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der vollentwickelte Antisemit April 13, 2015 | 03:46 pm

Robert Musil:

Der vollentwickelte Antisemit ist eine vollkommen paranoide Geistesverfassung. Sieht in allem Bestätigung; ist nicht zu widerlegen… Man darf es nicht dahin kommen lassen! Die Wurzel des Antis[emiten] sind: Unkenntnis des Begriffs der Objektivität. Glaube, dass alles Höhere falsch oder verdorben sei (Respektlosigkeit des Unwissenden). Nichtbesitz der Kulturhemmung…

aus: Allerhand Fragliches. 1978. S. 69


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the best things in life… March 31, 2015 | 01:53 pm

IMG_1380_b(“The Best Things In Life Aren’t Things”, seen in south-portugal)


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sie rennt, die Stunde March 17, 2015 | 07:54 pm

“Die Menschen sind arme Wesen”, sagte er.
Luce nach einem Augenblick:
“Wir, wie ruhig wir sind! – Die anderen, die haben Fieber. Der Krieg. Die Fabriken. Man hastet. Arbeiten, leben, genießen…”
“Ja”, sagte Pierre. “Die Stunde ist kurz.”
“Ein Grund mehr nicht zu rennen!” sagte Luce. “Man ist bald am Ende. Wandern wir in kleinen Schritten.”
“Aber sie rennt, die Stunde”, sagte Pierre. “Halten wir sie gut fest.”
“Ich halte sie fest, ich halte sie fest”, sagte Luce, ihm die Hand haltend.

Romain Rolland: Pierre und Luce. 2. Auflage 1961. S. 95


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hoerenswert 10 March 9, 2015 | 05:39 pm

Teil 9 hier zu finden

  • SWR2: Anarchisten am Rio de la Plata (27 Min.) (download) (via)
  • WDR-Zeitzeichen: Sozialistengesetz 1878 (14 Min.) – oder: Die fernen Ursprünge der SPD (download) (via)
  • NDR: Hannah Arendts Töchter (20 Min.) (download)
  • SWR2-Aula: Wie der Kapitalismus uns zu Selbstausbeutern macht – Han Byung-Chul (28 Min.) (download)

Es folgt der obligatorische Hinweis, dass einiges sowohl in seiner inhaltlichen Ausrichtung als auch der Form nach durchaus Kritik würdig ist.


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Zwei Berichte von der Akademie January 23, 2015 | 11:55 am

Hier seien noch einmal zwei Beiträge hervorgehoben, die im letzten Jahr leider etwas in der Seitenspalte untergegangen sind. Beide Beiträge haben sich mit dem Ungeist der Universität auseinandergesetzt.

1. Philosophieren im Stande allgemeiner Unmündigkeit und Bedingungen philosophischen Denkens anlässlich eines Ausflugs in den geisteswissenschaftlichen, akademischen Betrieb

Bettina Fellmann (AK Zweifel und Diskurs) hat am 29.06.2014 im Laidak einen philosophisch-essayistischen Bericht über einen Ausflug an die Akademie vorgetragen. Anhand einiger Erlebnisse in den Fachbereichen der ersten Philosophie-Semester, „Philosophisches Argumentieren“, „Theoretische Philosophie“ und „Praktische Philosophie“ sowie in der Kunstgeschichte, arbeitet sie die Überflüssigkeit, Überlebtheit und zugleich die Funktion der gegenwärtigen akademischen Philosophie heraus, der ein Bezug zur materiellen Wirklichkeit immer mehr abhanden kommt. Davon ausgehend macht sie einige Anmerkungen darüber, was es überhaupt bedeutet, im Angesicht der nicht endenden Katastrophe zu denken. Auf magazinredaktion.tk war der Vortrag folgendermaßen angekündigt:

Was es bedeutet, wenn Geistesmenschen sich zusammenfinden, um von Geistigem zu sprechen, warum nichts Wahres dran sein darf und wie die Wirklichkeit dem Denken nur zur Illustration dient, beleuchtet dieser Vortrag.

Im allgemeinen wird an der Akademie bereits der Gedanke vom richtigen Denken formal erstickt; nicht zu schweigen davon, dass der richtige Gedanke oder das Denken vom Wirklichen keine Erwiderung findet, sondern im Gegenteil rigoros ausgeschlossen wird. Unter diesen Bedingungen erscheint nicht nur der Versuch, das Besondere zur Sprache zu bringen, als zweifelhaft, sondern Sprache überhaupt. An dem Umstand, dass er längst gedacht wurde, erweist sich nicht der Gedanke als falsch, sondern die allgemeinen Mechanismen, die sich durch die Epochen hindurch grundlegend ähneln — im Gewand der jeweiligen Zeit, deren Besonderheit es vor den Allgemeinheiten zu erfassen gilt, die ihren Grund bilden.

Ansatzweise wird eingegangen auf die Unfähigkeit, Zusammengehöriges und Grundverschiedenes im richtigen Verhältnis zueinander wahrzunehmen und adäquat zu beurteilen, auf die Virtualisierung menschlicher Verkehrs-​ und Ausdrucksformen und nicht zuletzt auf die verheerende Sehnsucht, sowohl durch das Aufgehen im Denken ans Bestehende anschließen, als auch umgekehrt durch den Anschluss ans Bestehende im Denken aufgehen zu können. [via]

    Download: via AArchiv (mp3; 108.7 MB; 1:35:01 h) | via hightaile

Der zugrundeliegende Text kann auf magazinredaktion.tk nachgelesen werden.

2. Die alternativlose Universität

Auf Radio Corax war im letzten Jahr ein Feature zu hören, das vom Zustand der hiesigen Universitäten berichtete und eine Kritik des Studierens formulierte. Das Feature basiert auf einem Text des Leipziger AK Gesellschaftskritik und macht dem Akademismus die wissenschaftliche Veredelung des gesellschaftlichen Unglücks zum Vorwurf.

    Download: via FRN (mp3; 32 MB; 19:59 min)

Der AK Gesellschaftskritik verweist außerdem auf den Text „Business as usual. Szenen vom Schauplatz der Entsorgung der Wahrheit durch die pluralistische Geisteswissenschaft“ von Carl G. Bronetto, der hier als PDF gelesen werden kann.

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life is… January 21, 2015 | 06:09 pm

vida_festa!A vida e uma festa! (seen in south-Portugal)


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Eine emanzipatorische Kritik der Aufklärung December 4, 2014 | 08:14 pm

Auf Einladung des Ökumenischen Netzes Rhein Mosel Saar hielt Daniel Späth (EXIT!) kürzlich in Koblenz einen Vortrag zur Kritik der Aufklärungsphilosophie am Beispiel Kants. Späth stellt Kant in den Kontext der bürgerlich-kapitalistischen Entwicklung des 18. Jahrhunderts und versucht nachzuweisen, dass Antisemitismus, Antiziganismus und Sexismus dessen Philosophie nicht äußerlich sind. Ausführlicher ist diese Kritik in einer Artikelserie in der EXIT! Nr. 8 bis 10 nachzulesen und bzgl. des Antisemitismus hier nachzuhören.

    Hören:

    Download: Vorrede der Veranstalter (0:11 h, 8 MB), Vortrag (inkl. Zwischendiskussion, 1:37 h, 70 MB) via AArchiv | via archive.org

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Die luftleeren Räume der Philosophie July 11, 2014 | 02:28 pm

Zum Verrat der Zeitschrift Hohe Luft

An philosophischen Instituten deutschsprachiger Universitäten kann es einem dieser Tage passieren, eine von einem „Hohe Luft-Botschafter“ ausgelegte Ausgabe der gleichnamigen „Philosophie-Zeitschrift“ zu finden. Auf der Titelseite heißt es, die Zeitschrift richte sich an „alle, die Lust am Denken haben“.
Im Editorial dann erfährt der neugierige Leser sogleich, wie das Denken aussieht, auf das man in der Redaktion der Hohen Luft (alle Zitate aus Ausgabe 4/2013) so große Lust hat: „In Zeiten des Geschlechterdiskurses möchten wir darauf hinweisen, dass der Autor des Textes (zur Frage „Was ist guter Sex?“) ein heterosexueller Mann ist.“ Man „möchte“ auf etwas unbedingt hinweisen, aber nur, da man sich „in Zeiten des Geschlechterdiskurses“ befindet. Thomas Vašek, Chefredakteur der Zeitschrift und ansonsten bekannt durch Publikationen wie „Denkstücke – Lockerungsübungen für den philosophischen Verstand“ möchte den Leser also gleich wissen lassen, dass es bei dem Denken, auf das man hier Lust haben soll, hauptsächlich darum geht, so zu denken, wie man es „in Zeiten des“ jeweiligen „Diskurses“ zu wollen hat.
Einige „Miniaturen“ später folgt endlich – so denkt man zunächst – der angekündigte Text über „guten Sex“. So viel sich über Sex denken, sagen und schreiben ließe und so wichtig eine Kritik an der leibfeindlichen philosophischen Tradition wäre, so schnell merkt der Leser, dass von all dem hier nichts zu finden sein wird. Man lernt vielmehr, dass „viele Philosophen“, wer auch immer damit gemeint sein soll, „Sex heute – in der Tradition von Michel Foucault – als soziales Konstrukt“ sehen. Veranschaulicht wird diese bahnbrechende Erkenntnis, dann noch durch ein Beispiel so simpel, dass jeder die Flachheit des Gedankens nachzuvollziehen vermag: „Küssen etwa halten viele jüngere Menschen heute gar nicht mehr für Sex.“
Anschließend teilt uns der Chefredakteur, der den Artikel verfasst hat, noch schnell seine Sex-Definition „für den Hausgebrauch“ mit – als benötigte man für den sexuellen „Hausgebrauch“ eine von Thomas Vašek erdachte Definition des Begriffs. Sex sei, so seine Definition, „vielleicht zu bestimmen als intimer zwischenmenschlicher Körperkontakt, der eine lustvolle Komponente hat.“ Man sieht, als Leser der Hohen Luft hat man nach der Lektüre etwas in der Hand, das man mit nach Hause nehmen kann – „für den Hausgebrauch“ eben.
Damit auch wirklich jeder Leser etwas mit nach Hause nimmt, ist vielen Artikeln – diese sind in der Regel selber nicht länger als zwei Seiten – ein farbiges Kästchen zugeordnet. Dort wird entweder „die These“ noch einmal auf den Punkt gebracht, damit sie dann online mit der Redaktion diskutiert werden kann, oder der Leser findet Lektüretipps, Kurzbiographien der wiedergekäuten Philosophen oder Hinweise zu verwendeten Begriffen.
An keiner Stelle scheut die Redaktion Mühen, dafür zu sorgen, dass der Leser nach der Lektüre der Zeitschrift möglichst wenig Anlass zu eigenem Denken findet. Wenn Musils „Mann ohne Eigenschaften“ zitiert wird, um dem Begriff des Möglichen Inhalt zu geben, wird der Roman schleunigst als „Riesenroman“ bezeichnet, um auch ja sicherzustellen, dass sich keiner der Leser noch traut, das Werk selber zu lesen.
Und so muss wohl auch das Motto der Zeitschrift „für alle, die Lust am Denken haben“ verstanden werden. Um nichts anderes muss es der Redaktion gehen, als darum, denen, die vor der Lektüre noch Lust am Denken hatten, diese endgültig auszutreiben und sie mit nichts als heißer Luft abzuspeisen. Nicht nur der Verteilungsort lässt darauf schließen, dass sich die Zeitschrift hauptsächlich an Schüler und Studenten der ersten Semester richtet. Nun könnte dies als Begründung für das gar nicht so hohe Niveau der Texte dienen, wenn man denn annähme, die Redaktion verfolge einen pädagogischen Gedanken. Doch wer möchte allen Ernstes behaupten, junge Menschen bräuchten inhaltsleere Artikel, um mit dem Denken beginnen zu können? Was hier stattfindet ist keine „Heranführung“ an die Philosophie, wie Verteidiger der Zeitschrift vorbringen könnten, sondern Verrat am Interesse der Leser.
Wer sich angesichts der Zumutungen der Realität und der Erfahrungen, die er mit ihr machte, zum Denken gedrängt sieht, wem das Denken als Möglichkeit dient, sich gegen diese Zumutungen zur Wehr zu setzen, mit denen er alltäglich konfrontiert wird, an dem übt die Hohe Luft Verrat, weil sie ihm „Denken“ verspricht und ihn mit Luftlöchern abspeist. Die Funktion der Zeitschrift ist somit keine andere, als die kulturindustrieller Wissenssendungen und –magazine, die den Wunsch der Zuschauer und Leser nach Bildung mit belanglosen Fakten abspeisen, anstatt eine Ahnung dessen zu vermitteln, was Bildung bedeuten würde.

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poem in the wood June 23, 2014 | 01:45 pm

poem_in_the_wood(seen @ a party in wood near Dresden)

eln

melancholie und freude sind wohl schwestern

und aus den bäumen fällt verblühter schnee

mit jedem pulsschlag wird aus heute gestern

auch glück kann weh tun auch der moment tut weh

 


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Andy Warhol May 30, 2014 | 02:01 pm

Auch wenn der Spruch mit verwarteter Alltäglichkeit an aufregender Berechtigung verliert (ähnlich so wie wenn man über mehrere Jahre “fünf vor Zwölf” propagiert), hat er doch auch seine Berechtigung.

andy_warhol-idea_wait_exciting.ikl959“the idea of waiting for something makes it more exciting. Andy Warhol” (shot in Dublin)


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Auf der Suche nach Peter Pan January 18, 2014 | 07:05 pm

Auf der Suche nach Peter Pan – ein Comic von Cosey. Darin auch ein Zitat aus dem Buch von J.M. Barrie:peter_pan_ikl959.com“Fünfzehn Jahre vergingen. Alle Jungen waren zu Männern geworden. Sie konnten nicht mehr fliegen, und sie hatten die Insel vollkommen vergessen.” James M. Barrie (hier mehr zum Comic)


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die Gleichgültigen January 8, 2014 | 11:50 pm

“Schreiben Sie von denen, die daheim geblieben sind, … der arbeitenden Bevölkerung, die nicht mitdemonstriert hat … Schreiben Sie von sich und Ihrer innersten Sehnsucht und Schwäche oder schreiben Sie von den daheim Gebliebenen, Heimgefahrenen, Gleichgültigen – (schaut den Schriftsteller an, weich) aber schreiben Sie nicht von den wenigen, die handeln – (kleine Pause) – das kann ich nicht senden (Pause …)”.

(src; aus: “Furcht und Hoffnung der BRD” von Franz Xaver Kroetz, 1983)


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hoerenswert 9 December 26, 2013 | 11:37 am

Teil 8 hier zu finden

  • BR2: Michel Foucault – Was macht Macht (22 Min.) (download) (via)
  • BR2: Ein Fest gegen die BRD – Münchner Jugendrevolte Freizeit ’81 (53 Min.) (download) (via)
  • SWR2: Veganismus – Was macht Menschen zu Veganern? (44 Min.) (download)
  • SWR2: Allein mit Allen – Das Ich in seinen Netzen (44 Min.) (mit u.a. Konrad Paul Liessmann) (download)
  • HR2: Über das Hören (15 Min.) (download)
  • HR2: Männerquote und Emanzipation (14 Min.) (download)
  • NDR: Ich habs getan – Der lange Abschied vom ungeborenen Kind (25 Min.) (download)
  • HR2: Doppelkopf: Peter Bieri & die Würde (47 Min.) (download)
  • D-Radio-Wissen: Ökonomie – Zehn Mythen der Krise (Referat Heiner Flassbeck) (42 Min.) (download)

Es folgt der obligatorische Hinweis, dass einiges sowohl in seiner inhaltlichen Ausrichtung als auch der Form nach durchaus kritikwürdig ist.


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Michel Foucault – Was macht Macht? September 12, 2013 | 06:48 pm

Michael Reitz hat für RadioWissen ein hörenswertes Feature über Foucault gestaltet.

Der französische Philosoph Michel Foucault ist einer der einflussreichsten kritischen Denker der Moderne. Ihn interessierte, wie Macht entsteht, wozu sie benutzt wird und was sie aus Menschen machen kann.

Download: via BR | via RS.com (0:22 h, 20 MB)

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Gefunden: Denken ohne Geländer August 8, 2013 | 11:32 am

Hat jemand einen Mitschnitt der Langen Nacht über Hannah Arendt?

Download via RS.com

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hoerenswertes 8 August 5, 2013 | 04:14 pm

teil 7 hier zu finden

  • Vortrag von Stephan Grigat – Politische Ökonomie des Antisemitismus download (via)
  • WDR: Heinrich Schöpe sammelte auf dem Weg zur Schule Flugblätter der Alliierten. (download)

Download: wdr5_erlebte_geschichten_20130127_0730.mp3

  • WDR: Atomenergie-Verräter aka Spion und Held Klaus Fuchs (download)

Download: WDR5_Zeitzeichen_20130128_0920.mp3

  • SWR2: Petra Kelly (27 Min.) Die grünste Grüne, oder so. Ihr & Bastians Tod trugen zum Mythos Kelly bei. (download)

Download: petra-kelly.12844s.mp3

  • SWR2: Buchenwälder in Europa (27 Min.) (download)

Download: swr2wissen_20121009_europas_wilde_buchenwaelder.12844s.mp3

Download: hr2_doppelkopf_20130128.mp3

  • NDR: Margarethe von Trotta, Filmemacherin (download)

Download: AU-20130104-1652-0742.mp3

  • SWR2: Christen im Nahen Osten (download)

Download: swr2-forum-20130426-christen-im-nahen-osten.6444m.mp3

  • DLF: 1933 tritt die deutsche Volksgemeinschaft aus dem Bund der Völker aus (download) (via)
  • B5: Gewalt gegen Frauen in Indien (download)

Download: 130407_1435_Die-B5-Reportage_Das-grosse-Schweigen---Gewalt-gegen-Frauen-.mp3

In Folge vielleicht mal wieder öfter Hinweise auf Hoerenswertes (wobei auch hier wieder darauf hin zu weisen ist, dass einige Sachen, wie etwa der Bericht über Frauen in Indien, in ihrer Haltung/Botschaft durchaus kritikwürdig sind)


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Die »klassische deutsche Philosophie« und die kritische Theorie der Gesellschaft July 26, 2013 | 12:44 pm

Aspekte der materialistischen Auseinandersetzung mit Kant und Hegel

Die Systemphilosophie Hegels stellt als Abschluss der durch Kant eingeleiteten transzendental-idealistischen Bewegung zweifellos einen Wendepunkt der europäischen Philosophie dar. Aus dem Zusammenbruch der Hegel-Schule traten Materialisten mit Anspruch hervor, mit der so genannten klassischen deutschen Philosophie die Philosophie überhaupt zu beerben, sie revolutionär zu verwirklichen und in gesellschaftsverändernde Praxis aufzuheben.

Die folgenden Vorträge kreisen unter verschiedenen Gesichtspunkten, allerdings leider strikt androzentrisch, um die Frage, ob Hegel das letzte Wort der Philosophie gesprochen oder aber eher eine problematische Tendenz des Kantischen »Kritizismus« auf die Spitze getrieben hat, welche die materialistische Gesellschaftskritik spätestens im 20. Jahrhundert nötigte, zu Kant zurückzukehren, um über ihn und Hegel gleichermaßen hinauszugelangen.

1. Andreas Arndt, Die Hegel-Kritik des frühen Marx.

Andreas Arndt ist Professor der Philosophie an der theologischen Fakultät der Berliner Humboldtuni und ein Hegelianer vor dem Herrn. Der vorliegende Kurzvortrag stammt von der Konferenz »La réalisation de la philosophie à l’époque du Vormärz« (Paris, Februar 2012, Videodokumentation hier) und behandelt leider (fast) nur den jungen Marx. Arndt konzentriert sich auf Marxens Kritik der Hegelschen Rechtsphilosophie und stellt auch heraus, worin Marx selbst in seinen materialen Arbeiten Hegelianer geblieben ist. Allerdings bricht er an einer Stelle ab, an der eine materialistische Wendung Not täte: Dass Marx kategoriale Bestimmungen der Hegelschen Logik im Kapital bzw. aufs Kapital anwenden kann, ist m. E. dadurch bedingt, dass das Kapital bereits in Hegels Kategorien steckt.

    Hören:

    Download: mp3 via AArchiv (0:31 h, 18 MB) | Video bei Vimeo

2. Alfred Schmidt, Gegenwartsprobleme in der materialistischen Erkenntnistheorie. Besonders hörenswert

Auf Einladung des Verbands Sozialistischer Studenten Österreichs sprach der vor etwa einem Jahr verstorbene Horkheimerschüler, Adornoassistent und spätere Philosophieprofessor Alfred Schmidt 1970 (!) in Wien über materialistische Erkenntnistheorie. Er skizziert in seinem noch heute hörenswerten Vortrag u.a. die Auseinandersetzung Marxens mit der theoretischen Philosophie Hegels. Marx und Engels verwarfen Hegels identitätsphilosophischen Ansatz, hielten aber an seiner Kritik am Kantischen »Ding an sich« fest. Diese »prekäre« Konstellation materialistischer Erkenntnistheorie und die Frage, warum auch der Materialismus nicht (im Gefolge Hegels) völlig ohne erkenntnistheoretische Erwägungen auskommt, beleuchtet Schmidt eingehend.

3. Paul Mentz, Philosophie im Angesicht der Verzweiflung. Adornos negative Philosophie der Moral.

Moralphilosophie scheint für radikale Gesellschaftskritik kein Anliegen ersten Ranges zu sein, möchte sie doch nicht an die Einzelnen appellieren, sie mögen ihr Verhalten ändern, sondern sie anstacheln zum Umsturz jener fetischistisch objektivierten Verhältnisse, in denen sie geknechtete (usw.) Wesen sind. Und doch sah Adorno sich veranlasst, Moralphilosophie nicht allein als Gegenstand, sondern auch als Medium oder Bestandteil seiner kritischen Theorie der Gesellschaft zu behandeln. Paul Mentz (Rote Ruhr Uni) zeichnet in seinem am 3. Juli 2013 bei der ISF in Freiburg gehaltenen Vortrag Adornos Auseinandersetzung mit Kants Individualethik und Hegels Theorie der Sittlichkeit nach.

Ankündigungstext:

Eine Moralphilosophie, die den eigenen Anspruch, moralisch zu sein nicht preisgeben will, muß auf die Verstrickung von herrschender Praxis und herrschender Unfreiheit reflektieren, und dabei festhalten, daß “nur wenn, was ist, sich ändern läßt, ist das, was ist, nicht alles.” Angesichts der fortschreitenden Geschichte der Herrschaft und des Leidens läßt sich kein positiver Standpunkt der Moralphilosophie ausmachen, denn selbst “was der Mensch an sich sein soll”, läßt sich nicht sagen, da er immer nur das ist, “was er war: er wird an den Felsen seiner Vergangenheit geschmiedet.” Wie ein freier Mensch wäre, läßt sich nicht antizipieren, so daß keine moralischen Prinzipien aus der inneren Verfaßtheit des Menschen abgeleitet werden können. Adornos negative Moralphilosophie ist keine ethische Konzeption, sondern Kritik sowohl der Moralphilosophie als auch der Herrschaft und des Leidens, die, gerade weil sie auf die Unfreiheit reflektiert, zugleich auf die Realisierung von Freiheit insistiert, ohne diese positiv zu bestimmen. – Es spricht Paul Mentz (Dortmund), Autor u.a. von „Moralphilosophie im Stande der Unfreiheit – Adornos negative Moralphilosophie“ (Berlin 2012).

4. Literaturempfehlungen

1. Fragen die Erkennbarkeit der Natur betreffend, werden in Karl Heinz Haags Der Fortschritt in der Philosophie diskutiert, wobei Kant als ambivalenter Denker Gegenstand der Kritik wird ebenso wie Einspruchsinstanz gegen Hegel, den Neukantianismus, den Positivismus, ja gar gegen die materialistische Metaphysik Lenins und der marxistischen Orthodoxie. Das etwa 200 Seiten lange Plädoyer für eine negative Metaphysik, welche die Natur nicht in dem aufgehen lässt, was an ihr erkennbar ist, und die nicht von der historisch-gesellschaftlichen Vermitteltheit der Erkenntnis absieht, enthält auch ein Kapitel über Marx, in dem herausgearbeitet wird, dass dieser mit dem Begriff der immanenten Form von Naturdingen an einem Kerngedanken negativer Metaphysik festhält. Meines Erachtens überaus lesenswert, auch wenn die Auseinandersetzung mit der Philosophiegeschichte meist nur immanent-argumentativ ohne Rückbezug der behandelten Theorien auf gesellschaftliche Realität erfolgt.

2. Um Ideologiekritik an Kant und Hegel, die eine feministische Dimension nicht ausspart, bemüht sich Daniel Späth in einer Reihe von Ausgaben der EXIT! Krise und Kritik der Warengesellschaft. Kürzlich erschien der erste Teil zu Hegel.

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“wenn mit der Leere eurer Herzen gerechnet wird” June 24, 2013 | 09:37 pm

Nicht neu (aber trotz dessen nicht weniger aktuell) gingen mir die Worte aus Günter Eichs Hörspiel “Träume” nach dem Hören eine Weile durch den Kopf. Hier im Folgenden ein Auszug, welcher mit den viel zitierten Worten des “Sandes im Getriebe der Welt” endet.

Ich beneide sie alle, die vergessen können,
die sich beruhigt schlafen legen und keine Träume haben.
[...]

Sieh, was es gibt: Gefängnis und Folterung,
Blindheit und Lähmung, Tod in vieler Gestalt,
den körperlosen Schmerz und die Angst, die das Leben meint.
Die Seufzer aus vielen Mündern sammelt die Erde,
und in den Augen der Menschen, die du liebst, wohnt die Bestürzung.
Alles, was geschieht, geht dich an.

[...]
”Ah, du schläfst schon? Wache gut auf, mein Freund!
Schon läuft der Strom in den Umzäunungen, und die Posten sind aufgestellt.”

Nein, schlaft nicht, während die Ordner der Welt geschäftig sind!
Seid mißtrauisch gegen ihre Macht,
die sie vorgeben für euch erwerben zu müssen!
Wacht darüber, daß eure Herzen nicht leer sind,
wenn mit der Leere eurer Herzen gerechnet wird!
Tut das Unnütze, singt die Lieder,
die man aus eurem Mund nicht erwartet!
Seid unbequem, seid Sand, nicht das Öl im Getriebe der Welt!

 (src  ohne [Auslassungen])


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Hakenkreuze auf Sandburgen June 14, 2013 | 01:15 am

Der aufwallende bürgerliche Antisemitismus nach dem Ersten Weltkrieg findet einen Niederschlag auch in den Bade- und Erholungsorten an der deutschen See (später auch in den Bergen, etwa in dem “Deutsch-Österreichischen Alpenverein“). Frank Bajohr schildert in seinem Buch “Unser Hotel ist judenfrei” die Politisierung der Erholungsstätten, welche dabei auch einem ökonomischen Kalkül folgten. Das Buch berichtet über einige interessante Aspekte in der Entwicklung des Antisemitismus der bürgerlichen Schichten seit dem Ende des 19. Jahrhunderts in den deutschen Ostsee- und Nordseebädern, einigen europäischen Kurorten und auch solche Erscheinungen in den USA.  Nichts desto trotz keine vollends zu empfehlende Lektüre – Kritik wäre etwa die Redundanz (er erwähnt immer wieder die Exzessivität des Antisemitismus auf Borkum) und der wenig abwechslungsreiche und damit ermüdende Narrativ. Das Thema bleibt trotz dessen ein anschauliches Beispiel für die damalige Zeit und die schleichende Akzeptanz der kollektivierten Projektionsaversion. Die Maßnahmen zur Zeit der Weimarer Republik zeigen indes, wie weit die praktizierenden Judenfeinde gehen konnten und gingen, als wie normal und politisch etabliert das Phänomen in den besitzenden Schichten dato wahrgenommen wurde und war. Anders formuliert: die Forderung nach judenfreien Zonen (gegen den Besuch von “feindlichen Ausländern und undeutschen Inländern”) stellten nicht erst die Nazis auf, sondern verwirklichten lokale Politiker und Bürgervertreter bereits lange vor der Machtübertragung an die NSDAP.

Der Bäder-Antisemitismus als Ausdruck judenfeindlicher Einstellungen in der deutschen Gesellschaft hatte zwar nie unabhängig vom politischen Antisemitismus existiert, doch gingen nun gesellschaftlicher und politischer Antisemitismus eine engere Verbindung ein. Einzelne Kur- und Badeorte entwickelten sich nach 1918 zu Zentren der antisemitischen Agitation, und der politische Antisemitismus mit seiner charakteristischen Symbolik drückte nun auch dem Badeleben seinen Stempel auf; Antijüdische Kundgebungen und Aufmärsche, gewalttätige Übergriffe auf jüdische Gäste, Hakenkreuze auf Sandburgen, schwarz-weiß-rote Schleifen an der Kleidung der Kurgäste, Werbeanzeigen der Hotel- und Pensionsinhaber, die mit Hakenkreuzen versehen waren, Kurverwaltungen, die ihre Prospekte mit “deutschem Gruß” versandten – dies alles hatte es im Kaiserreich – wenn überhaupt – nur an einzelnen Orten wie Borkum gegeben. Vor 1914 hatten nur wenige Gäste ihre politische Gesinnung mit Flaggen an Strandkörben oder politischen Abzeichen in aller Öffentlichkeit dokumentiert, ja den öffentlichen Raum symbolisch besetzt.

norderney_judenfrei-1933_ikl959.com(SA auf Norderney Oktober 1933)

 In der Weimarer Republik hingegen spiegelte dieses Massenphänomen einen schleichenden Formwandel der bürgerlichen Öffentlichkeit wider. Die individuelle Inszenierung verlor gegenüber Bekundungen politischer Gemeinschaftlichkeit an Bedeutung. “Die Uniformierung und Politisierung des öffentlichen und gesellschaftlichen Lebens” habe – so der “Centralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens” – einen “verhängnisvollen Umfang angenommen”, der in das tägliche Leben des Einzelnen tief einschneide und sich “naturgemäß auch im Bade” auswirke. Überschriften im “Israelitischen Familienblatt” wie “Der antisemitische Bäderfeldzug” oder “Das Hakenkreuz in der Sommerfrische” dokumentieren diesen Formwandel der bürgerlichen Öffentlichkeit im Allgemeinen und des Bäder-Antisemitismus im Besonderen. Ein Stimmungsbericht von der Nordseeinsel Juist vom Sommer 1920 macht die Radikalisierung des Bäder-Antisemitismus und die hohe Bedeutung politischer Symbolik in der Weimarer Zeit besonders deutlich:

 ”Flaggen flattern am Strande, schwarz-weiß-rot und schwarz-weiß und dazwischen zwei Schweizer Fahnen mit dem Wimpel in französischen Farben. Am Tag, da Joachim von Hohenzollern sich erschoß, senkten sich einige auf Halbmast. Burgen stehen da, viele hundert, und auf dem Burggraben wird das Hakenkreuz eingemauert und weht hoch in der Luft auf den Fahnen. Sechs Juden hat ein junger Mann aus Berlin gezählt. Daraufhin entwarf er ein antisemitisches Gedicht und ließ es am schwarzen Brett des Kurhauses anschlagen. Dann berief er eine Versammlung, die Stellung nahm zur Judenfrage auf Juist. Heute abend findet bei Ankunft des Dampfers eine Demonstration am Bahnhof statt. Plakate mit dem Hakenkreuz fordern zur Beteiligung auf. Man wird zuerst das Lied ‘Deutschland, Deutschland über alles’ singen und dann das Judenlied. Man weiß ja, daß man keine Gegenwehr finden kann, und so ist man tapfer.” (Adolf von Hatzfeld von der Nordseeinsel Juist, in: Abendblatt 16.8.1920)

Quelle: Frank Bajohr: “Unser Hotel ist judenfrei”. Bäder-Antisemitismus im 19. und 20. Jahrhundert.Frankfurt/Main 2003. S. 57f


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Vom Lager, dem Ausnahmezustand und der Anstößigkeit des Denkens March 26, 2013 | 05:45 pm

Nachtrag zum Poststrukturalismus:

Der italienische Philosoph Giorgio Agamben gehört seit zehn Jahren zur Avantgarde seines Faches und wird auch in popkulturellen Zusammenhängen immer wieder zitiert und diskutiert. Mit seinen Schriften hat Giorgio Agamben in der Philosophie „die pole position eingenommen, die seit dem Tod Michel Foucaults vakant ist“. So hat es der Literaturwissenschaftler Anselm Havelkamp formuliert. Wie Michel Foucault ist Giorgio Agamben ein lästiger, sperriger und unbequemer Denker. Seine Texte sind so begeisternd wie anstößig, so anregend wie unbehaglich. [via]

Download: via BR2 | via RS.com (0:52 h, 48 MB) | Manuskript

Ebenfalls von Sammy Khamis via Bayern2 über Agamben, etwas älter:

Die Brutalität der Realität

„Die souveräne Macht und das nackte Leben“ ist der Titel eines Buches des Philosophen Giorgio Agamben. Dem italienischen Denker geht es vor allem darum zu zeigen, wie sich unsere zeitgenössische, angeblich aufgeklärte Gesellschaft ihre eigenen totalitären Strukturen geschaffen hat. Solange es Macht gibt, so eine seiner Thesen, wird es Verbrechen wie den Holocaust und Lager wie Guantanamo geben. Sammy Khamis stellt Giorgio Agamben vor. [Weitere Infos]

Download: via BR2 | via RS.com (0:26 h, 24 MB) | Manuskript

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Römische Verhältnisse March 5, 2013 | 12:25 am

Zur Aktualität von Hegels »Philosophie der Geschichte«

Deutschlandfunk stellt ein interessantes Radio-Essay von Peter Bürger zum Hören zur Verfügung, in dem dieser einige Überlegungen über die Aktualität der Hegelschen Geschichtsphilosophie anstellt. Das Essay ist meines Erachtens ambivalent: Einerseits spricht hier deutlich der bürgerliche Intellektuelle, der von der Entwicklung der bürgerlichen Gesellschaft und ihrer Institutionen (der »Souverenität des Volkes« und insbesondere der Kultur) enttäuscht ist, ohne in einer materialistischen Analyse herauszuarbeiten, wie dieser Verfall einer kapitalistischen Krisenlogik immanent sein könnte (und dabei auch ohne Managergehälter oder italienische Wahlen etwas mit Ausbeutung zu tun hat). Er muss daher bei seinem Vergleich dieser Institutionen mit dem Hegelschen Bild der römischen Gesellschaft auf der Ebene oberflächlicher Analogien verbleiben — auf der anderen Seite bemüht sich Bürger jedoch, ein »nach dem Kapitalismus« denkbar zu machen, ohne dabei einerseits in blinden Geschichtsoptimismus oder andererseits in ebenso blinden Fatalismus zu verfallen.

Der Philosoph Georg Friedrich Wilhelm Hegel betrachtete die Geschichte als Prozess eines dialektischen Fortschritts. Von diesem Vertrauen ist heute nicht mehr viel übrig. Die Zukunft erscheint in eher düsteren Farben. Doch auch für die Gegenwart hält Hegels „Philosophie der Geschichte“ Ermutigung bereit.

Der Literaturwissenschaftler Peter Bürger befasst sich in regelmäßigen Abständen mit vielfach als verstaubt geltenden Klassikern der Geistesgeschichte. So untersuchte er etwa die Rolle Friedrich Nietzsches als Reformator oder er versuchte Oswald Spenglers „Untergang des Abendlands“ neu zu bewerten.

Er lehrte an der Universität Bremen Literaturwissenschaften. Sein Hauptwerk über die „Theorie der Avantgarde“ wurde in fast alle Sprachen übersetzt. 2007 erschien beim Suhrkamp Verlag sein Buch „Sartre. Eine Philosophie des Als-ob“. [via]

Lesen und Hören: bei DLF (Essay und Diskurs)

Download: via RS

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Wie man Soldaten macht February 26, 2013 | 04:51 pm

“Aus jemandem einen Soldaten machen, heißt, ihn das Gehorchen in alltäglichen Situationen lehren, die das Gehorchen auch dann noch als etwas Alltägliches erscheinen lassen, wenn die Situation alles andere als alltäglich ist. [...] Da die Einübung des Gehorsams mittels (oftmals sinnlos erscheinender und einander widersprechender) normativer Forderungen erfolgt, die sich auf einen routinisierten Alltag beziehen, außerdem jene Ausbildungssituationen, die sich auf den Kampf beziehen, fiktiv sind, tritt das eigentliche Ziel der militärischen Ausbildung, im Ernstfall mit dem Töten ernst zu machen, auf eigentümliche Weise in den Hintergrund – eine der Vorraussetzungen dafür, dass das Töten als ‘Handwerk’ gelernt werden kann.”

(Hubert Treiber – Wie man Soldaten macht. 1992 S. 397 f)


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Ente Tod und Tulpe February 19, 2013 | 04:10 pm

e-t-und-t1Erst ist dem Tod kalt.e-t-und-t2Dann ist der Ente kalt.e-t-und-t3

Lange schaute er der Ente hinterher.

Als er sie aus den Augen verlor war der Tod fast ein wenig betrübt.

Aber so war das Leben.

(src via d.t., thx!)


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Wo keins ist, ist eins #12 – #15 February 8, 2013 | 02:09 pm

Es ist schon wieder einige Zeit vergangen, seitdem wir die letzten Ausgaben der Hamburger Dialektik-Sendung „Wo keins ist, ist eins“ dokumentiert haben. Bevor wir auch dialektisch ins neue Jahr starten, seien also hier zunächst die letzten Sendungen aus dem Jahr 2012 präsentiert:

Wo keins ist, ist eins #12 (09.09.2012)

Karl Marx: Die Entwicklung vom Junghegelianer zum Kritiker der Politischen Ökonomie. Schellings Vorlesung: Philosophie der Offenbarung 1841/42 hatte ein Publikum, das aus hohen Staatsbeamten, Militärs, Universitätsprofessoren, Hörern wie Bakunin, Kierkegaard, Friedrich Engels, Jakob Burckhardt, Savigni, Steffens, Trendelenburg, Ranke, A. von Humboldt usw. bestand. Nach Hegels Tod war Berlin philosophisch durchaus geistiger Mittelpunkt. Die Diskussion der Kritik idealistischer Dialektik durch Marx ist selber zu historisieren. Es gilt die Phasen der Hegelaneignung und (Selbst-) Kritik des Junghegelianismus, denen auch Theoriephasen Marxens entsprechen herauszuarbeiten. In den Folgesendungen wird dann die Ost-West-Spaltung innerhalb des Marxismus Thema werden, die sich in einer neuen Hegelaneignung durch Lukács und Korsch und eine positivistische Marxaneignung im Osten vollzog.

    Download: via AArchiv (mp3; 60,4 MB; 1:40:40 h)

Wo keins ist, ist eins #13 (14.10.2012)

Die 13. Ausgabe der Dialektik-Sendung hat sich erneut ausführlich mit dem Positivismusstreit auseinandergesetzt. Ein etwas ausführlicherer Ankündigungstext zur Sendung ist in der Oktober-Ausgabe des Transmitter erschienen. (Siehe unten)

    Download: via AArchiv (mp3; 59 MB; 1:38:17 h)

Wo keins ist, ist eins #14 (11.11.2012)

Fortsetzung: Positivismusstreit „Das Ganze ist das Unwahre.“ „Es gibt kein richtiges Leben im Falschen“ Oder: warum ist Kritik möglich? Nachdem in der Oktobersendung die positivistische Stellung des Gedankens zur Wirklichkeit des „Kritischen Rationalismus“ kritisiert wurde, wird die dialektische Auffassung von Kritik zum Thema, wie sie anhand jener berühmten Sätze Adornos sich zeigen läßt. »Die Verdinglichung des Bewußtseins, das zur Dingwelt überläuft, vor ihr kapituliert, ihr sich gleichmacht; die verzweifelte Anpassung dessen, der die Kälte und Übergewalt der Welt anders nicht zu bestehen vermag, als indem er sie womöglich überbietet, gründet in der verdinglichten, der Unmittelbarkeit menschlicher Beziehungen entäußerten, vom abstrakten Prinzip des Tausches beherrschten Welt. Gibt es wirklich kein richtiges Leben im falschen, so kann es eigentlich auch kein richtiges Bewußtsein darin geben. Nur real, nicht durch ihre intellektuelle Berichtigung allein wäre über die falsche Meinung hinauszukommen.« (Theoder W. Adorno: Gesammelte Schriften Bd. 10.2, S. 591)

    Download: via AArchiv (mp3; 59,2 MB; 1:38:35 h)

Wo keins ist, ist eins #15 (09.12.2012)

Idealistische und materialistische Dialektik I – Die erste der Marxschen Feuerbachthesen sah den „Hauptmangel alles bisherigen Materialismus“ darin, daß der „Gegenstand, die Wirklichkeit, Sinnlichkeit nur unter der Form des Objekts oder der Anschauung gefaßt wird, nicht aber als sinnlich menschliche Tätigkeit“. Die tätige Seite sei im Idealismus lediglich abtrakt herausgearbeitet worden. In der Sendung soll anhand der Phänomenologie des Geistes und der Logik des Begriffs, diese tätige Seite herausgearbeitet (materialisiert) werden.

    Download: via AArchiv (mp3; 63,9 MB; 1:46:34 h)

Text zur 13. Sendung:

POSITIVISMUSSTREIT: KRITISCHER RATIONALISMUS vs. DIALEKTIK

Eine Ausarbeitung der Möglichkeiten der Dialektik, die den kritischen Rationalismus übersteigen

Der Positivismus wird durch seinen überdeterminierten Wirklichkeitsbegriff letztlich dazu gezwungen, alle objektiven Wahrheitsansprüche preiszugeben und zu schlussfolgern: Wir können nichts verifizieren, sondern alles könnte künftig auch anders sein, das heißt wir können die Allsätze nur unter dem Falsifikationsvorbehalt behaupten, dass es irgendwann Überprüfungen geben könnte, die sie widerlegen.

Wenn nun aber die Allsätze, die Popper von Basissätzen – also empirischen – unterscheidet, die Notwendigkeit zum Ausdruck bringen sollen und gleichermaßen auf die Wirklichkeit unmittelbar bezogen werden, dann könnte tatsächlich die Wirklichkeit jederzeit eine andere Gesetzmäßigkeit haben. Das stellt Dialektik in Frage: Die differenzierte Dialektik von Notwendigkeit, Möglichkeit und Zufall wie sie bei Hegel vorliegt, geht davon aus, dass das was wirklich ist, immer schon vorher möglich gewesen sein muss.

Was möglich oder unmöglich ist, dies sagen wir mit Notwendigkeit aus. Der Ziegelstein auf dem Dach – ein Beispiel aus einer späteren Sendung – fällt immer gemäß dem Fallgesetz, aber es fallen nicht ständig Ziegelsteine, sondern bei Sturm oder Unwetter. Ein Gesetz, eine Notwendigkeit, drückt eine Möglichkeit aus, nicht die unmittelbare Wirklichkeit. Im Experiment dagegen wird diese Möglichkeit allerdings erzwungen und Bedingungen hergestellt, damit beispielsweise Kugel und Feder gleich schnell fallen, was im Vakuum der Fall ist.

Popper nennt die Bedingung, aus der ein Ereignis folgt, Randbedingung. Wobei: Rahmenbedingungen, die das Verhältnis von Gesetz und Folge zum Gegenstand der Überlegung haben sollten, werden hier erst gar nicht ausreichend wahrgenommen. Das bedeutet also für die Dialektik: Die Wirklichkeit ist auch zufällig, aber die Möglichkeit, die die Wirklichkeit voraussetzt – denn etwas Unmögliches kann nicht Wirklichkeit werden – ist nicht zufällig.

Wenn zum Beispiel Marx von ökonomischem Bewegungsgesetz spricht, dann ist das kein Determinismus in Hinsicht auf die Wirklichkeit – Marx zeigt, wie Krisen möglich sind, unter welchen Bedingungen sie eintreten, aber wann sie eintreten, lässt sich nicht voraussagen, nur erwarten.

Das Fazit dieser knapp komprimierten Überlegungen: Die Gesetze beschreiben also in der Analyse gesellschaftlicher Formen systematische Bedingungen der Möglichkeit von wirklichen Ereignissen, nicht deren unmittelbare Wirklichkeit. Dazu könnte man dann den Satz des Wowereit anführen: Und das ist gut so.

Wäre es so, dass ein Gesetz unmittelbar die Wirklichkeit bestimmt, kein Zufall in ihr wäre, so wäre auch keine eingreifende Praxis möglich, die etwas an der Wirklichkeit änderte. Nun ist es bei Marx so, dass ja die Bedingungen – oder Poppers Randbedingungen – einmal historisch entstanden im Kapitalismus wieder hergestellt werden, darum gibt es immer wieder Krisen. Das ist dann ein organisches System (spätere Systemtheorie spricht von Autopoiesis oder Selbstorganisation und dergleichen) und kein bloß mechanisches/chemisches.

Ein Beitrag der Sendung „Wo keins ist, ist eins“ (via Transmitter 10/12)

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Dresden prepares February 3, 2013 | 09:29 am

Der Mythos um die Bombardierung der Stadt Dresden im Jahr 1945 ist so alt wie teilweise ungeheuerlich. Und das Gedenken daran bis heute umstritten. Die Gedenken müsste es wohl treffender formuliert werden, denn es gibt derer einige:

Aus Anlass der Bombenangriffe auf Dresden vom 13. bis 15. Februar 1945 und mit Blick auf die Geschichte unserer Stadt erinnern wir an die Opfer von Nationalsozialismus und Krieg. (src)

menschenkette_dresden_2013_ikl959(geplante Menschenkette über zwei Elbbrücken zum 13. Februar 2013 in Dresden)

Wir? Wir:

Die Oberbürgermeisterin der Landeshauptstadt Dresden [...] gemeinsam mit den Fraktionen des Stadtrates, Vertreterinnen und Vertretern von Wirtschaft und Wissenschaft, Kultur, Sport,  Gewerkschaften und Kirchen, mit der Jüdischen Gemeinde und anderen zivilgesellschaftlichen Akteuren [und, Anm.] alle Bürgerinnen und Bürger [...]. Menschenkette am 13. Februar 2013 Auftakt 17.00 Uhr am Rathaus (Brunnen hinter dem Rathaus, gegenüber der Kreuzkirche) Zusammenschluss um 18.00 Uhr (src)

Es soll ein Gedenken sein an die “Opfer des NS und des Krieges”. (waren nicht alle Opfer des Nationalsozialismus? – Nein.) Selbst bei den Toten wird kategorisiert – jedoch andere Kategorien als z.B. Jean Amery gefunden hat (s.u.). Die Sinnlosigkeit des Sterbens in diesem Krieg des deutschen Volkstaumels für eben jene idealisierte und ideologisierte völkische Einheit kristallisiert sich bis heute ungerechtfertigter Weise in dem Opfergedenken einiger Dresdner und angereister Revisionisten. Dieses Gedenken, welches zu oft nur im luftleeren Raum stattfindet bzw. die eigentlich von der Volksgemeinschaft  gestärkte ultimative Opferrolle (=deren Tod) der anders Definierten & Gekennzeichneten selbst einzunehmen gedenkt/eingenommen hat/einnimmt. Der als anders wahrgenommenen fremde Teil, ja zum Teil verfremdete Teil der Volksgemeinschaft, wird dem eigenen Leid gleichgesetzt oder schlicht verneint. Jean Amery formulierte treffend:

“Da  und  dort  wird  vielleicht  jemand  einwenden, dass  auch  der  Frontsoldat ständig  [zu ergänzen wäre wohl: und auch die an der Heimatfront irgendwann, es war ein "totaler und radikaler Krieg" - O-Ton-Goebbels - Anm.] vom  Tode umfangen war und dass darum der Tod im Lager nicht eigentlich einen spezifischen Charakter und eine unvergleichliche Problematik hatte. Muss ich erst noch sagen, dass dieser Vergleich untauglich ist? Der Soldat starb den Helden – oder Opfertod: der Häftling den des Schlachtviehs. Der Soldat wurde ins Feuer getrieben, und sein Leben war nicht viel wert, das ist wahr, dennoch war ihm vom Staate nicht das Sterben verordnet, sondern das Überstehen. Des Häftlings letzte Pflicht aber war der Tod.” (src)

Im Verbecherverlag jüngst ein Buch erschienen (fast schon zu spät), welches das Gedenken an die Bombardierung Dresdens ganz abschaffen möchte. Inhaltlich habe ich keinen Einblick genommen, die Textankündigung des Verlags lautet:

Dresden, imaginiert als die schöne, unschuldige Kunst- und Kulturstadt, ist das deutsche Opfernarrativ schlechthin – unnötig bombardiert, kurz vor Ende des Krieges mit »Hunderttausenden Toten«. Die alliierten Luftangriffe vom 13. bis 15. Februar 1945 bilden einen festen Bezugspunkt der Erinnerung und des Gedenkens in Dresden. Durch die Jahrzehnte war die Stadt Kulminationspunkt und Ausdruck jeweils aktueller Geschichtspolitik. Sie präsentiert sich als Symbol für Frieden und Versöhnung und inzwischen
sogar für wahrhaftiges Erinnern gegen geschichtsrevisionistische Nazis. Nicht zuletzt aufgrund des jährlichen Naziaufmarsches werden nun Mythen hinterfragt, Fakten erforscht und die  nationalsozialistische Geschichte Dresdens benannt. Aber reicht das? Muss nicht vielmehr das Gedenken selbst abgeschafft werden? Dieser Band sagt: ja! (src)

Soviel Geschichtsverdruss… Dabei würde vielleicht schon ein anderes Gedenken (inhaltlicher & formaler Art) reichen, oder gibt es etwas gegen denken gehen einzuwenden? Die victimisierte Haltung einiger erinnernder Versammlungen in der Stadt heute hätte vermutlich auch gut zum alljährliches Gedenken an der Ruine (=dem Opfer, dem Niederlagenresultat, der anschaulich gemachten Zerstörung) der Frauenkirche gepasst (dort wurden mit imperialismuskritischen Attitüden giftige Worte und Aussagen gegenüber dem sinnlosen anglo-amerikanischen Bombenterror verlautbart). So sah das alljährliches Gedenken zu DDR-Zeiten am Denkmals-Schuttberg  Frauenkirche während der 1980er aus:

_frauenkirche-dresden-ruine-1980er-ikl959.com

Heute sitzt & schlendert man wieder hindurch, durch die wieder aufgebaute Altstadt am Neumarkt. Man ist wieder drinnen, im warmen und bunten, musikalischeren (& auch wieder verkompletierten Bild) der barocken Stadt. Der Versuch heute etwas aus der Geschichte gelernt zu haben wird am deutlichsten in einer Kampagne, welche  Wörter stark machen will, schlicht: Werte einfordert über deren Inhalt und Definition sich lange diskutieren ließe.

13.februar-dresden_bekennt_farbe_ikl959(“13. Februar 2013 Mit Mut, Respekt und Toleranz – Dresden bekennt Farbe“, gesehn in Dresden)

Diese Kampagne der Stadt Dresden ist ein Signal. & es ist gleichzeitig schon im Vorhinein des 13. Februars ein Moment, der (Volks-?)Gemeinschaft suggeriert die so schon lange nicht mehr existiert. Und wenn: dann nur einmal im Jahr – am 13. Februar. Oder eben auch (in anderer Form) während des Jahre im nationalen scheinbar kollektiven Fußballtaumel. Das Gedenken an die Bombardierung Dresdens wird & sollte m.M.n. nicht in Vergessen geraten. Weshalb? Weil sich vor, aber auch nach der Bombardierung der Stadt die Spuren der massenhaften Menschenvernichtung der als minderwertig, gefährlich, rebellisch, schlicht: aus der Gesellschaft auzuschließender Elemente, finden ließ:

“[...] [Es] war mehr als eine Ironie des Schicksals, dass bei den Leichenverbrennungen nach den Luftangriffen auf Dresden im Februar 1945 Überreste jener Wachmannschaften [unter der Bezeichnung SS Bataillon Streibel, Anm.] tätig waren, die die gleiche ‘Praxis’ in den Vernichtungslagern der ‘Aktion Reinhardt‘ und nach den Massenerschießungen der ‘Aktion Erntefest‘ [...] ausgeübt hatten.”

(Wolfgang Scheffler: Probleme der Holocaustforschung, S. 281; in: Deutsche Polen Juden, Berlin 1987)

Der Tod ist ein Meister aus Deutschland. Der Tod wurde ein Meister wegen Deutschland. Der Tod wird kein Meister gegen Deutschland.

(part I 2013 hier; Dresden 2010; Dresden 2011, Dresden 2012, to be continued…)


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