Neuer Landessprecher*innenrat gewählt March 25, 2015 | 06:24 pm

Bericht von der BAK Shalom AG Nordrhein-Westfalen von der Landesmitgliederversammlung der Linksjugend ['solid] NRW In NRW herrschen sowohl im Landesverband der Partei als auch im Jugendverband ein grundsätzlich anderes politisches Klima als in anderen Bundesländern, weshalb sich auch die Aufgaben einer BAK Shalom-AG etwas anders gestalten. Während es in anderen Landesverbänden möglich ist, sich in Kooperation mit Partei und Jugendverband auf Bildungsarbeit zu Themen wie Antisemitismus, Antizionismus, Antiamerikanismus und regressive Kapitalismuskritik zu konzentrieren, muss eine AG in NRW auch in besonderem Maße dem Antisemitismus in der Linken und der Linksjugend den Kampf ansagen.

Vom Elend der Vereinten Nationen March 25, 2015 | 03:26 pm

Zu den großen Irrtümern gehört es, die Uno für etwas Grundgutes, Vernünftiges und Überparteiliches zu halten und in ihr gewissermaßen die globale Hüterin der Menschenrechte zu sehen. Gewiss, die Vereinten Nationen waren ursprünglich, wie Lotta Grinstein in einem sehr lesenswerten Beitrag für die Zeitschrift Phase 2 schrieb, ein »antifaschistisches Kriegsbündnis«, gegründet, um »künftige Geschlechter vor der Geißel des Krieges zu bewahren, die zweimal zu unseren Lebzeiten unsagbares Leid über die Menschheit gebracht hat« – so steht es in der Präambel der UN-Charta. Doch bereits in ihrer Gründungsphase offenbarte sich, wie Grinstein weiter analysierte, »der unauflösbare Gegensatz zwischen der idealistischen Vorstellung universeller Menschenrechte und der harten Realität nationalstaatlicher Souveränität, der die UN immer begleiten wird«.

Während die Gründungsmitglieder in ihrer Mehrzahl aber immerhin bürgerliche Demokratien waren, änderten sich die Kräfteverhältnisse im Zuge der Dekolonisierung: »Eine Vielzahl neu gegründeter oder unabhängig gewordener Staaten strömte in den sechziger und siebziger Jahren in die UN, von denen sich viele allzu bald als despotische Regime konsolidierten und die Gründungsideale der UN häufig als Neokolonialismus verunglimpften, um damit die Menschenrechtsverletzungen an ihren BürgerInnen zu überdecken.« Gleichzeitig blieben die grundsätzliche Struktur der Vereinten Nationen und ihr Modus Operandi bestehen. Weiterhin gilt: ein Staat – eine Stimme. »Die Qualität der internationalen Menschenrechtspolitik wird dementsprechend zu einer Frage der Mehrheit«, konstatierte Lotta Grinstein in der Jungle World, und diese Majorität ist mittlerweile »in fast allen UN-Gremien, den Sicherheitsrat ausgenommen, auf der Seite der arabischen und islamischen Länder«.

Diese Staaten verfügen beispielsweise im UN-Menschenrechtsrat über rund ein Drittel der Stimmen und sind gemeinsam mit vielen »blockfreien« Ländern – sowie immer wieder mit Russland und China – in der Überzahl. Innerhalb dieser Mehrheit unterstützt man sich gegenseitig, wählt sich in verschiedene Gremien und sorgt dafür, dass Menschenrechtsverletzungen im eigenen Land nicht zur Sprache gebracht werden. Gleichzeitig erwidern die Autokratien, Despotien und Diktaturen in der Uno seit dem Sechstagekrieg von 1967 die westliche Kritik an ihren Menschenrechtsverstößen immer wieder mit lautstarken Angriffen auf Israel – um auf diese Weise ein eigenes Engagement in Menschenrechtsfragen zu simulieren. So und nicht anders erklärt sich die exorbitant große Zahl an Resolutionen, in denen der jüdische Staat verurteilt wird.

Auch der vor wenigen Tagen getroffene, absurde Beschluss der UN-Frauenrechtskommission, Israel als einziges Land der Welt für die Verletzung von Frauenrechten an den Pranger zu stellen, resultiert aus dieser Verfasstheit. Gleiches gilt für eine ganze Reihe weiterer Entscheidungen, Berichte und Maßnahmen, von denen hier nur einige aus der Gegenwart und jüngeren Vergangenheit beispielhaft genannt seien:

  • Die Generalversammlung der Uno verabschiedete auf ihrer Sitzung zu Beginn dieses Jahres nicht weniger als 20 Resolutionen, in denen Israel kritisiert wurde – und nur drei gegen andere Länder (nämlich Syrien, Nordkorea und den Iran).
  • Ein Drittel aller Resolutionen und Entscheidungen, die der Menschenrechtsrat der Vereinten Nationen seit seinem Bestehen verabschiedet hat, richtet sich gegen den jüdischen Staat.
  • Bei den derzeit laufenden, turnusmäßigen Sitzungen des Menschenrechtsrates sieht die Agenda unter Punkt 4 die Beschäftigung mit Menschenrechtsverletzungen weltweit vor. Doch es gibt eine Ausnahme: Die »menschenrechtliche Situation in Palästina und anderen besetzten arabischen Gebieten« hat einen eigenen Tagesordnungspunkt. Sieben Berichte und vier Resolutionen werden sich explizit gegen Israel richten. Die Zahl der Berichte und Resolutionen, die etwa Pakistan, Katar, Saudi-Arabien oder den Sudan betreffen, wird sich auf null belaufen.
  • In Kürze wird der Menschenrechtsrat zudem seinen Abschlussbericht zum Krieg zwischen der Hamas und Israel im vergangenen Sommer vorlegen. Dass er wie schon der Goldstone-Report vor sechs Jahren eine Philippika gegen Israel sein wird, ist sehr wahrscheinlich. Hillel Neuer, der Geschäftsführer der Uno-kritischen NGO UN Watch, hat am Beispiel des Goldstone-Reports gezeigt, wie solche Berichte zustande kommen, welches Personal die Uno dafür aufbietet und welche Rolle der Hohe Kommissar für Menschenrechte dabei spielt.
  • Die Uno unterhält zwei Flüchtlingshilfswerke: den UNHCR und die UNRWA. Letztere ist nur für die Palästinenser zuständig, Ersterer für alle anderen Flüchtlinge auf dieser Welt. Wie sich die »Hilfe« der UNRWA konkret darstellt und inwiefern diese Einrichtung mit freundlicher Unterstützung aus Europa den palästinensischen Terrorismus fördert, hat der Journalist Stefan Frank eingehend analysiert.

Wenn Israel also wieder einmal von einem UN-Gremium verurteilt wird, sagt das wenig bis nichts über den jüdischen Staat aus, dafür aber eine ganze Menge über die elende Gegenwart der Vereinten Nationen. Deren selektive und einseitige Resolutionen untergraben »das Kernprinzip, wonach Menschenrechtsstandards universell sind, und treiben die Parteien weiter auseinander«, wie Hillel Neuer im November 2013 schrieb. »Es ist die Uno, die sich dafür entschuldigen sollte, dass sie Israel als Sündenbock benutzt und dass sie den jüdischen Staat als Metakriminellen, dem für alle Übel der Welt die Schuld zu geben ist, dämonisiert und delegitimiert«, so Neuer weiter. Vor allem aber müsse sie sich »dafür entschuldigen, die Schreie der Millionen echter Opfer von Menschenrechtsverletzungen in aller Welt zu ignorieren – und diese Opfer zu verhöhnen«.

Zuerst veröffentlicht auf Fisch + Fleisch.


Einsortiert unter:Politik Tagged: Antisemitismus, Israel, Uno

America’s Assad phantasy March 25, 2015 | 12:08 am

Indeed similar to Iraq, where Washington has essentially partnered with Iran to stop Islamic State — even at the cost of bolstering Iran’s status in the country — some Obama administration officials are apparently toying with the idea of calling on Iran for help in Syria, as well. This means, in essence, partnering with Hezbollah to ensure the survival of the Assad regime, for it to serve as a buffer against the spread of Islamic State.

The fighting in Syria will continue well into the future, because none of the warring parties have the ability to deliver a decisive blow. Meanwhile, those in Washington who believe that helping Assad and linking up with Iran — even if only tactically — will garner the U.S. gratitude and new friends in the region, need to take into account that a victory for Assad, Iran and Hezbollah will only buttress the anti-American and anti-Israeli axis in the region and encourage its members to return to their pre-Syrian revolution path of incitement and resistance against the U.S. and Israel. After all, Assad is the root of the problem in Syria, not part of the solution.

Quelle

fell in love March 24, 2015 | 12:23 am

with Arvo Pärts “Spiegel im Spiegel”

arvo_pärt-spiegel_im_spiegel


Einsortiert unter:das leben in der stadt, Foto/Video, hörenswert, Music Tagged: arvo pärt, favourite song, spiegel im spiegel

Friedensbewegung nicht zu retten March 23, 2015 | 01:36 pm

Derzeit bemühen sich viele Menschen darum, eine angeblich gute, traditionelle Friedensbewegung von neurechten Friedensbewegungen zu trennen. Dass aber auch die traditionelle Friedensbewegung völlig vernarrt ist, zeigt der aktuelle Aufruf zum sogenannten „Ostermarsch“ 2015 in München.

Transparent auf dem Ostermarsch 2012 in München

Kein Konflikt der Welt ist in den deutschen Medien derart überpräsent wie der jüdisch-arabische. Israel ist das Land mit der höchsten internationalen Journalistendichte pro Quadratkilometer, an manchen Tagen berichtet nahezu jede bayerische Tageszeitung aus der Region. Selbst wenn nichts Aufregendes passiert, erscheinen in Bayern sechs bis acht Artikel täglich. Nur die Wahlen in den USA wurden in Deutschland ähnlich aufmerksam verfolgt wie die Wahlen vergangene Woche in Israel. Dem „Münchner Friedensbündnis“ ist das nicht genug. In dessen Aufruf zum diesjährigen Ostermarsch am 4. April heißt es zum jüdisch-arabischen Konflikt: „Dieser Konflikt wird im Schatten anderer Konflikte allzu oft verdrängt.“ Deshalb wolle man jetzt beim Ostermarsch daran „erinnern“.

Gerüchte über den jüdischen Staat
Mit keinem Wort sind im Aufruf Kriegstreiber wie die Mörderbande „Islamischer Staat“ erwähnt. Eine Extraspalte hingegen ist neben Griechenland dem jüdischen Staat gewidmet, dem die Ostermarschierer „dramatische Gewalt“ und eine „willkürliche Blockade Gazas“ unterstellen. Israel sei offenbar bestrebt, die „Palästinenser auf etwa zehn Prozent ihres ursprünglichen Territoriums“ zu isolieren, heißt es ebenda. Wie Israel das anstellen möchte, wo doch weit über die Hälfte des historischen Palästinas außerhalb Israels und außerhalb des Westjordanlandes liegt, wird nicht erklärt. Und so bleibt die traditionelle Friedensbewegung stets einer langen Tradition treu, die noch älter ist als sie selbst: dem antisemitischen Furor zu Ostern bzw. während des jüdischen Pessach-Festes.

Deutsche Friedensbewegungen unterscheiden sich kaum
Gefeiert werden aktuell sämliche Distanzierungen der traditionellen Friedensbewegung von Querfront-Bewegungen, namentlich: „Montagsmahnwachen“, „Friedenswinter“ und „Endgame“. Vergessen wird hierbei, dass die traditionelle mit der neurechten Friedensbewegung inhaltlich deutlich mehr vereint als trennt. Nimmt man den Ostermarschierern den über die Umwegkommunikation „Israel“ geformten Antisemitismus sowie den geifernden Antiamerikanismus, bleibt von der traditionellen Friedenbewegung nämlich nicht mehr viel übrig. Da ist einfach nichts zu retten.

, ,

Derweil in Lissabon March 22, 2015 | 03:30 pm

Etwas auf deutsche Art zu erledigen, gilt in immer mehr europäischen Ländern als hochgradige Beleidigung. Diese Stimmung weiß auch die portugiesische Linkspartei für sich zu vermarkten.

Vielen Dank den bayerischen Weltreisenden für diese ermunternde Zusendung. Nicht ganz so mutig wie die letzte Urlaubseinsendung, aber dafür in einem umso größeren Format.

, ,

70 Jahre Befreiung Neuköllns March 22, 2015 | 03:13 pm

70 Jahre Befreiung Neuköllns
Infos zu Aktionen und Veranstaltungen zum 70. Jahrestag folgen in Kürze.

Excuse for Inaction March 22, 2015 | 12:41 pm

Scott Lucas in EA:

CIA Director John Brennan told the Council on Foreign Relations in New York on Friday, March 13 that the near-term collapse of Syria’s Assad regime raises “a legitimate concern” about the Islamic State (ISIS or ISIL) and other jihadist extremists capitalizing on it. (…)

The Brennan thesis is the latest version of an excuse for inaction. It would hold water were Assad and ISIS fighting one another instead of acting in tandem to erase Syrian nationalists fighting them both. It would be analytically sound if the regime—the family and its tight circle of enablers and enforcers—represented the totality of governance (actual and potential) in western Syria. It would be morally defensible in the absence of nonstop regime war crimes and crimes against humanity committed with the support of Iran and Russia.

The Assad regime has criminalized the entirety of Syria, including those parts of the country secured for it by foreign fighters imported by Iran. Were it to go down hard and fast it would not be opening an express lane for ISIS to enter Damascus. Yes: there could be confusion and even panic in some quarters. But to claim that those Syrians whose lives and fortunes have been bound, in the absence of a credible alternative, to the political survival of a single family would simply disappear upon the departure of the regime is to misunderstand Syria and Syrians. Unlike in Iraq, there is little popular support for ISIS in Syria. Syrians will fight and eventually eliminate the bogus caliphate. They will be much better able to do so when the Assad family and its ruling clique have abandoned politics and left Syria. If the Obama administration has no appetite for doing the kinds of things that would hasten that day, fine. It should, at the very least, refrain from volunteering the kinds of statements that sustain a regime whose survival tactics have literally put ISIS on the Syrian map.

In Verteidigung der Chroniken von Narnia March 22, 2015 | 08:00 am

Moral in Kinderliteratur. Das Christentumsparadoxon Die Chroniken von Narnia sind wohl das in den letzten Jahrzehnten am heftigsten angefeindete Stück Kinderliteratur. Nicht nur einzelne Interessensgruppen attackieren die Bücher für ihre dezidiert christliche Moral, auch selbst literarisch tief im Christentum verwurzelte Schriftsteller wie etwa die Harry Potter Autorin JK Rowling kommen über die Art, wie CS […]

Frauenrechte à la Uno March 22, 2015 | 01:27 am

Am vergangenen Freitag ist die 59. Jahressitzung der Frauenrechtskommission zu Ende gegangen. Und dabei ist auch eine Resolution angenommen worden, in der ein Staat – genau ein einziger – für die Verletzung von Frauenrechten verurteilt wird. Dieser Staat bekommt dadurch von der Uno eine Art Alleinstellungsmerkmal verliehen, zumindest aber scheinen seine Verstöße ungewöhnlich gravierend und dadurch besonders erwähnenswert zu sein. Um welchen Staat handelt es sich also? Vielleicht um Pakistan, wo prozentual den meisten Frauen Gewalt durch ihren Partner widerfährt? Oder um den Sudan, wo 88 Prozent der Frauen unter 50 Jahre eine Genitalverstümmelung über sich ergehen lassen mussten und wo das Mindestalter für eine Heirat von Mädchen bei zehn Jahren liegt? Um Saudi-Arabien, wo Frauen physisch bestraft werden, wenn sie nicht die vorgeschriebene Kleidung tragen, und wo sie nicht Auto fahren oder ohne einen männlichen Verwandten verreisen dürfen?

Oder vielleicht um den »Islamische Republik« Iran, wo Frauen wegen eines Seitensprungs zu Tode gesteinigt werden können, keinem Gericht vorstehen dürfen, einem rigiden Kopftuchzwang zu folgen haben und das Einverständnis ihres Mannes benötigen, um außerhalb ihrer Wohnung zu arbeiten? Um Syrien, wo das Regime Vergewaltigungen und andere Formen sexualisierter Gewalt gegen Frauen als Kriegsstrategie einsetzt? Um China, wo es Zwangsabtreibungen und -sterilisationen gegen Frauen gibt? Oder um eines jener zahlreichen Länder, in denen »Ehrenmorde«, Frauenhandel, Zwangsprostitution und die gesamte Palette der Vorenthaltung politischer, individueller und sozialer Rechte für Frauen an der Tagesordnung, also »normal« sind?

Nein, dieser Staat, der als einziger von der »United Nations Commission on the Status of Women« in einer Resolution explizit verurteilt wurde, ist – allen Ernstes – Israel. »Die israelische Besatzung«, so heißt es in der Resolution, »bleibt das Haupthindernis für palästinensische Frauen, was ihre Fortschritte, ihre Eigenständigkeit und ihre Integration in die Entwicklung ihrer Gesellschaft betrifft«.

Via Lizas Welt

Frauenrechte à la Uno March 22, 2015 | 12:46 am

Jahrestagung der UN-Frauenrechtskommission, New York, März 2015

Bei den Vereinten Nationen gibt es eine »Fachkommission für die rechtliche Stellung der Frau«, die »United Nations Commission on the Status of Women« (CSW). Sie existiert seit 1946 und gehört zum Wirtschafts- und Sozialrat der Uno, einem der sechs UN-Hauptorgane (zu denen beispielsweise auch die Generalversammlung, der Sicherheitsrat und der Internationale Gerichtshof zählen). Die Kommission hat sich die Geschlechtergerechtigkeit zum Ziel gesetzt, sie tritt für die universellen Rechte von Frauen ein und beobachtet, wie sich die diesbezügliche Lage in der Welt entwickelt. Einmal im Jahr tritt das derzeit 45 Mitglieder umfassende Gremium im UN-Hauptquartier in New York zusammen, um den Stand der Dinge zu resümieren, politische Schritte zu beraten, Resolutionen zu verabschieden und Programme zu beschließen. Es ist die höchste und wichtigste Einrichtung der Vereinten Nationen, was Frauenrechte betrifft.

Am vergangenen Freitag ist die 59. Jahressitzung der Frauenrechtskommission zu Ende gegangen. Und dabei ist auch eine Resolution angenommen worden, in der ein Staat – genau ein einziger – für die Verletzung von Frauenrechten verurteilt wird. Dieser Staat bekommt dadurch von der Uno eine Art Alleinstellungsmerkmal verliehen, zumindest aber scheinen seine Verstöße ungewöhnlich gravierend und dadurch besonders erwähnenswert zu sein. Um welchen Staat handelt es sich also? Vielleicht um Pakistan, wo prozentual den meisten Frauen Gewalt durch ihren Partner widerfährt? Oder um den Sudan, wo 88 Prozent der Frauen unter 50 Jahre eine Genitalverstümmelung über sich ergehen lassen mussten und wo das Mindestalter für eine Heirat von Mädchen bei zehn Jahren liegt? Um Saudi-Arabien, wo Frauen physisch bestraft werden, wenn sie nicht die vorgeschriebene Kleidung tragen, und wo sie nicht Auto fahren oder ohne einen männlichen Verwandten verreisen dürfen?

Oder vielleicht um die »Islamische Republik« Iran, wo Frauen wegen eines Seitensprungs zu Tode gesteinigt werden können, keinem Gericht vorstehen dürfen, einem rigiden Kopftuchzwang zu folgen haben und das Einverständnis ihres Mannes benötigen, um außerhalb ihrer Wohnung zu arbeiten? Um Syrien, wo das Regime Vergewaltigungen und andere Formen sexualisierter Gewalt gegen Frauen als Kriegsstrategie einsetzt? Um China, wo es Zwangsabtreibungen und -sterilisationen gegen Frauen gibt? Oder um eines jener zahlreichen Länder, in denen »Ehrenmorde«, Frauenhandel, Zwangsprostitution und die gesamte Palette der Vorenthaltung politischer, individueller und sozialer Rechte für Frauen an der Tagesordnung, also »normal« sind?

Nein, dieser Staat, der als einziger von der »United Nations Commission on the Status of Women« in einer Resolution explizit verurteilt wurde, ist – allen Ernstes – Israel. »Die israelische Besatzung«, so heißt es in der Resolution, »bleibt das Haupthindernis für palästinensische Frauen, was ihre Fortschritte, ihre Eigenständigkeit und ihre Integration in die Entwicklung ihrer Gesellschaft betrifft«. Ron Prosor, der Botschafter des Staates Israel bei den Vereinten Nationen, konnte angesichts dessen nur den Kopf schütteln: »Wenn es noch eines Beweises bedurft haben sollte, dass die Uno gegenüber Israel voreingenommen ist, dann haben wir ihn heute bekommen«, sagte er. »Von den 193 UN-Mitgliedsstaaten schlachten Dutzende unschuldige Zivilisten ab und haben Gesetze verabschiedet, mit denen Frauen an den Rand der jeweiligen Gesellschaft gedrängt werden. Aber sie alle bekommen hier einen Persilschein.«

Auch die Menschenrechtsaktivistin Anne Bayefsky war fassungslos, dass die Uno den jüdischen Staat einmal mehr an den UN-Pranger stellte und ihn für die missliche Situation palästinensischer Frauen verantwortlich machte – »und nicht palästinensische Männer. Nicht religiöse Erlasse und Traditionen. Nicht eine Kultur der Gewalt.« Man weise die Schuld an einem Missstand wie dem, dass nur 17 Prozent der palästinensischen Frauen zur Erwerbsbevölkerung gehören, aber 70 Prozent der palästinensischen Männer, dem »jüdischen Sündenbock zu«. Doch das sei kein Wunder, wenn man bedenke, dass auch der Iran zu den Kommissionsmitgliedern gehöre und der Sudan sogar den stellvertretenden Vorsitz der Kommission innehabe.

Die Resolution, auf Anregung der Palästinenser und von Südafrika in die Versammlung der UN-Frauenrechtskommission eingebracht, wurde mit 27 Ja-Stimmen angenommen. Nur zwei Kommissionsmitglieder votierten mit Nein, nämlich die USA und Israel selbst. Außerdem gab es 13 Enthaltungen – darunter die Mitglieder der Europäischen Union. In diesen Breitengraden findet man es also zumindest nicht völlig abwegig, in Israel die Nummer eins unter den Frauenrechtsverletzern auf dem Globus zu sehen. Dabei könnte es offensichtlicher nicht sein, dass das vollkommen abwegiger Unsinn ist, der nur durchgeknallten Antisemiten einfallen kann. Dass ein solcher Beschluss trotzdem – oder gerade deswegen – verabschiedet werden kann, spricht einmal mehr Bände in Bezug auf das unendliche Thema »Die Uno und der jüdische Staat«.

Zuerst veröffentlicht auf Fisch + Fleisch.

Zum Foto: Jahrestagung der UN-Frauenrechtskommission, New York, März 2015.


Einsortiert unter:Politik Tagged: Antisemitismus, Frauenrechte, Israel, Uno

23-03-2015„Eigentlich wissen es alle.“ (Ja, Panik) oder: Das… March 21, 2015 | 09:48 am



23-03-2015„Eigentlich wissen es alle.“ (Ja, Panik) oder: Das Unbehagen beim Kritischen Konsum

breathing regulation March 20, 2015 | 01:49 am

Avaaz : Safe zone for Syrians, now! March 19, 2015 | 12:39 pm

The Syrian air force just dropped chlorine gas bombs on children. Their little bodies gasped for air on hospital stretchers as medics held back tears, and watched as they suffocated to death.

But today there is a chance to stop these barrel bomb murders with a targeted No Fly Zone.

The US, Turkey, UK, France and others are right now seriously considering a safe zone in Northern Syria. Advisers close to President Obama support it, but he is worried he won’t have public support. That’s where we come in.

Let’s tell him we don’t want a world that just watches as a dictator drops chemical weapons on families in the night. We want action.

One humanitarian worker said ‘I wish the world could see what I have seen with my eyes. It breaks your heart forever.’ Let’s show that the world cares — sign to support a life-saving No Fly Zone.

Nein, diese Israelis! March 18, 2015 | 05:08 pm

Benjamin Netanjahu

Die Israelis haben ein neues Parlament gewählt. Und sie haben es doch tatsächlich gewagt, sich an der Urne nicht so zu verhalten, wie die deutschen Medien es gerne gehabt hätten. »Bloß nicht wieder Netanjahu«, hatte ihnen beispielsweise Spiegel Online vor der Wahl zugerufen, was weniger ein Wunsch als vielmehr eine Belehrung war. Und was tun die frechen Israelis? Widersetzen sich einfach! Trotzen allen Prognosen! Verweigern den Gehorsam! Dabei ist es mit dem jüdischen Staat doch so: Er darf schon irgendwie existieren, da ist man wirklich großzügig und tolerant. Aber er soll sich nicht wehren, wenn er angegriffen wird. Er soll denjenigen, die ihn am liebsten von der Landkarte tilgen würden, so schnell wie möglich einen eigenen Staat geben. Und seine Bürger sollen auf dem Wahlzettel gefälligst keine Parteien ankreuzen, die – eine Nummer kleiner hat man es einfach nicht – der »Todesstoß für den Friedensprozess zwischen Israel und den Palästinensern« wären, wie die taz es exemplarisch formuliert hat.

Halten sich die israelischen Wähler nicht an diese ungebetenen Ratschläge, ist der deutsche Blätterwald stinksauer. Wenn Benjamin Netanjahu – der aller Voraussicht nach Premierminister des Landes bleiben wird – halte, was er verspreche, mache das »einen palästinensischen Staat unmöglich«, zürnt etwa Zeit Online. Und schickt gleich eine als Forderung getarnte Warnung hinterher: »Das darf die internationale Staatengemeinschaft Netanjahu nicht mehr durchgehen lassen.« Denn die »völkerrechtswidrige Besatzung der Palästinensergebiete« müsse »ein Ende haben«, und das gehe »nur mit Druck von außen«. Netanjahu habe »allein auf Angst gesetzt – auf die Angst vor der iranischen Bombe, vor den Islamisten und vor einem künftigen Palästinenserstaat«, findet die Süddeutsche Zeitung. Sein Wahlerfolg sei deshalb ein »Sieg der Panik«, glaubt man bei Spiegel Online.

Vielleicht hatten die Israelis aber einfach ziemlich gute Gründe, nicht auf die in deutschen Redaktionsstuben verfassten Empfehlungen zu hören. Der vollständige Abzug aus dem Gazastreifen im Jahr 2005 hat ihnen weder Sicherheit noch Frieden, sondern vielmehr einen permanenten Raketenhagel seitens der Hamas sowie diverse Kriege eingebracht. Die palästinensische Führung hat sämtliche Friedenspläne abgelehnt, darunter die äußerst weitgehenden von Ehud Barak (2000/2001) und Ehud Olmert (2008). Inzwischen betreibt Mahmud Abbas, der längst über keinerlei demokratische Legitimation mehr verfügt, die Anerkennung eines Staates Palästina an Israel vorbei in der Uno und internationalen Gremien – ein klarer Bruch der Osloer Abkommen. Die antisemitische Hisbollah im Libanon, der grauenvolle Bürgerkrieg in Syrien, der Vormarsch des IS und die Bedrohung durch das iranische Atomprogramm tun ein Übriges, um die »Angst«, über die man in Deutschland den Kopf schüttelt, jedenfalls nicht abwegig erscheinen zu lassen.

Mag schon sein, dass Netanjahus voraussichtliche Wiederwahl die internationale Isolation Israels – die man in deutschen Medien weniger befürchtet als vielmehr für eine gerechte Strafe hält – verstärkt. Nur ist das mitnichten automatisch ein richtiges Argument gegen die israelische Außenpolitik – sondern ein Zeichen dafür, dass der jüdische Staat in einer existenziellen Situation allein gelassen wird. Worüber sollte er auch mit denjenigen verhandeln, die ihm den Garaus machen wollen? Über die Modalitäten des eigenen Untergangs? Und weshalb sollte er ausgerechnet auf die Warnungen aus Europa hören, wo man – wie sich in Toulouse, Brüssel, Paris, Kopenhagen und andernorts zuletzt wieder einmal gezeigt hat – nicht einmal die eigene jüdische Bevölkerung zu schützen imstande ist?

Abschließend noch ein Wort an die »Apartheid«-Schreihälse unter den »Israelkritikern«: Nirgendwo im Nahen Osten haben Araber mehr demokratische Rechte als in Israel. Das arabische Listenbündnis ist nun sogar die drittstärkste Kraft in der Knesset, dem israelischen Parlament. Wäre in irgendeinem arabischen – oder in einem zukünftigen palästinensischen – Staat eine jüdische Partei auch nur denkbar? Ganz gewiss nicht.

Zuerst veröffentlicht auf Fisch + Fleisch.


Einsortiert unter:Politik Tagged: Benjamin Netanjahu, Israel, Wahlen

Familienverhältnisse March 18, 2015 | 04:05 pm

1.) Liebe, Autonomie und Arbeitsteilung – Zur politischen Ökonomie der Paarbeziehung

Am 04. März 2015 hat Sarah Speck (u.a. Hg. von Kitchen Politics) in der Translib Leipzig einen Vortrag über geschlechtliche Arbeitsteilung in heterosexuellen Paarbeziehungen gehalten. Grundlage ihres Vortrags war eine Studie, die sie gemeinsam mit Cornelia Koppetsch und Alice Jockel an der TU Darmstadt durchgeführt hat. In dieser Studie wurden Paare befragt, in denen der Mann einer atypischen Beschäftigung nachgeht oder erwerbslos ist und die Frau das Haupteinkommen bezieht. In der Befragung wurde dann ein Fokus auf die gemeinsame Ökonomie und auf Fragen der Reproduktion gelegt. Im Vortrag stellt sie drei Fallbeispiele aus drei verschiedenen Milieus vor: dem klassischen Arbeitermilieu, dem wertkonservativen Milieu und dem akademisch/urbanenen Kreativ-Milieu. Dabei wird deutlich, dass individualisierte Paare aus dem „großstädtischen Selbstverwirklichungsmilieu“ den ökonomischen Charakter gemeinsamen Haushaltens wesentlich mehr verschleiern und dadurch klassische Rollenverteilungen reproduzieren, als dies bspw. im wertkonservativen Milieu der Fall ist. Diese Verschleierung findet paradoxer Weise mit Hilfe einer Vorstellung von Geschlechtergleichheit statt.

Möchte man die Stabilität der Geschlechterverhältnisse verstehen, so genügt es nicht, auf Ehegattensplitting und Gender Pay Gap zu fokussieren. Ein detaillierter Blick ins ‚Private‘ und den Alltag heterosexueller Paare offenbart, dass zentrale Gründe für die Aufrechterhaltung der Geschlechterordnung woanders liegen – in latenten Männlichkeits- und Weiblichkeitsnormen, aber auch in gegenwärtigen Idealen, etwa der Vorstellung von Geschlechteregalität selbst und in der Reproduktion von Klassenverhältnissen. Der Vortrag möchte den Zusammenhang von Ökonomie und Geschlecht, der derzeit vielerorts erneut diskutiert wird, durch eine spezifische Perspektive auf die Ökonomien und Aushandlungsprozesse des Alltags lenken und stellt die altbekannte Frage neu: Was ist aus feministischer Perspektive zu tun? [via]

    Download: via AArchiv (mp3; 43.2 MB; 47:14 min)
    Hören: bei Youtube

2.) Über Familie, Kinder und die radikale Linke

Im Rahmen der Reihe „Die Untüchtigen“ haben Feline Nowak und Doris Liebscher (Phase 2) am 12.10.2014 im Hamburger Golem einen Vortrag über historische, rechtliche und geschlechterspezifische Aspekte der Familie gehalten. Zu Beginn hat Doris Liebscher eine historische Bestimmung der Familie als Norm gegeben, wobei sie einen Fokus auf rechtliche Bestimmungen und damit verbundene Probleme gelegt hat. Ausgehend von der Feststellung, dass die Familie als Norm gegenwärtig bröckelt, ist Feline Nowak dann der Frage nachgegangen, wieso dennoch eine Rekonstituierung der traditionelen Familiennorm festgestellt werden kann. Insbesondere legt sie einen Fokus auf das Kinderkriegen, das die Beziehung der Eltern zum Staat in der Regel intensiviert, und problematisiert den Umgang mit Elternschaft und damit verbundenen Rollenmustern innerhalb linker Zusammenhänge. Liebscher geht dann auf Familienmodelle ein, die nicht der Norm entsprechen und zeigt auf, welche rechtlichen Probleme solche Familien haben. Zum Schluss ziehen sie ein Fazit und stellen einige Forderungen auf, die m.E. recht reformistisch bleiben. Dies ist dann auch Gegenstand der Diskussion: in mehreren Redebeiträgen wird die Fixierung auf rechtliche Regelungen kritisiert.

Familie gilt als der kleinste Zusammenschluss, in dem sich Gesellschaft reproduziert und die jeden und jede nachhaltig formt. Diese Einheit hat sich historisch enorm verändert. Bürgerliche Familienstrukturen haben die letzte Generation womöglich mehr geprägt, als die gegenwärtige. Doch die vorsichtige Liberalisierung des Konzeptes Familie kann nur schwer darüber hinwegtäuschen, dass es nach wie vor zutiefst ideologisch durchtränkt ist.

Die Familie, im Sinne einer auf Blutsverwandtschaft beruhenden Verbindung mehrerer Generationen, ist in der bürgerlich-kapitalistischen Gesellschaft seit der Wende vom 18. zum 19. Jahrhundert durch zwei Momente charakterisiert: Als Mini-Enklave stellt sie einerseits einen Raum dar, in dem zwischenmenschliche Beziehungen anders realisiert sind, als die übrigen, durch kapitalistische Denkweisen geordneten Verbindungen. Als solche kann sie den Einzelnen als Schutzraum dienen, in dem – zumindest dem Ideal nach – Beziehungen mehr als irgendwo sonst von Liebe und Verbindlichkeit geprägt sind. Andererseits war die Familie immer auch eine, wenn nicht autoritär, so zumindest hierarchisch strukturierte Gemeinschaft im Kleinen, die die Voraussetzungen dafür schuf, eben das zu reproduzieren, wovor sie zu schützen vorgab. Es ist eine zentrale Aufgabe der Familie, die Reproduktion der Individuen nach den Erfordernissen gesellschaftlicher Bedingungen zu garantieren. Aus dieser Perspektive erfüllt die traditionell verstandene Familie eine zutiefst ambivalente Funktion.

Wer die traditionelle geschlechtliche Ordnung, die die Familie vorzugeben vermag, nicht annehmen möchte, wer als Eltern Betreuung und Fürsorge eines Kindes wie auch individuelle Freiheit zu gleichen Teilen wahrnehmen oder auch nur sein Kind jenseits von geschlechtlichen Stereotypen großziehen möchte, der/die wird sich unangenehm mit dem Einbruch der gesellschaftlichen Realität in der ehemals als von dieser relativ unabhängig betrachteten Privatsphäre konfrontiert sehen.

In einem ersten Teil der Veranstaltung wird Feline Nowak darstellen, warum mit der Geburt das private Leben noch offensichtlicher zum Feld politischer Auseinandersetzungen wird und sich politische Prämissen wie die Gleichheit zwischen den Geschlechtern und die Selbstbestimmungsfreiheit des Individuums nun noch schwerer umsetzen lassen. Das heißt aber auch, dass neben aller notwendigen Gesellschaftskritik eine Beschäftigung mit Familie gleichfalls eine individuelle Perspektive und die dort vorhandenen Handlungsspielräume erfassen sollte. Im zweiten Teil der Veranstaltung wird Doris Liebscher sich mit dem Familienkonzept im bürgerlichen Recht auseinandersetzen und aufzeigen, wie vor allem Mehrelternschaft, Transelternschaft und soziale Wahlverwandtschaft sowohl das traditionelle Familienverständnis wie auch das Recht gleichermaßen herausfordern. In Bezug auf die Übernahme von Sorgeverantwortung, die Weitergabe von Kapital oder die Inanspruchnahme staatlicher Unterstützung sind die Familienpolitik und Familienrechtssprechung weiterhin am traditionellen Familienkonzept orientiert, denn das deutsche Familienrecht stellt unmissverständlich die Abstammung über alles andere. Um die sozialen, politischen und rechtlichen Einschränkungen, die mit dem aktuellen Familienmodell einhergehen, zu überwinden, werden an diesem Abend von den Referentinnen auch emanzipative Familienmodelle wie die Freundschaftsfamilien und soziale Elternschaften diskutiert. [via]

    Download: via AArchiv (mp3; 104.9 MB; 1:54:14 h)
    Hören: bei Soundcloud

Tags: , , , , , , , , , , , , , , , , , , , ,

sie rennt, die Stunde March 17, 2015 | 07:54 pm

“Die Menschen sind arme Wesen”, sagte er.
Luce nach einem Augenblick:
“Wir, wie ruhig wir sind! – Die anderen, die haben Fieber. Der Krieg. Die Fabriken. Man hastet. Arbeiten, leben, genießen…”
“Ja”, sagte Pierre. “Die Stunde ist kurz.”
“Ein Grund mehr nicht zu rennen!” sagte Luce. “Man ist bald am Ende. Wandern wir in kleinen Schritten.”
“Aber sie rennt, die Stunde”, sagte Pierre. “Halten wir sie gut fest.”
“Ich halte sie fest, ich halte sie fest”, sagte Luce, ihm die Hand haltend.

Romain Rolland: Pierre und Luce. 2. Auflage 1961. S. 95


Einsortiert unter:lesenswert, normal vs. strange, philosophie Tagged: erster weltkrieg, pierre und luce, romain rolland

Im Gedenken an Helepçe March 17, 2015 | 02:41 am


Wie der „Islamische Staat“ den Eziden die Entscheidung aufzwang: Konversion zum Islam oder Tod und Versklavung, sprach das Baʿth-Regime in den dunklen Tagen der Militäroperation „al-Anfal (1986-89), benannt nach der Koransure: „Die Beute“, ein letztes Ultimatum an die „Abtrünnigen“ in Irakisch-Kurdistan aus. Entweder fügen sie sich der irakischen Nation, mit der Konsequenz einer Zwangskasernierung unter der totalitären Kontrolle des baʿthistischen Militärs, oder sie würden aus der irakischen Nation herausfallen und als Deserteure gelten.

Der 16. März 1988 ‏steht wie kein anderes Datum für die genozidale Aggression des Baʿth-Regimes. 3.200 Tote konnten namentlich identifiziert werden; weitere unzählige Menschen starben in den Folgejahren an den Nachwirkungen der Gasattacke auf Helepçe. Die baʿthistische Todesschwadrone hatte Sarin, Tabun – Produkte aus den Laboratorien der deutschen I.G. Farben in den 1930ern – und andere Gase über die Frontstadt der irakisch-iranischen Menschenschlacht abgeworfen. Über einen süßlichen Apfelgeruch, der über der ganzen Stadt lag, berichteten die Überlebenden.

Etwa 50.000 „Abtrünnige“ wurden infolge von „al-Anfal“ hingerichtet, unzählige Weitere verschleppt. „Al-Anfal“ war keine Aufstandsbekämpfung, die an der eigenen Brutalität erblindete, sie wurde vom Baʿth-Regime als Überlebensschlacht der „arabischen Nation“ gegen die realen und halluzinierten „Abtrünnigen“ inszeniert. In der genozidalen Ermächtigung trieb das Baʿth-Regime, das sich andauernd als Objekt einer Verschwörung wähnte, die „nationale Erniedrigung“ aus. Während der achtjährigen Menschenschlacht mit dem Iran der Ayatollahs beschwor das Baʿth-Regime die irakisch-iranische Front als die „heilige arabische Ostflanke gegen die Zionisten“ (während Ayatollah Khomeini, der zumindest die geografischen Gegebenheiten hinter sich wusste, propagierte, der Pfad nach al-Quds führe über Baghdad).

Das Regime der Baʿthisten fundierte auf einer systematischen Produktion der Angst, die erzeugt wurde, um jede Illoyalität und Dissidenz niederzudrücken. So praktizierte es Amputationen und Brandmarkungen von „Kriminellen“ als Drohung an alle anderen. Im Jahr 1994 veröffentliche das Regime eine mit der 109 nummerierte Anordnung, welcher zufolge Diebe und Deserteure ein X auf die Stirn eingebrannt werden sollte. In der mit der 117 nummerierten Anordnung wurden Ärzten, die an einer kosmetischen Korrektur eines vom Regime Verstümmelten teilhaben, mit Abtrennung der Hände gedroht.

Der „Islamische Staat“ ist kein Alien im Irak, Daʿesh ist die konsequente Kontinuation der baʿthistischen Despotie, die sich dem panarabistischen Schleier entledigt hat. Der “Islamische Staat” sprießt weniger aus der Generosität etwa katarischer Islamisten oder dem strategischen Kalkül eines Erdoğans – auch wenn vor allem letzteres die Karriere von Daʿesh beträchtlich anschob - als aus der Saat, die die baʿthistische Despotie im Irak säte. Saddam Hussein nahm 1991 die „al-Anfal-Kampagne“ wieder auf. Nun gegen die als „Abkommen afrikanischer Sklaven“ aus der „arabischen Nation“ exkommunizierten Angehörigen der Shiah. Funktionäre und Profiteure des Baʿth-Apparates rekrutierten sich mit wenigen Ausnahmen aus den sunnitisch-arabischen Clans. Die Angehörigen der Shiah darbten in Elend, in welchem die illegale Kaderpartei Daʿwa eine „Islamische Revolution“ als Erlösung verhieß. Auf die Zugehörigkeit zur Daʿwa stand ab Ende der 1970er der Tod. Während die Söhne schiitischer Familien zu Tausenden als Frontvieh abkommandiert wurden und im wahrsten Sinne sich dem baʿthistischen Regime gegenüber als loyal bis in den Tod verhielten, kam es im schiitischen Hinterland des Iraks wieder und wieder zu Hinrichtungswellen an vermeintlichen „Abtrünnigen“ und „Kollaborateuren“. Die Menschen wurden aufgerieben zwischen der gnadenlosen Gewalt der Baʿth-Despotie und der Instrumentalisierung der Schiiten durch den khomeinistischen Iran. Nach dem US-amerikanischen „regime change“ im Jahr 2003 und der erzwungenen Entbaʿthisierung der Apparate änderten sich die Konstellationen: Nahezu ungehindert von den US-Amerikanern schnürte sich der Zugriff des Irans auf die irakische Shiah, die größte Konfession im Irak, vollends zu. Iranhörige Todesschwadronen infiltrierten den Polizeiapparat und terrorisierten die verbliebenen Sunniten in Baghdad und anderswo. Im „Irakischen Widerstand“ gegen diesen Machtverlust verschmolzen Baʿthisten mit al-Qaida zum „Islamischen Staat im Irak“.

Wer vom genozidalen “Islamischen Staat” spricht, sollte also von der Despotie der Baʿthisten und Khomeinisten nicht schweigen. Der Irak sowie Syrien - mit Ausnahme Kurdistan - ist weitflächig aufgeteilt zwischen Da'ish und der khomeinistischen Despotie und dem von ihr gehaltenen Assad-Regime. Wo heute die Todesschwadronen der Shiah einmarschieren, fürchten Sunniten um ihr Leben wie anderswo Christen und Eziden. Der pseudokritische Blick auf den “Islamischen Staat” sieht hiervon ab. Wo keine Kritik weder der islamistischen noch panarabischen Kontrarevolution erbracht werden kann, wird höchstens noch gegen die geldheckenden Kataris und die Familie al-Saud gestänkert, denen weniger ihre bösartige Ideologie - inklusive die von Europa geduldeten Hinrichtungen und Auspeitschungen von Apostaten - nachgetragen wird als ihren Zugriff auf Kapital. An den baʿthistischen Despotien Iraks (bis 2003) und Syriens sowie dem Iran der Ayatollahs fasziniert so einigen die antiwestliche Rhetorik der Schlächter. Dies gilt für antiimperialistische Ideologen als auch für deutsche Krämerseelen. Anton Eyerle, ein bayrischer Industrieller, etwa hatte in den 1980ern für seine irakischen Abnehmer einen sehr eigenartigen Service: Aus Volksempfängern, die den mobilen toxikologischen Labors mitgeliefert worden sind, dröhnte die Agitation Adolf Hitlers. Der inzwischen verstorbene Eyerle, der in Saddam Hussein einen würdigen Verbündeten gegen Juden und andere Kosmopoliten ersah, war einer jener deutschen Industriellen, die dem Baʿth-Regime die praktikabelste Variante des Mordens garantierte. Südlich von Samarra begann der Irak zu Beginn der 1980er in einer 160 Quadratkilometergroßen Sperrzone Pestizide zum „Schutz der Dattelernte“ zu produzieren. Deutsche Ingenieure tüftelten auch daran, tödliche Nervengase seriell auf Raketenköpfe zu konfektionieren. Wer als Antifaschist sich in einem solchen Ameisenvolk aus Produkivbestien wiederfindet, sollte von dem Finanzkapital zunächst schweigen (mehr sei zum Blockupy-Spetakel nicht gesagt). Nicht nur die apfelsüße Geruchsspur von Helepçe führt in deutsche Ingenieurbüros, auch an der libyschen und syrischen C-Kampagne waren deutsche Firmen beteiligt. Womöglich mordete Saddam Hussein 1988 in Helepçe, Assad 2013 in Ghouta und der “Islamische Staat” in diesem Moment in Kurdistan mit Gasen, die mit deutschem Know-how produziert worden sind. 

Solidaritätsdemonstration in Helepçe mit den Nervengas-Opfern im syrischen Ghouta (Aug. 2013, Bild: Jiyan Foundation)

Presseerklärung zum Halabja Tag March 16, 2015 | 05:08 pm

pe_Halabja_Ghouta-1

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die ganze Presserklärung lesen

Frag die Hamas! March 15, 2015 | 01:42 pm

Ein Kind wird auf einer Kundgebung anlässlich des 25. Jahrestages der Gründung der Hamas für die Propaganda der Gotteskriegerpartei missbraucht. Gaza-Stadt, 8. Dezember 2012.

Das hatte sich die Hamas so schön vorgestellt: Um zu zeigen, dass sie »keine Terrororganisation, sondern eine nationalistische Befreiungsbewegung ist«, wie ihr Medienkoordinator Taher al-Nounou auf seiner Facebook-Seite schrieb, hatte die palästinensische Gotteskriegerpartei angekündigt, auf Twitter fünf Tage lang Fragen zu beantworten, die unter dem Hashtag #AskHamas (»Frag die Hamas«) gestellt werden. Diese Imagekampagne sollte sich an ein europäisches Publikum richten, und dies nicht zufällig zu einem Zeitpunkt, da die Entscheidung darüber naht, ob die Hamas auf der EU-Liste der terroristischen Vereinigungen bleibt oder endgültig von ihr gestrichen wird. Für ihre Online-Fragestunden richtete die Organisation einen eigenen, englischsprachigen Twitter-Account (@HamasInfoEn) ein, über den führende Funktionäre Rede und Antwort stehen wollten.

Beginnen sollte die Aktion offiziell am vergangenen Freitag. Doch der Hashtag #AskHamas wurde schon vorher verwendet, und zwar vieltausendfach – nämlich von Hamas-Gegnern. Die nahmen die Kampagne zum Anlass, die Terrorbande sowohl mit scharfer Kritik als auch mit beißendem Spott einzudecken und sie immer wieder an ihre Verbrechen zu erinnern. »Warum habt ihr 2002 in Netanya bei einer Seder-Feier zu Pessach 30 Zivilisten ermordet, darunter 20 über 70-jährige?«, fragte beispielsweise der amerikanische Journalist Jeffrey Goldberg. »Wann findet dieses Jahr die Schwulen- und Lesben-Parade in Gaza statt?«, schrieb der Twitterer »JayRooTheDee«. »Welche islamistische Organisation bietet die beste Krankenversicherung für Angehörige?«, wollte »I Support Israel« wissen. Und so ging es munter weiter:

Wie fühlt man sich damit, seine Führer in einem extravaganten Hotel in Doha zu verstecken, während in Gaza der Krieg tobt? — Lahav Harkov (@LahavHarkov)

Wann werdet ihr Wahlen abhalten und aufhören, eure politischen Gegner zu verfolgen? — John Sargeant (@JPSargeant78)

Bitte ordnet nach Bedeutung: 1. Gesundheitswesen, 2. Wohnungsbau, 3. Sozialleistungen, 4. Sieg über die Fatah, 5. Tunnel zum Töten von Juden. — Elder of Ziyon (@elderofziyon)

Wenn ihr eine Widerstandsbewegung für Palästinenser seid, warum tötet ihr dann so viele Palästinenser? — Silem (@psSilem)

Glaubt ihr immer noch, dass die Rotary-Clubs im Geheimen von den Juden kontrolliert werden? — Jeffrey Goldberg (@JeffreyGoldberg)

Als ihr im vergangenen Sommer Raketen auf Jerusalem geschossen habt, habt ihr da auch versucht, den Felsendom zu treffen? — NGO Monitor (ngomonitor)

Warum habt ihr am 9. März 2002 im Café Moment meine Freundinnen Orit Ozarov und Livnat Dvash sowie neun weitere unschuldige Israelis ermordet? — Marco Sermoneta (@MarcoCSermoneta)

Gehörte es zu eurem Plan für die ›Befreiung Palästinas‹, diesen 13-jährigen arabisch-muslimischen Israeli mit einer Rakete zu treffen? — StandWithUs (@StandWithUs)

Wenn im Wald ein Baum umfällt und niemand ihn fallen hören hat, ist es dann immer noch Israels Schuld? — Robert Joffe (@RobertJoffe)

Importiert ihr eigentlich die Israel-Flaggen, die ihr verbrennt? Oder näht ihr die selbst? — Elder of Ziyon (@elderofziyon)

Als dann Huda Naim, eine Funktionärin der Hamas, den Propaganda-Account übernahm, um als Erste Fragen im Sinne der Islamistenpartei zu beantworten, war die Kampagne #AskHamas längst von den Kritikern der Vereinigung gekapert. Über 120.000 Tweets mit diesem Hashtag gibt es inzwischen, die deutliche Mehrheit davon ist gegen die Hamas gerichtet. Für die antisemitische Terrororganisation ist das ein Social-Media-Desaster ersten Ranges, auch wenn sie die Aktion nun fortsetzt. »Die Kampagne scheint eine sehr schlechte Idee zu sein«, spottete der Journalist Yair Rosenberg dann auch. »Ob derjenige, der sie vorgeschlagen hat, wohl ein Spion des Mossad ist? Ich mein’ ja nur.«

Zuerst veröffentlicht auf Fisch + Fleisch.

Zum Foto: Ein Kind wird auf einer Kundgebung anlässlich des 25. Jahrestages der Gründung der Hamas für die Propaganda der Gotteskriegerpartei missbraucht. Gaza-Stadt, 8. Dezember 2012.


Einsortiert unter:Politik Tagged: Antisemitismus, Hamas, Israel, Palästinenser, Twitter

Mythos der Moderne – ein Kafka-Rückblick March 15, 2015 | 07:50 am

Kafkas Verwandlung habe ich irgendwann in der Schule zum ersten und einzigen Mal gelesen. Nun nehme ich sie mir zum zweiten Mal vor und stelle fest: ich kenne noch jedes Handlungselement, viele zentrale Sätze, die gesamte Erzählung. Das kann nicht von der ersten Lektüre herrühren, vergleiche ichs mit anderen prägenden Leseerfahrungen, die ähnlich lange her […]

Lukács-Jahrbuch 2014/2015 erschienen! March 14, 2015 | 08:26 pm

Nicht selten nehmen sich die Publikationen aus Clubs und Gesellschaften, die bestimmten Personen des öffentlichen und intellektuellen Lebens gewidmet sind, wie muffige Huldigungsschriften aus. Über den grünen Klee werden die Bedachten gelobt und jeder Satz und Halbsatz mit einer philologischen Aufmerksamkeit bedacht, als seien die Worte direkt vom Berg Sinai auf die Erde gelangt.

Erfreulicherweise macht das Jahrbuch der Internationalen Georg-Lukács-Gesellschaft davon eine Ausnahme. Statt sich zu beengen auf die (doch umfangreichen Schriften) Lukács’, werden hier auch seine bzw. damit korrellierende Themen aufgegriffen. Im diesjährigen Lukács-Jahrbuch finden sich ein backer’s dozen an Artikeln, die von literatur‑ und philosophiegeschichtlichen Arbeiten (was stand bei Lukács im Regal von Adorno, was hat Adorno von Lukács gelesen), über rezeptionsgeschichtliche Beiträge, hin zu aktuellen gesellschaftlichen, ästhetischen und philosophischen Problemstellungen und Reflexionen.

Diese werden auch mithilfe von durch Lukács geprägter Kategorien aufgegriffen, gedreht, analysiert und weitergesponnen. Hinzuweisen ist auf die bemerkenswerten Beiträge von Timothy Hall, Dirk Braunstein und Simon Duckheim und Veith Selk, sowie die abgedruckten Beiträge der Konferenz »Literatur und Utopie« an der Universität Łódź aus dem Jahr 2012. Neben dem Beitrag von Mitglied der »Budapester Schule« Mihály Vajda liegen jetzt auch die Beiträge von Konstantinos Kavoulakos, Konstanze Schwarzwald, Rüdiger Dannemann und Frank Engster, vor. Da beide, Literatur und Utopie, in Gefahr und durch den Zeitgeist sichtlich angefressen sind, ist es umso wichtiger, beide im emanzipatorischen Sinne zu reklamieren.

Verbreitung sollte auch der von Rüdiger Dannemann, Ágnes Heller und Axel Honneth gezeichnete Aufruf zur Mitarbeit an einem Lukács-Wörterbuch finden. Dies ist wirklich überfällig. Das Lukács-Jahrbuch ist zur Lektüre empfohlen, weil es interessant und anregend ist, internationale Größen der an Lukács und Marx und kritischer Theorie orientierter AutorInnen versammelt – und weil es unterhält!

Lukács 2014/2015, Jahrbuch der Internationalen Lukács-Gesellschaft, 14./15. Jahrgang, Herausgegeben von Rüdiger Dannemann, 86 S., kart., 34,80 €, bestellbar über den Aisthesis Verlag

flattr this!

Protest in Aleppo March 14, 2015 | 06:45 pm

In Aleppo, der zweitgrößten Stadt Syriens, wird des Ausbruches der Aufstände gegen das Assad Regime vor vier Jahren gedacht. Ein Bild, das über die Lage in Syrien mehr sagt als tausend Worte:

The diversity of Kurdish women’s perspectives of female genital mutilation March 14, 2015 | 01:28 am

Findings from a recent study done in Iraqi-Kurdistan about FGM:

With the recent advocacy and awareness campaigns in the region many people have become more aware of the health concerns related to FGM. However, rejecting a practice that is deeply embedded in the roots of the society cannot be simply achieved by recognizing its harms. The women with this viewpoint were very well educated, were originally from urban areas and were from the middle to high socioeconomic class.

The consensus perspective, “marital role”, centers primarily on lack of effect of FGM on women’s marital role and maturity. In several societies where FGM is practiced, a girl can’t be considered an adult/women until she has FGM and hence a girl cannot marry without going through FGM. However, this notion does not seem to be an important reason for performing FGM in IKR.

In fact, some important efforts have been made to fight FMG in IKR. The reports of high prevalence of FGM in 2007 resulted in launching the campaign of “Stop FGM in Kurdistan” by a number of civil society organizations and women’s rights groups to abandon this practice. Such effort resulted in passing the Domestic Violence Bill in June 2011, which includes several provisions criminalizing FGM in IKR.

The regional government established a supreme council for women’s affairs to oversee and coordinate activities and a special police directorate responsible to combat all types of gender-based violence including FGM. Many civil society organizations are working with communities and religious leaders to reduce the practice of FGM.

Finally, I hope that the findings of our study and other similar studies can add to these efforts through providing more insight into this problem and helping in guiding the efforts to fight FGM in IKR.

Objektiv ungerecht behandelt und trotzdem freundlich March 13, 2015 | 10:25 pm