Claus Harringer von Radio FRO aus Linz sprach mit Magnus Klaue über das Verhältnis von Genuss und Lust, die sogenannte Entschleunigungsbewegung, die abstrakte Vorstellungen von Nachhaltigkeit als Alltagsreligion, Regionalismus und kritikable Voraussetzungen der Ökologiebewegung: Die Sendung findet sich beim CBA , BFR (leicht gekürzt) und im Audioarchiv.
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| Über das Verhältnis von Genuss und Lust. Ein Gespräch mit Magnus Klaue | March 17, 2013 | 02:11 pm |
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| Magnus Klaue: Unbekannt Verzogen, Über linken »Touristenhass« und die Unmöglichkeit des Wohnen | December 6, 2012 | 05:11 pm |
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Die bearbeitete Aufnahme eines Referats von Magnus Klaue (Unbekannt Verzogen, Über linken »Touristenhass« und die Unmöglichkeit des Wohnens.) wurde bei frn veröffentlicht. Download: via AA (mp3; 0:33 h; 52,3 MB) Hier die längere Aufzeichnung der Veranstalter. Tags: Gentrification, Magnus Klaue, Stadt |
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| Die un_kritische Theorie Judith Butlers? Beiträge zur Adorno-Preisverleihung 2012 | December 5, 2012 | 04:12 pm |
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Vor einigen Monaten diskutierte (nicht nur) die politische Linke die Frage, ob Judith Butler eine würdige Preisträgerin des nach und gegen Adorno benannten Preises der Stadt Frankfurt sei. Butlers Unterstützung für antiisraelische Boykottkampagnen und die Bekundung, Hamas und Hisbollah wären Teil der globalen Linken, widersprachen allzu deutlich dem, wofür der Namensgeber des Preises einstand. Wir dokumentieren Beiträge, die Adorno gegen seine Preisträger verteidigen (Alex Gruber und Magnus Klaue) und den grundlegend affirmativen Zug der als so radikal gefeierten Gender-Theorie und Moralphilosophie Butlers versuchen darzulegen (Lars Quadfasel). Hinzu kommt aber auch eine Position (Ole Frahm), die Butlers Philosophie als einen Versuch sich in einer bestimmten jüdischen Tradition zu denken liest und Kritik an den Kritikern der Verleihung übt. Alle Dateien sind auch auf Rapidshare zu beziehen. Adorno gegen seine Preisträger verteidigt. Wir beginnen mit einer Gegenveranstaltung zur Preisverleihung an Butler. Die Initiative Adorno gegen seine Preisträger verteidigen! lud Alex Gruber und Magnus Klaue am 11.09.2012 in das Studierendenhaus der Universität Frankfurt a. M. Einführung zur Veranstaltung von Christoph Zwi
Alex Gruber: Zur Austreibung des Objekts – Judith Butlers postmoderne Affirmation des Bestehenden
Magnus Klaue: Leib ohne Gewicht – Judith Butlers Körperpolitik
Lorettas Leselampe: Anmerkungen zur Diskussion um Judith Butler Die bereits hier erwähnte Sendung des Freien Senderkombinats Hamburg zeigte sich dagegen überrascht, wie roh gelegentlich mit den Versuchen einer Philosophie umgegangen wird, die versucht in einer bestimmten jüdischen Tradition sich zu denken. Ole Frahm arbeitet in der Sendung aus dem Oktober 2012 mit diversen Einspielern aus Vorträgen Butlers und übt Kritik an den Kritikern der Preisverleihung (etwa Grigat, Way,…)
Lars Quadfasel: Die schöne Seele des Poststrukturalismus – Die un_kritische Theorie Judith Butlers Auf Einladung der Association Antiallemande Berlin referierte Lars Quadfasel im Laidak über die un_kritische Theorie Judith Butlers
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| permalink | tags: Adorno, Alex Gruber, Antizionismus, audio, Judith Butler, Lars Quadfasel, Lorettas Leselampe, magnus klaue, Ole Frahm | Tags: Adorno, Alex Gruber, antizionismus, Judith Butler, Lars Quadfasel, Lorettas Leselampe, Magnus Klaue, Ole Frahm | |
| links (25. November 2012) | November 25, 2012 | 09:26 am |
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Die vergangene Nacht (bis vor einer halben Stunde) widmete der RBB Rosa von Praunheim. In einer Folge von “Rosas Welt” äußerte sich der Bildhauer Karsten Klingbeil über seinen “persönlichen Holocaust”, den er in sowjetischer Kriegsgefangenschaft erlebt habe. Es sei “genauso” gewesen. Hier geht’s zur Mediathek.
Anhören: Termine:
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| Veranstaltungsreihe “Erinnern, Vergessen, Verdrängen – Deutsches Erinnern an die Shoah” | November 12, 2012 | 09:24 pm |
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Veranstaltungsreihe "Erinnern, Vergessen, Verdrängen - Deutsches Erinnern an die Shoah":
Am kommenden Freitag, den 16. November, startet die Veranstaltungsreihe “Erinnern, Vergessen, Verdrängen - Deutsches Erinnern an die Shoah” mit einem Vortrag von Rainer Hirt (FH Jena) zur Geschichte der deutschen “Erinnerungskultur”. Zeit: 19.30 Uhr, Hörsaal 9 am Campus Carl-Zeiss-Straße, Jena. Weitere Informationen dazu gibt es auf dem die Reihe begleitenden Blog sowie der Facebook-Seite. Weiter geht es dann mit diesen Veranstaltungen: 23. November 2012. Sonja Witte - „Nationales Vergangenheitsrecycling - Die postnazistische Allianz der Generationen im deutschen Kollektiv”. Zeit: 18 Uhr. Ort: Uni Jena, Carl-Zeiß-Str. 3, Hörsaal 7.
27. November 2012. Philipp Schweizer - „Eine materialistische Theorie der Geschichte – Walter Benjamins Griff nach der Notbremse und Adornos Versuch die Ursachen der Vergangenheit zumindest nachträglich zu beseitigen“. Zeit: 19 Uhr. Ort: Uni Jena, Carl-Zeiß-Str. 3, Hörsaal 9.
07. Dezember 2012. Christian Schneider - „Trauer als Metapher deutscher Erinnerungspolitik – Besichtigung eines ideologisierten Affekts“. Zeit: 19 Uhr. Ort: Uni Jena, Carl-Zeiß-Str. 3, Hörsaal 9.
09. Dezember 2012. Exkursion – Mittelbau Dora
13. Dezember 2012. Magnus Klaue - „Bürgerliche Kälte“ Zur Aporie historischen Eingedenkens in der Kritischen Theorie. Zeit: 19.30 Uhr. Ort: Uni Jena, Carl-Zeiß-Str. 3, Hörsaal 9.
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| Phantasie als Kompetenz. Zur Ideologie der Kreativität in der neueren Pädagogik. | November 7, 2012 | 11:12 am |
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Im Rahmen der Antifaschistischen Hochschultage (unter dem schönen Titel Hört auf zu studieren, fangt an zu begreifen) lud die ag antifa Magnus Klaue nach Halle, um ihn über die Ideologie der Kreativität in der neueren Pädagogik referieren zu lassen. Nach einigen Worten zur Begriffsgeschichte der Kreativität, skizziert Klaue – mit Verweis auf einen Ausspruch Neil Postmans (der vom Verschwinden der Kindheit schrieb) – die Veränderung des Kindheitsbegriffs und zeigt die Umgestaltung der Pädagogik: Am Beispiel der sogenannten unbedingten Schule, einer Reformschule aus Bonn, verdeutlicht er die Integration einstiger Ideologiekritik, um abschließend über die Möglichkeiten einer ästhetischen Erziehung (Schiller) zu sprechen.
Passend dazu noch ein Artikel von Klaue: eine Elegie auf die bürgerliche Kindheit in der Jungle World. Tags: AG No Tears for Krauts, Bildung, Halle, Ideologiekritik, Kreativität, Magnus Klaue, Pädagogik |
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| Neue Deutsche Buntheit | May 26, 2012 | 10:12 am |
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Foto via Seltsam nur, daß die “fremden Kulturen” im Zeitalter ihrer vermeintlichen Dekonstruktion dem eigenen Abziehbild stärker ähneln als je. Dies zu überprüfen, genügt der Besuch des größten alternativen Ethno-Events der Hauptstadt, des Berliner “Karnevals der Kulturen”, auf dem “Stern”- und “Bild”-Leser in ungewohnter Eintracht mit postkolonialen Gender-Linken ethnisch korrekt herausgeputzten Minoritätendarstellern bei ihren krampfig-originiellen Performances zujubeln. Diese jährliche Großveranstaltung, die traditionell mit zünftigen Urinier- und Kotzorgien in Kreuzberger Hausfluren endet, ist der sinnfällige Beweis für die Konvergenz von Chsristopher Street Day und Oktoberfest. Was in den achtziger Jahren mehrheitlich noch als Störung der tristen öffentlichen Ordnung wahrgenommen wurde, begrüßen die Vertreter dieser Ordnung heute als authentischen Ausdruck neuer deutscher Buntheit. Einer Buntheit allerdings, die sich nicht der entspannten Individualität verdankt, sondern dem Patchwork der ethnisierten Minderheiten, deren Angehörige immer stärker unter sich sind, je toleranter ihre Milieus koexistieren. Magnus Klaue in der aktuellen Konkret über “Ethnomarketing”, der neusten Strategie zur Versöhnung von Kosmopolitismus und Sippenzwang. |
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| Mutterschaft und Mord. Über den Topos der Kindstötung in Kunst und Wirklichkeit am Beispiel des Falles von Gertrude Baniszewski | March 28, 2012 | 10:17 am |
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Mutterschaft und Mord. Über den Topos der Kindstötung in Kunst und Wirklichkeit am Beispiel des Falles von Gertrude Baniszewski Foto: Paula Winkler Christiane Ketteler / Magnus Klaue Wer von der Mutter als Mörderin spricht, assoziiert damit zumeist reflexhaft einige sensationsträchtige Fälle von Kindstötungen. In diesen tötet die Mutter stets ihr eigenes Kind zu einem Zeitpunkt, da sie zwar die biologische, aber nicht auch schon die soziale Mutter geworden ist. In der Forschung werden Kindstötungen nach dem Alter des Kindes unterschieden, Neonatizid etwa wird bestimmt als die Tötung eines Kindes innerhalb von 24 Stunden nach seiner Geburt, Infantizid als die Tötung eines Kindes im Alter von einem Tag bis zu einem Jahr und Filizid als die Tötung von Kindern über einem Jahr. Diese Differenzierung hat sich auch in der Rechtssprechung der meisten Länder niedergeschlagen. In England etwa ist im Jahre 1938 mit dem Infanticide Act die Anklage von Frauen, die ihr Kind im Alter von bis zu einem Jahr töten, von Mord auf Totschlag herabgestuft worden, sofern „the balance of her mind was disturbed by reason of her not having fully recovered from the effect of giving birth to her child or by reason of the effect of lactation“ . Die Tötung des Kindes wird als Folge eines durch die Geburt ausgelösten psychischen Schocks definiert, dem keine psychische Erkrankung vorausgegangen sein muss. Entscheidend ist immer das Alter des Kindes. In jenen Ländern, in denen der Infanticide Act gilt, müssen Täterinnen daher weniger häufig mit einer Gefängnisstrafe rechnen, sondern werden auf Bewährung freigelassen oder in psychische Behandlung gegeben. In den Vereinigten Staaten gilt ein solches Gesetz nicht. In Deutschland ist die juristische Privilegierung der Kindstötung 1998 aufgehoben worden. Kindstötung bis zu diesem Zeitpunkt galt als die Tötung des nichtehelichen Kindes bei oder unmittelbar nach der Geburt. Diese Privilegierung gründete sich nicht allein auf die biologische Disposition, sondern auf die normative Ordnung der bürgerlichen Ehe. Sie berücksichtigte die psychische Zwangslage der Mutter, ein Kind unter den Umständen der Nichtehelichkeit geboren zu haben. Die Tötung des Kindes wird also nach Maßgabe der bürgerlichen Reproduktionsideologie sanktioniert, anderseits aber gilt allein die Mutter als Täterin, nur sie wird bestraft oder therapiert. In dieser juristischen Form verschwindet die Rolle der Vaterschaft genauso wie die gesellschaftliche Rolle der Mutter, sie wird als Einzelfall psychologisiert. Ebenso wenig Berücksichtigung finden die gesellschaftlichen und juristischen Möglichkeiten eines Schwangerschaftsabbruchs. Oft appellieren die Urteile ausdrücklich an das Ideal der gelingenden bürgerlichen Ehe, das diese Frauen eben gerade nicht erfüllten. Der Ausnahmefall setzt die Regel voraus. Die gesellschaftliche Sensationalisierung und Sentimentalisierung von Müttern als Mörder ist ohne den Muttermythos undenkbar, der bis heute nicht aufgelöst ist, sondern im Gegenteil gerade wieder auf die Agenda einer nun aber selbstbestimmten postmodernen Einordnung in die fortbestehende Unfreiheit gesetzt wird. Ein Kindsmord erscheint dieser populären Vorstellung einer gleichsam naturwüchsigen Mutterliebe, mit der die Zuständigkeit der Frau für die Kindererziehung legitimiert wird, als Abfall von der natürlichen Ordnung, der als pathologisch begriffen wird und überdies katastrophale traumatische Folgen für die Frau habe. Dieser Diskurs durchzieht bis heute auch die Abtreibungsdebatten, in denen Frauen damit gedroht wird, dass ein Trauma nach dem Schwangerschaftsabbruch unvermeidlich sei. Der naturalisierten Frau als Mutter wird so weiterhin die selbstbestimmte Entscheidung darüber abgesprochen, wie mit der biologischen Disposition gesellschaftlich und individuell umgegangen werden kann, sie ist nur mehr eine frei Scheiternde. Das eigentliche Tabu des Muttermythos aber ist die soziale Mutterschaft, das Versagen und Scheitern einer Mutter lange nach der Geburt des Kindes. Wie jede Form häuslicher Gewalt gehörte die Gewalt der Mutter zu den lange unausgesprochenen und tabuisierten Bereichen der bürgerlichen Gesellschaft. In Deutschland ist dieser Bereich in den letzten Jahren vor allem durch Eingriff des Staates ins öffentliche Licht gerückt, aber nicht wirklich enttabuisiert worden. Die heute in den Massenmedien ausgemachten Versager sind schnell identifiziert: alleinstehende Mütter, Hartz-IV-Empfängerinnen, oft mit Kindern verschiedener Väter. Rauf und runter bringen Kommunikationsmonstren wie die Supernanny diesen inferioren und leicht debilen Frauen ihre Mutterrolle bei, um ihnen die soziale Kälte technologisch abzutrainieren und ihnen beizubringen, keine Forderungen zu stellen, sondern sich selbst zu fordern. Dass sie versagen oder versagt haben, ist nicht nur individueller Defekt der Frau, sondern Resultat einer misslungenen bürgerlichen Sozialisation oder eines ökonomischen Scheiterns. Es gibt kein Scheitern im Namen der bürgerlichen Gesellschaft, nur eines abseits von ihr. Der Muttermythos, der in puncto Arbeitsteilung vor allem für bürgerliche Frauen einen empirischen Wirklichkeitswert besaß, machte aus der Frau eine gesellschaftlich unzulängliche Täterin. Bis in die 1980er Jahre war jene Frau, die auch Mutter war, die Frau als Mutter und somit die in der Reproduktionsarbeit und der Liebe aufgehenden Person, abgeschnitten von der Sphäre der Lohnarbeit und des politischen Lebens. Umgekehrt galt die Frau immer dann als sozial Scheiternde, wenn sie nicht Mutter sein wollte. In Deutschland hat sich diese Logik vor allem in der historischen Wahrnehmung des Nationalsozialismus niedergeschlagen. Frauen als Täterinnen und Mörderinnen blieben bis in die 1990er Jahre zunächst vollkommen unsichtbar, und dies nicht nur aufgrund der Normen einer „patriarchalen“ Wissenschaft, sondern auch als Abwehr- und Entschuldungsmuster von Frauen selbst. Die Schuldfrage der groß gewordenen 68er-Kinder richtete sich zunächst an die Väter, nicht an die Mütter. In den Massenmedien – zuletzt in dem Film Der Vorleser– tauchen Frauen zwar als Täterinnen auf, sind aber keine Mütter, sondern alleinstehende Frauen und Protagonistinnen faszinierend-abschreckender Liebesgeschichten, die ihre politische Verantwortung als Subjekte ausblenden. Dort, wo sich die Anklage gegen die Mutter richtete – ohnehin der Ausnahmefall –, wurde selten deren soziale und politische Rolle angegriffen, sondern ihr politisches (Fehl-)Verhalten als Scheitern in der Rolle als liebevolle, fürsorgende Mutter, womit Weiblichkeit implizit als Bereich geschichtsloser Privation dargestellt wurde. Am bekanntesten ist wohl die Geschichte der Tochter Ulrike Meinhofs, deren einziges Kapital es war, das politische Urteil über ihre Mutter durch triviale Familiengeschichte zu ersetzen und die Kinder als Opfer einer hartherzigen Mutter zu inszenieren, um Ulrike Meinhof als scheiternde Frau nun noch einmal persönlich zu diskreditieren, statt sie als politisch verantwortliches Subjekt ernstzunehmen. Während die europäische Kultur bis heute von der Imago des Entsagung fordernden Vaters geprägt ist, die in feministischen Diskussionen nicht selten mit einem vermeintlich besseren, „matriarchalen“ Gegenbild konfrontiert wird, zieht sich insbesondere durch die US-amerikanische Populärkultur das Bild der bösen, irren und fanatischen Mutter. Es lässt sich entziffern als Ausdruck einer patriarchal geprägten Gesellschaft, deren eigene Grundlagen zunehmend erodieren, ohne dass ihr Zwangscharakter aufgehoben würde. Väterliche Macht bedeutet nicht automatisch mütterliche Ohnmacht: Im Gegenteil erlaubt der Schutzraum der Kleinfamilie, in den die vom erwerbstätigen Vater abhängige Mutter während der Zeit seiner berufsbedingten Abwesenheit ohne entwickelte soziale Außenkontakte eingesperrt ist, der Mutter den Aufbau einer eigenen Herrschaftssphäre, die als „mütterlicher Aufgabenbereich“ vom Einfluss des Vaters getrennt bleibt. Die ökonomische Ohnmacht der Mutter gegenüber dem Vater darf kompensiert werden durch die mütterliche Macht gegenüber den Kindern und dem Haushalt. So entsteht im Zuge der Pathogenese der bürgerlichen Gesellschaft innerhalb der patriarchal geprägten Kleinfamilie ein eigenes Matriarchat: Ohnmacht und Furcht, die sie vom Vater erfährt, gibt die Mutter an die Kinder weiter, die dabei, selber immer schon prospektive Mütter oder Väter, ihren eigenen Platz in der Hackordnung zu akzeptieren lernen. Doch je weniger selbstverständlich die geschlechterspezifische Aufgabenteilung innerhalb der Familie ist, umso desolater wird diese Konstellation. Stellt sich der väterliche Herrschaftsanspruch angesichts der realen ökonomischen Ohnmacht des Vaters und der sozialen Entwertung seiner angemaßten Rolle zunehmend als fiktiv heraus, während die Mutter durch den wachsenden Zwang, ihre eigene Arbeitskraft zu verkaufen und die bloße Hausfrauenrolle aufzugeben, ihre erworbenen „mütterlichen“ Eigenschaften verliert, erfahren alle Beteiligten die innerfamiliären Rollen, die ihnen nie Freiheit, aber scheinbare Sicherheit gewährten, in wachsender Panik als nicht-identisch mit sich selbst. Weil diese Nicht-Identität wiederum nur als auferlegter Zwang, nicht als Möglichkeit der Freiheit erlebt wird, verwandeln sich die von ihren überkommenen Rollen freigestellten Familienmonaden in dissoziierte Wahnsinnige, die, was ein Zugewinn von Autonomie sein könnte, im eigenverantwortlichen Amoklauf gegen sich selbst und andere austoben. Genau dieser Konnex zwischen väterlicher und mütterlicher Macht und Ohnmacht steht im Mittelpunkt zahlloser US-amerikanischer Thriller und Horrorfilme, zuvorderst der Filme Alfred Hitchcocks, dessen Psycho von 1960 vor allem deshalb als prototypische Amerika-Saga bezeichnet werden kann, weil mit Norman Bates ein schwacher, labiler Mann in ihrem Mittelpunkt steht, der von einer übermächtigen, aber toten Mutter beherrscht wird, deren imaginäre Macht als Prolongierung eines väterlichen Gesetzes erscheint, das in der Gegenwart keine Realität mehr besitzt und sich nur noch als Obsession, als über den Fetischismus der Mutter tradierter Wahn des Sohnes, fortzuerben scheint. Auch Marnie, vier Jahre nach Psycho entstanden, erzählt von einer zugleich ohnmächtigen und dominanten Mutter, von deren trauriger Vergangenheit die Titelfigur besessen ist und von der sie sich befreien muss, um zur „Frau“ werden zu können – was allerdings wiederum nur durch die in diesem Fall buchstäblich erpresserische „Hilfe“ eines Mannes gelingt, der Marnie befähigt, ihre Mutter zu besiegen, nur um sie daraufhin an der Mutter Statt als Ehefrau dem eigenen Hausstand einzugliedern. Robert Aldrichs grandioser Thriller Whatever Happened to Baby Jane? wiederum erzählt, ebenfalls wenige Jahre nach Psycho, die vater- und mutterlose Variante dieser Konstellation am Beispiel einer sadomasochistischen Schwesternbeziehung. Ähnlich sind sich all diese Filme darin, dass sie die konventionelle Vorstellung der Mutter als „Opfer“ des Patriarchats in Zweifel ziehen, indem sie ihr Recht geben: Gerade die Ohnmacht der Mutterfiguren und ihrer Stellvertreterinnen ist es in diesen Filmen, die deren zerstörerische Macht begründet, gerade die Erosion der stabilen familiären Herrschaftsverhältnisse ist es, die, weil sie von den Figuren nicht im Sinne der eigenen Autonomie genutzt werden kann, den freiflutenden Wahnsinn aus sich hervorbringt. Den Verästelungen dieses Motivs in der Filmgeschichte, etwa in seiner komödiantischen (Serial Mom von John Waters) oder in der Splatter-Variante (The Texas Chainsaw Massacre von Tobe Hooper), soll hier nicht weiter nachgegangen werden. Bemerkenswert ist vielmehr, dass es selbst inzwischen tendenziell historisch geworden zu sein scheint. In An American Crime von 2007, der in seiner Dramaturgie und Thematik an verwandte, aber brutalere aktuelle Filme wie Eden Lake (2008) oder Them (2006) erinnert, wird nicht mehr die pathogene Auflösung der Kleinfamilie, sondern deren monströse Restitution mit dem Motiv der mörderischen Mutter in Verbindung gebracht, deren Opfer nicht mehr ihre eigenen, sondern fremde Kinder geworden sind. Der Film von Tommy O’ Haver erzählt weitgehend faktentreu, auf der Basis von Prozessakten aus dem Jahre 1967, die Geschichte von Sylvia Likens (gespielt von Ellen Page), die gemeinsam mit ihrer jüngeren Schwester Jennie von ihren Eltern, fahrenden Zirkusleuten, für die Zeit einer längeren Reise bei Gertrude Baniszewski („Gertie“), einer ärmlich lebenden, alleinerziehenden Mutter von sechs Kindern, in Obhut gegeben wird. Nach und nach macht Gertie Sylvia zum Sündenbock für alle sozialen Kümmernisse, persönlichen Versäumnisse und Ängste von sich selbst und ihren eigenen Kindern: Beginnend damit, dass Sylvias Eltern ihr das für Sylvias Versorgung zu zahlende Geld angeblich zu spät geschickt haben, erfindet sie immer neue, immer abwegigere Vorwände, um Sylvia zu bestrafen. Zunächst werden sie und ihre Schwester lediglich geschlagen, später verletzt sie Sylvia mit einem Flaschenhals in der Vagina, bringt ihr Brandwunden bei und sperrt sie in den Keller, wo sie sie hungern lässt und den Kindern und Jugendlichen der gesamten Nachbarschaft als „Spielzeug“ für unvorstellbare Sadismen zur Verfügung stellt. Als die erschütterten Eltern schließlich erfahren, was Sylvia angetan wurde, ist diese schon an ihren Verletzungen gestorben. Den Rahmen des Films bildet die Erzählerstimme der toten Sylvia, die „ihre eigene Geschichte“ berichtet, sowie die Gerichtsverhandlung gegen Gertrude Baniszewski, bei der nicht nur sie, sondern auch viele der Beteiligten, mehrheitlich minderjährige Jugendliche, für voll schuldfähig erklärt werden. Kate Millett hat in den 1980er Jahren die Geschichte der Sylvia Likens nicht nur dokumentiert, sondern umgeschrieben: „Denn ich war Sylvia Likens. Sie war ich. Sie war sechzehn. Ich war es gewesen … Seither hast du mich begleitet, eine Teufelssaat, ein Alptraum, mein eigener Alptraum, der Alptraum der Jugend, des Erwachsenwerdens eines weiblichen Kindes, des Frauwerdens in einer uns feindlichen Welt, einer Welt, die wir verloren haben und in der wir überall an unsere Niederlage erinnert werden. Was du ertragen hast, ein Sinnbild dafür. Dass es dir von der Hand einer Frau zugefügt wurde, der schlimmste Teil der Geschichte … Wer sonst könnte geeigneter sein, eine Kind-Frau zu zerstören?“ Kate Millett identifiziert nicht nur sich selbst mit der gefolterten und ermordeten Jugendlichen, sondern stilisiert sie zu einer Heiligen, die stellvertretend für alle Frauen Opfer gewesen sei. Die Mutter ist zwar die Täterin, als Täterin jedoch ebenfalls Opfer, die der Jugendlichen angeblich das antut, was ihr die Männer angetan haben: „Wie durchtrieben, dass der Wunsch der männlichen Gesellschaft, die Frau zu kastrieren, von Frauen als ihren Handlangern ausgeführt wird; Frauen, die in ihrer Jugend selbst verstümmelt wurden, verbittert und begierig zu garantieren, dass die jungen niemals jene Freuden erfahren, auf die sie selbst verzichten mussten … Weiblich sein heißt also sterben.“ Die Ahnung, dass das pure Faktum des Weiblichseins als Medium der Solidarisierung nicht hinreicht, schlägt Millett mit einem schnell gesprochenen Todesurteil über alles Weibliche nieder, um die Opfer- und Täterposition getreu der Binsenweisheit, dass im Tode alle gleich seien, im sentimentalen Jargon endgültig verschwimmen zu lassen. Im Film dagegen erfahren wir nichts über die biografischen Ursachen der Taten Gertrudes. Auch das Opfer hat keine klar konturierte Geschichte außerhalb dieser Geschichte. Sylvia wird erstmals in die Familiengeschichte der Baniszewskis verwickelt, als ihr die leibliche Tochter Gertrudes unter Tränen gesteht, von einem verheirateten Mann schwanger geworden zu sein. Sylvia verspricht ihr, das Geheimnis zu wahren. Als die Tochter sich erneut dem Mann zuwendet, um ihm ihre Liebe zu gestehen, weist der sie schroff wie eine lästige Prostituierte ab und droht sie zu vergewaltigen. Sylvia wird Zeugin dieser Szene und unterbricht den Gewaltakt des Mannes mit den Worten „Sie ist schwanger“. Einer der Nachbarsjungen, ein verstockter Außenseiter und zugleich stiller Bewunderer Sylvias, hört diese Worte, und fortan verbreiten sie sich in der Schule. Sylvia, heißt es nun, habe das Versprechen gebrochen und verbreite schändliche Lügen über die Tochter ihrer Gastmutter. Ohne sich der Tochter zuzuwenden, ohne die Wahrheit erfahren zu wollen, nimmt Gertrude diese Gerüchte zum Anlass, den Sadismus ihrer Strafen für Sylvia noch zu steigern. Die Achtung und das Mitgefühl, das Sylvia ihrer Tochter entgegengebracht hat, wird von der Mutter im Beisein der leiblichen Tochter bestraft und exorziert. Millett gestaltet hingegen Gertrude selber als symbolische „Mutter“ Sylvias und spricht an ihrer Statt einen inneren Monolog, der die Folternde und ihr Opfer in eine Beziehung zueinander setzt, statt die brutale Beziehungslosigkeit der Figuren herauszuarbeiten: „Sylvia weigert sich einfach, das Leben ernst zu nehmen, seine Härten und Geheimnisse, den Willen Gottes, die Last. Ihre Aufgabe, die vor ihr liegt, ist, eine Frau zu sein. Es sieht so aus, als hätte sie nicht einmal den leisesten Schimmer, was das eigentlich bedeutet. Mein Unterricht führt zu nichts … Weil sie Widerstand leistet. Sie weigert sich, erwachsen zu werden, wirklich erwachsen. Sie möchte entkommen. Eine Ausnahme sein. Und genauso leichtlebig wie ein Junge. Ein Wildfang, das ist sie, möchte überhaupt keine Frau werden. Also muss ich sie zwingen.“ Umgekehrt konstruiert Millett durch einen inneren Monolog Sylvias eine Beziehung der Gasttochter zu Gertrude als Mutter und Frau: „Wenn einem eine Frau so was antut, ist es anders. Vor Männern habe ich mich schon immer gefürchtet, seit ich mich erinnern kann. Aber nicht vor einer anderen Frau. Einer Mama. Das ist es, warum mich Gertrude so weit gebracht hat, dass ich jetzt nichts mehr machen kann … Wenn ich sie nur umstimmen könnte, wenn sie mich vielleicht unter ihrer Gemeinheit doch auch echt gern hat …“ Im Film gibt es keine solche Ansprache Gertrudes als Mutter, auch keinen artikulierten Wunsch nach emotionaler Anerkennung durch die Gastmutter. Indessen wiederholt Gertie wie im Ritual zur Begründung ihrer Taten den Satz, sie wolle ihre „Kinder schützen“, auch ihr wesentlich jüngerer Liebhaber sagt gegenüber Sylvia zur Entschuldigung von Gertie, ihre Kinder seien ihr „das Wichtigste“. Anders als die früheren Filme über mörderische Mütter, anders aber auch als in der medialen Diskussion über Kindsmörderinnen, führt An American Crime drastisch vor Augen, was es angesichts des Zerfalls der bürgerlichen Familie allein bedeuten kann, die Familie weiterhin zum Fetisch zu erheben, und buchstabiert am Beispiel der sich selbst innig für ihr gesellschaftliches Schicksal bemitleidenden Gertie – symbolisiert in ihrem Asthma, dass sie durch Kettenrauchen verstärkt – die janusköpfige Allianz von Mutterliebe und Mord, Sentimentalität und Grausamkeit aus. Sylvia, selbst keineswegs eine klassisch weibliche, „unschuldige“, sondern eine weitgehend leere Figur ohne konturierte Biografie, ohne klare Vorlieben oder Abneigungen, wird gerade dadurch zur Projektionsfläche für den Hass von Gertie und ihren Kindern auf alles, was sie auch nur entfernt an Glück, an ein halbwegs gelungenes Leben erinnert. Sylvia muss darum im Namen der „Familie“ selbst hässlich und unglücklich gemacht, verstümmelt und geschändet werden. Dass fast alle Kinder der Nachbarschaft sich begeistert an diesem Schändungsritual beteiligen, bestätigt, dass der Film Gerties Taten nicht nur als Resultat ihres persönlichen sozialen Schicksals, sondern als Kristallisationspunkt eines kollektiven Bedürfnisses deutet. Erst im kollektiven Verbrechen findet diese Gemeinschaft von Außenseitern zueinander. Der Skandal besteht nicht einfach darin, dass – wie Millett nahelegt – die Mutter und ihre Töchter Opfer einer patriarchalen Gesellschaft sind, sondern darin, dass an deren Verkehrsformen und Idealen weiterhin festgehalten wird trotz ihrer zunehmenden Auflösung und trotz der bestehenden Möglichkeiten, einen freieren, solidarischen Umgang miteinander auszubilden. Als die Mutter durch den Gemeindepriester auf die Schwangerschaft ihrer Tochter und den Verbleib Sylvias angesprochen wird, leugnet sie weiterhin die Schwangerschaft ihrer Tochter und behauptet, Sylvia in eine Erziehungsanstalt gegeben zu haben. Dieses bornierte, auf unheimliche Weise realitätsfremde Festhalten an der eigenen Lüge lässt sich in keiner Gemeinsamkeit, auch keiner „unter Frauen“, mehr auflösen. Es zeigt in erschreckender Deutlichkeit die Konsequenzen, die es hat, an einem Wertekanon festzuhalten, der nicht nur durch die eigene Erfahrung widerlegt worden ist, sondern auch gesellschaftlich teilweise bereits erodiert. Die Mutter, die sich in eben jener Weise, wie Millett es sich vorstellt, besinnungslos als Mutter und Opfer affirmiert, wird dem Film zufolge gerade dadurch zur Mörderin. Sie ist die Chiffre eines Hasses, der das Bestehende nicht abzuschaffen vermag, sondern es in der grund- und sinnlosen Tortur noch einmal bestätigt. |
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| links (2. März 2012) | March 2, 2012 | 07:14 pm |
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Ein Bekannter hat sein erstes Buch “Ich kann nicht mehr” betitelt. Ich komme zu nichts, ich höre nur noch an (und selbst das in einem Gestus der sich naheliegender wie folgt formulieren ließe “ich höre nur noch ab”). Die Meldungen: Anhörenswert:
Radio (ich entdeckte kürzlich die Seite hoerspieltipps.net und gebe ihr einen Versuch):
Veranstaltungen:
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| Kritik der Religion – Kritik der Gesellschaft | February 7, 2012 | 11:00 am |
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Wir dokumentieren an dieser Stelle mehrere Vorträge, die auf unterschiedliche Weise das Verhältnis von Religionskritik und Gesellschaftskritik zum Thema haben: 1. Leo Elser – Kritik der Religion / Kritik der Gesellschaft: Im Dezember 2011 hat Leo Elser (Redaktion Pólemos) einen Vortrag in Saarbrücken gehalten, in dem er nach der Aktualität der Religionskritik fragt, angesichts einer Gesellschaft, in der Religion nur noch eine Ware auf einem Markt für Seelenhygiene zu sein scheint. Dies tut er ausgehend von dem Marx’schen Satz, dass die Kritik der Religion Grundlage jeder Kritik sei (Kritik der Hegelschen Rechtsphilosophie) und referiert vor allem zu den Begriffen Kritik, Wahrheit und Vernunft. Insgesamt geht es ihm sehr stark darum, sich von Religionskritik als Ressentiment abzusetzen.
2.1 Lars Quadfasel – Der heilige Schein des Kapitals: Im Mai 2011 hat Lars Quadfasel (Hamburger Studienbibliothek) im Café Negation in Dresden einen Vortrag über Glauben und Religiosität im flexiblen Kapitalismus gehalten. Er widmet sich sowohl einer neuen, spiritualisierten und individualisierten Glaubenspraxis, als auch einer verkehrten, positivistischen Religionskritik. (Vgl. hierzu seine Vorträge im Audioarchiv und seinen dreiteiligen Text »Gottes Spektakel«: I, II, III.)
2.2 Kritik an Religion und Religionskritik (Interview): Zum selben Thema gab es im Oktober im Rahmen der Mobilisierung gegen den Papstbesuch in Erfurt ein Seminar mit Lars Quadfasel, wozu im Vorfeld ein Interview mit ihm auf Radio FREI geführt wurde:
3. Magnus Klaue – Ornament und Verbrechen: Die HUmmel-Antifa hat im November einen Vortrag zum Thema mit Magnus Klaue organisiert. Klaue spricht zunächst über den Zusammenhang von Protestantismus, Atheismus und Pädagogik und vergleicht dann Protestantismus und Katholizismus im Bezug auf den jeweiligen Stellenwert von Wort, Bild und Ornament. Er formuliert eine Kritik an den Protesten gegen den unweit zurückliegenden Papstbesuch und vergleicht u.a. den Pluralismus der Zivilgesellschaft mit dem Kompromiss der Ökumene. Zentral ist für den Vortrag auch ein ästhetischer Aspekt des Vergleichs zwischen Katholizismus und Protestantismus, den er u.a. an dem Film »Das Weiße Band« von Michael Haneke, aber auch an verschiedenen Beispielen der Literatur diskutiert. Ein weiterer Aspekt ist das Bilderverbot in beiden Konfessionen. Zuletzt spricht er über die Novelle »Die heilige Cäcilie und die Gewalt der Musik« von Heinrich Kleist. Der Titel des Vortrages ist dem Text »Ornament und Verbrechen« von Adolf Loos entnommen, der sich im Begründungszusammenhang einer extremen Fortschrittslogik für eine Wegrationalisierung jeder Ornamentik ausspricht.
4. Ulrike Eichler – Gott außer Landes. Zur Erfahrung seiner Abwesenheit in der Mystik: Ein Vortrag aus dem Programm von »Weimar denkt«, einem vom Weimarer Friedrich-Nietzsche-Kolleg organisierten Vortragsprogramm. Die Referentin spricht aus einer evangelisch-theologischen Perspektive über insbesondere weibliche Mystikerinnen und deren Differenz zu einer »abstrakt-metaphysisch orientierten« Theologie. Für die größtenteils religionskritischen, atheistischen, säkularen NutzerInnen des Audioarchivs, ist der Vortrag vielleicht als ein Einblick in innertheologische Debatten interessant (u.a. auch die bemerkenswerte, aber sicher nicht zufällige Tatsache, dass auch hier über Nietzsche und Derrida diskutiert werden darf). Insgesamt ist mein Eindruck, dass die im Vortrag beschriebene Suchbewegung eine nach einem sinnlich spürbaren Halt in der Welt ist, ohne diese eigenhändig verändern zu müssen. Dabei kommt m.E. ein Subjektivismus zum Ausdruck, den Elser und Quadfasel in ihren Vorträgen jeweils angesprochen haben. Die Diskussion ist aufgrund des hohen Geräuschpegels im Hintergrund etwas schwer verständlich.
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| permalink | tags: (Aber)Glaube, audio, Dialektik der Aufklärung, esoterik, Gesellschaftskritik, katholizismus, Lars Quadfasel, Leo Elser, magnus klaue, Mystik, Protestantismus, religion, Religionskritik, Spiritualismus, Theologie, Ulrike Eichler | Tags: (Aber)Glaube, Dialektik der Aufklärung, Esoterik, Gesellschaftskritik, Katholizismus, Lars Quadfasel, Leo Elser, Magnus Klaue, Mystik, Protestantismus, Religion, Religionskritik, Spiritualismus, Theologie, Ulrike Eichler | |
| links (10. Januar 2012) | January 10, 2012 | 01:31 pm |
Veranstaltungen:
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| permalink | tags: Antifeminismus, Antisemitismus, Asyl, Barbara Duden, Chemnitz, Deutschland, Dresden, Erwerbslosigkeit, Faschismus, Feminismus, Fritz Bauer, Gunnar Schubert, homophobie, iran, Islam, Körper, kunst, magnus klaue, Nazis, NSU, Peter Bierl, Proletarität, Rassismus, Raum, revolution, Roger Behrens, Roma, Sozialchauvinismus, Stadt, Stephan Grigat | |
| Dialektik und Existenzphilosophie | December 9, 2011 | 10:00 am |
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Mit drei Vorträgen über Dialektik von Existenzphilosophie und westlichem Marxismus hat die Frankfurter Translib noch einmal die Reihe »Existentialism Revisited« fortgesetzt und damit einen Beitrag zu einer Debatte geleistet, die zur Zeit in einem (post-)antideutschen Umfeld ihre Wellen schlägt. Die Diskussion über das Verhältnis von Adorno und Sartre bzw. Existenzialismus und Kritischer Theorie begann zum einen in der vierzehnten Ausgabe der Zeitschrift Prodomo, mit einem Beitrag von Ingo Elbe über Sartres Antisemitismusanalyse, die bereits in der selben Ausgabe eine Erwiderung von Tjark Kunstreich fand. Die Diskussion setzte sich dann in der fünfzehnten Ausgabe mit einem Beitrag von Philipp Lenhard und einem ausführlichen Text zu Sartres Freiheitskonzeption von Manfred Dahlmann fort, war aber bspw. auch zentrales Thema der Tagung der Wiener Sonntagsgesellschaft und ist u.a. Gegenstand in Gerhard Scheits letztem Buch. 1. Roswitha Scholz: »Simone de Beauvoir heute« Roswitha Scholz (EXIT!) diskutiert die Theorie Simone de Beauvoirs anhand ihrer Rezeption im Spannungsfeld von Gleichheitsfeminismus, Differenzfeminismus, dekonstruktivistischem und materialistischem Feminismus. Dazu referiert sie zunächst die Grundlagen des Existenzialismus in seinem Verhältnis zum Marxismus, insbesondere das Verhältnis von Subjekt-Objekt-Dialektik und dem Verdinglichungstheorem und untersucht diese Debatte auf das Geschlechterverhältnis hin. Im letzten Teil skizziert sie die Grundlagen der Wertabspaltungskritik, arbeitet Gemeinsamkeiten und Unterschiede heraus und wirft abschließend einen Blick auf postmoderne Theoriebildung und inwiefern dort de Beauvoir wieder auftaucht (hierbei kritisiert sie u.a. Heinz-Jürgen Voß, aber auch »neo-situationistische« Positionen). Scholz richtet sich eindeutig gegen eine Neuauflage des Existenzialismus. Ein für die Debatte m.E. interessanter Bezugspunkt ihres Vortrags ist der Aufsatz »Phänomenologie und Marxismus in geschichtlicher Perspektive« von Winfried Dahlmeyer. In der Diskussion dreht es sich vor allem um das Theorem der Wertabspaltung und den Begriff des (warenproduzierenden) Patriarchats.
2. Christoph Zwi: »Die Heidegger-Kritik von György Lukács« Zwi gibt einen Überblick über die verschiedenen Anläufe, in denen Georg Lukács den Versuch unternahm, eine grundlegende und immanente Kritik Heideggers Philosophie zu leisten. Während dies in »Die Zerstörung der Vernunft« im Zuge der Kritik des dekadent-bürgerlichen Irrationalismus geschah, entwickelte Lukács in seiner unvollendet gebliebenen »Ontologie des gesellschaftlichen Seins« eine Kritik Heideggers Pseudo-Ontologie, indem er selbst den Ansatz für eine kritische, materialistische und historische Ontologie entwarf. Im größten Teil des Vortrags gibt Zwi einen Überblick über das Verhältnis von Heidegger und Lukács, weist Bezüge und Abgrenzungen auf. Auch hier ist das Subjekt-Objekt-Verhältnis, zwischen bzw. jenseits der idealistischen Figur des identischen Subjekt-Objekt, sowie Subjektivismus und Objektivismus, von zentraler Bedeutung. Außerdem geht es zentral um das Verhältnis von Kategorien, Geschichtlichkeit und Sprache. Ein interessanter Punkt ist die Frage, inwiefern Adorno Ontologie grundlegend verwarf, oder ob er selbst einen kritisch-ontologischen Ansatz hatte. Die Diskussion ist vor allem in der zweiten Hälfte noch einmal sehr spannend – neben interessanten Ergänzungen zu Lukács‘ Ontologie, werden hier konkret einige Sätze von Heidegger unter die Lupe genommen. Mit seiner zentralen Positionierung für eine kritische Ontologie, bezieht Zwi Stellung gegen die meisten Beiträge in der bisherigen Existenzialismus-Debatte.
3. Magnus Klaue: »Abschied von der Geschichtsphilosophie: Adorno, Sartre und die Sehnsucht nach der positiven Freiheit«
In der Verweigerung, zu erkennen, dass man wie die anderen ist, sieht Magnus Klaue einen wesentlichen Impuls des Existenzialismus. Während Heideggers Existenzialontologie gerade in diesem Punkt – sich im willigen Vollzug des schlechten Allgemeinen noch als etwas Besonderes zu wähnen – im Nationalsozialismus verwirklicht wurde, konnte dieses Bedürfnis in Deutschland nach dem NS nicht mehr ohne weiteres über Heidegger geäußert werden, sondern musste seinen Umweg über Frankreich (also die Beerbung Heideggers im Strukturalismus, Poststrukturalismus und in Sartres Existenzialismus) nehmen, so eine zentrale These im Vortrag von Klaue. Er untersucht unterschiedliche historische Ausgangsbedingungen von Sartres Philosophie und der Kritischen Theorie Adornos und inwiefern diese auch die jeweilige Reflexion über Antisemitismus gefärbt haben. Skizzenhaft widmet er sich zudem den unterschiedlichen ästhetischen Konzepten von Sartre und Adorno, indem er Adornos Beckett-Rezeption mit den Dramen von Sartre im Bezug auf das Konzept der Absurdität vergleicht. Klaue begründet eine Kritik am erneuten Aufgreifen von Sartres Freiheitsphilosophie.
Hingewiesen sei noch auf zwei Veranstaltungen zum Thema in Halle: Am 13.12.2011 wird Birte Hewera über »Engagement und Desengagement. Jean-Paul Sartre – Michel Foucault – Jean Améry« referieren und am 15.12.2011 spricht Lars Quadfasel über »Die Abgründe der Autonomie. Zur Kritik von Freiheit und Subjektivität«. Beide Veranstaltungen finden im Melanchthonianum am Uniplatz in Halle statt (via Bubizitrone | via Hintergrundrauschen). Tags: Adorno, Antisemitismus, deutsche Ideologie, Dialektik, Dialektik der Aufklärung, Existenzialismus, Georg Lukács, Heidegger, Magnus Klaue, Materialismus, Nationalsozialismus, Peter Christoph Zwi, Phänomenologie, Philosophie, Reihe Existentialism Revisited 2011, Roswitha Scholz, Sachzwang FM, Sartre, Simone de Beauvoir, subjekt, Subjektphilosophie |
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| permalink | tags: Adorno, Antisemitismus, audio, deutsche Ideologie, Dialektik, Dialektik der Aufklärung, Existenzialismus, Georg Lukács, Heidegger, magnus klaue, Materialismus, nationalsozialismus, Peter Christoph Zwi, Phänomenologie, Philosophie, Reihe Existentialism Revisited 2011, Roswitha Scholz, Sachzwang FM, sartre, Simone de Beauvoir, subjekt, Subjektphilosophie | Tags: Adorno, Antisemitismus, deutsche Ideologie, Dialektik, Dialektik der Aufklärung, Existenzialismus, Georg Lukács, Heidegger, Magnus Klaue, Materialismus, Nationalsozialismus, Peter Christoph Zwi, Phänomenologie, Philosophie, Reihe Existentialism Revisited 2011, Roswitha Scholz, Sachzwang FM, Sartre, Simone de Beauvoir, subjekt, Subjektphilosophie | |
| Magnus Klaue und Oliver Schott über die Liebe | September 22, 2011 | 03:31 pm |
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Auf der Treppe zum Klo war noch Platz, die Liebe trieb die Massen ins Ausland, und sie schienen dort letzten Donnerstag unter der Überschrift “Ich liebe doch alle Menschen…” ein Für (Oliver Schott) und Wider (Magnus Klaue) zu Polyamory zu erwarten. Doch Schott stellt seine “offene Beziehung” ausdrücklich der Polyamory-Bewegung entgegen und Klaue will an diesem “Ausdruck einer Misere” vorbei zur Kritik der Gesellschaft, die sie hervorbringt. Außerdem wirkten beide bei aller Bestimmtheit und auch Schärfe in der Sache vom Tonfall her doch verblüffend nett, statt intellektuellem Ringkampf gab es eher freundliche Kritik und Selbstkritik unter Kollegen. Schott zeichnete denn auch zunächst im leicht albernen Plauderton ein Bild von der Geschichte der Polyamory, für die er ein Verschwinden des ursprünglich feministischen Gehalts konstatierte, und vom heutigen Spektrum der Erscheinungsformen und Abgrenzungslinien. Während einige davon sprächen, daß die Liebe kein Kuchen sei, der aufgeteilt werden müsse, sondern eher ein Muskel, den man trainieren kann, würden andere veritable Gruppenehen führen, in die nur aufgenommen werden könne, wen alle Gruppenmitglieder dabei haben wollen. Vielfach gäbe es eine Abgrenzung zu Swingern, es würde betont, daß es nicht nur um Sex ginge, sondern um Liebe. Für Schott gibt es ein Bedürfnis nach Namen für die Sache, die man treibt, am besten eine Sache mit Wikipedia-Eintrag. Dieser Bewegungsdynamik hält er die “offene Beziehung” entgegen, die nach keiner Schablone ablaufen soll, sondern offen in dem Sinn, daß es immer um Einzelfallentscheidungen geht. Dennoch findet Schott es gut, daß es nun die ganze Diskussion gibt, und wenn sich in dieser Hinwendung zu flexibleren Beziehungen neoliberales Denken spiegeln würde, dann hätte neoliberales Denken vielleicht positives Potential.
Magnus Klaue begann launig und mit sich selbst. Ihm wäre das alles viel zu viel Koordinationsarbeit, es wäre schon schwierig genug, überhaupt jemanden zu lieben, so daß sich im Ganzen die Frage stellen würde, wo denn die ganzen liebenswerten Menschen herkommen sollen. Polyamory ist für Klaue kein Ausweg, sondern Ausdruck von unbewältigter Ohnmacht und Angst, sprachlich zwischen Poesiealbum und BWL-Duktus à la “Beziehungsmodelle” oder “rationale Beziehungsführung”. (Hier schob er einen kurzen Verweis auf Niklas Luhmanns “Liebe als Passion” ein.) Beziehungsgespräche, die man durch die Erfindung des Handys ja leider mitverfolgen müßte, würden die allgemeine Unfähigkeit zeigen, erfahrungsnah über Liebe und Verlust zu sprechen. Es gäbe eine Gleichzeitigkeit von Fetischismus (Beziehung unantastbar, der Begriff “Beziehung” überhaupt) und Verachtung (Vorläufigkeit, jederzeit abbrechbar, “Zusammensein”), die Menschen könnten nichts miteinander anfangen, können aber nicht ohne einander auskommen. Für Klaue ist im Kontext der Polyamory das Eingeständnis verboten, ohne jemanden nicht sein zu können, allgemein das Eingeständnis von Schwäche. (Hier gab’s den obligatorischen Verweis auf Adornos Wort: “Geliebt wirst du einzig, wo du schwach dich zeigen darfst, ohne Stärke zu provozieren” aus der Minima Moralia.) Man müßte mit allem klarkommen können, die Rolle spielen selbständig zu sein. Insofern sei Polyamory eine Form von Selbsttherapie, Kommunikationstherapie. Ebenfalls solle man keine Geheimnisse voreinander haben, worin Klaue eine Mischung aus Transparenzideal und Geständniszwang erblickt. Für Klaue ist das Geheimnis wesentlicher Teil der Liebe, einerseits als das geteilte Geheimnis, das man vor der Welt hat (Kosenamen), andererseits aber auch als Geheimnis voreinander, dessen Zulassen eine Anerkennung von Intimität steckte. Die so beschriebene Kombination von Arbeit und Toleranz wirkt als struktureller Protestantismus: “Protestantismus heißt Toleranz mit zusammengekniffenen Lippen.” Immer müsse man an sich arbeiten, es sei die Rede von Beziehungshygiene, die für Klaue die “schmutzige Wäsche” und die “schmutzige Phantasie” loswerden soll. Er hingegen plädiert dafür, in der Liebe eben nicht zu arbeiten und in der Liebe nicht der bessere Mensch werden zu müssen. Es würde Liebe gerade ausmachen, den anderen erstmal in allen Fehlern und Schwächen zu bejahen: “Daß Liebe blind macht, ist ein freundlicher, zivilisatorischer Aspekt.” Im Universum der Polyamory gelte es hingegen, Liebesfähigkeit als eine Sozialkompetenz zu erlernen, Polyamory erscheine als Beziehungsagentur für schwer Vermittelbare, die ständig mit anderen zusammen sein müssen, nicht allein sein können. Auch serielle Monogamie hieße lediglich, man stagniere wechselnd nebeneinander her. Immerhin hätte Monogamie vielleicht erst ermöglicht, sich in solchem Ausmaß auf eine Person einzulassen. Die Erfahrung von Widersprüchlichkeit und Schmerz, von Verliebtsein und Verlassensein, würde unter Polyamorikern verdrängt. Für Klaue ist Liebe eine Erfahrung der Unversöhntheit mit sich und der Welt: “Liebe ist nicht die Versöhnung, sie verweist nur darauf.” Die Erfahrung von Verlust sei nicht möglich ohne die Erfahrung von Glück, und diese Erfahrung solle aber nicht aufkommen, stattdessen würde eine “falsche Immanenz” Ekstase und Askese verhindern. Entsagung sei eben nicht Verzicht, sondern hielte das Bessere fest, das man nicht findet. In der Polyamory-Welt sei die ganze Erfahrung von Selbstüberschreitung wegrationalisiert; sie würde im Grunde funktionieren wie das verschiedentlich geforderte Existenzgeld: Jeder kriegt mehr als vorher und schon sind alle zufrieden. Das beinhaltet für Klaue ein starkes resignatives Moment. Nun war wieder Schott an der Reihe, der einerseits Klaue unspezifisch zustimmte, andererseits aber fragte, warum all diese Kritik eine Kritik an Polyamory sei. All das gäbe es ja, aber doch nicht nur dort. Begriffliche Konstruktionen seien nun mal leider nötig, sollten aber kritischer Reflexion zugänglich sein. Es gäbe weiterhin eine gesellschaftliche Selbstverständlichkeit von exklusiven Beziehungsmodellen. Auch wenn man die Antwort ablehne, die Polyamory gibt, sei es doch gut, daß die Frage überhaupt gestellt wird, was lange Zeit vorher kaum passiert sei. Gerade das Festhalten an der Liebe verlange nach einer Form der Kritik am exklusiven Modell. Klaue antwortete wiederum, indem er die Ebene verschob, und fragte zurück: “Was sagt es über die Gesellschaft aus, daß über Modelle gesprochen wird?” Die lebendige Vielfalt der Liebe werde zu Modellen verdinglicht, Monogamie sei aber kein Modell, sondern eine historische Konstellation. “Ich hab kein Modell”, sagte er mit seinem charakteristischen, leicht genervten Tonfall. Die Rede vom Modell verharmlose die Gewalt in den Verhältnissen. Sich trotzdem mit dieser Begrifflichkeit anzufreunden, wie Schott es tut, sei resignativ. Erfahrungsprobleme würden so auf Begriffsprobleme projiziert werden, es käme zu einem Begriffspositivismus, und Klaues Frage lautet: “Welche gesellschaftliche Erfahrung bringt diese Begriffe hervor?” Und: “Man verändert die Verhältnisse nicht, indem man sie anders nennt.” Überhaupt gäbe es gar nicht ganz viele Möglichkeiten, wie behauptet werde, sondern bloß zweieinhalb und die seien immer gleich. Die Frage der Polyamoristen an sich selbst würde doch lauten: Wie vergesellschafte ich mich auf der Höhe der Zeit? Erneut sagte Schott, daß er Klaue in vielem zustimmen würde und daß sein Ansatz im Vergleich praktischer sei. Es gäbe keine guten Begriffe, weil die Debattenkultur fehle. An Begriffen wie “Friends with benefits” sei ja sichtbar, wie eng die Bahnen des Denkens und Wahrnehmens sind. Das Nachdenken nehme bedauerlicherweise begriffliche Form an. Zur Liebe, wie Klaue sie zu fassen versucht hatte, käme man aber nicht ohne Kritik am exklusiven Normalbetrieb. Klaue meinte hierauf noch lakonisch, “meine Beziehung” zu sagen sei nicht besser als “meine Freundin”. Dann wurde die Runde geöffnet, und als erstes meldete sich der Administrator eines Polyamory-Forums, der etwas umständlich sagte: Es gibt solche, die es leben, und es funktioniert [!]. Darauf antwortete Klaue, er sei durchaus intolerant und: “Ich lebe nichts, ich lebe.” Er wollte wissen, warum viele Menschen so glücklich sind, wenn sie einen Begriff für das gefunden haben, was sie sowieso schon tun. Das sei Ausdruck von Entfremdung und Automatismus. Liebe sei aber etwas Unpraktisches, es ginge doch gerade darum, den anderen nicht praktisch zu behandeln. Als nächstes wies eine Frau darauf hin, daß es mit der Ablehnung von “Beziehungsarbeit” schwierig wäre, da diese in der Monogamie von der Frau geleistet werde. Schott betonte noch einmal, daß er Klaues Kritik an der Sehnsucht nach Selbstzuordnung teilen würde, machte aber eine Trennung von Leben und dem Nachdenken darüber auf. Er sagte, daß er die Unlösbarkeit anerkennen würde, es blieb aber unklar, was das heißt, wenn er doch eine Lösung zu unterstellen scheint. Klaue wies darauf hin, daß der Begriff der “Beziehungsarbeit” aus der Psychotherapie kommt, was bedeuten würde, daß sich ein Krisenbegriff verallgemeinert, daß Leute nicht mehr miteinander klarkommen. Es sei wie mit dem “lebenslanges Lernen”, das sei ebenso ein Substitut für Erfahrungsunfähigkeit. Dabei käme aber das, was Klaue in Diskussionen über die Liebe erwarten würde, in dieser “Beziehungsarbeit” nicht vor: die Triebe, die Ängste, die Versagung, kurz, die Psychoanalyse. Stattdessen würde psychologisch weitgehend der Behaviorismus vorherrschen. Hier mußte ich den Laden leider schon verlassen und rekonstruiere die restliche Diskussion aus Aufnahmen und dem, was mir noch berichtet wurde: Klaue hatte nichts dagegen, daß über Liebe gesprochen wird, es würde nur so, wie es geschieht, der Sache nur nicht gerecht. Es sei sogar das, was am ehesten am Polyamory-Ansatz zu retten sei: daß über solche Probleme geredet wird. Auf den Einwurf den Forumsadministrators, wie Klaue denn über solche Beziehung sprechen könne, wenn er nie dabei gewesen wäre, antwortete dieser, es würden auf Leute über Raumfahrt schreiben, die nie im All waren. Er müsse nicht so leben, um darüber sprechen zu können. Der Administrator murmelte nun, Klaue sei also bar jeder Erfahrung. Jemand anders sagte, es gäbe einen Unterschied zwischen Erfahrung und Erlebnis. Wieder Gemurmel vom Administrator: “Das glaube ich nicht.” Auf die Frage, wie heute, wo Monogamie nicht mehr historisch bedingt sei, darüber gesprochen werden kann, sagte Klaue, daß Monogamie heute in gewisser Weise nur als Modell gelebt werden würde, auch Ehe sei kaum noch etwas, das einem widerfahren würde, sondern eine Entscheidung. Wenn aber Formen, die sich gerade erst entwickeln, bereits als Modell behandelt werden, würde so mit einer Illusion von Selbsttransparenz historische Entwicklung mißverstanden werden. Geschichtliche Prozesse vollzögen sich teilweise hinter dem Rücken der Beteiligten, die sich somit noch gar keinen Begriff davon machen könnten. Polyamory als Ausdruck einer gesellschaftlichen Konstellation zu fassen, sei etwas anderes als zu sagen, es sei ein Modell unter vielen. Klaue stellte das nun in den Kontext eines “kybernetischen Paradigmas” (hm, Sympathy for Tiqqun?), eines “Automatismus der Selbstreflexion”, unter dem nichts einfach getan werden dürfe, sondern immer überlegt werden müsse, welche Rollenmuster man gerade erfüllen oder konterkarieren würde, ob man alles auf der Höhe seines kritischen Bewußtseins tun würde. Als Forderung sei das ja gut, als Automatismus der Selbstdisziplinierung aber problematisch. (Vgl.: The Contextualization Fairy.) Frage: “Ist das nur bei Polyamory so?” Klaue: Dort würde stärker vollzogen, was sowieso passiert: “Diese Leute drücken uns das nicht auf, sie drücken es nur besonders deutlich aus.” Einwurf: “In der Polyamory wird die Unversöhnlichkeit greifbarer.” Klaue: Es wäre aber keine Erfahrung, die einen mit seiner eigenen Ohnmacht konfrontiert, sondern eine institutionalisierte Vergesellschaftungsform, in der ein echter Bruch gar nicht mehr stattfinden kann. Wie das Gerede von “Patchwork” oder Krise als Chance, liefere es keinen Erfahrungshorizont für die Zukunft, sondern alles müsse ständig schon realisiert werden und sei vorgegeben. Schott fragt, warum für Klaue Polyamory nur Ausdruck negativer Tendenzen sei, während Schott aus Gesprächen den Eindruck gewonnen hat, hier würde sich eine Frage erstmal wieder öffnen, sich neues Bewußtsein bilden, würden Gemeinsamkeiten entdeckt werden. Die repressive Seite der monogamen Norm würde bei Klaue nicht vorkommen. Es wären auch nicht nur Begriffsfetischisten unter den Polyamory-Leuten, sondern viele, für die es nur ein Label ist, unter dem sie ihre Lebensweise vermitteln können als etwas, das nicht krankhaft ist. Für Klaue bleibt die Frage, ob es denn wirkllich so sei wie behauptet, daß dadurch etwas unbehelligt von der Gesellschaft ermöglicht werde, oder ob nicht die Gesellschaft verinnerlicht werde und über lauter Dinge gesprochen, um über andere nicht sprechen zu müssen. Nun gab es eine längere Wortmeldung aus dem Publikum: Ehe sei nicht mehr das durchgängige Modell, die historische Situation sei die, das Liebe vergeht, die Fähigkeit zur Liebe vergeht. Es müsse überlegt werden, was dem entgegengesetzt werden kann, daß wir nicht lieben können, daß wir immer verstümmelter werden. Askese könne das zu Bewußtsein bringen, während Polyamory vorgaukeln würde, es sei alles freier geworden. Es hätte doch mit unserer Überflüssigkeit zu tun, die uns narzißtisch kränkt, womit wir nicht klarkommen. Man suche etwas, wo man noch gebraucht wird, was doch aber dem Bedürfnis entgegengesetzt sei, sich in der Liebe fallenlassen zu können. Schott sieht den Widerspruch nicht. Die objektiven Gegebenheiten wären schon so, aber das bloße Anerkennen davon brächte keinen Schritt weiter. Für ihn ginge es darum, der Liebesfähigkeit und Liebenswürdigkeit so nahe wie möglich zu kommen. Klaue stellte nun klar, daß die Forderung nach Promiskuität für ihn kein Problem wäre, es ginge aber bei der Polyamory darum, daß man viele Menschen lieben könne, was er wiederum als eine Reaktion auf Lieblosigkeit ansieht. Polyamory erschiene als Rationalisierung und Eindämmung von Promiskuität. Es werde die Frustration vergesellschaftet, daß Promiskuität und der allmähliche Fall der Monogamie gar nichts Besseres bringen. Deshalb würden das Gefühl und die Liebe so wichtig werden, und diese Verquickung ist für Klaue problematisch. Frage: “Hat es denn schon mal eine größere Fähigkeit zur Liebe gegeben?” Klaue antwortet, die Möglichkeit von Erfahrung sei duchaus weiterhin gegeben, Augenblicke, in denen sie möglich ist, seien aber partikular und störten im Alltag, könnten kaum noch vermittelt werden. Nicht umsonst würde heute anders darüber gesprochen werden. Für Schott ist die Liebe aber noch am ehesten unter Menschen aufgehoben, die im weitesten Sinne unter polyamor laufen. Sich irgendwie bezeichnen zu müssen, hätte ja auch damit zu tun, daß man vom Umfeld, das Gesetzteslage und gesellschaftliche Erwartung auf seiner Seite hat, unter Rechtfertigungsdruck gesetzt wird. ’68 hätte keine anerkannte Form nicht-exklusiver Beziehung hinterlassen (so wie es mit vorehelichem Sex geklappt hat). Das gelte es nachzuholen. Die letzte Frage richtete sich an Klaue: Was er denn zur Rettung emphatischer Liebe anzubieten hätte. Klaue machte sich darüber lustig: “Ja, wo bleibt denn das Positive?” Das käme ja immer: daß alles so negativ sei und gar nichts über unser praktisches Leben aussagen würde. Für Klaue ist aber in einer negativen Bestimmung der Realität ein Begriff davon enthalten, wie es besser sein könnte. Sie sei nötig, um sich bewußt zu machen, wie ärmlich und eingeschränkt die Sphäre des praktischen Lebens überhaupt ist. Das spräche nicht gegen den Versuch, in der Praxis klarzukommen, niemand solle sich jetzt umbringen. Das typische Abwägen von Vor- und Nachteilen dieses oder jenes Modells sei jedoch nicht so wahnsinnig prickelnd. Er habe nichts dagegen, wenn Menschen sagten, sie würden nicht-exklusive Beziehungen führen, er wolle das aber nicht gesagt bekommen. Im Begriff der Exklusivität stecke ja nicht nur Besitz, sondern auch der Zug vom Spezifischen zum Untauschbaren, zum Unverwechselbaren des Individuums: “Meinetwegen exklusive Beziehungen zu allen möglichen Leuten.” Für Klaue hat Polyamory etwas Schales und Kompromißlerisches. Es sei besser, das Falsche daran auf den Begriff zu bringen. Mehr könne er nicht anbieten. Nun war nach mehr als zweieinhalb Stunden erst Schluß, ich war längst ganz woanders, hatte mir aber auf dem Weg dorthin noch allerlei Gedanken über die Veranstaltung gemacht, von denen ich hier noch einige wiedergeben will. Als jemand, der seine Liebe immer in die Welt zu werfen versucht hat, der trotz aller Enttäuschungen und Verluste und trotz der Einsicht in die Unmöglichkeit, nein: enorme Umwahrscheinlichkeit, es nie aufgegeben hat, diese Liebe dennoch so innig wie möglich mit so vielen Menschen wie möglich zu teilen – die mir auch alle was bedeuten, schon deshalb -, für den auch der Übergang zwischen Freundschaft und Liebe stets fließend war und als jemand, der davon überzeugt ist, daß Menschen innerhalb solcher freundschaftlichen und liebevollen Verbindungen recht unabhängig von diesbezüglichen Plänen sehr viel über sich und die Welt herausfinden (und meinetwegen: lernen) und sich dabei verändern, muß ich Magnus Klaue dennoch in den meisten Kritikpunkten zustimmen und wundere ich mich darüber, wie wenig Oliver Schott trotz aller diesbezüglichen Lippenbekenntnisse darauf eingegangen ist. Klaue hat versucht zu fassen, was da gerade geschieht, versucht, es als Ausdruck und nicht die Sache selbst zu sehen; er ist dialektisch an die Sache herangegangen. Und in dieser konkreten Konstellation spielte Schott den Positivisten, der versucht, das Geschehen für die Praxis im Hier und Jetzt in einem Modell festzuhalten. Wenn er Klaue dennoch so weiträumig rechtgibt, bleibt unklar, warum er dann an den Begrifflichkeiten weiter festhält. Aber: Das falsche Ganze bringt die Möglichkeit (nicht die Gewißheit!) seiner Überwindung selbst hervor. Das spielt sich im Hier und Jetzt ab. Ich gehe in der Regel von Enttäuschungen aus und wurde dann aber – für mich selbst jedesmal überraschend – immer wieder in diesen Enttäuschungen enttäuscht. Ich würde auch nicht von Arbeit sprechen, schon aber von der Möglichkeit, durch eine gewisse Anstrengung und durch Ringen mit sich und dem je anderen es sich doch trotz der üblen Umstände so erträglich wie möglich zu machen, sich gegenseitig die Kraft dafür zu geben, die Auseinandersetzung mit den Verhältnissen zu führen. Das soll ja keine Forderung sein, die man aneinander heranträgt, sondern etwas, das in dem Maße passiert, wie die Liebe es zu tragen vermag. Ich bin über alles erstaunt und begeistert, was zwischen anderen und mir passiert, würde doch aber niemals glauben, daß es direkt an irgendeiner Veränderung bei ihnen oder bei mir liegt, wie es außerhalb von uns insgesamt aussieht. Wenn die Intention hinter den Liebesbeziehungen die der Betäubung und Abpanzerung ist, dann ist es ähnlich wie mit dem entsprechenden Drogengebrauch: daß es nämlich dazu führen kann, daß man sich aus den Konflikten der Welt zurückzieht ins vermeintlich immanente private Glück. Es scheint mir jedoch möglich, auch inmitten von real erfahrener und erlangter Liebe dafür aufmerksam zu bleiben, wie schrecklich die Welt aussieht, vielleicht ermöglicht sie es auch erst, das überhaupt auszuhalten. All my lovin’ won’t calm me down. Was zur Frage aus “Der kommende Aufstand” nach den Zweckbestimmungen der Einrichtungen, die man sich gibt, führt. Wenn es gar nicht meine Intention oder mein Bedürfnis ist, mich auf diesem Weg abzulenken, abzupanzern oder zu versöhnen, wenn ich jedes Quentchen Liebe als das Besondere und die Ausnahme und das Unwahrscheinliche begreife, das es ja ist, dann schärft sich doch meine Kritik an den Verhältnissen, die dies systematisch verunmöglichen. Voraussetzung wäre aber, daß ich es auch nicht “offene Beziehung” nenne, weil die falsche Immanenz und Versöhnung in dieser Wortgruppe schon impliziert ist. Auch die Erfahrung der Liebe, die mir zuteil geworden ist, die ich als immer wieder überraschende Segnung empfinde, hat mir doch nie vorgaukeln können, daß damit alle meine Wünsche in Erfüllung gegangen wären. Wir leben eben nicht in einer freien Assoziation mit guten Menschen und ziehen die Kinder zusammen auf. Das wäre noch viel unwahrscheinlicher als das Liebesglück, das mir schon beschieden ist, weil es noch viel stärker vom falschen Ganzen verunmöglicht wird. (Was aber auch nicht heißt, daß es unmöglich ist!) (Kleiner Realitätsabgleich: Junger Mann, der hinter mir lief, als ich die Veranstaltung gerade verlassen hatte, wohl zum ersten Mal in Berlin, telefonierte im Gehen mit jemandem außerhalb von Berlin, und betonte, wie kraß er von der Stadt geflasht ist, weil es hier offenbar nur lauter Individualisten gibt und weil immer überall Geschäfte aufhaben.) Anderswo schrieb ich zum Thema:
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| Wenn der Kapitalismus ein Mädchen wäre… | July 19, 2011 | 02:08 pm |
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Magnus Klaue und Christiane Ketteler, beide von uns hochgeschätzt und schreibend in einigen Ausgaben aktiv gewesen, widmen sich Tiqqun und schauen mal nach, ob mehr als Prosa bleibt. Heute Abend in der Raumerweiterungshalle am Ostkreuz:
Wenn der Kapitalismus ein Mädchen wäre… |
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| Der postmoderne Körper | June 19, 2011 | 02:31 pm |
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1. Die Antiquiertheit des Sexus – Zur Kritik der postmodernen Körpertechnologie: Im Rahmen der Reihe „Hab mich gerne, Postmoderne. Zur Kritik des Poststrukturalismus“ der Gruppe AG No Tears for Krauts referierte Magnus Klaue am 18. Mai 2011 über die Ersetzung des Leib-Begriffs durch den des Körpers in der postmodernen Körperpolitik. Er geht dabei zunächst auf das Konzept der Polyamorie ein, das er als einen rationalisierten, technisierten Umgang mit eigenen Gefühlen kritisiert. Während in der Polyamorie über Sexualität eigentlich gar nicht mehr gesprochen wird, ist die Austreibung der Sexualität auch für postmoderne Körperkonzepte kennzeichnend. Während im Begriff des Leibes auf etwas nicht Verfügbares verwiesen ist und zudem mit der Thematisierung des Alterns Geschichtlichkeit impliziert, ist hier der Körper als etwas bloß Erzeugtes nur noch ein Ensemble von Technologien, das keine Geschichte mehr hat. Die Aufnahmequalität ist leider nicht sonderlich gut.
2. Der (post-)moderne Körper – Ort der gelebten Möglichkeiten?: In ihrem Vortrag über den postmodernen Körper im Rahmen der Reihe „Kunst, Spektakel und Revolution“ kritisieren Katja und Korinna (siehe ihren Artikel Fat is a feminist Issue hier oder zum anhören hier) aus einer dezidiert feministischen Perspektive ebenfalls das postmoderne Verhältnis zum Körper. Grundthese ist hier mit Marx und Adorno, dass das verdinglichte Gesellschafts-Naturverhältnis in der kapitalistischen Produktionsweise neben einer Beherrschung der äußeren Natur auch die des eigenen Leibes bedeutet. Die so beherrschte und verdrängte Natur kehrt im bürgerlichen Konzept der Weiblichkeit wieder – die verdrängte menschliche Leiblichkeit wird auf die Frau projiziert. Mit der Emanzipation der Frau zum bürgerlichen Subjekt verschärft sich das weibliche Verhältnis zum eigenen Körper jedoch: sie muss Natur zugleich repräsentieren und beherrschen. Was diese Veränderung für weibliche Körperlichkeit bedeutet, hat dabei etwas mit den Veränderungen im Produktionsprozess zu tun: während im industriellen Zeitalter der Körper ein Mittel der Produktion darstellt, wird er im post-industriellen Zeitalter aus dem Produktionsprozess ausgeschlossen und selbst zu einem Gegenstand der Produktion: er wird zu einem gestaltbaren, jederzeit verfügbaren Produkt. Was dies für viele Frauen bedeutet, ist Gegenstand des Vortrags. In Weimar haben Katja und Korinna ihrem Vortrag ein Musikvideo vorangestellt, welches hier angesehen werden kann.
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| Die Bahamas und die kommenden Aufstände | May 23, 2011 | 03:13 pm |
Inkohärente Stichwortsammlung mit Anmerkungen,
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| links (12. mai 2011) | May 12, 2011 | 04:42 pm |
Auftauchen:
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Ansehen:
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| Haselnuß dann eben schwarzgrün | April 11, 2011 | 01:23 pm |
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In der aktuellen “Jungle World” stehen gute Texte zum Weg in die schwarz-grüne Einheitssoße. Volker Weiss schreibt über das “Bedürfnis des Bildungsbürgertums nach Sinnstiftung”, das “den Grünen zum Wahlerfolg verholfen” hat: >>Sie sind die legitimen Erben des bürgerlichen Konservatismus. (…) Getreu der Dialektik des Machterhalts, die der italienische Schriftsteller Tomasi di Lampedusa formulierte, gilt: Manchmal muss sich eben etwas ändern, damit alles so bleiben kann, wie es ist.<< Magnus Klaue: Deutschland sucht den Super-Gau >>Genug Material gäbe es also, an dem sich Kritiker der deutschen Anti-Atomkraft-Bewegung abarbeiten könnten. Doch die wenigen, die sich der Aufgabe annehmen, haben mit den Umweltaktivisten leider gemein, sich als alleinige Hüter der Vernunft zu verstehen – einer Vernunft, die entgegen dem Selbstverständnis derer, die sie predigen, vom kleinbürgerlichen Vertrauen in »Expertenwissen« sowie von der festen Überzeugung getragen ist, was die Vorstellungskraft übersteige, das könne auch nicht geschehen.<< Und Markus Ströhlein bemerkt zur Ethikkommission “Sichere Energieversorgung”: >>Die Bundesregierung hat also offensichtlich ihre Kalkulation des »atomaren Restrisikos« aktualisiert und ist zu dem Ergebnis gekommen: Atomkraft lohnt sich nicht mehr. Verstrahlte Landstriche, kranke, tote und deshalb nicht mehr sonderlich tüchtige Bürger – das wären schlechte Geschäftsbedingungen für den Standort Deutschland.<< |
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| Oh Mother! | March 23, 2011 | 02:55 pm |
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Für die aktuelle Ausgabe HATE#8 hat Christiane Ketteler, gemeinsam mit Magnus Klaue, einen Text über die Mutter als Mörderin verfasst. In der aktuellen Ausgabe der Jungle World findet sich ebenfalls ein Artikel zu einem ganz ähnlichen Thema von ihr: Sie bespricht die Ausstellung Beyond Re/Production: Mothering, die noch bis zum 25. April im Kunstraum Kreuzberg läuft: “Die Ausstellung »Mothering« verhandelt die Forderungen einer modernen Leistungsgesellschaft, in der Männer, Frauen und Transgender ökonomisch selbständig, jung, leistungsfähig- und willig, unabhängig und zielgerichtet sein sollen und in der sich zugleich der Ruf nach Fürsorge doch immer wieder an Frauen richtet. Der Begriff »Mothering« fokussiert nicht die leibliche Mutterschaft, er betont vielmehr die traditionell der Frau zugeschriebenen Tätigkeiten – von der Kinderbetreuung bis zur Haus- und Pflegearbeit – und macht ihre Umverteilung sichtbar. Es sind Tätigkeiten, die sich nur schwer mit dem Selbstbild einer Leistungsgesellschaft vereinbaren lassen und die unter den Bedingungen neoliberaler Arbeitsverhältnisse kaum mehr von den Individuen ausgefüllt werden können. weiterlesen |
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| Material zu Paul Celan | September 20, 2010 | 01:22 pm |
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1. Magnus Klaue – SARKASMEN. Überlegungen zum poetischen Interventionismus in Paul Celans Spätwerk
Download: via FRN [mp3; Stereo; 128 kbps; 42,0 MB] oder nachbearbeitet via MF [mp3; Mono; 40 kbps; 13,1 MB] 2. Ich hörte sagen. Gedichte und Prosa
Schnabelfeld 3. Wutpilger-Streifzüge. Fragmente aus Politik und Kultur #1 Das Debut der Sendereihe „Wutpilger-Streifzüge“, in dem das Sendekonzept vorgestellt und Überlegungen zur Möglichkeit einer Radiosendung angestellt werden, enthält die Lesung und eine Interpretation des Celan-Gedichtes „Wutpilger-Streifzüge“ (Fadensonnen, PCGW II, S.169). Das in der Sendung enthaltene Kurz-Essay zu Fragment und Aphorismus kann hier nachgelesen werden. Download [via MF; mp3; Stereo; 128 kbps; 52 min 17 sec; 47,9 MB] 4. Lorettas Leselampe – Dezember 06 Lorettas Leselampe stellt in diesem Sende-Ausschnitt die 2006 aus dem Nachlass erschienenen Prosa-Fragmente Celans (Paul Celan: Mikrolithen sinds, Steinchen. Die Prosa aus dem Nachlass. Suhrkamp) vor. Download [via MF; Stereo; 128 kbps; 18 min 57 sec; 17,4 MB] 5. Bremer Literaturpreis 1958 Celan wurde 1958 für seine Bände „Mohn und Gedächtnis“ und „Von Schwelle zu Schwelle“ der Bremer Literaturpreis verliehen. Hier ein kurzer Auszug aus seiner Rede während der Preisverleihung: hören [Radio Bremen] 6. Literaturempfehlungen zum Thema: Gerhard Baumann: Erinnerungen an Paul Celan. Frankfurt a.M. 1986 John Felstinger: Paul Celan. Eine Biographie. München, 1997 Marlies Janz: Vom Engagement absoluter Poesie. Zur Lyrik und Ästhetik Paul Celans. Frankfurt a.M. 1976 Winfried Menninghaus: Paul Celan. Magie der Form. Frankfurt a.M. 1980 |
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| permalink | tags: Ancel, Antschel, Ästhetik und Kulturkritik, audio, Auschwitz, bremen, Gedichte, Kunsttheorie, Literatur, Lorettas Leselampe, Lyrik, magnus klaue, nationalsozialismus, Paul Celan, Verdinglichung, Wutpilger Streifzüge | |
| links (13.juni2010) | June 14, 2010 | 12:26 am |
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Arbeit, Arbeit; meine derzeitige Gefühlslage lässt mich die Figur des Peon in meinen Kopf halluzinieren. Da drängt sich meiner Müdigkeit die flankernde Ablenkungssehnsucht auf:
Anhören:
Veranstaltungen etc.:
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| Doch noch Kritik // Magnus Klaue über die Kindheit und ihre Ideologisierung | June 2, 2010 | 07:59 pm |
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Da unterhalte ich mich heute Mittag noch darüber, dass es momentan viel zu wenig gute, tiefgreifende Kritik in Form von Feuilleton-Artikeln und Essays gibt und werde gleich am Abend bei der Lektüre der jungle-world-Beilage dschungel Lügen gestraft. Der Artikel von Magnus Klauezur (bürgerlichen) Kindheit und ihrer Ideologisierung, den ich hier natürlich verbreiten muss, glänzt nicht nur mit treffender Erkenntnis, sondern auch mit einem erhellenden Bezug auf Walter Benjamins Darstellungen der Kindheit. Bitte mehr davon! |
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