tag ‘leipzig’
Deutsche Dörfer: Comeback der 90er? April 8, 2014 | 07:14 am

Im Zuge der Leipziger Buchmesse lud die Jungle World ins Conne Island um über den Antirassismus im Zeichen der Nazi- und Bürgerproteste gegen Flüchtlingsheime diskutieren zu lassen. Der knapp zweistündige Mitschnitt der Veranstaltung gibt einen bemerkenswerten Einblick in den Zustand der hiesigen Linken im Jahr 2014: Christian Jakob weist zu Beginn sachlich auf die (durchaus verbesserte, aber weiterhin desaströse) Situation von Flüchtlingen in Deutschland hin, Jennifer Stange erinnert daran, dass es Proteste gegen Notunterkünfte nicht nur in der Zone gab/gibt und während Felix Fiedler in den Flüchtlingsprotesten eine neue Perspektive für die radikale Linke sieht, macht Jan (Georg) Gerber auf das instrumentelle Verhältnis dieser in Bezug auf Flüchtlinge aufmerksam.

Die Zahl rechtsextremer Angriffe auf Flüchtlingsheime hat sich 2013 im Vergleich zum Vorjahr fast verdoppelt. Bürger protestieren gemeinsam mit Nazis gegen die Unterbringung von Asylsuchenden. Das erinnert an die neunziger Jahre. Gleichzeitig haben Flüchtlinge den Widerstand gegen das Migrationsregime mehr und mehr selbst in die Hand genommen und die Flüchtlingsabwehr hat sich an die europäischen Außengrenzen verlagert. Wie geht die Linke mit dieser Situation um? Muss sich antirassistische Arbeit zuerst gegen den gesellschaftlichen Rassismus wenden oder gegen die staatliche Flüchtlingspolitik? Ist wieder klassische Antifa-Arbeit gefragt? Oder geht es jetzt darum, vor allem Flüchtlinge bei ihrem Kampf zu unterstützen?
Die Wochenzeitung „Jungle World“ diskutiert dies mit Christian Jakob, Felix Fiedler, Jennifer Stange, Jan-Georg Gerber. Moderation: Ivo Bozic

    Download: via AArchiv (mp3)
Tags: , , , ,

CC-TV Connewitz March 31, 2014 | 08:14 pm

Eine Veranstaltung in der vergangenen Woche widmete sich dem Thema “Gefahrengebiet Connewitz” und lud zu Diskussion und Vortrag ins UT-Connewitz. Das Interesse groß, die Befindlichkeiten divers, die Diskussion lahm – könnte eine Einschätzung lauten (der Saal leerte sich während der bis auf wenige emotionale Ausbrüche spürbar unterspannten bzw. planlosen Atmosphäre). Politisch wurde es (im Gegensatz zu der Forderung der Initiatoren) nicht sehr.

Anlass die eigene Kiezigkeit zum Gegenstand eines Abends zu machen ist ein – nach Auszug eines städtischen Amtes – jüngst eröffneter Polizeiposten (hinter den mittlerweile mit Sichtschutzfolie beklebten Fenstern befinden sich ein paar Tische und Stühle mit Computern); bislang weist kein blau-leuchtendes Schild die Räumlichkeiten als polizeiliche aus. Ab und an stehen Männer und Frauen in blauen Uniformen mit Pistolen im Holster vor der Tür, rauchen und quatschen. Die erkenntlich polizeilichen Dienstfahrzeuge parken am Straßenrand und um die Ecke. Dass es auch zivile Bestreifung gibt soll nicht unerwähnt bleiben, kommt die staatliche Repression doch manchmal auch bunt-bürgerlich daher. Das neue Polizeibüro, wenige hundert Meter vom Connewitzer Kreuz entfernt – was bereits seit einiger Zeit mit Kameras überwacht wird (s.u.) -

cc-tv-connewitzer_kreuz(src)

veranlasste einige Ladenbetreibende und Einzelhändler zu einem (politischem?) Statement. In dem Faltblatt heißt es treffend: “Hier wird nicht das potenzielle Ausüben von Straftaten kontrolliert, sondern der der Raum an sich.” Den Vorwurf von Kiezromantik versuchen die Schreibenden nach einer Liebeserklärung (“stets ein alternatives linkes Viertel geblieben [...] so sind wir gern in diesem Kiez, auch wegen seiner Geschichte. Weil es hier die dringend notwendigen Freiräume gibt, weil wir hier unsere kulturellen und politischen Ansätze entwickeln und ausleben können”) mehr schlecht als recht zu leugnen. Nicht nur Beamte in und ohne Uniform kontrollieren und observieren sondern auch Überwachungsinstrumente – etwa Kameras. An dieser Stelle scheint eine Analogie zum Verhalten von Kühen in automatisierten Melkmaschinen einigen Lesenden unangebracht – doch ohne Menschen geht es denen besser, haben die Viecher erwiesenermaßen weniger Stress – bei Menschen ist das vielleicht ähnlich? Stressgefühle wegen Überwachung dürfte diese versteckte und jüngst im Quartier (Simildenstraße) entdeckte kleine Kamera nicht ausgelöst haben:

cam3(src)

Dass die Behörden versteckte Kameras für ihre Ermittlungstätigkeit nutzen ist nicht neu. Während der Ausbau der öffentlichen Überwachung an Ampeln und Gebäuden ohne weitere größere Proteste stattfindet, werden PolizistInnEn die ihre Dienstfahrten statt in dem Polizeirevier in der Richard-Lehmann-Straße in der etwa 800 Meter entfernten Biedermannstraße beginnen und beenden als Bedrohung wahrgenommen. Gewiss ist das Unbehagen berechtigt, steigert es doch die Wahrscheinlichkeit auf dem Weg durch den Kiez von einem gelangweilten dienstabsolvierendem Beamten aus irgendwelchen Gründen angehalten und gerüffelt, kontrolliert oder gar festgesetzt/eingesackt zu werden.

Die Wahrscheinlichkeit Opfer einer Polizeikontrolle zu werden ist indes als weißer Durchschnittsdeutscher niedriger als etwa ein Mensch mit einer anderen Hautfarbe. Kameras sind da weniger wählerisch.

cc_tv_vienna(src)

Dass die Insel Connewitz schon lange nicht mehr bzw. nie wirklich eine alternative Insel jenseits kapitalistischer Verwertungslogik war, sondern diese Mythen selbst schuf & aufs Revers packte wird hoffentlich wenige Köpfe erstaunen. Dass der Kiez wie jeder Stadtteil eine eigene soziale und infra-Struktur hat und aufgrund dessen die Lebensqualität bestimmt wird ist ebenfalls nicht neu. Der polizeiliche Hotspot verankert die Präsenz der Exekutive ohne Zweifel stärker als bisher im Stadtteil. Von Einigen wurde es als politisches Signal verstanden (Leipzigs Oberbürgermeister Burkhard Jung bezeichnete den Polizeiposten als “geniale Idee”) und die mit ihrem Büro im Viertel zu findende Linke Jule Nagel wünschte sich eine stärkere Politisierung der Anwohnenden. Eine der ersten öffentlichen Reaktionen war eine mehr oder weniger erfolgreiche Satire (siehe NoPoliceDistrict-Connewitz und Connewitzer-Dorf-Union Demonstrationen indymedia oder indylinksunten) vor der polizeilichen Behausung.

Der repressive Kontext all dessen sollte nicht unerwähnt bleiben – CCTV (siehe auch invenati-Antifa-Le), verdeckte Überwachung, zivile Bestreifung und letzten Endes Niemand der für etwaige Gesetzesbrüche haftbar zu machen wäre (wie die Überwachung eines linken Kulturzentrums in Freiburg jüngst zeigt, siehe TAZ.de).


Einsortiert unter:über-denken, das leben in der stadt, Foto/Bild, kleinigkeiten-über-denken, leitmedien, lesenswert, normal vs. strange, Video/Film Tagged: überwachung, biedermannstraße, cctv, connewitz, kamera, Leipzig, polizei, polizeirevier, repression, zivilstreife

Deutsche Dörfer: Comeback der 90er? March 28, 2014 | 06:09 pm

Im Zuge der Leipziger Buchmesse lud die Jungle World ins Conne Island um über den Antirassismus im Zeichen der Nazi- und Bürgerproteste gegen Flüchtlingsheime diskutieren zu lassen. Der knapp zweistündige Mitschnitt der konfrontativen Veranstaltung gibt einen bemerkenswerten Einblick in den Zustand der hiesigen Linken im Jahr 2014: Christian Jakob weist zu Beginn sachlich auf die (durchaus verbesserte, aber weiterhin desaströse) Situation von Flüchtlingen in Deutschland hin, Jennifer Stange erinnert daran, dass es Proteste gegen Notunterkünfte nicht nur in der Zone gab/gibt und während Felix Fiedler in den Flüchtlingsproteste eine neue Perspektive für die radikale Linke sieht, macht Jan (Georg) Gerber auf das instrumentelle dieser in Bezug zu Flüchtlingen aufmerksam.

Die Zahl rechtsextremer Angriffe auf Flüchtlingsheime hat sich 2013 im Vergleich zum Vorjahr fast verdoppelt. Bürger protestieren gemeinsam mit Nazis gegen die Unterbringung von Asylsuchenden. Das erinnert an die neunziger Jahre. Gleichzeitig haben Flüchtlinge den Widerstand gegen das Migrationsregime mehr und mehr selbst in die Hand genommen und die Flüchtlingsabwehr hat sich an die europäischen Außengrenzen verlagert. Wie geht die Linke mit dieser Situation um? Muss sich antirassistische Arbeit zuerst gegen den gesellschaftlichen Rassismus wenden oder gegen die staatliche Flüchtlingspolitik? Ist wieder klassische Antifa-Arbeit gefragt? Oder geht es jetzt darum, vor allem Flüchtlinge bei ihrem Kampf zu unterstützen?
Die Wochenzeitung „Jungle World“ diskutiert dies mit Christian Jakob, Felix Fiedler, Jennifer Stange, Jan-Georg Gerber. Moderation: Ivo Bozic

    Download: via AArchiv (mp3)
Tags: , , , ,

the moon is rising March 24, 2014 | 11:31 pm

Believe it or not – this is the old pal moon (not the great mother sun) rising:the_moon_is_rising_ikl959.com(shot in Leipzig a while ago; compare this or that)


Einsortiert unter:über-denken, das leben in der stadt, Foto/Bild, normal vs. strange, pic of the day Tagged: Leipzig, mondaufgang, moon rising, nacht, vollmond

city-glow March 12, 2014 | 02:51 am

during the night in distance the city is gleaming
licht-nacht_ikl959.com(shot in Leipzig)


Einsortiert unter:auf dem land, das leben in der stadt, Foto/Bild, kleinigkeiten-über-denken, light pollution, normal vs. strange, pic of the day Tagged: Leipzig, lichtverschmutzung, light pollution, nacht, wald

Die alternativlose Universität March 11, 2014 | 08:58 am

Ein Feature, welches auf einem Text des Leipziger AK Gesellschaftskritik basiert, von Radio Corax über den Zustand an den hiesigen Universitäten und der Kritik des Studierens, ist hier zu hören.

Tags: , , , ,

Gefahrengebiete January 11, 2014 | 03:31 pm

In Hamburg wurde es ausgerufen, erweitert, wieder verkleinert – das Gefahrengebiet. Die sich darin bewegende Bevölkerung unterliegt einer gefühlten Polizeiwillkür, denn Kontrollen, Platzverweise und sogar Freiheitsentzug aka Ingewahrsamnahmen werden zu einem adäquaten und öfter genutztem Instrumentarium der rechtsstaatlichen Exekutive. Ist die reale Umsetzung in Anbetracht einer möglichen Gefahr verhältnismäßig? Das Wissen um die eigenen Rechte und Pflichten schwindet all zu oft im Angesicht von uniformierten Staatsbeamten, deren Auftreten trägt nicht selten zur weiteren Verunsicherung bei.

In Leipzig wurde kein Gefahrengebiet ausgerufen, trotzdem ist ein erkenntlich repressiver Moment aufgetaucht: Zivilfahrzeuge, in welchen Polizisten unterwegs sind. So kommt es zu dem karnevaleskem Moment, dass erkenntlich ein uniformierter in einem roten Auto am Steuer sitzt und durch die Straßen fährt. Ist der grade im Dienst oder auf dem Heimweg? Unterwegs zu einem Spezialeinsatz? Oder sind alle Dienstfahrzeuge in der Reparatur und die Polizei least ihre Einsatzwagen schon?Ach nein, es gab doch neue Dienstwagen. Also ist es Strategie – zivile Bestreifung. Bleibt nur zu sagen: nach sächsischem Polizeigesetz sind die Beamten im Dienst (ob zivil oder nicht) verpflichtet ihren Dienstausweis zu zeigen - auch ich (obwohl nicht im Dienst!) werde ja kontrolliert und soll mich ausweisen. Der sächsische Polizeiausweis

[...] ist auf Papier gedruckt. Auf dem laminierten Ausweis befinden sich der Polizeistern, der Familien- und Vorname, die Amtsbezeichnung, die Ausweisnummer sowie ein Lichtbild des Inhabers. Der Papierausweis trägt die Unterschrift des Beamten und das Dienstsiegel der beschäftigenden Dienststelle. [...] Alle Angehörigen des Polizeivollzugsdienstes (Polizeivollzugsbeamte und sonstige Bedienstete, die vollzugspolizeiliche Aufgaben wahrnehmen) sind im Besitz eines fälschungsgesicherten Polizeidienstausweises. Der Polizeivollzugsbeamte hat grundsätzlich seinen Polizeidienstausweis im Dienst mit sich zu führen. (src)

sieht so aus:polizei-dienstausweis-sachsen

(src)

§8 Sächsisches Polizei-Gesetz (Ausweispflicht):

Auf Verlangen des Betroffenen haben sich Bedienstete der Polizeibehörden und des Polizeivollzugsdienstes auszuweisen. Das gilt nicht, wenn die Umstände es nicht zulassen oder dadurch der Zweck der Maßnahme gefährdet wird. (src)

Wie die Umstände waren und wodurch gefährdet war – die Juristerei gleicht der Philosophie, das Erscheinen und Agieren der Polizei ist manchmal ebenso willkürlich.

Weshalb nun die Zivilstreife (wkpdia)? Georg Kreisler würde sagen, aus Angst.

[...] Die Polizei in ihrer ganzen Blüte, von der du Schutz und Opfermut verlangst, schützt dich nicht aus Sympathie oder Güte, nur aus Angst, nur aus Angst.

Der Polizist, dem du des nachts begegnest und der dich Heim führt, falls du etwas schwankst, tut das nicht weil du ihn lobst oder segnest, nur aus Angst, nur aus Angst.

Er hat Angst vor dem Chef, er hat Angst vor der Nacht, er hat Angst Jemand könnte ihn sehen, er hat Angst vor sich selbst, seiner Frau, seiner Macht, er hat Angst vor den eigenen Ideen und hat Angst es könnt ohne ihn gehn.

Die Polizei sitzt heute in der Falle, sie hilft Dir nur weil du sie dazu zwangst. Aber sonst ist sie genau so wie alle: sie hat Angst, nichts wie Angst. [...] (src)

(via – lesenswert; vgl. auch indymedia 2011)


Einsortiert unter:das leben in der stadt, kleinigkeiten-über-denken, lesenswert, Music, normal vs. strange Tagged: connewitz, Leipzig, polizei, polizeiausweis, sachsen, zivilkontrollen, zivilstreife

Kraftwerk Lippendorf January 10, 2014 | 07:06 pm

Braunkohle aus der Region gab es mal vor paar Jahren bissel intensiver (sehenswertes über die Situation in Espenhain im Jahr 1990 bei Spiegel-TV zu finden) als heute, auch wenn immer noch gebaggert und verbrannt wird.kraftwerk_lippendorf_ikl959(im Süden Leipzigs)


Einsortiert unter:auf dem land, Foto/Bild, leitmedien, normal vs. strange, pic of the day, Sehenswertes, Video/Film Tagged: braunkohle, espenhain, fernwärme, kraftwerk lippendorf, Leipzig

Gentrifizierung Leipzig 2013 December 15, 2013 | 05:46 pm

bayerischer_platz-leipzig_s-bahn_ikl959.com(neue S-Bahn-Haltestelle Bayerischer Platz in Leipzig)

Heute ist in Leipzig nach etwa zehn Jahren werken der City-Tunnel für die Öffentlichkeit in Betrieb gegangen. Nun beginnt eine Phase der Neugestaltung – alte S-Bahn-Stationen an der alten Route gelegen werden zukünftig der Vergangenheit angehören (Leipzig Ost, Sellerhausen); die alte Bahnstrecke soll(te ?) nach Stilllegung für den unmotorisierten Verkehr und Pedastriants als Weg und/oder Naherholung nutzbar gemacht werden – ob dem so wird darf beobachtet werden.

Nun beginnt also die Tunnel-Ära in Leipzig. Dies wird nicht ohne Veränderung innerhalb der Immobilienlandschaft bleiben bzw. hat sich schon vollzogen. Mobilitätsaspekte bestimmen nachhaltig die Wohnungs- und Lebensumgebungswahl.

Derzeit noch ungebaut in Leipzig das Williams-Quartier (Bernhard-Göring Str.)
b.göringstr.-williams-quartier-leipzig-ikl959.com

(unten) Den Baustart schon hinter sich die Stadtvillen in der Südvorstadt:

alfred_kästner_strasse_stadtvillen_leipzig02-ikl959.com(oben/unten: im Bau befindlich “Stadtvillen Südvorstadt”, Alfred-Kästner-Straße Leipzig; klick to enlarge)

alfred_kästner_strasse_stadtvillen_leipzig-ikl959.com

Wie schön dass es bald neuen Wohnraum gibt (zuletzt verschwanden immer mehr Sozialwohnungen, jedoch sind Stadtvillen kein bezahlbarer Ersatz), obwohl trotz dessen der existierende Leerstand unverständlich bleibt, wie etwa hier zu sehn.


Einsortiert unter:das leben in der stadt, Foto/Bild, normal vs. strange Tagged: bayerischer platz, city-tunnel, gentrifizierung, Leipzig, stadtvillen

Der Krieg in Syrien November 28, 2013 | 07:52 pm

Einen sehr informativen Überblick über Ursachen, Verlauf und Prognosen des Krieges in Syrien gab Florian Markl (Mena) bei einer Veranstaltung in Leipzig. Hier das Referat, dort die Diskussion.

Tags: , , ,

Vortrag von Tilman Tarach am 04. Dezember in Leipzig: Feindbild Israel – der ewige Sündenbock November 27, 2013 | 10:23 am

Über keinen Staat gibt es so viele Gerüchte wie über Israel. Tilman Tarach zeigt, dass die deutschen Medien, aber auch Organisationen wie die Uno und jede Menge »Israelkritiker« den Stoff liefern, aus dem diese diffamierenden Legenden gestrickt werden. Die alte Parole »Die Juden sind schuld« wird heute in weiten Teilen der Gesellschaft begierig auf den [...]

Who killed Bambi? July 16, 2013 | 10:38 pm

oder: Die vermeintliche Insel Connewitz

Derzeit in Leipzig plakatiert zu finden “Who killed Bambi?“. Es ist ein Text, welcher sich mit dem gesprühten Handwerk in der Öffentlichkeit, im öffentlichen Raum, beschäftigt. Primär geht es um die Frage, ob es gerechtfertigt ist gesprühte Auftragswerke mit Hatelines zu crossen. Im Text wird zur Schlussfolgerung gekommen: Die “private Aneignung des öffentlichen Raums sowie den damit verbundenen Versuch der Verdrängung einer Subkultur halten wir für nicht hinnehmbar.” Gesprühte Auftragsarbeiten werden als Aufwertung des Lebensraumes verstanden – jene bunten Bilder im eigenen Kiez würden die Gentrifizierungsspirale auch vor der eigenen Haustür weiter drehen, nun sei auch von der eigene Wohnraum, das Lebenskonzept Connewitz bedroht (click pic to enlarge).

who_killed_bambiDoch schräg wird der Text an späterer Stelle. Dort wird der Insel-Charakter des Kiezes zum Identifikationspunkt. Wider besseres Wissen scheint sich das Wohlfühlen unter vermeintlich herrschaftsfreien Connewitzern breit gemacht. Es ist ein Ort zum wohl fühlen.

“In Connewitz ergibt sich zusätzlich noch die lokale Besonderheit, dass das Gebiet Aktions-, Wohn-, Rückzugsraum und vieles mehr ist für Menschen, die sich in der bürgerlich-kapitalistischen Gesellschaft unwohl fühlen und frei sein wollen von den mit dieser Gesellschaft verbundenen Zwängen staatlicher Kontrolle. Vor allem linksradikale Menschen und Gruppen sammeln sich deshalb in diesem Stadtteil und erreichen durch diese Konzentration von emanzipatorischer Politik eine erhöhte Effizienz und Aktionsfreiheit, sowie auch persönliche Freiheit, welche in Deutschland sonst so nicht zu finden ist. Dadurch bildet Connewitz auch einen Schutzraum für Menschen, welche von [...] Gewalt betroffen sind, welche leider fester und systematischer Bestandteil der bürgerlich-kapitalistischen Gesellschaft sind.” (src)

Dass die Exekutive auch vor den Connewitzer Haustüren patrouilliert, kontrolliert und observiert ist bekannt. Welcher Rückzugsraum? Welche Aktionsfreiheit, welche “persönliche Freiheit, welche in Deutschland sonst so nicht zu finden ist” macht den Ort so beliebt, die Mieten steigend, das Leben dort so vermeintlich unbeschwert und süß? Es ist das Einrichten in der Kiezigkeit.

Eine Analyse könnte etwa lauten: es sind nicht die bunten (Auftrags-)Bilder, welche den günstigen Lebensraum bedrohen, sondern der Grad der Bereitschaft sich dort niederlassen zu wollen (welcher die Mietpreise bestimmt). Gewiss spielen dabei auch bunte Wände eine Rolle, aber mehr als das der schicke neue (Bio-)Supermarkt um die Ecke, der Weg zum Bahnhof/Straßenbahn/Autobahn, die Clubdichte oder das Freiheits-Lebensgefühl-Versprechen, welches einige Faktoren der Gentrifizierung sind. Letzteres findet sich etwa in der Überheblichkeit an einem Ort zu leben, welcher eine persönliche Freiheit bereithält, die “in Deutschland sonst so nicht zu finden ist” und dürfte wider der Absicht zur weiteren Aufwertung des Stadtteils und damit zur Gefährdung der Bezahlbarkeit des eigenen Wohnraums beitragen.


Einsortiert unter:über-denken, Foto/Bild, kleinigkeiten-über-denken, pic of the day Tagged: connewitz, gentrifizierung, Leipzig

Leipzigs Kameras June 11, 2013 | 02:08 pm

Leipzig ist eine Stadt, in welcher die technische Überwachung des öffentlichen Raums ausgebaut wird. An einigen Stellen lassen sich Kameras an prädestinierter Stelle finden. Es ist eine schleichende Gewöhnung an eine jederzeitige Observation, welche irgendwie an eine totale Dystopie, etwa Orwells 1984, denken lässt…  Willkommen beim CC-TV!

leipziger_camera_arthur-hoffmann-ecke-richard_lehmann_strasse.ikl959.com_b_click pic to enlarge (Kamera auf Ampel an der Ecke Arthur-Hoffmann Straße/Richard-Lehmann-Straße, Leipzig)


Einsortiert unter:Foto/Bild, kleinigkeiten-über-denken, normal vs. strange, pic of the day Tagged: überwachung, cc-tv, Leipzig

Another Club Is Possible May 28, 2013 | 09:33 am

Am letzten Freitag startete die Crowdfunding-Kampagne »Another Sound is possible«, des Leipziger Institut für Zukunft (IfZ), die der Stadt einen neuen Club mit guter Anlage und gut kuratiertem Programm bescheren soll. Hinter der Initiative stecken Menschen aus diversen lokalen Partycrews, die ihr Können in Parks und Läden der Stadt bereits unter Beweis gestellt haben. In ihrem eigenen Club wollen sie neben Techno, House und Bass auch Vorträge, Workshops, Werkstätten und Ausstellungen beherbergen.

Für die Umsetzung des Vorhabens wird auf eine »Startnext«-Crowdfunding-Kampagne zurückgegriffen; hier können die Gäste der Zukunft Listenplätze kaufen, Merchandise abgreifen oder rare Platten, Tapes oder Compilations erstehen. Künstler wie Sleeparchive, Dadub Anno Stamm aka Anstam und Kassem Mosse zählen zu den vielen Unterstützern.

Kommen die 30.000 Euro in der Kampagne zusammen, so wird der Betrag in den Kauf einer Kirsch Audio Anlage fließen, denn die soll das Herz des Projektes werden. Alles andere wollen die Crews aus eigner Kraft stemmen.

flattr this!

tram pass March 4, 2013 | 04:35 pm

day-tripper – one way ticket yeah….tram_passes_in_night_in_leipzig_cl-ikl959(b&w here)

[...]

She was a day….. tripper, one way ticket, yeah!
It took me so….. long to find out, and I found out

She’s a big teaser, she took me half the way there
She’s a big teaser, she took me half the way there, now

[...]
Day tripper
Day tripper, yeah! (src)


Einsortiert unter:Foto/Bild, normal vs. strange, pic of the day Tagged: Leipzig, strassenbahn

Horst Wawrzynski January 13, 2013 | 03:31 am

Einer der Kandidaten für den Ende Januar neu zu besetzenden Oberbürgermeisterstuhl in Leipzig ist der vormals parteilose, jetzt für die CDU sich in der Spur befindende Kandidat Horst Wawrzynski. Er kennt sich aus in Leipzig, schließlich ist er ehemaliger Polizeipräsident der Stadt. Erst im Oktober 2012 hatte er den Posten an seinen Nachfolger übergeben & sich mit einem “großen Tusch” – der Stürmung eines Wohnhauses in der Stö in Leipzig – verabschiedet.

horst_Wawrzynski_Uniform_ikl959Für Leipzig & Kosmetische-Gesichts-Operationen (siehe Bild-Zeitung) “Horst W.” (click pic):

horst_wawrzynski-skyline-leipzig_ikl959

Oder auch: “alle gegen Horst.”

leipzig_waehlt-alle_gegen_horst

Alle wahlberechtigten Leipziger welche keine Lust auf einen vormaligen Polizeipräsidenten als OB haben, die demokratische Gelegenheit nutzen & dessen Wahl verhindern wollen (& denken Wählen sei der richtige Weg) können sich die Unterlagen zur Wahlteilnahme nach Hause oder sonstwohin schicken lassen. Dort ist vielleicht die Zeit den Wahlzettel kreativ umzugestalten bzw. zu ergänzen. Oder zum Tofu-Fisch einwickeln. Und da uns die Wahl bleibt: vielleicht auch um dieses Stück Papier mit Horst-W-Konterfeis zu schmücken und nachher als Kunst zu verkaufen…


Einsortiert unter:Foto/Bild, leitmedien Tagged: Leipzig, ob wahl 2013

Bericht und Mitschnitt von der Podiumsdiskussion „Antiziganistische Zustände – Stimmungsmache gegen Sinti und Roma in Europa“ December 12, 2012 | 11:58 am

Am 29. November 2012 fand an der Universität Leipzig die Podiumsdiskussion „Antiziganistische Zustände – Stimmungsmache gegen Sinti und Roma in Europa“ statt. Zu Gast waren Anna Striethorst von der Rosa-Luxemburg-Stiftung aus Brüssel und Max Wegener, der Mitglied der Linksjugend Leipzig ist und im Herbst 2012 an der Delegationsreise des Bundesarbeitskreises (BAK) Shalom nach Ungarn teilnahm. Im [...]

pic of the day December 3, 2012 | 12:50 am

Klick pic to enlarge!pfand_gehoert_daneben-leipzig(“PFAND GEHÖRT DANEBEN.” mit facebook Adresse…; gesehn in Leipzig)


Einsortiert unter:Foto/Bild, kleinigkeiten-über-denken, pic of the day Tagged: Leipzig, Müll

pic of the day November 25, 2012 | 11:32 pm

(Renamed Karl-Liebknecht-Straße in Leipzig)

 


Einsortiert unter:Foto/Bild, kleinigkeiten-über-denken, normal vs. strange, pic of the day Tagged: karl-loveknecht, Leipzig

Podiumsdiskussion am 29. November in Leipzig: Antiziganistische Zustände – Stimmungsmache gegen Sinti und Roma in Europa November 14, 2012 | 05:41 pm

Antiziganismus ist ein verbreitetes Ressentiment gegenüber Sinti und Roma. In ganz Europa werden diese als „Zigeuner” diffarmiert. In Osteuropa ist seit Jahren eine Zuspitzung der Lage gegen Sinti und Roma zu beobachten. Trotzdem handelt es sich um ein gesamteuropäisches Problem, wie die jüngste antiziganistische Stimmungsmache des deutschen Bundesinnenministers Hans-Peter Friedrich [...]

Durch den Tuerspion November 4, 2012 | 10:38 pm

Die Verhaftung eines mutmaßlichen Brandstifters in Leipzig vollzog sich doch nicht “auf bei frischer neuer Tat“, wie zunächst gemeldet. Des nachmitternächtens begab sich ein Tross vermummter und bewaffneter Spezialbeamter in ein Wohnhaus in Leipzig-Gohlis,   – klingelte einige Bewohner des Hauses aus ihrem bürgerlich-proletarischen Schlaf – und verschaffte sich dann (vielleicht filmreif, siehe hier) Zutritt zu den Räumen des potentiellen Delinquenten:

Angeblich wurden die Bewohner des Hauses in Gohlis-Nord, in dem auch der tatverdächtige Brandstifter wohnt, gegen 2.30 Uhr aus den Betten geklingelt. Ein Nachbar habe dann durch den Türspion vermummte und bewaffnete Polizisten im Treppenhaus gesehen, die sich offenbar vor der Wohnungstür des verhafteten Mannes postierten. Nachdem sich die Beamten Zutritt zu der Wohnung verschafft hätten, sei der 27-Jährige geschnappt und abgeführt worden. (src)

Ob sich der junge Mann beim Zuschnappen der Beamten wohl verletzt hat? Offen bleibt in jedem Fall weshalb nicht ganz offiziell über den Einsatz gesprochen wurde & eine andere Version von “auf bei frischer neuer Tat” verlautbart wurde.

(screenshot vom LVZ-Film 18.09.2012)

Trotz des möglicherweise fahndungstechnischen Erfolgs wird die Chronik über brennende Autos in Leipzig ergänzt:

03.11.12: Gegen 23 Uhr wurde die Feuerwehr in die Leinestraße im Stadtteil Dölitz-Dösen gerufen, teilte die Polizei am Sonntag mit. Ein dort abgestellter Kleinwagen brannte vollständig aus. Verletzte wurde niemand, es entstanden auch keine weiteren Sachschäden. [...] Brandstiftung könne ebenso wenig ausgeschlossen werden wie ein technischer Effekt. Das Auto wurde sichergestellt und soll nun genauer untersucht werden. (src)

Teil 1 der Chronik hier zu finden (& wie dort vermerkt brennen die KfZ ab und an von allein – auch gern mal während der Fahrt), Teil 2 hier.


Einsortiert unter:kleinigkeiten-über-denken, leitmedien Tagged: brennende autos, Leipzig

links (15. Oktober 2012) October 15, 2012 | 05:22 pm

Wie man derzeit noch ruhig und ohne durchzudrehen durch die Straßen gehen kann grenzt an ein Wunder. Menschenverachtung hier, Rassismus dort, Sexismus & Misogynie überall. Und die EU bekommt den Friedensnobelpreis, passt ja in eine Reihe mit UN und Arafat. Aber der Reihe nach:

  • Nachdem Ende August in Berlin der Rabbiner Daniel Alter auf offener Straße verprügelt und seine Tochter mit Totschlag bedroht wurde, kommt es kurze Zeit später zu Beleidigungen wie  ”Judentussen” gegenüber 13 Schülerinnen einer jüdisch-orthodoxen Schule. Keinen Monat später und ausgerechnet an Yom Kippur wird Stephan Kramer, seines Zeichens Generalsekretär des Zentralrats der Juden in Deutschland, durch einen Passanten mit dem Satz “Du hast hier nichts zu suchen” bedroht. Die Polizei ermittelt nun wegen “wechselseitiger Bedrohung”. Das alles passiert während die Nation die rituelle Beschneidung “debattiert”. Ganz plötzlich interessiert sich Deutschland für das “Kindeswohl” (statt bspw. über den Schutz des Individuums und dessen Integrität nachzudenken) - dieses “Argument” wird hingegen nicht angeführt, wenn es um die Zwangsoperationen von intersexuellen Menschen geht; stattdessen schmeißt man mit Halbgarem um sich, wie Heinz-Jürgen Voss kritisiert. Alan Dershowitz hat das Perfide an der Sorge um das “Kindeswohl” in der Jüdischen Allgemeinen besprochen: “Heute sind neue Wörter an die Stelle der alten, diskreditierten Wörter getreten. Antizionismus statt Antisemitismus. Das Wohl des Kindes statt Verbot religiöser Rituale.” Unterdessen fordert die Grünen-Politikerin und Vorsitzende von Terre des Femmes, Irmingard Schewe-Gerigk, dass Judentum und Islam ihre Beschneidungsrituale beenden und vergleicht diese mit der “Witwenverbrennung”. Auch so Backpfeifen wie Michael Schmidt-Salomon - Mitbegründer der “Giordano-Bruno-Stiftung” - dürfen ihre 20cent und plumpen Szientismus in Sendungen wie dem Wutbürger_innen-Mitmachformat “zdf log_in” zum Besten geben. Weiß Gott warum… Das erinnert mich im Übrigen daran, dass die Grundstimmung bei der Solidaritätsveranstaltung für Rabbi Alter an einem Sonntagmittag in Berlin-Friedenau (nahe dem Tatort) vor allem davon geprägt war, dass Rabbi Alter ein guter und wertvoller Bürger im Kiez ist anstatt den Antisemitismus in jeglichen Formen zu verurteilen. Eine Bemerkung zum Al-Quds-Tag, der wenige Wochen zuvor in Berlin statt fand, kam nur aus einer Rede, die vom Publikum teils mit Schmach goutiert wurde - die Sorge um den eigenen Dreck vor der Kieztür wiegt halt schwerer. Etwaige Personen mit Israel-Flagge oder verwandten Symbolen wurden hingegen mit Scheinargumenten wie “es geht um etwas Höheres” belegt.

Z9020025

  • Unterdessen in Erfurt: Nicht nur ist es während des “Flüchtlingsprotestmarsch” zu den vorher von ihnen auf ihrer Website angekündigten Angriffsversuchen durch die NPD gekommen, auch ansonsten ist das Klima in der Landeshauptstadt weiterhin weiß, deutsch und also beschissen. Das zeigte sich auch in einer Nacht vor der gay-bar “Cosmopolar”, in welche ein junger Mann nicht eingelassen wurde, da sein Ausweis das Staatssymbol der Türkei enthält. Weitere Infos dazu gibt es in der Pressemitteilung des “AntiRa Campus Erfurt” (via wider die natur).
  • In anderen Gegenden (Ost)Deutschlands sieht es derzeit vor allem beim Thema Flüchtlinge und Asyl zunehmend gruselig aus: als ob die furchtbare Handhabung seitens des Staates nicht Qual genug ist, werden mehr und mehr Bürger_innen aktiv und gehen an ihren Jägerzaun dem der Frontex anzugleichen. In Güstrow-Dettmannsdorf bspw. wurde vor kurzem ein Flugblatt verteilt, welches mit vermeintlichen “Fakten” Stimmung gegen ein geplantes Asylbewerberheim macht. Nicht unweit von Güstrow wird ein Asylbewerberheim in Wolgast eröffnet, das einer Panorama-Reportage zufolge bei den Anwohner_innen nur mäßig ankommt; um nicht zu sagen ihre blanke rassistische Menschenverachtung darbieten lässt. Ein Reporter der taz hat sich dort auch mal umgeschaut. Apropos taz, Hilal Sezgin fordert eine zweite Entnazifizierung - eine ernstzunehmende Erste würde ich zwar auch begrüßen, aber da will ich mich mal nicht so kleinlich haben.
  • Im rhetorischen und menschenfeindlichen Fahrwasser des über die Grenzen Berlins hinaus bekannten Bürgermeister von Neukölln Heinz Buschkowsky und seinen in Buchform gepressten rassistischen Ergüssen, stehen auch einige Vorkommnisse in und um Berlin. Am 9. Oktober kam es zu einem Anschlag auf das Flüchtlingslager in Waßmannsdorf. Für den selben Tag hatte die CDU Rudow zu einer Bürgersammlung mit dem Titel “Asylbewerberheim in Rudow?” geladen. Waßmannsdorf und Rudow sind ca. 6 bis 7 Kilometer entfernt. Ingefähr 200 Rudower_innen kamen zur Versammlung - unter ihnen ein örtlicher NPD-Kader. In Thüringen unterdessen gewährt der CDU-Landrat Reinhard Krebs (Wartburgkreis) der hiesigen NPD Zutritt ins Flüchtlingslager Gerstungen. Und was geht eigentlich bei Hans-Peter Friedrich?
  • Abschließend noch ein Blick auf öffentlich-rechtliche Perlen der rape culture: Die Jungdeppen Joko & Klaas fanden es hammerwitzig in ihrer ZDF-Sendung “neoParadise” einer Frau ungefragt an Brust & Hintern zu fassen und sich anschließend einerseits wie kleine Jungs andererseits wie erwachsene Macker zu freuen mit Sätzen wie “Gott, aber der war das auch so unangenehm. Die stand da wirklich und hat sich richtig entwürdigt gefühlt. Die fährt jetzt gleich nach Hause und dann wird die erst einmal schön heulen unter der Dusche, die steht dann sechs Stunden unter der Dusche” (O-Ton dank SZ). Wenige Tage später bietet Günther Jauch dem Ehepaar Kachelmann die breite Sonntagabendbühne um sich als Oberopfer zu gerieren. Mehr dazu beim sehr empfehlenswerten Blog “Fernseher kaputt” (leider wird mir aber auch dort nicht erklärt, warum Lady Gaga bei Julian Assange zum Essen war). Oh, Joko ist am 20.10. in der “Villa am Paradies” in Jena zu Gast, falls jemand das Bedürfnis hat ein paar Schellen auszuteilen.
Zum Ende wenigstens etwas Schönes…

Anhörenswert: 

Termine:

  • 23.10. - Jena: Jutta Schwerin liest aus ihrem Buch “Ricardas Tochter. Ein Leben zwischen Deutschland und Israel” - Schillers Gartenhaus, 19Uhr.
  • 18.10. - Leipzig: Laurie Penny liest aus & diskutiert über ihr(em) Buch “Fleischmarkt. Weibliche Körper im Kapitalismus” in der Frauenbibliothek Monaliesa Leipzig.
  • 07.11. - Leipzig: Jonas Engelmann & Alexander Pehlemann stellen das Buch ”We are ugly but we have the music - Eine ungewöhnliche Spurensuche in Sachen jüdischer Erfahrung und Subkultur ” vor. 20Uhr, Kulturny Dom (Bornaische Str. 31). Organisiert von der Buchhandlung drift.

Brennende Autos in Leipzig September 30, 2012 | 08:29 pm

Nicht nur in Leipzig sondern auch in sachsen-anhältischen Kleinstädten haben in der Vergangenheit Autos gebrannt (viele mögen sich auch noch an Berlin erinnern), MDR-Exakt nahm sich zuletzt ganz naiv-lebensnah dem Thema mit der Frage: “Kann man Brandstifter therapieren?” an, andererseits entschied man:  “Der Prototyp des Serienbrandstifters ist jung, männlich, ledig, betrunken.” (src)

Autos brannten zuletzt auch mal wieder in Leipzig (siehe die Chronik hier, und hier), zuletzt in der Nacht zu vergangenem Samstag mehrere Fahrzeuge:

29.09.12: Los ging es gegen 23.50 Uhr in der Zillstraße. Dort hat nach Angaben der Polizei ein noch unbekannter Täter einen Kia angezündet.Gut zwei Stunden später brannten gleich fünf Wagen. Ein Toyota, zwei Opel und zwei Volkswagen wurden zwischen 2 und 2.30 Uhr Opfer der Flammen. Sie waren in der Landberger Straße, dem Wangerooger Weg und dem Juister Weg abgestellt. Durch die große Hitzeentwicklungen wurden an zwei Tatorten drei weitere Fahrzeuge beschädigt. „Eine Festnahme gab es nicht, wir haben aber den einen oder anderen Verdacht“, sagte Polizeisprecherin Annerose Lüdemann gegenüber LVZ-Online.

Seit Januar gehen immer wieder typische Familienautos mit relativ geringem Zeitwert in Flammen auf, zuletzt am 17. September ein Ford Escort in der Sylter Straße. Offenbar gehen die Anschläge auf das Konto eines Serienbrandstifters. (src)

Übergangen wird nach dieser Zählung in der Polizeimeldung offenbar der Brand drei Tage zuvor:

26.09.12: Aus bisher unbekannter Ursache ging im Stadtteil Schönau das ordnungsgemäß auf einem Parkplatz an der Lyoner Straße abgestellte Fahrzeug gegen 22 Uhr in Flammen auf. [...] Die Kriminalpolizei nahm die Ermittlungen auf und untersuchte das Pkw-Wrack zur Klärung der Brandursache am Donnerstag. (src)

Es ist offensichtlich dass Unentschiedenheit bezüglich des Brandstifters oder der Brandstifter besteht. Fest zu stehen scheint: vor allem das Plattenbaugebiet im Norden Leipzigs wird des öfteren nächtens von brennenden Autos und den danach folgenden Feuerwehreinsätzen heimgesucht.

Mehr als 17 Autos sind nach Polizeiangaben seit Jahresbeginn im Plattenbaugebiet zwischen Sylter Straße und Wangerooger Weg in Flammen aufgegangen – soviel wie sonst in ganz Leipzig zusammen in einem Jahr. Spannend die Frage wann ein oder mehrere Tatverdächtiger in Gewahrsam genommen werden (der Druck auf die ermittelnden Behören endlich etwas vorzeigen zu müssen steigt mit jedem weiteren Brand) und wie dann die Berichterstattung erfolgen wird.


Einsortiert unter:leitmedien, normal vs. strange Tagged: brennende autos, Leipzig

You »Neon Rauch« July 11, 2012 | 09:11 pm

Angeblich sagte mal Elvis Costello, dass Musik zu beschreiben genau so kompliziert ist, wie zu Architektur zu tanzen. Und genau so geht es mir. Denn um gleich mit der Tür ins Haus zu fallen: Diese Platte ist die beste und bewegendste, die in den letzten Jahren in Leipziger Proberäumen entstanden ist. Das ist mein Ernst. Aber wie soll ich das erklären? You überraschen mit einem Füllhorn von Melancholie und Optimismus, den sie in Kaskaden aus den Hifi-Boxen über uns ausschütten. Ihre Musik hat vielfältige Verweise in Richtung Dreampop-Soundwände ala Ulrich Schnauss, frühe Neunziger-Shoegaze-Sachen, erinnern manchmal an Friendly Fire bis hin zu gitarrenlastigen Vollaufdiezwölf-Britpop-Einflüssen der letzten Jahre. Den zur Zeit viel genutzten 80er-Jahre-Sound, den z.B. die ebenfalls aus Leipzig kommenden Here Is Why erst kürzlich exzellent auf Platte gepresst haben, sucht man hier vergebens. Gerade weil die Band sich in verschiedenen musikalischen Schubladen bedient hat, klingt die Scheibe so angenehm frisch und unbeschwert, trotz allem Schwermut, der über dem einen oder anderen Song schwebt.

Mit ihrem Albumtitel »Neon Rauch« spielen sie nicht zufällig mit dem Namen des bekannten Leipziger Malers. Sie verorten sich im leider eher nichtssagenden Bandinfo bewusst in der Stadt und deren Kunst. Der gleichnamige Song zum Albumtitel mit unbedingter Radiotauglichkeit bohrt sich schon nach dem ersten Hören unaufhaltsam in die Gehörgänge und fordert nach dem Ende der drei Minuten treibender melancholischer Glückseligkeit sofortige Wiederholung – immer und immer wieder. Und tanzbar ist er obendrein. Da ist sie wieder: köstliche Popmusik mit Zuckerguss und Schokosoße wie ich sie mag.

Fünf Jahre haben Rafael und Remlaja Weisz nach Bandinfoangaben an diesen elf Songs gearbeitet. Das ist jedoch nur die halbe Wahrheit. Rafael hatte 2006 eine hoffnungsvolle Band mit dem zweifelhaften Namen des französischen Diktators »Napoleon« in der Gitarren-Indie-Fraktion, welche bereit für die große Karriere war. Doch diese kam nicht und die Band ging viel zu schnell auseinander. Einige Songs aus dieser Zeit sind glücklicherweise auf »Neon Rauch« wiederzufinden, wie das genial-rockende »Client Dilemma«, welches ebenfalls die Dauerrotation fordert.

Bedauerlich ist, dass You nach Fertigstellung dieser außerordentlich hochwertigen Platte nicht noch mehr Zeit und Muße in die Labelsuche bzw. Vertriebswege investiert haben. Die Platte ist nur direkt über die Bandhomepage zu beziehen. Immerhin kann man drei Songs auf Soundcloud hören. Ich kann You nur alles Gute wünschen, aber ich fürchte… Sie ist leider auch die typischste Platte die je aus Leipzig gekommen ist. Denn seit den zweifelhaften »Prinzen« Anfang der 90er Jahre hat keine Band den großen Sprung geschafft. Städte im Umland waren mit mehr Glück gesegnet: Magdeburg hatten Scycs und Tokyo Hotel, Dresden Polarkreis 18, Chemnitz den Kraftklub, aber Leipzig… Offenbar machen alle Talentscouts einen Bogen um die Stadt und das nagt am Selbstvertrauen der heimischen Musikszene. Aber auch für die sogenannte Indieszene reichte es bislang nicht für bundesweite Aufmerksamkeit. Ich erinnere nur an die sagenhaften A Heart Is An Airport. Nach wie vor fehlt es in der Stadt an Vertriebswegen und Leuten, die sich um solch hoffnungsvolle Bands kümmern, denn das DIY-Konzept stößt bei den MusikerInnen leider immer schnell an seine Grenzen. Darum kommen und gehen seit Jahren in Leipzig großartige Bandprojekte, ohne dass diese wenigstens mal am großen Kuchen des Erfolges knabbern konnten. Und dennoch: bitte dranbleiben an dieser wunderwunderschönen Musik.

flattr this!

pic of the day June 19, 2012 | 12:30 am

“acab (türk. Vorname)” (gesehen in Leipzig); siehe dazu auch:

(Nürnberger Zeitung, 8. März 2011, src)


Einsortiert unter:Foto/Bild, pic of the day Tagged: acab, Leipzig