ verurteilt und „ein generelles Rückkehrrecht für die palästinensischen ‚Flüchtlinge‘“ eingefordert wurde, „für das sich alle Staaten dieses Planeten gefälligst einzusetzen hätten“, verarbeitete „Die Bandbreite“ in dem Lied „Mr. Bush“. Mit diesem Lied aus dem Jahr 2003 wird außerdem ersichtlich, dass die Band sich erst zu den verschwörungsideologischen Positionen entwickeln musste, die sie heute propagiert. Im Lied ist nämlich von „religiösen Todesboten“ die Rede, die das World Trade Center attackierten. „Mr. Bush“ hätte vielleicht davon gewusst. Letztendlich werden die USA und Israel für die Terrortaten verantwortlich gemacht. Im Lied wird sich einfühlsam in die Gefühlslage der Terroristen eingefühlt, deren Antiamerikanismus und Antisemitismus wird ausgeblendet:

Menschen in Krisengebieten,
deren Freunde und Familien bei Massakern verschieden,
denen nur der Glauben geblieben, und so fern ab vom Frieden,
Sie fangen an mit Flugzeugen in unsere Türme zu fliegen.

Als Begründung für diese Gefühlslage wird das Verhalten des amerikanischen und des israelischen Staates herangezogen. Die Ablehnung des israelischen Staates war bereits in diesem Lied eine ideologische Konstante. Im Lied wird sich mit der UN-Konferenz in Durban auseinandergesetzt, bei der sich die amerikanische und israelische Deligation zurückzogen, nachdem sich die Konferenz zu einem anti-israelischen Tribubal entwickelt hatte. De Umstände, die zum Rückzug der israelischen und amerikanischen Delegation geführt hatten, werden verschwiegen. Die mörderischen Taten der antisemitischen Hamas und anderer Terrororganisationen werden ebenfalls ausgeblendet. Im Lied heißt es:

Als die arabischen Staaten gegen Israel klagten,
UN-Konfererenz Rassismus sollte darüber beraten.
Ob der Taten der Israelis im Gazastreifen,
weil Panzer rollen, sie sich an Zivilisten vergreifen.
Doch anstatt daran zu reifen, haben alle begriffen,
datt Angeklagter und sein Partner auf die ganze Sache pfiffen.
So verließen Israelis und der Freund Amerika,
den Verhandlungstisch, ohne datt nur ein Wort gesprochen war.
Und da fragst Du Dich, Mister Bush, wo kommt dieser Hass her?
So krass wien Funkensprüher hinterm Pulverfass, ja!

„Die Bandbreite“ machte sich bereits mit diesem Lied zum deutschen Ankläger gegen die israelische Politik und zum Verteidiger der Staaten, die aufgrund ihres Antisemitismus, an einer Verurteilung Israels arbeiteten.
Auf der anderen Seite positionierte sich die Band mit ihrem Lied „Palästina (Paradies am Mittelmeer)“ aus dem Jahr 2009 vollkommen unkritisch für die palästinensischen Organisationen. Hier betreibt „Die Bandbreite“ eine üble antizionistische Propaganda. Hier wird das anti-israelische Feindbild bedient, das mit einer Heroisierung des palästinensischen „Widerstandes“ einhergeht. „Palästina, Hoffnung vergraben unter Wüstensand, du Paradies am Mittelmeer“, lautet der Refrain dieses Propaganda-Songs. „Hamas zu meiden, war vorher unsere Maxime, jetzt stehen wir da und lauschen Ismail Haniyeh“, einige andere Zeilen, mit denen ein Treffen mit einem Führer der antisemitischen Hamas begeistert geschildert wird.
Im Lied und dem dazugehörigen Video verarbeitete die Band die „Eindrücke des ehemaligen ARD-Korrespondenten Christoph Hörstel“, der heutzutage Brandreden auf den Aufmärschen des Verschwörungsmilieus hält. So zum Beispiel am 10. September 2010 in Karlsruhe. Dort deutete Hörstel die Terrorattacken vom 11. September 2001 als einen „Mas­sen­mord, ver­übt durch ame­ri­ka­ni­sche Dienstel­len“, um. Er berief sich auf seine „Freun­de von Rechts“ und fragte verzweifelt: „Was kann man denn noch tun? Soll man sich an­zün­den vor die­sem Scheiß-​Reichts­tag, in dem so­wie­so nur ab­ge­stimmt wird, was Wa­shing­ton ge­neh­migt?“ Des Weiteren warnte Hörstel, der von der Band „Die Bandbreite“ als „wunderbarer Redner“ vorgestellt wurde, vor „einer ganz kleinen Clique“, die die Welt beherrschen würde.
Die „Palästina“-Huldigung stammt von der CD „Zwangsimpfung“, auf der ebenfalls Verschwörungsideologie im plumpe Reime verpackt wird. So zum Beispiel mit dem Lied „Casino Royal“, in dem „Die Bandbreite“ die angebliche Verschwörung einer „Elite“ besingt, die „im dämmrigen Licht“ über das Schicksal der Welt entscheiden würde. „Die billigen Funkbeats verschlimmern den Eindruck – das ist dann wirklich ganz fürchterlich“, urteilte „Rap.de“.
Ebenfalls fürchterlich ist das Lied „Was ist los in diesem Land“ aus dem Jahr 2010. „Mama weiß nicht mehr wie es weitergeht“, jammert der Frontmann der Band hier. Die Bundesrepublik Deutschland und seine Bewohner_innen werden hier verschwörungsideologisch als „Vasallen der USA“ bezeichnet.

Auftritt auf einem Aufmarsch der Verschwörungsszene (10.09.2011, Karlsruhe).

Inhalte II: Verkürzte Kapitalismuskritik.
In ihrem Lied „Wir können auch anders“ bezeichnet „Die Bandbreite“ den „Neoliberalismus“ als „die Neuform des Faschismus“ und verharmlost auf diese Weise faschistische Regime. Gegen den „Neoliberalismus“ wettert „Die „Bandbreite“ gerne und beweist damit ihre Anschlussfähigkeit für verkürzte Kapitalismus-Kritik aller Art. Hier wird gegen „Bonzen“ angesungen, die „über Leichen“ gehen würden. Die Börse wird nicht als Instrument kapitalistischer Akkumulation erkannt, sondern als „dat Roulette der Fetten“ bezeichnet. Im Lied heißt es:

Denn die Neuform des Faschismus,
heißt heut Neoliberalismus,
losgelöst von Haut und Rasse
triffts die mit Ebbe in der Kasse.
Krass, weil weltweit Menschen verrecken,
Doch wir sind hier, um euch aufzuwecken,
die fetten Heuschrecken aufzuschrecken,
um hab und Gut und unser Haus zu retten.

Mit der Tirade über angebliche „Heuschrecken“, vor denen „Gut und unser Haus“ gerettet werden müsste, outet sich „Die Bandbreite“ als Propagandist eines Diskurses, die in angeblichen „Heuschrecken“ die negativen Eigenschaften des Kapitalismus zusammenfasst. Auf der einen Seite stehen angebliche „Heuschrecken“ und auf der anderen Seite die bürgerliche Kleinststruktur, die verteidigt werden muss: „Blut und Boden“ oder in den Worten der „Bandbreite“: „Gut und unser Haus“. Mit dem Wort „Rasse“ zeigt die Band deutlich auf, dass sie die Menschen in „Rassen“ aufteilt, auch wenn sie eine Kaste von „Bonzen“ konstruiert, die über ihnen stehen würde. Gegen „Bonzen“ und „verhurte Volksvertreter“ richtet sich auch das bereits erwähnte Lied „Was ist los in diesem Land“, in dem eine merkwürdige Zinskritik betrieben wird: „Kapital und Zinsiszins sind nicht von Gott gemacht. Und doch werden wir von den Banken und Bonzen hier damit kaputt gemacht“.

Inhalte III: Pseudosatire.
Auf der anderen Seite versuchte sich die Band immer mal wieder in mehr oder weniger plumper Satire, die oftmals mit Melodien unterlegt sind, die man aus dem Schlager-Bereich kennt. Im Lied „Tötet Knut“ träumte die Band davon den Medienbären Knut zu töten und verbindet diese Phantasie mit merkwürdigen Kastrationsphantasien. Im Lied heißt es unter anderem:

Ja, der kleine Kackbär war schon ziemlich stark zerschnitten
da nahm ich mir die Freiheit ihn von oben anzupissen,
entmannte ihn danach und spielte Golf mit seinen Hoden.

Mit dem Lied „Häng dich auf“ bittet die Band einen Hartz-4 Empfänger Selbstmord zu begehen. Im Refrain heißt es:

Häng dich auf!
Ich schenk dir den Strick dazu!
Häng dich auf!
Ey, Alter, dat schaffst sogar du!
Häng dich auf!
Jeden Tag eine gute Tat!
Häng dich auf!
Et wär die erste in deinem Leben, du Arsch!

Mit dem Lied „Sauerland“ verarbeite die Band die Ereignisse auf der Loveparade 2010, bei der 21 Menschen ums Leben kamen.

Es gibt so viele Städte in unserem schönen Land,
in jedem ist ein Bürger zum Meister benannt.
Man grüßt ihn gerne freundlich und bleibt auch gerne stehen,
nur bei uns in Duisburg ist er nicht gern gesehen.
Unseren Bürgermeister schicken wir ins Sauerland, ins Sau-Sau-Sauerland.

Mit dem Lied versuchte sich „Die Bandbreite“ in Medienprovokation. Das Internetportal „DerWesten.de“ sprang prompt darauf an und berichtete über das Lied, mit dem der Oberbürgermeister verhöhnt werden würde. Das Internetportal urteilte: „Der ‚Duisburg-Assi‘ schunkelt in Feinripp mit“. Mit Liedern wie „Sauerland“ oder „Tötet Knut“ tritt die Band auch auf Schlagerfestivals auf. So zum Beispiel auf dem „Bal­ler­mann“-​Sauf­ge­la­ge „Du­is­burg Total“, das am 4. De­zember 2010 stattfand. Hier trat die Band neben Micha­el Wend­ler und Mi­ckie Krau­se auf und bewies ihre Anpassungsfähigkeit: „Um uns an­zu­pas­sen, wer­den wir dort na­tür­lich unser Schla­ger­ma­te­ri­al aus­gra­ben und so Knal­ler­songs wie Dat is Du­is­burg und Sau­er­land spie­len. So sor­gen wir si­cher­lich für die rich­ti­ge Grund­la­ge für die dann fol­gen­den Me­gastars der Schla­ger­welt wie Olaf Hen­ning, Mi­ckie Krau­se oder Micha­el Wend­ler“.

„Die Bandbreite“: Schlager im Feinripp.

Inhalte IV: Eine Ode an Deutschland.
Ihre Liebe zu Deutschland bewies „Die Bandbreite“ mit ihrem WM-Song „Weltmeister (Ja watt denn)“, den sie anläßlich der Fußball-Weltmeisterschaft im Jahr 2010 auf den Markt brachten. Vor der Männer-Fußballweltmeisterschaft brachte „Die Bandbreite“ eine EP heraus. Der Titel der CD lautet wie der Titeltrack „Weltmeister (Ja, watt denn)“. Das Lied ist eine Ode an den deut­schen Ju­bel-​Na­tio­na­lis­mus, der für den Som­mer 2010 her­bei­ge­sehnt wurde: „Die Stim­mung steigt, das Bier ist knapp, schon geht mir einer auf den Sack“, singt „Die Bandbreite“, gegen die „ewi­gen Nörg­ler“ an. Im Video zum Song ist eine schwarz-rot-goldene Orgie zu sehen, in dem einem holländischen Fan Urin als Bier gereicht wird.

Aus dem WM Video der „Bandbreite“ (2010).

Auszug aus dem deutschnationalen WM-Song der Band

Aus dem WM Video der „Bandbreite“ (2010).

„Ja watt denn, wir sind ’ne Runde wei­ter. Ja watt denn, wir wer­den Welt­meis­ter“ grö­len „Wojna“ Wojnarowicz und „DJ“ Tor­ben Pape, über einen Kir­mes­tech­no­beat. Ansonsten werden Deutschland- und Antifafahnen geschwenkt, um Deutschland zu huldigen. Der Track ist auf CD er­schie­nen und wird von der „Band­brei­te“ über ihren On­line-​Shop, aber auch über „Fin­e­tu­nes“, ver­trie­ben. Der na­tio­na­lis­ti­sche Hype zur Fuß­ball-​Welt­meis­ter­schaft 2010 wurde also um wei­te­res Lied be­rei­chert, das der deutsche Mob zum Spiel der Na­tio­nal­mann­schaft grö­len konnte.

Aus dem WM Video der „Bandbreite“.

Inhalte V: Homophobie & Relativierung.
Die Homophobie der Band „Die Bandbreite“ wird in dem Lied „Kein Sex mit Nazis“ ganz besonders deutlich. Hier behaupten Marcel „Wojna“ Wojnarowicz und „DJ Torben“ Eckhoff, dass der „Führer Adolf Hitler“ homosexuell gewesen wäre. Mit dieser Behauptung wird der Fanatismus des „Führers“ begründet. Deswegen habe er es „es mit Rudolf Heß in nem Hotel“ getrieben. Da Heß nicht dauerhaft zur Verfügung Hitlers gestanden habe und er „keinen Trost an Evas braunen Titten“ fand, sei Hitler „voll fanatisch“ gewesen:

Darum war er ständig angepisst und auch so voll fanatisch,
Denn keiner von den Schwulen damals wollte Sex mit Nazis.

Hier ist außerdem vor den viele „Gefahren“ die Rede, die „hinter braunen Löchern lauern“ würden. Der Fanatismus Hitlers wird in diesem Lied aus dessen angeblicher Homosexualität hergeleitet. Trotz alledem dient dieses Lied immer wieder als Beispiel für den angeblichen „Antifaschismus“ der „Bandbreite“. Dabei macht gerade das Lied „Kein Sex mit Nazis“ deutlich, dass es mit diesem „Antifaschismus“ nicht weit her ist.
In diesem Lied wird der Nationalsozialismus nämlich faktisch verharmlost. Schließlich trifft „Die Bandbreite“ die Aussage, dass sich der Nationalsozialismus dadurch auszeichnen würde, dass mensch „gut zu den eigenen Leuten und schlecht zu allen andern ist.“. Außerdem wird die Einzigartigkeit des deutschen Vernichtungsprojekts geleugnet:

Doch diese Typen, dat sind nich‘ nur Weiße,
Et gibt rote, gelbe, braune, schwarze,
Und alle sind sie scheiße.

Der Nationalsozialismus, der eine radikale Form der deutschen Ideologie darstellt, wird durch derartige Zeilen zu einer Ideologie, die „rote, gelbe, braune, schwarze“ Menschen ebenso propagieren würden. Eine ähnliche Relativierung findet sich in dem Lied „Trauerspiel“. Hier werden Rapper als „Reinkarnation der“ Hitlerjugend (HJ) bezeichnet. In dem Lied heißt es:

Ihr seid die Reinkarnation der HJ, die HipHop-Jugend,
verkauft euer faschistisches System getarnt als Tugend.

Mit derartigen Zeilen werden ganz reale Nazis und ihre gefährlichen Organisationen verharmlost. In einer weiteren Zeile setzen sich Marcel Wojnarowicz und Torben Eckhoff mit den vernichteten Juden im Nationalsozialismus gleich. Hier heißt es:

Wir sind für Euch die Juden Eures 3. HipHop-Reiches, weil wir dat Business beherrschen und Euch dat Geschäft ja gleich ist.

Mit derartigen Zeilen wird nicht nur die industrielle Vernichtung des europäischen Judentums verharmlost, weil die Band nun wirklich nicht von Vernichtung bedroht ist, sondern auch ein struktureller Antisemitismus bedient. „Sie reproduzieren das Klischee ‚der Juden‘, die ‚dat Business beherrschen‘“, schrieb das „Dortmunder Antifa Bündnis“ in einer Kritik.
Eine offene Relativierung der Shoa findet sich im offiziellen Video zum Lied „Was ist los in diesem Land“. Das Video zum Lied zeigt, wäh­rend der Sän­ger von einem „Völ­ker­mord“ in Af­gha­nis­tan singt, eine Fla­sche Zy­klon B; jenes Gift­gas, das die Na­tio­nal­so­zia­lis­ten be­nutz­ten, um die Shoa durch­zu­füh­ren. Auf diese Art und Weise wird die Ver­nich­tung der Jü­din­nen und Juden re­la­ti­viert und mit dem Vor­ge­hen der NATO auf eine Stufe ge­setzt.


NS-Relativierung in einem Video der Band.

Inhalte VI: Antikommunismus.
„Die Bandbreite“ ist keine emanzipatorische Band. Dies läßt sich auch an den Liedern erkennen, in denen sich die Band mit denjenigen befasst, die der deutschen Nation und ihrer Ideologie mit Kritik begegnen und eine Überwindung der deutschen Verhältnisse anstreben. Diese „Antideutschen“ und „Antinationalen“ sind für die Band die eigentlichen „Faschos“. Mit ihrem Lied „Der Antideutsche“ hat die Band eine Hymne für diejenigen geschaffen, die aus den „Antideutschen“ eine homogene, neu-rechte Strömung machen wollen. Hier wird ein anti-antideutsches Feindbild bedient, das im Kern an jene antikommunistische Propaganda erinnert, die sich über den Vaterlandsverrat von Kommunist_innnen echauffierte. Im Lied „Der Antideutsche“ stellt die Band die angebliche Karriere eines „Antideutschen“ dar. Menschen werden zu „Antideutschen“ und „Antinationalen“ weil sie irgendwann von Migrant_innen überfallen wurden. So heißt es im Lied:

Du bist seit Jahren Aktivist in der Antifa
und bist für Ausländerrechte auf die Straße gegangen.
(…) Dann bist du damals aus dem autonomen Zentrum maschiert
und an der Bushaltestelle ist es dir dann passiert,
es waren drei oder vier,
sie nahmen dir dein Handy und deine Würde.

Dadurch hätte der „Aktivist in der Antifa“ tatsächlich „eher Symphatien für die NPD“ entwickelt. Im Refrain des Liedes heißt es:

Jetzt bist du Antideutsch, jetzt bist du Antinational, nennst dich Links und bist wahrhaft ein Fascho.

Der „Antideutsche“ sei ein „Faschist, der zu eitel für ne Glatze ist“. So weit „Die Bandbreite“, die deutlich machen, dass ihnen sie nicht zwischen Antifaschist_innen und Nationalsozialisten unterscheiden können. Den „Antideutschen“ wird am Ende des Liedes geraten, „sich die ganze Scheisse aus dem Gehirn zu waschen“. Oder: „Verpisst euch aus Deutschland“. Diese Forderung erinnert an eine Parole der NPD: „Wer Deutschland nicht liebt, soll Deutschland verlassen“. Das Lied wurde mehr als 100.000 Mal bei Youtube angeklickt. In einer Beschreibung findet sich die Behauptung das „Antideutsche“ glauben würden, „dass alle Deutschen genetisch so veranlagt sind, dass sie früher oder später zu Nazis mutieren und deshalb ausgerottet werden müssen“.
Eine ähnliche Hetze findet sich in dem Lied „Hobbykommunisten“, das auf der CD „Reflexion“ zu finden ist, die „Die Bandbreite“ im September 20011 veröffentlichte. In diesem Lied, das an die Musik von reaktionären Antikommunisten wie „Makss Damage“ erinnert, heißt es unter anderem:

Ihr Hobbykommunisten, geht euch mal verpissen,
ihr seid keine Linken, sondern nur Faschisten
.

Konzert der „Bandbreite“ (2008).

Inhalte VI: Sexismus.
Diese Hetze gegen Kommunist_innen wird nur noch von den sexistischen Texten der Band „Die Bandbreite“ übertroffen. Frauen werden beispielsweise im Lied „Er scheisst drauf“ als heiße Flammen, geile Schnitten und Bräute“ beschrieben. Im Lied „Party im Ruhrgebiet“ sehnt sich die Band nach „Bier, Bässe, Babes und n bisschen Weed“. Dort werdem „alle Ollen schön gesoffen“, um „blau wie Sau die Frauen“ zu „verführen“. Das Frauenbild dieser Band wird auch durch das Lied „Man kennt uns“ deutlich. Dort heißt es:

„Ich brauch jetzt was Williges, seh ichs, brauch ichs, will ich es
was heute wichtig is, is letztlich was recht Billiges,“

In dem Lied stellen sich die Mitglieder der Band als „Ruhrpott-Assis“ dar. Sie fordern dort:

Ey, Emanzen nach hinten, darf ich denn zum Tanze bitten?

Außerdem heißt es hier:

Vergess die guten Sitten inspizier die fitten Schnitten,
move die Füße, um mit Muße in die Ausschnitte zu blicken.

Sind diese sexistischen Phrasen schon unerträglich, werden diese noch durch die Vergewaltigungsphantasien übertroffen, die „Die Bandbreite“ zum Beispiel im Lied „Eingelocht“ formuliert. In diesem Lied penetrieren zwei Männer eine Frau gegen ihren Willen. Unverhohlen heißt es im Refrain:

Ne, ne, es tut dir weh, doch wir warten nich, wo ich doch so selten mal ’nen harten krich. (…) Du bis nich artig und jetzt kommt deine Strafe, du kanns nicht erwarten, datt ich zärtlich mit dir schlafe.

Ein weiteres Beispiel für das frauenverachtende Weltbild der Band „Die Bandbreite“ ist das Lied „Miesmuschel“, in dem die „Band“ ihrer Verachtung freien Lauf lässt:

Nem Feind von mir mir, wünsch ich nich eine Nacht mit dir.
Hab Haare im Mund, denn du warst unrasiert.
Beim Reiten quetscht du mir ein Ei zu Brei.
Ich zeig dich an, ich ruf dich an ich ruf die Polizei.
Dat sorgt bei denen für Erheiterung,
Mir egal – denn ich plädier auf Vergewaltigung!

Die Frau wird als „Vagina-Child“ bezeichnet, die sich „wie Gina Wild“ aufführen würde: „Dat ist kein Spruch, da gibbet Literatur, doch lesen und denken liegt dir wohl nicht in der Natur“ heißt es in dem Lied, mit dem Frauen erniedrigt werden, in dem ihnen unter anderem die Denkfähigkeit abgesprochen wird.
Auch „Die Bandbreite“ scheint bemerkt zu haben, dass solche sexistischen Texte nicht unbedingt auf Gegenliebe stoßen müssen. Schließlich sind die Texte zum Lied „Eingelocht“ und dem Song „Miesmuschel“ nicht mehr auf der Homepage der Band zu finden (Screenshot). Verdienen tut „Die Bandbreite“ trotzdem an ihren sexistischen Texten. Schließlich können ihre Songs bei Anbietern wie „Musicload“ oder dem „Peoples Music Store“ (für 0,99 Cent pro Song) (Screenshot) heruntergeladen werden.

Mit dem „Bergwerksorchester Niederrhein“ auf einem SPD Parteitag (2008).

Auftritte I: Gewerkschaften.
„Die Bandbreite“ ist auch im Gewerkschaftsmilieu zu Hause. Einige Gewerkschaftsvertreter_innen scheinen mit den reaktionären Texten der Band überhaupt kein Problem zu haben. So trat die Band beispielsweise auf Konzerten der Gewerkschaften auf.
Noch im Jahr 2008 spielte die Band „Die Bandbreite“ beispielsweise den „Tarifsong“ der „IG-Metall“ ein. Mit diesem „Song kann sich jeder schon mal auf die Tarifrunde einstimmen“ bewarb die „IG Metall“ das Lied in der Zeitschrift „Metall“. Auch die SPD scheint sich von den verschwörungsideologischen Thesen der Band nicht weiter gestört gefühlt zu haben. So trat die Band, zusammen mit dem „Bergwerksorchester Niederrhein“, am 27.04.2008 auf dem Duisburger SPD-Parteitag auf, ohne das es zu Protesten gekommen wäre. Am 08.02.2009 trat die Band für den Duisburger Ortsverband auf. Am 1. Mai 2011 durfte die Band auf den „Ruhrfestspielen“ auftreten, als deren Mitorganisator der „Deutsche Gewerkschaftsbund“ in Erscheinung tritt. Die im Vorfeld formulierte Kritik wurde ignoriert. Während des Auftritts wurden Antifaschist_innen, die mit einem Transparent protestierten, durch die Fans der Band angegriffen:„Als die Bandbreite-Gegner_innen von Fans der Combo bemerkt wurden, gingen diese auf die Antifaschist_innen zu. Dann wurde versucht, Transparente und Fahnen zu entwenden, indem sie die Antifaschist_innen körperlich attackierten“, schrieb eine antifaschistische Gruppe in einer ausführlichen Stellungnahme. Diesen Antifaschist_innen drohte die Band mit einer Anzeige.


Auftritt auf dem „Pfingsjugendtreffen“ der MLPD-Jugendverbands „Rebell“.

Auftritte II: Deutsche Linke.
In ihrer Heimatstadt stellt sich die Band auch regelmäßig für die musikalische Untermahlung der „Montagsdemonstrationen“ zur Verfügung, die durch die maoistische „Marxistisch-Leninistische Partei Deutschland“ (MLPD) dominiert werden. Auf den Festivals des MLPD-Jugendverbands „Rebell“ ist die Band ebenfalls jedes Jahr ein gern gesehener Gast. Der Teil der deutschen Linken, der den anti-amerikanischen Verschwörungstheorien der Band nicht abgeneigt ist, lädt die Band immer wieder gerne ein und scheint sich weder an der Kritik, noch an den anderen Inhalten der Band zu stören.
So durfte die Band am 10.09.2009, im Rahmen einer Veranstaltung der verschwörungsideologischen Gruppe „Arbeiterfotografie“, die ansonsten Propaganda für das iranische Regime betreibt und von mega-geheimen Erdebenwaffen hallizuniert, im Frankfurter Club Voltaire auftreten. Dort kam es zu Protesten, die die Band ausnutzt, um sich als Opfer fieser Machenschaften dazustellen.
Auf dem „Linken Liedersommer“ 2009 durfte die Band daraufhin an einer Podiumsdiskussion zur Band teilnehmen. Dort war auch der „Linke“-Bundestagsabgeordnete Diether Dehm zugegen, der die Band ausführlich verteidigte und zur Solidarität aufrief. Dehm, der sich selbst als „glühender Verschwörungstheoretiker“ bezeichnet, rief in seinem Beitrag zur Solidarität mit der Band auf. In seinem verbalen Rundumschlag ging es Dehm vor allem um „die Antideutschen“, die er als „neue SA“ diffamierte. In seinem Beitrag wies der Linkspartei-Politiker Dehm auch noch darauf hin, dass er „eine Spende getätigt“ hätte, um den Auftritt der Band zu unterstützen. Damit sollen Ordner finanziert werden, um die Band vor der „antideutschen SA“ zu schützen. Zumindest die Frage, wie die Band ihre andauernden Klagen gegen Kritiker_innen finanziert, dürfte auf diese Art und Weise fast geklärt sein.

O-Ton vom „Linken Liedersommer“: Diether Dehm ruft zur Solidarität mit der Band „Die Bandbreite“ und der Hamas auf.

Diether Dehm trat ebenfalls als Unterstützer auf, als ein Auftritt der Verschwörungs-Band, auf dem „17. UZ-Pressefest“ der Deutschen Kommunistischen Partei (DKP) in Dortmund (2011), durch antifaschistische Gruppen kritisiert wurde. Dort war Dehm ebenfalls auf einer Podiumsdiskussion zu sehen, die anberaumt worden war, um der Band die Möglichkeit zu geben, ihre Theorien in ein denkbar gutes Licht zu rücken. Danach durfte die Band dort ihr Lied „Was ist los in diesem Land“ intonieren, in dem die Bewohner_innen der Bundesrepublik als „Vasallen der USA“ bezeichnet werden. In der Parteizeitung der Deutschen Kommunistischen Partei wurde der Band bereits vorher ein Persilschein ausgestellt. „Die Jungs sind einfach zu gut“, sie seien „ernsthaft politisch, emanzipatorisch, revolutionär“, urteilte Jahn Zahn in der Wochenzeitung „Unsere Zeit“.
Auch bei der größten linken Partei in Deutschland gibt es einige Personen, die der Band mit Symphatie begegnen. Hier ist nicht nur der bereits erwähnte Diether Dehm zu benennen, sondern auch der Linken-Abgeordnete Niema Movassat, auf dessen „Politischen Aschermittwoch“ (2011) die Band aufspielen durfte. Dem „Linken“-Bundestagsabgeordneten Movassat scheint es gefallen zu haben: Die „Band ‚Die Bandbreite‘ war richtig Klasse“, twitterte der Bundestagsabgeordnete nach der Veranstaltung. Verschiedene Fotos zeigten ihn in trauter Eintracht mit der Band. Derartige Fotos und Auftritte werden von der Band dann wiederum benutzt, um ihre Auftritte in der verschwörungsideologischen Szene zu relativieren.

Auftritt auf einer anti-europäischen Demonstration am 05. September 2009 in Berlin.

Auftritte III: Verschwörungsmilieu.
Die Band „Die Bandbreite“, die sich vor allem durch reaktionäre, verschwörungsideologische Texten auszeichnet, kommt in der Szene der „Truther“, „Infokrieger“ und „Wahrheitsbewegten“ gut an. In der Szene, die sich die verschwörungsideologische Verklärung der Realität zur Hauptaufgabe gemacht hat, wird regelmäßig auf die Band zurückgegriffen. Diese beschallt Kongresse, Aufmärsche und andere Versammlungen dieser Szene, die sich der Bedeutung dieser Band bewusst ist. Schließlich erreicht die Band nicht nur die Verschwörungsszene, sondern auch junge Gewerkschafter_innen, orthodoxe Kommunist_innen und anpolitisierte Jugendliche, die sich für die einfachen Erklärungen der Band begeistern.
„Die Bandbreite“ trat beispielsweise auf einer anti-europäischen Demonstration auf, die vom Querfrontler und Verschwörungsideologen Jürgen Elsässer organisiert wurde. Dieser ist Vorsitzender der nationalistischen „Volksinitiative gegen das Finanzkapital“. Elsässer träumt davon, dass „Linke, Rechte“ und „Religiöse“ zusammenarbeiten, um „die Globalisten“ zu „schlagen“. Am 5. Sep­tem­ber 2009 untermahlt „Die Bandbreite“ den Aufmarsch des Jürgen Elsässer, in dessen „Compact“-Magazin ganz homophob vor einem „Schulfach Schwul“ gewarnt wird. Es ist nicht nur bei diesem Auftritt geblieben. Am 25. September 2010 trat die Band auf einem anti-europäischen Kongress in Berlin auf, der ebenfalls von Jürgen Elsässer organisiert wurde. Ein Referent auf diesem anti-europäischen Stelldichein war der englische Rechtspopulist Nigel Farage von der „United Kingdom Independent Party“ (UKIP). Ein anderer Referent war Andreas Clauss. Dieser ist Autor Buches „Das Deutschland Protokoll 2 – Die wirtschaftliche Vernichtung Deutschlands“, in dem antisemitische Theorien über die „gegenwärtigen Rechtslage und Rechtssprechung in Deutschland“ und über die „Eingeweihten“, die von der angeblichen „wirtschaftlichen Vernichtung Deutschlands“ profitieren würden, verbreitet werden.
Mit Rechtspopulisten ist „Die Bandbreite“ bereits des Öfteren aufgetreten. So zum Beispiel am 10. Juni 2011 in St. Moritz in der Schweiz. Dort trat die Band im Rahmen einer Konferenz auf, die anläßlich des „Bilderberger“-Treffens organisiert worden war. Die­ses Ge­gen­tref­fen, das unter dem Motto „Die Bil­der­ber­ger und ihr Ein­fluss“ stand, wurde vom Jugendverband der rechtspopulistischen Schweizer Volkspartei (SVP) unterstützt. Neben der Band „Die Bandbreite“ war dort der Schwei­zer Na­tio­nal­rat Pir­min Schwan­der (SVP) zu sehen, einem Po­li­ti­ker, der sich in der Ver­gan­gen­heit unter an­de­rem für eine re­strik­ti­ve Mi­gra­ti­ons­po­li­tik aus­sprach. Au­ßer­dem sprach der Ab­ge­ord­ne­te Lukas Rei­mann (SVP). Rei­mann sprach sich unter an­de­rem gegen die Öff­nung der Schwei­zer Uni­ver­si­tä­ten für aus­län­di­sche Stu­die­ren­de aus und en­ga­gier­te sich für „be­währ­te Werte“. „Unser Land muss schwei­ze­risch blei­ben“, lau­tet ein Wahl­spruch des Rechts­po­pu­lis­ten. „Die Bandbreite“ scheint sich an diesen Rechtspopulisten nicht gestört zu haben. Sie posierte neben den Rechtspopulisten auf einem Flugblatt zur Veranstaltung, das auf den einschlägigen Internetseiten des verschwörungsideologischen Milieus beworben wurde.
Bereits ein früherer Auftritt hatte die reisefreudige Band in die Schweiz geführt. Sie trat am 21. Fe­bru­ar 2009 auf einer „Tagung“ der „Anti-Zensur-Koalition“ des Schweizer Sektenführers Ivo Sassek auf. Auf dessen Tagungen wurde gegen feministische Theorien gehetzt und die „Germanische neue Medizin“ beworben.

„Die Band­brei­te“ mit Sek­ten-​Füh­rer Ivo Sasek (v.l.n.r.) auf der Ta­gung der „An­ti­-Zen­sur-Ko­ali­ti­on“ (2009).

Auch auf anderen Konferenzen, auf denen die Band ihre musikalischen Erzeugnisse präsentiert, trifft sie auf rechte Verschwörungsideologen. So zum Beispiel auf dem „Kongress der unabhängigen Medien“ der von Jens „Cheffe“ Blecker, dem Betreiber der Internetseite „Infokrieger-News“ veranstaltet wird. Hier trat die Band im Jahr 2010 und 2011 auf. Auf der letzten Konferenz, die am 2. April ​2011 in Hannover stattfand, war neben der Band auch der Verschwörungspropagandist F. W. Engdahl angekündigt worden. Dieser wurde vom Kran­ken­bett zugeschaltet. Von dort son­der­te Engdahl, der für den esoterischen und verschwörungsideologischen Kopp-Verlag tätig ist, urige Be­haup­tun­gen über Re­vo­lu­tio­nen und so­zia­le Re­vol­ten ab: Für Eng­dahl sind diese näm­lich durch Ge­heim­diens­te ge­steu­ert und ins Leben ge­ru­fen wor­den. Eng­dahl be­nann­te die rus­si­sche Re­vo­lu­ti­on (1917) und die „Stu­den­ten­re­vol­te“ (1968) als sol­che Er­eig­nis­se. Auch an dieser reaktionären Darstellung scheint sich „Die Bandbreite“ nicht gestört zu haben. Ganz im Gegenteil unterstützte sie den Veranstalter Jens „Cheffe“ Blecker auch bei der nächsten Veranstaltung, die dieser für das Verschwörungs-Milieu organisiert. Sie trat am auf dem „Truthcamp“ auf, das vom 26. bis 28.08 in Völpke stattfand. Die Band scheint sich weder an Bleckers Internetseite, noch an den Referenten seiner Veranstaltung gestört zu haben. Auf seiner Internetseite wurden die antisemitischen „Protokolle der Weisen von Zion“ beworben, auf seinen Veranstaltungen treten Autoren des Kopp-Verlags auf.
Im rechten Kopp-Verlag wurde eine weitere Aktion des Verschwörungsmilieus beworben, an der die Band maßgeblich beteiligt war. Es handelt sich um einen anti-amerikanischen Aufmarsch, der am 10. September 2011 in Karlsruhe stattfand. Dieser Aufmarsch, der die historischen Ereignisse des 11. September 2011 umdeutete, wurde von der rechten Ikone Eva Herman beworben. Sie bewarb den Aufmarsch am 10.07.2011 in den „Kopp-Nachrichten“, die vom Verlag produziert werden und die sich regelmäßig auf Nazi-Internetseiten, wie zum Beispiel „Altermedia“, finden lassen. Auf dem Aufmarsch traten neben der „Bandbreite“ auch Jens „Cheffe“ Blecker von „Infokrieger-News“ und Christoph R. Hörstel auf, der dort eine ganz besondere anti-amerikanische Hetze propagierte.

Eva Herman bewirbt „Die Bandbreite“.

Der Umgang mit der Kritik:
Mit Kritik setzt sich „Die Bandbreite“ auf ganz besondere Weise außeinander. Zum einen richten sich einige Zeilen in ihren Liedern gegen Kritik an der Band. So zum Beispiel im Lied „Demokraten“

„Fang niemals an mit fiesen Fakten aufzuwarten! Kritisier niemals israelische Greueltaten. Denn Demokraten, die lassen sich nich alles bieten, du wirst erst zum Anti-Amerikaner und dann zum Anti-Semiten.“

In diesem Lied wird die übliche Verteidungstrategie von Antisemiten reproduziert. Diese nutzen ebenfalls oftmals die Verteidigungsstrategie, dass sie ja nur „Fakten“ und angebliche „israelische Greueltaten“ benennen würden, um sich gegen Kritik an ihrem Antisemitismus zu immunisieren. Außerdem denunziert die Band ihre Kritiker_innen als „Faschos“.
Vor allem spricht die Band allerdings von einer „Kampagne der Diffamierer“ und macht sich zum Opfer der Kritik, der sie angeblich hilflose ausgesetzt sind. Dabei klagte die Band fleissig gegen ihnen nicht genehme Texte und Artikel. So zum Beispiel gegen die „Taz“, gegen das Internetportal „Ruhrbarone.de“, gegen ein Stadtratsmitglied der Grünen in Marl und gegen die Band „Egotronic“. Wenn „Die Bandbreite“ gerade mal nicht klagt, beklagt sie sich trotzdem lautstark über die im Internet formulierte Kritik. Dafür hat sich die Band ihre eigene kleine Verschwärungstheorie geschaffen, mit der sie die Kritik einordnet. Sie geht davon aus, dass die Kritiker_innen für ihre „Hetze“ bezahlt werden. So mutmaßte der Sänger der Band „Die Bandbreite“ beispielsweise:

„Man braucht sich ei­gent­lich nur an­gu­cken, wer hat ’nen Nach­teil davon, dass wir so ’nen Song über 11. Sep­tem­ber ge­stal­ten. Dann kann man sich un­ge­fähr vor­stel­len, wo diese gan­zen Dif­fa­mie­run­gen her­kom­men und wer dafür be­zahlt. Und ich bin mitt­ler­wei­le sehr über­zeugt davon, dass dafür be­zahlt wird“.

Die in diesem Blog formulierte Kritik hat die Band ganz besonders erregt. Marcel Wojnarowicz schuf daher eine eigene Facebook-Gruppe, die sich mit dem Autoren dieser Internetseite auseinandersetzte. Die Gruppe nannte sich „No-Wurstwasser-Mann“ und richtete sich „gegen dif­fa­mie­ren­de an­ti-​deut­sche Pu­bli­zis­ten“: „Finanziert von Kriegsverbrechern und anderen anderen mafia-ähnlichen Organisationen“ hätten sie „viel Geld im Nacken“, behauptete die Band. Die Kritiker_innen der Band seien „blutleer und kaltherzig“. Auf diesem Niveau setzt sich die Band mit Kritik auseinander. Da ist es nur konsequent, dass das neueste Album der Band „Die Bandbreite“, das am 11. September 2011 erschienen ist, nach diesem Blog benannt wurde. Es heißt, wie zu Beginn dieser Kritik erwähnt: „Reflexion“.