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beitrag von Volker Radke

Naheliegendes zu Fukushima

  1. Wenn Physiker und Ingenieure Überlegungen zur Sicherheit von Kernkraftwerken („Restrisiko“) anstellen, beziehen sie einen „menschlichen Faktor“ ein, für den dann meist „Bedienungsfehler“ als Beispiel genannt werden. Ich frage mich, ob und wenn ja wie das Profitinteresse der Energieindustrie, deren Verflechtung mit staatlichen Instanzen und die Bereitschaft, Fehler zu vertuschen, Eingang in solche Risikoanalysen finden. Wenn man durch den Nichtaustausch teuerer Bauteile seinen Profit bei kurzfristig nur sanft gestiegenem Risiko deutlich steigern kann, übt die kapitalistische Verwertungslogik (schneller akkumulieren müssen als die Konkurrenten, sonst droht der eigene Niedergang) einen beträchtlichen Druck auf die beteiligten Akteure aus, zu lügen und zu verheimlichen. Für TEPCO ging die Rechnung nicht auf, für Vattenfall, RWE und andere bisher schon.
  2. Das „Unvorhersehbare“, gegen das man Kernkraftwerke nur ungenügend schützen kann, ist nur ein großes Problem, wenn bei Unglücken so exorbitante und dauerhafte Schäden entstehen, wie es AKWs nun einmal tun. Im Gegensatz zum Atomkraftbefürworter und Klimaforscher Barry Brook kann ich nachvollziehen, dass die Explosion einer Ölraffinerie in Folge des Erdbebens, die im Gegensatz zum AKW Fukushima bereits eine Reihe von Toten verursachte, vom Fukushima-Störfall in den Hintergrund gedrängt wurden, weil die potentiellen Gefahren des Atom-GAUs eben weit höher sind – Unglücke in Erdölraffinerien und Kohlekraftwerken führen nicht zu weiträumigen Evakuierungen und machen auch nicht ganze Landstriche dauerhaft unbewohnbar.
  3. Durch das verständliche Entsetzen über den GAU in Fukushima droht ein Revival der fossilen Energieträger.  Und da immer wieder die relative Klimaverträglichkeit von Erdgas behauptet wird: nein, so kann das CO2-Problem nicht gelöst werden.
  4. Leider, und dieser Erkenntnis sollte sich die japanische Gesellschaft nicht verschließen, haben die dortigen Wahlberechtigten immer wieder Parteien gewählt, die sich für die Kernkraft engagiert haben. Nicht, dass die AKWs durch das Ankreuzen eines anderen Kästchens zwangsläufig abgeschaltet worden wären (siehe Rot-Grün in Deutschland), aber ein solches Wahlverhalten hat es den dortigen Verantwortlichen allzu leicht gemacht, ihre Profite zu maximieren. Die Vergesellschaftung der Kosten nuklearer Energiegewinnung findet gerade statt.