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GDL-Streik May 4, 2015 | 02:41 pm

Unwillkürlich musste ich in Anbetracht der derzeitigen teilweise hysterisch zu nennenden Berichterstattung über den aktuellen Arbeitsausstand der GDL an den Berliner Verkehrsarbeiterstreik aus dem Jahr 1932 denken – bei dem es unter anderen Zusammenhängen und Umständen sogar zu Toten und Verwundeten kam…Berlin, BVG-Streik, StreikpostenAnders als damals, als der Streik auch politische Auswirkungen hatte, ist die Situation heute. Die Gewerkschaft der Lokführer (GDL) gaben auf ihrer Internetseite bekannt:

Somit bleibt der GDL keine andere Wahl, als nach dem Ultima-Ratio-Prinzip erneut ihre Mitglieder zum Streik aufzurufen:

am Montag, den 4. Mai 2015 um 15 Uhr im DB-Güterverkehr und

am Dienstagmorgen um 2 Uhr im DB-Personenverkehr.

Das Zugpersonal im Güter und Personenverkehr beendet die Streiks am Sonntag, den 10. Mai 2015 um 9 Uhr. (src)

Während hierzulande über den angekündigten Streik bei der Bahn AG auch gern Superlative Verwendung finden (“Rekordstreik” und ähnliches – vermutlich nicht nur weil es keine ausgeprägte Streikkultur und -erfahrung gibt) lassen sich bei den Sichtweisen Verständnis (2014: weltanschauung.blog, zeit.de) bis zu Ablehnung  zu den angekündigten Arbeitsausständen finden. Bei Spiegel-Online findet sich ein Barometer was Meinungsabbildend sein soll:

meinungsbaromter-spiegel-online-gdl-2015(src)

Immer wieder findet sich in den Berichten über den Streik der GDL das Wort “Machtkampf” – mögliches Resultat einer verkürzten Darstellung der Abläufe als Konflikt zwischen einem engstirnigen Gewerkschaftsführer und einem umsatzorientiertem Börsenunternehmen, aber auch adäquater Ausdruck des Konflikts zwischen Arbeitnehmer und Geschäftsführung. Anton Pannekoek (1873-1960) schrieb bereits 1947:

Die wirksamste Form des Kampfes gegen die Kapitalisten ist der Streik. Streiks sind mehr denn je nötig, um gegen die Tendenz der Kapitalisten zu kämpfen, ihre Profite zu erhöhen, indem sie die Löhne herabdrücken, indem sie Dauer und Intensität der Arbeit erhöhen.

Die Gewerkschaften als Instrumente des organisierten Widerstandes haben sich gebildet, indem an die starke Solidarität und die gegenseitige Hilfe appelliert wurde. Die Entwicklung des “big business” ließ die Macht des Kapitals enorm anwachsen, zugleich konnten die Arbeiter die Verschlechterung ihrer Lage nur in einzelnen Fällen herabmindern. Die Gewerkschaften verwandelten sich in Vermittlungsinstanzen zwischen Arbeitern und Kapitalisten. Sie unterzeichneten Verträge mit den Unternehmern und versuchten, diese den oft widerspenstigen Arbeitern aufzudrängen. Die Gewerkschaftsführer hofften, sich dem Machtapparat des Staates und des Kapitals, der die Arbeiterklasse beherrscht, unersetzlich zu machen. Die Gewerkschaften wurden so Instrumente des Monopolkapitals, das sich ihrer bediente, um den Arbeitern ihre Bedingungen zu diktieren.

Unter diesen Verhältnissen nimmt der Kampf der Arbeiterklasse mehr und mehr die Form von wilden Streiks an. Diese sind spontane und massive Explosionen eines lange unterdrückten Widerstandswillens, direkte Aktionen, in denen die Arbeiter ihren eigenen Kampf in ihre Hände nehmen, indem sie Gewerkschaften und Führer zum Teufel jagen. (src)

Streik ist der Moment, in welchem sich der zum Objekt degradierte Arbeitnehmer seiner vertraglich vereinbarten Funktionserfüllung auf bestimmte Zeit verweigert – mit dem Ziel mit Hilfe des Arbeitsausfalls der Unternehmensleitung die Bedeutung seiner sonst verrichteten Tätigkeit zu verdeutlichen und zum Beispiel eine höhere Wertschätzung in der Entlohnung oder Arbeitserleichterungen zu erreichen. In Zeiten steigender Automatisierung, erhöhtem Arbeitsdruck und prekärer Beschäftigungsverhältnisse läuft kollektive Arbeitsniederlegung Gefahr ein Mittel zu werden, welches in seiner Auswirkung schnell zum Teil eines betriebswirtschaftlichen Strategiepapiers zur Schadenbegrenzung wird – eine Betonung solcherlei Faktoren vernachlässigt den ohnehin vernachlässigten humanen Aspekt.

Längst nicht mehr (weil nie gewesen?) Realität: “Alle Räder stehen still wenn ihr mächtiger Arm es will.” Albert Hahn 1903 – Eisenbahnerstreik.

462px-Gansch_het_raderwerk_staat_stil_als_uw_machtige_arm_het_wil“Gansch het raderwerk staat stil als uw machtige arm het wil.” (src)


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der vollentwickelte Antisemit April 13, 2015 | 03:46 pm

Robert Musil:

Der vollentwickelte Antisemit ist eine vollkommen paranoide Geistesverfassung. Sieht in allem Bestätigung; ist nicht zu widerlegen… Man darf es nicht dahin kommen lassen! Die Wurzel des Antis[emiten] sind: Unkenntnis des Begriffs der Objektivität. Glaube, dass alles Höhere falsch oder verdorben sei (Respektlosigkeit des Unwissenden). Nichtbesitz der Kulturhemmung…

aus: Allerhand Fragliches. 1978. S. 69


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the best things in life… March 31, 2015 | 01:53 pm

IMG_1380_b(“The Best Things In Life Aren’t Things”, seen in south-portugal)


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sie rennt, die Stunde March 17, 2015 | 07:54 pm

“Die Menschen sind arme Wesen”, sagte er.
Luce nach einem Augenblick:
“Wir, wie ruhig wir sind! – Die anderen, die haben Fieber. Der Krieg. Die Fabriken. Man hastet. Arbeiten, leben, genießen…”
“Ja”, sagte Pierre. “Die Stunde ist kurz.”
“Ein Grund mehr nicht zu rennen!” sagte Luce. “Man ist bald am Ende. Wandern wir in kleinen Schritten.”
“Aber sie rennt, die Stunde”, sagte Pierre. “Halten wir sie gut fest.”
“Ich halte sie fest, ich halte sie fest”, sagte Luce, ihm die Hand haltend.

Romain Rolland: Pierre und Luce. 2. Auflage 1961. S. 95


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hoerenswert 10 March 9, 2015 | 05:39 pm

Teil 9 hier zu finden

  • SWR2: Anarchisten am Rio de la Plata (27 Min.) (download) (via)
  • WDR-Zeitzeichen: Sozialistengesetz 1878 (14 Min.) – oder: Die fernen Ursprünge der SPD (download) (via)
  • NDR: Hannah Arendts Töchter (20 Min.) (download)
  • SWR2-Aula: Wie der Kapitalismus uns zu Selbstausbeutern macht – Han Byung-Chul (28 Min.) (download)

Es folgt der obligatorische Hinweis, dass einiges sowohl in seiner inhaltlichen Ausrichtung als auch der Form nach durchaus Kritik würdig ist.


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Zwei Berichte von der Akademie January 23, 2015 | 11:55 am

Hier seien noch einmal zwei Beiträge hervorgehoben, die im letzten Jahr leider etwas in der Seitenspalte untergegangen sind. Beide Beiträge haben sich mit dem Ungeist der Universität auseinandergesetzt.

1. Philosophieren im Stande allgemeiner Unmündigkeit und Bedingungen philosophischen Denkens anlässlich eines Ausflugs in den geisteswissenschaftlichen, akademischen Betrieb

Bettina Fellmann (AK Zweifel und Diskurs) hat am 29.06.2014 im Laidak einen philosophisch-essayistischen Bericht über einen Ausflug an die Akademie vorgetragen. Anhand einiger Erlebnisse in den Fachbereichen der ersten Philosophie-Semester, „Philosophisches Argumentieren“, „Theoretische Philosophie“ und „Praktische Philosophie“ sowie in der Kunstgeschichte, arbeitet sie die Überflüssigkeit, Überlebtheit und zugleich die Funktion der gegenwärtigen akademischen Philosophie heraus, der ein Bezug zur materiellen Wirklichkeit immer mehr abhanden kommt. Davon ausgehend macht sie einige Anmerkungen darüber, was es überhaupt bedeutet, im Angesicht der nicht endenden Katastrophe zu denken. Auf magazinredaktion.tk war der Vortrag folgendermaßen angekündigt:

Was es bedeutet, wenn Geistesmenschen sich zusammenfinden, um von Geistigem zu sprechen, warum nichts Wahres dran sein darf und wie die Wirklichkeit dem Denken nur zur Illustration dient, beleuchtet dieser Vortrag.

Im allgemeinen wird an der Akademie bereits der Gedanke vom richtigen Denken formal erstickt; nicht zu schweigen davon, dass der richtige Gedanke oder das Denken vom Wirklichen keine Erwiderung findet, sondern im Gegenteil rigoros ausgeschlossen wird. Unter diesen Bedingungen erscheint nicht nur der Versuch, das Besondere zur Sprache zu bringen, als zweifelhaft, sondern Sprache überhaupt. An dem Umstand, dass er längst gedacht wurde, erweist sich nicht der Gedanke als falsch, sondern die allgemeinen Mechanismen, die sich durch die Epochen hindurch grundlegend ähneln — im Gewand der jeweiligen Zeit, deren Besonderheit es vor den Allgemeinheiten zu erfassen gilt, die ihren Grund bilden.

Ansatzweise wird eingegangen auf die Unfähigkeit, Zusammengehöriges und Grundverschiedenes im richtigen Verhältnis zueinander wahrzunehmen und adäquat zu beurteilen, auf die Virtualisierung menschlicher Verkehrs-​ und Ausdrucksformen und nicht zuletzt auf die verheerende Sehnsucht, sowohl durch das Aufgehen im Denken ans Bestehende anschließen, als auch umgekehrt durch den Anschluss ans Bestehende im Denken aufgehen zu können. [via]

    Download: via AArchiv (mp3; 108.7 MB; 1:35:01 h) | via hightaile

Der zugrundeliegende Text kann auf magazinredaktion.tk nachgelesen werden.

2. Die alternativlose Universität

Auf Radio Corax war im letzten Jahr ein Feature zu hören, das vom Zustand der hiesigen Universitäten berichtete und eine Kritik des Studierens formulierte. Das Feature basiert auf einem Text des Leipziger AK Gesellschaftskritik und macht dem Akademismus die wissenschaftliche Veredelung des gesellschaftlichen Unglücks zum Vorwurf.

    Download: via FRN (mp3; 32 MB; 19:59 min)

Der AK Gesellschaftskritik verweist außerdem auf den Text „Business as usual. Szenen vom Schauplatz der Entsorgung der Wahrheit durch die pluralistische Geisteswissenschaft“ von Carl G. Bronetto, der hier als PDF gelesen werden kann.

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life is… January 21, 2015 | 06:09 pm

vida_festa!A vida e uma festa! (seen in south-Portugal)


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Eine emanzipatorische Kritik der Aufklärung December 4, 2014 | 08:14 pm

Auf Einladung des Ökumenischen Netzes Rhein Mosel Saar hielt Daniel Späth (EXIT!) kürzlich in Koblenz einen Vortrag zur Kritik der Aufklärungsphilosophie am Beispiel Kants. Späth stellt Kant in den Kontext der bürgerlich-kapitalistischen Entwicklung des 18. Jahrhunderts und versucht nachzuweisen, dass Antisemitismus, Antiziganismus und Sexismus dessen Philosophie nicht äußerlich sind. Ausführlicher ist diese Kritik in einer Artikelserie in der EXIT! Nr. 8 bis 10 nachzulesen und bzgl. des Antisemitismus hier nachzuhören.

    Hören:

    Download: Vorrede der Veranstalter (0:11 h, 8 MB), Vortrag (inkl. Zwischendiskussion, 1:37 h, 70 MB) via AArchiv | via archive.org

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Die luftleeren Räume der Philosophie July 11, 2014 | 02:28 pm

Zum Verrat der Zeitschrift Hohe Luft

An philosophischen Instituten deutschsprachiger Universitäten kann es einem dieser Tage passieren, eine von einem „Hohe Luft-Botschafter“ ausgelegte Ausgabe der gleichnamigen „Philosophie-Zeitschrift“ zu finden. Auf der Titelseite heißt es, die Zeitschrift richte sich an „alle, die Lust am Denken haben“.
Im Editorial dann erfährt der neugierige Leser sogleich, wie das Denken aussieht, auf das man in der Redaktion der Hohen Luft (alle Zitate aus Ausgabe 4/2013) so große Lust hat: „In Zeiten des Geschlechterdiskurses möchten wir darauf hinweisen, dass der Autor des Textes (zur Frage „Was ist guter Sex?“) ein heterosexueller Mann ist.“ Man „möchte“ auf etwas unbedingt hinweisen, aber nur, da man sich „in Zeiten des Geschlechterdiskurses“ befindet. Thomas Vašek, Chefredakteur der Zeitschrift und ansonsten bekannt durch Publikationen wie „Denkstücke – Lockerungsübungen für den philosophischen Verstand“ möchte den Leser also gleich wissen lassen, dass es bei dem Denken, auf das man hier Lust haben soll, hauptsächlich darum geht, so zu denken, wie man es „in Zeiten des“ jeweiligen „Diskurses“ zu wollen hat.
Einige „Miniaturen“ später folgt endlich – so denkt man zunächst – der angekündigte Text über „guten Sex“. So viel sich über Sex denken, sagen und schreiben ließe und so wichtig eine Kritik an der leibfeindlichen philosophischen Tradition wäre, so schnell merkt der Leser, dass von all dem hier nichts zu finden sein wird. Man lernt vielmehr, dass „viele Philosophen“, wer auch immer damit gemeint sein soll, „Sex heute – in der Tradition von Michel Foucault – als soziales Konstrukt“ sehen. Veranschaulicht wird diese bahnbrechende Erkenntnis, dann noch durch ein Beispiel so simpel, dass jeder die Flachheit des Gedankens nachzuvollziehen vermag: „Küssen etwa halten viele jüngere Menschen heute gar nicht mehr für Sex.“
Anschließend teilt uns der Chefredakteur, der den Artikel verfasst hat, noch schnell seine Sex-Definition „für den Hausgebrauch“ mit – als benötigte man für den sexuellen „Hausgebrauch“ eine von Thomas Vašek erdachte Definition des Begriffs. Sex sei, so seine Definition, „vielleicht zu bestimmen als intimer zwischenmenschlicher Körperkontakt, der eine lustvolle Komponente hat.“ Man sieht, als Leser der Hohen Luft hat man nach der Lektüre etwas in der Hand, das man mit nach Hause nehmen kann – „für den Hausgebrauch“ eben.
Damit auch wirklich jeder Leser etwas mit nach Hause nimmt, ist vielen Artikeln – diese sind in der Regel selber nicht länger als zwei Seiten – ein farbiges Kästchen zugeordnet. Dort wird entweder „die These“ noch einmal auf den Punkt gebracht, damit sie dann online mit der Redaktion diskutiert werden kann, oder der Leser findet Lektüretipps, Kurzbiographien der wiedergekäuten Philosophen oder Hinweise zu verwendeten Begriffen.
An keiner Stelle scheut die Redaktion Mühen, dafür zu sorgen, dass der Leser nach der Lektüre der Zeitschrift möglichst wenig Anlass zu eigenem Denken findet. Wenn Musils „Mann ohne Eigenschaften“ zitiert wird, um dem Begriff des Möglichen Inhalt zu geben, wird der Roman schleunigst als „Riesenroman“ bezeichnet, um auch ja sicherzustellen, dass sich keiner der Leser noch traut, das Werk selber zu lesen.
Und so muss wohl auch das Motto der Zeitschrift „für alle, die Lust am Denken haben“ verstanden werden. Um nichts anderes muss es der Redaktion gehen, als darum, denen, die vor der Lektüre noch Lust am Denken hatten, diese endgültig auszutreiben und sie mit nichts als heißer Luft abzuspeisen. Nicht nur der Verteilungsort lässt darauf schließen, dass sich die Zeitschrift hauptsächlich an Schüler und Studenten der ersten Semester richtet. Nun könnte dies als Begründung für das gar nicht so hohe Niveau der Texte dienen, wenn man denn annähme, die Redaktion verfolge einen pädagogischen Gedanken. Doch wer möchte allen Ernstes behaupten, junge Menschen bräuchten inhaltsleere Artikel, um mit dem Denken beginnen zu können? Was hier stattfindet ist keine „Heranführung“ an die Philosophie, wie Verteidiger der Zeitschrift vorbringen könnten, sondern Verrat am Interesse der Leser.
Wer sich angesichts der Zumutungen der Realität und der Erfahrungen, die er mit ihr machte, zum Denken gedrängt sieht, wem das Denken als Möglichkeit dient, sich gegen diese Zumutungen zur Wehr zu setzen, mit denen er alltäglich konfrontiert wird, an dem übt die Hohe Luft Verrat, weil sie ihm „Denken“ verspricht und ihn mit Luftlöchern abspeist. Die Funktion der Zeitschrift ist somit keine andere, als die kulturindustrieller Wissenssendungen und –magazine, die den Wunsch der Zuschauer und Leser nach Bildung mit belanglosen Fakten abspeisen, anstatt eine Ahnung dessen zu vermitteln, was Bildung bedeuten würde.

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poem in the wood June 23, 2014 | 01:45 pm

poem_in_the_wood(seen @ a party in wood near Dresden)

eln

melancholie und freude sind wohl schwestern

und aus den bäumen fällt verblühter schnee

mit jedem pulsschlag wird aus heute gestern

auch glück kann weh tun auch der moment tut weh

 


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Andy Warhol May 30, 2014 | 02:01 pm

Auch wenn der Spruch mit verwarteter Alltäglichkeit an aufregender Berechtigung verliert (ähnlich so wie wenn man über mehrere Jahre “fünf vor Zwölf” propagiert), hat er doch auch seine Berechtigung.

andy_warhol-idea_wait_exciting.ikl959“the idea of waiting for something makes it more exciting. Andy Warhol” (shot in Dublin)


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Auf der Suche nach Peter Pan January 18, 2014 | 07:05 pm

Auf der Suche nach Peter Pan – ein Comic von Cosey. Darin auch ein Zitat aus dem Buch von J.M. Barrie:peter_pan_ikl959.com“Fünfzehn Jahre vergingen. Alle Jungen waren zu Männern geworden. Sie konnten nicht mehr fliegen, und sie hatten die Insel vollkommen vergessen.” James M. Barrie (hier mehr zum Comic)


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die Gleichgültigen January 8, 2014 | 11:50 pm

“Schreiben Sie von denen, die daheim geblieben sind, … der arbeitenden Bevölkerung, die nicht mitdemonstriert hat … Schreiben Sie von sich und Ihrer innersten Sehnsucht und Schwäche oder schreiben Sie von den daheim Gebliebenen, Heimgefahrenen, Gleichgültigen – (schaut den Schriftsteller an, weich) aber schreiben Sie nicht von den wenigen, die handeln – (kleine Pause) – das kann ich nicht senden (Pause …)”.

(src; aus: “Furcht und Hoffnung der BRD” von Franz Xaver Kroetz, 1983)


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hoerenswert 9 December 26, 2013 | 11:37 am

Teil 8 hier zu finden

  • BR2: Michel Foucault – Was macht Macht (22 Min.) (download) (via)
  • BR2: Ein Fest gegen die BRD – Münchner Jugendrevolte Freizeit ’81 (53 Min.) (download) (via)
  • SWR2: Veganismus – Was macht Menschen zu Veganern? (44 Min.) (download)
  • SWR2: Allein mit Allen – Das Ich in seinen Netzen (44 Min.) (mit u.a. Konrad Paul Liessmann) (download)
  • HR2: Über das Hören (15 Min.) (download)
  • HR2: Männerquote und Emanzipation (14 Min.) (download)
  • NDR: Ich habs getan – Der lange Abschied vom ungeborenen Kind (25 Min.) (download)
  • HR2: Doppelkopf: Peter Bieri & die Würde (47 Min.) (download)
  • D-Radio-Wissen: Ökonomie – Zehn Mythen der Krise (Referat Heiner Flassbeck) (42 Min.) (download)

Es folgt der obligatorische Hinweis, dass einiges sowohl in seiner inhaltlichen Ausrichtung als auch der Form nach durchaus kritikwürdig ist.


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Michel Foucault – Was macht Macht? September 12, 2013 | 06:48 pm

Michael Reitz hat für RadioWissen ein hörenswertes Feature über Foucault gestaltet.

Der französische Philosoph Michel Foucault ist einer der einflussreichsten kritischen Denker der Moderne. Ihn interessierte, wie Macht entsteht, wozu sie benutzt wird und was sie aus Menschen machen kann.

Download: via BR | via RS.com (0:22 h, 20 MB)

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Gefunden: Denken ohne Geländer August 8, 2013 | 11:32 am

Hat jemand einen Mitschnitt der Langen Nacht über Hannah Arendt?

Download via RS.com

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hoerenswertes 8 August 5, 2013 | 04:14 pm

teil 7 hier zu finden

  • Vortrag von Stephan Grigat – Politische Ökonomie des Antisemitismus download (via)
  • WDR: Heinrich Schöpe sammelte auf dem Weg zur Schule Flugblätter der Alliierten. (download)

Download: wdr5_erlebte_geschichten_20130127_0730.mp3

  • WDR: Atomenergie-Verräter aka Spion und Held Klaus Fuchs (download)

Download: WDR5_Zeitzeichen_20130128_0920.mp3

  • SWR2: Petra Kelly (27 Min.) Die grünste Grüne, oder so. Ihr & Bastians Tod trugen zum Mythos Kelly bei. (download)

Download: petra-kelly.12844s.mp3

  • SWR2: Buchenwälder in Europa (27 Min.) (download)

Download: swr2wissen_20121009_europas_wilde_buchenwaelder.12844s.mp3

Download: hr2_doppelkopf_20130128.mp3

  • NDR: Margarethe von Trotta, Filmemacherin (download)

Download: AU-20130104-1652-0742.mp3

  • SWR2: Christen im Nahen Osten (download)

Download: swr2-forum-20130426-christen-im-nahen-osten.6444m.mp3

  • DLF: 1933 tritt die deutsche Volksgemeinschaft aus dem Bund der Völker aus (download) (via)
  • B5: Gewalt gegen Frauen in Indien (download)

Download: 130407_1435_Die-B5-Reportage_Das-grosse-Schweigen---Gewalt-gegen-Frauen-.mp3

In Folge vielleicht mal wieder öfter Hinweise auf Hoerenswertes (wobei auch hier wieder darauf hin zu weisen ist, dass einige Sachen, wie etwa der Bericht über Frauen in Indien, in ihrer Haltung/Botschaft durchaus kritikwürdig sind)


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Die »klassische deutsche Philosophie« und die kritische Theorie der Gesellschaft July 26, 2013 | 12:44 pm

Aspekte der materialistischen Auseinandersetzung mit Kant und Hegel

Die Systemphilosophie Hegels stellt als Abschluss der durch Kant eingeleiteten transzendental-idealistischen Bewegung zweifellos einen Wendepunkt der europäischen Philosophie dar. Aus dem Zusammenbruch der Hegel-Schule traten Materialisten mit Anspruch hervor, mit der so genannten klassischen deutschen Philosophie die Philosophie überhaupt zu beerben, sie revolutionär zu verwirklichen und in gesellschaftsverändernde Praxis aufzuheben.

Die folgenden Vorträge kreisen unter verschiedenen Gesichtspunkten, allerdings leider strikt androzentrisch, um die Frage, ob Hegel das letzte Wort der Philosophie gesprochen oder aber eher eine problematische Tendenz des Kantischen »Kritizismus« auf die Spitze getrieben hat, welche die materialistische Gesellschaftskritik spätestens im 20. Jahrhundert nötigte, zu Kant zurückzukehren, um über ihn und Hegel gleichermaßen hinauszugelangen.

1. Andreas Arndt, Die Hegel-Kritik des frühen Marx.

Andreas Arndt ist Professor der Philosophie an der theologischen Fakultät der Berliner Humboldtuni und ein Hegelianer vor dem Herrn. Der vorliegende Kurzvortrag stammt von der Konferenz »La réalisation de la philosophie à l’époque du Vormärz« (Paris, Februar 2012, Videodokumentation hier) und behandelt leider (fast) nur den jungen Marx. Arndt konzentriert sich auf Marxens Kritik der Hegelschen Rechtsphilosophie und stellt auch heraus, worin Marx selbst in seinen materialen Arbeiten Hegelianer geblieben ist. Allerdings bricht er an einer Stelle ab, an der eine materialistische Wendung Not täte: Dass Marx kategoriale Bestimmungen der Hegelschen Logik im Kapital bzw. aufs Kapital anwenden kann, ist m. E. dadurch bedingt, dass das Kapital bereits in Hegels Kategorien steckt.

    Hören:

    Download: mp3 via AArchiv (0:31 h, 18 MB) | Video bei Vimeo

2. Alfred Schmidt, Gegenwartsprobleme in der materialistischen Erkenntnistheorie. Besonders hörenswert

Auf Einladung des Verbands Sozialistischer Studenten Österreichs sprach der vor etwa einem Jahr verstorbene Horkheimerschüler, Adornoassistent und spätere Philosophieprofessor Alfred Schmidt 1970 (!) in Wien über materialistische Erkenntnistheorie. Er skizziert in seinem noch heute hörenswerten Vortrag u.a. die Auseinandersetzung Marxens mit der theoretischen Philosophie Hegels. Marx und Engels verwarfen Hegels identitätsphilosophischen Ansatz, hielten aber an seiner Kritik am Kantischen »Ding an sich« fest. Diese »prekäre« Konstellation materialistischer Erkenntnistheorie und die Frage, warum auch der Materialismus nicht (im Gefolge Hegels) völlig ohne erkenntnistheoretische Erwägungen auskommt, beleuchtet Schmidt eingehend.

3. Paul Mentz, Philosophie im Angesicht der Verzweiflung. Adornos negative Philosophie der Moral.

Moralphilosophie scheint für radikale Gesellschaftskritik kein Anliegen ersten Ranges zu sein, möchte sie doch nicht an die Einzelnen appellieren, sie mögen ihr Verhalten ändern, sondern sie anstacheln zum Umsturz jener fetischistisch objektivierten Verhältnisse, in denen sie geknechtete (usw.) Wesen sind. Und doch sah Adorno sich veranlasst, Moralphilosophie nicht allein als Gegenstand, sondern auch als Medium oder Bestandteil seiner kritischen Theorie der Gesellschaft zu behandeln. Paul Mentz (Rote Ruhr Uni) zeichnet in seinem am 3. Juli 2013 bei der ISF in Freiburg gehaltenen Vortrag Adornos Auseinandersetzung mit Kants Individualethik und Hegels Theorie der Sittlichkeit nach.

Ankündigungstext:

Eine Moralphilosophie, die den eigenen Anspruch, moralisch zu sein nicht preisgeben will, muß auf die Verstrickung von herrschender Praxis und herrschender Unfreiheit reflektieren, und dabei festhalten, daß “nur wenn, was ist, sich ändern läßt, ist das, was ist, nicht alles.” Angesichts der fortschreitenden Geschichte der Herrschaft und des Leidens läßt sich kein positiver Standpunkt der Moralphilosophie ausmachen, denn selbst “was der Mensch an sich sein soll”, läßt sich nicht sagen, da er immer nur das ist, “was er war: er wird an den Felsen seiner Vergangenheit geschmiedet.” Wie ein freier Mensch wäre, läßt sich nicht antizipieren, so daß keine moralischen Prinzipien aus der inneren Verfaßtheit des Menschen abgeleitet werden können. Adornos negative Moralphilosophie ist keine ethische Konzeption, sondern Kritik sowohl der Moralphilosophie als auch der Herrschaft und des Leidens, die, gerade weil sie auf die Unfreiheit reflektiert, zugleich auf die Realisierung von Freiheit insistiert, ohne diese positiv zu bestimmen. – Es spricht Paul Mentz (Dortmund), Autor u.a. von „Moralphilosophie im Stande der Unfreiheit – Adornos negative Moralphilosophie“ (Berlin 2012).

4. Literaturempfehlungen

1. Fragen die Erkennbarkeit der Natur betreffend, werden in Karl Heinz Haags Der Fortschritt in der Philosophie diskutiert, wobei Kant als ambivalenter Denker Gegenstand der Kritik wird ebenso wie Einspruchsinstanz gegen Hegel, den Neukantianismus, den Positivismus, ja gar gegen die materialistische Metaphysik Lenins und der marxistischen Orthodoxie. Das etwa 200 Seiten lange Plädoyer für eine negative Metaphysik, welche die Natur nicht in dem aufgehen lässt, was an ihr erkennbar ist, und die nicht von der historisch-gesellschaftlichen Vermitteltheit der Erkenntnis absieht, enthält auch ein Kapitel über Marx, in dem herausgearbeitet wird, dass dieser mit dem Begriff der immanenten Form von Naturdingen an einem Kerngedanken negativer Metaphysik festhält. Meines Erachtens überaus lesenswert, auch wenn die Auseinandersetzung mit der Philosophiegeschichte meist nur immanent-argumentativ ohne Rückbezug der behandelten Theorien auf gesellschaftliche Realität erfolgt.

2. Um Ideologiekritik an Kant und Hegel, die eine feministische Dimension nicht ausspart, bemüht sich Daniel Späth in einer Reihe von Ausgaben der EXIT! Krise und Kritik der Warengesellschaft. Kürzlich erschien der erste Teil zu Hegel.

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“wenn mit der Leere eurer Herzen gerechnet wird” June 24, 2013 | 09:37 pm

Nicht neu (aber trotz dessen nicht weniger aktuell) gingen mir die Worte aus Günter Eichs Hörspiel “Träume” nach dem Hören eine Weile durch den Kopf. Hier im Folgenden ein Auszug, welcher mit den viel zitierten Worten des “Sandes im Getriebe der Welt” endet.

Ich beneide sie alle, die vergessen können,
die sich beruhigt schlafen legen und keine Träume haben.
[...]

Sieh, was es gibt: Gefängnis und Folterung,
Blindheit und Lähmung, Tod in vieler Gestalt,
den körperlosen Schmerz und die Angst, die das Leben meint.
Die Seufzer aus vielen Mündern sammelt die Erde,
und in den Augen der Menschen, die du liebst, wohnt die Bestürzung.
Alles, was geschieht, geht dich an.

[...]
”Ah, du schläfst schon? Wache gut auf, mein Freund!
Schon läuft der Strom in den Umzäunungen, und die Posten sind aufgestellt.”

Nein, schlaft nicht, während die Ordner der Welt geschäftig sind!
Seid mißtrauisch gegen ihre Macht,
die sie vorgeben für euch erwerben zu müssen!
Wacht darüber, daß eure Herzen nicht leer sind,
wenn mit der Leere eurer Herzen gerechnet wird!
Tut das Unnütze, singt die Lieder,
die man aus eurem Mund nicht erwartet!
Seid unbequem, seid Sand, nicht das Öl im Getriebe der Welt!

 (src  ohne [Auslassungen])


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Hakenkreuze auf Sandburgen June 14, 2013 | 01:15 am

Der aufwallende bürgerliche Antisemitismus nach dem Ersten Weltkrieg findet einen Niederschlag auch in den Bade- und Erholungsorten an der deutschen See (später auch in den Bergen, etwa in dem “Deutsch-Österreichischen Alpenverein“). Frank Bajohr schildert in seinem Buch “Unser Hotel ist judenfrei” die Politisierung der Erholungsstätten, welche dabei auch einem ökonomischen Kalkül folgten. Das Buch berichtet über einige interessante Aspekte in der Entwicklung des Antisemitismus der bürgerlichen Schichten seit dem Ende des 19. Jahrhunderts in den deutschen Ostsee- und Nordseebädern, einigen europäischen Kurorten und auch solche Erscheinungen in den USA.  Nichts desto trotz keine vollends zu empfehlende Lektüre – Kritik wäre etwa die Redundanz (er erwähnt immer wieder die Exzessivität des Antisemitismus auf Borkum) und der wenig abwechslungsreiche und damit ermüdende Narrativ. Das Thema bleibt trotz dessen ein anschauliches Beispiel für die damalige Zeit und die schleichende Akzeptanz der kollektivierten Projektionsaversion. Die Maßnahmen zur Zeit der Weimarer Republik zeigen indes, wie weit die praktizierenden Judenfeinde gehen konnten und gingen, als wie normal und politisch etabliert das Phänomen in den besitzenden Schichten dato wahrgenommen wurde und war. Anders formuliert: die Forderung nach judenfreien Zonen (gegen den Besuch von “feindlichen Ausländern und undeutschen Inländern”) stellten nicht erst die Nazis auf, sondern verwirklichten lokale Politiker und Bürgervertreter bereits lange vor der Machtübertragung an die NSDAP.

Der Bäder-Antisemitismus als Ausdruck judenfeindlicher Einstellungen in der deutschen Gesellschaft hatte zwar nie unabhängig vom politischen Antisemitismus existiert, doch gingen nun gesellschaftlicher und politischer Antisemitismus eine engere Verbindung ein. Einzelne Kur- und Badeorte entwickelten sich nach 1918 zu Zentren der antisemitischen Agitation, und der politische Antisemitismus mit seiner charakteristischen Symbolik drückte nun auch dem Badeleben seinen Stempel auf; Antijüdische Kundgebungen und Aufmärsche, gewalttätige Übergriffe auf jüdische Gäste, Hakenkreuze auf Sandburgen, schwarz-weiß-rote Schleifen an der Kleidung der Kurgäste, Werbeanzeigen der Hotel- und Pensionsinhaber, die mit Hakenkreuzen versehen waren, Kurverwaltungen, die ihre Prospekte mit “deutschem Gruß” versandten – dies alles hatte es im Kaiserreich – wenn überhaupt – nur an einzelnen Orten wie Borkum gegeben. Vor 1914 hatten nur wenige Gäste ihre politische Gesinnung mit Flaggen an Strandkörben oder politischen Abzeichen in aller Öffentlichkeit dokumentiert, ja den öffentlichen Raum symbolisch besetzt.

norderney_judenfrei-1933_ikl959.com(SA auf Norderney Oktober 1933)

 In der Weimarer Republik hingegen spiegelte dieses Massenphänomen einen schleichenden Formwandel der bürgerlichen Öffentlichkeit wider. Die individuelle Inszenierung verlor gegenüber Bekundungen politischer Gemeinschaftlichkeit an Bedeutung. “Die Uniformierung und Politisierung des öffentlichen und gesellschaftlichen Lebens” habe – so der “Centralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens” – einen “verhängnisvollen Umfang angenommen”, der in das tägliche Leben des Einzelnen tief einschneide und sich “naturgemäß auch im Bade” auswirke. Überschriften im “Israelitischen Familienblatt” wie “Der antisemitische Bäderfeldzug” oder “Das Hakenkreuz in der Sommerfrische” dokumentieren diesen Formwandel der bürgerlichen Öffentlichkeit im Allgemeinen und des Bäder-Antisemitismus im Besonderen. Ein Stimmungsbericht von der Nordseeinsel Juist vom Sommer 1920 macht die Radikalisierung des Bäder-Antisemitismus und die hohe Bedeutung politischer Symbolik in der Weimarer Zeit besonders deutlich:

 ”Flaggen flattern am Strande, schwarz-weiß-rot und schwarz-weiß und dazwischen zwei Schweizer Fahnen mit dem Wimpel in französischen Farben. Am Tag, da Joachim von Hohenzollern sich erschoß, senkten sich einige auf Halbmast. Burgen stehen da, viele hundert, und auf dem Burggraben wird das Hakenkreuz eingemauert und weht hoch in der Luft auf den Fahnen. Sechs Juden hat ein junger Mann aus Berlin gezählt. Daraufhin entwarf er ein antisemitisches Gedicht und ließ es am schwarzen Brett des Kurhauses anschlagen. Dann berief er eine Versammlung, die Stellung nahm zur Judenfrage auf Juist. Heute abend findet bei Ankunft des Dampfers eine Demonstration am Bahnhof statt. Plakate mit dem Hakenkreuz fordern zur Beteiligung auf. Man wird zuerst das Lied ‘Deutschland, Deutschland über alles’ singen und dann das Judenlied. Man weiß ja, daß man keine Gegenwehr finden kann, und so ist man tapfer.” (Adolf von Hatzfeld von der Nordseeinsel Juist, in: Abendblatt 16.8.1920)

Quelle: Frank Bajohr: “Unser Hotel ist judenfrei”. Bäder-Antisemitismus im 19. und 20. Jahrhundert.Frankfurt/Main 2003. S. 57f


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