tag ‘Stadthalle Kassel’
Naidoo und die Eier in der Hose May 6, 2017 | 12:26 pm

Die Stadthalle Kassel, so heißt es auf der Homepage derselben, sei einzigartig, zukunftsweisend und in der Mitte. Am 14.05.2017 tritt dort Xavier Naidoo mit seinen Söhnen Mannheims auf. Xavier Naidoo hat viele Fans unter anderem auch in der NPD, die meint, Naidoo sei der einzige Promi Deutschlands, der noch Eier in der Hose hat. Heute mokiert sich Maja Yüce in einem launigen Artikel in der HNA darüber, dass die Stadt Mannheim rumeiere und dass sich Künstlerkollegen wie Sarah Connor, Gregor Meyle, Sasha Moses Pelham und BossHoss über Naidoos musikalische Qualitäten überschwänglich lobend äußerten, zu seinen fragwürdigen Texten aber schweigen würden. Zu diesen Leuten gehört auch die Kasseler Sängerin Katja Friedenberg, die es eine Schande fand, dass man 2015 Naidoo aus dem Sängerwettbewerb warf.

Zurück zu den Eiern in der Hose, die hat auch die Stadt Kassel nicht. Die HNA stellt in einem anderen Beitrag zu dem Lied „Marionetten“ der Söhne Mannheims am 05.05.2017 völlig richtig fest: „Wer sind die Marionetten, wer die Steigbügelhalter? Indirekt könnte diese harmlos wirkenden Passage jedoch ein altes antijüdisches Vorurteil enthalten – darauf weist unter anderem die Frankfurter Allgemeine Zeitung hin. Das Bild des jüdischen „Puppenspielers“, der die Fäden im Hintergrund zieht, ist schließlich ein bekanntes Element des Antisemitismus. Die Bundeszentrale für politische Bildung warnt, dass „Verschwörungstheorien, die Juden Macht und Einfluss in der Finanz- oder Medienwelt“ zuschreiben, häufig nur unterschwellig und teilweise auch unbewusst transportiert würden.“

Die Stadt Kassel vermarktet und bewirtschaftet die Stadthalle. Die Initiative zum Bau der Stadthalle Kassel geht auf den jüdischen Textilunternehmer und Gründer des Vorderen Westens Sigmund Aschrott zurück. Er stellte seiner Heimatstadt den Bauplatz kostenlos zur Verfügung, mit der Auflage, dort für die Bürger Kassels ein kulturelles Zentrum zu schaffen. Zur Kultur im Verständnis der Stadt Kassel gehören offensichtlich solche Bänkelsänger und Wahnmichel wie Naidoo, denn die Stadt hat offensichtlich keine Probleme damit, diesem Propagandisten des völkischen Wahns „das passende Ambiente“ zu bieten, denn egal ob „groß, glamourös und repräsentativ oder klein, gemütlich und geradlinig – wir kreieren die passende Atmosphäre für Ihren Anlass!“ und sei es der, dem Volk die Augen zu öffnen, dem wütenden Bauer die Forke in die Hand zu drücken und die Strippenzieher in Fetzen zu zerreißen.

(jd)