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Proteste gegen Palästina-Tage angekündigt June 19, 2013 | 05:37 pm

AmEchad ruft anlässlich der „Palästina Tage“ im Münchner Kulturzentrum Gasteig zur Kundgebung auf. Insbesondere kritisiert der Münchner Verein den Film „Roadmap to Apartheid“, der laut Programmheft am 20. Juni im Gasteig gezeigt werden soll.


Volle Kanne Apartheid in Jerusalem

Laut Michael Lang, Sprecher von AmEchad, suggeriere der Film eine unzulässige Parallele: „Die Unterstellung, in Israel herrsche ein Apartheidsregime im südafrikanischen Sinne, ist in doppelter Hinsicht ungebührlich. Sie zielt darauf ab, Israel vor den Vereinten Nationen zu delegitimieren, da die Vereinten Nationen Apartheid zurecht als sehr schwerwiegendes Verbrechen ansehen. Außerdem wird damit das unbeschreibliche Leid der Schwarzen in Südafrika bis 1984 in einer inakzeptablen Weise verharmlost und ausgenutzt.“

In Israel gäbe es kein einziges Gesetz, das Staatsangehörige ihrer Hautfarbe nach unterscheide, sagt Lang heute in München: „Menschen jeglicher Hautfarbe und unterschiedlichster Glaubensrichtung gehen in Israel zur Wahl, sitzen im israelischen Parlament, leiten Konzerne und feiern in den selben Nachtclubs zusammen. Prominente aus Kunst, Kultur, Sport und Unterhaltung, unterschiedlichster Couleur und Religion, sind täglich im Fernsehen zu sehen und repräsentieren Israel.“ Der Film relativiere mit der gezogenen Parallele die Apartheid in Südafrika und diffamiere insbesondere jüdische Israelis. Dagegen wolle AmEchad am 20. Juni vor dem Gasteig um 18.30 Uhr protestieren.

Zuvor erteilte der Gasteig AmEchad zwei Absagen. Weder erlaubte das Kulturzentrum das Verteilen von Flyern noch einen Infostand auf dem Gelände, so die Veranstalter. Die Kundgebung muss an den nördlichen Rand ausweichen.

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Von Professorinnen und Brühwürfeln. Eine Polemik. June 18, 2013 | 11:49 am

Man stelle sich einen x-beliebigen mittelgroßen Betrieb vor, in dem, sagen wir, Halbfertigprodukte für die Lebensmittelindustrie hergestellt werden. Der Betrieb hat etwa 150 gewerbliche Arbeitnehmer unmittelbar in der Produktion, davon 130 Frauen und 20 Männer. Durch ein geschicktes Vergütungsstufenmodell und einseitige Beförderungsrichtlinien hat es die Geschäftsleitung verstanden, die Arbeitnehmerinnen systematisch schlechter zu bezahlen, als dies bei männlichen Arbeitnehmern gleicher Qualifikation und vergleichbarer Tätigkeit der Fall ist.

 

Ein klarer Fall: so ein Unternehmen hat Aufholbedarf, was die Gleichstellung der Frauen im Erwerbsleben angeht.

 

Stellen Sie, verehrter Leser, verehrte Leserin, sich nun weiter vor: Sie sind eine Arbeitnehmerin in diesem Betrieb und werden so um verdiente Früchte Ihrer Arbeit und Ihrer Ausbildung behumst. Wie kämen Sie sich vor, wenn Ihre Geschäftsleitung, anstatt für gleichmäßige Arbeitsbedingungen und Bezahlung zu sorgen, mit dem Ausdruck größter gesellschaftlicher Verantwortung plötzlich anordnete: ab morgen tun wir einen großen Schritt in Richtung Gleichberechtigung und nennen unsere Brühwürfelverpacker beiderlei Geschlechts BRÜHWÜRFELVERPACKERINNEN? Also, ich wüsste, wohin sich die Geschäftsleitung so ein Dekret stecken könnte.

 

Was von der jüngsten Gender-Posse an der Universität Leipzig zu halten ist, wird an diesem Downsizing deutlich. Es ist ein Theater, das genau und nur dort aufgeführt werden konnte, wo es stattfand: im akademischen öffentlichen Dienst. Nichts kennzeichnet die Selbstbezogenheit dieses wahrhaft revolutionären Schrittes dort so deutlich, wie das Milieu, in dem er sich ereignete. Nichts kennzeichnet zugleich die Kapitulation oder die Indolenz dieses Milieus vor der gesellschaftspolitischen Aufgabenstellung so klar, wie die Verlagerung auf eine absurde sprachliche Ebene, auf der es anscheinend wichtig ist, Personen (durchaus nicht schlecht bezahlte Hochschullehrer) als das anzusprechen, was sie nicht sind (durchaus auch nicht schlecht bezahlte Hochschullehrerinnen), mit dem einzig erkennbaren Ziel, etwas vorweisen zu können, was man als einen Fortschritt versteht.

 

Um es einmal ganz klar zu machen: keine gewöhnliche Beschäftigte hat auch nur einen Cent mehr in der Tasche, oder muss sich nicht mehr um einen Zweitjob kümmern, wenn ihre besser bezahlten männlichen Kollegen plötzlich weibliche Berufsbezeichnungen tragen. Den Völkern früherer Generationen konnte man die Gehirne mit Religions- oder Nationalkitsch verkleistern, wenn die Lebensbedingungen vor Mangel und Ungerechtigkeit zum Himmel schrien und niemand willens und in der Lage war, das zu ändern. Ich werde den Eindruck nicht los, dass sich in der gesellschaftspolitischen Debatte eine neue Form von Kleister breitmacht: der Gender-Kitsch, der an anderer Stelle und in anderen Äußerungsformen auch so seltsame Dinge wie geschlechtsindifferente Toilettenhäuschen hervorgebracht hat. Eines ist mir sonnenklar: eher schafft es der Altherrenverein des Deutschen Gewerkschaftsbundes, gerechte Verhältnisse dort zu schaffen, wo sie dringend benötigt werden, als die Damen und Herren Professorinnen aus Leipzig.

 

Der Verfasser dieser Polemik hat selbst eine akademische Ausbildung genossen und hätte durchaus auch Muße, sich um derlei Fragen zu sorgen. An irgend etwas muss es liegen, dass ihn (ja: IHN) die ungerechte Unterbezahlung einer beliebigen Beschäftigten in einem beliebigen Betrieb mehr dauert als die Befindlichkeiten verbeamteter Professorinnen (welchen Geschlechts auch immer), die durch ein politisch unmittelbar überwachtes und gestaltetes Dienst- und Besoldungsrecht am wenigsten von dem betroffen sind, was dringlich behoben werden müsste. Wenn ich nur wüsste, woran genau…

GreenTec Awards – Was nicht passt, wird passend gemacht June 14, 2013 | 12:02 pm

greentec

Die GreenTec Awards sind ein Preis, der “mit dem Ziel veranstaltet [wird], ökologisches und ökonomisches Engagement und den Einsatz von Umwelttechnologien zu fördern”. Laut Angaben der Webseite “unterscheiden sich [die GreenTec Awards] von anderen Umweltpreisen dadurch, dass neben der Bewertung der Nachhaltigkeit vor allem die Marktfähigkeit von Innovationen bewertet wird”.

Dabei haben sich in mehreren Kategorien Dutzende Bewerber gemeldet, über die auf der Homepage dann abgestimmt werden konnte. Die besten Drei ziehen ins Finale ein und werden dann von einer Jury bewertet.

Und da passierte etwas Unvorstellbares: In der Kategorie “Galileo-Wissenspreis” bewarb sich ein Dual Fluid Reactor, der nach Angaben der Erfinder ein “neues nukleares Reaktorkonzept in Weiterführung der sogenannten Generation IV” darstellt, der dann im Online-Voting klar auf Platz 1 landete.

Also, wirklich. Das geht ja gar nicht. Ein Reaktor. Nuklear. Mit Atomen. Und nuklear. Vor allem nuklear. Nein. Das geht nicht. Das ist einfach nicht ideologisch grün genug, das darf nicht sein. Sowas wollen wir in Deutschland nicht! Nach dem schlimmen Reaktorunfall in Fukushima, der ein Erdbeben und einen Tsunami auslöste und 19.000 Menschen getötet hat(wir vermuten, die von GreenTec haben Claudia Roth als Facebook-Autorin engagiert), wollen wir das einfach nicht.

Aber keine Panik! Was nicht passt, wird passend gemacht!

Und so schritten die Initiatoren des GreenTec Awards zur Tat. Flugs änderten sie die Teilnahmebedingungen auf der Webseite und ergänzten folgenden Satz (Google Cache lässt grüßen!):

Die Auswahl der Nominierten und Preisträger erfolgt letztendlich unabhängig durch die Jury der GreenTec Awards, der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

Auch auf der Prozess-Seite, die die Anmeldung beschrieb, wurde eine Kleinigkeit ergänzt:

“Ein drittes Projekt wird durch eine öffentliche Online-Abstimmung für die spätere Jurysitzung nominiert und durch die Jury verifiziert.”

Noch ein kurzes Absagemail, dass die Bewerbung leider nicht (mehr) zu den Nominierten zählt. Als Begründung:

Die Entscheidung ist nach eingehender wissenschaftlicher Diskussion und eingehender Betrachtung der wissenschaftlichen, sozialen und kommunikativen Aspekte Ihrer Einreichung im Licht der Zielsetzung des Awards erfolgt.

Oder in kurz: Schlimme Worte wie Nuklear dulden wir in Deutschland nicht!

Und schon war alles in Butter. Die Vögel singen, die Bäume schlagen aus. Ein leuchtendes Beispiel, unsere Jugend hat wieder etwas gelernt. Es ist völlig ok, die Regeln im Nachhinein zu ändern, wenn es einem passt. (Das mit dem “Nicht erwischen lassen” sollten wir aber noch üben, gell?) Egal. Da einem sowieso keiner was kann, was soll’s?. Regeln sind nur etwas für Verlierer. Bravo!

Zur weiteren Lektüre zum Thema;

* Nukleria: Zensur bei den GreenTec Awards
* Kerngedanken: … dass nicht sein kann, was nicht sein darf
* Die Welt: Wie man einen Reaktor verschwinden lässt
* Abstimmungsfarce – Manipulation bei den GreenTec Awards?
* ScienceSkeptical: Greentec Awards: Macher stemmen sich gegen Online-Voting
* ScienceSkeptical: Liebe Leute von den GreenTec-Awards, …

Kritik der Arbeit – Vortrag und Diskussion mit Stephan Grigat June 13, 2013 | 03:56 pm

Raffendes Kapital bei der Arbeit.

Fast die gesamte Gesellschaft klammert sich an die Sklavenparole „Die Arbeit hoch!“ Statt Reichtum für alle will man die gerechte Verteilung des Elends. Ob linke Globalisierungsgegner, christliche Sozialethiker oder faschistische Produktivitätsfanatiker: Helfershelfer bei der Rettung der Arbeit soll der Staat sein, der den zügellosen, nicht dingfest zu machenden Marktkräften den Betrug an der „ehrlichen Arbeit“ verunmöglichen soll. Statt Gesellschaftskritik zu üben werden Ressentiments geschürt. In dem Vortrag soll verdeutlicht werden, was solch ein Bewusstsein mit dem Antisemitismus zu tun hat und wie es sich im Alltagsverstand und der Populärkultur – etwa in Filmen wie „Animal Farm“ oder „Pretty Woman“ – niederschlägt.

Stephan Grigat ist Lehrbeauftragter an der Universität Wien, Herausgeber von „Postnazismus revisited. Das Nachleben des Nationalsozialismus im 21. Jahrhundert“, Mitherausgeber von „Der Iran. Analyse einer islamischen Diktatur und ihrer europäischen Förderer“ und Autor von „Fetisch & Freiheit. Über die Rezeption der Marxschen Fetischkritik, die Emanzipation von Staat und Kapital und die Kritik des Antisemitismus“.

Ort: HU Berlin (Unter den Linden 6), Hörsaal 3038
Zeit: Di, 2.7.2013, 20h

Elph – Opfer gesucht June 13, 2013 | 10:54 am

Wir erhalten in letzter Zeit vermehrt Anfragen wegen Brigitte Schories, die sich jetzt als Göttin “Mhaadeii AmaMia” verehren und vor allem bezahlen lässt. Wurden in der Vergangenheit oftmals neue Anhänger mittels kassenärztlich zugelassener Therapeuten akquiriert, so hat B. Schories nun ein neues Lockangebot für ihre Zwecke entdeckt. Um Einsteiger zu keilen, ist ihre wöchentliche Videobotschaft nun einmal im Monat öffentlich und kostenfrei geworden, wenn man zu einem Gastgeber geht und sich zutexten lässt.

Will man dann die Elph-Therapeutenausbildung absolvieren, kostet es aktuell (Mai 2013) für die Teile 1-4 je 5.000.-€, für Teil 5 dann 7.000.-€ plus der zusätzlichen “Elphings” zu je 180.-€ pro Sitzung. Zusammen mal eben mind. 27.000.- für eine nutzlose und nirgends anerkannte Ausbildung!

Es gibt eine öffentliche Liste der “Elphtherapeuten”; diese weist z.Z. etwas über 100 Einträge auf. Nach unseren Informationen wird man dort nur aufgenommen, wenn man 10 weitere Opfer gekeilt hat- es ist ein Schneeballsystem. Unter diesen Therapeuten ist vom approbierten Arzt bis zum Musiker alles vertreten. (Da Elemente der Elph-Therapie in den Bereich der Psychotherapie fallen, halten wir es für grob fahrlässig, ohne ausreichende fachliche Qualifikation die mehr oder weniger krankhafte psychische und/oder physische Situation eines Klienten analysieren und therapieren zu wollen.) Wir haben bereits Berichte, dass zumindest einige Elphtherapeuten das Abhängigkeitsverhältnis ihrer Patienten, Schüler oder sonstwie verbundener Personen ausnutzen, um sie anstelle konventioneller Maßnahmen zu Elph zu bringen. So gibt es vor allem einen alarmierenden Bericht eines Vaters, dessen getrennte Frau bei ihrem Kind unter dem Einfluss einer Elphtherapeutin medizinisch nötige Maßnahmen für ihr Kind viel zu lange hinausgezögert hat – mit schweren, aber zum Glück nicht letalen Folgen für das Kind.

Elph ist inzwischen bundesweit bei den Sektenberatungs- und Informationstellen bekannt. Uns liegen fachliche Stellungnahmen vor, in denen Frau Schories, die sich selbst für ein “göttliches Allbewußtsein” hält, ein guruhaftes Auftreten attestiert wird. Die Gründerin beansprucht, ihre Lehre aus eigenen Erfahrungen und Erkenntnissen gewonnen zu haben. Damit sind wohl vor allem die Insolvenzen gemeint, die sie hingelegt hat. Mit dem Geld ihrer Anhänger wird ihr das so schnell nicht mehr passieren. In diesem Zusammenhang: Im Forum hat jemand anonym “Insiderinformationen” über den interessanten Werdegang von Frau Schories gepostet. Wir haben versucht, diese Angaben zu überprüfen, was leider nur zum Teil gelungen ist. So sind die dort genannten Orte und Zeiten wohl richtig. Auch auf dem Insolvenzgericht ist Frau Schories einschlägig bekannt, die Einträge sind aber inzwischen gelöscht. Wer helfen kann, diese Angaben zu bestätigen, zu ergänzen oder auch zu korrigieren, ist eingeladen, das zu tun.

Wenn Sie selbst betroffen waren oder über Angehörige betroffen sind, dann schlagen wir vor, dass Sie sich an eine Sektenberatung wenden. Eine Liste solcher Zentren finden Sie z.B. bei der AGPF,  bei der EIMUC, bei der evangelischen Landeskirche Bayern oder bei der Erzdiözese München und Freising.

Im übrigen können Sie sich auch gerne an die EIMUC wenden, Dort hat man seit fast 40 Jahren Erfahrung bei der Beratung und Unterstützung Betroffener aus verschiedensten Gruppen. Sie können die EIMUC per email (info@sektenwatch.de) erreichen. In Landshut gibt es bereits eine Selbsthilfegruppe (nicht speziell für Elph oder eine andere Gruppe), die AVAS.

Wenn Sie sich mit anderen zusammentun, haben Sie folgende Vorteile:

  • Sie stehen nicht mehr alleine gegen eine finanziell gut ausgestattete Organisation, die Sie möglicherweise juristisch bedroht.
  • Sie werden erfahren, dass Ihre Probleme nicht einzigartig sind, sondern leider durchaus nicht ungewöhnlich. Es tut oft sehr gut, einfach mal mit Menschen zu reden, die nicht mit Unverständnis auf die Situation reagieren, sondern das Ganze nachvollziehen können
  • Im Umgang mit Menschen, die in Sekten gefangen sind, kann man viel falsch machen. Lassen Sie sich von erfahrenen Experten helfen, Anfängerfehler zu vermeiden.

 

Wir wünschen Ihnen viel Glück und viel Erfolg!

Neue Sticker to go June 11, 2013 | 04:37 pm

Ab sofort könnt Ihr folgende Motive bei uns bestellen.


Für Individualität, Genuss & Nonchalance. Gegen Ökodeutsche und autoritäre Sozialdemokraten.


Occupy Your Brain. Kritische Theorie anstatt antikapitalistischer Massenmobilisierung.


Extreme Kackscheiße. Critical Whiteness ist postmoderner Rassismus.

Wendet Euch einfach an uns per Mail: ada-berlin[at]gmx.net

Fluoride und die erschreckende Meldung aus Harvard June 7, 2013 | 12:42 pm

Angeregt durch einen Gesundheitsartikel in der österreichischen Krone, der mit einer reißerischen Überschrift (begleitet vom Bild eines zähneputzenden Kindes) andeutet, dass Fluoride laut einer Harvard-Studie die neurologische Entwicklung von Kindern stören können, wollen wir uns auch mal die Evidenz in dem Bereich ansehen.

Es könnte ja sein, dass sich durch die Überschrift oder andere Texte, die so im Internet zu finden sind, Leute verunsichern lassen und dann doch lieber keine Zahnpasta mehr verwenden.

Zur Verteidigung der Krone muss man vielleicht noch sagen, dass der Artikel an sich dann nicht schlecht ist und den wissenschaftlichen Konsens darlegt. Von der reißerischen Andeutung in der Überschrift bleibt jedenfalls nichts übrig …

Die erwähnte Harvard-Studie zu Fluoriden wird im Internet an vielen Stellen pseudowissenschaftlich verwurstet und als Beweis verwendet, dass Fluorid Kinder dumm macht. Im englischsprachigen Raum wurde diese Behauptung durch “Qualitätsseiten” wie Mercola oder NaturalNews als Horrorgeschichte publiziert.

In den USA wurde/wird die Diskussion viel schärfer geführt als bei uns, da Fluoride dort dem Trinkwasser zugesetzt werden, was von vielen abgelehnt wird.

Im deutschsprachigen Raum schlägt natürlich der Kopp-Verlag zu und übersetzt einen Artikel des “Gesundheitsenthusiasten” Ethan A. Huff, der schon mit Artikeln zu Impfungen und HIV-Tests mit großer Unwissenheit geglänzt hat.

Was hat es nun wirklich damit auf sich?

Im Endeffekt scheint es wieder die alte Formel zu sein: “Die Dosis macht das Gift”. Ein wenig ist gut, zu viel ist schädlich. Entsprechendes kennt man von praktisch jedem Stoff, den man aufnimmt.

Bei der zitierten Harvard-Studie handelt es sich tatsächlich um ein Meta-Review, das 27 weitgehend in China durchgeführte Studien betrachtete.
(Anmerkung: In der Analyse sind auch zwei Studien, die das Einatmen von Fluoriden bei Verbrennung von Kohle betrachteten, enthalten. Wir werden im Folgenden aber im Wesentlichen von den Trinkwasserstudien sprechen)

Warum in China? Weil dort in manchen Gegenden der Fluoridgehalt im Wasser extrem hoch ist, was auch in der Metaanalyse ausgedrückt wird:

Such circumstances are difficult to find in many industrialized countries, because fluoride concentrations in community water are usually no higher than 1 mg/L, even when fluoride is added to water supplies as a public health measure to reduce tooth decay.

Man hat in der Studie Gegenden betrachtet, in denen der Flourgehalt des Wassers bei bis zu 11 mg/L Wasser lag; ein Wert, den man in Europa und den USA nicht finden wird.

Als Kontrollgruppe wurden Kinder betrachtet, die “normale” Fluoridmengen unter 1 mg/L im Wasser erhielten, wie sie z.B. auch in Deutschland üblich sind. In Deutschland enthält 90% des Wassers weniger als 0,25 mg/L Fluor.

Die Metaanalyse der 27 Studien war zweifellos schwierig, da die Studien so verschieden waren (Study heterogeneity) und viele Studien waren wohl auch von minderer Qualität. So folgert die Analyse dann auch im Ergebnis nur vorsichtig:

“The results support the possibility of an adverse effect of high fluoride exposure on children’s neurodevelopment. Future research should include detailed individual-level information on prenatal exposure, neurobehavioral performance, and covariates for adjustment.”

Trotz der Schwächen des Reviews ist das Ergebnis über die 27 Studien sehr konsistent, bei 26 Studien zeigte sich eine signifikante Verminderung des IQs. Der durchschnittliche Verlust war dabei 7 IQ Punkte mit einer Standardabweichung von 15 Punkten.

Das Ergebnis dieser Analyse ist also durchaus interessant und sollte Anlass für weitere Forschung geben. Die empfohlenen Grenzwerte sind aber sowieso schon weit niedriger.

Eine kleine Milchmädchenrechnung:
Eine typische Zahnpasta enthält etwa 1000-1500 Milligramm pro Kilogramm Zahnpasta, bei Kindern mit ca. 500 mg/kg entsprechend weniger. Spezielle Zahnpasta für Kinder macht also tatsächlich Sinn, da die Bemessung der Zusatzstoffe entsprechend optimiert ist.

Pro Putzvorgang benutzt man etwa 1 Gramm/1 Milliliter Zahnpasta; wenn man also zweimal täglich putzt, kommt man als Erwachsener auf 2-3 mg Fluorid in der Zahnpasta. Da man üblicherweise das Zahnputzwasser nicht trinkt, wird natürlich eine viel kleinere Menge aufgenommen.

Sollten Sie allerdings die Angewohnheit haben, täglich mehrere Gramm Zahnpasta zu essen, kann man auf Basis obiger Metaanalyse davon nur abraten.

Israelfeindlicher Furor im Juni June 7, 2013 | 02:09 am

Münchens monatliche Dosis Antizionismus. Die Veranstaltungen beginnen jeweils um 19.30 Uhr.

Donnerstag, 13. Juni: „Der zionistische Siedlerkolonialismus: Apartheid und ethnische Säuberung in Palästina“, mit Petra Wild im Saal der Initiativgruppe. Veranstalter: „Salam Shalom“.

Freitag, 14. Juni: „Der jüdische Staat als Ethnokratie – Gaza als Ghetto“ mit Petra Wild im Eine-Welt-Haus. Veranstalter: „Salam Shalom“.

Mittwoch, 19. Juni:Apartheid – Israel und Südafrika im Vergleich von Anthony Löwstedt“, im Saal der Initiativgruppe. Veranstalter: „Palästina Komitee München“, „Jüdisch-Palästinensische Dialoggruppe“, mit freundlicher Unterstützung des Münchner Kulturreferats.

Donnerstag, 20. Juni: Roadmap to Apartheid“ – Dokumentarfilm im Rahmen der „Palästina Tage“ im Gasteig. Veranstalter: „Palästina Komitee München“, „Jüdisch-Palästinensische Dialoggruppe“, mit freundlicher Unterstützung des Münchner Kulturreferats.

Samstag, 22. Juni: Nurit Peled-Elhanan: Das Bild der anderen“, Vortrag im Rahmen der „Palästina Tage“ im Gasteig. Veranstalter: „Palästina Komitee München“, „Jüdisch-Palästinensische Dialoggruppe“, mit freundlicher Unterstützung des Münchner Kulturreferats.

Sonntag, 23. Juni: Nurit Peled-Elhanan: Das Russel Tribunal zu Palästina“ im Rahmen der „Palästina Tage“ im Gasteig. Veranstalter: „Palästina Komitee München“, „Jüdisch-Palästinensische Dialoggruppe“, mit freundlicher Unterstützung des Münchner Kulturreferats.

Kritik, Anregungen, Lob:
kommunikation@gasteig.de
geschaeftsstelle@einewelthaus.de

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Der Irre mit der Bombe, MAN, Israel im Umbruch und der kurze Weg von Adorno zu Mao – alles an einem Tag June 2, 2013 | 11:57 pm

Der kommende Donnerstag hat es in sich. Morgens mobilisiert die Kampagne „Stop the Bomb“ anlässlich der Hauptversammlung von MAN nach München. Die Deutsch-Israelische Gesellschaft lädt am Frühabend zur Veranstaltung „Israel ist umgezogen“ ins Jüdische Museum ein. Knapp anschließend ist im Kafe Marat zu erfahren, wie die Linke in den 60er und 70er Jahren ebenfalls umzog – von Adorno zu Mao nämlich.

„Stop the Bomb“ wirft MAN die Beteiligung am Bau der iranischen Schiffsflotte vor. Damit würden die Sanktionsbemühungen der Internationalen Gemeinschaft gegen das iranische Regime untergraben, das weiterhin an der Atombombe baue und damit die Staaten der Region und Israel bedroht, so „Stop the Bomb“. Deshalb ruft „Stop the Bomb“ zu Protesten am Donnerstag um 8.30 Uhr vor dem Eingang der ICM Messe München auf, womit ein deutliches Signal bei der Hauptversammlung des bayerischen Motorenbauers gesetzt werden soll.

Ebenfalls am Donnerstag wird Diana Pinto in ihrem Vortrag „Israel ist umgezogen“ die aktuellen Umbrüche innerhalb der israelischen Gesellschaft darstellen. Die in Paris lebende Historikerin und Schriftstellerin machte sich in Gesprächen mit säkularen und orthodoxen, jüdischen und arabischen Israelis auf die Spur der Neuorientierung Israels. Die Veranstaltung der Deutsch-Israelischen Gesellschaft im Jüdischen Museum in Zusammenarbeit mit dem Suhrkamp Verlag und dem Lehrstuhl für Jüdische Geschichte der LMU findet im Rahmen einer neuen Veranstaltungsserie der DIG-München statt: „Innere Widersprüche – Plurale Gesellschaft: Israels Umgang mit gesellschaftlichen Konflikten“. Damit knüpft die DIG-München an ihre Veranstaltungsserie im Jahre 2011 an: „Ein ‚Gefühl‘, das verbindet: Antisemitismus in einer globalisierten Welt.“

Wer an diesem Donnerstag noch nicht genug hat, kann sich zusammen mit dem Referenten Jens Benicke auf Entdeckungsreise machen und vielleicht einen der vielen Gründe finden, warum es mit der westlichen Linken nur so bergab gehen konnte. In seinem Vortrag „Von Adorno zu Mao – über die schlechte Aufhebung der antiautoritären Bewegung“ referiert er zum Übergang der „antiautoritären Bewegung“ zu „autoritären Kaderorganisationen, die sämtliche emanzipatorischen Errungenschaften der Revolte in ihr Gegenteil verkehren“. Bei diesem Vortrag besteht in jedem Fall die Gefahr der Überschätzung besagter „Revolte“. Dennoch könnte er ein gelungener Ausklang sein.

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Walachsche Methodenlehre für Anfänger (Teil 2) June 1, 2013 | 05:07 pm

Wie im ersten Teil erwähnt, ist es unter der Würde des führenden Methodologen, sich mit den Argumenten seiner Widersacher auseinanderzusetzen. Umso ausführlicher beschäftigt er sich damit, an deren wissenschaftlicher Reputation herumzukratzen. Er benutzt hierzu ein Werkzeug der sog. Szientometrie [8], „Harzing’s Publish or Perish“ [9]. Damit wird ein „Hirsch-Faktor“ ermittelt, der die Zitierhäufigkeit anzeigt. Für prominente Kritiker – Jürgen Windeler, Ulrich Berger, Martin Lambeck, Florian Freistetter – gibt er Werte zwischen 4 und 13 an, während für seine eigene Fraktion – z. B. George Lewith, Benno Brinkhaus, Wayne B. Jonas, Claudia Witt – durchweg Werte zwischen 19 und 31 zu Buche stünden (er selbst bietet mit 29 für sich den zweithöchsten Wert an). Folglich:

„Die soziale Dimension der Wissenschaft zeigt klar, dass die ‘Skeptiker’, die sich gern als Epithet der Wissenschaft in der Öffentlichkeit positionieren eigentlich, wissenschaftlich-sozial gesehen, randständige Figuren sind. … Da stehen prominente Vertreter der Komplementärmedizin um Längen besser da.“

Nun ist es ja durchaus nachvollziehbar, dass die untereinander vernetzten Homöopathen und Akupunkteure sich eifrig in Low-Impact-Journals gegenseitig zitieren und auf diese Weise ihre Bedeutsamkeit „pushen“. Außerdem sollten die Adepten der Paramedizin über Kritik erfreut sein; sie steigert den H-Faktor, und auch eine schlechte Presse ist eine gute Presse. Wie auch immer:

„Dies belegt, was schon öfter gesagt wurde: die Komplementärmedizin ist im Mainstream angekommen.“

In gewisser Hinsicht mag dies sogar zutreffen. Aber das spricht nicht für die Paramedizin, sondern gegen den Mainstream. Und es gibt noch ein Problem: es bleibt unklar, welche Such-Strategie Walach für die Ermittlung des H-Faktors einsetzt. Ein Beispiel: Für K. M. Einhäupl, Direktor der Charité, ermittelt er die lächerliche Anzahl von 23 Publikationen und einen H-Faktor von 15. Die tatsächliche Zahl von dessen Publikationen ist mehr als zehnmal größer. „U Berger“ hat mehr als 1000 Papers, H-Faktor 83, und „Ulrich Berger“ liegt bei H-Faktor 26 (ohne Herausrechnung von Dubletten oder Namensgleichheiten). Wir haben jemanden gefragt, der es wissen muss, und der findet einen H-Faktor 9 bei 334 Zitationen (statt 6 bei 170 wie von Walach angegeben). Wie hat Walach gefiltert?

So bleibt festzuhalten: selbst wenn man die zurechtgezerrten Voraussetzungen Walachs gutwillig hinnähme, dann bliebe seine „Forschungsmethodik“ ein reines Propaganda-Instrument. Der entscheidende Punkt ist jedoch, dass es gar keiner eigenen wissenschaftlichen Tätigkeit bedarf, um sich über die Plausibilität der meisten „komplementärmedizinischen“ Verfahren ein Urteil zu bilden. Dazu genügen naturwissenschaftliche Kenntnisse auf dem Niveau eines mittleren Schulabschlusses. Sind die „Forscher der komplementärmedizinischen Szene“ damit stehend k.o.? Aber nicht doch: Walach & Co. haben damit keine Schwierigkeit. Mit der Erfindung des Wortes „Plausibilitäts-Bias“ haben sie flugs die Tugend in ein Laster umgedichtet. Genial.

Und eins noch, fast hätten wir es übersehen:

„John Ioannidis wurde von mir gewählt, weil er eine Art Leuchtrakete am Methodenhimmel darstellt. Er hat enorm weit berücksichtigte Arbeiten verfaßt, die viel zitiert und aufgegriffen werden. Ein H-Faktor von 67 signalisiert dies.“

Wenn es die Methodenlehre für Anfänger nun offiziell erlaubt, dann machen auch wir gern in Autoritätsbeweis. Edzard Ernst ist der Gottseibeiuns der Paramedizin. „Texte über Ernst gelten in Homöopathenkreisen als Therapie gegen niedrigen Blutdruck“ [10], und Texte von ihm haben die Wirkung von Reizgas. Er hat einen H-Faktor von über 90.


  1. Die Szientometrie hat, wie jede andere Art der Evaluation, vielerlei Nachteile. Wenn man schon nach ihr greift, dann hätte man doch eher mit den Standard-Methoden, z. B. ISI Web of Knowledge gerechnet. Aber es ging unserem Methodologen nicht um die Validität seiner Ergebnisse.
  2. http://www.harzing.com/pop_win.htm
  3. http://www.freitag.de/autoren/merdeister/weleda-und-die-weisheit-der-menschen

Walachsche Methodenlehre für Anfänger (Teil 1) May 31, 2013 | 11:52 am

Die Speerspitze der Aufklärung [1], im Rang einer päpstlichen Autorität [2], hat sich kürzlich in der Rubrik „Methodenlehre für Anfänger“ [3] grundsätzlich zur Legitimität der Kritik an der „Komplementärmedizin“ geäußert. Wie zumeist in solchen Fällen ist der erste Gedanke des Lesers, dass es zu einer konkreten Widerlegung der Kritik, insbesondere der Kritik an dem Vordenker selbst, wohl nicht gereicht hat. Gelegenheiten dazu hätte es ja in jüngster Zeit genug gegeben [4, 5, 6]. Was hat er nun den methodologischen Anfängern stattdessen mit auf den Weg zu geben?

Zuerst: die Wissenschaftlichkeit der „jungen Blogger“ ist nur eingebildet, denn:

„Es handelt sich dabei um die Annahmen eines generellen Materialismus in dem Sinne, dass man davon ausgeht, einzig Materie sei wirklich, alles andere davon abgeleitet. Diese Aussage selbst ist eine philosophische oder religiöse, aber keine wissenschaftliche.“

Es ist nämlich nicht so, dass einzig die Materie wirklich sei. Es gibt ja schließlich auch noch den Geist, der sich aus ihr nicht ableiten lässt, und wenn man den nicht in Betracht zieht, dann ist man, so der O-Ton, „fundamentalreligiös“.

„Häufig verwechseln Autoren die Voraussetzungen, die eine bestimmte Form von Wissenschaft macht – und machen muß [sic] –, mit den Ergebnissen und mit den Möglichkeiten von Wissenschaft schlechthin. Ob Komplementärmedizin in diesem Sinne ‘wissenschaftlich’ ist oder nicht, ist nicht geklärt.“

Es gibt nur eine einzige Voraussetzung, von der die Wissenschaft ausgeht: es existiert eine Realität, und sie kann untersucht werden (eine Realität, die nicht untersucht werden könnte, deren Eigenschaften nicht bestimmbar wären, das wäre schon formallogisch ein leerer Terminus [7]). Mit welchen Ergebnissen der Wissenschaft könnte diese Voraussetzung „verwechselt“ werden? Was sind die „Möglichkeiten von Wissenschaft schlechthin“, die darüber hinausgehen könnten? Was hat die „Komplementärmedizin“ mit alldem zu tun? Wir werden es wohl nicht erfahren, und es ist ja ohnehin uninteressant, denn es handelt sich dabei nur um „krypto-religiöse“, „szientistische“ Weltanschauung. So schnell kann man gar nicht gucken, wie hier mit dem Inhalt von Begriffen jongliert wird. Der geschickteste Hütchenspieler würde vor Neid erblassen.

Was bietet uns die Methodologie noch, außer dieser Parterre-Akrobatik?

„Meist sind sie [die komplementärmedizinischen Verfahren] älter und traditionell überliefert und haben daher einen gewissen Vorsprung im Sinne einer allgemeinen ,Erfahrungsmedizin‘“

Das ist natürlich kein Vorsprung, sondern ein Zurückbleiben. Es sollte zutiefst misstrauisch machen, wenn sich eine Methode über Jahrzehnte und Jahrhunderte nicht ändert, mit anderen Worten: wenn sie einer Kritik nicht zugänglich ist.

„Dass auch diese Verfahren solide wissenschaftlich untersucht gehören, darüber sind sich die meisten Proponenten der Komplementärmedizin einig.“

Warum eigentlich? Unterwerfen sich die Proponenten damit nicht der Fundamental- oder wenigstens der Krypto-Religion?

Noch ein weiteres Schein-Argument der jungen Blogger gilt es zu dekonstruieren:

„Sozial: Häufig ist mit „unwissenschaftlich“ „den Konsens der Mehrheit der Fachleute verletzend“ gemeint.“

Die Kritiker meinen also, die wissenschaftliche Wahrheit werde per Mehrheitsbeschluss festgestellt? Dafür hätte man doch gern brauchbare Belege – aber die zu fordern wäre vermessen, weil:

„das selten explizit erwähnt wird.“

Pech gehabt. „Es wird sich doch irgendwie eine Schikane herausklauben lassen“ (Schopenhauer). Welche, das werden wir uns in Teil 2 ansehen.

  1. http://www.taz.de/!95412/
  2. „Unter Kollegen gilt Walach als ‘Methodik-Papst’“, http://www.psychophysik.com/h-blog/?p=9380, „… dass ich sogar seine Heiligkeit den Papst im Rennen ums Finale [für das Goldene Brett] ausgestochen habe“, http://harald-walach.de/2012/10/22/harald-walach-zur-verleihung-von-das-goldene-brett-2012/
  3. http://harald-walach.de/methodenlehre-fuer-anfaenger/11-wie-wissenschaftlich-ist-die-komplementaermedizin-oder-vom-hirsch-im-blaetterwald/
  4. http://blog.psiram.com/2012/10/von-langen-nadeln-und-einem-goldenen-brett/
  5. http://scienceblogs.de/kritisch-gedacht/2013/02/14/cam-media-quatsch-professor-walachs-marchenstunde/
  6. http://scienceblogs.com/insolence/2012/12/14/its-not-just-homeopathy-its-quantum-homeopathy-which-is-so-much-better/
  7. Wessel H: Logik und Philosophie, Logos Berlin 1999

Peta und die Klageversuche gegen wütende Kommentare May 29, 2013 | 11:53 am

PETA ist beleidigt. Und will klagen. Die Organisation mit dem schönen Titel “People for the Ethical Treatment of Animals”, die eine ziemlich abartige Vorstellung von Ethik hat, fühlt sich diffamiert. Aber warum?

In der Huffington Post erschien vor Kurzem ein Artikel mit dem Titel “Shocking Photos: PETA’s Secret Slaughter of Kittens, Puppies” (Schockierende Fotos: PETAs Geheimes Abschlachten von Kätzchen und Welpen) und man würde jetzt auf den ersten Blick meinen, dass sich PETA durch diesen Artikel beleidigt fühlt und gegen die Bilder von toten Tieren, gegen die Anschuldigung, in ihren Tierheimen in den letzten 11 Jahren 29.426 Hunde, Katzen, Kaninchen, … umgebracht zu haben, vorgeht.

Gegen die Geschichte eines Tierarztes, der PETA eine Katzenmutter und zwei Kätzchen übergab, nachdem sie ihm versprochen hatten, dass es kein Problem sein werde, eine Familie für die Katzen zu finden. Wenige Minuten(!) später waren die Tiere tot. Im Van umgebracht. Im Artikel dazu das Bild des Tötungskastens für unterwegs. (Wenn man ein ethisches Tierheim betreibt, darf so etwas wohl nicht im Auto fehlen)

Gegen die Bilder von Müllbeuteln, in denen PETA Tierkadaver aus ihren Tierheimen auf den Müll warf.

Geschenk-Korb an die Shelby County Mission

Geschenk-Korb an die Shelby County Mission

Oder gegen die Geschichte des Shelby County Tierheims, das seit 4 Jahren kein Tier eingeschläfert hatte und völlig überlastet verlautbarte, dass sie nun wohl doch einschläfern müssten. Viele Menschen wurden aufgerüttelt und halfen und so konnte das Tierheim viele Tiere unterbringen, ein weiteres Mal musste keines eingeschläfert werden.

PETA half natürlich auch. Quasi sozusagen. Aus ihrem 35 Millionen Dollar Jahresbudget kauften sie nach der Verlautbarung, dass Tiere eingeschläfert werden, einen Geschenkkorb: “Danke, dass sie das Richtige für die Tiere tun”.

Der Artikel enthält eine Menge weiterer übler Beispiele, die den Wahnsinn zeigen, für den PETA steht. Tiere schlachten, auf den Müll werfen und sich selbst als Tierrechtsorganisation bezeichnen. Laut der Gründerin Ingrid Newkirk haben Tiere kein Recht zu leben, Hauptsache sie sind nicht in “Gefangenschaft”.

Hat PETA deswegen geklagt? Nein. Geklagt haben sie gegen Kommentare zum Artikel, die sie ihrer Meinung nach diffamierten. Was soll man sagen – das ist sicher möglich. Wenn man den Artikel und die Referenzen dazu liest, die Bilder ansieht, könnte einem schon das Kotzen kommen.

Aber man fragt sich, was für Kommentare das wohl sein mögen? PETA sollte ja ein dickes Fell haben, sie sind ja selbst auch nicht zimperlich und werben mit geschmackvollen Sujets wie diesem:

Laut der New York Post z.B. einer, der PETA als “Tier-Kevorkians” bezeichnete. Jack Kevorkian war ein amerikanischer Arzt, der bei mehr als 30 Menschen Sterbehilfe leistete.

Wir müssen PETA zustimmen, der Vergleich ist nicht ganz passend. Während Dr. Kevorkian sterbenskranken Menschen auf deren Wunsch hin tödliche Injektionen verabreichte, tötet PETA gesunde Tiere, die wohl kaum den Tod herbeisehnen. Zumindest haben sie den Wunsch ganz sicher nicht geäußert.

Nein, der Vergleich ist sicher nicht gerechtfertigt. Wenn Dr. Kevorkian noch lebte, würden wir durchaus verstehen, wenn er sich durch den Vergleich mit PETA beleidigt fühlen würde.

Westend: United We Stand May 29, 2013 | 12:15 am

Das Münchner Westend hat viele Vorzüge. Es ist das einzige Viertel Münchens, das nicht aus einem Dorfkern herausgewachsen ist, sondern während der Industrialisierung auf nahezu freiem Feld entstand. Es ist das einzige vom Fleck weg urbane Viertel Münchens. Dort war niemand eingeboren, aus ganz Bayern flüchteten hauptsächlich junge Menschen vor ihrer klebrigen Scholle in die neu errichteten Mietskasernen und in die Westender Lohnarbeit. Das war kein Zuckerschlecken, aber für viele erträglicher als die sich ihnen bietenden Alternativen.

Das Westend hat den dörflichen Schleim, der München in allen Ritzen noch heute innewohnt, nie gekannt. Schnell entstanden kämpferische Arbeitervereine, Wohnungsgenossenschaften und politische Organisationen der Arbeiterbewegung. Selbstredend spielte das Viertel in der kurzen Phase der Münchner Räterepublik – und der vorausgehenden Gründung des Freistaates Bayern – eine zentrale Rolle. Zur Zeit der Einwanderung in den 60er Jahren siedelten sich Neuankömmlinge, die mehrheitlich aus Griechenland kamen, vor allem im Westend an. Politiker warnten derzeit davor, dass im Westend ein „zweites Harlem“ entstünde. Dazu kam es nie, gleichwohl ein zweites Harlem München aufgewertet hätte.

Den Nazis war das „Rote Viertel“ seit jeher ein Dorn im Auge. In den frühen 30er Jahren führten sie gezielte Anschläge auf Kneipen im Westend durch, wie zum Beispiel in der Nacht vom 31.07.1932 auf die „Hohenburg“ (heute „Stoa“), die ein Treffpunkt kommunistischer Arbeiter war und zu deren Interieur ein Plakat mit der Aufschrift „Deutsche Facharbeiter – auf in die Sowjetunion“ gezählt haben soll. 1933 nahmen derlei Anschläge deutlich zu.

Noch heute ist das bunte Viertel den Neonazis verhasst, bei ihren Demonstrationen trafen sie damals wie heute auf den größten Widerstand. Und deshalb ist es kein Zufall, dass die NSU-Terrorzelle im Münchner Westend – das sich damals wie heute durch den höchsten Anteil an Zugewanderten auszeichnet – den Griechen Theodoros Boulgarides hingerichtet hat. Ebensowenig ist es zufällig, dass Neo-Nazis den NSU-Terror-Prozess in München flankieren, indem sie Einrichtungen hauptsächlich im Westend attakieren. Heute findet anlässlich der aktuellen Anschlagserie eine Demonstration am Georg-Freuendorfer Platz statt, die zumindest eine gelungene Geste sein könnte.

Empfehlen wollen wir darüber hinaus diese schöne Tasche, die die Bastelkapazitäten vom Westender HUIJ hergestellt haben. Die hat zwar weder etwas mit der Arbeiterbewegung zu schaffen, noch dürfte sie die Mehrheit der Westender Migrantinnen und Migranten interessieren – aber Charme hat sie trotzdem.


Hier zu erwerben: HUIJ

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E-Cat, Andrea Rossi, Forbes und eine ArXiv Publikation May 26, 2013 | 11:28 pm

Man muss es Andrea Rossi lassen, er ist in seinem Metier ein echter Könner. Man muss schon sehr geschickt sein, wenn man es schafft, ein Luftschloss mehr als zwei Jahre am Köcheln zu halten. Mal wieder hat das Forbes Magazin über seinen E-Cat berichtet.

Begründet wird der neue Artikel damit, dass es jetzt einen angeblich unabhängigen Test des E-Cat und eine auf ArXiv publizierte Arbeit mit dem Titel “Indication of anomalous heat energy production in a reactor device” gibt. Und damit ist ja jetzt alles gleich viel besser. Eine Publikation auf ArXiv ist jedem möglich, es gibt nur eine gewisse Spam-Prüfung. Rossi hatte vorab angekündigt, dass der Artikel in einem renommierten Magazin erscheinen solle und nur bei Ablehnung auf ArXiv veröffentlicht werde.

Der Autor des Artikels hat übrigens in den Kommentaren soviel Kritik bekommen, dass er sich genötigt sah, dazu Stellung zu nehmen. Er verteidigt seinen Artikel, indem er einen komplett unwichtigen Punkt aus den Kommentaren herauspickt und zerreißt, wohl um die “Absurdität” der Beschwerden zu demonstrieren. Sein wichtigstes Argument ist aber, dass er nicht glauben kann, dass sämtliche Mitautoren der Arbeit alle mit Rossi unter einer Decke stecken und einen Test gefälscht haben.

Was der Forbes-Autor dabei allerdings geflissentlich übersieht ist, dass es eben schon wieder keinen unabhängigen Test gab. Die in der Arbeit erwähnten Personen waren nur bei einer weiteren Demonstration von Rossi anwesend. Die Demonstration reiht sich im Wesentlichen in die bisherige Reihe zweifelhafter Tests ein, die Rossi so viel Kritik eingetragen haben. Man sollte doch meinen, dass man die gefühlt Einundelfzigste Demonstration so gestalten kann, dass Kritiker nichts zu meckern haben. Zumindest dann, wenn man nichts zu verbergen hat …

Stephen Krivit, der Betreiber einer News-Seite zu Low Energy Nuclear Reactions und damit grundsätzlicher Befürworter des Prinzips, das Rossi zu nutzen behauptet, hat sich inzwischen zu Rossis wohl schärfstem Kritiker entwickelt. Als solcher hat er mit dem Physiker Hanno Essén, der die Publikation bei ArXiv eingereicht hat, ein Interview geführt.

Nachlesen kann man es auf Krivits Webseite unter dem Titel
Rossi Manipulates Academics to Create Illusion of Independent Test
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Der Test wurde in einer Anlage von Rossi durchgeführt, was schon prinzipiell großen Raum für Manipulation einräumt. Die Co-Autoren kennen die Vorbereitung des Experiments nicht und hatten auch keine Einsicht in den Reaktor. Als der Test begann, lief der E-Cat bereits. Es wurden keine kalorimetrischen Messungen durchgeführt, stattdessen wurde eine recht abstruse Messmethode mit Infrarotkameras gewählt. Absolut unüblich und wie diverse Kritiker monierten, auch sehr ungenau. Immerhin liefert sie hübsche Bilder.

Aber am Wichtigsten: Es gab keine umfassende Messung des Stromverbrauchs des E-Cat und das Gerät war die ganze Zeit mit der Stromversorgung verbunden. Auch das kein neuer Kritikpunkt, das Problem wurde von den Australian Skeptics schon im Januar 2012 aufgezeigt. Dazu eine kleine Analyse, wie man ganz leicht die Energie, die das E-Cat angeblich produziert über die Steckdose zuführt.

Was hat man also zum X-ten Mal? Eine Demonstration von Rossi, bei der weder die Eingangsenergie noch die produzierte Energie sauber gemessen wurde. Alles Dinge, für die Rossi schon seit Anfang 2011 kritisiert wird.

Towel Day May 25, 2013 | 06:00 am

Heute ist wieder Towel Day, und wie üblich wollen wir Douglas Adams an seinem Feiertag mit einem Rätsel ehren:

Was ist das:

chinesische_schlittenfahrt??

Und was hat es wohl mit unserem geehrten Verstorbenen zu tun?

 

Neonazi-Anschläge gehen weiter May 24, 2013 | 01:36 pm

In der gestrigen Nacht, vom 23. auf den 24. Mai 2013, griffen mutmaßlich Neonazis erneut eine Einrichtung in München an. Beim Büro des Kurt-Eisner-Vereins wurden vier Fensterscheiben eingeschlagen. Seit Wochen kommt es vor dem Hintergrund des NSU-Prozesses zu Anschlägen auf Initiativen und Einrichtungen, die sich für eine offene Gesellschaft engagieren.

Chronik der Anschläge in München:

06.04.13: Neonazis überkleben Schaufenster des Bayerischen Flüchtlingsrats mit neonazistischen Propagandaaufklebern des „Freien Netz Süd“

13./14.4.13: In der Nacht nach der großen Demo gegen Naziterror wird das Schaufenster des Bayerischen Flüchtlingsrats eingeschlagen, in dem das Demoplakat hängt

08.05.13: Das Wohnprojekt Ligsalz8 und seine Bewohner werden abends mit Eiern beworfen

09./10.5.13: In die Schaufensterscheiben des Bayerischen Flüchtlingsrats werden neonazistische Parolen geritzt, wie „NS JETZT!“, und „ANTI-ANTIFA“.

11./12. 5.13: Auch in ein Schaufenster der Ligsalz8 wird „Anti-Antifa“ geritzt

13.05.13: Die Kanzlei der Anwältin der Witwe eines Opfers des NSU wird massiv mit Fäkalien verdreckt

15.5.13: Um 5 Uhr morgens werden beide Schaufenster der Ligsalz8 eingeschlagen

16.5.13: Um 2 Uhr wurden mehrere Farbbeutel auf die Ligsalz8 geworfen, auch mehrere parkende Autos und ein Nachbarhaus wurden getroffen.

23./24.4.13: Vier Fensterscheiben des Büros des Kurt-Eisner-Vereins werden eingeschlagen

Die Münchner Polizei hält sich indes zurück und spricht von „Einzelfällen“.

KEIN AL QUDS-TAG 2013 IN BERLIN May 21, 2013 | 09:40 am

Auch in diesem Jahr, genauer gesagt am 03. August 2013, rufen wir zu antifaschistischen Protesten gegen den Al Quds-Tag in Berlin auf. Genauere Informationen erhaltet ihr in den kommenden Wochen hier auf unserem Blog. Solltet ihr Fragen, Anregungen o.ä. haben, könnt ihr uns gerne eine Mail schreiben.

Monsanto vs. Bowman oder der Wert der Innovation May 18, 2013 | 07:10 pm

Monsanto hat sich ja gerade wieder unbeliebt gemacht, weil es den armen Bauern Vernon Bowman verklagt und gewonnen hat. Die Tagesschau sprach von “David gegen Goliath”, ein Vergleich, den auch andere aufgegriffen haben. Auch wenn “David” verlor.

Uns ist klar, dass wir uns wohl mit einem Blog zum Thema auch unbeliebt machen, denn so trivial, wie viele es gerne sehen würden, dass Monsanto der Antichrist ist, der einen armen, alten, unschuldigen Bauern fertiggemacht hat, ist es nicht. Im Endeffekt geht es nicht einmal um Monsanto, sondern um Gesetze und Patente. Es ist ein Grundsatzurteil, das den Wert von Patenten untermauert.

Aber beginnen wir mit dem Fall und seiner Geschichte.

Monsanto vs. Bowman

Seit 1999 hat der Landwirt Bowman jedes Jahr Roundup Ready® Sojabohnen für seine Erstaussaat(*) erworben. Im Rahmen des Kaufes unterzeichnete er eine Vereinbarung, dass er die Samen nur für eine Pflanzung verwendet und die Ernte nicht wieder aussäen wird. Herr Bowman ist nicht dumm, ihm ist klar, dass das recht teuer ist. Also fragt er bereits 1999 bei Monsanto nach, ob es gegen eine Gebühr möglich sei, die Ernte doch zur Aussaat weiterzuverwenden.

Monsanto lehnt in einem Schreiben, in dem es die Patentbestimmungen erneut erläutert, ab.

Vernon Bowman hat daraufhin eine Idee, wie er die Patentbestimmungen umgehen kann. Er kauft für die erste Aussaat ganz normal bei einem lizenzierten Händler ein. Für die zweite Aussaat(*) kauft er dagegen für die Fütterung (oder ähnliches) bestimmtes Soja. Dieses ist nicht für die Aussaat gedacht, da der Bauer ja nicht weiß, welche Sorten sich in dem gekauften Gemisch befinden (in der Praxis 95% Roundup Ready®).

Er sät diese Bohnen aus und besprüht die Pflanzen zwei bis drei mal mit Glyphosat. Die Roundup-Ready-Bohnen überleben, der Rest stirbt ab. Herr Bowman züchtet sich also quasi RR-Soja selbst. Einen Teil der Ernte aus diesen Bohnen bewahrt er für die Aussaat im nächsten Jahr auf, den Rest verkauft er.

Im Wesentlichen wiederholt er diese Prozedur jedes Jahr, bis er 2007 schließlich von Monsanto verklagt wird. Er habe gegen die Lizenzbestimmungen verstoßen. Ein U.S. District Court in Indiana spricht Monsanto $84.456,20 an Schadenersatz zu. Die nächste Instanz bestätigt 2011 das Urteil und jetzt auch der Supreme Court.

Herr Bowman hat versucht das Gesetz zu beugen, um einen höheren Profit zu erzielen. Die Idee hinter Patenten ist es, dass es anderen verboten ist, eine Erfindung selbst herzustellen.

Instruktiv sind die Bemerkungen der Richter zum Urteil:

Chief Justice Roberts:
“Why in the world would anybody spend any money to try to improve the seed if as soon as they sold the first one anybody could grow more and have as many of those seeds as they want?”

Justice Kagan:
“… a patent would plummet in value after the first sale of the first item containing the invention.”

Dass es beim Urteil grundsätzlich um das Patentrecht und seine Schutzwirkung ging, sieht man auch an der breiten Unterstützung, die Monsanto in den USA aus diversen Bereichen der Industrie erhielt: viele Universitäten, viele Firmen, Organisationen und auch die Regierung haben sich hinter die Klage von Monsanto gestellt. Nicht hinter Farmer Bowman.

Man meldet seine Erfindung beim Patentamt und wenn es etwas innovativ Neues ist, hat man die Verwertungsrechte für die Erfindung. Man mag nun einwenden, wie es auch Bauer Bowman getan hat, dass Sojabohnen sich ja ohnehin selbst replizieren und kein menschlicher Eingriff nötig ist. Aber auch dieser Einwand wurde von den Richtern weggewischt:

Justice Kagan:
“Bowman was not a passive observer of his soybeans’ multiplication,” she wrote, adding: “Put another way, the seeds he purchased (miraculous though they might be in other respects) did not spontaneously create eight successive soybean crops.”

Er hat durch den Anbau und die regelmäßige Anwendung von Glyphosat wissentlich und in voller Absicht selbst Roundup-Ready-Sojabohnen für den Anbau geschaffen und damit gegen das Patent verstoßen.

“Ich hätte mir nie vorstellen können, dass die sich um meine zweite Aussaat scheren”, sagt Bowman und beteuert, er habe das Saatgut im Frühjahr stets für den vollen Preis bei Monsanto geordert.

Patente und ihr Wert

Man mag nun der Meinung sein, dass im Patentwesen selbst das Problem steckt und wenn man z.B. in Klagewellen wegen runder Ecken und ähnlichem die Smartphone Hersteller aufeinander losgehen, wenn man sieht, wie Patenttrolle mit absurden Patenten im Softwarebereich Millionen verdienen, dann fühlt man sich wohl in dieser Meinung bestärkt.

Nur muss man unserer Meinung nach achtsam unterscheiden zwischen Trivialpatenten, z.B. auf Smileys und einem Patent auf ein Produkt, das in jahrelanger Forschung entwickelt wurde. Die Grenze zu ziehen ist sicher in vielen Fällen schwierig, aber gerade in diesem Fall doch recht klar.

Interessant ist es zu bemerken, obwohl es im Elektronik/Consumer-Bereich um Beträge und Giganten geht, neben denen sich Monsanto wie ein “Kleinbetrieb” ausmacht (Umsatz in Mrd. Dollar: Monsanto 12, Apple 156, Samsung 143), interessieren diese Streitereien eigentlich wenig.

Der Grund ist vermutlich, dass es im Grunde um einen “unwichtigen” Streit ums Geld geht, bei Patenten im Bereich Nahrungsmittelerzeugung und Medizin auch ethische Bedenken hineinspielen. Patente in diesem Bereich verteuern Nahrungsmittel, verteuern Medikamente. Das führt zu einem schwerwiegenden Dilemma.

Man wünscht sich in dem Bereich, dass alle Innovation frei ist und die Menschheit weiterbringt. Man wünscht sich aber natürlich auch, dass möglichst viel Geld investiert wird, möglichst viel Innovation stattfindet. Und man stellt fest, dass es schwer ist, diese Dinge unter einen Hut zu bringen.

Innovation und Forschung muss etwas Wert sein, sonst wird niemand Geld in die Forschung investieren. Und Forscher müssen sicher sein, dass sie und ihre Erfindung durch ein Patent auch geschützt werden. Wäre ein Patent “nichts wert”, könnten Typen wie Andrea Rossi zu Recht behaupten, ihre Erfindung “geheim” halten zu müssen. Ehrliche Erfinder müssten das sogar. Was zu noch stärkerer Geheimhaltung von Innovation führen würde, als wir sie schon haben.

Und alle Geheimhaltung, zu der sie gezwungen wären, würde in dem Augenblick nutzlos werden, in dem sie das Produkt auf den Markt bringen. Sofort würde das Produkt kopiert werden. Man braucht also den Schutz der Rechte des Erfinders.

Man versucht natürlich, Wege aus diesem Dilemma zu finden, aber wie man sich vorstellen kann, ist es nicht so leicht.

Viele “lieben” Monsanto nicht und halten es für grundsätzlich bedenklich, dass solche Bio-Patente existieren. Aber die Abschaffung von Patenten ist auch nicht zielführend. Wir müssen Unternehmen die Möglichkeit geben, aus ihrer Innovation Nutzen zu ziehen.

Fazit

Um diesen gordischen Knoten zu zerschlagen, wurde bisher kein Rezept gefunden; die Vorteile der Patente überwiegen. Alles was wir tun können, ist Open Data und Open Science zu fördern.

Jede Technologie, die im Besitz der öffentlichen Hand ist, frei verfügbar ist, ist ein Gewinn für uns alle. Eine interessante Idee ist in diesem Sinne auch der sogenannte Health Impact Fund. Wenn wir Monsanto ablehnen, sollten wir im Bereich Gentechnik mehr forschen und selbst entsprechende Produkte auf den Markt bringen.

Bitter muss man allerdings bemerken: Forschung, speziell im Bereich der Grünen Gentechnik, interessiert in Deutschland nicht. Stattdessen überlassen wir den Konzernen lieber das Feld, stecken den Kopf in den Sand und vernichten Lehrprojekte wie HannoverGEN und zerstören lieber Versuchsfelder.

Wir können uns übrigens in diesem Sinne einen kleinen Seitenhieb gegen Greenpeace und Konsorten nicht verkneifen – zitiert aus dem Tagesschau-Artikel:

“Keine Frage”, gesteht Bowman, “die gentechnisch veränderten Sojabohnen haben die Arbeit viel leichter und besser gemacht.”

*
Erste und zweite Aussaat: In Teilen der USA ist es möglich, in einem Jahr zweimal auszusäen. Man sät dazu auf einem Feld Weizen an und erntet, danach erst sät man Sojabohnen an. Die Zeit reicht gerade für eine zweite Ernte. Diese ist zwar weniger ertragreich als die Erstaussaat an Sojabohnen, die die ganze Saison reifen kann, der kombinierte Wert von Sojabohnen und Weizenernte bringt allerdings insgesamt Gewinn. Da der Aufwand relativ hoch und das Zeitfenster sehr kurz ist, schafft der Landwirt mit dieser Methode nur eine begrenzte Fläche.

Auftakt-Kundgebung gegen Antizionismus vor dem Eine-Welt-Haus May 18, 2013 | 12:24 am

Vergangenen Dienstag fand eine kurzfristig angemeldete Kundgebung gegen die Lesung „Die ethnische Säuberung Palästinas“ vor dem Eine-Welt-Haus statt. An den Protesten beteiligten sich Mitglieder aus dem Umfeld des Verbandes Jüdischer Studenten in Bayern, der Grünen Jugend München und der Deutsch-Israelischen Gesellschaft München. Auf der antizionistischen Lesung bezeichnete Jürgen Jung die Protestierenden im Nachgang als Wolfsrudel.

„Seit Jahren wird das Eine-Welt-Haus für Kampagnen gegen Israel und den Zionismus missbraucht“, heißt es im Aufruf für den Protest vor dem Eine-Welt-Haus. Diese Kundgebung richte sich nicht nur gegen die Lesung des antizionistischen Vereins „Salam Salom“, erklärte auch Jamila Schäfer, Sprecherin der Grünen Jugend München: „Vielmehr wird dadurch angeprangert, dass das Eine-Welt-Haus in letzter Zeit sehr häufig eine Bühne für antizionistische oder sogenannte israelkritische Veranstaltungen bietet.“ Kein Land der Welt werde bei Veranstaltungen im Eine-Welt-Haus so oft angegriffen wie Israel, so Schäfer. Vor dem Eine-Welt-Haus hatten sich eine Stunde vor Beginn der Lesung „Die ethnische Säuberung Palästinas“ circa zwanzig Protestierende eingefunden. Sie zeigten Transparente mit Aufschriften wie „Das Hass-Haus – Danke Stadt München!“, „Judenhass ist kein Kulturprogramm!“ oder „Enough lies about Israel!“.

„Bibi, hau ab, dein Volk hasst dich!“
Ein Sympathisantenkreis von „Salam Shalom“ war offenbar über die Kundgebung informiert und positionierte sich in Abwehrhaltung vor dem Tor des Eine-Welt-Hauses. Die Polizei schritt mehrmals beherzt ein, als sich Anhänger von „Salam Shalom“ den Rednerinnen oder Rednern am Megafon nähern wollten, um sie zu unterbrechen. Zeitweise bildeten die „Salam Shalom“-Sympathisanten einen löchrigen Kreis um die Kundgebung mit dem Ziel, Passantinnen und Passanten an der Kundgebung vorbeizuleiten. Herausstechend engagiert tat sich ein junger Mann hervor. Er schrie mehrmals „Viva! Viva! Palästina!“ und „Revolution!“ oder: „Bibi, hau ab! Dein Volk hasst dich!“

Ein Anhänger, der bereits auf dem Israeltag 2011 aufgefallen war, beschimpfte die Teilnehmenden der Kundgebung als „Judenhasser“, weil sie für Jüdinnen und Juden in Israel die aus seiner Sicht falschen Empfehlungen ausgeben würden. Eine Aktivistin des „Interkulturellen Forums“, die sich als Person mit Hausrecht im Eine-Welt-Haus ausgab, äußerte laut Angaben den Verdacht, dass die Teilnehmenden der Kundgebung von Charlotte Knobloch, Vorsitzende der Israelitischen Kultusgemeinde in München und Oberbayern, bezahlt worden seien.

Und wieder: Vorhang auf im Antisemitenstadl
Gegen Ende der Kundgebung füllte sich der große Saal im Eine-Welt-Haus allmählich mit Gästen der Lesung, für orientalische Klänge sorgte die Band „Embryo“. Schauspieler Jürgen Jung, 2. Vorstand des antizionistischen Vereins „Salam Shalom“, nahm direkten Bezug auf die Proteste und bezeichnete die Teilnehmenden als „Wolfsrudel“, das sich dem Gespräch mit ihm immer verweigere.

Die Lesung von Jung und der Sprecherin Beate Himmelstoß basierte wie angekündigt in weiten Teilen auf der politischen Kampfschrift „Die ethnische Säuberung Palästinas“ von Ilan Pappe. Inhaltlich unterstellten Jung und Himmelstoß der zionistischen Bewegung, „eine Mischung aus nationalistischer Ideologie und kolonialistischer Praxis“ zu sein, der es darum gehe, ein von „Nicht-Juden gereinigtes Land“ zu verwirklichen. Aggressionen der anderen Seite gegen Jüdinnen und Juden blieben an diesem Abend unerwähnt, wurden heruntergespielt oder als eine nachvollziehbare Reaktionen dargestellt.

Die schon gegen Ende des Osmanischen Reichs anklingende antijüdische Politik der arabischen Führung in Palästina deutete Jung als vorausschauende Reaktion auf das, was danach gekommen sei. Zwar lebten „Juden Anfangs in eigenen Siedlungen und beeinträchtigten die einheimische Bevölkerung nicht“, so Jung. Allerdings habe manchem palästinensischen Führer damals schon „gedämmert“, dass „Juden in Zukunft das Land übernehmen und die einheimische palästinensische Bevölkerung vertreiben könnten“. Selbst vor dem Hintergrund des anhaltenden Holocausts zeigte Jung Verständnis dafür, dass zeitgleich von arabischer Seite eine Einwanderungsbeschränkung auf 75.000 Jüdinnen und Juden durchgesetzt wurde, da die „massenhafte Einwanderung von Juden mit der Folge bürgerkriegsähnlicher Zustände“ verbunden gewesen sei.

Israelis: Kreuzfahrer, Buren und Faschisten
Mit einer Reihe von Vergleichen wurden die israelischen Jüdinnen und Juden an diesem Abend bedacht. Die „vorherrschende israelische Einstellung“ sei vergleichbar mit den Kreuzfahrern, die sich „hinter dicken Mauern ihrer uneinnehmbaren Burgen gegen eine Integration mit ihrer muslimischen Umgebung verschanzen“, las Jung. Im nächsten Beispiel bemühte Himmelstoß einen Vergleich mit den Buren in Südafrika. Jung zitierte Nurit Peled-Elhanan, die in wenigen Wochen zweimal bei den „Palästina Tagen“ im Gasteig zu sehen sein wird: „Israel nähert sich dem Faschismus in einer Geschwindigkeit, die sich niemand vorstellen konnte“.

Über dem gesamten Abend lag noch ein weiterer, unausgesprochener Vergleich. Zwar wurde an keiner Stelle gesagt, dass die Juden in Israel einen zweiten Holocaust zu verantworten hätten. Doch schimmerte diese Ansicht oftmals deutlich durch. Wenn Jung beispielsweise behauptet, die Israelis seien „zum Spiegelbild ihres eigenen schlimmsten Alptraums geworden“. Oder Jung mit den Worten Erich Frieds sagt, dass die Bilder des Warschauer Ghettos und die Bilder aus dem Dorf Deir Yassin zusammengehören. Dazu zählte auch Jungs Passage über UN-Beobachter in der Luft und „jüdischen Augenzeugen am Boden“, die vermeintlich „desensibilisiert“ gewesen sein müssen. „Wie sonst ließe sich erklären, dass sie die massiven Deportationen, die sich vor ihren Augen abspielten, stillschweigend hinnahmen“, las Jung. Himmelstoß brachte für letzteres eine alternative Erklärung mit. Viele Staaten scheuten sich aufgrund des Holocausts, „die Zionisten dieser abscheulichen Taten zu bezichtigen“, was bis heute das Fundament der „andauernden Straflosigkeit, der Immunität Israels“ sei.

Deutsche: Kauft palästinensische Erzeugnisse
In der Pause wies Eckhard Lenner von „Salam Shalom“ auf eine ausliegende Liste hin, die Waren aus „jüdischen Siedlungen“ aufführe und rief dazu auf, diese Waren zu boykottieren. Es sei „eine ethische Pflicht, diese Siedlungen nicht zu unterstützen“, sagte Lenner. Er warb im Gegenzug für „palästinensisches Öl“, das es auf der Veranstaltung käuflich zu erwerben gab: „Das ist sozusagen das Gegenstück dazu. Wir sollten schauen, dass wir palästinensische Erzeugnisse kaufen.“

Dominik Krause, Sprecher der Grünen Jugend München, betonte hingegen anlässlich der Proteste, es sei „besorgniserregend und absolut inakzeptabel“, dass das Eine-Welt-Haus dem „Hass gegen Jüdinnen und Juden oder der Hetze gegen den Staat der Shoa-Überlebenden dienlich ist“. Er forderte den Trägerverein auf, solchen Veranstaltungen in Zukunft keine Plattform zu bieten und sich von deren Inhalten zu distanzieren. „Das Zentrum sollte wieder ein wichtiger Anlaufpunkt für migrantische Selbstorganisation werden und seinen Ruf als ‚Eine-Welt-ohne-Israel-Haus‘ hinter sich lassen“, so Krause. Ein Sprecher des Bündnisses kündigte an, die Proteste gegen die einseitige Darstellung Israels im Eine-Welt-Haus in den nächsten Wochen und Monaten zu verstärken.

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Wort + Geist May 16, 2013 | 11:02 am

Bei Psiram wird uns ja oft – und vielleicht ja auch zu Recht – vorgeworfen, zu negativ zu sein. Wir wollen heute daher mal jemanden vorstellen, der ein echter Heiler und Heiliger ist, bescheiden und zurückhaltend – Helmut Bauer von Wort und Geist.

Schon von Anfang an zeigte sich die segensreiche Wirkung des Heiligen Geistes, als er in bestehende Gemeinden eindrang, verkrustete Strukturen aufbrach und viele Seelen aus ihren nur scheinbar gläubigen Familien herausreißen und retten konnte. Retten in einem sehr realen Sinne, denn wie gesagt ist er ein großer Heiler, der viele Menschen zum Absetzen ihrer Medikamente bewegen konnte. Natürlich gibt es da einige, die nicht fest genug im Glauben sind und daher doch nicht geheilt werden. Andere, die wie Ingrid Z. dem Heilungsdienst angehörten, ziehen einer Heilung (in ihrem Fall Krebs der Bauchspeicheldrüse) dann doch die ewige Glückseligkeit vor. Alle aber können sich trösten, dass der Obolus, den sie dafür gespendet haben (man redet von 8.000-12.000 € pro Heilgottesdienst, die dem Völkerapostel und fleischgewordenen Christus Bauer cash im Umschlag zugesteckt werden), sicher einem guten Zweck zugute kommt. Die Finanzen von Wort und Geist sind zwar nicht besonders transparent (Geschätzte Einnahmen der Bibelschule allein, also ohne Spenden laut NDR: 3,6 Mio € / Jahr), aber an dem großen Audi A8 (geht bei 75.000 € los), den Bauer fährt, sieht man doch, dass das Geld gut in den Aufschwung angelegt wird.

Natürlich wird ein solcher Streiter Gottes viel verleumdet, aber die absolute Selbstlosigkeit seines Handelns zeigt sich unwiderlegbar daran, dass er seine von Gott höchstpersönlich gegebenen Heilfähigkeiten ausschließlich seinen spendenden Anhängern zur Verfügung stellt, selbst aber ein Jahr lang tapfer an einer Borreliose leidet.

Auch zeichnet ihn große Zurückhaltung aus, und anstelle von Inquisition und Scheiterhaufen begnügt er sich damit, gottlose Kritiker wegen des Satzes “Bei uns hat sich Wort und Geist benommen, wie eine Terrororganisation” von seinen Anwälten auf 250.000 € verklagen zu lassen. Damit aber nicht genug, hat er in seiner demütigen Bescheidenheit doch alle Predigten seiner Anhänger aus dem Netz entfernen lassen. Wir bei Psiram haben aber noch Kopien dieser MP3s gefunden und wollen sie hiermit selbstlos der Netzöffentlichkeit zur Verfügung stellen, damit man sich mit den Worten seiner Anhänger ein Bild der Lehren des Völkerapostels und fleischgewordenen Christus Helmut Bauer machen kann. Viel Vergnügen und ein paar erbauliche Stunden den Lesern. Vielleicht wird der eine oder andere gottlose Leser dieses Blogs doch noch hellhörig und gerettet. Er bedenke dann, dass ein Audi A8 auch sehr viel Benzin verbraucht, das man teuer bezahlen muss. Wir verstehen uns.

 

Amen.

Für Genießer:

Alex Thomsen- Der Apostel

Helmut Bauer – Die Sohnschaft ist sichtbar

NN – Folgt dem Apostel nach

Bienensterben, Neonicotinoide und die Fakten May 15, 2013 | 11:31 am

Vor kurzem wurde durch die EU eine Gruppe von Pestiziden namens Neonicotinoide verboten, da man sie im Verdacht hat, ein massives Bienensterben zu verursachen, das man als Colony Collapse Disorder CCD bezeichnet. Der grundsätzliche Effekt ist, dass die erwachsenen Arbeitsbienen aus dem Stock “verschwinden”, z.B. von der Pollensuche nicht zurückkehren.

Das Verbot wurde speziell in Österreich heftig diskutiert, der zuständige Minister Berlakovich geriet wegen seiner Gegenstimme unter heftigen Beschuss. Wir wollten uns das trübe Gewässer, in dem die Diskussion dazu stattfindet, auch mal etwas ansehen. Es ist, wie man schnell feststellt, nicht trivial.

Der Begriff Colony Collapse Disorder für diese mysteriöse Form von Bienensterben ist recht neu und wurde 2006 in einer Studie eingeführt. Aber das Phänomen an sich ist bereits seit 1869 bekannt. Damals wurde als Ursache Schimmelpilz ausgemacht (ob korrekt, weiß man nicht).

Zwischen 1905 and 1919 verlor man 90% der Bienen auf der Isle of Wight mit unklarer Ursache, bzw. die untersuchenden Forscher konnten sich nicht einigen, was denn schuld sei. Im Distrikt Stawell in Australien verlor man 1910 59% der Stöcke und viele wurden durch Verluste schwer angeschlagen.

Im Laufe der Jahrzehnte trat das Phänomen immer wieder auf, die oben genannte Arbeit listet 18 Fälle, und führte zu einer Vielzahl an Theorien. Es wurde an alles mögliche gedacht, von Viren über Milben bis hin zu Pestiziden und mehr. Mobilfunk und Gentechnik wurden untersucht, manche Dinge verworfen, andere kamen in die engere Wahl. Komplett abstruse Ideen wurden natürlich auch geäußert, wie z.B. dass es Gottes Strafe sei, da US-Bundesstaaten mit Pro-Homosexuellen-Gesetzgebung stärker unter CCD litten.

Das Problem ist: man ist bisher daran gescheitert, es auf eine Ursache zurückzuführen. Man findet in diesem Zusammenhang Erwähnungen von vielen Effekten, die zumindest zum Problem beitragen:

Die Varroamilbe
Nosemose (ein Parasit)
Israel Acute Paralysis Virus
Habitatverlust
Überzüchtung
Neonicotinoide
Pestizide im Allgemeinen
Mangelernährung
usw.

Aber kein Effekt kann überall alles erklären.

Man hat also wohl zwei Möglichkeiten:
- Es gibt ein bisher unbekanntes Grundproblem.
- Man hat unter dem Begriff CCD mehrere im Grunde nicht zusammenhängende Probleme unter einem Dach zusammengefasst.

Ersteres scheint aufgrund der Menge an Studien und heutigen diagnostischen Möglichkeiten unwahrscheinlich. Zweiteres klingt plausibler. Das würde aber bedeuten, dass man mehrere Probleme hat, die sich nur zufällig mit den selben Auswirkungen äußern. Und dass man “die eine Ursache” gar nicht finden kann. Das würde auch die historischen Vorfälle, bei denen unterschiedliche Ursachen vermutet wurden, erklären.

Sehr lesenswert sind unserer Meinung nach die Artikel des Biologen und Bienenexperten Randy Oliver, der ein regelmäßiger Autor im American Bee Journal ist. Auf seiner Homepage “Scientific Beekeeper” findet man zwei hochinteressante Artikel, auf die wir an dieser Stelle verweisen möchten:
Neonicotinoids: Trying To Make Sense of the Science
Neonicotinoids: Trying To Make Sense of the Science – Part 2

Er listet viele Studien zum CCD und zu Neonicotinoiden und schreibt, dass etliche mit einer gehörigen Portion Voreingenommenheit in die eine oder andere Richtung behaftet sind. Manche spielen die Wirkung der Neonicotinoide hinunter, andere versuchen zu beweisen, dass diese Giftstoffe die zentrale Schuld am Bienensterben tragen.

In einem spannenden Artikel von April 2013, bei dem er sich vor allem damit auseinandersetzt, was “dieses Frühjahr mit den Bienen geschah”, vergleicht er die Bienenverluste mit der Verwendung von Neonicotinoiden. Er findet dabei eine Korrelation von 2006 bis 2009, aber 2010 dreht sich der Trend: mehr Neonicotinoide als im Vorjahr werden eingesetzt und wesentlich weniger Bienen verenden.

Randy Oliver meint insgesamt, dass die Antwort Neonicotinoide zu trivial und falsch ist. Man muss anmerken, dass er Pestizide und Neonicotinoide grundsätzlich mit dieser Einschätzung nicht freispricht. Er betrachtet nämlich auch “consistently lucky beekeepers”, die selten Bienen verlieren. Diese geben ihren Bienen, nachdem sie mit Pestiziden in Berührung gekommen sind, “eine Erholungszeit”.

Was ist nun das Fazit aus all diesen Studien? Man kann nachweisen, dass Neonicotinoide giftig für Bienen sind, aber es reicht bei weitem nicht, um das Ausmaß der weltweiten Verluste zu erklären. Oliver spricht auch das Problem des Ersatzes für die Neonicotinoide an. Bei einem Verbot werden einfach andere Pestizide eingesetzt werden. Wer sagt, dass diese nicht weit schädlicher sind? Teilweise weiß man das sogar. Stimmt diese Einschätzung, könnte sich daher dieses Verbot zum Pyrrhussieg entwickeln.

Das aktuelle, auf 2 Jahre befristete Verbot kann man als Test sehen. Die Daten sprechen zwar nicht dafür, aber vielleicht verbessert sich das Problem tatsächlich massiv dadurch. Es wäre wünschenswert, eine so einfache Erklärung zu finden, aber wetten würden wir nicht darauf.

Bienensterben, Neonicotinoide und die Fakten May 15, 2013 | 11:31 am

Vor kurzem wurde durch die EU eine Gruppe von Pestiziden namens Neonicotinoide verboten, da man sie im Verdacht hat, ein massives Bienensterben zu verursachen, das man als Colony Collapse Disorder CCD bezeichnet. Der grundsätzliche Effekt ist, dass die erwachsenen Arbeitsbienen aus dem Stock “verschwinden”, z.B. von der Pollensuche nicht zurückkehren.

Das Verbot wurde speziell in Österreich heftig diskutiert, der zuständige Minister Berlakovich geriet wegen seiner Gegenstimme unter heftigen Beschuss. Wir wollten uns das trübe Gewässer, in dem die Diskussion dazu stattfindet, auch mal etwas ansehen. Es ist, wie man schnell feststellt, nicht trivial.

Der Begriff Colony Collapse Disorder für diese mysteriöse Form von Bienensterben ist recht neu und wurde 2006 in einer Studie eingeführt. Aber das Phänomen an sich ist bereits seit 1869 bekannt. Damals wurde als Ursache Schimmelpilz ausgemacht (ob korrekt, weiß man nicht).

Zwischen 1905 and 1919 verlor man 90% der Bienen auf der Isle of Wight mit unklarer Ursache, bzw. die untersuchenden Forscher konnten sich nicht einigen, was denn schuld sei. Im Distrikt Stawell in Australien verlor man 1910 59% der Stöcke und viele wurden durch Verluste schwer angeschlagen.

Im Laufe der Jahrzehnte trat das Phänomen immer wieder auf, die oben genannte Arbeit listet 18 Fälle, und führte zu einer Vielzahl an Theorien. Es wurde an alles mögliche gedacht, von Viren über Milben bis hin zu Pestiziden und mehr. Mobilfunk und Gentechnik wurden untersucht, manche Dinge verworfen, andere kamen in die engere Wahl. Komplett abstruse Ideen wurden natürlich auch geäußert, wie z.B. dass es Gottes Strafe sei, da US-Bundesstaaten mit Pro-Homosexuellen-Gesetzgebung stärker unter CCD litten.

Das Problem ist: man ist bisher daran gescheitert, es auf eine Ursache zurückzuführen. Man findet in diesem Zusammenhang Erwähnungen von vielen Effekten, die zumindest zum Problem beitragen:

Die Varroamilbe
Nosemose (ein Parasit)
Israel Acute Paralysis Virus
Habitatverlust
Überzüchtung
Neonicotinoide
Pestizide im Allgemeinen
Mangelernährung
usw.

Aber kein Effekt kann überall alles erklären.

Man hat also wohl zwei Möglichkeiten:
- Es gibt ein bisher unbekanntes Grundproblem.
- Man hat unter dem Begriff CCD mehrere im Grunde nicht zusammenhängende Probleme unter einem Dach zusammengefasst.

Ersteres scheint aufgrund der Menge an Studien und heutigen diagnostischen Möglichkeiten unwahrscheinlich. Zweiteres klingt plausibler. Das würde aber bedeuten, dass man mehrere Probleme hat, die sich nur zufällig mit den selben Auswirkungen äußern. Und dass man “die eine Ursache” gar nicht finden kann. Das würde auch die historischen Vorfälle, bei denen unterschiedliche Ursachen vermutet wurden, erklären.

Sehr lesenswert sind unserer Meinung nach die Artikel des Biologen und Bienenexperten Randy Oliver, der ein regelmäßiger Autor im American Bee Journal ist. Auf seiner Homepage “Scientific Beekeeper” findet man zwei hochinteressante Artikel, auf die wir an dieser Stelle verweisen möchten:
Neonicotinoids: Trying To Make Sense of the Science
Neonicotinoids: Trying To Make Sense of the Science – Part 2

Er listet viele Studien zum CCD und zu Neonicotinoiden und schreibt, dass etliche mit einer gehörigen Portion Voreingenommenheit in die eine oder andere Richtung behaftet sind. Manche spielen die Wirkung der Neonicotinoide hinunter, andere versuchen zu beweisen, dass diese Giftstoffe die zentrale Schuld am Bienensterben tragen.

In einem spannenden Artikel von April 2013, bei dem er sich vor allem damit auseinandersetzt, was “dieses Frühjahr mit den Bienen geschah”, vergleicht er die Bienenverluste mit der Verwendung von Neonicotinoiden. Er findet dabei eine Korrelation von 2006 bis 2009, aber 2010 dreht sich der Trend: mehr Neonicotinoide als im Vorjahr werden eingesetzt und wesentlich weniger Bienen verenden.

Randy Oliver meint insgesamt, dass die Antwort Neonicotinoide zu trivial und falsch ist. Man muss anmerken, dass er Pestizide und Neonicotinoide grundsätzlich mit dieser Einschätzung nicht freispricht. Er betrachtet nämlich auch “consistently lucky beekeepers”, die selten Bienen verlieren. Diese geben ihren Bienen, nachdem sie mit Pestiziden in Berührung gekommen sind, “eine Erholungszeit”.

Was ist nun das Fazit aus all diesen Studien? Man kann nachweisen, dass Neonicotinoide giftig für Bienen sind, aber es reicht bei weitem nicht, um das Ausmaß der weltweiten Verluste zu erklären. Oliver spricht auch das Problem des Ersatzes für die Neonicotinoide an. Bei einem Verbot werden einfach andere Pestizide eingesetzt werden. Wer sagt, dass diese nicht weit schädlicher sind? Teilweise weiß man das sogar. Stimmt diese Einschätzung, könnte sich daher dieses Verbot zum Pyrrhussieg entwickeln.

Das aktuelle, auf 2 Jahre befristete Verbot kann man als Test sehen. Die Daten sprechen zwar nicht dafür, aber vielleicht verbessert sich das Problem tatsächlich massiv dadurch. Es wäre wünschenswert, eine so einfache Erklärung zu finden, aber wetten würden wir nicht darauf.

Dienstag: Kundgebung vor dem Eine-Welt-Haus May 13, 2013 | 04:41 pm

Anlässlich der Veranstaltung „Die ethnische Säuberung Palästinas“ des antizionistischen Vereins „Salam Shalom“ wird am Dienstag vor dem Eine-Welt-Haus demonstriert. Aus dem Ankündigungstext einer frei assoziierten Gruppe aus Münchnerinnen und Münchnern gegen Antisemitismus und Antizionismus:

Seit Jahren wird das Eine-Welt-Haus für Kampagnen gegen Israel und den Zionismus missbraucht. Wir haben uns wiederholt an das Haus und die Veranstalter gewandt und wurden nicht einmal mit einer Antwort bedacht.

Die von diesem Haus und den darin aktiven Organisationen ausgehende Hetze gefährdet die Demokratie. Es ist unerträglich, dass unter dem Motto „Für ein friedliches und solidarisches Miteinander zwischen Menschen aller Kulturen“ Hass gegen Israel und Juden verbreitet wird.

Deshalb werden wir am Dienstag, dem 14. Mai, Flyer verteilen und Transparente halten!
Wir treffen uns vor dem Eine-Welt-Haus, Schwanthalerstraße 80, um 18.30 Uhr.

Mitglieder oder Sympathisanten von Parteien oder Organisationen, die Menschen aufgrund ihrer Hautfarbe, ihrer Religion oder ihres Geschlechts abwerten, sind auf der Kundgebung unerwünscht.

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Ein Lob an “Der Standard” und die Austria Presse Agentur May 12, 2013 | 12:46 pm

Wir hatten hier im Blog die österreichische Tageszeitung “Der Standard” ja schon des öfteren “zu Gast”. Kein schlechtes Blatt, aber in der Gesundheitsredaktion wurden über lange Zeit immer wieder zweifelhafte Beiträge gebracht: so durfte sich z.B. 2011 Michael Frass über die “Verächtlichmachung der Homöopathen” aufregen. Oder in jüngerer Vergangenheit ein dümmlicher Artikel, in dem Harald Walachs verdiente Auszeichnung mit dem Goldenen Brett (vor dem Kopf) relativiert wurde.

In den letzten Monaten weht aber offenbar ein frischer Wind aus skeptischer Richtung und die Redaktion hat sehr viele interessante Artikel veröffentlicht. In diesem Zusammenhang muss man auch die APA (Austrian Presse Agentur) erwähnen, von der der Standard oft Artikel übernimmt. Die APA ist eine Genossenschaft, an der einige österreichische Zeitungen sowie auch der ORF beteiligt sind und damit der führende Informationsdienstleister Österreichs.

Im Blog der GWUP findet man eine ausführliche Übersicht über das tolle Pressedossier der APA zur Pseudowissenschaft. Damit haben viele österreichische Tageszeitungen in ihrer geteilten Datenbank eine Grundlage für weitere Artikel zur Hand, was hoffentlich die Autoren zum Nachdenken anregt.

Der Standard hat eine Rubrik Parawissenschaften eingeführt, aus der wir einige Beispiele nennen wollen.

Im aktuellsten Artikel dreht es sich um das Wünschelrutengehen und das Aufspüren von sogenannten Wasseradern. Die Fähigkeit ist quasi ein Klassiker, seit Jahrzehnten immer und immer wieder erfolglos getestet, was die angeblichen Anwender nicht daran hindert, weiter mit ihren Fähigkeiten zu werben.

Sehr interessant auch der Artikel zu Quantenheilmethoden, dazu auch ein schönes Interview mit dem Quantenphysiker Florian Aigner. Sehr schön wird auf die Schwurbelei, mit der diverse Methoden wie Matrix Energetics “erklärt” werden sollen, eingegangen.

Auch die Schüßler-Salze werden kritisch gewürdigt und die nutzlosen Farbspielereien der Aura Soma Therapie werden beleuchtet.

Im Gegensatz dazu steht der jüngste Jubelartikel zu diesem Thema in der Kronenzeitung: ein unkritischer, schlecht geschriebener “Ferienaufsatz”, der eigentlich als Werbung hätte deklariert werden müssen.

Sehr “befremdlich” ist der Artikel zu Braco, der mit “gebendem Blick” einfach nur auf der Bühne steht – und dafür wird 5 Euro pro Person kassiert. Da steht also ein Typ und schaut. Das ist alles, was man für sein Geld bekommt. Klar, für alte Hasen im Geschäft nichts neues, aber im Forum zum Artikel gab es eine Menge witziger Kommentare dazu.

Sehr lesenswert sind die Artikel zur Bioresonanz, speziell der zweite, der einen Test durch den Verein für Konsumenteninformation . Dieser hatte sechs Bioresonanz-Therapeuten in Wien getestet, die allesamt falsch diagnostizierten. Es wurden Unverträglichkeit gegen Erdnüsse und Walnüsse, von Instantkaffee und Saccharin bis hin zu Milcheiweiß und Weizen festgestellt.

Die richtige Diagnose fand keiner, für die Erstkonsultation wurden bis zu 168 Euro verrechnet. Auch wenn der Test vom Umfang her klein war, demonstriert er doch eindeutig, wie nutzlos die Bioresonanz sowohl als Diagnose als auch als Therapie ist.

Insgesamt eine schöne Artikelserie und ein wunderbares Dossier der APA, das da entstanden ist. Weiter so!

„Kommt kein Wasser aus dem Hahn, dann haben es die Juden ausgetrunken“ (Russisches Sprichwort) May 9, 2013 | 09:09 pm

In München gibt es immer mehr junge Jüdinnen und Juden, die israelfeindlichen Veranstaltungen vor Ort entgegentreten, wie beispielsweise beim Auftritt der arabischen Knesset-Abgeordneten Haneen Zoabi im Sommer letzten Jahres. Einer davon ist Jakob Mitzna. Seine Eltern wurden aus dem Iran vertrieben und fanden in Israel Zuflucht. Heute lebt er in München. Mitzna hat am Rande des Vortrags „Wasserapartheid in Palästina“ im Eine-Welt-Haus Flugblätter verteilt. Ein Interview mit Schlamassel Muc.

Mitzna ist nicht ihr richtiger Name. Weshalb möchten sie lieber anonym bleiben?
Ich wäre nicht der erste Israeli, der aufgrund seiner Haltung zusammengeschlagen wird. Deshalb ist mir ein Pseudonym im Netz lieber. Das Foto ist schon etwas älter, das ist ok.

Welchen Eindruck haben sie bei ihrem Besuch im Eine-Welt-Haus gewinnen können?
Die Veranstaltung von Clemens Messerschmid war nicht mein erster Besuch dort. Das erste Mal war ich 2005 im Eine-Welt-Haus. Eine indische Freundin feierte dort den Geburtstag ihrer Tochter. Gleich am Eingang war eine Landkarte abgebildet, die eine Welt ohne Israel darstellte. Seit diesem Besuch beobachte ich die Veranstaltungen dort, insbesondere der Gruppen „Palästina Komitee“ und „Salam Shalom“. Mindestens einmal in Monat treffen sie sich und halten ihre Hassveranstaltungen ab.

Sie nennen es Hassveranstaltungen, diese Gruppen würden es Israelkritik nennen…
Besuchen sie einmal so eine Veranstaltung und vertreten eine andere Meinung als hausüblich. Ich bin bislang jedes Mal angegriffen und beschimpft worden. Wollen sie Hass erleben? Dann probieren sie es aus. Einmal sind arabische Jugendliche während einer Veranstaltung aufgestanden und skandierten in meine Richtung: „Schmeißt ihn raus!“

Gibt es denn „Wasserapartheid“ in Israel oder im Westjordanland, wie der Hydrologe Clemens Messerschmid in seinem Vortrag Anfang Mai behauptet hat?
Wer an der Wassersituation in der Region interessiert ist, sollte lieber Mitglieder des Joint Water Committees einladen. Da treffen sich israelische Hydrologen aus der National Water Commission mit ihren Kollegen von der palästinensischen Seite. Durch sie werden gemeinsame Wasserprojekte, Erschließung neuer Quellen, Behandlung von Abwasser und Kläranlagen entschieden. Und beide Seiten bezeichnen diese Gespräche als konstruktiv. Herr Messerschmid ist nicht Teil dieses Komitees, aus gutem Grund. Seine Thesen gehen völlig an der Realität vorbei.

Wie haben Veranstalter und Publikum auf die Flugblätter reagiert?
Als ich in den großen Saal im Kellergeschoss kam, war der Raum schon fast voll. Ich bin reingegangen und habe Fuad Hamdan vom „Palästina Komitee“ gefragt, ob ich Informationsblätter an die Teilnehmer verteilen kann. Er hat gesagt, ich könne das vor dem Haus verteilen, nicht innen.

Ich habe also vor der Tür verteilt. Einige Leute sind mit den Flugblättern reingegangen. Andere haben kurz gelesen und gleich angefangen, aggressiv auf mich einzureden: „Und was ist mit den Check-Points?!“ und „Israel zerstört Häuser ohne eine Rechtsbegründung und die Betroffenen können nichts dagegen machen“. Meine Antworten und Richtigstellungen wurden nicht wahrgenommen. Die Leute haben aggressiv weitergeredet. Einige haben sogar geschrien.

Die regelmäßige Besucherinnen und Besucher dieser Veranstaltungen haben sich nicht gerade damit einen Namen gemacht, eine faire Einordnung israelischer Politik an sich herankommen zu lassen.
Das gilt sicher für die meisten Deutschen, die diese Veranstaltungen besuchen. Aber mit einem Besucher aus Tulkarem war das bei ähnlicher Gelegenheit zum Beispiel anders. Wir hatten zwar unterschiedliche Auffassungen, aber wir konnten wenigstens miteinander sprechen. Da war auch noch ein anderer Palästinenser dabei, der auch nicht so aufgeladen war. Sie hatten sogar ein bisschen Mitleid mit mir, weil ich allein auf der Veranstaltung war.

Der kürzlich ausgeschiedene Stadtrat Siegfried Benker sagte einmal, solche Veranstaltungen sollten möglich sein, „auch wenn Dinge gesagt werden, die problematisch sind“. Teilen sie seine Ansicht?
Absolut nicht. Das Eine-Welt-Haus hat ein Mandat und wird mit öffentlichen Geldern ausgestattet, um Ausländern in München die Möglichkeit zu geben, ihre Kultur lebendig zu halten. Deshalb finden dort Flamenco- und Origami-Kurse statt. Es hat kein Mandat, immer nur und in gleicher Weise über Israel herzuziehen. Suchen sie in dem Programm des Eine-Welt-Hauses und sie werden keine Veranstaltung finden, in der gegen ein anderes Land in dieser Weise gehetzt wird wie ständig gegen Israel.

Israel wird als der Bösewicht schlechthin dargestellt. Es wird auf den Veranstaltungen über mächtige Juden aus New York gesprochen, die angeblich das Geschehen in der Welt bestimmen. Das Haus hintergeht sein Mandat zweimal: einmal mit einer einseitigen Sicht auf Israel und indem es Antisemiten eine Bühne gibt.

Wie geht es jetzt weiter, was haben sie geplant?

Wir haben uns erneut mit einem Brief an den Programmvorstand gewendet. Nachdem wir keine Reaktion auf unsere vorigen Briefe erhalten haben, erwarte ich auch nicht viel vom aktuellen Versuch. Aus Gesprächen weiß ich, dass uns einzelne Leute aus dem Umfeld des Hauses recht geben, aber sie können gegen den starken Einfluss dieser Gruppen auf den Programmvorstand nichts ausrichten.

Wir werden weiterhin nicht wegsehen und gegen diese Hetze ankämpfen. Wir werden vor dem Eine-Welt-(ohne Israel)-Haus protestieren. Es ist sehr schade, dass ein Haus, das so eine wichtiges Mandat hat, von diesen Leuten für ihre antisemitischen Zwecke missbraucht wird.

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Am 14. Mai geht es im Eine-Welt-Haus weiter. Beate Himmelstoß und Jürgen Jung präsentieren eine „Dramatische Lesung“ mit dem Titel „Die ethnische Säuberung Palästinas“. Jakob Mitzna ist unter der E-Mail-Adresse frag_einen_israeli[ ät ]yahoo.com erreichbar.

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