tag ‘Kleinkram’
Die Raketen-Verschwörung. November 21, 2012 | 03:51 pm

Mit den Angriffen auf Israel, das sich einem beispiellosen Raketenterror ausgesetzt sieht, blühen auch Verschwörungsmythen. Ein Artikel des Hartmut Barth-Engelbart dürfte den Personen gefallen, die den Terror der Antisemiten nicht wahrhaben wollen und daher nach dem erstbesten Strohhalm greifen, der ihnen gereicht wird. Dieser Strohhalm ist in diesem Fall ein verschwörungsideologisches Konstrukt, mit dem die Opfer des Raketenbeschusses zu Tätern gemacht werden.

Beschießen israelische Spezial-Kommandos israelische Städte”, fragt Barth-Engelbart scheinheilig auf seiner Internetseite. Selbstverständlich liefert der Autor auch eine vorhersehbare Antwort. Dabei beruft er sich auf angebliche „israelische Dissidenten”, die ihm seine anti-israelische Gruselstory bestätigt haben möchten. Wenn Barth-Engelbart seinem „lange gehegten Verdacht” freien Lauf lässt, dass „die meisten der Raketenabschüsse von GAZA” durch „‘IDF’-Spezialkommandos” verübt werden, dürfte dies das Herz der Antisemiten erfreuen, die Israel sogar noch für die israelischen Toten verantwortlich machen möchten.

Das verschwörungsideologisches Konstrukt dieses Autoren läßt sich daher auch auf antisemitischen Internetseiten entdecken. Auf einer dieser Seiten wird ein „germanisches Kulturerbe” gepflegt. Auf der Internetseite der linksdeutschen „Neuen Rheinischen Zeitung” wurde der Artikel allerdings ebenfalls veröffentlicht. Es ist das Gerücht über Israel, das mit dem Märchen des Hartmut Barth-Engelbart neue Nahrung findet. Sein Gerücht dürfte daher auch in den kommenden Tagen auf den einschlägigen Internetseiten verbreitet werden.

Das Interview. August 3, 2012 | 09:11 am

An dieser Stelle ein Interview, das ich in dieser Woche mit Radio Corax geführt habe. Dieses Mal geht es um die verschwörungsideologische Band „Die Bandbreite”. Im Interview gehe ich auf die Inhalte und die verschiedenen Auftritte der Band ein, die den Soundtrack für „Truther” und „Infokrieger” produziert. Außerdem geht es um das Lob von Nazis und andere Antisemiten und um ein Interview der Band, das diese einem antisemitischen Internetsender gab.

Interview zur Bandbreite. by reflexion-blog


Innenansichten. July 10, 2012 | 12:54 pm

Im Thüringer Landtag sprachen am 9. Juli 2012 mehrere ehemalige Verfassungsschutz-Mitarbeiter vor dem Untersuchungsausschuss zur NSU und zum möglichen Behördenversagen. Unter anderem äußerte sich der ehemalige Präsident vom Thüringer Landesamt für Verfassungsschutz, eine Gestalt namens Helmut Roewer, der heutzutage im äußerst rechten Ares-Verlag publiziert. Auf der Internetseite des Jugend– und Wahlkreisbüro Haskala wurden einige teils äußerst bizarre Äußerungen der Beamten dokumentiert. Es handelt sich tatsächlich um Originalzitate.

“Wie ich Verfassungsschutz-Präsident wurde? Es war an einem Tag nachts um 23 Uhr, da brachte eine mir unbekannte Person eine Ernennungs-Urkunde vorbei, in einem gelben Umschlag. Es war dunkel, ich konnte sie nicht erkennen. Ich war außerdem betrunken.”

Mehr Zitate wurden hier dokumentiert..

 

 

 

Das Festival. July 7, 2012 | 01:14 pm

Auf der Burg Waldeck gab es in den 60er Jahren des letzten Jahrhunderts die gleichnamigen Burg-Waldeck-Festivals, auf dem die damalige Crème de la Crème der deutschen Liedermacher_innen zusammenkamen, um Bänkelgesang und deutsches Liedgut zu intonieren. Es war das erste Open-Air in Deutschland. Hier traten Liedermacher wie Reinhard May, Franz Josef Degenhardt oder Hannes Wader auf und sangen von „Schmudel-” und anderen „Kindern”  Gegen Ende der 60er Jahre sang man dann sogar die Internationale für die „Völker”, die nun endlich „die Signale” hören sollten.

Heute sind diese Liedermacher entweder verstorben oder verbittert. Das historische Waldeck-Festival gehört der Vergangenheit an. Seit einigen Jahren gibt es am gleichen Ort allerdings ein neues Festival. Dessen Organisator_innen müssen andere Liedermacher_innen und Volksmusikant_innen einladen. Der „Linke Liedersommer” findet seit einigen Jahren, wie die historischen Waldeck-Festivals, in der Nähe der gleichnamigen Burg statt. Es handelt sich um eines der traurige Farce, mit dem die dunklen Abgründe sichtbar werden, denen ein Teil der deutschen Linken verfallen ist. Zwischen dem 15. und 17. Juni 2012 kamen nach Angaben einer Teilnehmerin etwa 160 Menschen zusammen.

Organisiert wird der „Linke Liedersommer” durch den „Deutschen Freidenker Verband” und die „Jenny Marx Gesellschaft” aus Rheinland Pfalz. Die „Freidenker” möchten mit ihrem „Musiktreffen” an „die Tradition der legendären Waldeck-Festivals zu APO-Zeiten” anknüpfen. Der Verbandsvorsitzende, ein Verschwörungsideologe namens Klaus Hartmann, knüpft allerdings auch an ganz andere Traditionen an. Er möchte auf „die Begriffe ‘Antisemitismus’ und ‘antisemitisch“ verzichten”, es gehe darum diese zu „entsorgen”. Neben der Entsorgung findet Hartmann aber auch eine andere Vorgehensweise sympathisch, auch wenn er am Erfolg zweifelt:

„‘Je mehr der ‚Begriff Antisemit inzwischen für Verfechter der Menschenrechte und radikale Demokraten verwendet wird, erkläre ich mich selbst zu radikalen Antisemiten’”.

Diese Theorien finden sich in einer Ausgabe des „Freidenkers”, dem Verbandsmagazin der Organisation, die nun mal wieder zum „Liedersommer” auf die Burg Waldeck einlud. Auf ihrem „Liedersommer” der linken Volksmusik darf die heutige Crème de la Crème der linken Volksmusik auftreten. Da wäre zum Beispiel der Linkspartei-Politiker Diether Dehm, der als „Lerryn” berühmt-berüchtigt ist, seit er in den dunklen 70er Jahren als „der Sänger mit den besseren Liedern” um Aufmerksamkeit heischte:

„Bravo, bravo, hurra,
der Sänger mit den besseren Liedern ist da”.

Seine Volksmusik, die er unter anderem in einer der Sendung „Disco” zum Besten gab, prädestinierte den heutigen Bundestagsabgeordneten geradezu für einen Auftritt auf dem „Liedersommer”. Im Jahr 2010 informierte Dehm dort über „Linke Kulturarbeit”. Ein Jahr darauf beteiligte er sich an einer Podiumsdiskussion, dort bezeichnete sich das Bundestagsmitglied voller stolz als „glühenden Verschwörungstheoretiker”.

Da wäre aber auch Jane Zahn, die als Kabarettistin ansonsten vor allem auf den Festivals der Deutschen Kommunistischen Partei (DKP) auftritt. Ihre „Stimme rockt und lockt, dröhnt und stöhnt, krächzt und ächzt, dass kein Trommelfell steif bleibt”, hieß es im Zentralorgan dieser Partei.  Zahn hat ein „Neues deutsches Volksliedgut” geschaffen, in dem sie populäre deutsche Schlager umdichtet: Sie krächzt im Sinne der „Occupy-Bewegung” für die „99 Prozent”, stöhnt über den angeblichen „Verrat”, der zum Untergang der Sowjetunion führte und ächzt über einen gewissen „Mr. Bush”:

„Wir liegen vor Madagaskar
und kämpfen am Hindukusch.
Für die Freiheit vom Großen Zaster
und die Firma von Mr. Bush.”

Mit dieser regressiven und anti-amerikanischen Stimmungsmusik erfreut Zahn DKP-Kader und Ostermarschierer, die der klampfenden Kabarettistin nur zu gerne ein Podium bieten. Dort darf sie dann nicht nur „Mr. Busch” und dessen „Firma” für alles Übel dieser Welt verantwortlich machen, sondern auch sich nicht reimende Verschwörungsmythen über den damaligen amerikanischen Präsidenten und dessen Verbindung zum Massenmörder Osama bin Laden intonieren:

„Wir sind dorthin gegangen, Bin Laden einzufangen,
doch der steckt bestimmt hinter einem Bush.
(Bush Vater oder Sohn, das ist egal).”

Auf dem „Linken Liedersommer” ist Jahn Zahn seit Jahren ein musikalischer Dauergast. Die Sängerin, von der noch eine schnulzige Hymne an ihre Partei überliefert ist, durfte dort über „das politische Kabarett” informieren. Selbstverständlich hat sie auch in diesem Jahr gesungen.

Diese musikalische Zumutung wird durch eine weitere Band übetroffen, die ebenfalls regelmäßig auf dem „Linken Liedersommer” auftritt. Es handelt sich um die Band „Die Bandbreite”, die mit verschwörungsideologischen Inhalten vor allem das Milieu der „Truther” und „Infokrieger” begeistert. Mit ihren musikalischen Verschwörungsmythen tritt die Band regelmäßig auf den Festivals und Veranstaltungen dieser Szene auf. Sei es der ein oder andere Aufmarsch oder die ein oder andere Veranstaltung: „Die Bandbreite” ist nicht wählerisch. So trat die Band am 10. Juni 2011 auf einer Veranstaltung gegen die „Bilderberg-Konferenz” auf. Während sie für die musikalischen Inhalte zuständig war, hielten Politiker_innen der rechtspopulistischen Schweizer Volkspartei (SVP) die Brandreden. Am 10. September 2011 kam es zu einem Auftritt in Karlsruhe, bei dem der Verschwörungsideologe Christoph R. Hörstel an die Verschwörungymthen der „Freunde von ganz Rechts” erinnerte, die „Recht” haben würden:

Da kom­men un­se­re Freun­de von Rechts, die mit den selt­sa­men Stie­feln und den kur­zen Haa­ren und wei­sen auf 1916 hin, auf die­ses Schiff na­mens Lu­si­ta­nia. Ihr Lie­ben, Recht habt ihr! Das war auch eine ge­zink­te Saue­rei. (…) Da ging das wei­ter.

In der jüngeren Vergangenheit beschallte die Band einen zinskritischen Kongress, bei dem Verschwörungsideologen, strukturell antisemitische Zinskritiker_innen und andere Gestalten auftraten. Durch die Veranstaltung führte Andreas Popp, der immer wieder, im Jargon der „Reichsbürger”, von der „BRD-GmbH” spricht und außerdem als Tierrechtler in Erscheinung tritt. In die­sem Zusam­men­hang rela­ti­viert Popp den Holo­caust: Er spricht vom „Tier­ho­lo­caust” und bezeich­net Vieh­trans­porte als „Depor­ta­tio­nen”. Nach dem Auftritt auf dem Zinskongress folgte der Auftritt auf dem „Linken Liedersommer”. Dort produzierte „Die Bandbreite” auch ein unfreiweilig-komischess Video mit einem jungen Groupie. Gemeinsam schwärmte man vom „supergeilen” Ereignis und setzte sich, auf gewohnt niedrigem Niveau, mit „den Antideutschen” auseinander.

„Wir sind grad hier auf ‘nem supergeilen friedlichen Fest, namens ‘Linker Liedersommer’. (…) Wir hatten gerade ein supergeiles Konzert, die Leute waren supergeil dabei und zu den Antideutschen sagen wir einfach nur: Pfui! Fickt euch! Ihr könnt uns mal!”

Die Tageszeitung „junge Welt” berichtete am 26. Juni 2012 über den „Linken Liedersommer”. Dort erfreut sich der Autor am musikalischen „Volksgut” und den„rot schwelenden und züngelnden Holzscheiten”, die „die schöne alte Pfadfinder– und Wandervogel-Romantik” erweckt hätten. Ansonsten wird der „Linke Liedersommer”, dieses linke Treffen der linksdeutschen Volksmusikant_innen, kaum wahrgenommen. Lediglich die DKP-Zeitung „Unsere Zeit” berichtet. Dort schreibt Jane Zahn über ihren eigenen Auftritt und lobt ansonsten das Festival in den höchsten Tönen:

„Als endlich der Regen aufhörte und ein wunderschöner Regenbogen den Wolkenhimmel überspannte, war dann auch noch das Lagerfeuer möglich, einer der größten Anziehungspunkte dieses Festivals. Unglaublich, wie sich dort das Liedgut mischte vom Volkslied über spaßiges Selbstgedichtetes”.

Das war der „Linke Liedersommer”, diese traurige Farce der gar nicht lustigen, linksdeutschen Volksmusikanten. Auch in diesem Jahr sammelten sie sich, ähnlich wie ihre Ahnen, am Lagerfeuer. Im nächsten Jahr werden sie wieder zusammenkommen, um neue und alte „Volkslieder” zu singen und sich im flackernden Schein des Lagerfeuers zu wärmen, das sie danach romatisch verklären. Die linksdeutsche Farce dürfte also wiederholt werden und für anschließende Jubelberichte in den einschlägigen Zeitschriften sorgen.

Update: 11.07.2012: Das erwähnte Video, das auf dem „Liedersommer” entstand, wurde vom Nutzer entfernt.

Die Theorien des Schlagfertigkeitstrainers. April 18, 2012 | 11:17 am

Die Zeitschrift „Capital” feiert ihn als „Star”, die Wochenzeitung „Stern” nennt ihn „Schlagfertigkeitspapst” und das Magazin „Wiener” huldigt ihm als „Meister des Flirts”. Matthias Pöhm arbeitet als „Schlagertigkeitstrainer”, der in Seminaren „mit verstaubten Redestrukturen” aufräumt. Die Kurse des „Schlagfertigkeitstrainers” kosten wischen 200 und 5000 Euro. Zum Anfixen hat er mehrere Taschenbücher verfasst. Sein „Nicht auf den Mund gefallen”–Buch wird gerne gelesen: 170.000 Exemplare wurden bisher verkauft. „Vergessen Sie alles über Rhetorik”, lautet ein weiterer Buchtitel, das der „Rhetoriktrainer aus Leidenschaft” verfasst hat. Das Taschenbuch ist im Goldmann-Verlag erschienen und verspricht eine „handfeste Anleitung”, die jede „Geburtstagslaudatio zum bewegenden Erlebnis” machen würde.

Auf mehr als 200 Seiten propagiert Pöhm seine rhetorischen Tricks, die seine Leser_innen befähigen sollen, „ein David Copperfield” der Redekunst zu werden. Dabei propagiert er zahlreiche Weisheiten, die Redner_innen zum „Meinungsführer” machen sollen, zu einem Menschen, den „man innerlich als Anführer akzeptiert”. Hinter diesem Wunsch verbirgt sich die autoritäre Denkweise des „Schlagfertigkeitstrainers”: „Menschen wollen geführt werden”, behauptet der Trainer, der die Leser_innen gar zu „Rudelführer” machen möchte, die die „Trägheit der Masse” zu ihrem Vorteil nutzen.

Dafür gibt es zahlreiche Ratschläge und Vorbilder, die in dem Buch des Pöhm genannt werden. „Beschreiben sie die Situation, die sie ändern wollen, als ein Horrorszenario und dem stellen sie ihre Lösung gegenüber, die natürlich dann paradiesische Zustände verheißt”, lautet eine dieser Weisheiten des „Schlagfertigkeitspapst”. Ein positives Vorbild ist Evita Peron, ein negatives Vorbild Joseph Goebbels. Auf Seite 88 schildert der Autor Gleichnisse, die die angehenden Leser_innen verwenden sollen, um „Unfug plausibel zu machen, den sie vom logisch urteilenden Bewußtsein her ablehnen würden”. Pöhms erklärt auch, warum er derartige Gleichnisse so überaus sinnvoll findet: „Damit bekommen Sie Macht”.

Sein Beispiel für einen Redner, der diese Vorgehensweise nutzte, um Macht zu erlangen, ist niemand anderes als Reichspropagandaminister Joseph Goebbels und dessen Rede im Sportpalast in Berlin. Pöhm zitiert einige „erschreckende Passagen” und bringt es fertig Jesus Christus und Joseph Goebbels in einen Satz unterzubringen: „Das wache Bewusstsein, die Logik, wird bei Gleichnissen außer Kraft gesetzt. Das wusste Goebbels leider genauso gut wie Jesus”.

Von einer derartigen Qualität ist auch der Rest des Buches. Das scheint selbst Pöhm geahnt zu haben. Bereits im Vorwort empfiehlt er, nur die Kapitel zu lesen, deren Überschriften Interesse wecken. Doch auch davon kann man nur abraten. Es handelt sich um ein Machwerk, das nicht der Lesezeit wert ist. Angehende „Rudelführer”, die „Macht” erlangen wollen, werden sich von meinem gut gemeinten Ratschlag allerdings nicht abhalten lassen und zu diesem Buch greifen. Danach werden sie vielleicht einen der durchaus esoterisch angehauchten Seminare des Matthias Pöhm besuchen, um sich weiter indoktrinieren zu lassen. Für nicht weniger als 1150 EUR verspricht Pöhm den esoterischen „Weg zum Glücksdurchbruch”, eine „praktische Spiritualität” für das „zweite Wesen in Ihnen”. Seit 2005 hat Pöhm nämlich eine weitere Einnahmequelle entdeckt: Mit esoterischer Propaganda lässt sich ebenfalls viel Geld verdienen.

Daher hat der fleißige Autor gleich mehrere Bücher verfasst. Im „Weg zum Glückdurchbruch” propagiert Pöhm seine Version der „Spiritualität”, die „das Eigentliche” sei. Hier geht es um Reinkarnation und Karma, Hier beantwortet er auch eine Frage, die ihn umtreibt: „War Hitler böse?” Der „Rhetorikpapst” beantwortet diese Frage in einem esoterischen Sinne: „Morden ist nicht böse, ich habe es, Gott sei Dank, bis jetzt noch nicht aus innerer Verzweiflung tun müssen. Vergewaltigen ist nicht böse, ich habe es, Gott sei Dank, bis jetzt noch nicht aus innerer Verzweiflung” (!) „tun müssen”. Das sind die esoterischen Lebensweisheiten des Menschen, der in Fernsehen und Zeitschriften als Meister der Rhetorik gefeiert wird. Wer seine gruseligen und gespenstischen Seminare erleben möchte, muss nicht nur viel Geld investieren, sondern auch ein Hotel in der Schweiz besuchen. Alternativ kann man aber auch hier den Play-Knopf drücken. Wie immer gilt: Anschauen auf eigene Gefahr!

Mini-Aufmarsch. April 16, 2012 | 06:44 am

Am 30. März wurde nicht nur in Berlin gegen eine angebliche „Judaisierung” der israelischen Hauptstadt Jerusalem mobil gemacht. In Stuttgart wurde zu einer Demonstration am Mahnmal für die Opfer des Nationalsozialismus (!) mobilisiert, hier hielt die Bundestagsabgeordnete Annette Groth (Die Linke) eine Rede. Ein Aktivist erklärte auf Nachfrage, dass der Ort gewählt worden wäre, „weil sich Israel nicht ein bisschen besser verhält als Nazideutschland”. Die Gleichsetzung zwischen dem deutschen Vernichtungsantisemitismus und der bürgerlichen Demokratie in Israel scheint nicht nur hier ein einender Konsens gewesen zu sein. In Göttingen wurde über eine antisemitische Facebook-Seite sogar zu einem Aufmarsch vor der dortigen Synagoge (!) mobilisiert. „ANTI –ISRAEL DEMO am Freitag den 30.3 in Göttingen treffpunkt vor der ‘SYNAGOGE’”, hieß es hier tatsächlich.

Während im Gaza-Streifen, im Westjordanland und in Jordanien zehntausende Kader der verschiedenen antisemitischen Organisationen marschierten, um die Grenzen zu schleifen, waren es in Berlin deutlich weniger Aktivist_innen, die mit Fahnen und Transparenten zwischen Reichstag und Bundeskanzleramt possierten. Die Inhalte waren allerdings ähnlich: Der Aufmarsch in Berlin würde sich „gegen die Israelische Besatzung und die zunehmend Verdrängung der Palästinenser aus ihren Häuser (Judaisierung) der palästinensischen Städte insbesondere Jerusalem” richten, hieß es in einem Aufruf, in den internationalen Aufrufen wurde ebenfalls die antisemitische Phrase von der „Judaisierung” benutzt. In Berlin kamen allerdings nur wenige Demonstrant_innen zusammen. Zu Beginn waren es lediglich zehn Personen, die sich um ein Transparent scharten und palästinensische Fahnen schwenkten. Gegen 14 Uhr waren es dann um die dreißig Personen, die im trüben Berlin gegen die angebliche „Judaisierung” protestierten, ohne dass es zu Protesten gekommen wäre. Hier blieben die Israel-Hasser unter sich. Das regnerische Wetter sorgte für nasse Gesichter, die Polizei und einzelne Tourist_innen waren die einzigen Personen, die dem Mini-Aufmarsch der Israel-Hasser Beachtung schenkten.

Die Manta-Verschwörung. February 24, 2012 | 09:52 am

Das folgende Video zeigt die angebliche Manta-Verschwörung, hinter der ein Porsche-Vertriebsleiter und Karl Dall stecken. Das Video war ein Projekt der beiden Studenten Johannes Kümmel und Max Penk, die den Clip für ihr Studium an der Filmakademie Baden-Württemberg drehten. Der sehenswerte Kurzfilm zeigt ganz hervorragend, wie die Konstruktion eines Verschwörungsmythos funktioniert.

Man nehme einen anonymisierten Kronzeugen, beantworte die Frage wem die ganzen Manta-Witze genützt hätten, mit einer konkurierenden Firma und mache daraus einen Kurzfilm, der ähnlich glaubwürdig ist wie die zahlreichen Filme, die die historischen Tatsachen des 11. Septembers umdeuten. Porsche ließ die Manta-Witze erfinden, um den Manta zu diskreditieren, ist ähnlich glaubwürdig, wie die Behauptung, dass amerikanische Institutionen für die Terroranschläge des 11. Septembers 2001 verantwortlich sind.

Trotz alledem gibt es genügend Menschen, die auf den offensichtlichen Fake hereinfallen. In einer Gesellschaft, in der mehr als ein Drittel der Menschen an verschiedene Verschwörungsmythen rund um den 11. September 2001 glaubt, zum Wahrsager geht und Amulette unter dem T-Shirt trägt, sollte dies allerdings nicht verwundern: