Getagged: Polemik

SonntagsGesellschaft

Sorry, Herr Grass

Die Currywurst, oder “Schlimmer geht immer”. Von allen Entschuldungspamphleten, die die deutschsprachige Vergangenheitsbewältigungsliteratur hervorgebracht hat, ist Uwe Timms Die Entdeckung der Currywurst womöglich das erbärmlichste. Der Text kommt literarisch wie geschichtsphilosophisch dermaßen unbedarft daher, dass man sich bemüßigt fühlt SS-Günni Grass, Keulenmartin Walser, Böll und all den anderen förmliche Entschuldigungen für früherer Kritiken zukommen zu […]

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Bin ich Charlie Hebdo? Seid ihr’s?

Stück über Mut und Gratismut Dass der aller Wahrscheinlichkeit nach von Islamisten verübte mörderische Angriff auf die Redaktionsräumen der französischen Zeitschrift Charlie Hebdo ein barbarischer Akt gegen Meinungsfreiheit, Freiheit überhaupt, die Ideale der Aufklärung, vor allem aber auch, man vergisst das gern, gegen Menschen, die man allzuschnell unter heren Idealen begräbt – muss man darauf […]

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Des Erbrechens schuldig

Orhan Pamuks Das Museum der Unschuld. Erst vor kurzem wurde hier ausgeführt, warum Orhan Pamuks Werk unbestreitbaren Qualitäten zum Trotz einiges zu wünschen übrig lässt. Zu wünschen im Wortsinn, nämlich insofern als dass es wünschenswert wäre, dass der Autor einmal all seine Kraft zusammen nähme und detailreiche Beobachtungen, interessante Lebensgeschichten, sprachliche Eleganz sowie ein beinahe […]

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Dummheit als Triebfeder der Literatur…

Der neurotische, leidende Charakter hat seinen Zenit überschritten. Die traurigste Szene in Tolstois Anna Karenina ereignet sich relativ zu Beginn des Romans. Es ist der Tod von Vronskijs Pferd. Dieses arme Tier. Zu Schande geritten von einem geltungssüchtigen Gecken, verreckt es jämmerlich als völlig unschuldiges Opfer der Umstände. Ganz im Gegensatz zu Vronskij und Anna […]

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Pamuk – Etwas fehlt…

Orhan Pamuk ist wahrscheinlich einer der talentiertesten Schriftsteller unserer Zeit. „Einer der talentiertesten“ – das mag gegenüber einem Nobelpreisträger ungewöhnlich klingen, vielleicht sogar despektierlich. Bei nüchterner Betrachtung trifft es aber doch ganz gut. Einige Passagen aus Pamuks Das schwarze Buch etwa gehören mit zum Schönsten und Dichtesten, was in der Großstadtliteratur seit Dos Passos und […]

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Achja, die Weimarer Klassik… Gab es die überhaupt?

Ein meist respektvoller Streifzug durch Felix Bartels Blog “Neuestes vom Parnassos“ *** Auf dem Blog des Hacks-Verehrers und Klassizisten Felix Bartels habe ich mich die Tage ziemlich oft herumgetrieben. Hier liest man viel Kluges zu ästhetischer Theorie, faszinierende Rationalisierungen der eigenen Fußball-Begeisterung, gut begründete Invektiven gegen zeitgenössische Kunst, die sich wenig Rechenschaft darüber ablegt was, […]

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Der größte Konservative

Ob es die deutschen Konservativen wohl manchmal anfrist, dass der einzige konservative Denker von Rang seit nun bald hundert Jahren ausgerechnet Sozialist und glühender Verehrer Stalins war? Wahrscheinlich nicht. Konservatismus und Denken, das ist heute sowieso unvereinbar, der Bürger lässt längst sogar den Sozialismus hochleben, wo er nur dumm genug daherkommt.

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Akif Pirinçcis neuer Katzenroman …

… ist keiner. Leider. Darüber eine Fantasie in Blau… Frohlocket ihr Jünger der Musen! Preiset den Herrn ihr Freunde des geflügelten Wortes. Erhebet die Herzen nach Walhall, ihr Liebhaber filigran geführter Federn! Die Durststrecke ist vorbei, die schwarzen Tage der deutschsprachigen Literatur, sie dauerten zu lange schon an (wir schreiben den Monat 2 nach dem […]

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Zur Debatte: Die deutsche Literatur als „Closed Shop“

Die Einfallslosigkeit in der deutschsprachigen Literatur ist nicht der gesellschaftlichen Herkunft der Autoren geschuldet. Es scheint in den Feullietons debattiert man derzeit, ob die deutsche Literatur ein „Closed Shop“ sei, der vor allem Mitgliedern der Oberschicht offenstehe. Das ist an mir vorbeigegangen, und beinahe könnte man hier schon wieder schließen: selbst schuld wer seine Zeit […]

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Was ist “geistiger Antisemitismus” und warum (zur Hölle!) ist er entschuldbar???

Die Schwarzen Hefte Martin Heideggers werden nichts offenlegen, was man nicht hätte wissen können (vgl. meine früheren Aufsätze zum Thema I, II, III) Heidegger hat häufig von der Weltlosigkeit des Judaismus gesprochen (…) Aber er geht noch darüber hinaus. Die Juden sind für ihn nicht nur heimatlos, sondern auch “weltlos” . Damit rangieren sie sogar […]

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Der Buchpreis und die Qualität

Oder: Von einem der auszog um Unsinn zu reden. Im Rahmen der Verleihung des Deutschen Buchpreises polemisierte der Vorsteher des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, Gottfried Honnefelder, in bester deutscher Manier gegen das von EU und USA angepeilte Freihandelsabkommen, von welchem zu befürchten sei, dass es Bücher „zur bloßen Ware“ degradiere, in dem es die Buchpreisbindung […]

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Nachbetrachtungen zu Gottfried Benn

Eine Abrechnung. Viele Jahre, bevor ich mich zuletzt Martin Heideggers und Stefan Georges angenommen habe, hatte ich vor ein wenig zu Gottfried Benn zu schreiben, dessen fadenscheiniger Sinneswandel nach 1945 mir schon immer sauer aufstieß. Das Thema allerdings wurde in meinem Beitrag zu Stefan George ausreichend behandelt. Der Dichter Gottfried Benn lohnt eigentlich kaum die […]