tag ‘Allgemein’
Abi Melzer und Salam Shalom scheitern in München September 27, 2016 | 12:26 am

Wie die antiisraelische Propaganda-Veranstaltung mit dem irreführenden Titel „Antisemitismus heute“ in München verhindert wurde.

Kundgebung vor dem Salam-Shalom-Vortrag „Die ethnische Säuberung Palästinas“ 2013 (EineWeltHaus)

Abi Melzer zählt zu den herausragenden Stichwortgebern der antizionistischen Szene in Deutschland. Der Publizist des „Semit – die andere jüdische Stimme“ springt seit Jahren allenthalben erregt als Alibi-Jude ein, wenn es darum geht, einen Antisemiten gegen kritische Stimmen zu verteidigen. Letzten Freitag sollte der bekennende Antizionist in München in der Begegnungsstätte „EineWeltHaus“ sprechen, um den laut Programmtext „hierzulande hysterisierten Antisemitismusvorwurf zu problematisieren“, kurzum: erneut den Antisemiten das Wort zu reden.

Die Veranstaltung des antizionistischen Vereins Salam Shalom trug den Titel „Antisemitismus heute“, womit die Veranstaltung selbst sowie die Veranstaltenden umfänglich beschrieben sein dürften. Denn Melzer wollte sich laut Ankündigungstext auch eine „Auseinandersetzung“ nicht ersparen „mit jüdischen Interessengruppen, denen er eine nicht zu rechtfertigende Identifikation mit Israel vorwirft“. Da klopft das Antisemitenherz gleich im Doppeltakt, wenn nicht nur Israel, sondern auch die jüdischen Gemeinde hierzulande an Melzers Phantasie-Pranger gestellt werden.

Mit spitzer Feder gegen Israelhass
Jürgen Jung von „Salam Shalom“ machte die Veranstaltung im städtisch finanzierten EineWeltHaus erst kurzfristig breiter bekannt, wodurch den Kritikerinnen und Kritikern in München nur wenig Zeit blieb, zu intervenieren. Das EineWeltHaus stand lange wegen antiisraelischen Veranstaltungen in der Kritik (Dossier zum EineWeltHaus). Sehr früh reagierte im Fall Melzer Charlotte Knobloch, Präsidentin der IKG von München und Oberbayern, sowie weitere Mitglieder der Israelitischen Kultusgemeinde und jüdische Organisationen. Hervorzuheben ist neben dem Stadtrat Marian Offman (CSU) ein eindringlicher Brief, der von mehreren Mitgliedern der jüdischen Gemeinde und einer Münchner Holocaust-Überlebenden unterzeichnet ist. Zu Wort meldete sich auch Richard Quaas. Der CSU-Stadtrat kritisierte bereits häufiger die BDS-Kampagne und erinnerte daran, dass Israel für Jüdinnen und Juden einen wichtigen Schutzraum darstelle. Auch der Publizist Henryk M. Broder wendete sich mit einem pointierten Brief an das Kulturreferat.

Der Chef des Kulturreferats, Hans-Georg Küppers, reagierte in diesem Fall deutlich schneller und beherzter als noch im November des letzten Jahres, als das Kulturreferat eine eher traurige Figur abgab und eine BDS-Veranstaltung mit Christoph Glanz durchwinkte. Jetzt untersagte das Kulturreferat dem EineWeltHaus umgehend, die städtischen Räume Salam Shalom zu überlassen, da „in der Veranstaltung die Grenze zwischen Israelkritik und Antisemitismus überschritten“ würde. In städtischen Räumen seien „solche Agitationen nicht zulässig“, so Küppers. Das EinWeltHaus musste also Salam Shalom absagen. Den Vorstand des Trägerkreises Eine-Welt-Haus fordert er laut der Süddeutschen Zeitung auf, „künftig nach fundierter Prüfung in ähnlich sensiblen Fällen frühzeitig mit seinem Beirat und dem Kulturreferat Kontakt aufzunehmen“.

Salam Shalom bekommt Schützenhilfe von der NPD
Der Grüne Stadtrat Dominik Krause legte gegenüber dem Münchner Merkur noch eine Schippe drauf: „Salam Shalom hat in städtischen Räumen nichts zu suchen – die wären in der NPD-Zentrale besser aufgehoben.“ Am nächsten Tag erschien im Münchner Merkur ein Leserbrief des Salam Shalom-Vorstands Jürgen Jung, der an prominenter Stelle noch einmal betonen durfte, dass amerikanische Juden Profit aus dem Holocaust schlagen würden – das sei nachgewiesen – und Krause läge überhaupt falsch.

Unterstützung erhielt der Pfaffenhofener Nachweisexperte für jüdische Profitgier ausgrechnet sogleich vom Stadtrat Karl Richter von der NPD-Tarnorganisation „Bürgerinitiative Ausländerstopp“. Dieser richtete eine Anfrage mit dem Titel „Abraham Melzer darf nicht sprechen – ein Fall von Zensur durch die Landeshauptstadt München?“ an den Oberbürgermeister Dieter Reiter. Der Bürgermeister solle doch prüfen, inwiefern der Vereinsvorsitzende von Salam Shalom Recht habe mit seiner Einschätzung, die „‘Israel Lobby‘ habe dafür gesorgt, dass der Vortrag nicht stattfinden könne“.

Bitten um russischen und katholischen Beistand
Salam Shalom versuchte indes, in die Räumlichkeiten des russischen Kulturzentrums GOROD auszuweichen, das ansonsten nicht für antizionistische Veranstaltungen bekannt ist – im Gegenteil – eher einen freundschaftlichen Austausch mit Israel pflegt. Es ist davon auszugehen, dass die Verantwortlichen nicht sofort einschätzen konnten, was sich hinter der Veranstaltung mit dem irreführenden Titel „Antisemitismus heute“ verbirgt. Das russische Kulturzentrum kündigte Salam Shalom umgehend die Räumlichkeiten wieder, als aus unterschiedlichsten Richtungen die Hinweise eintröpfelten.

Dennoch konnte der Verein am gleichen Tag noch neue Räume anmieten: nämlich des Verbandes der Katholiken in Wirtschaft und Verwaltung (KKV) in der Brienner Straße. Das ist für Salam Shalom insofern gewohntes Terrain, da der Verein beste Verbindungen zu katholischen Organisationen hat. Zum Beispiel fanden die Veranstaltungen mit Erich Fried (2011) und Jeff Halper (2010) in den Räumlichkeiten der Ordenshochschule für Philosophie der Jesuiten in München statt; ebenso dient die Benediktiner-Pfarrei Sankt Bonifaz der antizionistischen Vereinigung als Veranstaltungsort. Ein weiteres Beispiel ist Pater Reiner Fielenbach von den Karmeliten in Straubing. Der ehemalige Kreuzritterorden, der heute noch Präsenz auf Ritterfestspielen zeigt, unterhält den Verein Musa‘ade, eine Missionierungseinrichtung in Bethlehem im klassischen Stil. Die antiisraelischen Wallfahrten des Vereins wurden regelmäßig auf den Seiten von Salam Shalom unter „Veranstaltungen“ beworben.

Nach der Pleite: Schützenhilfe von der DKP
Der Geschäftsführer des KKV, Thomas Riegel, dürfte zahlreiche Briefe mit kritischen Stimmen sowie Anrufe erhalten haben. Sogar an Kardinal Reinhard Marx wurden Briefe verfasst, den Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz. Dessen Pressesprecher bestätigte daraufhin gegenüber der Jerusalem Post, „die Veranstaltung wird laut Aussagen von KKV Hansa München nicht stattfinden“. Der Sprecher unterstrich, Kardinal Marx sei „gegen jede Form von Antisemitismus, Rassismus und Diffamierung und gibt diesen Haltungen keine Plattform“. Auch Riegel sagte Salam Shalom ab.

Die Melzer-Veranstaltung in München platze. Salam Shalom rief zum Veranstaltungstermin ersatzweise dazu auf, sich in den Räumlichkeiten der Deutschen Kommunistischen Partei (DKP) im Münchner Westend zu treffen. Es sollte beraten werden, was „wir kurz- und mittelfristig unternehmen können, um dem dreisten und erfolgreichen Treiben der Meinungsunterdrücker Einhalt zu gebieten – politisch, juristisch, publizistisch“. Es könne nicht sein, dass „eine kleine, allerdings bestens vernetzte Interessengruppe darüber befinden kann, wer in dieser Stadt und in diesem Land – es handelt sich ja um ein bundesweites Phänomen“ was sagen dürfe. Annähernd staatstragend wird in der DKP-Bude vermutlich eher seltener gebrüllt.

Leichter Klimawandel in München kein Erfolg von Linken
Tatsächlich ist die Verhinderung der Melzer-Veranstaltung in städtischen Räumlichkeiten ein ungewohnter Teilerfolg. Zwar konnte 2009 Ilan Pappe eingebremst und 2010 Norman Finkelstein verhindert werden, aber ein derart krachendes Scheitern kennen die Agitatoren von Salam Shalom noch nicht. Auch Fuad Hamdan vom „Palästina Komitee München“ beklagte kürzlich bei einer Veranstaltung mit Ronnie Barkan in München, „Räume zu finden, werde immer schwerer“. Die jahrzehntelange Subvention der Stadt von antiisraelischer Propaganda schwindet merklich.

Das ist leider – von wenigen Ausnahmen abgesehen – kein Erfolg von Linken. Salam Shalom und deren Mittäter konnten im linken Münchner Sumpf jahrzehntelang bestens heranwachsen. Die stellenweise kaum noch kaschierte antijüdische Propaganda und die offene Hetze gegen den jüdischen Staat – das größte jüdische Kollektiv – blieb und bleibt noch heute viel zu häufig ohne Widerspruch und ohne Konsequenz. Es bleibt im Grunde den von Antisemitismus Betroffenen selbst überlassen, sich gegen die Diffamierungskampagnen zu wehren. Flankiert wird die Kritik zumeist von Einzelpersonen aus dem eher konservativen Milieu. Warum stehen Linke in dieser Stadt montäglich gegen Pegida und nicht mit ähnlichem Engagement gegen Antisemitismus auf? Das ist kaum zu begreifen.

Weiterführendes:
Ulrich Sahm anlässlich der Melzer-Absage: „Das Judentum als Geschäftsmodell

, , , , ,

Ringvorlesung: Antisemitismus hat viele Gesichter – Aspekte eines gesellschaftlichen Wahns September 24, 2016 | 12:16 pm

Sprüche wie „Juden raus!“, „Jude, Jude feiges Schwein, komm herunter kämpf‘ allein!“ „Judenpack!“, usw. rufen in der Gesellschaft Abscheu und Widerspruch hervor. Mit Personen, die sich so äußern, will man nichts zu tun haben. Offener und unvermittelter Judenhass wird vor allem in rechtsextremen Kreisen und bei Islamisten artikuliert. Diese sind zwar gesellschaftlich isoliert, deswegen aber nicht harmlos. Äußern sich Personen in etablierten Parteien und Verbänden in dieser Weise, folgt meistens der Rausschmiss. Ist damit alles gut? Wir denken das nicht. Nach 1945 ist offen artikulierter Antisemitismus zwar gesellschaftlich geächtet, aber deswegen nicht verschwunden.

Umfragen belegen bis heute, dass viele Bürgerinnen und Bürger Aversionen gegen Juden hegen. Antisemitische Vorurteile existieren in abgewandelter Form weiter und strukturell dem Antisemitismus entsprechende Ideologeme finden sich in allen politischen Zusammenhängen, nicht zuletzt häufig auch in linken. Insbesondere das Thema Israel führt oft zu irrationalen und wirklichkeitsfremden Meinungsbildern und ruft Emotionen hervor. Nicht selten artikuliert sich in diesem Zusammenhang auch eine, das individuelle Urteilsvermögen lahmlegende leidenschaftliche Wut. Die Wut und der Hass auf Israel sind Ausdruck des sekundären Antisemitismus und nehmen heute eine gesellschaftlich weitgehend akzeptierte Stellvertreterfunktion des einst in Deutschland als Staatsräson geltenden und die gesellschaftlichen Bereiche durchdrungen habenden Antisemitismus ein.

Mit unserer Ringvorlesung wollen wir die unterschiedlichen Erscheinungsformen des Antisemitismus zur Sprache bringen und diskutieren. Wir können und wollen keine Credits für den Weg zur Erlangung eines akademischen Abschlusses vergeben, sondern das kritische Denkvermögen, das Interesse zur Reflexion und die Lust zum Widerspruch anregen. Wir möchten so dazu beitragen, dem Antisemitismus, der „Negativen Leitidee der Moderne“ (Samuel Salzborn), besser entgegen treten zu können.

Unsere Veranstaltungsreihe wurde durch großzügige Unterstützung des AStA der Uni Kassel möglich.

Die Veranstaltungsreihe wird zusammen mit dem AK Antisemitismus an der Uni Kassel, dem AK Raccoons, dem Infoladen an der Halitstraße und der Unabhängige Linke Liste Kassel LiLi organisiert.

Sie findet im Rahmen der diesjährigen Aktionswochen gegen Antisemitismus, der Amadeu-Antonio-Stiftung statt.

14.10. Tagesseminar – Mideast Freedom Forum: Die Israelische Demokratie und der Nahostkonflikt; Infoladen, Holländische Str. 88, Kassel, Beginn 11.00 Uhr

Der Fokus des Seminars liegt darauf, Israel als demokratischen Staat vorzustellen, dessen jüdisch-nationale Gründungsbewegung – der Zionismus – wie andere nationale Bewegungen im 19. Jahrhundert entstanden ist und nach der Shoah in eine Staatsgründung mündete. In diesem Kontext wird auf den Konflikt mit den Palästinensern und den arabischen Staaten eingegangen und es werden dessen wichtigste Stationen (Unabhängigkeitskrieg 1948, Sechstagekrieg 1967, Intifadas und Osloer Friedensprozess) beleuchtet.

Zu dieser Veranstaltung ist eine Anmeldung per Email erforderlich: BgA_Kassel[at]gmx.de

21.10. Stephan Grigat: Antisemitismus – Zur Kritik einer Weltanschauung; Uni Kassel Holländischer Platz, Nora Platiel Straße 5, Raum 1108, Beginn 18.30 Uhr

Die Wurzeln des Antisemitismus reichen sowohl bis in die frühchristliche und mittelalterliche als auch islamische Judenfeindschaft zurück. Der moderne Antisemitismus unterscheidet sich jedoch von der klassischen Judenfeindschaft. Wie hängt die gesellschaftliche Verfasstheit der Moderne mit dem auch als Wahn zu erklärenden Antisemitismus zusammen und worin unterscheidet sich Antisemitismus vom Rassismus und anderen Vorurteilen und Denkmodellen der Diskriminierung? In der Veranstaltung soll es darum gehen, Kontroversen um den Begriff aufzuzeigen und aktuelle Deutungsversuche des Antisemitismus zur Debatte zu stellen.

26.10. Marius Mocker: „Antisemiten aller Länder…“ – der Hass auf Israel als Schnittpunkt von linkem und gesamtgesellschaftlichem Antisemitismus in Europa; Uni Kassel Holländischer Platz, Nora Platiel Straße 5, Raum 1108, Beginn 20.00 Uhr

Mit der Mobilisierung gegen angebliche israelische Kriegsverbrechen erreichte die zumindest operative Zusammenarbeit zwischen linken und islamistischen Antisemiten hierzulande einen ihrer Höhepunkte in den letzten Jahren. Warum Träger von irrationalen Ressentiments jeder Ausformung im Hass auf Israel immer einen gemeinsamen Nenner finden werden und welche Rolle dabei die diversen Fraktionen innerhalb der deutschen und europäischen Linke spielen, darüber soll diskutiert werden.

02.11. Martin Kloke: Zwischen Scham und Wahn: Bilder Israels in der deutschen Öffentlichkeit; Uni Kassel Holländischer Platz, Nora Platiel Straße 5, Raum 1108, Beginn 20.00 Uhr

Wie kein Land der Welt sorgt Israel für Leidenschaften in der politischen Auseinandersetzung. Weniger Beachtung in den gesellschaftlichen Debatten findet eine scheinbar positive Identifikation mit Israel in einigen neurechten, identitären, aber auch christlich-fundamentalistischen Milieus: Wie ist der Zusammenhang von Hass und Überidentifikation zu verstehen und warum wird gerade Israel so oft zum Objekt von Obsessionen?

11.11. Anna-Lena Rackwitz: Antiamerikanismus als Weltanschauung; Veranstaltungsort: Uni Kassel Holländischer Platz, Nora Platiel Straße 5, Raum 1108, Beginn 20.00 Uhr

Die Aversionen gegen Amerika sind ein entscheidendes ideologisches Bindeglied in den Querfronten. Bei Antiimperialisten, Friedensbewegten, Linksparteipolitikern und bei Anhängern diverser Verschwörungstheorien sowie bei Protagonisten der AfD und Pegida-Aktivisten als auch bei klassischen Nazis steht Amerika als ein halluziniertes Gegen-Europa oder wird als Antipode zu Deutschland angesehen. Wie wenig einerseits dieses Bild mit den konkreten Zuständen in den USA zu tun hat und warum gerade die USA diese Rolle in den emotional besetzten Weltanschauungen spielen, soll auf der Veranstaltung diskutiert werden.

16.11. Thomas Maul: Der Zusammenhang von Gesetz, Erlösung und Antisemitismus im Christentum. Veranstaltungsort: Uni Kassel Holländischer Platz, Nora Platiel Straße 5, Raum 1108, Beginn 20.00 Uhr

Stünden die Christen derart im Bann des Selbstopfers, als sie sich dessen jüdisch-messianischen Sinns sowie der Dialektik von Urchristentum und Kirche mit Blick auf die Notwendigkeit rechtlicher Vermittlung in einer unerlösten Welt endlich bewusst würden, es gäbe keinen christlichen Antisemitismus mehr, es wäre das Christentum überhaupt erst bei sich selbst.

30.11. Felix Riedel: Der islamische Antisemitismus. Über die Geschichtsmächtigkeit und Folgen der Enttäuschung eines erfolglosen Missionars. Veranstaltungsort: Uni Kassel Holländischer Platz, Nora Platiel Straße 5, Raum 1108, Beginn 20.00 Uhr

Im Koran findet man Lob und Bewunderung für die jüdischen Religionsgründer. Vor allem mit dem Zauberer Moses identifiziert sich der Prophet Mohammed. Wie beim Protestantismus überdecken jedoch rasch Enttäuschung des erfolglosen Missionars und Verschwörungsangst die Sympathie. Der Unterwerfung, Vernichtung und Vertreibung der jüdischen Stämme aus Mekka und Medina folgen Ghettoisierung und Diskriminierung in der islamischen Welt. Im 20. Jahrhundert entsteht das bis heute wirksame explosive Konglomerat aus traditionellem Chauvinismus, sekundärem Antisemitismus und Verschwörungstheorien.

14.12. Jan Rathje: No World Order – Wie antisemitische Verschwörungsmythen die Welt verklären. Veranstaltungsort: Uni Kassel Holländischer Platz, Nora Platiel Straße 5, Raum 1108, Beginn 20.00 Uhr

Verschwörungserzählungen begleiten auch die aktuellen Krisen. „Lügenpresse“ und „Volksverräter“ sind die einschlägigen Begriffe, denen man auf Demonstrationen nicht nur rechtsextremer Bewegungen, in „alternativen“ Medien und den Sozialen Netzwerken begegnet. Die Anhängerinnen und Anhänger von Verschwörungsideologien und –mythen machen auf diese Weise deutlich, dass es sich bei den zugrundeliegenden Erzählungen eben nicht ausschließlich um Unterhaltung handelt, sondern ihnen der Wunsch nach der Vernichtung von Widersprüchen innewohnt. Funktionen und Ursachen von Verschwörungsideologien sowie gesellschaftliche Probleme, die aus ihnen erwachsen, sollen der Diskussion gestellt werden.

18.01. Laura Luise Hammel: „Wer seit hundert Jahren die Fäden zieht“ – Antisemitische Verschwörungstheorien in Protestbewegungen am Beispiel der Mahnwachen für den Frieden; Uni Kassel Holländischer Platz, Nora Platiel Straße 5, Raum 1108, Beginn 20.00 Uhr

Anfang 2014 sorgte auf deutschen Marktplätzen und Online-Plattformen eine neue Protestbewegung für Aufsehen. Mit ihrem Leitthema der Forderung nach „Frieden“ befasste sie sich etwa mit politischen und wirtschaftlichen Krisen oder der Rolle der Medien, aber auch eine Vielzahl esoterischer Einflüsse prägten die wöchentlichen Treffen der neuen Bewegung. Kritiker werfen den Mahnwachen eine Offenheit für Verschwörungsmythologie und Antisemitismus sowie die Bildung einer neurechten Querfront vor. Wie entstand die Bewegung? Wer waren ihre Protagonisten und was trieb die Anhänger an?

01.02. Merle Stöver: Korrespondenzen antisemitischer Ideologie mit feministischer Theorie und Praxis. Veranstaltungsort: Uni Kassel Holländischer Platz, Raum und Zeitpunkt wird in Kürze bekannt gegeben.

Feminismus stellt eine gesellschaftliche Notwendigkeit dar und muss immer Teil einer Gesellschaftsanalyse- und Kritik sein. Doch mit Blick auf gesellschaftliche Missstände, sehen wir das Fortleben antisemitischer Ideologie, die weder vor linken Kontexten noch vor feministischen Gruppierungen und ihren Gesellschaftstheorien Halt macht. Daher gilt es zu untersuchen, ob es unter Feminist*innen bzw. im Feminismus Antisemitismus gibt und auf welche Art und Weise sich dieser äußert.


Das Glas der Unvernunft September 23, 2016 | 09:32 pm

Treffen sich ein Konförderierter und der Autor eines Nazissen-Kitsch-Romans – was sich wie der Beginn eines Tarantino Filmes anhört, an dessen Ende all die unsympathischen Protagonisten ein hoffentlich blutiges Ende finden – wird in Kassel nun Wirklichkeit. Aber die Kasseler Story ist kein Film von Tarantino, sondern die Real-Fiktion für die Deutschlands zweitliebster Amerikaner Oliver Stone die Fiktion produziert und praktischer Weise gleichzeitig den Schuldablass mit formuliert – Auch der Ami gehört vor den Nürnberger Gerichtshof, nicht wegen der Indianer, nein wegen des Verbrechens am kommenden Kasseler Preisträger.

Auf Edward Snowden können sich alle einigen, vom Sarrazinversteher Bernhard Schlink  bis zum Sarazenenversteher Heribert Prantl. Deshalb dürfen diese beiden Gegenpole der deutschen Ideologie – der Erforscher dessen, was an Tabubruch gerade noch geht und der Vertreter der politischen Korrektheit in ihrer dogmatischen Form – jetzt dem hoffentlich noch nicht ganz oder teilweise an Ramsan „Ramsay“ A. Kadyrows Privatzoo verfütterten EDV-Experten eine Laudatio halten.

korn

Hat auch etwas mit Glas, deutscher Provinz und der dort hausenden Unvernunft zu tun.

Ohne die geringste Ahnung von der Ideologie der amerikanischen Rechtslibertären* zu haben, und ohne jedwede Bereitschaft, für größere Diskretion bei der Abfassung des eigenen Emailverkehrs auch nur einen müden Cent auszugeben (vgl., Nobody, not even You, really cares about mass surveillance), ist man sich hierzulande einig, dass es sich bei Snowden um einen mutigen Menschen- und Bürgerrechtler** handelt, dem politisches Asyl gebührt.

Auf dem ersten Blick könnte man den Ideologen der Rechtslibertären zugestehen, dass sie die Rechte des Individuums gegen den Staat stärken möchten. Aber ihre Ablehnung des Staates ist nicht etwa eine Ideologiekritik am Staatsfetisch, wie sie etwa Willy Huhn geleistet hat, sondern lediglich Ressentiment gegen das Abstrakt-Allgemeine, welches der Rechtslibertäre im Gegensatz zum durchschnittlichen Linksdeutschen nicht im privatem sondern im staatlichen Sektor des Kapitalismus verkörpert sieht. So wie Globalisierungsgegner den „guten“ Staat gegen das „böse“ Kapital ins Feld führen wollen, so möchten Ron Paul oder Ayn Rand das „gute“ Kapital vom „bösen“ Staat und Snowden das postbürgerliche Subjekt von einem imaginierten auf es selbst angesetzten big brother befreien. Diesen Weltbildern ist gemein, dass sie kein Verständnis dafür haben, dass sich Staat, Volk, Kapital, irre gewordenes Subjekt und Arbeit gegenseitig bedingen und keinesfalls Antagonisten sind.

Aus dem Ressentiment gegen Abstraktion und Vermittlung entsteht struktureller Antisemitismus. Es ist daher auch kein Zufall, dass sich bei der Prämierung sowohl Prantl von der Süddeutschen Zeitung als auch der Nazi-Schmonzetten-Autor Schlink einfinden. Prantl, der es als wohlfeilen Ausdruck liberalen Verständnisses von Meinungsfreiheit verbucht, dem mittlerweile verblichenen SS-Günni einen prominenten Platz für sein Gedicht mit letzter Tinte eingeräumt zu haben, Karikaturen gegen den Willen ihrer Schöpfer antisemitisch zu verwenden und der von Holocaustleugnern professoral beeindruckte Schlink, zudem Meister literarisch aufgemotzter Schuldabwehr, huldigen an diesem Wochenende im Kreise der Kasseler Prominenz den, wie einige bedauernd festgestellt haben, zur Preisverleihung nicht in Kassel weilenden Gepriesenen.

Das links wie rechts zu findende Ressentiment gegen Juden, hilfsweise das gegen die Vermittlung und Abstraktion macht es bei allen sonstigen Gegensätzen eben möglich, dass Guardian und Junge Freiheit in Sachen Snowden am selben Strang ziehen. Dass Rechtslibertäre letzten Endes nicht den Zwangs- und Gewaltcharakter des Staates kritisieren, sondern lediglich dessen abstrakte und vermittelte Form, zeigt sich ja schon allein daran, dass Snowden ausgerechnet beim ehemaligen KGB-Funktionär Putin Zuflucht gesucht hat. Gegen staatliche Gewalt hat er also offensichtlich gar nichts einzuwenden, wenn diese nur direkt und unvermittelt durch Knochenbrecher angewendet wird.

Von Ron Paul oder Ayn Rand hat hierzulande kaum jemand etwas gehört. Zwar fehlt es in Deutschland bekanntlich keineswegs an Zeitgenossen, die sich vor Chemtrails, Reptiloiden und Impfstoffen fürchten, aber wer in Deutschland einen ideologischen Überbau für Größenwahn und Paranoia sucht, der wird sich im Zweifel nicht als souveränes Individuum und Ein-Mann bzw. Ein-Frau Staat, sondern als Angehöriger eines imaginären deutschen Reiches definieren.

Mit anderen Worten, der Wahnsinn des an sich selbst irre gewordenen postbürgerlichen Subjekts nahm*** in den USA die Form des Hyperindividualismus, in Deutschland hingegen die des Zwangskollektives an. Die Ideologie, die Snowden antreibt, ist dem durchschnittlichen deutschen Betrachter somit so fremd, dass es problemlos möglich war, einen Zeitgenossen, dessen wenige deutschen Spießgesellen wie ein André F. Lichtschlag auch gerne mal in der Jungen Freiheit publizieren, als linksliberalen Bürgerrechtler und neuen Martin Luther King zu verkaufen – obwohl die allgemeinen Bürgerrechte in den USA ja gerade gegen die Vertreter jenes Gedankengutes, für das Ron Paul und Edward Snowden stehen, durchgesetzt wurden. Und weil eben auch der gewöhnliche grün-links-sozial-liberale „Amerikakritiker“ und die sich mit ihrer nationalen Herkunft gern versöhnt sehenden Bürger und Kasseler Honoratioren bei der Preisverleihung im Beisein der örtlichen Presse gern ein Stelldichein in schicken Anzügen und Abendkleidern geben und Kassel samt OB einen guten Eindruck machen wollen und sollen, so hält eben nicht ein Lichtschlag oder ein Kasseler Reichsbürger die Laudatio, sondern ein Prantl und der Schlink.

(jh / jd)

*Snowden wird sowohl von Linksliberalen als auch von Anhängern der Tea-Party-Bewegung und Libertären wie Ron Paul gefeiert. (zu den Affinitäten des Snowden – nicht nur, aber auch zu den Rechtslibertären, vergl.: Sean Wilenz, Would you feel differently about Snowden, Greenwald, Assange, if you knew what they really thought? in: New Republic 2014; und: Barton Gellman, Jerry Markon, Edward Snowden says motive behind leaks was to expose ’surveillance state‘, in: Washington Post, 2013)

**Dass Snowden durchaus auch zurecht als Verräter betrachtet werden kann, dessen Taten auch Menschenleben gefährdeten (und vielleicht heute noch gefährden) kann hier nach gelesen werden. Dass diese Erkenntnis nicht gleichbedeutend damit ist, ihm eine Kugel verpassen zu wollen, versteht sich eigentlich von selbst, wird dort aber auch noch mal ausgeführt: (NSA-Affäre: Edward Snowden ist und bleibt ein Verräter).

***Dies hat sich inzwischen auf Grund der in der Obama-Ära eingetretenen Europäisierung bzw. Verdeutschung des ehemaligen Westens geändert. Der Protektionist und Semifaschist Trump hat inzwischen den Tea-Party-Wichteln den Rang abgelaufen.

 


Aufruf: NO DEAL IS STILL THE BEST DEAL September 19, 2016 | 04:40 pm

Gegen jede Annäherung an das iranische Regime!

 

Die Einladung des iranischen weltlichen Führers Hassan Rohani nach Berlin ist programmatisch für die gesamte Iran-Politik Deutschlands und entspricht der seit Längerem verfolgten Linie der deutschen Außenpolitik. Anstatt die abscheulichen Menschenrechtsverletzungen dieser Diktatur anzuprangern, wird zugunsten deutscher Standortpolitik um den besten Deal gebuhlt.
 
Nachdem Anfang Februar 2016 Außenminister FrankWalter Steinmeier bereits den Präsidenten des islamistischen Regimes im Iran, Hassan Rohani, einen Deutschlandbesuch nahe legte, soll dieser noch im Herbst 2016 stattfinden. Ein genaues Datum wird bisher noch unter Verschluss gehalten. Wohl in Vorbereitung dessen traf am 6.09.16 der iranische Geheimdienstminister Mahmoud Alavi auf Regierungsvertreter in Berlin. Weitere Zusammenkünfte von Delegierten des Iran mit Repräsentanten aus Wirtschaft und Forschung sind ebenfalls zu erwarten. Wie bereits die Visiten Rohanis in Italien und Frankreich Anfang diesen Jahres zeigten, geht es dabei um milliardenschwere Verträge, die nun auch die deutsche Regierung zum Ausbau ihrer Wirtschaftsmacht an Land ziehen möchte. Möglich gemacht hat dies das Wiener Atomabkommen, das die Aufhebung von Wirtschaftssanktionen gegen den Iran im Austausch einer Limitierung und Kontrolle der Nutzung von Atomenergie vorsieht. Das ist in vielerlei Hinsicht äußerst problematisch:

 

Der Islamismus des iranischen Regimes

Im Iran wird die Bevölkerung massiv unterdrückt. Liebesbeziehungen sind nur in heterosexuellen Ehen erlaubt und Persönlichkeitsrechte existieren de facto nicht. Erlaubt ist, was der Ideologie des Islamismus entspricht und durch die „Sittenwächter“ kontrolliert wird. Alles andere, wie beispielsweise liberalen Genüssen frönen, gemischt-geschlechtliche Partys feiern oder gar eine gleichgeschlechtliche Liebesbeziehung pflegen, ist nicht denkbar in einem Iran, der dafür Gefängnis, Peitschenhiebe, Folter, Verstümmelung oder gar Mord als Konsequenz vorsieht. Solche Lebensentwürfe können nur verdeckt, im Geheimen ausgelebt werden. Auf Homosexualität steht die Todesstrafe: erst kürzlich wurde sie an dem 19-jährigen Hassan Afshar volllstreckt.  Meinungsfreiheit existiert nicht. Frauen* werden brutal unterjocht und müssen sich korrekt verschleiern, andernfalls droht Besuch durch den Exekutivarm der „Sittenwächter“ oder „Revolutionsgarden“.  Bringen Betroffene einen Vergewaltigungsfall vor Gericht, drohen ihnen Strafen bis zur Hinrichtung.
Angesichts solcher Umstände mutet es mehr als zynisch an, dass das öffentliche Medienbild in Deutschland den neuen Präsidenten des Iran überwiegend als „Reformer“ oder „Liberalen“ verharmlost. Unter Rohani wurden im Jahr 2015 min. 1000 Todesurteile vollstreckt, weitaus mehr als noch unter Ahmadinedschad. Gewerkschaften, Menschenrechtsgruppen, Angehörige religiöser und verfolgter Minderheiten werden bedroht, politische Gefangene bleiben auch nach dem Atomabkommen in Haft und werden gefoltert. Eine Opposition, wie sie 2009 noch in Form einer Demokratiebewegung auf die Straße ging, wurde niedergeschlagen und existiert im Iran de facto nicht mehr. Diejenigen, die gezwungen wurden ins Exil zu gehen, können sich auch außerhalb des Iran ihres Lebens nicht sicher sein. Und jeder, der sich auf die Wahlen im Iran beruft, täuscht sich darüber hinweg, dass dies Scheinwahlen sind. Vor der letzten „Wahl“ wurden die konformen Präsidentschaftskandidaten durch die Revolutionsgarden von den nonkonformen getrennt, ausschließlich erstere, die von westlichen Medien als moderat bejubelt werden, wurden zur Wahl zugelassen. 
Der Iran ist seit 1979 ein islamistischer Staat, dessen Regime mit allen notwendigen Mitteln oppositionelle Kräfte ausschaltet und Personengruppen, die ihrer Ideologie nicht entsprechen, massiv unterdrückt. Terrororganisationen wie die Hizbollah werden offen unterstützt und der einzige jüdische Staat auf der Welt soll vernichtet werden. Für die Islamische Republik Iran sind antisemitisches Verschwörungsdenken und Hass auf die Moderne seit der Gründung der Dreh- und Angelpunkt ihrer Ideologie. Das Regime in Teheran macht keinen Hehl daraus, was es mit Atomwaffen erreichen würde, würde es nur gelassen. Dass der Iran bis heute nicht im Besitz von nuklearen Massenvernichtungswaffen ist, hing nicht zuletzt auch mit einer Sanktionspolitik seitens der EU, den USA und der internationalen Staatengemeinschaft zusammen.

Deutschland und Iran – eine besonders enge Beziehung ¹

Nach den erneuten internationalen Atomverhandlungen mit dem Iran im Jahr 2015 in Wien schien jedoch ein neuer Anfang des gegenseitigen Austauschs vom islamistischem Regime und der internationalen Staatengemeinschaft möglich: Zum ersten Mal seit der islamistischen Revolution ’79 ließen sich die Ayatollahs auf Gespräche mit den von ihnen als Ungläubige Denunzierten ein. Die von den USA und der EU auferlegten Sanktionen werden seit geraumer Zeit schrittweise gelockert, der Iran darf internationale Finanzkanäle nutzen, darf wieder Öl und Gas exportieren und erhält bis dato eingefrorene Vermögenssätze in Milliardenhöhe zurück.
Auf Seiten Deutschlands besteht das Interesse, die durch die Sanktionen unterbrochenen „traditionellen Wirtschaftsbeziehungen“ wieder aufzunehmen und die deutsche Vormachtstellung auf dem iranischen Markt weiter auszubauen. Auf Seiten des Iran ist mit der wirtschaftlichen Kooperation der Zugang zu Wissen, Technik und Rohstoffen verbunden, die eben nicht nur einer zivilen Nutzung dienen. Das grundlegende Know-How und die Basisstoffe, die für die Energietechnologie und Landwirtschaft notwendig sind, sind für Kern- oder Chemiewaffen dieselben bzw. deren Voraussetzung. Die bisherige internationale Kontrolle durch Beobachter wurde durch den Iran durchgehend behindert und wurde letztlich zur Farce Selbst die Erkenntnisse der eigenen Geheimdienstbehörde stellen die Legitimation der deutschen Iranpolitik in Frage. Im Verfassungsschutzbericht 2015 wird festgestellt, dass der Iran mit allen Mitteln die Atombombe will. Die illegalen Beschaffungsversuche waren noch nie so hoch wie heute. 

Rohani –  the friendly face of terror

Die Leugnung der Shoah und das Abstreiten des Existenzrechts Israels sind zentral in der Politik der iranischen Staatsführung. Die  deutsche Bundesregierung, Hauptpartner in den Verhandlungen zum Atomprogramm des Iran, ignoriert so den Umstand, dass in diesem Jahr in Teheran zum dritten Mal ein Holocaust-Cartoon-Wettbewerb stattfand, der antisemitische und holocaustleugnende Karikaturen prämiert. Ausgerufen vom ehemaligen Präsidenten Mahmud Ahmadinedschad, findet er auch unter Rohani statt. Es vergeht kaum ein Tag, an dem die iranische Führung nicht mit der Auslöschung Israels droht. Erst im März wurden – unter dem „Reformer“ Rohani – Mittelstreckenraketen getestet, deren Zweck über ihre Beschriftung klar gemacht wurde: „Israel muss ausgelöscht werden“. Bereits Ende Mai 2015 verkündete Rohani: „Wir können Israel in weniger als 8 Minuten auslöschen“. Und mit diesem Regime führt Deutschland Verhandlungen, um „das Vertrauen in die ausschließlich friedliche Natur des iranischen Atomprogrammes zu erneuern“. Dass das Gegenteil der Fall ist, verdeutlichen stationierte Raketen an den Atomanlagen.
Als sei all das noch nicht Grund genug, die Sanktionen, wenn schon nicht zu erhöhen, so doch zumindest aufrechtzuerhalten, unterstützt das islamistische Regime in Iran auch weiterhin den Massenmörder Assad in Syrien. Dass dem Konflikt in Syrien bis zu 400.000 Menschen zum Opfer fielen und viele Millionen auf der Flucht sind – nicht nur vor dem IS, sondern auch vor Assads Truppen – daran trägt der Iran Mitverantwortung, nicht zuletzt durch den Einsatz eigener Streitkräfte in Syrien. Hinsichtlich ihrer gemeinsamen Militäroperation dort ziehen Hassan Rohani, Wladimir Putin und Recep Erdogan außenpolitisch am selben Strang. Innenpolitisch sind sie sich einig, wie andersdenkenden, -lebenden und -liebenden Menschen begegnet werden soll: mit Repression, wenn nötig auch mit Mord.
Mit solch einem Regime will Deutschland seine Beziehungen ausbauen, die den Iran letztlich näher an den Besitz von Atomwaffen bringen. Die guten Beziehungen, die Deutschland schon im Nationalsozialismus mit Teheran pflegte, werden nun, ungeachtet des Terrors, den das Regime auf die eigene Bevölkerung und die Nachbarstaaten ausübt, wieder aufgenommen und ausgebaut. 

Erinnerung als höchste Form des Vergessens ²

Im April verkündete der Leipziger CDU-Abgeordnete im Bundestag und stellvertretender Vorsitzender der deutsch-iranischen „Freundschaftsdelegation“, Thomas Feist, noch eine „klare Kante gegen Antisemitismus“, die Deutschland zeigen müsse. Nun reicht er, ehemalig Vorsitzender der deutsch-israelischen Gesellschaft Leipzig, den Vertretern eines Regimes, das am liebsten den jüdischen Staat samt seiner Bevölkerung ausradieren will, die Hand. Feists Engagement treibt weiterhin abstruse Blüten. So fordert er, der Amadeu-Antonio-Stiftung, die sich erfolgreich gegen Rechtsextremismus engagiert, die Bundeszuschüsse zu streichen. So funktioniert das erinnerungspolitische Gedächtnis in einem Deutschland, das unter seine Vergangenheit einen Schlussstrich gezogen hat und am liebsten seine Kontinuitäten im Post-Faschismus vertuschen möchte: Gar nicht. Niema Movassat, MdB der Partei Die Linke und ein weiteres Mitglied der Delegation, forderte indes 2011 noch von der Bundesregierung, „Solidarität mit den Demokratiebewegungen in den arabischen Ländern“ zu zeigen. Mittlerweile ist er scheinbar bereit, mit einem Regime zu kooperieren, das jegliche liberalen Strömungen des Islam gewaltvoll ausschaltet. Und Jürgen Trittin, Abgeordneter der Grünen im Bundestag, stellt zwar fest, dass nach wie vor „eine hohe Zahl von Hinrichtungen im Iran zu verzeichnen“ ist, will aber nichtsdestotrotz mit dem iranischen Botschafter zu Tisch sitzen. Deutschland ist und bleibt Vorreiter in Sachen Beschwichtigungspolitik. Der als „moderat“ gehandelte Iran unter Rohani wird hofiert, Steinmeier ist neben Sigmar Gabriel der erste westliche Politiker seit Jahrzehnten, der das islamistische Regime zuhause besucht.

Für eine progressive Perspektive

Die Existenz einer von Ressentiment und Kulturalismus bestimmten Islamkritik verunmöglicht nicht die Auseinandersetzung mit dem politischen Islam, sondern macht sie umso dringlicher. Islamismus und Neue Rechte verfolgen dies bezüglich im Wettstreit die gleichen Ziele. Sie sind gegen die Gleichberechtigung der Frau*, für die Prügel- und Todesstrafe und autoritären Nationalismus. Eine progressive Perspektive zielt letztendlich auf die Befreiung der Individuen und verwehrt sich gegen regressive Tendenzen, beispielsweise in Form einer angestrebten Zwangskollektivierung unter einem Patriarchat – ob nun völkisch oder religiös. Die Möglichkeit, Kämpfe zu führen, Freiheiten zu erringen muss verteidigt werden, dahinter darf es kein Zurückfallen geben. 
Dass Israel für die islamische Republik Iran ein Feindbild verkörpert ist kein Zufall. Es handelt sich um  eine pluralistische Demokratie, in der arabische und europäische Juden neben arabischen Muslimen und Christen gleichberechtigt leben können. Anders als unter der Herrschaft des iranischen Regimes haben Menschen hier die Möglichkeit, Rechte zu erkämpfen. So sind die erfolgreich von LGBTI* geführten Kämpfe beispielsweise in den umliegenden Staaten nicht möglich. Im israelischen Recht ist die Diskriminierung am Arbeitsplatz aufgrund der sexuellen Orientierung ausdrücklich verboten und jedes Gewaltverbrechen, das durch die sexuelle Orientierung des Opfers motiviert ist, zieht eine Verdopplung der Strafe nach sich. Angesichts eines grassierenden Antisemitismus, der sich nicht nur in Europa oder den arabischen Staaten manifestiert, gilt es aus einer gesellschaftskritischen Perspektive, solidarisch mit Israel zu sein. Als einziger jüdischer Staat stellt er die Konsequenz des von Deutschland initiierten Holocaust dar. Er ist der einzige Nationalstaat, in dem Juden nicht zu „Schutzbefohlenen“ einer anderen Staatsmacht degradiert werden. Wer das ignoriert, betrauert vielleicht die 6 Millionen toten Juden, spricht den Lebenden jedoch Recht auf Verteidigung ab.
Gegen all diese untragbaren Zustände gilt es, öffentlich klar zu machen, dass es keine Verhandlungen mit einem islamistischen, autoritären, antisemitischen, frauen*- und homosexuellenfeindlichen Regime geben darf.

Wir fordern:

  • Eine praktische Solidarität mit der unterdrückten iranischen demokratischen Opposition und allen von den Klerikalfaschisten Ermordeten
  • Eine angewandte Antisemitismuskritik und Solidarität mit Israel
  • Einen progressiven und konsequenten Antifaschismus und Feminismus
  • Keine Verharmlosung der realen Bedrohung durch den Iran
  • Keine Abschiebungen in den Iran
  • Nieder mit dem iranischen Regime

 Bündnis gegen die Irandelegation – 15.09.2016 | Leipzig

 Du willst den Aufruf unterstützen? Schreib uns einfach eine Mail an: buendnis-leipzig@stopthebomb.net

¹ aus dem Vorwort von Mathias Küntzel (2009): „Die Deutschen und der Iran – Geschichte und Gegenwart einer verhängnisvollen Freundschaft“

² Eikel Geisel in „No Business like Shoahbusiness“ , das Zitat heißt richtig:“daß Erinnerung in Deutschland die höchste Form des Vergessens darstellt.“


Tagesseminar: Die israelische Demokratie und der Nahostkonflikt September 14, 2016 | 06:35 pm

am 14.10.2016, Beginn 11.00 Uhr, Ende um 18.00 Uhr im Infoladen Halitstraße, Kassel

Das Programm als download

Der Infoladen an der Halitstraße, der AK Antisemitismus an der Uni Kassel, das AK Raccoons und das Bündnis gegen Antisemitismus freuen sich, das Tagesseminar „Die Israelische Demokratie und der Nahostkonflikt“ des Mideast Freedom Forums anbieten zu dürfen.

declaration-of-state-of-israel_ben-gurion1948

Das Seminar ist Auftakt der Ringvorlesung Antisemitismus hat viele Gesichter – Aspekte eines gesellschaftlichen Wahns, die sich mit den verschiedenen Erscheinungsformen des Antisemitismus beschäftigt.

Der Staat Israel wird dabei häufig mit anderen Maßstäben gemessen als andere Staaten. Assoziationen israelischer Militäraktionen mit dem nationalsozialistischen Vernichtungskrieg dienen der Abwehr einer Auseinandersetzung mit der deutschen Vergangenheit. Bestimmte Bilder über den Nahostkonflikt sind Bestandtteil festgefügter Weltanschauungen, die auf Behauptungen fußen, welche oftmals an der Realität vorbei gehen.

Der Fokus des Seminars liegt darauf, Israel als demokratischen Staat vorzustellen, dessen jüdisch-nationale Gründungsbewegung – der Zionismus – wie andere nationale Bewegungen im 19. Jahrhundert entstanden ist und nach der Shoah in eine Staatsgründung mündete. In diesem Kontext wird auf den Konflikt mit den Palästinensern und den arabischen Staaten eingegangen und werden dessen wichtigste Stationen (Unabhängigkeitskrieg 1948, Sechstagekrieg 1967, Intifadas und Osloer Friedensprozess) beleuchtet.

Ziel des Seminars ist, eine politische Analyse mit Fakten und Informationen zu erarbeiten, um die gängigen medialen und politischen Urteile zu Israel und zum Nahostkonflikt zu reflektieren.

Seminarleiter sind: Jörg Rensmann und Michael Spaney beide MFFB.

Der Infoladen Halitstraße ist in der Holländischen Str. 88 zu finden.

Die Teilnahme am Seminar ist kostenlos. Die Teilnehmeranzahl ist beschränkt.

Wir bitten daher um verbindliche Anmeldungen bis zum 04.10.2016 per Email an: BgA_Kassel@gmx.de

 

 


Wahnfrieden in Wanfried September 13, 2016 | 09:53 am

Lieberknecht heißt er, und lieber Knecht unter der Knute des Zaren will er auch sein, als sich mit den Glücksversprechen des Kapitalismus und der bürgerlichen Demokratie sowie der Frage, warum diese niemals vollständig eingelöst werden, auseinander setzen zu müssen. Aus Wanfried kommt er, und in seinem Tun geht es denn auch um Wahn und Frieden.

Somit gehörte Wolfgang Lieberknecht zum kleinen, aber lautstarken Grüppchen der Wahnwichtel und Blechhüte, die um die Jahreswende 2014/15 den deutschen Friedenswinter ausgerufen haben.

Bekanntlich ist der nicht so gut gelaufen, da die etwa zur selben Zeit die Pe-, Le-, Ka- und sonstigen -gidas aufgekommen sind und das Potential derer, welche bereit waren, für Putin auf die Straße zu gehen, absorbiert haben. Anscheinend war es für den größten Teil dieser Klientel doch attraktiver, den eigenen Rassismus offen auszuleben, an Stelle sich um des – wortwörtlich – lieben Friedens willen in Wortwahl und Habitus an die Veteranen der Friedensbewegung des kalten Krieges anzupassen und auf diesem Wege auch für seriöse Partner in der Politik, den Gewerkschaften oder in der akademischen Friedens- und Konfliktforschung anschlussfähig zu werden.

Aber aufgeschoben ist nicht aufgehoben, und da der Wahn in Wanfried noch keinen Frieden gefunden hatte, gründete Lieberknecht einen von ihm ein als „Think Tank“ – kleiner hat er es nicht – bezeichnetes „Friedenszentrum“ in seiner Heimatstadt, das er – wahrscheinlich ganz ohne Ironie – „Demokratische Werkstatt Wanfried“ (DWW) nannte.

koenig-zauselbart

König Zauselbart vor dem Zeugungsakt

Dort darf zum Beispiel Kai Ehlers, ein Anhänger des Neoeurasianismus, erfunden vom notorisch rechten postmodernen Zauselbart und Dampfplauderer Alexander Dugin (der böse Zwilling des notorisch linken postmodernen Zauselbarts und Dampfplauderers Slavoj Zizek) darüber berichten, wie er das Nibelungenlied aus dem Tschuwaschischen Original ins Deutsche übersetzt hat. Trotzt des kleinen Rückschlags auf den katalaunischen Feldern und der bedauerlichen Tatsache, dass es mit Kriemhild und Etzel letzten Endes eher suboptimal gelaufen ist, wird in Wanfried fleißig weiter am eurasischen Imperium gearbeitet, das dem dekadenten Westen dereinst endgültig den Garaus machen soll.

eurasier

Kein Spitz wie Nachbars Lumpi: Der Eurasier

Eine Meinung zu Israel hat man im Wanfrieder Friedensthinktank natürlich auch, aber keine eigene, sondern praktischer Weise gleich die des unvermeidlichen Noam „Pycelle“ Chomsky, der sich dort darüber auslassen darf, Israel plane nicht nur den Atomkrieg gegen den Iran, sondern sei durch seine U-Boote auch an der Flüchtlingskrise schuld. Das U-Boot ist in der Kanalisation von Homs und Aleppo ja auch bestimmt eine wirksame Waffe.

Auch andere Koniferen wie Charles Enderlin, Urheber der inzwischen gerichtsnotorischen Mohammed-al-Durrah Kolportage, kommen gern und viel zu Wort. Über all dies wäre eigentlich in Kasseler Zusammenhängen kein weiteres Wort zu verlieren, auch wenn Lieberknecht schon zusammen mit anderen einschlägig bekannten Größen aus der Blechhutszene wie Ken Jebsen und Lars vom Mars schon in Kassel aufgetreten ist, wenn es der DWW nicht gelungen wäre, die Bürgermeister der Nachbarstädte Treffurt und Wanfried davon zu überzeugen, am 08.09.2016 einen Friedensmarsch über die ehemalige Zonengrenze hinweg zu veranstalten.

Der DWW ist also im lokal begrenzten Maßstab das gelungen, woran der Friedenswinter seinerzeit noch gescheitert ist: Sie hat honorige Provinzpolitiker, die höchstwahrscheinlich weder an Echsenmenschen noch an Chemtrails glauben, für ihre Ziele gewinnen können.

Das Bemerkenswerte am diesjährigen Antikriegstag war weniger der Basteleifer (das Basteln scheint eine Passion der Friedensbewegten zu sein) des Nachwuchses als die positiven Bezüge auf die Wahnwichtel aus Wanfried.

img-20160901-wa0001

Der Kasseler Friedenssratschlag hat den Wanfrieder Wahnfriedensmarsch in seiner Veranstaltung zum Antikriegstag am 01.09. sowohl verbal als auch mit Flugblättern heftig beworben. Mit der Sicherheitsdistanz zu den Blechhüten, die der Friedensratschlag zunächst noch bewahrt hatte, ist es somit endgültig vorbei. Dass hier vor einem überwiegend kurdischen (!) Publikum – das mutmaßlich von den Hintergründen nicht allzu viel gewusst haben dürfte, sonst wäre die Friedensdemo recht unfriedlich geendet – mit den grauen Wölfen das Lied vom Ergenekontal geheult wurde, beweist einmal mehr, das für das Kasseler Friedensforum längst alle Schamgrenzen gefallen sind.

(jh)


Hyänen und Hygiene – das Abbild der Gesellschaft im Wildwechsel August 25, 2016 | 07:45 pm

Zum wiederholten Male – der Blick auf den Journalismus kostenloser Blättchen oder Obdachlosenzeitungen verrät viel vom Dünkel der Aufstrebenden oder Hängengebliebenen einer Zunft, die den Anspruch hat, vierte Gewalt im Staate zu sein.

Auch wenn die Hyäne vom palästinensischen Heldenvolk nicht so sehr geliebt wird – der Hygiene bedürfen auch die wackersten Kämpfer für ein judenreines Palästina vom Fluss bis ans Meer. Aber auch in der Kultur- und Medienbranche und den akademischen Disziplinen, die als deren Zulieferer von Menschenmaterial fungieren, führt der Weg zur Praktikantenstelle und möglicher Weise vielleicht sogar zu einem bezahlten Job im Zweifel über persönliche Beziehungen. Netzwerke und die gute alte Besetzungscouch, da kann Mann oder Frau sich ein ungepflegtes Äußeres am allerwenigsten leisten. Was tun also, wenn man nicht nur ethnisch säubern, sondern sich auch ethisch säubern möchte? Denn ach, die Kosmetikindustrie ist, wie der Rest der Welt, zionistisch unterwandert. Da kommt eine beachtliche Liste von zu boykottierenden Produkten zusammen aber auch eine rühmliche Ausnahme, nämlich der Seifenbrauer Lush, welcher folgerichtig auf o. g. Liste der Judenboykotteure wärmstens empfohlen wird.

wildwechsel

Der geschulte Blick, wird die Aufforderung zum sexuellen Übergriff ohne weiteres erkennen. Aber im Wimmelbild des Wildwechsels gilt es mehr zu entdecken.

Dieses Unternehmen rühmt sich seit jeher seines ethischen Engagements und seines Einsatzes für alle erdenklichen noblen Anliegen, von der Rettung des Hühnerhabichts bis „Freedom for Palestine“. Ein Machwerk, der in den Neunziger Jahren einst bedeutenden, aber nunmehr vergessenen Kapelle Faithless, welches vom Sänger vollmundig mit „Free Nelson Mandela“ von AKA Special verglichen wird.

Der Text lautet:

So many years of catastrophe, more than six million refugees,
it could be you and your family,
Forced from your home and your history.

We are the people, and this is our time,
Stand up, sing out, for Palestine
No matter your faith or community, this is a crime against humanity,
Gaza turned into a prison camp, apartheid wall divides the West Bank.

We’ll break down the wall, Freedom for Palestine
Demand Justice for all, Freedom For Palestine
Enough illegal occupation, violence and racial segregation, all religious communities unite.

Freedom is a human right,
We are the people, and this is our time,
Stand up, sing out, for Palestine,
We’ll break down the wall, Freedom for Palestine
Demand Justice for all, Freedom For Palestine.

We are the people, and this is our time,
Stand up, sing out, for Palestine,
We’ll break down the wall, Freedom for Palestine
Demand Justice for all, Freedom For Palestine(repeat X5)
We are the people, this is our time, unite together, for justice in Palestine.

Sechs Millionen also. Da gab es doch schon mal was mit Juden, und der gute Deutsche weiß, das sich das niemals wiederholen darf, schließlich hat man, im Gegensatz zu denjenigen, die nach dem Weltbild der vom Wahn geplagten, nach wie vor dem alttestamentarischem Grundsatz Auge um Auge, Zahn um Zahn folgten, aus der Geschichte gelernt. Ganz besonders gute Deutsche arbeiten beim kostenlosen ostwestfälischem Anzeigenblättchen Wildwechsel. Deswegen prangt auf dem Titel der Slogan „Kein Bock auf Nazis“, und im Gegensatz zu den Zeiten, wo so ein Disclaimer in erster Linie dazu diente, eine ideologische Distanz zwischen den hinter dem Blättchen stehenden Jungunionisten und den dörflichen Wehrsportprolls* darzustellen, die in Wirklichkeit gar nicht existierte, ist das heute sogar einigermaßen ernst gemeint.

Mit Schmuddelnazis möchte man auch in der ostwestfälischen Provinz nichts (mehr) zu tun haben, und tatsächlich setzt sich der Herausgeber des Wildwechsels Fedor Waldschmidt im Internet von Zeit zu Zeit recht wortgewaltig mit allerlei Kremltrollen auseinander, sofern sich deren Ansichten gegen die EU, den Islam und die USA richten, allerdings im letzteren Fall nur dann, wenn deren Präsident Obama heißt und sich europäischer als die Europäer gibt. Auch gegen den hier in Kassel einschlägig aufgefallenen Christian Gherhard hat Waldschmidt schon seine Stimme erhoben, was ihm nicht nur Freunde gemacht hat.

Das einst reaktionäre Profil scheint nur noch beim Schlager- und Classic-Rock-lastigen Musikgeschmack und in der zu Weilen frauenfeindlicher Werbung durch, insofern ist der Wildwechsel, so unbedeutend er auch ansonsten sein mag, ein getreues Abbild der Berliner Republik, geprägt vom Aufstand der Anständigen, der Willkommenskultur und von der poststrukturalistischen wissenschaftlich verbrämten Begleitmusik und dem Wirken der Ritter der Zivilgesellschaft.

Der Wildwechsel ist somit ein Lackmustest dessen, was noch geht, wenn man in den Grenzen des Mainstreams bleiben möchte. Lush und deren notdürftig als Antizionismus camouflierter Antisemitismus gehen offenbar oder werden als solcher nicht erkannt. Jedenfalls widmet man der Paderborner Niederlassung von Lush eine halbe Seite garniert mit Abbildungen von edlen Wilden und deren volkstümlich dem Blut und Boden entsprungenen Handwerk.

Es soll hier nicht unerwähnt bleiben, das Lush versucht hat, sich von „Freedom for Palestine“ halbherzig zu distanzieren, allerdings sei dahingestellt, ob die verwendeten Formulierungen nicht doch eher eine Rechtfertigung darstellen. Auf jeden Fall gibt es immer noch keine Niederlassung von Lush in Israel, denn dort sei der „multikulturelle Charakter der Belegschaft“ nicht gewährleistet. Mit solchen Bastionen des Multikulturalismus und der Toleranz wie Saudi Arabien und Sri Lanka hingegen hat Lush anscheinend keine Probleme.

* informativ über die ostwestfälischem Verhältnisse von einst ist dieses Interview: „Das unmögliche im Popsongformat.“ Die Jungs von der Rheinarmee dürften in der Dorfdisco oft genug schlagkräftig das Schlimmste verhindert haben.

(jh)


Eine kleine Meldung – über die Wirkung des steten Tropfens und über die Abspaltung August 24, 2016 | 06:04 pm

Der ganz gewöhnliche Antisemitismus …

Die HNA aus Kassel hat eine hohe Auflage. Täglich über 100.000 Leserinnen und Leser dürften das mehr oder weniger für eine Tatsache halten, was dort als Nachricht veröffentlicht wird. Obwohl die HNA in Kommentaren eine durchaus differenzierte Sichtweise auf den Krieg gegen Israel an den Tag legt, gelegentlich sogar jemanden wie Ulrich Sahm zu Wort kommen lässt (zuletzt am 11. August 2016: So schützt sich Israel), und auch im jüngsten Fall des im Gaza festsitzenden Angestellten der Uni Kassel nicht in ein Israelbashing verfiel, sondern klar die Ursachen der verzögerten Rückreise benannte*, dürften doch Meldungen der Art „Israel bombardiert Gaza … dabei wurden mehrere Menschen verletzt, darunter auch Kinder.“ eine klare Auswirkung haben.

23.08.2016

Warum die israelische Luftwaffe Stützpunkte der Hamas angriff, darüber erfährt der Leser nicht viel. Militante Palästinenser hätten mit Raketen angegriffen. Die „Gewaltspirale“ so wird der geneigte Leser denken. Den Raketenangriff möglicherweise für harmloser halten, denn über dessen Folgen findet er keine Informationen, wenn er den Angriff nicht als legitimes Mittel eines David gegen ein Goliath einordnet und die Reaktion darauf unverhältnismäßig findet. Denn die Folgen der Reaktion werden gemeldet. Warum Kinder dabei zu Schaden kommen, darüber erfährt der Leser nichts, er wird, weil er alles meint zu wissen aber doch nichts weiß, sich kein Urteil bilden, sondern seine tief sitzenden Weltanschauung bestätigt wissen – die man auch (sekundären) Antisemitismus bezeichnen kann.

… und die Rolle der Bösen

Jüngst wurde ein Antisemit in Kassel verurteilt, mutmaßlich weniger auf Grund seines manifesten Antisemitismus‘ wegen, als auf Grund seines unverhohlen geäußerten Wunsches, Politiker zu ermorden. Ein anderer Antisemit wurde dazu gebracht, das Landkreistagsmandat nieder zu legen. In diesen Fällen waren sich alle einig. Prima! Die Gerichtsbarkeit, die Zivilgesellschaft und die lokale Zeitung verurteilen den Antisemitismus der Quartalsirren und alle konnten sich auf die Schulter klopfen, weil sie meinen, alles aus der Geschichte gelernt zu haben aber doch nichts begreifen. (jd)

*Ob die politische Vergangenheit des Mitarbeiters eine Rolle bei den Problemen spielte, bleibt ungewiss.


Ein Antisemit wird in Kassel verurteilt August 18, 2016 | 08:18 pm

… aber wegen was wird er verurteilt?

„Frau Merkel, man sollte dich steinigen“, postete voller Leidenschaft der Pegida- und Kagidaaktivist Michael Viehmann. Ein eigenartiger Wunsch für einen selbsterklärten Feind oder „Kritiker“ des Islam. Der Wunsch, Frau Merkel zu steinigen, spricht aus, wie es im Wutbürger Viehmann denkt und verdeutlicht, besser als jede Analyse, die nahe Verwandtschaft des deutschen Wutbürgers mit dem Islamisten. Es macht klar, was vom „Kritiker“ des vermeintlichen Islamkritikers dieser Provenienz übrig bleibt – nichts.

Viehmann

Hier spricht der Antisemit

Viehmanns Hass auf Merkel hat(te) u.a. einen Grund: Die Kanzlerin habe „dem Judenpack“ ihre Unterstützung angeboten, gemeint war offenbar Israel. Ob der Begriff „Judenpack“ alleine ihn vor Gericht gebracht hätte, steht in den Sternen, es ist zu vermuten, betrachtet man die Gerichtsbarkeit im postnazistischen Deutschland bis heute, dass dies eher nicht der Fall gewesen wäre. Doch der Post endete mit der nicht nur orthografisch gewagten Zeile: „Ich schäme mich für unsere Regierung und hoffe das hier bald eine Revolution ausbricht und dem ganzen Deutschen Politikpack der Schädel eingeschlagen wird.“ (Spiegel Online 15.12.2015) Aus diesen Zeilen spricht die Wut des in der Moderne potentiell Überflüssigen und sie ist seine typische Reaktion auf die Realabstraktion des Staats. Mit dem Hass auf die da Oben wird die Realabstraktion personalisiert, wir haben es also mit einer klassischen Denkfigur des Antisemiten zu tun. Der Begriff „Judenpack“ fiel – Israel hin – Israel her – nicht zufällig, sondern machte deutlich, mit wem man es zu tun hat.

Doch eine Analyse der Ideologie des Viehmann, dürfte das Gericht sich gespart haben. Der Aufruf Politiker zu ermorden (Schädel einschlagen und Steinigung), vielleicht auch der Begriff „Judenpack“ führten jetzt dazu, dass er wegen Volksverhetzung verurteilt wurde. Auf die deutsche Gerichtsbarkeit ist anscheinend dennoch Verlass, sie verurteilt denjenigen der davon spricht und sich so auch öffentlich äußert, die Kanzlerin und andere Politiker umbringen zu wollen. – Immerhin. (HNA, 18.08.2016)

Es ist hinlänglich bekannt, Nazis mögen nicht nur, wie ein großer Teil der Bevölkerung, Juden insgeheim nicht, sondern sie hassen sie und äußern dies auch ganz ungezwungen und werden deswegen zu Recht auch als Antisemiten bezeichnet, was sie jedoch kaum als ehrabschneidend betrachten dürften. Manchmal werden sie auch dafür vor Gericht gebracht, auf jeden Fall mag man solche Nazis in Deutschland nach 1945 nicht mehr, erinnern sie und ihr leidenschaftlicher Hass doch zu unvermittelt an das, was die Deutschen volksgemeinschaftlich von 1933 – 1945 ins Werk setzten.

Bescheidet sich der Wald-und-Wiesen-Deutsche (ob links, ob rechts ob mitte) darauf, Juden nicht zu mögen, „Israel zu kritisieren“, schwafelt etwas von der Ostküste, vom einflussreichen Zentralrat etc., so fällt das nicht der Gerichtsbarkeit anheim, sondern wird bestenfalls von einigen Kritikern als Antisemitismus registriert, andere sehen das als Spielart eines mehr oder minder problematischen gesellschaftlichen Vorurteils an, wieder andere eskamotieren das noch, indem sie den Begriff „gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit“ aus dem Hut zaubern und flugs die als verfolgte Minderheit halluzinierten Muslime mit zu den verfolgten Gruppen rechnen. Dennoch, spricht jemand vom „Judenpack“, so löst das (Gott sei Dank) Widerspruch aus, dem sich alle tapferen Ritter der Zivilgesellschaft anschließen und das kann einen – in der Kombination mit einem Aufruf, Politiker zu ermorden – auch vor Gericht bringen.

In der Ablehnung des offenen Antisemitismus dürfte sich eine breite Front der Zivilgesellschaft einig sei, von der AfD bis zur Linkspartei, von der TAZ, der SZ bis zur FAZ, von der DIG bis zur GEW. Solche bekennende Antisemiten hat man seit 1945 in Deutschland nicht gern, sie Schaden dem Ruf der Stadt und dem des Landes. Viehmann hätte sich ein Beispiel am geläufigen Antizionismus nehmen sollen, vielleicht eine Bildungsreise der GEW nach Israel / Palästina buchen sollen und dann statt vom „Judenpack“, von „IsraHell“, „USrael“, vom „zionistischen Gebilde“ oder ähnlichem schwadronieren, vielleicht ein Gedicht mit frischer Tinte schreiben sollen.

Und anstatt sich zu wünschen, den Politikern den Schädel einzuschlagen, hätte er einfach mal auf die Seite der AfD schauen können und „Die Merkel muss weg!“ oder von „Merkels Asylchaos“ usw. schreiben sollen. Das hätte ihm vielleicht sogar ein weiteres Interview in der HNA eingebracht.

Er wäre dafür jedenfalls nie vor das Gericht gebracht worden und wenn doch, das Gericht hätte dies als legitime Kritik an der Bundesregierung und das andere als vielleicht unfeine aber nicht strafrechtliche „Kritik an Israel“ verbucht. Seine Follower, Zuhörer und Leser und vielleicht ein nicht ganz unerheblicher Teil derjenigen, die sich ob des Urteils jetzt befriedigt geben, hätten ihn verstanden und ihm beigepflichtet. (jd)


Wernicke oder die Connection eines Bildungsreferenten August 10, 2016 | 08:13 pm

Die GEW und die Abgründe ihrer Bildungsarbeit

„Das ist die Gleichschaltung der Medien, vollzogen ganz ohne Goebbels. Jetzt geht es dem Internet an den Kragen, wo sich bisher noch Kritik rühren durfte. Was Zuckerberg bei Facebook nie schaffte, nimmt jetzt die IM-Truppe von Kahane in Angriff!! Was jetzt „Anonymous“ passiert ist, kann morgen COMPACT, schallundrauch, jungefreiheit, ja selbst die Nachdenkseiten und Telepolis treffen. Leute, merkt Ihr, was passiert? Es geht nicht um „anonymous“, es geht um die letzten Reste unserer Freiheit!“ So dröhnte uns Else am 6. Februar 2016 auf seinem Blog – andere Berufene stimmen mittlerweile in diesen Chor ein und verlieren dabei jeden Anstand und Distinktionsvermögen. (Doch nun zu etwas ganz anderem!)

Um die „Nachdenkseiten“ machte sie sich also Sorgen, die Else. Allerdings wohl etwas verfrüht, denn statt des Verbotes erwartet die „Nachdenkseiten“ die endgültige Integration in den linksdeutschen, sich progressiv wähnenden Mainstream engagierten Meinens. Verlinkt werden sie jetzt nicht etwa nur vom Twilight-Sparkle Fanclub des örtlichen Männerrechtsvereins, sondern von einer Institution, die lange Jahre zu Kassel gehörte wie das Weckewerk auf dem heimatlichen Teller und weswegen die örtlichen Honoratioren bis hin zum Oberbürgermeister in beiden Fällen über die fragwürdige Konsistenz und gelegentlich bräunliche Färbung dieser beiden nordhessischen Spezialitäten gerne hinweg sahen.

Weckewerk

Nicht nur der Friedensratschlag ist eine Spezialität aus Nordhessen

Die Rede ist natürlich vom Friedensratschlag. Der ist zwar seit dem Tode des großen Vorsitzenden Peter Strutynski ein wenig in Vergessenheit geraten, aber wie schon H.P. Lovecraft wusste: Nicht alles was vergessen ist, ist deswegen auch schon tot. Ja es gibt ihn noch den Friedensratschlag, auch im Internet oder wie die Volksgenossen bei „Anonymous“ wohl sagen würden, er ist im Weltnetz präsent und verlinkt dort unter der Rubrik „Medienkritik“ „Telepolis“ und die „Nachdenkseiten“. Man fühlt sich diesen Truppen offensichtlich verbunden.

An und für sich wäre der Inhalt der dort zu lesenden Elaborate kaum der Rede wert: Dort beschwert sich z.B. ein Uli Gellermann, bekannt von RT Deutsch, über „Frankreichs Terror gegen Syrien“ – was bilden sich diese Froschfresser denn auch ein, ab und zu eine Bombe auf den IS zu werfen, anstelle einfach das ganze Land per Flächenbombardement in Schutt und Asche zu legen, wie es die Friedensfreunde Putin und Assad tun – und ein gewisser Jens Wernicke darf sein, bereits bei Ken FM veröffentlichtes Interview mit einem Professor Rainer Mausfeld noch einmal zum Besten geben. Dort erklärt der Gelehrte, dass Rechts und Links seit der französischen Revolution quasi naturgegebene, manichäische Gegensätze sind und es deshalb keine Querfront geben kann, wer das Gegenteil behauptet, ist somit also Teil einer Verschwörung, welche kritische Stimmen unterdrücken will.

Wernicke_Wikimannia

Bildungsreferent der GEW und Fachmann für Denkanstöße

Jens wer? Während Ken FM, Uli Gellermann und unsere Else normalerweise in einer Hochglanzpostille der rechtspopulistischen Schmuddelecke, auf unzähligen Internetseiten, -foren und in den diversen Gruppen und Grüppchen auf Facebook pöbeln, den ewigen Weltfrieden erwarten und den ewigen Juden verwünschen, die geneigten Volksgenossen vor allerlei obscuren Gefahren warnen und vor sich hin schmollen, ist eben dieser Jens Wernicke kein AfD-Hinterbänkler, Reichsbürger, Echsenmenschenbuster oder Tattoostudiobesitzer aus Rheuma an der Saale, sondern seines Zeichens bildungspolitischer Referent der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaften (GEW). Möglicherweise ist er vor kurzem dort gefeuert worden, was die Sache auch nicht besser macht.

Bildungspolitik der GEW, da war doch mal was. Na klar – Mit zum Bildungsprogramm der künftigen und im Dienste stehenden Bildungsarbeiter und -arbeiterinnen gehört seit Jahr und Tag eine „Studienreise“ nach Israel/Palästina, geführt vom Israelfresser Fuad Hamdan. Der Apfel fällt also nicht weit vom Stamm.

bildungsreise

Darf auch 2016 nicht fehlen. Seminarangebot der GEW Nr. W1018: Die Studienreise nach Palästina.

Wernicke also schwafelt nicht nur bei so Wahnwichteln wie Ken FM über Sachen, die es nicht geben darf, sondern gibt Interviews für eben diese Gewerkschaft und ist Mitherausgeber von Werken des Bundes Demokratischer Wissenschaftler. Mit anderen Worten, Wernicke ist Mitarbeiter von Institutionen, die sich offiziell seit Jahrzehnten einem „Antifaschismus“ und dem „kritischen Blick“ auf Israel verschrieben haben. Bei Sabine „Kinnlade“ Schiffers Institut für Medienverantwortung, in dem Wernicke auch Mitglied ist, weiß der halbwegs aufgeklärte Konsument immerhin, was ihn erwartet – bei der GEW und dem Bund Demokratischer Wissenschaftler hingegen rechnet man gewiss mit Altherren-Antiimperialismus, Antiamerikanismus und Antizionismus, aber doch nicht mit Sympathien für Dugins Fieberfantasien über ein wieder zu errichtendes byzantinisches Reich, oder gar für Wikimannia, die laut Eigenbeschreibung „Wissens-Datenbank über Benachteiligungen von Jungen und Männern, sowie Bevorzugungen von Maiden und Frauen.“

Einem Wahn gibst du statt // das Leben ohne Einsicht, das sie beschmutzte // verdunkelt sie jetzt für jede Sicht.

(jh / jd)


70 Hippies gegen die Amerikanisierung des Abendlandes July 31, 2016 | 03:37 pm

In Kassel hat ein sogenannter „2. Wandertag der Liebe“ stattgefunden, dem immerhin knapp hundert Leute folgten. Hört sich harmlos und hippieesk an. Im Aufruf zu diesem Wandertag heißt es u.a.: „Ich möchte daran erinnern das die Länder des nahen Ostens seit Jahrzehnten mit Terror zu kämpfen haben. Wir alle haben weggeschaut!“ Der, der hier in Ichform so schreibt, heißt Christian Gherhard und hat im September 2014 im „Freizeitmagazin“ Browser 24.de verlauten lassen, dass ihn die Politik der USA, Israels und ganz besonders Deutschlands zum Weinen bringe. Deutschland solle aus seinen Fehlern lernen und nicht noch einen Genozid unterstützen, der gerade in Palästina stattfände. Wir haben es also mit jemanden zu tun, der aus der Aufarbeitung der Geschichte gelernt hat, dass im Namen Deutschlands ein Holocaust stattgefunden habe, den Deutschland irgendwie unterstützt hat und dass die Juden nichts aus dem Holocaust gelernt hätten und ihn deswegen heute gegen die Palästinenser durchführten.

Weiter heißt es im aktuellen Aufruf: „Erst jetzt fangen wir langsam an zu begreifen was das heisst. Aufgrund wirtschaftlicher Interessen haben wir ganze Länder zerstört, terrorisiert und gespalten. Wir haben mit Waffenlieferungen dazu beigetragen das hundertausende, wenn nicht sogar Millionen Menschen Haus und Heimat verloren haben. …  Mittlerweile kann man sagen das diese Menschen ihre Verluste dem Kapitalismus zu verdanken haben …,“ Er sagt wir und meint damit nicht etwa z.B. Assad, der Syrien mit russischer und iranischer Hilfe in Schutt und Asche legt und dem „wir“, d.h. die EU, die NATO oder die USA dabei tatenlos zuschauen. Er meint auch nicht den Islam, mit dem „wir“, d.h. die Bundesregierung, oder die Stadt Kassel Dialoge führt, anstatt ihn politisch zu bekämpfen und der die Legitimation der vielen islamistischen Terroristen liefert, die vor allem in Syrien, im Irak, in Libyen, in Afghanistan aber auch in anderen Ländern Chaos, Verzweiflung und Tod über die Menschen bringen. Er meint aber auch nicht den Kapitalismus, der als herrschendes Akkumulationsmodell und in der Form als Kapital, als eine, die Gesellschaften – in der wir Bestandteile sind – beherrschende Struktur, Elend und Verzweiflung hervorbringt, sondern er meint Amerika, den Dollar und „giftige Medizin“ und unausgesprochen die Zionisten, die die Menschen dazu zwingen, dem „Erhalt des Dollars Tribut zollen“ zu müssen.

Die Parolen dieses Wandertages hießen dann auch: „Fuck off Amerika, Fuck off Dollar, Fuck off Lobbyismus!“ und „Gegen die Amerikanisierung des Abendlandes

Bleibt die Hoffnung, dass die, die ihm folgen, auch gute Kunden seines aktuellen Buisiness sind und so bekifft sein werden, dass sie nicht noch mal ihren Arsch hoch bekommen, wenn es das nächste mal – in Anlehnung eines Herausgebers einer linken Publikumszeitschrift – heißen wird: Dass das an der Ostküste beheimatete Finanzjudentum mit den von ihm verursachten Flüchtlingsströmen den Untergang Deutschlands betreibe. (jd)


Antisemitismus, die unerwünschte Meinung der Schmuddelpolitiker July 26, 2016 | 09:35 pm

Offener Judenhass, unverklausulierte Projektionen auf den Zentralrat der Juden als das, das deutsche Volk eigentlich beherrschende Organ, die Leugnung oder Verharmlosung des Holocaust, skurrile Verschwörungstheorien, der offen terroristische Jihad, all das sind Formen des Antisemitismus, die in Deutschland gesellschaftlich nicht erwünscht sind, ggf. sanktioniert werden oder auf einhellige Ablehnung stoßen. Das ist gut so, das ist eine zu begrüßende Konsequenz aus einem Gott sei dank verlorenen Krieg. Einem Krieg in dem sich die deutsche Volksgemeinschaft anschickte, die Welt in den Abgrund zu stürzen und die Juden in Europa auszurotten. Der teuer erkaufte Sieg der Alliierten sorgt bis heute für eine gewisse zivilisatorisch wirkende Disziplinierung der postnazistischen Gesellschaft. Diese hält den Deckel über einen braunen Urgrund, in dem das Unterbewusstsein der deutschen Volksseele fortwest und gelegentlich in Rülpsern alternder Dichter, unterbelichteter Provinzpolitiker, ehemaliger Maoisten und anderer unbotmäßiger Zeitgenossen zum Ausdruck kommt.

AfD beschädigt

Die Sorgen der HNA am 27.07.16: Eine beschädigte Partei

Zuletzt der bramarbasierende AfD-Politiker Gottfried Klasen aus dem Kasseler Landkreis. Dieser offenbar an geminderter Intelligenz leidende Lokalpolitiker posaunte offen seine antijüdischen Ressentiments und Meinungen in das soziale Netzwerk hinaus. Nordhessische Journalisten griffen dies auf und brachten diese Bemerkungen an die breite Öffentlichkeit. (FR, 22.07.2016: Hessischer AfD-Politiker hetzt gegen Juden) Von FDP, CDU, SPD über die Grünen bis hin zu den Linken (ausgerechnet diese!), alle distanzierten sich von dieser, wie es die HNA so vortrefflich formuliert, „Judenhetze“.

Ähnlich erging es dem Admin der DITIB in Melsungen. Als seine Lehren aus dem Koran ins Deutsche übersetzt wurden und nicht nur die Gemeinde türkischer Muslime verstand, was da zu lesen war, war er nur noch ein Einzeltäter, der Thesen über die Juden ins Netz stellte, von dem sich dann fleißig distanziert wurde.

Antisemitismus unerwünscht! Prima! Roland Freisler und der zwei Tage früher begangene Judenpogrom stehen offensichtlich nicht mehr für das Kassel von heute. Ist nun alles gut?

Nicht immer steht die Einheitsfront der Empörten, deren Empörung mehr über diese selbst aussagt als über die Bedeutung dessen, worüber sie sich empören. Zumindest die HNA und die CDU empörten sich noch über die wiederholten Umtriebe der ebenfalls von keinem gemochten Salafisten in Kassel. Aber hier stießen sie schon auf das Mauern derjenigen, die im Islam lieber einen Partner des Dialoges, als eine zu bekämpfende Ideologie sehen. (Salafisten – Eine Anfrage – Keine Antworten)

Was ist aber mit den Freunden des Irans in der Kasseler Industrie- und Handwerkskammer? Freunde guter Wirtschaftsbeziehungen zu einem Land, dass Israel mit der Vernichtung droht und natürlich auch mit dem aus dem Handel erwirtschafteten Gewinn, nahezu ungehindert von der deutschen Politik, sein dafür notwendiges Atomprogramm fortsetzt.

Was ist mit den Freunden des interreligiösen Dialogs in Kassel? Unter der Schirmherrschaft des Kasseler Oberbürgermeisters trifft sich der Rat der Religionen, mit am Tisch sitzen die DITIB (die Claquere der antisemitischen und islamistischen AKP) und die Milli Görüs (IGMG). Die Milli Görüs, die 2009 eine antiisraelische Hassdemo tatkräftig unterstützte, bei der es zu antisemitischen Ausschreitungen kam.

rat der religionen

Im Rat der Religionen gibt es u.a. sunnitische Gemeinden und Verbände aus Kassel als Mitglieder. Schaut man näher hin, so finden sich dort nicht nur die DITIB gleich in dreifacher Ausfertigung, sondern auch die schamvoll abgekürzte IGMG.

Was ist mit der GEW, einer Einzelgewerkschaft des DGB, eine Interessenvertretungsorganisation von Lehrern (!), die jedes Jahr eine von einem Israelhasser geführte „Bildungsreise“ für Lehrer durchführt? (Israelhass – Ein Bildungsangebot der GEW)

Was ist mit dem DGB, der es nicht fertig bringt, klar und deutlich Stellung gegen Aufrufe zu beziehen, die zum 1. Mai zur Vernichtung Israels aufrufen und sich nicht dazu durchringt, diese Figuren von seinen Demonstrationen und Festen zu verbannen? (Der DGB ist übrigens einer der Unterstützer der Informationsstelle Antisemitismus in Kassel, die fleißig Hakenkreuze in Kassel aufspürt.)

Was ist mit dem auf dem Portal der Stadt Kassel gepriesenen Stolperstein in Kassel e.V., der zwar alles für den Ruf der Stadt tut, indem er der toten Juden gedenkt, dessen Vorsitzender aber gegen Israel demonstriert hat und der bis heute keine Stellung zur antisemitischen Rede eines seiner Mitglieder genommen hat? (Verschiedene Beiträge zu diesem Thema finden sich hier: Stolpersteine)

Was ist von einer Universität zu halten, die zwar eine Franz-Rosenweig-Professur unterhält, die „zur Vergegenwärtigung der durch den Nationalsozialismus zerstörten Kultur des europäischen Judentums und der Auseinandersetzung mit der jüdischen Gegenwart“ dienen soll, aber einen standhaften Antizionisten als Gastprofessor einlädt?

Was ist mit dem Bündnis gegen Rechts, dass bei jedem popeligen Naziaufmarsch versucht, die Stadt dazu zu mobilisieren, Gesicht zu zeigen, wachsam und bunt zu sein, das jedoch Hardcore-Antizionisten und Stalinisten in den eigenen Reihen duldet, beim Aufmarsch der Antisemiten im Jahre 2014 nicht gesehen ward und zum Salafismus eisern schweigt?

Was ist mit einer Partei wie die SPD, die z.B. mit Dr. Rabani Alekuzei immer noch Leute als Vertreter der Partei in die Parlamente entsendet, die zum jährlichen Ostermarsch aufrufen, dort gelegentlich auch reden, um Israel als den Gefährder des Weltfriedens anzuprangern und den Jihad als eine Widerstandsform unterdrückter Völker zu erklären?

Was ist von einer CDU zu halten, die aus Gründen der Opportunität einen Ortsvorsteher wählt, der einer ultrastalinistischen Partei angehört, die auch ganz offen gegen Israel agitiert?

Was ist – trotz einiger hinsichtlich Israelberichterstattung erfreulicher Lichtblicke – von einer Lokalzeitung zu halten, die Meldungen über terroristische Attentate in Israel in der Regel mit „Palästinenser getötet“ überschreibt?

Was ist von einer Stadt zu halten die auf ihrem Portal über das sogenannte Ehrenmal für die Opfer des Faschismus verkündet, dass auch Soldaten und Bombenopfer Opfer des Faschismus seien, „Vernichtete“ sind? Wo behauptet wird, dass denen zu vergeben sei, „die sich von dem ‚Glanz‘ der Nationalsozialisten haben leiten lassen“ und wo mit der faustdicken Lüge aufgewartet wird, viele hätten „erst ‚Erkenntnis‘ erlangt, nachdem der Zweite Weltkrieg beendet war und ihnen die Wahrheit deutlich vor Augen geführt wurde.“

Was ist von einer alternativen Szene zu halten, die jedes Jahr einen Blut-und-Boden-Tag in der Stadt veranstaltet, an dem von Initiativen gegen Handystrahlung bis hin zur Verkäufer*in von Selbstgestricktem alles vertreten ist, was den Verstand an der Biegung des Fulda begraben hat. An der Fulda, an der mit dem Segen der Stadt jeden Sommer der Atombombentag gefeiert wird, um an die Schrecknisse des 2. Weltkrieges zu erinnern – die vom bösen Ami begangen wurden?

Ja all das, Kumpanei mit den schlimmsten Antisemiten, sogenannte Israelkritik, Geschichtsrevisionismus usw. (die schon viel zu lang geratene Reihe ließe sich noch weiter fortsetzten) wird von der sogenannten Meinungsfreiheit gedeckt, das scheint auch so gut zu sein! Genauso gut wie der Umstand es zu sein scheint, dass dem offen antisemitischen Wahn im Sinne des Streites der Meinungen entgegengetreten wird, warum eigentlich? Um – wie es die DIG-Kassel sagt, sich darum zu sorgen, dass der Ruf des Parlaments nicht beschädigt wird, oder sich dem aussichtslosen Unterfangen zu widmen, den Antisemiten davon zu überzeugen, dass er eine unvollständige Meinung hat oder eine falsche Meinung vertritt?

Oder nicht vielleicht doch deswegen, um sich der richtigen Gesinnung zu vergewissern, weil man eine böse Ahnung davon hat, dass es nicht so weit her ist, mit der eigenen guten Gesinnung oder mit einer klaren Haltung der sog. Zivilgesellschaft in Sachen Antisemitismus? Man wird den Eindruck nicht los, dass desto lauter die aufrechten Mahner und Erinnerer, die Freunde des Dialoges und der Versöhnung, die Friedensfreunde und „Freunde“ Israels, die Engagierten und Vertreter der richtigen Gesinnung, die Streiter für den guten Ruf der Stadt über die schmuddeligen Volksgenossen sich erregen, je tiefer sie in den Abgrund ihres eigenen Meinens blicken oder in den, der sich angesichts der Zivilgesellschaft so auftut, wenn sie mal wieder sich gewahr wird, dass es ein Volk ist und nicht das Individuum und die Grundlagen der Zivilisation, die es zu verteidigen gilt.

Die AfD ist keine harmlose Partei, sie zieht Quartalsirre an wie das Licht die Motten. In Polen und in Ungarn bekommt man einen Anschauungsunterricht, was es heißt, wenn solche Kräfte an der Macht beteiligt werden. Die viel gelobte Zivilgesellschaft ist jedoch keine Gewähr dafür, dass wir vor solchen Prozessen verschont bleiben – die Zivilgesellschaft bildet nur das Hintergrundrauschen, solcher Rülpser, die jetzt zu vernehmen waren. (jd)


04.08. Veranstaltung: (Dis)Kontinuitäten – Qudstags-Marsch 2014-2016 July 26, 2016 | 07:52 pm

Die Akteur*innen und Teilnehmenden des Qudstags-Marsches sind auch außerhalb dieses Zeitraums aktiv und fördern den Hass auf Israel, den Westen und das Judentum. Wir wollen uns auch an allen anderen Tage als dem letzten Freitag im Ramadan mit diesen Antisemit*innen auseinanderzusetzen.

Terror in München: Wettrüsten der Ideologen July 23, 2016 | 02:16 pm

Das kollektive Aufatmen all jener, die gerne mit dem Kampfbegriff „Islamophobie“ um sich werfen, ist in den aktuellen Stunden allenthalben zu hören. Der Attentäter von München war laut aktuellen Ermittlungen kein Islamist, vielmehr orientierte er sich am Amokläufer der Realschule von Winnenden 2009 und ähnlichen Vorbildern. Er sei sieben Jahre lang gemobbt worden, begründete der 18-jährige Münchner seinen Amoklauf, dem 9 Menschen im Olympia Einkaufszentrum und mindestens 35 weitere Verletzte zum Opfer fielen.

Derlei Barbarei entsteht nicht im luftleeren Raum. Amokläufe entwickeln sich notwendig aus der hiesigen Ordnung heraus. Wer die Menschen bereits in der Schule einem enormen Druck aussetzt und gegeneinander in Stellung bringt, der muss damit leben, dass insbesondere die Abgehängten einen ungeheueren Hass entwicklen können – und Einzelne diesen Hass nicht gegen sich selbst sondern andere richten. Wer also von der Zurichtung im Kapitalismus nicht sprechen will, soll von Amokläufern an deutschen Schulen schweigen. Ebenso sind der rechte Terror des „Nationalsozialistischen Untergrunds“, hunderte Anschläge auf Asylunterkünfte oder das Breivik-Massaker bereits in der rechten Ideologie eingepreist. Der Nährboden dieses rechten Terrors ist wiederum der tief in der Gesellschaft verankerte Rassismus.

Dennoch gibt es bezüglich der islamistischen Terrorgefahr in Europa keinen Grund, aufzuatmen – sie besteht weiterhin. Und so wie Amokläufe mit der Zurichtung innerhalb kapitalistischer Ordnungen, rechter Terror mit Rassismus und rechter Hetze (und Alkoholismus mit dem Alkohol) zu tun haben, so hat der islamistische Terror viel mit islamischer Religion zu tun. Und auch der Terror gegen die Menschen in Israel ist freilich nicht getrennt von der weltweiten antiisraelischen Propaganda und dem damit verbundenen Antisemitismus zu verstehen. Häufiger kommen auch mehrere Beweggründe in einer Tat zusammen, sind die Umstände nur schwer auseinanderzuhalten.

Hiergegen hilft neben den unmittelbaren Maßnahmen zur Erhöhung der Sicherheit nur eine Kritik an eben all jenen Verhältnisse, die den Menschen zu einem erniedrigten und verächtlichen Wesen machen. Das ist die islamische Religion, die derzeit in vielen Ländern Staatsreligion, Rechtsprechungsgrundlage und Anlass für den örtlichen Tugendterrors ist. Das ist aber auch die kapitalistische Totalität, das sind nationale sowie rassistische Verfasstheiten.

Wer nach Anschlägen hauptsächlich damit beschäftigt ist, das eigene ideologische Lager sauber zu halten – und das ist eher die Regel als die Ausnahme – blendet einen wichtigen Grund für Terror, Anschlag und Attentat aus. Ideologiekritik wäre heute wichtiger denn je, auch wenn es nicht einfach ist, in diesem Handgemenge (und über sich selbst) noch den Überblick zu behalten.

No Tags

Nachtmann-Veranstaltung fällt aus July 14, 2016 | 01:11 pm

UPDATE: Clemens Nachtmann musste leider aus gesundheitlichen Gründen kurzfristig absagen, die Veranstaltung fällt daher aus. Wir werden uns um einen zeitnahen Ersatztermin kümmern und wünschen unserem Referenten gute Besserung!

Von „Antirassist*innen“ und der Kritik July 10, 2016 | 05:01 pm

In 4 Tagen beginnt nun unsere Veranstaltung mit Clemens Nachtmann zu Antirassismus. Dass diese Veranstaltung nötiger denn je ist, zeigen die Ereignisse der letzten Wochen in Hannover. Neben den genannten Beispielen im Ankündigungstext wurden auf dem Auftaktkonzert des festival contre le racisme Flyer verteilt, die von cultural appropriation faselten und das Tragen von kulturfremden Accessoires, Frisuren und Klamotten als rassistisch verurteilten.
Anderthalb Wochen vor dem Beginn unser Veranstaltung toppte aber der Elchkeller diese Ereignisse. Uns wurde in einer Mail mitgeteilt, dass die Veranstaltung leider doch nicht in den Räumen stattfinden darf. Grund dafür: sie verstehen sich als „Antirassist*innen“ und wir würden die, die sich „gegen Rassismus engagieren zu einer homogenen Masse […] konstruieren und in eine Reihe mit Merkel und Co. […] stellen“.
Ein einfacher Google-Suchauftrag mit den Stichworten „Clemens“ und „Nachtmann“ hätte ausgereicht, um sich mit unser geplanten und bereits festzugesagten Veranstaltung rechtzeitig auseinanderzusetzen.
Nach dieser antirassistischen Ideologie also werden Nestbeschmutzer kurzfristig aus den Räumen geschmissen, anstatt sich eine Sekunde damit zu beschäftigen, die Rede vom Rassismus auf den Begriff zu bringen.

Die Veranstaltung findet nun in der Uni Hannover, Schlosswender Str. 1, Gebäude 1211, Raum 105 statt.

Gemeinsam jeden Antisemitismus bekämpfen – ohne Henkel July 1, 2016 | 02:14 pm

Gemeinsam jeden Antisemitismus bekämpfen –ohne Henkel Warum das Antifaschistische Berliner Bündnis gegen den Al-Quds Tag dieses Jahr nicht am George-Grosz-Platz sprechen wird Die Geschichte des Protestes gegen den regelmäßig stattfindenden antisemitischen Aufmarsch in Deutschland ist beinahe so lang wie die des Quds-Marsches in Berlin selbst. Neben vor allem jüdischen Institutionen, antisemitismuskritischer Zivilgesellschaft und Parteien beteiligten sich [...]

Der letztjährige Anmelder des antisemitischen Al Quds-Marschs droht den Gegenprotesten mit Klage June 30, 2016 | 08:08 am

Jürgen Grassmann, seines Zeichens ehemaliger Anmelder des jährlichen Al Quds-Marschs in Berlin, versucht kurz vor dem 2. Juli, mit Klagen gegen den Bloghoster Blogsport, bei dem die antifaschistischen Proteste gegen den Al Quds-Tag beheimatet sind, vorzugehen. Dafür hat sich sein Anwalt das Zitat auf dem Vorabplakat vorgenommen. Er moniert, dass Grassmann mit der Formulierung „Das [...]

1. Juli 2016 Diskussionsveranstaltung: Der Al Quds-Tag im Jahr eins nach dem Atomdeal mit dem Iran – Appeasement ohne Ende? June 27, 2016 | 02:02 pm

18.00 Uhr // Schankwirtschaft LAIDAK // Boddinstr. 42/43 Berlin-Neukölln Das Nuklearabkommen Deutschlands und der Vetomächte im Sicherheitsrat mit dem iranischen Regime vor fast einem Jahr wurde als Durchbruch für den Weltfrieden und Sieg für die sogenannten Reformkräfte im Iran gefeiert. Bereits kurz darauf verschärfte die Islamische Republik im Bündnis mit Russland ihre Intervention in Syrien, die [...]

NEUER ORT: Ideologie in Schwarz-Weiß. Zur Kritik des Antirassismus June 12, 2016 | 08:58 pm

Vortrag und Diskussion mit Clemens Nachtmann.

Dass auch in Hannover der linke Kulturalismus sein Unwesen treibt, zeigte sich zuletzt bei der Veranstaltung „Der Reichtum der Fremden“: hier sollten als antirassistisches Spektakel Flüchtlinge zu Trägern von fremdartiger, aber anziehender Kultur verklärt werden. Da möchte auch das Alternative Vorlesungsverzeichnis nicht abseits stehen und glänzt in diesem Jahr mit einer Veranstaltung, die sich innerhalb der Ungeisteswissenschaft bzw. des Theorie-Absurdums „Critical Whiteness“ verortet. Aber das ist natürlich kein Lokalphänomen und auch nicht nur auf die Akademie beschränkt, denn der Antirassismus, früher ein Steckenpferd linker und universitärer Kleingruppen, ist längst deutsche Staatsraison geworden: moralische Empörung gegen vermeintliche Rassisten und die Solidarisierung mit Flüchtlingen gehören zum guten Ton der Berliner Republik. Die dieser Haltung zugrundeliegende Vorstellung von „Rassismus“ hat aber mit Einsicht in geschweige denn Analyse von Fremdenhass rein gar nichts zu tun: „Rassismus“ ist vielmehr ein ideologisches Stichwort eines antirassistischen Rackets, das jeglichen Realitätsbezugs entbehrt, das seine Mitglieder vielmehr nur als Ausweis von Gesinnungsfestigkeit und Ehrbarkeit vor sich hertragen und das ihnen als probates Mittel dient, um nach Willkür und freiem Ermessen festzulegen, wer gerade als „Rassist“ zu gelten hat. „Antirassismus“ ist die Ideologie der feinen Gesellschaft, die mit dem politischen Islam kollaboriert und schon deswegen eine flexibel einsetzbare Feinderklärung gegen jene benötigt, die diese Kollaboration beim Namen nennen. Auf Grundlage seines 2009 erschienenen Aufsatzes „Rasse und Individuum“ wird sich Clemens Nachtmann mit dem Antirassismus der Anständigen beschäftigen und dabei aufzeigen, daß die Grundannahmen des Rassismus gerade bei dessen erklärten Gegnern fortleben.

Clemens Nachtmann (*1965) ist Komponist, Autor (u.a. für die Bahamas) und hält seit Jahren Vorträge zu politischen Themen.

NEUER ORT: Donnerstag, 14. Juli 2016 um 19 Uhr in der Uni Hannover, Schlosswender Str. 1, Gebäude 1211, Raum 105.