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Elsässer gegen Ditfurth: Münchner Richterin befreit Deutschland von der Mehrheit seiner Antisemiten October 9, 2014 | 05:29 pm

Gestern (8.10.2014) fand der erste Hauptverhandlungstag zwischen der Autorin Jutta Ditfurth und Jürgen Elsässer vor der Pressekammer des Münchner Landgerichts statt. Ditfurth hatte den Herausgeber des verschwörungstheoretischen Compact-Magazins am 16.4.2014 in einem Interview in „Kulturzeit“ (3sat) einen „glühenden Antisemiten“ genannt. Der klagte dagegen. Doch das Verfahren vor dem Münchner Landgericht geriet schnell zur Farce. Die Richterin definierte Antisemitismus so, dass es in Deutschland plötzlich fast keine Antisemiten mehr gibt.


Beim Antisemiten-Prozess natürlich in der ersten Reihe: Der Gründer der neonazistischen „Wehrsportgruppe Hoffmann“ vor dem Münchner Landgericht

Höhepunkt des meilenweit von der Sache entfernten Theaters war die Darstellung der Richterin, wer denn überhaupt ein glühender Antisemit genannt werden könne. Sie sagte: „Ein glühender Antisemit in Deutschland ist jemand, der mit Überzeugung sich antisemitisch äußert, mit einer Überzeugung, die das Dritte Reich nicht verurteilt und ist nicht losgelöst von 1933-45 zu betrachten, vor dem Hintergrund der Geschichte.“ Ein Antisemit ist demzufolge einer nur dann, wenn er sich positiv auf den NS-Faschismus bezieht. Da das strafbewehrt ist, tut das bekanntermaßen nur eine Minderheit der Antisemiten. Die Definition der Richterin ist frei von jeglicher Kenntnis der Sache und von Interesse am Forschungsstand. Augenscheinlich ist der Rechtsexpertin entgangen, dass der glühende, dumpfe, heimliche oder auch codierte Antisemit heute in der Regel ganz ohne Bezüge auf das „Dritte Reich“ auskommt – allerdings einen Staat nie außer Acht lässt: Israel.

„Kommt am nächsten Mittwoch zum Prozess!“, hatte Elsässer letzte Woche seine Leserinnen und Leser aufgefordert. „Ditfurth will mich mit der Antisemitismuskeule ruinieren.“ Er ließ sich von zwei Bodyguards begleiten. Unter den etwa 50 Prozessbesuchern waren circa dreißig teilweise finstere Gestalten dem Aufruf des Verschwörungstheoretikers ins Gericht gefolgt. In der ersten Reihe saß der Neonazi Karl-Heinz Hoffmann. Dieser schätze an Elsässer seine „besondere Mischung aus konservativen und fortschrittlichen Gedanken“, ließ der Gründer der gleichnamigen „Wehrsportgruppe Hoffmann“ (1980 verboten) auf seiner Website wissen. Aber zum „antisemitischen Spektrum der Rechten“ zähle Elsässer sicher nicht, versicherte Hoffmann – der offenbar Angst zu haben scheint, dass ihm auf besagtem Feld jemand den Rang auflaufen könnte.

„Elsässer ist ein mühsam verdeckter Antisemit“
Und das könnte Elsässer durchaus, denn der agiert wesentlich geschickter als Hoffmann. Jutta Ditfurth erklärte vor Gericht, sie studiere frühere Linke wie Mahler und Elsässer, die von links nach weit rechts gehen. „Elsässer ist sehr ehrgeizig darin und es macht ihm regelrecht Spaß, die Grenzen des antisemitisch Sagbaren auszureizen und sie weiter auszudehnen.“ Elsässer sei ein mühsam verdeckter Antisemit, der mit antisemitischen Codes und strukturellem Antisemitismus arbeite, so Ditfurth weiter. Ihr Anwalt habe in den Schriftsätzen Elsässers vielfältigen Antisemitismus belegt. Die Richterin gab ihr nur kurz das Wort und unterbrach schnell. In presserechtlichen Verfahren ist es auch üblich, dass die Schriftsätze nicht noch einmal vorgetragen werden. In Ditfurths erzwungermaßen kurzen Erklärung, wiederholte sie knapp einige Argumente und fasste dann zusammen:

Es ist die Freiheit meiner Meinung, jemanden einen Antisemiten nennen zu dürfen, der massenhaft verdeckt Antisemitisches sagt und schreibt; einen, der sich mit antisemitischen Mitarbeitern umgibt; der gemeinsam mit anderen antisemitischen Rednern auf Kundgebungen spricht und sich bei Kritik an deren Antisemitismus explizit mit ihnen solidarisiert; einen, der die Regierung Israels nicht sachlich kritisiert sondern Israel antisemitisch schmäht; einen, der sich von Antisemiten und Shoa-Leugnern zu Veranstaltungen einladen lässt; einen, der Antisemiten für seine Zeitschrift interviewt und für seinen Verlag Bücher schreiben lässt. Ja, warum sollte man den in Deutschland nicht das nennen dürfen, was er ist: einen glühenden Antisemiten?

Ditfurths Anwalt Winfried Seibert ergänzte: „Es gibt versteckten Antisemitismus, der ohne die typischen Begriffe auskommt. Der subtiler daherkommt, gleichsam subcutan.“

Bei den Montagsmahnwachen sei zwar ein Sachbezug gegeben. Und im Umfeld Elsässers käme es zu antisemitischen Äußerungen, so die Richterin. Zumindest bei Lars Mährholz gäbe es eine „nachweisbare“ antisemitische „Rothschild-Äußerung“ im Internet, räumte sie ein. Doch die Richterin kam zum vorläufigen Schluss, dass „der Begriff ‚glühender Antisemit‘ jenseits des Hinnehmbaren“ läge. „Es ist ein Totschlagargument. Wer sich so bezeichnen lassen muss, steht in einer Ecke, aus der er nicht mehr rauskommt.“ Für eine Juristin hat das Wort Totschlag in der Regel eine ziemlich exakte juristische Bedeutung. Dass sich die Richterin in eine solche Wortwahl verstieg, ist charakteristisch für den gesamten Prozesstag.

Aber ist nicht vielleicht der Antisemit selbst schuld, dass er sich so bezeichnen lassen muss?
Elsässer musste sich im Folgenden nicht verteidigen, sondern nur beipflichten: Glühender Antisemit sei „ein Killerwort“. „Wenn man Journalisten so bezeichnet, dann ist die Existenz ruiniert“, bestätigte Elsässer die Richterin. „Angesichts unserer Geschichte“ habe der Begriff eine „Prangerwirkung und Stigmatisierung“, betonte auch Elsässers Anwalt. Skurril war die Beweisführung des Anwalters von Elsässer, von Sprenger: „Neben einem glühenden Antisemiten würde ich nicht sitzen!“ Dabei hatte er jahrelang den berühmten Holocaust-Leugner David Irving anwaltlich vertreten.

Gegenüber Schlamassel Muc sagte Ditfurth: „Die Gefahr, dass ich den Prozess erstinstanzlich verliere, ist bei einer Richterin ziemlich hoch, die die Bezeichnung ‚Antisemit‘ nur für Leute gelten lässt, die sich zugleich positiv auf das Dritte Reich und die Shoa beziehen.“ Die Mehrheit der Antisemiten in Deutschland dürften dann nicht mehr das genannt werden, was sie sind, so Ditfurth. Doch noch ist der Prozess nicht beendet. Ditfurths Anwalt handelte heraus, dass Schriftsätze nachgereicht werden können, unter anderem zu Elsässers verblüffenden Behauptungen, er habe sich noch nie von Holocaust-Leugnern einladen lassen und er sei nie mit Lars Mährholz und Ken Jebsen gleichzeitig aufgetreten.

Das Urteil wird am Mittwoch, dem 19. November, erwartet.
In dieser Instanz ist vermutlich wirklich nicht viel zu gewinnen. Eine Richterin, die immer noch euphemistisch vom „Dritten Reich“ anstatt von Nazi-Terror spricht, für die Elsässers Hetze offenbar eine Lappalie und der Antisemitismusvorwurf ein „Totschlagargument“ ist, bestellt sich besser ein Compact-Abo und verfolgt die nächste Instanz vom Zuschauerraum aus.

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Antisemiten-Prozess: Elsässers Verfügung gegen Ditfurth zerschellt vor Gericht July 31, 2014 | 03:11 pm

Jutta Ditfurth nannte den Verschwörungstheoretiker Jürgen Elsässer (COMPACT) in einem Interview einen „glühenden Antisemiten“. Mit einer Einstweiligen Verfügung wollte Elsässer der Sozialwissenschaftlerin im Nachgang den Mund verbieten. Dagegen konnte sich Ditfurth nun erfolgreich wehren. Das Landgericht München I gab ihrem Widerspruch letzten Mittwoch Recht. Die Einstweilige Verfügung gegen sie ist unwirksam.

Das Verfahren am Landgericht München I konnte Jutta Ditfuth am 30.07.2014 für sich entscheiden.

Elsässer hatte Ditfurth nach ihrem Interview im Format „Kulturzeit“ (3Sat) zur Unterlassung aufgefordert, aber sie reagierte nicht. Elsässers Antrag auf Einstweilige Verfügung gab zwar das Landgericht München I Ende Mai nach – allerdings ohne Anhörung von Ditfurth. Dagegen hatten sie und ihr Anwalt inhaltlich und formal widersprochen. Dieser Widerspruch war nun erfolgreich. Er wurde schon deshalb anerkannt, weil Elsässers Anwälte Formfehler begangen hatten. Sie stellten die gerichtlich angeordneten Anlagen zur Einstweiligen Verfügung der Ditfurth-Seite nicht fristgerecht (§ 929 ZPO) zu. Elsässers Anwalt kündigte jetzt eine Klage in der Hauptsache an.

„Wie soll mein Mandant geglüht haben?“
Jutta Ditfurth selbst konnte am Verfahren letzten Mittwoch nicht teilnehmen, da sie zurzeit nicht in Deutschland weilt. Es gab am Rande des Verfahrens ein Wortgefecht zwischen Elsässers Anwalt sowie Elsässer auf der einen und Jutta Ditfurths Anwalt auf der anderen Seite über die Frage, ob „glühender Antisemit“ eine Tatsachenbehauptung oder eine Meinungsäußerung ist. Wenn jemand glühe, sei das wahrnehmbar, sagte Elsässers Anwalt. „Aber wie soll mein Mandant geglüht haben?“, fragte er die Richterin.

Eine kurze Debatte erfolgte über den antisemitischen und nationalistischen türkischen Film „Tal der Wölfe“, den Elsässer 2006 verteidigt hatte. Laut Ditfurths Anwalt liefere der Film „Munition für Antisemitismus“. Nach seiner Rechtsauffassung könnte außerdem die Zuspitzung „glühender Antisemit“ von der Meinungsfreiheit gedeckt sein, insbesondere da es hinreichende Beweise dafür gebe, dass Elsässer sich in der Vergangenheit antisemitisch geäußert habe. Die Richterin merkte an, dass „glühender Antisemit“ vor dem „Hintergrund der deutschen Geschichte“ ein „scharfes Schwert“ sei.

Der neue (und alte) Antisemitismus vor Gericht
Elsässer tritt als maßgeblicher Redner auf den sogenannten neuen „Montagsdemonstrationen“ auf, die von unübersehbaren antisemitischen Ausfällen geprägt sind. Nicht zufällig pflegte er auch eine anerkennende Beziehung zum früheren, iranischen Präsidenten und Holocaust-Leugner Mahmud Ahmadinedschad. Elsässers Weltbild wird dominiert von verschwörungstheoretischen Halluzinationen, die sich immer wieder in Form von Hetze gegen den jüdischen Staat und die „Israel-Lobby“ entladen. Im Hauptsacheverfahren wird es neben konkreten Äußerungen Elsässers auch darum gehen, ob diese gar nicht so neuen Formen des Antisemitismus von deutschen Gerichten als solche anerkannt werden.

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Jutta Ditfurth: „Ich habe freie Auswahl unter allen Todesarten“ June 23, 2014 | 09:00 pm

„Braune Esoterik“ füllt nicht nur zunehmend Bücherregale und Web-Müllhalden, sondern zeigt sich verschärft auch auf öffentlichen Plätzen. Eine Phalanx aus Spinnern, Reichsbürgern und Verschwörungstheoretikern trifft sich seit einigen Monaten regelmäßig am Montag zur Kundgebung in München und anderswo. In ihren Reihen: Neonazis.

Jutta Ditfurth kritisierte schon die Vorläufer dieser Bewegung. Zunehmend gerät die Sozialwissenschaftlerin jetzt ins Fadenkreuz von Kommentarspalten-Randaliereren. Jürgen Elsässer (COMPACT) strebte als Stichwortgeber der aktuellen Kleinsterhebung eine Unterlassungsklage an, nachdem Ditfurth ihn einen „glühenden Antisemiten“ genannt hat. Beim Prozess in München wird es wieder einmal darum gehen, ob ein Antisemit auch als ein solcher bezeichnet werden kann, ohne richterliche Sanktionen fürchten zu müssen. Ein Interview von Schlamassel Muc.

Frau Ditfurth, wie sind Ihre Erwartungen und Einschätzungen hinsichtlich des anstehenden Prozesses?

Sehr optimistisch. Je mehr Quellen ich recherchiere, desto weniger kann ich fassen, dass Elsässer so dumm war, mich zu verklagen. Seine Einstellung gegen Juden wird so mehr Aufmerksamkeit bekommen, als sie es sonst erhalten hätte. Er hätte einmal andere fragen sollen, die vergeblich gegen mich geklagt hatten: den Chemiekonzern Hoechst AG, diverse Institutionen der Polizei, den evangelikalen baden-württembergischen organisierten Abtreibungstreibungsgegner Siegfried Ernst z.B., den ich einen „Nazi“ nennen durfte, oder Dr. Max-Otto Bruker, der in Lahnstein sogenannte Gesundheitsberater ausbildete, der in den 1970er und 1980er Jahren engstens mit Nazis kooperierte und dessen SA-Akte ich dann auch noch fand.

Gibt es in Deutschland eine höhere Bereitschaft als in anderen Ländern, in Krisenzeiten mit Nationalismus, Antisemitismus und/oder Verschwörungstheorien zu reagieren?

Das hat wohl niemand je genau gemessen, aber ich vermute, dass es zutrifft. Dafür gibt es Ursachen. Zu denen gehören einmal der Untertanengeist und der autoritäre Charakter, nicht als genetischer Defekt der Deutschen, sondern als Resultat einer langen kulturhistorischen Deformation. Das führt z.B. dazu, dass Menschen, die sich irgendwie bedroht fühlen, von sozialer Krise oder einem Krieg, nicht die Auseinandersetzung mit den dafür Verantwortlichen suchen, sondern lieber nach unten treten. Sie suchen und konstruieren Schwächere; sie bevorzugen Erklärungen, die ganze Gruppen von Menschen entwerten: Juden, Menschen mit dunkler Hautfarbe, arme Menschen aller Hautfarben. Sie verweigern die Anstrengung von Kopfarbeit. Sie wollen nicht wirklich wissen, wie der Kapitalismus funktioniert. Manche von ihnen profitieren ja durchaus von ihm und wollen sich ihr Geschäft nicht vermasseln lassen. Da ist es doch viel bequemer — und für die eigenen Geschäfte nützlich —, wenn man Personen oder Menschengruppen „als Böse“ identifiziert und an Verschwörungsideologien glaubt. Der Hass auf die konstruierte „jüdische Weltverschwörung“ und auch auf die „jüdisch-bolschewistische Verschwörung“ hat in Deutschland eine lange, furchtbare Tradition.

Auf Ihrem Facebook-Profil tobt sich derzeit ein sehr wütender Mob aus. „Neurechte Kommentare einfach ignorieren, lohnt sich nicht, unterkomplex“, empfehlen Sie. Aber wäre nicht Löschen eine Alternative?

Vielleicht, ich habe ja auch schon hunderte Kommentare, wenn nicht Tausende gelöscht. Aber jetzt mache ich ein Experiment: Jede und jeder soll sehen, wie „friedlich“ die MontagsquerfrontlerInnen in Wirklichkeit sind. Ich habe ja inzwischen freie Auswahl unter allen möglichen Todesarten: „Schädel spalten“, „durchs Knie ins Augen schießen“, mich „nachts überfallen“ und so „bearbeiten“, dass mich „nie wieder einer erkennt“. Dazu kommen nicht mehr zählbare Vergewaltigungsdrohungen und Schmähungen. Aufschlussreich ist der Antifeminismus und der Frauenhass. Die sind neben dem Antisemitismus, dem Rassismus, dem völkischen Denken, der Homophobie und der Sehnsucht nach autoritären gesellschaftlichen Verhältnissen, nicht zu unterschätzen.

Ihr kommender Vortrag findet im DGB-Gewerkschaftshaus statt. Wie ist Ihr Verhältnis zu den Gewerkschaften heute?

Kritisch-solidarisch. Ich bin seit rund 40 Jahren hauptsächlich außerparlamentarisch aktiv und zähle mich zur antiautoritären, undogmatischen Linken, seit 1978 bin ich außerdem Gewerkschaftsmitglied, Jahrzehnte in den IG Medien, sechs Jahre in Gremien, heute, als freie Publizistin, einfaches ver.di-Mitglied.

Jutta Ditfurth kommt am Mittwoch, dem 25.06, um 18.30 Uhr ins Münchner Gewerkschaftshaus, um die Neue Rechte und ihre in sich stimmige Gefühlslage zwischen Nationalismus, Antisemitismus und brauner Esoterik darzustellen.

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Montagsdemo daheim im Reich April 21, 2014 | 08:44 pm

Die sogenannte „Truther“-Bewegung macht mit ihrer „Montagsdemonstration“ auch in München mobil.


Ostermontag bei der „Montagsdemonstration“ in Berlin

Letzte Woche las Thomas Ebermann in München sein Stück „Firmen-Hymnen“. Zum Abschluss warnte der schneidige Gesellschaftskritiker das Publikum: „Vorsicht vor den Eventmanagern, das sind die Schlimmsten“. Das dürfte für den Eventmanager Lars Mährholz in besonderem Maße gelten. Er ist der Initiator einer antisemitischen Phalanx, die unter dem Label „Montagsdemonstration“ vor einigen Wochen auf Facebook einmarschiert ist und seitdem jeden Montag die Köpfe auf öffentlichen Plätzen zusammensteckt. Ostermontag sprachen die einschlägig bekannten Verschwörungstheoretiker Andreas Popp, Ken Jebsen und Jürgen Elsässer in Berlin – der Berliner NPD-Landeschef Schmidtke mittendrin.

Während sich in Berlin inzwischen Tausende auf diesen Veranstaltungen treffen, kommen die Demonstrationen in München nur schleppend in Gang. Auf der ersten Veranstaltung mit dem Titel „München für Frieden! Montagsdemos sind zurück! Wir sind das Volk“ fand sich ein Dutzend ein, vorletzten Montag trafen sich höchstens 150 am Münchner Stachus. Am gestrigen Ostermontag waren es wieder weniger.

Wildgewordene Kleinbürger
Der Großteil der Versammelten in München ist der „Zinskritiker“- und „Truther“-Szene zuzuordnen. „Truther“ halten alles, was sie in landläufigen Medien sehen und hören für gelogen. Hingegen glauben sie jedem tollpatschig geschnittenen Youtube-Video, wenn es nur die Existenz von Verschwörungen, gefährlichen Kondensstreifen und ähnlichem, meist antiamerikanisch gelagerten Müll, vermeintlich beweist. So widersprüchlich sich diese Verschwörungstheorien oft zueinander verhalten, so sind sie in einem Punkt konsistent: Es gibt keine einzige Verschwörungstheorie, die zum Vorteil Israels und der jüdischen Selbstbestimmung erfunden wurde, aber Tausende zur vermeintlichen Belastung.

Die Nach- und Vorbeter kommen in München sehr häufig aus dem kleinbürgerlichen Milieu. 2012 bis 2013 versuchte Wolfgang Eggert, ehemaliger Angestellter einer TV-Produktionsfirma, die „Truther“-Bewegung in München mit dem Magazin „Dorian Grey“ anzusprechen. Der Münchner Gründer der marktradikalen „Partei der Vernunft“, Oliver Janich, fischte lange Zeit im selben Teich. Der gelernte Betriebswirt vergleicht Jutta Ditfurth aktuell mit Hitler und Goebbels, nachdem die Sozialwissenschaftlerin massive Kritik an der sogenannten „Truther“-Szene geübt hatte.

Links, Rechts und die Idiotie der Mitte
Auf den Münchner „Montagsdemos“ stach von Anfang an ein ehemaliger Personalvermittler namens Patrick Wedemeyer ins Auge, offenbar ein theosophischer Eiferer, der lehren möchte, „sich selbst bedingungslos zu lieben“. Er und seine Jünger trugen in München bei den letzten „Montagsdemos“ das Schild: „Für Liebe, für Freiheit, für Einheit, weltweit“. Ostermontag hielt er eine einschläfernde Rede. Außerdem verteilte die Eso-Sekte „WirKarte“ ihre Flyer. Ein Organisator der Veranstaltung, der mit dem Namen „Jan“ vorstellig wurde, betonte in seiner kurzen Ansprache vorletzten Montag, man sei weder links noch rechts. Dazu passt jedoch nicht ohne Reibungsverluste, dass Initiator Lars Mährholz auf seiner Website vor Kurzem noch den Münchner Stadtrat Karl Richter (NPD) lobte, als anscheinend den einzigen Politiker, der sage, „was Phase ist“.

Darüber hinaus nahmen an der „Montagsdemo“ in München auch Mitglieder des rechtslastigen Verschwörungs-Stammtisches „Alles Schall und Rauch“ teil, vor deren Augen Christoph Hörstel 2010 einen „Marsch aufs Kanzleramt“ angekündigt hat sowie die sich als links verstehende „Antiimperialistische Aktion“ um den Dachauer Antizionisten Chris Sedlmair. Wer behauptet, dass es sich bei den Münchner „Montagsdemonstrationen“ um eine Zusammenkunft von Durchgeknallten und in der Hauptsache antisemitischen Spinnern handelt, liegt vermutlich goldrichtig. Wer behauptet, dass hier der Wahnsinn von Links, Mitte und Rechts zusammenfindet, ist der Wahrheit auch sehr nahe.

Querfront und Arbeitsteilung
Kaum abzugrenzen ist von diesem Haufen die traditionelle Münchner Friedensbewegung. Sie setzt ebenfalls auf Antiamerikanismus und Israelhass, weshalb die Initiatoren der „Montagsdemonstrationen“ ohne bedeutende inhaltliche Bedenken für den diesjährigen Ostermarsch in München mobilisieren konnten. Die traditionelle Friedensbewegung greift ihrerseits in München häufiger auf die Stars der „Truther“-Szene zurück. Vor wenigen Wochen teilte der Münchner Friedensfunk „Radio Lora“ auf Facebook eine Statusmeldung von Ken Jebsen, der derzeit zum Marktschreier der „Montagsdemos“ in Berlin hochgejazzt wird. Ebenso wurden auf „Radio Lora“ immer wieder Christoph Hörstel und Evelyn Hecht-Galinski interviewt. Letztere fühlt sich regelmäßig dann aufgerufen, wenn es darum geht, für Antisemiten einzutreten. So macht sich Hecht-Galinski aktuell für die sogenannten „Montagsdemos“ stark.

Auf lange Sicht werden die neuen „Montagsdemos“ sowie die Ostermärsche der Friedensbewegung allerdings keine Massenevents werden bzw. bleiben. Dazu sind sie zu dirty. Der Antisemitismus der Massen wird ohnehin wesentlich eleganter von hintersinnigen Karikaturen der Süddeutschen Zeitung, den Gedichten von Günter Grass oder dem Raffinement eins Jakob Augsteins bedient.

Nachtrag:
Bei der „Montagsdemonstration“ am 28.04 nahmen in München der NPD-Vorstand Karl Richter sowie Philipp Hasselbach teil.

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Offener Brief an Werner Altnickel July 15, 2013 | 10:28 am

Sehr geehrter Herr Altnickel!

Wie wir Ihrer Website entnommen haben, sind Sie durch den Whistleblower Snowden inzwischen im Besitz unwiderlegbarer Beweise, dass Chemtrails eine höchst reale Verschwörung der US-Regierung und Monsanto mit dem Zweck der Klimabeeinflussung sind.

Dies haben Sie durch die Übersetzung dieser Website festgestellt:
http://www.chronicle.su/news/snowden-uncovers-shocking-truth-behind-chemtrails/

Wir haben das geprüft und müssen uns jetzt leider geschlagen geben. Offensichtlich war unsere hartnäckige Chemtrail-Leugnerei falsch. Diese Seite glänzt mit so ernster Seriosität, dass wir uns einfach geschlagen geben müssen. Wir haben viel schlechtes Karma auf uns geladen, das wir jetzt abtragen müssen.

Daher würden wir Ihnen gerne helfen, weitere Inhalte von chronicle.su auf Deutsch zu übersetzen, z.B.: das hier:
http://www.chronicle.su/news/snowdens-greatest-leak/

Wie die außerirdischen Redakteure berichten, ist es Herrn Snowden offensichtlich gelungen, Gottes Gmail Konto zu hacken. So hat er herausgefunden, dass Gott ein Automechaniker namens Wilbur Mercer ist, der in Cuthbert, Georgia, USA lebt.

Wir denken, dass diese erstaunliche Information der deutschen Öffentlichkeit nicht vorenthalten werden darf. Aber Achtung: Erste Beschwerdeführer, die vor seinem Haus wegen der Probleme der Menschheit demonstrierten, wurden bereits in Eichenbäume verwandelt.

Wen wundert es da noch, dass der Papst Snowden zum Messiah erklärt hat?

Nehmen Sie unsere Hilfe an?

Liebe Grüße

Team Psiram

PS: Wie Sie der Tagespresse sicher entnommen haben, ist Frankreich z.Z. in finanziellen Schwierigkeiten. Unsere französische Sektion konnte daher den Eiffelturm für einen Spottpreis übernehmen. Wir würden Ihnen nun gerne für eine geringe Gebühr anbieten, dieses einmalige Objekt für Marketingzwecke zu nutzen. “Chemtrails – Nein Danke” – in einem riesigen Banner am Eiffelturm – wie wäre das? Bei Interesse schreiben Sie uns einfach eine Email. Wir nehmen Bargeld (einfach im Bahnhof in der dritten Toilette rechts hinterlegen).

Psiram – Osterrätsel: Auflösung und Gewinner April 2, 2013 | 10:05 pm

 

Liebe Psiram-Rätselfreunde,

es ist geschafft, das erste Psiram-Osterrätsel ist vorbei. Puuh! Ich will Euch nun auch gar nicht lange auf die Folter spannen, sondern präsentiere Euch hiermit die lange erwartete Gesamt-Lösung.

 

Im ersten Teil ging es hierum:

 

Heute geht es um einen Pflanzenstoff, von dem einmal ein bekannter Arzt sagte: „Da können Sie genauso gut Dreck fressen.“ Und er hat recht! Weil so manches Immunsystem mit dem Eindringling vom Kap rein gar nichts anfangen kann, ist es vorsorglich erst einmal in den ersten Monaten der Einnahme recht alert.

Leider aber eben nicht auf Dauer. Was der Popularität dieses „Wirkstoffes“ seltsamerweise keinen Abbruch getan hat. Und so ist das „Wundermittel“, welches früher einmal sogar als „pflanzliches Antibiotikum“ gegen diverse bakterielle Infektionen im oberen Nasen-Rachen-Raum beworben wurde, seit mehr als 10 Jahren einer der größten Verkaufsschlager im OTC-Bereich deutscher Apotheken.

Heute ist die Herkunftspflanze des „Wundermittels“ gesucht. Der 5. Buchstabe des ersten Wortes des lateinischen Namens dieser Pflanze ist der erste Teil unseres Lösungswortes (kann aber im Lösungswort an jeder Stelle stehen!).

 

Gesucht war die Pflanzenarznei „Umckaloabo“. Das Zitat des „bekannten Arztes“ stammt von Dr. Eckart von Hirschhausen, aus seinem Programm „Glücksbringer“; er meinte damit, dass „Dreck“ das menschliche Immunsystem mindestens genauso gut anrege wie der Pflanzenwirkstoff (und bevor jemand fragt: ja, in der TV-Fassung seines Programms hat er das über „Echinacea“ gesagt – ich habe sein Programm jedoch schon Monate vor der Fernsehaufzeichnung live in einem Theater sehen können, da zog er in derselben Weise eben noch über „Umckaloabo“ her (kleine Gemeinheit meinerseits, welche die meisten von Euch aber nicht von der korrekten Lösung abgehalten hat)).

 

Das Problem mit „Umckaloabo“ ist dasselbe, wie mit vielen Substanzen, die das Immunsystem „anregen“ sollen: sie tun dies eben nur so lange, bis sich der menschliche Körper an den „Eindringling“ gewöhnt hat, danach geht die Wirkung deutlich (und dauerhaft) zurück. Wobei ein extrem angeregtes Immunsystem auch nicht wirklich wünschenswert wäre – dies neigt nämlich gerne dazu, auch nützliche Teile des menschlichen Körpers ins Fadenkreuz zu nehmen.

 

Die Herkunftspflanze jedenfalls ist vor allem in Südafrika beheimatet und heißt Pelargonium sidoides. Von diesem lateinischen Namen war der 5. Buchstabe des ersten Wortes gesucht, lautete also: „R“.

 

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Am 2. Rätseltag hattet Ihr folgende Aufgabe:

 

Jetzt geht es um die Wurst! Viele Scharlatane füllen sich damit ihre Kassen. Manchen hilft sie auch dabei.

 Besonders praktisch ist dabei, dass jeder diese Wurst in sich hat. Wenn Ihr mir nicht glaubt, mache ich einfach das Licht aus, dann werdet Ihr schon sehen.

 Lieber nicht! Denn sonst könnten Euch so gewisse gewiefte Händler doch glatt einen Komplettsatz esoterischer Handy-Schalen verkaufen. Da hat sogar schon die Jugend ‘drüber geforscht.

 Wir suchen heute einen Begriff, der die Entstehung dieser Wurst beschreibt. Dessen erster Buchstabe ist der nächste Bestandteil des Lösungswortes.

 

Tja, diese „Wurst“ ist wirklich eine Goldgrube der Pseudomedizin. Gesucht war nämlich das „Geldrollenphänomen“ bzw. die „Geldrollenbildung“. Irgendwie schon ein bezeichnender Name.

Aber der Begriff ist in der seriösen Medizin durchaus bekannt – die „Geldrollen“ kommen bei jedem Menschen völlig natürlich vor, indem sich rote Blutkörperchen zu längeren Ketten aneinander reihen. Zu sehen ist das gut im Dunkelfeldmikroskop (deshalb auch der Hinweis, das Licht auszumachen). Nur leider haben nicht wenige Heilpraktiker dieses diagnostische Verfahren für sich entdeckt, um ihren Patienten völlig unnütze Therapien aufzuschwatzen. Zum Beispiel gegen Elektrosmog durch Handygebrauch. Nach Installation der entsprechenden Handyschalen „verschwinden“ die Geldrollen im Blut des Patienten dann auf wundersame Weise. Dass man dies durch die Art der Blutentnahme sehr gut steuern kann (je nachdem, wieviel Druck auf den Finger des Patienten bei der Entnahme von Kapillarblut aus der Fingerspitze ausgeübt wird), wissen die Opfer im Regelfall nicht.

2005 gewannen zwei Schüler aus Baden-Württemberg mit einer „Untersuchung“ zur Geldrollenbildung bei starkem Handygebrauch sogar den Landesentscheid bei „Jugend forscht“. Ein gruseliges Beispiel, wie die Pseudomedizin heutzutage sogar schon in den Schulen ansetzt.

Die Schlüsselhinweise waren jedenfalls, dass “jeder die Wurst in sich hat“, dass sie “den Scharlatanen die Kassen füllt” (daher musste es um irgendetwas gehen, was mit Geld zu tun hat) und dass man dies im Dunkeln erkennen kann.

Vom Lösungswort „Geldrollenphänomen“ bzw. „Geldrollenbildung“ war in Teil 2 des Rätsels der erste Buchstabe gesucht, also das „G“.

 

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Teil 3 des Rätsels entführte Euch in die wundersame Welt der Akupunktur ohne Nadeln. Er lautete:

 

Heute geht es um Bienchen (ein wenig) und Blümchen (manchmal). Der Versuchsaufbau sieht so aus: Die Biene sitzt an Haus Nr. 1, die Blume in Haus Nr. 2. Das Opfer sitzt irgendwo dazwischen und hat Angst, dass die Biene es sticht (was aber gar nicht passieren soll, deswegen ja der ganze Aufwand). Deshalb gerät es ins Schwitzen und macht den ganzen Versuchsaufbau kaputt.

 Was die Scharlatane aber nicht stört, denen gehören übrigens die Bienenhäuser (oder zumindest Teile davon).

 Widerstand ist zwecklos!

 Gesucht ist heute der Name des Erfinders dieses „Tests“. Der 2. Buchstabe seines Nachnamens ist der nächste Teil der Lösung.

 

Um es vorweg zu nehmen: gesucht war die „Elektroakupunktur nach Voll“. Mit dieser „Methode“ sollen mittels Messungen des Hautwiderstandes diverse Erkrankungen nicht nur diagnostiziert, sondern praktischerweise auch gleich behandelt werden. Dazu werden so genannte „Substrate“ in eine „Messwabe“ im Gerät eingegeben, welches elektrisch über eine Sonde mit dem Patienten verbunden ist. Hiermit soll das für den Patienten ideale „Medikament“ gefunden werden. Oft wird noch eine zweite „Wabe“ verwendet, über die „Informationen“ des Patienten auf das ermittelte „Medikament“ (das können u.a. auch Blütenextrakte sein) übertragen werden, um es optimal an ihn anzupassen. Leider ist die Messung des Hautwiderstandes keine besonders zuverlässige diagnostische Methode, insbesondere Schwitzen kann die Messwerte massiv beeinflussen. Aber immerhin braucht man sich bei dieser Art der Akupunktur nicht davor zu fürchten, gestochen zu werden.

 

Schlüsselhinweise waren hier der Widerstand (der bei diesem “Test” tatsächlich zwecklos ist, wegen des Schwitzens),die Biene, die eben nicht sticht (wie bei der “echten Akupunktur”) und die “Häuser” der Bienen (also die Waben).

Der „Erfinder“ dieses Verfahrens war Reinhold Voll, dessen 2. Buchstabe des Nachnamens in diesem Rätselteil gesucht war – das „O“.

 

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Im vierten Rätselteil wurde es dann chemisch (ein Markenzeichen meiner Rätsel, dass es im vorletzten Teil (fast) immer mehr oder weniger um Chemie geht – diesmal aber eher weniger):

 

Heute geht es um – nichts. Als um ein Nichts. Quasi ein Gerücht.

Dieses “Nichts” wurde in der Truther-Szene erst durch den Streich eines Skeptikers so richtig bekannt. Die Truther bewiesen dabei allerdings unerwarteterweise eine Spur gesunden Menschenverstandes, so dass die ganze Angelegenheit ums Haar vorzeitig im Eso-Orkus versunken wäre.

Wenn – ja, wenn nicht eine „Glanzfigur“ der Truther-Szene völlig überraschend das zugehörige „Beweisfoto“ für echt erklärt hätte. Seine Anhänger waren von da an gespalten: die einen fielen aus allen Wolken und erkannten auf einmal, was für ein Spinner ihr Anführer eigentlich war, die anderen gossen sich lieber noch ein Bier ein, um kurz darauf, aus dem Nebel der Nichterkenntnis heraus, in weiteren Foren von der „Entdeckung“ zu berichten.

 Der 4. Buchstabe des fraglichen „Nichts“ (bzw. des heute bekanntesten der eigentlich ursprünglich sogar 4 “Nichtse”) ist ein weiterer Teil des Lösungswortes. Um Euch noch ein wenig zu helfen: er ist sogar der letzte Buchstabe des gesuchten Wortes.

 (Und wer meine Rätsel schon von anderen Orten im Internet kennt, weiß vielleicht, dass der vorletzte Teil eines meiner Rätsel fast immer unter einem bestimmten Thema steht. So auch dieses Mal.)

 

 

Hier befanden wir uns nun weit in den Untiefen der „Chemtrail“-Szene. Diese wurde vor ein paar Jahren durch ein angebliches Beweisfoto, welches aus Spaß von einem Skeptiker in Umlauf gebracht worden war, entzweit:

Die intelligenteren unter den Truthern erkannten natürlich sofort, dass das Ganze nur eine gnadenlose Verarsche war. Aber völlig unerwartet erklärte Jo Conrad, Betreiber des bekanntesten deutschsprachigen Forums für geistig Befreite, das Foto für echt. Und das trotz der doch abenteuerlichen Chemikalien-Namen, die auf dem Foto den diversen Kondensstreifen des Flugzeugs zugeordnet wurden.

In der Folgezeit wurde dann einer der Namen der fiktiven Chemikalien zu einem running-gag der Skeptiker: „Spinnoinium-Oxydul“. Und genau dieser Begriff war in diesem Rätselteil auch gesucht. Der 4. Buchstabe – das „N“ – war dann auch der letzte Buchstabe des Lösungswortes.

Ein Schlüsselhinweis war, dass die Truther “aus allen Wolken fielen“. Einen zusätzlichen Hinweis hatte ich Euch mit der Bezeichnung des J.Conrad als “Spinner” geliefert.

 

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Tja, zu diesem Zeitpunkt sollte die Rätsel-Gesamtlösung eigentlich schon klar gewesen sein. Aber für alle diejenigen, die immer noch keinen Durchblick hatten, und ebenso für alle diejenigen, die gerne weiterrätseln wollten, hatte ich ja am Ostermontag noch einen kleinen Nachschlag parat:

 

Wem der letzte Hinweis immer noch nicht ausgereicht hat, der sei mit der letzten Rätselfolge mit einem guten Kumpel der im vorangegangenen Teil genannten „Glanzfigur“ der Truther-Szene bekannt gemacht. Seine Vita liest sich wahlweise beeindruckend oder entsetzlich. Meistens jedoch vor allem peinlich.

Mal wurde er von Außerirdischen gezeugt, mal als medizinisches Experiment. Er hat mindestens 5 verschiedene Staatsangehörgkeiten, sein wichtigster Pass ist jedoch wirklich „von Welt“. Mal war er in Afghanistan, mal im Irak, mal in Augsburg, in unschuldige Tags wirre Assoziationen hineininterpretierend.

Nach offiziellen Verlautbarungen der Truther-Szene ist sein aktueller Aufenthaltsort unbekannt. Was beweist, dass diese Leute eine Justizvollzugsanstalt nicht einmal erkennen würden, wenn sie ihnen auf den Kopf fiele. Das wäre dem Gesuchten übrigens fast mit seinem Schloss passiert.

Egal: der vorletzte Buchstabe des Nachnamens der gesuchten Person ist gleichzeitig der vierte Buchstabe des Lösungswortes.

 

 

In Teil 4 des Rätsels hatten wir ja bereits Jo Conrad kennengelernt, Betreiber solch „grandioser“ Internetseiten wie dem „Freigeistforum“ oder „Bewusst.tv“ (a.k.a. „Bestusst.tv“). Einer seiner Lieblingsgäste auf den genannten Seiten war bzw. ist Jessie Marsson, eine wirklich seltsame Gestalt der Eso- und Truther-Szene. Über ihn ist eher wenig bekannt; die meisten Informationen stammen aus nicht wirklich vertrauenswürdigen Quellen. Er tritt seit jeher unter diversen „Künstlernamen“ in Erscheinung, sein Lebenslauf unterliegt permanenten Fluktuationen. Er behauptet, in diversen Kriegen gekämpft zu haben, unter sehr unterschiedlichen Nationalitäten, sieht sich selbst allerdings vor allem als „Weltbürger“ (mit zugleich wunderschön und dämlich gefälschtem Pass). Das Video, in dem er Jo Conrad bei einer Autofahrt durch Augsburg Plätze zeigt, an denen Kinderschänder ihre Opfer treffen (mittels eigentlich ganz harmloser Sprayer-Tags), genießt in Skeptikerkreisen bereits Kultstatus. Gemäß aktueller Informationen sitzt Jessie derzeit (mal wieder) in München in Haft (entgegen Jo Conrads Behauptungen, er sei bereits im Herbst 2011 vorzeitig entlassen worden).

Beim gescheiterten KRR-Projekt “Fürstentum Germania” war er insofern beteiligt, dass er der ursprüngliche Käufer des baufälligen Schlosses in Plattenburg war, welches er aber unmittelbar nach dem Kauf an den “Fürsten” überschrieb.

Gesucht war der vorletzte Buchstabe seines Nachnamens – das „O“, welches gleichzeitig der vierte Buchstabe des Lösungswortes war.

 

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Hatte man dann nun endlich alle Buchstaben beisammen, so ergab sich mit dem letzten Rätselteil die Gesamtlösung „Orgon“, eine laut Esoterik angebliche Energie, mit der man praktisch alles anstellen kann: böse Energien abschirmen, Chemtrails neutralisieren, von Schulmedizin und Impfmafia erfundene Krankheiten heilen, in die 5. Dimension aufsteigen usw. usf. Das ganze Thema ist dermaßen abgedreht, dass ich mir weitere Erklärungen erspare – lest einfach den Artikel im Psiram-Wiki. Eure Schädelknochen sollten nach diesem Rätselwochenende ja schon einiges gewohnt sein.

 

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So, und nun folgen – Trommelwirbel, Tusch! – die Gewinner des Psiram-Osterrätsels 2013. Insgesamt bin ich schon ein wenig enttäuscht, denn obgleich nach den ersten 2 Rätselteilen einige von Euch noch den niedrigen Schwierigkeitsgrad des Rätsels bemängelt hatten, so gingen am Ende doch nur drei (!) korrekte Lösungen ein.

Der erste, der die Lösung korrekt gefunden hatte, war der Psiram-Blogleser H.K. (er hat leider keinen Nick angegeben, deshalb nenne ich ihn hier mit Initialen). Seine Lösung ging am Ostersonntag um 11:24 Uhr ein, also nach nur 3 Rätselteilen. Soviel also zur Verzweiflung einzelner Rätsler, insbesondere nach dem dritten Teil – die korrekte Lösung war also anscheinend schon zu diesem Zeitpunkt möglich!

Nach Teil 5 gingen noch 2 weitere korrekte Lösungen ein, und zwar von den Bloglesern “Kamidio” und “Spackenheim”. So hätte nun das 2. Shirt unter diesen beiden verlost werden sollen – also ganz einfach per Münzwurf zu entscheiden. Aber irgendwie ist es schon gemein, wenn es 2 Preise gibt, die unter 3 korrekten Lösungs-Einsendungen verlost werden. Also habe ich mich spontan entschlossen, noch ein drittes Shirt als Preis dazuzupacken. Damit hat nun jeder der drei Genannten den ausgesetzten Preis gewonnen.

Herzlichen Glückwunsch!

Interessant fand ich übrigens, dass im Laufe des Osterwochenendes immer wieder E-Mails eingingen, in denen jeweils die Lösung eines einzelnen Teilrätsels eingeschickt wurde. Habe ich die Regeln des Rätsels denn so schlecht erklärt?

Die Gewinner bekommen jedenfalls in Kürze eine Mail, um die Details für den jeweils ganz individuellen Druck des T-Shirt-Motivs abzufragen sowie die gewünschte Shirt-Grösse.

 

Tja, das war es dann wohl für dieses Mal. Ich bin jetzt unsicher – war es nun zu leicht oder doch zu schwer? Ein wenig Feedback im Kommentarteil wäre sehr willkommen. Immerhin freut es mich sehr, dass mein Rätsel doch den einen oder anderen von Euch dazu gebracht hat, mal im Wiki zu stöbern (und dabei zwar nicht immer die gesuchte Lösung zu finden, aber trotzdem eine Menge Spaß zu haben – mein liebster Kommentar stammt von “mmschob” vom 2. Rätseltag: “Oh gott ich kann nicht aufhören. Lese seit Stunden die wissenschaftlichen Studien diverser Aprilscherzwebseiten, bin aber bei eurem Rätsel keinen Schritt weit gekommen… Trotzdem lachen ohne Ende, danke für diesen Nachmittag.” Das entlohnt dann doch wieder für die ganzen Mühen!). Und genau darum ging es mir im Endeffekt.

Ich verabschiede mich (vorläufig) von Euch und freue mich schon, irgendwann einmal wieder Eure Bregen zum Qualmen zu bringen. In groben Zügen habe ich bereits ein 6-teiliges Sommerrätsel konzipiert, aber das hätte seine ganz eigenen Schwierigkeiten, weswegen ich umso mehr auf Euer Feedback angewiesen bin.

 

Euch allen noch einen schönen Frühling mit Psiram,

 

Euer

?Riddler?

Ostersonntag 2013 – die Psiram-Blogleser rätseln weiter (Teil IV) March 31, 2013 | 02:00 pm

 

Frohes Nest!

Ich hoffe, Ihr habt mittlerweile alle Eier gefunden, so dass Eure Hirnzellen für Teil 4 des Psiram-Osterrätsels bereit sind.

Wer nun immer noch nicht weiß, worum es dabei geht, kann hier, hier und hier die vergangenen Rätselteile nachlesen (inkl. der Regeln des Rätsels sowie der EMail-Adresse, an die Ihr Eure Lösung schicken sollt).

Ich mache es deshalb auch gar nicht mehr unnötig spannend, sondern serviere Euch hiermit (quasi als Nachspeise des Ostermahls) den vierten Teil:

 

Heute geht es um – nichts. Als um ein Nichts. Quasi ein Gerücht.

Dieses “Nichts” wurde in der Truther-Szene erst durch den Streich eines Skeptikers so richtig bekannt. Die Truther bewiesen dabei allerdings unerwarteterweise eine Spur gesunden Menschenverstandes, so dass die ganze Angelegenheit ums Haar vorzeitig im Eso-Orkus versunken wäre.

Wenn – ja, wenn nicht eine „Glanzfigur“ der Truther-Szene völlig überraschend das zugehörige „Beweisfoto“ für echt erklärt hätte. Seine Anhänger waren von da an gespalten: die einen fielen aus allen Wolken und erkannten auf einmal, was für ein Spinner ihr Anführer eigentlich war, die anderen gossen sich lieber noch ein Bier ein, um kurz darauf, aus dem Nebel der Nichterkenntnis heraus, in weiteren Foren von der „Entdeckung“ zu berichten.

 Der 4. Buchstabe des fraglichen „Nichts“ (bzw. des heute bekanntesten der eigentlich ursprünglich sogar 4 “Nichtse”) ist ein weiterer Teil des Lösungswortes. Um Euch noch ein wenig zu helfen: er ist sogar der letzte Buchstabe des gesuchten Wortes.

 (Und wer meine Rätsel schon von anderen Orten im Internet kennt, weiss vielleicht, dass der vorletzte Teil eines meiner Rätsel fast immer unter einem bestimmten Thema steht. So auch dieses Mal.)

 

Jetzt schon alles klar? Falls nein – Ihr habt ja morgen noch eine weitere Chance.

Euch allen noch einen schönen Feiertag,

Euer

?Riddler?

Keine Chemtrails in der TU Berlin January 30, 2013 | 03:54 pm

von unserem Gastautor Sebastian Bartoschek

Werner Altnickel weiß: es gibt Chemtrails – und die sind böse. Oder zumindest die Menschen, die dafür verantwortlich sind. Wie viele Verschwörungstheoretiker versucht Altnickel, seine Mitmenschen zu warnen. Und kündigte im Dezember 2012 auf seiner Homepage (www.chemtrail.de) mit einem hübschen Plakat eine Veranstaltung an der TU Berlin (http://www.chemtrail.de/wp-content/uploads/2012/12/GeoEngineering2012-12-18-800px.jpg) an.

Dabei vergaß der Aktivist aber in seinem Aktionismus anzugeben, wo genau die Veranstaltung eigentlich statt findet. Logischerweise wird deswegen zunächst bei Altnickel nachgefragt, wo denn nun der Vortrag sei, denn die TU sei eben nicht das kleinste Gebäude. Der zeigt sich zunächst freundlich, aber irritiert, und fragt, ob denn ein Interesse am Besuch des Events bestehe. Dies wird bejaht, warum sonst frage man wohl. Altnickel erläutert daraufhin, dass er den konkreten Raum „rechtzeitig“ auf seiner Homepage veröffentliche und zudem an der TU plakatiere. Außerdem verwickelt er sofort in ein Gespräch über die Streifen am Himmel und bietet eine Podiumsdiskussion an – die kann man sicherlich einmal machen – aber nun geht es doch um seinen Vortrag im Januar 2013.

Wenn der Veranstalter den Raum gerade nicht präsent hat, macht es Sinn bei der TU selbst nachzufragen. Dort kommt im Weihnachtsstress prompt die Antwort:

wir haben keinen Raum vermietet – und sind jetzt im Urlaub.

Eigentlich alles klar? Ja, aber nein. Denn kurz nach der Jahreswende taucht plötzlich eine konkrete Ortsangabe im Internet auf (http://www.kgsberlin.de/aktuell/termine/eintrag/te78901.html). Nochmalige Nachfrage bei der TU unter expliziter Weitergabe des Links. Dort wird dann unter Hochdruck recherchiert und alle hausinternen Möglichkeiten abgeklopft. Ergebnis:

Die TU Berlin hat an Herrn Altnickel keinen Raum vermietet, auch wird an besagtem Tag keine Veranstaltung in dem angegebenem Raum zum Thema „Chemtrails“ oder „GeoEngineering“ statt finden. Es läuft dort eine andere Veranstaltung, die keinerlei Bezug zu Altnickel oder seiner Thematik hat.

Und nun? Mit Spannung blickte man auf darauf, was am 25. Januar an der TU Berlin in Raum He 101 um 18.00 Uhr geschehen würde. Überraschenderweise: Nichts! Stattdessen wurde laut neuem Plakat die Veranstaltung auf den 1. Februar verlegt, an einen neuen Ort. Eine Kirche. (http://www.chemtrail.de/wp-content/uploads/2013/01/GeoEngineering2013-01-17.jpg)

Doch wie es scheint, hat auch der Pfarrer keine Lust der Veranstaltung ein Dach zu geben, Streifen am Himmel werden offenbar auch in einem Gotteshaus nicht gerne gesehen. Und so müht sich Werner Altnickel ab, auf der Suche nach dem verlorenen Raum. Seltsam? Doch so steht es geschrieben …

Nachtrag von Team Psiram: Im März erscheint das neue Buch von Sebastian

Weltuntergang 2012 December 20, 2012 | 11:26 am

Nur noch ein zwei Tage, dann ist es endlich vorbei. Seien wir ehrlich, diese “Ende der Welt”-Geschichte nervt mittlerweile ziemlich. Alle paar Monate taucht irgendeiner auf, der das Ende der Welt verkündigt. Und wenn es nicht eintrifft, muss er kleinlaut eingestehen, dass er sich wohl doch irgendwie vertan hat. Wie z.B. Harold Camping, der es in den 90ern und 2011 gleich zweimal mit Weltuntergang probiert hat und danach flugs zurückgerudert ist.

Wir können wirklich froh sein, wenn es vorbei ist. Durch diesen Unsinn ist gerade in den letzten Tagen bereits genug Mist passiert. In Argentinien hat man einen ganzen Berg gesperrt, weil man Angst hat, dass ein Massenselbstmord stattfinden könnte. Ein paar Wahnsinnige hatten im Internet dazu aufgerufen. Die Angst, dass etwas passieren wird, ist leider gerechtfertigt. Schon in der Vergangenheit gab es einige Sekten-Massenselbstmorde aus verschiedensten Gründen; am bekanntesten und grauenhaftesten vielleicht jener in Jonestown, 1978.

So ein halluzinierter Weltuntergang kann schon einiges anrichten. Ein geistig verwirrter Mann hat in China 23 Kinder mit dem Messer verletzt. Es bleibt zu hoffen, dass es das war und nicht noch mehr Leute wegen dieses Unsinns verletzt oder gar getötet werden. In China wurden aus entsprechender Sorge auch fast tausend Sektenanhänger vorläufig festgenommen.

Abstruserweise ist ja die Angst und Hysterie um den Weltuntergang schlimmer als der Weltuntergang selbst. Aus dem einfachen Grund, dass er nicht stattfinden wird. Im Blog und den Büchern (speziell 2012 Keine Panik) von Florian Freistetter werden ganz klar die diversen Fehlschlüsse rund um die Geschichte dargelegt.

Er ist DER Experte auf dem Gebiet und man kann sich bei ihm zu allen Themen rund um den Weltuntergang Antworten holen; aber falls es trotzdem noch Menschen gibt, die gerne eine zweite astronomische Meinung hören würden: auch die NASA hat vor kurzem einen Antwortenkatalog zum Thema veröffentlicht. Darin stellen sie klar, dass am 21. Dezember die Welt nicht untergehen, sondern einfach nur eine weitere Wintersonnenwende stattfinden wird. Wie jedes Jahr.

Die NASA beantwortet zuerst die wichtigste Frage: “Gibt es 2012 irgendwelche Bedrohungen für die Welt?” mit einem klaren Nein. Es wird danach noch auf die diversen Unsinnsvorhersagen wie z.B. die Geschichte mit dem angeblichen Planeten Nibiru, die Verwurstung dieser Story mit dem Maya-Kalender (Nibiru hätte eigentlich schon 2003 eintreffen sollen, aber man ist ja flexibel) und einiges mehr kurz eingegangen.

Man hat beim Lesen etwas das Gefühl, dass die NASA-Autoren damit gekämpft haben, sinnvolle Antworten zu schreiben. Es fällt auch zugegebenermaßen schwer, bei der Qualität der Fragen. Wie würden Sie antworten, wenn Sie z.B. gefragt würden, ob es nicht klug wäre, sich den Kopf zu rasieren und mit Marmelade einzureiben? Es ist harte Arbeit, bei solchen Themen ernst zu bleiben.

Wir jedenfalls sind froh, wenn dieser Weltuntergang, wie so viele zuvor, endlich vorbei ist und man kurz darauf seine Weihnachtsgeschenke auspacken kann.

Der einzige Wermutstropfen dabei ist, dass es natürlich nicht vorbei ist. Nächstes Jahr fällt bestimmt irgendwem etwas Neues ein. Vermutlich schreibt Dieter Broers schon sein nächstes Buch – Revolution 2021 oder so. Das einzige, auf das man hoffen kann: wenn genügend oft Weltuntergänge vorhergesagt werden, interessiert es vielleicht irgendwann überhaupt niemand mehr …

links (25. November 2012) November 25, 2012 | 09:26 am

Die vergangene Nacht (bis vor einer halben Stunde) widmete der RBB Rosa von Praunheim. In einer Folge von “Rosas Welt” äußerte sich der Bildhauer Karsten Klingbeil über seinen “persönlichen Holocaust”, den er in sowjetischer Kriegsgefangenschaft erlebt habe. Es sei “genauso” gewesen. Hier geht’s zur Mediathek.

  • Neues von der beliebten Vollflachzange Xavier Naidoo: “Ich schneid’ euch jetzt mal die Arme und die Beine ab, und dann ficke ich euch in den Arsch, so wie ihr es mit den Kleinen macht. Ihr tötet Kinder und Föten. Ihr hab einfach keine Größe und eure kleinen Schwänze nicht im Griff. Warum liebst du keine Möse, weil jeder Mensch doch aus einer ist?” Und keine gute Verschwörung kommt ohne einen Link zu alteingessenen aus: “Okkulte Rituale besiegeln den Pakt mit der Macht, Teil einer Loge getarnt unter Anzug und Robe. Sie schreiben ihre eigenen Gebote.” Diese Zeilen sind in einem ‘hidden track’ auf einem gemeinsam mit einer nicht minder dümmlichen Person namens Kool Savas aufgenommenen Album zu hören. Abhaten gegenüber der Möglichkeit zum Schwangerschaftsabbruch; eine wirre Neuverschwörung in der Schwule Föten töten würden und das Ignorieren von Lesben - die sind doch bestimmt auch ganz widerlich und schlecht für den deutschen Volkskörper oder? Ach, vielleicht finden sie die ganz dufte, weil “Möse” und vermeintlich keine Penetrationsmacht? Mittels “Warum liebst du keine Möse, weil jeder Mensch doch aus einer ist?” ist das ja indirekt geklärt. Und an anderer Stelle noch ein kleiner Verschwörungsnachschlag inkl. autoritärer Sehnsucht: ”Wo sind unsere starken Männer, wo sind unsere Führer, wo sind sie jetzt?” um etwas gegen “furchtbare Ritualmorde an Kindern, die tatsächlich ganz viel in Europa passieren” zu tun. unfuckingbelieveable (via queer.de).
  • Alle Bildungsarbeit der Welt ist Perlen vor die Säue, wenn personifiziertes Bescheidwissen weiterhin Unsinn erzählen darf. So wie bspw. neulich in Bopfingen. Irgendwo im Schwäbischen. Dort meinte Prof. Dr. Gerhard Hirschfeld die These zu verkaufen, dass der Antisemitismus weitgehend auf “schlichte[r] Habgier” basiere. Die lokale Journaille “Schwäbische Zeitung” zieht sprachlich weiterhin vom deutschen Leder und verwendet in seiner Berichterstattung gerne und ohne Anführungszeichen Ausdrücke wie “Reichskristallnacht” oder die “in Palästina ausgetragenen Kämpfe”. Einzig der Hinweis darauf, dass der Ausdruck “christlich-jüdische Tradition im Abendland” blanker Hohn ist, sollte positiv angerechnet werden. Auch wenn das einem Mindestmaß gleichkommt. In der “Jüdischen Allgemeinen” erschien anlässlich des 9. November ein lesenswerter Artikel zu Begrifflichkeiten (und ihrem Wandel) rundum die Novemberprogrome 1938 und ein weiterer dazu wie sie bzw. aktueller Antisemitismus gegenwärtig (de)thematisiert werden.
  • Deutschland am 9. November 2012: nachdem die Stimmung im mecklenburgischen Kaff Wolgast schon gefroren ist - ein Asylbewerberheim wird eingerichtet, das Fernsehen berichtet ganz, ganz fies über die doch gar nicht so rassistischen Äußerungen und Handlungen (Landser et. al. für den ganzen Wohnblock unfreiwillig hörbar) der ortsansässigen Deutschen, die daraufhin rumheulen - sollte nun die NPD also ausgerechnet am 9. November mit einem genehmigten Fackelzug durch das Drecksnest bis vor die örtliche Gemeinschaftsunterkunft ziehen (beim Kombinat Fortschritt gibt es auch einen Überblick zur aktuellen Situation vor Ort). In Greifswald war man unterdessen subtiler und entfernte Stolpersteine. “Polizei vermutet politisches Motiv” - diese Füchse…
  • Eigentlich sollte es nach einigen Äußerungen seitens Sigmar Gabriel und der Geschichte des Antisemitismus in Arbeiterorganisationen nicht verwundern, aber dass die SPD ganz unverhohlen mit der Fatah “flirtet” sorgt wenigstens bei mir doch noch für erschrockenes Stirnrunzeln.
  • Die aktuelle Situation im Nahen Osten ist (wenigstens für mich) noch nie so mürbend wie heute. In vielerlei Hinsicht. Auf einer Mailing-Liste “linker Akademiker_innen” wird Ken Jebsen promotet und Israel direkt mit dem NS verglichen. Stark. Dennoch eine kleine Auswahl lesenwerter Beiträge: zunächst “An all die Mahner, Kopfschüttler, Abwiegler” von Lila (“letters from rungholt”). Des weiteren ist Felix Riedel auf “nichtidentisches” wieder einmal zu empfehlen: “Das Ende der Propaganda”. Beim Telegraph findet sich eine Medienanalyse mit dem Titel “Pallywood and the pornography of death: the Western media suckered again”. Klassiker: Stephan Grigat - “Befreit Gaza - von der Hamas”. Roland Benedikter über die strategischen Züge und Bedeutung auf internationaler Ebene: “Gaza - warum gerade jetzt?”. In dem etwas betagten Text “Der Krieg gegen die Juden” von Robert Kurz finden sich interessante Gedanken. Und falls mal wieder die Lust am Argumentieren oder Pöbeln fehlt, lässt sich ggf. auf dieses Video über “Israel in den deutschen Nachrichten” zurückgreifen.
  • Unterdessen in Uganda: das Parlament hat sich als “Weihnachtsgeschenk” für seine Bevölkerung überlegt, einen zweiten Versuch zu starten und einen neuen Gesetzentwurf einzubringen, der diese vor der “ernsthaften Bedrohung”, die von homosexuellen Menschen ausgehe, schützen soll. Diesem Entwurf zufolge soll die Todesstrafe nicht mehr bei “schweren Fällen von Homosexualität” sondern “nur noch” bei “Pädophilen” angewendet werden. Die bisher bereits verankerten, lebenslangen Haftstrafen, die Schwulen und Lesben (anderweitige Schubladen sexueller oder geschlechtlicher Identität wurden bisher nirgends erwähnt, ist bei diesem rigorosen Hass aber ohnehin vollkommen obsolet) bei öffentlicher Auslebung ihrer Sexualität jetzt bereits drohen, bleiben freilich bestehen. Mit dem neuen Gesetz soll dann auch “Werbung” für Homosexualität (???) und das Vermieten von Wohnungen an homosexuelle Menschen mit bis zu fünf Jahren Knast bestraft werden. Hmm - Fuck you.
  • In Frankreich wird unterdessen munter gegen die Möglichkeit einer Ehe für homosexuelle Paare demostriert.
  • Das italienische Klima scheint derweil nicht nur ungemein sexistisch (vgl. Berlusconi) sondern auch homophob zu sein: ein elfjähriger Schüler hat sich, nachdem er wiederholt ob seines Erscheinungsbilds sowie seiner sexuellen Orientierung von dessen Mitschüler_innen gemobbt wurde, selbst umgebracht. So viel zu “it get’s better”.
  • Das soziale Klima in Griechenland ist unterdessen auch gruselig: Neonazis machen sich bereit das Land zu bestimmen. Selbstjustiz, Gewalt auf den Straßen, Rassismus, Antisemitismus - auch im Parlament. Mehr von Federica Matteoni in der jungle World.
  • “Am 6. November berichtete die Frankfurter Rundschau, dass ein 41jähriger Deutscher äthiopischer Herkunft Strafanzeige gestellt hat, nachdem er von Beamten des Polizeireviers im Frankfurter Stadtteil Bornheim (Hessen) misshandelt und bewusstlos geschlagen worden sei. Im Gespräch mit der Zeitung gab der Mann an, am Abend des 17. Oktober sei zunächst seine Verlobte bei einer Fahrkartenkontrolle von Kontrolleuren in der U-Bahn festgehalten und in rassistischer Weise beleidigt worden, obwohl sie einen gültigen Fahrausweis habe vorzeigen können. Die hinzugerufenen Polizisten hätten anschließend seinen Personalausweis sehen wollen, den er nicht dabei gehabt habe. Daraufhin sei er auf dem Weg zu seiner Wohnung, in der sich der Ausweis befand, auf offener Straße geschlagen worden, zudem sei er in rassistischer Weise beleidigt worden.” (via “Deutsches Haus” 46/12)

Anhören:

Termine:

Liebe Verschwörungstheoretiker! November 4, 2012 | 08:29 am

Immer wieder gerne lesen wir eure Klagen, dass die Luft von Chemtrails verseucht wird, dass Angela Merkel die Tochter von Adolf Hitler ist und was des Unsinns noch so kommt. Auf unsere sachlichen Antworten hin wird dann gerne vermutet, dass wir Mossad-Agenten sind oder Illuminaten oder was auch immer. Außerdem sind wir natürlich völlig naiv, weil wir die Verflechtungen nicht erkennen würden. Unser Tipp: Geht doch mal zu den Finanzparasiten. Da geht es auch um höchst konkrete und keineswegs geheime Verflechtungen von Politik und Wirtschaft, und es ist alles belegt. Hat sich von euch noch keiner gefragt. warum euch die Illuminaten nicht einsacken? Kleine Warnung: Wenn man über diese echten Verschwörungen schreibt und recherchiert, kann es sein, dass es was aufs Maul gibt…

Die Mondverschwörung auf 3sat September 17, 2012 | 05:30 pm

Eines der unangefochtenen Kino-Highlights des letzten Jahres für Skeptiker und alle, die es werden wollen, war sicherlich der Dokumentarfilm “Die Mondverschwörung“.
Besonders die Vorführungen in Anwesenheit von Autor, Regisseur und Produzent Thomas Frickel blieben den Besuchern als unvergessliches Erlebnis im Gedächtnis.

Inzwischen gibt es “Die Mondverschwörung” mit vielen zusätzlichen Szenen auf DVD – eine Anschaffung, die sich auch lohnt, wenn man den Film schon im Kino gesehen hat.

Am Sonntag, dem 23. September 2012 um 21.45 Uhr auf 3sat entführt Chefreporter Dennis Mascarenas erstmalig auch die Zuschauer des öffentlich-rechtlichen Fernsehens in die schräge Welt der UFO-Gläubigen, Verschwörungtheoretiker und Braunesoteriker.

Aus der 3sat-Ankündigung:

Wo es den Mainstream-Medien zu heiss wird, ist Dennis R. D. Mascarenas in seinem Element. Als Chefreporter des deutschsprachigen US-Senders DDC-TV hat er schon manches heisse Eisen angepackt. Doch sein neuester Auftrag treibt ihn an den Rand der Verzweiflung: Ein deutscher Rentner hat Besitzansprüche auf den Mond angemeldet. Dennis soll herausfinden, was es damit auf sich hat. Schritt für Schritt deckt seine Recherchereise durch Deutschland verborgene Ebenen auf und fördert ein Beziehungsgeflecht zu Tage, in das offenbar auch führende deutsche Politiker verstrickt sind. Wieso protegiert der Außenminister eine Mondscheinfriseuse? Warum werden obszöne Bilder auf den deutschen Personalausweis gedruckt? Wozu wurde die Bundeskanzlerin mit Plutonium abgefüllt? Weshalb lässt ein Finanzminister Euro-Scheine vergiften? Und vor allem: Wer steckt hinter diesen Anschlägen? Klar wird dabei zunächst eines: In diesem Land gehen Dinge vor, von denen wir keine Ahnung haben.

 

Hier ein kleiner Einblick in die Dreharbeiten:

 

Mehr zum Thema:

 

Nina Hagen und die deutschen Denker II August 9, 2012 | 04:54 pm

Mit Nina Hagen geht es schon seit längerem bergab. Jetzt ist die einstige Punkrock-Queen rechts unten angekommen: im geistigen Niedermoor der bayerischen Verschwörungsideologen.

Anfang des Jahres sprang Nina Hagen für ihren Bekannten Wolfgang Eggert in die Bresche. Nachdem der Chefredakteur des Verschwörungsportals „Dorian Grey“ Stadtgespräch war, weil sein Portal und ein angesagter Münchner Clubabend eine Marketing-Kooperation pflegten, hinterließ Hagen auf Eggerts Facebook-Pinnwand einen einfühlsamen Kommentar: Es mache sie traurig, wenn „mutige deutsche Selbständig-Denker“ wie Eggert beschimpft und verunglimpft werden. Auf der Schlamassel Muc-Facebook-Seite platzierten Hagen und Eggert giftige Kommentare, weshalb diese gelöscht und beide Personen ausgesperrt wurden. Das leistete sich Hagen mit ihrem privaten Account.

Bislang verzichtete die Musikerin darauf, ihr Engagement und ihre Artikel für das randständige Online-Portal „Dorian Grey“ an die große Glocke zu hängen. Doch am 03. August bewarb Hagen die verschwörungstheoretische Webseite über ihren offiziellen Facebook-Account, den über 140.000 Menschen verfolgen. Es handelte sich dabei um einen Aufruf an „alle Autoren und Leute mit Spass am Schreiben“, bei der „13. Wochenzeitung Deutschlands auf dem Markt“ mitzuwirken, um „die Welt zu erobern“. „Dorian Grey“ soll nämlich ab Anfang September auch als Printausgabe mit einer Auflage von 10.000 Stück erscheinen, im Straßenverkauf und an Kiosken, in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Prompt meldeten sich einige Journalisten und boten ihre Mithilfe an. Hagen ergänzte anerkennend, dass auf der Plattform „Dorian Grey“ demnächst ihr neues Buch beworben werde.

Geplante Seuchen und geheime Waffen
Der Chefredakteur von „Dorian Grey“, Wolfgang Eggert, ist verschiedenen antisemitischen Theorien anhängig. In seinen Büchern, die unter anderem im Münchner Chronos Medien Vertrieb erscheinen, dichtet er diversen jüdischen Organisationen die Schuld am Leid der Welt an. In seinem Buch „Die geplanten Seuchen“ wird u.a. dem israelischen Geheimdienst Mossad die Erfindung der Immunschwäche-Krankheit AIDS angelastet; in der Buchreihe „Israels Geheimvatikan“ beschreibt Eggert, wie Endzeitrabbis den dritten Weltkrieg einzufädeln gedächten. Darüber hinaus gäbe es eine geheime Forschung, namentlich ein jüdisches „Genwaffenprojekt“ zur Entwicklung einer Waffe, die alle Menschen töte, außer jene mit einem „jüdischen Gen“. Und Eggert deutete in einem Interview mit dem verschwörungtheoretischen Sender „Infokrieg“ dieses Jahres nebulös an, dass es jüdische Kreise selbst seien, die seit Jahrhunderten „furchtbare Anschläge“ auf Jüdinnen und Juden veranstalteten, um zu verhindern, dass diese sich „mit den Umgebungsvölkern verbrüdern“.

Sein Online-Portal „Dorian Grey“, das bislang 35 Auflagen der Wochenzeitschrift erbrochen hat, richtet sich an ein junges Publikum. Darin mischt die Redaktion Meldungen von seriösen Nachrichtenagenturen mit Beiträgen von Blogs aus der sogenannten „Trutherszene“ und modischem Schick – „hübschen Jungs und hübschen Mädchen“, so die Macher. Die Leidenschaft des Chefredakteurs Eggert bildet sich bemerkbar in der Onlinezeitschrift ab. Es erschienen bislang zahlreiche antiisraelische Artikel, in einem Beitrag mit dem Titel „Bankrun 2012″ in der aktuellen „Dorian Grey“ wird positiv Bezug auf Jan van Helsing aka Jan Udo Holey genommen, dessen Bücher zeitweise wegen antisemitischer Volksverhetzung der Beschlagnahme unterlagen. Aufmacher der aktuellen Ausgabe ist das antisemitische Attentat auf die israelischen Sportler bei der Olympiade 1972 und dessen angeblich geheimen Hintergründe.

Nina im rechten Sumpf
Felix Vogl, der zweite Chefredakteur neben Eggert, äußerte bei der Einführung von „Dorian Grey“ vor einigen Monaten, es gehe ihm bei „Dorian Grey“ darum, kulturelle Sphären auseinander zu halten, damit man „nicht überall nur das Selbe sieht“. Er würde gerne „nach Paris fahren können“ und dort „keinen McDonalds antreffen“ sondern „einen Franzosen sehen“, ein „Baguette essen können“, so Vogl. An diese ethnopluralistische Sicht der Neuen Rechten knüpft der Beitrag „Propaganda der Medien“ von Andreas Popp in einer der letzten Ausgaben von „Dorian Grey“ nahtlos an. Darin kolportiert Popp – der btw. das „Deutsche Reich“ bis heute für „annektiert“ hält und deshalb eine ominöse „kommissarische Reichsregierung“ unterstützt – die Auffassung, dass „Globalisierung und Migration“ zwar gut fürs „Big Business“ seien, der Menschen „Identitäten, ihre Kulturen“ dabei aber auf der Strecke blieben.

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Nina Hagen und die deutschen Denker March 2, 2012 | 03:35 am

In die Debatte um den einschlägig bekannten Verschwörungstheoretiker Wolfgang Eggert in München hat sich nun Nina Hagen eingeschaltet. Die rostige Rockröhre beklagt, sie sei traurig, wenn „Wolfi“ beschimpft und verunglimpft wird. Derweil schickte DorianGrey im Hotter eine unglaubwürdige Stellungnahme.

Wolfgang Eggert und Felix Vogl mischen auf dem Online-Portal DorianGrey Meldungen klassischer Nachrichtenagenturen mit Einträgen von verschwörungstheoretischen Blogs. Die manipulative Mixage kommt gerahmt mit einem knuffigen Schick – „hübschen Jungs und hübschen Mädchen“ – daher. Reallife-Frontend von DorianGrey ist die regelmäßige Partyveranstaltung „DorianGrey im Hotter“. Seit kurzem stehen Eggert und Vogl in der Kritik. Joe Masi und Murena sagten letzten Mittwoch daraufhin ihren Auftritt bei „DorianGrey im Hotter“ ab.


Spielen nicht überall: Joe Masi und Murena

Jetzt meldete sich Nina Hagen aka Catharina Hagen auf der öffentlichen Facebook-Pinnwand vom Verschwörungstheoretiker Wolfgang Eggert zu Wort, nachdem sich dieser dort ausgeweint hatte. Wenn „Wolfi“ beschimpft und verunglimpft werde, mache sie das traurig, so Hagen ergriffen. Sie habe doch schon „stundenlange Gesprächsrunden“ mit ihm und anderen „mutigen deutschen Selbstständig …- Denkern“ erlebt und gefilmt. Als Beispiele für Aggregate deutscher Denkkunst nennt Hagen die Verschwörungstheoretiker Frieder Wagner und Marion Küpkers. Es folgen 2.364 Zeichen Irrsinn von „sexuellen Ritualverbrechen an Kindern“, „Conterganhersteller Grünenthal“, „Wölfen in Schaafpelzen“ und den „wahren Schuldigen im braunen Miljöh.“ (Orthographie jeweils wie im Original) – und endet biblisch mahnend: „Geldgier ist eine Wurzel alles Übels; danach hat einige gelüstet und sie sind vom Glauben abgeirrt und machen sich selbst viel Schmerzen.“

Rede und Antwort
Derweil erhielt Schlamassel Muc eine Stellungnahme mit der Bitte, die „falsche Darstellung“ des erschienenen Artikels zu „berichtigen“. Hervorhebungen von Schlamassel Muc:

„Wir habe gerade den Artikel über DorianGrey im Hotter gelesen. Wir finde es ja sehr nett, dass ein Gast uns wahrgenommen hat, aber irgendwie wäre es schon cool gewesen, wenn der Gast einmal sich bei irgendwem gemeldet hätte, ob das was er da schreibt, auch richtig ist. Hättet er das gemacht, hättet er von Seiten der Redaktion erfahren, das sie mit dem Blog nix zu tun haben.“

Dieser erste Abschnitt kündigt an, Klarheit zu schaffen über die Identitätslage von der Party im Bunker „DorianGray im Hotter“ einerseits und dem verschwörungstheoretischen Portal auf doriangrey.net andererseits, wenngleich die E-Mail Adresse des Autors felixvombunker@doriangrey.net bereits andeutet, dass es ein schwieriges Unterfangen werden könnte, Bunker und doriangrey.net auseinanderzuhalten. Welchen Hut bzw. wieviele Hüte Felix von DorianGrey beim Schreiben jener Zeilen aufhatte, ist ihm offenbar selbst ein Rätsel. Die Redaktion, das scheinen die Grammatik überwältigend viele zu sein, sodass ein einfaches Singular im weiteren Fortgang des Satzes nicht mehr ausreicht. Hingegen ist das „Wir“ dermaßen zur Einheit verschmolzen, dass „Wir“ nicht mehrheitlich haben oder finden wollen, sondern bereits – irgendwie cool vermutlich – zum „Wir habe“ und „Wir finde“ übergegangen sind. Weiter heißt es:

Wir haben mit doriangrey.net eine Kooperation. Die Kooperation besteht nur aus gegenseitigem Marketing. Wir haben keinerlei Einfluss auf Inhalte auf doriangrey.net und doriangrey.net hat keinerlei Einfluss auf Künstler und Bands. Die Kooperation hat den Zweck der gegenseitigen Promo.“

Nichts miteinander „zu tun“, aber eine „Kooperation“ zur „gegenseitigen Promo“, personelle Überschneidungen sind vermutlich rein zufälliger Natur. Das klingt an, wie das Holding-Model einer Konzernmutter ohne Beherrschungsvertrag, nach der Vorstellung eines Marketing-Schülers im ersten Semester. Der Autor scheint sich in diesem betriebswirtschaftlich anmutenden Prozess im schizophrenen Sinne selbst in der Mitte zu teilen und das im ersten Absatz anklingende Identitätsproblem beredt fortzusetzen. Die ungekürzte Stellungnahme endet mit:

„Wir habe das Impressum von doriangrey.net übernommen, weil wir dachten, ein Blog muss ein Impressum haben. Da dem aber nicht so ist, haben wir die Impressumsseite durch eine Kontaktseite ersetzt.“

Wenn „DorianGrey im Hotter“ mit dem verschwörungstheoretischen Portal DorianGrey schon „nichts zu tun“ hat (außer kooperieren), warum „habe wir“ – um beim Jargon zu bleiben – dann nicht die auf seltsame Weise eigenständige Crew von „DorianGrey im Hotter“ von Anfang an im Impressum des Blogs eintragen? Die Denkaufgabe für mutige deutsche Selbstständig …- Denker am Freitag.

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Münchens Partyzone gegen „Endzeit-Rabbis“ February 28, 2012 | 12:46 am

Die Punkrock-Urgesteine Joe Masi und Murena werden kommenden Mittwoch nicht im Bunker „Herr Hotter“ auftreten. Die regelmäßige Veranstaltung „DorianGrey im Hotter“ entpuppte sich nämlich als ein Projekt des Münchner Verschwörungstheoretikers Wolfgang Eggert. Und das war nicht einmal ein gut gehütetes Geheimnis.


Eggert bei der Vorstellung des Portals DorianGrey

Der Club „Herr Hotter“ im Zentrum Münchens zog nach seiner Eröffnung schnell die Aufmerksamkeit der Münchner Party-Avantgarde auf sich. Im Hochbunker aus dem Jahre 1942 mischt sich der Charme des Improvisierten mit morbider Betonromantik; zudem ist die verwinkelte Immobilie bis zu ihrem Verkauf nur kurze Zeit bespielbar – die Veranstaltungen tragen Namen wie „Schutzraum-Übung“ oder „Bunker-Alarm“ – die perfekten Zutaten also, um den Röhrenjeans-Mainstream neben dem Röhrenjeans-Mainstream zu begeistern. Seit kurzem gastiert dort Mittwochs auch die regelmäßige Veranstaltung „DorianGrey im Hotter“. Was viele Gäste bislang offenbar nicht wussten: Hinter der Veranstaltung „DorianGrey“ verbirgt sich wenig überraschend das gleichnamige Online-Portal von Wolfgang Eggert und Felix Vogl. Die neue Internetadresse richtet sich an ein junges Publikum, kommt laut Macher „Tabulos – Unangepasst – Spannend – Jung“ daher, das Logo „DG“ erinnert zudem stark an die Modemarke „Dolce und Gabbana“.

Tatsächlich lassen sich auf dem Portal DorianGrey zahlreiche Beiträge von einschlägigen Blogs der verschwörungstheoretisch beseelten „Truther“ finden, wie zum Beispiel von „Alles Schall und Rauch“ oder „The Thruthseeker“ – gemischt unter Meldungen klassischer Nachrichtenagenturen. „Das fehlte unheimlich in der Trutherszene“, gab Chefredakteur Eggert vor zirka einem Monat dem verschwörungstheoretischen Portal „Infokrieg“ bekannt, „gemischte Nachrichten“. Sein Plan sei demnach: den Blogs eine Öffentlichkeit verschaffen und langfristig aus den Werbeeinnahmen von DorianGrey finanzieren, erklärte Eggert Infokrieg seinen Masterplan im eineinhalbstündigen Interview.

Was [die Deutschen] ausmacht, wo sie herkommen
Vor wenigen Wochen stellten Eggert und sein Kompagnon Vogl die Plattform erstmals vor – u.a. auch auf den Münchner Medientagen, wo offenbar jede Gruppierung ausstellen kann, die zahlt. Die Onlinezeitung soll „Lust beim Lesen“ machen und neben dem, was in den Medien nur „unzureichend gespiegelt“ würde – weil „die Lobbies Einfluss nehmen“ – sind auch „hübsche Jungs und hübsche Mädchen“ im Angebot. „Die einfachen Menschen in Europa brennen nicht mehr“, das soll sich ändern, beschrieb Eggert die Zielsetzung des Portals bei der Vorstellung. Vogl nannte seine Hauptmotivation :

„Ich bin eines morgens zur Arbeit gefahren und musste eine Litfasssäule von Bushido sehen und dachte mir, das kann doch nicht unsere Kultur sein. Ich will die Leute wieder zu dem bringen, was sie ausmacht, wo sie herkommen. Man sollte nach Paris fahren können, man sollte da keinen McDonalds antreffen, keinen HM, sollte ein Baguette essen können, man sollte einen Franzosen sehen. Ich habe Angst, dass irgendwann alles gleich ist, dass man überall nur das Selbe sieht.“

„Endzeitliche Kräfte“
Zwischen Vogls dumpfer Hoffnung auf eine vermeintliche Reinheit der Kulturen und dem gängigen ethnopluralistischen Rassismus der sogenannten Neuen Rechten passt kaum ein Blatt. Noch deutlicher wird Eggert. Der laut EsoWatch bereits durch zahlreiche antisemitische Veröffentlichungen bekannte Autor vermutet chronisch die jüdischen Chassidim hinter einer angeblichen „Weltordnung“. Im Interview für Infokrieg bewarb er vor nur wenigen Wochen sein Werk „Israels Geheimvatikan“. Eggert aktualisierte dabei die bei „Truthern“ momentan sehr beliebte Armageddon-Theorie, wie sie auch der Kabarettist Georg Schramm vertritt. Die Theorie besagt, dass diverse religiöse Gruppen, vor allem aber die jüdischen Chassidim, auf einen dritten Weltkrieg hinsteuern wollen. Der Showdown soll der Theorie nach in Jerusalem stattfinden. Im Gegensatz zum Kabarettisten Schramm weiß Eggert aber schon, wer als Sieger hervorgehen wird: „Am Ende gewinnen die Chassidim und es verlieren die Völker.“ Jüdische Verbände forschten derzeit nämlich an Massenvernichtungswaffen, die „alle vernichten, außer die, die ein jüdisches Gen haben.“ (Minute 56) Auch der israelische Ministerpräsident Netanjahu lasse sich von den „Endzeit-Rabbis beraten“, behauptet Eggert bei Infokrieg. Die für das Weltgeschehen kaum bedeutende religiöse Gruppierung der Chassidim habe laut Eggert aber nicht nur die heutige „Weltordnung“ und morgen den 3. Weltkrieg zu verantworten, sondern leitete darüber hinaus auch gestern identitätsstiftende Anschläge ein, orakelte er in Minute 40 des Interviews:

„In dem Moment, wenn Israel in Frieden ist, wird Israel auf kurz oder lang liberalisiert und säkularisiert, die Menschen werden zu normalen(!) Menschen. Nur Druck, Außendruck, schweißt ein Volk zum Äußersten zusammen, das war schon immer so gewesen – was das Judentum anbelangt hat. Es ist interessant zu beobachten, wenn man anschaut, als das Judentum, die Israeliten Palästina unter den Römern verlassen haben. Immer dann, wenn es zu Vermischungsprozessen (!) gekommen ist, wenn sich die Masse der Israeliten, die auf der Wanderschaft waren, begonnen hat, sich mit den Umgebungsvölkern zu verbrüdern und in die Umgebungsstrukturen und Gesellschaften aufgenommen zu werden, immer dann kam ein furchtbarer Anschlag, immer dann kamen die größte Pression. Und diese Pressionen wirkten wie Schäferhunde, die die Herde zusammenhalten.“

Münchens verschlafene Avantgarde


Eggert im Interview mit „Infokrieg“: „Aids entstand in einem Genwaffenprojekt“

Dass Eggert und Vogl Zugang zur vermeintlich subversiven Partyszene in München erhielten (die so subversiv ist, dass sogar der konservative Münchner Merkur begeistert davon berichtet), überrascht deshalb, weil die beiden Chefredakteure daraus nicht einmal ein Geheimnis machten. Die Facebook-Site zur Party „DorianGrey im Hotter“ verweist ohne Schnörkel auf das übersichtliche Blog „DorianGrey im Hotter“, das im Impressum die Verantwortlichen Vogl, Eggert und DorjanGrey listet. Ein Klick offenbart auf den ersten Blick die wahnhafte Weltanschauung der Redaktion.

Die Bands Joe Masi und Murena, die am kommenden Mittwoch bei „DorianGrey im Hotter“ die Hintergrundmusik leisten sollten, haben bereits von einem Auftritt Abstand genommen. Es bleibt zu hoffen, dass den Verschwörungstheoretikern der Sprung aus ihren verrauchten Hinterzimmern in Münchens Partylandschaft nicht weiterhin gelingen wird.

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Die Liste. January 9, 2012 | 12:30 pm

Wenn deutsche Friedensfreunde gegen den Krieg mobilisieren, kann das durchaus gruselige Formen annehmen, die sie an die Seite der schlimmsten antisemitischen Regime bringt. Ein aktueller Fall ist der Aufruf „Kriegsvorbereitungen stoppen! Embargos beenden! Solidarität mit den Völkern Irans und Syriens!“, der vom Verein „Freundschaft mit Valjevo e.V.“ initiiert und am 05. Januar 2012 in der Tageszeitung „Junge Welt“ veröffentlicht wurde…

… der ganze Artikel kann im neuen Reflexion-Weblog gelesen werden.

Erdbebenwaffen, CIA-Aktionen und die Forstwagenverschwörung. Ein Jahresrückblick: January 6, 2012 | 09:34 am

Es war ein gutes Jahr für das Milieu der „Truther“ und „Infokrieger“, die die Verfasstheit der Welt verschwörungsideologisch umdeuten. Schließlich gab es die ein oder andere Katastrophe, den ein oder anderen Terroranschlag und die große kapitalistische Krise, die die Verschwörungsszene in ihrem Sinne deuteten konnte. Zeit für einen Rückblick über die wahnhaftesten und wirrsten Verschwörungskonstrukte des vergangenen Jahres…

… den ganzen Rückblick gibt es im neuen Reflexion-Weblog.

„Verschwörungstheorien statt Gesellschaftskritik“. January 6, 2012 | 07:46 am

In der Januar-Ausgabe der Programmzeitschrift des „Radio Corax“ aus Halle ist ein Artikel erschienen, in dem sich der Autor dieser Zeilen mit verschiedenen Verschwörungsfans innerhalb der deutschen Linken auseinandersetzt. Eben: „Verschwörungstheorien statt Gesellschaftskritik“. Außerdem gibt es dort einen weiteren lesenswerten Artikel über die „Wahrheitsbewegung“ zu lesen, der von Autoren des „Beatpunk“-Webzine verfasst wurde.

Mehr? Hier!

99 % gegen „Bankster“ und „Finanzkapital“ II? January 4, 2012 | 08:36 am

Die „Occupy-Bewegung“ ist in aller Munde. Am 15. Oktober 2011 gingen auch in Deutschland zehntausende Demonstrant_innen auf die Straße, besetzten Plätze, hielten öffentliche Versammlungen ab oder zelteten gemeinsam. Für den 15. Januar 2012 sind weitere Demonstrationen geplant. Die Parole lautet: „Wir sind die 99 Prozent“. Kritik ist seltener zu hören. Viele Aktivist_innen stammen aus dem verschwörungsideologischen Milieu und wurden durch Filme wie „Zeitgeist“ geprägt, in denen eine Verschwörung globaler Eliten propagiert wird, die aus dem Hintergrund die Fäden ziehen und Menschenmassen wie Marionetten bewegen würden. An den Camps und Aktionen sind auch strukturell antisemitische Zinskritiker, Verschwörungsfans, rechtspopulistische Parteikader und verschiedene Querfrontler beteiligt, die von einer großen deutschen Volksbewegung träumen. Den Soundtrack zur „Bewegung“ liefern verschwörungsideologische Bands wie „Die Bandbreite“, die auf einer Demonstration in Frankfurt auftraten. Im Occupy-Camp in Düsseldorf sind sogar Holocaust-Leugner aktiv. Am 7.01.2012 wird es einen Vortrag im AZ-Connie in Dresden geben. Dort wird die „Occupy-Bewegung“ kritisch beleuchtet werden.



Datum: 06.Januar.2012
Beginn: 18:00
Ort: AZ Conni, Dresden.
Mehr Informationen gibt es hier.

Die Holocaustleugner aus Düsseldorf II. January 1, 2012 | 12:46 pm

Nachdem auf diesem Blog auf einige Holocaustleugner und Verschwörungsfans hingewiesen wurde, die das „Occupy“-Camp in Düsseldorf bewohnen, verfassten einige „Occupy“-Aktivist_innen eine Erklärung, in der sie sich mit dürren Worten distanzierten. Zuvor war eine „ältere jüdische Dame, die mit 2 jüngeren Leuten im Camp gesprochen hatte, erklärt“ worden, dass es „keine Verfolgung und Deportation von Menschen jüdischen Glaubens in Deutschland gegeben“ habe, heißt es in einem offiziellen Protokoll der „Occupy-Bewegung“ aus Düsseldorf (PDF)…

… den ganzen Artikel gibt es im neuen Reflexion-Weblog.