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beitrag von classless Kulla

Befreiungsfeiern

Jena. Nachdem mehrere Punks bereits Gäste der Befreiungsparty angegriffen haben, die sie davon abhalten wollten, eine aus der JG entwendete USA-Fahne direkt vorm Eingang zu verbrennen, schreit einer der Punks in die Richtung, in der ich gerade stehe: “Wir haben doch gar nichts gemacht!”
Ich: “Ihr habt die Fahne verbrannt!”
Punk: “Was is’n das für ‘ne Fahne?”
Ich: “Was is’n morgen für’n Tag?”
Punk: “Tag der Befreiung – aber die Amis haben uns nicht befreit!”

Derselbe Punk später: “Würd mir wünschen, daß jetzt 20 Nazis da wären, dann würden wir mit denen zusammen die JG angreifen.” Und, noch erstaunlicher: “Antideutscher Zeckenschuppen!”

Vor der Befreiungsparty in Jena
So sah’s vorher aus

Stunden später in Halle. Der Lasterfahrer und ich wollen gerade damit anfangen, unseren zweiten Gig in dieser Nacht vorzubereiten, und betreten die Bühne im VL, vor der einige Dutzend Leute stehen. In diesem Moment reißt einer wie im Vorbeigehen das hinter uns hängende Transparent – das dort schon den ganzen Abend hängt und vom VL zuvor für okay befunden worden war – herunter, auf dem den Alliierten gedankt wird, “Fight Nationalism and Antisemitism!” steht und am Rand vier kleine Fähnchen zu sehen sind. Da er das Transpi einfach liegenläßt und wieder von der Bühne geht, hebe ich es auf und beginne es mit jemand anderem wieder aufzuhängen. Sekunden später sind es plötzlich drei oder vier Leute, die es uns aus der Hand reißen. Geschubse geht los, dann Schreikrieg über die Themen Nationalfahnen, Antideutsche, Antifaschismus. Ich frage genervt, ob sie das nicht hätten vorher klären können. Dann schlage ich einer der Transparententwenderinnen etwas lauter vor: “Wenn du hier nicht feiern willst, geh doch woanders hin.” Darauf sie: “Ich wohne hier.”

Ich beschließe rauszugehen und zu warten, wie sich das entwickelt. Vom Gang höre ich, wie “Nazis raus” gerufen wird. Der Lasterfahrer will unter diesen Umständen nicht aufbauen. Wir diskutieren mit verschiedenen Leuten recht ausführlich, ob wir noch spielen oder nicht. Am Ende, nachdem die Schreierei drinnen ungefähr eine halbe Stunde gedauert hat, blasen wir’s ab. Wir wollten für die Jugendantifa spielen und mit ihnen feiern, und mit allen, die mitfeiern wollten. Wenn das nicht geht, geht’s eben leider nicht. Auch die meisten derjenigen, die jetzt enttäuscht sind, weil wir nicht spielen, halten das am Ende für die richtige Entscheidung.

Auch wenn es jetzt im VL Diskussionen gibt und es danach aussieht, daß die Fahnenrunterreißer für diese Aktion im Haus heftig kritisiert werden: das ist schon eine längere Geschichte und ich finde es so oder so erschütternd, zum 8. Mai von Punks und Linken dafür körperlich angegriffen zu werden, den Anlaß dieses Tages – den kurzen Moment in der Geschichte, in dem Deutschland besiegt war – mit den Fahnen der Alliierten zu feiern.