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Hausverbot auf Russisch

Zu den Hintergründen des Überfalls auf das „Correctiv“- Büro in Berlin
inkl. Interview mit “Correctiv”-Mitarbeiter Marcus Bensmann


Graham W. Phillips beim Salutieren mit einer Waffe.
September 2015, Ostukraine
(Credits: stopfake.com)

In jüngster Vergangenheit finden im europäischen Raum vermehrt Versuche der Einschüchterung an russlandkritischen Autoren statt. Es sind hierbei stets ähnliche Muster und Verbindungen der involvierten Akteure, die einen genaueren Blick auf die Hintergründe unverzichtbar machen.
Boris Reitschuster, langjähriger Moskau-Korrespondent der Zeitschrift “Focus” und Autor des kürzlich erschienen Buches “Putins verdeckter Krieg”, geriet erst vor Kurzem in das Fadenkreuz des russischen Staatsfernsehens. Er widmet sich seit Jahren der Aufarbeitung russischer Destabilisierungsmechanismen und untersuchte u.a. russische Geldflüsse an rechtsextreme, europäische Organisationen. Während sein Buch in Deutschland nur beiläufig Anklang fand, scheint die Rezeption in Russland eine weitaus größere zu sein.

Erst kürzlich veröffentliche der russische Fernsehsender TWZ eine Hetzkampagne, die sich gegen Reitschuster richtete. Der Sender befindet sich zu 99% im Besitz der Moskauer Stadtregierung und wird vom Putin-Vertrauten Sergei Sobjanin geleitet. Die Sendung soll vor allem – so Reitschuster – aus Aufnahmen bestehen, die durch in Deutschland erfolgte Stalking-Angriffe entstanden sind.

Auch der WDR-Reporter Halo Seppelt, der mit seinen Recherchen über den russischen Sportminister Witalij Mutko maßgeblich zur Enthüllung des aktuellen russischen Doping-Skandals beigetragen hatte, wurde jüngst zur Zielscheibe russischer Einschüchterungsversuche. Dies geschah durch die Journalistin Olga Skabajewa, welche mit einem Mitarbeiter des russischen Staatsfernsehens verheiratet ist und in der Staatsmedienagentur Rossija Sewodna (Russland heute) angestellt ist. In kremltypischer Verdrehung offenkundiger Tatsachen diffamierte sie ihn als “russlandfeindlichen” Agenten und würdigte seine journalistischen Leistungen zu einer persönlichen Fehde herab. Reitschuster und Seppelt scheinen jedoch nicht die Einzigen zu sein, die sich momentan erhöhter Aufmerksamkeit Russlands erfreuen dürfen.

Erst vor wenigen Tagen versuchten zwei Männer sich Zugang zu den Räumlichkeiten des in Berlin ansässigen investigativ-journalistischen Projekts „Correctiv“ zu verschaffen, um einen Mitarbeiter zur Rede zu stellen. Der, den sie sprechen wollten, ist Marcus Bensmann. Dieser ist seit 2013 Redakteur und Mitarbeiter des Kollektivs und hat mit seinen Recherchen maßgeblich zur Enthüllung der Hintergründe des Absturzes der MH-17 beigetragen. 
Bei den beiden unerwünschten Besuchern handelt es sich keinesfalls um unbeschriebene Blätter.
Ganz im Gegenteil verfügen sowohl Graham W. Phillips, als auch sein partner in crime Billy Six, über intensive Verbindungen nach Russland.
Den ganzen Artikel über Phillipps und Six’ Verbindungen auf jungle-world.com lesen.
Der Journalist Marcus Bensmann bezeichnet „Correctiv“ als “die Idee, in Deutschland eine dritte Mediensäule zu erschaffen.” Es ginge darum, “gemeinnützigen Journalismus”, wie er etwa in den USA seit Jahren Gang und Gebe ist, nun auch in Europa zu etablieren. Mittels Spenden und Förderungen soll das Projekt auf größere Füße gestellt werden. Oberstes Prinzip sei es, geleistete Arbeit & Rechercheergebnisse der Allgemeinheit zur Verfügung zu stellen. Bensmann ist im Spätsommer 2014 – kurz nach der Gründung von „Correctiv“ – dazugestoßen und hat davor knapp zwanzig Jahre in u.a. Afghanistan und dem Irak als Reporter gearbeitet.

Marcus Bensmann selbst befand sich zur Zeit des Tathergangs zwar nicht in den Räumlichkeiten von Correctiv, konnte aber eine bemerkenswerte Aggressivität bei den Angreifern feststellen: Etwa wurde in das Redaktionsbüro hineingefilmt, was dazu hätte führen können, dass wichtige Quellen ins Blickfeld hätten geraten können. Für investigative, journalistische Arbeit sei der Redaktionsraum heilig, da er nicht nur Rückzugsort für die Mitarbeiter sei, sondern auch als Aufbewahrungsort für wichtige Informationen diene. Zudem wurden Bensmann und seine Kollegen von Phillips & Six als Vertreter der “Lügenpresse” und als “Prostituierte” diffamiert. Auch deshalb stellt Bensmann im Interview den Vorfall in einen größeren internationalen Zusammenhang.


Trotz allem mahnt Bensmann zur Vorsicht und warnt vor einer Überdramatisierung dieses Einzelfalls. Er sehe Phillips & Six weniger als unmittelbare Agenten Russlands, sondern als “prorussisches Unterholz”, welches sich in einer Atmosphäre der Angst, immer weiter ausbreiten könnte. In diesem Zusammenhang erwähnt er auch die jüngsten Angriffe auf den russland-kritischen Journalisten Boris Reitschuster. 

 
Auf die Kontakte von Philipp und Six zur rechtsextremen Szene angesprochen, zeigt sich Bensmann wenig verwundert und bestätigt, dass nicht nur in diesem Fall die enge Zusammenarbeit neurechter Organisationen mit Kreml-treuen Kreisen sich immer mehr verdichtet. Zudem sei dies eine gefährliche Entwicklung, die nicht nur in Deutschland zu beobachten sei. 

Die größte Gefahr, so Bensmann, die letztlich aus den Einschüchterungsmethoden resultiere, sei nicht nur der Gedanke von der Professionalität und den hohen Ansprüchen der eigenen journalistischen Arbeit Abstand zu nehmen, sondern auch sich in ein permanentes Rückzugsgefecht drängen zu lassen.



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Fluchtgrund: Iran


PODIUMSDISKUSSION ZU IRAN & FLUCHT

  

Im Jahr 2015 hat der Iran über 700 Menschen hingerichtet, die zumeist wegen angeblicher Kooperation mit dem jüdischen Staat oder angeblichem Drogenschmuggel angeklagt wurdenAufgabe antirassistischer Praxis wäre es, sich mit den islamischen Herrschaftsmethoden auseinanderzusetzen, welche die Menschen zurichten. Oftmals würde es aber reichen, den Flüchtlingen zuzuhören: Eine Studie unter 3.000 befragten syrischen Flüchtlingen zeigt, dass 70 % vor dem Assad-Regime fliehen. 73 % der Befragten forderten ein Ende der Barrel-Bombs, 58 % die Errichtung einer Flugverbotszone in Syrien. 92% gaben an, dass Assad abtreten müsse. Irakische oder syrische Flüchtlinge fliehen also nicht bloß vor dem Islamischen Staat,
sondern auch vor dem Einfluss des iranischen Regimes
.



Fluchtgrund: Iran
Podiumsdiskussion
Moderation:   Ljiljana Radonic
Referat I:        David Kirsch
Referat II:       Florian Markl
Download: Vortragstext (PDF)


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Audioarchiv

In der Warteschleife

Momentaufnahmen vom Protestcamp Berlin-Oranienplatz
Immer wieder machen Flüchtlinge, Asylbewerber und Asylanten auf ihre oft sehr belastende Lebenslage in Deutschland aufmerksam. Das Feature dokumentiert ein Protestcamp am Oranienplatz in Berlin.
Viele Asylanten aus ganz Deutschland kampieren seit Monaten auf dem Berliner Oranienplatz, um gegen Arbeitsverbot und Residenzpflicht zu protestieren.
Angefangen hatte es 2012 in Würzburg, ein iranischer Flüchtling […]


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Audioarchiv

»Behandelt uns wie Menschen!«

„Ich habe aufgehört, überhaupt zu versuchen ein Leben zu führen. Ich habe es einfach verlernt. Du wirst zum Schatten deiner selbst.“
„Für die Politik ist dies ein sehr radikaler Protest. Wir antworten so auf eine Brutalität, die uns von dem System selbst angetan wird.“
Als vor einem Monat das Flüchtlings-Protestcamp auf dem Rindermarkt in München geräumt wurde, […]


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bubi zitrone

links (24. Juni 2013)

Warum nicht auch mal wieder ein paar links…

Zur “choerografierten Farce der Wahlen” im Iran:

Der neugewählte “lächelnde Mullah” (Sohrab Ahmari) Hodschatol-Eslam Hassan Rouhani, der “Moderate”, der “Reformer”, ist nun also der zweite Mann im Gottesstaat Iran. “Elder of Ziyon”, Marina Nemat, Matthias Küntzel, Stephan Grigat und Ali Schirasi haben dazu das Wichtigste gesagt. Einzig die unklaren Verstrickungen in das Attentat auf ein jüdisches Gemeindezentrum in Buenos Aires 1994 sollten auch bemerkt werden.

Zur Situation von Frauen (oder: wo bleibt eigentlich hier der #Aufschrei?):

Ägypten. Während der systematische Einsatz von sexueller Gewalt als Foltermethode weiter anhält, wird trotz gesetzlichem Verbot auch weiterhin von weiblichen Genitalverstümmelungen und kürzlich auch wieder von einem Todesopfer berichtet. By the way zu Ägypten: Mursi wurde also von einer Koalition aus Muslimbrüderschaft, Hamas und Hisbollah aus dem Gefängnis befreit – Überraschung.

Jordanien. Pascale Müller berichtet in der jungle World über die Situation in einem Camp syrischer Bürgerkriegsflüchtlinge und den dort perfide florierenden Heiratsmarkt.

Saudi-Arabien. Ein Schriftsteller forderte öffentlich dazu auf Frauen, die arbeiten gehen, sexuell zu belästigen – mehr dazu bei think progress.

Italien. Catrin Dingler berichtet über die italienische Diskrepanz zwischen der Bekämpfung der Gewalt gegen Frauen und dem Kampf für mehr Selbstbestimmung für Frauen in Italien.

Indien. Die Meldungen über brutale Verbrechen gegen Frauen reißen nicht ab”: Eine 20 Jahre alte Studentin war auf dem Heimweg, als sie von mehreren Männern überfallen, vergewaltigt und ermordet wurde. 

Türkei. Am Rande der Proteste in Istanbul wird auch von sexueller Gewalt durch die Polizei berichtet.

Großbritannien. Ein paar Schülerinnen wollten sich gegen misogynen Alltag wehren, initiierten eine “feminist society” an ihrer Schule und werden nun noch intensiver attackiert.

Uganda/Berlin. Die Aktivistin Kasha Jacqueline Nabagesera wurde beim diesjährigen CSD in Berlin mit dem Zivilcouragepreis geehrt – immerhin/YAY!

Deutschland. Güley Boran spricht über geschlechtsspezifische Asylgründe und die Schwierigkeiten, diese in Deutschland anerkannt zu bekommen und es in den “Gemeinschaftsunterkünften” als Frau auszuhalten. Mehr zu “Frauen auf der Flucht”.

Berlin. Eine Brücke, die nahe des Tempelhofer Feldes gebaut wird, soll nach Hatun Sürücü benannt werden. Dazu ist auch die PM von terre de femmes & dem LSVD lesenswert

reproductive rights. Während in den USA zukünftig die “Pille danach” für alle rezeptfrei erworben werden kann (YAY!), sieht es in Bezug auf den Zugang zum Schwangerschaftsabbruch in Irland (trotz dem Fall von Savita Halappanavar) und Litauen schlecht aus.

Internet. Vom Werk von Ada Blitzkrieg kann man halten was man will, ich bin angetan, nicht zuletzt über ihre Äußerungen über “erfolgreiche Frauen im Internet”, die – wie auch außerhalb der schönen digitalen Welt – keine Liebesgeschichte ist.

In der Welt findet sich ein Porträt von Ruth Fischer, der Frau, die “von Hitler und von Stalin gejagt” wurde.

Zur deutschen Ordnung:

Wittenauer Bürger haben etwas gegen Windpocken und Kinder – die nichtdeutsch sind.

Ein Kanadier hat die Abschiebung eines Pakistanis aus Deutschland verhindert, dies sei für ihn “wichtiger als der eigene Spaß” gewesen.

Da im Willy Brandt Haus zu Berlin gerade die World Press Photo Ausstellung zugegen ist, bietet sich ein Blick auf die “verspielten Chancen für den Nahost-Frieden” Willy Brandts an.

Nichts Neues, aber immer wieder bemerkenswert: Das gut organisierte Netz derjenigen, die über Moscheen in Deutschland Spenden für bspw. die Hisbollah sammeln.

Neulich in Offenbach: haben elf bis 15 jährige Vollidioten einen Rabbiner attackiert. Neulich in Berlin: in der Tram M10 wird eine Israelin beleidigt, in der Friedrichstr. jemand attackiert, der ein Shirt mit pro-israelischem Aufdruck trug und beim zweiten Konzert von Beyoncé wurden Israelis beschimpft.

Zum Anhören:

Wie ein Vogel, der nicht landen kann” – Gespräche mit deutschen Juden zwischen 1970 und 2012

Warum musste David Kato sterben?” – Ein DLF-Feature über das Leben schwuler Menschen in Uganda und den Mord am Aktivisten David Kato.

Es gibt eine neue “outside the box” – <3 – zum ewigen Thema: Arbeit. Hier gibt es ein Gespräch zwischen Radio Corax und zwei Autorinnen der outside.

Zum Hingehen:

Berlin. 25. Juni. Hiwa Bahrami spricht über den Iran nach den “Wahlen” und die Lage der nichtpersischen Bevölkerung. Veranstalterin: Mideast Freedom Forum. Ort: Amadeu-Antonio-Stiftung (Linienstr. 139). Zeit: 19Uhr.

Berlin. 1. Juli. Stephan Grigat über die “Befreite Gesellschaft & Israel. Zum Verhältnis von Kritischer Theorie und Zionismus”. Veranstalterin: Das Bündnis gegen den Al-Quds-Tag in Berlin. Ort: Laidak (Boddinstr. 42). Zeit: 19Uhr.

Jena. 3. Juli. Tove Soiland fragt: Lassen sich gesellschaftliche Verhältnisse dekonstruieren? Und stellt feministische Rückfragen an die queer theory. Veranstalterin: Gleichstellungsreferat der Uni Jena & Falken Thüringen. Ort: Campus der FSU Jena (Carl-Zeiss-Str. 3), Hörsaal 4. Zeit: 18Uhr.

Jena. 5. Juli. Fathiyeh Naghibzadeh spricht & diskutiert über die Situation der Frauen im Iran und zeigt anschließend den Film “Kopftuch als System”. Veranstalterin: Refugio Thüringen e.V. Ort: Campus der FSU Jena (Carl-Zeiss-Str. 3), Hörsaal 7. Zeit: 18Uhr.

Berlin. 18. Juli. Sebastian Tränkle über Sprachlosigkeit und materialistische Sprachkritik. Veranstalterin: Reihe “Nackte Gewalt”. Ort: HU – Unter den Linden 6, 2002 Zeit: 19.30Uhr.


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Zu den polizeilichen Aktionen gegen die Flüchtlingssolidarität am 28. Februar

und im Weiteren zum Stand der polizeistaatlichen Dinge

Dies soll kein Aufsatz oder Pamphlet gegen das Unwesen der Wiener Polizei sein, das haben Andere bereits ausführlicher und aus langjähriger Erfahrung sprechend sehr anschaulich getan.
Dies soll vielmehr der Versuch sein, die heutigen Geschehnisse (soweit es möglich ist, chronologisch) zu begreifen und zu publizieren. Es soll versucht werden, die Faktenlage darzustellen um einen Überblick über die Vorfälle des heutigen Tages zu bekommen.
Selbstverständlich erfolgen all die geäußerten Angaben ohne Gewähr und ohne Anspruch auf Vollständigkeit, da die unten wiedergegebenen Fakten (außer die Angaben des Polizei-Pressesprechers Haslinger) allesamt auf Augenzeugenberichten und Hören-Sagen beruhen. Es sei auch hiermit die Bitte ausgesprochen, fehlende Einzelheiten in der Kommentarspalte zu ergänzen, falsche Behauptungen zu widerlegen oder weitere Hinweise kund zu tun.
Heute (Vor)Mittag soll es lt. verschiedenster Aussagen (u.a. der von Haslinger) zu einem Treffen zwischen Vertretern der Flüchtlingsproteste und Flüchtlingen selbst, und Vertretern der Kirche im Votivcafe, das sich in der Nähe der Votivkirche befindet, gekommen sein, bei dem angeblich auch Shahjahan Khan anwesend gewesen sein soll.
Möglicherweise wurden vor und nach dem Treffen und sowieso schon seit längerer Zeit Telefongespräche abgehört um zu eruieren, wo sich illegal im Land aufhaltende Personen (also Asylwerber, deren Verfahren rechtskräftig negativ abgeschlossen ist und denen die euphemistisch als “Abschiebesicherung” bezeichnete Schubhaft, und in Folge die sofortige Abschiebung (oder zumindest der Versuch ebendieser) droht, aufhalten könnten. (1)
Vermutlich sich am Weg zurück zur Votivkirche befindend, war Shahjahan Khan in einer Gruppe anderer Illegaler unterwegs gewesen, wurde lt. verschiedenster Tweets zigarettenrauchend von Zivilpolizisten erblickt und man umzingelte (anfangs noch die Gruppe, später aber ausschließlich) Khan, warf ihn zu Boden und führte ihn ab.
Daraufhin sollen eine Gruppe mehrerer Bekannter, ebenfalls Illegale, versucht haben sich vom Standort wegzubewegen und liefen in Richtung des sich ebenfalls in der Nähe der Votivkirche befindenden Dekanats der Sozialwissenschaften in der Rooseveltgasse.
Daraufhin jagten angeblich mehrere uniformierte Polizisten die (u.a. früher von den Taliban verfolgten, heute von der Wiener Polizei gejagten) Asylwerber und versuchten sie daran zu hindern, in das Gebäude einzudringen. Da augenscheinlich schon mehrere Demonstranten und Sympathisanten anwesend waren, versuchten diese wiederum die Polizisten daran zu hindern, das Gebäude zu betreten, zunächst erfolgreich.
Lt. verschiedenster Aussagen von Studierenden soll der Eigentümer des Gebäudes (die Universität Wien ist nur Untermieter) die Polizei gerufen haben, ergo: Der Einsatz der Polizei erfolgte (wenn nicht auf Befehl, dann zumindest) in Absprache mit dem Eigentümer und nicht wie mehrmals in verschiedenen Tweets behauptet auf Eigeninitiative der Exekutive. Laut Aussagen von Polizeisprecher Haslinger soll die Polizei auch berechtigt sein, im Falle “drohender Gefahr” das Universitätsgebäude räumen zu dürfen, falls Beweise vorliegen würden, dass sich dort Illegale aufhalten sollten. De facto, und das scheint auch die Exekutive zu wissen, halten sich desöfteren immer wieder Flüchtlinge in diesen Gebäuden auf, somit scheint es unklar, warum der Eigentümer gerade heute einen Anruf getätigt haben soll, wo er doch wissen müsste, dass dies nicht der erste Tag war, an dem sich “Fremde ohne Aufenthaltserlaubnis” in dem Gebäude aufhielten.
Laut Haslinger sollen in einem heute stattgefundene “Verfahren allgemeiner Kontrolle” drei Asylwerber – unter ihnen der Sprecher einer der in der Votivkirche protestierenden Gruppe, Shahjahan Khan – festgenommen worden sein, die Polizei scheint aber ganz offensichtlich die Situation auszunutzen, im Wissen, dass bei – wie oben beschriebenen – Verhandlungen mit der Kirche desöfteren “Sonstige Fremde” in der Umgebung sich aufhalten; es wurden angeblich mehrere in Zivil gekleidete, bekannte, Polizisten gesichtet, welche, die sich in der Nähe befindenden Parks und die Umgebung, nach “verdächtigen” Personen absuchen.
Es gab im Laufe der Flüchtlingsproteste bereits mehrere Angebote von staatlicher Seite; unter anderem das Angebot der (Wieder-)Aufnahme in die Grundversorgung der Stadt Wien, für all diejenigen, die sich in der Votivkirche befinden und befanden, was bisher lt. verschiedener Aussagen, von 3 Flüchtlingen angenommen wurde. Die Aufnahme in die GVS Wien liefert allerdings ganz und gar keinen Schutz vor Repressalien seitens der Polizei – weder vor der Schubhaft, noch vor der Abschiebung in den sicheren Tod.
Ebenfalls wurde das Angebot seitens der Kirche geäußert, die Protestierenden in ein Kloster zu überstellen, um “eine bessere Versorgung” zu gewährleisten. Dass hier allerdings u.a. die Vertreter der Kirche plötzlich die katastrophalen Umstände, die in Flüchtlingsheimen und eben auch in der Kirche herrschen, erwähnen, soll vielmehr über den eigentlichen Wunsch (zumindest der Polizei) hinwegtäuschen: Das Verdrängen der Flüchtlingsproteste aus dem Blickfeld der Publizität. So sind Kardinal Schönborn die “Minusgrade” und die “Eiseskälte” der Votivkirche – und nicht etwa die heruntergekommene, verschimmelte “Eiseskälte” einer der Asylheime in irgendwelchen heruntergekommenen, in der Peripherie liegenden Dorfghettos – ein Dorn im Auge, weil es eben die “Eiseskälte” einer zentralen Institution und Lokalität ist, in der die Flüchtlinge “geschützt” werden. Allerdings nutzt die Polizei ganz offensichtlich sämtliche Befugnisse, um sich Illegal aufhaltende Flüchtlinge zu schnappen, ebenfalls das Betreten des Kirchengrundes – wie heute geschehen – womit sich also auch die Frage stellt, ob der Begriff “Schutz”, den die Kirche den Flüchtlingen angeblich geben soll, tatsächlich zutreffend ist.
Es ist im Übrigen kein Zufall, dass es Shahjahan Khan getroffen hat, wo die Polizei doch eine Gruppe Illegalisierter Personen mit ihm aufgefunden hat und somit mehrere Festnahmen durchführen hätte können. Shahjahan Khan war nicht nur ein Sprecher der in der Votivkirche Protestierenden, er war auch (neben Adalat Khan) einer der schärfsten Kritiker des Wiener Polizeiwesens, der in einer Presseaussendung vor 2 Tagen – anlässlich der Verhaftung eines anderen, illegal aufhältigen Fremden, der auf selbige Art und Weise wie heute festgenommen wurde und nun seine sichere, jeglichen Menschenrechtskonventionen widersprechende Misshandlung in Ungarn erwartet, noch schrieb:
“We want to negotiate, but the police threatens us. We are being surveilled, stopped and checked in front of the church with increasing frequency, without having done anything. Often by undercover officers, who don’t reveal their identity to us. Worst of all is, that one of us has been arrested and taken away by the police and that we still don’t know, what happened to him. Our friend has to be released immediately!” (2)
Was hier also erzielt werden soll, scheint bei näherem Betrachten ganz klar und erinnert nicht zufällig an das “Guter-Cop, Böser-Cop”-Spiel. Auf der einen Seite befinden sich die dialogfreudigen und kompromissbereiten Vertreter der Kirche – und auf der anderen Seite der Repressionsapparat mitsamt den Agenten des postnazistischen Österreichs (unter ihnen Vertreter aller Parteien), die die Flüchtlinge as soon as possible und unter Einsatz aller nur irgendwie erdenklichen Mittel loswerden möchten. So kündigte der ehemalige Lauffener SPÖ-Gemeinderat Alois Lackner an, den jugendlichen Afghanen, die das Angebot des Don-Bosco-Flüchtlingswerks, das im Bad Ischler Ortsteil Lauffen denen, die vom Krieg und dem Tugendterror der Taliban in ihrer Heimat traumatisiert sind, eine betreute Wohneinrichtung bieten möchten, “einen Sarg vor die Tür zu stellen, sollten sie in den Ort kommen.” 
Zumindest der Wiener Polizei geht es ganz offensichtlich darum, die Flüchtlingssolidarität auseinanderzureißen und sie (mithilfe der Kirche) aus dem Blickfeld der Medien und der Bevölkerung zu drängen, indem die Flüchtlinge entweder verlagert oder des Landes verwiesen werden sollen.
Zudem besteht für die Polizei de jure immernoch die Möglichkeit die Votivkirche zu räumen, da es in Ö soetwas wie ein “Kirchenasyl” schlicht und einfach nicht gibt.
Siehe dazu auch die juristischen Klarstellungen und Erläuterungen des Grünen-Politikers Georg Bürstmayr.
Allerdings scheint man sich zumindest vorerst darauf geeinigt zu haben, die Illegalen überall dort festzunehmen, wo sie sich außerhalb des “Schutzes” der Kirche befinden, umso einer Räumung der Kirche entgehen zu können.
Darüber, inwiefern oder ob die Kirche oder gar die Caritas davon Bescheid weiß und eifrig partizipiert, kann hier keine Angabe gemacht werden, dass Schönborn die Flüchtlinge ein Dorn im Auge sind, ist allerdings kein Geheimnis (mehr).
Polizeisprecher Haslinger sprach in seinem abendlichen Interview mit Pressevertretern auch davon, dass das Landesamt für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung eingeschaltet sei, eine Maßnahme auf die man laut eigenen Aussagen “schon desöfteren” zurückgegriffen haben soll. Hier war die Rede von Erich Zwettler, seit 2010 Leiter des Landesamtes für Verfassungsschutz und Terrorbekämpfung in Wien, der auch schon für die Räumung des Refugee Camps verantwortlich gewesen sein soll, welcher mittlerweile kein unbeschriebenes Blatt mehr ist: “Dieser Zwettler soll gegen die (sodann nach dem „Mafia-Paragraphen” angeklagten) TierschützerInnen ohne Genehmigung der Staatsanwaltschaft und somit illegal eine verdeckte Ermittlerin eingesetzt (die dann zu seinem Pech die Beschuldigten entlastete, sodaß sie freigesprochen werden mußten)” haben.”
Shahjahan Khan ist nun in Schubhaft im FrePo-Büro am Hernalser Gürtel und wird lt. Polizei-Angaben nach Ungarn abgeschoben werden, da die DublinII-Regelung den EU-Staat Ungarn als für sein Anliegen zuständig erklärt hat und nicht – wie auf der UNI BRENNT-Seite behauptet – weil er nicht nach Pakistan abgeschoben werden könne. Die Prüfung seines Falles und seiner möglichen Flüchtlingsgründe wurde somit nie durchgeführt, einzig das Verfahren zur Prüfung der Zuständigkeit des österreichischen Staates.
Der Fall Shahjahan Khan als Flüchtling als auch als Flüchtlingssprecher ist somit abgehakt, sowohl für die Kirche, als auch für die Polizei, sollte seine Abschiebung nicht verhindert werden oder sich – aus medizinischen Gründen ( der Gefangene ist auf Medikamente angewiesen, die ihm möglicherweise in Ungarn nicht zur Verfügung gestellt werden können) – der “Fremde” als zur Abschiebung unfähig herausstellen. 


(1) “
Für den Fall, dass ein Asylsuchender keine gültigen Reisedokumente besitzt, muss von den Behörden des Herkunftslandes ein so genanntes ‘Heimreisezertifikat’ ausgestellt werden. Werden solche Zertifikate jedoch
nicht ausgestellt, kann die Person nicht abgeschoben werden. Damit kommt sie in eine rechtliche 
Grauzone. Zwar kann sie in Österreich bleiben und ist hier ‘geduldet’, sie darf aber weiterhin nicht 
arbeiten und bekommt nur noch eingeschränkt Leistungen aus der Grundversorgung.”

Weitere Links:

http://derstandard.at/1361241489879/Sprecher-der-Votivkirchen-Fluechtlinge-festgenommen
http://no-racism.net/article/4412/
http://www.youtube.com/watch?v=fzNYtRe4Xdg
http://www.asyl-in-not.org/php/zwanzig_jahre_bundesasylamt,19905,30570.html
http://www.asyl-in-not.org/php/erich_zwettler__ein_putschpolizist,19905,32206.html
http://buerstmayr.wordpress.com/2013/02/18/votivkirche-ganz-normal/
http://www.oe24.at/oesterreich/chronik/wien/Votivkirche-Fluechtlings-Sprecher-in-Haft/96440547
http://tvthek.orf.at/programs/1211-ZIB-2/episodes/5333649-ZIB-2/5333653-Votivkirche–Schoenborn-Kritik-an-Helfern-von-aussen

Das Interview mit dem Polizeisprecher Haslinger:
http://www.youtube.com/watch?feature=player_embedded&v=ArFDw95Oo9o


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Zu den polizeilichen Aktionen gegen die Flüchtlingssolidarität am 28. Februar

und im Weiteren zum Stand der polizeistaatlichen Dinge

Dies soll kein Aufsatz oder Pamphlet gegen das Unwesen der Wiener Polizei sein, das haben Andere bereits ausführlicher und aus langjähriger Erfahrung sprechend sehr anschaulich getan.

Dies soll vielmehr der Versuch sein, die heutigen Geschehnisse (soweit es möglich ist, chronologisch) zu begreifen und zu publizieren. Es soll versucht werden, die Faktenlage darzustellen um einen Überblick über die Vorfälle des heutigen Tages zu bekommen.
Selbstverständlich erfolgen all die geäußerten Angaben ohne Gewähr und ohne Anspruch auf Vollständigkeit, da die unten wiedergegebenen Fakten (außer die Angaben des Polizei-Pressesprechers Haslinger) allesamt auf Augenzeugenberichten und Hören-Sagen beruhen. Es sei auch hiermit die Bitte ausgesprochen, fehlende Einzelheiten in der Kommentarspalte zu ergänzen, falsche Behauptungen zu widerlegen oder weitere Hinweise kund zu tun.

Heute (Vor)Mittag soll es lt. verschiedenster Aussagen (u.a. der von Haslinger) zu einem Treffen zwischen Vertretern der Flüchtlingsproteste und Flüchtlingen selbst, und Vertretern der Kirche im Votivcafe, das sich in der Nähe der Votivkirche befindet, gekommen sein, bei dem angeblich auch Shahjahan Khan anwesend gewesen sein soll.
Möglicherweise wurden vor und nach dem Treffen und sowieso schon seit längerer Zeit Telefongespräche abgehört um zu eruieren, wo sich illegal im Land aufhaltende Personen (also Asylwerber, deren Verfahren rechtskräftig negativ abgeschlossen ist und denen die euphemistisch als “Abschiebesicherung” bezeichnete Schubhaft, und in Folge die sofortige Abschiebung (oder zumindest der Versuch ebendieser) droht, aufhalten könnten. (1)
Vermutlich sich am Weg zurück zur Votivkirche befindend, war Shahjahan Khan in einer Gruppe anderer Illegaler unterwegs gewesen, wurde lt. verschiedenster Tweets zigarettenrauchend von Zivilpolizisten erblickt und man umzingelte (anfangs noch die Gruppe, später aber ausschließlich) Khan, warf ihn zu Boden und führte ihn ab.
Daraufhin sollen eine Gruppe mehrerer Bekannter, ebenfalls Illegale, versucht haben sich vom Standort wegzubewegen und liefen in Richtung des sich ebenfalls in der Nähe der Votivkirche befindenden Dekanats der Sozialwissenschaften in der Rooseveltgasse.
Daraufhin jagten angeblich mehrere uniformierte Polizisten die (u.a. früher von den Taliban verfolgten, heute von der Wiener Polizei gejagten) Asylwerber und versuchten sie daran zu hindern, in das Gebäude einzudringen. Da augenscheinlich schon mehrere Demonstranten und Sympathisanten anwesend waren, versuchten diese wiederum die Polizisten daran zu hindern, das Gebäude zu betreten, zunächst erfolgreich.
Lt. verschiedenster Aussagen von Studierenden soll der Eigentümer des Gebäudes (die Universität Wien ist nur Untermieter) die Polizei gerufen haben, ergo: Der Einsatz der Polizei erfolgte (wenn nicht auf Befehl, dann zumindest) in Absprache mit dem Eigentümer und nicht wie mehrmals in verschiedenen Tweets behauptet auf Eigeninitiative der Exekutive. Laut Aussagen von Polizeisprecher Haslinger soll die Polizei auch berechtigt sein, im Falle “drohender Gefahr” das Universitätsgebäude räumen zu dürfen, falls Beweise vorliegen würden, dass sich dort Illegale aufhalten sollten. De facto, und das scheint auch die Exekutive zu wissen, halten sich desöfteren immer wieder Flüchtlinge in diesen Gebäuden auf, somit scheint es unklar, warum der Eigentümer gerade heute einen Anruf getätigt haben soll, wo er doch wissen müsste, dass dies nicht der erste Tag war, an dem sich “Fremde ohne Aufenthaltserlaubnis” in dem Gebäude aufhielten.
Laut Haslinger sollen in einem heute stattgefundene “Verfahren allgemeiner Kontrolle” drei Asylwerber – unter ihnen der Sprecher einer der in der Votivkirche protestierenden Gruppe, Shahjahan Khan – festgenommen worden sein, die Polizei scheint aber ganz offensichtlich die Situation auszunutzen, im Wissen, dass bei – wie oben beschriebenen – Verhandlungen mit der Kirche desöfteren “Sonstige Fremde” in der Umgebung sich aufhalten; es wurden angeblich mehrere in Zivil gekleidete, bekannte, Polizisten gesichtet, welche, die sich in der Nähe befindenden Parks und die Umgebung, nach “verdächtigen” Personen absuchen.
Es gab im Laufe der Flüchtlingsproteste bereits mehrere Angebote von staatlicher Seite; unter anderem das Angebot der (Wieder-)Aufnahme in die Grundversorgung der Stadt Wien, für all diejenigen, die sich in der Votivkirche befinden und befanden, was bisher lt. verschiedener Aussagen, von 3 Flüchtlingen angenommen wurde. Die Aufnahme in die GVS Wien liefert allerdings ganz und gar keinen Schutz vor Repressalien seitens der Polizei – weder vor der Schubhaft, noch vor der Abschiebung in den sicheren Tod.
Ebenfalls wurde das Angebot seitens der Kirche geäußert, die Protestierenden in ein Kloster zu überstellen, um “eine bessere Versorgung” zu gewährleisten. Dass hier allerdings u.a. die Vertreter der Kirche plötzlich die katastrophalen Umstände, die in Flüchtlingsheimen und eben auch in der Kirche herrschen, erwähnen, soll vielmehr über den eigentlichen Wunsch (zumindest der Polizei) hinwegtäuschen: Das Verdrängen der Flüchtlingsproteste aus dem Blickfeld der Publizität. So sind Kardinal Schönborn die “Minusgrade” und die “Eiseskälte” der Votivkirche – und nicht etwa die heruntergekommene, verschimmelte “Eiseskälte” einer der Asylheime in irgendwelchen heruntergekommenen, in der Peripherie liegenden Dorfghettos – ein Dorn im Auge, weil es eben die “Eiseskälte” einer zentralen Institution und Lokalität ist, in der die Flüchtlinge “geschützt” werden. Allerdings nutzt die Polizei ganz offensichtlich sämtliche Befugnisse, um sich Illegal aufhaltende Flüchtlinge zu schnappen, ebenfalls das Betreten des Kirchengrundes – wie heute geschehen – womit sich also auch die Frage stellt, ob der Begriff “Schutz”, den die Kirche den Flüchtlingen angeblich geben soll, tatsächlich zutreffend ist.
Es ist im Übrigen kein Zufall, dass es Shahjahan Khan getroffen hat, wo die Polizei doch eine Gruppe Illegalisierter Personen mit ihm aufgefunden hat und somit mehrere Festnahmen durchführen hätte können. Shahjahan Khan war nicht nur ein Sprecher der in der Votivkirche Protestierenden, er war auch (neben Adalat Khan) einer der schärfsten Kritiker des Wiener Polizeiwesens, der in einer Presseaussendung vor 2 Tagen – anlässlich der Verhaftung eines anderen, illegal aufhältigen Fremden, der auf selbige Art und Weise wie heute festgenommen wurde und nun seine sichere, jeglichen Menschenrechtskonventionen widersprechende Misshandlung in Ungarn erwartet, noch schrieb:

“We want to negotiate, but the police threatens us. We are being surveilled, stopped and checked in front of the church with increasing frequency, without having done anything. Often by undercover officers, who don’t reveal their identity to us. Worst of all is, that one of us has been arrested and taken away by the police and that we still don’t know, what happened to him. Our friend has to be released immediately!” (2)

Was hier also erzielt werden soll, scheint bei näherem Betrachten ganz klar und erinnert nicht zufällig an das “Guter-Cop, Böser-Cop”-Spiel. Auf der einen Seite befinden sich die dialogfreudigen und kompromissbereiten Vertreter der Kirche – und auf der anderen Seite der Repressionsapparat mitsamt den Agenten des postnazistischen Österreichs (unter ihnen Vertreter aller Parteien), die die Flüchtlinge as soon as possible und unter Einsatz aller nur irgendwie erdenklichen Mittel loswerden möchten. So kündigte der ehemalige Lauffener SPÖ-Gemeinderat Alois Lackner an, den jugendlichen Afghanen, die das Angebot des Don-Bosco-Flüchtlingswerks, das im Bad Ischler Ortsteil Lauffen denen, die vom Krieg und dem Tugendterror der Taliban in ihrer Heimat traumatisiert sind, eine betreute Wohneinrichtung bieten möchten, “einen Sarg vor die Tür zu stellen, sollten sie in den Ort kommen.” 
Zumindest der Wiener Polizei geht es ganz offensichtlich darum, die Flüchtlingssolidarität auseinanderzureißen und sie (mithilfe der Kirche) aus dem Blickfeld der Medien und der Bevölkerung zu drängen, indem die Flüchtlinge entweder verlagert oder des Landes verwiesen werden sollen.

Zudem besteht für die Polizei de jure immernoch die Möglichkeit die Votivkirche zu räumen, da es in Ö soetwas wie ein “Kirchenasyl” schlicht und einfach nicht gibt.
Siehe dazu auch die juristischen Klarstellungen und Erläuterungen des Grünen-Politikers Georg Bürstmayr.
Allerdings scheint man sich zumindest vorerst darauf geeinigt zu haben, die Illegalen überall dort festzunehmen, wo sie sich außerhalb des “Schutzes” der Kirche befinden, umso einer Räumung der Kirche entgehen zu können.
Darüber, inwiefern oder ob die Kirche oder gar die Caritas davon Bescheid weiß und eifrig partizipiert, kann hier keine Angabe gemacht werden, dass Schönborn die Flüchtlinge ein Dorn im Auge sind, ist allerdings kein Geheimnis (mehr).

Polizeisprecher Haslinger sprach in seinem abendlichen Interview mit Pressevertretern auch davon, dass das Landesamt für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung eingeschaltet sei, eine Maßnahme auf die man laut eigenen Aussagen “schon desöfteren” zurückgegriffen haben soll. Hier war die Rede von Erich Zwettler, seit 2010 Leiter des Landesamtes für Verfassungsschutz und Terrorbekämpfung in Wien, der auch schon für die Räumung des Refugee Camps verantwortlich gewesen sein soll, welcher mittlerweile kein unbeschriebenes Blatt mehr ist: “Dieser Zwettler soll gegen die (sodann nach dem „Mafia-Paragraphen” angeklagten) TierschützerInnen ohne Genehmigung der Staatsanwaltschaft und somit illegal eine verdeckte Ermittlerin eingesetzt (die dann zu seinem Pech die Beschuldigten entlastete, sodaß sie freigesprochen werden mußten)” haben.”

Shahjahan Khan ist nun in Schubhaft im FrePo-Büro am Hernalser Gürtel und wird lt. Polizei-Angaben nach Ungarn abgeschoben werden, da die DublinII-Regelung den EU-Staat Ungarn als für sein Anliegen zuständig erklärt hat und nicht – wie auf der UNI BRENNT-Seite behauptet – weil er nicht nach Pakistan abgeschoben werden könne. Die Prüfung seines Falles und seiner möglichen Flüchtlingsgründe wurde somit nie durchgeführt, einzig das Verfahren zur Prüfung der Zuständigkeit des österreichischen Staates.
Der Fall Shahjahan Khan als Flüchtling als auch als Flüchtlingssprecher ist somit abgehakt, sowohl für die Kirche, als auch für die Polizei, sollte seine Abschiebung nicht verhindert werden oder sich – aus medizinischen Gründen ( der Gefangene ist auf Medikamente angewiesen, die ihm möglicherweise in Ungarn nicht zur Verfügung gestellt werden können) – der “Fremde” als zur Abschiebung unfähig herausstellen. 


(1) “
Für den Fall, dass ein Asylsuchender keine gültigen Reisedokumente besitzt, muss von den Behörden des Herkunftslandes ein so genanntes ‘Heimreisezertifikat’ ausgestellt werden. Werden solche Zertifikate jedoch
nicht ausgestellt, kann die Person nicht abgeschoben werden. Damit kommt sie in eine rechtliche 
Grauzone. Zwar kann sie in Österreich bleiben und ist hier ‘geduldet’, sie darf aber weiterhin nicht 
arbeiten und bekommt nur noch eingeschränkt Leistungen aus der Grundversorgung.”

Weitere Links:

http://derstandard.at/1361241489879/Sprecher-der-Votivkirchen-Fluechtlinge-festgenommen
http://no-racism.net/article/4412/
http://www.youtube.com/watch?v=fzNYtRe4Xdg
http://www.asyl-in-not.org/php/zwanzig_jahre_bundesasylamt,19905,30570.html
http://www.asyl-in-not.org/php/erich_zwettler__ein_putschpolizist,19905,32206.html
http://buerstmayr.wordpress.com/2013/02/18/votivkirche-ganz-normal/
http://www.oe24.at/oesterreich/chronik/wien/Votivkirche-Fluechtlings-Sprecher-in-Haft/96440547
http://tvthek.orf.at/programs/1211-ZIB-2/episodes/5333649-ZIB-2/5333653-Votivkirche–Schoenborn-Kritik-an-Helfern-von-aussen

Das Interview mit dem Polizeisprecher Haslinger:
http://www.youtube.com/watch?feature=player_embedded&v=ArFDw95Oo9o


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