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Veranstaltungen am 25. und 26. April April 23, 2015 | 03:17 pm

Führung „Das ver­ges­se­ne KZ Co­lum­bia-​Haus“
25.04.2015 14.00 Uhr Mahnmal Golßener Straße/Columbiadamm (U-Bhf. Platz der Luftbrücke)

Der kal­ku­lier­te und plan­mä­ßi­ge Ein­satz von Ge­walt dien­te dem NS-​Re­gime zwi­schen März 1933 und Som­mer 1934 zur Fes­ti­gung der po­li­ti­schen Macht. Ab Mitte 1934 ent­stand mit dem Sys­tem der Kon­zen­tra­ti­ons­la­ger eine neue Form, die ein Syn­onym ist für die na­tio­nal­so­zia­lis­ti­sche Herr­schaft in Deutsch­land darstellen. Doch be­reits ab März 1933 ent­stan­den Haft­stät­ten unter der Lei­tung von SA und SS, die zu­tref­fend als „frühe Kon­zen­tra­ti­ons­la­ger“ be­zeich­net wer­den. Hier herrsch­ten von Be­ginn an Zu­stän­de eines Kon­zen­tra­ti­ons­la­gers. Spä­tes­tens ab Juli 1933 nutz­te die Ge­sta­po das ehe­ma­li­ge Mi­li­tär­ge­fäng­nis Co­lum­bia-​Haus auf dem Tem­pel­ho­fer Feld als Haft­an­stalt für po­li­ti­sche Ge­fan­ge­ne.

Re­fe­ren­t_in: För­der­ver­ein für ein Ge­den­ken an die Na­zi­ver­bre­chen in und um das Tem­pel­ho­fer Feld e. V.

Die Führung wird 14.00 Uhr am Mahnmal Golßener Straße/Columbiadamm beginnen. Bitte meldet euch unter befreiung-neukoelln [at] riseup.net an. Wir empfehlen euch, Fahrräder mitzubringen, da das Gelände sehr weitläufig ist.

Fahrradfahrt zu Stätten nationalsozialistischer Zwangsarbeit in Neukölln
26.04.2015 16.00 Uhr Infopunkt Tempelhofer Feld, Eingang Columbiadamm

Neukölln ist ein Ort wie viele andere. Auch hier, im Süden der Stadt Berlin, wurden in der Zeit des Nationalsozialismus tausende Zwangsarbeiter_innen aus der Sowjetunion, Polen, Frankreich und den Niederlanden ausgebeutet. Dies geschah in Industriebetrieben, in kleinen und mittelständischen Unternehmen, in Kirchengemeinden und in Privathaushalten. In Deutschland mochte man sich nach Kriegsende mit dem Verschwinden der Opfer häufig an diese nicht mehr erinnern. Für die ehemaligen Zwangsarbeiter_innen blieben die Erfahrung der Verschleppung nach Deutschland, das Erleben von Gewalt sowie die gesundheitlichen Folgen der Zwangsarbeit lebenslang prägend. Mit einer Radfahrt wollen wir an das Verbrechen der NS- Zwangsarbeit sowie an dessen Opfer, an die Täter und die Zeugen erinnern. Wir werden Orte besuchen, an denen Zwangsarbeiter_innen lebten und arbeiteten und über Zwangsarbeit im Allgemeinen und Zwangsarbeit in Neukölln im Besonderen sprechen. Aufgrund der Erfahrung der letzten Jahre bitten wir um Anmeldung.

Anmeldung: befreiung-neukoelln [at] riseup.net
Dauer: 1,5 – 2h.
Referent_innen: Naturfreunde Berlin (FG Politik)

Die Hamas ist nicht genug – über die Kooperation zwischen den Organisatoren der Arena-Tagung mit Hamas, Hisbollah und dem iranischen Regime April 22, 2015 | 11:55 pm

Nachweislich unterstützen Organisatoren der Pro-Hamas-Konferenz in der Berliner Arena den antisemitischen Al Quds-Tag des iranischen Regimes, an dem alljährlich weltweit zur ‚Befreiung’ Jerusalems (arabisch: Al Quds) durch die Vernichtung Israels aufgerufen wird.

Die engen Verbindungen zwischen den Organisatoren der “13. Konferenz der Palästinenser in Europa” und der islamistischen Terrororganisation Hamas waren in den letzten Tagen bereits Gegenstand verschiedender Artikel. Daher wollen wir nun einmal den Fokus auf die Beziehungen zwischen dem Palestinian Return Center (PRC), der libanesischen Hisbollah und dem iranischen Regime legen. Zur Erinnerung: Das in London ansässige PRC ist Mitorganisator der Konferenz und unterhält laut verschiedenen deutschen Stellen und Verfassungsschutzämtern Verbindungen zur Hamas, die sich wiederum auf der EU-Terrorliste befindet. Dr. Kazem Moussavi, Sprecher der Green Party of Iran in Deutschland, hat sich nun diese unheimliche Allianz ein wenig näher angeschaut und veröffentlichte seine aufschlussreichen Ergebnisse kürzlich in einem Gastbeitrag auf dem Blog “Von Tunis nach Teheran” der Berliner Wochenzeitung “Jungle World”.


Aufruf „Berlin gegen Hamas. Für ein weltoffenes, friedliches Miteinander“ April 22, 2015 | 12:59 pm

Am 25.04.2015 soll in Berlin die „13. Konferenz der Palästinenser in Europa“ mit bis zu 3.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmern stattfinden. Die Konferenz gilt als die „wichtigste Aktivität von Hamas-Anhängern“ (Berliner Verfassungsschutz 2010). Wir rufen Sie dazu auf, gegen diese Konferenz Gesicht zu zeigen, für ein weltoffenes Berlin. Die Hamas und ihre Anhängerinnen und Anhänger treten in Europa und Deutschland im Regelfall nicht offen auf. Sie nutzen stattdessen u.a. das „Palestinian Return Centre“ (PRC) mit Sitz in London als Plattform.

Das PRC ist eine Organisation, die im Dezember 2010 in Israel wegen ihrer Verbindungen zur Hamas zur ungesetzlichen Organisation erklärt wurde. Eine weitere Hauptorganisatorin der Konferenz ist die „Palästinensische Gemeinschaft in Deutschland e.V.“ (PGD) mit Sitz in Berlin, welche laut Informationen des Berliner Innensenats von September 2014 als eine „Organisation von Hamas-Anhängerinnen und Hamas-Anhängern“ gilt. Im Weiteren schrieb der Innensenat, dass zu deren wichtigsten Aktivitäten neben „Kulturabenden, Gedenkveranstaltungen, Seminaren und Feierlichkeiten […] insbesondere der jährlich stattfindende Kongress des ‚Palestinian Return Center‘ (PRC)“ zählt. Wir rufen alle Berlinerinnen und Berliner dazu auf, unseren Protest für ein friedliches Miteinander zu unterstützen.

Die gesamte Problematik der „13. Konferenz der Palästinenser in Europa“ verdeutlicht bereits deren Logo. Die geografischen Umrisse des Staates Israel sind komplett mit einer palästinensischen Nationalflagge versehen. Mit anderen Worten soll ein künftiger Staat Palästina nicht mit einem israelischen Nachbarstaat friedlich koexistieren können, sondern diesen ersetzen.

Diese Konferenz dient weder dem Frieden im Nahen Osten, noch den legitimen Interessen nach Frieden und Sicherheit von Palästinenserinnen und Palästinensern oder Israelis. Ganz im Gegenteil: Hier sollen Vorurteile geschürt und schlimmsten Falls Terror und Gewalt der Hamas legitimiert oder gar verherrlicht werden. Insbesondere nach den israelfeindlichen Protesten des letzten Sommers ist es unsere Pflicht, jeder Form von Antisemitismus und Israelfeindlichkeit zu widersprechen.

Im Sinne eines friedlichen Miteinanders und auf dem Weg zu einem gerechten Frieden zwischen Israel und Palästina laden wir Sie ein, mit uns gemeinsam für einen demokratischen und friedlichen Nahen Osten und gegen Hass, Terror, Antisemitismus und Antizionismus zu demonstrieren.

Berlin ist weltoffen. Für ein friedliches Miteinander.


InitiatorInnen von „Berlin gegen Hamas“:

Amadeu Antonio Stiftung
American Jewish Committee (AJC) Berlin
Volker Beck, MdB, Bündnis 90/Die Grünen

Vorläufige UnterstützerInnen:
Arbeitskreis jüdischer Sozialdemokraten

Rabbiner Daniel Alter, Beauftragter zur Bekämpfung des Antisemitismus, Jüdische Gemeinde zu Berlin

Aziz Bozkurt, Vorsitzender, Landesarbeitsgemeinschaft für Migration und Vielfalt, SPD Berlin

Martin Delius, MdA, stellvertretend für die gesamte Piratenfraktion im Berliner Abgeordnetenhaus

Michaela Engelmeier, MdB, SPD

Fritz Felgentreu, MdB, SPD

Alexander Freier, Vorsitzender SPD Alt-Treptow/Plänterwald

Danny Freymark, MdA, CDU

Frank Henkel, MdA, Senator des Innern, CDU

Honestly Concerned e.V.

ILI – I like Israel e.V.

Clara Herrmann, MdA, Bündnis 90/Die Grünen

Oliver Höffinghoff, MdA, Piratenfraktion

Florian Graf, MdA, stellvertretend für die gesamte Fraktion der CDU im Berliner Abgeordnetenhaus

Kerstin Griese MdB, SPD, Vorsitzende des Ausschusses für Arbeit und Soziales und stv. Vorsitzende der Deutsch-Israelischen Parlamentariergruppe

Jüdisches Forum für Demokratie und gegen Antisemitismus (JFDA)

Junges Forum DIG – Deutsch Israelische Gesellschaft

Dr. Jan-Marco Luczak, MdB, CDU/CSU

Erol Özkaraca, MdA, SPD

Junge Union Berlin

Jusos Berlin

Sven-Christian Kindler, MdB, Bündnis 90/Die Grünen

Renate Künast, MdB; Bündnis 90/Die Grünen

Klaus Lederer, Landesvorsitzender Die Linke Berlin

Klaus Mindrup, MdB, SPD

Mideast Freedom Forum Berlin

Tom Schreiber, MdA, SPD

Reinhold Robbe, Wehrbeauftragter a.D., Vorsitzender der Deutsch Israelischen Gesellschaft

Tom Schreiber, MdA, SPD

Matthias Schmidt, MdB, SPD

Jan Stöß, Landesvorsitzender SPD Berlin

Daniel Wesener, Landesvorsitzender Bündnis 90/Die Grünen

Christian Zimmermann, Kurdische Gesellschaft für die Vereinten Nationen e.V.

FDP Hackescher Markt/Berlin


Elbe Day 1945 April 21, 2015 | 04:57 pm

„’Das ist er, Junge, DER TAG von Newburyport bis nach Wladiwostock’, so dröhnte die jubelnden Stimme eines amerikanischen GI am Abend des 8. Mai 1945 über die Station von CBS. Es war DER TAG – Victory Day in Europe … Doch die ersten Siegesfeiern fanden nicht in Washington, Moskau, London oder Paris statt. Sie waren nicht von Präsidenten, Premierministern oder Generälen bevölkert. Sie brachen von selbst los, im späten April in kleinen abgelegenen Gemeinden an dem deutschen Fluß Elbe. Die Feiernden – ganz gewöhnliche Leute – waren amerikanische GIs und Soldaten der Roten Armee…“ beschreibt Mark Scott, der amerikanische Herausgeber des Buches „Yanks treffen Rote“ die Situation vor 70 Jahren rund um die Stadt Torgau.

„Um den 22. April 1945 näherten sich zwei Armeen der Elbe. Vom Osten die sowjetische 5. Gardearmee. Vom Westen die amerikanische 1. Armee. An vereinbarten Grenzlinien kamen die Armadas zum Stehen, um in ihrem Angriffsschwung nicht aufeinanderzuprallen. Am 27. April sollten sich auf Wunsch von Stalin und Truman die beiden Armeeoberbefehlshaber an der Elbe die Hand zur offiziellen historischen Begegnung reichen.

Aufklärungspatrouillen hatten den Befehl, den Verbündeten zu suchen und nach ‘oben’ zu melden. Keine Eigenmächtigkeiten! Kein Überschreiten der Grenzlinie! Keine Verbrüderungen!

Die Patrouillen bestanden ausschließlich aus jungen Männern. Ihre Führer nicht viel älter als 23 Jahre. Als sie vergeblich nach dem Verbündeten spähten, vergaßen sie alle Befehle. Sie waren einzig von dem Wunsch beherrscht, auf die ‘Roten’ oder die ‘Yanks’ zu stoßen. Sie gingen auf Pirsch – weit über die Grenzlinie hinaus.

So kam es bereits am 25. April an den verschiedensten Orten auf abenteuerliche Weise zu ergreifenden Begegnungen zwischen einfachen Kämpfern beider Armeen. Herzlich waren die Umarmungen, und echt war der Schwur: ‘Nie wieder!’

‘Das war DER TAG’“, so Mark Scott, „an dem unmögliche Träume wahr wurden, an dem der Frieden stärker war als der Krieg, das Leben stärker als der Tod, die Liebe stärker als der Haß.“

Seitdem wird am 25. April der so genannte Elbe Day gefeiert.

Der Sieges-Twostep. Russische und amerikanische Soldaten tanzen miteinander, als sich ihre Einheiten in einer deutschen Stadt treffen.

Der Sieges-Twostep. Russische und amerikanische Soldaten tanzen miteinander, als sich ihre Einheiten in einer deutschen Stadt treffen.

Die Teilnehmer der 13. Konferenz der Palästinenser in Europa April 20, 2015 | 12:27 am

Es dauerte ein wenig, aber nun veröffentlichte die in Berlin-Neukölln ansässige Palästinensische Gemeinschaft in Deutschland e.V. (Mitausrichter der Pro-Hamas-Tagung) eine Erklärung und präsentiert der geneigten Öffentlichkeit ihre diesjährigen Rednerinnen und Redner. “Berlin gegen Hamas” nimmt dies zum Anlass, ein wenig Licht in die Runde der “Verfechter des Völkerrechts und der Humanität” zu bringen und wird hier in den kommenden Tagen einige Hintergrundinformationen zu den selbsternannten Freunden Palästinas veröffentlichen.

Den heutigen Anfang macht Pater Manuel Musallem aus Gaza, ein wahrer Mann des Friedens, aber seht selbst:

PS: Richtig gesehen. Es handelt sich dabei um einen Youtube Kanal der islamistischen Terrororganisation Hamas.


Berlin: Protest gegen die Pro-Hamas-Tagung April 17, 2015 | 12:18 am

Nun ist es offiziell: Tausende Sympathisanten und Aktivisten der islamistischen Terrororganisation Hamas werden am 25.04. in der Arena im Berliner Bezirk Treptow-Köpenick zusammenkommen und gegen die einzige Demokratie im Nahen Osten hetzen: Israel. Organisiert wird die Großveranstaltung unter anderem vom Verein »Palästinensische Gemeinschaft in Deutschland« und dem britischen »Palestinian Return Centre«. Die Nähe beider Organisationen zur islamistischen, antisemitischen und in Deutschland als Terrororganisation verbotenen Hamas ist wohlbelegt. Hamas hat nach dem vollständigen israelischen Rückzug aus dem Gaza-Streifen ein islamistisches Terrorregime errichtet, schon Kinder werden systematisch islamistisch und antisemitisch verhetzt, Frauen unterdrückt, Homosexuelle verfolgt, unliebsame Medien geschlossen, Proteste zerschlagen. Zudem wurden tausende Raketen auf Israel abgefeuert.

Das von den Konferenz-Organisatoren als „unverhandelbar“ bezeichnete Recht auf „Rückkehr“ palästinensischer „Flüchtlinge“ ist nicht mehr als eine menschenrechtlich verbrämte Kampfparole gegen jede friedliche israelisch-palästinensische Verhandlungslösung. Die angeblichen Flüchtlinge sind heute Millionen von Palästinensern, die nach der Staatsgründung Israels geboren wurden, und denen von arabischer Seite in jordanischen und libanesischen Flüchtlingslagern grundlegende Rechte vorenthalten werden. Ihre „Rückkehr“ soll ein Ende des jüdischen Staates Israel bringen, ein Ziel, das den Organisatoren wichtiger ist als ein demokratischer palästinensischer Staat. Diese Haltung stellt auch in den palästinensischen Gebieten eine tödliche Bedrohung für alle kompromissbereiten Kräfte dar, die von palästinensischen Nationalisten und Islamisten als „Verräter“ verfolgt und ermordet werden.

Demnach ist das Beharren auf ein für Israel inakzeptables „Recht auf Rückkehr“ ein Programm zur Verewigung nicht nur des Konflikts sondern auch der oft elenden Situation der staatenlosen Palästinenser. Jede pragmatische Lösung, beispielsweise die Integration von Menschen palästinensischer Abstammung in den arabischen und auch europäischen Ländern, in denen sie oft schon in der dritten Generation leben, wird als „Gefahr“ bekämpft. Das Programm dieser„13. Konferenz der Palästinenser in Europa“ richtet sich damit zugleich gegen Israel als auch gegen alle kompromissbereiten palästinensischen Kräfte.

Daher laden wir Sie ein, mit uns gemeinsam für einen demokratischen und friedlichen Nahen Osten gegen Hass, Terror, Antisemitismus und Antizionismus zu demonstrieren.

Siehe auch: Kundgebung gegen die Pro-Hamas-Tagung


Der Hauptfeind ist das eigene Land! April 16, 2015 | 06:07 pm

Antideutsche Demonstration in Torgau am 25. April

Es ist unfassbar: 70 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges ist Deutschland eine Weltmacht. Die versäumte Umsetzung des Morgenthau-Plans konfrontiert die internationale Weltgemeinschaft in den letzten beiden Jahrzehnten mit einem wiedererstarkten Deutschland, dass aus seinen historischen »Fehlern« gelernt hat. Die militärische Option wurde weitestgehend ad acta gelegt. Stattdessen setzten die deutschen Eliten, im Windschatten des militärischen Schutzes durch die westlichen Alliierten, langfristig auf das »deutsche Wirtschaftswunder«. Das Resultat ist, dass das eigentlich besiegte Land ökonomisch gesehen – ganz im Gegensatz zu Großbritannien oder Frankreich – erstarkt aus der militärischen Niederlage hervorgegangen ist.

Dieses Vorgehensweise, leicht modifiziert, funktioniert noch bis heute. Die neuste deutsche Militärtechnologie findet man eher in den Händen von mexikanischen Sicherheitsbehörden oder arabischen Armeen, als im Depot der deutschen Bundeswehr. Wenn es in der Welt brennt, winkt Berlin gelangweilt ab und schaut erwartungsvoll über den Atlantik, zumindest gen Westen. Ob in Syrien, Irak, Jemen oder Nigeria, gegen die islamistische Barbarei sollen sich bitte andere aktiv engagieren. »Niemals wieder« bedeutet hierzulande trotz und wegen Auschwitz keinen Finger für das verfolgte Individuum krumm zu machen. Selbst dann nicht, wenn es die Tortur in seinem Heimatland sowie die anstrengende Flucht überlebt und bis vor die Haustür der Deutschen geschafft hat.

Der Wiederaufbau und die damit verbundenen wirtschaftlichen Vorteile, dass so genannte »Nation Building«, sind dagegen Deutschlands absolutes Steckenpferd. Deswegen reüssiert das Land auf der Weltbühne. Im internationalen Kampf um Rohstoffe, Marktanteile und Handelswege will die deutsche Wirtschaft langfristig vorne mitspielen. Das Image als Friedensmacht ist dabei für die Geschäfte nicht unerheblich. In knallharter Konkurrenz zu den USA, verkauften deutschen Firmen Komponenten zur Herstellung von Giftgas an jegliche »Schurkenstaaten«. Etwas Werbung in eigener Sache kann da nicht schaden. So tanzt der sozialdemokratische Wirtschaftsminister bereitwillig nach der Pfeife arabischer Emire und nicht nur in China fällt die Frage nach den grundlegendsten Menschenrechte unter den Verhandlungstisch. Im Kampf um den Exportweltmeistertitel ist dem Subjekt Staatskapital fast jedes Mittel Recht. Auch ein fauler Kompromiss im »Atom-Streit« mit dem Iran.

#stickthefingertogermany

Weder die Reeducation, noch der verordnete Antifaschismus haben nachhaltig etwas in diesem Land bewirkt. Wie rudimentär das Demokratieverständnis der deutschen Bevölkerung ist, offenbart sich immer dann am deutlichsten, wenn in einem anderen Land eine Partei die demokratischen Wahlen gewinnt, dessen politisches Programm den nationalen Interessen, beziehungsweise deutschen Befindlichkeiten, widerstrebt. Das trifft derzeit auf die neue Regierung in Athen zu, ebenso wie jene in Jerusalem. Während im deutschen Blätterwald dann reklamiert, protestiert und randaliert wird, bekunden auf dem diplomatischen Parkett die Deutschen ihre große Besorgnis über die zukünftige Entwicklung. An klugen Ratschlägen und harten Bandagen mangelt es dabei nicht. Nichts desto trotz, sondern gerade weil man zwei Weltkriege angezettelt hat. Vom Holocaust ganz zu Schweigen.

Der Vergangenheitsbewältigungsweltmeister ist derart dreist, dass berechtigte Forderungen nach Entschädigungen und Reparationszahlungen jahrzehntelang negiert und zum Teil bis heute noch nicht geleistet wurden. Die derzeitige Bundesregierung behauptet allen Ernstes, weil bisher noch kein Friedensvertrag unterzeichnet sei, müsse man z.B. die finanziellen Verpflichtungen gegenüber Griechenland nicht leisten. Währenddessen ist Adolf Hitler ein weltweiter Exportschlager, als Marke mindestens genauso bekannt wie Coca-Cola, das Holocaust-Mahnmal in Berlin eine beliebte touristische Vergnügungsstätte und bald eines der beliebtesten Bücher dieses Landes, nein der Welt, wieder legal im Handel erhältlich: »Mein Kampf«.

Das ökonomische Erfolgsmodell Deutschland beruht auf einem autoritären Korporatismus, der u.a. für die notwendige Flexibilität der hierzulande angestellten Arbeitskraftbehälter sorgt. Nullrunden als gemeinschaftlicher Akt zur Rettung von Arbeitsplätzen, dank Überidentifizierung mit der eigenen Firma oder »freiwillige«, unentgeltliche Überstunden, wenn es mal nicht so gut im Betrieb läuft, sind für den deutschen Arbeiter selbstverständlich. Kleinere Gewerkschaften müssen hierzulande um ihre Existenz bangen, weil sie es gewagt hatten, ihr verbrieftes Recht auf einen legalen Arbeitskampf in Anspruch zu nehmen und den deutschen Volkszorn zu oft hervorriefen. Nicht zu vergessen, der rundum erneuerte Reichsarbeitsdienst, besser bekannt unter dem Namen »Ein-Euro-Job«.

Angela Merkel gefällt das.

Die neue Sehnsucht der deutschen Volksgemeinschaft nach den guten alten Zeiten findet ebenfalls in der modernen Form der nationalsozialistischen Familienpolitik, wonach Frauen an Heim und Herd gehören, sowie unzählige Kinder für die Volksgemeinschaft gebären sollen, wie dem »Müttergeld«, seinen Ausdruck. In Berlin-Mitte ist dieser »Backlash« daran zu erkennen, dass längst als ausgestorben geltende Vornamen auf einmal wieder in Mode kommen. Der dazugehörige Kinderwagen von Oma ist ein »must-have«, weil ohne Plastik, nicht aus Amerika und immer noch gut in Schuss. Gefüttert wird das Balg natürlich mit Lebensmittel ohne Gentechnik. Ein arischer Bub, braucht keine amerikanischen Bohnen. Die Ablehnung des Freihandelsabkommens TTIP bekommt man nicht nur in solchen Kiezen mit der Muttermilch indoktriniert.

Im Fernsehen bedauert die ganzen Nation die Opfer des zweiten Weltkrieges, wozu für sie zweifelsohne beinahe alle Deutschen gehören. Die Tatsache, dass eine rechtsterroristische Vereinigung, ungestört, zehn Jahre lang im Land morden konnte, ist den meisten Mitgliedern dieses erbarmungslosen Rackets dagegen völlig egal. Nationalsozialisten sind bzw. waren immer die Anderen. Grauenvolle Schmonzetten wie »Unsere Väter, unsere Mütter«, in denen „die keuschen, opferbereiten Arier, der Leutnant und die Krankenschwester, die Helden der Geschichte“ (New York Times – Chefkritiker B.O. Scott) sind, erreichen selbstverständlich hohe Einschaltquoten. Quacksalber wie Guido Knopp, gelten nicht nur im wissenschaftlichen Betrieb als ernstzunehmende Historiker. Und der Umstand, dass der ehemalige Wehrmachtssoldat Helmut Schmidt oder das ehemalige SS-Mitglied Günther Grass als große Intellektuelle dieses Landes gelten, erregt ebenso keinen öffentlichen Widerspruch.

Opposition in solchen Zeiten gleicht der Arbeit von Sysiphus. Die Lage ist verzweifelt, beinahe ausweglos. Allein die Erinnerung daran, dass Nazi-Deutschland letztendlich dennoch militärisch besiegt wurde, ist heute noch im deutschen Kollektivbewußtsein eine unvergessene Schmach. In diese Wunde wollen wir etwas Salz streuen. Also raus auf die Straße. Auf nach Torgau! Feiern wir am Elbe-Day, an dem Tag als die sowjetischen und amerikanischen Soldaten das erste Mal aufeinandertrafen, die Besetzung von Deutschland.

Im Gedenken an alle Opfer des Nationalsozialismus.
Deutschland in den Rücken fallen!

/////////// Achtet auf weitere Ankündigungen. ///////////

/// 70years.blogsport.eu /// twitter.com/ADAktionBerlin ///

Zur Demonstration rufen auf:

Antideutsche Aktion Berlin [ADAB]
Antifa Task Force [ATF] Jena
association [belle vie] Hannover
Association Progrés Eichsfeld
BAK Shalom der Linksjugend [’solid]
Contre la tristesse Rostock
Freundeskreis der Dialektik Rostock
Gesellschaftskritische Odyssee Halle
Linksjugend [’solid] Osnabrück

Israelfahne in KZ-Gedenkstätte Dachau unerwünscht April 16, 2015 | 10:19 am

Mitglieder eines zionistischen Jugendverbands wollten zum Chanukka-Fest Gedenkkerzen im ehemaligen Konzentrationslager Dachau anzünden. Doch eine musste draußen bleiben: die Israelfahne. Dafür sorgt eine neue Verordnung.

US-Fahne: 1945 von Insassen noch gerne gesehen – seit 2014 im KZ-Dachau ebenfalls verboten.

In der KZ-Gedenkstätte Dachau wimmelt es zeitweise von Nationalfahnen. Bei jeder größeren Kranzniederlegung sind Deutschlandfahnen am Start. Die Stadt München wirbt auf ihrer Website für einen Besuch in der Gedenkstätte Dachau mit einem ganzen Fahnenfächer. Längst sind die ehemaligen Konzentrationslager zu Erweckungs-Promenaden des Vergangenheitsbewältigungs-Weltmeisters geworden. Aber die Israelfahne soll dort nichts mehr verloren haben. So hieß es gegenüber einem zionistischen Jugendverband, der im Rahmen der jüdischen Chanukka-Feierlichkeiten in Dachau 2014 Gedenkkerzen anzünden wollte.

„Den Opfern eine Ehre erweisen“
Fahnen könnten die Gefühle anderer Besucher verletzen, erklärte das Personal angeblich den Verbandsvertretern. Auch eine längere Debatte habe nichts geholfen, beklagt das Verbandsmitglied Ruben Pflug*. „Die Person mit Israelfahne ist dem Gelände dann aus Protest ferngeblieben“, sagt er. Dabei handelt sich um den 25-jährigen Alexey Weissman*. Seit Jahren kommt er nach Dachau, um zu gedenken – seit Jahren trägt er dabei die Israelfahne. „Die Israelfahne ist weit mehr als nur ein Staatssymbol. Sie bringt auf den Punkt, dass unsere jüdische Identität die nazionalsozialistische Verfolgung und Vernichtung überlebt hat“, erklärt der langjährige Jugendleiter der zionistischen Organisation gegenüber Schlamassel Muc. „Ich möchte damit den Opfern eine Ehre erweisen, die aus dieser Hölle auf Erden nicht entkommen konnten.“ Der jüdische Staat sei mitunter auf der Grundlage der schrecklichen Begebenheiten der NS-Zeit errichtet worden, sagt er. „Es ist unfassbar, dass diese Fahne im ehemaligen KZ-Dachau jetzt verboten ist. Ich möchte mich in Deutschland nie wieder für meine Fahne entschuldigen oder schämen. “

Fahnenverbot sofort aufheben
Seit etwa September 2014 ist offenbar eine neue Verordnung in Kraft, die das Mitführen von Fahnen in der KZ-Gedenkstätte für Besucherinnen und Besucher nicht gestattet. „Das Verbot steht auf den selben Merkblättern wie das Verbot von Hunden und Tieren in der Gedenkstätte. So fühlte ich mich auch. Wie ein Hund, der leider draußen bleiben muss“, sagt Weissman. Er fordert eine sofortige Aufhebung des Verbots der Israelfahne. „Die Gedenkstättenleitung sollte sich zumindest einer Debatte darüber stellen.“

Bei den Gedenkfeierlichkeiten am 30. April 2015 zur 70-jährigen Befreiung des KZ-Dachau durch die US-Armee werden mit Sicherheit wieder zahlreiche Fahnen zu sehen sein. Die Gedenkstättenleitung hebt das Verbot häufig temporär auf. Sich beim Besuch eines zionistischen Jugendverbands nicht spontan verständnisvoll zu zeigen, ist borniertem Bürokratismus und der traurigen Absenz von Mündigkeit geschuldet. Wird das Erinnerungspersonal der KZ-Gedenkstätte in Zukunft mit der US-Fahne ebenso verfahren? Die Fahne der Befreier – die 1945 über dem Lager wehte – ausgesperrt? Da möchte man es fast auf einen Versuch ankommen lassen. Das Verbot muss insbesondere hinsichtlich der Israelfahne sowie der Fahnen der Befreier dringend überdacht werden.

*Name von der Redaktion geändert.

Nachtrag:
Laut Aussagen der Pressestelle heute sollte es für Besucher in Zukunft kein Problem mehr sein, eine Israelfahne mitzuführen. Die Regelung werde inzwischen anders praktiziert, heißt es. Laut der Besucherordnung auf der Website ist das Mitführen von Fahnen allerdings bislang noch generell untersagt. Nach wie vor wird es leider kritisch gesehen, wenn eine zionistische Gruppierung auf dem ehemaligen KZ-Gelände unangemeldet gedenken möchte.

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Die Besetzung der großen Städte April 12, 2015 | 09:40 am

Nach der Befreiung der Konzentrationslager richteten sich die Angriffe der vorrückenden Züge der US Army vorrangig auf die großen Städte Erfurt, Weimar, Jena und Gera. Für den 3. und 4. April 1945 hatte die Royal Air Force ein Flächenbombardement für Erfurt unter Einsatz von 2.740 Tonnen Bombenlast vorgesehen. Der Angriff wurde dann wegen des raschen Vormarsches der US-Bodentruppen abgesagt. Am 12. April 1945 besetzten Einheiten der 3. US-Armee unter Befehl von General George S. Patton Erfurt, nach Kämpfen in der Stadt und ihrer Umgebung.
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Panzereinheiten der US-Army nach der Besetzung Erfurts in der Johannesstraße.

 Am Abend des 11. April 1945 wurde ein von Oberst Costello unterzeichnetes Ultimatum in englischer Sprache an den Stadtkommandanten von Weimar in Auftrag gegeben. Sein Wortlaut: “Die Amerikanische Armee befindet sich weiter in siegreichem Vormarsch. Ihre Stadt ist umstellt und unhaltbar. Übergeben Sie die Stadt, so werden Sie nach den Bestimmungen der Genfer Konvention behandelt.”- Falls die Übergabe nicht bis 9 Uhr am 12. April erfolge, werde die Zerstörung der Stadt durch schweres Luftbombardement und Artilleriebeschuss angedroht. 
Am Donnerstag, den 12. April 1945 erreicht der Überbringer des Ultimatums morgens um 7 Uhr die Stadt Weimar auf dem Fahrrad. Weimars Oberbürgermeister Otto Koch, der die Stadt nach der Flucht der Gauleitung vertrat, kam der amerikanischen Forderung sofort nach. 
In den Mittagsstunden rollten die ersten amerikanischen Jeeps und Panzer der 3. US-Army – 26 Tage vor Kriegsende – kampflos in die Stadt Weimar ein. Am 15. April inspizierte Patton das befreite Konzentrationslager Buchenwald. Noch am  gleichen Abend befahl er, mindestens 1000 Einwohner Weimars zur Besichtigung auf den Ettersberg zu schicken, was am 16. April geschah.
Am 13. April 1945 rückten die amerikanischen Truppen in Jena ein, ohne dass es zu Kämpfen gekommen war. Sie demontierten viele Laboranlagen der großen Betriebe und schafften sie zusammen mit wichtigen Dokumenten und Patenten in ihre Besatzungszone oder in die USA. Direkten Widerstand gegen das NS-Regime hat es in Jena nicht gegeben. Die Universität, die noch heute den Namen aus der NS-Zeit trägt, galt als Vorzeige-Universität im Dritten Reich. Der NS-Studentenbund genoss schon vor der Machtübergabe große Unterstützung und gewann bei den Studentenschaftswahlen im Januar 1933 49,3% der Stimmen, was reichsweit das zweitbeste Ergebnis darstellt.  Unter dem Rektor Karl Astel wurde unter anderem ein Institut für menschliche Erbforschung und Rassenpolitik eingerichtet. Unter seinem Rektorat wurde Jena eine „nationalsozialistische Musteruniversität“. Neben der Erbforschung und Rassenkunde lag ein Forschungsschwerpunkt in den „Wehrwissenschaften“. 1941 resümierte Astel, dass die Universität unter seinem Rektorat zur „ersten rasse- und lebensgesetzlich ausgerichteten Hochschule Großdeutschlands“ geworden sei.
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Am 14. April wurde Gera von den Amerikanern besetzt, nachdem es am Vortag noch zu einem militärischen Gefecht an der westlichen Stadtgrenze gekommen war.
Am 16. April hatte die US-Army ganz Thüringen besetzt und rückte nun weiter richtung Passau vor.
Nachdem die Lager befreit und die Städte besetzt waren, kamen Einheiten der Psychological Warfare Divison nach Thüringen. Unter ihnen auch Saul K. Padover, der feststellen sollte, wie die psychische Situation in den noch von Deutschland beherrschten Gebieten war, und wie sich die Bevölkerung gegenüber den Alliierten verhalten würde. Seine ersten Eindrücke vom Konzentrationslager Buchenwald beschrieb er in seinem, erst 1999 ins deutsche übersetzte, Werk “Experiment in Germany” wie folgt:
Während ich die Karteikarten durchging, war mir, als berühre ich den Tod. Ich las die Namen von Männern und Frauen aller Nationen […]. Ihr einziges Verbrechen hatte darin bestanden, daß sie keine Deutschen waren. Die karten befanden sich in einer so tadellosen Ordnung, daß mir ei dem Gedanken an diese teuflische, kaltblütige Mordmaschinerie ein Schauder über den Rücke lief. Die deutschen Mörder waren solche Ordnungsfanatiker, daß sie diese Unterlagen nicht vernichteten, bevor sie die Flucht ergriffen. Deutsche denken sich nichts dabei, Menschen umzubringen, aber mit Dokumenten werden sie stets sorgsam und korrkt umgehen.

Demo 70 Jahre Befreiung & Besetzung April 11, 2015 | 02:59 pm

Gestern, am 10. April, feierten wir 70 Jahre Besetzung Hannovers und die damit verbundene Befreiung vom deutschen Nationalsozialismus durch die Alliierten. Mit uns waren ca. 50 andere auf der Straße, um dem deutschen Gedenkkonsens eine Absage zu erteilen und den Befreiermächten zu danken. Wir gingen den Weg der US Army beim Einmarsch in Hannover vom Freizeitheim Linden über die Limmerstraße bis zum Lindener Marktplatz nach, wo die Truppen einen Stützpunkt errichteten.
Nie wieder Deutschland!

Hier ein paar Fotos:

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Die Besetzung Nordthüringens und die Befreiung der Konzentrationslager April 9, 2015 | 09:30 am

Nach dem 9. April wurden in schneller Folge alle Städte und Landkreise in Nordthüringen besetzt. Anfang April wurden vom Volkssturm noch Vorbereitungen zur Verteidigung Nordhausens getroffen. So wurden in der Gumpe, auf dem Holungsbügel, an der Promenade, im Gehege und an den Stadteingängen Gräben ausgehoben.
Am Morgen des 11. April 1945 besetzte die über Werther anrückende 104. US-Infanterie-Division (1. US-Armee) mit Panzerunterstützung kampflos Nordhausen und befreite das nordwestlich gelegene Konzentrationslager Mittelbau-Dora. Allerdings kam für die Mehrheit der Häftlinge die Hilfe zu spät, da sie bereits auf Evakuierungstransporte und Todesmärsche geschickt worden waren. Lediglich die Kranken und Sterbenden wurden zurückgelassen. 1.016 Häftlinge wurden in der Isenschnibber Feldscheune bei Gardelegen bei lebendigem Leib verbrannt. Danach konzertiere man sich auf den Raum Erfurt-Weimar-Jena.
Nordhausen

GI’s mit befreiten Häftlingen des Lagers Mittelbau-Dora in Nordhausen

Vor der Befreiung am 11. April 1945 wurde das KZ Buchenwald Stück für Stück unkontrollierbar. Die interne Widerstandsbewegung, die sich organisiert hatte, versuchte, die SS in die Irre zu führen und Chaos zu stiften. Sie versteckte verfolgte Häftlinge, Befehlen widersetzte man sich offen. Sie rief die Häftlinge zur Geschlossenheit auf. Bereits während des Bombenangriffs auf das KZ im August 1944 war es dem illegalen Lagerkomitee gelungen, an Waffen aus einem der SS-Lager zu kommen. Diese wurden in den Blocks versteckt, vergraben oder eingemauert.
Als sich die 3. US-Army Anfang April 1945 dem Lager näherte, versuchte die SS auf Weisung Himmlers, das Lager zu evakuieren. Etwa 47.500 Menschen waren am 6. April 1945 im Konzentrationslager inhaftiert, 22.900 davon im Hauptlager, 18.000 in den Pferdeställen des Kleinen Lagers. 6600 Juden waren schon am 5. April auf dem Gelände der Deutschen Ausrüstungswerke zusammengetrieben worden. Vom 7. bis 10. April 1945 verließen auf etwa 60 Routen 28.000 Menschen des Stammlagers und mindestens 10.000 Häftlinge der Außenlager das Konzentrationslager Buchenwald in Richtung der KZ Dachau, KZ Flossenbürg und KZ Theresienstadt. Auf diesen Todesmärschen und Evakuierungszügen starben zwischen 12.000 und 15.000 Menschen.
Die Widerstandsgruppe bemühte sich, die Evakuierung zu verzögern, um möglichst vielen Häftlingen die Befreiung durch die Amerikaner zu ermöglichen. Man verfügte zwar über die von der SS entwendeten Waffen, an deren Einsatz war jedoch erst beim Herannahen der Amerikaner zu denken, da sie nichts gegen die Übermacht der Wachmannschaften hätten ausrichten können. Die illegale Lagerleitungsetzte am 8. April 1945 über einen heimlich installierten Sender einen Hilferuf an die herannahenden amerikanischen Truppen ab. Die Amerikaner rieten zur Ruhe bis zur Befreiung. Am 11. April 1945 kam es zu Frontkämpfen in unmittelbarer Nähe des Lagers.
Gegen 11 Uhr begann die Ausgabe der Waffen an ausgewählte Widerständler, die sich auf eine bewaffnete Auseinandersetzung einrichteten. Um 12 Uhr begannen die noch verbliebenen Wachmannschaften, den Lagerbereich zu verlassen und Stellung im SS-Bereich oder im umgebenden Wald zu beziehen. Um etwa 14.30 Uhr erreichte eine Vortruppe der 6. Panzerdivision der 3. US-Armee den SS-Bereich des Konzentrationslagers. Die Häftlinge begannen daraufhin den Kampf am Torgebäude und den benachbarten Wachtürmen, wobei es ihnen gelang, einige nicht geflüchtete Angehörige des SS-Wachpersonals zu entwaffnen und das Lagertor zu öffnen. Um 16 Uhr waren das Lager und mit ihm etwa 21.000 Häftlinge befreit.

Der Frontverlauf bis zum 9. April April 4, 2015 | 09:27 am

Nach dem 4. April operierten die Truppen des XII. Corps südlich des Thüringer Waldes und stießen in Richtung Hildburghausen und Ilmenau vor. Zur gleichen Zeit drängten die Truppen des XX. Corps im Norden über Mühlhausen und Bad Langensalza auf Nordhausen zu. In Eisenach und Friedrichroda kam es zu Kampfhandlungen. So verweigerte der deutsche Kampfkommandant von Eisenach die Kapitulation und ordnete bedingungslosen Widerstand an. Die Amerikaner rückten in den folgenden Tagen nördlich der Stadt in Richtung Gotha weiter vor, die Eisenacher Innenstadt wurde am 6. April ab 2 Uhr bis zum Morgengrauen mit Artilleriefeuer belegt, was zusätzlich Gebäudeverluste durch ungelöschte Brände zur Folge hatte. Daraufhinsetzte sich die Kampfkommandantur ab, die Truppen der deutschen Wehrmachtergaben sich. In den Morgenstunden zum 6. April übergab der zwei Tage zuvor ins ein Amt eingeführte Oberbürgermeister Rudolf Lotz die Stadt den amerikanischen Truppen.
Danach kam der Vormarsch der 3. US Army vorerst zum Stehen, da man auf die aufrückenden Truppen der 1. und 9. US-Army warten sollte. Ab dem 8. April standen die Spitzen der 3. Army an den vorgebenen Haltepunkten und warteten darauf, weiter vorzurücken. In dieser Zeit bis zum 11. April sicherte Patton sein Hinterland. Dabei entwickelte sich noch  eine Reihe kleinerer Gefechte mit versprengten Wehrmachtseinheiten. Zu den blutigsten zählten am 7. April die Kämpfe bei Struth und Dörna.
Befreiung_Eisenach_1945

GI’s in Eisenach

70 Jahre Besetzung Hannovers April 3, 2015 | 05:43 pm

besetzung hannovers

Besetzung
Am 10. April jährt sich die Befreiung und Besetzung Hannovers durch die US Army zum 70. Mal. Nachdem 1944 alliierte Truppenverbände in der Normandie gelandet waren, rückten diese in Richtung Deutschland vor und befreiten Stadt für Stadt, Dorf für Dorf vom deutschen Nationalsozialismus. Die Befreiung Hannovers begann am 10. April mit der Befreiung des KZ Ahlems durch amerikanische Soldaten. Von hier aus rückten die Soldaten fast ohne Gegenwehr über die Limmerstraße zum Lindener Marktplatz vor, auf dem sie eine Militärstellung errichteten. Gegen 21 Uhr fiel der letzte deutsche Widerstand an einer Flakstellung in Langenhagen. Hannover war befreit: Die letzte Rettung vor dem Tod für die überlebenden Verfolgten der Nationalsozialisten, aber dennoch kein Leben, welches sie eigentlich verdient hätten. Eine Herausforderung für die Deutschen, die bis vor Kurzem noch begeistert unter dem Hakenkreuz marschierten. Sie mussten sich neu anpassen, um ihre Lebensqualität, den erbeuteten Reichtum und ihre Privilegien zu sichern.

Neue Umstände
Dies stellte ein Problem für sie dar, denn man führte auch in Hannover trotz drohender Niederlage die deutschen Vernichtungswünsche zu Ende. So wurden ca. 600 Insassen des KZ’s Ahlem am 6. April auf einen Todesmarsch geschickt. Währenddessen wurden 154 zumeist sowjetische Zwangsarbeiter hingerichtet und in Massengräbern verscharrt. Der Gauleiter für Hannover und SS-Obersturmführer Hartmann Lauterbacher gab am 4. April 1945 den Durchhaltefehl für Hannover aus, indem er die Bevölkerung sowie die verbliebenen Truppen von Wehrmacht, SS und Volkssturm aufforderte, bis zuletzt Widerstand gegen die amerikanischen Befreier zu leisten. Bereits in den vorigen Jahren zeichnete sich Lauterbacher immer wieder durch Fanatismus und Grausamkeit aus. So ordnete er im Jahre 1941 die Ghettoisierung der jüdischen Bevölkerung Hannovers an, nach und nach wurden diejenigen, die sich nicht verstecken oder fliehen konnten, zumeist über die KZ-Sammelstelle Ahlem deportiert. Lauterbacher war nicht der einzige, der dieses Ziel verfolgte. Ohne die engagierte Unterstützung der „Zivilbevölkerung“, der deutschen Volksgemeinschaft, wäre das logistische Unternehmen der Vernichtung nie möglich gewesen. Von den insgesamt etwa 2400 aus Hannover deportierten Menschen überlebten weniger als 100.
Trotzdem fiel es den meisten Deutschen nicht schwer, sich der neuen Herrschaft anzupassen, das zeigen die Bilder der jubelnden Menschenmassen bei Einmarsch der Amerikaner auf der Limmerstraße, sowie die Beschäftigung mit der Vergangenheit in den beiden deutschen Nachfolgestaaten. Sie durchlief verschiedene Stadien.

Verleugnen, Verschweigen, Verdrängen
Im Westen, in der Bundesrepublik, spielte die Beschäftigung mit dem Nationalsozialismus erst einmal keine Rolle. Vernichtungskrieg und Shoah wurden einfach verschwiegen, verdrängt oder verleugnet. NS-Funktionseliten waren sich gesellschaftlicher und beruflicher Integration sicher, so wie auch das Beispiel von Lauterbacher zeigt, der nach dem Krieg eine hohe Stelle beim neugegründeten BND fand. Der Rest der Deutschen fand die Lösung in einer Täter-Opfer-Umkehr, die sich bemühte, sie von Schuld und Verantwortung freizusprechen. Die Täter seien demnach nicht die Mehrzahl der Deutschen gewesen, sondern eine kleine Minderheit von fanatischen Nazis, die Deutschland in den Ruin trieben und den Siegermächten der Zerstörung preisgaben. Doch war es gerade die Mehrheit der deutschen Bevölkerung, auf denen der deutsche Nationalsozialismus und die Barbarei fruchten konnten. Trotz des erreichten Zustands der Zivilisation, aber auf seinen Errungenschaften aufbauend, wurde der Schritt in die Barbarei vollzogen.

Staatlich verodneter Antifaschismus
In der DDR stilisierte sich der neu gegründete Staat als ein Volk von Widerstandskämpfern. Er bot den Tätern die Möglichkeit, sich von der „dunklen“ Vergangenheit zu distanzieren, indem man sich als Opfer derselben darstellte. Die „progressive Linie“ in der deutschen Geschichte, die von der Sozialdemokratie in der Kaiserzeit über die gescheiterte Novemberrevolution und den kommunistischen Widerstand geradewegs in die DDR führe, wurde zur Ausrede für die Parteimitglieder, Wehrmachtsangehörige und SS-Offiziere, die nun in Ostdeutschland ein neues Leben begannen. Statt den Nationalsozialismus aufzuarbeiten und die tragenden Elemente des Regimes wie Antisemitismus, völkischen Wahn und Verwertungslogik zu benennen und zu kritisieren, wurde eine Auseinandersetzung gescheut. So bezieht sich auch die heutige Kritik am Dritten Reich meist lediglich auf Worthülsen. Die Fokussierung auf reine Begrifflichkeiten hat dazu geführt, dass sich der heutige Umgang mit der Vergangenheit meist enervierend, doch keinesfalls inhaltlich wertvoll zeigt.

Gestärkt dank Holocaust
Heute gibt sich Deutschland als geläuterte Republik. Aus dem Gedenken an die im Nationalsozialismus ermordeten Menschen speist sich ein neuer Nationalstolz, nach dessen Logik man trotz Auschwitz wieder stolz auf Deutschland sein könne. Die Bundesrepublik gibt sich als Gedenkweltmeister und nutzt die in ihren Augen so vorbildhafte Aufarbeitung der Verbrechen ihrer Großeltern als Legitimation dafür, der Welt moralisch überlegen Urteile vorzulegen. Die Deutschen seien gestärkt und belehrt aus dem Holocaust hervorgegangen.
Das Mahnmal für die Opfer des Holocaust in Berlin wird laut Altkanzler Gerhard Schröder ein Denkmal, „zu dem man gerne hingeht“, während Eberhard Jäckel konstatiert: „Im Ausland beneidet man uns um dieses Denkmal.“ Heute wissen die Deutschen scheinbar, was man an der industriellen Vernichtung der europäischen Juden habe. Es herrscht kein betretenes Schweigen über die Vergangenheit, sondern hat gelernt, wie man aus dem Gerede hierüber politischen Profit ziehen kann. „Erinnern als höchste Form des Vergessens“ wie es Eike Geisel einmal treffend formulierte. Diese „Erinnerung“ kommt ohne echte Betroffenheit aus, aus der wiederum automatisch authentische Teilnahme an Leid und Bedrohung der lebenden Juden erwachsen müsste, konkreter: eine umfassende Auseinandersetzung mit der deutschen Geschichte kommt nicht ohne Solidarität mit dem Staat Israel aus. Stattdessen verschiebt sich jedoch heute die Schuldprojektion in Richtung des jüdischen Staates oder erneut anderer, kodierter Judenfeindschaften. Antisemitismus findet nicht trotz, sondern wegen Auschwitz statt. Die Konsequenz der postnazistischen Deutschen ist deshalb auch nicht Israel, sondern das „neue“ Deutschland. Das „alte“ Deutschland sei nun geläutert, wisse um seine Schuld und könne deshalb nun auch „wegen Auschwitz“ die Welt verbessern. Am deutschen Wesen soll also auch hier wieder die Welt genesen, ob es um Biosprit, deutsche Arbeitsmoral in Griechenland oder um Frieden für den Nahen Osten geht. Statt dieses Deutschland abgeschafft zu haben, ist es nun wieder wirtschaftliche Großmacht, trotz Shoa und missglückter Entnazifizierung, das versucht seine Ideologie auf andere zu übertragen.
Wir danken den Aliierten für die Befreiung vom deutschen Nationalsozialismus.
Wir feiern diese am Tag der Besetzung Hannovers.
Nie wieder Deutschland!

10. April 2015, 16 Uhr, Limmerstraße Höhe FZH Linden, Ravedemo

Thüringen im April – Der Vormarsch der 3. US-Army April 1, 2015 | 09:07 am

Im März 1945 überschritt die 3. US-Army unter General Gerog S. Patton den Rhein und stieß zügig gen Osten vor. Ende März erreichten sie die Grenze zu Thüringen. Erst am 31. März 1945  beschlossen der US-Oberbefehlshaber in Europa, General Dwight D.  Eisenhower, und General Omar N. Bradtey den Angriff auf Thüringen. Ein Grund waren den  Amerikanern vorliegende Hinweise, dass sich wichtige NS-Kommandostellen  nach Thüringen abgesetzt hatten. Die bereits weit nach Hessen  vorgedrungene 3. US-Army erhielt für 24 Stunden freie Hand. In dieser Zeit sollte sie die thüringische Ortschaft Ohrdruf erreichen, wo sich nach Informationen eines deutschen Überläufers ein hochrangiges deutsches Hauptquartier oder eine Kommunikationszentrale befinden sollten.
Die Operationsdirektive war das Auffinden und Erobern des deutschen Nachrichtenzentrums sowie der schnelle Vormarsch auf die damalige Landeshauptstadt Weimar. Am 1. April gingen bei Creuzburg die ersten Truppen der 4. Panzerdivision über die Werra. Auf Befehl  des NS-Gauleiters war die Stadt zur Festung erklärt worden. Wie zuvor  schon die Brücke Hörschel wurde auch die Brücke über die Werra bei Creuzburg vor den Augen der Amerikaner bei deren Eintreffen gesprengt. Im sinnlosen Bemühen, das Vorrücken der GIs aufzuhalten, ließen viele Menschen ihr Leben. 

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Die US-Army überquert den Rhein auf einer provisiorischen Brücke. (März ’45)

 
Etwa zur gleichen Zeit waren Panzerkräfte von Herleshausen nach Altefeld  und Willershausen sowie über den Hachenberg nach Ifta vorgedrungen. Nach der kampflosen Übergabe Iftas konzentrierten sich auch diese Kräfte  auf den Raum Creuzburg. Beim Beschuss versank nahezu der gesamte Ort in  Schutt und Asche, wer sich retten konnte floh in die umliegenden  Wälder. Doch erst am 2. April gelang es den Amerikanern, den Fluss bei Creuzburg und Spichra komplett zu überqueren.
Am gleichen Tag musste der größte Teil der Häftlinge des Lagers Ohrdrufs unter SS-Bewachung in einem Todesmarsch 51 Kilometer nach Buchenwald marschieren. Die Anzahl der Häftlinge, die während des Marsches zusammenbrachen und starben oder von den SS-Bewachern erschossen wurden, kann nur geschätzt werden. Neben den 60 bis 70 Toten, die offensichtlich vor dem Marsch erschlagen oder erschossen worden waren, weil sie nicht marschfähig erschienen, gab es einige Überlebende, die sich vor den SS-Wachen verstecken und so der erneuten Verschleppung entgehen konnten.
Bis zum 4. April gelang den Truppen General Pattons dann der Vormarsch entlang der heutigen Bundesautobahn 4. Bad Salzungen, Gotha und Suhl wurden zum Teil kampflos erobert. Dazu konnten Teile des VIII. Corps der Panzerdivision und des 354th Infantry Regiment das KZ-Außenlager Ohrdruf, dank der Hilfe geflohener Häftlinge, ausfindig machen und ebenfalls befreien, genauso wie 400 gefangene britische Offiziere bei Lengenfeld.
Eisenhower, der das Lager in Ohrdruf besuchte, beschrieb es wie folgt: “…the most interesting—although horrible—sight that I encountered during the trip was a visit to a German internment camp near Gotha. The things I saw beggar description. While I was touring the camp I encountered three men who had been inmates and by one ruse or another had made their escape. I interviewed them through an interpreter. The visual evidence and the verbal testimony of starvation, cruelty and bestiality were so overpowering as to leave me a bit sick. In one room, where they were piled up twenty or thirty naked men, killed by starvation, George Patton would not even enter. He said that he would get sick if he did so. I made the visit deliberately, in order to be in a position to give first-hand evidence of these things if ever, in the future, there develops a tendency to charge these allegations merely to ‘propaganda.’
eisenhower ohrdruf

General Dwight D. Eisenhower besuchte am 12. April ’45 das Lager Ohrdruf.

Filmvorführung »Die Wohnung« March 29, 2015 | 08:17 pm


09.04.2015 20.00 Uhr, Projektraum H48 Neukölln Hermannstraße 48 (2. Hinterhof | 1. Etage) – Nähe U-Bhf. Boddinstraße (U8) --> bei „Projektraum“ klingeln

Eine Wohnung in Tel Aviv, ein Stück Berlin mitten in Israel. 70 Jahre lang hat Gerda Tuchler hier mit Ehemann Kurt gelebt, nachdem sie vor dem Holocaust aus Deutschland fliehen mussten. Weggeschmissen haben sie nichts. Als sie mit 98 Jahren stirbt, trifft sich die Familie zur Wohnungsauflösung. Inmitten unzähliger Briefe, Fotos und Dokumente werden Spuren einer unbekannten Vergangenheit entdeckt: Die jüdischen Großeltern waren eng befreundet mit der Familie des SS-Offiziers Leopold von Mildenstein.

Filmemacher und Enkel Arnon Goldfinger nimmt zusammen mit seiner Mutter den Kampf auf: mit Wut und Mut gegen die Kisten, den Staub, die Antiquitätenhändler, die Familie, die Vergangenheit und die Gegenwart, Verdrängung und Wahrheit. (DE 2011, 97min)

Friedensbewegung nicht zu retten March 23, 2015 | 01:36 pm

Derzeit bemühen sich viele Menschen darum, eine angeblich gute, traditionelle Friedensbewegung von neurechten Friedensbewegungen zu trennen. Dass aber auch die traditionelle Friedensbewegung völlig vernarrt ist, zeigt der aktuelle Aufruf zum sogenannten „Ostermarsch“ 2015 in München.

Transparent auf dem Ostermarsch 2012 in München

Kein Konflikt der Welt ist in den deutschen Medien derart überpräsent wie der jüdisch-arabische. Israel ist das Land mit der höchsten internationalen Journalistendichte pro Quadratkilometer, an manchen Tagen berichtet nahezu jede bayerische Tageszeitung aus der Region. Selbst wenn nichts Aufregendes passiert, erscheinen in Bayern sechs bis acht Artikel täglich. Nur die Wahlen in den USA wurden in Deutschland ähnlich aufmerksam verfolgt wie die Wahlen vergangene Woche in Israel. Dem „Münchner Friedensbündnis“ ist das nicht genug. In dessen Aufruf zum diesjährigen Ostermarsch am 4. April heißt es zum jüdisch-arabischen Konflikt: „Dieser Konflikt wird im Schatten anderer Konflikte allzu oft verdrängt.“ Deshalb wolle man jetzt beim Ostermarsch daran „erinnern“.

Gerüchte über den jüdischen Staat
Mit keinem Wort sind im Aufruf Kriegstreiber wie die Mörderbande „Islamischer Staat“ erwähnt. Eine Extraspalte hingegen ist neben Griechenland dem jüdischen Staat gewidmet, dem die Ostermarschierer „dramatische Gewalt“ und eine „willkürliche Blockade Gazas“ unterstellen. Israel sei offenbar bestrebt, die „Palästinenser auf etwa zehn Prozent ihres ursprünglichen Territoriums“ zu isolieren, heißt es ebenda. Wie Israel das anstellen möchte, wo doch weit über die Hälfte des historischen Palästinas außerhalb Israels und außerhalb des Westjordanlandes liegt, wird nicht erklärt. Und so bleibt die traditionelle Friedensbewegung stets einer langen Tradition treu, die noch älter ist als sie selbst: dem antisemitischen Furor zu Ostern bzw. während des jüdischen Pessach-Festes.

Deutsche Friedensbewegungen unterscheiden sich kaum
Gefeiert werden aktuell sämliche Distanzierungen der traditionellen Friedensbewegung von Querfront-Bewegungen, namentlich: „Montagsmahnwachen“, „Friedenswinter“ und „Endgame“. Vergessen wird hierbei, dass die traditionelle mit der neurechten Friedensbewegung inhaltlich deutlich mehr vereint als trennt. Nimmt man den Ostermarschierern den über die Umwegkommunikation „Israel“ geformten Antisemitismus sowie den geifernden Antiamerikanismus, bleibt von der traditionellen Friedenbewegung nämlich nicht mehr viel übrig. Da ist einfach nichts zu retten.

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Derweil in Lissabon March 22, 2015 | 03:30 pm

Etwas auf deutsche Art zu erledigen, gilt in immer mehr europäischen Ländern als hochgradige Beleidigung. Diese Stimmung weiß auch die portugiesische Linkspartei für sich zu vermarkten.

Vielen Dank den bayerischen Weltreisenden für diese ermunternde Zusendung. Nicht ganz so mutig wie die letzte Urlaubseinsendung, aber dafür in einem umso größeren Format.

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70 Jahre Befreiung Neuköllns March 22, 2015 | 03:13 pm

70 Jahre Befreiung Neuköllns
Infos zu Aktionen und Veranstaltungen zum 70. Jahrestag folgen in Kürze.

Antiba – der Barbarei entgegentreten! Über Antifaschismus in Zeiten von Djihadismus und Pegida March 11, 2015 | 11:28 pm

Vortrag und Diskussion mit Lothar Galow-Bergemann

2014 explodierten Dumpfbackentum, Ressentiment und Barbarei: Antisemitische Massenaufmärsche verlangten „Tod den Juden!“ – Nazis, Islamisten und Linksreaktionäre marschierten vereint im Hass gegen den jüdischen Staat und in Solidarität mit seinen Todfeinden – Djihadisten drohten Andersgläubigen mit Macheten in der Hand, sie „hier genauso zu töten wie im Irak“ – Rechtsreaktionäre erzielten erschreckende Wahlerfolge und mit Pegida, Hogesa &Co mobilisierte ein rassistischer Mob gegen MuslimInnen und Flüchtlinge. Zu Beginn des neuen Jahres machten die djihadistischen Mordanschläge in Paris und Kopenhagen auf ein atheistisches Satiremagazin, eine Diskussionsveranstaltung zur Meinungsfreiheit, einen jüdischen Supermarkt und eine Synagoge klar: der Wahnsinn geht weiter.
Antifa, das ist ihr unschätzbares Verdienst, will in Zeiten, in denen leider keine Aussicht besteht, die Verhältnisse grundsätzlich zum Tanzen zu bringen, wenigstens den allerschlimmsten und barbarischsten Kräften in den Weg treten. So wichtig es bleibt, sich offenen Nazis entgegenzustellen – es liegt auf der Hand, dass der Kampf gegen sie allein nicht mehr ausreicht. Stiefel- und Nadelstreifennazis verbindet trotz des äußerlichen Gegensatzes im Kern eine enge Seelenverwandtschaft mit den Djihadisten. Wer um ein Minimum an Menschenwürde und um Mindestvoraussetzungen für eine irgendwann vielleicht doch noch gelingende Emanzipation kämpfen will, muss sich der anschwellenden Front der Barbarei in all ihren Facetten entgegenstellen.
Vor welchen Herausforderungen theoretischer wie praktischer Art steht Antifaschismus heute? Wie hilfreich und wie problematisch ist dafür die so genannte „Islamdebatte“? Inwiefern können Begriffe wie „Islamismus“, „Islamophobie“ oder “Islamkritik“ dazu beitragen, die Problemlage zu erfassen? Warum ist eine konservativ-orthodoxe Interpretation der Religion in muslimischen Communities so stark präsent? Ist die Rede von „dem“ Islam zutreffend, der im Gegensatz zu „dem“ Christentum Humanität und Säkularität ausschließe?
Wie ist schließlich ein emanzipatorischer Anspruch inmitten einer zunehmend verrückter werdenden Umgebung aus moslemhassenden Sarrazindeutschen, tatsachenresistenten Linken, Nazis und Djihadisten zu formulieren? Und wie kann er praktisch werden?

Der Referent schreibt u.a. für Jungle World, Konkret & auf emmaundfritz.de

Dienstag, 31.03.2015
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Stolpern für Deutschland March 6, 2015 | 01:06 pm

Die Petition für Stolpersteine in München hat in nur wenigen Tagen bald 50.000 Unterzeichnende erreicht. Neben vielen rührigen Kommentaren der Unterzeichnenden wird in manchen auch die Problematik deutscher Gedenkideologie deutlich. Ein Blick in tiefe Abgründe.

„Ich stolpere gerne über die unsagbar quälende Vergangenheit.“

Diese Begründung eines Petitionsteilnehmers ist ohne Weiteres nicht zu verstehen. Denn wer stolpert schon gerne – noch dazu über etwas unsagbar Quälendes? Mit einer patriotischen Brille gelesen, wird aus dem Unsinn wieder Sinn. Während die Erinnerung an den Holocaust vor einiger Zeit noch als Makel im deutschen Identitätskostüm verstanden wurde, wird sie heute zur kulturellen Bereicherung und nationaler Qualifikation hochgejazzt. Auf die Petitionsfrage, warum sie für Stolpersteine sind, antworteten deshalb Teilnehmende:

„[Weil Stolpersteine] stolz darauf machen, wie offen wir in Deutschland mittlerweile mit unserer Geschichte um gehen!“

„wir in Deutschland uns dieser Schuld bewusst sind und Orte des Erinnerns errichten.“

„Ich unterschreibe, weil ich stolz auf Deutschland bin.“

Der millionenfache industrielle Vernichtung wird zum kulturellen Trademark:

„Weil der Holocaust genauso zu Deutschland gehört, wie Goethe!“

„Weil das Erinnern zu einer wichtigen Kultur gehört.“

„Erinnerungen wichtig sind, um eine eigene Identität zu wahren.“

„Stolpersteine gehören zu Deutschland.“

Der Stolperstein als patriotische Pflicht
Wo Gedenkpolitik dermaßen in eine nationale Matrix eingeschrieben zu sein scheint, wird Gedenken freilich zur Pflicht und alle Kritikerinnen und Kritiker zu potenziellen Vaterlandsverrätern:

„Gedenken ist unsere Pflicht!“

„Wir, Sie alle, sind in der Pflicht“

„Ich finde die Weigerung, Stolpersteine zu dulden, als große Schande für unser Land.“

„Wie steht unsere Gesellschaft denn da, wenn eine Weltstadt wie München Stolpersteine verbietet?“

Als „Störenfried der Erinnerung“ (Eike Geisel) wurde von vielen Petitionsteilnehmern Charlotte Knobloch, Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde von München und Oberbayern, ausgemacht.

„Ich will diese Petition nicht nur an den Stadtrat, sondern auch an Frau Knobloch von der jüdischen Gemeinde München gerichtet wissen“

„Ich weiß, dass Frau Knobloch großen Einfluss nahm bezüglich des Verbots in München“

„Frau Knobloch hat im Übrigen nicht die Befugnis, auch für die nicht-jüdischen Opfer der Nazi-Diktatur zu sprechen“

Wie wir gedenken, haben nicht die Juden zu bestimmen
Da der stärkste Widerstand gegen Stolpersteine landesweit aus zahlreichen jüdischen Gemeinden kommt, versuchen einige Stolperstein-Befürwortende, die Mitbestimmung der jüdischen Gemeinden in Gedenkfragen zu desavouieren. Dutzendfach hat eine Münchner Stolperstein-Aktivistin in der öffentlichen Münchner Stolpersteingruppe so oder ähnlich auf Facebook betont:

„Indem man [Charlotte Knobloch] endlich klar macht, dass die Stolpersteine NICHT NUR für die Münchner Juden, sondern für aller Opfergruppen dieser Stadt ein Denkmal darstellen. München bestand und besteht nicht nur aus Juden, wie wir alle wissen.“

In Anbetracht der Kritikerinnen und Kritiker der Stolpersteine ist es besonders absurd, dass diese sich von Petitionsteilnehmern nicht selten als Nazis oder gar als Holocaustleugner verunglimpft sehen müssen.

„Mir scheint, in Bayern könnten noch viele Altnazis und Holocaustleugner in entscheidenden Stellen sitzen“

„Gedenksteine für Opfer des Naziregimes zu verbieten ist wie die Shoah zu leugnen“

„Dies kommt einem Verleugnen des Holocausts gleich.“

„Es gab Zeiten, da hätte man diese Steine in ganz Deutschland auf einen Haufen geworfen und verbrannt, im 21sten Jahrhundert gibt es das zum Glück nur noch in München.“

„Wer gegen die Stolpersteine ist, kann wohl nur ein Nazi sein!“

Seltsame Auferstehung in Messing
Wer gegen Stolpersteine ist, kann wohl nur ein Nazi sein, denn Stolpersteine bringen die grausam Ermordeten angeblich wieder in die Mitte Deutschlands zurück, so meinen zumindest einige Petitionsteilnehmende. Das genau Folgendes nicht der Fall ist, ist offenbar schwer zu begreifen:

„Weil sie mir das Gefühl geben, dass die Menschen, an die sie erinnern, dadurch irgendwie noch in unserer Mitte sind.“

„Und macht sie damit in meinen Augen quasi ein Stück wieder lebendig“

„Weil eine noch so geringe „Auferstehung“ dieser Menschen im Stadtbild nur willkommen sein kann!“

Des weiteren seien Stolpersteine eine „unaufdringliche“ Art der Erinnerung, betonen fünf Unterzeichnende, „heilsam“, „normale Genugtuung“, „klasse“ oder einfach „genial“ betonen andere: Eine Lösung der Gedenkfrage scheinen Stolpersteine nachgerade zu sein, um das viel zitierte „dunkelste Kapitel der deutschen Geschichte“ endgültig positiv auszuleuchten.

Wenn die Stadt München ein Interesse haben sollte, einen kritischen Beitrag zur sogenannten „Aufarbeitung der Vergangenheit“ zu leisten, muss sie die Stolpersteine ablehnen. Allein um den Städten, die sich momentan in ihren Stolpersteinen sonnen, ein dauerhaftes Mahnmal zu sein. Und damit allen, die „gerne über die unsagbar quälende Vergangenheit“ stolpern, etwas entgegengesetzt ist. Also schlicht um daran zu erinnern, dass es mit der Gedenkpolitik nicht so einfach ist. Das wäre deutlich wichtiger, als ein paar Messingplatten im Boden. Damit sei freilich nicht gesagt, dass alle Befürwortende von Stolpersteinen unredliche Motive hätten. Die meisten meinen es wohl irgendwie gut. Trotzdem.

Anm.: Jedes hier aufgeführte Zitat ist einer anderen formalen Absenderin bzw. eines anderen Absenders zuzuordnen. Die Fragmente stammen nicht aus der Feder eines verrückt Gewordenen, sondern sind eine Gemeinschaftsleistung und entstammen bis auf eine Ausnahme der hier einsehbaren Petition.

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Endgame Over March 5, 2015 | 10:25 am

Achtung, neuer Ort: ZOB Hannover

Gegen Antiamerikanismus und völkischen Wahn

Am 14. März ruft die aus dem rechtspopulistischen PEGIDA-Mob hervorgegangene „EnDgAmE“-Bewegung zu einer Demo in Hannover auf. Das Backronym „EnDgAmE“ steht hierbei für „Engagierte Demokraten gegen die Amerikanisierung Europas“; der Inhalt wird schon im Namen deutlich: Wie schon bei den beiden vergangenen Aufmärschen in Erfurt und in Halle wird auch in Hannover ein wahnhafter Antisemitismus propagiert werden, nach dessen Vorstellung eine kleine Minderheit die Welt knechte und unterjoche. Als Aufhänger dient dabei ein rassistische Stereotype anwendender Antiamerikanismus. Es ist somit zu erwarten, dass Wahnwichtel, Nazis, selbsternannte Reichsbürger und an Chemtrails Glaubende am 14. nach Hannover kommen werden. Als Redner ist unter anderem Wojna, bekennender 9/11-Truther und Sänger der Band „Die Bandbreite“ angekündigt, welcher sich nicht zu schade ist, mit bekennenden Nazis in der Öffentlichkeit aufzutreten.

endgame

Auch andere Demonstrationsteilnehmer, die sich „links“ und antifaschistisch wähnen, waren in Erfurt zu beobachten. Doch was dort vermittelt wurde und in Hannover vermittelt werden soll, ist weder Antifaschismus noch Antikapitalismus.
Antiamerikanismus hat in Europa Tradition. Der Hass auf die angeblich kulturlosen USA ist so alt wie die Geschichte des Staates selbst. Schon als sich die ersten Europäer auf den Weg nach Nordamerika begaben, warfen ihnen die Heimgebliebenen Verrat vor. Ähnlich irrational wird Amerika seitdem von europäischer Seite aus dämonisiert, um die eigene Lebensweise moralisch aufzuwerten. Selbst den europäischen Kapitalismus wähnen Viele als „humaner“ als das amerikanische und globale Wirtschaften. Dass der Kapitalismus, ob europäisch oder amerikanisch immer ein bedürfnisfeindliches System ist, wird außer Acht gelassen. Spielend leicht wird die Welt in Gut und Böse sortiert, um sich Problemstellungen zu vereinfachen. Diese Schuldzuweisungen sind jedoch keine Kritik, sondern eine völlig absurde Aversion.
Wo unsachliche Wutbürger auftreten, ist Antisemitismus nicht weit. In ihrem Wahn gehören in das Feindbild der „EnDgAmE“-Fans auch Juden. Das uralte antisemitische Ressentiment, „der Jude“ würde die Welt, die Börsen, die Medien oder gleich alles zusammen regieren, klingt auch bei „EnDgAmE“ und Umgebung an. So wird die Schuld an der Finanzkrise 2009 in erster Linie „den Amis“ vorgeworfen. In zweiter Instanz werden „jüdische Großbanken“ dafür verantwortlich gemacht. Statt einer sachlichen Analyse von Krise, Geld und Kreditsystem, werden negative Begleiterscheinungen des Kapitalismus mit regressiven Schuldzuweisungen erklärt. Erneut wird in Europa Kritik an den herrschende Verhältnissen personalisiert und in emotionaler Art und Weise auf Juden projiziert. Wird diese Projektion wahnhaft zuende gedacht, bedeutet dies für den Antisemiten die Vernichtung aller Juden.
In der Welt der „EnDgAmEr“ gilt es, sich möglichst weitreichend von den „Volksschädlingen“ zu distanzieren, somit wird alles, was als nicht deutsch angesehen wird, abgelehnt, um die eigene Kultur rein zu halten. Nicht umsonst ist die Parole „Wir sind das Volk“ unter den armseligsten Gestalten der deutschen Wutbürger-Kultur wieder so beliebt.
Umso wichtiger ist es, am Samstag eine emanzipatorische Alternative aufzuzeigen und zu beweisen, dass Gesellschaftskritik nicht funktioniert, in dem Schlechtes auf einzelne Objekte projiziert wird, sondern durch eine Kritik der gesamtgesellschaftlichen Verhältnisse.
Der Erfolg gegen HAGIDA in den vergangenen Wochen gibt uns Mut, mit Vielen zu rechnen. Wir hoffen, dass es eine radikale Linke schafft, gegen faschistisches, völkisches Denken vorzugehen, auch wenn der Rassismus sich gegen „die Amerikaner“ und der Antisemitismus sich in falschem Antikapitalismus und Verschwörungsdenken artikuliert.
Kommt also am 14. März nach Hannover und zeigt den Spinnern was ihr von ihnen haltet.
Gegen jegliche Form des Antisemitismus und Antiamerikanismus!
14. März Hannover, 14 Uhr, ZOB
EnDgAmE: An diesem Level werdet ihr scheitern!

Zur Kritik des poststrukturalistischen Feminismus March 2, 2015 | 09:26 pm

Vortrag und Diskussion mit Andrea Trumann

Anfang der 1990er Jahren schwappte ein Trend aus den USA nach Deutschland herüber. Begriffe, wie „queer“ und „gender“ bestimmten nun den feministischen Diskurs. Daran hatte vor allem Judith Butlers „Gender Trouble“ seinen maßgeblichen Anteil.
Die Idee der Queer-Theorie die dichotome Zweigeschlechtlichkeit zu dekonstruieren, eindeutige Identitätszuschreibungen in Frage zu stellen und „so viele Geschlechter wie Individuen“ auszumachen wirkte auf viele Feministinnen befreiend.
Jedoch erwies sich die Verbalradikalität der Queer-Theorie als Schein, der die kapitalistische Ordnung nicht in Frage stellte, sondern nur um die Anerkennung der Ausgeschlossenen kämpfte. Die Produktionsverhältnisse waren jedoch kein Thema mehr. Seit ein paar Jahren ist von einigen Feministinnen die Kapitalismuskritik wiederentdeckt worden, und wurde versucht mit der Queertheorie zu verbinden. Dies führt jedoch ebenfalls nicht zu einer grundlegenden Gesellschaftskritik, sondern verbleibt auf der Ebene der Erscheinung.
Judith Butler selbst fand die „deutsche Rezeption“ ihrer Werke schon immer merkwürdig, da in Deutschland überall neue Möglichkeiten der Auflösung der Geschlechter gesehen wurden, statt den Zwangscharakter der Zuschreibung zu betonen. In den letzten Jahren ist jedoch von Butlers Identitätskritik in der queerfemininistischen Szene kaum etwas übrig geblieben, vielmehr kann man eine Vervielfältigung der Identitäten beobachten, die allesamt Sorge haben in Medien und Sprache zu wenig repräsentiert zu werden. Überall wird der Ausschluss gewittert und autoritär verfolgt.

Andrea Trumann arbeitet als Sozialpädagogin, derzeit ist sie in Elternzeit. Von dem linken Gruppenwesen hat sie sich verabschiedet,
versucht sich aber immer noch in kommunistischer Agitation.

Veranstaltung im Rahmen der Kampagne Riot statt Rosen zum Frauen*kampftag 2015.

Offenes Gruppentreffen February 25, 2015 | 07:56 pm

Wir planen ein offenes Gruppentreffen. Herzlich eingeladen sind alle, die Interesse haben bei uns mitzuarbeiten. Wir werden ein bisschen über Vergangenheit und Zukunft der association [belle vie] reden, Sticker verteilen und uns gegenseitig kennenlernen. Die Veranstaltung wird am 09.03.2015 um 17:30 im UJZ Korn stattfinden. Wir freuen uns auf Euch!

Der Entwarner February 18, 2015 | 06:08 pm

Terry Swartzberg, Vorsitzender des Vereins für Stolpersteine in München, zerstreute heute in der Süddeutschen Zeitung und im Münchner Merkur viele Sorgen. Nirgends seien Jüdinnen und Juden so gut „integriert“ wie in Deutschland. Antisemitismus sei hierzulande keine große Gefahr mehr. Stimmt das?

In der heutigen Ausgabe des Münchner Merkurs gibt Swartzberg zu verstehen: „Es gibt kein Land auf der Welt, in dem Juden so gut integriert leben können wie in Deutschland.“ Jeder, der eine Kippa oder einen Davidstern trage, könne das bestätigen, so Swartzberg. Dabei ist es gar nicht lange her, dass ein Mann aufgrund seines Davidsterns in Berlin zusammengeschlagen wurde. Auch in Bayern ist dies schon mehrfach vorgekommen. Immer wieder gibt es Übergriffe auf Juden, die eine Kippa tragen. Wie begründet Swartzberg seine Thesen?

Swartzberg hat seine Erfahrungen offenbar in einem Selbstversuch gesammelt. Zwei Jahre war er mit Kippa unter anderem in München, der Sächsischen Schweiz oder Neukölln unterwegs und habe keine schlechten Erfahrungen gemacht. Jetzt sei er laut Süddeutscher Zeitung unzufrieden, weil die Münchner Juden seinem Beispiel nicht folgen würden. „Alle wollen an diesem Grundbild festhalten, dass Deutschland antisemitisch ist“, beklagt er gegenüber der Süddeutschen Zeitung. Dass „alle“ Jüdinnen und Juden das so sehen würden, kann bezweifelt werden. Ebenso seine Behauptung, dass das allen unterstellte „Grundbild“ völlig falsch sei. In Deutschland gibt es weit verbreiteten Antisemitismus; das beweisen die Umfragen beispielsweise der Friedrich-Ebert-Stiftung und anderer Institute jedes Jahr aufs Neue.

Vorsicht nicht vorgeschrieben, aber nachvollziehbar
Mit 25 antisemitisch motivierten Gewaltdelikten im Jahre 2014 mag in Deutschland zwar weniger konkrete Gewalt angezeigt sein als in manchen anderen Ländern. Das bedeutet aber nicht, dass hierzulande nicht eine ähnlich große Schwungmasse wie in Frankreich in Bewegung geraten könnte. Das Potenzial haben nicht zuletzt die antisemitischen Aufmärsche in 2014 deutlich gezeigt.

Antisemitismus gäbe es hier zwar schon, betont Swartzberg gegenüber der Süddeutschen Zeitung. Wenn etwa über die Politik Israels diskutiert werde, sei der Weg zu Ressentiments gegen Juden nicht weit. „Aber muss man deshalb in Angst leben?“, fragt er. Die Frage Swartzbergs ist deshalb sonderbar, da die Morde in Frankreich und Kopenhagen überdeutlich zeigen, wie kurz der Weg vom Israelhass zum antisemitischen Übergriff ist. Im Übrigen wurden auch in Deutschland Angriffe auf Synagogen und jüdische Friedhöfe häufig mit der Politik Israels begründet. Eine gewisse Vorsicht erscheint vor diesem Hintergrund zumindest nachvollziehbar.

Eine Kippa für Deutschland
Nun wolle Swartzberg Kippot mit Aufdrucken wie „Ich liebe Deutschland“ kostenlos verteilen. Wer eine haben wolle, müsse sie aber auch öffentlich tragen, sagt er. Hierzu gäbe es viel anzumerken. Mindestens aber, dass die Vermischung von religiösen mit politischen Symbolen nur in sehr wenigen Fällen sinnvoll ist, in der Hauptsache aber eher beängstigend. Selbst Vertreter der ausgesprochen staatstragenden Evangelischen Kirche zeigten sich beispielsweise sichtlich angewidert, als letzthin christliche Kreuze in Deutschlandfarben auf „Pegida“-Demonstrationen zu sehen waren. „Wenn ich sehe, dass da schwarz-rot-gold angestrichene Kreuze hochgereckt werden, gruselt es mich“, sagte der frühere Präsident des Lutherischen Weltbunds.

Swartzbergs Aussagen in der heutigen Süddeutschen Zeitung sowie im Münchner Merkur sind deshalb ärgerlich, da die Artikel Kritikerinnen und Kritikern des Antisemitismus in der nächsten Zeit häufiger entgegengehalten werden dürften. Sie sind sicherlich Balsam für Anhänger des Alles-Wieder-Gut-Deutschland, genauso wie das Stolpersteinprojekt, zu dem übrigens kürzlich ein lesenswerter Artikel im Mitgliedermagazin der grünen Jugend erschienen ist. Stimmen, die vor dem in Europa und Deutschland erstarkenden Antisemitismus warnen, ist mit dem SZ-Artikel allerdings wenig geholfen. Dessen mag sich Swartzberg nicht bewusst sein – und damit ist er auch nicht alleine. Dennoch ist es ärgerlich.

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Westend: Wie ein Viertel vor die Hunde geht February 10, 2015 | 01:39 am

Einzug der Neonazis, Verächtlichmachung der Armen und Vertreibung eines Arztes für Abtreibungen. Neben der Gentrifizierung hat das Westend auch andere Probleme. Rede am Sterbebett eines eigentlich schönen Viertels.

Sowohl die Arbeiterbewegung als auch das Bürgertum zerfällt. Mit der von der jeweiligen Interessenvertretung abgespaltenen Lumpenmasse ist eine Debatte über Humanität nicht zu führen, die will keine Verschiedenheit mehr kennen, sondern allein Deutsche. Das wird nicht nur auf PEGIDA oder AfD-Versammlungen deutlich, zum Greifen nah ist das auch im Westend. „Hier wird deutsch gesprochen – oder boarisch“ hat sich das Wirtspaar der „Westendbar“ an die Türe geheftet. Da im Westend in den meisten Kneipen deutsch gesprochen wird, geht die Nachricht freilich über das Buchstäbliche hinaus. „Zutritt nur für Deutsche“ – das ist die eigentliche Message unter dem bröckeligen Lack. Selbst eine SA-Kneipe hätte sich im Westend vor 1933 nicht derart offen zu senden getraut.

Nazi-Übergriffe und unwidersprochener Antisemitismus
Neonazistische Gruppen flankieren die ungenierte Radikalisierung der Mitte und treten mit neuem Rückenwind gewalttätiger auf als zuvor. Dies belegen die Angriffe auf das alternative Wohnprojekt „Ligsalz8“ sowie auf den Sitz des Kurt-Eisner-Vereins in der Westendstraße 2013. Ende 2014 wurde dann das Büro der Linkspartei in der Schwanthalerstraße Ziel einer Attacke. Ebenfalls mit Unmut registrierten viele, dass sich Teile der 2014 aufgelösten Neonnazi-WG aus Obermenzing in der Westendstraße ansiedeln konnten – namentlich Vanessa Becker und Daniel Thönessen.

Seit Wochen prangt am viel frequentierten Aufzug vor dem Sheraton Hotel am Heimeranplatz ein Davidstern am Galgen. Das Überkleben mit Schlamassel Muc-Aufklebern hatte keine lange Halbwertszeit. Die Aufkleber haben offenbar gestört, die antisemitische Zeichnung ist hingegen bis heute zu sehen. Dafür müssen nicht Neonazis verantwortlich sein, viele Spektren kämen infrage. Das macht das Lagebild des Viertels nicht besser, sondern schlechter.

Davidstern am Galgen am U-Bahn-Lift Heimeranplatz: Kritik am Antisemitismus stört

Der Bezirksausschuss und sein Antira-Flop
Die zuständige politische Instanz für Viertelgestaltung wäre eigentlich der Bezirksausschuss. Doch versammelt sich in diesem niedrigsten aller politischen Gremien bekanntlich nicht die Intelligenzija. Beispielhaft für die fehlenden Analysefähigkeit des Bezirksausschusses ist ein einstimmiges Schreiben, das seit einigen Monaten im Glaskasten vor dem „Bürgerheim“ aushängt. Es ist wohl als ein Willkommensgruß in Richtung 75 minderjähriger Asylsuchender gedacht, die im Parkhotel gelagert werden. Viele Menschen hätten „aus unterschiedlichesten Gründen Angst und Vorbehalte vor fremden Menschen und Kulturen. Das ist menschlich und verständlich“, heißt es Aushang einleitend in abholender Manier.

Abgesehen davon, dass das Problem in der Regel nicht „Vorbehalte vor fremden Menschen und Kulturen“ sondern Rassismus heißt (der nicht verständlich und keinesfalls menschlich ist): Was soll an den Geflüchteten im Parkhotel „fremd“ sein? Im Westend gehören People of Color seit Jahrzehnten zum Straßenbild, wachsen zusammen mit Weißen schon im Kindergarten auf. Viel besser geht es im Text nicht weiter: Die Menschen kämen vor allem „aus den Ländern Schwarzafrikas“. Der kolonialistische Begriff „Schwarzafrika“ wird von seriösen Organen schon lange nicht mehr verwendet, da er rassistisch ist. Am Bezirksausschuss des Westends scheint das allerdings einhellig vorbeigegangen zu sein. Das gut gemeinte Schreiben gerät vollends zur Farce.

Verächtlichmachung der Armen, kuschen vor den Eigentümern

Von der Stadt organisierter Farb-Anschlag auf Sozialwohnungen

Deutlich erfolgreicher ist der Bezirksausschuss darin, den Junkies (und Anwohnenden) die öffentlichen Sitzmöglichkeiten abzubauen oder Sichtschutzhecken ausreißen zu lassen. Anstatt die Mittellosen vor Übergriffen der Stadtplaner zu schützen, winkt der Bezirksausschuss jede Gemeinheit durch. Die Verschandelung der Sozialwohnungen Ecke Westend-Bergmann-Tubeckstraße war der größte Farb-Anschlag 2014 gegen jene, die mit ihren kümmerlichen Hartz4-Bezügen auszukommen haben.

Über 60.000 Euro schätzten die Gestalten des Vereins „Positive-Propaganda“ die Kosten für ihr kommunal finanziertes Stadtmarketing. Die Bewohnenden der Sozialwohnungen hätte sich sicherlich darüber gefreut, das Geld selbstverwaltet zu investieren. Jetzt staut sich an der tiefschwarzen Fassade im Sommer die Hitze und drückt zu den Fenstern rein. Wer von drinnen raussieht, darf sich wie ein Idiot gerahmt fühlen. Der Bezirksausschuss hätte besser mehr Energie darauf verwendet, die zahlreichen leerstehenden Wohnungen wieder beziehbar zu machen. Doch hier kuscht man vor den Eigentümern.

Beste Lage – alles im Bild seit Jahren leerstehend

Durchgeknallte Antifeministen vertreiben Arztpraxis
Ein weiterer harter Rückschlag 2014 war auch die Kapitulation der Praxis von Friedrich Stapf. Jeden Tag standen sich die Eiferer des Vereins „Lebenszentrum“ vor seiner Paxis in der Fäustlestraße die Füße platt. Seit den 70er Jahren führt Stapf Abtreibungen durch. Gegen die bayerischen Ministerien konnte sich der frühere FDP-Funktionär noch durchsetzen, die Hartnäckigkeit der Irren und ihre „Gehsteigberatung“ hat ihn nun zum Verlassen des Viertels gezwungen. Weder der Bezirksausschuss noch die Viertelbewohner haben der üblen Gewissensprüfung der „Lebensschützer“ bei ihrer „Gehsteigberatung“ viel entgegengesetzt.

Die Abtreibungsgegner haben sich mit ihrer Embryo-Schau um die Ecke der Stapf-Praxis angesiedelt

Gentrifizierung ist ein aggressiver Prozess, der sich gegen Einwohner mit niedrigem Einkommen richtet. Im Westend sind daher davon mehrheitlich People of Color betroffen. In die selbe Kerbe schlägt eine Kneipe, die Zutritt nur für Deutsche propagiert. Und ein Bezirksausschuss ebenfalls, der Sozialwohnungen beschmieren lässt, den Mittellosen die Parkbänke wegnimmt und Wohnungen leerstehen lässt. Noch nicht einmal einen antirassistischen Text bekommt die politische Instanz hier gebacken, ohne ihren eigenen Rassismus zur Schau zu stellen. Das Viertel geht vor die Hunde.

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