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Der Sultan von Kassel oder der Running Gag: Kasseler Dialogpartner April 22, 2017 | 01:49 pm

Der Kasseler Noch-OB Bertram Hilgen und der Nochfraktionschef und Landtagsabgeordnete der SPD Uwe Frankenberger haben ein türkisches Fest besucht. Dagegen wäre überhaupt nichts zu sagen. Eingeladen zum Fest haben jedoch die DITIB, die Milli Görüs und die ATIB. Die ATIB „Union der Türkisch-Islamischen Kulturvereine in Europa e.V.“ ist ein Spaltprodukte der Grauen Wölfe (zu deren erklärten Feindbilder Christen, Armenier, Juden und Zionisten gehören). Dieser illustre Kreis hätte eigentlich Grund genug sein dürfen, diese Veranstaltung nicht zu besuchen, sondern dagegen zu protestieren.

Keine Fotomontage, sondern stolz illustrierter Bericht über die Veranstaltung auf Facebook. Verwendet wird rechts allerdings ein Foto von einer Veranstaltung im Jahre 2008 an der Moschee Mattenberg.

Dass die ATIB nicht nur ein Spaltprodukt der grauen Wölfe ist, sondern aus dem Dunstkreis derselben zu stammen scheint, wird schon bei einer oberflächlichen Betrachtung der Fotos rechts deutlich. Dort werden die Fahnen der Grauen Wölfe (mit den drei Halbmonden auf rotem Hintergrund) und der rechtsextremen islamistischen BBP (Partei der großen Einheit) (mit den drei Halbmonden auf grünem Hintergrund) präsentiert.

Fast alle auf einen Streich. Der Kasseler Imam schmückt sein FB-Account mit der türkischen Variante der Harzburger Front. Und die „Türkische Community“ Kassel die Hilgens und Frankenbergers Teilnahme wie oben illustrierten, vereinen Muslimbrüder (Hand mit vier ausgestreckten Fingern) mit den Grauen Wölfen, Hand ganz rechts.

Natürlich warb auch der Kasseler DITIB-Imam Semih Ögrünc auf seiner Facebookseite für diese Veranstaltung. Das ist als würden der Kasseler Dechant Harald Fischer oder der evangelische Bischof Dr. Martin Hein eine Veranstaltung ihrer Kirchen mit der NPD und AfD bewerben.

Ein weiterer unhinterfragter Dialogpartner ist der Vorsitzende des Kasseler Ausländerbeirats Kamil Saygin. Dieser gehört der UETD an. Die UETD ist eine Lobby-Organisation der AKP, die auch in Kassel aggressiv für die Ja-Kampagne geworben hat. Auf den von ihnen gesponserten Busfahrten zu Wahlevents der EVET-Kampagne wurden ebenfalls ostentativ der Gruß der Grauen-Wölfe und der Muslim-Brüder gezeigt. Die Videos wurden von uns dokumentiert.

Kamil Saygin plädierte kürzlich in der HNA dafür, das Ergebnis des Referendums zu akzeptieren, es sei die Entscheidung eines Volkes gewesen. Lediglich der Extra-Tip hatte die Courage, gegen Saygin die Stimme zu erheben. Und im einschlägigen Jargon, heißt es auf der Seite der Türkische Community über den Autor des Extra-Tip: „Der geistige Brandstifter Kassels.“

Ja-Sager – Das Weltbild der UETD auf den Punkt gebracht. (Screenshot vom 22.04. Facebookseite der Kasseler Organisation)

Im übrigen sind die Vertreter der UETD und der islamistischen Hochschulgruppe MHG bei den Kasseler Veranstaltungen zum Terror der NSU und zum Mordopfer Halit Yozgat immer dabei. Das dies so ist, spricht für die politische Indifferenz vieler „Antirassisten“, die sich auch die Reden des Vaters des Opfers lieber nicht so genau übersetzten lassen wollen – nicht aber gegen einen Protest gegen den tiefen Staat.

Zusammen mit den AK Raccoons werden wir uns in Bälde des Themas noch mal eingehender annehmen – verfolgen Sie daher auch die Postings unserer GenossInnen.

(jd)


Die, die im Mustopf sitzen February 22, 2017 | 08:39 pm

Todessehnsucht, ein Aufruf zur Vernichtung und das Mantra vom Dialog

Als im Sommer 2016 auch in Kassel eine Kundgebung anläßlich des Putsches in der Türkei stattfand, kannte die Kasseler Presse keine Parteien mehr, sondern nur noch Türken, die friedlich zum Protest aufriefen. Auf der Kundgebung hielt der Kasseler Imam Semih Ögrünc eine Rede. Dass die Lokaljournalisten damals dem Imam nicht zuhörten, der auf türkisch eine Predigt hielt, kann man den Lokaljournalisten nicht zum Vorwurf machen, dass sie ein Faible dafür haben, wenn sich alle einig sind schon – die Polizei hörte auch nicht zu, obwohl es in ihren Reihen einige gibt, die verstehen, was ein Imam da so auf türkisch sagt.

Der Imam Ögrünc sagte unter anderem: “ … lasse sie uns vernichten und verwahrlosen, mein Herr“ (vgl. Unrat der Religionen) und meinte damit jene, in der Diktion von Wahngeplagten als „dunkle Mächte“ und „Parallelorganisationen“ genannten, die hinter dem Putsch in der Türkei gestanden hätten. Nach offizieller Lesart sind dies aktuell die Gülenisten, ehemalige Bündnispartner der AKP und nun ihre offiziell zu Staatsfeinden erklärten Gegner. Wer auch nur ansatzweise etwas vom Antisemitismus versteht, der weiß, dass jene dunklen Mächte, die sich gegen ein einiges Volk wenden im Zweifelsfall – spätestens dann, wenn die Streithähne ihr Kriegsbeil zur Überwindung des größeren Verderbers begraben – immer die Juden sind. Dass Personen, die im Umfeld als auch bei der DITIB agieren, zu solchen Wahnvorstellungen neigen, ist keine Einbildung von jemanden, der die Flöhe husten hört, sondern liegt angesichts der vielen beschriebenen Fälle auf der Hand.

Nachdem das Bündnis gegen Antisemitismus Kassel die Übersetzung der Initiative „DITIB – Die Marionetten Erdogans“ ins Netz stellte, dauerte es noch mal zwei Monate, bis es bei der hiesigen Presse ruchbar wurde, was in Kassel da so in aller Öffentlichkeit gepredigt wurde. Der positive Bezug auf das Märtyrertum war sowohl Anlaß der Initiative, als auch der Berichterstattung der HNA. Die theoretische Einbettung der Predigt, die für jeden nachvollziehbar sowohl eine Sehnsucht zum Tode, eine Vernichtungsideologie und die von der Volksgemeinschaft zum besten gab, unterblieb. Aber die HNA ist bekanntlich kein Theorieorgan. Der von der Presse zur Rede gestellte Imam erklärte, das Ganze sei ein Missverständnis, ihm sei es im übertragenen Sinn darum gegangen, zur Solidarität aufzurufen. Es wird nicht lange dauern und man sich wird anhören müssen, dass Ganze sei ein Übersetzungsproblem.

Die Stadt Kassel, die auf die Erinnerung, Verantwortung vor der Geschichte und Versöhnung sehr viel hält und keine Gelegenheit dazu auslässt, sich damit zu brüsten aus der Geschichte gelernt zu haben und dies zu allen möglichen Anlässen ergriffen zur Schau stellt – sie vermeldet, man sei im „kontinuierlichen Dialog mit den Religionsgemeinschaften“, also auch mit der DITIB. Man fragt sich, über was da so seit Jahr und Tag dialogisiert wurde und jetzt wird. Nachdem die HNA einer breiteren Öffentlichkeit das unterbreitete was der Imam und seine Gefolgsmannen so unter einem Gebet verstehen, will die Stadt zum Gespräch laden, um sich „aus erster Hand über den Sachverhalt [zu] informieren.“ Auf deutsch heißt das, man will sich vom Imam und seinen Leuten erklären lassen, was er so unter Solidarität und Frieden versteht und dass doch die Predigt nur ein harmloser Aufruf gewesen sei, die Reihen fest geschlossen zu halten.

Die TASK hatte kürzlich vermeldet, dass wichtige Personen der örtlichen AfD der nationalsozialistischen Theorie nahe stehen oder sie gar predigen. Die Schwerenöter der AfD tun das nicht öffentlich, sondern, wenn, dann in geheimen Gruppen. Das macht ihre Haltung nicht besser, deutet aber daraufhin, dass sie wissen, das man bestimmte Auffassungen lieber für sich zu behalten hat, oder nur dann äußert, wenn man sich unter sich weiß. Die die nicht an sich halten können und öffentlich den Freisler geben, werden nicht immer, aber wenn sie es zu bunt treiben auch mal aus ihren Reihen expediert. Alle Parteien beteuern, mit der AfD nicht zusammenarbeiten zu wollen, obwohl sich diese alle Mühe gibt, sich einen demokratischen Anstrich zu geben und nicht behauptet, ihre Äußerungen seien falsch übersetzt sondern ihnen nur untergeschoben worden. Der OB Hilgen hat prompt verkündet, man solle sich mit der AfD nicht gemeinsam auf der Frühjahrsmesse zeigen und wollte dann auch nicht mehr Ehrengast dieser Messe sein, als klar war, dass auch die AfD dort zugegen ist. Selbstverständlich ist es richtig, Kräfte wie die AfD politisch zu bekämpfen. Rechtsextreme Kräfte im Untergrund sind gefährlich, besonders wenn sie bewaffnet sind, das müsste man nicht nur erst seit dem NSU wissen – und die AfD trägt maßgeblich zu einer politischen Kultur bei, in der xenophobe und andere reaktionäre Menschenbilder feste Bestandteile sind, die dann wiederrum ideologischer Background zahllose Übergriffe gegen Flüchtlinge, Menschen mit anderer Hautfarbe, Juden, Linke, Obdachlose usw. sind. So etwas liest man aber nicht nur in der vermeintlich progressiven Presse von „Freitag“, FR bis hin zur Taz, sondern auch bei Springer und in der FAZ.

Doch Anschläge wie zuletzt in Berlin, davor in Nizza, Paris, Madrid und London und nicht zu vergessen, der Anschlag auf das World-Trade-Center in New York, sowie die zahllosen und gleichwohl massenmörderischen im Nahen und mittleren Osten nehmen eine Dimension ein, die jeden Vergleich mit dem Terror von Rechts der letzten Jahre spotten. Hinzu kommt, dass zuletzt genannte Untaten einhellig Empörung und Abscheu hervorrufen, während islamistische Aktionen als irregeleitete aber revolutionär gemeinte Tat, oder als verständliche Reaktion von Menschen, die sich in auswegloser und hoffnungsloser Situation befänden verharmlost wenn nicht sogar gerechtfertigt und „der Westen“ – wenn nicht Israel gleich – als Schuldige entdeckt werden. Und wenn auch jede und jeder einen in- und direkten Zusammenhang von rechtsextremistischen Umtrieben und Terror mit rassistischen Weltbildern sieht, wird ein auf der Hand liegender Zusammenhang von Islam und islamistischen Terror hingegen von allen, die sich berufen fühlen, dafür berufen worden sind (Biskamp, HNA, 20.02.17) oder es mal waren und nun in Edermünde rumoren, weit von sich gewiesen.

Es gehört nicht viel Fantasie dazu, zu wissen auf was das Gespräch der Stadt hinauslaufen wird. Man wird sich einig sein, Rassismus nicht zu dulden, die Stimme gegen Ausgrenzung erheben, sich gegenseitig Respekt bezeugen, bla, bla, bla. Jene aber, die den Mullahs die bloße Stirn bieten, beschimpft man Arm in Arm zusammen mit den wohlfeilen Dialogpartnern als böse Populisten, Nazis und / oder Rassisten. Das Feld der notwendigen Intervention und Kritik gegen den politischen Islam bleibt unbestellt und man wird sich wieder völlig überrascht zeigen, wenn mal wieder eine Imamrede oder das Posting eines „Einzeltäters“ auf der offiziellen Internetseite einer Reiligionsgemeinde übersetzt wird.

(jd)