Audio: Alles Verschwörung oder was? May 23, 2016 | 06:17 pm

Über die grundlegende Dynamik von Verschwörungstheorien

Finn Blumberg im Gespräch mit Campusradio Jena

Die immer komplexer werdende Welt wird durch Verschwörungstheorien in einfachen Erklärungen dargestellt. Hinter den Geschehnissen auf der Welt werden Institutionen, Personen oder vereinzelt Staaten vermutet, die sie im Geheimen lenken.

Vortragsangebote von Finn Blumberg gibt es HIER

23-05-2016Zur Überwachung von Erwerbslosen im Kapitalismus – aus… May 22, 2016 | 11:30 pm



23-05-2016
Zur Überwachung von Erwerbslosen im Kapitalismus - aus historischer und heutiger Sicht

Die negative Universität May 21, 2016 | 04:36 pm

Primo Moroni und Nanni Balestrini berichten in ihrem Buch „Die Goldene Horde – Arbeiterautonomie, Jugendrevolte und bewaffneter Kampf in Italien“ von den Auseinandersetzungen an der Universität Trient in den Jahren 1965-67. In diesem Abschnitt zitieren sie Auszüge aus dem Manifest für eine negative Universität von 1967:

Universität und Gesellschaft

Heute stellt sich die Universität strukturell als eine Organisation dar, deren Funktion es ist, die unterschiedlichsten technischen Bedürfnisse der Gesellschaft zu befriedigen. Die Universität stellt die auf den neuesten Stand gebrachten (technischen) Instrumente zur Verfügung, um die Organisation der Herrschaft einer Klasse über die anderen Klassen weiter auszubauen. Der so ausgebaute, potenzierte technologische Apparat kann endlich an die Stelle des »Terrors« in der Bändigung der zentrifugalen gesellschaftlichen Kräfte treten und gibt der Klasse, die über ihn verfügt, eine immense Überlegenheit über den Rest der Gesellschaft.

Die Universität als Herrschaftsinstrument

Die Universität ist ein Klasseninstrument. Auf ideologischer Ebene hat sie die Aufgabe, eine bestimmte Ideologie zu produzieren und zu vermitteln – jene der herrschenden Klasse – die sich aber als objektive Wissenschaft präsentiert und Verhaltensweisen – bestimmte Verhaltensweisen – jene der herrschenden Klasse, die sie aber als notwendig und universell darstellt.

Universität und Unterdrückung

Manchmal aber genügen die technischen Instrumente nicht, um den Status quo aufrechtzuerhalten. Das ist dann der Fall, wenn nicht-integrierte Gruppen das ruhige, manipulierte politische Universum stören. In den Universitäten wird den Studenten das Recht verweigert, sich zu grundsätzlichen (oder weniger wichtigen) Problemen der nationalen und internationalen Politik zu äußern … UNTERDRÜCKUNG UND GEWALT bilden in unserer Gesellschaft ein zusammenhängendes Geflecht. Aber wir stellen die Hypothese auf, daß es noch eine konkrete Möglichkeit gibt, dieses reife kapitalistische System durch neue Formen des inneren und äußeren (nationalen und internationalen) Klassenkampfes radikal umzustülpen. Wir propagieren die Idee einer NEGATIVEN UNIVERSITÄT, die innerhalb der offiziellen Universität, aber in Widerspruch zu ihr, die Notwendigkeit eines theoretischen, kritischen und dialektischen Denkens begründet. Ein Denken, welches das, was die Marktschreier Vernunft nennen, entlarvt und so die Voraussetzungen für eine politisch kreative, antagonistische und alternative Arbeit schafft.

Politischer Protest

… Nur der Umsturz des Staates wird eine reale Umstrukturierung des Bildungssystems möglich machen … Der Student muß daher – über seinen aktuellen Status hinaus – in einer langfristigen Perspektive an der Herausbildung (Stimulierung) einer revolutionären Bewegung der unteren Klassen arbeiten, die sich eine dem neuen Kampftypus angemessene organisatorische Form gibt. Wir haben die Negative Universität als den Ort bestimmt, der Politik und die kritische Analyse der Anwendung wissenschaftlicher Instrumente integriert, Instrumente, wie sie sonst von der Schicht der intellektuellen der herrschenden Klasse an unserer Universität propagiert werden.
Einem kapitalistischen Gebrauch der Wissenschaften muß man einen sozialistischen Gebrauch der entwickelsten Techniken und Methoden gegenüberstellen.

Formen des ideologischen Protests

Der ideologische Protest drückt sich in unterschiedlichen Formen aus:

    a) Gegenvorlesungen und weiße Besetzungen. Die Gegenvorlesungen finden in der Regel zur selben Zeit statt wie die offiziellen Vorlesungen, sie behaneln den universitären Lehrstoff und versuchen, wenn es für opportun gehalten wird, den offiziellen Vorlesungen die gesamte Zuhörerschaft zu entziehen …
    b) Gegenseminare: organischere Formen des Protests mit weniger unmittelbaren und spektakulären Zielen; sie bestehen in einer bewußteren und gründlicheren politischen Sozialisation der bereits sensibilisierten Studenten.

Gewerkschaftlicher Protest

Schließlich möchten wir anmerken …, daß unser Interesse für die Studentenbewegung keinesfalls ihre Überbewertung einschließt. Unserer Meinung nach kann die Studentenschaft in keiner Weise als eine »Klasse« angesehen werden, deren Interessen objektiv und potentiell dem herrschenden ökonomisch-sozialen System gegenüber antagonistisch sind … Wir sehen deshalb die Universität zwar als ein Kampfzentrum an, aber es ist nicht das einzige und nicht das wesentlichste; die Universität sollte aber auch nicht unterbewertet werden, da in ihr die vom Kapital programmierte Nivellierung Gestalt annimmt …
Eine Art, sich gegen diese Nivellierung zu wehren, ist der Versuch, mit den von uns herausgefundenen Instrumenten potentiellen antagonistische Kräfte (ANTI-PROFESSIONSITEN) entgegen ihrer technokratischen Karriere zu uns herüberzuziehen, um sie, nicht nur vorübergehend, an die Seite anderer antagonistischer Kräfte in unserer Gesellschaft zu stellen. Aus diesem Grund verfolgen wir das Projekt einer NEGATIVEN UNIVERSITÄT, die an den italienischen Universitäten in neuer Form jene revolutionäre Tendenz ausdrückt, die allein unsere Gesellschaft von der Vorgeschichte zur GESCHICHTE führen kann.

Das Manifest markiert den Punkt, an dem die Studenten in einer Phase der Prosperität, in der der Kapitalismus auf nationaler Momente zentraler Planung in sich aufnimmt, damit beginnen, ihre eigene Funktion im Gesamt(re)produktionsprozess zu verweigern. Im darauffolgenden Jahr wird sich die Tendenz der studentischen Kämpfe zunehmend gegen die Universität richten. Wem liegt eine vollständige Übersetzung des Manifests vor? Von Interesse wäre außerdem der Text „Gegen die Universität“, der 1968 in den „Quaderni Piacentini“ erschienen ist.

Editorial: Wo ist Gandhis Brille jetzt? May 19, 2016 | 02:31 pm

Als Meera Shankar, die damalige Botschafterin der Republik Indien in Deutschland, anlässlich eines deutsch-indischen Wirtschaftstreffens im Jahr 2008 die Saalestadt besuchte, hatte sie nicht nur eine Bücherspende für die hallische Universität im Diplomatenkoffer, sondern auch eine Bronzebüste des indischen Volksheiligen Mohandas Gandhi. Aufgestellt wurde sie in Anwesenheit der damaligen Oberbürgermeisterin Dagmar Szabados und des zu […]

Das tothe Thier May 19, 2016 | 02:25 pm

Nach zehn Ausgaben stellt AG No Tears For Krauts die Zeitschrift Das Grosse Thier hiermit ein und gesteht: Es war alles nur ein grosser Witts.   Wer hätte gedacht, dass einer der größten Gags der an Witzen so reichen ostzonalen Antifa-Geschichte der letzten Jahre gleich zweimal funktioniert. Vielleicht erinnert sich noch jemand: Vor vier Jahren […]

Der große Witz May 19, 2016 | 02:24 pm

Im Internet sorgt seit einiger Zeit eine Erklärung der Gruppe No Tears for Krauts Halle für Diskussionen, dass die Zeitschrift Das grosse Thier eigentlich von ihr herausgegeben wurde, um das Publikum hinters Licht zu führen. Wir sprachen mit einem Vertreter der Gruppe.   Seit einiger Zeit kursiert im Internet die Erklärung, dass die Zeitschrift Das […]

My Home is my Castle. Burg Giebichenstein: Hundert Jahre konformistische Rebellion May 19, 2016 | 02:23 pm

Anlässlich des hundertjährigen Jubiläums der hallischen Kunsthochschule Burg Giebichenstein im vergangenen Jahr fragt Hannes Junker, was es mit deren Selbstinszenierung als Produktionsstätte für unbequeme Querdenker auf sich hat. Der Text ist die leicht überarbeitete Fassung eines Vortrages, den der Autor im Sommer 2015 auf Einladung der AG Antifa im Stura gehalten hat.   Das Phänomen […]

»Wir wissen, dass es schmerzhaft ist.« Deutsche Wiedergutwerdungsexporteure entdecken den Genozid an den Armeniern. May 19, 2016 | 02:22 pm

Die erste und bislang einzige armenische Gemeinde Ostdeutschlands wurde in Halle gegründet. Vor sechs Jahren weihte sie den ersten armenisch-orthodoxen Kirchenbau Deutschlands ein. Es ist daher nicht verwunderlich, dass in Halle am 24. April 2015 auch ein Gedenkstein für die Opfer des Genozids an den Armeniern errichtet wurde. Der Einweihung des Steins wohnten der hallische […]

Deutschland im Flüchtlingswahn May 19, 2016 | 02:21 pm

Vor dem Hintergrund der sogenannten Flüchtlingskrise veranstaltete die AG Antifa am 10. November 2015 eine öffentliche Diskussionsveranstaltung mit dem Titel „Deutschland im Flüchtlingswahn“. Obwohl zwischen dem Erscheinen dieser Zeitung und besagter Veranstaltung nur ca. vier Monate liegen, wurde ein Teil der Dinge, die man auf dem Podium diskutierte, bereits von der Zeit überholt. Wir haben […]

Was heißt Antifaschismus heute? Teil 2 May 19, 2016 | 02:20 pm

Das fragte die AG Antifa anlässlich ihres 20. Bestehens. Wir dokumentieren den zweiten und letzten Teil der auf der Jubiläumsveranstaltung gehaltenen Redebeiträge. Frau L. Das was ich euch heute erzähle, sind meine Eindrücke und Erfahrungen aus meinem ewigen Leben als Hausprojektler, exzessivem Plenagänger, mitten im Sumpf feststeckendem und doch immer noch nicht desillusioniertem Optimisten. Ob […]

Aufstand der Zornis (Frank Kucharsky) May 19, 2016 | 02:19 pm

Neuerdings kennt jeder diverse Ortsnamen aus Sachsen und Sachsen-Anhalt. Von Freital, Tröglitz, Meerane oder gar Einsiedel hatten die allermeisten Bundesbürger bis vor kurzem noch nichts gehört, geschweige denn gewusst, wo diese Käffer liegen. Durch fremdenfeindliche Demonstrationen, Straßenschlachten und Brandanschläge auf Häuser, in denen Flüchtlinge untergebracht werden sollten, sind diese und ähnliche Orte nun nahezu täglich […]

Kellerentrümpelung als Willkommenskultur (Harald J. Finke) May 19, 2016 | 02:18 pm

Als Candan Six-Sasmaz an einem Bahnhof im Ruhrpott aus dem Zug steigt, schallt ihr Applaus entgegen. Auf dem Bahnsteig steht ein großes Willkommenskomitee mit »Refugees Welcome«-Transparenten. Irritiert stellt die Journalistin fest, dass die Rufe und der Applaus ihr gelten. Nach der ersten Verwunderung bemerkt sie die Verwechselung. Dass sie nicht auf der Flucht ist, sondern […]

Sich um Inhalte herum organisieren May 19, 2016 | 09:54 am

Herr Feeper, der hier und da seine Spuren hinterlässt, hat einen Kommentar für die März-Ausgabe des Transmitter™ geschrieben. Hier zum Nachlesen:

Der Grund, ein freies Radio – wie etwa FSK oder Radio Corax – zu betreiben, liegt in dem Bedürfnis nach Verständigung. Auch wenn solche Projekte meist nicht auf einem ausgearbeiteten, einheitlichen Programm basieren, geht es doch um mehr als um bloße Berichterstattung. Es geht um eine grundlegende Kritik der Gesellschaft, es geht darum, zu artikulieren, nicht akzeptieren zu können, dass es bleibt wie es ist, es geht um die Artikulation einer Feindschaft gegenüber den herrschenden Institutionen, um die Entfaltung subversiver Tätigkeiten, um die Wiederaneignung des eigenen Lebens. Das sind große Ansprüche. Und viele, die heute an solchen Ansprüchen festhalten, fühlen sich allein und marginalisiert. Man sieht sich in seinem Bedürfnis nach Veränderung mit einer Übermacht der Verhältnisse konfrontiert und in linksradikalen Kreisen herrscht eine allgemeine Ratlosigkeit darüber, wie und wo man heute praktisch ansetzen könnte. Wenn man die eigene Marginalisierung feststellt, liegt es nahe, darüber zu diskutieren, wie sich die Marginalisierten zusammenschließen können, wie sie sich besser organisieren können. Ein Beispiel eines größeren Organisierungsversuchs ist etwa das kommunistische Um’s-Ganze-Bündnis, das bundesweit mittlerweile 11 linksradikale Gruppen zusammenschließt. Ein weiteres Beispiel ist die Interventionistische Linke. Die Motivation, sich in solchen Bündnissen zusammenzuschließen, liegt in der Hoffnung, so einen Weg zu finden, um nicht mehr nur vereinzelt herzumzuwurschteln, die Fähigkeiten der Beteiligten zusammenwirken zu lassen und so auch überregional handlungsfähig zu werden. Allerdings stellt sich für mich die Frage, ob mit der Quantität der in einer Gruppe oder in einem Bündnis organisierten Personen automatisch eine größere Handlungsfähigkeit oder Wirksamkeit verbunden ist. Mir scheint es oftmals so zu sein, dass ein größerer Organisierungsrahmen die Fähigkeiten und Potentiale der beteiligten Individuen eher absorbiert, als sie zu potenzieren. Ich habe es oft erlebt, dass der Aufruf eines Bündnisses inhaltlich unbestimmt und leidenschaftslos blieb, obwohl ich wusste, dass einzelne beteiligte Personen zum betreffenden Gegenstand viel klugere und treffendere Dinge zu sagen gewusst hätten. Der Zwang, eine gemeinsame Bündnis-Position finden zu müssen, führt so mitunter zu einer inhaltlichen Verwässerung. Überhaupt scheint es mir so zu sein, dass der Zusammenschluss in einem Bündnis die Gefahr in sich birgt, sich vor allem auf die eigene Darstellung nach außen und die Beschäftigung mit sich selbst konzentrieren. So verringert sich aber die Aufmerksamkeitsspanne und man droht in Schematismus zu verfallen. So fällt meines Erachtens etwa das Um’s-Ganze-Bündnis nicht durch bestechende Analysen und gelungene praktische Coups auf, sondern vor allem durch bestimmte Schlagwörter und ein gewisses Auftreten auf Demonstrationen.

Mein Misstrauen gegenüber Polit-Bündnissen soll dabei nicht falsch verstanden werden. Ich möchte nicht die Vereinzelung hochleben lassen und sehe selbst eine Notwendigkeit darin, sich zusammenzutun und sich auszutauschen. Nur glaube ich nicht, dass die große Veränderung damit beginnt, eine große Organisation zu schaffen. Die Marginalisierung ist nicht durch einen Sprung zu überwinden – wer glaubt, dass eine Organisation oder ein Bündnis die Sache reißen könnte, hängt einem gewissen Voluntarismus oder einem Erlösungsglauben an. Die Organisation wird uns ins gelobte Land führen. Eine qualitative Veränderung der Gesellschaft hängt aber weniger davon ab, wie groß die Bündnisse sind, in denen sich ihre Gegner zusammenschließen, sondern eher davon, wie sich der Bodensatz der Gesellschaft entwickelt – welche Risse darin aufbrechen, welche Konflikte sich daraus ergeben und welche Möglichkeitsräume sich aus der Überkommenheit ihrer politischen Formen ergeben. Die marginalisierten radikalen Kräfte müssen ihre Aufmerksamkeit auf diese Dinge lenken. Veränderungsmöglichkeiten entstehen oftmals nicht dort, wo man sie erwartet – sie entstehen aber sicherlich nicht in den Kreisen linker Polit-Profis. Um die Aufmerksamkeit für solche Möglichkeiten zu schärfen und sich daran zu üben, sie zu ergreifen, ist es sicherlich notwendig, sich auch überregional auszutauschen und informelle Verbindungen zu schaffen. Um ein Gespür für die untergründigen Entwicklungen und Verschiebungen der Gesellschaft zu entwickeln, müssen diese Netzwerke aber verzweigter sein und an randständigere Orte reichen, als dies in der Trägheit und vereindeutigenden Kraft eines Bündnisses möglich wäre, in denen man doch immer nur die gleichen Leute trifft. Wenn die Organisation wichtiger ist, als das, was mann konkret in den Blick nimmt, wird sie in dem Moment im Weg stehen, in dem es notwendig wird, eine schnelle Entscheidung zu fällen. Deshalb ist es m.E. eher notwendig, sich erst einmal zeitlich befristet um bestimmte Interessen und Vorhaben herum zu organisieren und zu schauen, wie von dort aus weiter gegangen werden kann. Oder wie es Johannes Agnoli einmal formulierte:

Gerade in dieser desolaten Situation muß man vielleicht doch den Mut haben, nicht nach Organisationsformen zu suchen, sondern sich gewissermaßen um Inhalte herum organisieren. Ich kann mir denken, daß in der heutigen Situation lose miteinander verbundene, aber inhaltlich wirklich geklärte und vernunftbegabte Kollektive den ersten Schritt darstellen. Nicht etwa in den alten Fehler verfallen: zuerst schaffen wir ein Zentralkomitee, die Massen werden dann kommen. Offensichtlich ist das der falsche Weg. Es ist viel wichtiger, an der Basis zu arbeiten und kleine, in sich konsistente Gruppierungen zu schaffen. Wie sie dann zueinander in Verbindung kommen, das hängt zum Teil auch von der gesellschaftlichen Entwicklung ab. Ich bin da keineswegs Pessimist. Die Wissenschaft beweist, daß es zu keiner Revolution mehr kommen wird. Und ich sage eben: die Menschheit ist viel flexibler, als es die Wissenschaft manchmal glaubt. Auf einmal ist eine Explosion da. Und wenn eine Explosion da ist, so ist die Möglichkeit dieser Kollektive, miteinander in Verbindung zu treten und tatsächlich etwas gemeinsam zu schaffen, durchaus gegeben.

Sicherlich muss man im Moment eher Angst vor den vorhandenen Explosivkräften haben, wie man an den täglichen Nachrichten über Angriffe auf Asylunterkünfte ablesen kann. Aus diesem Grund erhält der Zusammenschluss antifaschistischer Zusammenhänge eine größere Notwendigkeit. Meinem Eindruck nach können aber große überregionale Bündnisse, wie Um’s Ganze, kaum einspringen, wenn es um die Reaktion auf lokale Vorkommnisse geht. Ob das große Antifa-Bündnis-Treffen in Frankfurt angemessen auf das Nazi-Problem in Chemnitz reagieren kann oder ob regionale, dezentrale Vernetzungen – die sich wohl oftmals andere Gedanken machen (müssen), ob sie nach außen nun wahlweise als antideutsch oder antionational wahrgenommen werden – hier wesentlich effektiver agieren können, wird sich praktisch herausstellen. Bis dahin sollten wir uns über diverse Ansätze und verschiedene Erfahrungen austauschen. Freie Radios könnten eine Plattform für einen solchen Austausch sein.

■ Literaturhinweis: Mikrostrategischer Versuch (enthalten in: Gift. Zeitschrift für Linke mit Problemen, No.2)

Wie antisemitisch ist die AfD-München-Ost? May 17, 2016 | 02:33 pm

Das „Netz gegen Nazis“ hat sich mit der Frage beschäftigt: „Wie antisemitisch ist die AfD?“ In der gelungenen Zusammenfassung wird auch der inzwischen berüchtigte Kreisverband München-Ost erwähnt.

Vortrag der AfD-München-Ost 2016 – ein Zacken zu viel: Stuktureller Davidstern, passend zum strukturellen Antisemitismus der AfD.

Anfang 2016 hielt Iris Wassill, die erste stellvertretende Vorsitzende vom Kreisverband München–Ost, einen Vortrag mit dem Titel: „Machteliten am Beispiel George Soros“. Ihre Hauptfeinde im Vortrag waren Soros, Rothschild und Rockefeller und andere im vermeintlich geheimen agierende „Superreiche“. Auch Wassill scheint – wie andere Parteikollegen – zutiefst in einem verschwörungsideologischen Weltbild mit vielen Bezugspunkten zum Antisemitismus verhaftet zu sein.

Sie vermeidet es im Vortrag zwar tunlichst, überhaupt das Wort Jude oder jüdisch in den Mund zu nehmen, dennoch sind ihre verwendeten Assoziationen häufig, zumindest strukturell, antisemitisch. Fast im Minutentakt tauchen in ihrem Vortrag Ressentiments und Verschwörungsphantasien auf, die Wassill auf „die Superreichen“ allgemein oder Soros, Rothschild oder Rockefeller direkt anwendet: Sie, die Superreichen, seien häufig staatenlos, agierten im Verborgenen, ihr Namen und Gesichter seien zumeist nicht bekannt, sie manipulierten die Presse, sie sind die wahren Strippenzieher der weltweiten Politik, zetteln Revolutionen an usw.. All diese Bilder und Assoziationen sind jahrhundertalte antisemitische Ressentiments.

Auch die aktuell in Sozialen Netzwerken stark verbreitete antisemitische Verschwörungsphantasie, „die Juden“ würden hinter den aktuellen Flüchtlingsbewegungen nach Europa stecken, findet sich in leicht abgewandelter Form in ihrem Vortrag, direkt auf Soros gemünzt. Die Referentin stellt in den Raum, ob Soros nicht maßgeblich hinter den aktuellen Flüchtlingsbewegungen nach Europa steckt. Am Ende empfiehlt sie allen, die wissen wollen, wer hinter dem 2. Weltkrieg „gesteckt ist“ ein Buch aus dem Grabert-Verlag, also einem der ältesten und bedeutendsten rechtsextremen Verlage in Deutschland.

Weiterführendes:
Zum Artikel des Netzes gegen Nazis
Zum Vortrag

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Helfersyndrom und Sadismus May 16, 2016 | 02:16 pm

Helfersyndrom und Sadismus liegen nahe beieinander. Der Drang, Menschen zu pflegen, zu verarzten oder zu unterrichten, speist sich oft aus denselben Allmachtsphantasien wie das Bedürfnis, jemandem Leid zuzufügen. Im Zentrum steht der psychische Mehrwert, den das Wissen abwirft, zum Herrn über Leben und Tod, Krankheit oder Genesung oder den zukünftigen Lebensweg des Schützlings zu werden. […]

Wahnwichtelrekrutierung im Klassenzimmer May 16, 2016 | 02:15 pm

Als hätten Schüler angesichts von Life Kinetik und Co. nicht schon genug zu ertragen (vgl. Scheitern als Lehrplan in dieser Ausgabe), wird ihnen nun auch noch die »Bildungsarbeit und Medienkompetenzvermittlung« des Vereins Mohio aufgenötigt. Auf dessen Internetseite kann man lesen, dass das Wort Mohio aus der Sprache der Maori, einem indigenen Völkchen aus Neuseeland, kommt […]

Scheitern als Lehrplan May 16, 2016 | 02:14 pm

Jeder Leser, der bisher glaubte, Lehrer seien affirmative Wichtigtuer und Dummschwätzer, darf gut und gerne an seiner Meinung festhalten. Die Annahme, erwachsene Menschen lassen alles über sich ergehen und hinterfragen nichts, kann am Beispiel einer aktuellen Fortbildung für den Lehrer bestätigt werden. Ein Blick in den Fortbildungskatalog Sachsen-Anhalts zeigt, dass Lehrer durchaus die freie Wahl […]

Hausgemachtes Elend May 16, 2016 | 02:13 pm

In einem beliebten hallischen Naherholungsgebiet liegt das Peißnitzhaus, das in seiner wenig aufregenden Vergangenheit sowohl Hitlerjugend als auch Jungpioniere beherbergte. Seit einigen Jahren versucht eine Initiative, das marode Anwesen zu sanieren. Für das nötige Kleingeld setzt der Peißnitzhaus e.V. unter anderem auf einen Biergarten. Dort wird vor allem versucht, deutsche Ideologie an den Mann zu […]

Stahlinismus sells! May 16, 2016 | 02:12 pm

Das Brachland zwischen Thüringer Rostbratwurst und sächsischer Willkommenskultur mit einem Innenminister, dessen Name Programm ist, entdeckt erneut seine Liebe zur Neuen Deutschen Härte. Nicht nur wegen Holger Stahlknechts Abschiebemethoden für Flüchtlinge, deren Anwesenheit keine kulturelle Bereicherung für Sachsen Anhalt darstellt (siehe Bonjour Tristesse #19), sondern insbesondere durch deutsche Identitätsmusik, die unter dem Sammelbegriff »Neue Deutsche […]

Ein unerwarteter Fingerzeig May 16, 2016 | 02:11 pm

Seit dem 2013 begangenen 350. Geburtstag des in Halle weltberühmten August Hermann Francke, der Ende des 17. Jahrhunderts mit den Franckeschen Stiftungen eine pietistische Arbeits- und Erziehungsanstalt ins Leben rief, vergeht kaum ein Monat, in dem nicht vom Anstaltsgründer und dessen Lebenswerk die Rede ist. (Vgl. Bonjour Tristesse # 9) Seit die Stiftungen 1998 auf […]