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Interview: Terror in Syrien


INTERVIEW mit ABDALAZIZ ALHAMZA von “RAQQA IS BEING SLAUGHTERED SILENTLY”

Abdalaziz Alhamza ist Mitbegründer und Sprecher der syrischen Menschenrechtsorganisation “Raqqa is being slaughtered silently” (RBSS). Seit Truppen der jihadistischen Terrororganisation Islamischer Staat (IS) die syrische Stadt Raqqa einnehmen konnten und diese zur Hauptstadt ihres Kalifats erklärten, ist RBSS die einzige zuverlässige Quelle, die weiterhin aus Raqqa berichtet. Im Rahmen eines Interviews sprach ich mit ihm über die Gründung von RBSS, die Akteure des syrischen Konflikts und seine ungebrochene Motivation über die Gräueltaten des Islamischen Staates aufzuklären.

   

Die Invasion änderte alles für uns: Der IS errichtete ein totalitäres politisches System, zwangen die lokale Bevölkerung ihre radikalen Weltanschauungen zu übernehmen, begannen Dissidenten hinzurichten und rissen die Kontrolle der Medien an sich. Drei Wochen nach dem Start unseres Projekts begannen Imame des Islamischen Staates beim Freitagsgebet in Raqqa, die Leute gegen uns aufzuhetzen, indem sie behaupteten, dass wir Ungläubige wären, dass wir gegen Allah kämpften und dass sie uns hinrichten würden. Kurze Zeit später, im Mai 2014, wurde einer unserer Freunde beim Passieren eines Checkpoints von Einheiten des IS gekidnappt. Zwei Wochen später wurde er in einer Schule vor den Augen hunderter Menschen öffentlich hingerichtet. Bis heute haben wir viele Kollegen und Freunde verloren, die alle dem Morden des IS zum Opfer gefallen sind. Der maßgebliche Unterschied zwischen dem Islamischen Staat und anderen Terrororganisationen im Nahen Osten ist: Der IS begeht Verbrechen, die die Syrer zwar noch von früher kennen, aber sie sind nicht gewohnt, sie in der Öffentlichkeit zu sehen.
So entschlossen wir, der gesamten Welt zu zeigen, was tatsächlich in Raqqa passiert. 
Man beobachtet jeden Schritt unserer Kampagne äußerst genau, daher müssen wir sehr auf uns aufpassen.

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Fluchtgrund: Iran


PODIUMSDISKUSSION ZU IRAN & FLUCHT

  

Im Jahr 2015 hat der Iran über 700 Menschen hingerichtet, die zumeist wegen angeblicher Kooperation mit dem jüdischen Staat oder angeblichem Drogenschmuggel angeklagt wurdenAufgabe antirassistischer Praxis wäre es, sich mit den islamischen Herrschaftsmethoden auseinanderzusetzen, welche die Menschen zurichten. Oftmals würde es aber reichen, den Flüchtlingen zuzuhören: Eine Studie unter 3.000 befragten syrischen Flüchtlingen zeigt, dass 70 % vor dem Assad-Regime fliehen. 73 % der Befragten forderten ein Ende der Barrel-Bombs, 58 % die Errichtung einer Flugverbotszone in Syrien. 92% gaben an, dass Assad abtreten müsse. Irakische oder syrische Flüchtlinge fliehen also nicht bloß vor dem Islamischen Staat,
sondern auch vor dem Einfluss des iranischen Regimes
.



Fluchtgrund: Iran
Podiumsdiskussion
Moderation:   Ljiljana Radonic
Referat I:        David Kirsch
Referat II:       Florian Markl
Download: Vortragstext (PDF)


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The Case against a Deal with Iran


WHY IRAN IS NOT A TRUSTWORTHY PARTNER


“There are many reasons why President Barack Obama wants this deal. One of them being his conviction is Iran could play a positive role in the world and that it leads to a more stable Middle East. 

 I think that not only the Deal but equally the ongoing talks with the Regime themselves did anything but to ‘stabilize’ the Middle East. The ongoing Lebanonization of Iraq and Syria, where Iran-led Shia Militias reign supreme, is a perfect example of how strengthening the Iranian Regime does not advance peace but instead furthers the rapid destabilization and militarization of the Middle East. Furthermore, negotiating with Iran gives a formal legitimacy to a regime, which it does not hold it in the eyes of its population. Not only the Social Protests in 2009 but also the Popular Movement in the Kurdish Cities of Iran show that the majority of Iran’s population wants not only wants social improvements but at least some basic political freedom.
If we really want a peaceful and pluralistic Iran,
we should talk to the people who fled its oppressive system
which glorifies martyrdom and death while despising freedom and life.”

 Mana Neyestani, exile-Iranian cartoonist
illustrating the latest appeasement against the Iranian Regime
and the betrayal of the Iranian Freedom Movement



The Case against a Deal with Iran
Why Iran is not a trustworthy partner
I      Prelude
II     Iran is not a trustworthy partner
III    Conclusion
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Berlin gegen Hamas

Die Hamas ist nicht genug – über die Kooperation zwischen den Organisatoren der Arena-Tagung mit Hamas, Hisbollah und dem iranischen Regime

Nachweislich unterstützen Organisatoren der Pro-Hamas-Konferenz in der Berliner Arena den antisemitischen Al Quds-Tag des iranischen Regimes, an dem alljährlich weltweit zur ‚Befreiung’ Jerusalems (arabisch: Al Quds) durch die Vernichtung Israels aufgerufen wird. Die engen Verbindungen zwischen den Organisatoren der „13. … Weiterlesen


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No Friends but Iranians


IN MEMORIAM REYHANEH JABBARI (†2014)

He who does not speak of the Iranian Regime
shall remain silent on matters of the Islamic State.

„Under the Iranian president Hassan Rouhani, more people are executed than under his predecessor Ahmadinejad. Everyone is looking at ISIS and their barbaric deeds. The only difference to the Iranian regime: ISIS is proud of its murders, Iran is executing them surreptitiously behind prison walls and cowardly denies them. The world has to understand that a dialogue with this regime of murderers in impossible.
Only pressure helps.“

(Fariborz Jabbari, uncle of Reyhaneh Jabbari
who was executed by the Iranian regime in October 2014)

Theses on the Syrian Desaster
August – December 2014
I      The Role of the IRI in Iraq & Syria
II     Assad and the Islamic State
III    Iran’s “boots on the ground”
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No Friends but Iranians,
Qassem Suleimani (3rd from left),
commander of the Quds force of the Iranian Revolutionary Guard Corps (IRGC),
posing with a group of Peshmerga in Iraqi Kurdistan

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No Friends but Iranians


IN MEMORIAM REYHANEH JABBARI (†2014)

Wer vom Terror des iranischen Regimes nicht spricht,
soll vom Terror des Islamischen Staates schweigen.

“Unter dem iranischen Präsidenten Hassan Rohani werden mehr Leute hingerichtet als unter seinem Vorgänger Ahmadinedschad. Alle schauen auf ISIS und deren barbarische Taten. Der einzige Unterschied zum iranischen Regime: ISIS ist stolz auf die Morde, der Iran vollstreckt sie verborgen hinter Gefängnismauern und leugnet sie feige. Die Welt muss begreifen, dass mit diesem Mörder-Regime kein Dialog möglich ist. Es hilft nur Druck.”

(Fariborz Jabbari, Onkel der im Oktober 2014
durch das iranische Regime hingerichteten Reyhaneh Jabbari)

Thesen zum syrischen Desaster
August – Dezember 2014
I      Die Rolle der IRI in Irak und Syrien
II     Assad und der Islamische Staat
III    Irans “boots on the ground”
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No Friends but Iranians,
Qassem Suleimani (3. v. links), Kommandeur der Qods-Einheit,
die Eliteeinheit der iranischen Revolutionsgarden (IRGC),
posiert mit einer Gruppe von Peshmergas in Irakisch-Kurdistan

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bak-shalom.de

“Syrien – Katastrophe ohne Ende?” Vortrag und Diskussion mit Thomas von der Osten-Sacken in Freiburg am 7. März

Vor drei Jahren war die Hoffnung groß: Plötzlich fand sich die „arabische Straße“ nicht mehr mit den autoritären Regimen im Nahen Osten zusammen, um Israel- und USA-Fahnen zu verbrennen, sondern richtete ihren Zorn gegen die eigenen Herrscher. Es roch nach Aufbruch. Langjährige Diktatoren wurden gestürzt, so in Tunesien, Ägypten und […]


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bak-shalom.de

Vortrag am 25. Juli in Berlin: Iran, Hisbollah, Syrien – Die „Achse des Widerstands“ im Kampf gegen Israel und Emanzipation im Nahen Osten

Vortrag von Jonathan Weckerle
Mit dem Anspruch, gegen den „zionistischen Regime“ Israel und den „imperialistischen und arroganten“ Westen radikalen „Widerstand“ zu leisten, haben sich die Islamische Republik Iran, die Hisbollah im Libanon und das Assad-Regime in Syrien lange Zeit erfolgreich profiliert. Vor den Umbrüchen im Nahen Osten konnten sie sich von den „feigen“ und „reaktionären“ arabischen […]


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bubi zitrone

links (24. Juni 2013)

Warum nicht auch mal wieder ein paar links…

Zur “choerografierten Farce der Wahlen” im Iran:

Der neugewählte “lächelnde Mullah” (Sohrab Ahmari) Hodschatol-Eslam Hassan Rouhani, der “Moderate”, der “Reformer”, ist nun also der zweite Mann im Gottesstaat Iran. “Elder of Ziyon”, Marina Nemat, Matthias Küntzel, Stephan Grigat und Ali Schirasi haben dazu das Wichtigste gesagt. Einzig die unklaren Verstrickungen in das Attentat auf ein jüdisches Gemeindezentrum in Buenos Aires 1994 sollten auch bemerkt werden.

Zur Situation von Frauen (oder: wo bleibt eigentlich hier der #Aufschrei?):

Ägypten. Während der systematische Einsatz von sexueller Gewalt als Foltermethode weiter anhält, wird trotz gesetzlichem Verbot auch weiterhin von weiblichen Genitalverstümmelungen und kürzlich auch wieder von einem Todesopfer berichtet. By the way zu Ägypten: Mursi wurde also von einer Koalition aus Muslimbrüderschaft, Hamas und Hisbollah aus dem Gefängnis befreit – Überraschung.

Jordanien. Pascale Müller berichtet in der jungle World über die Situation in einem Camp syrischer Bürgerkriegsflüchtlinge und den dort perfide florierenden Heiratsmarkt.

Saudi-Arabien. Ein Schriftsteller forderte öffentlich dazu auf Frauen, die arbeiten gehen, sexuell zu belästigen – mehr dazu bei think progress.

Italien. Catrin Dingler berichtet über die italienische Diskrepanz zwischen der Bekämpfung der Gewalt gegen Frauen und dem Kampf für mehr Selbstbestimmung für Frauen in Italien.

Indien. Die Meldungen über brutale Verbrechen gegen Frauen reißen nicht ab”: Eine 20 Jahre alte Studentin war auf dem Heimweg, als sie von mehreren Männern überfallen, vergewaltigt und ermordet wurde. 

Türkei. Am Rande der Proteste in Istanbul wird auch von sexueller Gewalt durch die Polizei berichtet.

Großbritannien. Ein paar Schülerinnen wollten sich gegen misogynen Alltag wehren, initiierten eine “feminist society” an ihrer Schule und werden nun noch intensiver attackiert.

Uganda/Berlin. Die Aktivistin Kasha Jacqueline Nabagesera wurde beim diesjährigen CSD in Berlin mit dem Zivilcouragepreis geehrt – immerhin/YAY!

Deutschland. Güley Boran spricht über geschlechtsspezifische Asylgründe und die Schwierigkeiten, diese in Deutschland anerkannt zu bekommen und es in den “Gemeinschaftsunterkünften” als Frau auszuhalten. Mehr zu “Frauen auf der Flucht”.

Berlin. Eine Brücke, die nahe des Tempelhofer Feldes gebaut wird, soll nach Hatun Sürücü benannt werden. Dazu ist auch die PM von terre de femmes & dem LSVD lesenswert

reproductive rights. Während in den USA zukünftig die “Pille danach” für alle rezeptfrei erworben werden kann (YAY!), sieht es in Bezug auf den Zugang zum Schwangerschaftsabbruch in Irland (trotz dem Fall von Savita Halappanavar) und Litauen schlecht aus.

Internet. Vom Werk von Ada Blitzkrieg kann man halten was man will, ich bin angetan, nicht zuletzt über ihre Äußerungen über “erfolgreiche Frauen im Internet”, die – wie auch außerhalb der schönen digitalen Welt – keine Liebesgeschichte ist.

In der Welt findet sich ein Porträt von Ruth Fischer, der Frau, die “von Hitler und von Stalin gejagt” wurde.

Zur deutschen Ordnung:

Wittenauer Bürger haben etwas gegen Windpocken und Kinder – die nichtdeutsch sind.

Ein Kanadier hat die Abschiebung eines Pakistanis aus Deutschland verhindert, dies sei für ihn “wichtiger als der eigene Spaß” gewesen.

Da im Willy Brandt Haus zu Berlin gerade die World Press Photo Ausstellung zugegen ist, bietet sich ein Blick auf die “verspielten Chancen für den Nahost-Frieden” Willy Brandts an.

Nichts Neues, aber immer wieder bemerkenswert: Das gut organisierte Netz derjenigen, die über Moscheen in Deutschland Spenden für bspw. die Hisbollah sammeln.

Neulich in Offenbach: haben elf bis 15 jährige Vollidioten einen Rabbiner attackiert. Neulich in Berlin: in der Tram M10 wird eine Israelin beleidigt, in der Friedrichstr. jemand attackiert, der ein Shirt mit pro-israelischem Aufdruck trug und beim zweiten Konzert von Beyoncé wurden Israelis beschimpft.

Zum Anhören:

Wie ein Vogel, der nicht landen kann” – Gespräche mit deutschen Juden zwischen 1970 und 2012

Warum musste David Kato sterben?” – Ein DLF-Feature über das Leben schwuler Menschen in Uganda und den Mord am Aktivisten David Kato.

Es gibt eine neue “outside the box” – <3 – zum ewigen Thema: Arbeit. Hier gibt es ein Gespräch zwischen Radio Corax und zwei Autorinnen der outside.

Zum Hingehen:

Berlin. 25. Juni. Hiwa Bahrami spricht über den Iran nach den “Wahlen” und die Lage der nichtpersischen Bevölkerung. Veranstalterin: Mideast Freedom Forum. Ort: Amadeu-Antonio-Stiftung (Linienstr. 139). Zeit: 19Uhr.

Berlin. 1. Juli. Stephan Grigat über die “Befreite Gesellschaft & Israel. Zum Verhältnis von Kritischer Theorie und Zionismus”. Veranstalterin: Das Bündnis gegen den Al-Quds-Tag in Berlin. Ort: Laidak (Boddinstr. 42). Zeit: 19Uhr.

Jena. 3. Juli. Tove Soiland fragt: Lassen sich gesellschaftliche Verhältnisse dekonstruieren? Und stellt feministische Rückfragen an die queer theory. Veranstalterin: Gleichstellungsreferat der Uni Jena & Falken Thüringen. Ort: Campus der FSU Jena (Carl-Zeiss-Str. 3), Hörsaal 4. Zeit: 18Uhr.

Jena. 5. Juli. Fathiyeh Naghibzadeh spricht & diskutiert über die Situation der Frauen im Iran und zeigt anschließend den Film “Kopftuch als System”. Veranstalterin: Refugio Thüringen e.V. Ort: Campus der FSU Jena (Carl-Zeiss-Str. 3), Hörsaal 7. Zeit: 18Uhr.

Berlin. 18. Juli. Sebastian Tränkle über Sprachlosigkeit und materialistische Sprachkritik. Veranstalterin: Reihe “Nackte Gewalt”. Ort: HU – Unter den Linden 6, 2002 Zeit: 19.30Uhr.


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„Irgendwann können wir alle zusammen schwimmen!“


„Irgendwann können wir alle zusammen schwimmen!“

Über den exil-iranischen Film Sharayet und das unterdrückte Lechzen nach Glück in Teheran

Vom unmöglich gemachten Glück zweier Frauen im Iran, die vom Tugendterror des iranischen Regimes drangsaliert werden, handelt der Film Sharayet (Originaltitel: Circumstance), den die in den USA lebende iranische Filmproduzentin Maryam Keshavarz 2011 produzierte. Er versucht nicht nur, eine soziologische Bestandsaufnahme der iranischen Gesellschaft und ihrer Widersprüchlichkeiten zu leisten, sondern ist auch eine Dokumentation der unterdrückten Schreie nach Freiheit der Teheraner Jugend.
Regisseurin Keshavarz verfolgt das Ziel einer möglichst exakten Abbildung der iranischen Verhältnisse; sie stellt die barbarischen Umtriebe der iranischen SittenwächterInnen und den Zwang zur Unfreiheit durch das islamische Gesetz gnadenlos dar und erzählt das Leben zweier sich zueinander hingezogen fühlender Mädchen.
Der Auftritt der ProtagonistInnen und NebendarstellerInnen besticht vor allem durch ein hohes Maß an Authentizität. Ursprünglich hatte die Regisseurin geplant, den Film im Iran zu drehen und in den Teheraner Schwarzmarkt zu schmuggeln, auf dem Kopien von ‚westlicher Musik‘ und Hollywood-Filmen eine gern angebotene Ware sind.
Gedreht wurde schlussendlich allerdings im Libanon, da die Regisseurin die Unmöglichkeit einsehen musste, einen solchen Film auf iranischem Boden zu produzieren – nicht zuletzt deshalb, weil die meisten DarstellerInnen Exil-IranerInnen sind und sich eine Einreise auf iranisches Staatsgebiet als höchst problematisch erweisen hätte können. Jedoch wusste man auch um die Gefahr Bescheid, die von dem im Libanon aktiven verlängerten Arm des iranischen Regimes ausgeht. Aus Angst vor möglichen Bedrohungen durch die Hisbollah entschloss man sich, das wahre Drehbuch nicht bekannt zu geben und den libanesischen Behörden ein falsches Skript zuzuschicken. In einem Interview mit der New York Times sprach Reza Sixo Safai, der die Rolle des religiös gewordenen Bruders spielt, davon, dass das bedrückende Gefühl ständiger Überwachung durch die libanesischen Behörden die Performance der DarstellerInnen gesteigert habe.1 Alle mussten außerdem von ‚Dialect Coaches‘ unterrichtet werden, um ihre Kenntnisse des Teheraner Jugendslangs aufzufrischen, da beinahe ausnahmslos alle DarstellerInnen bzw. ihre Familien vor der islamischen Revolution 1979 geflohen waren und das aktuelle Persisch der iranischen Jugendlichen den SchauspielerInnen nicht geläufig war.

Liebe und Lust in Teheran

Der Fokus des Filmes liegt auf Atafeh und Shirin, erstere Tochter eines ehemaligen in den USA arbeitenden iranischen Diplomaten, zweitere Adoptivkind ebendieser Familie. Sie finden abseits der ständigen Präsenz von TugendwächterInnen in einer irre gewordenen Öffentlichkeit Zuflucht in der Privatheit, die Fathiyeh Naghibzadeh „als reale Fluchtmöglichkeit unter den Bedingungen religiöser Despotie“ beschreibt. Die beiden Schülerinnen entdecken inmitten der islamisierten und streng überwachten Öffentlichkeit ihre Liebe zueinander und finden vorerst in der „in den eigenen vier Wänden eingekapselten Emanzipation“ Schutz.2
Vorstöße in den öffentlichen Raum wagen sie anfangs vor allem im Teheraner Untergrundleben, das als ‚Nähkurs‘ getarnte Technopartys in Privatwohnungen oder aber auch Ton- und Filmstudios zu bieten hat, in denen Raubkopien US-amerikanischer Hollywoodstreifen synchronisiert werden. Allerdings werden unbeschwerte Treffen von Jugendlichen immer öfter durch die Straßenmilizen im Dienste des ‚Velayat-e-faqih‘ (Herrschaft des Klerus) gewaltsam aufgelöst, was oftmals schreckliche, pönale Zwangsmaßnahmen wie Auspeitschung oder den auch durch das ägyptische Militär praktizierten ‚Jungfrauentest‘ 3 zur Folge haben kann und hat.
Shirin lebt in einer Mittelstandsfamilie, deren Innenleben sich nicht sonderlich von dem einer US-amerikanischen unterscheidet. Man trinkt Wein bei feierlichen Anlässen, und die öffentlich praktizierte Geschlechtertrennung wird belächelt bis verachtet. Sie lebt mit ihren Adoptiveltern und ihren Adoptivgeschwistern Atafeh und Mehrdad quasi abgekapselt vom streng islamischen Recht und beschützt von der Institution Familie, die „als einzige relativ staatsfreie Zone der iranischen Gesellschaft paradoxerweise zum Terrain relativer Freiheit“ 4 geworden ist. Jedoch wird die Schutzmauer durchbrochen, als Atafehs Bruder Mehrdad, ein drogenabhängiger Loser, zu Allah findet und beginnt, die moderne Lebensart der Familie durch Züchtigkeit und Unterwerfung zu infiltrieren und die beiden Töchter an die Sittenpolizei verrät.

Islamische Reformation und iranische Revolution

Ganz im Gegensatz zum Film Nader und Simin (Originaltitel: A Separation), der lediglich zensierte Aufnahmen über die Realität unter dem Banner Allahs bietet – und deswegen anders als Sharayet gleich sieben Auszeichnungen auf dem vom iranischen Regime finanzierten Fajr Film Festival abräumte –, bietet Keshavarz‘ Werk eine schonungslose Erzählung des Kampfes zweier sich liebender Frauen, die für die Liebe und das Leben leben und sich oftmals dabei erwischen, wie sie sich in eine andere Welt oder auch ein anderes Land träumen, in dem beide Frauen „endlich wieder zusammen schwimmen gehen können“. Aber gleichzeitig wissen, dass ihr Wunsch nach einer Abschaffung von Zwang und Repression auch nicht von einer neuen Regierung der jomhurriye eslami (islamische Republik) erfüllt werden wird. Sie wollen feiern, sie wollen sich entscheiden können, wen sie lieben – sie wollen nicht länger nur Teil einer auf Produktivität und Enthaltung ausgerichteten Maschinerie sein; es geht ihnen in erster Linie um ein legitimes persönliches Interesse am eigenen Leben.
Diese so wertvollen Darstellungen des Filmes hätten ihn bei den Oscars 2011 zum besten fremdsprachigen Film machen können – ausgezeichnet wurde allerdings eine iranische Produktion, die bloß eine moderate Version der Realität abgab, welche die jugendliche Sehnsucht nach Freiheit und das damit verbundene Streben nach Glück verschleiert und den Tugendterror der iranischen Rackets ausblendet. Hatte man 2011 also der iranischen Presse die Möglichkeit gegeben, sich damit zu schmücken, dass man mit A Separation einen wertvollen Beitrag zur Kulturindustrie und zum Multilateralismus geleistet habe, hätte man allein mit der Nominierung von Sharayet nicht die Apostel des Appeasements und der Kumpanei mit dem antisemitischen Mörderregime protegiert, sondern öffentlich einen regime change gefordert und eine Geste der Solidarität mit den unterdrückten Stimmen all jener geleistet, die von den Moussavis und Khatamis ebenso wenig halten wie von allen anderen rivalisierenden Gruppen der islamischen ‚Republik‘.

Anmerkungen:
1    http://www.nytimes.com/2011/08/21/movies/circum­stance-a-film-of-underground-life-in-iran.html?pagewanted=all

2    Fathiyeh Naghibzadeh: Die göttliche Mission der Frau, S. 102–110. In: Stephan Grigat, Simone Dinah Hartmann (Hg.): Der Iran. Analyse einer islamischen Diktatur und ihrer europäischen Förderer. Studienverlag 2008.

3    http://www.sueddeutsche.de/politik/jungfrauentests-in-aegypten-nicht-schuldig-im-sinne-der-anklage-1.1306902

4    Naghibzadeh: Die göttliche Mission der Frau, S. 102–110.

Geschrieben von David Kirsch
erschienen in UNIQUE 05/13
http://www.univie.ac.at/unique/uniquecms/?p=3606


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„Irgendwann können wir alle zusammen schwimmen!“

Über den exil-iranischen Film Sharayet und das unterdrückte Lechzen nach Glück in Teheran

Geschrieben von David Kirsch
erschienen in UNIQUE 05/13
Vom unmöglich gemachten Glück zweier Frauen im Iran, die vom Tugendterror des iranischen Regimes drangsaliert werden, handelt der Film Sharayet (Originaltitel: Circumstance), den die in den USA lebende iranische Filmproduzentin Maryam Keshavarz 2011 produzierte. Er versucht nicht nur, eine soziologische Bestandsaufnahme der iranischen Gesellschaft und ihrer Widersprüchlichkeiten zu leisten, sondern ist auch eine Dokumentation der unterdrückten Schreie nach Freiheit der Teheraner Jugend.
Regisseurin Keshavarz verfolgt das Ziel einer möglichst exakten Abbildung der iranischen Verhältnisse; sie stellt die barbarischen Umtriebe der iranischen SittenwächterInnen und den Zwang zur Unfreiheit durch das islamische Gesetz gnadenlos dar und erzählt das Leben zweier sich zueinander hingezogen fühlender Mädchen.
Der Auftritt der ProtagonistInnen und NebendarstellerInnen besticht vor allem durch ein hohes Maß an Authentizität. Ursprünglich hatte die Regisseurin geplant, den Film im Iran zu drehen und in den Teheraner Schwarzmarkt zu schmuggeln, auf dem Kopien von ‚westlicher Musik‘ und Hollywood-Filmen eine gern angebotene Ware sind.
Gedreht wurde schlussendlich allerdings im Libanon, da die Regisseurin die Unmöglichkeit einsehen musste, einen solchen Film auf iranischem Boden zu produzieren – nicht zuletzt deshalb, weil die meisten DarstellerInnen Exil-IranerInnen sind und sich eine Einreise auf iranisches Staatsgebiet als höchst problematisch erweisen hätte können. Jedoch wusste man auch um die Gefahr Bescheid, die von dem im Libanon aktiven verlängerten Arm des iranischen Regimes ausgeht. Aus Angst vor möglichen Bedrohungen durch die Hisbollah entschloss man sich, das wahre Drehbuch nicht bekannt zu geben und den libanesischen Behörden ein falsches Skript zuzuschicken. In einem Interview mit der New York Times sprach Reza Sixo Safai, der die Rolle des religiös gewordenen Bruders spielt, davon, dass das bedrückende Gefühl ständiger Überwachung durch die libanesischen Behörden die Performance der DarstellerInnen gesteigert habe.1 Alle mussten außerdem von ‚Dialect Coaches‘ unterrichtet werden, um ihre Kenntnisse des Teheraner Jugendslangs aufzufrischen, da beinahe ausnahmslos alle DarstellerInnen bzw. ihre Familien vor der islamischen Revolution 1979 geflohen waren und das aktuelle Persisch der iranischen Jugendlichen den SchauspielerInnen nicht geläufig war.

Liebe und Lust in Teheran

Der Fokus des Filmes liegt auf Atafeh und Shirin, erstere Tochter eines ehemaligen in den USA arbeitenden iranischen Diplomaten, zweitere Adoptivkind ebendieser Familie. Sie finden abseits der ständigen Präsenz von TugendwächterInnen in einer irre gewordenen Öffentlichkeit Zuflucht in der Privatheit, die Fathiyeh Naghibzadeh „als reale Fluchtmöglichkeit unter den Bedingungen religiöser Despotie“ beschreibt. Die beiden Schülerinnen entdecken inmitten der islamisierten und streng überwachten Öffentlichkeit ihre Liebe zueinander und finden vorerst in der „in den eigenen vier Wänden eingekapselten Emanzipation“ Schutz.2
Vorstöße in den öffentlichen Raum wagen sie anfangs vor allem im Teheraner Untergrundleben, das als ‚Nähkurs‘ getarnte Technopartys in Privatwohnungen oder aber auch Ton- und Filmstudios zu bieten hat, in denen Raubkopien US-amerikanischer Hollywoodstreifen synchronisiert werden. Allerdings werden unbeschwerte Treffen von Jugendlichen immer öfter durch die Straßenmilizen im Dienste des ‚Velayat-e-faqih‘ (Herrschaft des Klerus) gewaltsam aufgelöst, was oftmals schreckliche, pönale Zwangsmaßnahmen wie Auspeitschung oder den auch durch das ägyptische Militär praktizierten ‚Jungfrauentest‘ 3 zur Folge haben kann und hat.
Shirin lebt in einer Mittelstandsfamilie, deren Innenleben sich nicht sonderlich von dem einer US-amerikanischen unterscheidet. Man trinkt Wein bei feierlichen Anlässen, und die öffentlich praktizierte Geschlechtertrennung wird belächelt bis verachtet. Sie lebt mit ihren Adoptiveltern und ihren Adoptivgeschwistern Atafeh und Mehrdad quasi abgekapselt vom streng islamischen Recht und beschützt von der Institution Familie, die „als einzige relativ staatsfreie Zone der iranischen Gesellschaft paradoxerweise zum Terrain relativer Freiheit“ 4 geworden ist. Jedoch wird die Schutzmauer durchbrochen, als Atafehs Bruder Mehrdad, ein drogenabhängiger Loser, zu Allah findet und beginnt, die moderne Lebensart der Familie durch Züchtigkeit und Unterwerfung zu infiltrieren und die beiden Töchter an die Sittenpolizei verrät.

Islamische Reformation und iranische Revolution

Ganz im Gegensatz zum Film Nader und Simin (Originaltitel: A Separation), der lediglich zensierte Aufnahmen über die Realität unter dem Banner Allahs bietet – und deswegen anders als Sharayet gleich sieben Auszeichnungen auf dem vom iranischen Regime finanzierten Fajr Film Festival abräumte –, bietet Keshavarz‘ Werk eine schonungslose Erzählung des Kampfes zweier sich liebender Frauen, die für die Liebe und das Leben leben und sich oftmals dabei erwischen, wie sie sich in eine andere Welt oder auch ein anderes Land träumen, in dem beide Frauen „endlich wieder zusammen schwimmen gehen können“. Aber gleichzeitig wissen, dass ihr Wunsch nach einer Abschaffung von Zwang und Repression auch nicht von einer neuen Regierung der jomhurriye eslami (islamische Republik) erfüllt werden wird. Sie wollen feiern, sie wollen sich entscheiden können, wen sie lieben – sie wollen nicht länger nur Teil einer auf Produktivität und Enthaltung ausgerichteten Maschinerie sein; es geht ihnen in erster Linie um ein legitimes persönliches Interesse am eigenen Leben.
Diese so wertvollen Darstellungen des Filmes hätten ihn bei den Oscars 2011 zum besten fremdsprachigen Film machen können – ausgezeichnet wurde allerdings eine iranische Produktion, die bloß eine moderate Version der Realität abgab, welche die jugendliche Sehnsucht nach Freiheit und das damit verbundene Streben nach Glück verschleiert und den Tugendterror der iranischen Rackets ausblendet. Hatte man 2011 also der iranischen Presse die Möglichkeit gegeben, sich damit zu schmücken, dass man mit A Separation einen wertvollen Beitrag zur Kulturindustrie und zum Multilateralismus geleistet habe, hätte man allein mit der Nominierung von Sharayet nicht die Apostel des Appeasements und der Kumpanei mit dem antisemitischen Mörderregime protegiert, sondern öffentlich einen regime change gefordert und eine Geste der Solidarität mit den unterdrückten Stimmen all jener geleistet, die von den Moussavis und Khatamis ebenso wenig halten wie von allen anderen rivalisierenden Gruppen der islamischen ‚Republik‘.
Anmerkungen:
1http://www.nytimes.com/2011/08/21/movies/circum­stance-a-film-of-underground-life-in-iran.html?pagewanted=all
2 Fathiyeh Naghibzadeh: Die göttliche Mission der Frau, S. 102–110. In: Stephan Grigat, Simone Dinah Hartmann (Hg.): Der Iran. Analyse einer islamischen Diktatur und ihrer europäischen Förderer. Studienverlag 2008.
4 Naghibzadeh: Die göttliche Mission der Frau, S. 102–110.

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Arabischer Frühling & die Linke

Arabischer Frühling & die Linke
Position des BAK Shalom zur aktuellen Situation in den arabischen Ländern
Im Zuge der aktuellen Auseinandersetzung innerhalb der LINKEN über den ‘Arabischen Frühling’ erinnern wir an die von uns berei…


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