ZEUGS: Die EuroVision-Ausgabe May 18, 2013 | 09:58 pm

Heute Abend ist EuroVision, ein Pflichttermin im Hause Stevenson. Allerdings, wenn dieser Autor ehrlich ist, vermisst er die alten, durch irgendwelche Gremien getroffenen Bewertungen, an denen man die politischen Verhältnisse in Europa nachvollziehen konnte — wenn Griechenland und die Türkei sich so gar keine Punkte gegeben haben, zum Beispiel.

Wie auch immer, zu Hintergrundmusik aus Schweden:

  • Zu logischen Straßennamen: Der interessierte Leser KK weist auf die Theorie hin, dass die Straßen in Europa doch geplant waren. Das wäre eine Sensation:

    Dass dahinter präzise vermessene Grundmuster stecken könnten, klingt für Experten ungefähr so abwegig wie die Vorstellung, jemand habe Österreichs Alpentäler am Reißbrett entworfen.

    Slartibartfast war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

  • Zu Religion: Der Anteil an Christen unter den US-Einwanderern nimmt ab, von 68 Prozent im Jahr 1992 auf 61 Prozent 2012. Der Anteil der Muslime hat sich von fünf auf zehn Prozent verdoppelt — 100.000 Hinzugezogene im vergangenen Jahr.
  • Zu Religion in den Streitkräften: Da wollte eine Kampfstaffel der Marines ihren Namen von Werewolves zu Crusaders wechseln, komplett mit einem Wappen mit einem Kreuz auf einem Schild. Das wurde aber unterbunden. Jetzt haben sie sich, äh, zurückverwandelt. Noch zur Kuba-Krise war man weniger zimperlich, wie die Piloten der Vought F-8 “Crusader” bestätigen können.
  • Zu dem “Bush-ist-blöd”-Aussprachesystem: Die “New York Times” hilft ihren Lesern bei der Aussprache des Namens von dem mutmaßlichen Bombenleger von Boston auf die Sprünge (Hervorhebung hinzugefügt):

    The older brother, Tamerlan Tsarnaev, (tam-arr-lawn tsar-NAH-yev) was interviewed by the F.B.I. in 2011

    Wer den Anschlag in den deutschen Medien verfolgt hat, wird bei der Schreibweise des Namens gestutzt haben: Der Mann ist US-Staatsbürger und deren Namen werden eigentlich nicht transkribiert. Warum steht dann immer “Zarnajew”? Hier schloss die deutsche Presse aus seiner tschetschenischen Herkunft vorschnell, dass er russischer Staatsbürger sei. Anschließend ist man dabei geblieben, um die Leser nicht zu verwirren.

  • Zum Unabhängigkeitskrieg: Der britische König George III. ist in die Geschichte eingegangen als der Depp, der die Kolonien verloren hat. Allgemein geht man davon aus, dass er an der Stoffwechselkrankheit Prophyrie litt, die mit starken Schmerzen und auch psychischen Symptomen einhergehen kann. Dummes Zeug, sagten jetzt andere Wissenschaftler: Der Mann litt an einer bipolaren Störung, war also demnach manisch-depressiv.

    George’s being in a manic state would also match contemporary descriptions of his illness by witnesses. They spoke of his “incessant loquacity” and his habit of talking until the foam ran out of his mouth.

    Wie auch immer, unter Elizabeth II. wäre das alles ganz anders ausgegangen.

  • Zu Deutsch in den USA: Ein BBC-Bericht beschäftigt sich mit dem Aussterben des “Texas German”.
  • Zu prüden Amerikanern: In New York City können Frauen jetzt auch straflos oben ohne herumlaufen [grenzwertig NSFW]. Hintergrund ist die Forderung, dass beide Geschlechter vor dem Gesetz gleich behandelt werden:

    [I]t is encouraging to see the police responding positively to gender bias, even on such a seemingly small scale. After all, no one thinks twice about a man shirtless on a summer day.

    Kommt auf den Mann an, würde dieser Autor sagen.

  • Zu Happy Trails: Der interessierte Leser M hat sich beschwert, weil in dem Artikel ein Hinweis auf das gleichnamige Album von Quicksilver Messenger Service fehlt. Das geht natürlich überhaupt nicht. Passt nur nicht wirklich zur EuroVision …

Monsanto vs. Bowman oder der Wert der Innovation May 18, 2013 | 07:10 pm

Monsanto hat sich ja gerade wieder unbeliebt gemacht, weil es den armen Bauern Vernon Bowman verklagt und gewonnen hat. Die Tagesschau sprach von “David gegen Goliath”, ein Vergleich, den auch andere aufgegriffen haben. Auch wenn “David” verlor.

Uns ist klar, dass wir uns wohl mit einem Blog zum Thema auch unbeliebt machen, denn so trivial, wie viele es gerne sehen würden, dass Monsanto der Antichrist ist, der einen armen, alten, unschuldigen Bauern fertiggemacht hat, ist es nicht. Im Endeffekt geht es nicht einmal um Monsanto, sondern um Gesetze und Patente. Es ist ein Grundsatzurteil, das den Wert von Patenten untermauert.

Aber beginnen wir mit dem Fall und seiner Geschichte.

Monsanto vs. Bowman

Seit 1999 hat der Landwirt Bowman jedes Jahr Roundup Ready® Sojabohnen für seine Erstaussaat(*) erworben. Im Rahmen des Kaufes unterzeichnete er eine Vereinbarung, dass er die Samen nur für eine Pflanzung verwendet und die Ernte nicht wieder aussäen wird. Herr Bowman ist nicht dumm, ihm ist klar, dass das recht teuer ist. Also fragt er bereits 1999 bei Monsanto nach, ob es gegen eine Gebühr möglich sei, die Ernte doch zur Aussaat weiterzuverwenden.

Monsanto lehnt in einem Schreiben, in dem es die Patentbestimmungen erneut erläutert, ab.

Vernon Bowman hat daraufhin eine Idee, wie er die Patentbestimmungen umgehen kann. Er kauft für die erste Aussaat ganz normal bei einem lizenzierten Händler ein. Für die zweite Aussaat(*) kauft er dagegen für die Fütterung (oder ähnliches) bestimmtes Soja. Dieses ist nicht für die Aussaat gedacht, da der Bauer ja nicht weiß, welche Sorten sich in dem gekauften Gemisch befinden (in der Praxis 95% Roundup Ready®).

Er sät diese Bohnen aus und besprüht die Pflanzen zwei bis drei mal mit Glyphosat. Die Roundup-Ready-Bohnen überleben, der Rest stirbt ab. Herr Bowman züchtet sich also quasi RR-Soja selbst. Einen Teil der Ernte aus diesen Bohnen bewahrt er für die Aussaat im nächsten Jahr auf, den Rest verkauft er.

Im Wesentlichen wiederholt er diese Prozedur jedes Jahr, bis er 2007 schließlich von Monsanto verklagt wird. Er habe gegen die Lizenzbestimmungen verstoßen. Ein U.S. District Court in Indiana spricht Monsanto $84.456,20 an Schadenersatz zu. Die nächste Instanz bestätigt 2011 das Urteil und jetzt auch der Supreme Court.

Herr Bowman hat versucht das Gesetz zu beugen, um einen höheren Profit zu erzielen. Die Idee hinter Patenten ist es, dass es anderen verboten ist, eine Erfindung selbst herzustellen.

Instruktiv sind die Bemerkungen der Richter zum Urteil:

Chief Justice Roberts:
“Why in the world would anybody spend any money to try to improve the seed if as soon as they sold the first one anybody could grow more and have as many of those seeds as they want?”

Justice Kagan:
“… a patent would plummet in value after the first sale of the first item containing the invention.”

Dass es beim Urteil grundsätzlich um das Patentrecht und seine Schutzwirkung ging, sieht man auch an der breiten Unterstützung, die Monsanto in den USA aus diversen Bereichen der Industrie erhielt: viele Universitäten, viele Firmen, Organisationen und auch die Regierung haben sich hinter die Klage von Monsanto gestellt. Nicht hinter Farmer Bowman.

Man meldet seine Erfindung beim Patentamt und wenn es etwas innovativ Neues ist, hat man die Verwertungsrechte für die Erfindung. Man mag nun einwenden, wie es auch Bauer Bowman getan hat, dass Sojabohnen sich ja ohnehin selbst replizieren und kein menschlicher Eingriff nötig ist. Aber auch dieser Einwand wurde von den Richtern weggewischt:

Justice Kagan:
“Bowman was not a passive observer of his soybeans’ multiplication,” she wrote, adding: “Put another way, the seeds he purchased (miraculous though they might be in other respects) did not spontaneously create eight successive soybean crops.”

Er hat durch den Anbau und die regelmäßige Anwendung von Glyphosat wissentlich und in voller Absicht selbst Roundup-Ready-Sojabohnen für den Anbau geschaffen und damit gegen das Patent verstoßen.

“Ich hätte mir nie vorstellen können, dass die sich um meine zweite Aussaat scheren”, sagt Bowman und beteuert, er habe das Saatgut im Frühjahr stets für den vollen Preis bei Monsanto geordert.

Patente und ihr Wert

Man mag nun der Meinung sein, dass im Patentwesen selbst das Problem steckt und wenn man z.B. in Klagewellen wegen runder Ecken und ähnlichem die Smartphone Hersteller aufeinander losgehen, wenn man sieht, wie Patenttrolle mit absurden Patenten im Softwarebereich Millionen verdienen, dann fühlt man sich wohl in dieser Meinung bestärkt.

Nur muss man unserer Meinung nach achtsam unterscheiden zwischen Trivialpatenten, z.B. auf Smileys und einem Patent auf ein Produkt, das in jahrelanger Forschung entwickelt wurde. Die Grenze zu ziehen ist sicher in vielen Fällen schwierig, aber gerade in diesem Fall doch recht klar.

Interessant ist es zu bemerken, obwohl es im Elektronik/Consumer-Bereich um Beträge und Giganten geht, neben denen sich Monsanto wie ein “Kleinbetrieb” ausmacht (Umsatz in Mrd. Dollar: Monsanto 12, Apple 156, Samsung 143), interessieren diese Streitereien eigentlich wenig.

Der Grund ist vermutlich, dass es im Grunde um einen “unwichtigen” Streit ums Geld geht, bei Patenten im Bereich Nahrungsmittelerzeugung und Medizin auch ethische Bedenken hineinspielen. Patente in diesem Bereich verteuern Nahrungsmittel, verteuern Medikamente. Das führt zu einem schwerwiegenden Dilemma.

Man wünscht sich in dem Bereich, dass alle Innovation frei ist und die Menschheit weiterbringt. Man wünscht sich aber natürlich auch, dass möglichst viel Geld investiert wird, möglichst viel Innovation stattfindet. Und man stellt fest, dass es schwer ist, diese Dinge unter einen Hut zu bringen.

Innovation und Forschung muss etwas Wert sein, sonst wird niemand Geld in die Forschung investieren. Und Forscher müssen sicher sein, dass sie und ihre Erfindung durch ein Patent auch geschützt werden. Wäre ein Patent “nichts wert”, könnten Typen wie Andrea Rossi zu Recht behaupten, ihre Erfindung “geheim” halten zu müssen. Ehrliche Erfinder müssten das sogar. Was zu noch stärkerer Geheimhaltung von Innovation führen würde, als wir sie schon haben.

Und alle Geheimhaltung, zu der sie gezwungen wären, würde in dem Augenblick nutzlos werden, in dem sie das Produkt auf den Markt bringen. Sofort würde das Produkt kopiert werden. Man braucht also den Schutz der Rechte des Erfinders.

Man versucht natürlich, Wege aus diesem Dilemma zu finden, aber wie man sich vorstellen kann, ist es nicht so leicht.

Viele “lieben” Monsanto nicht und halten es für grundsätzlich bedenklich, dass solche Bio-Patente existieren. Aber die Abschaffung von Patenten ist auch nicht zielführend. Wir müssen Unternehmen die Möglichkeit geben, aus ihrer Innovation Nutzen zu ziehen.

Fazit

Um diesen gordischen Knoten zu zerschlagen, wurde bisher kein Rezept gefunden; die Vorteile der Patente überwiegen. Alles was wir tun können, ist Open Data und Open Science zu fördern.

Jede Technologie, die im Besitz der öffentlichen Hand ist, frei verfügbar ist, ist ein Gewinn für uns alle. Eine interessante Idee ist in diesem Sinne auch der sogenannte Health Impact Fund. Wenn wir Monsanto ablehnen, sollten wir im Bereich Gentechnik mehr forschen und selbst entsprechende Produkte auf den Markt bringen.

Bitter muss man allerdings bemerken: Forschung, speziell im Bereich der Grünen Gentechnik, interessiert in Deutschland nicht. Stattdessen überlassen wir den Konzernen lieber das Feld, stecken den Kopf in den Sand und vernichten Lehrprojekte wie HannoverGEN und zerstören lieber Versuchsfelder.

Wir können uns übrigens in diesem Sinne einen kleinen Seitenhieb gegen Greenpeace und Konsorten nicht verkneifen – zitiert aus dem Tagesschau-Artikel:

“Keine Frage”, gesteht Bowman, “die gentechnisch veränderten Sojabohnen haben die Arbeit viel leichter und besser gemacht.”

*
Erste und zweite Aussaat: In Teilen der USA ist es möglich, in einem Jahr zweimal auszusäen. Man sät dazu auf einem Feld Weizen an und erntet, danach erst sät man Sojabohnen an. Die Zeit reicht gerade für eine zweite Ernte. Diese ist zwar weniger ertragreich als die Erstaussaat an Sojabohnen, die die ganze Saison reifen kann, der kombinierte Wert von Sojabohnen und Weizenernte bringt allerdings insgesamt Gewinn. Da der Aufwand relativ hoch und das Zeitfenster sehr kurz ist, schafft der Landwirt mit dieser Methode nur eine begrenzte Fläche.

where is my head May 18, 2013 | 02:50 pm

the_head_is_next_ikl959.comI liked this (seen in Halle/Saale)


Einsortiert unter:Foto/Bild, ist das kunst?, kleinigkeiten-über-denken, pic of the day Tagged: halle, streetart

Auftakt-Kundgebung gegen Antizionismus vor dem Eine-Welt-Haus May 18, 2013 | 12:24 am

Vergangenen Dienstag fand eine kurzfristig angemeldete Kundgebung gegen die Lesung „Die ethnische Säuberung Palästinas“ vor dem Eine-Welt-Haus statt. An den Protesten beteiligten sich Mitglieder aus dem Umfeld des Verbandes Jüdischer Studenten in Bayern, der Grünen Jugend München und der Deutsch-Israelischen Gesellschaft München. Auf der antizionistischen Lesung bezeichnete Jürgen Jung die Protestierenden im Nachgang als Wolfsrudel.

„Seit Jahren wird das Eine-Welt-Haus für Kampagnen gegen Israel und den Zionismus missbraucht“, heißt es im Aufruf für den Protest vor dem Eine-Welt-Haus. Diese Kundgebung richte sich nicht nur gegen die Lesung des antizionistischen Vereins „Salam Salom“, erklärte auch Jamila Schäfer, Sprecherin der Grünen Jugend München: „Vielmehr wird dadurch angeprangert, dass das Eine-Welt-Haus in letzter Zeit sehr häufig eine Bühne für antizionistische oder sogenannte israelkritische Veranstaltungen bietet.“ Kein Land der Welt werde bei Veranstaltungen im Eine-Welt-Haus so oft angegriffen wie Israel, so Schäfer. Vor dem Eine-Welt-Haus hatten sich eine Stunde vor Beginn der Lesung „Die ethnische Säuberung Palästinas“ circa zwanzig Protestierende eingefunden. Sie zeigten Transparente mit Aufschriften wie „Das Hass-Haus – Danke Stadt München!“, „Judenhass ist kein Kulturprogramm!“ oder „Enough lies about Israel!“.

„Bibi, hau ab, dein Volk hasst dich!“
Ein Sympathisantenkreis von „Salam Shalom“ war offenbar über die Kundgebung informiert und positionierte sich in Abwehrhaltung vor dem Tor des Eine-Welt-Hauses. Die Polizei schritt mehrmals beherzt ein, als sich Anhänger von „Salam Shalom“ den Rednerinnen oder Rednern am Megafon nähern wollten, um sie zu unterbrechen. Zeitweise bildeten die „Salam Shalom“-Sympathisanten einen löchrigen Kreis um die Kundgebung mit dem Ziel, Passantinnen und Passanten an der Kundgebung vorbeizuleiten. Herausstechend engagiert tat sich ein junger Mann hervor. Er schrie mehrmals „Viva! Viva! Palästina!“ und „Revolution!“ oder: „Bibi, hau ab! Dein Volk hasst dich!“

Ein Anhänger, der bereits auf dem Israeltag 2011 aufgefallen war, beschimpfte die Teilnehmenden der Kundgebung als „Judenhasser“, weil sie für Jüdinnen und Juden in Israel die aus seiner Sicht falschen Empfehlungen ausgeben würden. Eine rothaarige ältere Dame, die sich als Person mit Hausrecht im Eine-Welt-Haus ausgab, äußerte laut Angaben den Verdacht, dass die Teilnehmenden der Kundgebung von Charlotte Knobloch, Vorsitzende der Israelitischen Kultusgemeinde in München und Oberbayern, bezahlt seien.

Und wieder: Vorhang auf im Antisemitenstadl
Gegen Ende der Kundgebung füllte sich der große Saal im Eine-Welt-Haus allmählich mit Gästen der Lesung, für orientalische Klänge sorgte die Band „Embryo“. Schauspieler Jürgen Jung, 2. Vorstand des antizionistischen Vereins „Salam Shalom“, nahm direkten Bezug auf die Proteste und bezeichnete die Teilnehmenden als „Wolfsrudel“, das sich dem Gespräch mit ihm immer verweigere.

Die Lesung von Jung und der Sprecherin Beate Himmelstoß basierte wie angekündigt in weiten Teilen auf der politischen Kampfschrift „Die ethnische Säuberung Palästinas“ von Ilan Pappe. Inhaltlich unterstellten Jung und Himmelstoß der zionistischen Bewegung, „eine Mischung aus nationalistischer Ideologie und kolonialistischer Praxis“ zu sein, der es darum gehe, ein von „Nicht-Juden gereinigtes Land“ zu verwirklichen. Aggressionen der anderen Seite gegen Jüdinnen und Juden blieben an diesem Abend unerwähnt, wurden heruntergespielt oder als eine nachvollziehbare Reaktionen dargestellt.

Die schon gegen Ende des Osmanischen Reichs anklingende antijüdische Politik der arabischen Führung in Palästina deutete Jung als vorausschauende Reaktion auf das, was danach gekommen sei. Zwar lebten „Juden Anfangs in eigenen Siedlungen und beeinträchtigten die einheimische Bevölkerung nicht“, so Jung. Allerdings habe manchem palästinensischen Führer damals schon „gedämmert“, dass „Juden in Zukunft das Land übernehmen und die einheimische palästinensische Bevölkerung vertreiben könnten“. Selbst vor dem Hintergrund des anhaltenden Holocausts zeigte Jung Verständnis dafür, dass zeitgleich von arabischer Seite eine Einwanderungsbeschränkung auf 75.000 Jüdinnen und Juden durchgesetzt wurde, da die „massenhafte Einwanderung von Juden mit der Folge bürgerkriegsähnlicher Zustände“ verbunden gewesen sei.

Israelis: Kreuzfahrer, Buren und Faschisten
Mit einer Reihe von Vergleichen wurden die israelischen Jüdinnen und Juden an diesem Abend bedacht. Die „vorherrschende israelische Einstellung“ sei vergleichbar mit den Kreuzfahrern, die sich „hinter dicken Mauern ihrer uneinnehmbaren Burgen gegen eine Integration mit ihrer muslimischen Umgebung verschanzen“, las Jung. Im nächsten Beispiel bemühte Himmelstoß einen Vergleich mit den Buren in Südafrika. Jung zitierte Nurit Peled-Elhanan, die in wenigen Wochen zweimal bei den „Palästina Tagen“ im Gasteig zu sehen sein wird: „Israel nähert sich dem Faschismus in einer Geschwindigkeit, die sich niemand vorstellen konnte“.

Über dem gesamten Abend lag noch ein weiterer, unausgesprochener Vergleich. Zwar wurde an keiner Stelle gesagt, dass die Juden in Israel einen zweiten Holocaust zu verantworten hätten. Doch schimmerte diese Ansicht oftmals deutlich durch. Wenn Jung beispielsweise behauptet, die Israelis seien „zum Spiegelbild ihres eigenen schlimmsten Alptraums geworden“. Oder Jung mit den Worten Erich Frieds sagt, dass die Bilder des Warschauer Ghettos und die Bilder aus dem Dorf Deir Yassin zusammengehören. Dazu zählte auch Jungs Passage über UN-Beobachter in der Luft und „jüdischen Augenzeugen am Boden“, die vermeintlich „desensibilisiert“ gewesen sein müssen. „Wie sonst ließe sich erklären, dass sie die massiven Deportationen, die sich vor ihren Augen abspielten, stillschweigend hinnahmen“, las Jung. Himmelstoß brachte für letzteres eine alternative Erklärung mit. Viele Staaten scheuten sich aufgrund des Holocausts, „die Zionisten dieser abscheulichen Taten zu bezichtigen“, was bis heute das Fundament der „andauernden Straflosigkeit, der Immunität Israels“ sei.

Deutsche: Kauft palästinensische Erzeugnisse
In der Pause wies Eckhard Lenner von „Salam Shalom“ auf eine ausliegende Liste hin, die Waren aus „jüdischen Siedlungen“ aufführe und rief dazu auf, diese Waren zu boykottieren. Es sei „eine ethische Pflicht, diese Siedlungen nicht zu unterstützen“, sagte Lenner. Er warb im Gegenzug für „palästinensisches Öl“, das es auf der Veranstaltung käuflich zu erwerben gab: „Das ist sozusagen das Gegenstück dazu. Wir sollten schauen, dass wir palästinensische Erzeugnisse kaufen.“

Dominik Krause, Sprecher der Grünen Jugend München, betonte hingegen anlässlich der Proteste, es sei „besorgniserregend und absolut inakzeptabel“, dass das Eine-Welt-Haus dem „Hass gegen Jüdinnen und Juden oder der Hetze gegen den Staat der Shoa-Überlebenden dienlich ist“. Er forderte den Trägerverein auf, solchen Veranstaltungen in Zukunft keine Plattform zu bieten und sich von deren Inhalten zu distanzieren. „Das Zentrum sollte wieder ein wichtiger Anlaufpunkt für migrantische Selbstorganisation werden und seinen Ruf als ‚Eine-Welt-ohne-Israel-Haus‘ hinter sich lassen“, so Krause. Ein Sprecher des Bündnisses kündigte an, die Proteste gegen die einseitige Darstellung Israels im Eine-Welt-Haus in den nächsten Wochen und Monaten zu verstärken.

, ,

Ein bisschen viel gerade. May 16, 2013 | 08:48 pm

Ich habe gesehen. Habe die Freiheit gesehen. Mich eine Woche wohl gefühlt. Kurt Löwenstein. Behütet. Rückzugsraum. Dass ich richtig bin. Es ist möglich. Nicht nach meinen Fehlern suchen muss. Ist möglich in meinen Zusammenhängen. Wir können international gemeinsam kämpfen. Für eine bessere Welt. Zu viel Theorie. Für eine freie und queere Ordnung. Keine praktische Bedeutung. Du hast mich im Stich gelassen. Du sollst dich anders verhalten. Du bist nicht queer genug. Trägst keine Schuld. Will dich nicht mehr sehen. Du bist zu queer. Nicht trans genug. Nicht trans genug um trans zu sein. Es doch. Das ist nur Wohlfühlkram. Mir zu theoretisch. Du sollst das nicht tun. Eine Frau und ein Hurensohn. Du kleidest dich so unkonventionell. Du hast mich im Stich gelassen. In meiner Religion existierst du gar nicht. Berlin. Du bist es doch. Danke für den Glitzer. Fürs Kümmern. Will dich nicht mehr sehen. Gut, dass du da bist. Da draußen war er nicht. Bei uns war ein Safe-space. Dortmund. Aber was sollen wir denn sonst noch tun. Sie haben mehr Dezibel als ich. Hast denen ein tolles Erlebnis genommen. Undemokratisch. Zum Nachdenken gebracht. Kein Essen heute Abend. Cuddles. Wo bist. Genug Alkohol für heute. Mit Freiheit umgehen. Zum Nachdenken gebracht. Hab da sofort eingegriffen. Feiern sich ab. Singen, sie erstechen ein paar Transpersonen. Peace statt Mittelfinger. Singen von Ko-Tropfen im Wein. Drei Finger statt zwei. Singen antisemitisch. Bonbons. Ergibt keinen Sinn. Hätte ich das vorher gewusst. Warum eingeladen. Ich selbst war nicht klar. Nicht klar für Ausladen. Wer ist das denn? Von nichts gewusst. Denen ein tolles Erlebnis genommen. Von nichts ‘ne Ahnung. Mehr Dezibel als wir. Da flogen Flaschen unbemerkt. Ich habe die Freiheit gesehen. Ist möglich in unseren Zusammenhängen. Für eine freie und queere Ordnung. Alles ins Chaos. Telefonieren. Jetzt guten Überblick. Gewissensentscheidung. Danke für deine Solidarität. Das ist mir zu theoretisch. Warum hörst du mich erst. Hätte ich das gewusst. Hörst mich erst, wenn ich auf einem Tisch stehe. Hätte ich das gewusst. Ich war nicht für Ausladen. Ich habe gesehen. Habe die Enge gesehen. Nicht möglich in meinen Zusammenhängen. Bei uns war es gut. Immer was los. Alle wohlgefühlt. Das ist nur Wohlfühlkram. In meiner Religion existierst du nicht. Du kleidest dich so unkonventionell. Ich habe das auch erlebt. Sowas macht man nicht. Du hättest nicht rennen sollen. Was hätte passieren können. Ich hatte Angst. Ich habe heute doch keine Zeit. Ich habe Nein gesagt. Konsens. Ich habe wieder Ja gesagt. Konsens. Inkonsequent zu mir. Es ist möglich hier bei uns. Habe die Freiheit gesehen.

Killing Nazis May 16, 2013 | 02:05 pm

Killing Nazis:

Work Song May 16, 2013 | 11:09 am

Es gibt viele Jobs die das Trinken fördern, oder erfordern – erlauben tun es natürlich nur wenige. Manche dagegen erzwingen es geradezu, im besten Falle von oben verordnet.

Wenn Chef mit Heute müssen wir saufen! grüßt, dann ist das eine Weisung. Jeder, der einmal in der Gastronomie gearbeitet hat weiß, dass der Schrecken nicht im Stress oder der Masse an Arbeit liegt, sondern im Detail. Insbesondere in einem auf besondere Essgewohnheiten spezialisierten Laden. Da hülfe auch kein Betriebsrat.

Stammtisch – die wenigen Assoziationen reichen aus für fischfeuchte Finger und einen starken Migränepochimpuls hinterm rechten Auge. Wodka. Chef gießt ein. Er hat natürlich schon vorgelegt, es gab schließlich schon eine Frühschicht, Vorbereitungen für den angekündigten Spezialistenbesuch, für’s gesamte Wochenendmenü. Mit der zweiten Köchin unlängst verkracht, macht er heute – wie fast alle Wochenenden to come – Doppelschicht. Schnippeln, Hacken, Vorkochen, Dünsten, Einlegen, die Rote Beete grummelt im Backofen langsam vor sich hin, matt glänzende Alu-Schalen sind mit schmatziger Burgermasse und lachenden Kartoffelecken vollgestopft, es riecht nach angebratenen Frühlingszwiebeln und Koriander. Überall dunkle Kleckse von klebrigem Agavendicksaft. Die Absolut-Flasche war gestern Abend mindestens vier Finger breiter gefüllt. Frühschicht. Vorbereitung.

Ist da überall Zwiebel drin? Worst case. Es ist überall Zwiebel drin, Zwiebel, deren Strunk zerteilt wurde mit einer eiskalten, herzlosen, glatten Klinge, schärfer als jene, die die akkurat rasierten Schläfen entlang gefahren ist, schärfer als der manische Blick des Fruganers. Der Fruganer ist immer der Erste. Der Fruganer goutiert nur, was vom Baum gefallen ist, oder schon abgestorben war. Den Apfelsaft mag er nur naturtrüb, Bier entfällt, Hopfen und Malz können ja schlecht runtergeplumpst sein. Leitungswasser, dazu Nichts. Es ist überall Zwiebel drin. Der Fruganer zieht einen Katzenarsch-Mund, Chef gießt ein. Bei kläglichen fünf Euro Stundenlohn reicht oft auch die Sympathie für das Projekt nicht aus, um mit allem D’accord zu gehen. Aber Chef weiß das, daher ist die Erhöhung mittels hochprozentiger Zulagen ein unausgesprochenes Dankeschön, das aus tiefstem Herzen kommt. Beim ersten Stammtisch war damals nach veganer Musik verlangt worden. Diese Grenzüberschreitung konnte noch eingedämmt werden. Heute düdelt aus den hässlichen weißen Plastikboxen dezent ein Soundtrack zum Briefmarkensammeln. Scherz. Der Stammtisch fragt, ob die Lautsprecher auf ihrer Seite des Raumes runtergedreht werden können. Können sie.

Das Schlimmste ist der Übergang, der Übertreten von der warm-wohligen Chef-Schnaps-Welt in die grelle, laut zeternde Welt des Bestellungen-Aufnehmens, des nackten, den hungrig-gierig-unschlüssigen Stammtischlern und der eigenen übermannenden Intoleranz Ausgeliefertseins. Dreimal Spieße einmal ohne Zwiebeln es ist aber überall Zwiebel drin oh dann nur zwei oder doch drei ich kann das ja beiseite legen ja Schatz des esse ich dann und willst du noch einen Mangosaft ja danke und noch eine Karaffe Leitungswasser und gibt es eigentlich noch Kuchen ja aber nur noch zwei Stücke oh dann stellt mir doch bitte eines zur Seite oh toll.

Schlimmer sind nur Dates im Café, vor allem wenn es so leer ist, dass man von hinter der Bar jedes einzelne Wort mithören kann. Wer sich in auf spezielle Essgewohnheiten spezialisierten Lokalen datet, der redet gern über spezielle Essgewohnheiten. Wenn das Date gut läuft, reden beide gern über spezielle Essgewohnheiten, und Tiere. Chef gießt ein.

Dutzende bepackter Platten, heißer Schalen und überdimensionierte Teller wandern um die Ecke, über die Weltengrenze, und wieder zurück. Schwer atmende Münder schmatzen, kauen, wischen sich gegenseitig ab, atmen wieder schwer. Zwei Teller davon sind ein Monatslohn in Vietnam, aha. Die Lautsprecher werden unmerklich lauter.

Chef kann nicht mehr, Chef hat für kein Geld seit Wochen durchgeackert, sich seit acht Wochen nicht mehr gekämmt, letzte Nacht auf dem Sofa vor der Theke übernachtet, bis ihn Frühgäste geweckt haben. Die vorbestellten Teller sind alle raus, die wenigen Nicht-Stammtischler werden mit Burgermasse in nachgekauften nun-nicht-mehr-bio Burgerbrötchen abgespeist. Habt ihr die Musik bei uns wieder lauter gemacht? Und ach, kann ich hier Flyer hinlegen? Da hinten gehen die so unter zwischen den anderen…

Nachgießen, Nachgießen, Nachgießen. Die kernig-schleimige Burgermasse türmt sich aus der viel zu winzigen Schüssel wie ein Tofu-Zwiebel-Golem. Erhebe dich, Tofu-Golem, erhebe dich und löse das Welthungerproblem, erhebe dich und zerstampfe die Foodchains, erhebe dich und zermalme die Gen-Sojabohne, erhebe dich und sorge dafür, dass jedes Café mit einem EC-Lesegerät ausgestattet ist!

Chef ist inzwischen so weit, dass er auf seinem krepierenden Mac einen Bravo-Fotoroman aus dem Netz gefischt hat, der auf einer Tierrechtsdemo spielt, und beginnt, die Sprechblasen auf die jetzige Situation angepasst mit Nein, nichts mit Zwiebeln, Leitungswasser wird aber nicht gefiltert! und Oh, ich mag deine Frisur! zu versehen. Nach nur fünf Minuten liegt der sofort mit Schnapsglas-Abdrücken bestempelte Ausdruck hinterm Tresen, und wird mit verteilten Rollen vorgelesen. Einzig die baulichen Vorzüge der Räumlichkeit verhindern eine direkte Konfrontation des Wodka-schwangeren Theaters hinter der Bar mit den geschäftigen aber nüchternen Rittern der Tafelrunde um die Ecke. Der Leitungswassergral muss noch einmal aufgefüllt werden, dann darf die Rechnung kommen. Alle einzeln. Aus den Boxen dröhnt Cannonball Adderleys Work Song, der üppige Wodkalohn wird dafür sorgen, dass der Bläsersatz für mindestens den Rest der Nacht hinter der Stirn kleben bleibt.

Selbstausbeutung kann vieles mit einem machen – in die Scheiße reiten, zum Alkoholismus anstiften, in Sinnkrisen stürzen. Im Idealfall kann sie sogar Spaß machen, zumindest Aspekte davon. Sie fördert ganz sicher einen resignierten Zynismus, den man eigentlich gern ablegen möchte, sofern man nicht irgendwann als komplettes Arschloch aufwachen möchte. Chef hat ca. ein Jahr später Privatinsolvenz angemeldet. Der Stammtisch zieht weiter. Manchmal wird es einem zu leicht gemacht, Dinge zu tun, für die man sich schlecht fühlt.

flattr this!

Wort + Geist May 16, 2013 | 11:02 am

Bei Psiram wird uns ja oft – und vielleicht ja auch zu Recht – vorgeworfen, zu negativ zu sein. Wir wollen heute daher mal jemanden vorstellen, der ein echter Heiler und Heiliger ist, bescheiden und zurückhaltend – Helmut Bauer von Wort und Geist.

Schon von Anfang an zeigte sich die segensreiche Wirkung des Heiligen Geistes, als er in bestehende Gemeinden eindrang, verkrustete Strukturen aufbrach und viele Seelen aus ihren nur scheinbar gläubigen Familien herausreißen und retten konnte. Retten in einem sehr realen Sinne, denn wie gesagt ist er ein großer Heiler, der viele Menschen zum Absetzen ihrer Medikamente bewegen konnte. Natürlich gibt es da einige, die nicht fest genug im Glauben sind und daher doch nicht geheilt werden. Andere, die wie Ingrid Z. dem Heilungsdienst angehörten, ziehen einer Heilung (in ihrem Fall Krebs der Bauchspeicheldrüse) dann doch die ewige Glückseligkeit vor. Alle aber können sich trösten, dass der Obolus, den sie dafür gespendet haben (man redet von 8.000-12.000 € pro Heilgottesdienst, die dem Völkerapostel und fleischgewordenen Christus Bauer cash im Umschlag zugesteckt werden), sicher einem guten Zweck zugute kommt. Die Finanzen von Wort und Geist sind zwar nicht besonders transparent (Geschätzte Einnahmen der Bibelschule allein, also ohne Spenden laut NDR: 3,6 Mio € / Jahr), aber an dem großen Audi A8 (geht bei 75.000 € los), den Bauer fährt, sieht man doch, dass das Geld gut in den Aufschwung angelegt wird.

Natürlich wird ein solcher Streiter Gottes viel verleumdet, aber die absolute Selbstlosigkeit seines Handelns zeigt sich unwiderlegbar daran, dass er seine von Gott höchstpersönlich gegebenen Heilfähigkeiten ausschließlich seinen spendenden Anhängern zur Verfügung stellt, selbst aber ein Jahr lang tapfer an einer Borreliose leidet.

Auch zeichnet ihn große Zurückhaltung aus, und anstelle von Inquisition und Scheiterhaufen begnügt er sich damit, gottlose Kritiker wegen des Satzes “Bei uns hat sich Wort und Geist benommen, wie eine Terrororganisation” von seinen Anwälten auf 250.000 € verklagen zu lassen. Damit aber nicht genug, hat er in seiner demütigen Bescheidenheit doch alle Predigten seiner Anhänger aus dem Netz entfernen lassen. Wir bei Psiram haben aber noch Kopien dieser MP3s gefunden und wollen sie hiermit selbstlos der Netzöffentlichkeit zur Verfügung stellen, damit man sich mit den Worten seiner Anhänger ein Bild der Lehren des Völkerapostels und fleischgewordenen Christus Helmut Bauer machen kann. Viel Vergnügen und ein paar erbauliche Stunden den Lesern. Vielleicht wird der eine oder andere gottlose Leser dieses Blogs doch noch hellhörig und gerettet. Er bedenke dann, dass ein Audi A8 auch sehr viel Benzin verbraucht, das man teuer bezahlen muss. Wir verstehen uns.

 

Amen.

Für Genießer:

Alex Thomsen- Der Apostel

Helmut Bauer – Die Sohnschaft ist sichtbar

NN – Folgt dem Apostel nach

In Iraqi Kurdistan Those Who Murder Women Go Free May 15, 2013 | 10:06 pm

“There is definitely a light at the end of the tunnel. And we are here for the long haul.” – Hoda Elsadda

Zhiyan group representatives are never satisfied; they never rest when it comes to women’s issues. Last week they had a press conference to release results of a study about the impact of the so called “Amnesty Law” in cases of violence against women. The week before, they were in Kalar, Germian, to follow up the case of Nigar Rahim; a 15 year old raped by one of her brothers and murdered by another. I am not able to keep up with all of their work as I have an important role in documenting their work for our english speaking readers. Their meetings, events are always in Kurdish, but they always keep me involved despite the language barrier. I think is extremely important to have their work connected to the broader women rights struggle.

Quelle: http://www.iraqicivilsociety.org/archives/1737

révolte contre le monde moderne May 15, 2013 | 03:50 pm


Bienensterben, Neonicotinoide und die Fakten May 15, 2013 | 11:31 am

Vor kurzem wurde durch die EU eine Gruppe von Pestiziden namens Neonicotinoide verboten, da man sie im Verdacht hat, ein massives Bienensterben zu verursachen, das man als Colony Collapse Disorder CCD bezeichnet. Der grundsätzliche Effekt ist, dass die erwachsenen Arbeitsbienen aus dem Stock “verschwinden”, z.B. von der Pollensuche nicht zurückkehren.

Das Verbot wurde speziell in Österreich heftig diskutiert, der zuständige Minister Berlakovich geriet wegen seiner Gegenstimme unter heftigen Beschuss. Wir wollten uns das trübe Gewässer, in dem die Diskussion dazu stattfindet, auch mal etwas ansehen. Es ist, wie man schnell feststellt, nicht trivial.

Der Begriff Colony Collapse Disorder für diese mysteriöse Form von Bienensterben ist recht neu und wurde 2006 in einer Studie eingeführt. Aber das Phänomen an sich ist bereits seit 1869 bekannt. Damals wurde als Ursache Schimmelpilz ausgemacht (ob korrekt, weiß man nicht).

Zwischen 1905 and 1919 verlor man 90% der Bienen auf der Isle of Wight mit unklarer Ursache, bzw. die untersuchenden Forscher konnten sich nicht einigen, was denn schuld sei. Im Distrikt Stawell in Australien verlor man 1910 59% der Stöcke und viele wurden durch Verluste schwer angeschlagen.

Im Laufe der Jahrzehnte trat das Phänomen immer wieder auf, die oben genannte Arbeit listet 18 Fälle, und führte zu einer Vielzahl an Theorien. Es wurde an alles mögliche gedacht, von Viren über Milben bis hin zu Pestiziden und mehr. Mobilfunk und Gentechnik wurden untersucht, manche Dinge verworfen, andere kamen in die engere Wahl. Komplett abstruse Ideen wurden natürlich auch geäußert, wie z.B. dass es Gottes Strafe sei, da US-Bundesstaaten mit Pro-Homosexuellen-Gesetzgebung stärker unter CCD litten.

Das Problem ist: man ist bisher daran gescheitert, es auf eine Ursache zurückzuführen. Man findet in diesem Zusammenhang Erwähnungen von vielen Effekten, die zumindest zum Problem beitragen:

Die Varroamilbe
Nosemose (ein Parasit)
Israel Acute Paralysis Virus
Habitatverlust
Überzüchtung
Neonicotinoide
Pestizide im Allgemeinen
Mangelernährung
usw.

Aber kein Effekt kann überall alles erklären.

Man hat also wohl zwei Möglichkeiten:
- Es gibt ein bisher unbekanntes Grundproblem.
- Man hat unter dem Begriff CCD mehrere im Grunde nicht zusammenhängende Probleme unter einem Dach zusammengefasst.

Ersteres scheint aufgrund der Menge an Studien und heutigen diagnostischen Möglichkeiten unwahrscheinlich. Zweiteres klingt plausibler. Das würde aber bedeuten, dass man mehrere Probleme hat, die sich nur zufällig mit den selben Auswirkungen äußern. Und dass man “die eine Ursache” gar nicht finden kann. Das würde auch die historischen Vorfälle, bei denen unterschiedliche Ursachen vermutet wurden, erklären.

Sehr lesenswert sind unserer Meinung nach die Artikel des Biologen und Bienenexperten Randy Oliver, der ein regelmäßiger Autor im American Bee Journal ist. Auf seiner Homepage “Scientific Beekeeper” findet man zwei hochinteressante Artikel, auf die wir an dieser Stelle verweisen möchten:
Neonicotinoids: Trying To Make Sense of the Science
Neonicotinoids: Trying To Make Sense of the Science – Part 2

Er listet viele Studien zum CCD und zu Neonicotinoiden und schreibt, dass etliche mit einer gehörigen Portion Voreingenommenheit in die eine oder andere Richtung behaftet sind. Manche spielen die Wirkung der Neonicotinoide hinunter, andere versuchen zu beweisen, dass diese Giftstoffe die zentrale Schuld am Bienensterben tragen.

In einem spannenden Artikel von April 2013, bei dem er sich vor allem damit auseinandersetzt, was “dieses Frühjahr mit den Bienen geschah”, vergleicht er die Bienenverluste mit der Verwendung von Neonicotinoiden. Er findet dabei eine Korrelation von 2006 bis 2009, aber 2010 dreht sich der Trend: mehr Neonicotinoide als im Vorjahr werden eingesetzt und wesentlich weniger Bienen verenden.

Randy Oliver meint insgesamt, dass die Antwort Neonicotinoide zu trivial und falsch ist. Man muss anmerken, dass er Pestizide und Neonicotinoide grundsätzlich mit dieser Einschätzung nicht freispricht. Er betrachtet nämlich auch “consistently lucky beekeepers”, die selten Bienen verlieren. Diese geben ihren Bienen, nachdem sie mit Pestiziden in Berührung gekommen sind, “eine Erholungszeit”.

Was ist nun das Fazit aus all diesen Studien? Man kann nachweisen, dass Neonicotinoide giftig für Bienen sind, aber es reicht bei weitem nicht, um das Ausmaß der weltweiten Verluste zu erklären. Oliver spricht auch das Problem des Ersatzes für die Neonicotinoide an. Bei einem Verbot werden einfach andere Pestizide eingesetzt werden. Wer sagt, dass diese nicht weit schädlicher sind? Teilweise weiß man das sogar. Stimmt diese Einschätzung, könnte sich daher dieses Verbot zum Pyrrhussieg entwickeln.

Das aktuelle, auf 2 Jahre befristete Verbot kann man als Test sehen. Die Daten sprechen zwar nicht dafür, aber vielleicht verbessert sich das Problem tatsächlich massiv dadurch. Es wäre wünschenswert, eine so einfache Erklärung zu finden, aber wetten würden wir nicht darauf.

Bienensterben, Neonicotinoide und die Fakten May 15, 2013 | 11:31 am

Vor kurzem wurde durch die EU eine Gruppe von Pestiziden namens Neonicotinoide verboten, da man sie im Verdacht hat, ein massives Bienensterben zu verursachen, das man als Colony Collapse Disorder CCD bezeichnet. Der grundsätzliche Effekt ist, dass die erwachsenen Arbeitsbienen aus dem Stock “verschwinden”, z.B. von der Pollensuche nicht zurückkehren.

Das Verbot wurde speziell in Österreich heftig diskutiert, der zuständige Minister Berlakovich geriet wegen seiner Gegenstimme unter heftigen Beschuss. Wir wollten uns das trübe Gewässer, in dem die Diskussion dazu stattfindet, auch mal etwas ansehen. Es ist, wie man schnell feststellt, nicht trivial.

Der Begriff Colony Collapse Disorder für diese mysteriöse Form von Bienensterben ist recht neu und wurde 2006 in einer Studie eingeführt. Aber das Phänomen an sich ist bereits seit 1869 bekannt. Damals wurde als Ursache Schimmelpilz ausgemacht (ob korrekt, weiß man nicht).

Zwischen 1905 and 1919 verlor man 90% der Bienen auf der Isle of Wight mit unklarer Ursache, bzw. die untersuchenden Forscher konnten sich nicht einigen, was denn schuld sei. Im Distrikt Stawell in Australien verlor man 1910 59% der Stöcke und viele wurden durch Verluste schwer angeschlagen.

Im Laufe der Jahrzehnte trat das Phänomen immer wieder auf, die oben genannte Arbeit listet 18 Fälle, und führte zu einer Vielzahl an Theorien. Es wurde an alles mögliche gedacht, von Viren über Milben bis hin zu Pestiziden und mehr. Mobilfunk und Gentechnik wurden untersucht, manche Dinge verworfen, andere kamen in die engere Wahl. Komplett abstruse Ideen wurden natürlich auch geäußert, wie z.B. dass es Gottes Strafe sei, da US-Bundesstaaten mit Pro-Homosexuellen-Gesetzgebung stärker unter CCD litten.

Das Problem ist: man ist bisher daran gescheitert, es auf eine Ursache zurückzuführen. Man findet in diesem Zusammenhang Erwähnungen von vielen Effekten, die zumindest zum Problem beitragen:

Die Varroamilbe
Nosemose (ein Parasit)
Israel Acute Paralysis Virus
Habitatverlust
Überzüchtung
Neonicotinoide
Pestizide im Allgemeinen
Mangelernährung
usw.

Aber kein Effekt kann überall alles erklären.

Man hat also wohl zwei Möglichkeiten:
- Es gibt ein bisher unbekanntes Grundproblem.
- Man hat unter dem Begriff CCD mehrere im Grunde nicht zusammenhängende Probleme unter einem Dach zusammengefasst.

Ersteres scheint aufgrund der Menge an Studien und heutigen diagnostischen Möglichkeiten unwahrscheinlich. Zweiteres klingt plausibler. Das würde aber bedeuten, dass man mehrere Probleme hat, die sich nur zufällig mit den selben Auswirkungen äußern. Und dass man “die eine Ursache” gar nicht finden kann. Das würde auch die historischen Vorfälle, bei denen unterschiedliche Ursachen vermutet wurden, erklären.

Sehr lesenswert sind unserer Meinung nach die Artikel des Biologen und Bienenexperten Randy Oliver, der ein regelmäßiger Autor im American Bee Journal ist. Auf seiner Homepage “Scientific Beekeeper” findet man zwei hochinteressante Artikel, auf die wir an dieser Stelle verweisen möchten:
Neonicotinoids: Trying To Make Sense of the Science
Neonicotinoids: Trying To Make Sense of the Science – Part 2

Er listet viele Studien zum CCD und zu Neonicotinoiden und schreibt, dass etliche mit einer gehörigen Portion Voreingenommenheit in die eine oder andere Richtung behaftet sind. Manche spielen die Wirkung der Neonicotinoide hinunter, andere versuchen zu beweisen, dass diese Giftstoffe die zentrale Schuld am Bienensterben tragen.

In einem spannenden Artikel von April 2013, bei dem er sich vor allem damit auseinandersetzt, was “dieses Frühjahr mit den Bienen geschah”, vergleicht er die Bienenverluste mit der Verwendung von Neonicotinoiden. Er findet dabei eine Korrelation von 2006 bis 2009, aber 2010 dreht sich der Trend: mehr Neonicotinoide als im Vorjahr werden eingesetzt und wesentlich weniger Bienen verenden.

Randy Oliver meint insgesamt, dass die Antwort Neonicotinoide zu trivial und falsch ist. Man muss anmerken, dass er Pestizide und Neonicotinoide grundsätzlich mit dieser Einschätzung nicht freispricht. Er betrachtet nämlich auch “consistently lucky beekeepers”, die selten Bienen verlieren. Diese geben ihren Bienen, nachdem sie mit Pestiziden in Berührung gekommen sind, “eine Erholungszeit”.

Was ist nun das Fazit aus all diesen Studien? Man kann nachweisen, dass Neonicotinoide giftig für Bienen sind, aber es reicht bei weitem nicht, um das Ausmaß der weltweiten Verluste zu erklären. Oliver spricht auch das Problem des Ersatzes für die Neonicotinoide an. Bei einem Verbot werden einfach andere Pestizide eingesetzt werden. Wer sagt, dass diese nicht weit schädlicher sind? Teilweise weiß man das sogar. Stimmt diese Einschätzung, könnte sich daher dieses Verbot zum Pyrrhussieg entwickeln.

Das aktuelle, auf 2 Jahre befristete Verbot kann man als Test sehen. Die Daten sprechen zwar nicht dafür, aber vielleicht verbessert sich das Problem tatsächlich massiv dadurch. Es wäre wünschenswert, eine so einfache Erklärung zu finden, aber wetten würden wir nicht darauf.

Ivi-key_osk-Barabend (im Exil) May 15, 2013 | 11:25 am

15. Mai 2013
21:00

Der Ivi-key_osk-Barabend findet heute, 15. Mai 2013, im/am Café KoZ, Uni Campus Bockenheim, Mertonstr. 26-28, Frankfurt am Main statt. Auflegerei mit DiVersion und Sandy

Jetzt neu: Starkes Deutschland entscheidet. May 15, 2013 | 12:56 am

verbrochenes.net, das Webmagazin für Demokratie und Gute Laune, fiebert bereits der Bundestagswahl im September entgegen. Die ersten Parteitage sind absolviert, die Kontrahenten haben sich positioniert, es geht los! Ein guter Zeitpunkt also, um einen ersten Blick auf die Kommunikation der verschiedenen Parteien zu werfen.

Nationale Erneuerung

Die Grünen stellten ihren Parteitag vor einigen Wochen unter das Motto “Deutschland ist erneuerbar!”. Das erinnert einerseits daran, dass die Partei als bürokratischer Arm einer deutschnationalen Erweckungsbewegung entstanden ist. Andererseits ist Deutschland auch einfach die politische Ebene, um die es der Partei hier geht. Die Selbstverständlichkeit, mit der pfiffig-keck aufs Vaterland verwiesen wird, kann trotzdem ein wenig irritieren.

Viel interessanter als das unvermeidbare nationale Klimbim ist aber das Wörtchen erneuerbar in diesem Motto. Ob beabsichtigt oder nicht, das ist eine tolle Idee. Denn die Deutschen sind alt, die Wähler der Grünen sind alt, und niemand will alt sein. Erneuerung! versprechen die Grünen dem greisen Wahlvolk. Wir können von vorne anfangen! Es gibt eine Zukunft! Die gibt es für die Menschen natürlich nur bedingt, weshalb sie es umso lieber hören, dass immerhin die Nation erneuert werden kann.

Erektile Alternative

Mit dem Alter kämpfen auch die meisten Anhänger der Alternative für Deutschland, einer Partei, deren Namen die Grünen bei ihrer Gründung auch gut hätten tragen können. Sie besteht zu einer überwältigenden Mehrheit aus alten Männern, und das sieht man in ihrem Logo: Es handelt sich offensichtlich um eine Synthese des jugendlich-dynamischen Nike-Logos mit einem Phallus-Symbol. Die Botschaft: Mit der AfD geht es bald wieder aufwärts, an der Börse und in der Hose. Dieses Versprechen werden andere Parteien kaum überbieten können.

Gut gemacht!

Bei den Versprechen für die Zukunft ist die FDP derweil noch nicht angekommen. Sie ist damit beschäftigt, sich selbst zu beglückwünschen. Das ist, ähnlich wie der ständige Verweis auf Deutschland, eine Gesetzmäßigkeit im Wahlkampf: Die Regierungsparteien müssen kommunizieren, dass sie Großes geleistet haben. Nicht immer aber passiert das so cheesy wie gerade bei den Liberalen. “Gut gemacht, FDP!” sagt, nunja, die FDP zu sich selbst. Das erinnert an eine Kampagne von arte, bei der sich die Verantwortlichen des TV-Senders ebenfalls so sehr nach Anerkennung gesehnt haben, dass sie einfach Leute erfunden haben, die sich bei ihnen bedanken. Bei der FDP dürfen wir nun gespannt sein, wie und wann die Kommunikation sich mehr auf die Zukunft ausrichtet, wann das “Gut gemacht!” also durch ein “Noch viel zu tun!” ergänzt wird.

Wer Wir Was

Bei meiner persönlichen Lieblingspartei, der SPD, geht es bisher wenig spektakulär zu. Der Claim “Das Wir entscheidet” wurde in den Medien ein paar Tage verspottet, weil ihn eine unbedeutende Leiharbeitsfirma schon länger benutzt. Aber so richtig hat das auch niemanden interessiert. Schon angesichts der für die SPD extrem schwierigen Konstellation stellt sich aber die Frage, mit welchen Themen und in welchem Tonfall sie die Union letztendlich angreifen wird. Peer Steinbrück als starken Mann und Macher darzustellen ist angesichts seiner Person zwar naheliegend, passt aber nicht recht zum “Wir”, das ja jetzt entscheidet.

Ähnlich unauffällig bleibt bisher die CDU. “Starkes Deutschland. Chancen für Alle!” stand beim Parteitag an der Wand, naja. Für Merkel gilt, dass sie alles richtig macht, so lange sie nichts falsch macht. Insofern dürfte es hier ziemlich langweilig bleiben.

Wahlziel 100%

Den Preis für die uninspirierteste Phrasendrescherei gewinnt trotzdem die Linkspartei: “100 Prozent sozial” ist ihr Wahlprogramm nämlich betitelt. Da steckt immerhin ein schlechter Witz mit SED-Wahlergebnis-Bezug drin, sonst aber leider überhaupt nichts.

Blank Pages »Blank Pages« May 14, 2013 | 06:10 pm

Manche Platten, so scheint es, bemühen sich nicht sonderlich um die Gunst einer potentiellen Hörerschaft. Zum Beispiel, wenn sie ein Cover ziert, das wohl niemanden wirklich vom Hocker reißt, geschweige denn zum Reinhören verleitet. Oder wenn das Label sich um Werbung nicht wirklich schert: wenn niemand Bock hat, einen Promotext zu verfassen, und der Vertrieb hauptsächlich in dunklen Spelunken qua Tausch mit anderen Labels stattfindet. Oder auch wenn es eben kein angesagtes Video auf YouTube gibt, das über die bekannten Kanäle geschickt wird. Natürlich kann diese Zurückhaltung in Zeiten der völligen Übersättigung mit Musik, von der einem unbekannte Mächte erklären, man müsse sie unbedingt mal angeklickt haben, als Strategie begriffen werden. Vielleicht liegt es in dem Fall ja auch gar nicht im Interesse der Herausgeber, andere als die eingeweihten Szenegänger zu erreichen. Dass dabei aber einfach tolle Musik auf der Strecke bleiben kann, ist die Kehrseite der Medaille.

All das trifft auf das eponymisch betitelte Debütalbum der Berliner Band Blank Pages zu, das jüngst auf dem in Osnabrück ansässigen Label Hardware Records erschienen ist. Allerdings meint man hier gar kein Debüt vor sich zu haben. Nicht nur, weil die Blankies in den letzten zwei Jahren bereits zwei starke Vinylsingles veröffentlicht haben und schon mehrmals durch Europa getourt sind, sondern auch, weil man es hier mit alten Bekannten zu tun hat: Sänger Andreas Robbes war Sänger und Gitarrist der Band Idle Hands und mit seinem Songwriting und seiner einprägsamen Stimme maßgeblich für den Sound der Band verantwortlich. Es wundert also nicht gerade, dass sich die Idle Hands als primäre Referenz geradezu aufdrängen. Der Schlagzeuger Jan Hellmich hingegen ist parallel bei der beliebten Berliner Krawallband Modern Pets engagiert. Sein punktgenaues, arschschnelles Spiel bereichert die Band ungemein. Bassist Marcel Feige wiederum ist zugleich Sänger der aus Münster stammenden Band Dramamine, die derzeit pausiert. Anders als beim DC-inspirierten Posthardcore seiner Zweitband geht es hier aber sehr straight und, man ist geneigt zu sagen: poppig zu. Die Songs sind Hits, die Melodien Ohrwürmer. Der musikalische Widerpart will aber vor allem Punkrock sein. Bei anderen Bands pervertiert diese Zusammenkunft unter dem Begriff »Pop-Punk«. Hier jedoch gemahnt sie eher an Vorbilder wie die Buzzcocks, Hüsker Dü und die Wipers. Gelegentlich meint man in der Melodieführung auch einen jungen Blake Schwarzenbach herauszuhören.

Äußerst gelungen wird das Ganze von der Produktion unterstrichen. Im Berliner Schaltraum Studio binnen sechs Tagen von Smail Shock, dem Sänger und Gitarristen der Urgesteine The Shocks, auf einer alten Bandmaschine aufgenommen und abgemischt, fügt sich der Sound dem Retrocharme, den das Songwriting nahelegt. Doch genau an diesem Punkt, der genau so dazu dienen könnte, die Konsequenz der Band zu loben, wird die Band auch auf Kritik stoßen: Kaum zeugt die Platte vom Willen nach Innovation. Mit Spielereien und Experimenten lehnt sich die Band nicht aus dem Fenster. Gerade dieses Verfahren wird jedoch im letzten Stück des Albums, »Do Not Resuscitate«, textlich reflektiert: »Repeating structures once again/No choices offered to my hands.« Nur aus dem Vorhandenen kann geschöpft werden. An anderer Stelle heißt es dann: »We’re all searching for this niche of boredom and security.« Punkrock bleibt also der alternativlose Referenzrahmen trotz der Zerrissenheit im Wissen um die stetige Wiederholung. Die eigene Sozialisation wird zugleich kritisch betrachtet und produktiv genutzt. Auch aus anderen Stücken spricht eine gewisse Desillusioniertheit und das Eingeständnis, dass sicher geglaubte Wahrheiten und der Genuss von hohlem Pathos nicht länger greifen können. Daher wird hier dankbarerweise nicht der Durchhalteparole »Young Until I Die« gehuldigt. Weder die ewige Jugend noch ein diffuses Gemeinschaftsgefühl werden beschworen. Vielmehr kommt Robbes zu dem Schluss: »So I’d rather keep on running to the beat of my own heart.« Vor allem geht es um die Musik, die diese vier Menschen umtreibt.

Dafür steht ihnen gewissermaßen ein punkhistorisches Archiv zur Verfügung, aus dem sie spielerisch auswählen. Dass sie dabei dennoch in der Lage sind, über den Tellerrand hinauszuschauen, zeigt nicht nur der von einem Black Heart Procession-Song abgeleitete Bandname, sondern auch die ausufernden, instrumentalen Anfänge von »Drained« und dem schon erwähnten »Do Not Resuscitate« oder das Glockenspiel im wahrscheinlich besten Stück »All in Due Time«, das eine ähnliche Wärme wie mancher Hüsker Dü-Song ausstrahlt. Aber sowieso werden Genrefragen irrelevant, haben einen diese Songs einmal in ihren Bann gezogen. Die eigentümliche Melancholie in der Stimme, die kleinen Melodieschwenker, die sich tief einprägen, und die treibenden Beats können den endlich einkehrenden Frühling wohl kaum besser begleiten.

flattr this!

Die perfekte Bewerberin May 14, 2013 | 11:02 am

Eine durchhalte-Kampagne (“Ich bin gut”) des Jobcenter findet sich derzeit in deren Räumlichkeiten. Für alle, die nach 50, 70 oder 90 Bewerbungen keinen Sinn mehr sehen, keine Hoffnung mehr haben einen Platz zum Arbeiten zu finden: auch nach 100 Bewerbungen besteht, ja: was besteht eigentlich. Hoffnung? Bewerben um der Bewerbung willen. (“Potentiale erkennen, Chancen nutzen”) Die Frage nach der (fairen) Bezahlung der geleisteten Tätigkeit wird dabei noch nicht gestellt…

die_perfekte_bewerberin_agentur_fuer_arbeit_ikl959.com“Die perfekte Bewerberin: Eine, die auch nach 100 Absagen nicht aufgibt.” (click pic to enlarge)


Einsortiert unter:über-denken, Foto/Bild, normal vs. strange, pic of the day Tagged: aktion, arbeitslosigkeit, jobcenter

»Stell dich nicht so an!« May 13, 2013 | 11:08 pm

Indizien für eine Rape Culture

Zündfunk Generator-Sendung von Laura Freisberg und Julia Fritzsche über die Allgegenwart sexualisierter Gewalt, Vergewaltigungsmythen und Schuldumkehr.

Triggerwarnung: Sowohl im Einführungstext, als auch im Feature wird sexuelle Gewalt plastisch beschrieben.

Im Sommer 2012 haben zwei Fotoball-Stars eine bewusstlose 16-Jährige wie eine lebendige Puppe von Party zu Party geschleppt und sie mehrfach vergewaltigt. Die Stationen dieser Nacht sind festgehalten auf Fotos, Twitter-Meldungen und SMS. Etliche Zeugen unternahmen nichts. Der Football-Tainer deckte die beiden jugendlichen Täter im Nachhinein. Und die Medien beklagten das zerstörte Leben der beiden Footballstars.
„Rape Culture“ nennen das Beobachter – und meinen damit eine Gesellschaft, die sexuelle Gewalt duldet, verharmlost oder befördert und die Verantwortung auf die Opfer verschiebt. In Deutschland taucht der Begriff „Rape Culture“ in den letzten Jahren zunehmend in feministischen Blogs auf. Massive Kritik an der „Rape Culture“ übt seit 2011 die weltweite Slut-Walk-Bewegung, die gegen falsche Vorstellungen von sexueller Gewalt auf die Straße geht. Denn spätestens seit der deutschen Sexismusdebatte zu Beginn des Jahres 2013 wurde wieder klar: Schuldzuweisungen wie „Hättest Du doch die Bluse zugemacht!“ sind noch immer salonfähig.
Leben auch wir in einer „Rape Culture“? Was hat es mit dem Begriff auf sich? Ist es nur ein feministischer Kampfbegriff für den Wahnsinn, den Frauen täglich erleben? Oder ist es die treffende Bezeichnung für unsere Gesellschaft?
Der Zündfunk Generator spricht darüber mit Anne Wizorek und Julia Brilling, die im Netz anonym sexuelle Übergriffe sammeln, Birte Rohles von Terre des Femmes und Lorena Palasi vom Slut Walk München sowie der Filmwissenschaftlerin Andrea Kuhn und dem Historiker Hiram Kümper, der Vergewaltigungskulturen in der alteuropäischen Kulturgeschichte untersucht hat.

Download: via BR2 | via RS.com (1 h, 55 MB)

Tags: , , , , , , , ,

Ein Leben in Zitaten (2) May 13, 2013 | 10:04 pm

Make no mistake: irony tyrannizes us.

Irony and cynicism were just what the U.S. hypocrisy of the fifties and sixties called for. That’s what made the early postmodernists great artists. The great thing about irony is that it splits things apart, gets up above them so we can see the flaws and hypocrisies and duplicates. The virtuous always triumph? Ward Cleaver is the prototypical fifties father? “Sure.” Sarcasm, parody, absurdism and irony are great ways to strip off stuff’s mask and show the unpleasant reality behind it. The problem is that once the rules of art are debunked, and once the unpleasant realities the irony diagnoses are revealed and diagnosed, “then” what do we do?

Irony’s useful for debunking illusions, but most of the illusion-debunking in the U.S. has now been done and redone. Once everybody knows that equality of opportunity is bunk and Mike Brady’s bunk and Just Say No is bunk, now what do we do? All we seem to want to do is keep ridiculing the stuff. Postmodern irony and cynicism’s become an end in itself, a measure of hip sophistication and literary savvy. Few artists dare to try to talk about ways of working toward redeeming what’s wrong, because they’ll look sentimental and naive to all the weary ironists. Irony’s gone from liberating to enslaving. There’s some great essay somewhere that has a line about irony being the song of the prisoner who’s come to love his cage.

The problem is that, however misprised it’s been, what’s been passed down from the postmodern heyday is sarcasm, cynicism, a manic ennui, suspicion of all authority, suspicion of all constraints on conduct, and a terrible penchant for ironic diagnosis of unpleasantness instead of an ambition not just to diagnose and ridicule but to redeem. You’ve got to understand that this stuff has permeated the culture. It’s become our language; we’re so in it we don’t even see that it’s one perspective, one among many possible ways of seeing. Postmodern irony’s become our environment.

David Foster Wallace: E Unibus Pluram: Television and U.S. Fiction , Review of Contemporary Fiction. 13:2. 1993 (PDF)

Wir wissen, was Sie im letzten Frühjahr getan… May 13, 2013 | 07:16 pm

Vor einem Jahr gab es in Berlin-Weißensee eine breite Hetzkampagne von Mittelstandsmuttis und –vatis, die sich partout dagegen wehren wollten, dass in ihrem Kiez Menschen die Möglichkeit auf eine zweite Chance eingeräumt werden sollte. Aus diesem Anlass nochmal eine kleine Antwort an Sie.

Hallo Claudia „Mutter“ Langhans (28), Norbert Koch-Klaucke und andere Freunde der verfolgenden Unschuld!

Es ist vielleicht nicht schön, mit 28 Jahren Mutter in Weißensee zu sein. Da muss man dauernd Kuchen für blöde Kitafeste backen, alberne Kindertheatervorführungen bejubeln und zu allem Überfluss auch noch nebenbei arbeiten, weil „man sich diese Selbstständigkeit bewahren“ will. Man plagt sich eigentlich nur ab, ob bezahlt oder unbezahlt, ist nur insofern relevant, dass das eine immerhin einen neuen Pulli, das andere aber nur Babysabber auf dem neuen Pulli bringt. Du weißt, dass du dir von deiner Mutterliebe nichts kaufen kannst. Das schöne Leben und die duften Typen sind woanders als in deiner Dreizimmerwohnung auf dem Sofa. Das ist einfach ungerecht. Und außerdem hast du Zweifel daran, ob deine Nachbarn wirklich auf deiner Seite sind, wenn es um die Verhinderung von einem Reintegrationshaus in eurer Gegend geht. Die etwas betreten zur Seite schauenden Blicke, bevor man dich dann doch grüßt und die, die einfach nicht dabei mitmachen wollen, lassen dich das annehmen.

Und es gibt Gründe dafür. Weil jeder eine zweite Chance verdient hat. Dass jemand, der einmal straffällig geworden ist, nicht reintegriert werden soll, verweigert ihm jede Form des normalen Lebens. Claudia verweigert es ihm. Dass jemand, bloß weil er Medikamente nehmen muss, um seinen Alltag bewältigen zu können, eine Gefahr darstellt, ist ein Gerücht. Wer hat nicht die kleinen Helferlein, die einem den Alltag erleichtern, vom Kaffee am Morgen über die Kopfschmerztablette bis hin zu den Einschlaf- und Stimmungshilfen? Nur weil die Krankheit oder die Beeinträchtigung weiter von dem, was als normal gilt, abweicht, heißt das nicht, dass jemand, der medikamentös seine Aggressionen behandelt, durch die Medikamente nicht ein normales Leben führen kann. Wer kennt nicht ein Kind, das mit Ritalin funktionsfähig gehalten wird- obwohl man darüber sehr wohl streiten kann?

Was bringt also jemanden dazu, über andere Menschen das Verdikt auszusprechen, dass sie nie mehr ein normales Leben führen dürfen, obwohl objektiv alles dafür spricht? Was bringt jemanden dazu, andere Leute ebenfalls aufzuhetzen und sie so der Peinlichkeit auszusetzen, entweder als ein guter Nachbar zu erscheinen oder ein Außenseiter? Denn wer sich eurem Mob widersetzt, wird skeptisch von allen anderen betrachtet. Deshalb die ausweichenden Blicke, liebe Claudia. Denn obwohl die, die wissen, dass ein bürgerlicher Staat etwas Besseres als ein Lynchmob ist, die wissen, dass unsere Gesellschaft eine zweite Chance denen gewährt, bei denen Aussichten bestehen, dass sie ein normales Leben führen wollen/können und die auch wissen, und dass da keine Serienmörder und pathologische Kinderschänder freigelassen werden sollen- werden sie dir nicht ins Gesicht sagen, was sie von deinem Großinquisitoreifer halten. Denn sie wissen, dass du wie ein Inquisitor denkst und sie bei dir sofort als Täterschützer gelten, wenn sie nur darauf hinweisen, warum es Gesetze gibt. Wenn sie sagen, dass jemand krank ist, dass ein Fehler in seinem Hirn Schuld ist, bestätigt das nur deine Auffassung der Gemeingefährlichkeit dieser Menschen und du ignorierst die Möglichkeit, dass ein physiologischer Fehler auch durch eine physiologische Intervention –das Einnehmen von Medikamenten- beseitigt werden kann. Das ist in etwa so, wie wenn du deinem Kind ein Medikament verweigerst, obwohl es ernsthaft krank ist.

Allen Einwänden, die man dir entgegen bringt, setzt du nur automatisiert „aber doch nicht hier“ entgegen. Und der Gegenüber schweigt, nicht, weil er dir Recht gibt, sondern weil er weiß, dass du damit meinst, dass es nirgendwo passieren soll. Denn du kannst überall darauf zählen, dass es ein oder zwei wie dich gibt, die im Namen der Unschuld, die vernichten will, mit dem Finger auf die Menschen zeigen, die schwächer sind als du. Denn du hast kein Erbarmen mit anderen Menschen und zeigst Toleranz nur da, wo dir wirklich alles egal ist. Das Gute ist nur: es sind immer nur ein paar wenige, die wie du aufstacheln, und bereiten den anderen damit das oben genannte Unbehagen.

Denn die Claudias dieser Welt haben niemals wirklich die Mehrheit hinter sich, sondern nur die, die nichts sagen, weil sie Angst vor der Inquisition haben. Für die gibt es aber eine gute Nachricht: ihr seid der Großteil. Ihr wisst, dass eure Kinder weder geklaut noch angezündet werden, wenn ein ehemaliger Kleptomane oder Pyromane in den offenen Vollzug geht. Ihr wisst auch, dass dieser streng geregelt ist und es sofort registriert wird, wenn Fehlverhalten auftritt, und ihr wisst auch, dass das streng bestraft wird. Ihr könnt zwischen „Tatort“ und der Realität unterscheiden. Die Claudias können es nicht. Und ihr erinnert euch vielleicht an die unangenehmen Geschichten von den kleinen Dörfern weit außerhalb der Stadt. Eure Eltern hatten vielleicht auch Angst vor den Claudias, und sie konnten nicht aus der Dorfgemeinschaft weg. Ihr könnt es aber und ihr habt es sogar getan, als ihr nach Berlin gezogen seid. Ihr wisst selbst, wie scheiße so ein Verhalten ist.

Wir rufen deshalb die auf, die nicht blind vor Hass auf sich und die ganze Welt sind, sich gegen diese Bürgerinitiative zu positionieren, denn diese ist kein lobenswertes Engagement, sondern nichts als blindes Dreinschlagen und Vernichtenwollen. Wollt ihr wirklich euch hinterher dafür schlecht fühlen, weil ihr jemanden ungerecht behandelt habt, nur weil die Claudias es so wollen? Wollt ihr wirklich in einer Gesellschaft leben, in der jedes Vergehen mit einem sofortigen Ausschluss aus der Gemeinschaft wie in den ersten Jahrhunderten nach unserer Zeitrechnung geahndet wird? Wollt ihr wirklich euch der Gefahr aussetzen, dass ihr der Nächste seid, sobald diese Spielwiese für die Claudias weg ist und sie jetzt etwas an eurer Vorgartenpflege oder der Läuseerkrankung eurer Kinder auszusetzen hat? Wollt ihr wirklich brutal eure Kinder instrumentalisieren und als Argumente ins Feld schicken, weil die nun mal am schutzbedürftigsten erscheinen, damit die Claudias ihr Ressentiment ausleben können? Oder habt ihr noch einen Rest Mitmenschlichkeit, der sich nicht völlig den Fakten verschließt? Wir können euch die Fragen nicht beantworten. Das müsst ihr selbst tun.

Und, Norbert Koch-Klaucke, wir wissen, dass du über die Runden kommen musst und sich Angst schürende Artikel nun einmal gut verkaufen. Das macht dich zwar zu einem Verbreiter der Botschaften der Claudias aus Weißensee, aber eigentlich bist du ein armes Würstchen, und deshalb kommst du hier nicht weiter vor.

Wenn man die Geschichte erforscht, nicht in den gereinigten Ausgaben, die für Volksschulen und Gymnasien veranstaltet sind, sondern in den echten Quellen aus der jeweiligen Zeit, dann wird man völlig von Ekel erfüllt, nicht wegen der Taten der Verbrecher, sondern wegen der Strafen, die die Guten auferlegt haben; und eine Gemeinschaft wird unendlich mehr durch das gewohnheitsmäßige Verhängen von Strafen verroht, als durch das gelegentliche Vorkommen von Verbrechen.Oscar Wilde

Dienstag: Kundgebung vor dem Eine-Welt-Haus May 13, 2013 | 04:41 pm

Anlässlich der Veranstaltung „Die ethnische Säuberung Palästinas“ des antizionistischen Vereins „Salam Shalom“ wird am Dienstag vor dem Eine-Welt-Haus demonstriert. Aus dem Ankündigungstext einer frei assoziierten Gruppe aus Münchnerinnen und Münchnern gegen Antisemitismus und Antizionismus:

Seit Jahren wird das Eine-Welt-Haus für Kampagnen gegen Israel und den Zionismus missbraucht. Wir haben uns wiederholt an das Haus und die Veranstalter gewandt und wurden nicht einmal mit einer Antwort bedacht.

Die von diesem Haus und den darin aktiven Organisationen ausgehende Hetze gefährdet die Demokratie. Es ist unerträglich, dass unter dem Motto „Für ein friedliches und solidarisches Miteinander zwischen Menschen aller Kulturen“ Hass gegen Israel und Juden verbreitet wird.

Deshalb werden wir am Dienstag, dem 14. Mai, Flyer verteilen und Transparente halten!
Wir treffen uns vor dem Eine-Welt-Haus, Schwanthalerstraße 80, um 18.30 Uhr.

Mitglieder oder Sympathisanten von Parteien oder Organisationen, die Menschen aufgrund ihrer Hautfarbe, ihrer Religion oder ihres Geschlechts abwerten, sind auf der Kundgebung unerwünscht.

, , ,

Zum deutschen Ungeist. Nach achtzig Jahren eine Erinnerung an die Bücherverbrennung May 13, 2013 | 12:00 pm

14. Mai 2013
19:00

Zur freundlichen Beachtung:

14.5.2013, 19:00 Uhr; IG-Farben-Haus, Raum 254

Am 10. Mai 1933 brannten in Deutschland die Scheiterhaufen für Bücher. Das Ereignis ist in der Ikonographie des Nationalsozialismus fest verankert, mindestens die spektakulär inszenierte zentrale Bücherverbrennung auf dem Berliner Opernplatz. Gemeinhin wird dies als Vorschein der kommenden Vernichtung von Menschen und als  deutliches  Zeichen für  die  Geistfeindschaft  der Nationalsozialisten gedeutet: Die Werke der verfemten Autorinnen und Autoren wurden eben nicht argumentativer Kritik, sondern der symbolstarken Vernichtung durch die Flammen übergeben. Es klafft aber eine Lücke in diesem Bild der Bücherverbrennung, wenn vergessen wird, wer die Bücher verbrannte – es waren Studierende. Diese Tatsache geht im Begriff der bloßen Geistfeindschaft nicht auf; die Bücherverbrennungen müssen vielmehr auch als ein einschneidendes Ereignis für die Eingliederung der deutschen Universitäten in den Nationalsozialismus begriffen werden.
Im Vortrag sollen am Beispiel von Frankfurt die Ereignisse vom 10. Mai 1933 dargestellt werden, um im Anschluss einige Hinweise zur nationalsozialistischen Geschichte der Goethe-Universität zu geben.

Im Rahmen der Veranstaltungsreihe Studieren nach Auschwitz. Veranstaltungen im Sommersemester 2013 der Initiative Studierender am IG-Farben-Campus

Falsche Verbündete May 13, 2013 | 01:19 am

Der ägyptische Blogger Maikal Nabil Sanad erklärt frustriert, warum der Schah sich 1979 besser hätte mit den Feinden der USA verbünden sollen. Eine Lehre, die er für die liberale und nichtreligiöse Opposition in Ägypten zieht:

The Shah wasn’t weak; he just has the wrong allies. He committed the un-forgiven sin of being on the wrong side. He hanged out with people who don’t appreciate friendships or ideologies, just pragmatic interests. Pahlavi fell, just because he chose to be our ally, not our enemy. If he was our enemy, he would have been the Shah of Iran till today. I’m here not denying that he was corrupt, and that he is responsible for the crimes made under his role. I’m just saying that he could have been more corrupt, and could have done more human rights violations, and still remain in power, if he had different allies.

Why I’m thinking in that? Just because the Pew Research Center has published its recent study, saying that 29% of Muslims in Egypt find suicide bombing justified. And knowing that nearly 10% of Egyptians are Christians, we reach a conclusion that only 20% of Egyptian voters consider the Palestinian Terrorism a “resistance”. This will include Islamists, Nationalists, and the radical left. But the crisis is that western countries don’t see in Egypt except these 20%. These 20% are the ones receiving all of the international attention and support. They are the ones receiving the USA Aid and the EU funds. They are the ones honored in international ceremonies, and get the most famous prizes. They are the ones who meet Mr. Obama, get honored by Michelle Obama, and admired by the European Parliament. They are the ones who are considered credible resources for the international human rights organizations.
Actually, the weakness of Egyptian Liberals isn’t more than a self-fulfilling prophecy. After the revolution, Europe and USA thought that Islamists are strong, and Liberals are week, so they decided to buy Islamists. Huge amount of funds and politic support started moving from USA and EU to Islamists in Egypt. Even Israel used all its diplomacy trying to build contacts with Islamists, and ignored the other actors in the game. Islamists used this support to reach power in July 2012. Mohammed Hussein Heikal, an Egyptian writer who has been close to the Egyptian dictatorship all over his life, described the American pressure on the army to deliver power to Islamists, as 1942 incident in which the British troops surrounded the Egyptian king’s palace to force him to change the government.

http://www.maikelnabil.com/2013/05/pahlavis-greatest-sin.html

eraas @ corax May 12, 2013 | 09:36 pm

eraas

VW-Komplex May 12, 2013 | 08:50 pm

Ein sehenswerter, da in seiner Form und Umsetzung überaus ästhetisch und (manchmal alles andere als) kleinteilig, kritischer und fast zeitloser Film (der unausweichlich ein Abbild seiner Entstehungszeit ist, der jedoch die industriellen Prozesse und Entwicklungen markant heraus präpariert welche noch heute wirken) ist eine Dokumentation von Hartmut Bitomsky: Der VW-Komplex (1989). vw_komplex-das_volkswagen_werk_und_die_deutsche_arbeitsfrontEin Blick in die Vergangenheit und Anfänge der Autofabrik ist ebenso enthalten wie ein Blick in die Zukunft. In der Dokumentation von Bitomsky geht es um einen VW-Komplex – so wird auch die Architektur und Stadtplanung der (als wenig lebenswert dargestellten) Autostadt Wolfsburg gezeigt. In Analogie zu den ersten Filmaufnahmen der Cinematographie (Arbeiter verlassen die Fabrik, der Gebrüder Lumiere) werden Arbeiter beim Verlassen der VW-Fabrik Ende des 20. Jahrhundert gezeigt. Es scheint sich zunächst nichts geändert zu haben. Der Arbeiter wird gezeichnet im Spannungsverhältnis zwischen seinem Dasein als Individuum und der gesichtslosen arbeitenden Masse. Die Frage nach der Erwerbsarbeit und dem Verhältnis zu den Menschen entwickelt sich zu einer immer wieder zu findenden Fragestellung. Immer wieder wird auch das Spannungsverhältnis der stetigen Technisierung und Enthumanisierung der Industrie offenbart – der Mensch in Konkurrenz zur Maschine (oder umgekehrt?).

Die Werkstätigen sind VWs stärkste Kundenschicht. Ein Zehntel der Produktion geht an sie. Mit jedem Arbeitsplatz der irgendwo abgebaut wird geht ein potentieller Autokäufer verloren. [...] Ein Verkehr lässt sich vorstellen, der Autofahrer nicht mehr benötigt, ebenso die Autofabrik, den Arbeiter. Es gibt den Zusammenhang von Autofahren und Industriearbeit.

Es verschwinden nicht nur die Arbeitsplätze, es verschwindet die Arbeit selbst. Was damit verloren geht ist noch gar nicht auszudenken. (src: VW-Komplex)

vw_komplex-kaefer_und_arbeiter_Gewiss ist die Diskussion um Erwerbsarbeit und Industrialisierung kein neues Themenfeld. Mit dem von heute aus gesehen Zeitsprung um über zwanzig Jahre zurück wird der offensichtliche Grad menschlicher Abhängigkeit (richtiger: der Industrieproduktion) von der Robotik um einiges eindrücklicher. In der Dokumentation werden die Besonderheit (die Nazis finanzierten sich über Anlagen von privaten Einzahlern ihre Kübelwagen für die Front; zunächst waren Zwangsarbeiter eine billige auszubeutende Arbeitskraft) und der spätere und anhaltende Erfolg des deutschen Projekts Volkswagen nach gezeichnet, hinterfragt, angedeutet. Film (D 1989, 90 Min.) derzeit noch hier zu finden.


Einsortiert unter:Foto/Video, kleinigkeiten-über-denken, leitmedien, Sehenswertes, Video/Film Tagged: dokumentation, vw

Ein Lob an “Der Standard” und die Austria Presse Agentur May 12, 2013 | 12:46 pm

Wir hatten hier im Blog die österreichische Tageszeitung “Der Standard” ja schon des öfteren “zu Gast”. Kein schlechtes Blatt, aber in der Gesundheitsredaktion wurden über lange Zeit immer wieder zweifelhafte Beiträge gebracht: so durfte sich z.B. 2011 Michael Frass über die “Verächtlichmachung der Homöopathen” aufregen. Oder in jüngerer Vergangenheit ein dümmlicher Artikel, in dem Harald Walachs verdiente Auszeichnung mit dem Goldenen Brett (vor dem Kopf) relativiert wurde.

In den letzten Monaten weht aber offenbar ein frischer Wind aus skeptischer Richtung und die Redaktion hat sehr viele interessante Artikel veröffentlicht. In diesem Zusammenhang muss man auch die APA (Austrian Presse Agentur) erwähnen, von der der Standard oft Artikel übernimmt. Die APA ist eine Genossenschaft, an der einige österreichische Zeitungen sowie auch der ORF beteiligt sind und damit der führende Informationsdienstleister Österreichs.

Im Blog der GWUP findet man eine ausführliche Übersicht über das tolle Pressedossier der APA zur Pseudowissenschaft. Damit haben viele österreichische Tageszeitungen in ihrer geteilten Datenbank eine Grundlage für weitere Artikel zur Hand, was hoffentlich die Autoren zum Nachdenken anregt.

Der Standard hat eine Rubrik Parawissenschaften eingeführt, aus der wir einige Beispiele nennen wollen.

Im aktuellsten Artikel dreht es sich um das Wünschelrutengehen und das Aufspüren von sogenannten Wasseradern. Die Fähigkeit ist quasi ein Klassiker, seit Jahrzehnten immer und immer wieder erfolglos getestet, was die angeblichen Anwender nicht daran hindert, weiter mit ihren Fähigkeiten zu werben.

Sehr interessant auch der Artikel zu Quantenheilmethoden, dazu auch ein schönes Interview mit dem Quantenphysiker Florian Aigner. Sehr schön wird auf die Schwurbelei, mit der diverse Methoden wie Matrix Energetics “erklärt” werden sollen, eingegangen.

Auch die Schüßler-Salze werden kritisch gewürdigt und die nutzlosen Farbspielereien der Aura Soma Therapie werden beleuchtet.

Im Gegensatz dazu steht der jüngste Jubelartikel zu diesem Thema in der Kronenzeitung: ein unkritischer, schlecht geschriebener “Ferienaufsatz”, der eigentlich als Werbung hätte deklariert werden müssen.

Sehr “befremdlich” ist der Artikel zu Braco, der mit “gebendem Blick” einfach nur auf der Bühne steht – und dafür wird 5 Euro pro Person kassiert. Da steht also ein Typ und schaut. Das ist alles, was man für sein Geld bekommt. Klar, für alte Hasen im Geschäft nichts neues, aber im Forum zum Artikel gab es eine Menge witziger Kommentare dazu.

Sehr lesenswert sind die Artikel zur Bioresonanz, speziell der zweite, der einen Test durch den Verein für Konsumenteninformation . Dieser hatte sechs Bioresonanz-Therapeuten in Wien getestet, die allesamt falsch diagnostizierten. Es wurden Unverträglichkeit gegen Erdnüsse und Walnüsse, von Instantkaffee und Saccharin bis hin zu Milcheiweiß und Weizen festgestellt.

Die richtige Diagnose fand keiner, für die Erstkonsultation wurden bis zu 168 Euro verrechnet. Auch wenn der Test vom Umfang her klein war, demonstriert er doch eindeutig, wie nutzlos die Bioresonanz sowohl als Diagnose als auch als Therapie ist.

Insgesamt eine schöne Artikelserie und ein wunderbares Dossier der APA, das da entstanden ist. Weiter so!