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Vortragsreihe „Reaktionäre Ideologien im fortschrittlichen Gewand“ May 25, 2017 | 10:05 am

Gemeinsam mit dem Referat für Antidiskriminierung und offene Gesellschaft des ASTA der Uni Kassel und dem AK Raccoons und  laden wir alle Interessierten zu unserer Vortragsreihe ein. Und darum soll es gehen:

In dem Aufruf zur Demonstration „MuslimBanAustria – Mein Körper, mein Recht auf Selbstbestimmung“ am 04.02.17 in Wien gegen das geplante Integrationspaket, das ein Verbot der Vollverschleierung und das Kopftuchverbot bei uniformierten Exekutivbeamten, Richtern und Staatsanwälten vorsieht, heißt es: „Viel mehr als nur ein ‚Kopftuchverbot‘! Bei dieser Demonstration geht es nicht nur um das Kopftuchverbot, sondern um Menschen- und Minderheitenrechte, um Antidiskriminierung, um Gleichberechtigung und vor allem um das Selbstbestimmungsrecht der Frau. Es handelt sich hierbei de facto um Berufsverbote ausschließlich für Frauen, die einer religiösen Minderheit angehören. Wieder einmal wollen Männer über Frauen und ihre Körper bestimmen. Das weisen wir entschieden zurück!“

Doch was ist eigentlich mit Minderheitenrechten, Antidiskriminierung, Gleichberechtigung und Selbstbestimmung in diesem Kontext gemeint? Gemeint ist nicht die individuelle Freiheit, die man mit den drei letztgenannten Begriffen in Verbindung bringen könnte. Stattdessen werden „kulturelle Freiheit“, die „Freiheit“ kollektiver Ordnung, Regelungen und Gewohnheiten verlangt. Nicht universelle Menschenrechte, sondern islamische Kulturrechte werden gegen das Kopftuchverbot gefordert. Dabei wäre ein Kopftuchverbot eben nicht ein „Berufsverbot ausschließlich für Frauen, die einer religiösen Minderheit angehören“, sondern ein reines Verbot des Tragens eines unterdrückenden religiösen Symbols, das nicht, wie oftmals gerne verklärt wird, ein einfaches, frei gewähltes Accessoire darstellt. „Nicht immer verbirgt sich ein drohender Vater, Bruder oder Ehemann hinter der Entscheidung für die Verhüllung. Aber immer ein strafender, patriarchaler Gott.“ (Ahmad Mansour) Die Frau wird, indem sie sich durch Verhüllung vor dem Begehren der Männer und die Männer vor der „Sünde der Versuchung“ schützen soll, auf ein Sexualobjekt reduziert und gleichzeitig desexualisiert.

Das wirklich diskriminierende, eine Gleichberechtigung ausschließende und die Selbstbestimmung der Frau verwehrende in diesem Kontext ist also das Kopftuch selbst. Doch anstatt die Worte „Mein Körper, mein Recht auf Selbstbestimmung“, „Wieder einmal wollen Männer über Frauen und ihre Körper bestimmen“ sowie Plakate mit der Aufschrift: „Ich will meine Freiheit“ gegen das islamische Patriarchat zu richten, sind die Adressaten leider die, die zumindest eine Ausdrucksform von eben jenem, die Vollverschleierung, aufheben wollen. Die Forderung nach Gleichberechtigung, Selbstbestimmung und Menschenrechten erscheint somit als Farce und das Einzige, das bleibt, ist die Forderung nach islamischen Kulturrechten, womit sie sich, konträr zum universalistischen Anspruch der Moderne, als reaktionäre Ideologie entlarvt.

An dieser Stelle wäre von westlichen Feministinnen, welche in Ländern leben, in denen die erkämpfte Stellung der Frau in der Gesellschaft im Vergleich zu anderen, nicht-westlichen, Ländern deutlich besser ist, zu erwarten, dass sie Frauen, die sich von einem islamischen Patriarchat zu befreien versuchen, unterstützen und fortschrittliche Forderungen und einen Kampf um Unabhängigkeit mit eben jenen Frauen zusammen führen. Dass sie Frauen in ihre Kämpfe einbeziehen und mit ihnen gemeinsam gegen die islamische Ideologie, dem mittlerweile auch Frauen, Juden, Homo- und Transsexuelle in westlichen Großstädten ausgesetzt sind, vorgehen. Doch das ist innerhalb weiter Teile der Linken, in der sich die o.g. Feministen bewegen, leider nicht der Fall. Stattdessen werden Frauen, so wie in Wien geschehen, in ihren Forderungen, in eben jenen unterdrückenden Verhältnissen bleiben zu können, begleitet und gefördert, während emanzipierten Frauen muslimischen Hintergrundes, die sich gegen das islamische Patriarchat stellen, wiederum oftmals vorgeworfen wird, sie würden sich der westlichen Kultur „unterwerfen“.

Wenn in diesen, die linke Szene dominierenden, „antisexistischen“ und „antirassistischen“ Strömungen Toleranz, Freiheit und Rechte gefordert werden, sind damit leider (meistens) nicht universale Menschenrechte gemeint, die für alle Individuen gelten sollten, sondern die bedingungslose Akzeptanz kultureller Praktiken und Lebensweisen, sofern sie nicht westlicher Provenienz sind, obgleich diese konträr zur ihrem eigenen emanzipatorischen Anspruch stehen, individuelle Freiheiten einschränken oder gar Menschen diskriminieren. Universale Rechte werden dabei als eurozentristisch abgetan und an Stelle dessen ein Partikularismus und Multikulturalismus gefordert, die es ermöglichen sollen, kulturelle Rechte und Einschränkungen unter Artenschutz zu stellen. Frauen, denen man andere Kulturen zuschreibt, bleiben somit die Fortschritte, welche in westlichen Gefilden gemacht werden konnten, verwehrt. Während diese „Linken“ versuchen, gegen die Neue Rechte zu kämpfen, fördern sie jedoch gerade
durch diese Zuschreibungen die ethnopluralistischen Vorstellungen eben jener. Denn wie auch beim Ethnopluralismus werden in diesen Kreisen Menschen nicht als Individuen erfasst, sondern Individuen auf naturalisierende und kollektivistische Weise unter Kulturen subsumiert. So wird suggeriert, dass Individuen sich nicht von ihren Kollektiven lösen könnten, und verlangt, dass sie auch in diesen verbleiben. Auf diese Weise werden Individuen entwertet und nur als Teile einer Kultur erfasst, womit das Differenzieren zwischen Kollektiven und Individuen nicht mehr stattfindet, weshalb jede Kritik an ersteren als rassistisch wahrgenommen wird. Eine Behauptung, die nur innerhalb der eigenen kollektivistischen und damit letztlich selbst rassistischen Denkweise aufrecht erhalten werden kann.

Die Erwähnung von Gleichberechtigung, Respekt und Toleranz in diesen antirassistischen und antisexistischen Kreisen der linken Szene findet nur noch in Bezug auf die Erhaltung, dem Individuum übergeordneter, kollektiv-artiger Kulturen statt. Die Zwänge dieser Kulturen werden dabei unsichtbar und die Freiheit und Emanzipation aller Individuen weltweit unmöglich gemacht. Um jedoch gerade dieser antiemanzipatorischen Entwicklung etwas entgegenzusetzen, müssen eben jene Ideologien im fortschrittlichen Gewand dechiffriert werden.

Dies soll Ziel der Veranstaltungsreihe sein. Themen wie Antisemitismus, Multikulturalismus und Kulturrelativismus, Antirassismus, Critical Whiteness, Religionsfreiheit, Alltagsislam und Islamismus, Frauen im und feministische Kritik am Islam und türkischer Nationalismus sollen in ihren aktuellen Zuständen dargestellt, analysiert und diskutiert werden.

Aktuelle Infos zu den Veranstaltungen auf den Facebookseiten der beteiligten Gruppen!

Die Veranstaltungen auf einem Blick

1. Veranstaltung: Patsy l’Amour laLove
11.05.17 | 18:00 Uhr | Universität Kassel, Arnold-Bode-Str. 8, Raum: 0113/0114

„Beissreflexe – Kritik an queerem Aktivismus, autoritären Sehnsüchten und Sprechverboten“ – Vortrag und Buchvorstellung

2. Veranstaltung: Sama Maani
01.06.17 | 18:00 Uhr | Universität Kassel | Arnold-Bode-Str. 2, Raum 0404

„Warum wir über den Islam nicht reden können“ – Vortrag und Diskussion

3. Veranstaltung: Sigrid Herrmann-Marschall
08.06.17 | 18:00 Uhr | Universität Kassel |Holländischer Platz | [RAUM FOLGT]

Lokale islamistische Szene. Ideologie, Strukturen,Verflechtungen

4. Veranstaltung: Nina Scholz
15.06.17 | 18:00 Uhr | Universität Kassel |Holländischer Platz [RAUM FOLGT]
Symbole der Ungleichstellung – Kopftuch und Islamismus

5. Veranstaltung: Sören Pünjer
20.06.17 | 18:00 Uhr | Universität Kassel| Holländischer Platz [RAUM FOLGT]

Fifty shades of black and white – Der politisch korrekte Rassismus der Critical Whiteness

6. Veranstaltung: Naida Pintul und Lena
23.06.17 | 20:00 Uhr | Universität Kassel| Holländischer Platz [RAUM FOLGT]
Zur feministischen Kritik an Queerfeminismus und Islam

7. Veranstaltung: Orhan Sat
27.06.17 | 18:00 Uhr | Universität Kassel | Holländischer Platz [RAUM FOLGT]
Wie heulen Graue Wölfe?

 


Schon wieder: Parolen auf den Plakaten der Partei „Die Linke“ May 22, 2017 | 08:54 pm

Am 24.04.2017 versahen mutmaßlich rechtsextreme Täter Plakate der Partei „Die Linke“ in Kassel mit antisemitischen Parolen. Wir hatten dies dokumentiert. Nun betreiben die Parteigänger dieser Truppe das Geschäft selbst. Das notorische Café Buchoase hat einen Passagier des Frauendecks der Mavi-Mamara geladen.

Doch nicht nur dort hat sich die Dame einen Namen gemacht. Ihre Mitverantwortung für die sogenannte Toilettengate brachte sie auf den vierten Platz der Top Ten Worst Global Antisemitic / Anti-Israel Incidents Liste des Simon Wiesenthal-Centrums. Offiziell schimpft sich diese Frühstücksverleumdnerin „Menschenrechtsbeauftragte der Linken“. Was sich auf den ersten Blick ehrenhaft anhört, ist bekanntlich eine übel beleumundete Auszeichnung. In der UNO befleißigt sich ein Rat derselben damit, das rechtsstaatlich und demokratisch verfasste Israel regelmäßig zu verurteilen (vgl. z.B. Alex Feuerherdt, UN-Menschenrechtsrat. Blanker Antisemitismus im alten Stil). Die Dame vom Frauendeck ist also durchaus eine vom Fach und einen kompetenten Moderator hat diese Veranstaltung auch noch zu bieten.

(jd)


+++ UPDATE II: ERNEUTE DATUMSÄNDERUNG – QUDS-MARSCH AM 23. JUNI +++ May 21, 2017 | 06:17 pm

Organisierende des Al Quds-Tags-Aufmarsches fürchten Gegenproteste. Die Veranstaltenden des antisemitischen Al Quds-Tags-Aufmarsches, rund um den Hauptorganisator Jürgen Grassmann, haben ihre Aufzüge für den 17. und 24. Juni auf dem Berliner Kurfürstendamm abgemeldet und ihren Aufmarsch auf der gleichen Strecke nun für Freitag, den 23. Juni angemeldet. Mit dieser Taktik verfolgen sie das Ziel, dass es keinen [...]

ANTIFASCHISTISCHE HOCHSCHULTAGE 2017 May 19, 2017 | 06:34 pm

Diesen Sommer finden wieder die antifaschistischen Hochschultage statt. Das Programm-Heft gibt es hier als PDF. Weitere Informationen unter: antifa.uni-halle.de sowie facebook.com/agantifaschismus Popanz Neue Rechte – Die Sehnsucht nach dem Führer 1. Juni 2017, 19:00 Uhr Melanchthonianum am Universitätsplatz Seitdem die … Weiterlesen

Broschüre: The aftermath of the allied triumph over Germany May 12, 2017 | 01:50 pm

Gerne weisen wir auf die neu erschienene Broschüre der Kampagne 70 Years – The Allied Triumph Over Germany hin. Bestellungen via 70years.blogsport.eu The aftermath of the allied triumph. Dritte Broschüre der antifaschistischen Kampagne „70 Years – The Allied Triumph Over … Weiterlesen

+++ UPDATE: Quds-Marsch am 24. Juni +++ May 12, 2017 | 01:31 pm

Die Organisierenden des antisemitischen Al Quds-Tags-Aufmarsches haben ihren Aufzug für den 17. und 24. Juni auf dem Berliner Kurfürstendamm angemeldet. Mit der Bewerbung des 17. Juni wollen sie die antifaschistischen Proteste gegen den „Identitären“-Aufmarsch in Mitte spalten (Bericht). Doch über dieses Stöckchen werden wir nicht springen. Wir werden in jedem Fall gegen den Al Quds-Tags-Aufmarsch [...]

bga-kassel 2017-05-10 19:42:46 May 10, 2017 | 07:42 pm

120 Jahre Zionismus  69 Jahre Israel  50 Jahre Befreiung Jerusalems

Am 13. Mai 2017 ab 14.00 Uhr in der Oberen Königstraße Ecke Wilhelmstraße


Patsy l’Amour laLove: Beißreflexe May 6, 2017 | 06:41 pm

Buchpräsentation und Diskussion mit Patsy l’Amour laLove am 11. Mai 2017.
Eine gemeinsame Veranstaltung mit dem AK Raccoons und dem ASTA der Uni Kassel

Es wird das Buch der Autorin „Beissreflexe – Kritik an queerem Aktivismus, autoritären Sehnsüchten und Sprechverboten“ vorgestellt.

Foto: Dragan Simicevic Visual Arts

Queer steht für eine selbstbewusst perverse Entgegnung auf den heterosexuellen Wahnsinn und die Feindseligkeit gegen das Anderssein. Im queeren Aktivismus aber hat eine Verschiebung der Perspektive sattgefunden. Er operiert häufig mit Konzepten wie „Critical Whiteness“, „Homonormativität“ und „kulturelle Aneignung“. Ein Kampfbegriff lautet „Privilegien“ und wittert hinter jedem gesellschaftlichen Fortschritt den Verrat emanzipatorischer Ideale. Oft erweckt dieser Aktivismus den Anschein einer dogmatischen Polit-Sekte. Das Ziel ist nicht selten die Zerstörung des sozialen Lebens der Angegriffenen. In dem Sammelband widmen sich 27 Autor_innen dieser Form von queerem Aktivismus und ihren theoretischen Hintergründen aus einer Perspektive, die an die teilweise vergessene oder abgewehrte selbstbewusste Entgegnung von Queer anschließt.

Der Vortrag findet statt im Rahmen einer Reihe zum Thema: Reaktionäre Ideologien im fortschrittlichen Gewand.

Patsy l’Amour laLove, Geschlechterforscherin und Polit-Tunte aus Berlin,promoviert zur Schwulenbewegung der 1970er Jahre und arbeit als
Kuratorin sowie im Archiv Schwulen Museum* Berlin.

Veranstaltungsort: Uni Kassel, Raumangabe folgt

Beginn 18.00 Uhr

 


Save the Date: 17. Juni 2017 – KEIN AL QUDS-TAG! GEMEINAM GEGEN JEDEN ANTISEMITISMUS! May 6, 2017 | 02:57 pm

Am Samstag, den 17. Juni 2017 wollen im 21. Jahr in Folge hunderte Antisemit*innen am Al Quds-Tag in Berlin für die Eroberung Jerusalems und die Vernichtung Israels aufmarschieren. Al Quds ist der arabische Name Jerusalems und der Al Quds-Tag ein 1979 vom iranischen Regime ins Leben gerufener weltweiter antisemitischer Kampftag. Unter dem Deckmantel der [...]

Naidoo und die Eier in der Hose May 6, 2017 | 12:26 pm

Die Stadthalle Kassel, so heißt es auf der Homepage derselben, sei einzigartig, zukunftsweisend und in der Mitte. Am 14.05.2017 tritt dort Xavier Naidoo mit seinen Söhnen Mannheims auf. Xavier Naidoo hat viele Fans unter anderem auch in der NPD, die meint, Naidoo sei der einzige Promi Deutschlands, der noch Eier in der Hose hat. Heute mokiert sich Maja Yüce in einem launigen Artikel in der HNA darüber, dass die Stadt Mannheim rumeiere und dass sich Künstlerkollegen wie Sarah Connor, Gregor Meyle, Sasha Moses Pelham und BossHoss über Naidoos musikalische Qualitäten überschwänglich lobend äußerten, zu seinen fragwürdigen Texten aber schweigen würden. Zu diesen Leuten gehört auch die Kasseler Sängerin Katja Friedenberg, die es eine Schande fand, dass man 2015 Naidoo aus dem Sängerwettbewerb warf.

Zurück zu den Eiern in der Hose, die hat auch die Stadt Kassel nicht. Die HNA stellt in einem anderen Beitrag zu dem Lied „Marionetten“ der Söhne Mannheims am 05.05.2017 völlig richtig fest: „Wer sind die Marionetten, wer die Steigbügelhalter? Indirekt könnte diese harmlos wirkenden Passage jedoch ein altes antijüdisches Vorurteil enthalten – darauf weist unter anderem die Frankfurter Allgemeine Zeitung hin. Das Bild des jüdischen „Puppenspielers“, der die Fäden im Hintergrund zieht, ist schließlich ein bekanntes Element des Antisemitismus. Die Bundeszentrale für politische Bildung warnt, dass „Verschwörungstheorien, die Juden Macht und Einfluss in der Finanz- oder Medienwelt“ zuschreiben, häufig nur unterschwellig und teilweise auch unbewusst transportiert würden.“

Die Stadt Kassel vermarktet und bewirtschaftet die Stadthalle. Die Initiative zum Bau der Stadthalle Kassel geht auf den jüdischen Textilunternehmer und Gründer des Vorderen Westens Sigmund Aschrott zurück. Er stellte seiner Heimatstadt den Bauplatz kostenlos zur Verfügung, mit der Auflage, dort für die Bürger Kassels ein kulturelles Zentrum zu schaffen. Zur Kultur im Verständnis der Stadt Kassel gehören offensichtlich solche Bänkelsänger und Wahnmichel wie Naidoo, denn die Stadt hat offensichtlich keine Probleme damit, diesem Propagandisten des völkischen Wahns „das passende Ambiente“ zu bieten, denn egal ob „groß, glamourös und repräsentativ oder klein, gemütlich und geradlinig – wir kreieren die passende Atmosphäre für Ihren Anlass!“ und sei es der, dem Volk die Augen zu öffnen, dem wütenden Bauer die Forke in die Hand zu drücken und die Strippenzieher in Fetzen zu zerreißen.

(jd)


Rinks und Lechts – Antisemitismus eint May 1, 2017 | 07:38 pm

 

Was REVOLUTION und Antisemiten in der AfD eint: Der Haß auf Israel

REVOLUTION und AfD, sie mögen sich spinne feind sein. Die Einen rufen im Bündnis gegen Rechts Kassel oder wie jüngst in loseren Zusammenhängen dazu auf, die Anderen an ihren Treffen zu verhindern und fühlen sich dabei wie die Interbrigadisten damals in Spanien, diese Anderen würden jene am liebsten im Gefängnis und im Steinbruch sehen. Eines eint sie jedoch: Der Haß auf Israel. Während die REVO, die nach eigenen Angaben gegen jeden Nationalismus vorgeben zu kämpfen, anläßlich des 1. Mai in Berlin zusammen mit der BDS, diversen Pro-Palästina-Gruppen u.a. die Palästinafahne hissen und zur Befreiung ganz Palästinas aufrufen, ist es bei der AfD komplizierter. Der nordhessische AfD-Aktivist, Putinfan und Judenhasser Gottfried Klasen und ein Wolfgang Gedeon mögen in ihrer Partei eher isoliert sein, waren aber beide als Deligierte auf dem Parteitag 2017 in Köln gewesen.

Wie auf dem Bild dokumentiert, hat Klasen jüngst einen Beitrag gepostet, auf dem der insbesondere in rechtsextremistischen und Querfront-Kreisen gern genutzte Begriff JSIL genutzt wird und Israel vorgeworfen wird, Verbündeter des IS zu sein. Ein Follower Klasens pflichtet diesem bei und bringt unwidersprochen den „Ewigen Juden ins Spiel“. Im Gegensatz zu den Revos gibt es aber in der AFD und ihrem Umfeld Widerspruch zu diesen Positionen – das macht Leute wie Klasen nicht besser und ihren Anhang nicht ungefährlich, vor allem deswegen, weil der Widerspruch halbherzig bleibt. Doch selbst der halbherzig vorgebrachte Widerspruch unterscheidet die AfD von der REVO.

Widerspruch bei der REVO ist maximal ein unbegriffener Begriff, der irgendetwas mit Kapitalismus und Dialektik zu tun hat, in den eigenen Reihen jedoch mit Verrat gleichgesetzt wird. Dass solche Kanaillien wie die REVO im übrigen bei jenen geduldet werden, die jüngst den Protest gegen die AfD organisierten, macht das Anliegen letzterer nicht gerade glaubwürdig.

(jd)


Veranstaltungshinweise: Freundliche Grüße und Shalom! May 1, 2017 | 03:54 pm

Seit dem Jahr 1978 pflegt der DGB Bayern einen gegenseitigen Austausch mit der israelischen Gewerkschaft Histadrut Bezirk Negev. Am 4. Mai eröffnet im Münchner Gewerkschaftshaus eine Ausstellung des Archives der Münchner Arbeiterbewegung, die diese jahrzehntelange Beziehung beleuchtet.

„Wer der Wüste Leben einhaucht, rettet leben – Kultiviert die Wüste Negev, um Quellen zu finden – 35 Jahre Histadrut“

Die im Archiv der Münchner Arbeitbewegung vorhanden Nachlässe und Sammlungen dokumentieren dieses kaum bekannte Kapitel der israelisch-bayerischen Gewerkschaftsgeschichte. Fotoalben, Schriftwechsel und viele weitere Dokumente beleuchten einzelne Stationen dieser Begegnungen und des gegenseitigen Kennenlernens: Studienreisen Ende der 60er Jahre, wechselseite Delegationsbesuche in den 70ern und die Intensivierung des Austausches seit den 90er-Jahren.

Die Ausstellung ist ab dem 4. Mai im Gewerkschaftshaus bis zum 2. Juni zu sehen. Am Donnerstag, dem 4. Mai, werden ab 17 Uhr Simone Burger (Vorsitzende DGB München), Matthias Jena (Vorsitzender DGB Bayern) Hans-Georg Küppers (Kulturreferent München) und Micky Drill (FES Tel Aviv) die Ausstellung eröffnen.

Weiterführendes:
In der aktuellen Ausgabe der „Konkret“ sind zwei interessante Artikel zum Thema im weiteren Sinne:

Kollegenschweine
International agitieren Gewerkschaften gegen Israel. Von Martin Hauptmann

„Gezielte Täuschung“
Interview mit Avital Shapira-Shabirow vom Dachverband der israelischen Gewerkschaften (Histadrut)

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Ein Abend in einer Oase der Israelkritik April 30, 2017 | 06:27 pm

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Am Donnerstag, den 20.04.2017 hatte die Deutsch-Palästinensische Gesellschaft/RG Kassel einen Vortrag mit Martin Breidert zum Thema BDS im Café Buch Oase in Kassel organisiert.  Martin Breidert war Dozent für Sozialethik an der Kirchlichen Hochschule in Wuppertal, ist Theologe sowie Vizepräsident der DPG und Vorstandsmitglied des „Bündnis zur Beendigung der israelischen Besatzung“. Darüber hinaus arbeitet er in der lokalen BDS Gruppe in Bonn.

Der Vortrag sollte nicht nur dazu dienen über die BDS-Kampagne zu informieren, sondern diese auch vom Vorwurf des Antisemitismus freizusprechen. Auch er selbst spricht sich dabei frei von jedem Verdacht des Antisemitismus. Davon bezeugen laut Breidert nicht nur seine vielen jüdischen Freunde, sondern auch die Tatsache, dass er einfach nur für die Menschenrechte der Palästinenser einstehe. Breidert selbst spricht im weiteren Verlauf vom Leid der palästinensischen Bevölkerung, welches nicht etwa durch den islamischen Terror der Hamas verursacht wird, sondern durch 50 Jahre der israelischen Besatzung. Er selbst kenne dieses Leid – seine dänischen Schwiegereltern mussten fünf Jahre unter deutscher Besatzung leiden.

Breidert fordert einen vollständigen Boykott Israels, sieht Apartheid am Werk, welche schwieriger zu lösen wäre als die südafrikanische und verlangt das Rückkehrrecht aller palästinensischen Flüchtlinge.  BDS ziele auf eine Lösung des Konflikts durch eben einen solchen Boykott und des Weiteren durch Desinvestment und Sanktionen. Den Boykott rechtfertigt er mit den Worten: „Die Nazis wollten mit ihrem Boykottaufruf den Juden die ökonomische Existenz nehmen, ehe sie ihnen später die physische Existenz raubten. Dagegen zielt BDS darauf den Palästinensern zu ihren Menschenrechten zu verhelfen.“

Der Vorwurf des Antisemitismus sei nicht nur deswegen ausgeschlossen, sondern auch weil jüdische Organisationen, die in Breiderts Vorstellung von vorneherein nicht antisemitisch sein können, BDS unterstützen. Zu diesen gehören u.a. Jewish Voice for Peace, Peace Now, Jews for Justice for Palestine und die Jüdische Stimme für gerechten Frieden in Nahost e.V.. Weitere Beispiele für BDS-Unterstützung kommen auch von kirchlichen und religiösen  Vertretern wie Pax Christi oder der United Church of Christ, die die Partnerkirche einiger Kirchen in Deutschland ist, die sich auch durch Sanktionsaufrufe und Forderungen nach Desinvestment hervorheben. In diesem Sinne kann für Breidert keine Kritik an Israel antisemitisch motiviert sein, da es sich immer nur um einen „instrumentalisierten Antisemitismusvorwurf“ einer nicht näher bestimmten „Israellobby“ handele, was er auch durch seine Ablehnung der bekannten 3D-Theorie von Nathan Sharansky deutlich macht, nach welcher jegliche Kritik am Staate Israel antisemitisch motiviert sei (Dämonisierung, Delegitimierung, Anwendung doppelter Standards). Eine genaue Definition sei laut Breidert nicht vorhanden und Doppelstandards wende ausschließlich Israel an.  So macht es für ihn auch Sinn ganz Israel zu sanktionieren, da der eigentliche Boykott von Israel ausgehe, in Form von Einreiseverboten, Isolierung und Abschottung. Die logische Schlussfolgerung ist deshalb für ihn sich mit BDS, selbsterklärend gewaltfrei und demokratisch, ebenfalls durch Sanktionen zur Wehr zu setzen, wozu auch Wareninspektionen von Kaufhäusern gehören, die israelische Produkte vertreiben. Andererseits hat er kein Problem damit, den von der Hamas und anderer islamistischer Organisationen ausgehenden Terror als bloßen Widerstandskampf zwecks mangelnder alternativer Möglichkeiten zu verharmlosen. Nach Breidert bleibt so der einzig demokratische Staat im nahen‑mittleren Osten das Problem und nicht die Lösung. Schuld ist nicht der Terror islamistischer Banden – Schuld ist Israel.

Somit sind diese drei Forderungen nach Boykott, Desinvestment und Sanktionen und somit die Unterstützung von der BDS-Bewegung für ihn der einzige Weg ist „den Palästinensern beizustehen“, auch weil es gerade „liberale Juden“ seien, die darauf hinweisen, dass „nur durch internationalen Druck von unten, durch Boykott und Desinvestment Israel dazu bewegt werden [kann], das Völkerrecht zu respektieren und die Besatzung zu beenden.“ Und wenn liberale Juden das sagen, muss demnach etwas Wahres dran sein.

Dafür gab es im Publikum bis auf eine Ausnahme großen Zuspruch, welcher nur durch die vorgetragene Kritik eines Mannes gestört wurde, welcher darauf hinwies, dass die gezogenen Parallelen zu Nazideutschland und zum Apartheidregime in Südafrika, sowie die einseitige Schuldzuschreibung an Israel, welcher nicht nur für seine eigenen Handlungen, sondern auch für die der anderen Parteien verantwortlich gemacht wird, nur durch das Weglassen historischer und politischer Tatsachen funktionieren kann. Dafür wurde der Mann umgehend von den Breidert-Jüngern lautstark und in aggressiver Weise angegangen. Nachdem er sich entschieden hatte, die Veranstaltung vorzeitig zu verlassen, wurde er von vier bis fünf Anwesenden mit ‚hinausbegleitet‘. Die anfänglich eingeforderte Meinungsfreiheit und der Wunsch nach einer spannenden, aber sachlichen Diskussion verkamen so zur bloßen Farce, da sich gezeigt hat, dass nur in Ruhe ausreden durfte, wer auf der BDS-Linie war. Für den als Störer empfundenen Mann galt diese Meinungsfreiheit konsequenterweise nicht.

Zum Schluss lässt sich festhalten, dass jeglicher Wille zur Reflexion nicht vorhanden war und dass der der Vortrag, der eigentlich über BDS informieren sollte, vielmehr eine einzige Werbeveranstaltung wurde, in der nicht das Für und Wider von BDS diskutiert wurde, sondern die Anwesenden sich gegenseitig in ihrem Glauben bestärkten, dass Israel der Schuldige ist, während es ihnen um die Menschenrechte gehe. Bei solch einem unermüdlichen Einsatz für Menschrechte blieb eine Auseinandersetzung mit Antisemitismus notwendigerweise aus. So fungierte Martin Breidert an diesem Abend als das, was er scheinbar am besten kann; als Pfarrer, der seine Schäfchen heim ins Reich der Israelkritik holt.

(AK/MD)


Feel Good Inc., Einhörneressenzen und die kleinbürgerliche Wurstigkeit April 29, 2017 | 01:46 pm

Der Tag der Erde 2017, dieses Jahr im Stadtteil Wolfsanger, die letzte Bastion gegen den bemühten Trend der Stadt, weltstädtisches Flair und Zivilisation zu simulieren, ist auch dieses Jahr für die Besucher*innen, ein voller Erfolg gewesen. Das Publikum dieser Mischung aus Volksfest, Frühjahrsmesse, Indoktrination und Weltuntergangsprophetie a la Soylent Green besteht aus teils gut, teils nicht so gut situiertem links-grün-bürgerlichen Mittelstand, kleinbürgerlicher und lumpenproletarischer Besserwissern und den von allerlei Wahn geplagten Möchtegernrobinsone und Subsistenzler. Dieses Publikum, das es laut HNA „massenhaft“ in das ländlich-langweilige Stadtviertel am Ende der Linie 6 geschafft hat, wurde der Tag der Erde als ein umweltbewusstes Feel-Good-Event bereitet, bei dem für jeden deutschen Spießer etwas dabei war. Vom Dreadlockstand und Friedensforum, vom Wolfsanger Posaunenchor zu den Bürger- und Bachblütenaktivisten bis hin zur indisch-ayurvedischen Küche war alles vertreten, bei dem das Herz der deutschen Schlafmütze höher schlägt. Selbst für die postmoderne Jugend war ein Marktstand für Einhornessenzen bereitet, nach dem Motto, für jeden leeren Kopf ein passender Inhalt. Also alles war vertreten, was das Bedürfnis nach Weltverbesserung, gutem Gewissen und Sendungsbewusstsein stillt. So wanderten die Massen mit gutem Gefühl und mit Kästen voller Grünzeug (garantiert aus regional-biologischen Anbau) stolz die Wolfsangerstraße entlang, behängt mit Schmuck aus garantiert regionaler Hippieproduktion und die Taschen gefüllt mit Unmengen an Werbeflyern des Ökobusiness.

Der Tag der Erde – Ein Geschenk des Himmels

Dem alljährlichen Jahrmarkt der Fell Good Inc. wurde dieses Mal einer besonderen Aufmerksamkeit zuteil. Die Veranstalter, wie immer voll im Trend des von Lactoseintoleranz und anderen Ernährungsfetischen geplagten Toleranzbürgertums hatten die Idee aus der Veranstaltung zusätzlich ein „Veggieday“ zu machen. Das geht in der Welt-Wurst-Erbe-Region Nordhessen natürlich gar nicht. Eine Volksfront der Ahlewurscht- und Weckewerkfresser und -hersteller ward schnell unter Führung der hiesigen Lokalpresse gebildet und faselte etwas vom Wurstverbot und trug dazu bei, dass anlässlich dieser regionalen Nichtigkeit einen Medienrummel ausgelöst wurde, der es bis in das deutschen Kabarett schaffte.

Die Kapitalismuskritik der besseren Deutschen

Ansonsten waren die Highlights dieses Tages der obligatorische Kampfpanzer aus Pappe, der notorische weltumspannende Krake der Konzerne, der diesmal von den Bürgerblütenaktivisten etwas verschämt angebrachte Hinweis auf die Rothschilds, sowie der lausigste Zauberer, der sich wohl in der nordhessischen Peripherie finden lies.

(bw)


Eindeutige Parolen in Kassel April 25, 2017 | 07:25 am

Ohne Worte

Kassel in der Gottschalkstraße am 25.04.2017. Dass die Partei „Die Linke“ Karl Marx feiert könnte mit Ironie bedacht werden. Kritik zu üben wäre sinnlos, diese auch heute noch gültige, hat Karl Marx schon in der „Kritik des Gothaer Programms“ im Jahre 1875 geübt – sie blieb ohne Folgen. Das soll hier nicht Thema sein – denn hier erleben wir den klassischen Antisemitismus rechtsextremer Provenienz. Auf einem anderen Schild in unmittelbarer Nähe wurde das Plakat mit dem Schriftzug „Le Pen“ versehen. Die Botschaft ist klar: Jüdischer Bolschewismus, der Jude als Zersetzer und Umstürzler usw.. Es handelt sich hierbei nicht um Kritik, das Fadenkreuz ist eindeutig.


Und das im Luther-Jahr: Evangelische Akademie sagt Anti-Israel-Konferenz ab April 24, 2017 | 04:32 pm

Das hätte dem geistigen Führer des Protestantismus sicher nicht geschmecket. Der Direktor der Evangelischen Akademie Tutzing sagte eine groß angelegte Fachtagung zu Lasten des Jüdischen Staates wieder ab. Wie eine 500-jährige antijüdische Tradition weitere Risse bekommt.


Wahlplakat der evangelischen „Deutschen Christen“(Bildquelle)

Die 500-jährige Geschichte der evangelischen Kirche in Deutschland ist auch eine 500-jährige Geschichte des Antisemitismus. Ein herausragender Feind des Judentums war bekanntlich bereits Martin Luther. Der geistige Gründer rief dazu auf, Synagogen niederzubrennen, die Häuser von Jüdinnen und Juden zu zerstören und sie zur körperlichen Arbeit zu zwingen. Über Jahrhunderte hinweg etablierte sich die evangelische Kirche als zuverlässige Partnerin der sogenannten Landschaften, wenn es in Deutschland darum ging, antijudaistische Hetze zu verbreiten.

Die allergrößten Teile der evangelischen Kirche-Funktionäre begrüßten die nationalsozialistische Bewegung – insbesondere die antisemitische Ausrichtung der völkischen Erhebung. Schon vor der Machtübergabe an die NSDAP konnten die nationalsozialistischen „Deutschen Christen“ – die sich auch die „SA Jesu Christi“ nannten – gemeinsam mit ähnlich ausgerichteten Organisationen in evangelischen Landesverbänden Mehrheiten erziehlen.

Ein Münchner Beispiel: Als der jüdische Rechtsanwalt Michael Siegel im März 1933 von der SA mit einem Schild um den Hals durch die Straßen getrieben wurde, weil er sich bei der Polizei beschwert hatte, forderte das „Evangelische Gemeindeblatt“ die Gemeindemitglieder dazu auf, ausländischen Freunden zu schreiben, dass es in Deutschland keine Judenpogrome gebe.

Modernisierte Kontinutitäten

Nach 1945 erstarkte allmählich ergänzend zum alten und modernen ein neuer Antisemitismus. Während Jüdinnen und Juden zuvor als Feinde der guten Religion (Antijudaismus) und später als Feinde des guten Volkes (moderner Antisemitismus) halluziniert wurden, trat neben Religion und Volkseinheit nach 1945 ein weiterer Wert, der gegen Jüdinnen und Juden in Stellung gebracht wurde: die Menschrechte. Es entstand sozusagen ein Antisemitismus mit menschlichem Antlitz; am jüdischen Staat möchten Antisemiten heute beweisen, dass der größte Feind der Menschenrechte ein jüdisches Kollektiv ist, nämlich der Jüdische Staat (antizionistischer Antisemitismus).

Die evangelische Kirche ist auch in dieser neuen Spielart des antizionistischen Antisemitismus vorne mit dabei, weshalb von einer gebrochenen Tradition nicht gesprochen werden kann – allenfalls von einer angepassten. Während sich die katholische Kirche das Sonderdekanat „Pax Christi“ für die Verächtlichmachung des jüdischen Staates leistet, besorgen das in der evangelischen Kirche zahlreiche Verwaltungseinheiten höch(s)t selbst.

In München fühlt sich offenbar die Leiterin der evangelischen Stadtakademie, Jutta Höcht-Stöhr, dazu berufen, der Münchner über Israel und seine Lügen aufzuklären. In den letzten drei Jahren veranstaltete Höcht-Stöhr Dutzend Abende, die Israel in einem ungünstigen bis dämonisierenden Licht erscheinen ließen, mit bezeichnenden Titeln wie „Frieden braucht Menschenrechte“ oder „Teil des Problems, Teil der Lösung“. Dabei arbeitete die engagierte Israelkritikerin Jesu Christi immer wieder mit den in München berüchtigten Bernsteins zusammen. Die „Jüdisch-Palästinensische Dialoggruppe“ um Judith Bernstein und Fuad Hamdan steht aufgrund ihrer Israelboykott-Propaganda unter Beobachtung des Simon-Wiesenthal-Zentrums und schaffte es 2015 sogar mit einer Veranstaltung in desseh alljährlichen Index-Bericht der „Top Ten Anti-Semitic/Anti-Israel Slurs“.

Die Veranstaltung: Nahost-Politik im Spannungsdreieck

Auch bei der nun abgesagten Veranstaltung „Nahost-Politik im Spannungsdreieck: Israelisch-palästinensische Friedensgruppen als Lernorte für deutsche Politik?“ in der Evangelischen Akademie Tutzing zählten neben Höcht-Stöhr und Pax Christi die Bernsteins zum Planungsstab. Geplant war ein dreitägiges Vortrags-Martyrium quer durch die Ideologie der israelischen Friedensbewegung, ergänzt mit einer Minderheit israelfreundlicher Referenten auf den Podien, wie Volker Beck oder Amit Kravitz, akademischer Leiter des israelischen Generalkonsulats. Die Alibi-Referenten hatten allerdings zwischenzeitlich teilweise wieder abgesagt, als ihnen das gesamte Programm bekannt wurde.

Die Veranstaltenden wollten hervorheben, dass jüdische und arabische Menschen in Friedensgruppen friedlich zusammenarbeiten. Dass dieser Gruppenfriede aber billig zu haben ist, wenn die jüdische Seite die Parolen der palästinensischen Autonomiebehörde von der „Apartheid-Mauer“ und „End Occupation“ nachplappert, liegt auf der Hand. Wie das Nachplappern dieser Parolen dann ein „Lernort für deutsche Politik“ sein soll, möchte man sich gar nicht erst vorstellen. Wer Beispiele sucht, wo jüdische und arabische Menschen tatsächlich friedlich zusammenleben – und ihre unterschiedlichen Meinungen wirklich austauschen – kann sich das in Israel im alltäglichen Leben ansehen, in den Nachbarschaftshilfen, Gewerkschaftseinrichtungen, Fanvereinigungen, in zahlreichen Stadträten oder an Schulen.

Akademie-Direktor Udo Hahn sagte diese Veranstaltung nun für Mai mit der Begründung ab, da „es uns nicht gelungen ist, alle für das Thema maßgeblichen Gesprächspartnerinnen und Gesprächspartner in angemessener Zahl zu gewinnen“. Das ist ein mutiger Schritt! Einmal tanzt Hahn damit einer 500-jährigen antijüdischen Tradition aus der Reihe, womit im evangelischen Kirchen-Apparat mit Sicherheit nicht nur Applaus zu ernten ist. Zum anderen sieht sich der Direktor heute einem erwartbaren Shitstorm ausgesetzt, der von Israel aus und von der deutschen antizionistischen Szene befeuert wird.

Ein Wort zu den jüdischen Kronzeugen

Personen wie Judith Bernstein oder auch Abi Melzer vertreten die Ansicht, dass die israelische Politik Antisemitismus befördert. Durch ihre scharfe Verurteilung der israelischen Politik glauben sie, den durch Israel angeblich erzeugten Antisemitismus von Jüdinnen und Juden abwenden zu können. Frei nach dem Motto: Seht her, es gibt doch auch Jüdinnen und Juden, die Israel kritisieren oder gar ablehnen – also nichts gegen Juden im Allgemeinen.
Ein Blick in die lange Geschichte des Antisemitismus zeigt allerdings, dass diese Haltung leider nicht tragfähig ist. So haben die jüdischen Kronzeugen, die im Mittelalter zum Beleg der antijüdischen Ritualmord-Legende hinzugezogen wurden, sicher kein Pogrom verhindert. Auch ein Pfefferkorn diente einem Treitschke später nur als Argumentationshilfe seiner Parole „Die Juden sind unser Unglück“. Und wer sich mit der Geschichte des „Reichbundes jüdischer Frontsoldaten“ befasst, dessen Mitglieder teilweise bis zur Vergasung betonten, Deutschland über alles in der Welt zu lieben, könnte es eigentlich wissen: Gegen Antisemitismus kann man nicht vorgehen, indem man in den Chor der Gegnerschaft jüdischer Interessen einstimmt.

Allerdings sind die paar jüdischen Kronzeugen antizionistischer Interessen keinesfalls das Problem. Das Problem ist die Gesellschaft (und hier die deutsche) mit ihrer langen antisemitischen Tradition. Sie ist es, die sich die jüdischen Kronzeugen einverleibt und von einem Podium aufs nächste hieft, sie gilt es zu kritisieren. Ihr hat sich der Direktor der Evangelischen Akademie Tutzing nun entgegengestellt. Und das ausgerechnet im Luther-Jahr. Der wird sich im Grabe umdrehen.

Weiterführendes:
Ausgewogen oder antisemitisch? Tagung zum Nahost-Konflikt abgesagt“ (SZ)

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Der Sultan von Kassel oder der Running Gag: Kasseler Dialogpartner April 22, 2017 | 01:49 pm

Der Kasseler Noch-OB Bertram Hilgen und der Nochfraktionschef und Landtagsabgeordnete der SPD Uwe Frankenberger haben ein türkisches Fest besucht. Dagegen wäre überhaupt nichts zu sagen. Eingeladen zum Fest haben jedoch die DITIB, die Milli Görüs und die ATIB. Die ATIB „Union der Türkisch-Islamischen Kulturvereine in Europa e.V.“ ist ein Spaltprodukte der Grauen Wölfe (zu deren erklärten Feindbilder Christen, Armenier, Juden und Zionisten gehören). Dieser illustre Kreis hätte eigentlich Grund genug sein dürfen, diese Veranstaltung nicht zu besuchen, sondern dagegen zu protestieren.

Keine Fotomontage, sondern stolz illustrierter Bericht über die Veranstaltung auf Facebook. Verwendet wird rechts allerdings ein Foto von einer Veranstaltung im Jahre 2008 an der Moschee Mattenberg.

Dass die ATIB nicht nur ein Spaltprodukt der grauen Wölfe ist, sondern aus dem Dunstkreis derselben zu stammen scheint, wird schon bei einer oberflächlichen Betrachtung der Fotos rechts deutlich. Dort werden die Fahnen der Grauen Wölfe (mit den drei Halbmonden auf rotem Hintergrund) und der rechtsextremen islamistischen BBP (Partei der großen Einheit) (mit den drei Halbmonden auf grünem Hintergrund) präsentiert.

Fast alle auf einen Streich. Der Kasseler Imam schmückt sein FB-Account mit der türkischen Variante der Harzburger Front. Und die „Türkische Community“ Kassel die Hilgens und Frankenbergers Teilnahme wie oben illustrierten, vereinen Muslimbrüder (Hand mit vier ausgestreckten Fingern) mit den Grauen Wölfen, Hand ganz rechts.

Natürlich warb auch der Kasseler DITIB-Imam Semih Ögrünc auf seiner Facebookseite für diese Veranstaltung. Das ist als würden der Kasseler Dechant Harald Fischer oder der evangelische Bischof Dr. Martin Hein eine Veranstaltung ihrer Kirchen mit der NPD und AfD bewerben.

Ein weiterer unhinterfragter Dialogpartner ist der Vorsitzende des Kasseler Ausländerbeirats Kamil Saygin. Dieser gehört der UETD an. Die UETD ist eine Lobby-Organisation der AKP, die auch in Kassel aggressiv für die Ja-Kampagne geworben hat. Auf den von ihnen gesponserten Busfahrten zu Wahlevents der EVET-Kampagne wurden ebenfalls ostentativ der Gruß der Grauen-Wölfe und der Muslim-Brüder gezeigt. Die Videos wurden von uns dokumentiert.

Kamil Saygin plädierte kürzlich in der HNA dafür, das Ergebnis des Referendums zu akzeptieren, es sei die Entscheidung eines Volkes gewesen. Lediglich der Extra-Tip hatte die Courage, gegen Saygin die Stimme zu erheben. Und im einschlägigen Jargon, heißt es auf der Seite der Türkische Community über den Autor des Extra-Tip: „Der geistige Brandstifter Kassels.“

Ja-Sager – Das Weltbild der UETD auf den Punkt gebracht. (Screenshot vom 22.04. Facebookseite der Kasseler Organisation)

Im übrigen sind die Vertreter der UETD und der islamistischen Hochschulgruppe MHG bei den Kasseler Veranstaltungen zum Terror der NSU und zum Mordopfer Halit Yozgat immer dabei. Das dies so ist, spricht für die politische Indifferenz vieler „Antirassisten“, die sich auch die Reden des Vaters des Opfers lieber nicht so genau übersetzten lassen wollen – nicht aber gegen einen Protest gegen den tiefen Staat.

Zusammen mit den AK Raccoons werden wir uns in Bälde des Themas noch mal eingehender annehmen – verfolgen Sie daher auch die Postings unserer GenossInnen.

(jd)


Der Marsch und ein Mahnmal April 21, 2017 | 07:38 pm

 

In Kassel gibt es ein Mahnmal, das regelmäßig von der Friedensbewegung heimgesucht wird. Das ist kein Zufall, weil dieses Mahnmal in so bestimmt unbestimmter Art und Weise an „die Opfer des Faschismus“ erinnert, dass es geradezu prädestiniert dafür ist, als Wallfahrtsort der Ostermarschierer und anderer Frühstücksverleumder zu dienen.

Im Portal der Stadt werden „unsere“ – wie es geradezu anmaßend heißt – „Interpretationen“ des Mahnmals wie folgt formuliert. Der Zugang zum Mahnmal wird von zwei Figuren flankiert. Die linke Figur symbolisiere die Hoffnung auf eine bessere Zukunft. Wenn man die Inschrift „Den Vernichteten“ liest, kann einem schon übel werden, dass den Interpreten der Begriff „Zukunft“ einfällt. Den Vernichteten wurde die Zukunft genommen und selbst die wenigen, die den Vernichtungsfuror überlebten, sahen alles andere als hoffnungsfroh in die Zukunft. Einen Neuanfang gab es in Deutschland, dank der Gnade der Sieger und der Unterwürfigkeit der Besiegten vor allem für diese.

Die Vernichteten, Hoffnung und Trauer

Die rechte Figur stehe für die Trauer um die Opfer und die Toten. Der Text auf dem Portal betont noch einmal ausdrücklich: „Also für alle Menschen: die Gefallenen im Krieg (Soldaten, Zivilbevölkerung in Deutschland und in den Kampfgebieten), die Zwangsarbeiter, die Widerstandskämpfer und die Verfolgten.“ Dass alle Opfer der NS-Zeit gemeint sind, würde dem Besucher durch die Inschrift „Den Vernichteten“ deutlich gemacht. Im Tode sind demnach alle gleich, diejenigen, die zur Vernichtung schritten und diejenigen, die Vernichtet wurden. Der industrielle Mord in Auschwitz, das massenhafte Abschlachten von wehrlosen Menschen im Osten, der geplante Hungermord in den Ghettos einerseits, der Tod der Volksgenossen in den Bombennächten, im Schützengraben und im Gefangenenlager, alles ist nach dieser Lesart Vernichtung. Es soll hier nicht in Abrede gestellt werden, dass die Trauer eines einzelnen über den gefallenen Bruder, den Vater oder den Sohn, über die bei den Bombardierungen ums Leben gekommenen Angehörigen berechtigt ist. Was denjenigen jedoch gut zu Gesicht stehen würde, die die Chance auf einen Neuanfang hatten, ist über die, die beim Verrichten ihrer Vernichtungsabsicht oder beim Bereiten der dafür notwendigen Voraussetzungen ums Leben kamen, öffentlich zu schweigen.

Dann, so das Portal der Stadt, gibt es eine Mahnung an die Lebenden. „Derartiges Unrecht (Unterdrückung, Morde und Ausbeutung) wie es sich in der NS-Zeit vollzog,“ soll sich nicht wiederholen. Solange man nicht diejenigen benennt, die ausnahmslos ermordet werden sollten und die dazu angewandte Praxis der industriellen Vernichtungslager beim Namen nennt, knüpft dieser Passus problemlos an den Konnex zur x-beliebigen Verwendung des Erinnerns in der Gegenwart an. Unterdrückung und Ausbeutung sind Merkmale kapitalistischer Vergesellschaftung, als Begriffe des auf den Nationalsozialismus bezogenen Gedenkens führen sie dazu, dem Protest gegen alles und jedes eine Absolution zu erteilen und sich auch jenen zuwenden zu können, die heute ganz besonders ausbeuten und unterdrücken, nämlich Israel, hilfsweise die USA oder der Westen. Und damit klar ist, dass man auch nie selbst gemeint ist und stets auf der Seite der Guten steht, wenn man gegen Unterdrückung, Morde und Ausbeutung mahnt und kämpft, wird es unten auf dem Portal dann noch mal betont, das „Vergiss nicht die Toten“ richte sich insbesondere an die „politisch rechts gesinnten Menschen“.

Aber die „Rechten“ sind bekanntlich die Anderen, nur wenige und sie gehören nicht zu den Guten. Das sind die Massen, das Volk, wir – und das waren die, die das nicht gewesen sein können was sie gewesen sind, eine auf den Gemeinnutz setzende Volksgemeinschaft. Also wurden sie mit Schein, Betrug und falschem Glanz verleitet und hinters Licht geführt und es war ihnen erst nach dem Krieg möglich, die Wahrheit zu erkennen. Es erstaunt, dass in einer Stadt, die so viel auf Erinnerung hält, diese heute längst überkommende Geschichtsinterpretation zum Besten gegeben wird.

Die Hypostasierung einer Opfergemeinschaft, auf das unschuldige Volk und die bösen Rechten bieten eben jene Schablone, die es den Friedensmarschierern erlaubt, mit Parolen, die vor 100 Jahren eine eingeschränkte Berechtigung gehabt haben, noch heute hausieren zu gehen, die es ihnen erlaubt sich immer auf der Seite der Guten zu wähnen und tatsächlich mit denen zu paktieren, die den jüdischen Staat vernichtet sehen wollen und die in der Verteidigung einer (durchaus unvollkommenen, widersprüchlichen) Welt, deren Grundlage die Freiheit, das Recht auf Leben und Eigentum ist gegen ihre erklärten Feinde Imperialismus und Kriegstreiberei sehen.

„Vielleicht könnte der Dornenkranz auch ein Zeichen sein, wie der Judenstern.“

Das zentrale Element des deutschen Nationalsozialismus war der Antisemitismus, dadurch unterscheidet sich der deutsche Nationalsozialismus von anderen Formen des Faschismus. Eine zentrale Rolle im Mahnmal nimmt jedoch ein Dornenkranz ein. Laut der Bibel wurde dieser Jesus vor der Kreuzigung ihm von spottenden römischen Soldaten aufgesetzt. Die Dornen stehen in der Bibel für den Fluch der Sünde. Jesus nahm gemäß der christlichen Theologie im Tod am Kreuz die Sünden der Welt auf sich, um diese zu erlösen, die Dornenkrone symbolisiert zusätzlich die Erlösung von dem Fluch der Sünde. Die Stadt meint nun, der Dornenkranz könnte entweder ein Symbol für die Nazis sein, die andere Menschen umbrachten, die anderen Glaubens waren (als wäre der deutsche Vernichtungskrieg ein Glaubenskrieg gewesen) oder anders dachten, oder es könnte auch ein Judenstern sein, denn man habe Jesus bekanntlich umbringen lassen, weil er einen anderen Glauben hatte und weil man Angst hatte, Jesus könnte die Mächtigen aus ihrer Position stürzen. Wer die Mächtigen zu Jesu Lebzeiten waren, ist in der volkstümlichen Rezeption des christlichen Glaubens durchaus nicht eindeutig, wer Jesus umgebracht hat auch nicht. In der Melange aus deplatzierter Symbolik und volkstümliche Interpretationen Jesus Tod eröffnen sich schnell Abgründe des christlichen Antijudaismus.

Die Friedensmarschierer und „Palästinabefreier“ haben in diesem sogenannten Ehrenmal einen Platz gefunden, den sie verdient haben.


Radikale Indifferenz April 20, 2017 | 09:48 pm

Eine Einladung zur Aufmischung der Leipziger Linken Szene. Vortrag mit Justus Wertmüller

Am 10. Mai 2017 um 19 Uhr im Felsenkeller Leipzig (Karl-Heine-Str. 32, 04229 Leipzig)

Derzeit finden selbsterklärte Diskurskorrektoren in Leipzig ein über viele langweilige Stunden geduldig lauschendes Publikum, wenn es darum geht, das alte antisemitische Narrativ vom perspektivlosen, zum Terror verdammten palästinensischen Attentäter aufzuwärmen oder die Kritik am Islam als unweigerlich rassistische Mobilmachung abzustrafen. Die entsprechende gleichgültige Ahnungslosigkeit der Leipziger Nachwuchslinken präsentierte exemplarisch ein Podium, zu dem der Antifaschistische Frauenblock Leipzig den faden Rest der organisierten Antifa unter dem markigen Titel „Wo wir stehen, wo wir kämpfen“ einlud: Man steht weiterhin links und bestärkt sich im Kampf gegen einen fälschlich als Rassismus subsumierten Antisemitismus, um nebenbei das einst gut begründete Verbot jeder Israelkritik langsam wieder aufzuweichen.
Die Sprachlosigkeit, mit der dieser Regression begegnet wird, scheint symptomatisch für einen political turn zu sein, der bisher kaum Wellen schlägt und einer Linken das Feld überlässt, die so gerne vergisst, dass die Zeiten Trumps zugleich die Zeiten Khameneis und diverser islamistischer Cliquen und Massenbewegungen sind; einer Linken, die sich lieber an der vermeintlichen Faschisierung der Vereinigten Staaten von Amerika abarbeitet und zum Frauenkampftag für ihre nicht anwesenden islamischen Geschlechtsgenossinnen gegen Rassismus, Faschismus und Trump im Zeichen von Empowerment auch unter dem Hijab marschiert wie weiland das linke New York unter Führung einer islamistischen Scharia-Apologetin und weiterer Antizionistinnen.

Justus Wertmüller wird über diese sogenannten radikalen Linken sprechen, die sich nun interessiert oder ratlos jedes Gewäsch anhören, das mutig eine Lanze für den palästinensischen Volkssturm, gegen die Vereinigten Staaten oder eine unvoreingenommene Auseinandersetzung mit der friedlichsten Religion der Welt bricht. Was sind das für Leute, die sich in den Altbauquartieren großer Städte kreativ einnisten und zwischen Uniseminaren links, diskursoffen und undogmatisch Strategien zur Verhöhnung muslimischer Frauen erarbeiten? Und was haben die im Café auf ihren Apple-Maschinen herumhackenden Gestalten einer sich selbst ständig neu erfindenden Projektszene mit einer grenzenlosen Ökonomie angeblich jenseits der Arbeit zu tun, in der auch linke Jungakademiker die neueste Start-Up-Technik zur noch effektiveren Ausbeutung der Armen und Abgehängten entwickeln, und die abends im jeweiligen Conne Island ihren Beitrag zur widerspruchslosen Hinnahme der nächsten Zumutungen von Team Merkel leisten?

Justus Wertmüller ist Redakteur der Zeitschrift Bahamas und lebt in Berlin.

Vortrag „ Frauen* im antifaschistischen Widerstand in Neukölln 1933-1945“ und Feier zum Jahrestag der Befreiung 2017 April 19, 2017 | 07:49 pm

28.04. | 19.30 Uhr | B-Lage Neukölln, Mareschstraße 1 (Nähe S-Bhf. Sonnenallee)

Am 24. April 1945 überschritten die ersten Einheiten der Roten Armee die Südgrenze Neuköllns. In den folgenden Tagen gelang es den sowjetischen Truppen gegen den erbitterten deutschen Widerstand vorzurücken. Die letzte Gegenwehr von deutschen Verbänden in Neukölln konnte am 28. April 1945 gebrochen werden. Die Rote Armee hatte Neukölln befreit. Der Sieg der Alliierten bedeutete das Ende der nationalsozialistischen Herrschaft in Neukölln und die Befreiung für Zwangsarbeiter_innen und Jüdinnen_Juden. Viele der Zwangsarbeiter_innen sowie die absolute Mehrzahl der Neuköllner Jüdinnen_Juden erlebten die Befreiung jedoch nicht mehr. Nur wenigen war es vorher gelungen, unterzutauchen und zu überleben. Schließlich bedeutete der Sieg der Roten Armee auch die Befreiung für die Widerstandskämpfer_innen der verschiedenen sozialdemokratischen, kommunistischen und liberalen Gruppen. 

Die Veranstaltung zum 72. Jahrestag der Befreiung Neuköllns wollen wir den Frauen* im antifaschistischen Widerstand in Neukölln 1933-1945 widmen. Obwohl die meisten Neuköllner_innen ebenfalls Teil der NS-Gesellschaft waren, gab es in dem Bezirk einen besonders lebendigen antifaschistischen Widerstand, der maßgeblich von Frauen* bestimmt wurde. Wehrkraftzersetzung, Arbeitsvertragsbruch, Hilfe für Verfolgte sind nur einige Beispiele, über die in dem Vortrag berichtet werden soll. Weiterhin wird es um die lokalen Besonderheiten, ihre Motive, Netzwerke und die Verfolgung gehen. Aus heutiger Sicht ist es dabei besonders interessant, der Frage nachzugehen, was Menschen bewegt, sich nicht anzupassen, sondern sich widerständig zu verhalten. Antworten darauf werden am Beispiel von vergessenen und unbekannten Widerstandsgeschichten gesucht. Gefragt wird nach Formen und Erfolgen des Widerstandes und Unterschieden zu männlichen* Widerstandsakten.

Als Referentin freuen wir uns dabei auf die Historikerin Claudia von Gélieu, aktiv bei den Frauentouren und in der Galerie Olga Benario. Im Februar dieses Jahres wurde ihr Auto in der Reihe rechter Angriffe in Neukölln von Neonazis angezündet.

Im Anschluss an den Vortrag gibt es Tanz, Trunk und Feierei mit Musik von bonny techno (katzenjammer kids).

Den 28. April nehmen wir zum Anlass, um an die Befreiung Neuköllns durch die Rote Armee zu erinnern und dabei nicht zu vergessen, dass Antisemitismus, Rassismus und Neonazismus Teil des bundesdeutschen Alltags sind.

Unser Dank gilt den alliierten Armeen, den Partisan_innen und allen anderen Menschen, die unter Einsatz ihres Lebens für die Zerschlagung Deutschlands kämpften. Der Sieg über die Deutschen bedeutete nicht weniger als die Befreiung der Menschen vom Nationalsozialismus.

Unser Dank heißt Krieg den deutschen Zuständen! 

28.04. | 19.30 Uhr | Vortrag „ Frauen* im antifaschistischen Widerstand in Neukölln 1933-1945“ und Feier zum Jahrestag der Befreiung | B-Lage Neukölln, Mareschstraße 1 (Nähe S-Bhf. Sonnenallee)