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Wiedergutmachung ohne Schuld – die Beziehungen zu Israel als Legitimationsideologie der konservativen Nachkriegsrepublik May 4, 2015 | 07:13 am

Vor 70 Jahren kapitulierte Nazideutschland vor den Alliierten, vor 70 Jahren wurden die nationalsozialistische Herrschaft und der Holocaust beendet. Doch was ist mit den Ideologien, die zum größten Verbrechen der Menschheitsgeschichte führten? Gab es einen Bruch oder leben sie unter neuen – demokratischen – Vorzeichen weiter? Erfolgt aus der Vergangenheit ein wahrhaftiger Antifaschismus? Oder entsteht [...]

Der unverstandene Nationalsozialismus April 28, 2015 | 12:43 pm

Vortrag und Diskussion mit Lothar Galow-Bergemann

Mittwoch, 6. Mai 2015, 19.00 Uhr, Nürnberg
Desi, Brückenstr. 23, 90419 Nürnberg

Eine Veranstaltung des Bündnis 8. Mai Nürnberg – Ein Bündnis aus ['solid] Nürnberg/Fürth, SJ – Die Falken Nürnberg, der Pension Abgrund und der Autonomen Jugendantifa.

Schon seit mindestens zwei Jahrhunderten sind die Deutschen davon überzeugt, sie seien besonders gut. Derzeitiger Favorit in der Begründung dieses – nennen wir es mal: erstaunlichen Selbstbewusstseins – ist „unser Lernen aus der Geschichte“. Stolpersteine werden verlegt, „Nie wieder“ – Schwüre sind zum festen Ritual geworden, ein Holocaust-Mahnmal wurde errichtet. Doch im Gewande der Demut kommt alte Überheblichkeit daher. Andere Völker würden uns um dieses Mahnmal beneiden, sprach ein führender Historiker und konnte sich des rauschenden Beifalls der wohlanständigen Mitte dieser Gesellschaft sicher sein.

Wie wenig der Nationalsozialismus entgegen allen Beteuerungen aufgearbeitet ist, zeigt sich nirgends deutlicher als im völligen Unverständnis des Antisemitismus, von dem man eigentlich nur weiß, dass er irgendwie schlecht ist. Hätte man ihn hingegen begriffen, müsste ein regressiver Antikapitalismus, der von „den Gierigen, die uns alle aussaugen“ phantasiert, auf entschiedenen Widerstand stoßen. Doch ganz im Gegenteil, seit Beginn der Krise 2008 grassiert er. Und in obszöner Selbstgerechtigkeit meint man in Deutschland, ausgerechnet aus der Shoah mehr gelernt zu haben als die Juden. Deswegen sind zwar zwei Drittel der Deutschen davon überzeugt, vom jüdischen Staat gehe die größte Gefahr für den Weltfrieden aus, aber Antisemit ist selbstverständlich keiner von ihnen.

Nur wenig vom Mainstream unterscheidet sich eine Linke, die sich besonders kritisch dünkt, weil sie erst gar nicht vom Nationalsozialismus, sondern lediglich vom „Faschismus“ redet. Dass diese nur vermeintlich an den Wurzeln der Verhältnisse bohrende Linke weiter im ideologischen Korsett der 20er und 30er Jahre des vergangenen Jahrhunderts lebt, zeigt sich ebenfalls am auffälligsten am unbegriffenen Antisemitismus, den sie bestenfalls für eine Spielart des Rassismus hält. Wer es auch 70 Jahre nach der Shoah immer noch nicht schafft, sein bequemes Weltbild von den bösen Herrschenden und dem guten Volk abzulegen, klammert sich auf der Suche nach rettenden Strohhalmen gerne an die berühmte Dimitroffsche „Faschismus-Definition“ von 1935. Wiewohl diese von Anfang an falsch war, so ist ihren Urhebern wenigstens noch zugute zu halten, dass sie nicht in die Zukunft blicken konnten. Die Zombielinke von heute aber vermag noch nicht einmal die Vergangenheit zu verstehen. Ihr „Nie wieder“ ist deswegen ebenso Makulatur wie dasjenige der deutschen Mehrheitsgesellschaft.

Lothar Galow-Bergemann lebt in Stuttgart, ist Teil der Gruppe Emma und Fritz und schreibt unter anderem für konkret, Jungle World und iz3w.

Antiba – der Barbarei entgegentreten! Über Antifaschismus in Zeiten von Djihadismus und Pegida April 20, 2015 | 12:42 pm

Vortrag und Diskussion mit Lothar Galow-Bergemann

Montag, 18 Mai 2015, 20.00 Uhr, Universität Freiburg

Eine Veranstaltung des Referats gegen Faschismus im StuRa der Uni Freiburg

2014 explodierten Dumpfbackentum, Ressentiment und Barbarei: Antisemitische Massenaufmärsche verlangten „Tod den Juden!“ – Nazis, Islamisten und Linksreaktionäre marschierten vereint im Hass gegen den jüdischen Staat und in Solidarität mit seinen Todfeinden – Djihadisten drohten Andersgläubigen mit Macheten in der Hand, sie „hier genauso zu töten wie im Irak“ – Rechtsreaktionäre erzielten erschreckende Wahlerfolge und mit Pegida, Hogesa &Co mobilisierte ein rassistischer Mob gegen MuslimInnen und Flüchtlinge. Zu Beginn des neuen Jahres machten die djihadistischen Mordanschläge in Paris und Kopenhagen auf ein atheistisches Satiremagazin, eine Diskussionsveranstaltung zur Meinungsfreiheit, einen jüdischen Supermarkt und eine Synagoge klar: der Wahnsinn geht weiter.
Antifa, das ist ihr unschätzbares Verdienst, will in Zeiten, in denen leider keine Aussicht besteht, die Verhältnisse grundsätzlich zum Tanzen zu bringen, wenigstens den allerschlimmsten und barbarischsten Kräften in den Weg treten. So wichtig es bleibt, sich offenen Nazis entgegenzustellen – es liegt auf der Hand, dass der Kampf gegen sie allein nicht mehr ausreicht. Stiefel- und Nadelstreifennazis verbindet trotz des äußerlichen Gegensatzes im Kern eine enge Seelenverwandtschaft mit den Djihadisten. Wer um ein Minimum an Menschenwürde und um  Mindestvoraussetzungen für eine irgendwann vielleicht doch noch gelingende Emanzipation kämpfen will, muss sich der anschwellenden Front der Barbarei in all ihren Facetten entgegenstellen.
Vor welchen Herausforderungen theoretischer wie praktischer Art steht Antifaschismus heute? Wie hilfreich und wie problematisch ist dafür die so genannte „Islamdebatte“? Inwiefern können Begriffe wie „Islamismus“, „Islamophobie“ oder “Islamkritik“ dazu beitragen, die Problemlage zu erfassen? Warum ist eine konservativ-orthodoxe Interpretation der Religion in muslimischen Communities so stark präsent? Ist die Rede von „dem“ Islam zutreffend, der im Gegensatz zu „dem“ Christentum Humanität und Säkularität ausschließe?
Wie ist schließlich ein emanzipatorischer Anspruch inmitten einer zunehmend verrückter werdenden Umgebung aus moslemhassenden Sarrazindeutschen, tatsachenresistenten Linken, Nazis und Djihadisten zu formulieren? Und wie kann er praktisch werden?
Lothar Galow-Bergemann schreibt u.a. für Jungle World, Konkret & auf www.emmaundfritz.de

 

 

Beschluss auf dem Bundeskongress der Linksjugend [‘solid]: Gegen jeden Antisemitismus April 19, 2015 | 04:13 pm

Es ist die historische Erfahrung aus Auschwitz, dass die dem Antisemitismus immanenten Vernichtungsfantasien real sind und im Zweifelsfall kein Staat den Schutz der Jüd_innen vor Antisemitismus zu garantieren bereit war. Israel ist die unerlässliche Konsequenz der Erfahrung der Shoa. Für eine Linke, die für gesellschaftliche Emanzipation eintritt, sollte die Verteidigung des unbedingten Existenzrechts Israels, als dem Staat zum Schutz der Jüd_innen, ein wichtiger Ausgangspunkt politischen Handelns sein. Eine Kritik des Antisemitismus in der linksjugend ['solid] muss neben der Aufklärung über Antisemitismus auch die Verhinderung der Verbreitung antisemitischer Standpunkte bedeuten.

kundgebung gegen pro-hamas-tagung April 17, 2015 | 12:00 pm

Audio: „Made in Germany!“ Nationalsozialistischer Antisemitismusexport nach Palästina April 16, 2015 | 03:19 pm

Vortrag von Martin Cüppers

gehalten auf der Tagung „Hört das denn nie auf?!“- Altneuer Antisemitismus in Europa
am 14. März 2015 in der Evangelischen Akademie Bad Boll                                   gesendet im Freien Radio für Stuttgart am 24. April 2015

Der Vortrag befasst sich mit den Beziehungen des nationalsozialistischen Deutschland in die arabische Welt und ihren Nachwirkungen seit 1945. Mit dem Einmarsch der Wehrmacht im Februar 1941 in Libyen waren Planungen zur Eroberung des gesamten Nahen und Mittleren Ostens verbunden. Auch in Palästina war der Massenmord an den dortigen Juden geplant – unter tatkräftiger Mithilfe arabischer Kollaborateure. Der damalige Großmufti von Jerusalem Mohammed Amin al-Husseini arbeitete eng mit Nazideutschland zusammen. Noch Jahrzehnte später sprach der PLO-Vorsitzende Yassir Arafat von „unserem Helden al-Husseini“. Der gegenwärtige Antisemitismus im Nahen Osten beruht auch auf einem Input aus Europa, der heute kaum mehr wahrgenommen wird.

PD Dr. Martin Cüppers ist Wissenschaftlicher Leiter der Forschungsstelle Ludwigsburg der Universität Stuttgart Historisches Institut – Abteilung Neuere Geschichte. Er ist – zusammen mit Klaus-Michael Mallmann – Coautor des Buches Halbmond und Hakenkreuz: Das “Dritte Reich”, die Araber und Palästina

 

Antiamerikanischer Antisemitismus bei Endgame April 13, 2015 | 08:36 pm

Zur Analyse einer Protestbewegung, die sämtliche Kategorien der Unfreiheit affirmiert

von Jonas Bayer

Endgame, dem Begriff nach einerseits englisch für „Endphase“, andrerseits Kurzform für „Engagierte Demokraten gegen die Amerikanisierung Europas“, entstand im Dezember 2014 unter dem Namen Pegada, ausgeschrieben „Patriotische Europäer gegen die Amerikanisierung des Abendlands“. Diese Bezeichnung diente dem Versuch, einerseits an die Erfolge der in den Medien damals stark vertretenen Pegida-Bewegung anzuknüpfen, zugleich aber den Fokus weg von der dort proklamierten Islamisierung hin zu einer vermeintlichen Amerikanisierung Europas zu verschieben. 

Inhaltsverzeichnis:

1. Einleitung
2. Hauptteil: Analyse und Kritik der politischen Positionen Endgames
2.1.Informationen zum Forschungsgegenstand
2.2.Theorie des antiamerikanischen Antisemitismus
2.3. Antiamerikanischer Antisemitismus bei Endgame: Analyse und Versuch der Dekonstruktion
2.3.1. Analyse
2.3.1.1. Aufklärung und gesundes Volksempfinden
2.3.1.2 Volk und Parasiten
2.3.1.3 Volk und Zersetzung
2.3.1.4. Deutschland und die Westalliierten
2.3.1.5. Deutschland und der Schatten der Vergangenheit
2.3.2. Versuch der Dekonstruktion: Dem Ressentiment entgegentreten
2.3.2.1. Zur Kritik des regressiven Antikapitalismus: Warum weder Zinsen noch parasitäre Finanzspekulanten unser Unglück sind
2.3.2.2. Zur Kritik des autoritären Kollektivismus: Warum das biologistisch verstandene Volk eine menschenverachtende Kategorie ist
3. Fazit

 
1. Einleitung

Die politische Bewegung Endgame gründete sich im Dezember 2014 unter dem Namen Pegada. Mit ihr beschäftigt sich diese Arbeit. Zur Analyse wird, basierend der im selben Jahr von Heiko Beyer verfassten Soziologie des Antiamerikanismus, davon ausgegangen, dass Antiamerikanismus und Antisemitismus konkrete Ausformungen einer ressentimenthaft antimodernistischen Ideologie sind, die beiden zu Grunde liegt. Dadurch wird es möglich, unabhängig von den jeweiligen, beliebig austauschbaren Projektionsobjekten die Struktur der Argumentation selbst in den Blick zu nehmen. Die leitende Fragestellung lautet also: Wie konkret äußert sich der ressentimenthafte Antimodernismus auf den verschiedenen Politikfeldern im Diskurs Endgames und was kann jenem argumentativ entgegengesetzt werden? In Ermanglung einer geeigneteren Begrifflichkeit wird dabei das analysierte und kritisierte Weltbild als antiamerikanischer Antisemitismus bezeichnet. Es zeigt sich, dass – entsprechend der dichotomen Struktur des antiamerikanischen Antisemitismus – das Weltgeschehen bei Endgame in verschiedene Gegensatzpaare zerfällt. Die Analyse muss hier notwendigerweise unvollständig bleiben, fünf dieser Gegensatzpaare werden herausgegriffen und auf ihre Funktionsweise hin untersucht. Die beiden theoretisch wie praktisch zentralsten dieser Gegensatzpaare werden dann kritisiert, wobei gezeigt werden soll, dass die Gegnerschaft Endgames zum Kapitalismus auf einem falschen Begriff desselben basiert, und die zur Globalisierung einen Volksbegriff mobilisiert, der sich repressiv gegen das Individuum richtet.

Ebenfalls von Beyer wird in dieser Arbeit die Methode der stochastischen Genuswahl übernommen, d.h. das grammatikalische Geschlecht wird bei Personengruppen nach dem Zufallsprinzip verwendet. Beyer selbst gibt als Quelle hierfür die Autoren Nothbaum und Steins (2010) an.

2. Hauptteil: Analyse und Kritik der politischen Positionen Endgames

Für diese Arbeit werden zunächst kurz einige Hintergrundinformationen zum Forschungsgegenstand zusammengetragen, dann wird die diese Arbeit begleitende Theorie vorgestellt, anschließend wird versucht, den Diskurs der Endgame-Bewegung zu analysieren und zu dekonstruieren, d.h. dem Ressentiment, wo es auftaucht, Argumente entgegenzusetzen, und abschließend werden die Ergebnisse in einem Fazit noch einmal zusammengefasst.

2.1. Informationen zum Forschungsgegenstand

Endgame, dem Begriff nach einerseits englisch für „Endphase“, andrerseits Kurzform für „Engagierte Demokraten gegen die Amerikanisierung Europas“, entstand im Dezember 2014 unter dem Namen Pegada (vgl. Pegada 2014a), ausgeschrieben „Patriotische Europäer gegen die Amerikanisierung des Abendlands“. Diese Bezeichnung diente dem Versuch, einerseits an die Erfolge der in den Medien damals stark vertretenen Pegida-Bewegung anzuknüpfen, zugleich aber den Fokus weg von der dort proklamierten Islamisierung hin zu einer vermeintlichen Amerikanisierung Europas zu verschieben. Seit dem Abklingen Pegidas verzichtet Endgame auf Pegada als Selbstbezeichnung (vgl. Pegada 2015a). Hintergrund Endgames ist die Friedensbewegung 2014, deren – teils ehemalige – Protagonisten positiv rezipiert werden (vgl. Endgame 2015a). Entsprechend ähneln sich auch die Argumentationsmuster. Als konkreter politischer Akteur organisiert Endgame regelmäßige Demonstrationen, bisher in Halle (vgl. Afane 2015) und Erfurt (vgl. DIE WELT 2015). Dem Selbstverständnis seiner Anhänger nach handelt es sich um eine Bewegung, die politisch weder rechts noch links steht (vgl. Pegada 2014b; Afane 2015; Schmidt 2015). Die Diskursanalyse allerdings zeigt, dass es sich hierbei um ein Täuschungsmanöver handelt, da die Argumentationsmuster in der Tat vielfach dem Diskurs der neuen und alten Rechten entlehnt sind.

2.2. Theorie des antiamerikanischen Antisemitismus

Theoretisch stützt sich diese Arbeit vor allem auf Heiko Beyers (2014) Soziologie des Antiamerikanismus. Dort fasst Beyer den ressentimenthaften Antiamerikanismus als Reaktion auf die im 19. Jahrhundert krisenhaft hereinbrechende Moderne: Das durch den beschleunigten sozialen Wandel verunsicherte Individuum sei, so Beyer, bestrebt, jenen zu erklären und dadurch wieder beherrschbar zu machen. Eine Möglichkeit, die Moderne und den mit ihr einhergehenden beschleunigten sozialen Wandel zu rationalisieren, d.h. scheinbar zu erklären, besteht nach Beyer darin, deren Ursache in den Vereinigten Staaten von Amerika auszumachen. Zugleich würden hedonistische Selbstanteile, die das antiamerikanische Individuum an sich selbst verachtet und fürchtet, auf die USA projiziert.

Indem sowohl die Moderne samt ihrer vermeintlichen Lasterhaftigkeit als auch eigene hedonistische Persönlichkeitsanteile, die als Ausdruck eben jener Lasterhaftigkeit erscheinen, mit den USA verknüpft werden, entsteht ein negativer Bezugspunkt, über den das antiamerikanische Individuum sich selbst und die Gruppe, der es sich zugehörig fühlt, per Abgrenzung positiv definiert. (vgl. Hansen 2007: S. 34-37) Die konstruierte Antithese zwischen dem, was im Diskurs als amerikanisch erscheint, und dem, was diesem positiv gegenübergestellt wird, verselbstständigt sich, wie im Diskurs Endgames deutlich wird, im Extremfall zu einem Welterklärungsmuster, das sämtliche Entwicklungen – freilich nur innerhalb des antiamerikanischen Weltbilds – sinnvoll interpretierbar macht. Dieses Welterklärungsmuster allerdings liegt eine Ebene tiefer, seiner Struktur nach ist es nicht nur antiamerikanisch, sondern auch antisemitisch:

„Aus Sicht der Kognitionspsychologie handelt es sich bei antiamerikanischen und antisemitischen Einstellungen um Elemente eines gemeinsamen Kognitionsclusters. Die einzelnen Elemente werden durch Kognitionen, die eine Verbindung von Juden und Amerika begründet, getragen und in allgemeinere, beide Aspekte synthetisierende Welterklärungen eingepasst. Je nachdem, in welchem sozialen Kontext sich das Individuum befindet, manifestiert sich dann eher das antisemitische oder das antiamerikanische Element in der Kommunikation (vgl. Beyer/Liebe 2010). Gleichzeitig verweisen die analogen Inhalte der Ressentiments auf eine affektive Äquivalenz: Beide Objekte werden mit ähnlichen Vorstellungen besetzt, die dem Assoziationsfeld des Hedonismus zuzuordnen sind. Diese Objektverwandschaft ermöglicht die Verschiebung des Projektionsobjekts, so dass im Fall wahrgenommener sozialer Tabuisierung – hier vor allem des Antisemitismus – das jeweils andere Objekt gewählt wird.“ (Beyer 2014: S. 114)

Für den praktischen Teil der Arbeit wird also nicht nur der Antiamerikanismus relevant sein, sondern insbesondere das ihm zu Grunde liegende Welterklärungsmuster, das sich ebenso als Antisemitismus manifestieren kann und manifestiert (vgl. Strohm 2014). Da sich das Ressentiment im Diskurs Endgames trotz aller Tabuisierung immer wieder als ungeschönte Judenfeindschaft zeigt, scheint diese der bedeutendere der beiden Aspekte zu sein. Die bei Endgame zu analysierende und zu kritisierende Ideologie wird deshalb in dieser Arbeit als antiamerikanischer Antisemitismus bezeichnet.

2.3. Antiamerikanischer Antisemitismus bei Endgame: Analyse und Versuch der Dekonstruktion

Die im Folgenden vorgenommene Diskursanalyse basiert vor allem auf drei Primärquellen: Einem seitens Endgame positiv rezipierten und beworbenen (vgl. Pegada 2015b) Beitrag Andreas Popps, einem ebenfalls durch Endgame gefeierten und verbreiteten (vgl. Pegada 2015c) Beitrag Holger Strohms, und einer auf einer Endgame-Demonstration gehaltenen Rede Donatus Schmidts. Die Auswahl kann als repräsentativ gelten: Zum einen fanden und finden sowohl die Friedensbewegung 2014 als auch Endgame primär online statt – die „Gefällt mir“ – Angaben der entsprechenden Seiten in den sozialen Netzwerken übertreffen die Teilnehmerzahlen der Demonstrationen und Mahnwachen um ein Vielfaches, wie auch generell die Aktivitäten im Internet die auf der Straße weit übertreffen. Es ist daher legitim, zwei auf Youtube veröffentlichte Beiträge, aber nur eine tatsächlich auf einer Demonstration gehaltenen Rede zu analysieren. Die Wahl fiel dabei nicht zufällig auf Beiträge Popps und Strohms: Vor allem Ersterer ist einer der wichtigsten Stichwortgeber der verschwörungsideologischen Rechten in Deutschland. Seine Videos erreichen teilweise sechsstellige Aufrufe (vgl. Popp 2012; Popp 2013), und mit Wortschöpfungen wie beispielsweise der Titulierung der Kritikerinnen als „Nazitheoretiker“ (Popp 2014) gibt er seinen Anhängerinnen wirkungsmächtige Waffen für die politische Auseinandersetzung an die Hand. Auch Strohm fungiert als Ideologe (vgl. Strohm 2015), obgleich etwas weniger erfolgreich als Popp. Die durchwegs positiven Reaktionen auf alle drei Primärquellen lassen den Schluss zu, dass in ihnen Positionen vertreten werden, die von der Mehrheit der Endgame-Anhängerinnen geteilt werden.

2.3.1. Analyse

Als Prämisse wird jeweils zu Beginn eine geheime, die Geschicke der Welt lenkende Macht behauptet. So erklärt Popp (2015), dass „nahezu alle vermeintlich hoheitlichen Strukturen beziehungsweise Staaten […] der Macht des Finanzsystems [unterliegen]“, Strohm (2014) weiß von „satanische[n] Logen wie d[en] Bilderberger[n], die die Kontrolle über die ganze Welt haben“, zu berichten, und auch Schmidt (2015) beklagt ein „Wirtschaftssystem, in dem die Superreichen […] die Macht über die Geschicke der Welt haben“. Diese geheime Elite kann nun – entsprechend der Ambivalenz des Ressentiments – mit den USA oder mit Juden verknüpft werden: So erklärt Strohm (ebd.) „Rothschild“, jüdischer Bankier und Hassobjekt aller Antisemitinnen (vgl. Waschneck 1940), zur „Nummer [Eins] bei den Bilderbergern“, während Schmidt (ebd.) behauptet, die geheime Elite kontrolliere „die Regierung in den Vereinigten Staaten“ über die „Federal Reserve Bank“ und den „amerikanischen Dollar“. Wie und ob sich das Ressentiment manifestiert, ist für die Argumentation allerdings unerheblich, entscheidend ist, dass dem übermächtig erscheinenden sozialen Wandel ein übermächtiger Akteur zugeordnet wird. Der Kampf gegen die globale Verschwörung wird damit zum Kampf gegen den sozialen Wandel selbst, und der Kampf zwischen dem Verschwörungsideologen und der von ihm phantasierten Verschwörung wiederum reproduziert sich im antiamerikanischen Antisemitismus in Form verschiedener Gegensatzpaare, die ihn als Ideologie konstituieren.

2.3.1.1. Aufklärung und gesundes Volksempfinden

Der Diskurs Endgames richtet sich – wie zu erwarten – gegen die Aufklärung und die sie tragenden Institutionen. Die medizinische Forschung, so Strohm (ebd.), sei „von der Lobby“ gesteuert, es ginge lediglich ums Geschäft. Auf der Website Pegadas (2014c) findet sich zudem die Forderung nach „Aufklärung in den Bereichen Gesundheit, Medizin, Impfen und kreiierte [sic!] Krankheiten!“ Und Popp (ebd.) behauptet, dass ein „akademisches Studium“ für das Erkennen der sozialen Realität „eher hinder[lich]“ sei. Als positive Antithese nennt er den „gesunde[n] Menschenverstand“. Auch die Presse erfährt ausschließlich Ablehnung: Für Popp (ebd.) sind Medien „Propagandamaschinen“, die ausschließlich im Sinne der „Finanzmacht“ berichteten, und Strohm (ebd.) erklärt:

„Es herrscht […] Zensur. […] Keiner der Journalisten wagt es, die Wahrheit zu sagen. […] Journalisten [betreiben] ständig Kriegshetze. […] Überall, wo Aufstände sind, sind die ersten Ziele die Journalisten, weil sie als Teil des Krieges betrachtet werden.“

Strohm unterstellt also zunächst, dass Medien Teil der Verschwörung seien und absichtlich desinformierten, um dann dem Volk – der Begriff ist, wie sich zeigen wird, zentral für den Diskurs Endgames – zu attestieren, dass es, sofern es sich im Bestreben, sich gegen das „Machtsystem“ (Popp ebd.) zu erheben, gegen Journalistinnen wendet, damit durchaus die Richtigen trifft. Sowohl bei Popp als auch bei Strohm ist der Instinkt des Volks der eigentliche Quell der Erkenntnis, Wissenschaft und Journalismus erscheinen bestenfalls als nutzlos, tendenziell eher als propagandistisch und schädlich. Vor dem theoretischen Hintergrund vermag das kaum zu überraschen, sind doch eine freie Presse, die Schulmedizin und generell die moderne Wissenschaft sämtlich Ausdrücke des durch die Moderne stark beschleunigten sozialen Wandels.

2.3.1.2 Volk und Parasiten

Das Weltbild, aus dem der antiamerikanische Antisemitismus schöpft, betrachtet auf der ökonomischen Ebene den Zins als Wurzel allen Übels:

„Dieses Wirtschaftssystem mit Zins und Zinseszins führt uns immer tiefer in die Katastrophe. Die Probleme weltweit nehmen immer mehr zu, auf Grund eines kranken und kaputten Wirtschaftssystems, welches exponentielles Wachstum braucht, um zu überleben.“ (Schmidt, ebd.)

Entsprechend konstatieren antiamerikanische Antisemitinnen im Kapitalismus, den sie auf seine abstrakte Seite reduzieren, eine „Umverteilung von fleißig nach reich“ (Popp ebd.). Das vermeintlich betrogenen Kollektiv der ehrlich Arbeitenden, zu dem auch Industrielle gezählt werden, erscheint im Diskurs wiederum als Volk, wobei der Begriff hier durchaus nicht ethnisch verstanden wird. Diesem Volk wird eine kleine Minderheit gegenübergestellt, welche die hart arbeitende Mehrheit – eben das Volk – durch die Wirkungsweise des Zinses auspresse:

„Fast alle amerikanischen Präsidenten haben von der Verschwörung des Großkapitals, der Rothschilds, Rockefellers und Morgens gesprochen. Und dass das amerikanische Volk von ihnen geplündert werde.“ (Strohm, ebd.)

„Wir haben erkannt, dass auch das israelische Volk letztlich Opfer dieser Machenschaften ist. Es geht um die Drahtzieher, die diese Machenschaften aushecken.“ (Schmidt, ebd.)

Dieser völkische Antikapitalismus zielt auf Vernichtung, weil er die sozialen und ökologischen Verwerfungen, die der Kapitalismus produziert, an einer kleinen Personengruppe und deren Charaktereigenschaften festmacht und damit die Utopie einer von ökonomischer Ausbeutung befreiten Gesellschaft an die Vernichtung dieser Personengruppe bindet. Den ersten Schritt hin zur Vernichtung – nämlich die Entmenschlichung der zu Vernichtenden – macht Endgame im Diskurs selbst:

„Es geht um die Drahtzieher, die diese Machenschaften aushecken, die sich erdreisten, über uns Menschen zu herrschen, und denen es völlig egal ist, was mit uns Menschen ist, die unser Blut einfach vergießen, nur für ihre wirtschaftlichen Interessen, nur für ihre perversen Machtgelüste!“ (Schmidt ebd.)

Der diskursiv erzeugte Gegensatz zwischen den „Drahtzieher[n]“ und „uns Menschen“ lässt nur einen Schluss zu: Für Endgame-Redner Donatus Schmidt sind jene, die er für unser Unglück hält, keine Menschen. Auch Andreas Popp (ebd.), der sich positiv auf „alle Menschen“ bezieht, zugleich aber gegen „unproduktive Spekulanten“ agitiert, entmenschlicht in der Konsequenz letztere.

Zur theoretischen Rückversicherung muss geklärt werden, wie Zins, „Drahtzieher“ beziehungsweise „unproduktive Spekulanten“ und sozialer Wandel zusammenhängen. Auskunft hierzu gibt Samuel Salzborn (2010) in Antisemitismus als negative Leitidee der Moderne. Dort zeigt er, dass „in der antisemitischen Phantasie Juden zum Symbol für das Abstrakte als solches [werden].“ (ebd. S. 321) Das Abstrakte aber ist Erscheinung der Moderne, da Finanzmärkte und Börsen selbst, deren Handlungen im Diskurs die Antithese zur konkret-stofflichen Herstellung von Dingen bilden, Erscheinungen der Moderne sind und der antiamerikanischen Antisemitin damit als Auswüchse des als übermächtig und bedrohlich wahrgenommenen sozialen Wandels gelten.

2.3.1.3 Volk und Zersetzung

Kommt der antiamerikanische Antisemitismus für seine Analyse des Kapitalismus noch ohne rassistischen Volksbegriff aus, ändert sich dieses zügig, sobald er sich gegen die ebenso verhasste Globalisierung wendet. Hier reproduziert sich das Ressentiment als konstruierter Widerspruch zwischen „heimatgebundene[n], stolze[n] Völker[n] mit innerem Zusammenhalt“ (Popp ebd.) und Einflüssen, die diese zu zersetzen drohen: Konkret nennt Popp (ebd.) „McDonalds“, „Burger King“, „Hollywoodfilme, Fernsehserien und Popmusik“. Dass es überhaupt verschiedene Völker im rassistischen Sinne gebe, wird bei Endgame mit größter Selbstverständlichkeit proklamiert:

„Wir sind dagegen, dass sich ein Volk über andere Völker stellt, beziehungsweise eine Rasse sich über andere Rassen stellt!“ (Schmidt ebd.)

Wie alles, was der antiamerikanischen Antisemitin schlecht erscheint, werden auch besagte zersetzende Einflüsse als Böswilligkeit einer halluzinierten geheimen Elite gedeutet: „Das Machtsystem“ verfolge nämlich „die politische Strategie, alle Völker der Welt zu destabilisieren“. (Popp ebd.) Zu diesem Zweck würden die verschiedenen Völker absichtsvoll durchmischt und dadurch aufgelöst:

„Vermischt man […] die drei Malfarben rot, gelb und blau, ist das Ergebnis immer braun – und diese Farbe prägte lang genug einen Teil unserer Geschichte. Das Ziel ist offensichtlich: Auf allen Seiten werden ethnische Wurzeln verletzt, aus denen ein Widerstand gegen das tatsächlich menschenverachtende Machtsystem hervorgehen könnte. Heimatgebundene, stolze Völker mit innerem Zusammenhalt waren erfahrungsgemäß stärker bei der Verteidigung ihrer Lebensführung und Tradition, als es bei ethnisch zusammengewürfelten Menschen in heimatfremden Ländern der Fall ist.“ (Popp ebd.)

„Man möchte eine Regierung, ein Volk, eine Rasse, also im Grunde das, was Hitler schon wollte.“ (Strohm ebd.)

Indem gerade das, wogegen sich das Ressentiment richtet, in die Nähe des Nationalsozialismus gerückt wird, vollzieht sich die Verdrehung, die, wie sich zeigen wird, für die Geschichtsauffassung des antiamerikanischen Antisemitismus recht typisch ist. Zugleich verraten die dergestalt Verdrehenden, dass ihnen bewusst ist, dass sie mit ihrer Aversion gegen das „Multi-Kulti-Dogma“ und den „zentralistisch gesteuerten Globalisierungswahn“ (Popp ebd.) bei gleichzeitigem positiven Bezug auf „Tradition“, „Heimat“ (Popp ebd.), „Völker“ und „Rassen“ (Schmidt ebd.) selbst Gedankengut vertreten, dass der politischen – auch extremen – Rechten keineswegs fremd ist.

Dass auch hier die Verunsicherung durch die Moderne und den sozialen Wandel die tiefere Ursache ist, verrät Popp (ebd.), wenn er bei Pegida Überfremdungsängste und Volkstodphantasien auf folgende Weise einerseits konstatiert, aber auch rechtfertigt und offenbar auch teilt:

„Stellt man sich einmal irgendwo in einen öffentlichen Park, auf einen Spielplatz oder in eine belebte Einkaufsstraße, und realisiert bewusst den Anteil der ausländischen Mitbürger, dann ergibt ein Vergleich der gewonnen Eindrücke mit Erinnerungen von zum Beispiel vor 20 Jahren eine starke Reduktion des deutschen Anteils. Mit einer Überschlagsprognose für die nächsten 20 Jahre kann man recht einfach die Befürchtung vieler Deutscher nachvollziehen, als das Volk in die Geschichte einzugehen, dessen Regierungen sinkende Geburtenraten durch zunehmende Einwanderung auszugleichen versuchten.“

Der „deutsche Anteil“ sinkt also mit der Zeit, damit ist das als Bedrohung wahrgenommene Absinken desselben Teil des sozialen Wandels. Und da die Mobilität seit dem 19. Jahrhundert extrem zugenommen hat, ist auch die „zunehmende Einwanderung“ und damit die im Diskurs Endgames beschworene Vermischung der Völker im Weltbild des antiamerikanischen Antisemitismus an die Moderne gebunden.

2.3.1.4. Deutschland und die Westalliierten

Grundsätzlich versucht Endgame, an den Diskurs des marxistisch-leninistischen Antiimperialismus anzuknüpfen, der das Geschehen auf der Welt als Kampf zwischen dem US-Imperialismus und unterdrückten, um ihre Freiheit ringenden Völkern interpretiert (vgl. Haury 1998). Anders als in der traditionellen Linken allerdings rücken bei Endgame nicht nur Palästinenser und Iraner, sondern insbesondere die Deutschen als unterdrücktes Volk in den Mittelpunkt des Interesses:

„Freiheit für Palästina und für alle Völker! […] Freiheit für die Ukraine und für den Donbass! Freiheit für Russland! Freiheit für China und Uganda! Freiheit für Afghanistan, für den Irak! Für Palästina selbstverständlich. Und selbstverständlich für Deutschland, dass man endlich wieder vernünftig und normal seine Meinung äußern kann, ohne in irgendwelche Schubladen gesteckt zu werden!“ (Afane ebd.)

Diese Neuinterpretation des Antiimperialismus ermöglicht einen revisionistischen Blick auf die Zeit des Nationalsozialismus, auf die seiner Entstehung, und auch auf die nach 1945. So behauptet die Bandbreite (2014), eine sich in ihrer Selbstwahrnehmung als antifaschistisch definierende Politband (vgl. Geppert 2015), die für Endgame mobilisiert (vgl. Die Bandbreite 2015a) und auf den entsprechenden Demonstrationen auftritt (vgl. Die Bandbreite 2015b), dass es „ohne Großbritannien“, d.h. ohne britische Einflussnahme „keine Nazis“ in Deutschland gegeben hätte. Ferner hätte Hollywood, das heute fortwährend „den deutschen Schuldkomplex“ aufrecht erhalte, die Shoa in den 40er Jahren absichtlich ignoriert. Auch amerikanische Einflüsse hätten „das Monster [gefüttert]“, amerikanische Bomber entsprechend die Vernichtungslager geschont. Fazit, im Che Guevara Shirt vorgetragen:

„Weil seit jeher die Sieger die Geschichte schreiben, übersieht man schon mal gern bedeutungsvolle Kleinigkeiten. (…) Jetzt sollen wir dankbar sein, den Doktor Frankensteins, die dieses Monster schufen, um uns dann davon zu befreien.“ (Die Bandbreite 2014)

Der Nationalsozialismus erscheint also als diabolischer Plan, geschmiedet, um anschließend das deutsche Volk unterdrücken zu können – einerseits durch eine imaginierte moralische Gängelung, aber eben auch ganz konkret als Besatzungsmacht. Strohm (ebd.) behauptet in diesem Zusammenhang: „Wir sind nicht befreit worden, sondern wir sind versklavt worden.“ Und Schmidt (ebd.) bekennt:

„Wir sind für eine Befreiung Deutschlands, wir sind für ein souveränes Deutschland, damit wir endlich frei unsere Entscheidungen als Volk treffen können, und zwar Entscheidungen, die für uns gut sind, für unser Volk gut sind. Was wir augenblicklich erleben, ist eine sogenannte Bundesregierung, welche ja lediglich eine Verwaltungsorganisation der Besatzungsmächte ist. Wir erleben, wie unsere Besatzungsmacht vorschreibt, Entscheidungen zu treffen, die nicht gut sind für unser Volk, die schädlich für unser Volk sind.“

Diese Aversion gegen die politische Elite, die in der Logik des antiamerikanischen Antisemitismus das deutsche Volk dem schädlichen und zersetzenden Einfluss der Globalisierung, des Kapitalismus und anderer vermeintlicher Auswüchse der Moderne aussetzt, manifestiert sich bei Strohm (ebd.) als ungeschminkte Judenfeindschaft:

„Angela Merkel, die ja selber Jüdin ist, wie zuvor ganz viele Politiker, Helmut Kohl, oder aber Joschka Fischer, oder wir können jetzt durchmarschieren, ich könnte hier für eine halbe Stunde… Alle die, die wirklich Macht haben in Deutschland. Nun könnte man sagen: ‘Das spielt doch keine Rolle.’ Ja doch, schon, weil die Juden uns Deutsche als Feinde sehen.“

Im Diskurs Endgames gilt die Ablehnung also nicht der deutschen Regierung als deutsche Regierung, sondern gilt derselben gerade als undeutsche, gar antideutsche, zugespitzt: jüdische Regierung. Sie erscheint als Teil des übermächtigen Akteurs, gegen den die Verschwörungsideologin ihrem Selbstverständnis nach ankämpft, und in der antiimperialistischen Logik als Statthalterin Amerikas. Sie repräsentiere nicht das deutsche Volk, sondern sei vielmehr zentral an seiner Unterdrückung beteiligt. Entsprechend erklärt Endgame-Redner Konstantin Stößel (2015):

„Es wird langsam Zeit, dass dieses Land hier aufwacht!“

Die Deutschen, die als unterdrückt und gegängelt, als die eigentlichen Opfer erscheinen, werden also letztlich dazu aufgerufen, das durch den Engame-Diskurs selbst konstruierte Joch abzuschütteln. Dass bei einem solchen „Aufst[a]nd“ (Strohm ebd.) Gewalt gegen vermeintliche Vertreterinnen des „Machtsystems“ (Popp ebd.), beispielsweise Journalisten, durchaus denkbar scheint, wurde bereits bei der Analyse des Verhältnisses Endgames zur Aufklärung und bei der des vernichtungsorientierten Antikapitalismus gezeigt.

2.3.1.5. Deutschland und der Schatten der Vergangenheit

Der Diskurs, den Endgame um Israel führt, kann als Lehrstück des sekundären (vgl. Gessler 2006), israelbezogenen Antisemitismus gelten. Der jüdische Staat wird fortwährend mit Vokabeln belegt, die ihn nicht nur dämonisieren und delegitimieren, sondern die im öffentlichen Diskurs der BRD auch notwendigerweise mit der Shoa verknüpft sind: Afane (ebd.), der von einem „Genozid an [seinem] Volk […] in Gaza“ zu berichten weiß, gilt Zionismus als „Faschismus“, Schmidt (ebd.) will „in Israel“ einen „Völkermord“ ausgemacht haben, und Strohm (ebd.) sieht bei „harten Zionisten“ Ambitionen, „Groß-Israel“ zu errichten. Ferner zitiert er zustimmend den „vorherige[n] Papst“, der angeblich den Gaza-Streifen als „Warschauer Ghetto“ bezeichnet hätte. Von hier leitet er dann mit folgender Bemerkung zur oben zitierten, offen judenfeindlichen Passage über:

„Und die Tragik ist darin, dass das Unrecht, was man den Juden angetan hat […], das tun nun die Israelis den Arabern an.“ (Strohm ebd.)

Damit aber wird die – ansonsten auch nicht unbedingt glaubwürdige – strikte Trennung zwischen Judentum und Zionismus, zwischen Juden und Israelis (vgl. Afane ebd.) im Endgame-Diskurs selbst aufgehoben. Indem nun die Opfer von einst im Diskurs als Täter von heute erscheinen, wird das Kollektiv, dem sich die große Mehrheit der Endgame-Anhänger selbst zurechnet, nämlich das – in einem biologischen Sinn interpretierte – deutsche Volk, entlastet. Entsprechend erklärt Popp (2013):

„Wir werden zum Beispiel in bestimmten Sendern immer wieder an unsere dunkle Vergangenheit erinnert, und das permanent, und das gebetsmühlenartig, und ich glaube, die Meisten können es einfach kaum noch ertragen. […] Wenn die Leute zum Beispiel zu mir sagen: ‘Willst du die Deutschen reinwaschen?’, dann sage ich: ‘Nein, aber ich will den Dreck ein bisschen gleichmäßiger verteilen.’“

Weitere Entlastung bringen unpassende Holocaust-Gleichsetzungen, die in der Konsequenz stets auf eine Verharmlosung der tatsächlichen Shoa hinauslaufen:

„DAMIT MUSS SCHLUSS SEIN! KEINE TIER KZs MEHR!“ (Pegada 2015d)

Grundsätzlich gilt, dass Bezüge zum NS-Faschismus bei Endgame ausschließlich in Zusammenhang mit jenen „ähnlichen Vorstellungen“ (Beyer ebd.) auftauchen, gegen die sich der antiamerikanische Antisemitismus als Ressentiment richtet und die ihn konstituieren, d.h. in Zusammenhang mit den angelsächsischen Nationen, insbesondere den USA, mit Israel und dem Zionismus, mit der Globalisierung, und – im letzten Fall – mit Konsum und Streben nach menschlichem Glück, die Popp (2015) wiederum als Zeichen modernistischen Verfalls gelten:

„Erkennt man neben der gezeichneten Gefahr eines zunehmenden Islamismus nicht die gewaltige Zunahme der Geldmacht, des Egoismus und des Materialismus?“

Bezeichnender Weise nennt er hier von drei Items, von deren Ablehnung Beyer (vgl. ebd.: S. 109) auf verdrängte hedonistische Selbstanteile schließt, immerhin zwei – Egoismus und Materialismus – wörtlich.

Die Konsequenz, mit der nationalsozialistisches Gedankengut – ohne ernsthafte Begründung – den Siegern und Opfern von einst zugeschrieben wird, während das – biologisch verstandene – deutsche Volk fortwährend entlastet wird, zielt eindeutig auf Revision der Geschichte. Das dritte Reich muss verleugnet werden, damit ein viertes möglich wird.

2.3.2. Versuch der Dekonstruktion: Dem Ressentiment entgegentreten

Vor dem theoretischen Hintergrund erscheinen die unter 2.3.1.1., 2.3.1.2. und 2..3.1.3. behandelten Aspekte als Elemente des dem antiamerikanischen Antisemitismus zu Grunde liegenden Weltbilds, die sich jeder Zeit als Judenfeindschaft oder Feindschaft gegen die USA manifestieren können, aber nicht notwendigerweise in jeder Situation müssen, während es sich bei den unter 2.3.1.4. und 2.3.1.5. abgehandelten Punkten bereits um konkrete Ausformungen des Ressentiments handelt. Für die Dekonstruktion sind also vor allem die oben genannten drei Abschnitte entscheidend – um den Rahmen dieser Arbeit nicht zu sprengen, wird dabei der Punkt Aufklärung und gesundes Volksempfinden außer Acht gelassen.

2.3.2.1. Zur Kritik des regressiven Antikapitalismus: Warum weder Zinsen noch parasitäre Finanzspekulanten unser Unglück sind

Wie oben gezeigt, richtet sich der Antikapitalismus Endgames gegen den Zins und seine vermeintlichen Nutznießer. Als Gegenmodell bieten Rico Albrecht und Andreas Popp (2011) in ihrem Plan B, auf den sich auch Schmidt (vgl. ebd.) positiv bezieht, „fließendes Geld“ (S. 7) an. Dieses würde – anders als heute – nicht mehr verliehen, weil die Verleihende den Zins erhält, sondern weil gehortetes, „der Realökonomie“ (S. 8) vorenthaltenes Geld mit einer Strafgebühr belegt wäre. Mit der Abschaffung des Zinses wäre dann der „Kapitalismus“ (Popp 2015) selbst abgeschafft, das „Machtsystem“ (Popp ebd.) gestürzt und die „Umverteilung von fleißig nach reich“ (Popp ebd.) gestoppt, während „innovative Unternehmer“ gemeinsam mit dem „Staat (also [uns] alle[n]!)“ (Albrecht/Popp 2011: S. 9) für blühende Landschaften sorgen würden.

Gegen diese Art der „Vulgärökonomie“ (S. 405) hat ein gewisser Karl Marx (1983) schon im vorletzten Jahrhundert Stellung bezogen. Für ihn war der Zins unter kapitalistischen Bedingungen ebenso notwendig wie selbstverständlich, und die schon seinerzeit allgegenwärtige Aversion gegen denselben Ausdruck eines notwendig falschen Bewusstseins:

„Wie bei der Arbeitskraft wird der Gebrauchswert des Geldes hier der, Wert zu schaffen, größren Wert, als der in ihm selbst enthalten ist. Das Geld als solches ist bereits potentiell sich verwertender Wert und wird als solcher verliehen, was die Form des Verkaufens für diese eigentümliche Ware ist. Es wird ganz so Eigenschaft des Geldes, Wert zu schaffen, Zins abzuwerfen, wie die eines Birnbaums, Birnen zu tragen. Und als solches zinstragendes Ding verkauft der Geldverleiher sein Geld. Damit nicht genug. Das wirklich fungierende Kapital, wie gesehn, stellt sich selbst so dar, daß es den Zins nicht als fungierendes Kapital, sondern als Kapital an sich, als Geldkapital abwirft.“ (Marx ebd.: S. 405)

Dieses Trugbild, das das zinstragende Kapital, welches ja Gegenstand der Aversion im Diskurs Endgames ist, nicht als fungierendes Kapital und damit als Teil der im Plan B lobend erwähnten „Realökonomie“ (Albrech/Popp ebd.: S. 8) erscheinen lässt, sondern eben als Kapital an sich, verschleiere, so Marx (ebd.: S. 405) die tatsächliche Quelle des Zinses:

„Während der Zins nur ein Teil des Profits ist, d.h. des Mehrwerts, den der fungierende Kapitalist dem Arbeiter auspreßt, erscheint jetzt umgekehrt der Zins als die eigentliche Frucht des Kapitals, als das Ursprüngliche, und der Profit, nun in die Form des Unternehmergewinns verwandelt, als bloßes im Reproduktionsprozeß hinzukommendes Accessorium und Zutat.“

Die Ideologen im Umfeld Endgames betreiben also in der Tat „Kapitalmystifikation in der grellsten Form“ (Marx ebd.: S. 405) – nicht nur, um mit der „Macht des Finanzsystems“ (Popp ebd.) ein opportunes, mit ihren sonstigen Ressentiments nicht gerade inkompatibles Hassobjekt (vgl. Kurz 1995) zu erhalten , sondern auch, um die als natürlich, konkret, vernünftig und wohl irgendwie auch deutsch halluzinierten Aspekte der warenproduzierenden Gesellschaft – eben die bereits erwähnte „Realökonomie“ samt „innovative[r] Unternehmer“ (Albrecht/Popp ebd.: S. 8) – aus der Kritik auszuklammern, unter anderem dadurch, dass der durchwachsen konnotierte Begriff Kapitalismus bei ihnen der verhassten Zirkulationssphäre vorbehalten bleibt. Eine solche Position aber kann sich nicht antikapitalistisch rühmen, noch kann sie irgendeinen Beitrag zu einer befreiten oder wenigstens freieren Gesellschaft leisten. Denn selbst, wenn sich „[d]ie schwache Utopie des Geldes, das kein Geld mehr sein soll“ (Kurz ebd.) in einer ansonsten weiterhin kapitalistischen Gesellschaft verwirklichen ließe, änderte das rein gar nichts daran, dass

„wir in einer Gesellschaft leben, in der nicht die Bedürfnisse von Menschen den Grund zur Produktion liefern, sondern […] das Streben nach der Verwertung von Kapital. Nicht, weil Menschen Schutz vor der Natur brauchen, werden Wohnungen gebaut, sondern schlicht und einfach weil sich damit Geld verdienen lässt. Nicht, weil Menschen Hunger haben, wird Essen hergestellt, sondern weil die Produktion von Lebensmitteln profitabel ist.“ (Grigat 2013)

Auch das Prinzip kapitalistischer Konkurrenz, das, indem es sämtliche Marktteilnehmer anhält, ohne Rücksicht auf Mensch oder Natur die Verwertung des Werts voranzutreiben, für eine andauernde soziale und ökologische Misere verantwortlich ist (vgl. Kurz ebd.), soll unangetastet bleiben. Es zeigt sich also, dass der Antikapitalismus Endgames umgekehrt gerade die größtmögliche Affirmation eben dieses Kapitalismus darstellt, dabei gegen den Popanz finsterer Mächte und würgender Zinsschlingen ficht, wodurch das Wesen des Kapitalismus vollkommen unkenntlich wird, und es obendrein fertig bekommt, gesellschaftspolitisch noch hinter diesen zurückzufallen. Denn wie alle Aspekte des Weltbilds, aus dem der antiamerikanische Antisemitismus schöpft, ist auch das Ressentiment gegen den Zins letztlich ein Ressentiment gegen die Moderne und damit – im klassischen Sinne – reaktionär. Entsprechend urteilt Kurz (ebd.) über den Plan B und andere, „auf Silvio Gesells Ideen basierende“ (vgl. Albrech/Popp ebd.: S. 9) Ökonomieentwürfe, wenngleich nicht unbedingt sachlich, so doch zumindest zutreffend:

„Wenn diese Absurdität überhaupt einen sozialökonomischen Sinn macht, dann ist es der einer ebenso peinlichen wie offenkundigen »kleinbürgerlichen« Ideologie im klassischen Sinne. In der Tat kann man sich hinter der gesellianischen Geldutopie bestenfalls einen idealtypischen Kleinproduzenten vorstellen, dem die Mächte der kapitalistischen Verwissenschaftlichung fremd bzw. eher unheimlich sind und der sich an der »ehrlichen Arbeit« in seiner jämmerlichen Klitsche für einen »ehrlichen Markt« und für ein »gutes Geld« festklammert, um von den Widersprüchen, Krisen und Katastrophen einer hochrationalisierten und globalisierten Warenproduktion verschont zu bleiben. Dieser bornierte ökonomische Idiot, der natürlich nichts anderes verdient, als von der Marktwirtschaft (seiner angebeteten Idealbraut) in ihrer scheußlichen Realgestalt aufgefressen zu werden, ist eigentlich schon ein Anachronismus.“

2.3.2.2. Zur Kritik des autoritären Kollektivismus: Warum das biologistisch verstandene Volk eine menschenverachtende Kategorie ist

Zunächst bleibt festzuhalten, dass es sich beim biologistischen Volksbegriff im besten Sinn des Wortes um ein Konstrukt handelt: Das – zum Beispiel deutsche – Volk existiert wirklich, sofern die Konstruktion desselben in der Bevölkerung wirkmächtig ist, es zerfällt in Individuen, sobald dies nicht mehr der Fall ist. Dass seine Apologeten ihn seit jeher als etwas Natürliches anpreisen, kann nicht darüber hinweg täuschen, dass der irrationale Zusammenhang zwischen den Mitgliedern eines solchen Volks in der Tat künstlich geschaffen wurde: Nämlich durch die eigene, rassistische Propaganda eben jener Apologeten.

Repressiv ist diese Propaganda im Diskurs Endgames in gleich zweifachem Sinn: Einerseits gegen jene Migranten, die dazu gehören wollten, die aber, so sehr Popp (ebd.) beteuert, mit ihnen „freundschaftlich verbunden“ zu sein, letztlich als Fremdkörper wahrgenommen werden, als Agenten des „Machtsystems“, deren geheime Mission in der „Reduzierung des deutschen Anteils“ und damit in der Zersetzung des deutschen Volks besteht. So wenig Migranten für die vermeintliche Überfremdung der BRD verantwortlich gemacht werden, so wenig können sie aus dieser Perspektive jemals vorbehaltlos freundlich empfangen und als Bereicherung wahrgenommen werden. Zum anderen richtet sich der autoritäre Kollektivismus Endgames gegen jene Deutschen, die gar keine sind, weil sie sich mit den verschiedenen Vorstellungen dessen, was deutsch sei, nicht identifizieren, „Heimat“ und „Tradition“ (Popp ebd.) als Werte nicht anerkennen und auch von „innerem Zusammenhalt“ (Popp ebd.), der ja unter anderem auch Zusammenhalt mit den Protagonistinnen von Endgame bedeutete, nichts wissen wollen. Ob sie im Diskurs nun als Deutsche dem Volk zwangsweise einverleibt werden (vgl. Geppert ebd.) oder – wie die Bundeskanzlerin (vgl. Strohm ebd.) – als undeutsches Element die Antithese zu eben jener völkischen Gemeinschaft der Deutschen bilden (vgl. Endgame 2015b): Eines ist bei Endgame für das Individuum jedenfalls nicht vorgesehen, nämlich radikal anders zu denken und trotzdem Teil dieser Gesellschaft zu sein, weil die simple Dichotomie von „Volk“ und „Machtsystem“ (Popp ebd.) keine Zwischentöne zulässt. Während Afane (ebd.) also „Freiheit“ für „alle Völker […] [u]nd selbstverständlich [auch] für Deutschland“ fordert, besiegelt Popp (ebd.) die Unfreiheit des Individuums unter Zuhilfenahme einer religiösen Formel:

„Unser Ziel muss es sein, auf der gesamten Erde menschen- und naturwürdige Grundlagen vorzufinden, damit jeder in der eigenen Heimat ein angemessenes Leben planen und umsetzen kann. Der zentralistisch gesteuerte Globalisierungswahn aber verursacht exakt das Gegenteil. Wie heißt es im fünften Buch Moses […]? ‘Du sollst deines Nächsten Grenze nicht zurücktreiben, die die Vorfahren gesetzt haben in deinen Erbteil, dass du erbtest in dem Lande, das dir der Herr, dein Gott, gegeben hat, einzunehmen.’“

Letztlich ist die Frage, ob das Individuum im Mittelpunkt steht oder doch eines der es versklavenden Kollektive, eine Wertentscheidung, nichts, was mit logischen und sachlichen Argumenten noch geklärt werden könnte. Es gibt viele Stimmen für eine individualistische und humanistische Sichtweise, deren Werturteile dem Endgames an dieser Stelle entgegengehalten werden könnten. Eines davon hat Kurt Tucholskys (1930) formuliert, drei Jahre vor der Ernennung Hitlers zum Reichskanzler:

„Und wenn alles vorüber ist –; wenn sich das alles totgelaufen hat: der Hordenwahnsinn, die Wonne, in Massen aufzutreten, in Massen zu brüllen und in Gruppen Fahnen zu schwenken, wenn diese Zeitkrankheit vergangen ist, die die niedrigen Eigenschaften des Menschen zu guten umlügt; wenn die Leute zwar nicht klüger, aber müde geworden sind; wenn alle Kämpfe um den Faschismus ausgekämpft und wenn die letzten freiheitlichen Emigranten dahingeschieden sind–: dann wird es eines Tages wieder sehr modern werden, liberal zu sein. Dann wird einer kommen, der wird eine gradezu donnernde Entdeckung machen: er wird den Einzelmenschen entdecken. Er wird sagen: Es gibt einen Organismus, Mensch geheißen, und auf den kommt es an. Und ob der glücklich ist, das ist die Frage. Daß der frei ist, das ist das Ziel. Gruppen sind etwas Sekundäres – der Staat ist etwas Sekundäres. Es kommt nicht darauf an, dass der Staat lebe – es kommt darauf an, dass der Mensch lebe. Dieser Mann, der so spricht, wird eine große Wirkung hervorrufen. Die Leute werden seiner These zujubeln und werden sagen: »Das ist ja ganz neu! Welch ein Mut! Das haben wir noch nie gehört! Eine neue Epoche der Menschheit bricht an! Welch ein Genie haben wir unter uns! Auf, auf! Die neue Lehre –!« […] Und dann wird sich das auswirken, und hunderttausend schwarzer, brauner und roter Hemden werden in die Ecke fliegen und auf den Misthaufen. […] Und das wird dann so gehen, bis eines Tages…“

3. Fazit

Bei Endgame handelt es sich um eine – wie der Name vermuten lassen würde – antiamerikanische Bewegung. Es handelt sich aber ebenso auch um eine antisemitische Bewegung, nicht nur, weil sie Israel, also den jüdischen Staat, dämonisiert und delegitimiert, nicht nur, weil sie die Geschichte des Nationalsozialismus revidiert, noch nicht einmal primär deshalb, weil sie in mindesten einem Fall offene Judenfeindschaft positiv rezipiert und weiterverbreitet hat, sondern vor allem, weil die gesamte, bei Endgame vorherrschende Weltanschauung ressentimenthaft gegen die Moderne gerichtet ist und somit die handfeste Manifestation als Feindschaft gegen die Vereinigten Staaten von Amerika, Israel oder Juden bereits im Kern in sich trägt. Ob, wann und wie diese Manifestation stattfindet, reduziert sich auf eine bloße Frage politischer Taktik, insofern muss man Holger Strohm für seine Offenheit beinahe – aber nur beinahe – dankbar sein. Diese ressentimenthaft antimoderne Weltanschauung, die in dieser Arbeit im Zusammenhang mit Endgame als antiamerikanischer Antisemitismus bezeichnet wird, konstituiert sich durch verschiedene Gegensatzpaare, deren Analyse in einer Arbeit diesen Umfangs notwendigerweise unzulänglich bleiben muss: Positive Bezüge sind, wie gezeigt wurde, das Volk, sowohl in seiner biologistisch-rassistischen Bedeutung, die gegen die Globalisierung mobilisiert wird, als auch – gegen den Kapitalismus gerichtet – als Kollektiv der ehrlich Arbeitenden, die Nation im Generellen als Antithese zum wurzellosen Internationalismus und Deutschland im Besonderen als positiver Bezugspunkt gegenüber den verhassten „heimatfremden Ländern“ (Popp ebd.) Israel und USA, und der Instinkt, der gegen Journalismus und Wissenschaft, ergo gegen die Aufklärung in Anschlag gebracht wird. Weitere konstruierte Antithesen, die teilweise schon anklangen und in weiteren Analysen herauszuarbeiten wären, verlaufen zwischen dem Natürlichen und dem Künstlichen, zwischen moralischer Enthaltsamkeit und egoistischem Streben nach Glück und Selbsterfüllung, zwischen dem Gesunden und dem Kranken, und, insbesondere im Bereich des Ökonomischen, zwischen Konkretum und Abstraktum. Auf den letzten Punkt wurde bei der Dekonstruktion des Kapitalismusbegriffs Endgames bereits teilweise eingegangen. Unter anderem dabei zeigte sich, dass Endgame sämtliche Kategorien der Unfreiheit affirmiert: Von der kapitalistischen Tretmühle über die Zwangskollektive Volk und Nation bis hin zu Kants selbstverschuldeter Unmündigkeit, wobei sich die Unmündigen noch mit einigem Stolz selbst als „erwacht“ (Immhof 2015) ausweisen. Während diese Arbeit von vorne herein nicht neutral angelegt war, was in der Auseinandersetzung mit einem politischen Akteur, in dessen Dunstkreis offen gegen „die Juden“ (Strohm ebd.) agitiert wird, auch nicht angemessen wäre, zeigt sich in der Konfrontation mit den oben genannten, normativen Grundpositionen ein Grundproblem wissenschaftlichen Arbeitens: Es gibt keine wissenschaftliche Methode, mit der gezeigt werden könnte, dass das biologisch aufgefasste Volk als Vorstellung abzulehnen sei. Formallogisch gesehen sind völkischer Nationalismus und Humanismus als normative Behauptungen gleichwertig. Es ergibt sich also das Dilemma, menschenverachtende Grundpositionen und Wertentscheidungen entweder unwidersprochen zu lassen, was gesellschaftlich verantwortungslos wäre, oder aber gegen diese eigene Grundpositionen und Wertentscheidungen vorzubringen, was notwendigerweise die Wissenschaftlichkeit einer Arbeit negativ beeinträchtigt. Aufgrund der Aktualität des Themas wurde in dieser Arbeit letzteres in Kauf genommen.

 

 

Quellenverzeichnis:

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Audio: Antiba – der Barbarei entgegentreten! Über Antifaschismus in Zeiten von Djihadismus und Pegida April 13, 2015 | 08:22 pm

Vortrag von Lothar Galow-Bergemann

gehalten am 30. März 2015 in Hamburg

 

2014 explodierten Dumpfbackentum, Ressentiment und Barbarei: Antisemitische Massenaufmärsche verlangten „Tod den Juden!“ – Nazis, Islamisten und Linksreaktionäre marschierten vereint im Hass gegen den jüdischen Staat und in Solidarität mit seinen Todfeinden – Djihadisten drohten Andersgläubigen mit Macheten in der Hand, sie „hier genauso zu töten wie im Irak“ – Rechtsreaktionäre erzielten erschreckende Wahlerfolge und mit Pegida, Hogesa &Co mobilisierte ein rassistischer Mob gegen MuslimInnen und Flüchtlinge. Zu Beginn des neuen Jahres machten die djihadistischen Mordanschläge in Paris und Kopenhagen auf ein atheistisches Satiremagazin, eine Diskussionsveranstaltung zur Meinungsfreiheit, einen jüdischen Supermarkt und eine Synagoge klar: der Wahnsinn geht weiter.
Antifa, das ist ihr unschätzbares Verdienst, will in Zeiten, in denen leider keine Aussicht besteht, die Verhältnisse grundsätzlich zum Tanzen zu bringen, wenigstens den allerschlimmsten und barbarischsten Kräften in den Weg treten. So wichtig es bleibt, sich offenen Nazis entgegenzustellen – es liegt auf der Hand, dass der Kampf gegen sie allein nicht mehr ausreicht. Stiefel- und Nadelstreifennazis verbindet trotz des äußerlichen Gegensatzes im Kern eine enge Seelenverwandtschaft mit den Djihadisten. Wer um ein Minimum an Menschenwürde und um  Mindestvoraussetzungen für eine irgendwann vielleicht doch noch gelingende Emanzipation kämpfen will, muss sich der anschwellenden Front der Barbarei in all ihren Facetten entgegenstellen.
Vor welchen Herausforderungen theoretischer wie praktischer Art steht Antifaschismus heute? Wie hilfreich und wie problematisch ist dafür die so genannte „Islamdebatte“? Inwiefern können Begriffe wie „Islamismus“, „Islamophobie“ oder “Islamkritik“ dazu beitragen, die Problemlage zu erfassen? Warum ist eine konservativ-orthodoxe Interpretation der Religion in muslimischen Communities so stark präsent? Ist die Rede von „dem“ Islam zutreffend, der im Gegensatz zu „dem“ Christentum Humanität und Säkularität ausschließe?
Wie ist schließlich ein emanzipatorischer Anspruch inmitten einer zunehmend verrückter werdenden Umgebung aus moslemhassenden Sarrazindeutschen, tatsachenresistenten Linken, Nazis und Djihadisten zu formulieren? Und wie kann er praktisch werden?
Der Referent schreibt u.a. für Jungle World, Konkret & auf emmaundfritz.de

 

Mitschnitt des Vortrags von Stephan Grigat “Der Mufti & die Stalinisten. Zionistische und antizionistische Linke in Israel” vom 1.12. in Berlin December 19, 2014 | 11:42 am

Aus der Erfahrung, dass Israel-Feinde in Deutschland sich stets auf gewisse Fraktionen der israelischen Linken beziehen, soll die Frage gestellt werden, wie der linke Antizionismus vor dem Hintergrund der Grundintention des Zionismus charakterisiert werden kann. In welchem Verhältnis stehen zionistische und antizionistische Linke im jüdischen Staat? Wie beeinflusst die Geschichte der Israelischen Kommunistischen Partei oder der antizionistischen Matzpen aktuelle Positionierungen der Linken? Welche Rolle spielt die israelische Linke für die europäische Nahost-Debatte und welche Funktion haben die antizionistische Linke und eine linkszionistische Kritik für die israelische Gesellschaft?

Über Linksreaktionäre und andere Chauvinisten in Kassel November 29, 2014 | 05:27 pm

Oder Friede dem Individuum, Krieg dem WIR

Eigentlich hätte man die Überschrift auch andersherum lautend formulieren können: Über andere Chauvinisten …,

Für Montag hat sich die „KAGIDA“ in Kassel angekündigt. Sie ist eine lokale Initiative einer bundesweit sich formierenden Bewegung, die in Dresden als PEGIDA ihren Ausgangspunkt nahm. Unter dem Label dieser Bewegung versammelt sich ein Spektrum des Wutbürgertums und es tummeln sich dort auch Nazis, Anhänger des Verschwörungswahns, Männerbündische, neue Friedensmahner etc. (vgl., Sabrina Hoffmann, Huffington Post). Das sieht in Kassel nicht anders aus, von daher gibt es gute Gründe zu protestieren. Die GenossInnen von T.A.S.K haben dies hier dargestellt und begründet.

Vermeintlicher Anlass der Formierung der wutbürgerlichen Aufmärsche sei das Agieren des Islamismus. Sie wollen, so geben sie vor, keine Hetze von “irgendwelchen Salafisten” akzeptieren, sie wollen, so tönen sie, eine “offene Lebensweise für alle in Europa lebenden Menschen erhalten”. Der vollkommenen Fehlwahrnehmung erlegen, der Islamismus bedrohe den weißen Mann und seine Familie im trauten Eigenheim, wird ausgeblendet, dass der Islamismus eine alltägliche Bedrohung für Millionen von Moslems und vor allem Muslima sowohl im arabischen, persischen, südostasiatischen und afrikanischen Raum bedeutet, aber auch für die hier lebenden Muslims und Muslima eine repressive Bedrohung darstellt.

Zwar zeigen der Mord an Theo van Gogh und die Mordaufrufe gegen Kurt Westergaard, dass auch Nicht-Moslems vom islamischen Terror bedroht sind, doch van Gogh und Westergaard sind nicht das typische Beispiel für die, die jetzt zu Tausenden auf die Straßen treten und ihrem Rassismus und Chauvinismus das Mäntelchen einer Religionskritik umhängen. Auch die Attentate – angefangen von 9/11, über Madrid und London bis hin zu den sogenannten Sauerlandbombern waren islamistische Aktionen, die “den Westen” zum Ziel hatten, der im Wahn der Attentäter, die geordnete Welt einer eingebildeten islamischen Kultur und Gesellschaft bedroht – eine ähnlicher Wahn, wie ihn die meisten der nun auftretenden Männer der PEGIDA et al. umtreibt.

Bei aller Gefahr, die für den völlig Unbeteiligten in den Staaten des Westens durch solche Attentate droht, die Wahrscheinlichkeit einem solchen Attentat zu erliegen ist doch eher gering, die staatliche Ordnung ist im Gegensatz zu der im Irak, in Somalia usw. nicht gefährdet, der Vorgarten oder Balkon des KAGIDA-Aktivisten auch nicht.

Kampf des Abendlandes

Keine Religionskritik, aber sehen so die KAGIDA aus?

Anders in Israel und sowohl für die dort als auch in Europa und anderswo lebenden Juden. Sie besonders sind vom explizit auch antisemitisch agierenden Islamismus bedroht und immer wieder Opfer dessen mörderischen Attentate. Organisationen wie die Hamas, die Hisbollah u.ä. propagieren offen den Mord an den Juden. Staaten wie der Iran propagieren die Auslöschung Israels und Staaten wie Saudi Arabien und die Türkei unterstützen direkt oder indirekt Organisationen, die in den Juden die größte Gefahr für die Menschheit sehen. Die gelegentlich zu beobachtende Bewunderung für Israel in den Reihen der PEGIDA und der ihnen nahestehenden Plattformen (wie zum Beispiel PI) und anderer Verbündeter, dürfte aber weniger dem zionistischen Geist Israels, dem Multikulturalismus Israels, oder gar dem anything-goes Tel Avivs gelten, oder auf eine Empathie für die bedrohten Juden zurückzuführen sein, sondern Ausdruck der gern gesehenen und herbeiphantasierten Rolle der IDF, des Shin Beth etc., die Drecksarbeit gegen den politischen Islam zu erledigen.

Trotzdem sehen KAGIDA, PEGIDA etc., wie es ihre Namen ausdrücken, das Abendland in Gefahr. Was immer auch diese Bewegung unter Abendland versteht, die Bewegung ist Ausdruck des Unbehagens des deutschen Mittelstandes angesichts der kapitalistischen Moderne und nicht der Sorge vor religiösem Fundamentalismus, allgemeiner Unfreiheit, Unterdrückung und Judenmord. Dem Bedürfnis nach Ordnung wird nachgegeben, indem zum Schutz des weißen und deutschen Herren, der deutschen Familie, des deutschen Staates (und der „integrierten Ausländer“, sofern sie das Bruttosozialprodukt steigern) aufgerufen wird. Als dunkle Bedrohung erscheinen dem deutschen Herren und den Jungmännern politisch sich artikulierende Ausländer und Flüchtlinge, die sogenannten Wohlstandsflüchtlinge überhaupt, kriminelle Ausländer vor allem wenn sie als „Zigeuner“, drogenhandelnde Afrikaner, frauenhandelnde Osteuropäer etc. stigmatisiert werden können. Doch auch sexuelle Selbstbestimmung, das freie Individuum, politischer Streit, gesellschaftliche Auseinandersetzungen, das Artikulieren von Interessen usw., Kritik an Vater, Volk und Heimat sind diesem Spektrum suspekt.

In diesem Spektrum sind auch Nazis zu Gange, feiert die kleinbürgerliche Xenophobie und der allgemeine Rassismus fröhliche Urständ und artikuliert sich ein völkischer Nationalismus, wenn überrascht es, das ruft die Üblichen auf den Plan, die sich schnell, bei allen Differenzen, dann einig sind, wenn es nach Nazi und Rassismus riecht. Man wünschte sich, dem Aktionismus ginge eine gründlichere Debatte und vor allem Auseinander-Setzung voraus und man ließe mal den Aufmarsch Aufmarsch sein. Mit dabei sind nämlich die, die mit dem Label „Antifaschismus“ für ihre kruden Vorstellungen von Arbeitermacht, Revolution und Sozialismus hausieren gehen.

Im Sommer 2014 waren die zuletzt genannten dabei, als es zum größten antisemitischen Aufmarsch in Kassel seit 1945 gekommen war. Nicht als Organisatoren, doch als Claqueure liefen sie bei diesem Aufmarsch mit und waren nicht etwa dort, wo das BgA-Kassel mit anderen Freunden und Freundinnen sich den 2.000 Israelhassern entgegenstellte, sondern sie schwammen wie die Fische in Mitten des z.T. antisemitische Parolen brüllenden und Allahu-Akbar skandierenden Mobs. Sie traten diesen Parolenschreienden nicht etwa entgegen, nein sie fühlten sie sich sogar verpflichtet, die Demonstranten für Israel und gegen Judenhass abzulichten und die Bilder in denunziatorischer Absicht unverpixelt ins Netz zu stellen – ein Unding gerade in jenen Kreisen, die vorgeben gegen Nazis aktiv zu sein und ein Nachhall stalinistischer Denunziations- und Säuberungskultur.

In den folgenden Tagen kam es aufgrund unterbliebener Gegenaktionen zu weniger spektakulären Aufmärschen aber inhaltlich nicht weniger deutlichen Auftritten, zuletzt am 15. August 2014 zur antisemitischen Brandrede vom Linksparteimitglied (und Mitglied des Vereins Stolpersteine in Kassel) Ulrich Restat und Abraham Melzer – anwesende aus den Reihen der Partei “Die Linke” und der oben genannten nahmen diese zur Kenntnis – Widerspruch war (bis heute) nicht zu vernehmen.

Antizionismus ist kein Antisemitismus

Antizionismus ist kein Antisemitismus! Was zu beweisen war …

In anderen Zusammenhängen, sprich wenn Personen sich an Aufmärschen mit deutschen Nazis beteiligen würden um mit “ihnen die Diskussion zu suchen”, hätten jene, die sonst jedes Interview in der Jungen Freiheit (zu Recht) skandalisieren und die etwas auf sich halten, Nazis bekämpfen, ein sofortiges Hausverbot gegen diese ausgesprochen. Auf dem Vorbereitungstreffen zur geplanten Kundgebung gegen die KAGIDA stellten sich, weil viele da waren, die Besucher einander vor. Xy von der REVOLUTION, xy von der Internationale Sozialistische Linke, xy von der NaO etc., kein Widerspruch war vernehmbar, schon gar nicht der Ruf, diese vor die Tür zu setzten.

Zunächst wurde lange Organisatorisches und Taktisches kontrovers debattiert. Bevor man dann auseinander ging, wurde dann doch noch der Tatbestand der merkwürdigen Bündniskonstellation angesprochen. Süffisant grinsend tönte einer der Protagonisten jener Truppe, die der Auffassung ist, dass man mit den Islamfaschisten ins Gespräch kommen muss und „es falsch und gefährlich [ist] , wenn Teile der Linken die Beteiligung an den Gaza-Protesten ablehnen“, natürlich sei man gegen Antisemitismus und würde sofort gegen judenfeindliche Äußerungen protestieren, ja man könne doch die Jüdische Gemeinde einladen, an den Aktionen des Bündnis gegen Rechts teilzunehmen. Einer Bemerkung aus dem Raum, das Friedensforum sei doch wohl nicht antisemitisch, es sei im übrigen nicht gegen Juden gegangen, gegen die man nichts habe, sondern die Außenpolitik Israels wäre Thema der Aufmärsche gewesen, pflichtete der Protagonist bei. Zur offen geäußerten Kritik, dass es ein Unding sei, Bilder von Antifaaktivisten und -aktivistinnen ins Netz zu stellen, wurde peinlich geschwiegen. Nur das Wort Spalter war zu vernehmen. Ohne Schlüsse aus diesen geradezu als zynisch zu bezeichnenden Bemerkungen und Reaktionen zu ziehen, ging man dann schiedlich friedlich auseinander.

Die Gegenkundgebung tritt jetzt unter den üblichen Floskeln an: „Wir brauchen in unserer Stadt ein friedliches, respektvolles, vielfältiges Miteinander! Den Versuch Ängste zu schüren und die verschiedenen Kulturen und Religionen aufeinander zu hetzen müssen wir alle verhindern! Wir möchten den Geist und die Tradition des christlichen Abendlandes sichtbar machen und stärken: Den Geist der Toleranz, der gegenseitigen Wertschätzung und Gastfreundschaft! Versteckter und offenen Rassismus und dumpfe Fremdenfeindlichkeit dürfen in unserer Stadt keinen Platz haben!“ (HNA, 29.11.14) Wohl gesprochen, das WIR ist formiert, jede und jeder kann das unterschreiben, der das Herz am linken Fleck hat, aber den Verstand, sofern vorhanden, nicht zum Denken und zur Kritik nutzt.

Hooligans gegen Fahrräder

Hier wird keine Religion kritisiert, sondern Hooligans gehen gegen Fahrräder vor, das ist schlecht fürs Städte-Ranking

„Verschiedene Kulturen und Religionen“ das ist das Spiegelbildliche dessen, was die KAGIDA auf die Straße treibt. Der Ruf nach Toleranz geht von der Existenz verschiedener Kulturen und Religionen als kollektivformierende Entitäten aus, denen sich das jeweilige Individuum unterzuordnen hat. Ordnung muss schließlich sein, aber WIR respektieren einander. Was auch immer mit dem Geist und der Tradition des christlichen Abendlandes gemeint ist, die Inquisition oder die Aufklärung, die Hexenprozesse oder die Bauernkriege, die Pogrome gegen die Juden oder die Courage verschiedener Bischöfe dem Mob entgegenzutreten, die Kolonisierung Afrikas durch Europa oder die demokratische Verfassung der Vereinigten Staaten, die bürgerliche Revolution oder das bis heute fortwesende monarchistische Unwesen und Adeltum, die Idee von Demokratie oder/und Sozialismus oder der Faschismus, der Nationalsozialismus und die Vernichtung der europäischen Juden oder der antifaschistische Widerstand in Europa, man kann es nur vermuten.

„Rassismus und dumpfe Fremdenfeindlichkeit dürfe kein Platz in der Stadt“ haben. Weniger dumpfe Fremdenfeindlichkeit – darf sie Platz haben? Wie auch immer, so war’s wohl nicht gemeint, aber Rassismus und Fremdenfeindlichkeit (ob dumpf oder differenziert) nehmen einen Platz in dieser Stadt und in diesem Land ein. Wenn Rassismus und Fremdenfeindlichkeit sich öffentlich äußert, noch dazu randalierend auf der Straße, dann ist das aber schlecht für das Bild, das die Stadt und dieses Land abgibt (das weiß man seit Hoyerswerda, seit Mölln usw. und versucht es staatlicherseits tunlichst zu unterbinden).

Die Kundgebung gegen die KAGIDA formiert sich unter dem Motto “gegen antimuslimischen Rassismus und neurechte Propaganda!“ Rassismus ist eine menschenverachtende Ideologie, der es entgegen zu treten gilt. Die Notwendigkeit dieses zu tun, beweisen verschiedene jüngere Untersuchungen, aber auch die Tatsache, dass die offizielle Flüchtlingspolitik rassistisch konnotiert und für die Betroffenen sehr tödlich ist, und genau das exekutiert, was der Mob fordert. Doch “Nicht antimuslimischer Rassismus”, darf der …?, Lassen wir das! Der Begriff “antimuslimischer Rassismus” ist fragwürdig. Er fällt auf das rein, was KAGIDA und andere vorgeben zu meinen. Man nimmt also das beim Wort, was andere als vermeintliche Islamkritik formulieren. Dabei geht es den Rechten nicht um die unterdrückende Praxis mancher Gläubigen, weder um eine Kritik am Islamismus als politischer Ideologie noch um eine Religionskritik, die den Islam genauso einzuschließen hat, wie das Christentum, den Buddhismus, den Hinduismus etc.

Jeder Mensch ist gegen Diskriminierung zu verteidigen, das schließt auch diejenigen ein, die ihrer Glaubenspraktiken wegen diskriminiert oder sogar Opfer von Übergriffen werden ein. Das bedeutet aber nicht im Umkehrschluß, dass jede Kritik an Glaubenspraktiken Diskriminierung ist. Das Verbot z.B. ein Kopftuch zu tragen, kann diskriminierend sein, kann aber auch eine berechtigte Antwort auf eine diskriminierende Praxis von Glaubensanhängern im Interesse des unterdrückten Individuums sein. Hier eine allgemeingültige Antwort zu finden ist unmöglich, weil es immer auf den konkreten Einzelfall ankommt. Eine pauschale Antwort nutzt nur denen, die bei gesellschaftlichem Widerspruch bei bestimmten Glaubenspraktiken sofort Rassismus rufen, oder umgekehrt die jede nicht christliche Glaubenspraxis als archaisch oder menschenverachtend bezeichnen. Widerspruch bei bestimmten Glaubenspraktiken ist jedoch keine Religionskritik im Marx’schen Sinne.

keine Molotowkoctails

Auch keine Religionskritik, aber effektive Maßnahmen den IS daran zu hindern, Kobane einzunehmen. Bazookas der PKK waren das jedenfalls nicht.

Religionskritik bezieht sich nicht auf den (praktizierten) Glauben eines Individuums, sondern auf das gesellschaftliche Verhältnis, welches sich in der Religion ausdrückt das Gegenstand von Kritik sein muss. Diese Kritik auch nur in die Nähe von dem zu rücken, was die KAGIDA formuliert, muss Ausfluss kollektiver geistiger Umnachtung sein. Kritik der Religion, auch an der islamischen, bedeutet, danach zu streben die  “Aufhebung der Religion als des illusorischen Glücks des Volkes” zu betreiben, denn sie “ist Forderung seines wirklichen Glücks.“ (Karl Marx) Das bedeutet die elenden Verhältnisse, die sich durch das jeweilige Unglück des einzelnen Menschen und seiner Suche nach Trost ausdrücken erst einmal zu erkennen und nach deren Überwindung zu streben. Die Haltung, ich mit meinem Glauben respektiere Dich mit Deinem Glauben, bleibt aber in diesen Verhältnissen gefangen.

Dem Islamismus entgegenzutreten ist hingegen keine Religionskritik, sondern Kampf gegen die Barbarei. Der ist in Syrien notwendig. Er hat sich aber nicht nur gegen den IS zu widmen, sondern gegen die Zustände, die die Assad-Diktatur hervorgebracht haben, die wiederrum der Nährboden der IS sind. Nicht, wie es die Linksreaktionäre nun allenthalben rumposaunen, ist es die autoritäre, dem “Befreiungskampf der Völker” nach wie vor verschriebene PKK, die in Nordsyrien zwar auf der richtigen Seite, aber nicht entscheidend auf den Plan getreten ist, schon gar nicht ist es die PEGIDA und ihre lokalen Ableger, oder die HOGESA, die einige ihrer Recken offensichtlich auch nach Nordsyrien gesandt haben um es den Zauselbärten zu zeigen, sondern es war die US-amerikanische Luftwaffe, die, nach anfänglichem Zögern, das Blatt allem Anschein nach gewendet hat.

Nun kann man der Auffassung sein, in der Kürze der Zeit sei es nicht möglich gewesen, einen Aufruf und eine Parole, die dem Gegenstand gerecht wird zu formulieren – das mag sein, wir wollen hier Milde walten lassen.

Was aber nicht geht ist, dass gemeinsam mit denen gegen Chauvinismus, Barbarei und Verachtung des Individuums demonstriert wird, die bei der nächsten Gelegenheit, Aktionen gegen Israel gemeinsam mit Islamfaschisten und arabischen Nationalisten veranstalten um antiisraelische und antisemitische Parolen zu brüllen. Aber der Aufruf betont anderes, dann scheint es zu gehen.

Für die Freiheit und für das Individuum, Kritik der Religion, Kritik des Antiimperialismus, Kritik der links-deutschen Ideologie und den deutschen Zuständen!

Vortrag mit Stephan Grigat am 1.12. in Berlin: Der Mufti & die Stalinisten. Zionistische und antizionistische Linke in Israel November 23, 2014 | 08:42 pm

Aus der Erfahrung, dass Israel-Feinde in Deutschland sich stets auf gewisse Fraktionen der israelischen Linken beziehen, soll die Frage gestellt werden, wie der linke Antizionismus vor dem Hintergrund der Grundintention des Zionismus charakterisiert werden kann. In welchem Verhältnis stehen zionistische und antizionistische Linke im jüdischen Staat? Wie beeinflusst die Geschichte der Israelischen Kommunistischen Partei oder der antizionistischen Matzpen aktuelle Positionierungen der Linken? Welche Rolle spielt die israelische Linke für die europäische Nahost-Debatte und welche Funktion haben die antizionistische Linke und eine linkszionistische Kritik für die israelische Gesellschaft?

Ihr sprecht nicht für uns! Eine Stellungnahme von Mitgliedern der Partei DIE LINKE. November 15, 2014 | 10:39 am

Wir wollen es nicht länger akzeptieren, dass Inge Höger, Heike Hänsel und Annette Groth weiterhin im Namen der Fraktion und damit stellvertretend für die gesamte Partei sprechen oder Claudia Haydt für den Parteivorstand unsere Partei weiterhin international vertritt. Genossinnen, die einen aufgeladenen Mob zu anderen Genossen führen, die nicht einschreiten, wenn Genossen bedrängt und bedroht werden, vertreten nicht die Ideale und Werte, die für demokratische Sozialistinnen und Sozialisten konstitutiv sind.

“Die Einsamkeit Israels”- Buchvorstellung und Diskussion mit Stephan Grigat am 28.11. in Erkelenz October 22, 2014 | 04:12 pm

Die deutsche Mehrheitsgesellschaft ist sich, mit wenigen Ausnahmen, einig: von ganz links über die bürgerliche »Mitte« der Gesellschaft bis ganz rechts wird dem jüdischen Staat die Schuld an der militärischen Auseinandersetzung im Gaza-Streifen gegeben, während man vom Terror der islamistischen Organisationen »Hamas« und »Islamischer Djihad« beflissentlich schweigt, deren antisemitischen Vernichtungswunsch ausblendet und die Tatsache ignoriert, dass Israel sich seit seiner Gründung einer ständigen Bedrohtheit gegenübersieht, gegen die der Staat seine Bürgerinnen und Bürger zu schützen trachtet.

Ein Sommer der politischen Schizophrenie in Kassel August 31, 2014 | 12:01 pm

Über Antisemitismus – Stolpersteine – politische Indifferenz – Kasseler Diskurse und journalistisches Unvermögen

Das BgA-Kassel sorgt in der Stadt für Gesprächsstoff. Man redet über aber nicht mit uns. Das ist im Prinzip nichts neues sondern geschieht dann, wenn das BgA-Kassel sich in gebotener Polemik zu Themen äußert, die den Teilnehmern des üblichen städtischen Diskurses – bei dem keiner keinem auf die Füße tritt – sauer aufstößt. Aus, wie man so sagt, „gut unterrichteten Kreisen“ dringt so das eine oder andere an uns heran. Manche meinen es gut mit uns und haben bestimmte Erwartungen, die wir zu erfüllen hätten und weswegen doch ein gewisses Maß an Kreideschlucken angebracht sei und ein bestimmter Personenkreis wiederum wünscht uns mutmaßlich am liebsten auf die Rückseite des Mondes – zu den, ihrer Meinung nach uns zugehörigen Gesinnungsgenossen.

Andere z.T. Wohlmeinende und Kreise, die wertvolle Arbeit in Sachen Aufklärung über Antisemitismus und Geschichte des Nationalsozialismus leisten, halten lieber Abstand zu uns. Man will es sich ja mit denen nicht verderben, die in der Stadt das Sagen haben (die HNA und der Magistrat, samt den ihn tragende Parteien) und die ebenfalls nicht gut auf uns zu sprechen sind, weil auch sie ab und an ihr verdientes Fett abbekommen. Einzig die Jüdische Gemeinde Kassel erklärte in einer Pressemitteilung, dass das BgA-Kassel wertvolle Arbeit leiste.

Das BgA-Kassel hat den Anspruch, das Antisemitismus ohne Wenn und Aber zu verurteilen und zu bekämpfen und ist der Auffassung, dass Antisemitismus nicht irgendeine Spielart des Rassismus oder nur Ausdruck des vollbrachten Judenmords ist, wie ihn die Nazis praktizierten und man ihn deswegen heute wohl kaum anträfe und das schon gar nicht unter den Linken (so oder so ähnlich D. Dehm), sondern sozialpsychologischer Ausdruck eines in der modernen Gesellschaft deformierten Geistes.

Das BgA-Kassel stellt sich deswegen vorbehaltlos vor den jüdischen Staat Israel, weil wir der Auffassung sind, dass dieser Ausdruck des Strebens nach Souveränität der Juden ist. Dieses Streben nach staatlicher Souveränität, der Zionismus, erwies sich als einzige Gewähr, dem jüdischen Individuum ein Mindestmaß an Sicherheit und Freiheit zu gewähren. Sowohl die Emanzipationsbewegung und die Assimilationsbestrebungen der Juden in den bürgerlichen Gesellschaften, deren Versprechen von der Rechtsgleichheit und Religionsfreiheit als auch das Versprechen der sozialistischen und kommunistischen Bewegung, Unterdrückung, Rassismus und auch Antisemitismus abzuschaffen wurden in schrecklichster Weise in Auschwitz dementiert. Einzig verlässlich in dieser Welt, bietet Schutz den Juden also nur Israel.

Da Zionismus in seinen vielfältigen Erscheinungsformen als einzig adäquate Form der Gegenwehr gegen den Antisemitismus sich erwies ist Antizionismus Antisemitismus. Die Infragestellung Israels, die Delegitimierung, Dämonisierung und die Anwendung doppelter Standards diesem Staat gegenüber (vgl., Sharansky), stellen die einzige Gewähr, Juden vor Antisemitismus zu schützen, stellen das Bestreben nach politischer und nationaler Selbstbestimmung der Juden in Abrede. Und weil dies insbesondere von denen, die die Parolen von der nationalen Selbstbestimmung “unterdrückter Völker” sonst wie eine Monstranz vor sich her tragen, vorgebracht wird und diese mit besonderer Verve aber die nationale Selbstbestimmung der Juden in Abrede stellen und gerade dann den (von ihren politischen Vorfahren längst verratenen und dementierten) Internationalismus entdecken, wenn es um den jüdischen Staat geht – deswegen ist dies Antisemitismus.

Antisemitismus ist, wie es Sartre einmal ausführte eine Leidenschaft, oder wie Adorno und Horkheimer eine unbeherrschte Sehnsucht nach der Exorzierung der Widersprüche der nicht begriffenen modernen Gesellschaft, die sich in paranoidem Wahn und völkischer Rebellion kanalisiere. Alle drei waren sich darin einig, dass der Versuch, den Antisemit mit Mitteln der Aufklärung zu bekehren oder zu überzeugen, sinnlos ist. Woody Allen sprach davon, dass der Baseballschläger das adäquate Mittel sei, dem Antisemiten zu begegnen. Wer Allen kennt, weiß, dass dies nicht im wörtlichen Sinne gemeint ist. Dem Antisemiten im demokratischen Rechtsstaat ist mit anderen Mitteln entgegen zu treten, nämlich mit harter Polemik, mit der öffentlichen Bloßstellung und dem unerbittlichen vor das Schienenbein treten, anders also als denen, die in den vielen sich auflösenden Staaten mangels vorhandener Juden, an ihren Glaubensgenossen oder an den übrig gebliebenen Christen ihren Mut Mittels Gurgeldurchschneiden und Genickschüssen zu kühlen suchen, oder die, die gegen den Staat Israel in die unmittelbare Aktion getreten sind. Gleichwohl meinen viele der zu erst genannten (wie zuletzt der ehemalige Kandidat der Partei “Die Linke” für das Amt des OB), man drohe ihnen tatsächlich mit einer Keule – der Antisemitismuskeule.

Über Solidarität und Indifferenz

Das BgA-Kassel hat maßgeblich die Kundgebung am 15. Juli 2014 gegen den manifesten Antisemitismus initiiert. Anlass war, dass die angekündigte Kundgebung als Bedrohung von Kasseler Juden aufgenommen wurde, die dies uns mitteilten. Schon alleine die Tatsache, dass sich Juden in Deutschland unsicher fühlen, Angst haben und zu Zielen antisemitischer Übergriffe werden, wäre ein hinreichender Anlass für öffentlichen Protest und für Kundgebungen. Eine Selbstverständlichkeit dachten wir uns – aber wohl nicht in Kassel.

Doch auch die eindeutige Positionierung der Initiatoren, die in ihrem Aufruf nicht etwa von einem Frieden mit Israel sprachen, sondern von Frieden in Palästina, wies deutlich darauf hin, mit wem man es zu tun hatte. Israel als Nation kam in diesem Aufruf nicht vor, wenn dann nur als Ausdruck des politischen Willens des Westens, mit Israel eine Instrument geschaffen zu haben, seine verloren gegangenen Einflussgebiete auch weiterhin zu kontrollieren. Auf der Facebookseite der Aufrufer kam es in der Folge zu wüsten antisemitischen Ausfällen und Bekundungen. Die von der Jüdischen Gemeinde als Bedrohung empfundene Situation, hatte angesichts der Äußerungen auf der Facebookseite der Aufrufer und der anderen antisemitischen Vorfälle in Deutschland im Zusammenhang der Kundgebungen gegen Israel, also einen sehr realen Hintergrund. Entsprechend gab es Empfehlungen seitens der Polizei an die Mitglieder der jüdischen Gemeinde, nicht an der Kundgebung teilzunehmen.

Die Kasseler DIG, die CjZ in Kassel, sowie – trotz polizeilicher Warnung sich in Gefahr zu begeben – die Kasseler Jüdische Gemeinde als auch die Jüdische Liberale Gemeinde Nordhessen verfassten dann gemeinsam mit uns den Aufruf zur Gegenkundgebung. Den Erfolg der Kundgebung verdanken wir aber vor allem der Unterstützung durch eine erkleckliche Anzahl von Personen aus Kreisen der Kasseler Antifa, der israelsolidarischen Linke aus Marburg, Göttinger Freundinnen und Freunden sowie den Christen an der Seite Israels. Die Kundgebung in Kassel war die erste, die sich den in ganz Deutschland stattfindenden antisemitischen Aufmärschen entgegenstellte. Obwohl wir die Parteien im Kasseler Rathaus dazu aufgerufen hatten sich an der Kundgebung zu beteiligen, ließ sich kein Vertreter der Stadt blicken.

Ein Mitarbeiter des Büros des Oberbürgermeisters und die Berichterstatter der örtlichen Presse hielten sich in den Reihen der „Pro“-Palästinenser auf. Als der Demonstrationszug an den knapp hundert Israelfahnen schwenkenden Gegendemonstranten vorbeizog wechselten diese nicht etwa die Seiten, auch um Fragen an uns zu richten nicht. Welchen Eindruck der Veitstanz machte, den die Antiisraeldemonstranten aufführten, als sie Unser gewahr wurden, wie sie antijüdische Verwünschungen schrien, unsere weiblichen Teilnehmerinnen in sexistischer Weise beschimpften, uns allesamt bedrohten konnte so weder in angemesser Weise wahrgenommen noch beurteilt werden. Entsprechend gestaltete sich die Berichterstattung und Bewertung der Ereignisse. Es war die Rede davon, Besonnene auf beiden Seiten hätten dazu beigetragen, dass die Situation nicht eskaliert sei – so als hätte es in unseren Reihen einen einzigen Unbesonnenen gegeben und als wäre die „Allahu Akbar“ und „Kindermörder Israel“ brüllende Menge Einbildung.

Kassels Partnerstadt ist u.a. Ramat Gan. Ramat Gan war ebenfalls Ziel von Raketenangriffen der Hamas. Nicht etwa ein Unvermögen der Hamas, Raketen bis tief nach Israel hinein zu schießen – nein dazu ist die Hamas seit Jahren fähig – verhinderte, dass mehr Raketen einschlugen, sondern alleine das für Israel sündhaft teure Raketenabwehrsystem. Nur dieses und die schließlich erfolgte militärisch Intervention in den Gaza verhinderten weitgehend, dass es zu mehr Opfern unter der israelischen Zivilbevölkerung gekommen ist, als dies der Fall war.

Angesichts der klammen Kassen der Stadt Kassel, kann man nicht erwarten, dass Kassel wenigstens ein oder zwei Raketenabwehrbatterien finanziert, die vor Ramat Gan stehen, aber eine Patenschaft für solches Gerät wäre ja schon einmal etwas. Auch wäre es ein deutliches Zeichen der Solidarität mit der Partnerstadt, während der militärischen Angriffe auf Israel eine israelische Fahne am Kasseler Rathaus zu hissen, eine eindeutige Stellungnahme für den israelischen Staat und für die Stadt zu verkünden und sich zu einer eindeutigen Stellungnahme – in der Ross und Reiter genannt werden – angesichts der antisemitischen Zusammenrottungen zu bequemen. Nichts dergleichen passierte. Hilgen besuchte Kasseler Moscheen und es viel kein Wort über diejenigen, die Allahu Akbar brüllend durch Kassels Straßen marschierten und die zum größeren Teil auch von den verschiedenen islamischen Gemeinden in Kassel repräsentiert werden.

In der darauffolgenden Stadtverordnetenversammlung war der größte antisemitische Aufmarsch nach 1945 ebenfalls keine Rede wert. Das alles hat das BgA-Kassel als einzige der Kasseler Gruppen, Organisationen usw. in aller Deutlichkeit gesagt und kritisiert. Lediglich die Raccoons und die T.A.S.K. haben die Einheitsfront, die sich im Kasseler Sommer auftat thematisiert und wurden flugs von Kasseler Steinzeitkommunisten und anderen Dummköpfen denunziert. (vgl., Die Politik der Indifferenz)

Israel, Stolpersteine und Unannehmlichkeiten

Nun gibt es in Kassel eine bedeutende Gruppe von Personen, die persönlich davon überzeugt sind, nicht nur nichts gegen Juden zu haben, sondern sogar aufrichtig bekunden, den Faschismus deswegen zu verachten und zu bekämpfen, weil unter dessen Herrschaft und in dessen Namen eben ein schrecklicher Krieg geführt wurde und eben auch Juden umgebracht wurden. Sie wissen sogar einige Juden unter sich, die ähnlicher Auffassung sind. Sie würden, da bin ich mir ziemlich sicher, wären sie Augenzeuge eines offenen Übergriffs gegen einen Juden vermutlich sogar dagegen einschreiten – jedenfalls solange, solange es nicht um eine Person handelt, die sich im Gaza, im Libanon oder sonst wo aufhält und Raketen nach Israel auf Juden schießt.

Diesen Personenkreis treibt jedoch eine Passion um, die nämlich, Israel Ratschläge zu erteilen wie es auf die terroristische Bedrohung zu reagieren habe, nämlich deeskalierend und dass Israel der eigentliche Verursacher der gern bemühten Gewaltspirale sei. Jüngst hat einer ihrer Vordenker noch einmal klargestellt, dass zwar beide Seiten das „das humanitäre Völkerrecht“ verletzten, jedoch Israel „gezielt spielende Kinder am Strand mit Raketen zerfetzt“, Krankenhäuser und Schulen völkerrechtswidrig angreife und dass die Hamas nur deswegen zivile Ziele angreife, weil ihre „Geschosse … – meist Raketen genannt“ so zielungenau seien. (Werner Ruf, Was hat dieser Krieg mit Verteidigung zu tun?)

Man hat also ein Problem mit Israel, oder Sartre paraphrasierend, ihnen ist dieser Staat, der sich als jüdischer Staat definiert, unangenehm. Einigen ganz offen, andere sehen sich eher als „Kritiker“ des Staates Israel, noch gewitzigtere – wie der eben zitierte – betonen, nur die israelische Regierung mit ihrer „kritischen Haltung“ gemeint zu haben. Allen ist gemeinsam, Juden oder Israelis auf ihrer Seite zu wissen, die der gleichen Meinung sind wie sie selbst – was sie als Beweis erachten, keine Antisemiten sein zu können. Was sie aber tun entspricht dem, was Sharansky beschrieben hat. Sie legen doppelte Standards an, sie verurteilen Israel für vermeintliche Taten, die dessen Sicherheitskräften angedichtet werden, was sie der Hamas, die dies tatsächlich tun, durchgehen lassen, sie dämonisieren Israel, indem sie behaupten, die unschuldig ums Leben gekommenen Opfer auf der palästinenischen Seite, seien gezielt ermordet worden und sie delegitimieren den Staat Israel, indem sie seine gebotenen Handlungen als souveräner Staat, der wie jeder andere auch, seine Bürger zu schützen hat, prinzipiell in Frage stellen.

Dieser Personenkreis ist nun maßgeblicher Teil des in Kassel aktiven Vereins Stolpersteine in Kassel, der sich, das sei nur am Rande erwähnt, zu allem Überfluss auch noch im Kasseler Café Dschihad – besser bekannt als Café Buch-Oase – trifft. Wie oben angemerkt, hat das Engagement dieses Personenkreises vermeintlich lautere Gründe. Diskussionen, die über die Stolpersteininitiative geführt worden sind, dürften weitgehend als abgeschlossen gelten. Viele Einwände werden nicht mehr vorgebracht, obwohl sie inhaltlich nach wie vor Gültigkeit haben. Die, die lauthals gegen die Stolpersteininitiativen ankrakeelen sind Rechtsextreme und andere Zurückgebliebene, die, entgegen des allgemein staatlichen Grundkonsens, immer noch nicht verstanden haben, dass die Erinnerungs- und Geschichtsbewältigungsarbeit der deutschen Volksgemeinschaft mehr nützt als schadet.

Nicht etwa Einzelpersonen, die dem Verein angehören, der Verein als solcher hat zweimal den Aufruf zum Ostermarsch unterzeichnet. Die Ostermarschierer gehören nun eindeutig zu denen, die große Probleme damit haben, dass mit Israel ein souveräner jüdischer Staat existiert, der selbst darüber befindet, mit welchen Mitteln, wann und wie er gegen diejenigen vorgeht, die seine Bürger angreifen und bedrohen, den ganzen Staat oder schlicht das Leben von Juden in Frage stellen und dies etwa nicht nur in ihren wüsten Fieberträumen sondern auch in die Praxis umzusetzen trachten. In ihren Reihen tummeln sich Leute, die nicht nur die eine oder andere Entscheidung des israelischen Staates in Frage stellen, sondern die sich, wie Ulrich Restat, ausgewiesen als Mitinitiator des Kasseler Vereins Stolpersteine in Kassel, in verleumderischer, ja hetzerischer Weise als Israelhasser hervortun und sich somit als Antisemiten outen oder gar zu Apologeten palästinensischer Terroraktivitäten mutieren. So geschehen am 15.08.2014.

Die offene Manifestation des Antisemitismus – Intifada bis zum Stolperstein

Restats Rede am 15.08.2014 strotzt nur von Gleichsetzungen der israelischen Regierung mit den Aktionen Nazideutschlands. Israel ist für ihn ein „Strafgericht für die Palästinenser“, das ungerechter Weise über sie gekommen sei. Kein Wort zu den Ursachen, die 1948 dazu geführt haben, dass neben hunderttausenden Juden aus vielen arabischen Staaten auch viele arabische Bewohner aus den nach dem UN-Teilungsplan ihnen zugeschriebenen Gebieten vertrieben wurden oder vor den Israelis flüchteten. Kein Wort über die Kollaboration wichtiger Führer der arabischen Palästinenser mit den Nazis. Dass das eigentliche Strafgericht für die Palästinenser die Herrschaft der Hamas ist, auf diese Idee kommt Herr Restat natürlich auch nicht. Israel verübe Massaker und ermorde heute wehrlose Palästinenser, wie weiland die Deutschen wehrlose Juden in Auschwitz ermordeten. Für beides schäme er sich. Alles laufe darauf hinaus, dass Israel seinen Gegner, die Palästinenser in die Knie zwingen wolle, sie endgültig besiegen wolle. Das, so Restat, käme uns Deutschen doch bekannt vor.

Vermutlich meint er, dass Deutschland mit seinem Vernichtungskrieg die Sowjetunion, Jugoslawien, Polen usw. restlos mitsamt einem Großteil seiner Bewohne beseitigen wollte – „in die Knie zwingen“, ein verharmlosender Ausdruck für Vernichtungskrieg. In die Knie gezwungen wurde im 2. Weltkrieg Deutschland von den Alliierten, musste es werden – daher kommt dies in Wirklichkeit den Deutschen auch bekannt vor. Legionen zählen die Litaneien über den 20. Juli 1944, der angeblich auch daran gescheitert sei, weil die Alliierten auf die bedingungslose Kapitulation Deutschlands beharrten. Man kann es drehen und wenden, Restat redet unsäglichen Müll, der jedoch Anschlussfähigkeit an den Geist der deutschen Volksgemeinschaft beweist. Zu allem Überfluss verzweifelt Restat daran, dass die Juden gar nichts aus dem gelernt hätten, was ihnen angetan worden ist. “Fassungslos” sei er “über die Tatsache, wie reibungslos dort” – in Israel – “aus den jüdischen Überlebenden des Holocaust und ihren Nachkommen Täter werden konnten.” Auschwitz als Erziehungsmaßnahme hat also völlig versagt. Zum Schluss erwähnt er seinen Traum, auch Stolpersteine in Palästina verlegen zu können, nicht etwa für die jüdischen Opfer arabischer Pogromisten von 1919 bis heute, nein, für die „wehrlosen“ Palästinenser, die vom jüdischen Staat massakriert worden sind.

Der Vorsitzende des Vereins Stolpersteine in Kassel lauscht den antisemitischen Reden seiner Gesinnungsgenossen am 15.08.2014 in Kassel

Der Vorsitzende des Vereins Stolpersteine in Kassel lauscht den antisemitischen Reden seiner Gesinnungsgenossen am 15.08.2014 in Kassel

Der andere Redner Abraham Melzer sprach davon, dass der Widerstand der Palästinenser gerechtfertigt sei, genauso wie es der Widerstand der Franzosen oder der der sowjetischen Partisanen gegen die Nazibesatzung gewesen sei und führte aus “die Waffen-SS war eine kriminelle Armee und die IDF ist es leider auch. Der Unterschied liegt nicht in der ‘Qualität’ der Verbrechen, sondern in der ‘Quantität’.” Auf dieser Kundgebung war auch der Vorsitzende des Vereins Stolpersteine in Kassel zugegen, er protestierte nicht etwa gegen die Hetzreden des Restat und des Melzers, sondern er drückte seine Solidarität, Zustimmung oder Zugehörigkeit als Zuhörer mit dem Schild „Israel – Endlose Kriege – Israel schafft sich ab“ in der Hand aus.

Das Problem – die Berichterstattung

Es gäbe also genug Stoff für eine lokale Berichterstattung, dieses Thema kritisch aufzugreifen, die Zusammensetzung des Vereins, seine Motive zu hinterfragen, dem Widerspruch auf den Grund zu gehen, dass leidenschaftliche Antizionisten Gedenksteine für tote Juden verlegen – aber nichts davon. Auf einer ganzen Seite berichtet die HNA am 26.09.2014 über das Vorhaben der Stolpersteinaktivisten. Wäre es unbekannt, wer die Personen dieses Vereins sind, wären sie unbeschriebene Blätter, eine durchaus löbliche journalistische Leistung – weiß man, dass die HNA an gleicher Stelle sonst gerne auch über Kampfflieger und Panzerfahrer der Nazis, über Wehrmachtssoldaten die mit “Hitlersägen” hunderte GIs niederschossen berichtet – wenn nicht gerade über Gelbe Säcke, Buchsbäume und Nacktschnecken berichtet wird, so beschleicht einem ein übles Gefühl.

Obwohl dieses Blatt die Kundgebung am 15.08.2014 mit deutlichen Worten charakterisierte, trotzdem kein Wort zu den Stolpersteinaktivisten Kassels, die diese Kundgebung maßgeblich prägten. Das hat möglicherweise etwas mit der Wahrnehmung und dem polittheoretischen Sachverstand der Spezialisten für gelbe Säcke, Nacktschnecken, Buchsbaumpilzen usw. zu tun. Felsenfest in der Annahme, die Kundgebung und das Wirken des BgA-Kassel am 15. Juli 2014 richtig beschrieben und darüber berichtet zu haben, sehen sie wohl weder in den Kundgebung vom 15. Juli noch vom 15. August eine Manifestierung des Antisemitismus, sondern eine Demonstration für den Frieden, bei der “nicht alles unter Kontrolle zu halten” war und es ein paar Extremisten gegeben hat, die über die Stränge geschlagen haben.

Anstatt nun die Initiatoren der antisemitischen Aufmärsche eindeutig als das zu bezeichnen was sie waren, nämlich entweder naive Schülerinnen ohne politischen Sachverstand oder eben Antisemiten, oder sie wenigstens mit Verachtung zu strafen grub die HNA eine Dame aus, die für eine Palästinensisch-Deutsche-Gesellschaft sprach und setzte diese mit dem Vorsitzenden der DIG Kassel an einen Tisch (Nicht alle unter Kontrolle, HNA, 11.08.2014). Das vom Reporter für Gelbe Säcke in Kassel geführte Interview ging aus wie das Hornberger Schießen, wie auch anders, bezeichnete diese Dame die antiisraelischen Kundgebungen als „ihre Demo“ und beschwerte sich namentlich über das BgA-Kassel, dass diese als das bezeichnet hat, was sie waren. Worüber soll man mit einer solchen Vertreterin diskutieren, wenn man für die Freundschaft mit Israel streitet, eigentlich über nichts. Oelsen sprach tapfer die Wahrheit über den 15. Juli aus und vermied es allzu versöhnlich zu erscheinen und schlug den von der HNA phantasierten Wunsch aus, doch eine gemeinsame Friedensdemo zu initiieren. Mangels eigener Kompetenz, dass zu erkennen was offensichtlich ist, ließ die HNA diese Frau ihre Sätze über den friedlichen Charakter der Kundgebung und gemeinsame Grundlagen unwidersprochen absondern, fühlte den Phrasen der Frau nicht auf den Zahn und konnte noch nicht einmal, etwa durch gezieltes Nachfragen, die gegensätzlichen Standpunkte der beiden Gesprächspartner ordentlich herausarbeiten, sondern suchte nach „Lösungen“. Die Zeitung ließ es dann noch zu, dass die Dame im Zusammenhang eines zukünftig friedlichen Miteinanders, die jüdische Gemeinde über ihre Bündnispartner, speziell das BgA-Kassel belehrte. Womit wir beim Ausgangspunkt angelangt wären.

Christliche Judenliebe August 15, 2014 | 03:50 pm

Bei der Debatte um israelbezogenen Antisemitismus wird häufig ausgespart, dass es auch christliche Institutionen gibt, die seit Jahren gegen Israel hetzen.

Sonntagsblatt – Evangelische Wochenzeitung für Bayern, Ausgabe Nr. 30, 27. Juli.

Das evangelische Sonntagsblatt zeigte kürzlich eine Karikatur, wie sie in christlichen Zeitschriften derzeit häufiger aufschlagen. Die Münchner Redaktion des Sonntagsblattes platzierte neben Artikeln mit Gesundheitstipps und einem flammenden Appell gegen die „Gier“ eine Messerwurf-Szene: Eine als Palästinenser gekennzeichnete Person ist an eine Scheibe gefesselt. Ein israelischer Militär mit Wurfmessern gibt den in dieser Situation unmöglichen Rat, der arme Tropf bringe sich in Sicherheit.

Diese Karikatur ist von einer herausstechenden Gemeinheit; nicht nur das Setting, auch die Auslassungen. Wo ist der Palästinenser mit Hamas Abzeichen, der sich hinter der Scheibe versteckt? Der mit angespitzten Steinen auf Unbeteiligte in einen zum Davidstern geformten Tribünenabschnitt wirft und schreit: „Der Tag wird kommen, an dem wir jeden einzelnen von euch umbringen!“ Wo ist der Hamas-Vertreter, der den Mann auf der Scheibe jederzeit lösen könnte, doch stattdessen die Fesseln nachzieht? Das wäre immer noch eine dämliche Darstellung, käme aber der Komplexität zumindest einen kleinen Schritt näher.

Pax Christi: Mit Gottes Segen gegen Israel
Die Dämonisierung Israels mittels Auslassungen macht in vielen christlichen Publikationen derzeit die Runde. Zu den lautesten Scharfmachern zählt die katholische Vereinigung Pax Christi. In einer aktuellen Erklärung fordert Pax Christi gemeinsam mit anderen Organisationen: „Schluss mit jeder Rüstungskooperation mit Israel“ und „sofortige Aufhebung der Blockade des Gaza-Streifens“. Um bei der Karikatur zu bleiben: Nehmt dem Israeli die Messer weg! Und freier Zugang zu angespitzten Steinen!

Zwar versteht sich Pax Christi als „internationale katholische Friedensbewegung“, scheint aber keine Berührungsängste mit militanten Gruppen zu haben, wenn das Feindbild stimmt. Bei den letzten antiisraelischen Demonstrationen in München waren zwischen Fahnen der Hamas und Abzeichen türkischer Faschisten immer wieder Fahnen der katholischen Organisation zu sehen. Ebenso wenig störte Pax Christi offenbar, dass der stadtbekannte Islamist al Afghani die antiisraelischen Proteste in München maßgeblich anführte. Al Afghani bezeichnet sich als „Soldat Allahs“ und bemerkt zuversichtlich: „Ein bisschen Teamgeist und die Welt gehört uns!“

Radikalisierung christlicher Gemeinden
Jahrelange Propagandaarbeit von engagierten Geistlichen hat inzwischen dazu geführt, dass ganze Gemeinden zu failed districts geworden sind. Hierzu zählt die Gemeinde Markt Schwaben bei München. Der evangelische Pfarrer Fuchs organisiert in etwa zweijährigem Turnus „Begegnungsfahrten“, um seine Schäfchen auf antiisraelische Linie zu bringen. Die nächste dieser Fahrten soll ab dem 12. Februar 2015 stattfinden. Ein großer Clou ist Fuchs 2012 gelungen. Auf sein Wirken hin zeichnete der ehemalige Bundespräsident Roman Herzog den Palästinenser Mitri Raheb mit dem Deut­schen Me­di­en­preis aus. Der Beth­le­he­mer Pas­tor ver­brei­te Ras­sis­mus, Hetze und verdrehe theo­lo­gi­sche Leh­ren, be­fand hingegen nicht nur der Je­ru­sa­le­mer His­to­ri­ker Mal­colm Lowe. Jüdische Gemeinden protestierten gegen die Preisverleihung – aber niemand hörte zu.

Süffisantes Lächeln. Pater Reiner Fielenbach auf Propaganda-Tour im Nahen Osten

Ein weiterer failed district ist die bayerische Gemeinde Straubing. Hier wütet seit Jahren der Karmelitenpastor Rainer Fielenbach. In einem aktuellen Beitrag im Straubinger Tagblatt fordert der Vorsteher des ehemaligen Kreuzritterordens, man müsse Israel die „Daumenschrauben anlegen.“ Auch die Straubinger Karmeliten organisieren regelmäßig Propagandafahrten nach Israel, die nächste findet vom 25. August bis zum 04. September 2014 statt. Das Staubinger Tagblatt scheint hinter dem Pastoren zu stehen. Fielenbach wird häufig als Experte in Nahost-Fragen interviewt, da der Verleger Martin Balle offenbar nicht viel anders denkt. In einem aktuellen Leitartikel schreibt Balle im Straubinger Tagblatt: „Wo Kinder schreiend aus Trümmern geborgen werden“, müssten „alle politischen Argumente, die noch für Israel sprechen könnten, verstummen“.

Brisant: Martin Balle übernahm vor wenigen Wochen die Münchner Abendzeitung. Mehr hierzu in Kürze.

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Rechtsextreme mobilisieren für Pro-Gaza Demo in München July 25, 2014 | 10:29 pm

Am Samstag soll eine weitere antiisraelische Demonstration in München stattfinden – doch das Pro-Gaza-Bündnis zeigt sich zerstritten. Zudem ruft die rechtsradikale „Europäische Aktion“ zur Teilnahme auf. Es kursieren Gerüchte, der Journalist Jürgen Todenhöfer werde auf der Demonstration sprechen. Eine Gegenkundgebung ist geplant.

Die „Europäische Aktion“ hielt auch schon gestern in München eine Kundgebung ab. Jetzt wollen sie sich der Demonstration des Vereins „Palästinensische Gemeinde München“ anschließen. (c) München Nazifrei

Ganz so martialisch wie vergangenen Sonntag soll es kommenden Samstag bei der Demonstration „Protest gegen das Töten in Palästina“ ab 14 Uhr am Orleansplatz nicht zugehen. Sie schäme sich zutiefst für den Hass, der auf der letzten Demonstration geschürt worden sei, beklagte Mitveranstalterin Dunya Sabreen im Nachgang. Die Demonstration „Freiheit für Palästina“ sei „sehr religiös und teilweise antisemitisch geprägt“ gewesen. Auch die Parole „Kindermörder Israel“ werde von außen als aggressiv wahrgenommen, so Sabreen. Auf der Demonstration wurden vielfach antisemitische Schilder gezeigt mit Pa­ro­len wie: „Die Opfer von ges­tern sind die Täter von heute“, „Ho­lo­caust in Pa­les­ti­ne und die Welt schaut zu“ und an­dern Ekeln. Hauptveranstalter war der Verein „Palästinensische Gemeinde München“ der seinen Sitz derzeit im städtisch geförderten „Eine Welt Haus“ hat.

Veranstalter wollen Mob ansehnlicher gestalten
Zur Demonstration am Samstag haben die Veranstalter nun vorsorglich ein Regelwerk verfasst. Unter anderem ist einzig die palästinensische Fahne erwünscht und „Allahu Akbar“-Rufe (Gott ist groß) sind zu unterlassen. Viele zeigten sich daraufhin enttäuscht, die noch letzten Sonntag mit der türkischen Fahne, der Fahne der faschistischen „Grauen Wölfe“ oder der Terrororganisation Hamas gekommen waren. Manche kündigen an, eine eigene, islamistische Demonstration zu veranstalten: „Nur für Männer.“ Die rechtsradikale „Europäische Aktion“ – ein Sammelbecken für Holocaust-Leugner und Rechtsextremisten – hat wiederum zur Teilnahme an der Demonstration aufgerufen – mit Bezug auf den sogenannten „Al Quds Tag“. Am Freitag demonstrierte die Formation in München bereits unter dem Motto „Abzug aller US-Truppen aus Europa – Austritt aus NATO und EU“ und zeigte die palästinensische Fahne.

Spricht Jürgen Todenhöfer in München?
Es kursiert darüber hinaus das Gerücht, dass auch der Journalist Jürgen Todenhöfer am Samstag in München sprechen könnte – allerdings sind die Belege bislang eher dürftig. Der Islamist und Mitveranstalter Ahamd Al Afghani zitierte Todenhöfer bei seiner Rede vergangenen Sonntag. Am Dienstag ploppte dann ein aktuelles Foto auf dem Facebook-Account Afghanis auf, das Tödenhofer und ihn heiterer Eintracht im Münchner Westen vor dem Geschäft „Radlbauer“ zeigt. Seitdem schießen die Spekulationen ins Kraut, weitere Hinweise gibt es aber nicht. Todenhöfer genießt derzeit unter Islamisten großes Ansehen, nachdem er sich ein weiteres Mal als „Demagoge des Mainstreams“ (Lizas Welt) zu verstehen gegeben hat.

Afghani fordert „Verteidige deinen Glauben“. Hier mitsamt der Aufforderung: „Sei ein Soldat Allahs“.

Ein „Soldat“ mit Ambitionen zur Weltherrschaft
Ahmad Al Afghani ist ein führender Kopf der Islamisten in München und trat bei der letzten antiisraelischen Demonstration als Mitveranstalter auf. Unter der Weltherrschaft will er es nicht machen: „Ein bisschen Teamgeist und die Welt gehört uns“, schreibt der in Kabul geborene Al Afghani in aller Deutlichkeit. Auf seiner Facebook-Seite bekundet er seinen Gefallen an einer illusteren Gruppe islamistischer Antisemiten, wie beispielsweise dem Hassprediger Prierre Vogel. Mit Parolen wie „Zionisten sind Faschisten“, „Kindermörder Israel“, „Netanjahu nach Den Haag“, und „Falestin, Falestin“, heizte er am vergangenen Sonntag der Menge ein – am Tag zuvor sprach der Islamist in Schwäbisch Gemüd. Auch zur Demonstration am Samstag hat Al Afghani aufgerufen. Ein weiterer Veranstalter der letzten Demonstration nennt sich Sunaj Ajla Abdulla. Dieser ist unter diesem Namen bislang wenig auffällig gewesen, dafür tat er sich im Rahmen der letzten Demonstration umso heftiger hervor. „Ich will keinen Frieden, Ende Gelände, weg mit dem Drecksvolk“, ließ der Veranstalter wissen.

„Allah soll dich bestrafen (Israel)“ – letzten Sonntag in München. Weitere antisemitische Plakte sind hier dokumentiert.

Gegendemonstration geplant – Überforderung der Polizei wieder möglich
Laut Insiderkreisen ist am Samstag eine Gegenkundgebung geplant, genauere Informationen liegen allerdings noch nicht vor. Es bleibt zu hoffen, dass die Polizei am Samstag besser aufgestellt ist als letzten Sonntag – um die voraussichtliche Gegendemonstration zu schützen und Volksverhetzung zu unterbinden. Als sich der Demonstrant Samuel H. (Name von der Redaktion geändert) letzten Samstag auf der Demonstration „Freiheit für Palästina“ an einen Polizisten mit der Bitte wandte, ein Plakat mit Hakenkreuz entfernen zu lassen, soll der Polizist gesagt haben, dieser könne da nicht reingehen, sonst eskaliere die Situation. Ein weiterer Polizist erklärte ihm angeblich, dass „eine gewaltbereite Gruppe vertreten ist“ und Samuel ja selbst sehe, dass nicht genug Polizisten vor Ort seien, um eine Eskalation in den Griff zu bekommen.

Vermutlich das einzige echte Friedensplakat auf der Demonstration „Freiheit für Palästina“ trug Samuel H.

Große Kundgebung der IKG gegen Antisemitismus
Kommenden Dienstag ist eine große Kundgebung der Israelititischen Kultusgemeinde (IKG) München und Oberbayern am Platz der Opfer des Nationalsozialismus geplant. „Die jüdische Gemeinschaft sieht sich in der jüngsten Vergangenheit auch in Deutschland mit einer neuen Dimension an Judenhass konfrontiert“, heißt es im Aufruf. Die Vorsitzende der IKG, Charlotte Knobloch, hat dazu eingeladen. Titel der Veranstaltung ist: „Wehret den Anfängen! Gegen Antisemitismus und Antizionismus.“

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Kein Al Quds-Tag 2014! Gemeinsam gegen den größten antisemitischen Aufmarsch Deutschlands! July 19, 2014 | 11:05 am

Wir treten entschieden gegen Antisemitismus ein. Deswegen wollen wir auch nicht zulassen, dass am 25. Juli mehrere hundert Antisemit*innen ungestört durch die Berliner Innenstadt ziehen können und dort offen ihre Vernichtungsvorstellungen propagieren. Es sollte für Antifaschist*innen eine Selbstverständlichkeit sein, sich an den antifaschistischen Gegenprotesten zu beteiligen und gemeinsam gegen den größten antisemitischen Aufmarsch Deutschlands vorzugehen.

Pressemitteilung | 15.07.2014 | Linksjugend Ruhr muss antiisraelische Kundgebung absagen July 15, 2014 | 03:28 pm

Zur am Freitag, den 18. Juli 2014, angemeldeten Kundgebung in Essen der Linksjugend Ruhr „Stoppt die Bombardierung Gazas – Für ein Ende der Eskalation im Nahen Osten“ erklärt der Bundesarbeitskreis (BAK) Shalom der Linksjugend Solid: „Die Linksjugend Ruhr kann bei möglichen 7000 Teilnehmern nicht garantieren, dass es auf ihrer Kundgebung nicht zu antisemitischen Parolen und Angriffen kommen wird. Die Linksjugend Ruhr ist aufgrund ihrer einseitigen Positionierung in der aktuellen Konfliktsituation gegen Israel verantwortlich dafür, dass sich auf ihrer Kundgebung linke, rechte und islamistische Antisemiten gegen den jüdischen Staat zusammenrotten.“

Realität #1: Deutsche Träume vom “großen Palästina” July 14, 2014 | 06:18 pm

Dass Expertenrunden zum sogenannten Nahost-Konflikt selten etwas Vernünftiges hervorbringen, ist bekannt. Der Deutschlandfunk hat mit der Sendung “kontrovers” ein etwas anderes Format im Programm: Jeder, der über einen Telefonanschluss verfügt, qualifiziert sich bei “kontrovers” dazu, seine Meinung zum behandelten Thema zu verkünden. Man kann sich vorstellen, welche Gestalten stets als erste zum Telefonhörer greifen.

Heute nun hat man sich bei “kontrovers” dazu entschieden, die neusten Auseinandersetzungen zwischen Israel und der Hamas zum Thema zu machen. (Mutige können sich die Sendung hier noch einmal anhören.) Nicht nur diskutierten im Studio Khouloud Daibes, die Leiterin der palästinensischen Mission in Deutschland, Tal Gat, Leiter der Abteilung Öffentlichkeitsarbeit an der israelischen Botschaft in Deutschland und Rudolf Dreßler, ehemaliger deutscher Botschafter in Israel, auch zahlreiche Zuhörer durften ihrer Meinung wie gewohnt freien Lauf lassen.

Irgendwann zwischen 10.30 Uhr und 11.00 Uhr rief dann Frau S. aus Freiburg an.

Sie begann damit – und das zu betonen schien ihr wichtig -, dass sie “sehr positiv für Israel” (sic!) sei. Dann erzählte sie mehr über sich: Sie sei Mitglied der “Machsom Watch Frauen” und der “Women in Black”. Nochmals betont sie anschließend ihren Kontakt zu “den Israelis” und schiebt nach, dass es sich dabei um die “kleine Friedensbewegung” handele, die es in Israel noch gebe.

Nach mehrmaligem Betonen des Wortes “Siedler” erwähnt die Friedensbewegte noch, es sei ihr (sic!) dritter “Israel-Gaza-Kampf” – bei zweien habe sie sich sogar “oben in Rafah” befunden -, um anschließend zu ihren Forderungen überzugehen: Die Deutschen sollten sich nicht länger “hinter dem Holocaust” verstecken, beginnt sie, um mit Israel fortzufahren. In Bezug auf Israel nämlich wünscht sich Frau S. aus Freiburg Folgendes: “Siedlung beenden, Siedlung befreien, die Siedlerstraßen raus aus der Westbank! Und damit fallen die Checkpoints weg. Und Ostjerusalem wird nen bisschen befreiter.” Abschließend dann teilt sie den Studiogästen und den anderen Zuhörern ihre Hoffnung für die Zukunft mit: Wenn ihre Forderungen eingelöst würden, dann sei sie sich sicher, dass es in 100 Jahren “ein großes Palästina” gebe.

Damit hat sie wohl recht.

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Israels Aggression July 10, 2014 | 01:57 pm

Der Anlass ist aktuell, die Ignoranz leider zeitlos.

Die 1954 in Zürich erschienene Karikatur zeigt Ägyptens Staatsoberhaupt Gamal Abdel Nasser (links im Bild) und Israels Premierminister David Ben-Gurion (rechts im Bild) und trug den Titel „Israels Aggression“. Zaungäste könnten heute in etwa sein: Frank-Walter Steinmeier (Deutschland), Peter Münch (SZ), Ban Ki Moon (UNO), Catherine Ashton (EU), Recep Tayyip Erdoğan (Türkei), John Kerry (USA) und der ganze andere Pöbel.

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