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Halabja Tag 2016: Ende der Straflosigkeit March 16, 2016 | 11:16 am

Ein zum Jahrestag des Giftgasangriffs auf die irakisch-kurdische Stadt Halabja veröffentlichter Bericht dokumentiert 161 Giftgasangriffe in Syrien seit Beginn des Krieges vor fünf Jahren. Mehr als zwei Drittel der Angriffe erfolgte nach Verabschiedung der UN-Sicherheitsratsresolution 2118 v. September 2013.

Deutsch irakische-Hilfsorganisation Wadi fordert, die Verantwortlichen endlich strafrechtlich zu verfolgen.

Demonstration in Halabja

Am 16. März 1988 bombardierte die irakische Armee die kurdische Stadt Halabja mit einem Cocktail aus unterschiedlichen chemischen Kampfstoffen. 5000 Menschen starben damals unmittelbar durch die Angriffe, zwischen 5000 und 10000 an den Spätfolgen.

Bis heute wirkt dieser Angriff nach. Nicht nur in Halabja und anderen irakisch-kurdischen Orten, in denen Menschen bis heute unter den Folgen dieser Angriffe leiden.

Passend zu diesem Jahrestag hat die renommierte Syrian American Medical Society (SAMS) eine umfangreiche Studie über den Einsatz chemischer Kampfstoffe durch den syrischen Staatsapparat vorgelegt. Der Bericht legt nahe, dass trotz Verabschiedung der UN-Sicherheitsratsresolution 2118 vom September 2013 und der darauf folgenden vermeintlichen Abrüstung des syrischen C-Waffenarsenals der Einsatz chemischer Kampfstoffe gegen die Zivilbevölkerung in den von der Opposition gehaltenen Gebieten fortgesetzt wurde. Der Bericht belegt 161 Fälle von C-Waffenangriffen durch syrische Regierungstruppen – mehr als Zweidrittel davon nach Verabschiedung der UN-Sicherheitsratsresolution.[1]

Damit dokumentiert der Bericht das vollständige Scheitern der internationalen Politik gegenüber Syrien – und eine erschreckende Ignoranz gegenüber dem Horror chemischer Kriegsführung in Nahost.

Nicht nur die Regierung hat inzwischen in Syrien systematisch Giftgas zum Einsatz gebracht, mehrfach belegt ist inzwischen auch, dass die islamistische Miliz Islamischer Staat (IS) über Chemiewaffen verfügt und diese auch verwendet. Geholfen wird dem IS dabei von ehemaligen Anhängern Saddam Husseins und Mitarbeitern des irakischen Giftgasprogramms.

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Interview: Terror in Syrien February 9, 2016 | 02:20 pm


INTERVIEW mit ABDALAZIZ ALHAMZA von "RAQQA IS BEING SLAUGHTERED SILENTLY"

Abdalaziz Alhamza ist Mitbegründer und Sprecher der syrischen Menschenrechtsorganisation "Raqqa is being slaughtered silently" (RBSS). Seit Truppen der jihadistischen Terrororganisation Islamischer Staat (IS) die syrische Stadt Raqqa einnehmen konnten und diese zur Hauptstadt ihres Kalifats erklärten, ist RBSS die einzige zuverlässige Quelle, die weiterhin aus Raqqa berichtet. Im Rahmen eines Interviews sprach ich mit ihm über die Gründung von RBSS, die Akteure des syrischen Konflikts und seine ungebrochene Motivation über die Gräueltaten des Islamischen Staates aufzuklären.


   
"Die Invasion änderte alles für uns: Der IS errichtete ein totalitäres politisches System, zwangen die lokale Bevölkerung ihre radikalen Weltanschauungen zu übernehmen, begannen Dissidenten hinzurichten und rissen die Kontrolle der Medien an sich. Drei Wochen nach dem Start unseres Projekts begannen Imame des Islamischen Staates beim Freitagsgebet in Raqqa, die Leute gegen uns aufzuhetzen, indem sie behaupteten, dass wir Ungläubige wären, dass wir gegen Allah kämpften und dass sie uns hinrichten würden. Kurze Zeit später, im Mai 2014, wurde einer unserer Freunde beim Passieren eines Checkpoints von Einheiten des IS gekidnappt. Zwei Wochen später wurde er in einer Schule vor den Augen hunderter Menschen öffentlich hingerichtet. Bis heute haben wir viele Kollegen und Freunde verloren, die alle dem Morden des IS zum Opfer gefallen sind. Der maßgebliche Unterschied zwischen dem Islamischen Staat und anderen Terrororganisationen im Nahen Osten ist: Der IS begeht Verbrechen, die die Syrer zwar noch von früher kennen, aber sie sind nicht gewohnt, sie in der Öffentlichkeit zu sehen.
So entschlossen wir, der gesamten Welt zu zeigen, was tatsächlich in Raqqa passiert. 
Man beobachtet jeden Schritt unserer Kampagne äußerst genau, daher müssen wir sehr auf uns aufpassen."


Wirtschaftlicher Tsunami in Irakisch-Kurdistan January 16, 2016 | 05:15 pm

Iraq’s Kurdistan region is in danger of being drowned by an economic “tsunami” as global oil prices plunge, its deputy prime minister said, warning it could undermine the war effort against Islamic State.

Four months in arrears and deeply in debt, the Kurdistan Regional Government (KRG), which depends on oil revenue to survive, has been hit hard by oil’s slump below $30 per barrel this week from over $100 a barrel two years ago.

Even before oil’s most recent losses, the autonomous region was unable to meet a bloated public payroll including the salaries of its own armed forces, the peshmerga, which are on the front line against Islamic State.

“The world is focused on the war against ISIS but nobody wins a war bankrupt,” Qubad Talabani said in the interview on Thursday, using an acronym for Islamic State. “I think this is something the coalition against ISIS really do need to factor into the equation.”

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Annual Report of Wadi’s Activities in Northern Iraq January 7, 2016 | 12:35 am

annual report

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Wadi – Dezemberrundbrief 2015 December 6, 2015 | 02:53 pm

Aus der Einleitung:

Vor genau einem Jahr haben wir in unserem Weihnachtsrundbrief bereits das Elend der Flüchtlinge im Vorderen Orient beschrieben. Geändert hat sich mit der großen Flüchtlingskrise seitdem nur der Abstand, der zwischen uns und ihnen mithilfe »grenzsichernder Maßnahmen«, Radarüberwachung, vorverlagerter Flüchtlingsaufnahme und der »Bekämpfung der Schleuserkriminalität« notdürftig aufrechterhalten wurde. Schon vor 2015 starben Flüchtlinge im Vorderen Orient und auf dem Mittelmeer. Neu war, dass die Grenzsicherung Europas angesichts der schieren Zahl von Flüchtlingen zusammenbrach und Zehntausende die scheinbar unüberwindbare Grenze überschritten. Zum Sinnbild wurden dänische Polizisten, deren Aufgabe es war, hunderte Flüchtlinge von der Einreise nach Dänemark abzuhalten und die kapitulierten, weil sie die dazu erforderlichen Gewaltmittel gegen die ausgezehrten Männer, Frauen und Kinder nicht einsetzen wollten und konnten. Dass seitdem flieht, wer fliehen kann, liegt auch daran, dass lange vor der europäischen Grenzsicherung bereits alle anderen Systeme und Institutionen zusammenbrachen, die die Menschen vor Ort gehalten haben.

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rb 12-15

 

Dead and Injured in Iraqi-Kurdistan October 11, 2015 | 12:09 am

A young protester died after the Kurdistan Democratic Party’s headquarters were torched Saturday during deadly protests in the Sulaimani Province town of Qaladze.

The 13-year-old boy died in the hospital from injuries sustained when the building was set on fire, Qaladze hospital personnel Othman Muhamad told Rudaw.

Three people were shot dead yesterday during demonstrations in Qaladze, while dozens more were wounded.

The semiautonomous Kurdish enclave in northern Iraq has been erupting in protests for the past week as anger over lack of government wages, feuding political parties and economic instability has reached a boiling point.

Clashes between demonstrators and police continue in the town of Said Sadiq and Kalar in the Sulaimani. Protesters torched the KDP’s building in Kalar on Saturday.

At least nine people, including five policemen, were wounded on Thursday during protests sparked by the government’s delayed salaries in Sulaimani, the city’s mayor told Rudaw.

Police used tear gas during a mass demonstration in Sarra Square in the city on Saturday when hundreds of protesters gathered again to demand three months of unpaid salaries and an end to the current political stalemate that has left the KRG without an official president since August.

Major political parties in Kurdistan have condemned the violence and called on citizens and party members for peace.

Source

Dead and Injured in Iraqi-Kurdistan October 11, 2015 | 12:09 am

A young protester died after the Kurdistan Democratic Party’s headquarters were torched Saturday during deadly protests in the Sulaimani Province town of Qaladze.

The 13-year-old boy died in the hospital from injuries sustained when the building was set on fire, Qaladze hospital personnel Othman Muhamad told Rudaw.

Three people were shot dead yesterday during demonstrations in Qaladze, while dozens more were wounded.

The semiautonomous Kurdish enclave in northern Iraq has been erupting in protests for the past week as anger over lack of government wages, feuding political parties and economic instability has reached a boiling point.

Clashes between demonstrators and police continue in the town of Said Sadiq and Kalar in the Sulaimani. Protesters torched the KDP’s building in Kalar on Saturday.

At least nine people, including five policemen, were wounded on Thursday during protests sparked by the government’s delayed salaries in Sulaimani, the city’s mayor told Rudaw.

Police used tear gas during a mass demonstration in Sarra Square in the city on Saturday when hundreds of protesters gathered again to demand three months of unpaid salaries and an end to the current political stalemate that has left the KRG without an official president since August.

Major political parties in Kurdistan have condemned the violence and called on citizens and party members for peace.

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Protests in Iraqi-Kurdistan October 8, 2015 | 10:49 pm

Hundreds of demonstrators took to the streets in cities across the Kurdistan region to protest delayed salaries and the stalemate between Kurdish political parties that has left the regional government without an official president for since July.

At the biggest protest site in Suliamani, Rudaw’s Saman Basharty witnessed clashes between the police and protesters who had gathered in front of of the Shary Juan Hotel where the five major Kurdish political parties were holding a meeting.

The meeting, held between representatives of the Kurdistan Democratic Party (KDP), Patriotic Union of Kurdistan (PUK), Change Movement, Kurdistan Islamic Union and the Kurdistan Islamic League, was the latest in a series of unsuccessful attempts to find agreement over the presidency of Masoud Barzani.

Dozens of protesters held demonstrations in Erbil and Halabja. In Erbil, a medical official for Rizgari hospital said doctors who have not been paid would continue to help patients, but stressed that the government needs to know the doctors and other workers need their salaries.

On Tuesday, hundreds of teachers took to the streets in Sulaimani and Erbil after declaring a week-long strike earlier this month over delayed salaries. Representatives of the protesting teachers told Rudaw they refused to go back to work before receiving their full salaries, which have been withheld since July.

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Old Europe – Bilder, Politik und Interventionen September 6, 2015 | 03:06 pm

Das Bild des toten Jungen am türkischen Strand hat viele Menschen erschüttert. Gleichzeitig wurde die Phrasendreschmaschinerie in Gang gebracht, von Gefährdung europäischer Werte bis hin zu Forderungen nach Ursachenbekämpfung, nichts Neues. Nicht neu ist auch die Debatte darüber, inwiefern Bilder zu einem Wechsel der Politik beitragen können. Zu Recht wird eingewendet, dass die Wirkmächtigkeit von Bildern überschätzt wird. Zwei Klicks, man ist beim nächsten Bild, das Bedürfnis zu Mitleid und Empörung des Einen wird dann durch das gequälte Tier, des Anderen durch ein gequältes, leidendes oder sterbendes Kind bedient. Für Hartgesottene gibt es die Bilder der Geköpften oder Gekreuzigten, der beim Bombardement ums Leben gebrachten, den Hungernden usw.. Meist ist die Empörung und das Erzeugen von Wut das Ziel derjenigen, die die Bilder nutzen – nicht zufällig bedienen sich auch gerade die Propagandakompanien der Hamas und andere arabischen Medien der Bildproduktion toter Kinder. Aus der Empörung folgt in der Regel die Artikulation von Wut und Ressentiment und nicht die des kritischen Gedankens.

Die Barbarei

Die Barbarei

Selbst wenn es nicht so wäre, was folgte aus der Illustration der täglichen Barbarei. Der Junge floh mit seiner Familie aus Kobane, das unmittelbar vom Vernichtungsfuror des IS bedroht war. Der IS konnte sich im Irak und in Syrien eine Machtbasis sichern und ausbauen, deren gesellschaftliche und staatliche Strukturen durch verschiedene Faktoren dem Verfall preis gegeben waren, die in der Verfasstheit eben jener beiden Staaten zu suchen sind. Beide wurden von blutrünstigen Diktatoren beherrscht, unter denen nicht etwa „Ruhe und Ordnung“ herrschte, sondern in denen Massenerschießungen, Folter, absolute Willkür, der schrankenlose Einsatz von Geheimpolizei und Militär gegen Protestierende und Aufständische zum Alltag gehörten. Der Klientelismus und die unbeschränkte Gewalt in beiden Staaten trugen dazu bei, dass so etwas wie eine Gesellschaft zersetzt und von sich gegenseitig belauernden Bandenstrukturen abgelöst wurde. Weder diese barbarische Form der Terrorherrschaft, noch die Vernichtung der kommunistischen Partei im Irak und die Zusammenarbeit der Machthaber in Syrien mit den (syrischen) Nationalsozialisten (nicht zufällig fand der NS-Verbrecher Alois Brunner in Syrien ein Betätigungsfeld und Exil), hinderten damals die Sowjetunion daran, diese Regimes zu unterstützen, noch die notorischen Prediger der „internationalen Solidarität“ und die Freunde des Friedens in diesen den Nukleus eines arabischen Sozialismus und eines Fortschritts der Menschheit insgesamt zu sehen und sie in ihrer Frontstellung gegen den Westen im allgemeinen und gegen die USA und Israel im besonderen ideell, bisweilen sogar materiell zu unterstützen.

Doch auch der sogenannte Westen paktierte mit beiden Regimes, mit dem Irak mehr, als mit Syrien. Der Irak galt als Bollwerk gegen den Iran und wurde u.a. aus diesem Grund massiv im Krieg gegen den Iran (ähnliches veranstaltet man heute mit Saudi Arabien u.a. unappetitlichen Regimes) unterstützt. Deutschland gerierte sich wie eh und je als „ehrlicher Makler“ und machte mit allen (auch dem Iran) gute Geschäfte. Beiden Regimes war gemein, dass es unter ihnen keine Perspektive einer ökonomischen und gesellschaftlichen Entwicklung hin zu einer Gesellschaft modernen Zuschnitts geben konnte. (In Zeiten, in denen Linke sich noch der Analyse anstatt des Ressentiments und der Verschwörungstheorie widmeten, nannte man so etwas, die Produktivkräfte geraten in Widerspruch zu den Produktionsverhältnissen). In Syrien führte dies, wie in anderen arabischen Staaten auch, zu einer sehr heterogenen Bewegung, die den Sturz der autokratischen Terrordiktatur herbeisehnte und forderte. Bevor eine solche Entwicklung im Irak überhaupt einsetzten konnte, wurde Jahrzehnte zuvor, unter einem Vorwand zwar, zur Erleichterung jedoch vieler vor Ort – und zum Leidwesen anderer hierzulande, durch die, von den USA angeführte Intervention, die dortige Diktatur gestürzt.

Lieferte der syrische Diktator zwar genug Anlässe auch ihn mittels einer militärischen Intervention zu stürzen, blieb er auch nach der gewalttätigen Niederschlagung des zunächst von demokratischen Kräften angeführten Aufstandes unbehelligt. Der Präsident der USA formulierte Rote Linien, manche Europäer machten dicke Backen andere gaben sich bedenklich, ansonsten überließ man die Intervention den reaktionären Golfmonarchien und dem Iran und die Türkei betrieb ein undurchsichtiges Spiel mit dem IS. Die von den Golfmonarchien gestützten Kräfte liefen in der sogenannten Free Syrien Army (FSA) sehr bald denen den Rang ab, die für eine freie und demokratische Zukunft auf die Straßen gegangen waren. Übrig geblieben sind heute die Al Nusra, der IS und im Norden die bewaffneten Kräfte der YPG. Letztere konnten nur durch die entscheidende Unterstützung der US Air Force, den IS daran hindern, Kobane einzunehmen. Die Hoffnung, dass diese – selbst wenn sie (weiterhin) unter dem Schutz der USA stünden – in diesen abgelegenen Gebieten eine dauerhaft fortschrittliche Gesellschaft aufbauen könnten, ist eher Projektion und Wunschdenken hiesiger Anhänger der Linken, als Ergebnis einer Analyse der Realität. Die Intervention der im Bunde mit dem Iran agierenden Hisbollah trug (und trägt) dazu bei, dass Assad sich mühsam gegen die nunmehr weitgehend von der Al Nusra beherrschten FSA bis heute behaupten konnte.

1185125_609654389073755_1182282292_nWenn es denn eine Folge gäbe, die uns das Bild des kleinen Aylan aufgäbe, so wäre dies eine militärische Intervention einer von den USA angeführten militärischen Koalition demokratischer Staaten (sprich der NATO), um den Krieg in Syrien zu beenden. Dies setzte unter Umständen einen Deal mit Russland (Abwicklung der Schulden Syriens gegenüber Russland, Überlassung des Mittelmeerhafens Tartus, Asyl Assads in Russland) voraus – es gäbe schlimmeres. Um eine Situation wie die im Irak und Afghanistan zu verhindern, käme es jedoch zusätzlich darauf an, unter einer Besatzungsmacht mit langem Atem einen Prozess in Syrien in Gang zu setzten, der den Namen Nation-Building verdient hätte. Danach sieht es aktuell und in näherer Zukunft aber nicht aus. Nicht nur die innenpolitische Lage in den USA spricht dagegen, auch der Unwille der europäischen Staaten, sich unter Führung der USA militärisch nachhaltig in Syrien und zwangsläufig dann auch wieder im Irak zu engagieren, fehlt. Auch die Erfolglosigkeit unter der Besatzungspolitik in Afghanistan und Irak eine Art Nation-Building zu etablieren, tragen zur allgemeinen Passivität bei.

Der letzte erfolgreiche Versuch, so etwas zu gestalten, fand mit Deutschland vor siebzig Jahren in Europa statt. Durch die Domestizierung der Volksgemeinschaft und ihrer kleinen und mittleren Führer im Nachkriegsdeutschland entwickelte sich die sehr dünne demokratische Tünche der Nachkriegszeit zu einer stabilen Demokratie. Voraussetzung dafür war jedoch, dass (West-)Deutschland als ökonomisches Zentrum in Europa (und gegen die Sowjetunion) gebraucht wurde, also die sogenannte Westbindung durchgesetzt wurde, und mit einem mächtigen (vor allem auf Zwangsarbeit und Investitionstätigkeiten des NS-Staates beruhenden) Kapitalstock die Basis für eine prosperierende Nachkriegsgesellschaft vorhanden war. Vergleichbare Voraussetzungen in Afghanistan und Irak fehl(t)en völlig und sämtliche Versuche, dort so etwas wie eine stabile gesellschaftlich-politische Struktur unter Einbeziehung der vor Ort dominierenden gesellschaftlichen Gruppen zustande zu bringen, mussten u.a. auch daran scheitern.

Im Gegensatz zu Deutschland gehören Afghanistan und Syrien zu den abgehängten Gebieten der Peripherie und haben auch nur eine eingeschränkte geostrategische Bedeutung (falls es so etwas überhaupt noch gibt) für die USA. Allenfalls der Irak als Rohstofflieferant könnte auf Basis einer Ölrente eine vergleichsweise stabile gesellschaftliche und staatliche Strukturen herausbilden, wenn es gelänge mit Unterstützung der demokratischen Staaten den Einfluss des Irans und der aktuell herrschenden Banden im Irak zu brechen. Die erfreuliche Entwicklung der kurdischen Autonomiegebiete im Irak bietet dafür ein gutes Anschauungsbeispiel, wie es sein könnte. Nach einer vergleichbaren Zukunft für den Irak und Syrien sieht es, obwohl sich dies immer noch viele Menschen wünschen würden, jedoch derzeit nicht aus. Viel wahrscheinlicher scheint aktuell eine von den USA geduldete forcierte Unterstützung Assads durch Russland und dem Iran, die dazu führen wird, dass Assad und dessen Clan ein geschrumpftes Herrschaftsgebiet wird halten und konsolidieren können und, was diese Konstellation besonders gefährlich macht, die Ausdehnung des Einflusses des Irans bis an die israelische Grenze. Die Bildung eines Cordon-Sanitaire zu Jordanien und zur Türkei (der Preis den die USA den Akteuren abverlangen wird) die jeweils unter Herrschaft lokaler Stammesfürsten stehen, wird die Grundlagen einer Elendsverwaltung in der Peripherie zum Ergebnis haben. Die Bekämpfung (vielleicht auch die Domestizierung) des IS wird man den Iranern im Bunde mit ihren Freunden im Irak und Syrien überlassen.

Die Idee aus diesen Staaten – und eben auch aus Kobane – zu fliehen hat daher etwas sehr rationales und ist im wesentlichen Ergebnis einer völlig verfehlten Politik des Nichteingreifens demokratischer Mächte. (Was bleibt ist die unmittelbare Solidaritätsarbeit für die Flüchtlinge und das Engagement gegen Nazis und Rassisten, die den Flüchtlingen auch hier die Hölle bereiten wollen; hierfür ist die Illustration der Barbarei jedoch nicht notwendig, sie gebietet der normale Menschenverstand – problematisch dabei, man begibt sich dabei u.U. in unerfreuliche Gesellschaft.)

Vor ca. 50 Jahren ging das Bild der von Napalmbomben verbrannten und terrorisierten Kinder aus Trang Bang durch die Welt. Diesem Bild wird ein nicht zu bestreitender Einfluss zugeschrieben, den mörderischen Krieg in Vietnam einem Ende zu zuführen. Das Bild stand jedoch nicht für sich alleine, sondern für eine neue Art und vor allem intensivere Rezeption der Berichterstattung. Beides trug in den USA dazu bei, dass dort eine den Namen verdienende Friedensbewegung die eigene Regierung so unter Druck setzte, dass diese ihre unselige Interventionspolitik in Vietnam beendete. Es wurde eine Intervention beendet, was einfacher ist, als eine erfolgreich umzusetzen – insofern hinkt der verschiedentlich herangezogene Vergleich über die Wirkmächtigkeit von Bildern.

In Europa trugen der Vietnamkrieg und der durchaus berechtigte Protest gegen diesen jedoch vor allem dazu bei, den in Deutschland und Europa tief sitzenden Antiamerikanismus zu befeuern. Die allerorts entstehenden Vietnamsolidaritätkomitees lösten den ursprünglichen Anspruch der aufbegehrenden Studenten, die Nazibagage in Westdeutschland aus Politik, Justiz, Wissenschaft und Bildung, Wirtschaft usw. hinauszukomplimentieren, ab und schufen die Voraussetzung zur Schaffung der linksdeutschen Ideologie. Vor allem in Deutschland führten die Proteste gegen den Vietnamkrieg (später u.a. gegen Pinochets Putsch und Regime in Chile und gegen die Interventionspolitik gegen das revolutionäre Nikaragua) dazu, dass die Aufbegehrenden die USA als das Übel in der Welt identifizierten, das Engagement für die Unterdrückten in aller Welt fand in der Palästinasolidarität und im Israelhass zu sich selbst und darob den Frieden mit den Vätern und der Nation. Der Gang durch die Institutionen konnte angetreten werden um Old-Europe zu modernisieren und gegen den Weltgeist in Stellung zu bringen.

Ein Napoleon ist nicht in Sicht – das Elend und die Barbarei und ihre Bilder dagegen schon.

Old Europe – Bilder, Politik und Interventionen September 6, 2015 | 03:06 pm

Das Bild des toten Jungen am türkischen Strand hat viele Menschen erschüttert. Gleichzeitig wurde die Phrasendreschmaschinerie in Gang gebracht, von Gefährdung europäischer Werte bis hin zu Forderungen nach Ursachenbekämpfung, nichts Neues. Nicht neu ist auch die Debatte darüber, inwiefern Bilder zu einem Wechsel der Politik beitragen können. Zu Recht wird eingewendet, dass die Wirkmächtigkeit von Bildern überschätzt wird. Zwei Klicks, man ist beim nächsten Bild, das Bedürfnis zu Mitleid und Empörung des Einen wird dann durch das gequälte Tier, des Anderen durch ein gequältes, leidendes oder sterbendes Kind bedient. Für Hartgesottene gibt es die Bilder der Geköpften oder Gekreuzigten, der beim Bombardement ums Leben gebrachten, den Hungernden usw.. Meist ist die Empörung und das Erzeugen von Wut das Ziel derjenigen, die die Bilder nutzen – nicht zufällig bedienen sich auch gerade die Propagandakompanien der Hamas und andere arabischen Medien der Bildproduktion toter Kinder. Aus der Empörung folgt in der Regel die Artikulation von Wut und Ressentiment und nicht die des kritischen Gedankens.

Die Barbarei

Die Barbarei

Selbst wenn es nicht so wäre, was folgte aus der Illustration der täglichen Barbarei. Der Junge floh mit seiner Familie aus Kobane, das unmittelbar vom Vernichtungsfuror des IS bedroht war. Der IS konnte sich im Irak und in Syrien eine Machtbasis sichern und ausbauen, deren gesellschaftliche und staatliche Strukturen durch verschiedene Faktoren dem Verfall preis gegeben waren, die in der Verfasstheit eben jener beiden Staaten zu suchen sind. Beide wurden von blutrünstigen Diktatoren beherrscht, unter denen nicht etwa „Ruhe und Ordnung“ herrschte, sondern in denen Massenerschießungen, Folter, absolute Willkür, der schrankenlose Einsatz von Geheimpolizei und Militär gegen Protestierende und Aufständische zum Alltag gehörten. Der Klientelismus und die unbeschränkte Gewalt in beiden Staaten trugen dazu bei, dass so etwas wie eine Gesellschaft zersetzt und von sich gegenseitig belauernden Bandenstrukturen abgelöst wurde. Weder diese barbarische Form der Terrorherrschaft, noch die Vernichtung der kommunistischen Partei im Irak und die Zusammenarbeit der Machthaber in Syrien mit den (syrischen) Nationalsozialisten (nicht zufällig fand der NS-Verbrecher Alois Brunner in Syrien ein Betätigungsfeld und Exil), hinderten damals die Sowjetunion daran, diese Regimes zu unterstützen, noch die notorischen Prediger der „internationalen Solidarität“ und die Freunde des Friedens in diesen den Nukleus eines arabischen Sozialismus und eines Fortschritts der Menschheit insgesamt zu sehen und sie in ihrer Frontstellung gegen den Westen im allgemeinen und gegen die USA und Israel im besonderen ideell, bisweilen sogar materiell zu unterstützen.

Doch auch der sogenannte Westen paktierte mit beiden Regimes, mit dem Irak mehr, als mit Syrien. Der Irak galt als Bollwerk gegen den Iran und wurde u.a. aus diesem Grund massiv im Krieg gegen den Iran (ähnliches veranstaltet man heute mit Saudi Arabien u.a. unappetitlichen Regimes) unterstützt. Deutschland gerierte sich wie eh und je als „ehrlicher Makler“ und machte mit allen (auch dem Iran) gute Geschäfte. Beiden Regimes war gemein, dass es unter ihnen keine Perspektive einer ökonomischen und gesellschaftlichen Entwicklung hin zu einer Gesellschaft modernen Zuschnitts geben konnte. (In Zeiten, in denen Linke sich noch der Analyse anstatt des Ressentiments und der Verschwörungstheorie widmeten, nannte man so etwas, die Produktivkräfte geraten in Widerspruch zu den Produktionsverhältnissen). In Syrien führte dies, wie in anderen arabischen Staaten auch, zu einer sehr heterogenen Bewegung, die den Sturz der autokratischen Terrordiktatur herbeisehnte und forderte. Bevor eine solche Entwicklung im Irak überhaupt einsetzten konnte, wurde Jahrzehnte zuvor, unter einem Vorwand zwar, zur Erleichterung jedoch vieler vor Ort – und zum Leidwesen anderer hierzulande, durch die, von den USA angeführte Intervention, die dortige Diktatur gestürzt.

Lieferte der syrische Diktator zwar genug Anlässe auch ihn mittels einer militärischen Intervention zu stürzen, blieb er auch nach der gewalttätigen Niederschlagung des zunächst von demokratischen Kräften angeführten Aufstandes unbehelligt. Der Präsident der USA formulierte Rote Linien, manche Europäer machten dicke Backen andere gaben sich bedenklich, ansonsten überließ man die Intervention den reaktionären Golfmonarchien und dem Iran und die Türkei betrieb ein undurchsichtiges Spiel mit dem IS. Die von den Golfmonarchien gestützten Kräfte liefen in der sogenannten Free Syrien Army (FSA) sehr bald denen den Rang ab, die für eine freie und demokratische Zukunft auf die Straßen gegangen waren. Übrig geblieben sind heute die Al Nusra, der IS und im Norden die bewaffneten Kräfte der YPG. Letztere konnten nur durch die entscheidende Unterstützung der US Air Force, den IS daran hindern, Kobane einzunehmen. Die Hoffnung, dass diese – selbst wenn sie (weiterhin) unter dem Schutz der USA stünden – in diesen abgelegenen Gebieten eine dauerhaft fortschrittliche Gesellschaft aufbauen könnten, ist eher Projektion und Wunschdenken hiesiger Anhänger der Linken, als Ergebnis einer Analyse der Realität. Die Intervention der im Bunde mit dem Iran agierenden Hisbollah trug (und trägt) dazu bei, dass Assad sich mühsam gegen die nunmehr weitgehend von der Al Nusra beherrschten FSA bis heute behaupten konnte.

1185125_609654389073755_1182282292_nWenn es denn eine Folge gäbe, die uns das Bild des kleinen Aylan aufgäbe, so wäre dies eine militärische Intervention einer von den USA angeführten militärischen Koalition demokratischer Staaten (sprich der NATO), um den Krieg in Syrien zu beenden. Dies setzte unter Umständen einen Deal mit Russland (Abwicklung der Schulden Syriens gegenüber Russland, Überlassung des Mittelmeerhafens Tartus, Asyl Assads in Russland) voraus – es gäbe schlimmeres. Um eine Situation wie die im Irak und Afghanistan zu verhindern, käme es jedoch zusätzlich darauf an, unter einer Besatzungsmacht mit langem Atem einen Prozess in Syrien in Gang zu setzten, der den Namen Nation-Building verdient hätte. Danach sieht es aktuell und in näherer Zukunft aber nicht aus. Nicht nur die innenpolitische Lage in den USA spricht dagegen, auch der Unwille der europäischen Staaten, sich unter Führung der USA militärisch nachhaltig in Syrien und zwangsläufig dann auch wieder im Irak zu engagieren, fehlt. Auch die Erfolglosigkeit unter der Besatzungspolitik in Afghanistan und Irak eine Art Nation-Building zu etablieren, tragen zur allgemeinen Passivität bei.

Der letzte erfolgreiche Versuch, so etwas zu gestalten, fand mit Deutschland vor siebzig Jahren in Europa statt. Durch die Domestizierung der Volksgemeinschaft und ihrer kleinen und mittleren Führer im Nachkriegsdeutschland entwickelte sich die sehr dünne demokratische Tünche der Nachkriegszeit zu einer stabilen Demokratie. Voraussetzung dafür war jedoch, dass (West-)Deutschland als ökonomisches Zentrum in Europa (und gegen die Sowjetunion) gebraucht wurde, also die sogenannte Westbindung durchgesetzt wurde, und mit einem mächtigen (vor allem auf Zwangsarbeit und Investitionstätigkeiten des NS-Staates beruhenden) Kapitalstock die Basis für eine prosperierende Nachkriegsgesellschaft vorhanden war. Vergleichbare Voraussetzungen in Afghanistan und Irak fehl(t)en völlig und sämtliche Versuche, dort so etwas wie eine stabile gesellschaftlich-politische Struktur unter Einbeziehung der vor Ort dominierenden gesellschaftlichen Gruppen zustande zu bringen, mussten u.a. auch daran scheitern.

Im Gegensatz zu Deutschland gehören Afghanistan und Syrien zu den abgehängten Gebieten der Peripherie und haben auch nur eine eingeschränkte geostrategische Bedeutung (falls es so etwas überhaupt noch gibt) für die USA. Allenfalls der Irak als Rohstofflieferant könnte auf Basis einer Ölrente eine vergleichsweise stabile gesellschaftliche und staatliche Strukturen herausbilden, wenn es gelänge mit Unterstützung der demokratischen Staaten den Einfluss des Irans und der aktuell herrschenden Banden im Irak zu brechen. Die erfreuliche Entwicklung der kurdischen Autonomiegebiete im Irak bietet dafür ein gutes Anschauungsbeispiel, wie es sein könnte. Nach einer vergleichbaren Zukunft für den Irak und Syrien sieht es, obwohl sich dies immer noch viele Menschen wünschen würden, jedoch derzeit nicht aus. Viel wahrscheinlicher scheint aktuell eine von den USA geduldete forcierte Unterstützung Assads durch Russland und dem Iran, die dazu führen wird, dass Assad und dessen Clan ein geschrumpftes Herrschaftsgebiet wird halten und konsolidieren können und, was diese Konstellation besonders gefährlich macht, die Ausdehnung des Einflusses des Irans bis an die israelische Grenze. Die Bildung eines Cordon-Sanitaire zu Jordanien und zur Türkei (der Preis den die USA den Akteuren abverlangen wird) die jeweils unter Herrschaft lokaler Stammesfürsten stehen, wird die Grundlagen einer Elendsverwaltung in der Peripherie zum Ergebnis haben. Die Bekämpfung (vielleicht auch die Domestizierung) des IS wird man den Iranern im Bunde mit ihren Freunden im Irak und Syrien überlassen.

Die Idee aus diesen Staaten – und eben auch aus Kobane – zu fliehen hat daher etwas sehr rationales und ist im wesentlichen Ergebnis einer völlig verfehlten Politik des Nichteingreifens demokratischer Mächte. (Was bleibt ist die unmittelbare Solidaritätsarbeit für die Flüchtlinge und das Engagement gegen Nazis und Rassisten, die den Flüchtlingen auch hier die Hölle bereiten wollen; hierfür ist die Illustration der Barbarei jedoch nicht notwendig, sie gebietet der normale Menschenverstand – problematisch dabei, man begibt sich dabei u.U. in unerfreuliche Gesellschaft.)

Vor ca. 50 Jahren ging das Bild der von Napalmbomben verbrannten und terrorisierten Kinder aus Trang Bang durch die Welt. Diesem Bild wird ein nicht zu bestreitender Einfluss zugeschrieben, den mörderischen Krieg in Vietnam einem Ende zu zuführen. Das Bild stand jedoch nicht für sich alleine, sondern für eine neue Art und vor allem intensivere Rezeption der Berichterstattung. Beides trug in den USA dazu bei, dass dort eine den Namen verdienende Friedensbewegung die eigene Regierung so unter Druck setzte, dass diese ihre unselige Interventionspolitik in Vietnam beendete. Es wurde eine Intervention beendet, was einfacher ist, als eine erfolgreich umzusetzen – insofern hinkt der verschiedentlich herangezogene Vergleich über die Wirkmächtigkeit von Bildern.

In Europa trugen der Vietnamkrieg und der durchaus berechtigte Protest gegen diesen jedoch vor allem dazu bei, den in Deutschland und Europa tief sitzenden Antiamerikanismus zu befeuern. Die allerorts entstehenden Vietnamsolidaritätkomitees lösten den ursprünglichen Anspruch der aufbegehrenden Studenten, die Nazibagage in Westdeutschland aus Politik, Justiz, Wissenschaft und Bildung, Wirtschaft usw. hinauszukomplimentieren, ab und schufen die Voraussetzung zur Schaffung der linksdeutschen Ideologie. Vor allem in Deutschland führten die Proteste gegen den Vietnamkrieg (später u.a. gegen Pinochets Putsch und Regime in Chile und gegen die Interventionspolitik gegen das revolutionäre Nikaragua) dazu, dass die Aufbegehrenden die USA als das Übel in der Welt identifizierten, das Engagement für die Unterdrückten in aller Welt fand in der Palästinasolidarität und im Israelhass zu sich selbst und darob den Frieden mit den Vätern und der Nation. Der Gang durch die Institutionen konnte angetreten werden um Old-Europe zu modernisieren und gegen den Weltgeist in Stellung zu bringen.

Ein Napoleon ist nicht in Sicht – das Elend und die Barbarei und ihre Bilder dagegen schon.

Sich ins Leben zurücktasten August 24, 2015 | 05:24 pm

Aus einem dpa-Bericht über die Arbeit von Wadi für yezidische Flüchtlinge:

Weil das Leid so groß war, ist schon ein kleines Lächeln ein Schritt zurück ins Leben: Im Nordirak versucht Cheman Rashid, jesidischen Mädchen ein wenig Freude zu machen. Die 50-jährige Kurdin ist mit mobilen Teams der Hilfsorganisation Wadi in der Region unterwegs. Jeweils zwei Frauen kümmern sich in Flüchtlingslagern um Jesidinnen, die von Angehörigen der Terrormiliz Islamischer Staat verschleppt worden waren.

„Das Leben ist sehr schwer für sie“, sagt Rashid in einem Gespräch über den Internet-Dienst Skype. „Sie haben zu viel gesehen. Manche wurden vor den Augen der anderen vergewaltigt. Das lässt sich kaum vergessen.“

Wadi hat seinen Sitz in Frankfurt am Main. Der arabische Name bedeutet Flussbett. „Wir wollen Wasser ins trockene Flussbett bringen, damit es wieder grünt“, sagt der Leiter der Hilfsorganisation, Thomas von der Osten-Sacken.

Die Arbeit der drei mobilen Teams in den von Kurden kontrollierten Gebieten im Nordirak begann im September 2014. Sie wird vom Entwicklungshilfeministerium (BMZ) mit 377.000 Euro unterstützt. „Das Vorhaben leistet einen wichtigen Beitrag zur Behandlung von traumatisierten Binnenvertriebenen im Nordirak“, erklärte ein Sprecher des Ministeriums.

Im Juli richtete Wadi zusätzlich ein Tagesbetreuungszentrum in Dohuk ein. „Sie sollen tagsüber eine schöne Umgebung vor Augen haben, nicht ständig das Elend der Flüchtlingslager“, erklärt von der Osten-Sacken. „Sie können dort das Friseurhandwerk erlernen, Handarbeiten machen oder an Computerkursen teilnehmen.“

“Die Bruchlinien gehen mitten durch Kurdistan” August 7, 2015 | 09:09 am

Interview von Radio Dreyeckland mit Thomas v. der Osten-Sacken zur aktuellen Lage in Kurdistan

Kurz nach seiner schweren Wahlniederlage aber noch immer mit einer ihm freundlichen Regierung provisorisch im Amt hat der türkische Präsident Tayyip Erdogan die Notwendigkeit eines Kurdenkrieges erkannt. Seither jagen sich die Luftangriffe, insbesondere gegen Lager der Partei der Arbeiter Kurdistans (PKK) im Nordirak und werden in der Türkei reihenweise AktivistInnen der prokurdischen Partei der Demokratie der Völker (HDP) festgenommen. Gegen die beiden Co-Vorsitzenden der Partei wurden Ermittlungsverfahren eingeleitet usw. Nun, wie sieht das aus der Sicht von Irakisch Kurdistan aus, wo die Bomben runterkommen, wenn auch bislang nicht überall. Der Präsident der Autonomen Region Irakisch Kurdistan, Masud Barzani ist schon mal auf Distanz zur PKK gegangen und forderte sie auf, zur Vermeidung ziviler Opfer bei den Luftangriffen sein Land zu verlassen. Allerdings denken nicht alle in Kurdistan so wie Barzani. Radio Dreyeckland fragte Thomas von der Osten-Sacken von der Hilfsorganisation Wadi, die seit über 20 Jahren Projekte in Irakisch Kurdistan und anderen Ländern des Nahen Ostens durchführt.

Interview anhören

The Case against a Deal with Iran August 5, 2015 | 12:38 pm


WHY IRAN IS NOT A TRUSTWORTHY PARTNER

"There are many reasons why President Barack Obama wants this deal. One of them being his conviction is Iran could play a positive role in the world and that it leads to a more stable Middle East. 
 I think that not only the Deal but equally the ongoing talks with the Regime themselves did anything but to 'stabilize' the Middle East. The ongoing Lebanonization of Iraq and Syria, where Iran-led Shia Militias reign supreme, is a perfect example of how strengthening the Iranian Regime does not advance peace but instead furthers the rapid destabilization and militarization of the Middle East. Furthermore, negotiating with Iran gives a formal legitimacy to a regime, which it does not hold it in the eyes of its population. Not only the Social Protests in 2009 but also the Popular Movement in the Kurdish Cities of Iran show that the majority of Iran’s population wants not only wants social improvements but at least some basic political freedom.
If we really want a peaceful and pluralistic Iran,
we should talk to the people who fled its oppressive system
which glorifies martyrdom and death while despising freedom and life."



 Mana Neyestani, exile-Iranian cartoonist
illustrating the latest appeasement against the Iranian Regime
and the betrayal of the Iranian Freedom Movement




The Case against a Deal with Iran
Why Iran is not a trustworthy partner
I      Prelude
II     Iran is not a trustworthy partner
III    Conclusion
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Remember August 3, 2015 | 01:54 pm

Under the Knife July 29, 2015 | 12:10 am

Foreign Affairs Magazine about Wadi’s anti FGM campaign in Iraqi-Kurdistan:

A great case study comes from the Kurdish region of Northern Iraq, which is currently considered one of the world leaders in female genital mutilation eradication. Aid organizations there first discovered that the practice was occurring in 2003 as workers fanned out to the countryside in anticipation of a refugee crisis following the U.S. invasion and toppling of Saddam Hussein. The refugees never came, but aid workers got an earful about what was happening to girls in the village.

Eight years later, in 2011, the Kurdish regional government passed law banning female genital mutilation. It was the result of an arduous, around the clock, and controversial campaign to push the politicians into action, led by WADI, a small Iraqi–German NGO. Along the way, activists faced death threats and had their personal reputations smeared. But they were ecstatic when they finally emerged victorious.

Yet today, four years after the law was passed, Kurdistan has yet to see the first person fined or jailed in connection with practicing female genital mutilation. “We fought so hard for the law, but as soon as it was passed, we realized that the fight had only begun,” Arvid Vormann, a program manager at WADI told me.

Even so, in some villages in the Kurdish region, mutilation is down by more than 40 percent, and nearly a dozen villages have officially adopted a label of “FGM-free” for several years now, a practice first started in Africa. Aid workers thus argue that the symbolism of the legislative victory was worth the effort, even if it is now clear that it was mostly the campaign itself—and not the legislation—that moved the needle.

Jinda Day Care Center for Yazidi Girls inaugurated in Iraqi-Kurdistan’s Dohuk July 12, 2015 | 01:21 pm

Wadi Dohuk inaugurating the center

On July 9th the Jinda Day Care Center for Yazidi Girls was inaugurated in Dohuk. This Center serves as a social and psychological safe haven particularly for women who were forced into slavery by the IS, but were able to escape.

In Kurdish Jinda means ‘re-live’ and in this sense the organizers of the center aim to “give a new life” to all women and girls who are affected by the war.

The Jinda center run by WADI Dohuk and supported by UNICEF is  offering these women a space and a variety of classes such as computer, hairdressing, handicraft and language classes. Thus, women who feel ready, can acquire new skills they will need if they stay on in the cities of Iraqi Kurdistan where they have found refugee.

Currently Wadi is caring about 300 girls, who were abducted by ISIS and abused but managed to escape.

Representatives of UNICEF and the Dohuk Governorate were present during the inauguation as well as the Italian Consulate General. This project is funded by the Italian Government.

Wadi-Newsletter Juli 2015 June 30, 2015 | 03:03 pm

Liebe Freunde und Freundinnen von WADI,

seit fast 10 Jahren engagiert sich WADI gegen weibliche Genitalverstümmelung in Irakisch-Kurdistan. Seit drei Jahren haben wir mit unserer Kampagne Stop FGM Middle East gemeinsam mit Hivos den Kampf gegen diese Menschrechtsverletzung in anderen asiatischen Ländern aufgenommen.

Im Nachbarland Iran laufen inzwischen zahlreiche Aktivitäten. Laut einer aktuellen Studie sind in den Provinzen West Azerbaijan, Kurdistan, Kermanshah and Hormozgan 40-60% der Frauen genital verstümmelt.

Wir haben die Veröffentlichung der Studie zum Anlass genommen, die UN aufzufordern, endlich Iran auf die Karte der von Genitalverstümmelung betroffenen Länder zu setzen.

Presseerklärung: FGM in Iran needs to be put on international agenda

Unsere Erklärung wurde von mehreren internationalen Medien aufgegriffen, die auch über einige einzigartige Projekte im Iran berichteten, etwa vom Weekly Standard: Confronting FGM in Iran and Iraqi Kurdistan

 

 

Im Irak konnten wir im vergangenen Jahr dank der Unterstützung von UNICEF Mitarbeiterinnen für sechs weitere Mobile Teams schulen.Diese Teams klären nun in allen Gebieten der autonomen Region Kurdistan über die Gefahren von weiblicher Genitalverstümmelung auf.

Eine Mitarbeiterin der Teams hat einen erschreckenden Bericht über ihre Arbeit verfasst. Wenn sie mit den Dorfbewohnerinnen über Genitalverstümmelung redet, erfährt sie von prügelnden Ehemännern,   gedemütigten Frauen und jungen Mädchen, die gegen ihren Willen mit alten Männern verheiratet werden, weil sie es wagten sich zu verlieben. Lesen Sie den Bericht „We need a great revolution for women“ von unserer Mitarbeiterin Kurdistan Rasul.

Kurdistan Rasul hat kürzlich auch einen Mullah besucht, der zuvor die Vorzüge der weiblichen Genitalverstümmelung gepriesen hatte.
Sie konnte ihn überzeugen, sich künftig an die Gesetze in der Autonomen Region Kurdistan zu halten und seine Ansichten darüber in Zukunft für sich zu behalten.
Lesen Sie den Bericht über ihren Besuch hier.

In der kurdischen Region des Iran hat gerade ein Pilot-Projekt begonnen, wo auch Ehemänner in die Arbeit einbezogen werden. Osman Mahmoudi und seine Frau Elham Huseini bieten in ihrem Familienberatungszentrum in Javanrod Paartherapie für Opfer von Genitalverstümmelung an. Osman erläutert: “Viele Männer wollen heute eine partnerschaftliche Beziehung. Es zehrt an ihnen, wenn sie sehen, dass ihre Partnerin beim Sex unglücklich ist.” Dieses Projekt adressiert in besonderer Weise Fragen von Gleichberechtigung und Partnerschaft in einer Gesellschaft im Umbruch.

Für dieses Projekt brauchen wir dringend Unterstützung durch private Spender. Denn viele der großen Geldgeber unterstützen im Iran keine Projekte, egal um was es geht. Wenn Sie Osmans und Elhams Beratungszentrum unterstützen wollen, spenden Sie bitte hier.

Auch die Medien im Iran haben angefangen über weibliche Genitalverstümmelung zu berichten. Einen entscheidenden Beitrag zur Eröffnung der Debatte leistete Radio Farda (Persisches Programm von Radio Free Europe/ Radio Liberty). Die Journalistin Roya Karimi erhielt für die Sendung “Tradition der Klinge” vergangene Woche die Gold Trophäe bei den New York Festival International Radio Program Awards in der Kategorie “Best Magazine Format”.

Wir gratulieren Roya Karimi und danken ihr für ihre großartige Arbeit!

Langfristige Entwicklung und Verbesserung der Verhältnisse erfordert Ausdauer und gute Kenntnisse der Situation vor Ort. WADI arbeitet seit 1992 in Irakisch-Kurdistan und anderen Ländern im Nahen Osten gemeinsam mit Partnern, die sich eigenverantwortlich für ihre Rechte und eine bessere Zukunft einsetzen.

Bitte helfen Sie uns dabei.

Mit herzlichen Grüßen,

Ihre Hannah Wettig

WADI ist seit 1992 im Nahen Osten aktiv. Wir arbeiten mit minimalem organisatorischem Aufwand und mit Hilfe ehrenamtlicher Helfer. WADI ist ein anerkannt gemeinnütziger Verein und berechtigt steuerlich relevante Zuwendungsbescheinigungen auszustellen.

Spendenkonto WADI e.V.
IBAN: DE43500100600612305602? | BIC: PBNKDEFF | Postbank Frankfurt
Konto: 612 305 602 ? | ? BLZ: 500 100 60

Saddams Erbe June 29, 2015 | 01:19 pm

Iraqi forensic teams in the southern province of Basra have found a mass grave containing 377 corpses apparently killed during the 1991 Shiite uprisings against Saddam Hussein’s dictatorship, said Iraqi human rights officials Sunday.

A statement released by Mehdi Tamimi, an Iraqi government human rights officer, said that the mass grave was found in the east of Basra province. According to Tamimi, the grave is the second biggest mass grave ever found in southern Iraq.

“The first stage of exhuming bodies has been initiated. Bodies are mainly believed to be women and children,” Tamimi said, adding that the forensic teams need larger budgets for further excavations.

According to Tamimi, there are more than 40 mass graves in Basra province. He emphasized the importance of preserving graves in order for them to be documented properly.

Quelle

Supporting a school for children of Syrian Refugees June 1, 2015 | 10:13 pm

WADI has a special relationship with the complex and its youngest and cutest inhabitants, because the accountant of WADI, Kumry Alferha, who herself is a refugee from Syria and came to Suleymaniah in 2004, is taking a lot of care about these children.

Earlier in the year, the eager pupils received clothes from WADI and now, on the last day of school they were waiting, wide eyed and hopeful for their end of school year gifts. The fifth and sixth grade boys received footballs while the girls received bracelet-making kits. The younger pupils received dolls and big toy trucks. To top off this joyous occasion, each child and teacher were handed tasty sweets especially ordered for them. The children, sometimes trilingual (speaking Kurdish, Arabic, and English) were very grateful for this little gesture – to some it may not seem like a big deal, it means the world to children who are trying to achieve the unachievable and find some semblance of stability in an unstable world.

Children should not have to worry about what to wear for school, where to obtain their school books and whether or not there will be enough teaches at school to guide them through their day.

Another pressing issue related to this, is that most of the children have missed out on two years of schooling due to their status as Syrian refugees. Because of their lack of paper documentation, the Iraqi authorities put off their enrollmentin school. Two years is a long time for a child not to be in school and many have fallen behind pedagogically. Therefore, funding for reinforcement classes are neededso the children can catch up to their actual school year.

This is a very urgent need and as of this moment there is neither funding to compensate teachers, nor to provide teaching equipment such as books, notebooks and pens. As of now, what WADI can provide is small but meaningful things such as some clothes and toys.

We wish we were able to provide more of these aforementioned services, as they are crucial to the futures of the children. Very few refugees actually return to their homeland and the current situation in Syria points to a very bleak future ahead for the Syrians.

Therefore, it is instrumental that we provide these necessities for the children if they are to become capable adults in the future Iraq.

Should we be so lucky to see a safe and war-free Syria in our lifetime, then we should make sure we have taken care of the younger generation so they can help rebuild Syria. That starts with providing the proper education for the children in Bainjan.

And you can support them with your donation.

„Wenn wir geweint haben, haben sie gelacht“ May 11, 2015 | 09:52 pm

Für Bild.de haben Antje Schippmann und Claas Weinmann jesidische Mädchen interviewt, dei vom islamischen Staat als Sexsklavinnen mißbraucht wurden und nun von Wadi betreut werden:

Die deutsche Hilfsorganisation „Wadi e.V. betreut Sina, Fahima und alle anderen Frauen und Mädchen, die aus ISIS-Gefangenschaft fliehen konnten, im Flüchtlingslager in Khanke.

Mit ihren mobilen Teams, in denen auch mehrere Jesidinnen arbeiten, gehen sie jeden Tag in das Camp. „Wenn die Mädchen hier ankommen, brauchen sie sofort dringend Hilfe“, erzählt die Teamleiterin Chiman (49). „Viele sind akut selbstmordgefährdet. Wir gehen mit ihnen zu allen Ärzten und betreuen sie auch psychologisch. Wir versuchen, wie eine Familie für sie zu sein.“

Einige der Mädchen seien so jung, dass sie noch nicht verstehen würden, was eine Vergewaltigung ist, sagt Chiman. Aber sie alle hätten ähnliches erlebt, wurden verkauft, missbraucht und verprügelt. Viele mussten mitansehen, wie ihre Väter, Brüder und Mütter kaltblütig ermordet wurden. Jetzt müssen sie versuchen, in ihr Leben zurückzufinden, während ihre Familien oftmals noch in den Fängen der Terrormiliz sind.

„Wir wollen, dass sie nach vorne schauen können, unternehmen mit ihnen kleine Ausflüge, um sie abzulenken, organisieren Computerkurse und einen haben einen Sportraum. Wir wollen den Mädchen wieder eine Zukunft geben.“