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Annika Beckmann, Ruth Hatlapa, u.a. (Hg.) »Horror als Alltag«

Texte zu »Buffy the Vampire Slayer«

Zur Erinnerung:
In every generation there is a Chosen One.
She alone will stand against the vampires,
the demons and the forces of darkness.
She is the Slayer.

Im Gegensatz zu den üblichen Gegenständen poplinker Obsession bedarf Buffy the Vampire Slayer keiner Erklärung vorab. Sei es eine weit über das zeitliche Ende der Serie hinaus reichende Begeisterung, eine heute etwas peinliche Jugenderinnerung oder ein nachhaltiges Kopfschütteln über entsetzlich synchronisierten Teenie-Trash – irgendetwas dürfte bei jedem Menschen unter 40 haften geblieben sein. Etwas weniger präsent ist die jüngere gesellschaftskritisch fundierte Auseinandersetzung mit der Serie, auch wenn die Welle durch Blogs, Vorträge, die Jungle World bis hin zur Konferenz She Saved the World – A Lot schwappte und zumindest in der Szene kaum jemandem entgangen sein dürfte.

Gut zwei Jahre nach dieser Veranstaltung an der Berliner Volksbühne sind die Vorträge nun unter dem Titel »Horror als Alltag. Texte zu Buffy the Vampire Slayer« beim Verbrecher Verlag erscheinen und bieten einen guten Überblick über die Diskussion. In insgesamt zehn Texten setzen sich die ReferentInnen der Konferenz und weitere AutorInnen mit der TV-Serie auseinander und widmen sich so unterschiedlichen Aspekten wie dem Stellenwert und der Funktion des Phantastischen in Buffy, der Frage nach dem ideologiekritischen Gehalt der Serie und den Schwierigkeiten ihrer Fortsetzung im Comic. Einig sind sich die AutorInnen zunächst nur in ihrem Ausgangspunkt: Einem gesellschaftskritischen Anspruch auf der einen und ihrer ungebrochenen Begeisterung für Buffy the Vampire Slayer auf der anderen Seite.

Aus der sympathischen Perspektive kritischer Geeks beschreiben die AutorInnen die Serie als Kunstwerk, das – so eine Kernthese des Buches – durchgehend seine kulturindustrielle Herkunft reflektiere und das Leben im Spätkapitalismus darum treffender abbilden und kritisieren könne als avantgardistischen Medienexperimente oder der nächste »arte Kulturschrott«. Und tatsächlich erscheint das höchst sonderbare Anliegen, in Sprache und Methodik kritischer Theorie für eine Fernsehserie zu werben, in der Praxis erstaunlich plausibel. Lesenswert ist der Versuch in jedem Fall – und sei es als Beweis (und Beispiel mit Seltenheitswert) dafür, dass sich auch in der Rolle des Fans sprechen und denken lässt, ohne zwangsläufig Blödsinn zu reden. Wer sich fragt, was Linke von Buffy wollen, weiß es nach der Lektüre des Buches jedenfalls.

Umso unverständlicher ist darum allerdings, warum einige der Texte so sonderbar nach einer Entschuldigung für die gerade erst bedachtsam erklärte Leidenschaft klingen. Was ein gelungenes Beispiel für eine Kritik an und eben auch mit dem Fernsehen hätte sein können, läuft in mehrfacher Hinsicht auf die Konstruktion einer großen Ausnahme hinaus. Dies betrifft zum einen das Buch selbst, wo es sich im großen Rundumschlag von den »akademischen Buffy Studies« abzugrenzen versucht, obwohl es unbeanstandet als willkommener Beitrag eines jeden »KuWi«-Seminars durch ginge. (Das Problem mit dem akademischen Betrieb ist ja nicht, dass Kritik auf dem Niveau dieses Buches dort nicht formuliert werden würde, sondern dass sie zumeist wirkungslos im ewigen Diskurs verhallt.) Aber auch die Serie selbst verliert den Ruch der guilty pleasure ganz sicher nicht dadurch, vom neueren True Blood abgegrenzt zu werden, mit dem es die Bildungsbürger eher hielten.

Möglicherweise sind solche Gesten im Fansein angelegt und wahrscheinlich könnten sie die sinnvolle Auseinandersetzung mit einem Thema gründlich ruinieren. In »Horror als Alltag« bleiben sie aber erfreulicherweise eine lästige Randerscheinung und ändern nichts am überzeugenden Gesamteindruck des Buches. Wer die 144 Folgen der Serie durchgehalten hat und sich immer noch über die eigene Begeisterung wundert, wird die Erklärung dafür wahrscheinlich in diesem Buch finden. Wer mit der Serie nichts anfangen kann, sich aber über befreundete Fans wundert, wird vermutlich ebenfalls Antworten finden. Und auch als »Gesellschaftskritik am Beispiel Buffy« lässt sich »Horror als Alltag« lesen. Was das Buch hingegen nicht leistet (und auch gar nicht leisten will), wäre eine Kritik an Buffy, die allerdings so undenkbar zu sein scheint, dass die mangelnde Qualität des Spin-offs Angel umgehend in einer Diskussion um dessen Zugehörigkeit zum Kanon mündet. Wer nun aber auch für solche Fragen noch Nerd genug ist, wird das Buch lieben!

Annika Beckmann, Ruth Hatlapa, Oliver Jelinski, Birgit Ziener (Hrsg.): Horror als Alltag. Texte zu »Buffy the Vampire Slayer«, Verbrecher Verlag, Berlin 2010, 248 S., Broschur, 14,00 Euro

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