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beitrag von classless Kulla

Straight Edge & Rausch

In der aktuellen “Jungle World” sind verschiedene Texte zu Straight Edge zu lesen, was mich thematisch gerade begreiflicherweise recht stark interessiert.

Francis Klein beschreibt in seinem “Ausstieg aus dem Ausstieg”, wie auf das mehr oder weniger ernstgemeinte “Kill everyone with a beer in his hand” von Slapshot das “Militant Edge” à la A Chorus of Disapproval folgte: “Auf die Anhänger solcher Bands wirkte das derart inspirierend, dass sie hauptsächlich in den USA dazu neigten, auf Konzerten Biertrinker zu verprügeln.” (FSU gingen – wie in “Boston Beatdown” zu sehen – u.a. auch direkt auf Straßendealer los.) Straight-Edge-Pionier Marc Nickel stellt in “Außenseiter unter Außenseitern” wiederum klar: “Der alte Straight-Edge-Gedanke war es, keine Abhängigkeiten zu haben, egal ob von Alkohol, Drogen oder Sex, also gegen Sexismus zu sein, dagegen, dass eine Frau nur als Sexobjekt gesehen wird. Es ging um Gleichheit, aber nicht darum, dass ich jemanden hauen sollte, der trinkt.”

above the influence against the grain react straight edge sxe x

José Björk faßt in “Abstinenz plus Politik” zusammen:

>>Drogenfreiheit wird als individueller und symbolischer Akt des Widerstands begriffen, als Ausdruck des Unwillens, »äußeren Kräften zu erlauben, dein Leben zu kontrollieren«, wie es im »Antifa-Straight-Edge-Manifest« von 2001 voller Pathos heißt. Und das gelte »nicht nur für Drogen, sondern auch für Konzerne, PolitikerInnen, Bullen, deine Eltern – was auch immer sich in den Weg eines selbstbestimmten Lebens stellt. Es ist ein Ausdruck dafür, sein Leben in die eigenen Hände zu nehmen.« Selbstbestimmung, das klingt sympathisch, suggeriert aber, dass der Rausch kein selbstgewählter Zustand sei. Rausch und Selbstbestimmung sind keine Gegensätze.<<

Aber auch in diesem Fazit, dem ich grundsätzlich zustimmen würde, kommt der Rausch ganz warenförmig aus den Drogen, aus einem wie auch immer abgrenzbaren Teil der konsumierbaren Warenwelt. Dem hielt ich schon anderswo entgegen:

Rausch ist ein Zustand, in den das Nervensystem eintreten kann, mit und ohne äußere Einwirkung; jeglicher Rausch – ob substanzgebunden oder nicht – kann via Setting (Gewöhnung, soziales Umfeld, Kompensation, Schmerzstillung usw.) Abhängigkeit erzeugen & das ist auch betriebswirtschaftlich am interessantesten (Abo) – eine Zwangsläufigkeit gibt es aber nicht, prinzipiell ist jeder Rausch ohne Abhängigkeit möglich. Da die Nützlichkeit des Rausches fürs Kapital ja gerade darin besteht, daß er prinzipiell zu jeder Tätigkeit sinnstiftend, effizienzsteigernd und emotional bindend hinzutreten kann, zu jeder produktiven Handlung wie zu jedem Akt des Konsums, ist wichtig zu begreifen, daß abhängig von den Umständen auch jedes Lebens- und Genußmittel zum Rauschmittel werden kann.

Drogen ist also nicht gleich Rausch. Rausch heißt auch nicht unbedingt, daß etwas Schlimmes passiert. Viele landläufig als “Drogen” firmierende Substanzen finde ich zudem trotz der völlig unzureichenden Forschung auf dem Gebiet schon ganz gut gelungen und auch recht gut kontrollierbar. Sofern der Versuch des kontrollierten Gebrauchs denn auch unternommen wird…