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| Der Jugendverband ist in einer spannenden Entwicklung – Bericht und Einschätzung des Bundeskongresses vom BAK Shalom | May 2, 2013 | 12:50 pm |
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Vom 26. bis 28. April fand der VI. Bundeskongress (Buko) der Linksjugend ['solid] in Magdeburg statt. Er ist das oberste Beschlussorgan des Jugendverbandes und setzt sich aus den Delegationen der Landesverbände und der Bundesarbeitskreise (BAK) zusammen. Auch der BAK Shalom stellte zwei Delegierte. Neben verschiedenen Wahlen für diverse Gremien beschloss [...]
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| Linksjugend ['solid] fordert: „Viktor Orbán isolieren – kein Stimmrecht in der EU für ein autoritäres Ungarn“ | April 29, 2013 | 08:37 am |
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Folgender Antrag vom Bundesarbeitskreis (BAK) Shalom wurde am Wochenende vom VI. Bundeskongress der Linksjugend ['solid] in Magdeburg ohne Änderungen angenommen. Der BAK Shalom selbst stellte zwei Delegierte. Ein Bericht über den Bundeskongress folgt in Kürze.
Viktor Orbán isolieren – kein Stimmrecht in der EU für ein autoritäres Ungarn
Ungarn entwickelte sich unter Führung Viktor Orbáns zu [...]
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| Vortrag von Stephan Grigat am 7. Mai in Freiburg: Zweierlei Antiimperialismus? Über Antikolonialismus und Israelsolidarität | April 16, 2013 | 03:45 pm |
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In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts war es sinnvoll, zwischen unterschiedlichen antiimperialistischen und antikolonialistischen Bewegungen zu differenzieren. Man kann Ho Chi Min und Pol Pot, Fidel Castro und Idi Amin nicht in einen Topf schmeißen und es war kein Zufall, dass in Afghanistan jener Antiimperialismus, der sich auf den Roten Oktober bezog, in einen [...]
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| Bericht und Mitschnitt von Olaf Kistenmachers Vortrag „‚Proletarier aller Länder und unterdrückte Völker der Welt’? Zur Kritik des marxistisch-leninistischen Antiimperialismus“ in Berlin | March 28, 2013 | 02:20 pm |
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Am 14. März referierte der Hamburger Historiker Olaf Kistenmacher auf Einladung des Landesarbeitskreis (LAK) Shalom der Linksjugend ['solid] Berlin vor etwa 80 Zuhörenden in der Schankwirtschaft Laidak, um den marxistisch-leninistischen Antiimperialismus einer kritischen Analyse zu unterziehen.
Hierbei machte Kistenmacher deutlich, dass Lenins Beschreibung von Aktionären und Bankiers als „parasitär“ insbesondere von der KPD ab den 1920er [...]
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| Rosa in New York – BAK Shalom im Interview mit Albert Scharenberg | March 18, 2013 | 02:18 pm |
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Im Jahr 2012 eröffnete die Rosa-Luxemburg-Stiftung ein neues Büro in New York City. Zuvor war die Stiftung weder in den USA noch in Kanada vertreten. Das neue Büro wird von Stefanie Ehmsen und Albert Scharenberg geleitet. Mit letzterem führte der BAK Shalom ein Kurzinterview.
Ein Teil der Linken sieht in New York City das „Herz des [...]
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| Pressemitteilung | 14.03.2013 | Politische Interventionen in Ungarn dringend notwendig | March 14, 2013 | 04:24 pm |
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Mit großer Sorge nimmt der Bundesarbeitskreis (BAK) Shalom der Linksjugend ['solid] die jüngste Verfassungsänderung in Ungarn zur Kenntnis. Am Montag beschloss das Parlament, fortan die Aufsicht über die ungarische Verfassung zu übernehmen. In diesem besitzt Fidesz eine Mehrheit von fast 70%. Die Gewaltenteilung ist somit Vergangenheit. Mitten in der Europäischen Union haben Victor Orbán und [...]
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| „Proletarier aller Länder und unterdrückte Völker der Welt“? Zur Kritik des marxistisch-leninistischen Antiimperialismus – Vortrag und Diskussion mit Olaf Kistenmacher in Berlin | February 21, 2013 | 04:40 pm |
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Das Jahr 2013 begann vielversprechend: Zum ersten Mal lösten sich emanzipatorische Linke von der traditionellen Luxemburg-Liebknecht-Demonstration, deren ideologischer Dreh- und Angelpunkt die Huldigung nationaler „Befreiungsbewegungen“ gegen den „westlichen Imperialismus“ ist. Mit der Nation gegen das Kapital – ausgestattet mit einem derartigen Politikverständnis ist es wenig überraschend, dass regelmäßig der Gedenkstein für die Opfer des Stalinismus [...]
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| „Mit der 3D-Brille gegen Antizionismus? Kritik der Interventionen gegen den israelbezogenen Antisemitismus“ – Bericht und Mitschnitt des Vortrags von Daniel Poensgen in Halle an der Saale | January 25, 2013 | 11:36 am |
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Bereits im vergangenen Jahr hielt der Berliner Sozialwissenschaftler Daniel Poensgen am 11. Dezember auf Einladung des LAK Shalom Sachsen-Anhalt und des Alternativen Vorlesungsverzeichnis der Universität Halle einen Vortrag, in dem er die gängigen Formen der Kritik am israelbezogenen Antisemitismus kritisch in den Blick nahm und ihnen einen anderen Begriff der antisemitischen Ablehnung des jüdischen Staates [...]
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| „Der vergessene Kommunistenrabbi – zum 200. Geburtstag von Moses Hess“ – Bericht und Mitschnitt des Vortrages mit Udo Winkel | January 3, 2013 | 03:18 pm |
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Unter dem Titel „Der vergessene Kommunistenrabbi - zum 200. Geburtstag von Moses Hess“ luden die Theoriezeitschrift EXIT! Krise und Kritik der Warengesellschaft, Haskala Bayern – Plattform gegen Antisemitismus und der LAK Shalom der Linksjugend ['solid] Bayern am 11.12.2012 zu einem Vortrag mit Diskussion in das selbstverwaltete Jugendhaus Erlangen.
Etwa 40 Interessierte folgten im gut gefüllten Raum [...]
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| Die Horror-Show des Harry Fear. | January 2, 2013 | 10:57 am |
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Wer in den vergangenen Wochen eine Veranstaltung besuchte, bei der es um den Gaza-Streifen und um Israel ging, könnte dort einen Menschen erlebt haben, der sich der Sache der Hamas verschrieben hat. Der britische Dokumentarfilmer Harry Fear bereist zur Zeit die Provinzstädte und die Metropolen des Kontinents, um in alten Kirchen und in großen Gewerkschaftshäusern über seine Sache zu sprechen.
Kurioserweise wird man in den Werbeclips und in den Veranstaltungen des Harry Fear wenig über die reale Praxis der von ihm beworbenen Mordbanden erfahren. Die mörderischen Attacken, bei denen sich die mit Nagelbomben bepackten Aktivisten bevorzugt in Schulen, Einkaufszentren und Linienbussen in die Luft sprengten, um möglichst viele Jüdinnen und Juden zu ermorden, werden von ihm nicht erwähnt. Dafür dürfen die Sprecher dieser Terrortruppe in seinen Videos ausführlich über ihren Kampf gegen Israel schwadronieren. Hinzu kommen anti-israelische Grusel-Storys über die israelische Armee und den dazugehörigen Staat. Das sind die wichtigsten Inhalte von Fears Horror-Show, die dieser in Kirchen und Gewerkschaftshäusern präsentiert. Dort berichtet Fear über seine Erlebnisse in Gaza, um die Herzen der Menschen erfreuen, die gruselige Märchen über die israelische Armee hören wollen. Diese würde, so behauptet es Fear, eine „Endlösung“ anstreben. Der Dokumentarfilmer scheint seine Parteinahme für den Antisemitismus schon lange vollzogen zu haben. Darauf verweisen auch einige Fotos, auf denen Harry Fear voller stolz zwischen vermummten Kadern der antisemitischen Hamas posiert, die ihre Waffen präsentieren. Darauf verweisen aber auch die Interviews, die Fear dem iranischen Sender Press.TV gab. Es handelt sich um einen Sender, in dem ansonsten bevorzugt die Shoa geleugnet oder antisemitische Verschwörungskonstrukte beworben werden.
Andere Fotos des umtriebigen Akteurs sind nicht so martialisch gehalten, vielleicht sollen sie die Herzen seiner Zielgruppe ansprechen. Kleine Kinder, die traurig oder kämpferisch in die Kameras schauen, sind ein weiteres bevorzugtes Fotoobjekt des britischen Aktivisten. Diese Fotos zeigt Harry Fear nun auf den Veranstaltungen, mit denen er die Sache bewirbt, die ihm augenscheinlich am Herzen liegt. Wer eine seine Veranstaltungen besucht wird außerdem ein Video zu sehen bekommen, das Harry Fear zur Beweisführung heranzieht. Dort nähert er sich, gemeinsam mit anderen Kameraden, der israelischen Grenze, worauf ihm gedroht wird. Mit derartigen Filmen erfreut er seine Zuschauerinnen und Zuschauer, die seinen Gruselvideos gerne sehen. Die dazugehörigen Gruselgeschichten, die er mit Videos und Fotos garniert, werden ebenso gerne gehört. Der Dokumentarfilmer wurde zum Beispiel von Institutionen der evangelischen Kirche in Oldenburg eingeladen, um seine Hamas-Horror-Show in der größten Kirche der kleinen Provinzstadt darzubieten. Hunderte folgten der Einladung, an der unter anderem die evangelische „Akademie“ beteiligt war, die ansonsten paradoxerweise „Konzerte gegen Rechts“ unterstützt. Ob diese Institution auch am „Friedenspreis“ beteiligt war, die ein Diakon nach der Veranstaltung überreichte, ist nicht überliefert. Sicher ist aber, dass Harry Fear, auf Einladung eines Lehrers sogar die Kinder einer örtlichen Gesamtschule belästigen durfte. Außerdem besucht er die staatlichen Rundfunkstudios, um von besorgten Kollegen über die Zustände befragt zu werden. Der ORF und Radio Bremen entblödeten sich nicht, Harry Fear zum Gespräch zu bitten. In Bremen besuchte der Dokumentarfilmer nicht nur ein Radiostudio. Fear hielt vor den Aktivisten der örtlichen Friedenstruppe, deren berüchtigste Aktionsform der Aufruf zum Israel-Boykott darstellt, seine kleine Horror-Show ab. Kiel und Hamburg waren weitere Stationen, bevor es – nach einem Abstecher in die Niederlande — gen Österreich ging. Dort sprach Fear an der Universität Wien und für eine islamistische Vereinigung. Es waren nicht nur kirchliche Institutionen, sondern auch ein Arbeitskreis der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) und eine parteinahe Stiftung, die die Abende ausrichtete. Die Gewerkschaft stellte daher auch ihr Räumlichkeiten zur Verfügung. Eine weitere Veranstaltung wurde in den Räumen der Grünen Heinrich-Böll-Stiftung aus Schleswig-Holstein ausgerichtet, die die Werbeveranstaltung des Harry Fear offenherzig unterstützte. Dieser fordert auf den Veranstaltungen ein „Recht auf bewaffneten Widerstand“ ein und offenbart sich auch auf diese Weise als inoffizieller Sprecher der antisemitischen Terrorbanden, die Israel mit Vernichtung bedrohen. In dieser Rolle wird Harry Fear auch in Zukunft durch Gewerkschaften, Kirchen und Stiftungen hofiert werden, die seine Gruselgeschichten über Israel und seine Huldigungen der Hamas nur zu gerne eine Bühne bieten werden. „Mag sein, dass ihn seine Nähe zu den Menschen in Gaza einseitig sein lässt. Ein Veranstaltungsteilnehmer spricht von Propaganda. Aber ich bin ihm dankbar”, schreibt ein begeisterter Kirchenbesucher in einem mittlerweile gelöschten Kommentar. Eine derartige Horror-Show wird in Deutschland eben gerne gesehen. |
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| Rosa & Karl: Gedenken in der Krise | December 28, 2012 | 01:44 pm |
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Im Januar 2013 werden wir als Bündnis „Rosa & Karl“ mit einer Demonstration und einer Aktionswoche an Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht erinnern.
Am 15. Januar 1919 wurden Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht – Vertreter*innen des revolutionären SPD-Flügels und Gründungsmitglieder und Vorsitzende der KPD – durch eine „Bürgerwehr“ festgenommen und in das damalige Hotel Eden unweit [...]
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| Israelkritik als die Fetischisierung von Staatlichkeit – Bericht und Mitschnitt des Vortrages über den Jargon der Israelkritik von Leo Elser in Freiburg | December 17, 2012 | 09:06 am |
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So wie der Antisemitismus die Fetischisierung der Warengesellschaft sei, so sei die Israelkritik die Fetischisierung der Staatlichkeit, erklärte Leo Elser in seinem Referat am 30. November 2012 zum Jargon der Israelkritik vor den rund 30 Zuhörenden an der Albert-Ludwigs-Universität in Freiburg im Breisgau. Eingeladen hatte der stipendiatische Arbeitskreis Antisemitismus beim Studienwerk der Rosa-Luxemburg-Stiftung, der Landesarbeitskreis [...]
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| Die Legende vom Vorwissen. | December 13, 2012 | 09:11 am |
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Die Autoren, die sich mit dem 11. September 2001 befassen und dabei den ein oder anderen Mythos vom „Inside Job” in die Welt posaunen, machen es sich einfach. Da werden verkürzte, verfälschte und gefälschte Zitaten mit Halbwissen und Lügen garniert, um den Mythos von der Verschwörung zu spinnen, die für alles — und eben auch für islamfaschistischen Anschläge des 11. September 2001 — verantwortlich sein soll. Da werden aber auch amerikanische Filme und Serien mit einer manischen Pedanterie nach angeblichen Beweisen durchsucht, mit denen man davon überzeugen will, dass in Wirklichkeit eine mysteriöse Verschwörung für die Anschläge verantwortlich wäre. Dieser angeblichen Verschwörung wird eine ungeheuere Macht nachgesagt. Sie kontrollieren, so behauptet es der Verschwörungsautor, sogar die Filmindustrie und das Fernsehen. Schließlich habe die angeblichen Konspirateure — Jahre vor dem 11. September 2001 — in verschiedensten Filmen und Serien Hinweise hinterlassen. Die Verschwörungsideologen, die im Gewand des allwissenden Aufklärers auftreten, weisen in ihren Büchern auf diese angeblichen Hinweise hin, die sie entdeckt haben wollen. Der verschwörungsideologische Autor Gerhard Wisnewski, dessen Bücher im bekannten und renommierten Knaur-Verlag erscheinen, schreibt zum Beispiel in seinem neuesten Buch über über einige Filme, die er mit den Ereignissen in Verbindung bringt. Wisnewski beschäftigt sich dort unter anderem mit dem Science Fiction Film „Independence Day”, der eine Alien-Invasion zeigt. Der Film stammt aus dem Jahr 1996 und zeigt in bombastischen Bildern, wie die großen Städte der Welt durch riesige Raumschiffe, die einen gigantischen Laserstrahl einsetzen, vollkommen zerstört werden. Dabei ist auch zu sehen wie New York durch Feuerbälle und gigantische Explosionen vernichtet wird. Für Gerhard Wisnewski sind diese Szenen ein Hinweis, weil „man” angeblich „genau die gleichen Rauchwolken durch die Straßenschluchten wabern“ sieht, „wie später am 11. September 2001“. Wisnewski ist daher überzeugt: Für ihn sind die Ereignisse des 11. September 2001 „in Teilen ein Remake von Independence Day“. Mit dieser Behauptung kann Wisnewski an eine Legende anknüpfen, die von verschiedenen Verschwörungsideologen verbreitet wird, die dabei auch auf andere Filmen und Serien zurückgreifen. Es handelt sich um die Legende vom Vorwissen, die nicht nur mit diesem Film belegt werden soll. Einige Verschwörungsgläubige glauben zum Beispiel, dass in dem Film „Super Mario Brothers”, der aus dem Jahr 1993 stammt, der 11. September 2001 verhergesagt wurde, weil dort zu sehen ist, wie sich das World Trade Center in ein Gebäude des Bösewichts verwandelt. Nun kursiert ein kurzer Filmschnippsel, mit dem die Behauptung belegt werden soll, dass die Anschläge vorausgeahnt worden seien.
Auf diese Weise wird die Legende vom Vorwissen gesponnen. Mit plumper Numerologie, verfälschten Deutungen und der ein oder anderen Serie soll das Konstrukt der gigantischen Verschwörung untermauert werden, an der sogar der Simpsons Produzent Matt Groening, der Akte X-Macher Chris Carter und der Independence Day Regisseur Roland Emerich beteiligt sein könnte. Die Märchenerzähler zum 11. September werden sicherlich noch weitere Filme und Fernsehserien entdecken, mit denen sie ihre Mythen belegen wollen. Schließlich werden auch in anderen Filmen und Serien Gebäude und Städte zerstört oder sind Zahlen zu sehen, die in den Augen der Gläubigen eine neue Bedeutung bekommen. Letzendlich werden hier Gedanken aufgegriffen, die bereits für vorherigen Weltverschwörungsideen konstitutiv waren. In den Werken der Verschwörungsindustrie wurde bereits Anfang des letzten Jahrhunderts behauptet, dass die angebliche Verschwörung die Medien kontrollieren würden und ganze Städte in die Lufts sprengen könne. Die heutigen Autoren, die die Ereignisse des 11. September benutzen, scheinen an diesen Wahn anzuknüpfen. In ihrem Konstrukt werden die großen Medien ebenfalls durch die übermächtige Verschwörung dominiert, die sogar so dreist ist, Jahre vor den Anschlägen bestimmte Hinweise in harmlosen Spielfilmen und Serien zu hinterlassen, bevor sie zur Sprengung schritt. Letzendlich knüpfen also auch heutige Verschwörungsideologen an die Wahnideen an, die bereits von ihren geistigen Ahnen beworben wurden. Die Gerhard Wisnewski Zitate stammen aus folgendem Buch: Operation 9/11– Der Wahrheit auf der Spur. Knaur Taschebuch Verlag. München, 2011. Seite 227 ff. |
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| Bericht und Mitschnitt von der Podiumsdiskussion „Antiziganistische Zustände – Stimmungsmache gegen Sinti und Roma in Europa“ | December 12, 2012 | 11:58 am |
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Am 29. November 2012 fand an der Universität Leipzig die Podiumsdiskussion „Antiziganistische Zustände – Stimmungsmache gegen Sinti und Roma in Europa“ statt. Zu Gast waren Anna Striethorst von der Rosa-Luxemburg-Stiftung aus Brüssel und Max Wegener, der Mitglied der Linksjugend Leipzig ist und im Herbst 2012 an der Delegationsreise des Bundesarbeitskreises (BAK) Shalom nach Ungarn teilnahm.
Im [...]
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| Unterschriften-Querfront. | December 8, 2012 | 09:47 am |
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Am 12. Dezember 2012 entscheidet der deutsche Bundestag über einen Antrag der Bundesregierung. Dann soll über die „Entsendung deutscher bewaffneter Streitkräfte zur Verstärkung der integrierten Luftverteidigung der NATO in der Türkei“ abgestimmt werden. Vor der Abstimmung bekommen die Abgeordneten allerdings Post. Es ist ein offener Brief, der von zunächst durch Klaus Hartmann, dem Bundesvorsitzenden des Deutschen Freidenker-Verbandes unterzeichnet wurde und für den nun Unterstützer gesucht werden. Mit diesem Brief werden die Abgeordneten aufgefordert, für „die strikte Neutralität Deutschlands in diesem Konflikt aktiv zu werden“. Die Taten des Assad-Regimes werden in der Einschätzung des Bürgerkrieges, der im Brief zu finden ist, nicht erwähnt. Dafür ist von „Terrorbanden“ und von den „Feinden der rechtmäßigen syrischen Regierung“ die Rede, die durch ein verschwörerisches Komplott der Türkei unterstützt werden würden. Es gehe um einen „Stellvertreterkrieg“, behaupten die Unterzeichner des „Offenen Briefes“, in dem von „bewaffneter Banden“ die Rede ist, die „aus der Türkei“ nach Syrien „eindringen“ würden. Außerdem wird vor der „Gefahr eines Weltkriegs“ gewarnt, der für die Unterzeichner des Briefes anscheinend bevorstehen könnte. Dieser Brief wird nun von Tageszeitungen und auf Internetseiten beworben. Er findet sich zum Beispiel in der nationalbolschewistischen Tageszeitung „Junge Welt“, die den Brief dokumentierte und die dazugehörige Internet-Unterschriftenliste bewarb. Der Brief findet sich aber auch auf den Internetseiten der nationalsozialistischen Internetseite „Sache des Volkes“, die offensichtlich von Jürgen Schwab, dem ehemaligen Leiter des Arbeitskreises Volk und Staat beim NPD-Parteivorstand, verbrochen wird. Den Forderungen des Deutschen Freidenker-Verbandes können offensichtlich anti-imperialistische deutsche Linke und nationalsozialistische deutsche Rechte zustimmen, die durch den Hass auf die USA geeint sind. Dies wird auch durch die Sätze deutlich, mit der einige Unterzeichner ihre Zustimmung dokumentiert haben. Ein Freidenker behauptet dort, dass die Bundeswehr die „Berufsarmee einer provisorischen Regierung ‚BRD’“ sei, für die er „die Alliierten“ verantwortlich macht. Ein weiterer Unterstützer bezeichnet die USA als „Moloch“ und „Monster“. Andere faseln ganz verschwörungsideologisch von einem geheimnisvollen Plan des George Bush, der „US-hörige Regierungen“ in der Region installieren wolle oder fürchten, dass Deutschland im „Namen der Imperialmächte in den Krieg verwickelt“ werden könne. Es ist der Hass auf die USA und die Sorge um das vermeintlich unterdrückte Deutschland, der zahlreiche Unterstützer anzutreiben scheint. Hier offenbart sich eine ideologische Querfront, die von Friedensgruppen-Kadern bis zum Ratsmitglied einer nationalsozialistischen Partei reicht. So finden sich üblichen Namen, die auf vielen Unterschriftenlisten zu entdecken sind, mit denen das ein oder andere Regime gestützt wird. Die Unterschrift eines NPD-Stadtrates lässt sich ebenfalls entdecken. Neben einem Aktivisten des „Bremer Friedensforums“ und den Kadern des Deutschen Freidenker-Verbandes, die den Brief ihres Vorsitzenden unterstützen, sticht ein Name besonders hervor. Der Nationalsozialist Michael Schnorr ist Mitglied der NPD und sitzt für diese Partei im Rat der Stadt Wuppertal. Er hat den offenen Brief augenscheinlich ebenfalls unterzeichnet. „Zersägt die Atlantik-Brücke, setzt die Preussische Verfassung erneut in Kraft und schliesst einen Friedensvertrag mit Putin“, fordern gleich zwei weitere Unterstützer des „Offenen Briefes“. Diese Unterstützer treiben sich, wenn sie gerade keine Briefe unterzeichnen, mit Vorliebe auf obskuren Internetseiten herum. Dort hetzen sie in antisemitischer Manier gegen „die Zionisten“ oder empfehlen den ein oder anderen Verschwörungsfilm, mit dem sie zum Beispiel vor mysteriösen „satanischen Blutlinien“ warnen wollen. Mit ihrem „Offenen Brief“ hat der Bundesverband der Deutschen-Freidenker eine ideologische Querfront mobilisiert. In ihrem Brief schwadronieren sie von einem „fundamentalen Bedürfnis des deutschen Volkes“ und bedienen nebenbei allerhand verschwörungsideologische Konstruktionen, die den Bürgerkrieg auf das Wirken der Türkei und der anderen NATO-Staaten zurückführen. Die Rolle des mörderischen Assad-Regimes wird im geschichtsrevisionistischem Gegenzug verschwiegen. Kein Wunder, dass sich auch Nazis und Verschwörungsgläubige angeschlossen haben, die ganz ähnliche ideologische Konstrukte propagieren. Der Deutsche Freidenker-Verband hat damit genau die Unterstützer heraufbeschworen, die er verdient.
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| Die Dokumente der Bilderberger. | December 6, 2012 | 10:05 am |
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Auf der Internetseite des berüchtigten Kopp Verlages wurden, in Zusammenarbeit mit verschwörungsideologischen „Mysteries“–Magazin, einige alte Dokumente über die Bilderberger-Konferenzen veröffentlicht, denen verschiedene Verschwörungsideologen eine unglaubliche Macht unterstellen. Die Bilderberger-Konferenz findet seit den 50er Jahren des letzten Jahrhunderts statt, dort kommen Politiker, Manager und Journalisten zu einem losen Gedankenaustausch zusammen. Dabei werden Sonntagsreden gehalten und Kontakte geknüpft. Weil die Teilnehmer oftmals über den Inhalt dieser Sonntagsreden schweigen, haben Verschwörungsideologen ein leichtes Spiel. Sie behaupten zum Beispiel, dass auf diesen Konferenzen wichtige Entscheidungen, etwa über den nächsten Kanzlerkandidaten der SPD oder den zukünftigen Präsidenten der USA, getroffen werden würden. Einige Autoren der Verschwörungsszene gehen sogar so weit, in der Konferenz, die einmal im Jahr an wechselnden Orten stattfindet, den Kern einer zukünftigen „Weltregierung“ erkennen zu wollen. Dies ist nichts Neues: Der rassistische, antisemitische und antikommunistische Autor Gary Allen, der 1971 das verschwörungsideologische Standartwerk „Die Insider“ veröffentlichte, schrieb damals, dass das „ultimative Ziel der Bilderberger (…) eine Weltregierung“ sei. Als Verantwortliche wurden die üblichen Verdächtigen ausgemacht. In fast jedem Pamphlet zur Konferenz werden seitdem die typischen Chiffren verwendet: Hier ist von den Rockefellers und Rothschilds die Rede, denen Verschwörungsideologen im antiamerikanischen und antisemitischen Wahn unterstellen, dass sie – so Allen — nach „einer Welt-Superregierung“ streben würden. Dieses verschwörungsideologische Konstrukt wird auch auf den Internetseiten des Kopp-Verlages reproduziert. So warnt etwa Webster G. Tarpley auf den Internetseiten, auf denen sich Verschwörungsgläubige außerdem über „spirituelle Vorsorge“ und die baldige Wiedereinführung der Deutschen Mark belehren lassen können, vor den „Bilderbergern“ als „Wurzel der Macht und Weltherrschaft“. Im Verlagsprogramm sind die dazu passenden Bücher zu finden. Dort berichtet etwa Andreas von Réttyi, der ansonsten auch über angebliche Außerirdische auf Erden aufklären möchte, auf 320 Seiten von den angeblichen Machenschaften der „Bilderberger“, die für ihn „das geheime Zentrum der Macht“ darstellen.
Wer einen Blick in die Papiere wirft, wird allerdings vor allem auf Belanglosigkeiten stoßen. Dort sind zum Beispiel seitenweise Dankesschreiben zu finden, mit denen für die Teilnahme an dem Treffen gedankt wird. Dort bedankt sich der eine beim anderen für den „netten Brief“ und schlägt vor „in Kontakt“ zu bleiben. Außerdem gibt es einen Überblick über die Reden, die auf den angeblich so mysteriösen Treffen der „Bilderberger“ gehalten wurden. Es handelt sich um belanglose Sonntagsreden und Debattenbeiträge, in denen es um die damalige Situation in Europa, um die „Friedensbewegung“ und um Auf– oder Abrüstung geht. Da spricht der damalige Bundeskanzler Schmidt von der „gleichberechtigten Partnerschaft“ zwischen den NATO-Mitgliedern und der Situation in Afghanistan, da schwafelt der damalige Wirtschaftsminister Otto Graf Lambsdorf „von der Verpflichtung, den Zusammenhalt der Gemeinschaft freier Völker (…) zu festigen“. Da finden sich seitenweise belanglose Finanztabellen, Verabredungen zu Abendessen und Stichworte für zukünftige Telefongespräche. Ein Blick in diese Dokumente macht allerdings deutlich, wie irrational und wahnhaft der verschwörungsideologische Blick auf das Treffen der „Bilderberger“ ist. Verschwörungsideologen machen aus dem Treffen einiger Politiker, die Zusammenkunft einer angeblichen „Weltregierung“, vor der sie dann lautstark warnen. Aus den Dokumenten, die nun veröffentlicht wurden, geht allerdings nur hervor, dass auf diesen Zusammenkünften belanglose Reden gehalten werden, die sich in keiner Weise von den Reden unterscheiden, die Bundestag oder auf den Parteitagen zu hören sind. Von dieser Tatsache werden sich die Verschwörungsideologen allerdings nicht abhalten lassen, um weiterhin das wahnhafte Konstrukt von der angeblichen „Weltregierung“ zu verbreiten, die einmal im Jahr zum Bilderberger-Treffen zusammenkommt. Darauf verweist auch der Bericht des „Mysteries“–Magazins: „Trotz Verbot enthüllt: die Bilderberg-Geheimnisse der Bundesregierung“, heißt es hier reißerisch. Dort ist ebenfalls von der „Weltregierung” die Rede. Sicherlich werden die Dokumente auch weiterhin von dem einen oder anderen Verschwörungsautor missbraucht werden, um das irrationale Konstrukt von der „Weltregierung“ zu verbreiten. Schließlich geht es ihnen nicht um Fakten, sondern um die verschwörungsideologische Umdeutung der Realität. Die Dokumente können hier heruntergeladen werden. |
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| permalink | tags: Andreas von Réttyi, Antisemitismus, bilderberger, Gary Allen, Hauptartikel, Kopp-Verlag, Mythen | |
| Vortrag in Halle an der Saale am 11. Dezember: Mit der 3D-Brille gegen Antizionismus? Kritik der Interventionen gegen den israelbezogenen Antisemitismus | November 30, 2012 | 06:32 pm |
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Ohne die Kritik seiner israelbezogenen Spielart lässt sich Antisemitismus nicht mehr treffend kritisieren. Der jüdische Staat ist auch in Deutschland das bevorzugte Objekt von Antisemiten, um endlich das sagen zu können, was sie sich über die Juden nicht einmal mehr zu denken trauen.
Das hat sich längst rumgesprochen: Vom Antisemitismusbericht der Bundesregierung, über Frank Schirrmacher in [...]
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| permalink | tags: Antisemitismus, Antizionismus, Daniel Poensgen, Halle an der Saale, Hauptartikel, Israel, LAK Shalom, Sachsen-Anhalt, Termine, Veranstaltung, Vortrag | |
| Vortrag am 10. Dezember in Erlangen: Der vergessene „Kommunistenrabbi“ – Zum 200. Geburtstag von Moses Hess | November 29, 2012 | 10:26 am |
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Um Moses Hess ist es still geworden, seine Werke sind vergriffen und bestenfalls noch antiquarisch zu erwerben. Das sah vor dreißig Jahren noch etwas anders aus. Im Zuge der Beschäftigung mit Marx und seinen theoretischen Voraussetzungen seit der Studentenbewegung war der Linkshegelianismus und frühe Kommunismus und damit auch Moses Hess wiederentdeckt worden. Seine Schriften [...]
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| permalink | tags: Bayern, die linke, Erlangen, Hauptartikel, LAK Shalom, Moses Hess, Termine, Udo Winkel, Veranstaltung, Vortrag | |
| Die Raketen-Verschwörung. | November 21, 2012 | 03:51 pm |
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Mit den Angriffen auf Israel, das sich einem beispiellosen Raketenterror ausgesetzt sieht, blühen auch Verschwörungsmythen. Ein Artikel des Hartmut Barth-Engelbart dürfte den Personen gefallen, die den Terror der Antisemiten nicht wahrhaben wollen und daher nach dem erstbesten Strohhalm greifen, der ihnen gereicht wird. Dieser Strohhalm ist in diesem Fall ein verschwörungsideologisches Konstrukt, mit dem die Opfer des Raketenbeschusses zu Tätern gemacht werden. „Beschießen israelische Spezial-Kommandos israelische Städte”, fragt Barth-Engelbart scheinheilig auf seiner Internetseite. Selbstverständlich liefert der Autor auch eine vorhersehbare Antwort. Dabei beruft er sich auf angebliche „israelische Dissidenten”, die ihm seine anti-israelische Gruselstory bestätigt haben möchten. Wenn Barth-Engelbart seinem „lange gehegten Verdacht” freien Lauf lässt, dass „die meisten der Raketenabschüsse von GAZA” durch „‘IDF’-Spezialkommandos” verübt werden, dürfte dies das Herz der Antisemiten erfreuen, die Israel sogar noch für die israelischen Toten verantwortlich machen möchten. Das verschwörungsideologisches Konstrukt dieses Autoren läßt sich daher auch auf antisemitischen Internetseiten entdecken. Auf einer dieser Seiten wird ein „germanisches Kulturerbe” gepflegt. Auf der Internetseite der linksdeutschen „Neuen Rheinischen Zeitung” wurde der Artikel allerdings ebenfalls veröffentlicht. Es ist das Gerücht über Israel, das mit dem Märchen des Hartmut Barth-Engelbart neue Nahrung findet. Sein Gerücht dürfte daher auch in den kommenden Tagen auf den einschlägigen Internetseiten verbreitet werden. |
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| permalink | tags: Aktivisten, Antisemitismus, Hartmut Barth-Engelbart, Hauptartikel, Israel, Kleinkram, Linke Deutsche, Mythen, querfront | |
| Die Zusammenkunft. | November 20, 2012 | 08:54 am |
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Am 24.11.2012 wird die nächste Konferenz des Jürgen Elsässer im Henry-Ford-Bau der Freien Universität Berlin stattfinden. Der Veranstalter ist Herausgeber des „Compact Magazins”, in dem verschiedene Verschwörungsideologen ihre Mythen und Märchen verbreiten. Hier werden etwa die Ereignisse des 11. Septembers 2001 und die Morde des „Nationalsozialistischen Untergrundes” einer Umdeutung unterzogen. Der gemeinsame Nenner ist die verschwörungsideologische Umdeutung der Realität, die mit einer deutschnationalen, anti-amerikanischen und anti-israelischen Positionierung einhergeht. So wird im Magazin etwa ein verschwörungsideologischer Bogen, von „illegaler Einwanderung” über „grenzüberschreitender Kriminalität” bis zu den „US-Truppen” gespannt. Dort veröffentlicht etwa Oliver Janich, Vorsitzenden der rechtspopulistischen „Partei der Vernunft”, seine Artikel. Diether Dehm, Volksmusikant, Linkspartei-Aktivist und „glühender Verschwörungstheoretiker”, ließ sich zum Interview bitten. Der ehemalige RBB-Moderator Ken Jebsen schreibt dort gegen den „Zentralrat der Juden” und die israelische Regierung an. Gemeinsam mit Jürgen Elässser wird Jebsen, der sich in der Vergangenheit auch an einer Grabschändung beteiligte, ebenfalls die Moderation der Konferenz übernehmen, auf der zahlreiche Autoren und Interviewpartner des „Compact-Magazins” zu sehen sein werden. Hier soll es um die „Souveränität Deutschlands” gehen, die den Veranstaltern am Herzen liegt. Dabei möchte man über angebliche allierte Geheimverträge und über die Reichsverfassung von 1871 debattieren. Zu diesem Spektakel des Deutschnationalismus wird Karl Albrecht Schachtschneider angekündigt, der mit seinen Kameraden von NPD und FPÖ gegen den Euro vorgeht, um anti-europäische Ressentiments zu betreiben. Dabei setzt er sich auch für ein Recht auf Holocaustleugnung ein. Auf der Konferenz soll aber auch Jan von Flocken sprechen, der verschiedene Verschwörungsmythen, zum Beispiel zum japanischen Angriff auf Pearl Harbour, im Repertoire hat. Außerdem wird unter anderem der gealterte FDP-Politiker Helmut Schäfer angekündigt, der als außenpolitische Sprecher der FDP-Fraktion bereits in den 80er Jahren des letzten Jahrhunderts den Jürgen Möllemann gab und von einem „israelischen Expansionsdrang” sprach, gegen den Appelle nicht ausreichen würden. Auf der „Souveränitätskonferenz” wird dieser deutsche Politiker daher „über Israel” sprechen. Schäfer treibt die Sehnsucht nach einem starken deutschen Staat an, der gegen Israel in Stellung gebracht werden soll. Man kann sich also ausmahlen, was er dort von sich geben wird. Außerdem werden weitere Referenten aus Russland angekündigt, die Elsässers Traum von einem deutsch-russischen Bündnis entsprechen. Das Werbeplakat ziert ein Foto des Peter Scholl-Latour, der in der Vergangenheit bereits im „Compact Magazin” interviewt wurde und der ebenfalls auf der Konferenz sprechen wird. Der umtriebige Autor, der mit der rechtskonservativen „Jungen Freiheit” verbandelt ist, gilt hierzulande als Nah-Ost-Experte, was durch unter anderem dadurch zu erklären ist, das er einen deutschen Blick auf die Verhältnisse im nahen Osten anbietet, die die gepeinigte deutsche Seele erfreut: „Netanjahu ist gefährlicher als Ahmadinedschad”, behauptet Scholl-Latour zum Beispiel. Er kann aber auch den Verschwörungsmythen zum 11. September 2001 einiges abgewinnen und begeistert auf diese Weise die deutsche Verschwörungsszene der „Truther” und „Infokrieger”, die seine Ausfälle nur zu gerne dokumentieren. Scholl-Latour ist die passende Werbefigur zur Konferenz, die auf den einschlägigen Internetseiten beworben wird. Im Vorfeld rührte Jürgen Elsässer die Werbetrommel, in dem er seine Konferenz in den Internetsendungen der Verschwörungsszene bewarb. Er ließ sich unter anderem von Johannes Conrad zum Interview bitten. Dieser Buchautor, in dessen Buch „Entwirrungen” die „Protokolle der Weisen von Zion” aktualisiert werden, ist ein Aushängeschild des Internetsenders „Bewusst.tv”, der nationalsozialistischen „Reichsbürgern”, irrationale Esoterikern und antisemitischen Holocaustleugnern eine Plattform bietet. In diesem Umfeld bewarb Jürgen Elässer, der überhaupt keine Berührungsängste kennt, seine „große Konferenz in Berlin” und sprach über „Einwanderer” und „Urdeutsche”: „Wir verlieren die Vielfalt, wenn wir den Brei kochen”, jammerte Elsässer und warnte ganz völkisch vor „Vermischerei”.
Am 24.11.2012 werden sich die Anhänger des Jürgen Elsässer in der „Freien Universität Berlin” versammeln und zwischen 350 und 25 Euro Eintritt zahlen. Zu diesem nationalistischen Stelldichein dürften mehrere hundert Teilnehmer erscheinen. Dann werden verschwörungsideologische Antisemiten, selbsternannte Euro-Kritiker und sogenannte Nah-Ost-Experten zur Konferenz zusammenkommen, um gemeinsam von einem noch stärkeren und mächtigeren Deutschland zu träumen. |
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| Vorgetragenes zum Verschwörungswahn. | November 20, 2012 | 08:42 am |
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In diesem Jahr sprach ich auf Einladung der ASSOCIAZIONE DELLE TALPE in Bremen. Dort befasste ich mich mit verschiedenen Verschwörungsmythen, die auch in der deutschen Linken populär sind. Der Weblog „Audioarchiv”, der viele hörenswerte Vorträge, Interviews und Radiofeatures sammelt, hat nun den Mitschnitt dieser Veranstaltung veröffentlicht. Er kann daher auch hier hier angehört und dort heruntergeladen werden. Aus der Einladung zur Veranstaltung:
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| Vortrag am 30. November in Freiburg: Jargon der Israelkritik | November 14, 2012 | 11:39 pm |
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Obwohl es ihnen niemand streitig macht, beharren die Israelkritiker auf ihrem Recht, ihre Meinung über und gegen den jüdischen Staat zu äußern. Indem sie sich, in Hegels Worten, auf ihr inwendiges Orakel berufen, darauf nämlich, dass es sich dabei eben um ihre Meinung handle, schotten sie sich ihrerseits ab gegen Kritik. Dagegen wäre der Begriff [...]
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| Maulwurfsarbeit. | October 31, 2012 | 10:13 am |
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Für die Aufsatzsammlung „Maulwurfsarbeit II” habe ich einen längeren Text über das Verschwörungsdenken in der deutschen Linken verfasst. Dort finden sich zahlreiche lesenswerte Texte, etwa von Bini Adamczak, Olaf Kistenmacher und Thorsten Mense. Die Sammlung kann auf den Seiten der Rosa Luxemburg Stiftung heruntergeladen werden. „[…] Mit der vorliegenden Aufsatzsammlung wollen wir unser Veranstaltungsprogramm dokumentieren, das wir in Kooperation mit der Rosa Luxemburg Initiative Bremen als Abendveranstaltungen, Tages– oder Wochenendseminare durchgeführt haben. Diese sehen wir als Teil praktischer Theorie gegen zerstörte Illusionen an und als unsere Form des „where everything is bad it must be good to know the worst“. Mit dieser Aufsatzsammlung schließen wir an unsere beiden vorigen an; in der Form eher an die verschiedene Aspekte beleuchtende „Maulwurfsarbeit“ als an die im monographischen Stil zusammengestellte „Staatsfragen“. Dass wir in den Veranstaltungen und in den Aufsatzsammlungen unterschiedliche Problembereiche behandeln, begründet sich dadurch, dass an allen gesellschaftlichen Phänomenen Abdrücke herrschaftsförmiger Vergesellschaftung zeigen und daher auch überall dort thematisiert werden müssen. Es geht also um den angestrebten Überblick in erdrückender gesellschaftlichen Totalität. […]” Moritz Zeiler und Oliver Barth, Gruppe «associazione delle talpe», Bremen |
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| Untergangsmythen. | October 31, 2012 | 10:00 am |
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Am 14. April 1912 streifte das zum damaligen Zeitpunkt größte Passagierschiff der Welt einen Eisberg und versank im Atlantik. Etwa 1500 Menschen fanden den Tod. Schnell wurde der die Titanic zum Handlungsort zahlreicher Spielfilme und Romane. Bereits im Jahr des Untergangs entstand der Stummfilm „Saved from Titanic“, in dem Dorothy Gibson, die den Untergang überlebt hatte, die Hauptrolle übernahm. In den Jahrzehnten nach dem Untergang erschienen Spielfilme, Dokumentationen, Sachbücher und Sensationsromane. Einiges wurde hundertjährigen Jubiläum erneut auf den Markt gebrach. Noch einmal durfte sich Jack Dawson in James Camerons Kinofilm zum „König der Welt“ machen. Noch einmal versank die Titanic in diesem romantischen Kitschspektakel in den eisigen Fluten. Wer noch nicht genug hat kann die zahlreichen Ausstellungen begutachten, Dokumentationen auf N24 anschauen, Computerspiele spielen und Bücher verschlingen, die sich mit dem Untergang des Schiffes befassen und in denen oftmals an die Herzen gehenden Geschichten verbreitet werden. Die Katastrophe ist aber auch eine Grundlage für verschiedene Mythen, die bereits kurz nach dem Untergang verbreitet wurden und die zum hundertjährigen Jubiläum eine Renaissance erleben dürfen. Bereits kurz nach dem Unglück wollte der ehemalige Seemann Peter Pryal den Kapitän der Titanic, Edward John Smith, gleich zweimal auf den Straßen Baltimores entdeckt haben, obwohl er doch mit dem Ozeanriesen untergegangen war. Zur Freude der Klatschpresse stellte Pryal auf diese Weise den Tod auf der Titanic in Frage. Die damaligen Revolverblätter verbreiteten dieses Märchen nur zu gerne. Sie betrieben einen Scheckbuchjournalismus und kauften die kruden Geschichten von vermeintlichen Zeugen ein, die für ihre Behauptungen gut bezahlt wurden. Wenn keine Zeugen aufzutreiben waren, wurden einfach Geschichten erfunden. So verbreiteten sich Mythen und Märchen, die bis heute bekannt sind. Der deutsche Doktor Friedrich Carl Quitzrau, der auf dem Schiff Mount Temple nach Kanada reiste, behauptete zum Beispiel, dass dieses Schiff der Titanic nicht zu Hilfe geeilt sei und stattdessen mit abgedunkelten Lichtern das Sterben beobachtet hätte. Die zeitgenössische Presse griff diese Behauptungen auf und Quitzrau hatte seinen kurzweiligen Zeitungsruhm. Ernest Gill, ein Seemann von der Californian, verkaufte sich wiederum an die Bostoner Presse und behauptete, man habe von diesem Schiff den Untergang der Titanic beobachtet, ohne zu Hilfe zu eilen. Für etwas mehr als eine handvoll Dollar und ein wenig Ruhm schienen diese vermeintlichen Zeugen zu jeder Behauptung bereit zu sein. Hinzu kamen Falschmeldungen über unglaubliche Reichtümer und über angebliche Geschwindigkeitsrekorde, die durch verschiedene Presseagenturen verbreitet wurden und in die damaligen Spielfilme zum Untergang einflossen, mit denen auch antisemitische, anti-amerikanische und anti-britische Propaganda betrieben wurde.
Später gingen allerlei verschwörungsideologische Goldgräber mit ihren Mythen über die Titanic hausieren und bezeugten bevorzugt Geschichten, die der Vater oder der Großvater von einem mittlerweile verstorbenen Zeitzeugen erfahren haben sollte. So erlangte William Diebel seine zwei Minuten Fernsehruhm. Er munkelte im September 1987 in der Fernsehsendung„Return of the Titanic“, die von Telly „Kojak“ Savalas moderiert wurde, von einer Geschichte, die seinem Vater im ersten Weltkrieg zu Ohren gekommen war: „Er behauptete, dass die Titanic in Wirklichkeit nie einen Eisberg gerammt hat. In Wirklichkeit sank sie aufgrund einer Explosion“1. Verschwörungsideologen konstruieren mit derartigen Märchen nun den Mythos eines gigantischen Versicherungsbetrugs, der gerne auch mit gewaltigen Explosionen und einem angeblich nicht vorhandenen Eisberg angereichert wird. Für viele Verschwörungsgläubige ist die echte Titanic niemals untergegangen. Stattdessen wurde sie durch ihr Schwesterschiff, die beschädigte Olympic, ausgetauscht und versenkt. Der gigantische Versicherungsbetrug wird zumeist einer Person angelastet, der Besitzer des Firmen-Konglomerats war, das die Titanic produzierte. Es handelt sich um den amerikanischen Bankier J.P. Morgan, der in seiner Zeit nicht nur hohe Profite realisierte, sondern auch zum bevorzugten Hassobjekt verschiedener Anti-Amerikaner avancierte, die sich über dessen Knollennase belustigten und ihm eine Allmacht nachsagten, die dieser in der Realität nie besaß. Eigentlich wollte Morgan mit der Titanic reisen, hatte diese Reise jedoch abgesagt und vergnügte sich lieber im französischen Aix-les-Bains mit seiner Geliebten. Für Verschwörungsgläubige ist dieses belanglose Ereignis ein Hinweis darauf, dass Morgan aus guten Gründen auf die Reise verzichtet hätte. Schließlich sei er an der angeblichen „Verschwörung“ beteiligt gewesen, der die Titanic zum Opfer fiel.
Mit dieser Idee konnte auch ein anti-amerikanisches Ressentiment bedient werden. In den Büchern dieser Verschwörungsideologen wird der amerikanische Bankier Morgan als übermächtiger, „ausländischer Raubritter“ und „Hai“ gezeichnet, der seine angeblich „unbegrenzten finanziellen Möglichkeiten“ eingesetzt hätte, um „Macht und Profit zu erlangen“3. So bleiben die Fakten auf der Strecke. Zwar schildern Gardiner und van der Vat recht akkurat den Untergang und die daran anschließenden Untersuchungen, müssen aber verständlicherweise jeden Beweis für den vermeintlichen Versicherungsbetrug schuldig bleiben und sich auf Gerüchte über J.P. Morgan beschränken. Es bleibt bei Suggestivfragen und Mutmaßungen, mit denen die beiden Autoren jedoch ihren Teil dazu beigetragen haben, dass dieser Verschwörungsmythos über die Titanic bekannt wurde. Verschiedene Verschwörungsideologen haben sich nach dieser Lektüre ausführlicher mit der Katastrophe befasst und die Werke ihrer Vorgänger benutzt, um ähnliche oder sogar noch waghalsigere Verschwörungsmythen zu propagieren. In diesem Jahr veröffentlichte beispielsweise Gerhard Wisnewski sein Buch über die angebliche Verschwörung, der er ein „Attentat“ auf die Titanic nachsagt. So gebührt ihm der zweifelhafte Verdienst, die Verschwörungsmythen seiner Vorgänger radikalisiert zu haben. In seinem Buch beruft sich Wisnewski immer wieder auf seine geistigen Vorgänger, die in seinem Buch zu „Titanic-Experten“ mutieren. Der deutsche Verschwörungsideologe, der in diesem Jahr zur Privataudienz mit dem iranischen Holocaustleugner und Antisemiten Ahmadinedschad reiste, bietet gleich mehrere Erklärungsansätze, mit denen er den Untergang des Dampfers verklärt. Doch zunächst beschäftigt Wisnewski sich mit seinem „liebsten Propagadafilm“. Gemeint ist die berühmte Titanic Verfilmung des John Cameron, der ihn und andere zum „Opfer einer ausgeklügelten Propagandaaktion“ gemacht hätte. Rose, deren fiktive Geschichte im Spielfilm zum Leben erweckt wird, sei „mit dem Nimbus einer Holocaustüberlebenden ausgestattet“4, behauptet Wisnewski, um diese infrage zu stellen. Nun versucht Wisnewski den Beweis zu erbringen, dass dieser Spielkitschfilm nicht unbedingt auf historischen Fakten beruht. So möchte Wisnewski den Zweifel am Untergangshergang wecken. Auf eine ähnliche Weise nutzt er die Aquarelle des Künstlers Ken Marschall, auf denen er Beweise für seine wahnwitzigen Verschwörungsideen gefunden haben möchte.
Dabei identifiziert Wisnewski auch Verantwortliche. Er präsentiert den üblichen Bösewicht, der jedoch nur einen Oberbösewicht repräsentiert. Wie so oft in der einschlägigen Verschwörungsliteratur, wird der Industrielle Morgan als „grausamer, angriffslustiger Finanzmann“ gezeichnet, der „Geld aus dem Nichts schaffen“ konnte, für die damaligen kapitalistischen Krisen verantwortlich gemacht wird und „jeden Knochen bis auf die Knochenhaut“ abnagt6. Mit seiner Version des Morgan-Mythos überschreitet Wisnewski, der mit seinen Machwerken bereits possierliche Mythen über den Unfalltod von Jörg Haider, die islamofaschistischen Angriffe des 11. September 2001 und die Mondlandung verbreitete, allerdings noch eine weitere Grenze, mit dem er die perfiden Mythen seiner Vorgänger noch einmal verschärft. Schließlich möchte Wisnewski einen Hintermann ausgemacht haben, den er verantwortlich macht. Wisnewski kolportiert die Behauptung, dass Morgan nur der „US-Statthalter der Rothschilds gewesen“ sei und beruft sich in diesem Kontext auf den fanatischen Antisemiten Eustace Mullins7, der Jüdinnen und Juden in schlimmster NS-Tradition als „Parasiten“ bezeichnete. Um das Märchen vom „Attentat“ glaubwürdig erscheinen zu lassen, macht Wisnewski die Überlebenden unglaubwürdig, die von diesem angeblichen „Attentat“ nichts mitbekommen haben. Der eine Überlebende hätte an „selektiver Demenz“ gelitten, der andere sei betrunken gewesen, wieder andere hätten eventuell „Anweisungen“ bekommen. Sie hätten gelogen, sich „wie ertappte Verbrecher“ verhalten oder heißen Rosenbaum. Viele Erinnerungen von Überlebenden könne man „getrost ins Reich der Phantasie verweisen“, behauptet Wisnewski, der die Überlebenden unglaubwürdig machen muss, weil ihre Erinnerungen oftmals seinem Verschwörungskonstrukt vom „Attentat“ widersprechen. Dafür werden die Märchen und die Geschichten, mit dem der ein oder andere Zeitgenosse nach dem Untergang der Titanic ein kleines bisschen Bekanntheit erlangen wollte, in aller Ausführlichkeit präsentiert. Außerdem dürfen die Märchenerzähler noch einmal eine Wiederauferstehung erleben. Ihre Geschichten, die sie vom Vater oder Großvater erfahren haben wollten, wurden bereits in Gardiners Buch und in den anderen Machwerken der Verschwörungsindustrie recycelt. Nun bedient sich Wisnewski, um den Mythos vom „Attentat” zu spinnen. Zusätzlich pickt Wisnewski ganz selektiv einige wenige Fakten heraus, die seinen Verklärungsansatz dienlich sind. Doch grundsätzlich werden diese Verschwörungsmythen zum Untergang der „Titanic“ durch die seriöse Forschung widerlegt. Es ist der irrationale Glaube an die angebliche Weltverschwörung, der die Verschwörungsfans, die sich auf den Spuren ihrer Vorfahren bewegen, auch im Falle der Titanic begeistert. Der Untergang der Titanic ist, wie die Angriffe des 11. September 2001, nur ein Anlass, mit dem der Glaube an die Weltverschwörung belegt werden soll. Die Verschwörungsbücher zum Untergang können ein Baustein für die Verschwörungskonstrukte sein. Daher werden weitere Filme und Bücher über den angeblichen Versicherungsbetrug oder das vermeintliche Attentat auf die Titanic produziert werden. In diesen Machwerken wird sich jedoch ebenfalls nur der verschwörungsideologische Wahn offenbaren, der die alten Mythen aufs Neue reproduziert, um die vermeintlichen Verantwortlichen ins Fadenkreuz zu nehmen. Quellen:
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| Der König von Deutschland | October 19, 2012 | 11:51 am |
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Zur Geisterstunde war es soweit. In Wittenberg gründete Peter Fitzek kurz nach Mitternacht sein eigenes kleines Königreich und ließ sich vor mehreren hundert Anhängern eine Krone aufsetzen. Diese hatten sich am Wochenende des 15. und 16. September versammelt, um die Gründung des „Königreich Deutschland“ zu erleben, das die Bundesrepublik in kurzer Zeit ersetzen soll. Peter Fitzek und seine Anhänger sind dem Milieu der „Reichsbürger“ zuzuordnen. Diese behaupten, dass die Bundesrepublik Deutschland lediglich eine Firma der Alliierten sei. Im Szenejargon ist hier von der „BRD-GmbH“ die Rede. Daher haben die zersplitterten „Reichsbürger“ verschiedene „Reichsregierungen“ geschaffen, die sich in der Rechtsnachfolge des Deutschen Reiches sehen. Die Finanzierung erfolgt über den Verkauf von Fantasie-Ausweisen, vermeintlichen Führerscheinen und angeblichen Nummernschildern. Die Träumer vom Reich werden unterdessen immer mal wieder auf den juristischen Boden der Tatsachen zurückgeholt. Autofahrer, die sich mit einem Führerschein des „Deutschen Reiches“ auswiesen, um einem Bußgeld zu entgehen, wurden wegen Urkundenfälschung und Fahrens ohne Fahrerlaubnis angezeigt und durften ganz reale Bußgelder bezahlen. Bevor sich Peter Fitzek zum Herrscher seines Königreiches krönen ließ, hatte der umtriebige Agitator verschiedene Organisationen und Geschäfte gegründet. So entstand eine Parallelwelt in Wittenberg: Im Laden „Engelswelten“ wird allerhand esoterisches Klimbim verkauft. Nicht nur dort kann mit einer eigenen Währung, dem so genannten „Engelgeld“ gezahlt werden. Außerdem wurden eine Art Kranken– und Rentenkasse, sowie allerlei andere Institutionen geschaffen. In diesem Paralleluniversum gilt Peter Fitzek als ein von Gott gesandter Messias… |
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